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Full text: Berliner Leben Issue 17.1914

Bayern und des Generalobersten von Heeringen stehen 
aoch in torigesetztem Kampfe in Französisch-Lothringen. 
— Die noch im nördlichen Ostpreussen stehenden 
russischen Truppen haben den Rückzug angetreten. — 
Die französische Feste Givet ist gefallen. Bei der 
Wegnahme dieses hoch in Felsen gelegenen Sperrforts 
haben sich ebenso wie im Kampfe um Namur die von 
Oesterreich zugesandten schweren Motorbatterien durch 
Beweglichkeit, Treffsicherheit und Wirkung vortrefflich 
bewährt; sie haben uns ausgezeichnete Dienste geleistet. 
1. September. Die mittlere Fleeresgruppe der Franzosen 
— etwa zehn Armeekorps — wird zwischen Reims und 
Verdun zurückgeworfen. Französische Vorstösse aus 
Verdun werden abgewiesen. Seine Majestät der Kaiser 
befand sich während des Gefechts bei der Armee des 
Kronprinzen. — lieber Paris erscheinen wiederum zwei 
deutsche Flieger, die Bomben herabwarfen. — Die 
einwöchige erbitterte Schlacht an der russisch-galizischen 
Grenze im Raume Zamosc—Tyszowcze führte zum 
vollständigen Siege der Armee Auffenberg. lieber 
18 000 Gefangene und bisher 200 Geschütze werden 
erbeutet. Die Russen befinden sich im Rückzuge über 
den Bug. Auch bei der Armee Dank], die nun Lublin 
angreift, sind ununterbrochene Erfolge zu verzeichnen, 
ln Ostgalizien ist Lemberg noch in österreichischem 
Besitz, gleichwohl ist dort die Lage gegenüber dem 
starken und überlegenen russischen Vorstoss sehr 
schwierig. 
2. September. Ueber Antwerpen erschien ein Zeppelin- 
Luttschiff und eröffnete ein heltiges Bombardement, das 
grossen Schaden anrichtete. Es gab viele Tote. — Die 
französische Flotte beschiesst die Befestigungswerke von 
Cattaro, dem österreichischen Hafen in der Adria an 
der Südspitze Dalmatiens. 
3. September. Die Sperrbefestigungen Ilirson, Les 
Ayvelles, Condc, La Fere und Laon sind ohne Kampf 
genommen. Damit befinden sich sämtliche Sperr 
befestigungen im nördlichen Frankreich ausser der 
Festung Maubeuge in unseren Händen Gegen Reims 
ist der Angriff eingeleitet. — Die Kavallerie der Armee 
des Generalobersten von Kluck streift bis Paris. — Das 
Westheer hat die Aisne-Linie überschritten und setzt 
den Vormarsch gegen die Marne fort. Einzelne Vor 
huten haben sie bereits erreicht. — Der Feind befindet 
sich vor den Armeen der Generalobersten von Kluck, 
von Bülow, von Hausen und des Herzogs von 
AVürttemberg im Rückzug auf und hinter die Marne. — 
Vor der Armee des Deutschen Kronprinzen leistete er 
im Anschluss an Verdun Widerstand, wurde aber nach 
Süden zurückgeworfen. — Die Armeen des Kronprinzen 
von Bayern und des Generalobersten von Heeringen 
haben immer noch starken Feind in befestigten Stellungen 
im französischen Lothringen gegenüber. •— Im oberen 
Eisass streifen deutsche und französische Truppen unter 
gegenseitigen Kämpfen. — Die französische Regierung 
verlegt ihren Sitz von Paris nach Bordeaux. — Die 
österreichischen Truppen räumen aus strategischen 
Gründen Lemberg kampflos und nehmen westlich 
Lembergs eine ungleich günstigere Stellung ein. 
4. September. Reims, ist ohne Kampf besetzt. — Die 
Siegesbeute der Armeen wird nur langsam bekannt. 
Die Truppen können sich bei ihrem schnellen Vormarsch 
wenig darum bekümmern. Noch stehen Geschütze und 
Fahrzeuge in freiem Felde verlassen. Die Etappen 
truppen müssen sie nach und nach sammeln. Bis jetzt 
hat nur die Armee des Generalobersten von Bülow 
genauere Angaben gemeldet. Bis Ende August hat 
sie sechs I'ahnen, 233 schwere Geschütze, 116 Feld 
geschütze, 79 Maschinengewehre, 166 Fahrzeuge er 
beutet und 12934 Gefangene gemacht. 
5. September. Seine Majestät der Kaiser wohnt den An 
griffskämpfen um die Befestigungen von Nancy bei. — 
Von Maubeuge sind zwei Forts und deren Zwischen 
stellungen gefallen. Das Artilleriefeuer konnte gegen 
die Stadt gerichtet werden, sie brennt an verschiedenen 
Stellen. —■ Der englische Passagierdampfer „Runo“ der 
Wilson-Linie ist nahe der englischen Ostküste auf eine 
Mine gelaufen und gesunken. 
