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Full text: Berliner Leben Issue 15.1912

phot. Graph. Inst. Urania. Berlin. 
Blick in den Büffet-Raum des ,,Prinzess-Cafe,“ Kurfürstendamm 16. 
Im vornehmsten und intimsten Cafe des Westens, dem Prinzess-Cafe, Kurfürstendamm 16, dessen 
wunderbare Innenarchitektur sowohl, als auch die gesamte Einrichtnng nach den Plänen Lucian Bernhardts 
ausgeführt wurde, konzertiert in den beiden täglich von 3 — 7 1 / 2 und 9 — 2 Uhr staltfindenden Konzerten 
Russlands grösster Geiger Sergius Robiloff. Ueber Sergius Robiloff, der die Ehre hatte, vor dem Zaren 
von Russland, den Königen von Belgien und England, der Grossherzogin von Luxemburg, dem Grossfürsten 
Wladimir von Russland und vielen anderen Fürstlichkeiten zu spielen, schrieb der Newyorker ,,Herald“: 
Sergius Robiloff ist ein Künstler von Gottes Gnaden, welche Technik, welches Feuer und vor allem, welch 
herrliche Töne. Man fragt sich, wie es blos möglich ist, solche Töne einer Geige zu entlocken. Eine 
herrliche Stimme kann nicht schöner klingen. Herr Robiloff erntete mit Recht verdienten grossen Beifall und 
musste unzählige Zugaben spielen. 
die sie begleitende Hofdame dem Kutscher zu 
rief, er solle sich schleunigst wieder auf seinen 
Bock verfügen. Durch den Vorfall angelockt, kamen 
die Offiziere herbeigeeilt und umringten den 
Kutscher, der sie zu Zeugen anrief, da ihm 
gewaltiges Unrecht geschähe, da ihm sein 
Schlittenrecht verweigert würde. „Kerl, du bist 
sinnlos betrunken“, rief der Adjutant, beharrst 
du auf deinem angeblichen Recht und belästigst 
die gnädige Fürstin noch weiter, so lasse ich 
dich festnehmen.“ Da warf der grosse schwarz 
bärtige Kutscher seine Lammfellmütze in den 
Schnee, raufte sich Haar und Bart, und riss 
schliesslich letzteren mit einem Ruck vom Gesicht. 
„Wird die gnädigste Fürstin auch mir das Schlitten 
recht verweigern“, sprach da plötzlich mit seiner 
bekannten Stimme Leutnant Czernitscheff. Die 
Fürstin, welche durch das Hinzukommen der 
Offiziere ihre Fassung wiedergewonnen hatte, 
starrte, totenbleich vor Wut über die dem Leutnant 
geglückte Ueberrumpelung, denselben mit hass- 
funkelnden Augen an. Sie dachte nicht im 
geringsten daran, sich von diesem bürgerlichen 
Offizier öffentlich küssen zu lassen und wollte kalt 
an demselben vorüberschreiten, da hörte sie, wie 
der Leutnant zu seinen Kameraden sagte: Die 
Damen der besten Gesellschaft gehen dem Volk 
mit schlechtem Beispiel voran, kein Wunder, 
dass man in Russland so selten das Recht an 
trifft. Diesen Hieb konnte die Fürstin nicht auf 
sich sitzen lassen: „Hier“, sie hielt Czernitscheff 
ihren reizenden Mund hin, „machen Sie von 
Ihrem Schlittenrecht Gebrauch.“ Aber anstatt 
die schwellenden Lippen des schönen Weibes zu 
küssen, trat der Leutnant kühl zurück; „Ich 
erspare Ihnen die Demütigung, Fürstin, sich von 
einem Menschen küssen zu lassen, der nur Offizier 
ist und der keine sechzehn Ahnen in seinem 
Wappenschild führt“. Kaum hatte Iwan die 
Worte ausgesprochen, als der Adjutant auf ihn 
lossprang, ihn an der Brust fasste und die geballte Faust zum 
Schlag erhob: ,,Du wirst sofort der gnädigen Fürstin Abbitte 
leisten.“ „Nicht so, meine Herren, meinetwegen soll kein Streit 
entstehen.“ Rasch trat sie vor Iwan hin, schlang ihre Arme 
um den Nacken des erstaunten Leutnants, zog seinen wider 
strebenden Kopf zu sich herab und küsste ihn herzhaft. „Ich 
sehe mein Unrecht ein“, sprach sie bewegt, „und gebe hiermit 
meinem braven Kutscher die Erlaubnis, mich morgen wieder 
spazieren fahren zu dürfen." 
