Path:
Handlungsempfehlungen

Full text: Handlungsempfehlungen

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2010 Handlungsempfehlungen

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

Impressum

Zusammenstellung und Ausarbeitung: Dr. med Andreas Beyer Detlef Duscha Dr. habil pol. Hanna Haupt Leiter des Gesundheitsamtes Abteilung Soziales und Sport Sozialwissenschaftliches Forschungszentrum Berlin-Brandenburg e.V.

Layout und Design: Cornelia Wörster Abteilung Soziales und Sport

Herausgeber: Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf von Berlin Abteilung Soziales und Sport 14160 Berlin

1. Auflage 2010, Redaktionsschluss Juni 2010

Druck: Lentz Druck und Medien GmbH

Nachdruck - auch auszugsweise - nur mit Quellenangabe und Genehmigung des Herausgebers

Schutzgebühr: Euro 10,00 (Band I bis III)

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

Teil III - Handlungsempfehlungen

Kapitel 1. 2. 3. 4. 4.1 4.1.1 4.1.2 4.1.3 4.1.4 4.2 4.2.1 4.2.2 4.2.3 4.2.4 4.2.5 4.2.6 4.2.7 5. 5.1 5.1.1 5.1.2 6. 7. 7.1 7.2 7.3 7.4 8.

Titel Teilnahme am Erwerbsleben Einkommensentwicklung und Armutsrisiken Wohnen im Alter Freizeitangebote Offene Veranstaltungsangebote Bustages- und Halbtagesfahrten Gruppenführungen und Besichtigungen Musik-, Tanz- und Kulturveranstaltungen im Bürgersaal Handlungsempfehlungen für offene Veranstaltungsangebote Seniorenfreizeit- und Begegnungsstätten Kulturelle Programme in Seniorenfreizeitstätten Gruppenaktivitäten in Seniorenfreizeitstätten Tanzveranstaltungen in Seniorenfreizeitstätten Inanspruchnahme von Angeboten in Seniorenfreizeiteinrichtungen nach Bezirksregionen und deren Nutzungsgrad Generationenübergreifende Angebote Freizeitkosten Handlungsempfehlungen für Seniorenfreizeiteinrichtungen Ehrenamtlicher Dienst Geburtstags- und Jubiläumsehrungen/Geburtstagsnachfeiern Handlungsempfehlungen für Geburtstagsehrungen Handlungsempfehlungen für Geburtstagsnachfeiern und Jubiläumsehrungen Gesundheitsaufklärung, Prävention und gesunde Lebensweise Ambulante und stationäre Pflege Ambulante Pflege Vollstationäre Dauerpflege Ambulant betreute Wohngemeinschaften Handlungsempfehlungen Prävention vor sozialer Isolierung

Seite 1 3 5 9 9 10 10 11 11 12 14 14 14 15 16 16 17 21 21 21 22 23 25 27 29 30 31 33

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

Vorbemerkungen
Die durch den demographischen Wandel bedingten Veränderungen des Bevölkerungsaufbaus werden sich in Steglitz-Zehlendorf durch eine immer weiter fortschreitende Alterung der Bevölkerung besonders deutlich zeigen. Den durch diese Entwicklung zu erwartenden Herausforderungen müssen sich kommunale, wohlfahrtliche, konfessionelle und privatwirtschaftliche Träger unterschiedlichster Angebote und Dienstleistungen im Bezirk in den nächsten 20 Jahren in verstärktem Maße stellen. Um die Angebote für Senioren auch künftig bedarfsorientiert ausgestalten zu können, wurde im Rahmen der Altenhilfeplanung 1. eine Bestandsanalyse der im Bezirk im Jahre 2007 vorhandenen Angebote, Einrichtungen und Dienstleistungen erstellt und im Jahre 2008 vom Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum Berlin-Brandenburg e.V. im Auftrag der Bezirksverwaltung eine Bürgerbefragung zur sozialen Lage, den subjektiven Befindlichkeiten und Erwartungen der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf

2.

durchgeführt. Die Bestands- und Bedarfsanalyse wurden ausgewertet und der prognostizierten Bevölkerungsentwicklung für Steglitz-Zehlendorf gegenübergestellt. Dabei gewonnene Erkenntnisse und Überlegungen sind Grundlage für nachstehende Handlungsempfehlungen, die sich als Denkanstöße für mögliche Weichenstellungen auf unterschiedlichen Handlungsfeldern verstehen und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Die von der Arbeitsgruppe beispielhaft ausgewählten Handlungsempfehlungen beschränken sich ausschließlich auf Handlungsfelder, von denen angenommen wird, dass sie von der Bezirksverwaltung und/oder den in diesen Bereichen auf bezirklicher Ebene agierenden Akteuren direkt oder indirekt beeinflusst werden können. Die Handlungsempfehlungen sind darüber hinaus nur vor dem Hintergrund gegenwärtiger sowie absehbarer und kalkulierbarer Rahmenbedingungen zu verstehen und relativieren sich bei Veränderung dieser Rahmenbedingungen (z.B. durch Änderungen in der Sozialgesetzgebung) entsprechend. Bei Handlungsempfehlungen, die nur Teile der Bezirksverwaltung betreffen, geht die Arbeitsgruppe von der Annahme aus, dass zumindest für den Bereich sogenannter freiwilliger Leistungen (kulturelle Altenhilfe) keine an die Bevölkerungsentwicklung angelehnte dynamische Anpassung von Personal und Haushaltsmitteln erfolgen wird und der Bestand auf gegenwärtigem Niveau erhalten bleibt. Die Arbeitsgruppe ist sich darüber im Klaren, dass sowohl die Ergebnisse der Bestandsanalyse als auch die Auswertung der Bürgerbefragung vor dem Hintergrund der Bevölkerungsentwicklung im Bezirk weitaus umfangreicher interpretierbar sind, als sich dies in den nachfolgenden Handlungsempfehlungen widerspiegelt. Die zu ausgewählten Handlungsfeldern unterbreiteten Vorschläge haben von daher ausschließlich beispielhaften Charakter. Jeder Leser ist deshalb aufgerufen, die Ergebnisse aus seiner spezifischen Sicht zu betrachten und aus seiner Funktion heraus die erforderlichen Rückschlüsse zu ziehen.

Dr. Andreas Beyer Leiter des Gesundheitsamtes Steglitz-Zehlendorf

Detlef Duscha Abt. Soziales und Sport Alten- und Sozialplanung

Dr. Hanna Haupt Sozialwissenschaftliches Forschungszentrum Berlin-Brandenburg e.V.

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

1.

Teilnahme am Erwerbsleben

Die eigene aktuelle bzw. im Lebensverlauf zurückgelegte Erwerbsbeteiligung bildet für die überwiegende Mehrheit der ab 50-jährigen Bürgerinnen und Bürger aus Steglitz-Zehlendorf die wesentlichste Lebensgrundlage. Für die künftigen Seniorinnen und Senioren ist dieser Lebensabschnitt die Zeit nachhaltiger individueller Veränderungen wie • • • die Erlangung der wirtschaftlichen Selbstständigkeit der Kinder, die Kumulation von sozialen und fachlichen Erfahrungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten im Arbeitsprozess und der Übergang in den Ruhestand.
1. Teilnahme am Erwerbsleben

Die Unterschiede treten besonders zwischen denjenigen hervor, die bei guter Gesundheit und stabiler Beschäftigung - nach Erlangung der wirtschaftlichen Selbstständigkeit der Kinder - ihre im Arbeitsprozess gereifte Qualifikation, Karriere und Leistung zu einer entsprechenden Entlohnung führen können, und denen, die entweder durch gesundheitlich bedingte Erwerbsunfähigkeit oder durch Arbeitslosigkeit vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden und nur geringe Chancen auf einen Wiedereinstieg in das Erwerbsleben haben. Während Erwerbstätige in diesem Lebensabschnitt mehrheitlich durchaus in der Lage sind, noch materielle Rücklagen für das Alter zu bilden, sind sowohl Arbeitslose - mehrheitlich Langzeitarbeitslose und Erwerbsunfähigkeitsrentner/-innen kaum in der Lage, noch zusätzlich privat für ihr Alter vorzusorgen. Ausgehend davon, dass in Steglitz-Zehlendorf nach der Bevölkerungsentwicklungsprognose (2007 bis 2030) bis zum Jahre 2025 für das ältere Erwerbspotenzial (Altersgruppe 50 bis unter 65 Jahre) ein Anstieg um 8 Prozentpunkte erwartet wird, soll unter der Annahme des Fortbestandes der aktuellen Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt und dessen weiteren Beeinflussung durch die Krise am Finanzmarkt auf folgende mögliche Entwicklungen aufmerksam gemacht werden: • Für die Mehrheit der älteren Arbeitnehmer/-innen wird auch künftig ein selbstbestimmter Wechsel aus der Erwerbstätigkeit in den Ruhestand möglich sein. Das trifft vor allem für jene zu, die durch langjährige Erwerbstätigkeit entsprechende Anwartschaften auf Alterssicherung aufbauen und zusätzlich private Altersvorsorge betreiben konnten. Dennoch ist auch für Steglitz-Zehlendorf davon auszugehen, dass die Unterversorgung mit Arbeit - in Form von Arbeitslosigkeit bzw. Langzeitarbeitslosigkeit sowie von prekären Arbeitsverhältnissen mit Niedrigstlöhnen, Zeit- und Leiharbeitsverhältnissen, untertariflich entlohnten befristeten Arbeitsverhältnissen und von Ein-Euro-Jobs - bei den 50- bis unter 65-Jährigen von aktuell ca. 11% (6.574 Personen) in Folge des demographischen Wandels weiter zunimmt. Bei unveränderter Unterversorgungsquote könnte das bis 2015 einen nominalen Anstieg um weitere 500 mit Arbeit unterversorgte 50- bis unter 65-Jährige in Steglitz-Zehlendorf bedeuten. Für eine zunehmende Minderheit wird auch in Steglitz-Zehlendorf von durch Arbeitslosigkeit aus dem Erwerbsleben ausgegrenzte Personen mit den Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit zu rechnen sein. Dieser Einschnitt in die individuellen Erwerbsverläufe beeinträchtigt nicht nur die jeweils aktuelle Lebenssituation, sondern hat nachhaltige Auswirkungen auf deren materielle Alterssicherung. Die durch Langzeitarbeitslosigkeit entstehenden Lücken in den Erwerbsbiographien schlagen sich vor allem in lebenslang wirksamen Defiziten an monatlichen Zahlbeträgen der gesetzlichen Renten nieder. Infolge der immensen Vermittlungsschwierigkeiten älterer Arbeitsloser auf dem 1. Arbeitsmarkt wird diese Klientel auch künftig auf Eingliederung in öffentlich geförderte Arbeitsverhältnisse angewiesen sein. Es wäre im Interesse der hilfebedürftigen Klientel erforderlich, diese Beschäftigungsmöglichkeiten als wirkliche Brücke bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung auszugestalten.

•

•

•

1

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

1. Teilnahme am Erwerbsleben

2

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

2.

Einkommensentwicklung und Armutsrisiken

Das Einkommen bestimmt wesentlich die Lebensqualität und Lebenszufriedenheit eines jeden Bürgers und bildet die finanzielle Grundlage für die gegenwärtige und künftige Lebensplanung. Das Führen eines selbstständigen und selbstbestimmten Lebens älterer Bürgerinnen und Bürger wird entscheidend von der Alterssicherung und dem Einkommen im Alter beeinflusst, um die existenziellen und die darüber hinausgehenden Bedürfnisse befriedigen zu können. Auch in Steglitz-Zehlendorf erwirbt die überwiegende Mehrheit der erwerbsfähigen 50- bis unter 65-Jährigen durch aktive Teilnahme am Erwerbsleben ein eigenes Einkommen und zugleich Anwartschaften gesetzlicher Alterssicherungsleistungen. Wer von dieser Gruppe bereits in den Ruhestand übergewechselt ist und die ab 65-Jährigen beziehen auf der Grundlage der während des Erwerbslebens erworbenen Ansprüche gesetzliche Rente bzw. Pension. Durch die gestiegene Lebenserwartung eröffnet es mehr älteren Menschen als je zuvor, aktiv ihr Leben nach dem Austritt aus dem Erwerbsleben zu gestalten. Diese Bedürfnisse werden sowohl in die individuellen, vor allem finanziellen Realisierungsmöglichkeiten eingeordnet als auch im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für die materielle Alterssicherung im Zusammenhang betrachtet. Die Alterseinkommen der ab 65-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf begründen sich 2008 mehrheitlich (62%) auf Einkünfte aus einer Einkommensquelle, davon ausschließlich jeweils 1% aus Arbeitsentgelt und aus selbstständiger Arbeit, 47% aus gesetzlicher Rente und 13% aus Pension. Hingegen 28% verweisen auf Alterseinkünfte aus mehreren Einkommensquellen. Des Weiteren verfügt 1% der ab 65-Jährigen nur über Leistungen der Sozialhilfe und weitere Transferleistungen und 2% erzielen ihre Einkünfte aus Unterhalt, Zinsen oder Vermietung. Zwar abhängig von der Ergiebigkeit der Einkommensquellen schlägt sich der Zufluss aus mehreren im Vergleich zu einem Zufluss aus nur einer Einkommensquelle in günstigeren Alterseinkommen nieder. Das trifft in Steglitz-Zehlendorf für rd. ein Viertel der ab 65-Jährigen zu. Die bei den ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf vorgefundene Spreizung der monatlichen individuellen Nettoeinkommen erstreckt sich zwischen Personen ohne eigenes Einkommen und monatlich fließenden Einkommen, die in Einzelfällen die 50.000 Euro-Grenze überschreiten. Entsprechend diesen Einkommensgrößenklassen verteilen sich die individuellen Nettoeinkommen der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf wie folgt: 5% verfügen über kein eigenes Einkommen. Ein Einkommen bis unter 500 Euro erzielen 7% der ab 50-Jährigen. Zwischen 500 Euro und unter 1.000 Euro liegen die monatlichen Nettoeinkommen von 17%. Ein individuelles Nettoeinkommen von 1.000 Euro bis unter 1.500 Euro beziehen 22% der Probanden. Weitere 15% erzielen pro Monat ein individuelles Nettoeinkommen zwischen 1.500 und unter 2.000 Euro. Zwischen 2.000 Euro und unter 3.000 Euro liegt das individuelle Nettoeinkommen von ebenfalls 15% und über 3.000 Euro pro Monat verfügen 12% (8% - ohne Antwort). Diese Werte differenzieren sich stark nach soziostrukturellen Merkmalen sowie unter sozialräumlichem Aspekt. Die äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen1 der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf zeigen folgende Verteilung: 3% der Haushalte der ab 50-Jährigen verfügen über ein äquivalenzgewichtetes Haushaltsnettoeinkommen von unter 600 Euro pro Monat, 9% kommen auf eine Summe zwischen 600 und 900 Euro, ein Viertel der Klientel verfügt über 1.000 bis unter 1.500 Euro pro Monat, ein knappes Drittel (32%) kommt auf eine Summe zwischen 1.500 und 2.500 Euro, weitere 11% verbuchen monatlich 2.500 bis unter 3.500 Euro äquivalenzgewichtetes Haushaltsnettoeinkommen und 3% verfügen über eine Summe zwischen 3.500 bis unter 5.000 Euro. Mehr als 5.000 Euro äquivalenzgewichtetes Haushaltsnettoeinkommen zeigen 2% der ab 50-Jährigen an. Die Bewertung der Verteilung von Reichtum und Armut unter den ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf erfolgte auf der Basis des durchschnittlichen Haushaltsäquivalenzeinkommens aller privaten Haushalte des ursprünglichen Bundesgebietes. Damit wurde die Vergleichbarkeit innerhalb des für die Einkommensverhältnisse relevanten Rechtskreises (Renten-, Tarifrecht) hergestellt.
1

Nur unter Berücksichtigung der Anzahl der im Haushalt lebenden und vom gemeinsamen Haushaltsnettoeinkommen zu versorgenden Personen und deren spezifischen Bedarfen kann ein Vergleich aller Haushalte auf einheitlicher Basis vorgenommen werden. Zu diesem Zweck wird nach der neuen europaweit angewandten OECD-Skala für den ersten Erwachsenen in einem Haushalt der Faktor 1 gesetzt, alle weiteren erwachsenen Personen werden mit dem Faktor 0,5 und Kinder mit dem Faktor 0,3 berechnet.

