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Endspiel oder vorher ausgeschieden?

Full text: Themenschwerpunkte Issue 2014 Endspiel oder vorher ausgeschieden?

themenschwerpunkte 2014
Endspiel oder vorher ausgeschieden?

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endspiel oder vorher ausgeschieden?
Natürlich Endspiel, Sieg und Titel – so erwarten wir das von unserer Elf in Brasilien.
Und was erwarten wir 2014 von unserer Senats-Mannschaft? Eins steht schon mal fest:
2014 ist Halbzeit, aber keine Pause! Hier die Spielanalyse der ersten Halbzeit: Die
anfänglichen Schwierigkeiten mit der Aufstellung auf einigen Positionen konnten gute
Chancen in der ersten Hälfte dennoch nicht verhindern.
Erste Chance herausgespielt von SenAIF und Regionaldirektion Berlin-Brandenburg:
mit „BerlinArbeit“ ein gemeinsames Programm entwickelt, mit jobcenterübergreifenden, gesamtstädtischen Eingliederungsstrategien mit Fokus auf den ersten
Arbeitsmarkt rollt der Ball in die richtige Richtung. Zweite große Möglichkeit:
Verwaltungsmodernisierungsprogramm „ServiceStadt Berlin 2016“ – sehr ambitioniert –
so wird die ganze Mannschaft bei Umsetzung zu Torjägern. Tempo erhöht durch kurze
Laufwege: über TVO kommt die Anbindung der östlichen Bezirke an den BER. Das
Zuspiel zwischen dem Land Berlin und den betroffenen Bezirken ist stark verbessert.
Neue Spieler ausprobiert: Teilausschreibung der S-Bahn mit nun mehreren Bietern.
Zu lange schon auf der Ersatzbank, Einwechslung dringend geboten: Das Konzept zur
Nachnutzung Tegel – den Standort als modernen Industrie- und Forschungsstandort zu
nutzen, ist vielversprechend und sollte vor Spielende zum Zuge kommen.
Feldverweis bei erstem Antritt erhielten: Rekommunalisierungstendenzen bei Wasser
und Strom, die einfach auf’s Feld stürmten. Das Publikum forderte und erzwang die
rote Karte!
Leider verletzt ausgeschieden: ICC
Und hier die Torfolge: Bereits im ersten Viertel: gelungene Arbeitsmarktpolitik
von Torschützin Dilek Kolat, Treffer durch Umorientierung weg vom öffentlichen
Beschäftigungssektor mit starkem Anstieg bei der sozialversicherungspflichtigen
Beschäftigung. Nach endlosen Ballstafetten im Mittelfeld: Torerfolg durch
eingewechselten Professor Stock, so ist die Fusion von Berlin Partner und TSB
gelungen. Gekonnter Torschuss nach direktem Freistoß: zum Ausbau der A 100! –
und wie kann ein echter deutscher Torschütze nur heißen: Müller! In letzter Sekunde
Straßenausbaubeitragsgesetz als Eigentor verhindert.
So, die erste Hälfte ist rum! Deshalb muss Berlin nun mit den Besten die Lücken
schließen und dann strategisch klug und temporeich in die zweite Runde gehen.
Taktische Überlegungen der Berliner Wirtschaft finden sich auf den nächsten Seiten.

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Themenschwerpunkte 2014

Regionale Wirtschaftsförderung

Förderung stimmig machen
Tatkräftige Unternehmen brauchen keine
Subventionen. Aber um innovative Ideen
reifen zu lassen und weiterentwickeln zu
können, um Wachstumspotenziale zu nutzen
und um wichtige Investitionen anzuschieben,
brauchen Sie im richtigen Augenblick die
richtige Unterstützung. Innovationsbereitschaft,
Kreativität und Wachstumsimpulse dürfen nicht
aufgrund mangelnder Anreize und ungeeigneter
Rahmenbedingungen verpuffen!
Dafür ist insbesondere ein harmonischer
Dreiklang aus wirtschaftspolitischer
Schwerpunktsetzung in Strategien
und Konzepten, gut vernetzten
Wirtschaftsfördereinrichtungen sowie
passgenauen Förderprogrammen und
Finanzinstrumenten entscheidend.

