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Full text: Berliner Leben Issue 17.1914

10. September. Die östlich Paris in der Verfolgung an 
und über die Marne vorgedrungenen Heeresleile sind 
aus Paris und zwischen Meaux und Monlmirail von 
überlegenen Kräften angegriffen. Sie haben in schweren 
zweitägigen Kämpfen den Gegner aufgehalten und selbst 
Fortschritte gemacht. Als der Anmarsch neuer feind 
licher Kolonnen gemeldet wurde, ist ihr Flügel zurück 
genommen worden. Der Feind folgte an keiner Stelle. 
Als Siegesbeute dieser Kämpfe sind bisher fünfzig 
Geschütze und einige tausend Gefangene gemeldet. In 
Lothringen und in den Vogesen ist die Lage unver 
ändert. — Der deutsche Kronprinz hat mit seiner Armee 
die befestigte feindliche Stellung südwestlich Verdun 
genommen. Teile der Armee greifen die südlich Verdun 
liegenden Sperrforts an. Die Forts werden seit gestern 
durch schwere Artillerie beschossen. ■— Generaloberst 
von Hindenburg hat mit dem Ostheer den linken Flügel 
der noch in Ostpreussen befindlichen russischen Armee 
geschlagen und sich dadurch den Zugang in den Rücken 
des Feindes geöffnet. Der Feind hat den Kampf auf 
gegeben und befindet sich in vollem Rückzuge. Das 
Ostheer verfolgt in nordöstlicher Richtung gegen den 
Njeraen. 
11. September. Das 22. russische Armeekorps hat ver 
sucht, über Lyck in den Kampf in Ostpreussen ein 
zugreifen. Es ist bei Lyck geschlagen worden. — Die 
Schlacht bei Lemberg dauert an. Der österreichische 
Angriff gewinnt allmählich an Raum. — Teile der 
serbischen Armee brechen in Syrmien ein, die Abwehr 
ist eingeleitet. — Bis heule sind in Deutschland rund 
220000 Kriegsgefangene untergebracht. Davon sind 
Franzosen 1680 Offiziere, 86700 Mann, Russen 1830 
Offiziere, 91400 Mann, Belgier 440 Offiziere, 30200 
Mann, Engländer 160 Offiziere, 7350 Mann; unter den 
Offizieren zwei französische Generale, unter den Russen 
zwei kommandierende Generale und dreizehn andere 
Generale, unter den Belgiern der Kommandant von 
Lüttich. Die bei Maubeuge gefangenen 40000 Mann 
und ein grosser Teil der in Ostpreussen in der Schlacht 
bei Tannenberg kriegsgefangenen Russen befindet sich 
noch im Transport zu den Gefangenenlagern, sodass 
die Gesamtzahl der von uns gemachten Gefangenen 
bereits ca. 300000 beträgt. 
12. September. Die Armee des Generalobersten von 
Hindenburg hat die russische Armee in Ostpreussen 
nach mehrtägigem Kampf vollständig geschlagen. Der 
Rückzug der Russen ist zur Flucht geworden. General 
oberst von Hindenburg hat in der Verfolgung bereits 
die Grenze überschritten und meldete bisher über 
10000 unverwundete Gefangene, etwa achtzig Geschütze. 
Ausserdem Maschinengewehre, Flugzeuge, Fahrzeuge 
aller Art erbeutet. Die Kriegsbeute steigert sich fort 
gesetzt. —■ Aus Antwerpen unternehmen drei belgische 
Divisionen einen Ausfall, der zurückgeworfen wurde. 
13. September. In Ostpreussen ist die Lage hervorragend 
gut. Die russische Armee flieht in voller Auflösung. 
phot. E. üicbcr, Berlin. 
General der Kavallerie von Einem 
wurde anstelle des erkrankten Generalobersten von Hausen 
zum Armeeführer ernannt. 