3

2. Einkommensentwicklung und Armutsrisiken

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

Ausgehend von diesem Haushaltsäquivalenzeinkommen von 1.357 Euro pro Monat und berechnet nach der neuen OECD-Skala lebten 2008 von den ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf 6% unterhalb der Armutsgrenze; das heißt, ihnen stand monatlich weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Haushaltsäquivalenzeinkommens des ursprünglichen Bundesgebietes zur Verfügung. Weitere 4% befanden sich unter der Armutsrisikoschwelle (60% des durchschnittlichen Haushaltsäquivalenzeinkommens) und noch immer unterdurchschnittliche Haushaltsäquivalenzeinkommen wurden bei 26% vorgefunden. Unterhalb der Reichtumsgrenze (200% des durchschnittlichen Haushaltsäquivalenzeinkommens) erzielten 51% der Probanden überdurchschnittliche Einkommen, und von 13% waren die monatlich fließenden Einkommen als Reichtum zu bewerten. Für die untersuchte Altersgruppe kann dabei festgestellt werden, dass bei der Verteilung von Reichtum und Armut innerhalb von Steglitz-Zehlendorf im Unterschied zu den Gleichaltrigen in der Mehrzahl der Kommunen im ursprünglichen Bundesgebiet der ausgewiesene Anteil an Reichtum größer als der Anteil an Armut ist2. Der Bezirk sollte für die Abschätzung der Einkommensentwicklung von folgenden Sachverhalten ausgehen: • Da einerseits in den nächsten Jahren nicht mit einer grundsätzlichen Veränderung der Struktur der Einkommensquellen der Alterseinkommen zu rechnen ist, andererseits aber vor allem die Zahlbeträge der Neurentner der gesetzlichen Rentenversicherung aufgrund der gesetzlichen Regelungen3 insgesamt und individuell verstärkt durch die von Arbeitslosigkeit und Hartz IV-Regelungen entstandenen Lücken in den Erwerbsbiographien und Beitragsleistungen weiter absinken, ist mit einer deutlichen Schmälerung der Alterseinkommen bei den Beziehern von Renten der gesetzlichen Rentenversicherung auszugehen. Als Hauptursache der aktuellen Einkommensarmut unter den ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf erweist sich hier wie bundesweit die Langzeitarbeitslosigkeit bei den 50- bis unter 65-Jährigen. Von ihnen leben 27% unter der Armutsgrenze, gefolgt von 14% der Migranten und 10% der Erwerbsminderungsrentner. Alle anderen sozialen Gruppen sind entweder durchschnittlich oder in geringerem Maße mit Armut konfrontiert. Unter den Bedingungen des Aufbaus von äußerst geringen Rentenanwartschaften während des Hartz IV-Bezugs (2,09 Euro im Jahr 2008) ist davon auszugehen, dass vor allem diese defizitären Rentenanwartschaften im Berentungsfall bei vielen der heutigen Langzeitarbeitslosen Altersarmut begründen und damit der Armutsanteil innerhalb der Seniorenschaft in Steglitz-Zehlendorf künftig zunimmt. Vor diesem Hintergrund muss mit Verschiebungen an der Armutsrisikoschwelle gerechnet werden. Dabei ist unter den Senioren künftig ein aufgrund von Armutsentwicklungen die 10-Prozentgrenze sukzessive übersteigender Anteil wahrscheinlich, der durch ein Absinken ehemals unterdurchschnittlicher Einkommenspositionen unter die Armutsrisikoschwelle weiter ergänzt wird. Unter diesen Bedingungen wächst der Kreis jener Senioren, die aufgrund ihres engen finanziellen Handlungsrahmens nur eingeschränkt oder kaum am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Damit wächst zugleich der Bedarf nach sozialen Angeboten zur Gewährleistung der gesellschaftlichen Teilhabe in allen Lebensbereichen. Es stellt sich für beschriebenen stetig wachsenden Personenkreis die Frage nach bezahlbaren Angeboten in verschiedenen Bereichen wie Wohnen, Freizeit und Mobilität.

2. Einkommensentwicklung und Armutsrisiken 4

•

•

•

•

2 3

Vgl. Lebenslagen in Deutschland, 3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, Berlin 2008, S. 21-35. Vgl. Altersvermögensgesetz vom 26.1.2001, RV-Nachhaltigkeitsgesetz vom 21.7.2004 und RV Altersgrenzenanpassungsgesetz vom 9.3.2007.

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

3.

Wohnen im Alter

Das Wohnen im Alter realisiert sich in Steglitz-Zehlendorf für die übergroße Mehrheit der ab 65-Jährigen in den ortsüblichen Normalwohnungen - zur Miete bzw. in Wohneigentum. Lediglich 3% dieser Altersgruppe wohnen in einer seniorengerechten Wohnung bzw. in einer Servicewohnanlage. Ausgangslage Wohnungen in Steglitz-Zehlendorfer Seniorenwohnhäusern waren im Erhebungsjahr 2007 insbesondere dann unvermietet, wenn es sich um Einraumwohnungen (vor allem ohne Sanitärausstattung) und Wohnungen in peripherer Lage handelte. Des weiteren war festzustellen, dass durchschnittlich etwa 50% der Wohnungen in Seniorenwohnhäusern sowie etwa 30% der dazugehörigen Gemeinschaftsflächen bezogen auf das Vorhandensein rollstuhlgerechter Bewegungsflächen nicht oder nur teilweise barrierefrei sind und mehretagige Anlagen zu etwa 20% über keinen und zu fast 60% nur teilweise über einen Aufzug verfügen. Mängel bezüglich einer adäquaten Sanitärausstattung sowie des Vorhandenseins rollstuhlgerechter Bewegungsflächen gab es vor allem bei Einrichtungen in öffentlicher Trägerschaft. Seniorenwohnhäuser sind bezogen auf den Fall des Eintritts der Pflegebedürftigkeit ihrer Mieter nur unzureichend vorbereitet. Nur in 7% aller seniorengerechten Wohnungen ist im Bedarfsfall ein Wechsel in die vollstationäre oder Kurzzeitpflege auf dem Gelände des Wohnhauses möglich. Servicewohnanlagen können das ihren Bewohner/-innen in drei Viertel der Fälle (bezogen auf die Kurzzeitpflege zu 25%) ermöglichen. Im Gegensatz zu Servicewohnanlagen sind Seniorenwohnhäuser im Bezirk nur wenig mit Anbietern altersgerechter Dienste vernetzt. Nur 44% seniorengerechter Wohnungen kooperieren über ihre Träger mit ambulanten Pflegediensten, in Servicewohnanlagen ist das zu 75% der Fall. Ähnlich verhält es sich bei Netzwerkpartnerschaften mit Sozialstationen und Mobilitätshilfediensten: Während 63% der Wohnungen in Servicewohnanlagen über ihre Träger mit diesen Diensten kooperieren, sind es bei seniorengerechten Wohnungen nur 26%.
3. Wohnen im Alter 5

Befragungsergebnis In einer Mietwohnung lebten im Erhebungsjahr 60% der Befragten; 40% lebten in Wohneigentum. Die durchschnittliche Miete lag 2008 bei 594,00 Euro im Monat. Für Miete und Aufwendungen für selbstgenutztes Wohneigentum waren von den Befragten durchschnittlich 575,00 Euro monatlich aufzubringen. 84% der über 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf bestätigen die Bezahlbarkeit von Miete bzw. Wohnkosten, demgegenüber verneinten 13% die Vereinbarkeit von Miete und Haushaltsbudget. Über die Hälfte der Befragten lebte in einer 2- bzw. 3-Raum-Wohnung (56%) und nur 0,3% lebten in 1-Raum-Wohnungen (überdurchschnittlich häufig waren das allein lebende Männer). Bei der Wahl der Wohnung spielt das Einkommen eine wichtige Rolle. Die Kosten für Wohnraum werden von nicht Wenigen als Sparpotenzial angegeben. Überdurchschnittlich viele Bürgerinnen und Bürger mit einem Einkommen von 2.500,00 Euro und weniger im Monat bewohnten Wohnungen mit einer unterdurchschnittlichen Wohnfläche. Gut drei Viertel der Befragten gaben an, dass ihre derzeitige Wohnung ihren aktuellen Wohnansprüchen entspricht; nur 0,4% der Bürgerinnen und Bürger verneinten dies. Die Zufriedenheit der über 50-Jährigen mit der eigenen Wohnung dokumentiert sich auch in der durchschnittlichen Wohndauer von 21 Jahren, und so verwundert es nicht, dass nur 8% der Befragten (in der Region Schloßstraße 13%) in absehbarer Zeit einen Wohnungswechsel anstreben würden.

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

Als Gründe für einen Wohnungswechsel werden in der Rangfolge vor allem • günstigere Mieten (50%), • höherer Wohnkomfort (42%), • das Vorhandensein einer Aufzugsanlage (37%), • die altersgerechtere Ausstattung (30 %), • sowie die Verkleinerung der Wohnfläche (28%) benannt.

3. Wohnen im Alter 6

Als seniorenfreundlich und altersgerecht schätzen nur 36% der künftigen Senioren, 47% der jungen Alten, 54% der Senioren im fortgeschrittenen Alter und 59% der Hochbetagten ihre derzeitige Wohnung ein. Das Fehlen seniorenfreundlichen Wohnraums wird vor allem in der Bezirksregion Zehlendorf Nord beklagt. Immerhin 21% der künftigen Senioren, 31% der jungen Alten, 37% der Senioren im fortgeschrittenen Alter und 49% der Hochbetagten bezeichnen ihre Wohnung als weitestgehend barrierefrei und behindertengerecht. Über eine an Pflegebedürftigkeit angepasste Wohnung glauben insgesamt 12% der künftigen Senioren, 16% der jungen Alten, 28% der Senioren im fortgeschrittenen Alter und 32% der Hochbetagten zu verfügen. Diese Anteile sind am höchsten in den Bezirksregionen Ostpreußendamm und Drakestraße und am geringsten in Zehlendorf Nord.

Die Wohnbedürfnisse der 50- bis unter 75-Jährigen fokussieren sich auf die Nutzung von ortsüblichen Wohnungen bzw. selbstgenutztem Wohneigentum, wobei die Verbesserung der Wohnqualität und ggf. die Anpassung des Wohnraumes an die besonderen Bedürfnisse im Alter im Mittelpunkt stehen. Von den 75- bis unter 85-Jährigen werden darüber hinausgehende Bedarfe reklamiert. Dabei stehen die Eignung der Wohnung zur selbständigen Haushaltsführung, die Anpassung der Wohnung zur Gewährleistung der Barrierefreiheit sowie die Nutzung seniorengerechter Dienste und Serviceleistungen im Vordergrund. Auch Hochbetagte wollen nach Möglichkeit ihren Lebensabend in der eignen Wohnung verbringen. Das soll soweit wie möglich durch eine räumlich und technische Anpassung der Wohnung sowie durch Inanspruchnahme von Service- und Pflegedienstleistungen erfolgen. Wird zur Herstellung ausreichender Versorgung bzw. zur Vermeidung der Singularisierung ein Umzug in Erwägung gezogen, so wird hier zu zunächst an die Möglichkeit des Umzuges in eine Servicewohnanlage gedacht, bevor man sich für die Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung entscheidet. In der Rangfolge der Gründe für eine Wohnraumanpassung bzw. den Umzug in eine seniorengerechte Wohnung bzw. in eine Servicewohnanlage steht die Bezahlbarkeit ganz oben (79% der Nennungen in den Kategorien sehr wichtig und wichtig), gefolgt von ausreichend großen Bewegungsflächen im Bad (79% der Nennungen in den Kategorien sehr wichtig und wichtig), genügend großen Bewegungsflächen in den Wohnräumen und in der Küche. Bei den gewünschten seniorengerechten Serviceangeboten spielt die Wohnungsreinigung die größte Rolle, gefolgt von der Anbindung an ein Hausnotrufsystem, die Inanspruchnahme von hauspflegerischen Diensten und hauswirtschaftlichen Leistungen. Im Gegensatz zu den mehrheitlich geäußerten Wünschen nach Anpassung der bisherigen Wohnung an einen Hilfebedarf bzw. eine Pflegesituation steht hier der Bekanntheitsgrad solcher Angebote. Nur 26% der Befragten sind Möglichkeiten der Wohnraumanpassung konkret bekannt (2% machen davon Gebrauch), aber 71% kennen solche Angebote nicht. Problematisch ist auch die Diskrepanz zwischen der Absicht, altersgerechte Dienste bzw. Servicewohnen in Anspruch nehmen zu wollen und der für die Realisierung ausgabefähigen Mittel. Kein Geld bzw. bis unter 100,00 Euro wollen bzw. können 45% der Befragten für diesen Zweck aufwenden, 23% können bis zu 150,00 Euro und weitere 27% mehr als 150,00 Euro im Monat für altersgerechte Angebote und Serviceleistungen aufwenden.

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

Für den Fall eintretender Pflegebedürftigkeit votiert die große Mehrheit der Befragten für den Verbleib in der eigenen Wohnung mit Inanspruchnahme eines Pflegedienstes bzw. komplementärer hauswirtschaftlicher Versorgung. Einen Umzug in eine Wohnanlage mit Servicedienstleistungen und ambulanten Pflegeangeboten könnte sich ebenfalls ein wesentlicher Teil der ab 50-Jährigen im Bezirk vorstellen, gefolgt vom Wechsel in eine barrierefreie Wohnung und der Vornahme baulicher Veränderungen der eigenen Wohnung im Hinblick auf die Pflegesituation (Wohnraumanpassung). Am unteren Ende der Attraktivitätsskala rangieren zurzeit die Übersiedlung in eine stationär betreute Hausgemeinschaft, ein Pflegeheim und eine Pflegewohngemeinschaft.
3. Wohnen im Alter 7

Empfehlungen Die weite Mehrheit aller Befragten hat sich dafür ausgesprochen, nach Möglichkeit auch im (fortgeschrittenen) Alter in der eigenen Wohnung verbleiben zu können. Um das weitestgehend gewährleisten zu können, müssten Bestandswohnungen im Einzelfall (pflege-)bedarfskonform umgestaltet werden. Diesbezüglich sollten • die Bürgerinnen und Bürger gezielter hinsichtlich der Möglichkeiten einer Wohnraumanpassung und ihrer Finanzierung unterrichtet werden, z.B. über regelmäßige Vorträge in Seniorenfreizeiteinrichtungen, durch Wohnungsbaugesellschaften, Träger entsprechender Angebote, Beratungsstellen, etc.; die Bürgerinnen und Bürger besser über Möglichkeiten seniorengerechter Wohnangebote und die dabei tatsächlich anfallenden Kosten informiert werden; gemeinsam mit Vermietern und Wohnungsbaugesellschaften sowie den Anbietern seniorengerechter Dienste Service-Netzwerkstrukturen im Bezirk aufgebaut werden, die auf eine nachhaltige Verbesserung der Wohnbedingungen in Bestandswohnungen abzielen.

