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Bedarfsanalyse

Full text: Bedarfsanalyse / Haupt, Hanna

Bericht zur Situation älterer Menschen in Steglitz-Zehlendorf 2010 Bedarfsanalyse

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Mitglieder der Steuerungsgruppe:

Dr. med. Andreas Beyer Dipl. Soz. Päd. Detlef Duscha Dr. habil. pol. Hanna Haupt Dipl. Soz. Eckart Maaß Cornelia Wörster

Wissenschaftliche Projektleiterin: Wissenschaftliche Projektassistenz: Logistische Vorbereitung und Durchführung der empirischen Befragung:

Dr. habil. pol. Hanna Haupt Dipl. Soz. Eckart Maaß

Bernd Gohlke Dirk Kluckert Sebastian Schmidt Rainer Wycisk Nikolaos Zakadakis Dorothea Broszehl Peter Friedrich Daniel Kranz Juri Lewahs Iwona Mazur Frank Metze Gabriela Ohnesorge-Grüger Holger-Gabriel Schmidt Dr. habil. pol. Hanna Haupt

Datenerfassung und Tabellenband:

Autorin:

Layout, tabellarische und grafische Gestaltung:

Heidemarie Wille

Herausgeber: Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf von Berlin Abteilung Soziales und Sport 14160 Berlin 1. Auflage 2010, Redaktionsschluss Februar 2010 Druck: Lentz Druck und Medien GmbH Nachdruck - auch auszugsweise - nur mit Quellenangabe und Genehmigung des Herausgebers Schutzgebühr: Euro 10,00 (Band I bis III)

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50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Gliederung

1. 2. 2.1 2.2

Vorwort Die ab 50-Jährigen im Bezirk Steglitz-Zehlendorf - ein Sozialporträt Die ab 50-Jährigen - eine wichtige Gruppe der Einwohner des Bezirkes Steglitz-Zehlendorf Soziostrukturelle Differenzierung der ab 50-Jährigen innerhalb der Einwohnerschaft des Bezirkes im Vergleich mit den Einwohnern insgesamt Subjektive Befindlichkeiten der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf 2008 Hoffnungen und Befürchtungen Allgemeine Lebenszufriedenheit und Zufriedenheit mit wichtigen Lebensbereichen Sorgen, Ängste und Befürchtungen Fazit Erwerbsbeteiligung der 50-Jährigen und älteren Erwerbsarbeit und Erwerbsaustritt Stellung im Beruf und Erwerbsbeteiligung von 50- bis unter 65-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf 2008 Qualifikation und Erwerbsbeteiligung Arbeitslosigkeit - Entwicklung und Strukturen Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Steglitz-Zehlendorf Arbeitslosigkeit von 50- bis unter 65-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf - Gesamtdauer und Strukturen Erwerbsaustritt und Übergang in den Ruhestand Fazit Einkommen Einkommensquellen der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf 2008 Individuelles Nettoeinkommen Struktur der individuellen Nettoeinkommen Rente als Alterseinkommen Haushaltsnettoeinkommen Verteilung von Reichtum und Armut von ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf Fazit Wohnen - Wohnsituation und Wohnwünsche Aktuelle Wohnsituation von ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf Die Beschaffenheit der aktuellen Wohnung Bewertung der aktuellen Wohnsituation Bewertung der seniorengerechten Wohnqualität der aktuellen Wohnung Bewertung des aktuellen Wohnumfeldes Wohnortbindung und aktuelle Umzugsneigung Wohnbedarf im Alter Wandel der Wohnbedürfnisse und des Wohnbedarfs im Altersverlauf Handlungsstrategien für ein selbstbestimmtes Wohnen bis ins hohe Alter Fazit

5 7 7 18 26 26 27 36 44 46 46 47 52 55 55 57 60 66 69 71 77 77 89 93 101 106 111 111 111 119 119 124 128 131 131 133 156

3. 3.1 3.2 3.3 3.4 4. 4.1 4.1.1 4.1.2 4.2 4.2.1 4.2.2 4.3 4.4 5. 5.1 5.2 5.2.1 5.2.2 5.3 5.4 5.5 6. 6.1 6.1.1 6.1.2 6.1.2.1 6.1.2.2 6.1.2.3 6.2 6.2.1 6.2.2 6.3

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50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 7. 7.1 7.2 7.3 7.4 8. 8.1 8.2 8.3 8.4 8.5 8.6 8.7 9. 9.1 9.2 9.3 9.4 10. Bewertung der gesundheitlichen Versorgung, Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes und individuelle Initiativen für eine gesunde Lebensweise Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes Zufriedenheit mit der gesundheitlichen Betreuung und Nutzung primärer Gesundheitsdienstleistungen Hilfebedarfe und Hilfepotenziale im Krankheitsfall bzw. bei der Alltagsbewältigung Fazit Freizeit und Freizeitbedürfnisse der ab 50-Jährigen Freizeit und soziale Einbindung Freizeitgestaltung und -inhalte Freizeitangebote für Senioren in Steglitz-Zehlendorf und deren Bewertung Bildung und Sport als Freizeitbeschäftigung Freizeitmanagement und Freizeitkosten Ehrenamtliches Engagement von ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf Fazit Soziale Kontakte und Mobilität Familiale und außerfamiliale Kontakte Öffentliche Beratungsangebote als spezifische Form der sozialen Kontakte Mobilität als Voraussetzung für soziale Kontakte und Interaktion Fazit Zum methodischen Herangehen

162 162 172 179 190 194 194 198 200 217 223 230 237 244 244 255 261 271 274

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50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

1.

Vorwort

Vor dem Hintergrund absehbarer demographischer Veränderungen wie dem Anstieg der Lebenserwartung, der Zunahme des Anteils der Senioren an der Bevölkerung insgesamt, der weiteren Differenzierung von Altersverläufen, der Verschiebung von Altersrisiken in das Alter der Hochaltrigkeit und den zu erwartenden sozialen Veränderungen - vor allem in der materiellen Alterssicherung - kommt es für die künftige kommunale Altenhilfeplanung in Steglitz-Zehlendorf wie anderenorts darauf an,  die Kompetenzen auf kommunaler Ebene ressortübergreifend zusammenzuführen und das Älterwerden der Gesellschaft interdisziplinär und unter aktiver Beteiligung der Akteure vorzunehmen;  vorausschauend gegenwärtige und künftige Bedarfe an die Altenhilfe bezüglich sozialer Kommunikation und Beratung, der Entwicklung von Wohnformen, Serviceangeboten und quartiersbezogenen Wohnkonzepten zu evaluieren sowie den Ausbau komplexer Versorgungsketten von der ambulanten Pflege und Betreuung über teilstationäre und stationäre Versorgung von somatisch und demenziell Pflegebedürftigen bis zur Palliativ- bzw. Hospizversorgung durch Vernetzung zu vervollkommnen;  die aus dem demographischen, sozialstrukturellen und sozialen Wandel der Seniorenschaft erwachsenden Potenziale, Kompetenzen und Ressourcen dieser Gruppe sowohl für die Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens insgesamt als auch für das Älterwerden im Bezirk zu erschließen. Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf stellt sich diesen aktuellen und künftigen Herausforderungen an die kommunale Seniorenpolitik und hat in den letzten zwei Jahren umfangreiche Dokumente zu den Lebensbedingungen und Perspektiven der älteren Generation vorgelegt. Die empirische Erhebung der sozialen Lage und subjektiven Befindlichkeiten der ab 50-jährigen Bürgerinnen und Bürger versteht sich als eine Bedarfsanalyse und ergänzt die von der Alten- und Sozialplanung erarbeitete Bestandsanalyse der bezirklichen Altenhilfeangebote. Die Befragung der ab 50-jährigen Bürgerinnen und Bürger von Steglitz-Zehlendorf hat das Ziel, aktuelle und zukunftsorientierte Daten und Fakten über die soziale Lage, die subjektiven Befindlichkeiten, die Bewertung von Chancen und Risiken des Älter- und Altwerdens, die Möglichkeiten und Nutzung von Prävention des Alters, der subjektiven Gestaltung des Alterungsprozesses sowie über die Erwartungen und Bedarfe hinsichtlich des Ausbaus der sozialen Infrastruktur im Bezirk zu erbringen. Sie will Bürgerinnen und Bürger dieser Altersgruppe mit ihren Auskünften zu ihrer sozialen Lage, ihrer Lebensweise und ihren subjektiven Befindlichkeiten zu Wort kommen lassen, um ihre Lebensbedingungen, Lebensmaßstäbe und sozialen Erwartungen besser kennenlernen und diese Erkenntnisse in kommunale Entscheidungen auf unterschiedlichsten Politikfeldern einfließen lassen zu können. Die Studie soll als Informations- und Arbeitsmaterial sowohl der Bezirksverordnetenversammlung als auch der öffentlichen Verwaltung dienen - insbesondere der kommunalen Sozialplanung - sowie Verbänden, Vereinen und freien Trägern der Sozialarbeit und allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern zugänglich gemacht werden. In die Befragung wurden gemeinsam mit Seniorinnen und Senioren auch 50- bis unter 65-Jährige einbezogen, um aus deren Auskünften über ihre Lebenslage, Handlungsstrategien, ihre Erwartungen an die Lebensqualität und eine selbstbestimmte Lebensführung für den eigenen Altersverlauf perspektivischen Erkenntnisgewinn für die kommunale Seniorenpolitik zu erzielen. Die Untersuchung erstreckte sich bezogen auf die ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf 2008 über die Themenbereiche:     subjektive Befindlichkeiten - Zufriedenheit, Lebensprioritäten, Hoffnungen, Sorgen und Ängste, Beteiligung am Erwerbsleben - Arbeitslosigkeit und Übergang in den Ruhestand, Einkommenssituation und Armutsrisiko, Wohnverhältnisse, Bewertung der Wohnsituation und Wohnperspektiven im Alter,

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50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008



gesundheitliche Versorgung - Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes und individuelle Initiativen für eine gesunde Lebensweise,

 

Freizeitaktivitäten und Ehrenamt, familiale und außerfamiliale soziale Kontakte und Mobilität.

Die Aussagen zu den einzelnen Themenfeldern wurden nach alters- und geschlechtsspezifischen sowie sozialräumlichen Differenzierungen (vgl. Abbildung 1.1) und unter Berücksichtigung migrationsbedingter Aspekte aufbereitet und dargestellt. Abbildung 1.1: Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf und seine Bezirksregionen
BR 1 Schloßstr.

BR 8 Zehlendorf Nord BR 6 Drakestr. BR 7 Zehlendorf Südwest BR 5 Teltower Damm

BR 2 Albrechtstr.

BR 3 Lankwitz

BR 4 Ostpreußendamm

Gestaltet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Lebensweltlich orientierte Räume im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, Berlin 2009

Die Studie "50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008" wurde im Auftrag des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf, Abteilung Soziales und Sport, und mit Unterstützung durch das Jobcenter Steglitz-Zehlendorf vom Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum Berlin-Brandenburg e.V. (SFZ) durchgeführt. Der Studie wurden die Ergebnisse einer standardisierten Briefbefragung von 20.000 ab 50-jährigen Bürgerinnen und Bürgern des Bezirks Steglitz-Zehlendorf zu Grunde gelegt, die zwischen Anfang Juli und Anfang Oktober 2008 vom Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum durchgeführt wurde. Dabei konnten 3.891 Probanden für die Teilnahme an der Studie gewonnen werden, darunter 56,3 Prozent Frauen. Von den Probanden waren 51,4 Prozent künftige Senioren im Alter von 50 bis unter 65 Jahren, 30,6 Prozent junge Alte im Alter von 65 bis unter 75 Jahren, 13,1 Prozent Alte im fortgeschrittenen Alter von 75 bis unter 85 Jahren und 5 Prozent Hochbetagte von 85 Jahren und älter. 3,8 Prozent der Studienteilnehmer verwiesen auf einen Migrationshintergrund. Wenn nicht ausdrücklich ausgewiesen, beziehen sich alle Aussagen der Studie auf die Befragung "50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008". Alle in der Studie verwandten Formulierungen zur Darstellung von Auskünften der Befragten beziehen sich auf die ab 50-jährigen Befragungsteilnehmer/-innen aus Steglitz-Zehlendorf bzw. auf nach soziostrukturellen Merkmalen ausgewählte Gruppen von ihnen. Die Studie bemüht sich um eine sozialräumlich differenzierte Aufbereitung der Ergebnisse und verzichtet auf die Darstellung der Aussagen bei zu geringen Fallzahlen. In den graphischen und tabellarischen Auswertungen auftretende minimale Differenzen entstehen aus Rundungen. Unser Dank gilt allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern an der Befragung, die mit ihren Aussagen Einblick in ihre Lebenssituation und ihre weitere Lebensplanung gewährten. Für fachliche Begleitung, förderliche Kritik, vielseitige Unterstützung danken wir der Abteilung Soziales und Sport des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf, der bezirklichen Seniorenvertretung und den im Bezirk tätigen Akteuren auf dem Gebiet der öffentlichen Altenhilfe.

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50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

2.

Die ab 50-Jährigen im Bezirk Steglitz-Zehlendorf - ein Sozialporträt

Im Zentrum der vom Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum Berlin-Brandenburg vorgelegten Studie stehen die ab 50-jährigen Bürgerinnen und Bürger des Bezirkes, deren Lebensverhältnisse, ihre Zukunftsaussichten, ihre Erwartungen sowie ihre Lebensansprüche an sich selbst und an die Gesellschaft. Im 2. Kapitel soll von dieser Gruppe ein Sozialporträt gezeichnet werden, das die ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf als einen Teil der Berliner Bevölkerung insgesamt zeigt und zugleich auch deren Einbindung in die Bevölkerung des Bezirkes vorstellt. In Bezug auf wichtige soziostrukturelle Merkmale der ab 50-Jährigen soll ein Vergleich mit der Gesamtheit der Einwohner vorgenommen werden, um auf die soziale Spezifik dieser Gruppe aufmerksam zu machen. Diese Gesamtsicht auf den Bezirk und seine Bewohner ermöglicht darüber hinaus auch schon die Feststellung sozialer Bedarfe der älteren Generation und markiert damit wichtige Grundlagen für die bezirkliche Sozialplanung. Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf von Berlin ist einer der zwölf Berliner Bezirke. In Steglitz-Zehlendorf lebten im Jahre 2008 insgesamt 8,6 Prozent der Berliner Einwohner (vgl. Abbildung 2.1 - S. 8). Ohne einen vollständigen Abgleich mit den anderen Berliner Bezirken anzustreben, soll im Zusammenhang mit der bezirklichen Seniorenpolitik auf drei demographische Besonderheiten von Steglitz-Zehlendorf aufmerksam gemacht werden: Erstens war Steglitz-Zehlendorf im Jahre 2008 der Berliner Bezirk mit dem höchsten Durchschnittsalter der Einwohner. Während das Durchschnittsalter in Berlin insgesamt bei 42,6 Jahren lag, waren die Bürgerinnen und Bürger in Steglitz-Zehlendorf durchschnittlich 45,6 Jahre alt (vgl. Abbildung 2.2). Diese allgemeine Aussage bezüglich des Durchschnittsalters wird bekräftigt, wenn man den Altersaufbau der Bevölkerung der Bezirke nach bestimmten Altersphasen vergleicht. So schwankt z.B. der Anteil der ab 50-Jährigen in den Berliner Bezirken zwischen 44,3 Prozent in SteglitzZehlendorf und 23,4 Prozent in Friedrichshain-Kreuzberg (vgl. Abbildung 2.3). Zweitens muss festegestellt werden, dass der Bezirk Steglitz-Zehlendorf das am stärksten von Frauen dominierte Geschlechterverhältnis der Einwohner aufweist. In Berlin insgesamt wird ein Geschlechterverhältnis von 51,1 Prozent Frauen und 48,9 Prozent Männern ausgewiesen. Ebenfalls ein hoher Frauenanteil ist in den Bezirken CharlottenburgWilmersdorf (52,5 Prozent), in Spandau und Reinickendorf (jeweils 52 Prozent), in Tempelhof-Schöneberg (51,8 Prozent) und in Treptow-Köpenick (51,6 Prozent) zu verzeichnen. Der höchste Frauenanteil wurde mit 53,6 Prozent in Steglitz-Zehlendorf erreicht (vgl. Abbildung 2.4). Drittens wäre der neben Treptow-Köpenick (9,3 Prozent), Marzahn-Hellersdorf (11,9 Prozent), Pankow (13,9 Prozent) und Lichtenberg (15,9) relativ niedrige Anteil an Einwohnern mit Migrationshintergrund zu nennen. Dieser Anteil beträgt in Steglitz-Zehlendorf 21,9 Prozent (Abbildung 2.5).
1

