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Full text: Berliner Leben Issue 17.1914

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DEM STUMPFE RnTERESSANTE TEINT 
DEM FASHIOXABLEN WELT 
FEINE TOILETTEN PARFÜMERIEN 
„LEICHNER 
SifNO in KOSMETISCHER WIE HYGIENISCHER BEZIEHUNG DAS 
KOSTBARSTE MODERNER SCHON H E i TS K U N ST . 
AEUSSERST ANGENEHM UND WOHLTUEND. VON DER ELE 
GANTEN DAME BEVORZUGT 
LEICHNER FETTPUDER EAU DE LYS 
IN VERBINDUNG MIT DEM WELTBEKANNTEN LEICHNER FETT 
PUDER, DEM VORNEHMSTEN TOILETTENPUDER DER 
GEGENWART, ERZIELT DIESE LILIENMILCH IN KÜRZESTER 
ZEIT EINE ALABASTERZARTE HAUT 
LEICHNER FETTPUDER CREME 
ENTZÜCKT JEDE VEREHRERIN VON LEICHNER • FETTPUDER 
DURCH SEINE MAUTPFLEGENDEN EIGENSCHAFTEN 
DIE FEINSTE TOI LETTEN - SEI FE VON GRÖSSTER MILDE 
UND KOSTBARSTEM PARFÜM IST 
LEICHNER FETTPUDER SEIFE 
EIN FEINES ERFRISCHUN6S-PARFUM VON GANZ NEUARTI 
GEM REIZ IST 
EAU DE LEICHNER 
DAS MODE PAR F U M OER SAISON IST 
EXTRAIT LEICHNER 
DIE H ERM ELI N - PARFÜM E RI EN SIND NOCH FEINER IM PAR 
FÜM. DAHER TEURER. BEFRIEDIGEN ABER DEN VERWÖHN 
TESTEN GESCHMACK 
L. LEICHNER, Parfümerie. 
Er seifte und rieb und 
rubbelte und bürstete, bis 
sein Kopf einem Radieschen 
glich. Er ruhte wahrhaftig 
nicht eher, als bis auch der 
letzte Hauch von Allizarin 
aus seinen Kleidern ent 
wichen war. 
Dann erst atmete der 
praktische Feldsoldat auf, 
wandte sich um und hielt 
die blitzsaubere Hose trium 
phierend der holden Gattin 
hin. 
Die aber war ausser 
Stande sein Wunderwerk zu 
bestaunen. Sie lag nämlich 
im Sessel und wand sich in 
einem Lachkrampf. Das 
feine, spitzenbesetzte 
Taschentuch hielt sie gegen 
den Mund gepresst. Ihr 
schlanker, rassiger Körper 
wurde von immer neuen 
konvulsivischen Zuckungen 
hin- und hergeworfen. 
Willy gewahrte es mir 
äusserstem Erstaunen. 
Wahrhaftig, das war 
doch zu dumm! Worüber 
lachte sie sich denn nur kaputt? — — 
Ratlos blickte Willy im Zimmer umher. Da gewahrte er 
auf einmal im Spiegel seine weisse Gestalt, und nun wusste 
er auch sofort, worüber sie lachte. 
Fünfmalhunderttausend Teufel! Warum hatte er sich nur 
hinreissen lassen, sich ihr in Unterhosen zu zeigen! Jetzt war 
sein Prestige dahin, das patriarchalische Regime futsch für 
alle Zeiten! 
Und nun riss die kleine Schlange im Sessel auf einmal 
ihre vor Lachen betränten Augen auf und inspizierte ihn spitz 
bübisch vom Kopf bis zur Zehe. Natürlich wollte sie nur 
ihren Triumph auskosten, sich auf sein Konto weiter über ihn 
lustig machen. Unerträglich, dieses Genarrtwerden! Damit 
fangen alle Pantoffelehen an. 
Einen Augenblick dachte Willy daran, sich vor Lillys 
sezierenden Augen durch einen kühnen Sprung hinter den 
Paravant zu retten. Aber, nein! Das würde ihn vor ihr nur 
noch lächerlicher gemacht haben. Der schützende Vorhang 
war nun einmal zerrissen. Trotz aller Reue und aller Selbst 
vorwürfe war daran nichts mehr zu ändern. 4 
So beschloss er denn dem Ansturm ihres ätzenden Hohnes 
Trotz zu bieten und nahm eine Pose an, gleich dem Frithjof 
am Badestrand: in „männlicher Zuversicht und unerschrockenem 
Selbstgefühl“. — So stand er da und hielt mit vornehmer 
Gelassenheit statt des Schwertes die gereinigte Hose in der 
Rechten. 
