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Full text: Berliner Leben Issue 1.1898

nicht das mindeste gegen die Künstlerschaft Heinrich Grünfeld’s, sondern sie zeigt 
nur, dass auch in Berlin hin und wieder noch ein durch und durch unmusikalischer 
Bankier aufzutreiben ist. 
Das METROPOL-THEATER, dessen hervorragendste Kräfte wir bereits einmal 
im Bilde wiedergegeben haben, hat inzwischen seine Pforten geöffnet und erzielt mit 
den Ausstattungswundern im „Paradies der Frauen“ allabendlich volle Häuser. Einige 
Hauptmomente der lustigen Operette bietet das vorliegende Heft. Die fesche Betty 
Stojan, der kleine, urkomische Guido Thielscher, der aalschlanke, bewegliche Eduard 
Steinberger, der drollige Anton Grünfeld, die bildschöne Paula Worm, der elegante 
Tenor Wilhelm Bauer und, last out not least, einige der schönsten Choristinnen sind 
darauf im KOSTÜM zu sehen, was bei den Damen vom Chor freilich nicht allzu viel 
bedeuten will. 
Fast wie eine Choristin des Metropol-Theaters in Kostüm erscheint die Dame 
auf dem Bilde, das augenblicklich in dem Atelier des bekannten Orientmalers 
FLEISCHMANN ausgestellt ist. Der Künstler, der längere Zeit in Indien gelebt hat. 
brachte von dort eine Menge Skizzen und Bilder mit, die im Verein mit den Waffen 
und Stoffen, die er dort gesammelt hat, erst kürzlich in einer Separat-Ausstellung das 
allgemeinste Interesse erregten. 
Treu dem Leben abgelauscht sind die zierlichen Gruppen, die gelegentlich des 
grossen SPORTFESTES, das am Sedanstage in FRIEDENAU stattfand, aufgenommen 
wurden. Von dem bunten Treiben, das sich dort entfaltete, erhält man dadurch den 
lebendigsten Eindruck. Es war alles draussen, was sich gern zu wohlthätigem Zweck 
amüsirt. Neben bekannten Künstlerinnen walteten in den Verkaufsständen auch zahl 
reiche schöne Frauen aus der Gesellschaft dort ihres wohlthuenden Amtes, was 
besonders reizvoll in dem Mittelbildchen in die Erscheinung tritt. Speziell zum Sekt 
verkaufkonnte man natürlich nur die schönsten und interessantesten Frauen verwenden. 
Mitten hinein in das volksthümliche Leben und Treiben Berlins greifen die 
Bilder vom STRALAUER FISCIIZUG, der in diesem Jahre nach längerer Pause aufs 
Neue gefeiert wurde. Der eigentliche Fischzug ist bei diesem Volksfest freilich längst 
zur Nebensache geworden, und man munkelt sogar, dass die Fische, die dabei an 
geblich aus der Spree gezogen werden, erst Abends zuvor in der Markthalle sorg 
fältig ausgesucht wurden. Aber die Riesendamen und Kanonenkönige, die Schlangen 
bändiger und die furchtbaren Wilden, denen die ungebratenen Tauben nur so ins 
Maul fliegen, die Chansonetten mit baumwollenen Trikots und die tadellosesten 
„Hottehüh“-Würstchen waren wieder vollzählig zur Stelle und die Berliner des Ostens: 
amüsirten sich dort nicht minder gut, als die Berliner des Westens es bei ihren etwas 
kostspieligeren Vergnügungen auf dem Friedenaucr Sportfest thaten. Jeder chacun hat 
eben seinen besonderen goüt, wie Wippchen sagen würde. 
Eine Ansicht des ALEXANDER-PLATZES beschliesst unsere heutige Nummer. 
Lebhafter noch und lärmender, als selbst in der Leipziger Strasse, fluthet an diesem 
eigentlichen Centralpunkt der Reichshauptstadt das Berliner Leben durcheinander. 
Und auf das bunte Gewirr der Menschen und Wagen blickt mildlächelnd die Kolossal 
figur der „Berolina“ herab, als freue sie sich der gewaltigen Entwicklung, die ihre 
Stadt genommen hat. 
Max Sohoenau.
        
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