Dr. Gero Wiese
Geschäftsführer,
SKS Sondermaschinen- und Fördertechnikvertriebs- GmbH

„Die enge Abstimmung der Kooperationspartner bei der
Wirtschaftsförderung ist der richtige Weg, um auch
angesichts der Herausforderung knapper werdender
EU-Fördermittel die Berliner Wirtschaft effizient zu
unterstützen. Alle Akteure sind aufgerufen, gemeinsam
das Beste für den Standort herauszuholen und so den
Aufwärtstrend der Berliner Wirtschaft erfolgreich zu
flankieren.“

Auch 2014 muss dieses Zusammenspiel
weiter in Einklang gebracht werden: Die
Clusterpolitik muss weiterhin konzeptionell und
strategisch gestaltet werden, die Kooperation
der Wirtschaftsfördereinrichtungen ist
voranzutreiben und Fördermittel müssen optimal
eingesetzt werden.

werden, dass sie die Interessen der Berliner
Wirtschaft im Fokus haben.
   die kreative und innovative Stadtentwicklung
unterstützen: Es gilt, einen intelligenten
Flächenmix zu entwickeln, in dem auch
Industrie und Kreativwirtschaft ihren Platz
finden. Um dies zu erreichen, wird die IHK den
Dialog mit der Politik intensivieren.
   sich mit ihren Kooperationspartnern eng
abstimmen und dafür sorgen, dass der
Unternehmensservice gestärkt wird.
   die 2014 beginnende neue Förderperiode der
europäischen Strukturfonds aktiv begleiten
und sich dafür einsetzen, dass die nunmehr
knapperen Mittel auf die Programme
mit den größten wirtschaftlichen bzw.
Arbeitsmarkt-Effekten konzentriert werden
und die Förderprogramme marktgerecht
und am Bedarf der Berliner Unternehmen
orientiert ausgestaltet werden. Zum Start
der Förderperiode wird die IHK Berlin die
Unternehmen ausführlich über die neuen
Programme informieren.

Die IHK Berlin wird daher
   die in der Gemeinsamen Innovationsstrategie
der Länder Berlin und Brandenburg (innoBB)
definierten Cluster (Gesundheitswirtschaft;
Verkehr, Mobilität und Logistik; IKT, Medien
und Kreativwirtschaft; Energietechnik; Optik
[einschließlich Mikrosystemtechnik]) auf ihre
Stärken hin prüfen und sich dafür einsetzen,
dass diese Strukturen so weiterentwickelt

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Themenschwerpunkte 2014

Infrastruktur

Berlin: Smart, smarter, Smart City
Das wichgtigste für jedes Unternehmen
ist ein guter, ein passender Standort. Eine
leistungsfähige Infrastruktur, transparente
Planungsprozesse und kurze Planungszeiten sind
zentral, um verlässliche Standortentscheidungen
zu treffen. Außerdem muss die Wirtschaft im
städtischen Miteinander den ihr zustehenden
Raum bekommen – ist sie doch diejenige,
die die ökonomische Grundlage der Stadt
ständig neu erschafft. Verschiedene städtische
Nutzungen dürfen sich also nicht gegenseitig
beeinträchtigen, sondern sollten sich durch
ihre Vielfalt befruchten. Für Grundstücke
maßgeschneiderte Lösungen zu finden, Bauen
effizient und kostensparend zu realisieren und
Public-Private-Partnership zu unterstützt, sind
dabei die wichtigsten Herausforderungen. Um
die Wettbewerbsfähigkeit Berlins auch zukünftig
zu gewährleisten, müssen wir modellhafte Smart
City-Ansätze für die Stadt von morgen finden.

