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Full text: Berliner Leben Issue 2.1899

U nser KAISER will Berlin zur schönsten Stadt der Welt machen und der Monarch, 
der selbst mit den Augen und dem Temperament eines Künstlers in die Welt 
blickt, weiss genau, dass Schönheit nur durch die Kunst geschaffen wird. 
Mit glänzenden Monumentalbauten und mit einer Fülle prächtiger Denk 
mäler hat Kaiser Wilhelm II. die Strassen Berlins verschönt und Kunst und 
Künstler fördert Se. Majestät auch sonst, wo er vermag. Er ist nicht blos der hohe 
Mäcen, er ist der eifrige Freund und Förderer künstlerischen Schaffens, weil er 
selbst künstlerisch denkt und empfindet und in seinen Mussestunden als ausübender 
Künstler thätig ist. Es wäre die dankbarste Aufgabe, einmal in zusammenfassender 
Darstellung zu schildern, welchen Einfluss Kaiser Wilhelm II. auf die Entwickelung 
der deutschen Kunst geübt hat, denn in allen seinen künstlerischen Bestrebungen und 
Anregungen, ob sie nun in der Architektur oder Plastik, in der Malerei, in der Musik 
oder in dem dichterischen Schaffen sich bethätigen, sind eine einheitliche Tendenz 
und ein streng einem klar vorgesteckten Ziel zustrebender Wille nachzuweisen. Unser 
Kaiser will die Kunst auch zu einem erziehlichen Moment im Volksleben machen, 
damit sie das fördere, was seinem Geist das höchste ist: die Liebe zum Vaterlande. 
Näher auf dies interessante Thema einzugehen, fehlt hier leider der Raum, aber mit 
freudiger Genugthuung können wir unseren Lesern heute zwei Bilder vorführen, die 
unsern Kaiser in seinen intimen Beziehungen zur Kunst zeigen. Se. Majestät ist 
bekanntlich ein sehr eifriger Besucher in den Ateliers der Künstler, die er mit seinen 
Aufträgen beehrt, denn der Kaiser verfolgt mit theilnahmsvollem Interesse das Werden 
und Wachsen der Kunstwerke, die er nicht nur bestellt hat, sondern zu denen meist 
auch die Idee seinem Geiste entsprossen ist. Der Monarch hat aus diesem Grunde in 
letzter Zeit auch sehr oft bei dem polnischen Maler A. v. KOSSAK vorgesprochen, 
dem er im Schloss Monbijou ein besonderes Atelier für seine grossen Schlachtenbilder 
eingeräumt hat. Der neueste Auftrag, mit dem unser Kaiser den Künstler beehrt hat, 
ist ein Bild der Schlacht bei Zorndorf, das jetzt auch auf der grossen akademischen 
Kunstausstellung dem Publikum zugänglich gemacht ist. Die zwei Kaiserbilder unserer 
heutigen Nummer sind Originalaufnahmen, die mit Bewilligung Sr. Majestät im Atelier 
des Herrn v. Kossak gemacht wurden. Bei dem Besuch des Kaisers war auf dessen 
Wunsch auch Adolf v. Menzel zugegen, die kleinste lebende Excellenz und der grösste 
lebende Künstler. Auf Menzels Gegenwart legte der Kaiser in diesem Falle einen 
besonderen Werth, weil es sich um ein Bild aus der Zeit des grossen Friedrich 
handelte, deren genauester Kenner Adolf v. Menzel ist. Auf dem ersten Bilde betrachtet 
der Kaiser mit dem russischen Botschafter Herrn v. d. Osten-Sacken, mit seinem 
Flügeladjutanten Oberst Mackensen und mit Herrn v. Kossak aus einiger Entfernung 
das auf der Staffelei aufgestellte Bild, während Oberstallmeister Graf Wedel und Adolf 
v. Menzel dicht an die Leinwand herangetreten sind. Der Gegensatz zwischen der 
reckenhaften Gestalt des Oberstallmeisters und der kleinsten Excellenz wirkt ungemein 
charakteristisch und scheint auch dem Kaiser ein behagliches Lächeln zu entlocken. 
Auf dem zweiten Bilde steht Adolf v. Menzel dicht neben dem Kaiser und wirft mit 
raschen Strichen eine Zeichnung auf’s Papier, während das Auge des Kaisers auf 
merksam der zeichnenden Hand folgt. Die ungezwungene Natürlichkeit und die 
bestrickende Liebenswürdigkeit, die unsern Kaiser bei solchen Atelierbesuchcn aus 
zeichnen, sind auf beiden Bildern mit vorzüglicher Treue wiedergegeben und verleihen 
diesen photographischen Aufnahmen einen bleibenden Werth. 
Den Diplomaten, die am Berliner Hofe beglaubigt sind, haben wir diesmal gleich 
falls zwei Bilder gewidmet. Dem fernsten Orient gilt das eine, auf dem wir den ausser 
ordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister Japans Herr KATSUNOSKE 
1NOUYE und seine Gemahlin mit dem Geh. Rath PFIYA NOND BURI vereinigt haben, 
der in gleicher Eigenschaft das Kaiserreich Siam in Berlin vertritt. Das zweite Bild 
stellt den sächsischen Gesandten Dr. GRAF v. HOHENTHAL u. BERGEN und seine 
Gemahlin, dar. Das gräfliche Paar gehört bekanntlich zu den beliebtesten Mitgliedern 
der Berliner Hofgesellschaft. 
Eine hübsche Erinnerung an eine Festvorstcllung, die vor Kurzem mit aller 
höchster Genehmigung im Neuen königlichen Operntheater zum Besten des „Kaiser 
Wilhelm-Dankes“ stattfand, bildet die Wiedergabe der „Gavotte aus der Zeit der 
Königin Luise“, die an jenem Abend von Damen und Herren der Hofgesellschaft 
getanzt wurde. 
Dem Beispiel und der Anregung des Kaisers folgend sind auch der Magistrat 
und die Stadtverordneten Berlins bestrebt, die Stadt mit Werken der Kunst zu 
schmücken. Dass die geehrten Herren dabei nicht immer eine besonders glückliche 
Hand haben, beweisen die famosen Gruppen auf der Potsdamer Brücke. Ge 
lungener ist der neue bildnerische Schmuck ausgefallen, der jetzt im Viktoria-Park auf
        
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