• •

Die Befragung der Träger von im Bezirk vorhandenen Seniorenwohnanlagen hat insbesondere bezüglich der Barrierefreiheit, der urbanen Lage, der Kooperation mit externen Servicedienstleistern und den Ausstattungsmerkmalen Handlungsbedarf aufgezeigt. Soweit erforderlich, sollten daher • Wohnungen im vorhandenen Bestand durch bauliche Veränderungen barrierefrei angepasst und dabei nach Möglichkeit auch eine Wohnflächenvergrößerung vorgenommen werden. Durch Zusammenlegung zweier 1-Raum-Wohnungen könnte beispielsweise eine 1,5- bzw. 2-Raum-Wohnung mit ausreichenden Bewegungsflächen in Küche und Bad geschaffen werden. Im Zuge von Umbaumaßnahmen sollten darüber hinaus fehlende Aufzüge eingebaut werden. In kommunalen Seniorenwohnanlagen wären teilweise auch Defizite bei der Sanitärausstattung zu beseitigen; Seniorenwohnanlagen durch Kooperationsvereinbarungen mit externen Anbietern seniorengerechter Dienste (ambulante Pflege, Hausnotruf, hauswirtschaftliche Dienste, Mobilitätshilfe, etc.) besser vernetzt werden, um ggf. auch Standortnachteile durch periphere Lagen ausgleichen zu können; ein bezirkliches Netzwerk „Wohnen im Alter“ zur moderierenden Begleitung des ansteigenden Bedarfs an seniorengerechten Wohnangeboten und an den Wandel der Wohnbedürfnisse implementiert werden.

•

•

Für Seniorenwohnhäuser in kommunaler Trägerschaft gilt das oben Gesagte ebenso. Allerdings stellt sich hier die Frage, ob einerseits für notwendige bauliche Veränderungen ausreichende investive Haushaltsmittel bereitgestellt werden können. Andererseits fehlen in kommunalen Seniorenwohnhäusern - im Gegensatz zu Seniorenwohnhäusern anderer Träger - hauptamtliche Ansprechpartner, die beispielsweise eine angedachte Vernetzung mit altersgerechten Angeboten externer Dienstleister begleiten und koordinieren könnten. Kommunale Seniorenwohnhäuser sind objektiv betrachtet derzeit nur Wohnanlagen, in denen überwiegend ältere Menschen leben; sie werden dem Anspruch eines Seniorenwohnhauses, welches ein gewisses Maß an Betreuung impliziert, nicht gerecht. Unter diesen Umständen zeichnen sich zumindest zurzeit keine pragma-

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

tischen Lösungsmöglichkeiten ab, die zu einer nachhaltigen Verbesserung der Wohnsituation älterer Mieter und Mieterinnen in diesen Einrichtungen führen könnten. Alternativ wäre daher zu überlegen, ob eine Veräußerung bzw. Überführung der kommunalen Seniorenwohnhäuser in andere Trägerschaft eher zielführend wäre. Hierbei sollte sichergestellt werden, dass seniorengerechter Wohnraum sowie Kommunikations- und Begegnungsmöglichkeiten in den betreffenden Sozialräumen nach Möglichkeit erhalten bleiben. Der Bezirk sollte in Gesprächen mit potentiellen Investoren auf die starke Differenzierung der von den Seniorinnen und Senioren im Bezirk für die Nutzung von Serviceleistungen, die Anmietung seniorengerechter Wohnungen, das Einmieten in Servicewohnanlagen oder in pflegeorientierte Wohnangebote ausgabefähigen Mittel hinweisen, damit diese Angebote so weit wie möglich auch auf die unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten der Interessenten zugeschnitten werden können.

3. Wohnen im Alter 8

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

4.

Freizeitangebote

Vorbemerkungen Der Bevölkerungsanteil der ab 65-Jährigen wird von 22,9% (2007) auf 29,3% im Jahr 2030 ansteigen; parallel hierzu erhöht sich der Anteil der Einwohner ab 50 Jahre von 44,2% auf 50,2%. Damit wird jede(r) zweite Einwohner/-in des Bezirks 50 Jahre und älter sein. Bezogen auf einzelne Altersgruppen wird es die größten Zuwächse bei den 75- bis unter 85-Jährigen mit 56,7% und den Hochbetagten mit 105% geben. Haupteinnahmequellen der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf waren 2008 die gesetzliche Rente (46%), Lohn und Gehalt (30%) sowie Pensionszahlungen (15%). Das durchschnittliche individuelle Nettoeinkommen (Median) der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf lag 2008 bei 1.374,00 Euro im Monat. Unterdurchschnittliche Nettoeinkommen waren vor allem in den Bezirksregionen Albrechtstraße, Lankwitz, Ostpreußendamm und Teltower Damm zu verzeichnen. Amtliche Prognosen über eine Entwicklung der Alterseinkommen liegen zurzeit leider nicht vor, so dass hier keine dezidierten Aussagen über die zu erwartende Entwicklung der Einkommenssituation im Alter gemacht werden kann. Hilfsweise soll jedoch auf folgende Umstände hingewiesen werden: Betrachtet man die Höhe der Rentenzahlbeträge in Berlin (West) seit 2000 in ihrer Entwicklung, so ist festzustellen, dass die Zahlbeträge der Versichertenrenten abgesunken sind. Das betrifft sowohl die Altersrenten als auch die Rente wegen Erwerbsminderung. Die Zahlbeträge der Erwerbsminderungsrenten sanken in der Zeit von 2000 bis 2008 für Männer von durchschnittlich 775,00 Euro auf 549,00 Euro (-29,2%) und für Frauen von 676,00 Euro (2000) auf 587,00 Euro im Jahr 2008 (-14,2%) ab. Einbußen gab es bei den Altersrenten für Männer in Höhe von 13,0% gegenüber 2000, bei den Frauen lagen die Verluste bei 4,6%. Obwohl sich der Bezirk Steglitz-Zehlendorf durch eine sehr gute soziale Struktur, geringe Arbeitslosigkeit und ein im Vergleich zu den übrigen Bezirken überdurchschnittlich hohes individuelles Nettoeinkommen auszeichnet, ist davon auszugehen, dass das Einkommensniveau (und damit auch die Altersrenten, Pensionen und Einnahmen aus sekundären Einkommensquellen) insbesondere aufgrund der Veränderung gesetzlicher Rahmenbedingungen sowie der Folgen von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit auch in diesem Bezirk absinken wird. Das bedeutet, dass immer mehr Menschen mit weniger Geld im Alter werden auskommen müssen. Die Freizeitangebote der Bezirksverwaltung für ältere Menschen werden im Programmheft „Bei uns in Steglitz-Zehlendorf“ publiziert, welches durchschnittlich 19% der Bürgerinnen und Bürger über 50 Jahren bekannt ist, wobei der Bekanntheitsgrad in der Bezirksregion Drakestraße mit 22% am höchsten und in der Bezirksregion Schloßstraße mit 13% am niedrigsten ist. Im Folgenden werden auf freiwillige Leistungen des Landes Berlin bezogene Handlungsempfehlungen vor dem Hintergrund einer linearen Fortschreibung der gegenwärtig vorhandenen personellen und wirtschaftlichen Ressourcen gegeben. Eine dynamische Anpassung von Personal und Haushaltsmitteln wird im Bedarfsfall nur bezogen auf sogenannte Pflichtleistungen gesehen.
4. Freizeitangebote

4.1

Offene Veranstaltungsangebote

Ausgangslage Bezogen auf den Bereich der offenen kommunalen Veranstaltungsangebote wurden zwischen 2004 und 2007 strukturelle Veränderungen vorgenommen, die im Wesentlichen dadurch charakterisiert werden, dass das Angebotsvolumen und damit auch die Anzahl der Teilnehmer insgesamt fast halbiert und gleichzeitig über 90% der Veranstaltungen durch externe Anbieter realisiert wurden. Bei der Analyse dieser Veränderungen ist bezogen auf die einzelnen Angebotsarten festzustellen, dass Busausflüge 2001 mit rund 3.300 Teilnehmern das am meisten nachgefragte Angebot waren (54% aller Teilnehmer/-innen). Das Verlagern der Zuständigkeit auf kommerzielle Veranstalter hat zu einer durchschnittlichen Verteuerung der Angebote um gut 40% und zu einem Nachfragerückgang um 70% geführt. Ähnliche Trends,

9

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

wenn auch nicht so stark ausgeprägt, waren bei Besichtigungen und Kulturveranstaltungen zu beobachten. Nur bei den Tanzteeveranstaltungen im Bürgersaal sind die Teilnehmerzahlen trotz Verteuerung und Verlagerung der Zuständigkeit um mehr als ein Drittel gestiegen. Befragungsergebnis Um herauszufinden, welche Angebote am meisten die Interessenlagen der ab 50-Jährigen berühren, wurde die Frage gestellt, welche Seniorenfreizeitangebote regelmäßig, selten oder nie in Anspruch genommen werden. Den höchsten Anteil regelmäßiger Nutzung erfahren dabei Gruppenaktivitäten in Seniorenfreizeitstätten (2% der Befragten), gefolgt von Bustages- und Halbtagesfahrten (1%), wobei der Anteil derjenigen, die das Angebot der Bustages- und Halbtagesfahrten selten nutzen, mit deutlichem Abstand (8%) am höchsten ist, gefolgt von Gruppenführungen (5%), kulturellen Programmen in Freizeitstätten (4%), Kulturveranstaltungen im Bürgersaal (3%) und Gruppenaktivitäten in Freizeitstätten (2%). Wie die Ergebnisse zeigen, hat ca. die Hälfte der Befragten auf die hier angeführten Angebotsarten (kulturelle Programme für behinderte Senioren zu 54%; Musik-, Tanz- und Kulturveranstaltungen im Bürgersaal zu 53%; Ausflugsfahrten für behinderte Senioren zu 53%; Tanzveranstaltungen in Seniorenfreizeitstätten zu 53%; Gruppenaktivitäten in Seniorenfreizeitstätten zu 51%; Gruppenführungen und Besichtigungen zu 50%; kulturelle Programme in Seniorenfreizeitstätten zu 48% und Bustages- und Halbtagesfahrten zu 48%) mit Desinteresse reagiert.

4. Freizeitangebote

4.1.1 Bustages- und Halbtagesfahrten
Bustages- und Halbtagesfahrten sind bezogen auf alle übrigen Maßnahmen das Angebot mit den weitaus größten Interessenpotentialen (Nennungen für seltene Nutzung). Hier gibt es schon relevante Interessenpotentiale bei den künftigen Senioren. Das potentielle Interesse vervielfacht sich dann durchgängig bei den übrigen Altersgruppen. Regelmäßig nehmen 65- bis unter 85-Jährige an Busausflügen teil, wobei die mit Abstand größte Frequentierung - auch mit Blick auf alle übrigen Angebotsarten - durch die Hochbetagten erfolgt. Auffällig ist auch das vergleichsweise große potentielle Interesse bei den Alleinlebenden für derartige Angebote (vgl. Bedarfsanalyse „50 und älter in Steglitz-Zehlendorf“, Abb. 8.17). Bustages- und Halbtagesfahrten sind darüber hinaus eines der wenigen Angebote, die regelmäßig auch von Männern in Anspruch genommen werden. Bezogen auf das Haushaltsnettoeinkommen konzentriert sich die regelmäßige Teilnahme an diesem Angebot auf Senioren mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von unter 1.000,00 Euro bis 1.500,00 Euro. Im Vergleich zu den übrigen Angebotsarten ist - ebenso wie bei den kulturellen Programmen in Freizeitstätten - das Desinteresse an diesem Angebot insgesamt am wenigsten stark ausgeprägt. Bezogen auf die Angebotskosten ist es genau umgekehrt: Im Vergleich mit allen anderen genannten Angebotsarten wird die unregelmäßige Teilnahme an Bustages- und Halbtagesfahrten insgesamt weitaus häufiger damit begründet, dass diese Angebote „zu teuer“ seien. Insbesondere Bezieher/-innen von Haushaltsnettoeinkommen unter 1.000,00 Euro und Alleinlebende können aufgrund von zu hohen Kosten nicht regelmäßig von diesem Angebot Gebrauch machen (vgl. Bedarfsanalyse „50 und älter in Steglitz-Zehlendorf“, Abb. 8.19). Hier ließen sich dem Befragungsergebnis zufolge bei der Anpassung der Zugangsvoraussetzungen (Preisniveau) nennenswerte Zielgruppenanteile erschließen.

4.1.2 Gruppenführungen und Besichtigungen
Im Verhältnis hoch, aber weit weniger ausgeprägt als bei den Bustages- und Halbtagesfahrten sind die Interessenpotentiale bei den Gruppenführungen und Besichtigungen. Auch für dieses Angebot gibt es potentielle Bedarfe bei den künftigen Senioren und bei Alleinstehenden. Die regelmäßige Inanspruchnahme derselben ist bezogen auf die Altersgruppen und das Haushaltsnettoeinkommen der Nutzer auf schwachem Niveau gleichmäßig ausgeprägt, wobei eine eher regelmäßige Wahrnehmung dieser Angebote auf ein weniger stark ausgeprägtes Interesse an derartigen Unternehmungen zurückzuführen ist.

10

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

Mit zu hohen Kosten begründen vor allem Alleinlebende und Bezieher/-innen von Haushaltsnettoeinkommen unter 1.000,00 Euro ihre unregelmäßige Teilnahme an diesem Angebot, wenn auch in weitaus geringerem Maße als das vergleichsweise bei den Busfahrten der Fall ist.

4.1.3 Musik-, Tanz- und Kulturveranstaltungen im Bürgersaal
Musik, Tanz- und Kulturveranstaltungen im Bürgersaal sprechen offenbar nur einen ganz bestimmten Teil der Senioren an, was durch die sehr selektive regelmäßige Teilnahme der Älteren unterstrichen wird. Potentielles Interesse bekunden vor allem Bürgerinnen und Bürger im Alter von 65 bis unter 85 Jahren, vor allem Alleinstehende. Die nur unregelmäßige Wahrnehmung dieses Angebotes ist dabei vor allem auf ein vergleichsweise weniger stark ausgeprägtes Interesse für derartige Unternehmungen zurückzuführen.

