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Full text: Berliner Leben Issue 5.1902

Stattliche, Bildreife hat Hans Herrmann', der mit 
Delikatesse die knallbunte Littfasssäule in das zarte 
Grau eines silbrigen Vormittags hineinzustimmen 
versteht. Auf erwählte Geschmacksoffenbarungen geht 
JOSEF BLOCK 
in erster Linie auch Ulrich Hübner aus, aber seine 
im Ton wunderbar zusammengehaltenen Farben haben 
von der Frische des ersten Eindrucks nichts eingebüsst. 
Eine Teilnahme am Men sehen geschieh sprechen erst 
wieder die vielvertrauten Schilderungen Paul 1 loeni^ers 
aus, er wagt sich mit seinem Malkasten auch mutig in 
ULRICH HÜBNER 
die dunkelsten Quartiere von Berlin O. Von Max 
Schlichting, von Martini und andern existirt noch manch 
gut gesehenes Stück Berlin. Und dann darf man es 
Besser Ury nicht vergessen, dass er zu einer Zeit, als 
Droschken auf nassem Pflaster noch nicht für interessant 
galten, dergleichen sah und malte. 
All das könnte man, wenn es nicht wie Wort 
spielerei klänge, zum Unterschiede von Landschaft mit 
„Stadtschaft“ bezeichnen. Denn es lässt sich darin 
ein durchaus besonderer Begriff von Poesie, eine ganz 
gewisse Lyrik bewerten. Aber es giebt für sich auch 
noch berlinische Landschaften. Nicht aus dem Tier 
garten, denn dort ist das Malen polizeilich verboten, 
sondern aus dem Grunewald, dessen Villenkolonie zu 
Berlin zählt. Und darum gehört Walter Leistikow hier- 
PAUL MEYERHEIM 
her, dieser einzige Charakteristiken des Waldes. Aber 
die entgegengesetzte Seite der Stadt, dort wo die 
Laubenkolonien und die letzten Windmühlen stehen, 
hat in zahlreichen guten Bildern Franz Bombach gemalt. 
Was diese Maler gaben, sind Bilder, die ihre 
Zeit spiegeln. Aus Lebensgefühl, Zeitverständnis, 
Heimatsliebe sind sie erwachsen. Es sind durch 
Treue wahrhafte Schilderungen und durch Freude 
köstliche Dinge. Sie können so nicht wieder gemalt 
werden, denn täglich verändert sich die mächtig 
wachsende Stadt. Noch ist das meiste für die 
Sammler erreichbar. Die National-Galerie hat sich 
für ihr Handzeichnungskabinett mancherlei aus Alt- 
Berlin gesichert. Doch wer anders als die stolze 
Stadt selbst sollte ein Interesse bethätigen? Im Mär 
kischen Provinzial - Museum werden historische 
Knochen und Scherben aufgebahrt, damit man sich 
aus diesem Gebröckel von vergangener Heimatkultur 
eine Vorstellung konstruiere. Hier in diesen Kunst 
werken, die das kondensierte Leben sind, hätte man 
für später die lebendigsten Ueberlielerungen. Und für 
jetzt könnten die Vielen, die an den Schönheiten 
der Strasse, den hellen und düsteren, blind und 
stumpf vorüberhasten, empfindend gemacht, zum 
praktischen Genuss des Schönen erzogen werden. 
Malerisch ist das, was die Maler entdeckt haben. 
FRIEDRICH v FUCHS 
Nachdruck”und Vervielfältigung aus dem Inhalt dieses Heftes ist strengstens verboten. — Die Photographien nach den Gemälden sind grösstenteils vom Hofphotographen Hermann Boll, Berlin W„ hergcstellt worden. — 
Von dem Bilde auf dem Umschlag befindet sich der Originalholzschnitt im Besitze von S. Schottlaender, Breslau.
        
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