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Full text: Berliner Leben Issue 14.1911

phot. Conrad Hünich, Charlottenburg. 
Die grosse andauernde Hitzeperiode der letzten Wochen macht sich ganz besonders in den Gressstädten unangenehm bemerkbar. Alles seufzt unter den glühenden Sonnenstrahlen, die, in früheren 
oft so sehnsüchtig begehrt, uns der diesjährige Sommer in allzu reichem Uebermass darbietet. Der Wasserkonsum und der Verbrauch kühler Getränke hat eine noch nie erlebte Höhe erreicht. & e u nd 
stellen sich die Folgen der tropischen Glut ein. Hitzschläge, grosse Brände sind an der Tagesordnung. Der Wasserstand unserer Ströme und Flüsse ist derartig gesunken, dass die Schiffahrt nur mit M j s j e 
Not aufrecht erhalten werden kann. Von überallher kommen Hiobsposten über die verhängnisvolle Wirkung der Trockenheit auf die Ernte. — Nur unserer Jugend ist diese Temperatur gerade recht. n .p{ul 
doch die erwünschte Gelegenheit sich in dem von ihr so beliebten feuchten Element nach Herzenslust zu tummeln. In ganz Berlin, sei es nun am Wasserfall im Viktoriapark, oder im sogenannten Franko 
auf dem Tempelhofer Feld, oder in den Becken unserer öffentlichen Brunnen-Anlagen, — die Anlagen im vornehmsten Westen bieten genau dasselbe Bild, wie die im dichtbevölkerten Osten oder No ‘ ^ 
überall sieht man Scharen unserer lieben Jugend, der Schuhe und Strümpfe entledigt, die Hosen hochgekrempelt oder die Röckchen hochgeschoben, vergnügt und munter, und oft vor Freude jaucn 
Wasser plantschen. Und unsere mit Verboten sonst so rasche hohe Obrigkeit drückt beide Augen zu und gönnt der Jugend die so angenehme Abkühlung.
        
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