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Full text: Berliner Leben Issue 5.1902

Nelly Brodmann, Königl. Sängerin. Die 
Künstlerin stammt aus Kärnthen, wo sie als 
Tochter eines Bergwerkdirektors des Grafen Henkel 
von Donnersmarck geboren wurde. Durch die 
Munificenz des Grafen konnte sie ihr frühreifes 
Gesangstalent bei Prof. Ress und am Wiener Kon 
servatorium ausbilden, das sie mit der goldenen 
Medaille als Auszeichnung verliess. Seit 1891 ist 
sie am Wiesbadener Hoftheater thätig, und eine 
besonders vielseitige Begabung gestattete ihr, ihr 
ursprüngliches Rollenfach der Altistin nach dem 
Gebiete des jugendlich Dramatischen hin zu er 
weitern. Von Se. Maj. dem Kaiser wurde sie bei 
den Festspielen, wie einem Homburger Hofkonzerte 
(1898) wiederholt ausgezeichnet. 
Waldemar Henke, Königl. Sänger, geboren 
zu Königsberg in Preussen. Anfangs (seit 1896) 
Schauspieler, dann Sänger am Stadttheater in Posen, 
seit 1901 Mitglied des Königl. Theaters zu Wies 
baden. Ein Künstler von vielseitiger Gestaltungs 
kraft, tüchtig in allen Tenorbuffopartien. 
Paul Kalisch, Königl. Kammersänger, ge 
boren zu Berlin 6. November 1855, war anfangs 
Architekt und wurde dann von Pollini zum Sänger 
ausgebildet; nach einem Studium in Mailand bei 
Professor Leoni sang er in allen grösseren Städten 
Italiens und Spaniens, bis er für längere Zeit an 
die Berliner Hofoper verpflichtet wurde. In New- 
York vermählte er sich mit Lilli Lehmann, die den 
lyrischen Tenor zum Heldenfache bestimmte. Sechs 
Jahre lang sang er alle Wagnerrollen am Metropolitan 
Opera-House und auf den grossen Wagnertourncen 
durch Amerika. Nach einigen Engagements in 
Köln und Hamburg gehört jetzt Kalisch der Wies 
badener Hofoper an. Er gehört zu den aller 
ersten Sangeskünstlern unserer Zeit, seine gewaltige 
Leidenschaftlichkeit, die innige Hingebung an seine 
Aufgabe verweisen ihn vor allem auf die Heldcn- 
rollen des modernen Musikdramas. Er ist Kammer 
sänger und besitzt die grosse goldene Medaille für 
Kunst und Wissenschaft mit der Krone am Bande. 
Fritz Klarmüller, Königl. Opernsänger. Er 
wurde zu Gablonz a. W. in Böhmen geboren. Der 
bekannte Komponist Edmund Kretschmer interessierte 
sich für ihn, der am Konservatorium zu Dresden seine 
Studien vollendete und am Hoftheater zu Altenburg das 
erste Engagement fand. Von hier kam er Juni 1901 
nach Wiesbaden. Er besitzt einen echt lyrischen Tenor 
von grosser Klangfülle und reicher Modulationskraft. 
Hedwig Kaufmann, Königl. Opernsängerin. 
Sie ist am 30. Dezember 1879 in Wien geboren. 
Ihre ausserordentliche, früh zu Tage tretende musi 
kalische Begabung wurde durch Franzy Müller, eine 
Schülerin der Marchesi gefördert. Noch während 
dieser Ausbildungszeit wurde die junge Künstlerin 
mit dem wundervollen Stimmmaterial für die Königl. 
Oper in Berlin verpflichtet. In den Maifestspielen 
des Jahres 1899 sang sie die Philine und Marie 
(Waffenschmied), und es gelang, durch gütliche 
Übereinkunft mit dem Generalintendanten Grafen 
I-Iochberg die junge Künstlerin nach so glänzendem 
Erfolge wenigstens auf 3 Jahre für Wiesbaden zu 
gewinnen. Vom Herbst 1902 an wird sie für 5 Jahre 
der Berliner Hofoper angehören. 
