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Full text: Berliner Leben Issue 16.1913

Nurse Anna. 
Von M. L. Evan. 
(Nachdruck verboten.) 
Paris, Hotel Castiglione. 
Lieber Migliori! 
Ich bin in Paris statt in St. Moritz. Dahin wollte ich nie. 
Ich brauchte die Reise nur als Vorwand, um überhaupt weg 
zukommen. Wir brauchen uns nichts vorzumachen — keine 
Rücksichten auf gegenseitige Gefühle zu nehmen. So werde 
ich kurz sein. Ich komme nicht mehr zurück. Ein Leben, wie 
wir es in den fünf Jahren unserer Ehe führten, kann kein 
Mensch aushalten. Deine Lebensansichten sind mir in der 
Seele verhasst. Ich kann nicht leben, wie Du es verlangst, 
lieber im Kloster! Dein ewiges Schulmeistern, Deine Eifersucht 
bei meinen kleinen Koketterien — keine Macht der Erde wird 
mich wieder zu Dir zurückbringen. Ich übergebe die Sache 
dem Notar Solverino und bitte Dich, schnellstens Schritte zu 
tun, damit die Trennung ausgesprochen wird. Lieber meine 
Zukunft kannst Du ruhig sein. Ich bin reich, und mein Gewissen 
wird mich nicht hindern, auch gegen italienische und katholische 
Gesetze wieder zu heiraten. Du denkst hierüber anders — 
so wird es Dir recht sein, die Kinder zu behalten. Gib mir 
bald Nachricht durch den Rechtsanwalt. Vittoria. 
9 9 9 
Rom. 
Liebste Mama! 
Rege Dich nicht auf über den Inhalt dieses Briefes. Vittoria 
schrieb aus Paris, dass sie entschlossen ist, sich von mir zu 
trennen! Sie war Dir nie sympathisch, Ihr habt mich genug vor 
dieser Heirat gewarnt. Aber ich war so jung — und sie das 
schönste Mädchen von Neapel. — Wie rasch ich bereut, habe 
ich Euch nie gestanden. Wie ich unter ihr litt, wie ihr Wesen 
mich absliess, kann ich Dir nicht sagen. Die Trennung, die 
herbeizuführen ich noch nie den Mut hatte, ist beschlossen. 
Ich bin jetzt ein Mann, „dem die Frau durchgegangen ist“. 
Allen ist auch in Paris — das sagt alles! — 
Ich werde versuchen, so bald wie möglich in ein anderes 
Regiment zu kommen. Vielleicht in Eurer Nähe. — Ich habe 
n! “- — IVTpma* Darf ich die Kinder 
vor der Hand bei Euch lassen? Was sollen sie in dem 
Junggesellenleben, das ich jetzt Zeit meines Lebens führen 
muss? Bei Dir wüsste ich sie so gut untergebracht, von Liebe 
umgeben. Ich weiss, dass Du mit Freuden ja sagen wirst, 
deshalb noch eins: Die Balja, die wir aus Bequemlichkeit 
immer noch behielten, genügt nicht mehr. Wenn die Kinder 
bei Dir bleiben, so musst Du ein gebildetes weibliches Wesen 
ins Haus nehmen — Boniie, Nurse, Kindergärtnerin oder wie 
man das nennt — auf das Du Dich verlassen kannst, und 
das Dir jede Mühe mit den Babies abnimmt. Du darfst selbst 
verständlich in Deinen Reisen, Besuchen usw. nicht gestört 
werden. Die armen Kinder sind nicht verwöhnt durch zuviel 
Zärtlichkeit und Beachtung. Es tut mir so leid, dass Ihr nun 
all den Kummer habt. Mit Papa habe ich heute morgen schon 
gesprochen. Ich glaube, es geht ihm sehr nahe. Diese Woche 
hat er noch einige Sitzungen im Senat, hofft aber, dann zu 
Dir zu kommen. Ich werde die nächste Zeit sehr viel zu tun 
haben; wenn ich persönlich nach Florenz zum Notar muss, 
komme ich selbstverständlich zu Euch heraus. 
Es küsst Dir die Hand Dein treuer Sohn Migliori. 
WWW „ _. , , , 
Villa Casabella. 
Meine liebe Lady Stanhopeton! 
