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Full text: Berliner Leben Issue 2.1899

D ie Enthüllung des HELMHOLTZ-DENKMALS im Vorgarten der Universität war 
wohl das bedeutsamste künstlerische Ereigniss des verflossenen Monats. Professor 
Ernst Uerter, der Schöpfer des Denkmals, hat sich mit liebevoller Sorgsamkeit 
in die Eigenart des grossen Gelehrten versenkt, dem er bei Helmholtz Lebzeiten 
ein vertrauter Freund gewesen war. So ist ein Werk von sprühender Lebens 
frische und geistvoller Auffassung entstanden, das der Berliner Universität und der 
ganzen Stadt Berlin stets zur Ehre gereichen wird, ln Gegenwart der Kaiserin, 
des Kronprinzen und des Prinzen Friedrich Heinrich von Preussen. der mit der Ver 
tretung des Kaisers betraut war, fand am 6 Juni im Vorgarten der Universität die 
feierliche Enthüllung des Denkmals statt. Die Universität prangte in reichstem Fest 
schmuck. am Gitter des Vorgartens erhoben sich vier hohe Masten mit den Fahnen der 
vier Fakultäten. Unsere Aufnahmen beleuchten den feierlichen Akt von verschiedenen 
Seiten. Auf dem einen Bilde wird die Ankunft der Kaiserin erwartet, welcher der 
Rektor der Universität, Professor Waldeyer, durch die spalierbildenden Studenten ent 
gegeneilt; ein anderes zeigt uns das reichdekorirte Kaiserzelt vor dem Denkmal; ein 
drittes eine Ansicht der Tribünen, ein viertes den Opernplatz und das letzte endlich 
das Denkmal selbst. Als die Kaiserin kurz nach elf Uhr mit der Oberhofmeisterin 
Gräfin Brockdorff, der Hofdame Gräfin zu Stolberg-Wernigerode, mit dem Oberhofmeister 
Freiherrn v. Mirbach und den Kammerherren v. d. Knesebeck und Graf Keller erschien, 
wurde sie am Gitterportal von den Professoren Waldeyer und Schmollet-, dem Komite 
und dem Polizeipräsidenten v. Windheim begrüsst. Dann reichte sie dem Prinzen 
Friedrich Heinrich den Arm und liess sich von ihm nach dem Kaiserpavillon geleiten. 
Der Kronprinz war in Civil erschienen. Die Kaiserin Friedrich hatte den Hofmarschall 
Freiherrn v. Reischach zu der Feier entsandt. 
Die künstlerischen Arbeiten für die Standbilder in der Sieges-Allee schreiten 
unter der eifrigen Förderung durch den Kaiser ausserordentlich schnell vorwärts. Jüngst 
besuchte der Kaiser auch das Atelier des. Bildhauers JOHANNES GÖTZ, dem die Aus 
führung der Gruppe des Kurfürsten JOACHIM 1. übertragen worden ist. Während bei 
manchen der älteren Kurfürsten, die in der Mark Brandenburg geherrscht haben, über 
haupt kein sicher überlieferter Anhalt für ihre äussere Erscheinung vorlag, so dass 
ihre Standbilder zum Theil rein aus der Phantasie geschaffen werden mussten, konnte 
diesmal für die Hauptfigur das Bild von Lucas Cranach benutzt werden. In kraftvoller 
Haltung steht der Kurfürst da mit der pelzverbrämten Schaube. Den Kopf deckt ihm 
ein mächtiger federgeschmückter Hut, und in der Rechten hält er lässig die Handschuhe, 
während die Linke am Schwerte ruht. Die Büsten des jugendlichen Erzbischofs 
Albrecht von Brandenburg und des kurfürstlichen Berathers Dietrich von Btilow, des 
Bischofs von Lcbus, sind der Hauptgestalt beigefügt. Mit besonderem Interesse be 
trachtete der Kaiser bei dieser Gelegenheit auch den Entwurf zu dem Denkmal der 
Königin Luise, an welchem Johannes Götz für die Stadt Magdeburg arbeitet. 
