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Full text: Berliner Leben Issue 5.1902

Hansi Arnstadt, Königl. Schauspielerin. Ge 
boren am 8. Dezember 1878 zu Dresden, begann 
die Künstlerin ihre Bühnenlaufbahn in Bad Salz 
brunn (Schlesien) und wirkte dann am Breslauer 
Stadttheater, um von hier an das Berliner Lessing 
theater überzusiedeln. Nach einem Gastspiel als 
Rautendelein wurde sie in Wiesbaden für jugendlich 
naive Rollen engagiert. Unterdessen aber hat sie das 
Gebiet ihrer Darstellung erweitert und auch mit 
vollem Erfolge in Salonrollen gespielt. Sie zeichnet 
sich durch muntere Natürlichkeit und geistvolle An 
mut besonders aus und ist ein Liebling des Publikums 
geworden. 
Marie Doppelbauer, Königl. Schauspielerin. 
Wiener Blut fliesst durch die Adern Marie Doppel 
bauers, die ihre theatralische Laufbahn in Erfurt 
begann, bald in Hamburg und Barmen auftrat und 
seit dem i. September 1898 dem Königl. Theater 
in Wiesbaden angehört. Die junge Künstlerin, die 
in vielseitigster Weise ihr darstellerisches Talent 
bethätigt, wird in den diesjährigen Festspielen die 
Jessika im „Kaufmann von Venedig“ spielen. 
Max Grube, Oberregisseur der Königl. Schau 
spiele zu Berlin. Der Künstler wurde am 25. März 1854 
zu Dorpat geboren als Sohn des russischen Staatsrats 
Prof. Ed. Grube, der als einer der ersten Tiefsee 
forscher Deutschlands in der Wissenschaft genannt 
wird. Dem Widerstande, den er bei seinen künst 
lerischen Neigungen fand, entzog sich der 18jährige 
durch die Flucht aus dem Elternhause, um dann 
bei dem Herzog Georg von Meiningen Aufnahme 
und Förderung zu finden. Mit eiserner Energie 
gelang es dem jungen Künstler die amangs ihm 
sehr hinderliche Befangenheit, das Lampenfieber, zu 
überwinden. — Von der Pike an musste er dienen, 
bis bei dem Meininger Gastspiel zu Berlin 1874 sein 
Talent zu Tage trat. In Detmold nahm sich später 
Levin Schücking seiner liebevoll fördernd an, in 
Lübeck interessierte sich Em. Geibel für seine Kunst. 
Weiter war er in Bremen, Leipzig, Dresden thätig, 
und nahm dann 3 Jahre an den Meininger Reisen 
teil, bis er nach glänzendem Erfolge als Darsteller 
und Oberregisseur für das Berliner Schauspielhaus 
gewonnen wurde. In seinen Darstellungen weiss 
der Künstler das Stilgefühl der sogenannten älteren 
Schule mit der Realistik der Modernen zu vereinigen. 
Seine Eigenart spricht sich am stärksten in dämo 
nischen und humoristischen Rollen aus, besonders 
da, wo eine gewisse groteske und phantastische 
Färbung verlangt wird, wie„Shylock“, „Kaliban“, „Mal- 
volio“ etc. Der Künstler ist ferner einer der geist 
vollsten Regisseure unserer Zeit, in mannigfachen 
ästhetischen und dramaturgischen Aufsätzen hat er 
wichtige Fragen der Schauspielkunst behandelt und 
oft von seinen Lebenserinnerungen aufs fesselndste 
berichtet. 
Hermann Leffler, Königl. Schauspieler. Er 
wurde als Sohn eines Schauspieldirektors zu Quedlin 
burg geboren. Seit Herbst 1885 gehörte er dem 
Ensemble des Meininger Hoftheaters an, um dann 
in Freiburg und Eisenach sich weiter auszubilden. 