Die IHK Berlin wird daher:

Thomas Groth
Geschäftsführender Gesellschafter, allod Immobilien- und
Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH & Co. KG

„Um den infrastrukturellen Herausforderungen der
wachsenden Stadt Berlin gerecht zu werden, müssen
Politik und Verwaltung eine kluge Prozessteuerung
verfolgen. Mindestens so wichtig ist und bleibt es, den
Handlungsspielraum für unternehmerisches Engagement
zu erhöhen.“

   auf eine Verbesserung der Berliner
Infrastruktur, insbesondere auf Sanierung
und Unterhaltung des Straßennetzes,
drängen und innovative Lösungen für einen
stadtverträglichen Bustourismus und einen
effizienten Wirtschaftsverkehr erarbeiten.
   daran mitwirken, dass Baumaßnahmen besser
koordiniert und kommuniziert werden.

   eine wirtschaftsfreundliche
Liegenschaftspolitik fördern und eine
ausgewogene Vergabe landeseigener
Grundstücke mitgestalten.
   Best Practices zum kostensparenden
Bauen zusammentragen, um in
Berlin Wohnungsneubau für alle
Bevölkerungsschichten zu ermöglichen.
   mit einer internationalen Konferenz die
grenzüberschreitenden Schienenverbindungen
im Elbe-Oder-Raum promoten.
   neue Elemente der Stadtplanung diskutieren,
umsetzen und gleichzeitig erfolgreiche
Instrumente wie die Zentreninitiative
MittendrInBerlin fortsetzen.
   mit der Nord-Süd-Initiative die
Wirtschaftsmetropolen zwischen Ostsee und
Adria untereinander vernetzen.
   in einer Studie Best Practices zur Vermeidung
von Konflikten zwischen dem verarbeitenden
Gewerbe, der Kreativwirtschaft und der
Bewohnerschaft bei der Nutzung von
Immobilien aufzeigen.
   sich dafür einsetzen, dass sich die Bedarfe
der Wirtschaft in der Ausgestaltung des
Stadtentwicklungskonzeptes Berlin 2030
wiederfinden.
   sich für Transparenz und Partizipation in der
Infrastruktur- und Bauplanung einsetzen.

   Berlin als Smart City in den drei
Bereichen Mobilität, Informations- und
Kommunikationstechnologien und Energie
voranbringen.

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Themenschwerpunkte 2014

Haushalt und Wettbewerb

Schuster, bleib bei deinen Leisten!
Die Wasserbetriebe sind wieder vollständig
in öffentlicher Hand, die Gründung eines
landeseigenen Stadtwerks ist beschlossen –
Rekommunalisierungen und die Ausweitung
wirtschaftlicher Betätigung des Landes Berlin
sind in der Politik en vogue. Ungern erwähnen
Senat und Abgeordnetenhaus aber, dass die
Rückkäufe Milliarden Euro verschlingen und
mit langfristigen Risiken für den Staatssäckel
verbunden sind.
Sollte die Politik nicht vielmehr die längst
überfälligen Steuerreformen endlich
angehen, um so zu soliden Wirtschaftsund Finanzverhältnissen zu kommen?
Gewerbesteuer, Grundsteuer, Umsatzsteuer,
Einkommensteuer, Erbschaftsteuer – überall
besteht dringender Handlungsbedarf. Von einem
wettbewerbsfähigen, wirtschaftsfreundlichen
und unbürokratischen Steuerrecht sind wir in
Deutschland leider noch immer meilenweit
entfernt.

Katrin Fischer
Geschäftsführerin, VISUS GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

„Als Wirtschaftsprüferin bin ich es gewohnt, Bilanz­
positionen zu hinterfragen und auf ihre Notwendigkeit
zu prüfen. Mit Blick auf die Beteiligungen des Landes
Berlin sehe ich auch dringenden Bedarf für eine
Notwendigkeitsprüfung. Einige Landesunternehmen
agieren außerhalb ihres öffentlichen Zwecks, andere
wollen durch die Übernahme weiterer Aufgaben wachsen,
wieder andere bewegen sich vorwiegend im Markt und
damit im Wettbewerb zu privaten Unternehmen. Der Senat
ist gefordert, die private Wirtschaft vor unzulässiger und
unnötiger Konkurrenz durch öffentliche Unternehmen zu
schützen.“

   die wirtschaftsfeindliche Wirkung einer
Vermögensteuer oder Vermögensabgabe
aufzeigen und gegen deren Einführung auf
Bundesebene mobilmachen.
   gegen eine Ausweitung der Substanz­
besteuerung klar Stellung beziehen, damit
eine Gesundung der öffentlichen Finanzen
möglich wird.
   die notwendigen Reformen im deutschen
Steuerrecht einfordern und mit konstruktiven
Vorschlägen begleiten.

