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Full text: Berliner Leben Issue 5.1902

Professor CONRAD KIESEL in seinem Atelier 
Ein einziges Bild macht oft das Glück eines Malers; es kann ihm gleichzeitig auch zum Schicksal werden, weil er den Erfolg behaupten möchte und die 
rühmlichen Eigenheiten mit denselben Mitteln wiederholt. Wenn nun Conrad Kiesel in manchem Sinne auch ein Qualitätsmaler ist, der den Charme einer Sammethaut, 
eines Atlasgewandes mit respektabler Kunst wiedergiebt, so kommt er dennoch niemals von einem bestimmten Schönheitstypus los, selbst auf seinen Portraits nicht. 
Jener kleine Frauenkopf, der auf obigem Bilde rechts neben dem Künstler an der Stalfelei lehnt, das ist der echte Kieseltypus: ein längliches Oval auf schlankem Halse, 
der wollige Scheitel, die leichtgebogene, feingeflügelte Nase, die geschürzten Lippen, das schmale Kinn und das feuchtschimmernde, in die Ferne träumende Auge.
        
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