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Full text: Berliner Leben Issue 15.1912

Das hatte gut geklappt. So musste es immer gehen, 
lieber das strenge Dienstgesicht des Regimentskomman 
deurs leuchtete ein Strahl der Zufriedenheit, als er seine 
Uhr wieder in die Tasche steckte. Er gab Befehl zum 
Zusammenstellen mehrerer Mannschaften zum markierten 
Feind. 
„Jetzt kommst du an die Reihe!“ dachte Herr von 
Drill, welcher etwas entfernt, einsam auf seinem Fuchse 
hielt. Er hatte sich, aber getäuscht. Der . Oberst stellte 
den Feind unter den Befehl des aggregierten Majors, 
welchem er einen versiegelten Auftrag einhändigte, den 
er in Cleptow erst öffnen sollte, einem Dorfe, welches 
wenige Kilometer von der Garnisonstadt entfernt lag. 
Der Major rückte sofort mit seiner Mannschaft ab, 
welche beladen war mit roten, gelben und weissen Flaggen, 
auch ein paar Verlustflaggen nicht vergessen hatte, denn 
der markierte Feind zieht in der Regel den Kürzeren. 
Der Oberst von Knall tat garnicht, als ob der Haupt 
mann von Drill überhaupt vorhanden wäre. Dem 
Kompägnieoffizier desselben, welcher Ortsdienst hatte, 
gestattete er, zu Hause bleiben zu dürfen. Glücklich zog 
er von dannen, aber sein Kompagniechef durfte ihm nicht 
folgen. 
Nach. einer Viertelstunde rückte auch das Regiment 
ab, zur Stadt hinaus. Hauptmann von Drill schloss sich 
einer andern Kompagnie an und ritt neben deren Haupt 
mann einher, seinen Aerger vollkommen verbergend. 
Vor der Stadt wurden die Gewehre zusammengesetzt 
und die Offiziere zum Kommandeur gerufen, welcher die 
Kriegslage erörterte und seine Befehle gab. 
Feindliche Truppen hätten den Waldrand bei Cleptow 
mit Vorposten besetzt, um am folgenden Morgen gegen 
die Garnisonstadt angreifend vorzugehen. Das Regiment 
sollte den Vorstoss verhindern, indem es noch heut den 
Feind zurückjagen sollte. 
Die nötigen Befehle waren gegeben und die Bataillone 
setzten sich gegen Cleptow in Marsch. Bald knallten die 
ersten Schüsse, die geschlossenen Kolonnen zogen sich 
auseinander, das Gefecht war im Gange. Mit einbrechender 
Finsternis war der Feind geworfen und musste sogar 
Cleptow räumen. 
Der Oberst von Knall, welcher von einer Anhöhe 
aus alles überblickt hatte, Hess „das Ganze halt“ blasen. 
Diesem Signal folgte alsbald der Offizierruf und, während 
die Mannschaften sich sammelten, dann die Gewehre zu 
sammensetzten und sich niederlegten, um auszuruhen, be 
gaben sich die berittenen Offiziere zur Kritik. 
Der Oberst war im Ganzen befriedigt und hatte nur 
wenig an den einzelnen Angriffsbewegungen auszusetzen, 
sodass alle schon glaubten, es wäre dieses Mal verhältnis 
mässig glimpflich abgegangen. Da kam zum Schlüsse 
noch der Knalleffekt. Er wandte sich gegen den Haupt 
mann von Drill. 
„Ja, mein Herr Hauptmann, der einzige, der seine 
Kompagnie nicht so geführt hat, wie ich es gewünscht 
hätte, waren Sie, wieder einmal Sie. Sie haben die 
Deckung, welche Ihnen der Galgenberg bot, gar nicht 
benutzt. Von Ihren Leuten hätten Sie überhaupt kaum 
die Hälfte in die Schützenlinie hineingebracht. Die 
Entwickelung der Kompagnie war mit einem Worte 
miserabel. — Unterbrechen Sie mich nicht, Herr Major 
von Obrer!“ wandte er sich plötzlich gegen diesen scharf 
herum, der mit der Hand am Helme etwas dazwischen 
gesprochen hatte, das der Oberst jedoch in seinem Eifer 
nicht verstanden hatte. „Ich bitte darum, dass die Herren 
schweigen, wenn ich rede.“ 
„Ja, also — hm!“ fuhr er dann fort. „Herr Haupt 
mann von Drill! Ihre Leute krochen wie die Schnecken 
auseinander. Es sind doch alles junge, kräftige und ge 
sunde Leute. Wie die Rehe müssen sie auseinander 
springen. Jetzt nach beendetem Bataillonsexerzieren 
müsste das in den Leuten drinsitzen. Aber es war 
schmachvoll, einfach schmachvoll. Ein einzelnes feind 
liches Geschoss hätte zwei, ja drei Mann zugleich zur 
Strecke gebracht, Wann wird dieses anders werden, 
Herr Haupfmann? Ueben Sie gefälligst mehr mit ihrer 
Kompagnie, die Leute müssen, ja sie müssen es lernen. 
Sie sind mir dafür verantwortlich. Immer ist es ihre 
Kompagnie, die bei jeder Gelegenheit unangenehm auf 
fällt. Ich danke den Herren!“ 
Damit schloss er die Kritik. 
Der Hauptmann von Drill hatte in streng dienstlicher 
Haltung das Gewitter über sich ergehen lassen, keine 
Miene hatte er verzogen. 
Während die anderen Offiziere, welche ein Lächeln 
schwer verbergen konnten, nun zu ihren Mannschaften 
zurückritten, um sie an die Gewehre zu rufen und den 
Rückmarsch anzutreten, blieb der Hauptmann von Drill 
ruhig in der Nähe des gestrengen Herrn Oberst halten. 
Dieser Hess sich gerade von dem Regimentsadjutanten 
Feuer geben, weil er sich am dem Rückmärsche an einer 
langen Holländer, seiner Lieblingsmarke, delektieren wollte, 
und bemerkte den Hauptmann zuerst nicht. Dieser 
steckte sich auch gerade eine Zigarre an. Da wurde Herr 
von Knall plötzlich seiner gewahr. 
„Ja, mein Herr Hauptmann, was halten Sie hier denn 
jetzt noch?“ fuhr er diesen an, die Zigarre ungestüm 
wieder aus dem Munde reissend. „Reiten Sie zu Ihren 
Leuten und teilen Sie ihnen meine Unzufriedenheit mit. 
Aber freilich, ich sagte es Ihnen vorhin schon wiederholt, 
Sie kümmern sich zu wenig um Ihre Kompagnie. Da 
kann es natürlich nicht klappen. Bitte reiten Sie nun zu 
Ihren Leuten!“ 
„Herr Oberst! Meine Kompagnie ist überhaupt garnicht 
hier, die befindet sich ja auf Wache. Ich- bin nur allein 
mitgeritten, um für meine Person an der heutigen Uebung 
zu lernen.“ 
Ein leichtes, etwas boshaftes Lächeln umspielte bei 
diesen Worten seine Lippen. 
Oberst von Knall warf ihm einen finsteren Blick zu, 
riss seinen Gaul herum und gab ihm ein Paar Eisen, dass 
der Adjutant kaum imstande war, seinem „Brotherrn“ zu 
folgen. 
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