Die IHK wird daher
   weiterhin unnötigen Verstaatlichungen
entgegentreten und die wettbewerbs­
fördernde Ausgestaltung der Berliner
Daseinsvorsorge einfordern.
   für eine bessere Steuerung der
Landesunternehmen werben und die
Einhaltung der Grundsätze der Berliner
Beteiligungspolitik überwachen.
   in der Diskussion um die Neuordnung des
Länderfinanzausgleichs auf einen für Berlin
interessengerechten Vorschlag hinwirken.

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Themenschwerpunkte 2014

Standortfaktor Verwaltung

Umbruch als Aufbruch?
Die Berliner Verwaltung steht vor Umbrüchen:
Mit dem Modernisierungsprogramm ServiceStadt
Berlin 2016 sollen moderne, transparente und
technologisch zeitgemäße Verwaltungsstrukturen
und -prozesse geschaffen werden. Das klingt
theoretisch sehr schön, muss aber auch von
allen Beteiligten gelebt werden. Gelebt heißt:
nicht bloß von oben verordnet. Gelebt heißt: von
den Verwaltungsmitarbeitern als eigenes Ziel
gewollt. Eine auf diese Weise kundenorientierte
Verwaltung sollte dann auch zur Vermeidung von
Doppelzuständigkeiten führen.
Damit für die Berliner Unternehmen wirklich eine
spürbare Veränderung eintritt, will die IHK Berlin
den Umsetzungsprozess und die Anstrengungen
zu einem zeitgemäßen Personalmanagement
in der Öffentlichen Verwaltung begleiten und
unterstützen.

und die englischsprachige Verwaltung
selbstverständlich wird.
   die flächendeckende Einführung und
Nutzung von E-Government-Anwendungen
fordern, damit Unternehmen bürokratisch
entlastet und die Staatsfinanzen schrittweise
konsolidiert werden.
   in Zusammenarbeit mit den Berliner
Gerichten Vorschläge zur Beschleunigung von
Zivilverfahren erarbeiten, die Eingang in die
Richterfortbildung finden.
   die neue „Schlichtungsstelle der Berliner
Wirtschaft“ als schnelle und kostengünstige
außergerichtliche Möglichkeit der
Streitbeilegung bewerben.

Dann klappt‘s zukünftig auch mit dem ersten
guten Eindruck: Die Verwaltung wird zum
Aushängeschild Berlins.

Sebastian Jensch
Geschäftsführer, mingaco consult

„Mit den aktuellen Rahmenbedingungen zum
E-Government lassen sich insbesondere auf der
Verwaltungsseite große Modernisierungspotenziale
erkennen. Moderne E-Government-Anwendungen
und eine breite Akzeptanz auf allen Ebenen fördern
und fordern die Ausschöpfung der Potenziale. Mit dem
Modernisierungsprogramm ServiceStadt Berlin 2016 sind
erste Schritte in die richtige Richtung getan worden.“

Die IHK Berlin wird daher
   die Berliner Verwaltung weiterhin darin
bestärken, sich zu einem positiven
Standortfaktor für die Stadt zu entwickeln.
   in enger Kooperation mit der Verwaltung
auf die wirtschaftsfreundliche Umgestaltung
von Verwaltungsdienstleistungen und die
Steigerung der Servicebereitschaft hinwirken.
   das Land Berlin auffordern, seinen Beitrag für
eine bessere Willkommenskultur zu leisten,
indem bspw. die Sprachkompetenz der
Mitarbeiter der Berliner Verwaltung erweitert
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Themenschwerpunkte 2014

