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Full text: Berliner Leben Issue 14.1911

Franz Liszt’s ungarische Rhapsoclieen. 
Zur 100. Wiederkehr seines Qeburstages. (22. Okt. 11.), 
(Nachdruck verboten). 
Droben im hohen Himmelshause, 
Wo die Sonne nie untergeht, 
Läutete Petrus zur Abendpause, 
Die den Schlaf in das Weltall weht. 
Und von der Himmelsburg hernieder 
Sanken die-friedlichen Schleier der Nacht. 
Müde Kinder dehnten die Glieder, 
Rieben die Aeuglein und schlummerten sacht. 
Und wie auf Erden das kleine Völkchen, 
Täten die jüngsten des Himmels es- auch. 
Huschelten sich in die Federwölkchen; 
Lachten 'und schwatzten nach Kinderbrauch. 
— — — Gottvater droht mit erhobenem Finger: 
„Haltet nun Ruhe und gute Nach.tl 
Wollt-ihr wohl schlafen I Ihr losen Dinger 
Habt doch heute genug gelacht." 
— — Da ducken sie nieder. Dem göttlichen Worte 
Folgen sie alle im himmiichen Chor. 
Petrus verriegelt die goldene Pforte 
Und setzt als Wächter den Mond davor. — — 
In der weiten Wolkenhalle 
Sitzt der Herrgott nun ganz allein, 
Schaut hernieder zum Erdenballe 
Umstrahlt vom ewigen Glorienschein. 
Er hat auf dem Schosse das Buch der Zeiten, 
Das viele tausend Blätter hält, 
Und seine gütigen Augen gleiten 
Ueber das Schicksal der ganzen Welt. 
— — — Da hebt er plötzlich das Haupt aus den Händen 
Und lauscht. — Ein mächtiger, sehnender Klang 
Schwillt durch die Luft und schallt aus den Wänden 
Wie eines Helden.Siegessang. 
Das jauchzt und braust in, vollen Wogen 
Wie Sturm, der über die Lande zieht 
Und kommt auf leichten Schwingen gezogen, 
Leise,, ganz leise wie Schlummerlied. 
Und schwillt zu neuen Sturmakkorden, 
Sausend und brausend durchs Himmelreich, 
Und flüstert wieder in scheuen Worten, 
Gesungenem Gebete gleich. 
— Die kleinen Engel, die Putten alle, 
Der ganze himmliche Kinderchor 
Erwacht vom süssen melodischen Schalle, 
Lauscht im Kreise mit trunkenem Ohr. 
Nun tönt es aus wie leises Klagen, 
Wie ein Tropfen in silberne Schale fällt, 
Wie stummes Flehen, emporgetragen 
Zum gütigen Vater und Herrn der Welt. 
Und regt noch einmal die goldenen Schwingen 
Und senkt sich — ein leuchtendes Meteor — 
Als wollte sein Strahl die Nacht durchdringen, 
Als bräche die Sonne durch Wolkenflor. 
Auf Erden in seinem bescheidenem Raume, 
Mitten im nächtlich lauschenden Wien 
Sitzt Franz-Liszt im Künstlertraume, 
Vor sich die „Ungar'schen Rhapsodieen.“ 
Da schlägt der Herr im Buch der Zeiten 
Des greisen Künstlers Namen auf; 
„Dein Schicksal soll dich aufwärts leiten, . 
Geht abwä.fts gleich dein Lebenslauf. 
Du hast auf Erden nicht, desgleichen, 
Und welken tausend Jahre hinl" . . 
Und schreibt mit seinen göttlichen Zeichen 
Ein „Ewigl Unvergänglich!" hin, 
Hermann Dressier, Chemnitz. 
■ "=-=■ i-, '■ 
Schlangenkönigin. 
(Nachdruck verboten). 
Da unten am Weiher im Waldesgrund 
Hat sich in alten Tagen 
Manch’ liebes Märiein, so traulich und hold, 
Gar heimlich zugetragen. 
Im Reiche der Schlangenkönigin, 
In dämmerndem Waldesgrunde, 
Da ward er verzaubert, da ward gebannt 
Der Knabe in stiller Stunde, 
Er. kam, ein wandernder Vogel, frei 
Durch blühende Lande gezogen: 
Sein ganzes Gepäck, sein Hab und Gut, 
Seine braune Fiedel und Bogen. 
Und drunten am Weiher zur Abendstund', 
Von Dämmerung umsponnen, 
Hat er in träumender Einsamkeit 
Sein Liedei zu spielen begonnen. 
So jubelnde Weisen, so süss und stark, 
Dass leise die Seiten erbeben, 
Vor ihm ein Schlänglein auf moosigem Grund 
Und der Einsamkeit Träumen und Weben. 
Sein dunkles Auge strahlte so hell, 
Es lachte sein liebjunger Mund .... 
Und vor ihm die Schlangenkönigin 
In stiller Abendstund. 
Auf ihrem Haupte ein Krönlein von Gold, 
Ein Leuchten und Schimmern und Sprühen; 
In ihren Augen, so märchentief 
Und dunkel, ein himmlich Glühen. 
Und als das kleine Lied verstummt, 
Die süsse Weise verklungen, 
Hatt' ihn der leuchtenden Augen Gewalt 
In der Königin Bann gezwungen ...... 
Du fragst wie mein Märlein weitergeht? 
Ein Träumender zog er dahin 
Durch die weite Welt, durch das blühende Land, 
Im Banne der Königin. 
Und ein Träumer blieb er sein Leben lang, 
Und ein Dichter der Liebe dazu. 
Ein einsamer Spielmann in fremdem Land, 
Ein Heimatloser ohn' Ruh'. 
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