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Full text: Berliner Leben Issue 5.1902

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BERLINER LEBEN 
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Das Bündnis zwischen dem 
Deutschen Reich und Italien, 
welches im nächsten Jahre zu 
Ende gegangen wäre, ist im 
Juni auf eine weitere Reihe 
von Jahren erneuert worden. 
Es kann nach den Erörte 
rungen, welche diesem Ereig 
nisse im Ausland vorange 
gangen und gefolgt sind, für 
Niemanden ein Zweifel be 
stehen, dass die Erneuerung 
eine diplomatische That ersten 
Ranges war. Die Feinde des 
Bündnisses hatten nichts un 
versucht gelassen, es in den 
Augen der betheiligten Völker 
zu diskreditieren und der 
Schmerz, den sie empfanden, 
als es dennoch erneuert wurde, 
und obendrein in völlig unveränderter Form, bewies, wie gewiss sie 
sich schon ihrer Sache wähnten. Danach ist das hohe Ver 
dienst zu ermessen, welches sich die Diplomaten beider 
L.änder mit der Erneuerung erworben haben. Die Zusammen 
kunft, welche der Deutsche Kanzler im Frühjahr zu Venedig mit 
dem italienischen Premierminister hatte, konnte nur darum von 
Erfolg gekrönt sein, weil Graf Bülow sowohl wie Signor Prinetti 
das besitzen, was den Staatsmann par excellence ausmacht: ein 
warmes Flerz für das eigene Land und kaltes Blut in der Abwägung 
politischer Geschäfte. Vorbedingung des Gelingens war allerdings 
ein Stand herzlicher Freundlichkeit im wechselseitigen, diplo 
matischen Verkehr. Diese Grundlage sorgsam und unermüdlich 
all die Jahre hindurch gepflegt zu haben, ist das Werk des 
italienischen Botschafters in Berlin und seines deutschen Kollegen 
in Rom. Der hohe diplomatische Anteil, welcher dem Grafen 
I^anza an der Erneuerung des Bündnisses zukommt, hat ja auch 
eine Anerkennung vor aller Welt in der Thatsache gefunden, 
dass er es war, welcher das neue Vertragsinstrument in Berlin 
Namens Italiens Unterzeichnete. 
Graf Lanza di Busca, 
italienischer Botschafter in Berlin 
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