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Full text: Berliner Leben Issue 16.1913

Der Lenz im Kittchen. 
Von Polizei-Kommissar H. Sannemann, Düsseldorf. 
(Nachdruck verboten.) 
Wirr um das Haupt die langen, weissen Haare, 
Vom Sturm zerzaust den knorrigen Riesenbart, 
Gebeugten Rückens, wie vom Druck der Jahre, 
Unsicher’n Schrittes, ganz nach Greisenart, 
In dicken Flaus den dürren Leib geborgen, 
Beschmutzt und abgeschabt die ganze Tracht, 
Von langer Wand’rung müd’ und schweren Sorgen, 
So schritt Herr Winter durch die finst’re Nacht. 
„Nicht Ruh’, noch Rast, wo find’ ich süssen Schlummer, 
Der stets zu neuen Taten mich gestärkt? 
Es ist der März, der macht mir grossen Kummer, 
Der bringt mich um, ich hab’ es längst gemerkt. 
Wo finde ich zum Rasten eine Stätte, 
Wer hat mich um den festen Schlaf gebracht? — 
Gestohlen hat man mir mein weiches Bette, 
Ich hab’ den Kerl, den Frühling, im Verdacht!“ 
Er setzt die Wandrung fort mit Angst und Bangen, 
Und, wie er überlegt sein Missgeschick, 
Da kommt ein junger Mann des Weg’s gegangen, 
Kraftstrotzender Gestalt, mit kühnem Blick. 
Sein Antlitz zeugt von fröhlichem Gemüte, 
Von hellen, blonden Locken dicht umwallt, 
Sein edler Wuchs von fürstlichem Geblüte, 
Von königlicher Herkunft die Gestalt. 
„Wohin des Wegs? He Alter! Steh’ mir Rede. 
Von Dir geht aus ein eisig kaltes Weh’n, 
Verdächtig bist Du mir, Du alter Schwede, 
Ich lasse so Dich nicht von dannen geh’n!“ — 
„Wohin des Wegs? Was kümmert’s Dich, Du Knabe, 
Ich bin der Winter, herrsche hier zu Land, 
Regier die Elemente mit dem Stabe, 
Bin allen Lebewesen wohl bekannt!“ 
„Dacht’ ich mir’s doch!“ so ruft der Jüngling heiter, 
„Ich witterte sogleich in Dir den Feind, 
Jetzt, Alter, gehst Du keinen Schritt mehr weiter, 
Hier stirbst Du, wirst von niemandem beweint! 
Nicht mehr gehorchen Dir die Elemente, 
Bald scheint am Horizont das Morgenrot, 
Mach’ auf der Stelle gleich Dein Testamente, 
Beim ersten Scheine bist Du mausetot!“ — 
Der Alte wirft vom Rücken seine Bürde, 
Er rafft sich auf mit ganzer Willenskraft, 
Bewusst wird er sich wieder seiner Würde 
Und seiner altbewährten Meisterschaft, 
Den Gegner misst von unten er bis oben, 
Los mit dem Stecken will er auf ihn geh’n, 
Doch nützt ihm alles Wüten nicht und Toben, 
Denn dieser bleibt still lächelnd vor ihm steh’n. — 
„Zerlumpter Kerl, Du willst Dich widersetzen?“ 
Ruft ihm der Jüngling zu mit kaltem Hohn, 
„Nunmehr geht Deine Herrlichkeit in Fetzen, 
Wurmstichig war und wacklig längst Dein Thron, 
Ich bin der Lenz, gezählt sind Deine Stunden!“ 
Der Alte, wie vor Schreck zusammenzuckt 
Und — plötzlich ist vom Boden er verschwunden, 
Als habe ihn die Erde jäh verschluckt. 
Wo er gestanden, blieb nur eine Pfütze, 
Sein Mantelsack zerfloss im Augenblick, 
Den Stab und seine alte Pudelmütze 
Sie traf vereint dasselbe Missgeschick. 
Der Jüngling aber lachend ab sich wendet 
Und will schon freudestrahlend weitergeh'n, 
Da hält er plötzlich ein und, wie geblendet, 
Sieht er etwas Behelmtes vor sich steh’n. 
Ein Schutzmann war durch das Revier gekommen, 
Er hatte beide schon von fern erblickt, 
Darauf hat den Spektakel er vernommen 
Und flugs zur Amtshandlung sich angeschickt. 
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