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Full text: Berliner Leben Issue 16.1913

phot. Gebr. Haeckel, A. E. Hohlwein, Illuslr. Photoverlaj;, R. Sennecke 
Huldigung der deutschen Landsmannschaften. Huldigungsslandchen der Berliner Oemeindschulkinder. 
Die Schornsteinfeger-Innung. Aus dem Huldigungszug des Berliner Handwerks. Der Prunkwagen der Bäcker-Innung. 
Die Festlichkeiten anlässlich des Jubiläums unseres Kaisers währten in Berlin vier Tage lang und schier Legion war die Zahl der Veranstaltungen. Die markantesten waren, neben den grandiosen Festlichkeiten des Hofes, die in der 
Begriissung des Kaisers durch die deutschen Bundeslürsten und die Bürgermeister der Freien und Hansestädte gipfelten, die Huldigungen der deutschen Landsmannschaften und der Berliner Studentenschaft, das Huldigungsständchen der Berliner 
Gemeindeschulkinder und der Huldigungszug des Berliner Handwerks. Etwa tausend farbentragende Mitglieder der deutschen Landsmannschaften marschierten unter Vorantritt der Spielleule und der Regimentsmusik des 4. Garderegiments über die Strasse 
Unter den Linden nach dem Landes-Ausstellungspark, in welchem nach einer warmempfuudenen Festansprache des Geheimen Regierungsrates Philipp ein fröhliches Gartenfest abgehallen wurde. — Die Berliner Studentenschaft huldigte dem Kaiser durch 
einen grandiosen Fackelzug. Tausende von Studenten, denen ein Musikkorps und an hundert Wagen mit den Chargierten in vollem Wichs voraufzogen, defilierten durch das Brandenburger Tor die Strasse Unter den Linden entlang zum Schlosse. 
Wie ein riesiges Feuermeer erfüllte der Zug den weiten Platz zwischen Schloss und Lustgarten, die Chargierten und Bannerträger nehmen vor dem Schlossportal Aufstellung, auf dem Mittelbalkon des Schlosses erscheint der Kaiser mit den Fürstlichkeiten 
und nimmt die brausenden Ovationen der Tausende von Studenten entgegen. — Am Morgen des 16. Juni brachten 7000 Knaben und Mädchen der Berliner Gemeindeschulen dem Kaiser im grossen Schlosshofe ein Ständchen dar. Aus hellen, frischen 
Kehlen erklang der Choral „Dich sah ich wieder, Morgenlichl“, das vierstimmige „Windet zum Kranze die goldenen Aehren", „Aus der Jugendzeit“ und „Das deutsche Lied“ von Kalliwoda. Sichtlich erfreut dankte der Kaiser, der mit der 
Kaiserin und der kaiserlichen Familie von den offenen Fenstern des ersten Stockes aus den Vorträgen zuhörte, am Schlüsse derselben mit den weithin hörbaren Worten „Kinder, ich danke euch, ihr habt eure Sache recht nett gemacht: ich habe mich 
gefreut". — ln 50 Gliedern zu 17 Gruppen mit 20 Musikkapellen huldigten die Grossberliner Innungen in einem Zuge, dessen Vorbeimarsch H/j Stunde währte, dem Kaiser. In malerischen Gruppen, überweht von den allen prächtigen Innungsfahnen, 
Bannern und Standarten, erschienen die verschiedenen Gewerke in ihren charakteristischen Trachten. Prunkwagen eroffneten den Zug der einzelnen Abteilungen, dahinter die Lehrlinge mit den Emblemen und Werkzeugen, hinter ihnen die Meister und 
Gesellen, So zogen sie vorüber in farbenfreudiger Buntheit, bewusst ihrer Macht und erfüllt von dem Willen, dem Landesherren, unter dessen Friedensherrschaft auch die Gewerke aufblühlen, zu huldigen.
        
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