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Full text: Berliner Leben Issue 3.1900

verstorbenen Herzogs Alfred — die jüngste, Beatrix, 
ist noch unvermählt — gehören sicherlich zu den 
hübschesten deutschen Prinzessinnen; Friedrich 
August von Kaulbach hat ihre schlanken, graziösen 
Gestalten auf mehreren sehr reizvollen Gruppen 
bildern wiedergegeberi. 
Eine Enkelin der Königin Victoria, wie die 
Erbprinzessin Hohenlohe, weist die Gemahlin des 
Prinzen Aribert von Anhalt, Prinzessin Luise 
Auguste (s. d. Bild) weit mehr den Typus der eng 
lischen Königsfamilie und eine unverkennbare 
Aehnlichkeit mit ihrer Mutter, der Prinzessin He 
lene, Tochter der Königin Victoria und Gemahlin 
des Prinzen Christian von Schleswig-Holstein, auf. 
Ihr Gatte, Prinz Aribert, Rittmeister und Escadron- 
Chef im i. Garde-Dragoner-Regiment, das den 
Namen ihrer königlichen Grossniutter trägt, hat 
sich um die Hebung des vornehmen Sports in 
Berlin überaus verdient gemacht. Bei den Corso- 
fahrten, dem Concours hippique, überall ist er 
der treibende, leitende Geist, von unübertroffener 
Liebenswürdigkeit im persönlichen Verkehr und 
ein treff licher Sachkenner auf sportlichem Gebiete. 
Die Berliner und Potsdamer Qarde-Cavallerie 
hat von jeher zahlreiche Fürstlichkeiten in ihren 
Offizierslisten aufzuführen gehabt, — am meisten 
die Gardes du Corps, das vornehmste Reiter 
regiment des preussischen Heeres. Diesem gehört 
als Major der Prinz Albert von Holstein (s. d. 
Bild) an, ein Spross der Glücksburger Linie des 
Hauses Schleswig-Holstein und Neffe des Königs 
von Dänemark. In der Hofgesellschaft zählt der 
Prinz seines einfachen, jedes übertriebenen Standes 
bewusstseins baren Wesens nur Freunde, wie er 
auch die besondere Gunst des Kaisers geniesst, 
den er auf seiner letzten Nordlandsfahrt be 
gleiten durfte. 
Prinz Chlodwig von Hessen-Philipp sthal- 
Barchfeld (s. d. Bild), der in demselben Truppen 
teile als Leutnant steht, ist ein Sohn des 1890 ver 
storbenen Prinzen Wilhelm und ein Neffe des 
Landgrafen Alexis, dessen Ehe mit der jetzt in 
Wiesbaden wohnenden Prinzessin Luise von 
Preussen nach kurzer Dauer getrennt wurde. Prinz 
Wilhelm war einer der ersten deutschen Fürsten, 
die in die Marine traten, in welcher er bis zum 
Admiral stieg. Schon mit neunzehn Jahren nahm 
er — eine Erinnerung von aktuellem Interesse — 
an einer englischen Expedition gegen die Piraten 
in China teil. 
Gleich den Mitgliedern der souverainen Fa 
milien Deutschlands haben diejenigen des hohen, 
mediatisirten Adels es zur Tradition erhoben, 
einige Jahre, meist nach absolviertem Universitäts 
studium, dem Dienst mit der Waffe zu widmen. 
Später treten sie dann gewöhnlich mit ihrer bis 
herigen Uniform zu den Offizieren ä la suite der 
Armee über. Eine Ausnahme hiervon macht der 
Fürst Max Egon zu Fürstenberg (s. d. Bild), welcher, 
ohne je praktischen Dienst in. einer deutschen 
Truppe, gethan zu haben, gleich als Rittmeister mit 
der Garde du Corps-Uniform angestellt wurde, als 
ihm, der bis dahin in Böhmen gelebt hatte, durch 
den plötzlichen Tod seines kinderlosen, in der Ber 
liner Gesellschaft unvergessenen Vetters, des Fürsten 
Karl Egon, dessen reiches Erbe in Baden und 
Württemberg zufiel. In dem von seinem Vetter 
mit allem denkbaren Luxus ausgebauten und aus 
gestatteten Schlosse Donaueschingen, in dessen 
Garten die Donauquelle sich befindet, hat Fürst 
Max Egon in diesem Frühjahre den Kaiser als 
Gast gesehen, und bald nach dem Antritte seines 
deutschen Erbes stellte er sich und seine Gemahlin, 
die Fürstin Irma Fürstenberg, geborene Gräfin 
Schönborn-Buchheim (s. d. Bild), dem Berliner 
Hofe vor. Der Fürst bietet ein treffendes Beispiel 
für die internationale Stellung mancher Familien 
des hohen Adels, indem er nicht nur in dem 
preussischen, sondern auch in dem österreichischen 
Fleere, als Landwehr-Ulanen-Rittmeister, eine 
Charge bekleidet und gleichzeitig im preussischen 
Herrenhause, den ersten Kammern Badens und 
Württembergs, sowie dem österreichischen Reichs 
rate einen erblichen Sitz inne hat. 
Nicht ganz so kompliziert gestalten sich die 
staatsrechtlichen Verhältnisse des Fürsten Karl 
ZU Solms-Hohensolms-Lich (s. d. Bild), der immer 
hin sowohl in Preussen wie in Hessen im Land 
tage Sitz und Stimme hat. Bisher im Leibgarde 
husaren Regiment stehend, hat der Fürst infolge 
des Todes seines Vaters den aktiven Dienst ver 
lassen müssen, um die Verwaltung seiner Standes 
herrschaft zu übernehmen. Ihn und seine junge 
Gemahlin, die Fürstin Emma Solms (s. d. Bild) 
sah man in Potsdam, wo ihr Haus eins der gast 
lichsten war, nur ungern scheiden. 
Eine Schwester des Fürsten Solms ist die 
Gräfin Anna Elisabeth z u Eynar, deren Gatte, 
Graf Johannes zu Lynar, als Rittmeister bei den 
Gardes du Corps steht (s. d. Bilder). Der Graf, 
dessen Geschlecht seinen Ursprung nach Italien 
zurückleitet, ist ein Nachkomme des berühmten 
Erbauers der Spandauer Befestigungen, des „bran- 
denburgischen Vauban“, wie man ihn genannt hat, 
und ein Sohn des Besitzers der Herrschaft Lübbenau, 
die allen Besuchern des Spreewaldes bekannt ist. 
Seit Generationen eng mit einander verwandt 
sind die Häuser Solms und Stolberg. So ist die 
Fürstin Emma Solms eine Schwester des Fürsten 
Christian Ernst z u Stolberg- Wernigerode (S. d. 
Bild), der sich ebenfalls, solange sein Vater, Fürst 
Otto, der frühere Botschafter in Wien und erste 
Oberpräsident von Hannover, noch lebte, bei den 
Gardehusaren seine Sporen verdiente. Die Wiege 
der jungen Fürstin Marie Stolberg (s. d. Bild) 
stand, fern vom Harzgebirge, zu dessen schönsten 
Punkten Wernigerode und sein Schloss gehören, 
im bayrischen Franken. Sie ist eine geborene 
Gräfin Castell-Rüdenhausen,, eine Schwester des 
Hauptmanns Grafen Otto Castell, dessen Portrait 
wir im 4. Hefte dieses Jahrgangs brachten. 
L. von Nordegg.
        
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