Und jetzt trat Lilly auch schon auf ihn zu, um ihr 
angemasstes Richteramt über ihn auszuüben. 
„Närrchen“, sagte sie — das war wieder sehr charakteris 
tisch — und klopfte ihm mütterlich überlegen die Wange, 
„nimm es nicht übel, dass ich über Dich lachte. Aber ich 
konnte wahrhaftig nicht anders. Du hättest Dich nur selbst 
sehen sollen, als die Tintenflasche Dir alle Besinnung raubte, 
Du wärest erstickt vor Lachen.“ 
„Meinst Du?“ 
„Ja, ich meine. Uebrigens, der Tintenfall hatte sein 
Gutes. Jetzt hat Dein Versteckspiel vor mir wohl keinen 
Zweck mehr, denn ich kenne Dich ja nun in Deiner ganzen 
Negligeschöne. Daher wirst Du den Mumpitz wohl aufgeben.“ 
„Aber Lilly, was soll denn das heissen?“ brauste er auf. 
„Na, schon gut. Dein tiefverletzter Mannesstolz braucht 
sich nicht aufzubäumen. Sage — soll ich Dir vielleicht meinen 
Cape leihen oder meinen Bademantel? Du genierst Dich ja 
sonst zu Tode, Du schüchterner Joseph! Oder soll ich vielleicht 
hinausgehen? —“ 
„Ach lass doch die 
faulen Witze!“ 
„Das will ich ja auch, 
denn jetzt fühle ich mich 
gemüssigt, erst mal die 
seltene Gelegenheit wahr 
zunehmen, Dich mir genau 
anzusehen. Das ist ja mein 
gutes Recht als Deine Frau, 
denn Du gehörst doch mir, 
wie ich Dir gehöre, ohne 
jede Einschränkung.“ 
„Na ja, na ja.“ — Willy 
lachte nervös und tanzte 
unter ihren Blicken hin und 
her, als sei er kitzlich. 
„Bist Du nun fertig?“ 
fragte er mit süss-saurer 
Miene. Er konnte diese 
Okularinspektion wahrhaftig 
nicht länger ertragen. 
„Beinahe!“ sagte Frau 
chen. — Weisst Du! Du 
siehst eigentlich ganz comme 
il faut aus, viel besser als 
ich mir habe träumen lassen.“ 
„Wirklich?“ 
„Ja. — Ich fühle mich 
gar nicht mit Dir betrogen. 
Das blütenweise Hemd 
und die Knie-Unterhosen und die schwarzen Strümpfe mit 
den englischen Strumpfhaltern — alles dernier cri — macht 
Deinem Geschmack Ehre. Wahrhaftig! Nicht halb so komisch 
wie der Papa!“ 
„Zu gütig! — Also ich gefalle Dir in — in Unterhosen?“ 
„Ich finde Dich pompös.“ 
„Aber ich denke, ein Mann in Unterhosen ist für Dich 
eine ästhetische Unmöglichkeit?“ 
„Das habe ich gesagt, ehe ich Dich gesehen hatte. Seit 
heute weiss ich es besser. — — Willy, Du grosses Baby, 
vor mir brauchst Du Dich doch nicht degradiert zu fühlen und 
noch weniger in Deiner Selbstherrlichkeit gekränkt. — Still 
doch! Höre mich einmal ruhig an und merke es Dir ein für 
alle Mal: Du bleibst mein König, auch in Unterhosen. Du 
bleibst der „starke Mann“ und ich „das schwache Weib“ 
und selbst der ulkige kleine Toilettenfehler, den ich eben an 
Dir entdecke“ — sie lachte schon wieder perfide — „kann 
daran nicht das Geringste ändern“. 
„Toilettenfehler“ Willy erschrak heftig. Er blickte ängst 
lich an sich hernieder und was Niemand für möglich gehalten 
hätte, er versuchte sogar rot zu werden. 
Sie aber Hess ihm gar keine Zeit zum Rotwerden. Sie 
nahm seinen Kopf in ihre Hände, sah ihm tief in die Augen 
und zog den steifnackig Widerstrebenden machtvoll an ihre 
Brust, näher und näher, bis ihn ihr Atem berührte. 
Da auf einmal kam Leben in die störrische weisse Gestalt, 
er riss sie an sich, blitzschnell. Er schlug die Arme um sie, 
wie mit eisernen Klammern, und sie tat dasselbe. Willy und 
Lilly umschlangen sich wild, als schlüge ein Sturm über ihnen 
zusammen. — Ihr Mund ruhte aufeinander. Die Augen hielten
        
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