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Full text: Berliner Leben Issue 11.1908

Botho’s Werbung. 
Humoreske von Brisa Testa. 
„Und so bitte ich den Herrn Oberst ganz gehorsamst um 
die Hand von Fräulein Meta.“ Botho von Schweidtnitz, der 
blonde Adjutant, dem das freundliche Blau der Dragoner nach 
übereinstimmender Ansicht aller Damen so entzückend stand, 
war zu Ende mit seiner Rede; in kerzengerader Haltung stand 
er vor seinem Vorgesetzten, auf Antwort harrend. Unverkenn 
bares Wohlwollen sprach aus den Zügen des Obersten. Nie 
machte er aus seinem Herzen eine Mördergrube. Er hasste 
die Winkehüge der Diplomatie; soldatische Offenheit war in 
seinen Augen die höchste Tugend. Auch jetzt machte er kein 
Hehl daraus, dass ihm dieser Freier willkommen. Ein Mann 
so ganz nach seinem Herzen, aus bester Familie. Und ver 
mögend! Dabei ein tüchtiger Offizier, der zweifellos eine 
Karriere vor sich hatte. Aber auch seine Meta, das Pracht 
mädel, war eine „Partie“. Ihre Mitgift auch kein Pappenstiel. 
Kurz, die Kinder waren wie geschaffen für einander, — und 
die Hauptsache! — waren sich gut. 
Das hatte ihm übrigens seine Frau schon lange gesagt. 
Ja, ja! Frauen sehen in solchen Dingen doch höllisch scharf. 
Nun behielt sie wieder mal Recht. Aber diesmal freute es ihn. 
Er liebte die Ueberraschungen ganz und gar nicht, und dank 
der wiederholten Andeutungen seiner Frau hatte er sich seine 
Antwort genau zurechtlegen können. Sein „Ja“ wollte er in 
eine herzliche, aber würdige Form kleiden, wie es ihm in seiner 
doppelten Eigenschaft als Vater und Vorgesetzter zukam. In 
dessen ohne eine sanfte väterliche Ermahnung sollte es nicht 
abgehen. Man musste den Herrn Schwiegersohn gleich von 
vornherein ein- für allemal den Standpunkt gehörig klar machen. 
Denn Dienst bleibt Dienst! — Langsam und gemessen erhob 
sich.der Oberst aus seinem Sessel. „Mein lieber Schweidtnitz!“, 
begann er wohlwollend und mit echt väterlicher Rührung, „Sie 
wissen, wie grosse Stücke ich auf Sie halte. Werden auch 
wissen, wie hoch ich Ihre liebe Familie schätze, besonders Ihren 
Herrn Papa, meinen alten Regimentskameraden. Wenn Sie und 
mein Kind sich einig sind, so will ich Ihrem Glücke nicht im 
Wege stehen. Auch meiner Frau — so darf ich wohl hoffen — 
werden Sie als Sohn willkommen sein. Im Dienst aber, Herr 
Leutnant,“ der Oberst reckte sich um einige Zoll, und seine 
Stimme hob sich, „im Dienst, Herr Leutnant,“ wiederholte er 
fast drohend, „im Dienst“ Der Oberst stockte und suchte 
vergeblich nach Worten. Er hatte den Faden der so sorgsam 
präparierten Rede verloren. Fatal, wirklich höchst fatal! Nun 
musste er doch improvisieren. 
Der eben noch so gütige Ausdruck auf seinem Antlitz ver 
schwand. Sein Gesicht rötete sich mehr und mehr, und die 
Zornesadern an den Schläfen schwollen immer bedenklicher an. 