4.1.4 Handlungsempfehlung für offene Veranstaltungsangebote
Im Hinblick auf offene Veranstaltungsangebote wurden von den Bürgerinnen und Bürgern im Alter von 50 Jahren und mehr im Rahmen der Befragung u.a. die nachstehend genannten konkreten Vorschläge gemacht: • • Berücksichtigung der Berufstätigkeit künftiger Senioren (50 bis unter 60 Jahre) bei der Angebotsstruktur Reiseangebote für kleine Interessengruppen

Darüber hinaus macht das Befragungsergebnis deutlich, dass die hohen Interessenspotentiale bei der Busfahrten durch das gegenwärtig über kommerzielle Reiseveranstalter realisierte Angebot nicht bzw. nur sehr bedingt befriedigt werden können. Ursächlich dafür ist das zu hohe Preisniveau. Die über die Fördervereine in den Seniorenfreizeitstätten zu wesentlich niedrigeren Preisen angebotenen Busfahrten und Ausflüge können den vorhandenen Bedarf nicht vollständig decken. Von daher fehlen zur Zeit Angebote für Bustagesund Halbtagesfahrten zu akzeptablen Preisen (d.h. deutlich niedriger als die durchschnittlichen 35,00 Euro im Berichtsjahr 2007), mit denen sich durchaus beachtliche Potentiale bei den künftigen Senioren, den Hochbetagten, den Alleinlebenden und den Bürgerinnen und Bürgern mit vergleichsweise niedrigen Haushaltsnettoeinkommen erschließen ließen. Die bei den Gruppenführungen und Besichtigungen vorhandenen Interessenspotentiale sollten ebenfalls erschlossen werden. Da dieses Angebot offenbar nur einen bestimmten Interessentenkreis anspricht, sind es möglicherweise inhaltliche oder organisatorische Bedingungen, die eine regelmäßige Teilnahme nicht interessant machen. Die Ursachen sollten daher durch ein gezieltes Kundenmonitoring eruiert und bei der Veranstaltungsplanung berücksichtigt werden. Insbesondere künftige Senioren und Alleinlebende könnten so stärker erreicht werden.

Auch wäre es sinnvoll, ausgewählte Veranstaltungsangebote so zu terminieren, dass (noch) berufstätigen Bürgerinnen und Bürgern eine Teilnahme ermöglicht wird (Wochenende). Darüber hinaus sollte geprüft werden, inwieweit Reiseangebote für Kleingruppen in das Programm aufgenommen werden können.

11

4. Freizeitangebote

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

4.2

Seniorenfreizeit- und Begegnungsstätten

Ausgangslage und Rahmenbedingungen Im Berichtsjahr 2007 gab es in Steglitz-Zehlendorf insgesamt 46 Seniorenfreizeit- und Begegnungsstätten sowie Treffpunkte verschiedener Träger mit unterschiedlichen Ausstattungsmerkmalen. Zwei Drittel (67,4%) dieser Einrichtungen sind Treffpunkte, die mehrheitlich nicht durch hauptamtliches Personal geführt werden, räumlich weniger als 120 Personen Platz bieten, dabei in der Regel Teil einer übergeordneten Einrichtung (meistens Gemeindehaus o.ä.) sind sowie punktuelle und angebotsorientierte Öffnungszeiten aufweisen (Typ II)1. Träger dieser Treffpunkte sind fast ausschließlich Kirchengemeinden, vereinzelt Vereine und Verbände. Nur acht (17,4%) Seniorenfreizeitstätten im Bezirk haben aufgrund ihrer Platzkapazität, ihrer Öffnungszeiten und ihrer personellen Ausstattung (Typ I und III) eine exponierte Versorgungsfunktion im Bezirk (Typ I und III); Einrichtungen dieses Typs befinden sich fast ausschließlich in kommunaler Trägerschaft. In den Bezirksregionen Schloßstraße und Zehlendorf Südwest gibt es keine Seniorenfreizeitstätten mit exponierter Versorgungsfunktion. Knapp ein Drittel (29,4%; absolut 1.425 von insgesamt 4.855 Veranstaltungsangeboten - inklusive offener Gruppenangebote) aller Veranstaltungs- und knapp zwei Drittel (63,2%; absolut 244 von insgesamt 386 Gruppenangeboten) aller Gruppenangebote im Bezirk werden in Einrichtungen der Typen I und III vorgehalten, was die exponierte Versorgungsfunktion dieses Seniorenfreizeitstättentyps unterstreicht. In kommunaler Trägerschaft gab es 2007 im Bezirk Steglitz-Zehlendorf sechs Seniorenfreizeitstätten mit exponierter Versorgungsfunktion (Typ I und III, barrierefrei mit Ausnahme des Bürgertreffpunktes Bahnhof Lichterfelde West), eine Einrichtung mit besonderer Aufgabenstellung (Begegnungszentrum für Behinderte und Nichtbehinderte, Typ IV, eingeschränkt barrierefrei) sowie fünf Begegnungsstätten in Seniorenwohnhäusern (Typ IV, einschließlich Dreilindenstraße). Damit stellte die Kommune insgesamt 26,0% aller Freizeiteinrichtungen für ältere Menschen, die jedoch die Hauptlast der kulturellen Altenhilfeangebote in Freizeiteinrichtungen im Bezirk trugen (48,1% aller Veranstaltungs- und 64,0% aller Gruppenangebote). Absolut wurden in Einrichtungen kommunaler Trägerschaft 2.336 Veranstaltungs- und 247 Gruppenangebote durchgeführt. Eine wichtige Rolle in kommunalen Seniorenfreizeitstätten spielten die dort etablierten Fördervereine; 42,7% aller Veranstaltungen wurden von ihnen organisiert, durchgeführt und finanziert. Mit Ausnahme der Gruppenangebote war in den Bezirksregionen Schloßstraße, Zehlendorf Südwest und Zehlendorf Nord die insgesamt geringste Angebotsdichte festzustellen. Bevölkerungsdichte und Seniorenfreizeitstätten Die Konzentration der Bevölkerung ab 50 Jahren war zum Betrachtungszeitpunkt (31.12.2007) in den Prognoseräumen Region A, Region B und Region C am höchsten. In diesen Bereichen befanden sich auch alle Seniorenfreizeitstätten mit Versorgungscharakter (Typen I und III). Die Einzugsgebiete dieser Seniorenfreizeitstätten korrespondierten zwar in hohem Maße mit den Konzentrationen der dort lebenden Senioren, dennoch wird deutlich, dass es insbesondere in den Bezirksregionen Teltower Damm, Drakestraße und Zehlendorf Nord aufgrund der Anzahl und der Lage von Seniorenfreizeitstätten (Typen I und III) zu erheblichen Überschneidungen der Einzugsgebiete kam, während in der Bezirksregion Zehlendorf Südwest trotz hier vorhandener Konzentrationen älterer Menschen keine derartigen Angebote zur Verfügung standen. Durch die Inbetriebnahme des Mehrgenerationenhauses in direkter Nachbarschaft der Seniorenfreizeitstätte Süd hat sich die Angebotsdichte in der Bezirksregion Teltower Damm seit Oktober 2008 noch weiter erhöht.
Typenklassendifferenzierung von Seniorenfreizeiteinrichtungen: Typ I Typ II Typ III Typ IV Einrichtungen mit 120 Plätzen (ohne zentrale Funktion und von hauptamtlicher Betreuungskraft, i.d.R. Altenpfleger/-in, geleitet) Einrichtungen, die den Anforderungen der Empfehlung nicht entsprechen (weniger als 120 Plätze, keine hauptamtliche Betreuungskraft) Einrichtungen mit 200 Plätzen (ohne zentrale Funktion und von hauptamtlicher Betreuungskraft, i.d.R. Sozialpädagoge/-in, geleitet) Einrichtungen mit besonderer Aufgabenstellung oder als Teil einer Gemeinschaftseinrichtung (z.B. Begegnungsstätte in einem Seniorenwohnhaus)

4. Freizeitangebote

12

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

Im Hinblick auf das Einzugsgebiet wurde die Region Schloßstraße (keine Freizeitstätte der Typen I und III) durch die in der benachbarten Bezirksregion Albrechtstraße liegende Seniorenfreizeitstätte „Club Steglitz“ mitbedient. In der Bezirksregion Ostpreußendamm lagen große Teile des Planungsraumes Königsberger Straße (insbesondere zwischen Komponistenviertel und Königsberger Straße) nicht in Einzugsbereichen von Seniorenfreizeitstätten, die eine exponierte Versorgungsfunktion übernehmen. Platzkapazitäten von Seniorenfreizeitstätten mit Versogungsfunktion (Typen I und III) In den räumlichen Einzugsgebieten (Radius 1.500 m) der Seniorenfreizeitstätten Club Steglitz, Club Lankwitz und Bürgertreffpunkt Bahnhof Lichterfelde West lebten 2007 unabhängig von den gewählten Altersgruppeneinteilungen zahlenmäßig die meisten Senioren. Bezogen auf die Altersgruppe der ab 65-Jährigen errechnet sich im Durchschnitt für alle Seniorenfreizeitstätten (Typen I und III) eine Anzahl von 5.730 zu berücksichtigenden Senioren, wodurch sich selbst unter Berücksichtigung der in Pflegeeinrichtungen lebenden älteren Menschen zumindest rechnerisch ein Fehlbedarf an Plätzen in Seniorenfreizeitstätten ergibt. Das bedeutet aber auch, dass die Kapazitäten dieser Freizeitstätten bereits im Erhebungsjahr 2007 rechnerisch nicht auf die Bedarfe der künftigen Senioren (50 bis unter 65 Jahre) ausgerichtet waren. Vor dem Hintergrund der für Steglitz-Zehlendorf prognostizierten Bevölkerungsentwicklung mit einem massiven Zuwachs der Bevölkerungsgruppe ab 75 Jahre ist davon auszugehen, dass sich der bereits gegenwärtig errechnete Fehlbedarf entsprechend potenziert. Angebotsumfang in Seniorenfreizeitstätten mit Versorgungsfunktion (Typen I und III) Der Umfang der in Seniorenfreizeitstätten vorgehaltenen Veranstaltungs- und Gruppenangebote variiert erheblich. Die umfangreichsten Angebote gab es 2007 in den Einrichtungen Club Steglitz, Hans-Rosenthal-Haus, HerthaMüller-Haus, Bürgertreffpunkt Bahnhof Lichterfelde West und Club Lankwitz. Demgegenüber waren die Angebote in der Seniorenfreizeitstätte Süd, im Nachbarschaftsheim Mittelhof (Treffpunkt 50 plus) und im Seniorenzentrum Scheelestraße zahlenmäßig eher gering. Barrierefreiheit von Seniorenfreizeitstätten mit Versorgungsfunktion (Typen I und III) und vom Kommunikationszentrum für Behinderte und Nichtbehinderte Mit Ausnahme des Bürgertreffpunktes Bahnhof Lichterfelde West und des Nachbarschaftsheimes Mittelhof (Treffpunkt 50 plus - eingeschränkt barrierefrei) sind alle Seniorenfreizeitstätten mit Versorgungsfunktion barrierefrei. Eingeschränkt barrierefrei ist ebenfalls das Kommuniukationszentrum für Behinderte und Nichtbehinderte (nur EG barrierefrei). Angebote mit generationenübergreifendem Charakter Generationenübergreifende Angebote wurden 2007 nur von Kirchengemeinden, Verbänden und freien Trägern gemacht; sie fehlen bisher in der Region Schloßstraße. Befragungsergebnis Der Bekanntheitsgrad von Seniorenfreizeit- und Begegnungsstätten schwankt in den Bezirksregionen zwischen 14% (Schloßsstraße) und 34% (Teltower Damm); durchschnittlich sind 25% der Einwohner ab 50 Jahre (22% der Migranten ab 50 Jahren) über die Freizeit- und Begegnungsstätten sowie deren Programme informiert. Bezogen auf die Altersphasen ist der Bekanntheitsgrad bei den jungen Alten (65 bis unter 75 Jahre) mit 28% am größten, gefolgt von den künftigen Senioren (26%).

13

4. Freizeitangebote

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

4.2.1 Kulturelle Programme in Seniorenfreizeitstätten
Kulturelle Programme in Seniorenfreizeitstätten werden von einem Prozent der Befragten besucht und weitere 4% bestätigen eine seltenere Teilnahme. Die Angaben der Befragten wurden bei der Auswertung auf die Altersgruppen, die Familienstruktur und auf das Haushaltseinkommen der Senioren bezogen. Erwähnenswert ist vor allem die regelmäßige Teilnahme von künftigen Senioren und von Senioren mit Mitgrationshintergrund. Mit Blick auf die wirtschaftliche Situation der Angebotsnutzer konzentrieren sich die regelmäßigen Nutzungen auf die Einkommensgruppen mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von unter 1.000,00 Euro bis 1.500,00 Euro. Der Anteil der Befragten, die angeben, die Seniorenfreizeitstätten nur selten zu nutzen, ist wesentlich höher als der Anteil der regelmäßigen Besucher. Das lässt auf ein reges Interesse an dieser Angebotsart schließen; allerdings bedarf es einer Modifikation sowohl der inhaltlichen Ausgestaltung als auch einer Weiterentwicklung unter formalen Gesichtspunkten. Im Vergleich zu den übrigen Angebotsarten ist - ebenso wie bei den Bustages- und Halbtagesfahrten - das Desinteresse an diesem Angebot insgesamt am wenigsten stark ausgeprägt. Betrachtet man die sonstigen Gründe für eine unregelmäßige Wahrnehmung desselben, so fällt auf, dass die fehlende Altersgruppenbezogenheit („nicht meine Altersgruppe“) bei den kulturellen Programmen in Seniorenfreizeitstätten im Vergleich zu allen anderen Angebotsarten am deutlichsten stark ausgeprägt ist. Offenbar werden kulturelle Programme in Seniorenfreizeitstätten als besonders „seniorentypisch“ („Kaffeetafel-Image“) erlebt und Seniorenfreizeitstätten als Treffpunkte von „Alten“ betrachtet. Das führt vor dem Hintergrund der persönlichen Einstellung zum eigenen Alter möglicherweise gerade potentieller Nutzer dazu, eher selektiv an diesen Angeboten teilzunehmen. Der Altersgruppenzuschnitt von kulturellen Programmen in Seniorenfreizeitstätten. spielt also eine wichtige Rolle bei deren Zielgruppenakzeptanz. Die Teilnahme an kulturellen Programmen in Seniorenfreizeitstätten ist bei Migranten und Herkunftsdeutschen ähnlich stark ausgeprägt, wobei Migranten deutlich häufiger angaben, diese Angebote regelmäßig zu nutzen (siehe Bedarfsanalyse „50 und älter in Steglitz-Zehlendorf“, Abb. 8.17).

4. Freizeitangebote

4.2.2 Gruppenaktivitäten in Seniorenfreizeitstätten
Charakteristisch für Gruppenaktivitäten in Seniorenfreizeitstätten (ähnlich wie bei Tanzveranstaltungen) ist die regelmäßige Nutzung dieses Angebots. Das überrascht insofern nicht, da Gruppenaktivitäten grundsätzlich eine kontinuierliche Teilnahme voraussetzen. Erwähnenswerte Interessenpotentiale in Form von unregelmäßiger Inanspruchnahme dieses Angebots gibt es nur bei Beziehern von Haushaltsnettoeinkommen unter 1.000,00 € und bei den 75 bis unter 85-Jährigen. Die im Jahre 2010 erfolgten Expertengespräche mit den Leiterinnen und Leitern der Seniorenfreizeitstätten und den Beauftragten der Fördervereine bestätigen in Bezug auf das Preisniveau der Gruppenaktivitäten die Befragungsergebnisse aus dem Jahr 2008 insofern, dass die Höhe der Teilnehmerentgelte noch immer zu Selbstausgrenzungen von bestimmten sozialen Gruppen aus finanziellen Gründen führt. Die vergleichsweise geringen Anteile potentieller Interessenten können bezogen auf die Anteile regelmäßiger Angebotsnutzer dahingehend interpretiert werden, dass sich Angebot und Nachfrage bei Gruppenangeboten in Seniorenfreizeitstätten überwiegend decken.