2.1

Die ab 50-Jährigen - eine wichtige Gruppe der Einwohner des Bezirkes Steglitz-Zehlendorf

Von den Einwohnern des Bezirkes Steglitz-Zehlendorf (288.062 Personen) sind 15 Prozent Kinder und Jugendliche im Alter von unter 18 Jahren. Eine große Gruppe von 40,5 Prozent ist zwischen 18 bis unter 50 Jahre alt. Aus ihr rekrutiert sich der Hauptteil des Erwerbspotenzials im Bezirk. 44,5 Prozent sind 50 Jahre und älter. Vor allem die letztere Gruppe steht im Vordergrund der Untersuchung. Dabei ist davon auszugehen, dass die ab 50-Jährigen keineswegs eine homogene Gruppe sind. Ausgehend von der gestiegenen Lebenserwartung, von einem differenzierten Altersverlauf mit einer bis zu 30-jährigen Zeitspanne, vom Wandel der individuellen Erwerbsbeteiligung, vom Wandel einer überwiegend partnerschaftlichen zu einer singulären Lebensform, von Veränderungen der gesundheitlichen Situation und den Wohnbedürfnissen sowie dem

1

Die Statistischen Angaben beziehen sich, wenn nicht ausdrücklich anders angegeben, auf die "melderechtliche registrierten Einwohner am Ort der Hauptwohnung in Berlin am 31.12.2008" (Hrsg.: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg 2009) als dem Jahr der empirischen Befragung. 7

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Eintreten von Hilfebedarf bei der selbstständigen Alltagsbewältigung bis hin zum Eintritt von Pflegebedürftigkeit vollzieht sich der Alterungsprozess der Menschen individuell sehr unterschiedlich. Abbildung 2.1 und 2.2: Steglitz-Zehlendorf als einer von zwölf Berliner Bezirken nach Anteil und Durchschnittsalter der Einwohner - 2008 - in Prozent -

Anteil der Einwohner
Neukölln Tempelhof-Schöneberg 7 7,3 Lichtenberg 7,5 7,2 Reinickendorf 9,6 7,8 Mitte FriedrichshainFriedrichshainKreuzberg Kreuzb 10,6 CharlottenburgCharlottenburgWilmer Wilmersdorf
B

Treptow-Köpenick Marzahn-Hellersdorf

50

Durchschnittsalter

9,1 9,7 Steglitz-Zehlendorf 8,6
30 42,6 45,6 45,4 45 45 44,3 43,9 43,1 42,1 41,6 40,4 40

6,4 9,2 Spandau

20

39,5

37,2

10

0
l in er in . sg f g k u rf rf rg lln or ic er da do do be kö sd en eb rs an en en er eu öp ön l le N Sp ck ht -K i lm ic ch ni he w L W ei -S to R hn glit of ep ur za lh eg ar Tr nb St pe M tte em T rlo ha C Ze ze hl f or nd Pa ow nk M e itt -K in re r be uz g

Pankow

ie Fr

ic dr

ha hs

Berechnet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Melderechtlich registrierte Einwohner am Ort der Hauptwohnung in Berlin per 31.12.2008, Berlin 2009

Abbildung 2.3 und 2.4:
Berlin insg. Steglitz-Zehlendorf Reinickendorf Charlottenbg.-Wilmersdorf Spandau Treptow-Köpenick Tempelhof-Schöneberg Lichtenberg Marzahn-Hellersdorf Neukölln Mitte Pankow Friedrichsh.-Kreuzberg 80 60

Melderechtlich registrierte Einwohner am Ort der Hauptwohnung in Berlin nach Bezirken und Altersphasen sowie Frauenanteil an den Einwohnern der Berliner Bezirke - in Prozent* 48 15 18 12 5 2

Steglitz-Zehlendorf Charlottenburg-Wilmersdorf

53,6 52,5 52,0
52

41 40 45 42 46 45 49 48 48 54 56 62

15 16 12 16 13 15 13 14 16 16 14 15

21 21 22 20 17 21 19 22 18 16 14 13 9 10 6 31 11

15 15 13 14 16 12 13 10

6 3 6 2 6 3 6 2 7 2 5 2 6 2 4 5 2
1

Spandau Reinickendorf Tempelhof-Schöneberg Treptow-Köpenick Berlin insgesamt Lichtenberg Pankow Marzahn-Hellersdorf Neukölln Friedrichshain-Kreuzberg

52,0
52

51,8 51,6 51,1 51,1 50,9 50,7 50,2 48,9 48,7 40 45 50 55 60

4

1

52

40

20 unter 18 J. 65 b.u. 75 J.

0 18 b.u. 50 J. 75 b.u. 85 J.

20

40

60

80

Mitte

50 b.u. 65 J. 85 J. u. ält.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Berechnet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Melderechtlich registrierte Einwohner am Ort der Hauptwohnung in Berlin per 31.12.2008, Berlin 2009

Abbildung 2.5:
50

Anteil der Einwohner mit Migrationshintergrund in den Berliner Bezirken - 2008 - in Prozent Anteil der Personen mit Migrationshintergrund in Berlin = 26,1 Prozent

40

30
2 6 ,1 2 6 ,1

44,9 20 37,2 33,2 25,2 10 13,9 9,3 0 Mitte Friedric hshainKreuzberg P ankow Charlotten- S panburg-W ildau mersdorf S teglitz- T empelZehlen- hof-Schödorf neberg Neukölln T reptow- Marzahn- Lic htenKöpeHel lers berg nic k dorf Reinickendorf 21,9 15,9 11,9 30,9 22,2 39,5

Berechnet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Melderechtlich registrierte Einwohner am Ort der Hauptwohnung in Berlin per 31.12.2008, Berlin 2009

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50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die aufgeführten Merkmale des Älterwerdens lassen sich nicht schematischen Altersgruppen zuordnen. Vor allem, um die individuell verschieden ablaufenden fließenden Übergänge hervorzuheben, soll hier und im Folgenden von Altersphasen gesprochen werden. Deren Einteilung in     künftige Senioren - im Alter von 50 bis unter 65 Jahren, junge Alte - im Alter von 65 bis unter 75 Jahren, Alte im fortgeschrittenen Alter - von 75 bis unter 85 Jahren und Hochbetagte - im Alter von 85 Jahren und älter

ist zwar aus Gründen der statistischen Darstellung an Altersjahre gebunden, soll aber zugleich unterstreichen, dass der individuelle Altersverlauf einerseits aufgrund körperlicher, geistiger und mentaler Fitness abgebremst wird und andererseits durch Mobilitätseinschränkungen und Eintritt von Pflegebedürftigkeit beschleunigt werden kann. Im Jahre 2008 lebten insgesamt 128.047 ab 50-jährige Bürgerinnen und Bürger im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Davon waren 56,5 Prozent Frauen und 43,5 Prozent Männer. Von den ab 50-jährigen Einwohnern waren 118.855 deutsche und 9.192 ausländische Staatsbürger. Der Ausländeranteil dieser Gruppe betrug insgesamt 7,2 Prozent. Der Anteil der ausländischen Frauen (4.683 Personen) lag bei 6,5 Prozent und bei den Männern (4.509 Personen) bei 8,1 Prozent. Die Verteilung der ab 50-Jährigen nach Altersphasen weist die künftigen Senioren mit 59.766 Personen als die größte Gruppe aus. Sie umfasst 46,7 Prozent aller ab 50-Jährigen im Bezirk. Der Frauenanteil bei den künftigen Senioren beträgt 53,3 Prozent. 10,3 Prozent (6.127 Personen) der künftigen Senioren in Steglitz-Zehlendorf sind ausländische Staatsbürger. 34,7 Prozent der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf (41.899 Personen) gehören zu den jungen Alten, darunter 53,8 Prozent Frauen. Von ihnen sind 4,7 Prozent ausländische Mitbürger (1.965 Personen). Die Gruppe der Alten im fortgeschrittenen Alter zählt im Jahre 2008 in Steglitz-Zehlendorf 17.959 Personen, darunter 62,5 Prozent Frauen. Die Gruppe weist einen Ausländeranteil von 4,2 Prozent aus. Hochbetagte sind unter den ab 50-Jährigen mit 6,6 Prozent (8.423 Personen) vertreten, davon 78,8 Prozent Frauen. In dieser Gruppe beträgt der Ausländeranteil ebenfalls 4,2 Prozent. Wie der Altersaufbau der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf erkennen lässt, besteht schon bei den künftigen Senioren ein deutlicher Frauenüberschuss. Aufgrund der höheren Lebenserwartung der Frauen nimmt dieser nach dem 75. Altersjahr verstärkt zu und führt zu einer sukzessiven Feminisierung bei den Alten im fortgeschrittenen Alter und bei den Hochbetagten (vgl. Abbildung 2.6). Der Anteil der Migranten an den ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf (9.192 Personen) konzentriert sich zu 66,6 Prozent bei den künftigen Senioren. Das verbleibende Drittel verteilt sich zu 21,4 Prozent auf die jungen Alten, zu 8,1 Prozent auf die Alten im fortgeschrittenen Alter und zu 3,8 Prozent auf die Hochbetagten. Abbildung 2.6 und 2.7: Altersaufbau der Einwohner insgesamt und nach Staatsangehörigkeit - Steglitz-Zehlendorf 2008 110 105 100 95 90 85 80 75 70 65 60 55 50 45 40 35 30 25 20 15 10 5 unter 1 3000 2500 2000 1500 1000 500 Männer Männerüberschuss 0 500 1000 1500 2000 2500 3000 Frauen Frauenüberschuss
künftige Senioren 50 b.u. 65 Jahre Hochbetagte 85 Jahre u. älter Alte im forgeschrittenen Alter - 75 b.u.85 Jahre j unge Alte 65 b.u. 75 Jahre

110 105 100 95 90 85 80 75 70 65 60 55 50 45 40 35 30 25 20 15 10 5 unter 1 3000 2500 2000 1500 1000 500 männlich-ausl. mänlich-deutsch 0 500 1000 1500 2000 2500 3000 weiblich-ausl. weiblich-deutsch
künftige Senioren 50 b.u. 65 Jahre Hochbetagte 85 Jahre u. älter Alte im forgeschrittenen Alter - 75 b.u. 85 Jahre j unge Alte 65 b.u. 75 Jahre

Berechnet nach: Materialien des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg 2009

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50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Im Jahre 2008 lebten in Steglitz-Zehlendorf insgesamt 128.047 Einwohner im Alter von ab 50 Jahren, darunter 9.192 Ausländer. Aus der Sicht der Sozialplanung ist es wichtig zu wissen, wie sich diese Einwohner nach Altersphasen strukturiert sozialräumlich verteilen, um dies den Planungsabläufen zu Grunde zu legen. Die sozialräumliche Verteilung der ab 50-Jährigen im Bezirk Steglitz-Zehlendorf weist im Jahre 2008 in der Bezirksregion Teltower Damm die stärkste Konzentration der ab 50-Jährigen mit einem Anteil von 48,2 Prozent aus; der geringste Anteil der ab 50-Jährigen mit 40,4 Prozent wurde in der Bezirksregion Schloßstraße festgestellt (vgl. Abbildung 2.8). Abbildung 2.8: Ab 50-jährige Einwohner - darunter Ausländer - nach Bezirksregionen - Steglitz-Zehlendorf 2008 BR 1 Schloßstraße 8.389 Einw. 802 Ausl.

BR 8 Zehlendorf Nord 18.921 Einw. 1.461 Ausl. BR 6 Drakestraße 18.669 Einw. 1.356 Ausl.

BR 2 Albrechtstr. 20.291 Einw. 1.743 Ausl.

BR 7 Zehlendorf Südwest 11.548 Einw. 768 Ausl.

BR 5 Teltower Damm 15.640 Einw. 918 Ausl.

BR 3 Lankwitz 18.496 Einw. 1.161 Ausl.

BR 4 Ostpreußendamm 16.093 Einw. 983 Ausl.

Gestaltet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Lebensweltlich orientierte Räume im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, Berlin 2009; Melderechtlich registrierte Einwohner am Ort der Hauptwohnung in Berlin - 31.12.2008, Hrsg. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg 2009

Betrachtet man diese Verteilung nach Altersphasen, so stellen die künftigen Senioren unter den ab 50-Jährigen die stärkste Gruppe. Der Anteil der künftigen Senioren an der Bevölkerung verteilt sich relativ gleichmäßig zwischen 20 Prozent (Bezirksregionen zwei und drei) und 21,6 Prozent (Bezirksregion eins) auf alle Bezirksregionen. Die Altersphasen des Seniorenalters erreichen demgegenüber in Folge des natürlichen Lebensablaufes zunehmend geringere Anteile an der Bevölkerung. Schon bei den jungen Alten schwanken die Bevölkerungsanteile zwischen 11,3 Prozent in der Bezirksregion eins und 16,6 Prozent in der Bezirksregion fünf. Die Alten im fortgeschrittenen Alter sind mit 7,3 Prozent in der Bezirksregion drei am stärksten vertreten und bilden in der Bezirksregion eins mit 4,9 Prozent den geringsten Anteil. Der Anteil der Hochbetagten ist in der Bezirksregion fünf mit 3,5 Prozent am höchsten und mit 2,4 Prozent in der Bezirksregion sechs am geringsten ausgeprägt (vgl. Abbildung 2.9). Die Struktur der ausländischen Bevölkerung - insgesamt 31.387 Personen - nach Altersphasen weist im Bezirk insgesamt und in allen Bezirksregionen einen wesentlich höheren Anteil der unter 50-Jährigen (22.195 Personen) aus. Unter den ab 50-Jährigen (9.192 Personen) umfasst die Gruppe der künftigen Senioren ca. zwei Drittel (6.127 Personen) und auf die drei Altersphasen im Seniorenalter entfällt ein Drittel der Personen, davon 1.965 Personen als junge Alte, 747 Personen als Alte im fortgeschrittenen Alter und 353 Personen sind Hochbetagte. Die sozialräumliche Verteilung der ab 50-jährigen Ausländer lässt deren stärkste Präsenz in der Bezirksregion Teltower Damm erkennen und macht mit 24,7 Prozent in der Bezirksregion Zehlendorf Südwest auf den geringsten Anteil aufmerksam. Der Anteil der Gruppe der künftigen Senioren schwankt zwischen 22 Prozent in der Bezirksregion Teltower Damm und 16,3 Prozent in der Bezirksregion Zehlendorf Südwest. Die Anteile der jungen Alten an den Ausländern zeigen ebenfalls in der Bezirksregion Teltower Damm den größten (7,8 Prozent) und in der Bezirksregion Zehlendorf Südwest den geringsten (5,0 Prozent) Anteil. Der Anteil der Hochbetagten liegt bei den Ausländern zwischen 0,8 Prozent in der Bezirksregion Albrechtstraße und 1,7 Prozent in der Bezirksregion Zehlendorf Nord.

