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Full text: Berliner Leben Issue 14.1911

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verfahren. Nun musst Du auch alles wieder in Ordnung 
bringen.“ Und er küsste seine alte Hausgenossin herzlich. 
Dann ging er zu dem Ulanen heran, reichte ihm die Hand 
und wünschte ihm lachend Glück zu seiner Verlobung mit 
Hindernissen. 
Tante Pine ergriff noch einmal ihr Opfer. Noch einmal 
segelte sie mit ihm los und brachte es nunmehr an die rechte 
Stelle. Als sie zurückkehrte, hatten sich die Wogen des all 
gemeinen Jubels und Trubels im Saale noch nicht gelegt. 
Sie schlich sich an Rinnow heran. 
„Der Mann wollte Ihnen den Scherz nachmachen?“ fragte 
sie flüsternd. „Wusste er denn alles?“ 
„Natürlich, Tante Pine! Er hat ja die Ringe gesehen, die 
ich mitgebracht habe. Jetzt ist der Kerl mir vorangeeilt. Es 
ist daher die höchse Zeit, dass ich seinem Beispiele folge, 
geebnet hat er mir ja meine Bahn.“ 
„Recht so, lieber Rinnow!“ ermunterte die Tante, über die 
sich gutmütiger Spott in reichem Masse ergoss. — 
Bald erfüllte heller Gläserklang den Saal. Der Sanitätsrat 
hatte die Verlobung seiner einzigen Tochter Susanne mit dem 
Oberleutnant Rinnow publiziert. Man stiess auf das junge 
Brautpaar an. 
Aber auch unter dem Weihnachtsbaume in dem Logir- 
zimmer erklangen Gläser, auch dort feierte man mit vom Haus 
herren gütig gespendeten Rebensäfte, in ganz kleinem Kreise 
nur, einen glücklich geschlossenen Bund für das Leben. 
Anekdoten Friedrich des Grossen. 
Axel Del mar, der bekanntlich mit 
vielen Dichtungen aus der Zeit Friedrich 
des Grossen mit Erfolg hervorgetreten 
ist, besitzt auch eine reichhaltige Sammlung 
wenig bekannter Anekdoten des grossen 
Königs, aus der wir nachfolgend einige 
veröffentlichen. 
Die Unsterblichkeit der Seele. 
Ueber dieses Thema hat der König mit vielen Gelehrten 
und grossen Geistern disputiert und Vergnügen in der Ab 
leugnung der Unsterblichkeit der Seele gefunden. Meist brachte 
er die Rede darauf, wenn er jemanden zu prüfen oder in 
Verlegenheit zu setzen geneigt war. Da war es dann nicht 
leicht, ihn zufrieden zu stellen oder eine andere Meinung, als 
die des Königs laut werden zu lassen. Sehr schnell verlor er 
die Geduld beim Anhören der ausführlichen Beweise für die 
Unsterblichkeit der Seele und hielt es für geboten, den Vor 
tragenden durch irgend einen Einfall mehr zu überraschen, als 
zu überzeugen. 
Als ihn einst ein nicht sonderlich beliebter Akademiker 
mit einer langen Reihe von Gründen für die Fortdauer der 
Seele zu langweilen begann, führte ihn Friedrich der Grosse 
kurzerhand vor einen Spiegel. Der Gelehrte machte ein 
nichts weniger wie geistreiches Gesicht, als der König auf das 
Spiegelbild wies und sagte: „Mit dem Gesicht wollen Sie 
unsterblich sein? Wer so aussieht, hat nichts getan, es zu 
verdienen.“ 
Berühmte Marginalien. 
Die Bauern des Magdeburgischen Dorfes, welches zum 
Kloster Bergen gehört, hatten den Abt zu überreden gesucht, 
dass er die Elbfischerei, welche ein Fischer in Pacht hatte, 
und von der sich dessen Voreltern schon seit undenklichen 
Zeiten genährt, an sie verpachten möchte. 
Der Fischer hatte alles versucht, dies zu hintertreiben, 
aber alle Hoffnung verloren, seinen Zweck zu erreichen. Er 
fing zufällig einen grossen Lachs und mit diesem und einer 
Bittschrift an Friedrich machte er sich auf den Weg nach 
Leipzig, wo der König 1759 sein Winterquartier hatte. 
Lachs und Bittschrift wurden dem König übergeben. 
Friedrich Hess den Fischer bewirten, ihm 30 Taler für den 
Lachs zahlen und die Bittschrift zurückgeben, um sie dem 
Abte zu seiner Richtschnur vorzulegen. Der König hatte 
eigenhändig daneben geschrieben; 
Der Abt muss beten, 
Die Bauern pflügen, 
Die Fischer fischen. 
Friedrich. 
