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Full text: Berliner Leben Issue 13.1910

»Und der Tip?“ 
»Kurz vor dem vierten Rennen. Ich darf es Euch nicht vorher 
sagen. Das wird ein Coup!“ 
»Max, Deine Frau kriegt ein schönes Armband von uns“. 
Die ersten drei Rennen waren gelaufen. Wir konnten gar nicht 
die Zeit erwarten, bis die Nummern zum vierten Start aufgezogen 
wurden. Endlich, Endlich! Zehn Pferde wurden gesattelt. Wir suchten 
Max. Wo steckte der Kerl nur?! Wir eilten den ganzen Sattelplatz 
entlang. Max war nicht zu linden. Wir suchten sogar im Waageraum. 
Max war nicht zu finden. Wir kletterten auf die oberste Plattform — 
v on Max keine Spur. Herrgott, jetzt läutete die Glocke schon zum 
Aufsitzen, und Max war immer noch nicht da. Nun hatten wir das 
viele Geld in der Tasche und konnten es nicht loswerden! Der Angst- 
schweiss stand uns auf der Stirn. Im Gedanken strich ich die Reise 
nach Paris und setzte die „mildtätige Stiftung“ für das Asyl auf die 
Hälfte herab. 
»Max — Max! Herrjeh, wo hast Du gesteckt?!“. 
Da stand er seelenruhig vor dem Fiinfzigmark-Toto und kon 
trollierte aufmerksam die Wetten! 
»Was ist denn los? Ihr kommt ja dahergestürmt wie Deibypferde. 
„Den Tip — den Tip?“ 
Er zog mich bei Seite und flüsterte mir leise ins Ohr: 
„Nummer vierzehn.“ 
„Wie lang steht er?“ 
„Gibt 'n Hutvoll Geld. Erst zweimal k zehn Mark gewettet.“ 
„Heiliger Moses! Also die Vierzehn.“ 
„Schrei doch nicht so. Soll es der ganze Sattelplatz hören. 
Aber wette das ganze Geld nicht an einem Schalter. Das fällt auf. 
Hier zwanzig — da zwanzig — bis Du alles los bist. Nach dem 
Hennen treffen wir uns am Auszahltoto.“ 
„All right.“ 
Bernhard und ich brachten das ganze Geld unter. Wir hatten 
die 1 asche voll Tickets. 
„Welche Farben trägt der Jockey?“ fragte Bernhard. 
Wir sehen im Progamm nach: Grün und schwarz gestreift, 
fpüne Kappe. 
Die Pferde standen am Ablauf. Jetzt schnellten die Bänder hoch-' 
Hei, sauste das Feld davon! Grün-schwarz lag an zweiter Stelle. Der 
eiste Bogen. Grün-schwarz schiesst vor! Eine klare Länge liegt er 
vor den übrigen. Zwei — vier Längen! Eine mörderiche Pacel (Hält 
er das Tempo durch?? Es geht über 2200 Meter.) Ach, diese entsetz- 
llche Angst. Bernhard und ich lagen über die Barriere gebeugt und 
zitterten vor Aufregung und Spannung. Jetzt kommt der Einlauf! 
Grün-schwarz voran! 
„Er gewinnt! Er gewinnt!“ 
»Hurrah 1 Hurrah! Hurraaah!“ 
Jetzt das Finish. Es löst sich einer aus dem Rudel. Die 
eitschen sausen klatschend auf die kämpfenden Pfeide nieder. Drei, 
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phot. Oebr. Haeckel, Berlin. 
Am 7. Mai wurde das nach einem Modell des verstorbenen Bild 
hauers Professor Klein hergestellte Fontane-Denkmal im 
Tiergarten auf der Wiese gegenüber der Stülerstrasse enthüllt.
        
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