Arbeitsmarkt und Fachkräfte	

Das eine tun, das andere nicht lassen
Berlin hat nach wie vor zu viele Arbeitslose. Ohne
Frage muss hier etwas getan werden. Aber auf
diesem Wege können nicht in allen Bereichen
der Berliner Wirtschaft genügend qualifizierte
Fachkräfte gewonnen werden. Berlin muss noch
stärker seine Stärken als coole Metropole in der
Mitte Europas ausspielen, um die Besten für ein
Leben und Arbeiten in Berlin zu gewinnen.
Gleichzeitig müssen sich die Unternehmen etwas
einfallen lassen, um ihre Mitarbeiter dauerhaft
für sich zu interessieren und zu binden. Hier
sind Werte wie beispielsweise Fortbildung,
vielfältige Belegschaften, Mitarbeitergesundheit
und eine ausgewogene Balance zwischen Beruf
und Familie gute Argumente, um Gleichgesinnte
um sich zu scharen. Bei beidem – dem Finden
und dem Halten von Mitarbeitern – wird die
IHK Berlin mit passgenauen Angeboten und
Initiativen die Unternehmen unterstützen und
   dafür eintreten, dass Arbeitsmarktpolitik und
-förderung zuallererst darauf abzielt, die
Beschäftigung in Unternehmen im ersten
Arbeitsmarkt zu erhalten und auszubauen.

Stefan Beck
Managing Director, BORSIG GmbH

„Das Wettrennen um die besten Köpfe ist in vollem
Gange. Dabei müssen wir auch bereit sein, neue
Wege zu beschreiten. Neben einer konsequenten
Nachwuchsförderung ist es wichtig, alle potenziellen
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die vielleicht bisher
nicht im Focus der Personalgewinnung standen, stärker
zu berücksichtigen. Nur so können wir auf lange Sicht
wettbewerbsfähig bleiben.“

bessere Betreuungsmöglichkeiten zu
erreichen.
   mit Qualitätssiegeln Vorbilder
auszeichnen: Schulen mit guter
Berufs- und Studienorientierung mit
einem Berufswahlsiegel und sehr gute
Ausbildungsbetriebe mit einem freiwilligen
Qualitätssiegel.
   ein IHK-Berufsorientierungsportal
einführen, um eine passgenaue Recherche
der Berufsorientierungsangebote der
Unternehmen und Schulen zu ermöglichen.
   KMU gezielt bei der Ausbildung im Verbund
unterstützen, um so noch mehr Unternehmen
für die eigene Ausbildung zu gewinnen.
   Messen und Börsen veranstalten, um
Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre
Ausbildungsplätze zu besetzen und neue
Zielgruppen wie z. B. Teilzeitauszubildende
oder Studienabbrecher zu gewinnen.
   sich dafür stark machen, dass Berlin weiterhin
ein für ausländische Unternehmen und
Fachkräfte attraktiver Standort bleibt.

   Berlin für qualifizierte Zuwanderer
interessieren und ein aktives
Standortmarketing einfordern, das
qualifizierte Fachkräfte aus dem In- und
Ausland gezielt anspricht.
   Vorschläge zur Fachkräftesicherung aus
gesellschafts- und arbeitsmarktpolitischer
Sicht entwickeln und über die Lage auf dem
Fachkräftemarkt informieren.
   Rahmenbedingungen für eine bessere
Vereinbarkeit von Familie und Beruf
einfordern, um quantitativ und qualitativ
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Themenschwerpunkte 2014

Wissenschaft und Technologietransfer

Wissen schaf(f)t Wirtschaft!
Auf der Habenseite hat Berlin eine exzellente
Forschungs- und Entwicklungslandschaft, die
einen Wissensvorsprung gegenüber anderen
Regionen schafft. Auf der Sollseite steht
jedoch noch die entsprechende Umwandlung
in Wirtschaftskraft noch aus, damit die
Berliner Wirtschaft auch im Wettbewerb der
Innovationsstandorte die Nase vorn hat.
Für einen Platz auf dem Siegertreppchen im
Wettstreit der Innovationsstandorte braucht
es mehr innovationsstarke Unternehmen,
die sich den Herausforderungen der Zukunft
stellen, eine stärkere Industrie und eine
innovationsfreundlichere Wirtschaftspolitik.

Deshalb wird die IHK Berlin:
   Prüfsteine für eine innovationsfreundliche
Wirtschaftspolitik erarbeiten.

