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Full text: Berliner Leben Issue 14.1911

Die Berliner lieben es ihren grossen winterlichen 
Ballfesten einen möglichst naturechten Anstrich zu 
geben. So sah’man auf der „Redoute Frideri- 
ciana“, welche die „Gesellschaft zur Bekämpfung 
der Säuglingssterblichkeit“ in den riesigen Aus 
stellungshallen am Zoo veranstaltete, vorwiegend 
Kostüme aus der Zeit des alten Friedericus Rex, 
riesenhafte Grenadiere mit den historischen Blech 
mützen auf der gepuderten Zopf-Perrücke und aller 
hand Gestalten im Stile des Rokoko. Die Höhe 
punkte des Festes bildeten der Einzug Friedrich 
des Grossen, von Hauptmann Sonnemann dar 
gestellt, mit seinen Paladinen durch das Branden 
burger Tor und das von Damen der Aristokratie 
und Offizieren reizend ausgeführte Schäferspiel. 
Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich und das 
Prinzenpaar August Wilhelm wohnten, von 
General von Dincklage-Campe, Fräulein von Raven 
stein und Frau Erna Manheimer im Namen des 
Komitees empfangen, mit grossem Gefolge dem 
phot. von Freyberg, Friedenau. 
Beim „Kinderball der Bösen Buben“, den 
die Direktoren Meinhard und Bernauer wie 
alljährlich in der Philharmonie arrangierten, 
erschienen alle im Kostüm Bub’ oder Mädel. 
Der grosse Saal war in eine Fürsorgeanstalt 
für ungeratene Kinder umgewandelt, in seiner 
Mitte erhob sich die 10 Meter hohe Riesen 
gestalt eines Schullehrers, der einem seiner 
Zöglinge eine Lektion ä la Mieltschin erteilt. 
Diese Schreckgestalt machte aber nur wenig 
Eindruck auf die Riesenschar der grossen Kinder, 
denn in ausgelassenster Fröhlichkeit drehten 
sich alle um sie herum im Kreise. Viel belacht 
wurde auch die im Oberlichtsaale eröffnete 
„Akademie der Unsterblichen“, die eine grosse 
Zahl treffender Piecen enthielt. Uebrigens 
wurde der diesjährige sehr grosse Reinertrag 
des Balles der Bösen Buben von den Ver 
anstaltern zur Errichtung einer Pensionskasse für 
die Mitglieder des Berliner Theaters verwandt. 
phot. Zander & Labisch, Betlin.
        
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