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Full text: Berliner Leben Issue 16.1913

Glück und Gold. 
Erzählung von Wolfgang Kemter. 
(Nachdruck verboten). 
Schweisstriefend hielten die Jucker, die vor einen leichten 
Jagdwagen gespannt waren, vor dem Bahnhofsgebäude. Ihre 
Nüstern blähten und verengerten sich und die Flanken flogen. 
Gustav von Hohendahl warf dem Diener die Zügel zu, eilte 
zur Kasse und kaum hatte er das Billet erhalten und den 
Perron betreten, da donnerte der Eilzug heran. Eine Minute 
Aufenthalt und der Train verschwand wieder in dem nebeligen 
Sommertag. 
Gustav schritt erregt im Gange des Waggons hin und her, 
er war ihm zu eng und der Zug fuhr viel zu langsam. In 
seiner Brusttasche knisterte ein Papier, die unheilvolle Depesche, 
die ihn heute früh erwartet hatte, als er von einem Ritte über 
die Felder ins Schloss zurückgekehrt war. In bester Stimmung, 
fröhlich und guter Dinge, denn die Saaten standen wie selten 
schön und es konnte ein gutes, vielleicht das beste Jahr werden, 
das er auf Rostow erlebte. Er war vom Pferde gestiegen 
und hatte sich ins Frühstückszimmer begeben, wo ihn seine 
Frau und Elsa, das liebliche, blonde Tochterchen erwarteten. 
Da hatte er die Drahtnachricht vorgefunden, die von seinem 
Rechtsfreunde Dr. Burg kam und deren lakonische Worte: 
„Hallenberger Spar-Bank hat ihre Zahlungen eingestellt. Direktor 
geflüchtet.“ ihm das Blut zum Herzen trieben. Bei der SpaivBank 
hatte er sein ganzes Barvermögen angelegt. Die Ersparnisse 
der letzten zehn Jahre, die Früchte rastloser Arbeit und 
schöner Erfolge hatte er dieser Bank anvertraut und sie an 
keinem anderen Orte besser aufgehoben erwähnt. Mit diesem 
Gelde wollte er binnen kurzem einen Teil der zweiten Hypothek, 
die auf Rostow lastete, tilgen, und nun sollten alle diese Pläne 
in Frage gestellt, sollten alle Mühen umsonst gewesen sein. 
Gustav gab sich einen Ruck. Warum gleich das Schlimmste 
fürchten, vielleicht war doch nicht alles verloren. . . 
Gegen Mittag kam er in der Kreisstadt an und erkannte 
beim ersten Schritt, den er in die Stadt machte, dass etwas 
Besonderes vorgefallen sein musste. Die sonst so stillen und 
fast menschenleeren Strassen waren wie verwandelt und eine 
aufgeregte Menge, in der die Landleute überwogen, drängte 
sich an allen Ecken, vor Gasthäusern und vor dem Gerichte; 
man hörte Verwünschungen und Flüche, sah verweinte, blasse 
Gesichter und todtraurige, trostlose Mienen; kurz es schwebte 
etwas Unheimliches, Furchtbares in der Luft. 
Gustav von Hohendahl biss die Zähne aufeinander und 
strebte zur Kanzlei Dr. Bürgs. Er machte sich auf Schlimmes 
gefasst und wurde trotzdem vom Berichte seines Rechtsfreundes 
bis ins Innerste getroffen. Des Rechtsanwalts Sprechzimmer 
war voll Menschen. Gustav wurde aber von dem alten 
Kanzleidiener gleich zum Chef geführt. Der kam seinem 
Klienten mit ernster Miene entgegen. 