Alexandra Knauer
Geschäftsführende Gesellschafterin, wissenschaftliche Gerätebau
Dr. Ing. Herbert Knauer GmbH

„Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Hochschulen
und Forschungsinstitute für uns als mittelständisches
Unternehmen wichtige Kooperationspartner sind.
Das gilt in meinem Fall insbesondere für gemeinsame
Geräteentwicklungen auf dem Gebiet der Flüssigkeits­
chromatografie und für die Durchführung neuer
interessanter Analysen auf dem Gebiet der Chemie,
Biochemie oder z.B. auch der Lebensmittelkontrolle. Die
Zusammenarbeit mit ausgewählten Wissenschaftlern
und Arbeitsgruppen erhöht unsere Wettbewerbsfähigkeit
und Innovationsleistung. Ich empfehle auch anderen
Berliner Unternehmen, diesen Weg einzuschlagen und vom
geballten Know How hier in Berlin zu profitieren.“

   eine digitale Kooperationsplattform an
den Start bringen, um das F&E-Potential
am Standort transparenter und die
Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft
und Wirtschaft, aber auch innovativer
Unternehmen untereinander leichter zu
machen.

   sich für ein bedarfsgerechtes duales
Studienangebot in Berlin einsetzen, damit
noch viel mehr Unternehmen von der
Möglichkeit Gebrauch machen können,
sich in die Ausbildung des akademischen
Nachwuchses einzubringen.
   Unternehmen mit Informationen für ein
umfassendes Innovationsmanagement
unterstützen, damit neue Produkte und
Verfahren effizient und in hoher Qualität
entwickelt und sicher am Markt platziert
werden können.
   sich für eine starke Industrie in Berlin
engagieren, ihre Innovationskraft durch
eine Reihe von Fachveranstaltungen
und Netzwerktreffen fördern und
ihre Innovationsleistungen in der
Öffentlichkeit sichtbar machen. Um die
Rahmenbedingungen zu verbessern, wird
die IHK Berlin die Weiterentwicklung des
Masterplans Industriestadt Berlin 2010-2020
in Abstimmung mit der Innovationsstrategie
vorantreiben.

   mit neuen Veranstaltungsformaten
Einblicke in Forschung und Entwicklung am
Standort ermöglichen, Kooperationspartner
zusammenbringen und durch Best Practices
Wege des erfolgreichen Wissens- und
Technologietransfers aufzeigen.
   mit der Initiative „Praktikum in der
Berliner Wirtschaft“ insbesondere kleinere
Unternehmen dabei unterstützen, sich als
attraktive Arbeitgeber zu präsentieren.
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Themenschwerpunkte 2014

Umwelt und Ressourcen

Von einem einsamen Windrad
und seinem Gegenteil
Wir befinden uns im Jahre drei nach der Energie­
wende. Ganz Deutschland ist mit Wind- und
Solaranlagen, Biogas und Wasserkraft besetzt...
ganz Deutschland? Nein, in Berlin sieht man von
diesen Vorboten eines neuen Energiezeitalters
noch nicht besonders viel. Ein einsames Windrad
und weniger als ein Prozent der installierten
Photovoltaikleistung Bayerns machen Berlin
auf absehbare Zeit nicht zum Exporteur von
„grünem“ Strom. Die Energiewende also ohne die
Hauptstadt? Im Gegenteil! Von Energieeffizienz
in der Wirtschaft bis zu Ideen für ein Smart Grid,
von intelligenter Quartiersversorgung bis zu
wegweisenden Energietechnologien – das Herz
der Energiewende schlägt auch in Berlin. Mit
dem Energiewendegesetz und dem integrierten
Energie- und Klimaschutzkonzept erhöht sich
auch die politische Schlagzahl. Die IHK wird die
Interessen der Unternehmen offensiv einbringen:
Wassergesetz, Grundwasserkonferenz, Rekommu­
nalisierung – 2014 wird ein energiegeladenes Jahr.

Sven Fietkau
Geschäftsführer, Run 24 GmbH

„Berlin macht sich auf, eine klimaneutrale Stadt zu
werden. Für den Umbau zu einer nachhaltigen Metropole
braucht es jedoch intelligente Lösungen für den
schonenden Umgang mit Wasser und Rohstoffen. Gut,
dass Berliner Unternehmen schon heute Standards bei
Materialeffizienz, Recycling und Gewässerschutz setzen.
Noch besser, wenn Berlin diese Stärken gezielter nutzt und
sich als Leuchtturm auch dieses Teils der Green Economy
profiliert."

