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Full text: Berliner Leben Issue 16.1913

Hundesperre. 
Von Burchard Friedrich. 
(Nachdruck verboten.) 
„Willkommen, liebe Ady! Herzlich willkommen!“ 
Mit diesen Worten schritt die verwitwete Frau Kommerzienrat 
Warthich in dem Vestibüle des Herrenhauses von Hohen-Most 
ihrem Besuche entgegen. 
„Guten Tag, Meta!“ erwiderte Frau von Rhopps diesen 
Gruss und umarmte die sie Empfangende herzlich. „Was 
machst Du denn hier in der kalten Vorhalle? Willst Du etwa 
einen Spaziergang machen und warst im Begriffe, Dich hier 
warm einzuhüllen?“ 
„Bewahre! Ich hörte, dass ein Fuhrwerk auf die Rampe 
herauffuhr, eilte ans Fenster und erkannte schon an den alten, 
dicken Schimmeln Deine Galakutsche. Dich zu begrüssen, bin 
ich nun hier, denn ich freue mich heut’ besonders, dass Du 
kommst und mir Gesellschaft leistest.“ 
„Du, Meta! Um eins bitte ich Dich! Fange Du nun nicht 
auch noch an, mir meine braven Schimmel und meine bequeme 
Kutsche zu bemakeln. Ich muss schon von meinen Kindern 
zu Hause genug davon hören.“ 
Frau Warthich rief lachend: „Die" Brautkutsche aus Gross- 
Badern“. 
„Ich weiss, Meta, dass sie in der ganzen Gegend so 
genannt wird. Sie ist es ja auch. In ihr holte mich mein 
seliger Harry als Braut von der Bahnstation ab.“ 
„Das ist schon ein Weilchen her, Ady.“ 
„Schadet nichts. Schönheit vergeht, Tugend besteht. Und 
pietätvoller Sinn ist doch wohl auch eine Tugend. — Du 
bist allein?“ 
„Ja, auf einige Tage!“ bestätigte Frau Warthich, indem 
sie ihre beste Freundin, die Witwe des benachbarten Ritterguts 
besitzers von Rhopps, welche bei ihrem verheirateten Sohne 
auf Gross-Badern, wie sie es scherzhaft nannte, auf Altenteil 
sass, am Arme ergriff und in ihr Wohnzimmer geleitete. 
„Ich ahnte es schon, als ich vom Richtwege auf die 
Chaussee einbiegen wollte, sah ich Deinen Sohn auf seinem 
Jagdwagen mit einem Koffer neben dem Kutscher zur Stadt 
fahren.“ 
„Er hat in Berlin einige Besorgungen und will sich dort 
auch sonst einmal wieder etwas umsehen. Er ist ja jetzt hier 
leichter einmal abkömmlich, denn der neue Gutsinspektor ist 
ein ebenso tüchtiger wie zuverlässiger Mann.“ 
„Hoffentlich sieht sich Kurt endlich einmal auch nach einer 
Frau um, liebe Meta.“ 
„Ach ja, Ady! Das wünschte ich wohl am lebhaftesten.“ 
Die Frau Kommerzienrat seufzte tief und nahm neben ihrer 
Freundin am prasselnden Kaminfeuer Platz. 
„Da scheinst Du aber wirklich noch lange warten zu müssen. 
Dein Sohn, fürchte ich, hat die rechte Gelegenheit zum Heiraten 
schon verpasst.“ 
„Das fürchte ich noch nicht, Ady. Ich glaube eher, er 
hat immer noch nicht die rechte Frau finden können. Du 
weisst ja, seine Geschmacksrichtung ist etwas streng.“ 
„Ja, Meta! Das sieht man schon daran, dass er seinen 
fürchterlichen Dackel, den Schnuppel, so fanatisch liebt!“ 
scherzte Frau von Rhopps. „Hat er ihn denn wieder mit 
sich auf die Reise genommen?“ 
„Natürlich!“ 
„Trotz der Hundesperre?“ 
„Trotz dieser! Er meinte, es wäre sogar ganz gut, dass 
in Berlin sie ebenso verhängt wäre wie hier im Kreise. Er 
hätte da keine Weitläufigkeiten mit Untersuchungen Schnuppels 
durch einen Tierarzt. Getrennt hätte er sich von demselben 
doch nicht.“ 
„Ich denke, er darf mit dem schrecklichen Vieh sein sonst 
gewohntes Hotel nicht wieder betreten!“ fragte Frau von 
Rhopps lachend. 
„Meinst Du, liebe Ady, Kurt würde deshalb Berlin ohne 
Schnuppel gemessen? Da irrst Du. Natürlich setzt er keinen 
Fuss mehr über jene hundeungastliche Hotelschwelle, aber 
Algenbachs haben ihm ein Privatlogis vorgeschlagen, die Pension 
des Fräulein von Rotbusch in der Kurfürstenstrasse. Da 
werden Hunde geduldet.“ 
„Auch Schnuppel? Na, Meta, wir werden es erleben, 
einmal und auch nicht wieder. Das Vieh ist ja zu scharf und 
unfreundlich. Ich möchte es nicht besitzen.“ 
„Du, Ady! Um eins bitte ich Dich. Fange Du nun nicht 
auch noch an, uns unseren Schnuppel zu bemäkeln.“ 
„Ach so, meine Beste! Wenn Du aber auf meine Schimmel 
und auf meine Brautkutsche Steine wirfst, das soll ich mir 
ruhig gefallen lassen!“ ereiferte sich Frau von Rhopps, die 
wohl merkte, dass ihre Freundin jetzt ihre eigenen Worte 
wiederholte, um den Dackel zu verteidigen. 
„Ich weiss es, dass Schnuppel keine Freunde hat. Darum 
gerade liebt ihn Kurt Er ist sein bester Schutz und auch ich 
verehre das treue Tier, wenn auch noch aus einem anderen 
Grunde.“ 
„Da bin ich doch fast neugierig. Was hat das Vieh denn 
noch für edle Eigenschaften?“ 
„Dir will ich das anvertrauen, Ady, aber Dir allein. Im 
letzten Herbst kam Kurt eines Mittags in ausgelassenster Heiter 
keit von einem Pürschgange aus dem Walde zurück und er 
zählte mir, das er Zigeunern begegnet wäre.“ 
„Na, weisst Du, Meta, das ist auch so eine eigene Ge 
schmacksrichtung Deines Sohnes. Mein seliger Harry und auch 
mein Sohn sind immer wütend gewesen, so oft sie solche 
Bande hier in unserer Gegend gewittert haben.“ 
„Kurt sieht sie natürlich auch nicht gerne. Es war ihm 
aber etwas Besonderes begegnet. Ein Zigeunerweib war an 
ihn herangetreten, hatte ihn angesprochen und gebeten, ihm aus 
seiner Hand wahrsagen zu dürfen. Kurt hatte, wie er es 
sonst nur zu tun brauchte, Schnuppel mit einem Zungenschlage 
PELZ- 
Boas und Muffen aus virginischen Rot 
füchsen, Weissfüchsen, gelb oder schwarz, 
gefärbten Füchsen 
Skunks-Opossum-Kragen und Schals • 16,75 26,50 bis 132,00 M. 
Skunks-Kragen und Schals 69,00 72,00 bis 658,00 M. 
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Skunks etc. sind in schönen Exemplaren 
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RUDOLPH HERTZOG ■ BERLIN C. 2 ■ BREITESTR.
        
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