4.2.3 Tanzveranstaltungen in Seniorenfreizeitstätten
Auch Tanzveranstaltungen in Seniorenfreizeitstätten werden weitestgehend regelmäßig genutzt, wobei der Umfang der Inanspruchnahme dieses Angebotes doch wesentlich niedriger ist als bei den Gruppenangeboten. Das lässt auf eine begrenzte aber stetige Teilnehmergruppe schließen. Differenziert nach soziostrukturellen Merkmalen wird erkennbar, dass insbesondere die über 85-Jährigen und die Bezieher/-innen von Haushaltsnettoeinkommen unter 1000,00 Euro die größten Gruppen der regelmäßigen Teilnehmer an diesem Angebot stellen.

14

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

4.2.4 Inanspruchnahme von Angeboten in Seniorenfreizeiteinrichtungen nach Bezirksregionen sowie deren Nutzungsgrad
Durchschnittlich 2% der ab 50-Jährigen nutzen die Angebote der Freizeit- und Begegnungsstätten regelmäßig, 5% manchmal und weitere 35% gaben an, sich diese Perspektive offen zu halten. Die höchste Nutzungsintensität (regelmäßige oder gelegentliche Nutzung) verzeichnen die Bezirksregionen Teltower Damm (11%), Ostpreußendamm (9%), Lankwitz und Zehlendorf Südwest (jeweils 8%) sowie Drakestraße mit 7%. Die perspektivisch größten Bedarfe sind in den Regionen Lankwitz und Drakestraße (jeweils 37%), Ostpreußendamm (36%) sowie Schloßstraße und Teltower Damm (jeweils 35%) zu verzeichnen. Die häufigsten Nutzer rekrutieren sich aus dem Kreis der Alleinlebenden. In der Region Zehlendorf Südwest nutzen sogar 4% dieser Bevölkerungsgruppe - das ist der höchste Anteil Zustimmung in diesem Segment - die Angebote kommunaler Seniorenfreizeitstätten regelmäßig. Da es mit Ausnahme der Begegnungsstätte im Seniorenwohnhaus Dreilindenstraße (das über den Träger trias gGmbH Angebote offeriert) keine weiteren kommunalen Seniorenfreizeiteinrichtungen in diesen Regionen gibt, bedeutet das, dass nennenswerte Bedarfe an Angeboten in kommunalen Seniorenfreizeiteinrichtungen in anderen Bezirksregionen befriedigt werden. Für die Region Zehlendorf Südwest heißt das aber auch, dass die Zielgruppe an diesen Angeboten Interesse hat und dafür aber weite Wege auf sich nehmen muss. Seniorenfreizeiteinrichtungen in konfessioneller Trägerschaft wurden insgesamt in ähnlichem Umfang von den ab 50-Jährigen in Anspruch genommen wie kommunale Einrichtungen, wobei konfessionelle Seniorenfreizeiteinrichtungen eher seltener als regelmäßig genutzt werden. Auf Ebene der Bezirksregionen differenziert sich dieses Bild. In den Bezirksregionen Lankwitz und Ostpreußendamm ist beispielsweise die regelmäßige Inanspruchnahme konfessioneller Seniorenfreizeiteinrichtungen größer als die regelmäßige Nutzung kommunaler Seniorenfreizeiteinrichtungen. Nennenswerte Interessenspotentiale in Bezug auf die Inanspruchnahme konfessioneller Seniorenfreizeiteinrichtungen zeigen sich insbesondere in den Bezirksregionen Schloßstraße, Lankwitz, Teltower Damm und Zehlendorf Nord. Bei den Gründen für die Nutzung von Angeboten freier und konfessioneller Träger spielen die räumliche Nähe und die besondere Bindung zum Träger eine wichtige Rolle.

Inanspruchnahme von Angeboten in Seniorenfreizeiteinrichtungen nach Einkommenshöhe Stellt man den Versorgungsgrad mit Seniorenfreizeitstätten dem durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen der ab 50-Jährigen in den einzelnen Sozialräumen gegenüber, dann fällt auf, dass quantitative Versorgungslücken in den Bezirksregionen Schloßstraße und Zehlendorf Südwest völlig unterschiedlichen Einkommensniveaus gegenüberstehen. Bei einem durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen von 2.000,00 Euro in der Region Schloßstraße kann angesichts der Befragungsergebnisse unterstellt werden, dass hier möglicherweise Bedarfe an Angeboten in Freizeiteinrichtungen bestehen, die über das gegenwärtig vorhandene Angebot hinausgehen. In der Region Zehlendorf Südwest sind mit durchschnittlich 3.000,00 Euro die höchsten Nettohaushaltseinkommen vorhanden. Personen mit höheren Einkommen eröffnen sich zwar vielfältigere Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, dennoch schützen hohe Einkommen nicht vor Vereinsamung und Singularisierung im Alter. Inhaltliche Ausrichtung von Angeboten in Seniorenfreizeiteinrichtungen Bezogen auf die inhaltlichen Angebotsstrukturen von Seniorenfreizeiteinrichtungen im Bezirk wurden folgende Programmwünsche geäußert: • Informationsveranstaltungen zur Aufklärung über Altersprobleme und deren Prävention • PC- und Internetkurse für Senioren • Vergrößertes Angebot für künftige Senioren (55 bis unter 60 Jahre) • Bildungsveranstaltungen mit breitem Themenspektrum • Sportangebote wie Yoga, Qi Gong, Nordic Walking, Radfahren, Gymnastik und Wandern • Informationsangebote für Migranten • Generationenübergreifende Veranstaltungen • Interessengruppen für Handwerk, Basteln, Nähen und Töpfern • Musikveranstaltungen, Modenschauen • Auslandsberichte 15

4. Freizeitangebote

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

Aus den für das bezirkliche Veranstaltungsprogramm benannten Programmvorschlägen wären nachfolgende ebenfalls zum Seniorenfreizeitstättenbereich zugehörig: • • • • • • • • • Berufsbezogene Gruppengespräche Angebote für Alleinerziehende Angebote für Lebenspartnerschaften Angebote für Singles Kurse für Gedächtnistraining Grundkurse für den Umgang mit moderner Alltagstechnik (Handy, Digitalfotografie, Haushaltsgeräte) Sprachkurse Volksliedersingen Initiierung von Interessengruppen, die gemeinsam Veranstaltungen besuchen wollen (Kino, Theater, Museen, etc.)

4. Freizeitangebote

4.2.5 Generationenübergreifende Angebote
Generationenübergreifende Angebote wurden im Berichtsjahr 2007 nur von konfessionellen, wohlfahrtlichen und freigemeinnützigen Trägern offeriert. Der Bekanntheitsgrad dieser Angebote war bei den jungen Alten (65 bis unter 75 Jahre) und den 75 bis unter 85-Jährigen am größten, wobei die Interessenpotentiale („würde ich nutzen“) bei den jungen Alten (50 bis unter 65 Jahre) weitaus größer waren als bei den übrigen Altersgruppen. Von allen Angebotsarten erfreuten sich die Treffen in Kirchengemeinden nicht nur des höchsten Bekanntheitssondern auch des höchsten Nutzungsgrades in allen Altersgruppen.

4.2.6 Freizeitkosten
Die Planung der für die Freizeit von den ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf ausgabefähigen Mittel richtet sich nach der Höhe ihrer individuell verfügbaren Haushaltsnettoeinkommen. Betrachtet man die in Berlin üblichen Eintrittspreise für Theater, Museen, Ausstellungen, Unterhaltungsveranstaltungen sowie die Kostenbeiträge für Veranstaltungen in Seniorenfreizeitstätten inklusive Fahrtkosten und Aufwendungen für einen kleinen Imbiß, dann sind dem Befragungsergebnis zufolge 8% der ab 50-Jährigen aufgrund ihrer Einkommenssituation ganz von der Teilnahme am kulturellen Leben ausgeschlossen (keine Ausgaben für Freizeit möglich). Weitere 30% können bis zu 50,00 Euro im Monat für Freizeitaktivitäten ausgeben und somit von kulturellen Angeboten in Abhängigkeit von ihrem individuellen Haushaltseinkommen nur eingeschränkt Gebrauch machen, wobei die Nutzung von Angeboten in Seniorenfreizeitstätten diesem Personenkreis in unterschiedlichem Umfang möglich sein dürfte (vgl. Abb. 8.45). Ewa 10% der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf konnten zum Befragungszeitpunkt über ein Haushaltsnettoeinkommen von unter 1.000,00 Euro verfügen (vgl. Bedarfsanalyse „50 und älter in Steglitz-Zehlendorf“, Abb. 5.27 a+b). Ihre Möglichkeiten, selbst moderate Teilnahmebeiträge, Fahrtkosten und einen Imbiss zu finanzieren, sind deutlich eingeschränkt.

16

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

Abb. 8.45:

Höhe der monatlichen individuellen Ausgaben für die Freizeit - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent 4 23 4 25 29 12 13 17 18 15 19 20 18 11 10 13 11 14 5
BR1 Schloßstraße unt. 25 Euro BR2 Albrechtstraße

100

7 23

11

9 21

9 16

8 21

11

8

80

24 15

27

17

15 13

13 17 20

60

17
40

17 20

21

18
20

18

16 20 14

12 16 9 8
BR8 Zehlendorf Nord ohne Antw.

12 8

13 12

19 12 6
BR5 Teltower Damm

8
BR4 Ostpreußendamm

5
BR6 Drakestraße

7 6
BR7 Zehlendorf Südwest

0 insgesamt BR3 Lankwitz

nichts

25 b.u. 50 Euro

50 b.u. 75 Euro

75 b. u. 100 Euro

100 Euro oder mehr

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Von den ab 50-Jährigen, die nur über ein Einkommen bis 1.000,00 Euro im Monat verfügen, konnten 23% keine finanziellen Mittel zur Freizeitgestaltung aufwenden; weiteren 32% standen für diesen Zweck nur 25,00 Euro im Monat zur Verfügung (vgl. Bedarfsanalyse „50 und älter in Steglitz-Zehlendorf“, Abb. 8.46). Hier handelt es sich um den unter der Armutsrisikoschwelle lebenden Personenkreis, der die unmittelbare Existenzsicherung nur unter Verzicht auf Freizeitausgaben bzw. deren konsequente Einschränkung gewährleisten kann. Vor dem Hintergrund der zu erwartenden Entwicklung der Alterseinkommen hauptsächlich bei den Empfängern gesetzlicher Renten (vgl. Bedarfsanalyse „50 und älter in Steglitz-Zehlendorf“, Kapitel 5.2.2) ist davon auszugehen, dass die Anteile älterer Bürgerinnen und Bürger, die Einsparungen zu Lasten der potentiell für die Freizeit ausgabefähigen Mittel werden vornehmen müssen, steigen wird. Im Rahmen der Altenhilfe wird es deshalb u.a. darauf ankommen, preislich attraktive Angebote für diese Zielgruppe zu machen.

4.2.7 Handlungsempfehlungen für Seniorenfreizeiteinrichtungen
Kommunale Seniorenfreizeitstätten sind das Rückgrat der dezentralen Versorgung mit kulturellen, kommunikativen und neigungsgruppenspezifischen Angeboten, die durch Angebote der Kirchen, Wohlfahrtsverbände und freier Träger ergänzt und erweitert werden. Aus den Ergebnissen der Bestands- und Bedarfsanalyse lassen sich u.a. folgende Empfehlungen herleiten: • Die bestehenden kommunalen Seniorenfreizeitstätten tragen wesentlich zur dezentralen und wohnortnahen Versorgung der Bürgerinnen und Bürger mit Kultur- und Freizeitangeboten im Bezirk bei und sollten an ihren Standorten erhalten werden. Angebote und Öffnungszeiten wären vor dem Hintergrund der verbalisierten Anregungen und Wünsche zu überprüfen und ggf. zu erweitern, dabei sollten generationenübergreifende Angebote gemacht werden, die auch die Interessen von Jüngeren einschließen. Unter Berücksichtigung von Informations-, Bildungs- und Schulungsangeboten sowie der Erweiterung des Angebots für künftige Senioren böte es

•

17

4. Freizeitangebote

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

sich an, bestehende Seniorenfreizeitstätten zu Bürgertreffpunkten inhaltlich auszubauen und auch so zu benennen. Um das „Betreuungs-Image“ der Seniorenfreizeitstätten zu umgehen, sollten kulturelle Programme und Bewirtschaftungsleistungen separat voneinander angeboten werden. • Kommunale Seniorenfreizeitstätten werden gegenwärtig bis auf das Hertha-Müller-Haus (Stelle unbesetzt) von examinierten Altenpflege- oder Krankenpflegekräften geleitet. Die Erweiterung des Angebotsspektrums und ggf. auch der Öffnungszeiten (Ausbau zu Bürgertreffpunkten) bedeutete aber, dass entsprechendes hauptamtliches Personal vorgehalten werden müsste. Dementsprechend würde eine weitere Personalreduzierung in diesem Bereich den Handlungsrahmen erheblich einschränken. Im Zuge einer Neuorganisation könnte es sinnvoll und zielführend sein, wenn jede Freizeitstätte (Bürgertreffpunkt) für ihr Einzugsgebiet die Angebotsplanung (kulturelle Veranstaltungen, Informations- und Bildungsangebote etc.) einschließlich der Gruppenaktivitäten und der Koordinierung der ehrenamtlichen Arbeit selbstständig erledigen würde. Entsprechende technische Voraussetzungen dafür (Hardware, EDV-Vernetzung) wären, soweit noch nicht vorhanden, neu zu schaffen. In Trägerschaft des Nachbarschaftsheimes Mittelhof e.V. wurde Ende September 2008 das Mehrgenerationenhaus in der Region Teltower Damm in unmittelbarer Nachbarschaft zur Seniorenfreizeitstätte Süd eröffnet. Soweit noch nicht geschehen, ist mit dem Ziel der Effektivitätssteigerung bei der Angebotsplanung eine Kooperation anzustreben. Eine Kooperation zwischen kommunalen Seniorenfreizeitstätten (Bürgertreffpunkten) und Freizeiteinrichtungen/Treffpunkten anderer Träger in der Region/dem Einzugsgebiet bzw. eine Vernetzung von Angeboten dieser unterschiedlichen Träger (Seniorenwohnhäuser, Pflegeeinrichtungen, Beratungsstellen, Wohnungsbaugesellschaften etc.) ist nicht nur im Hinblick auf die Erzielung von Synergieeffekten anzustreben. Vor dem Hintergrund einer wachsenden Anzahl älterer Menschen, einem Absinken des allgemeinen Rentenniveaus und einer bereits im Berichtsjahr 2007 zumindest rechnerisch überschrittenen Kapazitätsgrenze in kommunalen Seniorenfreizeitstätten werden Bedarfe gegenwärtiger und künftiger Seniorengenerationen möglicherweise nur im Miteinander unterschiedlicher in einem Sozialraum agierender Angebotsträger zu erreichen sein. Vor diesem Hintergrund wird die Etablierung verlässlicher Arbeitsstrukturen empfohlen. Im September 2009 ist das Seniorenwohnhaus Ostpreußendamm 31 und damit auch die im Haus befindliche Begegnungsstätte geschlossen worden. Die durch Beschäftigungsmaßnahmen bis zum Zeitpunkt der Schließung aufrechterhaltene Betreuung fokussierte sich zwar überwiegend auf die Bewohnerschaft des Hauses und weniger auf das Einzugsgebiet, dennoch zeigt die Umgebungsuntersuchung, dass es in dieser Region gerade zwischen Königsberger Straße und Komponistenviertel eine große Anzahl älterer Menschen gibt, die sich außerhalb der Einzugsgebiete von umliegenden Seniorenfreizeitstätten mit Versorgungscharakter befinden. Sofern das Bebauungskonzept es zuließe, würde es Sinn machen, im Zuge einer Neubebauung des Grundstücks Ostpreußendamm 31 (beispielsweise mit einem Pflegeheim und/oder einer Servicewohnanlage) ausreichende und geeignete Räumlichkeiten für Kultur und Begegnung bei der Planung zu berücksichtigen, welche Bürgerinnen und Bürgern im Einzugsgebiet zur Verfügung stehen sollten. In den Regionen Schloßstraße und Zehlendorf Südwest (Ortsteile Nikolassee/Schlachtensee und Wannsee) fehlen gegenwärtig Seniorenfreizeiteinrichtungen mit Versorgungscharakter (Typen I und III) bei einer durchaus vorhandenen Konzentration von Seniorinnen und Senioren in diesen Sozialräumen. Bezogen auf die Region Schloßstraße haben die Umfelduntersuchungen jedoch gezeigt, dass die hier bestehenden Bedarfe größtenteils durch Angebote der Seniorenfreizeitstätte Club Steglitz in der benachbarten Bezirksregion Albrechtstraße gedeckt werden. Diese Angebote sind ggf. bedarfsorientiert auszubauen. Eine solche Bedarfsdeckung ist in der Bezirksregion Zehlendorf Südwest nicht gegeben; hier wäre in der Tat zu prüfen, mit welchen Möglichkeiten und zu welchem Zeitpunkt diese Lücke geschlossen werden könnte.

