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Full text: Berliner Leben Issue 14.1911

„Schöne Maske, darf ich Dein Ritter sein“ flötete der 
Türke. 
Der Domino sah ihn an und flüsterte: „O Pascha, Arabella 
wartet Dein.“ 
Dieser stand sprachlos und der Domino war verschwunden. 
„Teufel“, dachte sich der Pascha, was wusste dieser 
Domino von Arabella. Er war der sicheren Meinung ge 
wesen, dass in der Stadt niemand von dieser Jugendtorheit 
eine Ahnung habe. Dem schien nicht so. 
Aber dann beruhigte er sich. Fräulein Ruth war das 
nicht. Die Maske hatte wohl nur geflüstert, aber ihre süsse 
Stimme hätte er doch erkannt. 
Wie zur Bestätigung dieses Gedankens erschien am Ein 
gang wieder ein roter Domino. 
„Da ist sie“, murmelte der Pascha, und mit erstaunlicher 
Behendigkeit eilte er auf denselben zu. 
„Schöne Maske, darf ich Dein Ritter sein?“ 
„O hast Du Isabella ganz vergessen?“ klang es vorwurfs 
voll zurück. 
Wieder zuckte der Türke wie vom Blitz getroffen zusammen, 
der Domino verschwand. 
Das ging ja mit dem Satan zu. Nun kannte dieser Domino 
sein so streng gehütetes Geheimnis, in dem Isabella eine Rolle 
spielte. 
Aber auch das war nicht Ruth. 
Ein wenig ungemütlich wurde es dem Pascha im Abend 
lande doch. 
Noch stand er am gleichen Platz. Ganz zufällig sah er 
zur Galerie empor und dort, o dort war ja auch ein roter 
Domino. Der Pascha stürmt hinauf. 
„Schöne Maske, darf ich Dein Ritter sein?“ 
„Donna Bianka weint sich die Aeuglein rot“ flüsterte es, 
und der Domino glitt hinweg. Der Pascha war auf einen 
Stuhl gesunken. 
„Um Gotteswillen, hier scheint man meinen ganzen Harem 
zu kennen“ stöhnte er mit Galgenhumor. 
Teilnahmslos schaut er in den Saal hinunter, da bemerkt 
er plötzlich wieder einen roten Domino. 
„Endlich werde ich Ruth doch treffen,“ und neu belebt 
eilt er in den Saal zurück und strebt der Stelle zu, wo er 
den Domino gesehen. Er kommt dorthin, von einem roten 
Domino keine Spur. Aber am ganz entgegengesetzten Teil 
des Saales sieht er ihn wieder. Unverdrossen windet sich 
der Türke durchs Gedränge um wieder die gleiche Entdeckung 
zu machen. Der Domino ist wieder wie in den Boden hinein 
verschwunden. 
Geraume Zeit starrt der Pascha in das Maskengewühl, da 
taucht unter einer Türe, die in einen der Nebensäle führt, der 
rote Domino wieder auf. 
Noch einmal will der grüne Turban sein Glück versuchen 
und schlängelt sich durch die Menge. Der rote Domino steht 
Alexander Nemos 
das frühere Mitglied des Hofopern-Orchesters, leitet 
jetzt das Theater-Orchester der „Lichtspiele“. 
noch immer dort. Aber holla was ist das, am Haupteingang 
wird ein zweiter sichtbar, an anderen Stellen des Saales ein 
dritter, vierter und fünfter, da von der Galerie schauen gar 
drei rote Dominos herunter, kurz, es wimmelt von solchen. 
Fassungslos steht der Pascha. Er weiss nicht wohin er sich 
wenden soll. 
Welcher Domino wird Ruth sein und wie finde ich sie 
heraus. Das ist sein Sinnen und Trachten. 
Ganz plötzlich aber ist kein einziger roter Domino mehr 
zu sehen. Sie sind wie weg gezaubert. 
Wieder irrt der Pascha durch die Räume. Dominos in 
Hülle und Fülle, in allen Farben, nur kein roter. 
Auf der Galerie lässt sich der Türke an einem Tischchen 
nieder und starrt trübselig vor sich hin. Am Nebentische 
nimmt ein Pärchen Platz, ein Neger und eine zierliche 
Zigeunerin. Neidisch betrachtet der Pascha die Glücklichen. 
Ein Kellner bringt eine Flasche Wein. Der Neger füllt die 
Gläser, sie stossen an und trinken, auch dem griesgrämigen 
Türken trinken sie zu. 
„Auf Dein Wohl, Herr Sultan“ ruft der Schwarze. 
Der springt auf und eilt davon. Plötzlich fühlt er, wie 
ihm jemand am Kleide zieht. Er blickt sich um und sieht 
einen baumlangen Mausfallenhändler vor sich. 
„Pascha“, flüstert der, „ich weiss was Du suchst. Soll 
ich Dir den rechten roten Domino zeigen?“ 
„Woher weisst Du?“ fragt erstaunt der Türke. 
„Das tut nichts zur Sache. Soll ich Dich führen?“ 
„Gewiss und rasch, es ist schon spät.“ 
„Dann folge mir.“ Und der Kroate schreitet davon. 
Eilig folgt ihm der Türke. 
Durch mehrere Säle gehts, dann über einen langen Gang 
und vor einer Türe macht der Führer Halt, öffnet dieselbe, 
schiebt den Pascha hinein und schliesst die Türe wieder. 
Der Pascha findet sich in einem kleinen, eleganten Klub" 
zimmer. Um den Tisch auf Divan und Stühlen sitzen still 
und steif eine Unmenge von roten weiblichen Dominos. 
Eins, zwei, drei — — — zwanzig Stück. 
Aufs höchste verblüfft gafft der Türke auf die roten Ge 
stalten und nun hebt der Regulator an der Wand an zu 
schlagen und verkündet Mitternacht. 
Ein Griff, ein Ruck, und die Dominos haben sich demaskiert, 
und der gute Pascha blickt in die lachenden ihm wohlbekannten 
Gesichter von zwanzig jungen Offizieren des Regimentes, das 
in der Stadt lag. . . 
Nun wusste Pascha Stiefelberg, dass ihm übel mitgespie* 
wurde und macht sich eiligst aus dem Staube. , 
Ein fröhliches Gelächter begleitet des Türken Flucht. Docn 
nichts bleibt ihm erspart. Dem Pärchen, das ihm auf der 
Galerie zugetrunken, begegnet er. Der Neger war niernan 
anderer als Dr. Sommer und die holde Zigeunerin Ruth Mollen 
Wenige Tage später fand deren Verlobung statt, den Baron 
Stiefelberg aber trug der D-Zug der Riviera entgegen. 
Die Spielerin. 
Novellelle von Laurice Lansfeld. 
Autorisierte Ueberlragung von Jeanne Friedländer. 
(Nachdruck verboten.) 
„Sie kommen doch natürlich mit in den Spielsaal, mon eher? 
fragte der Marquis de St. Lys. .. . 
„ln den Spielsaal? Ach nein, ich bin seiner überdrüssig 
geworden; lassen Sie uns hier draussen bleiben.“ 3 
„Wie Sie wollen; aber woher diese plötzliche Abneigung- 
„Ich will es Ihnen erklären; hören Sie denn.“ 
Die beiden jungen Leute, die in Paris erst vor kurzen 1 
Freundschaft geschlossen hatten und sich nun in Monte Gar 
wiedertrafen, rauchten soeben nach dem Diner ihre Zig arre 
im Freien. Der eine von ihnen war ein Engländer, dessen 
Französisch aber fast ebenso „panserisch“ klang wie das e 
Marquis.
        
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