Ein Türmer zu Magdeburg pflegte den Winter über Konzerte 
zu geben. Als aber wegen eines, das königliche Haus be 
treffenden Todesfalls, die Musik auf eine Zeitlang verboten 
ward, schrieb er an den König um Erlaubnis, mit seinen 
Konzerten fortfahren zu dürfen. Der König antwortete: 
„Da seines Wissens der Türmer zu Magdeburg mit dem 
königlichen Hause nicht im Geringsten verwandt sei, so fände 
er kein Bedenken, ihm die Fortsetzung der Konzerte zu ge 
statten.“ 
Der Bauer als Dichter. 
Friedrich hatte, wie alle grossen Männer, bei Lebzeiten 
viele Tadler, teils aus Unwissenheit, teils aus Neid und 
Bosheit; es erschienen im Auslande eine Menge pöbelhafter 
Schmähschriften und Pasquille auf ihn, von welchen er gar 
keine Kenntnis nahm. Dies veranlasste daher den als Dichter 
bekannten Bauer Isaak Maus zu Paddenheim in der Pfalz, 
folgendes Sinngedicht zu machen; 
„Ich kenne zwar den grossen Friedrich wenig 
Doch wenn man aus den Bolzen schliesst, 
Die mancher Satyr nach ihm schiesst, 
So ist er wahrlich mehr als König.“ 
Du! Du! 
Der Eindruck seiner Grösse wirkte auch auf entfernte 
Nationen; auch rohe Menschen fühlten sich von seiner un 
glaublichen Unerschrockenheit wehrlos gemacht. Im sieben 
jährigen Kriege ritt der König einst mit einem ganz kleinen 
Gefolge rekognoszieren. In einem Gebüsch lagen einige 
Panduren versteckt, die einzelne Schüsse auf das Gefolge ab 
gaben. Plötzlich rief ein Feldjäger: „Ihro Majestät, retten Sie 
Sich! Da hinter diesem Baume, dicht am Wege legt einer 
auf sie an!“ —- Friedrich behielt seine Fassung, sah sich um, 
erblickte den zielenden Panduren, hob seinen Stok in die Höh, 
und rief ihm mit drohender Stimme zu: „Du! Du!“ und der 
Pandur nahm erschrocken sein Gewehr bei Fuss, entblösste 
sein Haupt und blieb in ehrerbietiger Stellung stehen, bis der 
König vorüber geritten war. 
Voltaire. 
Die Porzellanmanufaktur hatte eine ziemlich ähnliche Büste 
des Königs geliefert, der sie deshalb für Voltaire bestimmte. 
Er schrieb mit eigner Hand darunter; «Viro imortale» und 
so überschickte er sie ihm. Voltaire antwortete: «Sire, vous 
me donnez une terre dans vos domaines». („Sir, Sie treten 
mir eins Ihrer Domänenstücke ab“). 
Wenn Voltaire diese Büste Reisenden zeigte, so pflegte 
er zuletzt auf die Unterschrift zu zeigen und dabei zu sagen: 
«Et c’est la signature de celui, qui me l’envoye» („Und dies 
hier ist die Firma desjenigen, der sie mir geschickt hat“). 
Quanz. 
Als Quanz 1777 starb, hatte er gerade von seinem drei- 
hundersten Flötenkonzert das erste Allegro und das Adagio 
fertig. Der König Friedrich II. Hess sich die Schreibtafeln 
bringen, worauf Quanz entworfen halte, machte ganz in dessen 
Geiste das letzte Allegro dazu und füllte die verschiedenen 
Lücken im Adagio. Dieses Adagio, also das letzte Werk 
dieses Komponisten, hatte eine simple und sehr rührende 
Melodie. Der König sagte, nachdem er dies Konzert mit 
seiner Kammermusik gespielt hatte, zum Konzertmeister Benda: 
„Man sieht, Quanz ist mit sehr guten Gedanken aus der 
Welt gegangen. “ 
Hoflieferant Sr. Maj. 
, d. Kaisers u. Königs. 
|i$i| K.K. Österr. Hof-Stahlw.-Fabrik. 
mm Hoflieferant Sr. Maj; des 
Königs von Griechenland. 
J. A. Henckels 
Zwillingswerk in Solingen. 
Stahlwaren bester Qualität. 
Schutzmarke Zwillinge 
eingetragen 13. 6. 1731. 
Alle meine Fabrikate tragen mein Zwillingszeichen; wenn sie 
bei Wiederverkäufern nicht zu haben sind, bitte ich sich zu 
wenden an die liauptniederlage: 
Berlin W., Leipzigerstrasse 118. 
Filialen: Cöln a. Rh., Hohestr. 144; Dresden, Wilsdruffer 
strasse 7; Frankfurta. M., Rossmarkt 15; Hamburg, G. Johannis- 
Str 11: München, Theatinerstr. 8; Wien I., Kärnthnerstr 
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