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Full text: Berliner Leben Issue 17.1914

Soldaten des Postens benutzt wurden, um eine Attacke 
zu reiten. Dies veranlasste die durch das Feuer schon 
arg mitgenommenen Kosaken zur eiligen Räumung des 
Gefechtsfeldes, auf dem sie neunzig Tote und Verwundete 
zurückliessen. Die Oesterreicher hatten keine Verluste. 
Eine österreichische Grenzabteilung, die von Oester- 
reichisch-Novosielitz über die Höhe von Mobile bis zum 
gleichnamigen russischen Grenzort vorgedrungen war, 
wehrte eine Reihe überlegener Angriffe ab. Da der 
mit dem Vorstoss beabsichtigte Zweck inzwischen er 
füllt war, bekam die Abteilung Befehl, wieder ihre 
frühere Stellung einzunehmen, die nunmehr weiter be 
hauptet wird. Im Verlaufe der mehrtägigen Kämpfe 
vom Beginn des Vorstosses bis zum Einrücken in die 
früheren Stellungen büsste diese Abteilung vier Tote 
und fünf Verwundete ein. Die von den österreichischen 
Grenztruppen zur Lösung besonderer Aufgaben unter 
nommenen kleineren Vorstösse wurden erfolgreich durch 
geführt. 
10. August. Von Beifort in das Obereisass nach Mühl 
hausen vorgedrungener Feind, anscheinend das siebente 
französische Armeekorps und eine Infanteriedivision der 
Besatzung von Beifort, ist von unseren Truppen aus 
einer verstärkten Stellung westlich von Mülhausen in 
südlicher Richtung zurückgeworfen. Verluste unserer 
Iruppen nicht erheblich, die der Franzosen gross. Die 
deutschen Truppen haben zehn französische Offiziere 
und 513 Mann gefangen genommen. Ausserdem wurden 
vier Geschütze, zehn Fahrzeuge und eine sehr grosse 
Anzahl Gewehre erbeutet. — Drei im Grenzschutz bei 
Eydtkuhnen stehende Kompagnien, unterstützt durch 
heraneilende Feldartillerie, haben die über Romeiken 
auf Schleuben vorgehende dritte russische Kavallerie- 
division über die Grenze zurückgeworfen. 
11. August. Eine vorgeschobene gemischte Brigade des 
französischen 15. Armeekorps ist von unseren Sicherungs 
truppen bei Lagarde in Lothringen angegriffen. Der 
Gegner ist unter schweren Verlusten in den Wald von 
Paroy nordwestlich Luneville zurückgeworfen und hat 
in unseren Pländen eine Fahne, zwei Batterien, vier 
Maschinengewehre und über 1000 Gefangene gelassen. 
Ein französischer General ist gefallen. 
13. August. England und Frankreich erklären Oesterreich 
den Krieg. — Die österreichisch-ungarischen Truppen 
sind in Russisch-Polen weiter vorgerückt. Ungefähr 
siebenhundert russische Deserteure wurden nach Linz, 
Salzburg und Innsbruck eingebracht. Bezeichnend für 
den Geist der österreichisch-ungarischen Truppen ist 
die Tatsache, dass ein in Gefangenschaft geratener 
Husar am nächsten Tage auf einem Kosakenpferde zu 
seiner Abteilung einrückte. 
14. August. Die österreichischen Truppen rücken an 
mehreren Punkten in Serbien ein, werfen die serbischen 
Streitkräfte zurück und besetzen Schabatz. 
Ein bei Mlawa stehendes russisches Kavallerie 
korps ist vor dem Anmarsch einer deutschen Kolonne 
nach Süden ausgewichen. — Allgemeine Einberufung 
des preussischen Landsturms. — Eine kleine, aus zwei 
Bataillonen bestehende Festungsabteilung aus Strassburg 
wird im Vogesenpass von Schirmeck durch feindliches 
Artilleriefeuer von Donon her überfallen. In der engen 
Passstrasse sind die Geschütze und Maschinengewehre 
zerschossen und unbrauchbar gemacht liegen geblieben. 
Die wiedergesammelte Festungstruppe hat den Festungs 
bereich unverfolgt erreicht. 
15. August. Die österreichisch-ungarischen Truppen haben 
am 14. d. Mts. nach heftigen Kämpfen den Feind aus 
einer seit langer Zeit befestigten und stark besetzten 
Stellung auf den östlichen Uferhöhen der Drina in der 
Nähe von Loznica und Ljesnica geworfen. Dort sowohl 
. als auch bei Sabac wurden am Nachmittag des 14. und 
in der Nacht des 15. August zahlreiche mit grosser 
Tapferkeit geführte Gegenangriffe der Serben abgewiesen. 