„Herr von Hohendahl sind schon angekommen? Ich musste 
Sie leider mit einer ebenso unerwarteten, wie unerfreulichen 
Nachricht überraschen.“ 
„Wie kam das alles, Herr Doktor, weiss man schon 
Näheres? Das Institut war doch gut fundiert und schien 
bombensicher unter der Leitung eines tüchtigen Fachmannes.“ 
„Gewiss, aber eben dieser Fachmann war ein Schuft. Er 
genoss solches Vertrauen, dass selbst die Revisoren ihrer Pflicht 
nur ganz oberflächlich, sozusagen fast gar nicht nachkamen- 
Seit fünf Jahren, so stellte es sich heute heraus, haben die 
Herren, die die Ueberwachung und Kontrolle hätten ausüben 
sollen, keine richtige Revision mehr vorgenommen. Sie sahen 
eine gefälschte Bilanz durch, begutachteten sie und — — —• 
doch haben Sie schon gehört, Kaufmann Roller, einer der 
Revisoren hat sich diesen Morgen erschossen. Direktor Weiner 
nahm vor fünf Wochen Urlaub und hätte vor drei Tagen 
zurückkehren sollen, aber weder er noch ein Bericht kam 
von ihm. 
Unbestimmte aber rasch alarmierende Gerüchte tauchten 
auf, es ist unbekannt, von wo sie ausgingen, sie genügten aber 
das Einschreiten des Gerichtes als geboten erscheinen zu lassen. 
Die Entdeckung ist eine niederschmetternde. Herr von 
Hohendahl, ich will mich kurz fassen, es handelt sich um eine 
systematisch seit Jahren betriebene Millionen-Defraudation. 
Die Depositen sind verschwunden, der Reservefond besieht 
nur mehr auf dem Papier, kurz die Bank ist total ruiniert. 
Wenn für die kleinsten und ärmsten Einleger etwas erübrigt 
werden soll, bleibt für alle anderen soviel wie nichts. Das 
ist das oberflächliche Ergebnis der seit zwei Tagen geführten 
Untersuchung, genaueres wird erst diese Woche bringen. 
Immerhin dürfte sich nicht mehr viel an der Tatsache ändern.“ 
Gustav strich sich mechanisch mehreremale über Stirne und 
Haar und sah im angestrengtesten Nachdenken vor sich hin. 
Zehn Jahre, die besten seines Lebens, ausgefüllt mit 
Schaffensfreude, lagen nun verloren hinter ihm. Umsonst war 
das ganze Ringen gewesen und es hiess von Vorne wieder 
anfangen. Nach zehn Jahren stand er wieder auf dem gleichen 
Punkte wie einst, als er das verschuldete Gut von seinem 
Vater übernommen hatte. Stetig und nicht einmal langsam 
war er vorwärts gekommen und nun, da er eine schöne Höhe 
erklommen, schleuderte ihn das Schicksal zum Ausgangspunkt 
zurück. Da dachte er an Frau und Kind und ein frohes 
Glücksgefühl durchströmte ihn. Er wollte dem Schicksal nicht 
zürnen und den Mammon verloren geben, das beste, die 
Heimat und die Seinen hatte es ihm gelassen. 
Er besprach sich mit Dr. Burg noch über die Angelegenheit 
und die zu machenden Schritte, ging dann nach dem Gasthof, 
wo er immer abstieg, nahm wieder ruhiger geworden das 
Mittagessen zu sich und fuhr mit dem nächsten Zuge heim. 
Der Jagdwagen holte ihn ab. Als er bald darauf auf 
eigenes Gebiet kam und er bei sinkender Sonne, die Hebel 
hatten sich verzogen, die vom Winde leise bewegten Halme 
der Saaten und die Heimatserde sah, da wich die letzte 
Erregung von ihm und er wurde froh und ruhig. Er fühlte 
neuen Mut und neue Kraft in sich und sah ohne Bangen in 
die Zukunft . .... 
Wochen gingen und brachten Gustav von Hohendahl die 
Gewissheit, dass sein der Spar-Bank anvertrautes Geld ver 
loren sei. Wie ein Rauhreif in der Lenznacht aber wirkten 
auf ihn die bitteren Vorwürfe seiner Frau. Dass sie so am 
Gelde hing, hatte er bis heute nicht geahnt. Sorgsam hatte sie 
es vor ihm verborgen und plötzlich war ihr die Maske entfallen. 
Vornehme 
Maßanfertigung. 
Eigene Ateliers 
im Hause. 
■ ■■■■■■. 
RUDOLPH 
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