Die IHK Berlin wird daher
   auf eine technologieoffene und
wirtschaftsfreundliche Ausgestaltung des
Energiewendegesetzes sowie des integrierten
Energie- und Klimaschutzkonzeptes drängen.
   Unternehmen zum Thema Energieeffizienz
weiter vernetzen und so die Anstrengungen
der Wirtschaft für die Energiewende
nachhaltig unterstützen.
   der Berliner Politik Strukturvorschläge für
eine effiziente Umsetzung der Energiewende
in der Hauptstadt unterbreiten.

   in Fortschreibung ihrer Road Map Green
Economy Vorschläge entwickeln, wie
Hemmnisse bei der Implementierung
umweltfreundlicher Technologien in Berlin
beseitigt werden können.
   in der Veranstaltungsreihe Innovationsmotor
Green Economy Industrie und Gewerbe mit
Technologieanbietern und Dienstleistern
aus der Region zusammenführen und
so die Anwendung von Umwelt- und
Klimaschutztechnologien unterstützen.
   weiterhin die Risiken einer
Rekommunalisierung der Strom- und
Gasnetze in Berlin benennen und beim
„Stadtwerk“ darauf drängen, dass wirklich
Impulse für die Energiewende entstehen.
   im Rahmen einer Grundwasserkonferenz
Politik und Öffentlichkeit auf die Gefahren
des Grundwasseranstiegs aufmerksam
machen und Lösungswege aufzeigen.
   bei der Novellierung des Berliner
Wassergesetzes darauf drängen, dass
Unternehmen von Bürokratie entlastet,
innovative Wassertechnologien gefördert und
der Wasserpreis nicht weiter erhöht wird.
   bei der Entwicklung neuer abfallrechtlicher
Rahmenbedingungen, z.B. im Bereich
Wertstofferfassung oder Elektroschrott, auf
Wettbewerb und Markt drängen.
   bei Unternehmen mit praxisnahen
Angeboten dafür werben, Naturschutz
und biologische Vielfalt aktiv in die eigene
Unternehmenskultur zu integrieren.
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Themenschwerpunkte 2014

Internationalisierung der Berliner Wirtschaft

Made in Berlin – ein neues
Markenzeichen?
Alle Welt kommt nach Berlin. Nur – wer weiss
schon, dass Berlin auch in aller Welt zu finden
ist? Daran sollte sich etwas ändern, denn
seit 1991 ist das Außenhandelsvolumen um
durchschnittlich 2,8 Prozent jährlich gewachsen.
Berliner Produkte gehen im Wert von rund 14
Mrd. Euro in alle Welt. Doch immer noch gibt
es weiße Flecken auf der Landkarte der Berliner
Exportwirtschaft.

   die Ausstellung von Ursprungszeugnissen,
Carnets und anderen Außenwirtschafts­
dokumenten.
   ihren Einsatz bei den zuständigen Behörden
für eine erleichterte Erteilung von
Geschäftsreisevisa für die internationalen
Geschäftspartner der Berliner Wirtschaft.

Die IHK Berlin wird diese gemeinsam mit
den Berliner Unternehmen erforschen und
sie bei der Erschließung neuer Auslandsmärkte unterstützen durch
   politisch hochrangig begleitete Delegations­
reisen in internationale Zukunftsmärkte.
   den Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen
zu internationalen Metropolen – z. B. zu
Istanbul und Tokyo anlässlich der Jubiläen
dieser Städtepartnerschaften im Jahr 2014.

Carola M. Schild
Geschäftsführerin, Le-vi Elektrovertrieb GmbH

„Wie keine andere Stadt hat Berlin international bewiesen,
dass man Veränderungen in Wachstum umwandeln
kann. Wer hätte schon vor 20 Jahren gedacht, dass
Saudi Arabien mittlerweile auf Platz vier der wichtigsten
Ausfuhrländer Berlins steht und China mit Platz fünf
bereits viele europäische Nachbarn überholt hat? Berliner
Unternehmerinnen und Unternehmer nehmen die globale
Herausforderung an und geben entscheidende Impulse für
die Berliner Wirtschaft."

