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Full text: Berliner Leben Issue 14.1911

igl. preuss. Kommerzienrats Ludwig Leichner. 
Villa Leichner mit Fontaine. 
Die Fontaine wirft ihre Strahlen über 50 Meter hoch, somit die höchste Fontaine Deutschlands. 
Mit' N»4lfK*urf 1 
Lachender warmer Frühlingssonnenschein überflutete Park und Villa Leichner im 
Qrunewald und liess seine Strahlen über der vom sanften Winde in Myriaden von 
Tropfen zerstäubten Fontainensäule spielen, die, von unsichtbaren Kräften getrieben, 
sich weit über die Wipfel der höchsten Kiefern erhebt. Vom Giebel des Hauses 
weht die deutsche Fahne und zeigt gewissermassen den von allen Seiten herbei 
sausenden Autos den Ort, wo sie halten sollen. Ueberall Feiertagsstimmung! 
Gilt es doch heute den 75. Geburtstag des Kommerzienrat Ludwig Leichner zu 
feiern, der sich hier draussen, inmitten eines herrlichen Parkes, ein Buen retiro 
geschaffen, wie es nur auserlesener Geschmack und künstlerisches Empfinden zu 
schaffen vermag. Und doch können die weiten Räume des Hauses heute kaum 
die Scharen fassen, die gekommen sind, um dem gleichsam in jugendlicher Frische 
strahlenden Oeburtstagskinde ihre Wünsche darzubringen. — — — Eingeleitet 
wurde die Feier durch das stimmungsvolle Hallelujah von Hummel, welches 
die Königl. Opernsängerin Erna Denera prachtvoll zu Gehör brachte. Den 
Reigen der Deputationen eröffnete Exzellenz von Dincklage-Campe, welcher namens 
der zahlreichen Freunde des Hauses Leichner eine vom Königl. Baurat Jaffee 
entworfene und von Prof. Koch ausgeführte kunstvolle Adresse mit einer Ansprache 
überbrachte. Hierauf feierte seitens des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller 
Geh.-Rat Jacob, dem sich Kommerzienrat Bamberg und Handelsrichter Haac 
angeschlossen hatten, den Jubilar in einer längeren Ansprache und hob dessen 
Verdienste um die Industrie besonders hervor. Alsdann überbrachten die Prokuristen 
der Firma L. Leichner ihrem Chef eine silberne Plakette als Huldigung des Personals. 
Nachdem überreichte Geh. Oberregierungsrat Weber im Aufträge Sr. Königl. Hoheit 
des Qrossherzogs von Hessen die Insignien des Ritterkreuzes L Klasse des Verdienst 
ordens Ludwig des Qrossmütigen. Namens der ständigen Ausstellungs-Kommission 
betonte Qeh.-Rat Ravene in anerkennenden Worten die Verdienste Leichners um 
das Ausstellungswesen. Für die Stadt Berlin sprach Stadtverordneter Justizrat 
Ladewig und der Präsident der Aeltesten der Kaufmannschaft Stadtältester Kämpf 
überreichte Namens dieser Korporation eine Adresse. Das „Künstlerheim“ über 
reichte ebenfalls durch seinen Präsidenten Hofschauspieler Winter eine Adresse. 
Die Landesprodukte der Kolonie Dahlem in einem Aufbau von 75 frischen Hühner 
eiern überreichte Frau Quantmeyer mit einem launigen Gedicht. Und Pfarrer geifert / G 
brachte seitens der Gemeinde Dahlem deren Glückwünsche. An die offizielle 
Feier schloss sich ein Festmahl, welches durch Oesangsvorträge Robert Philipps 
«nd Lucy Gates von der Königl. Hofoper angenehm unterbrochen wurde. 
Nachstehende Ode widmete Professor Ludwig Pietsch seinem Freunde 
Leichner und brachte dieselbe persönlich während der Tafel zur Verlesung- 
\\/elchem Sterblichen 
VV Soll der höchste Preis sein? 
Mil Niemand streit ich 
Aber ich geh ihn 
Dir, der heul das Aller 
Von 75 langen Jahren 
Glücklich erreicht hat 
Und doch in Jugendkraft, 
Frische und Freudigkeit 
Des Geistes und Herzens 
Den Freunden strahlest. 
Dir, der als Jüngling einst 
Mil Deines Sanges Macht 
Jeden Hörer beglücktest, 
Dann mit zartfarbigem Hauch 
Aus edlem Pflanzensaft 
Kunstreich bereitet 
Der Künstler Haut geschmückt, 
Auf dass ihr Antlitz stets unangekränkell 
Von des Gedankens Blass 
Gesund uns leuchte. 
Und Frauenschultern, 
Büsten und Nacken 
Elfenbein-blülenweiss, 
Marmorgleich schimmern. 
So hast Du Mutter Natur, 
Treu nachgeholfen, 
Ihre Geheimnisse 
Klug abgelauscht 
Zum Heil des Künsllervolkes, 
Das es Dir ewig dankt. 
Doch Deine Dankbarkeit 
Für jene Herrlichen, 
Die uns die höchsten Freuden des Geistes 
Mil ihren Schöpfungen 
Freigebig spendeten 
Ward Dir zum schönsten Ruhm! 
Opferfreudigen 
Grossen Herzens 
Hast Du das prächtige 
Denkmal gegründet 
Des grossen Meisters, 
Der Dich vor Allen 
Heilig begeistert, 
Dess* Lied Du gesungen, 
Dem Zeit Deines Lebens 
Du frommen Kultus 
Treulich geweiht hast! 
Noch lange währ’ es Dir! 
Und stets vom Glück verklärt 
Dies schöne tätige, 
Freud’ und Glück spendende 
Fruchtreiche Leben! 
Und wenn mein’s lange schon 
Dahin geschwunden 
Und meine Asche langst 
Der Wind zerstreute 
Magst jugendfrisch Du jubelnd noch rufen: 
„Hurrah! Wir leben noch!“ 
Ludwig Pietsch. 
Gartenpartie mit Brunnenanlage von Prof. Arthur Schulz.
        
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