Martha Leffler-Burckard, Königl. Opern 
sängerin. Geboren zu Berlin, erhielt die Künstlerin 
ihre Ausbildung in Dresden durch Frl. Anna 
v. Meichsner, eine Schülerin der Viardot-Garcia. Ur 
sprünglich als Koloratursängerin ausgebildet, wandte 
sie sich dann mehr jugendlich-dramatischen Rollen 
zu, um endlich auch die heroischen Mezzosopran 
partien zu beherrschen. Und eben diese Laufbahn 
ermöglicht es ihr, eine vollendete Gesangeskunst 
mit den kraftvollen dramatischen Accenten des 
Wagnerstils zu verbinden. Hierin wie auch in der 
edlen Plastik der Bewegung stimmt sie mit Lilly 
Lehmann überein, die eine ähnliche Entwicklung 
ihrer Begabung erfuhr. Seit 1. September 1900 
gehört die Künstlerin dem Wiesbadener I-Ioftheater 
an. Ihr „Fidelio“, ihre „Rezia“, „Brünhild“, „Isolde“, 
sind Leistungen von höchster Bedeutung. 
Julius Müller, Königl. Kammersänger. Der 
Künstler wurde (i. November 1860 zu Frank 
furt a. M. geboren. Auf dem Raffkonservatorium 
genoss er im Violinspiel den Unterricht Professor 
Heermanns, im Gesang wurde er von Max Fleisch, 
im dramatischen Spiele von Professor Herrmann 
unterrichtet. Seit 1883 war er in Breslau, Stettin 
und Neustrelitz thätig, seit 1886 gehört er als erster 
Bariton dem Wiesbadener Hoftheater an. Mit einer 
Stimme von grösster Ausdrucksmacht und edlem 
Wohllaute, die besonders in den höheren Lagen 
dominiert, verbindet er ein charakteristisches Spiel 
mit plastisch-grossen Bewegungen. Bei den Fest 
spielen des Jahres 1896 wurde der Künstler als 
Darsteller des „Holländers“ in die kaiserliche Loge 
befohlen und von Se. Maj. zum Kammersänger 
ernannt. 
Carl Nebe, Königl. Sänger und grossherz. Bad. 
Kammersänger. Als Sohn des Hoftheaterregisseurs 
Eduard Nebe zu Braunschweig geboren, verlebte der 
Künstler seine Jugendzeit in Karlsruhe. Nachdem 
er bei Kammersänger Staudigl Gesangsunterricht ge 
nossen, begann er seine Bühnenwirksamkeit 1878 
am Wiesbadener Hoftheater unter Jahns Leitung. 
1881 —1890 war er als Bassb.uffo in Dessau thätig, 
bis ihn Generaldirektor Felix Mottl nach Karlsruhe 
berief. Seit 1900 ist er an der Königl. Oper zu 
Berlin engagirt. Nebe gehört zu den ersten Ver 
tretern komischer Basspartien, die er, unterstützt von 
prächtigen Stimmmitteln, kräftig, aber ohne Karikatur, 
darstellt. Bei den Festspielen in Bayreuth, München 
und Wiesbaden war er öfters thätig. 
Ada Robinson, Königl. Opernsängerin. Als 
Tochter des Künstlerpaares Adolf und Leonore 
Robinson in Breslau geboren, verlebte sie ihre 
Kinderjahre in Deutschland, England, Holland 
und Amerika. Nachdem sie durch die Eltern ihre 
künstlerische Ausbildung erhalten, trat sie zunächst 
seit 1896 mit glänzendem Erfolge als Konzertsängerin 
in Brünn auf, um sich dann der Bühnenlaufbahn 
zu widmen. Von Olmütz aus wurde die junge 
Künstlerin 1897 an das Hoftheater in Wiesbaden 
gerufen. Eine höchst anmutige Erscheinung und 
eine Stimme von grossem Wohllaut und edlem 
Ausdruck, verbunden mit dramatisch belebtem 
Spiele machten sie zu einer hervorragenden Ver 
treterin jugendlich dramatischer Partien. 