10

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 2.9 und 2.10: Struktur der Bevölkerung insgesamt nach Altersphasen und Bezirksregionen - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent Einwohner insgesamt
100 2,9 6,2 14,5 80 20,7 60 21,6 20 20 21,3 2,6 4,9 11,3 2,6 5,6 12,4 3 7,3 15,5 3 6,4 16 3,5 7,2 16,6 2,4 5,2 13,8 3,1 6,2 15,1 3,4 6,8 15,5
80 100 1,1 2,4 6,3 19,5 1,1 2,4 6,3 19,5 0,8 2,1 5,9 19,6

ausländische Einwohner
1,1 3,1 6,8 18,5 1,1 2 7,1 19,7 1 2,4 7,8 22 1,1 2,3 5,8 18,4 1,1 2,4 5 16,3 1,7 2,8 6,6 21,3

20,8 20,9

21,4

20,8
60

40 55,5 20 59,6 59,4 54,2 53,3 51,8 57,7 54,2 53,6

40

70,7

70,7

71,5

70,5

70,1

66,8

72,4

75,3

67,6

20

0 Bezirk insgesamt BR1 Schloßstraße BR2 Albrechtstraße BR3 Lankwitz BR4 BR5 Ostpreu- Teltower ßendamm Damm BR6 Drakestraße BR7 Zehlend. Südwest BR8 Zehlend. Nord

0 Bezirk insgesamt BR1 Schloßstraße unter 50 Jahren BR2 Albrechtstraße BR3 Lankwitz BR5 BR4 Ostpreu- Teltower ßendamm Damm BR6 Drakestraße BR7 Zehlend. Südwest BR8 Zehlend. Nord

unter 50 Jahre

50 b.u. 65 Jahre

65 b.u. 75 Jahre

75 b.u. 85 Jahre

50 b.u. 65 Jahre

85 Jahre u. ält.

65 b.u. 75 Jahre

75 b.u. 85 Jahre

85 Jahre u. ält.

Berechnet nach: Materialien des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg 2009

Betrachtet man das Geschlechterverhältnis der Einwohner aus Steglitz-Zehlendorf, so stellt man ab dem 20. Altersjahr einen durchgängigen Frauenüberschuss fest. Im höheren Lebensalter vollzieht sich auch bei den Einwohnern aus Steglitz-Zehlendorf in Folge der unterschiedlichen Lebenserwartung von Frauen und Männern eine weiter zunehmende Feminisierung. Während dieses frauendominierte Geschlechterverhältnis bei den ab 50-Jährigen bis zu den unter 70-Jährigen relativ konstant einen Frauenüberschuss von 6 Prozent anzeigt, setzt bei den ab 70-Jährigen vor allem durch Verwitwung ein starker Anstieg des Frauenanteils ein. Dieser steigt von 55 Prozent bei den 70- bis unter 75-Jährigen auf 87 Prozent bei den 100- bis unter 105-Jährigen an. In Anbetracht der Relevanz dieses Aspekts für die Sozialplanung soll auf die Unterschiede im Geschlechterverhältnis der ab 50-jährigen deutschen und ausländischen Einwohner aufmerksam gemacht werden. Während bei den deutschen Einwohnern vor allem in den höheren Lebensjahren im Ergebnis des 2. Weltkrieges ein drastischer Männerverlust und sich damit eine hochgradige Feminisierung der deutschen Einwohner vollzieht, offenbart das Geschlechterverhältnis bei den ausländischen ab 50-jährigen Einwohnern ein ausgeglicheneres Bild. Dabei ist hervorzuheben, dass in dieser Gruppe durch die anfänglich überwiegende Zuwanderung von männlichen Arbeitskräften und einen späteren Familiennachzug über viele Jahre ein günstigeres Geschlechterverhältnis entstand als bei den deutschen Einwohnern. Bei den aktuell 65- bis unter 85-Jährigen besteht noch immer ein Männerüberschuss. Ab dem 80. Lebensjahr kommt es auch bei den ausländischen Einwohnern zu einer Feminisierung. Diese verläuft aber aufgrund der nicht durch Kriegsfolgen beeinträchtigten Lebenserwartung der Männer moderater als bei den deutschen Einwohnern (vgl. Abbildung 2.11). Abbildung 2.11: Geschlechterstruktur der ab 50-jährigen Einwohner nach Altersgruppen - Steglitz-Zehlendorf 2008 - absolut deutsche Einwohner
100

ausländische Einwohner

80

53

54

53

54

55

59 68 77 82 86

51 67 91

51

53

46

47

49

57 67

62

66

63

67

60

40 47 20 47 46 49 32 23 0
50 b. u.55 55 b. u.60 60 b. u.65 65 b. u.70 70 b. u.75 75 b. u.80 80 b. u.85 85 b. u.90 90 b. 95 b. 100 b. 105 J. u.95 u.100 u.105 u.ält. 50 b. u.55 55 b. u.60 60 b. u.65 65 b. u.70 70 b. u.75 75 b. u.80 80 b. u.85 85 b. u.90 90 b. 95 b. 100 b. 105 J. u.95 u.100 u.105 u.ält.

46

45

41 18 14

49

47

54

53

51

43 33

33 9

38

34

37

33

Männer

Frauen

Berechnet nach: Materialien des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg 2009

11

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Aus den absehbaren Veränderungen in der Altersstruktur der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf für die kommenden 15 Jahre wird erkennbar, dass mit den heutigen künftigen Senioren eine starke Bevölkerungsgruppe (20,7 Prozent) in das Seniorenalter hineinwächst und die zweitstärkste Gruppe, die jungen Alten (14,5 Prozent), in die nächst höheren Altersphasen eintritt. Unter Berücksichtigung der weiterhin steigenden Lebenserwartung ist davon auszugehen, dass auch von den Alten im fortgeschrittenen Alter mehr als bisher das Alter der Hochbetagten erreichen. Daraus ist ableitbar, dass die Anforderungen an die bezirkliche Altenhilfe eine größere Dimension annehmen werden. Darüber hinaus signalisiert die Entwicklung der ausländischen ab 50-jährigen Einwohner ebenfalls eine deutliche Zunahme des Ausländeranteils in der künftigen Seniorenschaft und damit möglicherweise auch den wachsenden Bedarf an die Integration unterstützenden kultursensiblen Altenhilfeangebote im Bezirk. Das bestehende Geschlechterverhältnis der Einwohner insgesamt unterstreicht, dass auch in den kommenden Jahren die Bedarfe an Altenhilfeangeboten überwiegend an weiblichen Interessenlagen orientiert sein müssen. Dennoch ist zu beachten, dass mit der Überwindung der Folgen des 2. Weltkrieges für die Bevölkerungsentwicklung auch mit einer zunehmenden Lebenserwartung von deutschen Männern zu rechnen ist. Außerdem stellt sich die Frage nach kultursensiblen männerorientierten Altenhilfeangeboten schon gegenwärtig. Bevölkerungsprognose Die von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vorgelegte Bevölkerungsprognose für Berlin und die Bezirke 2007 bis 2030 gestattet den Bezirken eine Vorausschau auf die künftige Bevölkerungsstruktur nach Alter und Geschlecht und bietet damit wichtige Grundlagen für die Sozialplanung. Das betrifft sowohl die Bedarfsentwicklung für das seniorengerechte Wohnen, für die Pflegeinfrastruktur, für die Entwicklung der Beratungs- und Freizeitangebote im weitesten Sinne. Grundlage dieser Prognose sind die Daten des Einwohnerregisters mit dem Stand vom 31.12.2007. Von den vorgelegten drei Varianten wird der Basisvariante von den Autoren die höchste Wahrscheinlichkeit zugewiesen. Diese Basisvariante begründet sich auf folgende Annahmen:   "Die wirtschaftliche Entwicklungsdynamik ist positiv; die industriell-gewerbliche Basis ist gefestigt. Unternehmensneuansiedlungen erfolgen insbesondere in überregionalen Dienstleistungen (Medien, Kultur, Tourismus).    Der Umzug nachfolgender Bundesinstitutionen bringt weitere Impulse. Die EU-Osterweiterung bringt ausgehend von einem relativ geringen Niveau zunehmende Impulse für Berlin. Der Wohnungsneubau in Stadt und Umland konsolidiert sich auf niedrigem Niveau; die Abwanderungen in das Umland gehen weiter zurück."
2

Auf der Grundlage dieser Prognose zeichnet sich für die Jahre bis 2030 eine Zunahme der Bevölkerung von 287.086 im Jahre 2007 auf 295.783 Personen ab. Das entspricht einem Anstieg von drei Prozent (+8.697 Personen). Die Anzahl der Frauen steigt von 154.101 im Prognosezeitraum auf 159.249 und die der Männer von 132.985 auf 136.534 an. Damit wird bei den Frauen eine Zunahme um 3,3 Prozentpunkte und bei den Männern um 2,7 Prozentpunkte erwartet (vgl. Abbildung 2.12).

2

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Ref. I A - Stadtentwicklungsplanung und Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Kurzfassung - Bevölkerungsprognose für Berlin und die Bezirke 2007 - 2030, Berlin 2009, S. 5.

12

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 2.12: Entwicklung der Einwohner nach Altersphasen - Steglitz-Zehlendorf - 2007 bis 2030 - absolut 2030 2028 2026 2024 2022 2020 2018 2016 2014 2012 2010 2008 Bas is jahr 2007 0
41.837 41.916 41.984 42.076 42.158 42.242 42.356 42.437 42.471 42.557 42.612 42.643 42.717 42.774 42.807 42.951 43.132 43.222 43.170 43.182 43.178 43.231 43.303 43.454 105.506 105.671 105.732 105.701 105.628 105.551 105.399 105.233 105.036 104.914 105.111 105.414 105.910 106.759 107.796 108.877 110.081 111.355 112.783 113.892 114.836 115.670 116.434 116.771 61.534 62.406 63.433 64.524 65.478 66.198 66.834 67.436 67.849 67.994 67.774 67.470 66.872 66.160 65.352 64.565 63.913 63.230 62.328 61.413 60.181 59.444 59.845 61.053 41.183 40.182 39.076 38.104 37.341 36.958 36.940 36.975 37.088 37.098 36.610 36.434 37.213 38.179 38.878 39.898 40.509 40.858 41.078 41.484 42.433 42.856 41.869 39.451 28.511 28.330 28.746 29.265 29.653 30.217 30.495 30.672 30.830 31.155 31.956 32.371 31.710 30.113 28.675 26.690 24.896 17.212 17.337 16.908 16.225 15.625 14.658 13.707 12.812 12.043 11.291 10.577 9.923 9.411 9.399 9.404 9.399 9.277

23.334 9.131 22.052 8.997 20.732 8.949 19.624 8.779 18.656 8.599 17.906 8.509 17.961 8.396

50.000 unter 18 J ahre

100.000

150.000

200.000

250.000

300.000

18 b.u. 50 J ahre

50 b.u. 65 J ahre

65 b.u. 75 J ahre

75 b.u. 85 Jahre

85 Jahre u. ält.

Berechnet nach: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Einwohnerprognose 2007 - 2030, Grundlage: Daten des Einwohnerregisters, Ausgangsdatenbestand 31.12.2007

Nach Altersphasen betrachtet ergeben sich Verschiebungen in der Altersstruktur der Einwohner in folgenden Positionen (vgl. Tabelle 2.1):  Die Gruppe der unter 18-Jährigen verringert sich im Prognosezeitraum um 3,7 Prozentpunkte, stärker bei den Frauen als bei den Männern.  Der Anteil der 18- bis unter 50-Jährigen und damit der Hauptteil des Erwerbspotenzials sinken um 9,6 Prozentpunkte. Der Rückgang beträgt bei den Männern 11,3 Prozent und bei den Frauen 8,1 Prozent.  Die Gruppe der künftigen Senioren (50 bis unter 65 Jahre), die mehrheitlich noch zum Erwerbspotenzial zu rechnen sind, nimmt um 0,8 Prozentpunkte (= 481 Personen) zu, so dass damit der Rückgang des Erwerbspotenzials nicht wesentlich beeinflusst wird.  Die Gruppe der jungen Alten (65 bis unter 75 Jahre) nimmt um 4,4 Prozentpunkte (= 1.732 Personen) zu. Der Zugewinn ergibt sich aus 5,9 Prozent mehr Frauen und 2,6 Prozent mehr Männern.  Die Alten im fortgeschrittenen Alter von 75 bis unter 85 Jahren erfahren im Prognosezeitraum die stärksten Zunahmen. So wird erwartet, dass im Jahre 2030 in Steglitz-Zehlendorf in dieser Gruppe 5.229 Frauen und 5.321 Männer mehr leben als das im Jahre 2007 der Fall war. Das entspricht einem Anstieg um 58,7 Prozentpunkte (Frauen +45,5 Prozent und Männer +82,2 Prozent).  Ebenfalls mit einem noch großen Zuwachs wird für die Gruppe der Hochbetagten von 85 Jahren und älter gerechnet. Die Anzahl der ab 85-Jährigen wächst im Prognosezeitraum von 8.396 Personen im Jahre 2007 auf 17.212 Personen im Jahre 2030 an. Das entspricht einem Anstieg um 105 Prozentpunkte. Die Anzahl der Männer steigt von 1.758 bis auf 6.322 Personen an (+259,6 Prozent) und die der Frauen von 6.638 auf 10.890 (+64,1 Prozent). Für die bezirkliche Sozialplanung verändern sich im Prognosezeitraum vor allem durch den Anstieg der Einwohner im Seniorenalter wesentliche Planungsvoraussetzungen. Die erhebliche Zunahme der Alten im fortgeschrittenen Alter und der Hochbetagten erfordern die Berücksichtigung der ansteigenden Bedarfe sowohl an sozialer Kommunikation sowie an Service und Hilfe bei der Alltagsbewältigung und zur Gewährleistung einer selbstbestimmten Lebensführung in der eigenen Häuslichkeit als auch an die Pflegeinfrastruktur.

13

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Tabelle 2.1: Veränderungen der Altersstruktur der Bevölkerung im Prognosezeitraum von 2007 bis 2030 - Steglitz-Zehlendorf - in Prozent 18 bis unter 50 Jahre 50 bis unter 65 Jahre 65 bis unter 75 Jahre Frauen 2030 2025 2020 2015 2010 2007 96,0 96,9 97,8 98,9 99,4 100 91,9 91,8 91,3 94,3 99,0 100 100,7 108,4 110,7 105,9 99,1 100 105,9 95,9 95,7 102,3 107,5 100 Männer 2030 2025 2020 2015 2010 2007 96,6 97,5 98,3 98,8 99,3 100 88,7 88,9 88,6 92,0 97,6 100 100,9 108,4 111,3 105,6 98,0 100 102,6 91,1 89,4 99,8 107,7 100 insgesamt 2030 2025 2020 2015 2010 2007 96,3 97,2 98,1 98,8 99,4 100 90,4 90,4 90,0 93,2 98,3 100 100,8 108,4 111,0 105,8 98,6 100 104,4 93,7 92,8 101,1 107,6 100 158,7 168,2 177,9 148,6 109,3 100 205,0 174,6 126,0 111,9 104,6 100 103,0 103,0 102,6 101,8 100,7 100 182,2 197,3 212,0 176,1 121,8 100 359,6 301,6 200,9 151,8 112,3 100 102,7 102,9 102,7 102,0 100,7 100 145,5 151,9 158,7 133,1 102,2 100 164,1 140,9 106,1 101,4 102,5 100 103,3 103,2 102,6 101,7 100,6 100 75 bis unter 85 Jahre 85 Jahre u. älter insgesamt

Jahr

0 bis unter 18 Jahre

Berechnet nach: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Einwohnerprognose 2007 - 2030, Grundlage: Daten des Einwohnerregisters, Ausgangsdatenbestand 31.12.2007

Der sich im Prognosezeitraum vollziehende Rückgang bei den 18- bis unter 50-Jährigen sollte im Zusammenhang mit der erwerbsbedingten Mobilität der erwachsenen Kinder der jeweiligen Senioren als Beleg für den Rückgang der familialen Hilfs- und Pflegepotenziale bewertet werden. Die Entwicklung der Geschlechterstruktur der Einwohner des Bezirkes in den Jahren von 2007 bis 2030 unterstreicht den Fortbestand einer überwiegend von Frauen dominierten Einwohnerschaft für die nahe Zukunft. Einzig in der Gruppe der unter 18-Jährigen stabilisiert sich ein konstanter Männerüberschuss. Der in den kommenden Jahren stärkere Anstieg auch der ferneren Lebenserwartung von Männern wird einen leichten Rückgang des Frauenüberschusses bewirken (vgl. Abbildung 2.13). Dennoch wird sich vor allem bei den ab 75-Jährigen auch künftig eine Feminisierung vollziehen, so dass sich die Sozialplanung geschlechtsspezifisch auf weiblich geprägte Bedarfe stärker einstellen muss.