Von 1892 — 96 war er in Bremen als erster Held 
engagiert und wirkte dann noch ein Jahr am 
Deutschen Theater in Berlin. Seit 1898 ist er Mit 
glied des Wiesbadener Hoftheaters. Von führenden 
Stimmen der Kritik wie Bulthaupt, Hamei, Julius 
Hart als ein Talent ersten Ranges anerkannt, hat 
der Künstler in Wiesbaden eine bleibende Stätte 
seiner Thätigkeit gefunden. Sein Repertoire um 
fasst alle Heldenrollen des klassischen wie modernen 
Dramas, am mächtigsten offenbart sich seine künstle 
rische Kraft, wo das Charakteristische mehr hervor 
tritt. Gewaltige äussere Mittel verbinden sich mit 
dem tiefsten Eindringen in die Intentionen des 
Dichters, unabhängig von allen Schulen und Rich 
tungen vereinigt er das grosse Pathos mit einer 
schlichten Natürlichkeit, der die Wahrhaftigkeit, aber 
eine künstlerische, über alles geht. 
Willy Malcher. Der Künstler ist 1873 in 
Olmütz geboren. Ursprünglich für den Lehrerberuf 
bestimmt, widmete er sich später der schauspiele 
rischen Laufbahn und erhielt zu Wien bei Professor 
Otto seine Ausbildung. Nach einigen Engagements 
in Wiener Neustadt, Linz, Wien (Raimundtheater) 
war er zuletzt 4 Jahre in Brünn thätig, von wo er 
durch den Intendanten Baron von Hülsen an das 
Wiesbadener Hoftheater für Herbst 1902 engagiert 
wurde. Ausgezeichnet als temperamentvoller Dar 
steller jugendlicher Heldenrollen. 
Hermann Vallentin, Königl. Schauspieler. 
Der Künstler, geboren am 24. Mai 1872 zu Berlin, 
wurde zunächst für die kaufmännische Thätigkeit 
bestimmt. Die leidenschaftliche Neigung zum 
Theater und das günstige Urteil Max Grubes über 
sein Talent bewogen ihn, die Bühnenlaufbahn zu 
ergreifen. Durch den Hofschauspieler Heinrich 
Oberländer vorgebildet, begann er seine Laufbahn 
1892 als Volontair am Königl. Schauspielhause. 
Später stellte er besonders an der Neuen freien 
Volksbühne moderne Gestalten dar und erwarb sich 
am Lobetheater zu Breslau eine ausserordentlich 
vielseitige Charakterisierungskunst, die auch bei 
einem Londoner Gastspiel lebhafte Anerkennung 
fand. Seit 1898 wirkt der Künstler am Wiesbadener 
Hoftheater als einer der interessantesten und be 
liebtesten Schauspieler. Sein Repertoire umfasst 
alles, was Charakteristik verlangt, vom fidelen Natur 
burschen an bis zum hartgesottenen Bösewicht; die 
grosse Natürlichkeit seines Stils hindert ihn nicht, 
auch in klassischen Rollen in grossen Zügen zu 
gestalten. 
Luise Willig, Königl. Schauspielerin. Die 
Künstlerin wurde 1873 in Frankfurt a. M. geboren, 
nahm schon mit 15 Y a Jahren dramatischen Unter 
richt bei der Schauspielerin Frau Ernst und wurde 
nach kaum zweijährigem Studium am Elberfelder 
Stadttheater engagiert, wo sie bald durch ihre 
ganz eigenartige Begabung die Aufmerksamkeit aller 
Kunstfreunde erregte. Eine Reihe lockender En 
gagementsanträge folgten, ein Gastspiel in Berlin 
hatte glänzenden, äusserlichen und inneren Erfolg, 
aber erst 1894 konnte die Künstlerin dem Rufe ans 
Wiesbadener Hoftheater folgen, wo sie als jugend 
liche Heroine und erste Salondame engagiert wurde. 
Die Vielseitigkeit ihres Talents erlaubte ihr indessen, 
fast alle grossen Rollen des Schauspielrepertoires 
im heroischen, sentimentalen, ja selbst ewig-heiteren 
Stile zu beherrschen. Eine grosszügige Leidenschaft, 
impulsives, feuriges Temperament, das oft mit 
elementarer Wucht sich äussert, sind ihr eigen, dazu 
eine feinsinnige Kunst der Charakteristik, die sie 
den ersten Künstlerinnen der deutschen Bühne un 
mittelbar gleichstellt. Mit ihrer „Theodora“ feierte 
sie schon bei den Maifestspielen des Jahres 1896 
Triumphe, ihre „Magda“, „Maria Magdalena“, wie 
die grossen klassischen Rollen sind Seelengemälde 
von bleibender Bedeutung.
        
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