4. Freizeitangebote

•

•

•

•

•

18

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

•

Das Kommunikationszentrum für Behinderte und Nichtbehinderte am Ostpreußendamm 52 (Typ IV Bezirksregion Ostpreußendamm) ist nur bedingt barrierefrei zugänglich und ausgestattet. In der Bezirksregion Ostpreußendamm gibt es nur eine Seniorenfreizeitstätte mit Versorgungscharakter (Seniorenzentrum Scheelestraße, Typ I) mit unterdurchschnittlich großem Umfang an Veranstaltungs- und Gruppenangeboten. Im Gegensatz dazu gibt es in der Bezirksregion Teltower Damm die größte Konzentration an Seniorenfreizeitstätten mit Versorgungscharakter (Hans-Rosenthal-Haus, Nachbarschaftsheim Mittelhof, Seniorenfreizeitstätte Süd - Typ I). Wie oben bereits erwähnt, führt die Inbetriebnahme des Mehrgenerationenhauses in unmittelbarer Nachbarschaft zur Freizeitstätte Süd zu einer weiteren Verdichtung des Angebots in dieser Region. Im Erhebungsjahr 2007 wurden in der Freizeitstätte Süd vergleichsweise die mit Abstand wenigsten Veranstaltungen und Gruppenangebote offeriert. Es würde daher Sinn machen, eine Umwidmung der Freizeitstätte Süd vorzunehmen und diese anstelle der Einrichtung Ostpreußendamm 52 zum Kommunikationszentrum für Behinderte und Nichtbehinderte zu erklären. Die acht gegenwärtig im Ostpreußendamm 52 etablierten Behindertengruppen (Gedächtnistraining, Spätlese, MS-Gruppe, Erzählcafé, Sitztanzgruppe, Gehörlosengruppe, Gymnastik im Sitzen und Bingogruppe) müssten ihren Standort in die Freizeitstätte Süd verlagern, was angesichts eine überwiegend durch Transportdienste gewährleisteten Mobilität möglich sein dürfte. Durch die vorgeschlagene Umwidmung könnte die Behindertenarbeit in einem völlig barrierefreien Rahmen stattfinden; das neue Kommunikationszentrum (vormals Freizeitstätte Süd) wäre ein durchaus sinnvolles Äquivalent zum benachbarten Mehrgenerationenhaus und die gegenwärtig schwache Angebotsdichte in der Bezirksregion Ostpreußendamm könnte durch konzeptionell entsprechend ausgerichtete Angebote in der Einrichtung Ostpreußendamm 52 (vormals Kommunikationszentrum) verbessert werden.

19

4. Freizeitangebote

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

4. Freizeitangebote

20

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

5.

Ehrenamtlicher Dienst

5.1

Geburtstags- und Jubiläumsehrungen/Geburtstagsnachfeiern

Persönliche Gratulationen werden Altersjubilaren im Bezirk Steglitz-Zehlendorf beginnend mit dem 85. Lebensjahr nach zuvor erfolgter Vorprüfung überbracht. Im Berichtsjahr 2007 lebten im Bezirk 8.496 Bürgerinnen und Bürger im Alter von über 85 Jahren. Folgt man der Bevölkerungsentwicklungsprognose der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, so wird sich diese Bevölkerungsgruppe bis zum Jahr 2030 auf 17.212 Personen mehr als verdoppeln. Über 80% der ehrenamtlich in kommunalen Einsatzbereichen Tätigen waren 2007 den Altergruppen zwischen 50 und 80 Jahren zugehörig, wobei die 61- bis 70-Jährigen mit einem Anteil von knapp 43% das größte und die 71- bis 80-Jährigen mit gut 27% das zweitgrößte Kontingent stellten. Vergleicht man die Altersstruktur der Freiwilligen im Berichtsjahr 2007 mit denen des Vergleichsjahres 2001, dann ist ein Anstieg des Durchschnittsalters von 65 Jahren (2001) auf 68 Jahre (2007) festzustellen, was bedeutet, dass es nicht gelungen ist, jüngere Freiwillige in ausreichendem Umfang für die ehrenamtliche Arbeit zu gewinnen. Zusätzlich zu den Ermittlungen und ggf. auch persönlichen Gratulationen zum 90. und jedem weiteren Geburtstag werden Einladungen zu Geburtstagsnachfeiern ausgesprochen, deren Akzeptanz bei der Zielgruppe rückläufig ist. Darüber hinaus wird der Personenkreis der ab 90-Jährigen durch Ehrung und zusätzliche Geburtstagsnachfeier zurzeit doppelt berücksichtigt.

Befragungsergebnis Der mit Abstand größte Teil der aktiven Freiwilligen über 50 Jahren war in einem Verein oder Verband (10%), in einer kirchlichen Einrichtung (6%) oder als Schöffe (3%) tätig; nur ein Prozent der Befragten hat ehrenamtlich in einer Sozialkommission mitgearbeitet. Demgegenüber erklärten 8% der Befragten, dass sie sich eine Mitarbeit in einer Sozialkommission vorstellen könnten.

5.1.1 Handlungsempfehlungen für Geburtstagsehrungen
Insgesamt gesehen konnte die Anzahl ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im kommunalen Bereich von 307 Freiwilligen (2001) auf 431 (2007) deutlich gesteigert werden. Dies führt zu Zuwächsen in den Bereichen Gruppenbetreuung (+66 Personen), Sonderaufgaben (+38 Personen) und Mitarbeit in Seniorenfreizeitstätten (+24 Personen); leicht zurückgegangen ist die Zahl der Mitarbeiter/-innen in den Sozialkommissionen mit dem Aufgabenbereich der Geburtstags- und Jubiläumsehrungen. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung (Anstieg des Anteil der über 85-Jährigen um 105% bis 2030) müsste die Anzahl der Freiwilligen allein für das Aufgabengebiet der Durchführung von Geburts-

21

5. Ehrenamtlicher Dienst

Ausgangslage Tätigkeitsschwerpunkt des ehrenamtlichen Dienstes im kommunalen Bereich ist die Durchführung von Geburtstags- und Jubiläumsehrungen. Mehr als ein Drittel aller Freiwilligen wurden hier im Berichtsjahr 2007 eingesetzt, allerdings waren das anteilig deutlich weniger Freiwillige als im Vergleichsjahr 2001 (49,5%). Differenziert man zwischen Geburtstagsehrungen und Ehrungen zu Ehejubiläen bezüglich des Umfanges der Prüfungen und der daran anschließend tatsächlich durchgeführten persönlichen Ehrungen, so machen die Jubiläumsehrungen bezüglich des Umfanges der Vorprüfungen anteilig deutlich weniger als ein Prozent sämtlicher Prüfungen aus, wobei nur knapp jede zweite Vorprüfung zu einem Geburtstag aber über 83% aller Prüfungen zu Ehejubiläen mit einer persönlichen Ehrung abgeschlossen werden.

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

tags- und Jubiläumsehrungen gegenüber 2007 mehr als verdoppelt werden, wenn die Voraussetzungen dafür (persönliche Gratulation ab dem 85. Lebensjahr) unverändert blieben. Vor dem Hintergrund des gegenwärtig hohen Durchschnittsalters der Freiwilligen bedeutet das u.a., dass im Verhältnis sehr viel mehr jüngere Freiwillige geworben werden müssen als das zurzeit der Fall ist. Ob das gelingen kann, muss angesichts der Interessenlagen der Freiwilligen, die sich offenbar lieber in anderen Einsatzgebieten (wie beispielsweise der Gruppenarbeit) engagieren und der vergleichsweise geringen Akzeptanz dieses Angebotes in der Bevölkerung (nur jede zweite Ehrung wird tatsächlich auch durchgeführt) auch hinsichtlich des damit einhergehenden höheren Verwaltungsaufwandes kritisch hinterfragt werden.
5. Ehrenamtlicher Dienst 22

Angesichts der hier beschriebenen Umstände böte es sich an, die Systematik für Gratulationen zu bestimmten Anlässen durch die Verwaltung neu zu überdenken. Dabei sollte, dem präventiven Charakter der Altenhilfe folgend, möglichst frühzeitig ein Kontakt zum Bürger hergestellt werden (nicht erst zum 80. bzw. 85. Geburtstag) mit dem Ziel, ihn über die unterschiedlichen Angebote der Verwaltung (Beratung, Kultur etc.) zu informieren. In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, dass zwischen 74% und 80% der Befragten angaben, die im Bezirk vorhandenen Beratungsstellen nicht zu kennen. Beispielsweise könnte hier wie folgt verfahren werden: • Anläßlich des 65. und des 80. Geburtstages gratulieren Bezirksbürgermeister und Dezernent schriftlich. Dem Gratulationsschreiben wird als Anlage ein Faltblatt beigefügt, welches in jeweils aktueller Form Hinweise zu Beratungsangeboten, kulturellen Veranstaltungen und Bildungsangeboten der Bezirksverwaltung sowie ein persönliches Beratungsangebot durch die Sozialkommission enthält. Gleichzeitig werden die Kontaktdaten des ehrenamtlichen Ansprechpartners für das persönliche Beratungsgespräch im vorprofessionellen Raum benannt. Je nach Verlauf dieses Gesprächs wird der Bürger mit seinem Anliegen direkt an die entsprechende Stelle vermittelt bzw. eine professionelle Beratungsstelle eingeschaltet. Ehrungen zum 100. und zu jedem weiteren Geburtstag sowie ggf. zu den Ehejubiläen (siehe unten) werden wie gehabt durchgeführt. Die Anzahl der Sozialkommissionen, welche die Beratungen und Ehrungen durchführen, ist an den Bedarf anzupassen; die Mitarbeiter/-innen der Sokos werden entsprechend geschult. Um den Verwaltungsaufwand zu minimieren, sollten ehrenamtliche Mitarbeiter auch in die Vorbereitung für den Versand der Gratulationsschreiben einbezogen werden. Kosten für das Versenden der Gratulationsschreiben könnten ggf. aus Spendenmitteln finanziert werden.

• •

•

Die durch Umstrukturierung im Bereich der Geburtstagsehrungen möglicherweise freiwerdende Kapazitäten könnten zur Verstärkung von Besuchs- und Begleitdiensten, aber auch des Seniorentelefons, genutzt werden.

5.1.2 Handlungsempfehlungen für Geburtstagsnachfeiern und Jubiläumsehrungen
Die Geburtstagsnachfeiern werden mit einem verhältnismäßig hohen organisatorischen Aufwand durchgeführt. Angesichts des bei der Zielgruppe zu beobachtenden Akzeptanzverlustes und vor dem Hintergrund einer möglichen Umstrukturierung bei der Durchführung von Geburtstagsehrungen stellt sich die Frage, ob dieses Zusatzangebot aufrechterhalten werden kann und soll. Ehrungen zu Ehejubiläen werden nur auf ausdrücklichen Wunsch und nach vorheriger Bekanntgabe durchgeführt. Obwohl die Anzahl der diesbezüglich durchgeführten Prüfungen und persönlichen Ehrungen insgesamt verhältnismäßig niedrig ist, sollte überlegt werden, ob zukünftig Gratulationen zu Ehejubiläen grundsätzlich nur noch schriftlich (wie zurzeit bereits beim Gratulationsverfahren für Goldene Hochzeiten praktiziert) ausgesprochen werden sollten.

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

6.

Gesundheitsaufklärung, Prävention und gesunde Lebensweise

In diesem umfassenden Sinne hat die Gesundheit größten förderlichen Einfluss auf die Lebensqualität des Einzelnen, auf die Gesamtheit der Lebenstätigkeit, auf das Zusammenwirken des Einzelnen mit anderen Menschen und auf dessen gesellschaftliche Teilhabe. Gesundheitsbewusste Lebensführung und aktive Gesundheitspflege rücken deshalb immer mehr in das Zentrum der individuellen Lebensgestaltung. Der Gesundheitszustand hängt wesentlich von der gesunden Lebensweise und den gesundheitsorientierten und präventiven Eigenaktivitäten der Bürgerinnen und Bürger ab. Ein gesunder Lebensstil und die Nutzung des individuellen Aktivitätspotenzials fördern die Fitness, stärken die körperliche Leistungs- und psychische Belastungsfähigkeit und bilden günstige Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Altern und die subjektive Gestaltung des individuellen Alters. Gesunde Ernährung, körperliche Bewegung und sportliche Aktivitäten werden weithin als dienliche Wege der Gesundheitsprävention angesehen. Der individuelle Gesundheitszustand wird wesentlich von der gesunden Lebensweise und gesundheitsorientierten Eigeninitiativen positiv beeinflusst. Wenn zwischen 70 und mehr als 80% der ab 50-jährigen Frauen und Männer ausreichend schlafen, sich regelmäßig bewegen, gesundheitsbewusst essen, nicht (oder nicht mehr) rauchen sowie an Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen, zeugt das von einer weiten Verbreitung und Praxis der gesunden Lebensführung. Der verbleibende Sockel von ab 50-Jährigen (23%), darunter vor allem Beschäftigte in geförderten Arbeitsverhältnissen (42%), Arbeitslose (38%), Erwerbstätige und Partner mit Kindern (je 34%) sowie Alleinerziehende (33%), bekundet, sich diese hier angeführten kostenfrei möglichen gesundheitsbewussten Verhaltensweisen noch nicht oder überwiegend nicht angeeignet zu haben. Unter sozialräumlichem Gesichtspunkt konzentrieren sich diese Defizite insbesondere in der Bezirksregion Schloßstraße, treten aber auch in den Bezirksregionen Lankwitz und Ostpreußendamm noch überdurchschnittlich in Erscheinung (vgl. Abbildung 7.28; siehe auch Bedarfsanalyse „50 und älter in SteglitzZehlendorf“, Kapitel 7). Dieser Sockel mit nur defizitär ausgeprägtem Gesundheitsverhalten wurde auf der Basis der Auskunft „trifft nicht zu“ für die Indikatoren: „nicht (mehr) rauchen, ausreichend schlafen, regelmäßig an Vorbeugeuntersuchungen teilnehmen, sich regelmäßig bewegen“ definiert. Allerdings sollte auch beachtet werden, dass Erholungsreisen, Kuren, Saunaanwendungen als gezielte Gesundheitsaktivitäten nicht nur von den individuellen Lebensmaßstäben, sondern von den dafür ausgabefähigen finanziellen Mitteln gesteuert werden. Sie wurden aus diesen Gründen der Bewertung nicht mit zu Grunde gelegt.

