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Full text: Berliner Leben Issue 5.1902

Jüeiuc lilkf «hü kr großen Stobt. 
tÜji Hol)Annes (Evoi.in. 
Pas Ijäjjlidji' Baus. 
iE® gicbt iiar maiufjc ©tra|jc in her .©labt, 
Po nidjf ein Bmtm Jteljf, um bic Bäufrv ftnb 
KEijIo» nnb frijimnklo» unii einförmig grau. 
'In einer jolrticn .©trafje, gegenüber 
©er Käufer einem, bas öefonbrr« Ijäljlirf;, 
©lel;f einer lange l’rfjon und ftcljf es an. 
Pas l;at er an dem Banfe nur ju fel;’n? 
uis aöjumalcn bann bnd; ntcfjt fein Pnitfrl; fein, 
PiU er es häufen? Pili er mieten dort? 
Pie er da jleljf, defonders anfmerhfam, 
3ialjt einen Seil des Banfes er in’s Muge: 
ihi einem Icnfter tdidit er |tarr hinauf. 
Pas an dem Xenffer hat er nur ;n feTj’n? 
(Es i|t ein .lenfter, mie die andern find, 
Bein Blumentopf, dein ©tväufilein fleht darin, 
lUnd denmu'h blirlit er immer;« hinauf. 
& fiel;, auf einmal jeiiif am .Icnfter ful; 
(Ein Jtnge|u1;f, umral;mt oon golbneii Indien, 
Mit Pannen, ro|igcn, mit rotem Punb, 
Mm den ein anmufoolles Ifidjeln fpielt, 
find mit ;mei Mugen, die mie Sterne find. 
Mus diefen Mugen aber fällt ein Blidi 
fünf den hinmtfer, der oon unten auffd;aut, 
find mie der Bli(k dis in das Berj il;m fällt, 
Pird ihm das Baus jnm fd)ön|ten auf der Pell. 
Uiin „Üimten ®ai\!“ 
Urin gutes Port fürmal;r i|t „(Buten Sag!“ 
find i)t es and; ;nr lledensart geitmrbcii, 
Pan freut dod; immer fid;, menn man es f;ürt. 
Pa|f fremde Penfdjen and; einander grüßen, 
Penn fie begegnen fid), das i|t ja Brand; 
Pa, um die Penfdjen nid;t |'el;r häufni lind, 
,5. B. in der einfam-ftillen Beide, 
Po Bienen nie! oerlieI;ren, Penfdieu meniii. 
Jn milden Päldern, am ucrlaff'nen strande 
Po mein nur BoiU'llfmren trägt der .©and, 
Jiluf hohen Bergen in dem rm’geit ©d;nce 
Und auf dem Pclfmcer, um oft lauge .5eit 
Binjahrf ein ©rf;ijf, elf cs ein andres trifft, 
Pa grüßen and;, die fremd ful; lind, einander, 
Pod; in der grüßen ©ladt gefrf;icl;t das nuf;f — 
Pie mär’s and; müglut; in der grüßen ©labt! 
Und dod; und dod; mitunter (nimmt es oor! 
Penn auf der Bal;n ivl; fal;rr, die da mitten 
Iahet durd; die ©tadt, ffeigt mandjinal einer ein - 
Pafitrlid; Immmf er frifd; aus der JProoinj, 
Po I;öftiit; fein il;n lcl;rte feine Putter 
Und dielet mir, rinfteigriib, „(Ernten Sag!“ 
(Enuiebrrnb drauf, erfreu’ idj mid; daran 
Und uehiu 1 es als ein gitnftig Ihnen an. 
Hu frt'meu'r töPnljmuuu 
Uiinft in ein Baus des Peffens oon Berlin 
(Erat idj, um aufjnfnrßrn einen Bcrrn, 
Per Kat mir geben füllt’ in einer ©ad;e 
IId; Iiannf’ il;n nidjf, dod; er mar mir empfohlen. 
Pas Päbrßcn, das mir öffnete die 0I;iir, 
Pies mid; ;n gcß’it den Boreidor entlang, 
©amt miivd id; Iiommeu jn dem Mrbeitsjimmrr 
Pes Bereit Ju|ti;rats. Mlfu tl;at id; daun. 
Mn eine uUjüre dam id;, hlopflc an 
Und klopfte nod;mals — niemand rief herein. 
Pa öffnete uorfirßtig id; die (El;ör 
Und gteid; erkannt’ id;, baß id; mid; oerirrt. 
■In einem fdjönen Zimmer fal; id; mid;, 
Pas mit der läenjeit Inxus ansgeftattet 
Und offenbar die „gute ©tobe'* mar. 
Mls id; dann meiter forfdjend um mid; fal;, 
Pa fiel mein Blidi duvdi eine offne tEl;üv 
.Ju ein OFiemad;, um hiibfdjes mar ;n felj’n. 
(Einander gegenüber faßen da 
Mn rinem Itlcinen ffiifri) fioei junge Pämd;en, 
(Main allerlieb|te, glauderud mit einander, 
Und jmifi'hen il;nen auf dem ülifd;d;rn |tand 
Uüefüllt mit ©üßiglieifen eine ©d;ale, 
Ju die hinein die Bändrljen fieißig griffen, 
Jnbrß die ©timmr eines Papageis, 
Per an der Pand in fdimudiem Käfig hing, 
©id; mifdjte in ihr ©rljnmßen und il;r Ir dien. 
Mn diefem Bild ergüßt id; midi ein Peildieu, 
Pann aber fiel ju meinem Oüliidi mir ein: 
Penn lie didi feh’n, lie merben lebe erfdjreiken, 
Permeinend, daß ein ©troldi fub l'rhlid; in’s Baus — 
Und dies bedeiilieud, vif; id; ciligft aus. 
dinier der Glasscheibe. 
Von Kasmierz Tetmajer. 
Aus dem Polnischen von Stefänia Goldenring. 
■ jauche von uns sitzen hinter einer Glasscheibe. 
; Sie ist so dünn, dass es scheint, als wäre sie 
garnicht da. Und doch ist sie vorhanden, wir 
brauchen nur die Hand auszustrecken, dann stossen 
wir daran. 
Durch diese Scheibe sieht man alles so deutlich, 
als wäre sie garnicht. Die Menschen gehen so dicht 
vorbei, als würde uns nichts von ihnen trennen. 
Und wenn wir die Hand oder den Mund nicht aus 
strecken, dann können wir denken, sogar glauben, 
dass uns nichts von ihnen trennt. 
Weshalb bist du gekommen? Weshalb gehst 
du in der Majestät deiner königlichen Schönheit und 
der flammenden Glut meiner Liebe vorüber? Wes 
halb bist du gekommen? Ich strecke die Hand aus, 
— — du hast meine Bewegung nicht einmal be 
merkt, denn ich bin bereits auf die Glasscheibe 
gestossen, durch die das Schicksal so manchen von 
der Welt abgesondert hat. 
Du wirst weiter gehen, und ich werde hinter 
der Glasscheibe bleiben und dich sehen, wie du 
immer weiter und weiter schreiten und unter den 
hundert Köpfen, die sich vor deiner königlichen 
Schönheit beugen, mir aus den Augen schwinden 
wirst . . . Das werde ich durch meine Glasscheibe 
sehen, durch die man so deutlich schauen kann, als 
wäre sie garnicht da und durch die so mancher 
von der Welt geschieden wird. —
        
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