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Full text: Berliner Leben Issue 17.1914

Schabernack gegen den 
,,Alten“ die Hühner nicht 
zurück, sondern zeigten 
ihnen selber denWeg und 
streuten sogar Mais auf 
die Gräber. Da musste 
also ein Radikalmittel ge 
funden werden, denn die 
„Kirchhofshühner“ raub 
ten dem Herrn Amtmann 
allgemach den Schlaf. 
Endlich schien ihm die 
Erleuchtung gekommen 
zu sein. — Ein Bau 
meister erschien im Dorf, 
der nach einer längeren 
Unterredung mit ihm in 
die Stadt zurückkehrte 
und nach ein paar Tagen 
mit einer grossen Bau 
zeichnung unterm Arm 
wieder angefahren kam. 
Jetzt verlautete es im 
Dorfe, dass sich der Herr 
Amtmann ein „Erb“-Be- 
gräbnis bauen lassen 
wolle, aber nicht nur zum 
eigenen Gebrauch, son 
dern auch für seinen 
Knecht und dessen Frau, 
weil es die einzigen Leute 
gewesen wären, die ihm nie wiedersprochen hätten. 
Auch der hübschen Wirtschafterin sollte eine eventuelle 
spätere Benutzung freigestellt werden, falls sie es über 
sich vermocht habe, als ledige Jungfrau das Zeitliche zu 
segnen. 
Um die äussere Umgebung des ziemlich verwahrlosten 
Friedhofes mit der offenen dorischen Halle, die sich über 
der tief und äusserst massiv ausgeführten Gruft erheben 
sollte, in einigen Zusammenhang zu bringen, wollte der 
Herr Amtmann zugleich die ganz verwilderte und völlig 
undichte Friedhofshecke durch eine ringsherum laufende 
stilgemässe cyclopische Mauer ersetzen lassen. Mit diesem 
Anerbieten konnte sich der Gemeinde-Kirchenrat nur ein 
verstanden erklären. Und so hielten die Erdarbeiter und 
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den bisher stets gemiedenen Hof 
- Mit schmunzelndem Behagen sah 
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Maurer gleich ihren Einzug auf dem Kirchhof. Nach 
wenigen Tagen schon stieg die zuerst in Angriff genommene 
breitfundierte Umfassungsmauer in die Höhe, vor der jetzt 
des Herrn Amtmanns Hühner höchlichst erstaunt Front 
machten und sich nach kurzem Gackern wohl oder übel 
anschicken mussten, 
wieder zu betreten, 
der Herr Amtmann dies von seinem Fenster aus und es 
schien zugleich, als ob sich, zum ersten Male in seinem 
Leben, ein wirkliches, echtes Lächeln über seine karmoisin- 
roten Züge stehlen wollte. 
Von jetzt an bildete es geradezu einen Sport für ihn, 
den ganzen Tag auf dem Kirchhof zu sein, um die 
ordnungsgemässe, saubere Ausführung seiner dereinstigen 
Ruhestätte zu überwachen. Die Kirchhofsmauer, 
an die sich die Säulenhalle lehnte, musste auch noch 
auf sein Ersuchen, über deren Dach in die Höhe 
gezogen worden, da an dieser Stelle der Hof des 
Dorfschlächters lag, auf dem jeden Donnerstag zwei 
Schweine ihr Leben lassen mussten, wobei der Geruch 
des warmen, gequirlten Blutes, der ihm besonders 
zuwider war, leicht bis in die Gruft herüberdringen 
konnte. Diese selbst hatte eine Art Ventilations 
schacht erhalten, damit sie bis zur Benutzung recht 
gut gelüftet und ausgetrocknet war. Ein viereckiges 
Loch war seitlich tief unter einem überhängenden 
Busch angebracht, das erst, nachdem die Gruft be 
zogen war, zugemauert und angeschüttet werden 
sollte. Oberhalb der grossen, breit eingefügten Eisen 
platte, die in der Plalle 
den Abschluss der Grab 
kammer bildete, hatte der 
Erbauer in praktischer 
Voraussicht gleich seinen 
Namen, seinen Stand und 
den Tag seiner Geburt 
einmeisseln lassen. Zur 
gegebenen Zeit brauchte 
nur noch der Todestag 
hinzugefügt zu werden. 
Eine gewisse Ruhe 
überkam den Herrn Amt 
mann, als er die letzte 
Hand an seine letzte Be 
hausung gelegt hatte und 
nun jeden Morgen von 
seinem Fenster aus seinen 
Blick mit stiller Genugtu 
ung zum Kirchhof hin 
übergleiten Hess, Diese 
Ruhe sollte nur leider 
wiederum nicht allzu 
lange dauern; die Hühner 
erwiesen sich wieder als 
Friedensstörer. Trotz 
dem der Herbst nahte 
und die Zeit ihres „Rau 
hens“ längst vorüber war, 
legten sie nicht! Wenig 
stens nicht in dem Masse, 
wie der Herr Amtmann es verlangen zu können berechtigt 
zu sein glaubte. 
„Er kümmert sich schon wieder um ungelegte Eier!“ 
hiess es im Dorfe, diesesmal dem wahrsten Sinn des 
Wortes entsprechend. 
Die Stirnader des Herrn Amtmanns schwoll wieder 
und die Gesichtsfarbe wurde noch um eine Nuance 
dunkler. Man sah ihn jeden Morgen in den Hühnerstall 
kriechen und sich zum „Tasten“ der Hennen anschicken. 
Trotzdem er dann zumeist konstatierte, dass mindestens 
8—10 Eier gelegt werden müssten, fanden sich abends 
in den Nestern höchstens zwei bis drei Stück vor. 
„Die Hühner verlegen mir die Eier!“ grollte es in ihm 
auf, „dahinter muss ich kommen!“ Und nun setzte sein 
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