1

Vgl. Neue Gesundheitsdefinition der WHO, in: Ottawa-Charter for Health Promotion, 1986.

23

6. Gesundheitsaufklärung

Gesunderhaltung bis ins hohe Alter ist erstrebenswerte Basis für ein so lange wie möglich selbstbestimmtes Leben in der eigenen Häuslichkeit. Deshalb muss Gesundheit in jeder Lebensphase aktiv reproduziert werden. Für die Bürgerinnen und Bürger kommt es darauf an, sich Kenntnisse über die gesundheitsorientierten Rahmenbedingungen anzueignen und diese aktiv im Interesse des individuellen Gesundheitsschutzes, der Prävention und ihrer gesundheitlichen Versorgung zu nutzen und verantwortungsbewusst persönliche Kenntnisse und Fähigkeiten zur Gesundheit sowie Handlungsstrategien für eine gesunde Lebensweise zu entwickeln.1

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

Abb. 7.28:
50 Migrationshintergrund 40

Defizite im gesundheitsbewussten Verhalten nach soziostrukturellen Merkmalen und sozialräumlicher Verteilung - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent Geschlecht Altersphasen Familienstruktur Erwerbsstatus Bezirksregionen

Durchschnitt = 23 Prozent

6. Gesundheitsaufklärung 24

30
23 23

20
29 31 23 19 16 11 22 33 20 34 34

42 38 29 20 20 16 22 24 24 23 23 22 21

10

21 23

0
ja ein n en er au nn Fr Mä e st d e tz e e h. n. e u re e n n e J. J. J. lt. aß aß wi mm mm aß e or nd nd /-i /er tig er nt los fra nä 65 75 85 . ä str tstr nk nda Da estr üdw rf N be ehe tner ind stä itsv .-Re eits aus sio 0- 65- 75- J. u ß b le i 5 lo ch La ße er ak S o r er rbe ind Arb H Pen in rz ar . K 5 e n ch bre - eu ow Dr orf end w / re lt te 8 lle ne t P u er io e A . Al gte Er d. A bsm A llei mi /-in - S Al BR3 stpr elt 6 - end ehl n n r 1 l Z T R nt A er Se jung rtge beta fö er - O - B Zeh 8 tn t. BR R2 Re ge Erw 4 R5 fo och B ar nf P 7 BR kü BR B im H it m BR lte A

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Für die Gesundheitspolitik im Bezirk Steglitz-Zehlendorf ist angesichts der Distanz von mehr als einem Fünftel der ab 50-Jährigen zu gesundheitsbewusstem Verhalten empfehlenswert, • • diese Gruppen mit gering ausgeprägtem Gesundheitsverhalten in die Zielgruppen für Gesundheitsaufklärung bzw. Gesundheitsprävention aufzunehmen; entsprechendes Aufklärungsmaterial unter Hervorhebung der Kostenfreiheit dieser Angebote (z.B. Vorbeugeuntersuchungen, Suchtberatung wegen Nikotinmissbrauch, Gesundheitssport der Krankenkassen) in geeigneter Weise im Jobcenter bzw. in Begegnungsstätten zur Verfügung zu stellen.

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

7.

Ambulante und stationäre Pflege

Ausgangslage Das Risiko der Pflegebedürftigkeit nimmt mit steigendem Alter zu. Die Bevölkerungsentwicklung in SteglitzZehlendorf wird bis zum Prognosejahr 2030 zu einschneidenden Veränderungen im Altersaufbau der Bevölkerung führen, wobei Bevölkerungsverluste in den Altersgruppen unter 50 Jahren durch massive Bevölkerungsgewinne bei den höheren Altersgruppen kompensiert werden. Waren 2007 noch insgesamt 17.961 Bürgerinnen und Bürger im Alter von 75 bis unter 85 Jahren, so werden es 2030 bereits 28.511 (+58,7%) sein; die Anzahl der über 85-Jährigen wird sich im gleichen Zeitraum von 8.396 auf 17.212 mehr als verdoppeln (+105%). Mit Ausnahme der Region D (Zehlendorf Südwest und Zehlendorf Nord) wird sich die Bevölkerung in den Prognoseräumen ähnlich entwickeln. Kennzeichnend für die Region D ist zum einen die weit überdurchschnittliche Zunahme der Bevölkerung um 6%, die nennenswert zum Anwachsen der Gesamtbevölkerung im Bezirk beiträgt. Zum anderen ist die Region D der einzige Prognoseraum, in dem mit 1,8% Bevölkerungsgewinne bei den 0 bis unter 18-Jährigen erwartet werden. Mit einem Anstieg um 131,6% wird allerdings auch der Anteil der Hochbetagten stärker zunehmen als in den übrigen Prognoseräumen. Wie oben angesprochen, nimmt mit steigendem Alter das Risiko der Pflegebedürftigkeit zu, d.h. vor dem Hintergrund der für Steglitz-Zehlendorf prognostizierten Bevölkerungsentwicklung wird es zu einem erheblichen Anstieg der Anzahl von ab 75- und insbesondere ab 85-Jährigen kommen, was dann wiederum zu einer deutlichen Zunahme von Pflegebedürftigen in diesen Altersgruppen führen wird. Hinsichtlich der Anzahl von Pflegebedürftigen bzw. der Anzahl von Leistungsempfängern nach dem Pflegeversicherungsgesetz sind leider keine Zahlen auf Bezirksebene verfügbar. Für Berlin gibt es eine Übersicht der Leistungsempfänger/-innen nach dem Pflegeversicherungsgesetz am 15.12.2007 nach Altersgruppen und Leistungsarten (Tabelle 7.1), die hilfsweise als Grundlage für eine Schätzung der zukünftigen Entwicklung herangezogen werden soll. Tabelle 7.1: Leistungsempfänger/-innen nach dem Pflegeversicherungsgesetz am 15.12.2007 in Berlin nach Altersgruppen, Geschlecht und Leistungsarten
Leistungsempfänger/innen stationäre Pflege insgesamt ambulante Pflege vollstationäre Dauerpflege Pflegegeld¹

Pflegestufen — Geschlecht — Altersgruppe von ... bis unter ... Jahren

zusammen

Kurzzeitpflege

Tagespflege

Nachtpflege

Insgesamt männlich........ weiblich.......... unter 15.......... 15 - 60............ 60 - 65............ 65 - 70............ 70 - 75............ 75 - 80............ 80 - 85............ 85 - 90............ 90 - 95............ 95 und älter.... Ingesamt....... 29 200 66 670 1 927 11 931 4 223 7 581 9 750 11 696 15 652 17 232 10 253 5 625 95 870 6 389 16 474 13 2 095 908 1 692 2 329 3 113 4 302 4 531 2 570 1 310 22 863 6 342 20 727 8 1 398 820 1 566 2 203 2 788 4 483 6 212 4 572 3 019 27 069 5 751 19 671 8 1 284 729 1 383 1 975 2 538 4 172 5 941 4 440 2 952 25 422 91 199 – 7 4 27 27 39 59 67 40 20 290 500 857 – 107 87 156 201 211 252 204 92 47 1 357 – – – – – – – – – – – – – 16 469 29 469 1 906 8 438 2 495 4 323 5 218 5 795 6 867 6 489 3 111 1 296 45 938

1 ohne Empfäng er/innen von Kombinationslei stung en, di e bereits bei der ambulan ten oder stationä ren Pflege berücksichtigt sind - Stichtag 3 1.12.2007

Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

25

7. Ambulante und stationäre Pflege

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

Um die Entwicklung des zukünftigen Pflegebedarfes schätzen zu können wird zunächst unterstellt, dass sich die Leistungsempfänger auf alle Bezirke gleichmäßig verteilen und die Bevölkerungsentwicklung in Berlin mit der für Steglitz-Zehlendorf konform verlaufen wird. Unter Berücksichtigung der für Steglitz-Zehlendorf prognostizierten Bevölkerungsentwicklung (vgl. Tabelle 7.2) ließen sich dann Zuwächse bzw. Verluste von Leistungsempfängern bezogen auf die genannten Altersgruppen und die unterschiedlichen Leistungsarten errechnen (vgl. Tabelle 7.3). Tabelle 7.2: Bevölkerungsentwicklung in Steglitz-Zehlendorf 2007 bis 2030 nach ausgewählten Altersgruppen
A lte r s g ru p p e n u n te r 1 5 1 5 bi s u n ter 6 0 bi s u n ter 6 5 bi s u n ter 7 0 bi s u n ter 7 5 b is u n te r 8 0 b is u n te r 8 5 b is u n te r 9 0 b is u n te r 9 5 u n d ä l ter I n s g e s am t E i nw o hn e r S te g l it z-Z e hl e nd o r f 2 0 07 3 5 .8 55 1 6 5 .1 08 2 0 .3 15 2 3 .3 11 1 6 .1 40 9 .9 03 8 .0 58 5 .2 67 2 .1 08 1 .0 21 2 03 0 3 4 .38 9 1 5 2 .15 0 2 2 .33 8 2 2 .86 4 1 8 .31 9 1 5 .61 9 1 2 .89 2 1 0 .30 2 5 .38 6 1 .52 4 B e vö lk e r u ng s ge w in n e u nd - v e rl us te i n P r o ze n t -4 ,1 -7 ,8 1 0 ,0 -1 ,9 1 3 ,5 5 7 ,7 6 0 ,0 9 5 ,6 1 5 5 ,5 4 9 ,3

7. Ambulante und stationäre Pflege 26

60 65 70 75 80 85 90 95

2 8 7 .08 6

2 9 5 .7 8 3

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung; Quelle der Ausgangsdaten: Einwohnermelderegister

Abb. 7.1:

Bevölkerungsentwicklung in Steglitz-Zehlendorf 2007 bis 2030 nach ausgewählten Altersgruppen

180,0% 160,0% 140,0% 120,0% 100,0% 80,0% 60,0% 40,0% 20,0% 0,0% -4,1% -20,0% -7,8% -1,9% 13,5% 10,0% 57,7% 60,0% 49,3% 95,6% 155,5%

unter 15 80 bis unter 85

15 bis unter 60 85 bis unter 90

60 bis unter 65 90 bis unter 95

65 bis unter 70 95 und älter

70 bis unter 75

75 bis unter 80

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung; Quelle der Ausgangsdaten: Einwohnermelderegister

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

Tabelle 7.3: Leistungsempfänger nach dem Pflegeversicherungsgesetz 2030 in Berlin auf Grundlage der Bevölkerungsentwicklung in Steglitz-Zehlendorf nach ausgewählten Altersgruppen und Leistungsarten (Schätzung)
Leistungsempfänger/innen Berlin 2007 Leistungsempfänger/innen Berlin 2030 Angenommene Bevölk erungsgewinne ambulante vollstationäre ambulante volls tationäre und -verluste in Prozent Pflege Dauerpflege Pflege Dauerpf lege unter 15 -4,1 13 8 12 8 15 bis unter 60 -7,8 2.095 1.284 1.931 1.183 60 bis unter 65 10,0 908 729 998 802 65 bis unter 70 -1,9 1.692 1.383 1.660 1.356 70 bis unter 75 13,5 2.329 1.975 2.643 2.242 75 bis unter 80 57,7 3.113 2.538 4.910 4.003 80 bis unter 85 60,0 4.302 4.172 6.883 6.675 85 bis unter 90 95,6 4.531 5.941 8.862 11.620 90 bis unter 95 155,5 2.570 4.440 6.566 11.344 95 und älter 49,3 1.310 2.952 1.955 4.406 Berlin insgesam t 22.86 3 25.422 36.4 21 43 .639 Altersgruppen
Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen

Vor dem Hintergrund der hypothetisch angenommenen Bevölkerungsgewinne und -verluste in den entsprechenden Altersgruppen ist eine Abnahme bzw. Zunahme der Leistungsempfänger nach dem Pflegeversicherungsgesetz bis 2030 zu erwarten. Per Saldo ergäben sich 2030 für den Bereich der ambulanten Pflege geschätzte Zuwächse an Leistungsempfängern von etwa 59% und für den Bereich der vollstationären Dauerpflege von geschätzten 72%. Angebote der ambulanten und vollstationären Dauerpflege werden nicht nur von Leistungsbeziehern nach dem Pflegeversicherungsgesetz in Anspruch genommen. Diesbezüglich wird unterstellt, dass die Bedarfe der sogenannten Selbstzahler in gleicher Weise zu- bzw. abnehmen wie die der Leistungsempfänger nach dem Pflegeversicherungsgesetz. Würde man diese Entwicklungen nun auf den Bezirk Steglitz-Zehlendorf übertragen, so müssten die im Jahr 2007 vorhandenen Kapazitäten bis zum Prognosejahr 2030 für den Bereich der ambulanten Pflege um schätzungsweise 59% und für den Bereich der vollstationären Dauerpflege um etwa 72% erweitert werden (siehe Tabelle 7.3).

7.1

Ambulante Pflege

Am 31.12.2007 gab es in Steglitz-Zehlendorf insgesamt 32 ambulante Pflegedienste, die von ihrer Anzahl her unterschiedlich stark auf die Prognoseräume verteilt waren und sich zahlenmäßig in der Region A konzentrieren (siehe Abb. 7.1.1). Da ambulante Pflegedienste überregional tätig werden können, kann alleine aus ihrer zahlenmäßigen Verteilung in den Prognoseräumen keine eindeutige Aussage bezüglich einer Unter- oder Überversorgung in den Sozialräumen gemacht werden. Durch die zu erwartenden Bevölkerungszuwächse in den einzelnen Altersgruppen wird es bis zum Prognosejahr 2030 zu einer steigenden Nachfrage an ambulanten Pflegeleistungen kommen. Um dieser Nachfrage gerecht werden zu können, wird die Kapazität an ambulanten Pflegeleistungen bis 2030 um schätzungsweise knapp 60% erweitert werden müssen (siehe Abb. 7.1.2). Dabei wäre insbesondere auch auf die überdurchschnittlich anwachsende Bevölkerung im Prognoseraum Region D zu reagieren.

27

7. Ambulante und stationäre Pflege

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

Abb. 7.1.1:
14

Ambulante Pflegedienste in Steglitz-Zehlendorf nach Prognoseräumen am 31.12.2007

12 12

7. Ambulante und stationäre Pflege 28

10

8 7 6 6 7

4

2

0 Region A Region B Region C Region D

Quelle: Koordinierungsstelle Rund ums Alter in Steglitz-Zehlendorf, eigene Recherchen

Abb. 7.1.2:

Kapazität ambulante Pflege 2007 und 2030 in Steglitz-Zehlendorf (Schätzung)

60

50

40

30

32

20

10

0

Kapazität Pflegedienste 2007

Kapazität Pflegedienste 2030

Quelle: Koordinierungsstelle Rund ums Alter in Steglitz-Zehlendorf, eigene Recherchen und Berechnungen

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

7.2

Vollstationäre Dauerpflege

Am 31.12.2007 gab es in Steglitz-Zehlendorf 58 vollstationäre Dauerpflegeeinrichtungen mit insgesamt 4.622 Plätzen (siehe Abb. 7.2.1). Abb. 7.2.1: Vollstationäre Dauerpflegeeinrichtungen in Steglitz-Zehlendorf mit Anzahl der Plätze nach Prognoseräumen am 31.12.2007
7. Ambulante und stationäre Pflege 29

20

1451
18

19 1328

1600

1400

16

14
14 12

16 1219

1200

1000

10

9 624

800

8

600

6 400 4 200

2

0

0

Region A

Region B
Anzahl Pflegeheime

Region C
Platzkapazität

Region D

Quelle: Koordinierungsstelle Rund ums Alter, Pflegeeinrichtungen im Steglitz-Zehlendorf, Befragung der Einrichtungsträger

Unter Berücksichtigung der prognostizierten Bevölkerungsentwicklung wird es in den ausgewählten Altersgruppen zu angenommenen Zuwächse pflegebedürftiger Personen in der vollstationären Dauerpflege im Umfang von schätzungsweise etwa 72% kommen. Im Prognosejahr 2030 würden dann möglicherweise 7.950 Betten in vollstationären Dauerpflegeeinrichtungen im Bezirk vorzuhalten sein (siehe Abb. 7.2.2).