   Inhouse-Schulungen und Workshops zu allen
relevaten Themen des Außenhandels – von
A für „Außenhandelsdokumente“ bis Z für
„Zahlungsabwicklung im Export“.
   Beratung der Berliner Unternehmen
hinsichtlich ihrer Geschäfte mit Entwicklungsund Schwellenländern in Kooperation mit
dem Bundesministerium für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

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Themenschwerpunkte 2014

IHK Special

You have come to the right place,
you need to seek no more!
„Excuse me, do you speak English?“ – so
beginnen viele Gespräche in der IHK Berlin. Ob
Muttersprachler oder nicht – die über 100.000
Auskunftssuchenden eint, dass sie um schnelle,
unkomplizierte und freundliche Hilfe bitten.
Nicht wenige von Ihnen sind neu in Berlin. Ob
Fachkräfte, Gründer oder Start-ups – Berlins
Wirtschaft benötigt die Innovationskraft und das
Wissen, das diese Menschen mitbringen.
Nur: Berlin steht mit seinem Bedarf an
ausländischen Fachkräften im direkten
Wettbewerb mit anderen deutschen Großstädten
und europäischen Metropolen. Und dort ist der
Behördendschungel oft weniger dicht: Wo in
Berlin schon Inländer Probleme haben, versteht
ein Nicht-Muttersprachler die Regularien und
auszufüllenden Formulare der verschiedenen
Behörden erst recht nicht.

Dr. Eric Schweitzer
Präsident der IHK Berlin und des DIHK

„Für 2014 habe ich einen besonderen Wunsch: Lassen Sie
uns gemeinsam eine neue Willkommenskultur in Berlin
schaffen. Nur, wenn sich Berlin ehrlich für qualifizierte
Ausländer öffnet, bekommen wir die Fachkräfte und
Start-ups in die Stadt, die wir brauchen, um weiterhin zu
wachsen. Unsere IHK wird deshalb ihre mehrsprachigen
Angebote wie den Business Welcome Service oder die
Gründerberatung weiter ausbauen. Es gibt viel zu tun.
Packen wir es an!"

Was für die Verwaltungsebene gefordert wird,
hat die IHK Berlin mit dem Business Welcome
Service, englischsprachigen Informationen und
Beratungen längst begonnen: Unternehmen und
Fachkräfte in Berlin herzlich willkommen zu
heißen.

   mit ihrem mehrsprachigen Beratungsservice
von der Gründung bis zur Visaerteilung
ausländischen Gründern unterstützend zur
Seite stehen.
   mit ihrem guten Draht zu Berliner
Behörden und Institutionen ausländischen
Unternehmern Behördenwege erleichtern und
Verwaltungsverfahren verkürzen.
   die Verfahren für die Kunden des Business
Welcome Services transparent gestalten und
Verwaltungsprozesse nachvollziehbar machen.
   durch ihren besonderen Service die Warte­
zeiten bis zur Erteilung einer Arbeits- oder
Aufenthaltserlaubnis erheblich verkürzen.
   auf ihrer Website das Informationsangebot in
englischer Sprache ausbauen.
   durch den Ausbau von Onlinediensten
die Kontaktaufnahme und Informations­
vermittlung auch ohne persönliche Termine
vereinfachen.

Die IHK Berlin wird daher
   die „One Stop Agentur Berlin“ werden, um
die Lotsenfunktion für ausländische Gründer
und Fachkräfte an einem zentralen Ort mit
qualifizierten Mitarbeitern zu übernehmen.
   mit ihrem Business Welcome Service den
Zuzug ausländischer Unternehmen sowie von
Fach- und Führungskräften erleichtern.
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impRessum

Bildnachweise
Titel © Tom Nulens - iStockphoto.com
S. 4–18 © Detlef Eden, Photography
S. 20 © Rainer Kurzeder

lektorat
Berit Sörensen
Rosa-Luxemburg-Str. 89
14806 Bad Belzig

herausgeber
IHK Berlin
Fasanenstraße 85
10623 Berlin
Telefon: +49 30 31510 - 0
Telefax: +49 30 31510 - 166
E-Mail: service@berlin.ihk.de
www.ihk-berlin.de

druckerei
Ruksaldruck GmbH und Co. KG Repro plus Offset
Lankwitzer Straße 35
12107 Berlin
Stand: 12. Dezember 2013

Industrie- und Handelskammer zu Berlin | Fasanenstraße 85 | 10623 Berlin | Telefon: +49 30 31510 - 0 | Internet: www.ihk-berlin.de
        
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