„Im Dienst aber, Herr Leutnant,“ fuhr er nach einer peinlich 
langen Pause endlich fort, und seine Stimme klang wie Trompeten 
geschmetter auf dem Exerzierplatz, „im Dienst kenne ich keine 
Verwandtschaft. Gibt es keine Bevorzugung! Sie haben Ihre 
Pflicht zu tun, wie alle Anderen in meinem Regiment! Ihre 
verdammte Pflicht und Schuldigkeit! Hören Sie, Herr!! Oder 
glauben Sie etwa — der Oberst redete sich immer mehr in 
Wut —, „Sie könnten sich in Zukunft mehr herrausnehmen; 
könnten weniger stramm sein, könnten bummeln!? Herr, was 
fällt Ihnen ein!! — Ich dulde keine Bummelei in meinem Regi 
ment ■— von niemand, Herr — auch nicht von meinem Schwieger 
sohn!! Verstehen Sie, Herr!! — Der Teufel soll Sie holen, 
wenn Sie sich unterstehen!! — Vors Kriegsgericht lass’ ich Sie 
stellen — auf Festung schicken, Herr!!! Mit über 
schnappender Stimme, fast sinnlos vor Aufregung, hatte der 
Oberst die letzten Worte herausgestossen. Mit beiden Händen 
griff er nach seinem Halse; der enge Uniformkragen drohte ihn 
zu ersticken. Sein Gesicht zeigte eine beängstigende blaurote 
Färbung. — Da war Gefahr im Anzuge; nur ein Radikal 
mittel konnte hier helfen. Botho überlegte blitzschnell. „Zum 
Teufel, Herr, so reden Sie doch; was haben Sie darauf zu er 
widern!?“ keuchte der Oberst mühsam nach Atem ringend. — 
Ohne mit der Wimper zu zucken, hatte der blonde Adjutant 
seinen polternden Regimentskommandeur angehört. Jetzt zog 
er ein zierliches silbernes Etui aus seiner Tasche, öffnete es 
und präsentierte es in verbindlichster Haltung dem Oberst mit 
der respektvollen Frage: „Lieber Schwiegerpapa! Eine Salem 
Aleikum gefällig?“ Fassungslos starrte der alte Hau 
degen auf das ihm entgegen gehaltene wohlgefüllte Zigarretten- 
Etui. Dann aber begann es ihm schrecklich zu dämmern. Und 
er begriff die Situation — langte nach der rettenden Zigarette. 
Und wie er in tiefen Zügen den köstlichen Duft der schnell in 
Brand gesetzten Salem Aleikum atmete, kehrte auch das seelische 
Gleichgewicht zurück. „Herr Leutnant,“ begann er, „wenn ich 
Sie recht verstanden habe, so hielten Sie vorhin um die Hand 
meiner Tochter an?“ Botho von Schweidtnitz verbeugte sich 
ehrerbietig. „Ich glaube, Ihnen auch gesagt zu haben, dass 
Sie meinen väterlichen Segen haben. Oder habe ich nicht?“ — 
„Zu Befehl, Herr Oberst!“ Wieder verbeugte sich der junge 
Offizier, der sich bei dem Gedanken an den väterlichen „Segen“ 
nur mit Mühe eines Lächelns erwehren konnte. Ein warmer 
Händedruck beglückte ihn. 
„Bleibt also nur übrig, dass Sie alles Uebrige mit meiner 
Frau und Tochter selbst abmachen.“ Und schon hatte der alte 
Herr die zu den Gemächern seiner Frau führende Tür geöffnet 
und rief mit dröhnender Stimme: „Mama! — Meta! — Wo 
steckt Ihr Kinder!? Hier ist Besuch für Euch, lieber Besuch!“ 
Als Botho seine hold erglühende Braut in den Armen 
hielt, flüsterte ihm das liebreizende Mädchen ins Ohr: „Und 
ich habe vorhin eine so schreckliche Angst ausgestanden. Papa 
war so laut! Was hattet Ihr nur? Gott sei Dank, dass alles 
gut gegangen!“ — „Gott sei Dank!“ pflichtete auch Botho von 
Schweidtnitz aus tiefstem Herzensgründe bei. Aber erst viel 
später hat seine Braut erfahren, wie alles zugegangen. Und 
noch heute muss sie herzlich lachen, wenn die Rede darauf 
kommt, wie der Zorn ihres Papas verrauchte bei einer — 
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Direktorium: 
Prof. Xaver Scharwenka, Prof. Philipp Scharwenka, 
Kapellmeister Robitschek. 
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Genthinerstrasse 11. 
flui demselben Grundstück befinden sich die Klindworth-Scharwenka- 
und Blüthner-Säle, welche Eigentum des Conservatoriums sind.
        
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