14

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 2.13: Prognose der Einwohnerentwicklung nach Altersphasen und Geschlecht - Steglitz-Zehlendorf - 2007 bis 2030 - absolut T aus ende

Frauen

Männer

150

100

50

0

hr ja 7 s is 2 0 0 Ba

20

10

20

12

20

14

1 20

6

18 020 022 024 026 028 030 2 2 2 2 2 2 20
0 bis unter 18 Jahre 65 bis unter 75 Jahre

20

08

1 20

0

1 20

2

14 016 018 020 022 024 026 028 030 2 2 2 2 2 2 2 2 20

18 bis unter 50 Jahre 75 bis unter 85 Jahre

50 bis unter 65 Jahre 85 Jahre u. ält.

Berechnet nach: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Einwohnerprognose 2007 - 2030, Grundlage: Daten des Einwohnerregisters, Ausgangsdatenbestand 31.12.2007

Der Familienstand der Einwohner und dessen Wandel bei den ab 50-Jährigen Trotz des schon seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts einsetzenden Wandels der Familienstrukturen und Bevorzugung der Lebensgemeinschaft an Stelle der ehelichen Gemeinschaft und des Anstiegs der Singles gibt der Familienstand dennoch Auskunft über die Formen des Zusammenlebens vor allem bei den ab 40-Jährigen. Von den Einwohnern des Bezirkes Steglitz-Zehlendorf sind 39 Prozent ledig, darunter 15 Prozent unter 18-Jährige. Die größte Gruppe, 43 Prozent, ist verheiratet und 10 Prozent haben die Ehe gelöst. Insgesamt 8 Prozent der Einwohner sind verwitwet. Während der Wandel der Familienstrukturen bei den unter 50-Jährigen hauptsächlich getragen wird durch Entscheidungen für ein Singledasein, für das Zusammenleben in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft und für ein zeitlich begrenztes Zusammenleben mit unterschiedlichen Partnern in Folge, steigt die Verheiratetenquote bei Männern und Frauen bis zum 50. Lebensjahr bundesweit auf ca. 70 Prozent an. Von einer solchen Entwicklung ist auch für die unter 50-jährigen Einwohner in Steglitz-Zehlendorf auszugehen. Von den ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf insgesamt sind 65 Prozent verheiratet, 8 Prozent sind ledig, 12 Prozent geschieden und 14 Prozent verwitwet. Dabei treten erhebliche geschlechtsspezifische Unterschiede hervor. Die Gesamtheit der ab 50-jährigen Frauen ist zu 56 Prozent verheiratet, davon leben 2 Prozent getrennt. 8 Prozent sind ledig geblieben, 15 Prozent geschieden und 20 Prozent sind verwitwet. Bei den Männern hingegen sind 78 Prozent verheiratet, davon 4 Prozent getrennt lebend. Neben 9 Prozent Ledigen waren weitere 8 Prozent geschieden und 5 Prozent sind verwitwet. Die wesentlich höhere Verheiratetenquote der Männer ist im Vergleich zu den Frauen auf einen wesentlich höheren Anteil an den Wiederverheiratungen nach Scheidung oder Verwitwung zurückzuführen. Aufgrund der unterschiedlichen Lebenserwartung der Geschlechter ist es Frauen vor allem im höheren Alter kaum möglich, einen neuen Partner zu finden. Von den Befragten gaben außerdem 3 Prozent an, in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft mit gemeinsamer Haushaltsführung zu leben. Die Verteilung nach dem Alter unterstreicht, dass diese Lebensform sich bei den künftigen Senioren (4 Prozent) und bei den jungen Alten etabliert hat, jedoch bei den Alten im fortgeschrittenen Alter (1 Prozent) nur im geringen Maße und bei den Hochbetagten nicht vertreten ist.
3

3

Vgl. Statistisches Jahrbuch 2008, S. 43. 15

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Der Wandel des Familienstandes im weiteren Lebensverlauf bei den ab 50-Jährigen wird im Unterschied zu den jüngeren Jahrgängen auch in Steglitz-Zehlendorf vor allem durch den Partnerverlust und die damit eintretende Singularisierung - vor allem von Frauen - bestimmt. Aufgrund der unterschiedlichen Lebenserwartung von Frauen und Männern werden Frauen jenseits des 70. Lebensjahres verstärkt durch Partnerverlust betroffen. Die Verwitwetenquote der Frauen steigt von 24 Prozent bei den 70- bis unter 75-Jährigen auf 73 Prozent bei den 85-Jährigen und Älteren an. Im Vergleich dazu nimmt die Verwitwung von Männern einen abgebremsten Verlauf. Die Verwitwetenquote der Männer steigt von 6 Prozent bei den 70- bis unter 75-Jährigen auf 46 Prozent bei den ab 85-Jährigen. Der Anteil der Ledigen nimmt bei den Männern im weiteren Lebensverlauf ab; bei den Frauen im fortgeschrittenen Alter jedoch nimmt er offensichtlich als eine Auswirkung des 2. Weltkrieges wieder zu. Für die künftigen Jahre ist mit einer Zunahme des Anteils der Ledigen bei Frauen und Männern zu rechnen. Dieser Trend dokumentiert sich in SteglitzZehlendorf schon gegenwärtig an der Entwicklung bei den unter 70-jährigen Frauen und Männern. Während der Anteil der Geschiedenen bei den Männern im Altersverlauf deutlich rückgängig ist, bleibt er bei den Frauen bis zu den Hochbetagten vor allem in Folge geringer Wiederverheiratung auf wesentlich höherem Niveau bestehen (vgl. Abbildung 2.14). Abbildung 2.14: Struktur des Familienstandes der Bevölkerung in Steglitz-Zehlendorf und dessen Veränderungen bei ab 50-Jährigen - in Prozent* Familienstand der Bervölkerung in Steglitz-Zehlendorf 2007 Veränderung des Familienstandes der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf 2008
Männer
85 J . u. ält. 80 b.u. 85 J . 13 3 46
1

Frauen
52
1

3 10 12 10 9 31 45 56 65 68 68 64 20 40 9

75 50 16 13 15 17 30 24 14 8

83 84 82 82 79 76 70 80 60 40 20

1

39

75 b.u. 80 J . 11 4 70 b.u. 75 J . 6 5

1

7 7 46 10 7 12 10 16 0 14

8 43 10

65 b.u. 70 J . 5 9 60 b.u. 65 J .2 9 55 b.u. 60 J .2 10 50 b.u. 55 J .2 12 100

16 6 17 5 60 80 100

ledig

verheiratet

ges c hieden

verwitwet

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Berechnet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Ergebnisse des Mikrozensus 2007 für Berlin, Berlin 2009; Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Der Wandel des Familienstandes gibt wichtige Hinweise auf die wahrscheinliche Lebensform von älteren und hochbetagten Personen und auf die aus dieser Lebenssituation erwachsenden Bedarfe an familialen oder außerfamilialen Hilfeund Pflegepotenzialen sowie an öffentlichen Rahmenbedingungen für eine eigenständige und selbstbestimmte Lebensführung der Senioren. Im Zusammenhang mit der auch für Steglitz-Zehlendorf zu erwartenden Bevölkerungsentwicklung und insbesondere der vorausberechneten Zunahme der Alten im fortgeschrittenen Alter und der Hochbetagten machen die schon aktuell sich vollziehenden Veränderungen des Familienstandes auf einen Anstieg des Hilfebedarfes zur selbstständigen Lebensführung von allein lebenden Frauen aufmerksam. Da man davon ausgehen kann, dass neben dem Partnerverlust auch eine Ausdünnung von familialen und außerfamilialen Netzen in der eigenen Generation erfolgt, sollten zur Prävention vor sozialer Isolierung diese Verluste durch öffentliche Angebote von sozialer Kommunikation und Beratung gemildert werden. Die quantitative Zunahme der allein lebenden Alten und Hochbetagten wird zugleich eine Veränderung im Bedarf an seniorengerechten Wohnungen hervorbringen.

16

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Unter Berücksichtigung, dass künftig mehr Ledige in das Seniorenalter eintreten als bisher, ist mit Bedarfsveränderungen zu rechnen. Da diese Gruppe häufiger kinderlos ist als Verheiratete, Geschiedene oder Verwitwete und ihre familialen Bindungen sich vorwiegend auf Personen aus der selben Generation konzentrieren, reduziert sich das familiale Hilfeund Pflegepotenzial beträchtlich. Ledige im höheren Lebensalter sind wahrscheinlich stärker als andere auf öffentliche Service- und Pflegeangebote angewiesen. Struktur der privaten Haushalte Unter einem Privathaushalt werden zusammen wohnende und zusammen wirtschaftende Gemeinschaften von Personen (Mehrpersonenhaushalte) sowie allein wohnende und wirtschaftende Personen (Einpersonenhaushalte) verstanden. Einem Mehrpersonenhaushalt können sowohl miteinander verwandte als auch familienfremde Personen angehören. Die Mehrheit der privaten Mehrpersonenhaushalte wird von Familien geführt. Die Struktur der privaten Haushalte der Einwohner in Steglitz-Zehlendorf für das Jahr 2007 wird von der amtlichen Statistik als eine Gesamtheit von 50 Prozent Einpersonenhaushalten, davon 28 Prozent von Frauen und 22 Prozent von Männern geführte Einpersonenhaushalte, 33 Prozent Zweipersonenhaushalten, 10 Prozent Dreipersonenhaushalten und 8 Prozent Vier- und Mehrpersonenhaushalten abgebildet. Diese Struktur wird wesentlich bestimmt durch den großen Anteil von Einpersonenhaushalten, der sich sowohl aus Haushalten junger Alleinlebender während der Ausbildung und vor einer Familiengründung sowie aus langfristigen Singlehaushalten unterschiedlicher Altersgruppen als auch aus durch Scheidung oder Verwitwung entstandenen Einpersonenhaushalten rekrutiert. Ein Drittel der privaten Haushalte sind überwiegend Partnerhaushalte bzw. Haushalte von Alleinerziehenden mit einem Kind. Bei den 18 Prozent Mehrpersonenhaushalten mit drei und mehr Personen handelt es sich überwiegend um Partnerschaften mit Kindern oder Alleinerziehende mit Kindern, aber auch um Einzelpersonen oder Partnerschaften, die pflegebedürftige Angehörige in ihren Haushalt integriert haben. Darüber hinaus können auch Wohngemeinschaften einen gemeinsamen Haushalt konstituieren. Die Haushaltsstruktur der ab 50-Jährigen im Bezirk unterscheidet sich von diesem Bild erheblich. Die Befragungsergebnisse belegen, dass die überwiegende Mehrheit dieser Gruppe (57 Prozent) in Zweipersonenhaushalten lebt, es folgen 29 Prozent, die einen Einpersonenhaushalt führen, davon 21 Prozent Frauen und 8 Prozent Männer. Des Weiteren leben 8 Prozent in einem Dreipersonenhaushalt und 5 Prozent in einem Vier- und Mehrpersonenhaushalt (1 Prozent = ohne Antwort). Die Befragungsergebnisse lassen bei den ab 50-Jährigen deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede in Bezug auf die Haushaltsstruktur erkennen. Von allen ab 50-jährigen Frauen führen 37 Prozent einen Einpersonenhaushalt, und 61 Prozent von ihnen leben in Mehrpersonenhaushalten (2 Prozent = ohne Antwort). Von den befragten Männern hingegen leben 81 Prozent in Mehrpersonenhaushalten und nur 19 Prozent in einem Einpersonenhaushalt. Mit ansteigendem Lebensalter und der damit einhergehenden Feminisierung und Singularisierung vollzieht sich ein Wandel in der Haushaltstruktur. Dieser zeichnet sich bei den Frauen als drastischer Anstieg der Einpersonenhaushalte ab. Dieser Anteil steigt auch in Steglitz-Zehlendorf von 26 Prozent bei den 50- bis unter 65-jährigen auf 74 Prozent bei den 85-jährigen und älteren Frauen an. Im Gegensatz dazu sinkt bei den Männern der Anteil der Einpersonenhaushalte von 20 Prozent bei den 50- bis unter 65-Jährigen auf 16 Prozent bei den 65- bis unter 75-Jährigen ab und steigt erst bei den 75- bis unter 85-jährigen (19 Prozent) und bei den ab 85-jährigen Männern auf 47 Prozent an. Das heißt, dass mehr als die Hälfte der hochbetagten Männer in einem Mehrpersonenhaushalt leben (vgl. Abbildung 2.15).

17

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 2.15: Struktur der privaten Haushalte - Steglitz-Zehlendorf 2007/2008 - in Prozent* private Haushalte insgesamt 2007 private Haushalte von ab 50-Jährigen 2008
Männer
0 ab 50-Jährige insg. 7 9

Frauen
19 37 51 7 32

65

darunter 28 22 50 b.u. 65 J. 11 14 8 33 10 65 b.u. 75 J. 14 79 16 37 59 2 2 55 20 26 56 12 6 0

75 b.u. 85 J. 13

77

19

60

36

11

2

85 J . u. ält. 2 8 100 Einpers onenhaus halt männlich Dreipersonenhaushalt 80

43 60 40

47 20 0 20

74 40 60

18 80

1

7 100

E inpers onenhaus halt weiblic h V ier- u. Mehrpersonenhaus halt

Zweipers onenhaushalt ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Berechnet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Ergebnisse des Mikrozensus 2007 für Berlin, Berlin 2009; Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Mit diesen Veränderungen sind tiefgehende Einschnitte in die Lebenssituation verbunden. Sie betreffen sowohl den Bereich der familialen Verhältnisse, hauptsächlich die Partnerbeziehungen, aber auch die finanziellen und die Wohnverhältnisse. Von diesen Veränderungen sind häufiger Frauen als Männer betroffen. In vielen Fällen bedingt der Wegfall eines Einkommens zugleich Umstellungen in den materiellen Lebensbedingungen. Das zieht nicht selten die Verkleinerung der Wohnung nach sich; benötigt werden vor allem bezahlbare seniorengerechte Wohnungen. Das heißt, neben den kostenintensiven Servicewohnanlagen für Senioren werden seniorengerechte Wohnangebote benötigt, die differenzierten Ansprüchen und finanziellen Möglichkeiten entsprechen.