Mimose. 
Ein Bild aus der Gesellschaft von Emmy v. Borgstede. 
(Nachdruck verboten.) 
„Tag, Hansi.“ 
„Tag, Felix.“ . 
Na, wie steht’s? Siehst ja so blass aus.“ 
„Da irrst Du, mir fehlt nichts.“ 
„Stimmt nicht, Hansi, ich hab’ doch Augen im Kopf.“ 
Das war die Begrüssung zwischen Geheimrat Neuburgs 
Johanna und ihrem Vetter, dem hübschen Leutnant Felix von 
Brussow. Dann gingen sie die Leipzigerstrasse hinab, und 
plötzlich blieb der Leutnant vor einem Schaufenster stehen, 
welches all’ den süssen, törichten Tand vorgaukelt, dessen eine 
schicke Frau zu ihrer Kleidung bedarf. 
„Das musst Du anziehen“, sprach Felix indem 
er auf eines der „Feenkleider“, wie Hansi es im 
Stillen nannte, deutete — würdest tip-top darin 
aussehen, darin mit Deiner schlanken Gestalt. Also 
hopp rein und kaufen.“ 
„Aber Felix, rappelt es bei Dir! Ich und 
dies Kleid!“ 
„Bitt’ schön, warum nicht Fräulein Bescheiden 
heit? und ohne zu fragen, ihren Arm in den seinen 
ziehend, fuhr er fort: 
„Komm’ mal hier rein in die solide Kakaostube. 
Ich hab’ Dir was zu sagen, Hansi.“ 
Sie folgte wortlos. Er suchte einen stillen 
Winkel und bestellte. Dann nahm er ihre feine 
Hand fest in die seine. 
„Ich nahm’s als Wink des Schicksals, dass wir 
uns trafen, Deine Eltern sind Prachtmenschen, aber 
alles was wir beiden uns zu sagen haben, brauchen 
sie nicht zu hören, Hansi. Sag mal — aber ehrlich — 
weshalb ist Deine Hochzeit wieder hinausgeschoben 
worden?“ 
„Ich weiss es nicht, Felix. Fred wollte es so.“ 
„Schon zum zweiten Mal, stimmt doch?“ 
Sie nickte und versuchte tapfer, ihre Tränen 
herunterzuschlucken. 
„Darüber muss ich mit Dir reden. „Komm’ 
ich zu Euch ins Haus wird gleich eine Haupt- 
und Staatsaktion daraus. Antworte mal vor allen 
Dingen, Hansi; Siehst Du in einer Verbindung mit 
Fred Dein Glück?“ 
Das dunkle Köpfchen senkte sich tief. 
„Heisst also ja! Schön, dann werde ich 
sprechen. Sieh mal, Kleines, Leute wie Fred, 
nein, wir Männer überhaupt, sind eigene Geschöpfe 
und darum ist soviel Jammer in derWelt. Ihr 
Frauen könnt’ Euch das nie recht klar machen, je 
weniger, je besser Ihr seid. Wir gebrauchen immer 
eine kleine Anregung, eine Art Rausch. Daher 
kommen auch so viele unbegreifliche Fälle und 
Dramen vor. Denk’ mal an die süsse Thea 
Garsberg. Total elend geworden — ganz verfehlte Ehe und 
warum? Na, sag’ mal was Du denkst?“ 
„Sie passten nicht zu einander.“ 
„Aber sie hätten zu einander passen können. Versteh 
mich auch recht, Hansi, wie ich’s meine. Seit unser guter 
Heinz bessere Gefilde aufgesucht, habe ich sozusagen die 
Pflicht, Dich an seiner Statt brüderlich zu beschützen. Also; 
Du bist ein so liebes, patentes Mädel nur zurechtmachen 
kannst Du Dich nicht. Das gehört aber auch mit dazu. Solch’ 
einem hübschen, eleganten Bengel, der noch dazu Geld hat, 
fliegen alle Weiberherzen zu, und die meisten Besitzerinnen 
dieser Herzen sind angezogen — angezogen, sage ich Dir “ 
Er verdrehte etwas übertrieben, seine schönen, blauen 
Augen, um seiner Predigt die Schärfe zu nehmen. 
„Felix, dazu gehört Geld.“ 
„Aber noch mehr Geschmack. Und kurz heraus, Hansi, 
wer wie Du, was nützt es der Sache ein rosenrotes Mäntelchen 
umzuhängen, gefallen muss, um etwas zu erreichen, hat die 
Pflicht schick zu sein.“ 
„Felix, das kannst Du mir sagen — Du —“
        
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