Gustav Schwegler, Königl. Opernsänger. 
Der Künstler wurde am 7. September 1860 zu Göp 
pingen in Württemberg geboren und war anfangs 
zum Kaufmannsstande bestimmt, bis sein Vater die 
Ausbildung seines eminenten Gesangstalentes durch 
Dr. Joseph Gänsbacher am Wiener Konservatorium 
ermöglichte. Seit 1894 ist der Sänger Mitglied der 
Wiesbadener Hofbühne. Sein Organ ist ein Bass 
von ungewöhnlichem Umfang, markiger Kraft und 
weicherFülle, eineStimme, wie man sie nur selten hören 
kann. Sein Repertoire umfasst alle grossen Bass 
partien, vom „Sarastro“ an bis zu „König Marke“, 
vom „Figaro“ bis zum „Falstaff“. Eine heldenhafte 
Erscheinung harmoniert mit dem grossen Stil seines 
Gesanges. 
Marie Tomschik, geboren in Wien, wo sie 
bei Frau Jäger-Wilczek ihre gesangliche Aus 
bildung erhielt. Sic war engagiert in Bremen, 
Berlin (Kroll) und zuletzt seit 6 Jahren in Karlsruhe. 
Vom Herbste 1902 an wird sie dem Wiesbadener 
Hoftheater als Mitglied angehören. Ihre Stimme, 
ein umfangreicher Mezzosopran von grosser Aus 
giebigkeit, gestattete ihr, sowohl die grossen Alt 
partien wie „Fides“, „Acuzena“ etc. als auch 
Rollen wie „Ortrud“ mit schönem Gelingen dar 
zustellen. 
Anna Triebei ist ein Hamburger Kind. Schon 
mit 17 Jahren machte sie ihren ersten theatralischen 
Versuch als „Agathe“ am Kölner Stadttheater. 
Weitere technische Studien bei Frau Kammersängerin 
Müller-Berghaus und in Paris bei Padilla brachten 
ihr schönes Talent zu glänzender Entfaltung. Sie ist 
eine der bedeutendsten Vertreterinnen von Rollen 
wie „Mignon“, „Carmen“, „Katharina“ (Der Wider 
spenstigen Zähmung). Die Titelrolle in Charpentiers 
Musikroman „Luise“ sang sie als erste deutsche 
Sängerin. 
Erika Wedekind, Grossherzogi. hessische und 
Königl. sächsische Kammersängerin. Die Künstlerin, 
wohl die bedeutendste aller jetzt lebenden Koloratur 
sängerinnen, wurde als Tochter eines Arztes in 
Hannover geboren. Seit 1891 bezog Erika Wedekind 
das Dresdener Konservatorium, wo sie bei Aglaja 
Orgeni sich ihre unfehlbare Gesangstechnik erwarb. 
Als „Frau Fluth“ trat sie am 15. März 1894 auf dem 
Dresdener Hoftheater zuerst auf, um mit einem 
Schlage den Enthusiasmus des Publikums wie der 
Kritik zu gewinnen. Die berühmten ausländischen 
Divas übertrifft die Künstlerin weit durch die Viel 
seitigkeit und Beseelung ihres Talentes; ihr Rollen 
fach umfasst nicht nur eigentliche Koloraturpartien, 
sondern auch jugendlich naive Rollen. Die Anmut 
ihres Spiels entspricht ganz der gesanglichen 
Vollendung. 
Ernst Winkel, Lyrischer Bariton, geboren zu 
Ems als Sohn des Geh. Sanitätsrat Dr. Geisse. Er 
bereitete sich anfangs auf der Universität für das 
höhere Bergfach vor, und bildete sich dann bei den 
Professoren Stolzenberg (Köln-Berlin) und Bellwidt 
(Frankfurt) zum Sänger aus. Seit 1901 in Wies 
baden, wo er als lyrischer Bariton schöne Erfolge 
hatte.
        
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