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Full text: Berliner Leben Issue 12.1909

Konzertleben Berlins einen bedeutsamen Anteil zu 
gewinnen und auch sein Dirigententalent, das er schon 
früher bewährte, in aussergewöhnlicher Zielsicherheit 
und Kunsttüchtigkeit zu entfalten. Man darf auf seine 
weitere Entwicklung die grössten Hoffnungen setzen. 
Seit 1903 ist er mit Elsbeth geborenen von Borries 
vermählt. Seine Gattin ist die Tochter eines ver 
dienten preussischen Offiziers und entstammt einer der 
ältesten deutschen Adelsfamilien, welche dem Staate die 
besten Generäle und Staatsbeamten stets geliefert hat. — 
Walter Kirchhoff, der in sehr kurzer Zeit ein Lieb 
ling des Publikums geworden ist, ist am 17. März 1879 
in Berlin geboren und wurde im April 1899 Leutnant 
im 13. Dragoner-Regiment in Metz. Schon in Kameraden 
kreisen und in der Gesellschaft seiner schönen Stimme 
wegen bekannt, lag ihm, als er durch einen Sturz mit 
dem Pferde seine Laufbahn aufgeben musste, der 
Gedanke Sänger zu werden, sehr nah. Nachdem Pro 
fessorjulius Stockhausen Kirchhoffs Entschluss gebilligt 
hatte, nahm er in Berlin bei Eugen Robert Weiss 
Unterricht und setzte alsdann seine Studien in Mailand 
fort. Im August 1906 wurde Walter Kirchhoff nach 
sehr erfolgreichem Gastspiel für das Königliche 
Opernhaus verpflichtet, wo er in verschiedenen 
Partien allgemeine Anerkennung fand und erst 
kürzlich als „Lohengrin“ ausserordentlich gefiel. — 
Dass der reizenden jugendlichen Salondame des Lust 
spielhauses, Felicita Cerigioli, auch die Mutterrolle 
gut steht, werden unsere Leser sicher zugeben. Die 
Künstlerin ist mit dem bekannten Schauspieler Max 
Marx vom Kleinen Theater verheiratet. — Dr. Rudolf 
Presber, bekannt als geistvoller Feuilletonist und 
Dramatiker, ist am 4. Juli 1868 in Frankfurt a. M. zur 
Welt gekommen. Von seinen dramatischen Werken 
sind „Der Schatten“, „Der Schuss“, „Die törichten Jung 
frauen“, „Die Dame mitden Lilien“ die bekanntesten. Sehr 
viel Beifall fanden seine Novellen und Skizzen „Von Leut 
chen, die ich liebgewann“ und „Spuren im Sande“. — 
Hans Werckmeister, eines der beliebtesten Mitglieder 
am Neuen Theater ist ein Schüler von Ludwig Stahl. 
Er begann seine Bühnenlaufbahn im Lessing-Theater 
unter Dr. Oskar Blumenthal, und ging dann als Bonivant 
nach Mainz, Stettin, Frankfurt a. M., Hamburg. Werck 
meister kam dann wieder hierher zurück und war zu 
nächst am Thalia-Theater. Von dort wurde er für das 
Trianontheater verpflichtet und dann von Direktor 
Schmieden engagiert. Sein Einakter „Das Geisterauto“ 
wurde auf fast allen grösseren Bühnen gegeben und 
erlebte hier über 200 Aufführungen. — Ella Gabri, 
die jetzt im Ibsen-Cyklus am Lessing-Theater als 
„Gunhild“ in „Gabriel Borkmann“ einen starken Erfolg 
hatte, begann ihre Laufbahn in Altenburg und Coburg- 
Gotha. Von Lautenburg entdeckt, wurde sie an das 
Residenztheater engagiert, wo sie mehrere Jahre erfolg 
reich wirkte. Dann ging sie nach Breslau, wo sie 
überaus beliebt war und kehrte vor einigen Jahren nach 
Berlin zurück. — Zu den bedeutendsten Künstlern 
Deutschlands gehört unstreitig Prof. Hans Herrmann 
Geboren 8. März 1858 zu Berlin, studierte er in Berlin 
auf der Hochschule der bildenden Künste vom Jahre 
1874 — 1879, in Düsseldorf auf der Kunst-Akademie als 
Meisterschüler von Prof. Eugen Dücker 1880—83, 
malte bis 1885 selbständig dort und kehrte dann nach 
Berlin zurück. Vom Jahre 1880 machte Hans Herrmann 
fast alljährlich Reisen nach Holland, erhielt in Berlin 1886 
die goldene, 1900 die grosse goldene Medaille. 1900 
zum Professor ernannt, wurde er 1896 ordentliches Mit 
glied der Akademie der bildenden Künste. Viele 
Museen und Galerien besitzen Gemälde z. B. Die 
Nationalgalerie „Pochersdorf an der Maass“ und die 
Dresdener Galerie „Alte holländische Stadt“ etc. 