Sie haben mir immer soviel Freundschaft gezeigt, dass ich 
heute mit einer grossen Bitte an Sie komme. Ich habe die 
mutterlosen Kinder meines Sohnes zu mir genommen und 
möchte für sie eine sogenannte Lady-nurse haben. Bei dem 
Zusammenleben auf dem Lande wäre mir ein halbgebildetes 
Wesen sehr unsympathisch. Bei Ihren vielen Beziehungen kann 
ich mich wohl kaum an Jemand Geeigneteres wenden, umso 
mehr als Sie ja unser Heim und die Verhältnisse aus eigener 
Anschauung kennen. Dass die Nurse absolut zuverlässig sein 
muss, sodass ich ihr die Pflege der beiden kleinen Kinder 
ganz überlassen kann, brauche ich wohl kaum zu sagen. Sehr 
vielen Dank einstweilen für Ihre Mühe. 
Herzliche Grüsse Ihre Oretta Casabelli. 
9 9 9 
London W, Grosvenor Square. 
Liebste Marchesa! 
Mit starker Influenza zu Bett, kann ich nur zwei Worte 
schreiben. Die Oberschwester Gerde Osborne wird Ihnen 
Miss Anna Everton als Nurse vorschlagen, und da ich das 
junge Mädchen lange persönlich kenne, kann ich sie Ihnen nur 
aufs Wärmste empfehlen. Herzlichst stets Ihre 
Ellen Stanhopeton. 
9 m w 
Florenz. 
Liebste Gerde! 
Hier bin ich also gestern Abend um halb zwölf Uhr 
glücklich angelangt, in einer Stunde geht es weiter nach 
Casabella. Arme Gerde, wie hast Du Dich geängstigt, dass ich 
kleines Mädchen die weite Reise allein machen musste. Und 
ich bin doch 23 Jahre alt. Alles ging so glatt wie möglich. 
Am Bahnhof erwartete mich ein Diener, der mir in leidlichem 
Französisch erklärte, dass ich im Palazzo irgend einer Tante 
der Familie übernachten werde, da man im Wagen eine gute 
Stunde braucht, um nach Casabella hinauszukommen. Dann 
setzte er mich in eine Droschke und in rasender Eile ging es 
durch die dunklen Strassen von Florenz. Die dunklen fiäuser- 
massen huschten vorbei. Plötzlich strahlte es links schneeweiss 
durch die Nacht. Der herrliche Marmordom! Dann weiter 
durch enge, kurze Gassen, und wir hielten vor einem der alten 
Palazzi. Durch hohe, dumpftönende Gänge kam ich in ein 
kleines Zimmer und habe herrlich. geschlafen. Bald geht es 
weiter. Wenn ich nur der Grossmutter gefalle — — und 
sie mir!! Deine Anna. 
9 9 9 
Villa Casabella. 
Liebste Gertie! 
Zwei Tage bin ich hier und von allem unendlich befriedigt. 
Die alte Marchesa ist eine reizende Frau. Sie hat mich sehr 
liebenswürdig empfangen, mir genau meine Pflichten gesagt, und 
jetzt habe ich die Kinder ganz für mich. Ein Junge von drei 
Jahren und ein Mädchen von knapp zwei. Sie sind sehr lieb, 
aber auch in vieler Beziehung recht verwahrlost. Mich wundert, 
dass sie erst seit ein paar Wochen bei der Grossmutter sind. 
Ihre Mutter muss doch schon längere Zeit tot sein, da keine 
Trauer mehr um sie getragen wird. — Wie in allen italienischen 
Häusern essen die Kinder mittags mit bei Tisch, aber ich soll 
auch abends unten essen und ziehe mich dann zurück. Das 
„in Stellung gehen“ hat doch auch seine heiklen Seiten. 
Deine treue Anna. 
Rudolph Hertzog 
Berlin C2 
Breite Sfr. 
Brüderstr. 
Scharrenstr. 
Skunks-Krawatten und Schals. . . . 
600.00 m. 
Skunks-Muffen, verschiedene Grössen . 
58.00 bis 
310.00 m. 
Skunks-Opossum-Schals 
146.00 m. 
Rotfuchs-Boas 
. 52.00 bis 
450.00 m. 
Rotfuchs-Muffen 
280.00 m. 
Pelzpaletots und Mäntel 
. 140.00 bis 
1665.00 m. 
Pelzgefütterte Mäntel 
500.00 m. 
Feder-Rüschen und -Boas 
3.40 bis 
51.00 m. 
Wagen- und Schlitten-Decken . . 
61.00 bis 
195.00 m. 
Pelz-W 
aren 
uon einfacher bis 
zur elegantesten 
:: , Busführung :: 
Eigene Anfertigung uon Pelz-Artikeln.
        
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