2.2

Soziostrukturelle Differenzierung der ab 50-Jährigen innerhalb der Einwohnerschaft des Bezirkes im Vergleich mit den Einwohnern insgesamt

Die allgemeinen Bildungsabschlüsse und die erworbenen beruflichen Qualifikationen der Einwohner von SteglitzZehlendorf bestätigen die qualifizierten Voraussetzungen für die Beteiligung am Erwerbsleben. Sie bilden für die überwiegende Mehrheit der Einwohner die individuellen Grundlagen für ihre Erwerbsbeteiligung, für Erzielung eines eigenen Einkommens und die Realisierung von Lebensqualität. Allgemeine Schulabschlüsse und berufliche Qualifikation Für das Jahr 2007 weist der Mikrozensus für 81 Prozent der Einwohner von Steglitz-Zehlendorf eine abgeschlossene Schulbildung aus. Davon verfügen 19 Prozent über einen Volks- oder Hauptschulabschluss, 23 Prozent verfügen über einen Realschul- bzw. Mittelschulabschluss und 39 Prozent erwarben ein Abitur oder einen dem gleichgestellten Abschluss. Insgesamt 16 Prozent der Einwohner sind entweder noch nicht schulpflichtig oder noch Schüler. Ohne allgemeinbildenden Schulabschluss sind 3 Prozent der Einwohner. Für die Gruppe der ab 50-Jährigen differenziert sich die allgemeine Bildungsstruktur. Viele von ihnen haben ihre allgemeine Schulausbildung noch vor der Einführung der 9- bzw. 10-jährigen Schulpflicht absolviert. Zugleich trifft für die ab 65-Jährigen und Älteren zu, dass eine weiterführende Schule in der Regel für die Eltern mit finanziellen Aufwendungen verbunden war. Vor diesem Hintergrund wurde überwiegend Jungen der Zugang zur höheren Schulbildung ermöglicht. Für Mädchen, deren damalige Lebensorientierung vorrangig auf Familienarbeit ausgerichtet war, wurde höhere Schulbildung in geringerem Maße als erforderlich angesehen.

18

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die Befragungsergebnisse belegen, dass von den ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf 31 Prozent über einen Hauptoder Volksschulabschluss verfügen, 34 Prozent absolvierten die Real- oder Mittelschule und 33 Prozent sind Abiturienten. Betrachtet man diese Bildungsabschlüsse nach Altersphasen und Geschlecht differenziert, so treten sowohl geschlechtsspezifische als auch kohortenspezifische Unterschiede in den Vordergrund (vgl. Abbildung 2.16). Abbildung 2.16: Bevölkerung in Steglitz-Zehlendorf nach dem allgemeinen Bildungsabschluss und dessen Differenzierung bei ab 50-Jährigen - in Prozent* Einwohner insgesamt 2007 Bildungsabschlüsse der ab 50-Jährigen 2008
Männer insgesamt 44 27 27 2
1

Frauen 35 39 26

23 19 16 3 50 b.u. 65 J. 48 27 23 2 25
1

40

34

39

65 b.u. 75 J.

37

31

30

2

39

43

17

75 b.u. 85 J.

39

21

36

42

46

31

21

85 J. u. ält. 100
Hauptschule ohne Schulabschluss Realschule/Mittelschule noch nicht schulpflichtig

47 80 60

17 40

36 20

1

61 20 40 60

28 80

10 100

0

FHS-Reife/Abitur

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Berechnet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Ergebnisse des Mikrozensus 2007 für Berlin, Berlin 2009; Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Der geschlechtsspezifische Unterschied, dass Frauen immer häufiger als Männer einen Volks- oder Hauptschulabschluss haben und immer seltener als Männer über ein Abitur verfügen - das trifft für alle untersuchten Altersphasen zu. Dabei wird offensichtlich, dass hochbetagte Frauen gegenüber Männern den größten Bildungsrückstand haben und in jeder jüngeren Altersphase dieser Rückstand durch Verringerung des Anteils der Volks-/oder Hauptschulabschlüsse und Zunahme der Realschulabschlüsse und der Hochschulreife von Frauen zurückgedrängt wird. Als kohortenspezifischer Unterschied offenbart sich bei den 50- bis unter 65-jährigen Frauen und Männern, dass ca. drei Viertel von ihnen einen allgemeinen Schulabschluss oberhalb der Hauptschule vorweisen. Geschlechtsspezifisch realisiert sich der Bildungsnachteil der Frauen gegenüber den Männern in dieser Gruppe auf höherem Niveau. Obwohl die 50- bis unter 65-jährigen Frauen beim Abituranteil gegenüber der vorangegangenen Altersphase einen Anstieg um 17 Prozentpunkte erreichten, dokumentiert sich noch immer gegenüber den Männern ein Rückstand von 14 Prozentpunkten. Dennoch weisen die 50- bis unter 65-jährigen Frauen und Männer die günstigste Bildungsstruktur aus und verfügen damit auch über die vorteilhaftesten Zugangsvoraussetzungen zu qualifizierten Berufen. Die Qualifikationsstruktur der Einwohner von Steglitz-Zehlendorf wird durch den hohen Anteil (67 Prozent) der Bürgerinnen und Bürger mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung bzw. einem abgeschlossenen Studium bestimmt. Von diesen 67 Prozent haben 38 Prozent entweder eine gewerbliche bzw. kaufmännische Lehre absolviert oder sind über eine Anlernausbildung an ihre Tätigkeit herangeführt worden. 5 Prozent sind Fachschulabsolventen und 3 Prozent erhielten ihre Ausbildung an einer Fachhochschule. Eine Hochschul- oder Universitätsausbildung haben 21 Prozent durchlaufen. Der Anteil der Einwohner unter 15 Jahren beträgt 12 Prozent. 22 Prozent der Einwohner haben ihre Berufsausbildung noch nicht abgeschlossen bzw. verfügen über keinen Berufsabschluss.

19

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die berufliche Qualifizierung differenziert sich stark nach dem Lebensalter. Besonders unter den unter 50-jährigen Einwohnern ist aufgrund der vielfach verzögerten Ausbildungszeiten der Anteil ohne eine abgeschlossene Berufsausbildung besonders hoch. Im Ergebnis der SFZ-Befragung 2008 verfügen 79 Prozent der Befragten über eine abgeschlossene Berufsausbildung bzw. ein Studium, davon haben 44 Prozent einen Lehrberuf, 9 Prozent eine Fachschulausbildung und 26 Prozent ein Hochschulstu-dium einschließlich Fachhochschulstudium. Ähnlich wie bei den allgemeinen Bildungsabschlüssen differenziert sich die Qualifikationsstruktur ebenfalls nach Geschlecht und Altersphasen. Für die ab 50-Jährigen insgesamt gilt, dass Frauen viel häufiger als Männer über keine berufliche Qualifikation verfügen bzw. eine Lehrausbildung durchlaufen haben. Der Qualifikationsrückstand der Frauen gegenüber den Männern wird beim Anteil der Hochschulabsolventen besonders deutlich. Mehr als doppelt so viele Männer verfügen über eine Hochschulausbildung als Frauen. Der Qualifikationsrückstand der Frauen gegenüber den Männern relativiert sich nach den angezeigten Altersphasen. Während die Qualifikationsstruktur von den Hochbetagten bis zu den jungen Alten von diesem Rückstand der Frauen charakterisiert wird, dokumentiert die Verteilung der Qualifikationsstufen bei den künftigen Senioren, in welchem Maße die Frauen aufgeholt haben. Darüber hinaus wird ersichtlich, wie bei Männern und Frauen - zwar im unterschiedlichen Umfang - gegenüber den Hochbetagten der Anteil der Personen ohne berufliche Ausbildung zurückgedrängt wurde (vgl. Abbildung 2.17). Abbildung 2.17: Bevölkerung in Steglitz-Zehlendorf nach der beruflichen Qualifikation und deren Differenzierung bei ab 50-Jährigen - in Prozent Einwohner insgesamt darunter: ab 50-Jährige
Männer
insgesamt 4 37 10 39 10 18

Frauen
49 8 18 7

22 12 38 21 5 3 künft. Senioren 2 50 b.u. 65 Jahre junge Alte 6 65 b.u. 75 Jahre Alte im fortgeschr. Alter 8 75 b.u. 85 Jahre Hochbetagte 8 85 Jahre u. ält. 100 Personen unter 15 J. FS-Abschluss ohne Antw. ohne berufl. Ausbild. FHS-Abschluss 39 9 40 10 13 46 11 26 4

34

14

38

8

21

54

5 12 8

36

8

38

10

27

46

7 8 12

33 80

2 60

37 40 20

20 0

29 20 40

51 60

5 4 11 80 100

Lern-/Anlernausbild. HS-Abschluss

Berechnet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Ergebnisse des Mikrozensus 2007 für Berlin, Berlin 2009; Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Der hier belegte Anstieg von allgemeiner Bildung und Qualifikation innerhalb der Seniorenschaft und bei den künftigen Senioren lässt den Schluss zu, dass sie in den künftigen Jahren immer umfangreichere fachliche und soziale Kompetenzen in das Alter einbringen. Vor diesem Hintergrund vollzieht sich nicht nur eine Erweiterung der bildungs- und kulturorientierten Interessenlagen und Bedürfnisse, sondern daraus erwächst auch das Bedürfnis einer subjektiven und selbstbestimmten Gestaltung des eigenen Altersverlaufes. Diese Ressourcen gilt es aufzugreifen und für den qualitativen Ausbau der Seniorenfreizeitangebote zu erschließen.

20

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Beteiligung am Erwerbsleben Für die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung in Steglitz-Zehlendorf ist bzw. war die eigene Erwerbsbeteiligung die wichtigste Grundlage für die eigene Existenzsicherung und zugleich für den Aufbau einer materiellen Alterssicherung. Von den Einwohnern des Bezirkes Steglitz-Zehlendorf zählte knapp die Hälfte zu den Erwerbspersonen. Das waren im Jahre 2007 insgesamt 44 Prozent Erwerbstätige und 5 Prozent Arbeitslose. 51 Prozent gehörten zu den Nichterwerbspersonen. Diese 51 Prozent unterteilten sich vor allem in ca. 26 Prozent Rentner und Pensionäre sowie 2 Prozent Empfänger/-innen von Grundsicherung, und ca. 23 Prozent waren wirtschaftlich nicht selbstständige Kinder und Jugendliche. Die Struktur der Erwerbsbeteiligung der ab 50-Jährigen unterscheidet sich von der der Gesamtheit in wesentlichen Positionen. Wie die Befragungsergebnisse belegen, waren von ihnen 34 Prozent erwerbstätig, 6 Prozent waren wegen Erwerbsminderung aus dem Arbeitsleben ausgeschieden und 3 Prozent waren aktuell arbeitslos. Mehr als die Hälfte dieser Gruppe (52 Prozent) waren Nichterwerbstätige, darunter 49 Prozent, die schon vorzeitig in den Ruhestand eingetreten waren, und 3 Prozent Hausfrauen (5 Prozent = ohne Antwort). Diese Erwerbsstruktur differenziert sich vor allem durch die Regelaltersgrenze für den gesetzlichen Ruhestand gegenwärtig mit Vollendung des 65. Lebensjahres. Von den künftigen Senioren im Alter von 50 bis unter 65 Jahren sind 60 Prozent erwerbstätig, 12 Prozent sind infolge einer Erwerbsminderung berentet, 6 Prozent sind arbeitslos und 18 Prozent sind vorzeitig als Altersrentner oder Pensionäre in den Ruhestand eingetreten. Von den jungen Alten im Alter von 65 bis unter 75 Jahren gehen noch 9 Prozent einer Erwerbstätigkeit nach. Diese Erwerbstätigkeit erstreckt sich von Vollzeitbeschäftigung, selbstständiger Tätigkeit bis hin zu geringfügiger Beschäftigung. Die überwiegende Mehrheit (87 Prozent) ist im Ruhestand (4 Prozent = ohne Antwort). Von den ab 75-Jährigen steht nur eine Minderheit von 3 Prozent im Erwerbsleben, sie üben überwiegend selbstständige bzw. freiberufliche Tätigkeiten aus (Abbildung 2.18). Abbildung 2.18: Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung, insbesondere der ab 50-Jährigen - Steglitz-Zehlendorf 2007/2008 - in Prozent Bevölkerung 2007 ab 50-Jährige 2008
4

44 1 5 3

6

34

5 51 52

ab 50-Jährige nach Altersgruppen
4 18 6 12 87 60 9
50 bis unter 65 Jahre 65 bis unter 75 Jahre

4

7

90

3
75 Jahre und älter

Erwerbstätige

Erwerbsmind.-Rentn.

Erwerbslose

Nichterwerbstätige

ohne Antw.

Berechnet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Ergebnisse des Mikrozensus 2007 für Berlin, Berlin 2009; Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

4

Sowohl nach dem SGB II als auch SGB XII. 21

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die aktive Erwerbsbeteiligung unterscheidet sich maßgeblich nach der Stellung im Beruf. Die Gesamtheit der Erwerbstätigen aus Steglitz-Zehlendorf ordnet sich mit ihrem sozialen Status in die Erwerbstätigenstruktur Berlins ein. Diese wird bestimmt von Berlin als Regierungs- und Verwaltungszentrum, als Wissenschafts- und Kulturstadt mit einem ausgeprägten Dienstleistungssektor und vielfältigsten Produktionsstätten. Von den Erwerbstätigen aus Steglitz-Zehlendorf nahmen im Jahre 2007 insgesamt 11 Prozent die Position von Arbeiterinnen/Arbeitern ein, die überwiegende Mehrheit von ihnen (60 Prozent) waren Angestellte, 10 Prozent standen als Beamte im öffentlichen Dienst und 19 Prozent zählten zu den Selbstständigen einschließlich deren mithelfenden Familienangehörigen. Für die Gruppe der 50- bis unter 65-Jährigen weisen die Befragungsergebnisse eine ähnliche Struktur hinsichtlich der Stellung im Beruf aus. Die Unterschiede in den Anteilen der Angestellten und Beamten gegenüber der Gesamtheit der Erwerbstätigen resultieren einerseits aus den für die Jüngeren noch nicht vollzogenen Verbeamtungen und andererseits bei den heute ab 50-Jährigen aus der früher stärker praktizierten Verbeamtung. Innerhalb der ab 50- bis unter 65-jährigen Erwerbstätigen werden die typischen geschlechtsspezifischen Unterschiede dahingehend erkennbar, dass Frauen überwiegend in einem Angestelltenverhältnis beschäftigt sind und bei den Männern der Anteil der Beamten den der Frauen beachtlich übertrifft. Des Weiteren sind Männer häufiger als Frauen in der Position eines Arbeiters oder Selbstständigen erwerbstätig (vgl. Abbildung 2.19). Abbildung 2.19: Erwerbstätige nach der Stellung im Beruf - Steglitz-Zehlendorf 2007/2008 - in Prozent Erwerbstätige insgesamt 2007 darunter: 50- bis unter 65-Jährige 2008

60

11 19 10

52

13 5 17 13

50- bis un ter 65-Jährige Männer
3 16 22

Frauen
7 10 12

40 18

62

9 Angestellte Beamte Selbstst./mith.Fam.angh. ohne Antw.

Arbeiter

Berechnet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Ergebnisse des Mikrozensus 2007 für Berlin, Berlin 2009; Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