Auch Professor Otto H. Engel hat sich durch sein 
phot. Arth. Levin, Steglitz. 
Geh. Reg.-Rat Professor Simon Schwendener, 
feierte seinen 80. Geburtstag. 
phot. / udwig Hub, Charlotten bürg. 
Dr. Otto Weddigen, 
feiert demnächst sein 40 jähriges Schriftsteller-Jubiläum. 
grosses Können eine erste Stellung im Reiche der Kunst 
errungen. 1866 in Erbach im Odenwald geboren, kam 
er im schon 7. Lebensjahr nach Berlin. 1886 besuchte 
er die Kunst-Akademie und studierte besonders bei 
Paul Meyerheim dort bis 1S90. Alsdann setzte Engel 
seine Studien in Karlsruhe und München fort. 1893 
stellte er seine ersten Bilder ans, die allgemein grosse 
Anerkennung fanden. Sein „Meeresleuchten“ erregte 
1896 Aufsehen. Seit dieser Zeit lebt der Künstler 
wieder hier. Sein prachtvolles Bild „Junge Mutter“ er 
hielt auf der letzten Kunst-Ausstellung die „Grosse 
goldene Medaille“. Seit 1906 ist Professor Engel auch 
Mitglied der Akademie. Im Besitz der National-Galerie 
befindet sich sein „Dünental“. — Die 18 jährige Harfen 
virtuosin Margarete Emma Kratje, ist bekannt durch 
ihre Konzerte in Russland, in Berlin u. a. im Mozart 
saal, in Frankfurt usw. Von allen Kritikern wird be 
sonders ihre grosse Technik hervorgehoben und ihr 
seelenvolles Spiel gerühmt. Sie erhielt ihre Ausbildung 
bei dem bekannten Kammervirtuosen Moser und auf 
der königl. Hochschule in Berlin. — Im Jahre 1888. als 
der jetzige Kaiser die Regierung antrat, machte der 
„Schlossplatz“, von den Fenstern der Kaiserlichen 
Wohnräume aus gesehen, noch einen wenig imposanten 
Eindruck; der Platz war damals noch mit gewöhnlichem 
Reihenpflaster versehen, wurde durch Gaslicht be 
leuchtet, entbehrte der Gartenanlage in der Mitte, und 
der Verkehr über denselben war ein sehr geringer. 
Wie anders heute. An Stelle der schmalen Häuser 
zwischen Spree und Breitestrasse erhebt sich der in den 
Jahren 1896 bis 1900 vom Geheimen Hofbaurat Jhne 
geschaffene Bau des Königl. Marstalles mit seiner 
prächtigen Fassade, die Mitte des Platzes nimmt der 
1891 aufgestellte, nach Modellen von Professor 
Reinhold Begas errichtete „Schlossbrunnen“ ein, den 
die Stadt Berlin Kaiser Wilhelm 11. als Huldigungs 
geschenk darbrachte, elektrisches Bogenlicht lässt 
während der Dunkelheit das alte Königsschloss an 
der Spree noch wirkungsvoller hervortreten und die 
Wagen der Strassenbalm, Autoomnibusse und ein 
Strom von Privatfuhrwerken kennzeichnen heute 
den Schlossplatz als den Mittelpunkt Berlins. — Die 
Aufnahme „Hardenbergstrasse“ auf Seite 15 zeigt 
uns einen der schönsten Strassenziige im Westen 
Berlins Schön nicht nur durch seine ideale 
Anlage, sondern auch durch die an ihm liegenden 
architektonisch reizvollen, öffentlichen Gebäude. Im 
Vordergründe links die Königl. akademische Hoch 
schule für die bildenden Künste, dahinter die Militär 
technische Akademie und der Gebäudekomplex des 
Ober-Verwaltungsgerichts; im Hintergründe erhebt sich 
die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Vorn rechts ist 
ein Teil des Stein-Platzes sichtbar. Interessant ist die 
Hardenberg-Strasse noch dadurch, dass unter dem, für 
den Strassenbahnverkehr bestimmten, Mittelteile des 
Strassendammes, der durch Rasenstreifen und Blumen 
beete begrenzt wird, sich der Tunnel der Untergrund 
bahn befindet. — Am 27. Februar feierte der „Frei 
sinnige Ortsverein für den Berliner Ortsteil von Schöne 
berg“ unter sehr grosser Beteiligung der besten 
Gesellschaftskreise sein erstes Stiftungsfest. Vorsitzender 
ist Stadtverordneter Baumeister Kuznitzky.
        
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