Path:

Full text: Berliner Leben Issue 4.1901

stand ihrem Teint gut, besser als das Sonnenlicht. 
Ihre Augen waren gross und leuchtend, die Stirne 
von marmorner Blässe. Der energische Zug um 
das Kinn lieh dem Gesichte etwas Pikant-Nach 
denkliches. Diese Frau war schön und begehrenswert. 
Frau Annas Lippen kräuselten sich. Ein zorniger 
Blitz flog hinter den gesenkten Lidern hervor. Doch 
zwang sie sich zur Ruhe. Sie lächelte sogar, als 
sie begann: 
,,lch hin nicht ohne Ursache gekommen, ver 
ehrte, schöne Freundin. Ich wollte mir noch ein 
mal die köstliche Skizze unseres grossen, liebens 
würdigen Makart ansehen.“ 
„Das ist sehr liebenswürdig. In zwei Tagen 
wären Sie, Beste, schon zu spät gekommen. Denn 
das Bildchen habe ich — ich glaube, ich erzählte 
es Ihnen schon — meinem heimatlichen Provinzial- 
Museum zum Geschenke gemacht“, plauderte Frau 
Wortmann. 
„Leider. Die schönsten Sachen entführen Sie 
uns in die Provinz. Wir wollen aber doch auch 
etwas haben!“ 
Die Witwe lächelte geschmeichelt. „Diese Kleinig 
keiten sind doch nicht der Rede wert! Trotzdem 
hat mich der heimatliche Museumverein zum Ehren- 
mitgliede ernannt und ausserdem ein sehr liebens 
würdiges Schreiben an seine ,Gönnerin 1 gerichtet.“ 
„Da kann man. also gratulieren. Ich glaube 
übrigens, dass sich unser residenzlicher Kunstverein 
kaum auf die Dauer eine solche Gönnerin entgehen 
lassen wird. Die halten Sie auch noch einmal als 
Ehrenmitglied fest, verehrte Freundin!“ 
Ein verschämtes Lächeln glitt über das Antlitz 
der schönen Frau. „Bis dahin hat es doch wohl 
noch gute Wege. — Doch, bitte, kommen Sie, liebe 
Frau Langhorst. Das Bildchen hängt drüben in 
meinem Schlafzimmer. Da muss ich Sie doch be 
mühen. Es hat dort nämlich eine ihm sehr zu 
sagende Beleuchtung und des Meisters Bilder blühen 
dabei förmlich auf.“ 
Die beiden Frauen schritten hinüber in das 
Schlafgemach, welches ein Eckzimmer bildete. Fis 
war geräumig und ganz in Weiss uud Gold gehalten. 
Ein paar Blattpflanzen standen in einer Nische, 
davor ein zierlich geschnitztes Tischlein aus Mahagoni. 
In einer schwärzen Vase staken einige weisse 
Rosen. Während Frau Wortmann, da die Beleuch 
tung für die genaue Betrachtung des Makart’schen 
Bildchens sich als ungenügend erwies, ungeduldig 
nach Kerzen schellte, hatte Frau Anna rasch die 
Rosen aus der Vase genommen und zwei weisse 
Knospen, die sie im Mantel verborgen gehalten, 
hineingesteckt. — — 
Als die Kerzen gebracht wurden, sah die junge 
Frau mit heissen Wangen hinauf zu der Skizze, die 
eine leidenschaftliche Liebesscene darstellte. „Sehr 
schön,“ lobte sie mit hastender Stimme. 
Die schöne Witwe bewegt leicht ihr Haupt: 
„Auch im Kleinen offenbarte sich Makarts brillantes 
Können.“ —• — — — — 
In dieser Nacht erschütterte ein Sturm die Seele 
der jungen Frau Anna. Als die Ermattung ihr end 
lich die Lider geschlossen, träumte sie von lauter 
unendlich grossen, weissen Rosen, deren Duft sie zu 
betäuben drohte. — — — 
Ein heller Sonnentag war angebrochen. Als 
die junge Frau in das Speisezimmer trat, war ihr 
Gatte, ein hochgewachsener Mann mit offenem Ge 
sicht, bereits dort. Er kam ihr mit freudestrahlendem 
Gesicht entgegen. 