In Auswirkung struktureller und konjunktureller Krisenprozesse ist auch im Bezirk Steglitz-Zehlendorf ein Teil der Erwerbspersonen durch Arbeitslosigkeit aus dem Erwerbsleben ausgeschlossen. In den letzten zwei Jahren schwankte die Zahl der Arbeitslosen im Bezirk zwischen 9.000 Und 12.000, und ca. ein Viertel davon war 50 Jahre und älter. Für diese älteren Arbeitslosen auch aus dem Bezirk Steglitz-Zehlendorf trifft zu, dass ca. zwei Drittel von ihnen aus der Langzeitarbeitslosigkeit (Hartz IV) in den Ruhestand übergehen (vgl. dazu Abbildung 4.11b). Im Vergleich der Berliner Bezirke weist der Bezirk Steglitz-Zehlendorf seit Jahren die geringste Arbeitslosenquote auf. Während die Arbeitslosenquote gemessen an allen abhängigen zivilen Erwerbspersonen - im Dezember 2009 in Berlin bei 15,7 lag, betrug diese in Steglitz-Zehlendorf 12,5 - im Gegensatz zu Neukölln mit 21,9 - (vgl. dazu Kapitel 4). Der Übergang von der Erwerbsbeteiligung in den Ruhestand vollzieht sich individuell als eine grundsätzliche Änderung der Lebenssituation. Davon ausgehend, dass die Mehrheit der künftigen Senioren - auch bei vorzeitiger Berentung oder über eine Berentung wegen verminderter Erwerbsfähigkeit - in den Ruhestand eintritt, bedeutet dies, dass die Kommunikationsebene der Arbeitswelt ein fester Bestandteil ihrer sozialen Beziehungen war. Eine Minderheit der künftigen Senio22

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

ren wechselt aus der Arbeitslosigkeit in den Ruhestand. Die Mehrheit dieser Gruppe älterer Arbeitsloser entbehrt diese soziale Einbindung schon langfristig. Während die erste Gruppe den Verlust lebenslanger sozialer Einbindung in die Arbeitswelt aktuell erlebt, muss bei den aus der Arbeitslosigkeit kommenden Neurentnern damit gerechnet werden, dass sie sich in die Privatheit zurückgezogen haben. Für beide Gruppen ergibt sich die Notwendigkeit einer individuellen Neuorientierung hinsichtlich der sozialen Kontakte und Einbindungen in soziale Netze. Dabei bringen viele die in der Arbeitswelt erworbenen Lebenserfahrungen und Bedürfnisse nach außerfamilialen sozialen Kontakten in ihr Seniorendasein ein, andere müssen aus ihrer privaten Zurückgezogenheit durch das Angebot sozialer Kontakte abgeholt werden. Hier öffnen sich für Vereine, Verbände und soziale Projekte Möglichkeiten zur Gewinnung nicht nur neuer Mitstreiter/-innen, sondern auch zur Erschließung neuer sozialer und fachlicher Kompetenzen für die Gestaltung ihrer gemeinschaftlichen Aktivitäten. Zugleich besteht an die Akteure die Herausforderung zur Entwicklung passgerechter Angebote zur aktiven Beteiligung an Gemeinschaftsaktivitäten. Einkommensstrukturen in Steglitz-Zehlendorf Das eigene Einkommen resultiert für die Mehrheit der erwachsenen Einwohner aus Steglitz-Zehlendorf wie anderenorts aus der eigenen Erwerbsbeteiligung oder aus den während der Erwerbsphase aufgebauten Anwartschaften auf materielle Alterssicherung. Sowohl beim individuellen Nettoeinkommen als auch beim Haushaltsnettoeinkommen treten altersspezifische Unterschiede in den Einkommensstrukturen der Bevölkerung insgesamt und der Gruppe der ab 50-Jährigen hervor, auf die hier aufmerksam gemacht werden soll. Wenn man die Struktur der individuellen Einkommen der Einwohner des Bezirkes Steglitz-Zehlendorf insgesamt betrachtet, werden 17 Prozent der Einwohner als einkommenslos ausgewiesen. Darunter befinden sich alle wirtschaftlich noch nicht selbstständigen Kinder sowie ein geringer Anteil einkommensloser Hausfrauen und -männer. Zusammen 22 Prozent verfügen über individuelle Nettoeinkommen bis unter 900 Euro pro Monat. Dazu gehören neben den Empfängern von Transferleistungen (Grundsicherung für Arbeitsuchende, Grundsicherung im Alter und bei dauerhafter Erwerbsminderung, Hilfe zum Lebensunterhalt, BaföG, Erziehungsgeld und andere Sozialleistungen) auch Bezieher von Niedriglöhnen oder ein Anteil der Teilzeitbeschäftigten. Zusammen 28 Prozent der Einwohner verfügen monatlich über ein individuelles Nettoeinkommen zwischen 900 und unter 1.500 Euro. Ein Drittel der Einwohner erzielt mehr als 1.500 Euro pro Monat. Die individuellen Nettoeinkommen der ab 50-Jährigen unterscheiden sich davon gravierend. Zu den 5 Prozent Einkommenslosen gehören sowohl einige Hausfrauen, aber vor allem diejenigen Langzeitarbeitslosen, die aufgrund des Partnereinkommens keinen Anspruch auf Hartz IV-Leistungen haben. Die Einkommenslosigkeit konzentriert sich auf die Gruppe der künftigen Senioren, weil die überwiegende Mehrheit der ab 65-Jährigen im Laufe ihres Lebens Anwartschaften für ihre Alterssicherung erworben oder privat vorgesorgt hat. 20 Prozent der ab 50-Jährigen erzielen monatlich ein individuelles Nettoeinkommen bis unter 900 Euro und bei 25 Prozent dieser Gruppe liegt das individuelle Nettoeinkommen zwischen 900 und 1.500 Euro pro Monat. Insgesamt 42 Prozent verfügen monatlich über mehr als 1.500 Euro (vgl. Abbildung 2.20).

23

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 2.20 und 2.21: Einkommensstrukturen der Bevölkerung und der ab 50-Jährigen - Steglitz-Zehlendorf 2007/2008 - in Prozent* individuelles Nettoeinkommen pro Monat
100 33 80 42 9 60 9 10 40 8 5 9 17 0 Bevölkerung insgesamt Mikrozensus 2007 ohne eigenes Einkommen 700 b.u. 900 Euro 1300 b.u. 1500 Euro unter 500 Euro 900 b.u. 1100 Euro 1500 Euro u. dar. ab 50-Jährige SFZ-Befragung 2008 500 b.u. 700 Euro 1100 b.u. 1300 Euro ohne Anw. 8 10 7 7 6 7 5 40 60 15 10 13 20 18 11
1

Haushaltsnettoeinkommen pro Monat
100 31 80 35 14 12

8

18

20

4 10 6 2 ab 50-Jährige SFZ-Befragung 2008 900 b.u. 1300 Euro 2600 Euro u. dar. 1300 b.u. 1500 Euro ohne Antw.

0 Bevölkerung insgesamt Mikrozensus 2007 unter 500 Euro 1500 b.u. 2000 Euro 500 b.u. 900 Euro 2000 b.u. 2600 Euro

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Berechnet nach: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Ergebnisse des Mikrozensus 2007 für Berlin, Berlin 2009; Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die Struktur der Haushaltsnettoeinkommen im Bezirk Steglitz-Zehlendorf wurde von der öffentlichen Statistik in einer Spreizung von unter 500 Euro bis zu 2.600 Euro und darüber angegeben. Ein Bezug zur Haushaltsgröße wird jedoch nur im Zusammenhang mit der untersten Einkommensgrößenklasse gestattet. Bei dem einen Prozent der Haushalte mit einem Haushaltsnettoeinkommen bis unter 500 Euro pro Monat handelt es sich ausschließlich um Einpersonenhaushalte von Menschen unterschiedlichen Alters. Unabhängig von der Anzahl der Personen im Haushalt verfügen weitere zusammen 39 Prozent über ein monatliches Haushaltsnettoeinkommen zwischen 500 Euro bis unter 1.500 Euro. Weitere zusammen 29 Prozent beziehen ein Haushaltsnettoeinkommen zwischen 1.500 Euro und 2.600 Euro pro Monat. Über mehr als 2.600 Euro pro Monat an ausgabefähigem Haushaltsnettoeinkommen können weitere 31 Prozent der Haushalte verfügen. Diese Verteilung nach Einkommensgrößenklasse erstreckt sich nicht nur auf Haushalte unterschiedlicher Größe, sondern bezieht sich auf Haushalte mit der Gesamtbreite möglicher Lebenssituationen der Haushaltsmitglieder. Dabei gehen sowohl die Einpersonenhaushalte von jungen Erwachsenen in der Ausbildung, Partnerhaushalte, Haushalte von Familien mit wirtschaftlich unselbstständigen Kindern als auch Haushalte mit erwerbstätigen, arbeitslosen oder berenteten Bezugspersonen in die Berechnung ein. Die Struktur der Haushaltsnettoeinkommen der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf, wie sie durch die SFZ-Befragung "50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008" gemessen wurde, stellt gegenüber allen Haushalten des Bezirkes vor allem eine Verschiebung der Anteile zu Gunsten der höheren Einkommensgrößenklassen fest. Der Anteil der Haushalte mit einem Haushaltsnettoeinkommen von unter 500 Euro pro Monat ist in dieser Gruppe mit 2 Prozent doppelt so groß wie bezogen auf alle Haushalte des Bezirkes. Daraus wird erkennbar, dass es sich auch insgesamt überwiegend um Haushalte von ab 50-Jährigen handelt. Gegenüber allen Haushalten im Bezirk ist der Anteil jener, die über ein monatliches Haushaltsnettoeinkommen bis unter 1.500 Euro pro Monat verfügen (zusammen 20 Prozent), um 19 Prozentpunkte geringer als bezogen auf alle Haushalte. Der Anteil der Haushalte von ab 50-Jährigen mit einem Haushaltsnettoeinkommen zwischen 1.500 und 2.600 Euro pro Monat stimmt mit denen aller Haushalte nahezu überein, und der Anteil der Haushalte der ab 50-Jährigen mit mehr als 2.600 Euro pro Monat (35 Prozent) übertrifft die Gesamtheit der Haushalte um 4 Prozentpunkte (vgl. Abbildung 2.21). Sowohl bei den individuellen als auch bei den Haushaltsnettoeinkommen nehmen die ab 50-Jährigen gegenüber den Einwohnern bzw. deren Haushalten insgesamt eine günstigere Einkommensposition ein. Diese Einkommen verteilen sich rd. zur Hälfte auf 50- bis unter 65-Jährige und auf ab 65-Jährige. Es ist davon auszugehen, dass die große Mehrheit demzufolge derzeit ihr Seniorendasein auf eine zwar differenzierte, aber stabile materielle Alterssicherung begründen kann.

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50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Dennoch wird sowohl beim individuellen Nettoeinkommen als auch beim Haushaltsnettoeinkommen eine Minderheit von ca. 10 bis 12 Prozent erkennbar, die eine Einkommensposition in der von der Bundesregierung für das Jahr 2008 ausgewiesenen Höhe des Einkommenssteuerfreibetrages für Alleinstehende von 638 Euro und für Paare von 1.277 Euro pro Monat einnimmt. Im Zusammenhang mit der dargestellten Beschäftigungssituation ist anzunehmen, dass sich diese Minderheit vor allem aus Langzeitarbeitslosen rekrutiert. Deshalb soll anhand der Befragungsergebnisse auch geprüft werden, welche Konsequenzen sich aus der aktuellen Einkommensposition dieser Minderheit für deren materielle Alterssicherung ableiten lassen. Für die Sozialplanung der kommenden Jahre müssen diese von Armut gefährdete Gruppe und deren individuell eingeschränkten materiellen Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe so berücksichtigt werden, dass die Angebote der öffentlichen Altenhilfe auch für diesen Personenkreis nutzbar bleiben. Der im Kapitel 2 vorgenommene Vergleich wichtiger demographischer und soziostruktureller Merkmale der Gruppe der ab 50-Jährigen mit der Einwohnerschaft insgesamt hat auf wichtige Besonderheiten sowohl der soziodemographischen Inhomogenität als auch der sozialen Differenziertheit der künftigen und der aktuellen Seniorenschaft aufmerksam gemacht. In den folgenden Kapiteln werden auf der Basis der Ergebnisse der SFZ-Befragung "50 und älter in SteglitzZehlendorf 2008" diese Probleme einer Analyse unterzogen, um die sozialen Entwicklungen, sowohl Vorzüge als auch Defizite der Älteren im Bezirk, und die bei ihnen bestehenden Bedarfe an die öffentliche Altenhilfe kennenzulernen und daraus Schlussfolgerungen für die künftige Sozialplanung ziehen zu können.
5

5

Vgl. Unterrichtung durch die Bundesregierung: Bericht über die Höhe des Existenzminimums von Erwachsenen und Kindern für das Jahr 2008 (Sechster Existenzminimumsbericht), DS 16/3265 vom 2.11.2006, S. 5. 25

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

3.

Subjektive Befindlichkeiten der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die subjektiven Befindlichkeiten einer bestimmten Bevölkerungsgruppe geben Auskunft über deren Hoffnungen, Bedürfnisse, Erwartungen, Zufriedenheiten bzw. Unzufriedenheiten, Werte (was ist im Leben wichtig), Handlungsstrategien und auch Sorgen, Ängste und Befürchtungen. Im vorliegenden Kapitel sollen die allgemeinen Grundstimmungen von Hoffnungen und Befürchtungen sowie die Zufriedenheiten und Unzufriedenheiten der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf auf der Grundlage ihrer Selbstauskünfte dargestellt werden. Handlungsstrategien, z.B. individuelle Lebensplanungen für den Übergang vom Erwerbsleben oder für die Wahl einer seniorengerechten Wohnung oder Lebenswerte hinsichtlich der Wohnumfeldbedingungen bzw. Wichtigkeiten hinsichtlich der subjektiven Gestaltung des eigenen Alterungsprozesses z.B. bezogen auf eine gesunde Lebensweise, seniorengerechte Wohnbedingungen, eine inhaltvolle Freizeitgestaltung und den Wert der Pflege ausreichender familialer und außerfamilialer Kontakte werden in die entsprechenden Sachkapitel eingebunden.

3.1

Hoffnungen und Befürchtungen

Die ganz allgemeine Grundstimmung bezüglich der Entwicklung in den nächsten Wochen und Monaten, die sowohl individuelle Lebensverhältnisse als auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen reflektiert, wurde von den ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf im Sommer 2008 folgendermaßen bekundet: Insgesamt 14 Prozent von ihnen hatten in der Entwicklung der nächsten Zeit Hoffnungen auf eine günstige Gestaltung ihres Lebens. Mehr als die Hälfte (59 Prozent) gaben zu Protokoll, sowohl Hoffnungen als auch Befürchtungen zu haben. Fast ein Viertel dieser Gruppe (24 Prozent) bestätigte, dass ihr Leben von Befürchtungen dominiert wird. Betrachtet man die sozialräumliche Verteilung dieser Grundstimmungen der ab 50-Jährigen im Bezirk, so erweist sich die Konzentration des größten Potenzials für Hoffnungen in die Entwicklung der nächsten Zeit in den Bezirksregionen Zehlendorf Südwest, Teltower Damm und Drakestraße. Die häufigsten Befürchtungen wurden von Probanden aus der Bezirksregion Albrechtstraße vorgetragen (vgl. Abbildung 3.1). Abbildung 3.1: Verbinden Sie mit der Entwicklung in den nächsten Wochen und Monaten vor allem Hoffnungen oder Befürchtungen? nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 100% 3 24 80% 2 5 19 3 3 26 3 25 2 2 24 2
1

4 17

2 20

19

32

60% 59 40% 65 58 58 56 64 61 65

52

20% 14 0% insgesamt BR1 Schloßstraße Hoffnungen BR2 Albrechtstraße BR3 Lankwitz BR4 Ostpreußendamm Befürchtungen BR5 Teltower Damm BR6 Drakestraße BR7 BR8 Zehlendorf Zehlendorf Südwest Nord ohne Antw. 9 13 13 13 16 14 18 13

sowohl als auch

ich weiß nicht

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die Hoffnungen konzentrieren sich überdurchschnittlich auf Personen mit Migrationshintergrund (21 Prozent), auf Mitglieder von Vier- und Mehrpersonenhaushalten (19 Prozent) sowie auf Erwerbstätige (17 Prozent).

