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Full text: Berliner Leben Issue 15.1912

Hier und dort blinkt das wilde Gewässer verstohlen zu uns 
herauf, meist versteckt es sich hinter Klippen oder undurch 
dringlichem Unterholz. Das kaum passierbare Gebirgsgelände 
ringsum bietet dem Feinde zahlreiche Schlupfwinkel, vielleicht 
erspähen uns schon seine scharfen Augen. 
Wir sichern angestrengt nach allen Seiten, halten und 
lauschen — Totenstille. Kurze Mittagsrast. Die Sonne brennt, 
zitternd und flimmernd lagert die erhitzte Atmosphäre über dem 
engen Tal. Die Tiere keuchen und schwitzen, zwei Patrouillen 
pferde beginnen zu lahmen. 
Als unsere Schatten sich verlängern, versperrt ein hoher 
Felsenvorsprung Pad und Fluss; er zwingt den Hudup zu weiter 
Umgehung, seinen Gipfel krönen Häuserruinen. Es ist Uibis, 
unser Ziel. ln Schlangenlinien geht’s bergan, eine letzte 
Wendung und vor uns liegt die Farm. Nirgends Menschen 
oder Fuhrwerk. Das scheidende Tageslicht lässt die frische 
Spur eines ostwärts gefahrenen Karren erkennen: die besorgte 
Mutter hat nicht gerastet. 
Das steinerne Hauptgebäude umgab eine hölzerne Galerie, 
Einteilung und Ausstattung der Innenräume deuteten auf frauliche 
Sorgfalt. Eine wilde Horde brannte die Stallungen nieder und 
plünderte habgierig das Wohnhaus. Die Möbel waren durch 
einander geworfen, Kisten und Schränke erbrochen, Geräte und 
Bücher bedeckten den Boden. 
Wir soupierten auf der Veranda, wo die vertriebenen Farmers 
leute oft nach harter Arbeit ausgeruht und ihrer Lieben daheim 
gedacht. Im Westen stieg der Vollmond über dem Hochplateau 
herauf, sein weisses Licht liess die Gipfel und Abhänge der 
seltsam geformten Koppjes scharf aus dem dunklen Schatten 
der Schluchten hervorteten. 
In einem grossen Lehnstuhl fühlte ich mich recht behaglich, 
aber mein Freund war zerstreut und auffallend unruhig. „Ei 
Doktor,“ spottete ich, „Sie sind ja aufgeregt wie ein Liebhaber 
vor dem ersten Rendezvous.“ Hastig rauchend knurrte er: 
„Glaube wahrhaftig, ich werde nervös in diesem Gespenster 
haus; wollte, es wäre Tag.“ „Medizinmann, nehmen Sie Brom.“ 
Er schwieg, sprang aber bald auf, um mit einer Laterne die 
Räume abzusuchen. Als der Mond seinen kurzen Lauf beendet, 
legten wir uns nieder. 
Hansi Dege, Mitglied des Harry Walden-Ensembles, 
z. Zt. Apollo -Theater. 
Ich weiss nicht, wie lange mein Schlaf gewährt, irgend ein 
Geräusch schreckte mich empor. Ich richte mich auf, greife 
nach dem Karabiner und lausche. In der Ferne braust der 
Fluss — nichts verdächtiges zu hören. Aber wo ist der 
Doktor? Ein schwacher Lichtschein lockt mich in’s Neben 
zimmer. Dort steht mein Stabsarzt — wie versteinert; die eine 
Hand hält eine brennende Kerze, die andere ein aufge 
schlagenes Buch. 
Er stürzt mir entgegen und keucht fast atemlos: „Wir 
müssen sofort weiter, Kap'tän!“ „Mensch, was fehlt Ihnen, 
sahen sie ein Gespenst?“ Noch niemals war der ruhige Mann 
in solcher Erregung. 
„Ja Freund, ich spürte einen Geist,“ entgegnet er seltsam 
ernst. „Ich konnte nicht schlafen — suchte Lektüre und fand 
dies Buch. Vor zehn Jahren schenkte ich’s Dora. Hier steht 
meine Widmung.“ 
„Stabsarzt, ist es wahr? Welch wunderbare Fügung! Also 
ihre alte Geliebte, Ihre Dora lebte und litt in diesen Mauern? 
Und sie ist die Farmersfrau mit dem kranken Kind im Ochsen 
karren?“ 
Seiner Antwort entsinne ich mich nicht, Gnädige Frau. 
Aber die Spache seiner Augen vergesse ich nie. — 
Beim Sternenlicht hebt sich die Pad wie ein grauschimmerndes 
Band von den dunklen Felswänden ab. Rücksichtslos — ohne 
tastende Sicherung traben wir in die Nacht hinein, Karabiner 
und Gewehre schussbereit. Dicht an meiner Seite reitet der 
Arzt, die kalte Pfeife im Munde; weit im Sattel vorgebeugt 
sucht er das Dunkel zu durchdringen. Das Klirren der Waffen 
und das Klappern der Eisen mischt sich mit dem gleichmässigen 
Rhythmus der Hufschläge. 
Eine Stunde verrinnt, eine zweite folgt. Der Morgenstern 
beginnt zu erbleichen. Wird’s hell, dann verdoppelt sich die 
Gefahr für jene und für uns. Darum rastlos vorwärts bergauf 
und bergab. Nachtvögel flattern kreischend davon, auf 
gescheuchtes Wild springt schreckend zur Seite. Auf den 
Gipfeln der Berge entzünden sich purpurne Fanale. 
Und jetzt steigt es empor, das heissersehnte, das gefürchtete 
Tagesgestirn. Was wird die Sonne heute im Huduptale be 
leuchten, Not und Tod oder Freude und Glück? Wir tauschen 
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Tiervorra4eiride,Ä Ner- 
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Eisern. Mann. Eisernermanns-Pl.2. Hirsch-Ap., Münsterpl. 10. Wiesbaden, 
Schützenhof-Ap.. Langgasse 11. Würzburg, Adler-Apolh-, Eichhornstr 
„Glänzend begutachtet von bekanntem Nervenarzt in einem Vortrage 
auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden am 
15. Juni 1911 vor einem Auditorium zahlreicher Professoren und Aerzte.“ 
Von vielen ärztlichen Autoritäten auf dem Gebiete begutachtet und warm 
empfohlen. ( 
„Rubiacitol“ wirkt nicht nur allein stärkend auf das gesamte Nervensystem, 
sondern auch speziell auf Gehirn und Rückenmark. Insbesondere bei männ 
licher Neurasthenie (Nervenschwäche) wird „Rubiacitol“ von zahlreichen Aerzten 
mit nachweislich grossem Erfolge angewendet. 
Damit Sie sich selbst ein Urteil bilden können, verlangen Sie kostenlos und 
franko Literatur hierüber durch den Generalvertrieb für Deutschland 
Th. H1 lle.Berlin, SW ll.Dessavter str. io, Abt.is
        
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