Auch CONBAD FREYBERG, den bei <annten Porträt- und Sportmaler, fuhren wir 
unseren Lesern in seinem Atelier vor. Conrad Freyberg erfreut sich gerade in den 
Kreisen unserer Aristokratie einer ausserordentlichen Beliebtheit. Er lebt und webt 
so ganz und gar in ihnen, dass er ihren Menschen die intimsten Wirkungen abzulauschen 
weiss. Noch charakteristischer womöglich muthen uns I'reybcrgs Sportbilder an. Einen 
von aristokratischer Hand gelenkten Viererzug und ähnliche Motive gestaltet er mit 
virtuoser Kunst und mit verblüffend eleganter und flotter Pinselführung. 
Den Aktualitäten des Monats ist in dieser Nummer ein besonders breiter 
Raum gewährt. Eine dieser Momentaufnahmen zeigt uns den KAISER, die KAISERIN 
und eine Reihe anderer Fürstlichkeiten, die eben auf dem Hofe der Dragonerkaserne 
in der Bellealliancestrasse zu Pferde gestiegen sind und nun zur Frühjahrsparade auf 
das lempelhofer Feld hinausreiten. — Aus der Fülle entzückender, farbenprächtiger 
Bilder, die sich auf dem Blumenkorso auf der Trabrennbahn in Westend entfalteten, 
haben wir zwei besonders reich und geschmackvoll dekorii te Wagen herausgegriffen. Den 
einen kutschirt mit eleganter Verve die jugendschöne FRAU BARONIN VON BOHLEN 
UND IIALBACH, Jn dem anderen sitzt BETTY STOJAN, die uns den ganzen 
vorigen Winter hindurch als Diva des Metropol-Theaters erfreute. — Einer sehr 
interessanten militärischen Uebung ist ein anderes Bildchen gewidmet: Mannschaften 
des 2. GARDE-DR AGON ER-REGIM ENI S Kaiserin Alexandra von Russland schlagen 
bei Picheis werdet- eine Brücke über die .Havel. Nach dem Anmarsch der Pioniere 
erfolgte sofort das Abladen der Pontons und der Bau der Brücke mit so fabelhafter 
Geschwindigkeit, dass das Regiment alsbald die Havel überschreiten konnte. Die 
Mannschaften waren abgesessen und führten ihre Pferde. Die ganze, vom Kommandeur 
Oberstlieutenant v. Mitzlaff geleitete Uebung spielte sich ungemein exakt ab. Nach dem 
Uebergange setzten die Dragoner ihren Marsch nach dem Truppenübungslager fort 
und die Brücke wurde wieder abgetragen und verladen. — ERNST FORMES, der 
im April des vorigen Jahres nach schwerem Leiden starb, bleibt seinen Freunden 
unvergesslich, weil er ein ganzer Mensch und ein ganzer Künstler war. So haben 
sie seiner gedacht, als sie auf seinem Grabe auf dem St. Hedwigskirchhof das 
einfache Denkmal errichteten, das vor kurzem mit stiller Feier eingeweiht wurde. 
Meister Johannes Böse hat auf dem bronzenen Reliefporträt die schönen, energischen 
Züge des Verstoibenen mit wundervoller, charakteristischer Treue nachgebildet. 
EUGEN WOLF, der unermüdliche Weltwanderer, hat es diesmal nach seiner 
Heimkehr von weiter Fahrt, etwas länger in der I-Ieimath ausgehalten, als sonst. 
Mit all seinen Orden geschmückt sitzt er da im feierlichen Frack, während ihm im All 
gemeinen die bequeme Lodenjoppe das liebste Gewand ist. Eugen Wolf ist bekannt 
lich ein Urbayer und man behauptet, dass bereits hinterPeking einige ihm befreundete Man 
darinen ihr Chinesisch in ausgesprochen bayerischem Dialekt sprechen. Möglich ist bei 
diesem energischen und liebenswürdigen Mann schliesslich alles. — Als Adele in der
        
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