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Fußgängerbefragung 2011/2012

Full text: Fußgängerbefragung 2011/2012

Verkehrspolitik

Fußverkehrsstrategie für Berlin Modellprojekt 1 Fußgängerbefragung 2011/2012

Fußverkehrsstrategie für Berlin I Modellprojekt 1

Kurzbericht
Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt hat eine Bevölkerungsbefragung zur Fußverkehrsstrategie in Auftrag gegeben. Von Dezember 2011 bis Januar 2012 wurden insgesamt 2.001 Berliner Bürgerinnen und Bürger im Alter ab 14 Jahren befragt1 Sie ist Bestandteil der Evaluation der Fußverkehrsstrategie und liefert als Nullmessung detaillierte Informationen zum aktuellen Stand der Zufriedenheit der Berliner Bevölkerung mit den Bedingungen des Fußverkehrs. Nachfolgend eine Auswahl der wichtigsten Ergebnisse der Studie.

Fußverkehr im Urteil der Berlinerinnen und Berliner
Über die Hälfte der Berlinerinnen und Berliner ist mit den Bedingungen für den Fußverkehr in ihrem Wohnumfeld zufrieden. Dies sind hochgerechnet etwa 1,65 Millionen Bürgerinnen und Bürger. Die Breite der Gehwege, die Anzahl der Ampeln und die Verkehrsführung beurteilt die Mehrheit positiv. Berlin ist eine Stadt der kurzen Wege: Die meisten Berlinerinnen und Berliner können fußläufig zentrale Ziele wie Einkaufsstätten, Grünanlagen oder eine Arztpraxis erreichen. Auch die Laufnähe zum öffentlichen Nahverkehr ist nahezu für das gesamte Stadtgebiet gewährleistet und die Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger hiermit ist dementsprechend hoch. Fast alle befragte Personen können zu Fuß innerhalb von 15 Minuten eine Bus- oder Straßenbahnhaltestelle erreichen, drei von vier der Befragten auch eine S- oder U- Bahn-Station. Jede sechste befragte Person ist dagegen mit den Bedingungen für den Fußverkehr unzufrieden. Die meist genannten Ursachen für die Unzufriedenheit sind die teilweise schlechten baulichen Zustände der Gehwege sowie deren Verschmutzung. Nach Verbesserungsmaßnahmen gefragt, wünschen sich die Berlinerinnen und Berliner vor allem eine Erhöhung der Sauberkeit der Gehwege von Müll, Laub oder Hundekot sowie im Winter eine zuverlässige Beseitigung von Schnee und Eis. Die angestrebte Barrierefreiheit ist aus Sicht vieler Bürgerinnen und Bürger in Berlin noch nicht flächendeckend gegeben. Dies liegt hauptsächlich an der Gestaltung der Übergänge aber auch an dem teilweise schlechten Zustand der Gehwege.

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durch das Marktforschungsinstitut Hopp & Partner

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Fußverkehrsstrategie für Berlin I Modellprojekt 1
Es gibt erhebliche Unterschiede bei der Zufriedenheit mit dem Fußverkehr zwischen den einzelnen Bezirken. Überdurchschnittlich zufrieden sind die Berlinerinnen und Berliner der Bezirke Lichtenberg und CharlottenburgWilmersdorf. Kritischer werden dagegen die Bedingungen für den Fußverkehr von Bürgerinnen und Bürgern aus den Bezirken Mitte, Pankow und Neukölln beurteilt. Vor allem in den Bezirken, in denen das Fahrrad besonders oft genutzt wird – wie Pankow und Friedrichshain-Kreuzberg – besteht Unzufriedenheit und erhöhtes Unsicherheitsempfinden der Fußgängerinnen und Fußgängern mit den Rad Fahrenden auf dem Gehweg. In den – tendenziell innerstädtischen – Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte und Neukölln fühlt sich ein Teil der Anwohnerinnen und Anwohner von Werbeaufstellern, Ladenauslagen oder Stühlen gestört.

Sicherheitsempfinden der Fußgängerinnen und Fußgänger
54 Prozent der Befragten fühlen sich zu Fuß sicher – 15 Prozent dagegen tendenziell unsicher. Rad Fahrende auf dem Gehweg stellen eine ernst zu nehmende Gefährdung dar. Insbesondere Ältere fühlen sich durch die Nähe zu den Zweirädern – auch bei kombinierten Rad-/Gehwegen – sowie die teilweise rücksichtslose Fahrweise der Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer gestört. Berlinerinnen und Berliner jüngeren und mittleren Alters empfinden hingegen dunkle und schlecht einsehbare Straßenräume stärker als Sicherheitsrisiken. Dementsprechend wird hier eine bessere Beleuchtung gewünscht. Die Einstufung von Rad Fahrenden als Sicherheitsrisiko durch die Berlinerinnen und Berliner ist berechtigt: 14 Prozent aller Befragten haben in der Vergangenheit bereits einen Unfall als Fußgängerin oder Fußgänger erlitten, am häufigsten durch einen Zusammenstoß mit einem Fahrrad. Ein schwerer körperlicher Schaden ist allerdings nur in acht Prozent der Unfälle zu verzeichnen. Eine besondere Risikogruppe sind Personen mit Gehbehinderung, von denen bereits jede vierte befragte Person einmal einen Unfall im Fußverkehr erlitten hat.

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Fußverkehrsstrategie für Berlin I Modellprojekt 1

Wahrnehmung und Maßnahmen im Bereich Fußverkehr
Nach dem derzeitigen Stellenwert des Fußverkehrs in der Politik gefragt, sind die Berlinerinnen und Berliner geteilter Meinung: 47 Prozent sind der Ansicht, der Fußverkehr sei bereits ausreichend berücksichtigt. Dagegen halten 39 Prozent den aktuellen Stellenwert für zu gering. Nur ein kleiner Anteil von zwei Prozent glaubt, dass der Fußverkehr in der Politik einen zu hohen Einfluss hat. Die weit überwiegende Mehrheit von 68 Prozent der Berlinerinnen und Berliner hat in den vergangenen drei Jahren in ihrem Wohnviertel keine Veränderungen bei den Bedingungen für den Fußverkehr wahrgenommen. 19 Prozent haben Verbesserungen wahrgenommen, meist handelte es sich dabei um bauliche Veränderungen: Gehwege wurden komplett erneuert, bauliche Schäden wurden entfernt oder Bordsteinkanten abgesenkt. Vor allem in den östlichen Bezirken hat sich in den Augen der Berliner Bürgerinnen und Bürger viel getan: Zahlreiche konkrete Verbesserungen bei der Fußverkehrsgestaltung wurden hier in den vergangenen drei Jahren festgestellt. Neben einer baulichen Sanierung und einer besseren Reinigung der Gehwege begrüßen die Berlinerinnen und Berliner von den im Rahmen der Fußverkehrsstrategie geplanten Maßnahmen vor allem eine Verbesserung der Beleuchtung, die Schaffung neuer Zebrastreifen und Fußgängerampeln sowie die Absenkung von Bordsteinkanten.

Kommunikation Am Köllnischen Park 3, 10179 Berlin broschuerenstelle@senstadtum.berlin.de

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