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Full text: Berliner Leben Issue 5.1902

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BERLINER LEBEN 
dem eigenhändigen Vermerk „sehr ge 
schmackvoll“ versehen wurde. Kann man 
den Platz selbst eine Sehenswürdigkeit 
nennen, so gebührt auch den angrenzenden 
Strassenzügen, welche sich in ihrer wohl- 
thuenden Eleganz dem Ganzen in würdiger 
Weise anschliesst, das höchste Lob. Die 
Gebäude, bei deren Hau sich die be 
deutendsten Architekten bemüht haben 
etwas wahrhaft Schönes hervorzubringen, 
sind fast alle mit Vorgärten versehen und 
dienen nur Wohnzwecken, da das An 
bringen von Läden hier grundsätzlich unter 
sagt ist. Es sind hochherrschaftliche Häuser, 
deren Inneneinrichtungen den glänzenden 
Facaden nicht nachstehen. Alles, was 
Luxus, Schönheit und Behaglichkeit nur 
immer erfordert, ist dem Mieter ^geboten 
und sind diese Stadtteile Schönebergs ge- 
wissermassen ein „Buen retiro“ aller der 
jenigen Glücklichen geworden, denen ihr 
Einkommen es ermöglicht, sich mit dem 
denkbarsten Komfort zu umgeben. Vor 
nehme Restaurants bieten Gelegenheit zu 
einem gemütlichen Stelldichein, und die 
Möglichkeit, in wenigen Minuten das Weich 
bild der Stadt Berlin zu erreichen, gestattet 
es, ohne Beschwerden und Umstände die 
Berliner Theater und Konzerte zu besuchen. 
Die Verkehrseinrichtungen sind die denkbar 
besten und erhalten neuerdings einen Zu 
wachs in der jetzt fertiggestellten elektrischen 
Hochbahn, welche auch Schöneberg durch 
quert. In Kürze dürfte an der Wilmers- 
dorfer Grenze noch ein Stadtpark entstehen, 
der dazu bestimmt ist, der Mittelpunkt eines 
besonders angenehmen Stadtteiles zu werden, 
da hier eine Villenanlage geplant ist. 
Kommen wir nun zum Facit, so finden 
wir, dass der aussergewöhnliche Aufschwung 
nicht allein in dem raschen Anwachsen der 
Einwohnerzahl zu erblicken ist, sondern 
darin, — und dies ist ein besonderes Ver 
dienst der umsichtigen und zielbewussten 
Verwaltung — dass der Wohlstand der 
Einwohnerschaft sich um etwa 80% ge 
hoben hat, ein Punkt, der für die Steuer 
verhältnisse der Stadt von nicht zu unter 
schätzender Bedeutung ist. 
Zum Schluss wollen wir auch noch 
darauf hinweisen, dass Schöneberg ein Re 
form - Gymnasium, verschiedene höhere 
Töchterschulen und eine Mittelschule besitzt, 
und dass die Errichtung zweier weiterer 
Realgymnasien und einer Realschule für 
die nächste Zeit in Aussicht genommen ist. 
Nach alledem scheint die junge Gross 
stadt dazu berufen, sich auf dem be- 
schrittenen Wege weiterzuentwickeln und 
erübrigt es sich nur noen, ihr zu dem Er 
reichten sowohl wie für ihre Zukunft von 
Herzen Glück zu wünschen.
        
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