26

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

In allen sozialstrukturellen Gruppen überwiegt die Position, für die Entwicklung in der nächsten Zeit sowohl Hoffnungen als auch Befürchtungen zu hegen. Überdurchschnittliche Befürchtungen werden von Arbeitslosen (38 Prozent), von Rentnern wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und Alleinlebenden (jeweils 27 Prozent), aber auch Personen aus Dreipersonenhaushalten (26 Prozent) und Frauen, ab 65-Jährigen sowie Rentnern oder Pensionären (jeweils 25 Prozent) vorgetragen (vgl. Abbildung 3.2). Abbildung 3.2: Hoffnungen und Befürchtungen hinsichtlich der Entwicklung in der nächsten Zeit nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 21 13 13 15 14 11 16 12 17 7 6 13 12 13 13 16 19 0 20 Hoffnungen 59 52 63 59 56 61 54 60 40 sowohl als auch Befürchtungen 60 ich weiß nicht 80 ohne Antw. 38 18 25 27 22 26 17 60 59 60 59 61 56 59 60 27 53 18 24 25 22 23 25 25 25 20 6 2 21 21 3 3 1 21 21 3 1 21 2 3 1 5 1 2 2 3 1 2 2 3 1 3 1 100

Migrat.hintergrund ja nein Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u.ält. Erwerbsstatus Erwerbstätige Erwerbsmind.-Rentn. Arbeitslose Hausfrau Rentner/Pensionäre Haushaltsgröße 1 Person 2 Personen 3 Personen 4 u.m. Personen

5

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

3.2

Allgemeine Lebenszufriedenheit und Zufriedenheit mit wichtigen Lebensbereichen

Als nächste Grundkategorie der allgemeinen subjektiven Befindlichkeiten soll die allgemeine aktuelle Lebenszufriedenheit analysiert werden. Die Zufriedenheit mit dem Leben zählt zu jenen Komponenten des subjektiven Wohlbefindens, die eine umfassende Bewertung der persönlichen Lebensverhältnisse erlauben. Die gegenwärtig vorhandenen Lebensumstände werden mit jenen verglichen, die man früher einmal hatte oder die man in Zukunft für sich erhofft. Die allgemeine Lebenszufriedenheit ist in hohem Maße auch eine Bewertung früherer und gegenwärtiger gesellschaftlicher Prozesse, der eigenen beruflichen Entwicklung, der sozialen Kontakte u.a.m. Sie ist zugleich auch Ausdruck der individuellen, familiären und sozialen Situation. Von den ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf waren 64 Prozent alles in allem mit ihrem Leben zufrieden, darunter 12 Prozent sehr zufrieden. Der Vergleich mit den Auskünften der ab 55-Jährigen aus Steglitz zur allgemeinen Lebenszufriedenheit aus dem Jahre 1998 lässt eine relative Stabilität der Lebenszufriedenheit der älteren Bevölkerung deutlich werden. Ein gewisser Abwärtstrend wird in den Verschiebungen zwischen den Häufigkeiten der Antworten "zufrieden" und "unzufrieden" erkennbar. Das heißt, 1998 war die Zufriedenheit um 5 Prozentpunkte (69 Prozent) höher und die Unzufriedenheit um 6 Prozentpunkte (23 Prozent) geringer. Die Ursachen dieser Veränderungen sind in der oben angeführten Breite von individuellen und gesellschaftlichen Lebensverhältnissen sowie vor allem den eigenen Zukunftsaussichten zu suchen. Unter sozialräumlichem Aspekt wurde aktuell die größte Zufriedenheit in den Bezirksregionen Zehlendorf Südwest und Zehlendorf Nord vorgefunden. Die höchste Konzentration von Unzufriedenheit gab es in den Bezirksregionen Schloßstraße, Albrechtstraße und Ostpreußendamm (vgl. Abbildung 3.3).

27

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 3.3:
100

Wie zufrieden sind Sie gegenwärtig - alles in allem - mit Ihrem Leben? nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 1998/2008 - in Prozent* 2 2 4

2 5

1 1

6

1 2

1

8

8

3

2

3

1

2 6 24

4 20

2

5 24

1 1

80

23

29

34

28 34

34

31

60 55 40 57 52 45 53 48 50 54 55 55

20 12 0 insges. Steglitz 1998 insgesamt 2008 sehr zufrieden BR1 Schloßstraße zufrieden 12 13 10 BR3 Lankwitz 11 11 13 BR6 Drakestraße 19 14

7 BR2 Albrechtstraße

BR4 BR5 Ostpreu- Teltower ßendamm Damm unzufrieden

BR7 BR8 Zehlendorf Zehlendorf Südwest Nord ohne Antw.

teilweise zufrieden

sehr unzufrieden

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 1998 und 2008 (gew.)

Während es bezogen auf die Ausprägungen "sehr zufrieden" und "zufrieden" keine nennenswerten geschlechtsspezifischen Unterschiede gibt, artikulieren mehr Männer (9 Prozent) als Frauen (6 Prozent) eine allgemeine Unzufriedenheit mit dem Leben (vgl. Abbildung 3.4). In der Gruppe der ab 50-Jährigen mit Migrationshintergrund sind bezogen auf die aktuelle Lebenszufriedenheit keine geschlechtsspezifischen Unterschiede festzustellen. Ein Vergleich dieser Selbsteinschätzungen zwischen den Migranten und ihren Familienangehörigen einerseits und den deutschen Probanden andererseits zeigt ein höheres Zufriedenheitsniveau bei den Probanden mit Migrationshintergrund (vgl. Abbildung 3.4). Abbildung 3.4: Aktuelle Lebenszufriedenheit - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Frauen
1 1

insgesamt

Männer
2 7 27 12 2 5

5 30 52

52 29

52

11

12

Frauen
3 2 23

mit Migrationshintergrund insgesamt

Männer

1 1

11 32

51

14 2 6 27

60

40

12

15

sehr zufrieden

zufrieden

teilweise zufrieden

unzufrieden

sehr unzufrieden

ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

28

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die weitere sozio-strukturelle Differenzierung der aktuellen Lebenszufriedenheit (Summe von "sehr zufrieden" und "zufrieden") der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf lässt erkennen (vgl. Abbildung 3.5), dass   die allgemeine Lebenszufriedenheit über alle Altersphasen hinweg auf einem annähernd gleichen Niveau verbleibt; die berufliche Qualifikation wesentlichen Einfluss auf die Lebenszufriedenheit nimmt; diese steigt mit dem Qualifikationsniveau sukzessive an. Die höchste Ausprägung von Lebenszufriedenheit bekunden Hochschulabsolventen;  die eigene Erwerbsbeteiligung bzw. Familienarbeit starken Einfluss auf die Lebenszufriedenheit hat. All jene Gruppen, die mit eigener Leistung oder auf der Grundlage von im Lebensverlauf zurückgelegter Erwerbstätigkeit einen individuellen Beitrag zur Bedürfnisbefriedigung ihrer Familie leisten, bestätigen im hohen Maße, mit ihrem Leben zufrieden zu sein. Im Gegensatz dazu zeigen jene, die aufgrund von Invalidität aus dem Erwerbsleben ausscheiden mussten, oder jene, die durch Arbeitslosigkeit aus dem Erwerbsleben ausgegrenzt sind, wesentlich geringere Lebenszufriedenheit an. Mit Arbeitslosigkeit ist zugleich das höchste Ausmaß von geäußerter Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben (23 Prozent unzufrieden, 13 Prozent sehr unzufrieden) verbunden;  das Zusammenleben und gemeinsame Wirtschaften in einem Haushaltsverbund zur Bündelung der individuellen materiellen und Persönlichkeitsressourcen für die gemeinsame Alltagsbewältigung führen. Diese Vorteile schlagen sich in Abwägung mit den gemeinsam zu bewältigenden Problemlagen - z.B. wirtschaftlich nicht selbstständige Kinder, Pflege von Familienangehörigen usw. - in der Lebenszufriedenheit nieder. Angehörige von Mehrpersonenhaushalten bestätigen häufiger, mit ihrem Leben zufrieden zu sein als Alleinlebende. Abbildung 3.5: Aktuelle Lebenszufriedenheit nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 14 11 16 12 9 8 12 19 13 8 5 23 11 7 14 15 12 0 20 sehr zufrieden zufrieden 49 54 49 51 40 teilweise zufrieden 60 unzufrieden 56 33 26 30 25 80 sehr unzufrieden ohne Antw. 9 26 42 33 46 52 38 23 28 28 7 47 50 56 55 27 8 13 21 4 1 3 1 4 11 5 1 21 100 59 61 56 59 33 34 25 20 23 25 25 25 8 3 1 21 21 3 1 3 6 2 4 21 4 11 6 2 4

Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u.ält. Qualifikation ohne Abschluss Facharbeiter FS-Abschluss HS-Abschluss Erwerbsstatus Erwerbstätige Erwerbsmind.-Rentn. Arbeitslose Hausfrau Rentner/Pensionäre Haushaltsgröße 1 Person 2 Personen 3 Personen 4 u.m. Personen

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit mit wichtigen Lebensbereichen Die allgemeine Lebenszufriedenheit wird sowohl von der Gesamtheit der ökonomischen, sozialen und politischen Lebensbedingungen als auch von den individuellen Lebensverhältnissen wie Familie, Partnerschaft, Gesundheit, Wohnen, Erholung usw. geprägt. Die Zufriedenheit mit diesen Lebensbereichen findet Eingang in die Wertmaßstäbe des Einzelnen für die Beurteilung des eigenen und des Verhaltens Anderer sowie von Entwicklungen auf konkreten Gebieten. Die individuelle Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit mit einzelnen Lebensbereichen stimmt dabei häufig nicht mit der Selbsteinschätzung der allgemeinen Lebenszufriedenheit überein. Meist bekundet Unzufriedenheit mit konkreten Lebensbereichen die kritische Wahrnehmung und Auseinandersetzung der Bürgerinnen und Bürger mit ihren Lebensbedingungen trotz einer hohen allgemeinen Lebenszufriedenheit.
29

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die von den ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf zu Protokoll gegebene Zufriedenheit mit ausgewählten Lebensbereichen stellt eine eindeutige Rangfolge mit der Spitzenposition "Wohnen" dar und endet mit der geringsten Zufriedenheit mit dem Verhältnis von Einkommen und Preisen. Dabei werden folgende Wechselbeziehungen erkennbar (vgl. Abbildung 3.6):  Die Aussagen bestätigen, dass die höchste Zufriedenheit mit den Lebensbereichen angezeigt wird, in denen die individuellen Gestaltungs- bzw. Einflussmöglichkeiten am größten sind - wie das Wohnen oder die zwischenmenschlichen Beziehungen.  Weitgehend bedarfsgerechte infrastrukturelle Ausgestaltung der Wohngebietsbedingungen, des öffentlichen Nahverkehrs und der gesundheitlichen Betreuung schlagen sich rd. der Hälfte der ab 50-Jährigen in Zufriedenheit nieder.  Die Zufriedenheit mit der Arbeit - hier nur der 50- bis unter 65-Jährigen - nimmt einen Mittelplatz in der Rangfolge ein, reflektiert aber mit 16 Prozent Unzufriedenheit auch die Betroffenheit von den mit Arbeitsplatzunsicherheit und Arbeitslosigkeit einhergehenden sozialen Schwierigkeiten insbesondere älterer Arbeitnehmer/-innen am Arbeitsmarkt. Vor allem die unterschiedlichen Erfahrungen der eigenen Beteiligung am Erwerbsleben haben unmittelbaren Einfluss auf die Zufriedenheit mit den eigenen Zukunftsaussichten.  Die Zufriedenheit mit den demokratischen Mitwirkungsmöglichkeiten widerspiegelt zugleich die individuellen Aktivitäten zur Wahrnehmung derselben. So äußerten sich z.B. in einem Ehrenamt aktive Bürger/-innen häufiger mit den demokratischen Mitwirkungsmöglichkeiten zufriedener als andere.  Die Sicherheit auf Straßen und Plätzen, die allgemeine Umweltsituation (nicht das umweltbewusste Verhalten der privaten Haushalte), die Tätigkeit der öffentlichen Verwaltung und das Verhältnis von Einkommen und Preisen sind Lebensbereiche, die individuell an hohen Ansprüchen gemessen werden, auf die die/der Einzelne jedoch nur wenig Chancen hat, selbst Einfluss zu nehmen. In Anbetracht der guten Bildungsvoraussetzungen nehmen im Zusammenhang mit diesen Lebensbereichen die kritischen Positionen und auch die Unzufriedenheit zu. Abbildung 3.6: Zufriedenheit mit ausgewählten Lebensbereichen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Bezirk - insgesamt
Wohnung Wohngebietsbedingungen öffentl. Nahverkehr zwischenmenschl. Beziehungen der gesundheitl. Betreuung Arbeit** eigenen Zukunftsaussichten demokr. Mitwirkungsmöglichkeiten Sicherheit auf Straßen Umweltsituation Tätigkeit d. öffentl. Verwaltung Einkommen/Preise 0 8 26 21 16 16 29 20 zufrieden * Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent ** nur 50- bis unter 65-Jährige Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.) 40 teils/teils 60 unzufrieden 33 43 49 57 59 62 80 ohne Antw. 49 45 28 49 26 28 23 20 59 57 37 16 15 67 32 35 11 11 3 5 2 4 5
1

77 26

17

3 3 5 2 6 3

6 2 3

100

Diese für den Bezirk insgesamt geltende Rangfolge der Zufriedenheit mit Lebensbereichen spiegelt sich mit geringen Verschiebungen um einen Rangplatz auch in den Aussagen aus allen Bezirksregionen wider.
30

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Weitgehende Übereinstimmung besteht hinsichtlich der höchsten Zufriedenheit mit dem Wohnen, ebenso mit dem siebten Platz für die Zufriedenheit mit den eigenen Zukunftsaussichten und hinsichtlich der geringsten Zufriedenheit Platz 12 mit dem Verhältnis von Einkommen und Preisen. In allen anderen Positionen gibt es geringe Abweichungen in der Zufriedenheitsbewertung. So stellen die Probanden aus den Bezirksregionen Ostpreußendamm, Teltower Damm und Zehlendorf Südwest die Zufriedenheit mit der Arbeit auf Rangplatz fünf, in der Bezirksregion Zehlendorf Südwest wird der Zufriedenheit mit dem öffentlichen Nahverkehr der sechste anstatt in den anderen Bezirksregionen der dritte Rangplatz zugewiesen. In der Bezirksregion Schloßstraße wird dem öffentlichen Nahverkehr auf der Zufriedenheitsrangliste der zweite Platz eingeräumt. Die Zufriedenheit mit der Umweltsituation und mit der Tätigkeit der öffentlichen Verwaltung erweisen sich ambivalent zwischen den Plätzen zehn und elf. Im Vergleich mit den Aussagen zur Zufriedenheit mit einzelnen Lebensbereichen aus dem Jahre 1998 ergeben sich Verbesserungen bezogen auf die Zufriedenheit mit der Sicherheit auf Straßen und Plätzen um 8 Prozentpunkte, mit dem öffentlichen Nahverkehr um 12 Prozentpunkte, mit der Umweltsituation um 5 Prozentpunkte, mit den zwischenmenschlichen Beziehungen (+4 Prozentpunkte), mit der Wohnung um 2 Prozentpunkte und mit der Tätigkeit der öffentlichen Verwaltung um einen Prozentpunkt. Die Zufriedenheit mit der gesundheitlichen Versorgung zeigt aktuell wie vor 10 Jahren 49 Prozent an. Das alles spricht für Verbesserung bzw. Stabilität der Zufriedenheit mit den genannten Lebensbereichen. Allerdings dokumentiert der Vergleich auch den Rückgang der Zufriedenheit mit den eigenen Zukunftsaussichten. 1998 äußerten sich 38 Prozent der Probanden mit ihren Zukunftsaussichten zufrieden, aktuell sind es nur noch 33 Prozent (vgl. Abbildung 3.7a bis 3.7d). Die Zufriedenheit mit den ausgewählten Lebensbereichen differenziert sich nach soziostrukturellen Merkmalen. Zu diesem Zweck erfolgt der Vergleich auf der Grundlage der Antwort "zufrieden". In all jenen Positionen, wo es übereinstimmende bzw. annähernd übereinstimmende Werteausprägungen gibt, wird dieser Fakt nicht kommentiert - wie z.B. das überwiegende Anwachsen der Zufriedenheit mit den einzelnen Lebensbereichen bei ansteigendem Qualifikationsniveau. Auf folgende Trends und Abweichungen soll hinsichtlich der Zufriedenheit mit einzelnen Lebensbereichen aufmerksam gemacht werden:  Die Zufriedenheit mit der Wohnung steigt bei den unter 85-Jährigen mit dem Altersverlauf an und fällt bei den 85-Jährigen und Älteren um 15 Prozentpunkte zurück. Der bei den Hochbetagten sich vollziehende Wandel des Wohnbedarfs zur Gewährleistung eines Pflegearrangements kann offensichtlich in vielen ortsüblichen Normalwohnungen nicht oder nur eingeschränkt befriedigt werden.  Der von Arbeitslosen angezeigte relativ geringe Zufriedenheitsgrad mit der Wohnung begründet sich grundsätzlich mit den eingeschränkten materiellen Möglichkeiten zur Anmietung, Ausstattung oder Instandhaltung der Wohnung, aber auch mit der gesetzlichen Regelung der begrenzten Übernahme der Kosten für Unterkunft und Heizung bei Langzeitarbeitslosen. 
1

Mit den Wohngebietsbedingungen bestätigen Probanden mit Migrationshintergrund die höchste Zufriedenheit, demgegenüber wird von den künftigen Senioren, Erwerbstätigen und Arbeitslosen unterdurchschnittliche Zufriedenheit bekundet.