„Sieh, Änni, was es heute für einen Prachttag 
giebt. Eine Stunde bin ich schon draussen herum 
gelaufen, trotzdem ich . . .“ 
Die junge Frau erwiderte seinen Gruss nicht, 
sondern schritt an ihm vorüber auf die mächtige 
Kredenz zu, auf deren Marmorplatte ein Gläschen 
mit zwei weissen, halberblühten Rosen stand. Sie 
senkte ihren Kopf dicht zu den Kelchen. 
Als Frau Anna ihr Antlitz hob, war es toten 
blass. Fieberschauer schüttelten den jungen Körper... 
denn es waren dieselben Rosen, in die sie gestern 
ihr Parfüm getropft! . . . 
„Brachtest Du die Rosen?“ fragte sie mit ton 
loser Stimme. 
„Ja, mein Schatz.“ 
Sie drohte umzusinken und sah sehr leidend aus. 
„Dein Vater, den ich abends auf dem Heim 
wege aus dem Klub traf, hat sie mir gegeben.“ 
„Mein . . . Vater?“ 
„Ja, freilich, Anna.“ 
Die junge Frau stiess einen Schrei aus und 
taumelnd sank sie an die Brust ihres Gatten, der 
bestürzt die Zitternde an sich zog und nicht wusste, 
was geschehen war. 
Bur funfuntyM)mgffen lupfjrung 
int lE|]'ing-®Ij£aIet'. 
'ljtm|f nun Dacav Blumenllml. 
Mnb jeßt erlaubt mir mit ßeißern ©ank 
(Eine tünenbe 3TeJt-^araba|'c — 
©orf; was irf; (Eurfj fage, i|t Iferjensbrang, 
Hub nirfjf blos ftfjmeirfjclnbe JPßcafc. 
.iTrl) banke tmt Jtllcu ©ir, Jmmir Öluniß, 
Pie tunt „Mnmnt unb Hanne umfpounen. 
©er Icudjtenbc Hcij, bei* ©irf) umfloß, 
Bat bcu .l?ieg frffon ;ur Ifälftc gewonnen. 
Jrf) b ditto c ©iv, Hbulf Klein bie Banb . . . 
HDie IueleIife|J p>u Jeilc fite ©eile! 
2P.u frfjnellfcß bie Mkode uom Hippeneattb, 
HDie bent Bogen entfrffuuveen bie Jßfeile. 
Hel) banke ©iv, ’&tijünfelb-Mpnbelin Jfvuto, 
©cm bev (ibatte fProkura erteilt I;af, 
Unb bei* bnrrfj JTroJjmut in MDod unb Blitto 
Blaitrl; grämlirfjen RÖuerkopf gekeilt I;at. 
©iv, jpHttfjr-Hornel, fei bas Kob gefcljenkt, 
©aß ©u niemals im Heben entglei|t bi|t 
Mnb nur bie laufrßenbcu Büeer gekränkt, 
HDeil im jmeiten Jittof ©u ucrrei|t bi|t. 
:Hek banke ©ie, (Ebuavb IHiutcvlTrin, 
1‘ttr beit meltfrf;merjpralilenben ©itfjtee, 
©ein Rolf mit beut ^imili-(if)lorien|Vl)ein 
Bejmang aurij feinblirfje Hicfjtee. 
©u ließt il;m fo Ittßigc (Eraueigkeit 
Mnb einen fo kleibfamcn IBxlj-Hug 
Haß tljut es beut füfjlenben Bttfdjauer leib, 
B>enn er frf; ließ (irf; enteilt mit beut ©-3ug. 
Ilrl) banke ©ir, tecß'liifjer IHalbnht-Hfienk, 
©ent bas ©irfjten fo bitter uerljaljt mirb, 
Mnb bem brr poctifcßen ®attiu (liejänlt 
tsm ergößlirl; unb pUißlirf; jttr Haß mirb. 
Mnb meint (Eure Mmtß ein früklirfjes Bans 
,§o oft nun ermannt unb erfrifrfjl l;at, 
MDenn fiel) immer bas Harken mit bem Hpplaus 
Hum freubigen Bmeiklang gcmifrßt I)at — 
HDie banken es nur ber ertefeueit dnfiaar, 
Hitr bie ber (Ekampagner nun ßieße: 
(Ein raufft'nbes Borfj, mir bringen es bar — 
©eit .fnijüpfern ber ,, Hee (Eaprire.!"
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.