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Full text: Berliner Leben Issue 5.1902

nter den grogggtädtlgcben Gtabllggementg Berlins, in die 
sieb vorzugsweise der mächtige Strom des Fremdenverkehrs 
ergiesst, um sich da mit dem Bewöge des bodenständigen 
Pebens zu vermischen, ragt besonders das Etablissement an der JNord- 
cckc der fcststrasse 
Unter den Cinden 
und der Friedrichstrasse hervor, welches im Zeichen der Siegesgöttin „Uictoria“ 
steht. 
Uictoria-Gafe 
und 
Uictoria-fiötel 
diese beiden vornehmen Sammelplätze der Residenz, welchen der Pracht 
bau an jener Ecke dienstbar ist, sind Damen, welche längst schon den 
besten Klang besitzen und sich inmitten des riesigen Berlin zur unum 
strittenen Geltung durebzuringen verstanden haben. IDit zwei fronten 
nach den bedeutendsten aller ötrassenzüge gewendet, verfügt das 
Etablissement über eine Page von imposanter Gewalt. Es ist das einzige 
ln Berlin, welchem bis ins Erdgeschoss hinunter eine so dominierende 
Stellung zukommt, und schon von diesem Gesichtspunkte aus zwingt das 
Raus dem Besucher Staunen ab, denn jedermann weiss, welch riesigen 
Aufwand der Platz allein gerade an dieser Stelle Berlin erfordert. Dem 
Hufwand entspricht denn auch der Gffckt. Wer nicht an einem 
der fenster des Vlctorla-Cafe', wer nicht von einem Balkon des 
Victoria-Rotels aus das unerschöpfliche, unermessliche, unergründliche 
Rasten der deutschen IDetropole beobachtet hat, wer nicht von diesen 
unübertroffenen Vedctten aus die geschäftige Emsigkeit und die kokette 
Eleganz, den Ernst und den Zeitvertreib, das Eilen und Weilen, die Grösse 
und das Kleinliche, den tag und die Dacht, Picht und Schatten der deutschen 
Weltstadt verfolgt hat, der kennt sie gar nicht. Und wer es versäumt, 
aus diesem nie versiegenden Quell von Eindrücken zu schöpfen, die in 
ihrer Eigenart, in ihrer Wucht und Erhabenheit einzig sind, darf nicht 
etwa sagen, dass ihm die Sache schwer gemacht worden ist. Dach echter 
ßrossetadtart, wie sie der Gegcbäftgleltung der beiden 6ta- 
bll99ement9 aus der Uertrautbeit mit den einschlägigen Uerbältnissen des 
westlichen Europas und auch der neuen Welt erwachsen und ihr zur 
zweiten Dafür geworden ist, bietet das Vlctorla-Cafe wie das Vlctorla- 
Rotcl Im Innern nicht minder Rcrvorragendeg wie nach aussen bin. 
Gediegene Pracht gebt auch da Rand in Rand mit goltdegter Ge 
barung. Das „Victoria-frühgtück“, welches um die Puncheon-Zeit, 
das „Vlctorla-Hbendbrot“, das um die Supper-Zeit im Gafe zu 
ausserordentlich mässigen Preisen serviert wird, ist eine Spezialität der 
Berliner Gersorgung geworden, die schon vielen Glnbelmlgcben 
unentbehrlich geworden ist, um wie viel mehr dem fremden Element, 
welches zu den Besuchern des bauses ein so bedeutendes Kontingent bei 
stellt. Schmackhaftigkeit, Reichhaltigkeit, appetitliche und prompte Dar 
bietung, last not least die Billigkeit haben diesen Spezialmahlzeiten des 
Uictoria - Etablissements eine Popularität verschafft, die immer tiefere 
Wurzeln schlägt. Rein Wunder, dass das Bild, das sich im Cafe zu 
allen Stunden deg Cageg und der JAacbt entrollt, ein äusserst 
mannigfaltiges, durchwegs anregendes ist, so recht der Inbegriff des Cafe 
lebens im allerbesten und vornehmsten Sinne des Wortes. Das Rotel, 
das seinen Eingang auf der Pinden-Seite hat, steht auf gleich hoher Stufe 
und kann sich derselben üorzüge rühmen. Der Fremde ist hier schön, 
bequem, modern und angemeggen versorgt. Im Brennpunkte des 
hauptstädtischen Pebens stehend, so central und doch auch so herrlich wie 
nur irgend möglich situiert, zählt das Uictoria-Etablissement mit seinem 
Gafe und seinem Rotel zu den anzlcbcndgten Objekten Bcrllng, 
an denen niemand Vorbeigehen darf.
        
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