Bisher hat sie mindestens 150 Geschütze und 20—30000 
unverwundete Gefangene verloren. — Auf dem westlichen 
Kriegsschauplatz haben die Operationen zu einer neuen 
Schlacht geführt, die für uns günstig steht. — Die in 
Syrmien eingebrochenen Serben sind auf der ganzen 
Linie über die Save zurückgedrängt worden. — ln der 
Schlacht bei Lemberg gelang es den an und südlich 
der Grodeker Chaussee angesetzlen österreichischen 
Streitkräften den Feind nach fünftägigem harten Ringen 
zurückzuwerfen, an zehntausend Gefangene zu machen 
und zahlreiche Geschütze zu erbeuten. Dieser Erfolg 
konnte jedoch nicht voll ausgenutzt werden, da der 
Nordflügel bei Rawaruska von grosser Uebermacht 
bedroht ist und überdies neue russische Kräfte sowohl 
gegen die Armee Dankl als auch in dem Raume 
zwischen dieser Armee und dem Schlachtfeld von 
Lemberg vordrangen. Angesichts der sehr bedeutenden 
Ueberlegenheit des Feindes war es geboten, die schon 
seit drei Wochen fast unterbrochen heldenmütig 
kämpfenden österreichischen Armeen in einem guten 
Abschnitt zu versammeln und für weitere Operationen 
bereitzustellen. — S. M. kleiner Kreuzer „Heia“ wird 
durch den Torpedoschuss eines feindlichen Untersee 
bootes zum Sinken gebracht. Fast die gesamte Besatzung 
wurde gerettet. — 
14. September. Im Westen finden am rechten Heeres 
flügel schwere, bisher unentschiedene Kämpfe statt. Ein 
von den Franzosen versuchter Durchbruch wurde 
siegreich zurückgeschlagen. Sonst ist an keiner Stelle 
eine Entscheidung gefallen. — Im Osten schreitet die 
Vernichtung der russischen ersten Armee fort. Die 
eigenen Verluste sind verhältnismässig gering. Die 
Armee von Hindenburg ist mit starken Kräften bereits 
jenseits der Grenze. Das Gouvernement Suwalki wurde 
unter deutsche Verwaltung gestellt. — General von 
Hindenburg sendet dem Kaiser über die zweite grosse 
Schlacht in Ostpreussen, die mit vollständiger Vertreibung 
der Russen aus Ostpreussen endete, folgenden Bericht: 
„Die Wilnaer Armee — II., 111., IV., XX. Armee 
korps, 3. und 4. Reservedivision, fünf Kavallerie 
divisionen — ist durch die Schlacht an den Masurischen 
Seen und die sich daran anschliessende Verfolgung 
, o o 
vollständig geschlagen. Die Grodnoer Reservearmee — 
XXII. Armeekorps, Rest des VI. Armeekorps, Teile 
des III. sibirischen Armeekorps —■ haben in be 
sonderem Gefecht bei Lyck schwer gelitten. Der 
Feind hat starke Verluste an Toten und Verwundeten. 
Die Zahl der Gefangenen steigert sich, die Kriegs 
beute ist ausserordentlich. Bei der Frontbreite der 
Armee über hundert Kilometer, den ungeheuren 
Marschleistungen von zum Teil 150 Kilometern in 
vier Tagen, bei den sich auf dieser ganzen Front 
und Tiefe abspielenden Kämpfen kann ich den 
vollen Umfang noch nicht melden. Einige unserer 
Verbände sind scharf ins Gefecht gekommen, die 
Verluste sind aber doch nur gering. Die Armee 
war siegreich auf der ganzen Linie gegen einen 
hartnäckig kämpfenden, aber schliesslich fliehenden 
Feind. Die Armee ist stolz darauf, dass ein 
kaiserlicher Prinz in ihren Reihen gekämpft und 
geblutet hat.“ tt- i i 
& gez. Hindenburg. 
15. September. Der auf dem rechten Flügel des West 
heeres seit zwei Tagen stattfindende Kampf hat sich
        
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