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Full text: Berliner Leben Issue 17.1914

heute auf die nach Osten anschliessenden Armeen bis 
nach Verdun heran ausgedehnt. An einigen Stellen 
des ausgedehnten Kampffeldes waren bisher Teilerfolge 
der deutschen Waffen zu verzeichnen. Im übrigen 
steht die Schlacht noch. — Auf dem östlichen Kriegs 
schauplatz ordnet sich die Armee von Hindenburg nach 
abgeschlossener Verfolgung. 
16. September. Die Lage auf dem westlichen Kriegs- 
sshauplatz ist seit gestern unverändert. An einzelnen 
Stellen der Schlachtfront sind Angriffe französischer 
Truppen in der Nacht vom 15. zum 16. und im Laufe 
des 16. zurückgewiesen. Einzelne Gegenangriffe der 
Deutschen waren erfolgreich. — Für den erkrankten 
Generaloberst von Hausen ist General der Kavallerie 
von Einem zum Armeeführer ernannt. Für diesen 
wurde General der Infanterie von Claer Kommandierender 
General des VII. Armeekorps. General der Artillerie 
von Schubert, bisher Kommandierender General des 
XIV. Reservekorps, wurde zu anderweitiger Verwendung 
bestimmt. Für ihn wurde der Generalquartiermeister 
von Stein zum Kommandierenden General des XIV. 
Reservekorps ernannt. Für den verwundeten General 
der Infanterie Graf Kirchbach wurde General der 
Infanterie von Eben Kommandierender General des 
X. Reserve korps. 
17. September. In der Schlacht zwischen Oise und Maas 
ist die endgültige Entscheidung immer noch nicht 
gefallen, aber gewisse Anzeichen deuten darauf hin, 
dass die Widerstandskraft des Gegners zu erlahmen 
beginnt. Ein mit grosser Bravour unternommener 
französischer Durchbruchsversuch auf dem äussersten 
rechten deutschen Flügel brach ohne besondere 
Anstrengung unserer Truppen schliesslich in sich selbst 
zusammen. Die Mitte der deutschen Armee gewinnt 
langsam, aber sicher Boden. Auf dem rechten Maas 
ufer versuchte Ausfälle aus Verdun wurden mit 
Leichtigkeit zurückgewiesen. — Das französische 13. 
und 4. Armeekorps und Teile einer weiteren Division 
sind südlich Noyon entscheidend geschlagen und 
haben mehrere Batterien verloren. Feindliche Angriffe 
gegen verschiedene Stellen der Schlachtfront sind 
blutig zusammengebrochen. Ebenso ist ein Vorgehen 
französischer Alpenjäger am Vogesenkamm Breuschtal 
zurückgewiesen. Bei Erstürmung des Chateau Brimont 
bei Reims sind 2500 Gefangene gemacht worden. Auch 
sonst wurden in offener Feldschlacht Gefangene und 
Geschütze erbeutet, deren Zahl noch nicht zu über 
sehen ist. — Das Ostheer setzt seine Operationen im 
Gouvernement Suwalki fort. Teile gehen auf die 
Festung Ossowiez vor. 
19. September. Die Lage im Westen ist im allgemeinen 
unverändert. Auf der ganzen Schlachtfront ist das 
englisch-französische Heer in die Verteidigung ge 
drängt. Der Angriff gegen die starken, zum Teil in 
mehreren Linien hintereinander befestigten Stellungen 
kann nur langsam vorwärts gehen. Die Durchführung 
des Angriffs gegen die Sperrfortslinien südlich Verdun 
ist vorbereitet. Im Eisass stehen unsere Truppen 
längs der Grenze französischen Kräften dicht gegen 
über. — Im Osten ist am 17. September die vierte 
fmnländische Schützenbrigade bei Augustow geschlagen. 
Beim Vorgehen gegen Ossowiez wurden Grajewo und 
Szczuczyn nach kurzem Kampf genommen. 