Während bezogen auf den öffentlichen Nahverkehr eine stabile und zum Teil nennenswert überdurchschnittliche Zufriedenheit (Migranten, 65- bis unter 75-Jährige, Arbeitslose, Hausfrauen) besteht, treffen offensichtlich vor allem Hochbetagte auf Nahverkehrsangebote, die nicht ihren Bedürfnissen entsprechen. Ausgehend von der infrastrukturellen Ausstattung des Bezirks mit barrierefreien Verkehrsmitteln, Bahnhöfen und Straßenquerungen müssen die Ursachen für die geringere Zufriedenheit der Hochbetagten vor allem in altersbedingten Mobilitätseinschränkungen gesehen werden. Dem hier von den ältesten Mitbürgerinnen und Mitbürgern angezeigten Hilfebedarf zur Stärkung ihrer Kompetenzen für eine selbstbestimmte Alltagsbewältigung könnte durch den Ausbau der Mobilitätshilfe- und Begleitdienste entsprochen werden (vgl. Abbildung 3.7a).

1

Vgl. § 22 SGB II. 31

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008



Die Zufriedenheit mit den zwischenmenschlichen Beziehungen ist bei den ausgewählten soziostrukturellen Gruppen mehrheitlich überdurchschnittlich ausgeprägt. Allerdings lassen die geringeren Zufriedenheitsquoten bei Arbeitslosen (39 Prozent), Migranten (48 Prozent), 50- bis unter 65-Jährigen, Erwerbstätigen, Rentnern wegen Erwerbsminderung (je 54 Prozent) und Personen ohne berufliche Qualifikation (50 Prozent) auf defizitäre soziale Kontakte und daraus resultierende Einschränkungen im sozialen Wohlbefinden schließen.



Hochschulabsolventen, Hausfrauen, 75- bis unter 85-Jährige und Migranten äußern die höchste Zufriedenheit mit der gesundheitlichen Betreuung. Demgegenüber äußern erheblich weniger Arbeitslose, Facharbeiter, Erwerbstätige, 50- bis unter 65-Jährige und Frauen eine diesbezügliche Zufriedenheit. Die augenscheinliche Konzentration der Zufriedenheitsdefizite bei Erwerbspersonen lässt sowohl eine Differenz zwischen den Betreuungsbedürfnissen und Angeboten (z.B. Öffnungszeiten der Praxen, Terminvergabe) als auch auf eingeschränkte Möglichkeiten zur Bedienung der Zuzahlungen zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen (Hartz IV-Empfänger/-innen) schließen.



Die Zufriedenheit mit der Arbeit ist offensichtlich verbunden mit der Verfügbarkeit eines Arbeitsplatzes und der gesundheitlichen Voraussetzung, diesen auch ausfüllen zu können, und einer abgeschlossenen beruflichen Qualifikation. All jene, die sich nicht oder nicht im vollen Maße auf diese Voraussetzungen stützen können, zeigen auch eine geringere Zufriedenheit mit der Arbeit an (Arbeitslose, Rentner wegen Erwerbsminderung, Personen ohne Berufsabschluss, Migranten und Facharbeiter) (vgl. Abbildung 3.7b).

Abbildung 3.7a+b:

Zufriedenheit mit ausgewählten Lebensbereichen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* - (nur Antwort: "zufrieden")
Zufrieden mit: der Wohnung
79 77 78 77 76 78 74 80 84 69 76 74 54 81 80 73 74 78 84
27 26 22 16 46 19 20 21 23 10 10

den Wohngebietsbedingungen
100 1998 nicht erfragt 67 10 33 10

dem öffentlichen Nahverkehr
47 59 68 59 59 60 59 64 60 37 58 60 64 65 60 59 59 63 60
63 53 41 10 10

insg. Steglitz 1998 insgesamt 2008 Migrat.hintergrund ja nein Geschlecht weiblich männlich Altersphasen 50 b.u. 65 Jahre 65 b.u. 75 Jahre 75 b.u. 85 Jahre 85 Jahre u. ält. Erwerbsstatus Erwerbstätige Erwerbsmind.-Rentn. Arbeitslose Hausfrau Rentner/Pensionäre berufl. Qualifikation ohne Abschluss Facharbeiter FS-Abschluss HS-Abschluss Zufrieden mit: insg. Steglitz 1998 insgesamt 2008 Migrat.hintergrund ja nein Geschlecht weiblich männlich Altersphasen 50 b.u. 65 Jahre 65 b.u. 75 Jahre 75 b.u. 85 Jahre 85 Jahre u. ält. Erwerbsstatus Erwerbstätige Erwerbsmind.-Rentn. Arbeitslose Hausfrau Rentner/Pensionäre berufl. Qualifikation ohne Abschluss Facharbeiter FS-Abschluss HS-Abschluss

22 23

10 10

74 67 67 67 64 70 67 74 65 63 54 67 70 67 63 69 72

26 33

10 10

32 41

10 10

24 22

10 10

33 33

10 10

41 40

10 10

26 20 16 31

10 10 10 10

36 30 33 26

10 10 10 10

41 36 40

10 10 10 10

24 26

10 10 10 10 10

35 37 46 33 30

10 10 10 10 10

42 40 36 35 40

10 10 10 10 10

10 10 10 10

33 37 31 28

10 10 10 10

41 41 37 40

10 10 10 10

den zwischenmenschlichen Beziehungen
53 57 48 57 57 57 54 59 62 62 54 54 39 69 60 50 54 62 63
50 46 38 37 61 31 40 47 43 10 10

der gesundheitlichen Betreuung
49 49 54 49 48 51 45 53 56 52 44 49 40 57 54 50 43 50 59
51 51 10 10

Ihrer Arbeit*
100 1998 nicht erfragt 55 45 10 10

52 43

10 10

46 51

10 10

39 46 45 45 45
100 100 100

61 54

10 10

43 43

10 10

52 49

10 10

55 55

10 10

46 41 38 38

10 10 10 10

55 47 44 48

10 10 10 10

55

10 10 10 10

46 46

10 10 10 10 10

56 51 60 43 46

10 10 10 10 10

53 29 10 51
100 90 71

47

10 10 10

49

10 10

10 10 10 10

50 57 50 41

10 10 10 10

38 41 48 53

62 59 52 47

10 10 10 10

* nur 50- bis unter 65-Jährige Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

32

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008



Nur ein Drittel der Probanden ist zufrieden mit den eigenen Zukunftsaussichten. Diese Zufriedenheit wird überdurchschnittlich geäußert von Personen mit Hoch- oder Fachschulabschluss, von Männern und Erwerbstätigen sowie von Rentnern bzw. Pensionären, von jungen Alten und von Hausfrauen. Seltener bestätigen Arbeitslose, Facharbeiter, Migranten, Erwerbsminderungsrentner und Frauen, mit ihren Zukunftsaussichten zufrieden zu sein.



Vor allem selbst in ehrenamtlicher Arbeit aktive Migranten (in einem BVV-Ausschuss, anderen demokratischen Gremien), aber auch 75- bis unter 85-Jährige (in Seniorengruppen, Vereinen, Verbänden) und Hochschulabsolventen (als Übungsleiter, in einer Sozialkommission) sowie noch mehr jene, die eine Bereitschaft zur ehrenamtlichen Mitarbeit bekundet haben, sind mit den demokratischen Mitwirkungsmöglichkeiten zufrieden (vgl. Abbildung 3.7c).



Die Zufriedenheit mit der Umweltsituation wird von der überwiegenden Mehrheit mit teilweise zufrieden beschrieben. Eine eindeutige Zufriedenheit auf diesem Gebiet unterstreichen Hochschulabsolventen, Hochbetagte und Männer häufiger als andere angezeigte Gruppen.

Abbildung 3.7c+d:

Zufriedenheit mit ausgewählten Lebensbereichen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent - (nur Antwort: "zufrieden")
Zufrieden mit: insg. Steglitz 1998 insgesamt 2008 Migrat.hintergrund ja nein Geschlecht weiblich männlich Altersphasen 50 b.u. 65 Jahre 65 b.u. 75 Jahre 75 b.u. 85 Jahre 85 Jahre u. ält. Erwerbsstatus Erwerbstätige Erwerbsmind.-Rentn. Arbeitslose Hausfrau Rentner/Pensionäre berufl. Qualifikation ohne Abschluss Facharbeiter FS-Abschluss HS-Abschluss Zufrieden mit: insg. Steglitz 1998 insgesamt 2008 Migrat.hintergrund ja nein Geschlecht weiblich männlich Altersphasen 50 b.u. 65 Jahre 65 b.u. 75 Jahre 75 b.u. 85 Jahre 85 Jahre u. ält. Erwerbsstatus Erwerbstätige Erwerbsmind.-Rentn. Arbeitslose Hausfrau Rentner/Pensionäre berufl. Qualifikation ohne Abschluss Facharbeiter FS-Abschluss HS-Abschluss 11 16 15 16 12 21 15 16 17 23 17 10 11 12 17 15 12 16 24 den eigenen Zukunftsaussichten 38 33 23 33 31 35 31 36 32 30 34 27 10 36 35 29 25 35 46
71 90 77 62 10

den demokratischen Mitwirkungsmöglichkeiten 100 1998 nicht erfragt 26 31 26 23 29 26 25 28 23 29 22 20 26 26 24 21 26 36
74 10

der Sicherheit auf Straßen und Plätzen 29 21 31 21 20 23 21 20 24 19 24 16 18 19 21 17 17 21 32
71 10

67

10

10

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10

10

69

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69

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67

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69

10

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71

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77

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10

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10

10

80

10

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10

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10

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10

81

10

65

10

74

10

79

10

10

76

10

83

10

75

10

79

10

83

10

65

10

74

10

79

10

54

10

64

10

68

10

der Umweltsituation
89 10

der Tätigkeit der öffentlichen Verwaltung
10

dem Verhältnis von Einkommen und Preisen
10

84

15 16 27 15 16 15 14 17 21 19 14 14 11 16 18 20 14 15 17

85

1998 nicht erfragt
100

10

84

10

8 5 8 6 10 8 8 8 8 9 3 2 8 8 6 5 7 14

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73

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95

10

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85

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10

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83

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79

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10

77

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10

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10

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10

86

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97

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89

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10

76

10

83

10

86

10

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)



Die Zufriedenheit mit der Tätigkeit der öffentlichen Verwaltung beruht sowohl auf der Bewertung der Realisierung der gesetzlichen Pflichtaufgaben durch das Bezirksamt als auch den konkreten Erfahrungen im Kontakt mit Mitarbeitern der öffentlichen Verwaltung bei der Klärung individueller Angelegenheiten (Pass- und Meldewesen, Bürgeramt, allgemeiner Sozialdienst, Leistungsämter - Sozialhilfe, Wohngeldstelle). Die Zufriedenheit steigt, wenn der Bürgerin
33

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

oder dem Bürger vom Amt aus geholfen werden kann. Überdurchschnittliche Zufriedenheitsquoten werden in diesem Zusammenhang von Migranten, ab 75-Jährigen, Rentnern und Pensionären sowie Personen ohne berufliche Qualifikation erzielt.  Das Verhältnis von Einkommen und Preisen steht bei den ab 50-Jährigen vorrangig in Kritik. Männer, Erwerbstätige und Hochschulabsolventen lassen häufiger als der Durchschnitt Zufriedenheit erkennen (vgl. Abbildung 3.7d). Die Lebensbereiche mit einem Unzufriedenheitspotenzial von 20 und mehr Prozent sowie der Bereich der gesundheitlichen Betreuung (mit 11 Prozent Unzufriedenheit) sollen einer tieferen Beleuchtung unterzogen werden, um die Ursachen von Unzufriedenheit der älteren Bürger bei künftigen Entscheidungen berücksichtigen zu können. Im Zusammenhang mit den ausgewählten Lebensbereichen zeichnen sich folgende Schwerpunkte der Unzufriedenheit ab:  Bei einer überwiegenden Unzufriedenheit mit dem Verhältnis von Einkommen und Preisen (61 Prozent) werden überdurchschnittliche Unzufriedenheitsquoten von Arbeitslosen (84 Prozent), Erwerbsminderungsrentnern (78 Prozent), Facharbeitern (70 Prozent), Migranten (68 Prozent), 50- bis unter 65-Jährigen (67 Prozent) und Hausfrauen (66 Prozent) angezeigt. Die überdurchschnittliche Unzufriedenheit auf diesem Gebiet erfährt eine breite Streuung in der ab 50-jährigen Bevölkerung.  Die Sicherheit auf Straßen und Plätzen ist Ursache von Unzufriedenheit vor allem von Rentnern wegen Erwerbsminderung, Arbeitslosen, allen Qualifikationsgruppen mit Ausnahme der Hochschulabsolventen und Männern sowie den 50- bis unter 75-Jährigen. Diese Unzufriedenheit tritt überdurchschnittlich in den Bezirksregionen Albrechtstraße und Lankwitz (je 33 Prozent), Ostpreußendamm (30 Prozent) und Schloßstraße (29 Prozent) auf. Aus den Bezirksregionen Zehlendorf Nord (24 Prozent), Zehlendorf Südwest (23 Prozent) und Drakestraße (23 Prozent) wird solche Unzufriedenheit nur unterdurchschnittlich vorgetragen.  In Bezug auf die demokratischen Mitwirkungsmöglichkeiten äußern Arbeitslose (39 Prozent), Rentner wegen Erwerbsminderung (33 Prozent), