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Full text: Berliner Leben Issue 5.1902

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S ls Nachfolger des arbeitsmüden Herrn von Thielen ist der 
Generalmajor z. D. Budde zum Eisenbahnminister ernannt 
worden. Also abermals ein General, der ein Portefeuille erhält. Doch 
warum sollte für das Ressort des Verkehrswesens und der öffentlichen 
Arbeiten ein „Militär“ nicht mindestens ebenso gut taugen wie ein 
Jurist? Hermann Budde zumal ist für seinen neuen Posten in jeder 
Hinsicht vorgebildet. Vierzehn Jahre seiner militärischen Laufbahn 
hat er in der Eisenbahn-Abteilung des Generalstabes, zuletzt als 
Chef derselben, gearbeitet und sich in Fachschriften als einen Kenner, 
BERLINER LEBEN 
Carl Gerhardt 
besonders des Tarifwesens, erwiesen. In seiner 
Eigenschaft als Regierungskommissar vor dem 
Reichstag und Landtag war ihm ferner aus 
reichende Gelegenheit gegeben, sich die not 
wendige parlamentarische Routine anzueignen, 
und schliesslich hat er, zur Disposition gestellt, 
dem Vorstande der Deutschen Waffen- und 
Munitionsfabriken angehört, um so auch über 
Erfahrungen im technischen und kommerziellen 
Betriebe einer Grossindustrie sich ausweisen zu 
können. Der Fünfzigjährige ist in Bensberg ge 
boren, wo er auch in das Kadettenkorps eintrat; 
mit siebzehn Jahren war er Leutnant und mit 
achtzehn zog er in den Krieg, aus dem er 
schwerverwundet, aber mit dem Eisernen Kreuz j. Pierpont Morgan in Berlin 
geschmückt, heimkehrte. 
Der berühmte Kliniker, Geheimrat Professor 
Carl Gerhardt ist auf seiner Besitzung Schloss 
Gamburg in Baden, wohin er sich erst wenige Wochen vorher hegeben hatte, seinen Leiden erlegen. 
Er, der ausgezeichnete Diagnostiker der Herzkrankheiten, hatte das volle Bewusstsein seines nahenden 
Endes gehabt. Am 3. Mai 1833 in Speyer geboren, studierte und• promovierte er in Würzburg 1860 
habilitierte er sich in Tübingen als Privatdozent, wurde aber im nächsten Jahre bereits zur Ucbernahme 
der inneren Klinik nach Jena berufen. Dort hat er bis 1872 gewirkt und ist 
dann einem Rufe der Universität Würzburg gefolgt. Als 1885 in Berlin plötz 
lich der Kliniker Frerichs starb, wurde Gerhardt dessen Nachfolger und damit 
Leiter der zweiten medizinischen Klinik. Eine segensreiche Wirksamkeit hat 
der Verstorbene hier in diesen siebzehn Jahren entfaltet, während deren er auch 
eine ausgedehnte Konsultativ-Praxis ausübte, und eine grosse Zahl von Patienten 
wird dem grossen Arzt und geraden einfachen Menschen ein dankbares Erinnern 
bewahren. In einer Reihe glänzender Lehrbücher und publizistischen Schriften 
hat der Gelehrte sein tiefes Wissen für alle Nachfolge niedergelegt. 
Seinen siebzigsten Geburtstag feierte der ehemalige Kriegsminister, 
General der Infanterie Julius von Verdy du Vernois. Den vielen ihm 
zugedachten Ehrungen entging er, indem er sich mit seiner Gemahlin nach 
Johannisbad in Böhmen begab. Schon als Leutnant des 14. Regiments, 
dessen Chef er nun ist, zeigte er sich als Schriftsteller, indem er die Ge 
schichte des Regiments verfasste. Bald bekam er die „Intelligenzstreifen“ und 
machte als Major im Generalstabe des Kronprinzen den Feldzug von 1866 mit. 
Im grossen Kriege trat er als Abteilungschef den grossen Führern nahe. Von 
dieser Zeit an datiert seine Beliebtheit. Verdy, der u. a. Ehrendoktor der Philo 
sophie ist, hat der Militärlitteratur klassische Werke einverleibt. Ausserdem von Verdy du Vernois
        
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