Am 15. August setzten die österreichisch-ungarischen 
Truppen ihre Vorwärtsbewegung fort. Die Verluste der 
Serben sind schwer, auch die österreichisch-ungarischen 
sind nicht unbeträchtlich. Einzelheiten darüber fehlen 
noch. Montenegrinische Streitkräfte, die in das Gebiet 
Oesterreich-Ungarns einzudringen versuchten, wurden 
allenthalben zurückgeworfen. — Im Norden setzten die 
österreichisch-ungarischen Truppen ihre Vorwärts 
bewegung im Raume westlich der Weichsel fort und 
sind auch östlich des Flusses bereits im Vordringen 
begriffen. 
16. August. Abreise des Kaisers zur Armee. — Abschieds- 
gruss des Kaisers an Berlin: 
,,Der Fortgang der kriegerischen Operationen 
nötigt Mich, Mein Hauptquartier von Berlin zu ver 
legen. Es ist Mir ein Herzensbedürfnis, der Berliner 
Bürgerschaft mit Meinem Lebewohl innigsten Dank 
zu sagen für alle die Kundgebungen und Beweise 
der Liebe und Zuneigung, die Ich in diesen grossen 
und schicksalsschweren Tagen in so reichem Masse 
erfahren habe. Ich vertraue fest auf Gottes Hilfe, 
auf die Tapferkeit von Heer und Marine und die 
unerschütterliche Einmütigkeit des deutschen Volkes 
in den Stunden der Gefahr. Unserer gerechten 
Sache wird der Sieg nicht fehlen. 
Berlin, im Schloss, den 16. August 1914. 
Wilhelm 1. R. 
17. August. Bei Stallupönen findet ein Gefecht statt, in dem 
Truppenteile des ersten Armeekorps mit unvergleichlicher 
Tapferkeit kämpfen, sodass ein Sieg erfochten wurde 
Mehr als 3000 Gefangene und sechs Maschinengewehre 
sind in unsere Hände gefallen. Viele weitere russische 
Maschinengewehre, die nicht mitgeführt werden konnten, 
wurden unbrauchbar gemacht. 
19. August. Die fünfte französische Kavalleriedivision 
wurde unter schweren Verlusten bei Pervez, nördlich 
von Naraur, von unserer Kavallerie zurückgeworfen. 
Zwei Geschütze und zwei Maschinengewehre wurden 
dem Feinde abgenommen. —• Bayrische und badische 
Truppen schlugen die bis Weiler, fünfzehn Kilometer 
nordwestlich Schlettstadt, vorgedrungene französische 
55. Infanteriebrigade, brachten ihr grosse Verluste bei 
und warfen sie über die Vogesen zurück. — Japan ver 
langt in einem Ultimatum die sofortige Zurückziehung 
der deutschen Kriegsschiffe aus den japanischen und 
chinesischen Gewässern und die bedingungslose Ueber- 
gabe des gesamten Pachfgebietes von Kiautschou. — 
Unsere Truppen eroberten bei Tirlemont, an der Bahn 
Lüttich-Brüssel, 40 Kilometer vor Brüssel, eine schwere 
Batterie, eine Feldbatterie, eine Fahne und machten 
fünfhundert Gefangene. — Die beiden kleinen Kreuzer 
„Strassburg“ und „Stralsund“ haben in den letzten 
Tagen einen Vorstoss nach der südlichen Nordsee aus 
geführt. Hierbei sichtete „Strassburg“ unter der 
englischen Küste zwei feindliche Unterseeboote, von 
denen sie eines auf grössere Entfernung mit wenigen 
Schuss zum Sinken brachte. „Stralsund“ kam in ein 
Feuergefecht mit mehreren Torpedobootszerstörern auf 
grössere Entfernungen. Zwei Zerstörer erlitten Be 
schädigungen. 
20. August. Brüssel wird von deutschen Truppen besetzt.— 
Unter Führung Seiner Königlichen Hoheit des Kron 
prinzen von Bayern haben Truppen aller deutschen 
Stämme in Schlachten zwischen Metz und den Vogesen 
einen Sieg erkämpft. Der in Stärke von mehr als acht 
Armeekorps in Lothringen vordringende Feind wurde 
auf der ganzen Linie unter schweren Verlusten geworfen. 
10000 Gefangene und über 150 Geschütze sind ihm ab 
genommen. — Das I. Armeekorps hat erneut den auf 
Gumbinnen vorgehenden Feind angegriffen und geworfen, 
dabei sind 8000 Gefangene gemacht und acht Geschütze 
erbeutet. 
21. August. Beginn der Beschiessung von Namur. 
22. August. Nördlich Metz hat der Deutsche Kronprinz, 
mit seiner Armee zu beiden Seiten von Longwy vor 
gehend, den gegenüberstehenden Feind siegreich 
zurückgeworfen. ■— Die in Lothringen siegreiche Armee 
unter Führung des Kronprinzen von Bayern hat auf 
der Verfolgung des geschlagenen Feindes die Linie 
Luneville-Blarnont erreicht und setzt die Verfolgung fort. 
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