Path:

Full text: Berliner Leben Issue 4.1901

207 
Blick aut die Lennestrasse 
ihren kaufenden Liebhaber hatten. Als Landschafter 
hat ei mit Nutzen die scharfsichtige Beobachtungs 
weise der grossen französischen Impressionisten, 
den Claude Monet und Camille Pissaro studiert. 
Da er aber ein starkes, sehr persönliches, ganz 
deutsches Naturgefühl besitzt, konnte das Fremde 
seiner Eigenart nichts anhaben. Er hat dabei nur 
gelernt, was man lernen soll. Die Landschaften, 
die er dieses Jahr im Münchener Glaspalast hatte, 
haben ihm die goldene Medaille eingetragen. 
Heinrich ist dagegen kräftiger in seinem Wesen, 
schwerblütiger. Ihm kommt es nicht so angeflogen, 
wie es scheint. Darum wird er bis zur Goldenen 
vielleicht etwas mehr Zeit gebrauchen, als sein 
Bruder. Wenn dieser es mit Monet hielt, dann er 
mit Manet. Sein Pinsel ist breit. Auf seinen 
jüngsten Sachen, die zumeist Portraits sind, haut 
er zu, wie ein Max Liebermann und — was die 
Hauptsache ist — trifft auch. Der junge Mann im 
weissen Dress, der lesend im sonnigen Garten sitzt 
(ein Bild der letzten Sezessionsaus 
stellung), war solch eine Glanzleistung. 
Es blendete wie die Sonne selber. 
Die beiden Hübner haben sich nicht, 
wie so und so viel Andere, die aber 
nicht halb so viel gelernt hatten, zu 
modischen, seichten Phantasiekünste 
leien verleiten lassen, sondern verharren 
im Anschauen der Natur, an der es noch 
so unendlich viel Schönes zu sehen 
giebt. In diesem treuen Beharren liegt 
für uns das Hoffnungsvolle, Vielver 
sprechende. F 
SS- 
Ausfahrender Dampfer 
Zwei Schwestern (Portrait) 
BERLINER I.EBEN
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.