20. September. Im Angriff gegen das französisch 
englische Heer sind an einzelnen Stellen Fortschritte 
gemacht. Reims liegt in der Kampffront der Fran 
zosen. Gezwungen, das Feuer zu erwidern, beklagen 
wir, dass die Stadt dadurch Schaden nimmt. An 
weisung zur möglichsten Schonung der Kathedrale ist 
gegeben. In den mittleren Vogesen sind Angriffe 
französischer Truppen am Donon, bei Senones und 
bei Saales abgewiesen. — S. M. Kreuzer „Königsberg“ 
näherte sich heute früh 5 Uhr Sansibar und machte ein 
britisches Wachlboot durch drei Schüsse kampfunfähig. 
Dann eröffnete die „Königsberg“ ein wohlgezieltes Feuer 
auf den englischen Kreuzer „Pegasus“. Die eine Breitseite 
des „Pegasus“ wurde in 15 Minuten zum Schweigen ge 
bracht. Nach einer Kampfpause von fünf Minuten eröffnete 
die „Königsberg“ von neuem das Feuer, das eine Viertel 
stunde währte. „Pegasus“ war nicht in der Lage das 
Feuer zu erwidern. Das Schiff, das mehrere Treffer in 
der Wasserlinie erhalten hatte, ist vollständig unbrauch 
bar gemacht. — Die englische Admiralität gibt bekannt: 
Der deutsche Kreuzer „Emden“ von der China-Station, 
der sechs Wochen lang ganz aus dem Gesichtskreis 
verschwunden war, erschien am 10. September plötzlich 
im Golf von Bengalen, nahm sechs Schiffe, versenkte 
fünf davon und sandte das sechste mit den Bemannungen 
nach Kalkutta. 
21. September. Bei den Kämpfen um Reims wurden die 
festungsartigen Höhen von Craonelle erobert und im 
Vorgehen gegen das brennende Reims der Ort Betheny 
genommen. Der Angriff gegen die Sperrfortlinie südlich 
Verdun überschritt siegreich den Ostrand der vor 
gelagerten, vom französischen 8. Armeekorps verteidigten 
Cote lorraine. Ein Ausfall aus der Nordostfront von 
Verdun wurde zurückgewiesen. Nördlich Toul wurden 
französische Truppen im Biwack durch Artilleriefeuer 
überrascht. Im übrigen fanden heute auf dem franzö 
sischen Kriegsschauplatz keine grösseren Kämpfe statt. 
In Belgien und im Osten ist die Lage unverändert. 
22. September. Das unter dem Kommando des Kapitän- 
leulnant Otto Weddigen stehende Unterseeboot „U 9“ 
schoss in der Nordsee, zwanzig Seemeilen nordwestlich 
von Hoek van Holland, die englischen Panzerkreuzer 
„Aboukir“, „Hogue“ und „Cressy“ in den Grund. Die 
drei in Grund geschossenen Schiffe sind aus dem 
Jahre 1900 stammende grosse Kreuzer von je 12 200 
Tonnen Wasserverdrängung, die eine Bestückung von je 
zwei 23,4, zwölf 15 und zwölf 7,6 cm-Geschützen, 
Maschinen von 21 000 Pferdestärken aufwiesen und eine 
Besatzung von je 755 Mann hatten. 
23. September. Auf dem rechten Flügel des deutschen 
Westheeres jenseits der Oise steht der Kampf. Um 
fassungsversuche der Franzosen haben keinerlei Erfolg 
gehabt. Ostwärts bis an den Argonnenwald fanden 
heute keine grösseren Kämpfe statt. Oestlich der 
Argonnen ist Varenne im Laufe des Tages genommen, 
der Angriff schreitet weiter fort. Die gegen die Speer 
forts südlich Verdun angreifenden Armeeteile haben 
heftige aus Verdun, über die Maas und aus Toul 
erfolgte Gegenangriffe siegreich abgeschlagen, Gefangene, 
Maschinengewehre und Geschütze erbeutet. Das P'euer 
der schweren Artillerie gegen die Speerforts Troyon, 
les Paroches, Camp des Romains und Lionville ist mit 
sichtbarem Erfolge eröffnet worden. In Französisch- 
Lothringen und an der elsässischen Grenze wurden 
die französischen Vorlruppen an einzelnen Stellen 
zurückgedrängt. Eine wirkliche Entscheidung ist noch 
nirgends gefallen. 
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