6. September. Ein deutsches Geschwader, bestehend aus 
zwei Kreuzern und vier Torpedobooten, hat fünfzehn 
englische P'ischerboote mit einer Ladung von Fischen 
in der Nordsee weggenommen und die Mannschaft und 
die Fische gefangen nach Wilhelmshaven gebracht. — 
Im Hafen von Alexandrien liegt ein schwer beschädigter 
englischer Kreuzer, der deutliche Spuren der Be- 
schiessung aufweist. Ausserdem liegen dort ein zweiter 
englischer Kreuzer, ein Torpedojäger und zwei Torpedo 
boote, die sich nach Port Said geflüchtet haben, im 
Dock in Reparatur. — Es verlautet mit grosser Be 
stimmtheit, dass der grosse englische Kreuzer „Warrior“ 
im Adriatischen Meerbusen in der Nähe der monte 
negrinischen Küste das Opfer einer österreichischen 
Seemine geworden ist. 
7. September. Die französische Festung Maubeuge kapi 
tuliert. 40000 Kriegsgefangene, darunter 4 Generale, 
400 Geschütze und zahlreiches Kriegsmaterial fallen in 
unsere Hände. — Serbische Truppen unternehmen bei 
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Mitrowitz einen Einfall in österreichisches Gebiet, der 
blutig abgewiesen wird. 5000 Serben werden gefangen 
genommen und viel Kriegsmaterial wird erbeutet. — 
Der englische geschützte Kreuzer „Pathfinder“ stiess bei 
Tyne auf eine Mine und ging unter. 
8. September. Schlesische Landwehr nimmt nach einem 
siegreichen Gefecht 17 Offiziere und 1000 Mann vom 
russischen Gardekorps und dritten kaukasischen Korps 
gefangen. — Seine Majestät der Kaiser richtet an den 
Präsidenten Wilson nachstehendes Telegramm: 
Ich betrachte es als Meine Pflicht, Herr Präsident, 
Sie, als den hervorragendsten Vertreter der Grund 
sätze der Menschlichkeit, zu benachrichtigen, dass 
nach der Einnahme der französischen Festung 
Longwy Meine Truppen dort Tausende von Dum 
dum-Geschossen entdeckt haben, die durch eine 
besondere Regierungswerkstätte hergestellt waren. 
Ebensolche Geschosse wurden bei getöteten und ver 
wundeten Soldaten und Gefangenen, auch britischen 
Truppen, gefunden. Sie wissen, welche schreck 
lichen Wunden und Leiden diese Kugeln ver 
ursachen und dass ihre Anwendung durch die an 
erkannten Grundsätze des internationalen Rechts 
streng verboten ist. Ich richte daher an Sie einen 
feierlichen Protest gegen diese Art der Kriegführung, 
die dank der Methoden unserer Gegner eine der 
barbarischsten geworden ist, die man in der Geschichte 
kennt. Nicht nur haben sie diese grausamen Waffen 
angewendet, sondern die belgische Regierung hat 
die Teilnahme der belgischen Zivilbevölkerung an 
dem Kampfe offen ermutigt und seit langem sorg 
fältig vorbereitet. Die selbst von P'rauen und 
Geistlichen in diesem Guerillakrieg begangenen 
Grausamkeiten, auch an verwundeten Soldaten, 
Aerztepersonal und Pflegerinnen (Aerzte wurden 
getötet, Lazarette durch Gewehrfeuer angegriffen), 
waren derartig, dass Meine Generale endlich ge 
zwungen waren, die schärfsten Mittel zu ergreifen, 
um die Schuldigen zu bestrafen und die blutdürstige 
Bevölkerung von der Fortsetzung ihrer schimpf 
lichen Mord- und Schandtaten abzuschrecken. 
Einige Dörfer und selbst die alte Stadt Löwen, mit 
Ausnahme des schönen Stadthauses, mussten in 
Selbstverteidigung und zum Schutze Meiner Truppen 
zerstört werden. Mein Flerz blutet, wenn ich sehe, 
dass solche Massnahmen unvermeidlich geworden 
sind, und wenn ich an die zahllosen unschuldigen 
Leute denke, die ihr Heim und Eigentum verloren 
haben infolge des barbarischen Betragens jener 
Verbrecher. T „ 
<iez. Wilhelm l. R. 
9. September. Im Raume von Lemberg hat eine neue 
Schlacht begonnen. — Die englische Admiralität gibt 
bekannt, dass der als Hilfskreuzer verwendete Dampfer 
„Oceanic“, ein Doppelschraubendampfer der White Star 
Linie von 17000 Tonnen, bei der Nordküste Schottlands 
untereeeaneen ist. —
        
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