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Full text: Berliner Leben Issue 4.1901

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Holzauktion 
Kaffeeklatsch bei „Mutter Jrün“ 
Dreht Euch nicht um — der Plumpsack geht rum 
„’ne Landpartie 
mit dem Verein.“ 
Zwecke: im Winter Kränzchen, im 
Sommer Landpartien. Zwar steht 
noch so allerhand in den Statuten, 
diese kennt aber nur der Vorstand, 
dessen Bestreben es ist, dass der 
Verein „blühe, wachse und gedeihe“, 
nämlich nur recht zahlreich sei. 
Der Vorstand, das ist immer bloss 
Einer, der Eine, der alles macht, 
der sich aufreibt fürs allgemeine 
Wohl. Wenns also nach ausser 
halb gehen soll, nach Schildhorn, 
Fischerhütte oder Beelitzhof, dann 
hat er die Kremser und die Musik 
bestellt und mit dem Wirt des Lo 
kals die Vereinspreise für die Tasse 
Kaffee und das Wiener Schnitzel 
akkordiert. Er kennt sämtliche Ge 
sellschaftsspiele, für die Grossen wie 
für die Kleinen, ist genial im Er 
finden von sinnigen Mitteln, die 
Vorm Kasperle-Theater 
Pfänder auszulösen und hat das 
Buch, woraus er das alles auswen 
dig gelernt hat, von Hause mit 
genommen. Ist eine Dame beim 
Haschen irgendwo hängen geblieben, 
bei ihm giebts Stecknadeln genug 
unter der Klappe seines schwarzen 
Gehrocks und für den Fall, dass 
jemand gar auf die Nase fällt, hat 
kein anderer als er Englisches 
Pflaster bei sich. Wenn sich die 
Gesellschaft müde und hungrig 
gespielt hat und alles schliesslich 
froh hinter seinem Teller sitzt, dann 
erhebt sich der Vorstand, um die 
grosse Rede auf die „unerschütter 
lichen Bande“ zu reden und dann 
noch eine auf die Damen, die „flechten 
und weben.“ Nach dem „Hoch, 
hoch, hoch, ja dreimal hoch!“ hat. 
sich die Stimmung am unteren 
Ende der Tafel sichtlich gehoben.. 
Die verschiedensten Tierstimmen 
werden auf das täuschendste nach 
geahmt, stets sind einige Herren da 
bei, die wunderschön krähen können, 
viel schöner womöglich, als wie 
richtige Hähne. Noch ehe der Vor- 
BERUNER LEBEN 
Kinderspiele — Katze und Maus
        
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