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Full text: Berliner Leben Issue 4.1901

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Dcr „Stramme Hund“ 
Das renommierteste Kellerlokal der Residenz. Von tausend Witzen und Anekdoten umsponnen. — Tagsüber geht cs in diesen 
heiligen Hallen, wo man die Serviette nicht kennt, höchst friedlich zu. Von Mitternacht ab bis zum frühen Morgen aber drängen sich die 
Nachtvögel aller Stände fürchterlich zur Atzung zusammen. Der „Stramme Hund“ ist auf allen Biet reisen Station. Entweder schafft man 
sich durch die lecker bereitete Erbsensuppe mit Speck nebst einer kühlen Blonden eine Unterlage für weitere Exccssc in baccho, oder man 
isst sich am „Königsberger Fleck“ oder „Sülzkotelette“ wieder nüchtern. Schamlos „blaue Leute“ — das sind bedenklich Bezechte — werden* 
wenn sic randalieren, dem Nachbar die heisse Suppe auf die Hosen giessen oder sich in anderer Weise unbeliebt machen, vom „Strammen“, 
der in weisser Schürze hinter dem Ladentisch fungiert, k. H. die Treppe hinauf „aus das Lakai jeschmissen“. Manchmal nicht ohne dass ihnen 
der Kellner mit einem blauen Kautschukstempel das Kainszeichen auf Stirn, kahle Platte oder Hutfutter drückt: „Strammer Hund“. — Hinter 
solch einem Gemassregelten tönt es dann mit bleierner Ruhe vom Kellner: „Die Hauptsache ist, dass das Kind Luft hat.“ — 
HF RI. IN ER LEBEN
        
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