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

Abb. 7.2.2:

Plätze in vollstationären Dauerpflegeeinrichtungen in Steglitz-Zehlendorf 2007 und 2030 (Schätzung)

7. Ambulante und stationäre Pflege

8000

7950
7000 6000

5000

4000

4622

3000

2000

1000

0

Pflegeheimplätze 2007

Pflegeheimplätze 2030

Quelle: Koordinierungsstelle Rund ums Alter, Pflegeeinrichtungen im Steglitz-Zehlendorf, Befragung der Einrichtungsträger, eigene Berechnungen

7.3

Ambulant betreute Wohngemeinschaften

Ambulant betreute Wohngemeinschaften sind eine Alternative zur konventionellen häuslichen und außerhäuslichen vollstationären Dauerpflege. In diesen betreuten Wohngemeinschaften werden überwiegend erheblich pflegebedürftige und demenzkranke alte Menschen von ambulanten Pflegediensten versorgt. Zum Erhebungszeitpunkt (April 2009) waren im Bezirk Steglitz-Zehlendorf 32 betreute Wohngemeinschaften mit insgesamt 235 Plätzen bekannt. Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung ist auch hier zukünftig mit einer steigenden Nachfragetendenz zu rechen. Ambulante Wohngemeinschaften sind so konzipiert, dass der Leistungsnehmer sich zweifach vertraglich binden muss, und zwar einmal an den Vermieter und zum anderen an den Pflegeanbieter. Betreute Wohngemeinschaften sind daher zumindest bis jetzt keine stationären Pflegeeinrichtungen im Sinne des Heimgesetzes und unterliegen deshalb auch nicht der Kontrolle der Heimaufsicht. Die Qualitätskontrolle von Betreuung, Pflege und Unterkunft liegt hier in den Händen der Pflegebedürftigen bzw. ihrer Angehörigen.

30

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

7.4
•

Handlungsempfehlungen
Ambulante und vollstationäre Dauerpflege sind Dienstleistungen, die von privatwirtschaftlichen Unternehmen erbracht werden. Angesichts der Bevölkerungsentwicklung werden die in diesen Bereichen tätigen Unternehmen auf die zu erwartende Nachfragesteigerung reagieren und ihr Angebot am stark wachsenden Bedarf ausrichten müssen. Selbst wenn man davon ausginge, dass sich sowohl der Anteil der Grundsicherungsempfänger in der Bezirksbevölkerung als auch das Leistungsangebot der gesetzlichen Pflegeversicherung nicht verändern werden, wird es schon allein aufgrund des demographischen Wandels zu einer bedarfsangepassten Erweiterung des behördlichen Serviceangebots (ambulante und stationäre Hilfen zur Pflege, materielle Leistungen nach dem SGB XII, Bearbeitung von Unterhaltsangelegenheiten, Eingliederungshilfe für Behinderte, Allgemeiner Sozialdienst etc.) kommen müssen, um beispielsweise auch zukünftig eine zeitnahe Leistungsbewilligung garantieren zu können. Darüber hinaus wäre es u.a. Aufgabe der Verwaltung, nach Möglichkeit geeignete Grundstücke im Bezirk für die Errichtung von vollstationären Pflegeeinrichtungen bereitzustellen bzw. in der Flächennutzungsplanung vorzusehen. Um auch zukünftig ein bedarfsgerechtes Angebot zur Versorgung Pflegebedürftiger im Bezirk gewährleisten zu können, müssen nicht nur die rein logistischen Voraussetzungen erfüllt werden. Ganz pragmatisch stellt sich hier die Frage, ob und wie es gelingen kann, einen immer weiter zunehmenden Pflegebedarf durch eine ausreichende Anzahl qualifizierter Pflegekräfte auch personell sicherzustellen. Da bereits heute die Nachfrage nach qualifiziertem Pflegefachpersonal größer ist als das Angebot auf dem Arbeitsmarkt, wird die Frage nach der Zukunft der Pflege nur über ausreichend qualifiziertes Fachpersonal zu beantworten sein. Beginnend mit der Altersgruppe der 70 bis unter 75-Jährigen wird die Bevölkerung im Bezirk in den höheren Altersgruppen teilweise beinahe explosionsartig ansteigen. Dementsprechend kann auch davon ausgegangen werden, dass der Versorgungsbedarf von Patienten mit demenziellen Alterserkrankungen zunehmen wird. Wie die Befragung vollstationärer Pflegeeinrichtungen gezeigt hat, war das Pflegeangebot bereits im Berichtsjahr 2007 schwerpunktmäßig auf die Versorgung von Patienten mit gerontopsychiatrischen Erkrankungen sowie von Demenzkranken und Alzheimerpatienten ausgerichtet (siehe Bestandsanalyse stationäre Pflege, Abb. 7.6.4.7). Die Betreuungsschwerpunkte werden sich auch zukünftig am Pflegebedarf orientieren müssen. Obwohl gerade die vollstationäre Dauerpflege von den Altersgruppen ab 70 Jahren aufwärts dominiert wird, dürfen die Bedarfe jüngerer Pflegebedürftiger nicht außer Acht gelassen werden. Eine Spezialisierung auf die Versorgung dieses Personenkreises in der vollstationären Dauerpflege gibt es in SteglitzZehlendorf erst seit Juni 2009 durch Eröffnung eines separaten Wohnbereiches mit zwölf Pflegeplätzen für jüngere Pflegebedürftige im Alter ab 20 Jahren. Angesichts der Anzahl von Leistungsempfänger/-innen in der vollstationären Pflege in Berlin im Alter von 15 bis unter 60 Jahren kann unterstellt werden, dass ein spezieller Betreuungsbedarf für jüngere Pflegebedürftige bereits gegenwärtig höher sein dürfte als das vorhandene Angebot. Leistungsnehmer/-innen in ambulant betreuten Wohngemeinschaften dürfen bezogen auf eine neutrale und unabhängige Kontrolle wohnräumlicher und pflegebezogener Leistungen nicht schlechter gestellt werden als Bewohner/-innen in vollstationären Pflegeeinrichtungen. Leistungsnehmern und ihren Angehörigen kann im Sinne einer qualitätsorientierten Versorgung nicht abverlangt werden, die Einhaltung von Qualitätsstandards selbst zu überwachen. Es erscheint daher geboten, auf Landesebene einheitliche und verbindliche Richtlinien für Unterbringung und Betreuung in ambulant betreuten Wohngemeinschaften zu erlassen. Gleichzeitig sollte die Einhaltung dieser Richtlinien durch eine unabhängige Kontrollinstanz sichergestellt werden.

•

•

•

•

•

31

7. Ambulante und stationäre Pflege

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

•

Im Lichte der beschriebenen Entwicklung sind aus bezirklicher Sicht Planungen der Charité zu begrüßen, auf dem Campus Benjamin Franklin ein Zentrum für Altersmedizin zu errichten, das interdisziplinär die spezifischen gesundheitlichen Probleme älterer Menschen in den Mittelpunkt von Forschung, Lehre und Patientenversorgung stellen soll. Anhand der epidemiologischen Daten lässt sich auch ableiten, wie sinnvoll es wäre, eine zweite „stroke unit“ für den Südwesten Berlins als Kooperation zwischen dem Gefäßzentrum Berlin-Brandenburg im Ev. Krankenhaus Hubertus und der Neurologischen Abteilung der Kliniken im Theodor-Wenzel-Werk zu errichten, wobei schon heute ein Bedarf für eine solche spezielle Schlaganfallstation an diesem Standort besteht. Die von den befragten Experten aus den vollstationären Einrichtungen prognostizierte Zunahme von demenziellen Erkrankungen wird nicht nur den pflegerischen Bereich vor erhebliche Anforderungen stellen, sondern auch niedergelassene Haus- und Fachärzte. Hierbei wird es von medizinischer Seite neben der notwendigen Diagnostik und medikamentösen Therapie um die Einleitung spezifischer Behandlungen wie z.B. Logopädie, Physio- und Ergotherapie, die Beratung von Angehörigen und nicht zuletzt um die ärztliche Begleitung der Patienten gehen. Vor diesem Hintergrund muss nicht nur auf der Seite der Pflege sondern auch im medizinischen Bereich eine Anpassung an die steigenden Bedarfe erfolgen.

•
7. Ambulante und stationäre Pflege 32

•

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

8.

Prävention vor sozialer Isolierung

Die soziale Integration der/des Einzelnen in familiale und außerfamiliale soziale Netze, Selbsthilfestrukturen und /oder Freizeitgemeinschaften wird von der Mehrheit der ab 50-jährigen Bürgerinnen und Bürger des Bezirkes Steglitz-Zehlendorf als Quelle von Lebenszufriedenheit und Lebensqualität bewertet und der Pflege von sozialen Kontakten großer Wert beigemessen. Die Bedarfsanalyse bestätigte die stabile Einbindung von 75% der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf in starke generationenübergreifende familiale Beziehungen sowie in ausgeprägte soziale Netze von persönlichen Freundschaften, Bekanntschaften, Mitgliedschaften in Vereinen, Verbänden, Clubs, Interessengemeinschaften und freien Seniorengruppen, in nachbarschaftliche Kontakte sowie gute Verbindungen zu (ehemaligen) Arbeitskollegen. Diese familialen und außerfamilialen sozialen Bindungen bilden die Stützpfeiler von Selbsthilfestrukturen im Bedarfsfall wie bei notwendiger Verständigung eines Arztes oder Unterstützung und Betreuung bei akuter Krankheit. Sie begründen die Basis für die bedürfnisgerechte Gestaltung des Anteils von in Gemeinschaft zu verbringender Freizeit und akzeptieren auch den Bedarf nach Rückzug in die Privatheit. Vor diesem Hintergrund entwickelt sich ein soziales Klima zwischenmenschlicher Anerkennung und Unterstützung, das auch geeignet ist, im höheren Alter entstehende Verluste abzumildern oder zu überbrücken. Dieser in familiale und außerfamiliale soziale Netze eingebundenen Mehrheit steht ein Viertel der Klientel mit nur mangelhaft ausgeprägten sozialen Kontakten und tendenzieller Gefährdung durch soziale Isolierung gegenüber. In Zusammenfassung der Selbstaussagen zur Versorgung mit Hilfe bei akuter Krankheit und zur eigenen Integration in eine familiale oder außerfamiliale Freizeitgemeinschaft sowie der Mitteilung, über keine sozialen Kontakte zu verfügen, ergibt sich eine direkt von sozialer Isolierung betroffene Gruppe von 7%, für die alle drei Aspekte der Vereinsamung zutreffen. Weitere 6% signalisieren, keine Hilfe zur Verständigung des Arztes bzw. zur Betreuung im akuten Krankheitsfall zu haben, und insgesamt 12% finden zwar Hilfe bei Krankheit, verbringen ihre Freizeit aber allein oder können nur einen Freizeitpartner benennen. Die soziostrukturelle Analyse der gefährdeten Klientel unterstreicht die besonders hohe Bedrohung durch soziale Isolierung bei Alleinerziehenden (64%), Alleinlebenden (55%), Arbeitslosen (53%) und Kinderlosen (37%). Wenn man davon ausgeht, dass die sozialen Kontakte für die/den Einzelne/-n eine wesentliche Quelle für Geborgenheit, zwischenmenschliche Anerkennung und Bestätigung, aber auch für lebenspraktischen Rat und Hilfe sind und damit wesentlichen Einfluss auf die individuelle Lebensqualität nehmen, zeigen sich innerhalb der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf bei jeweils 27% der künftigen Senioren und der Hochbetagten überdurchschnittliche Defizite in der Einbindung in soziale Netze. Während sich diese bei den künftigen Senioren auf Singlehaushalte, Arbeitslose und Alleinerziehende konzentrieren, erwachsen solche Defizite bei den Hochbetagten vor allem aus dem Verlust von Partner/-in oder anderen Familienangehörigen, Freunden und Bekannten aus der eigenen Generation sowie durch persönliche altersbedingte Mobilitätsoder Aktivitätseinschränkungen. Zur Prävention vor Vereinsamung einschließlich der möglichen gesundheitlichen Folgen ist eine ressortübergreifende Intervention durch Altenhilfe und Gesundheitsaufklärung erforderlich. Folgende Gesichtspunkte ließen sich in eine Interventionsstrategie der öffentlichen Altenhilfe einordnen: • Um diese Defizite sozialer Einbindung abzumildern, werden öffentliche Rahmenbedingungen benötigt, die geschlechts- und altersspezifische Angebote der sozialen Kommunikation, Freizeitgestaltung, interessenorientierte Aktivitäten, lebenspraktische Informationen, Wissensvermittlung und sportliche Aktivitäten unterbreiten. Die Prävention vor sozialer Isolierung könnte durch einen Bildungsträger als Themenbereich aufbereitet und als generationenübergreifendes Thema in einen laufenden öffentlichen Vortragszyklus, aber auch gezielt in die Weiterbildung von im Freizeitbereich tätigen Sozialarbeitern und Ehrenamtlern integriert werden.

•

33

8. Prävention vor sozialer Isolierung

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2007

•

Für den von mangelnder sozialer Einbindung bedrohten Personenkreis wären Informationen darüber hilfreich, wie sie im Krankheitsfall schnell und unkompliziert Zugang zu einem Pflegedienst und/oder Service finden und mit welchem finanziellen Aufwand sie für diese Leistungen rechnen müssen. Eine solche Information ließe sich z.B. im Programmheft für Senioren publizieren. Soziale Integration der Älteren als Quelle von sozialem Wohlbefinden sollte sowohl in der Gesundheitsberatung und -aufklärung als auch in Informations- und Bildungsveranstaltungen für Senioren eine größere Rolle spielen. Es wäre zu prüfen, ob das Seniorentelefon Hilfe zur Integration in Freizeitgemeinschaften - Vermittlung an geeignete Seniorenfreizeitstätten - beratend tätig werden könnte. Darüber hinaus wäre es wichtig, die Integration dieser gefährdeten Gruppe in die Handlungskonzepte der kommunalen Senioren- bzw. generationenübergreifenden Freizeiteinrichtungen aufzunehmen. Es wäre darüber hinaus empfehlenswert, die Integration neuer Besucher von bezirklichen Freizeitstätten, deren Begrüßung und Vorstellung im Kreis der ehrenamtlichen Helfer und der Stammbesucher sowie Unterstützung ihrer Aufnahme in bestehende Gästegemeinschaften als Arbeitsschwerpunkt bzw. Qualitätsstandard der öffentlichen Altenhilfe zu definieren.

•

8. Prävention vor sozialer Isolierung 34

• • •
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.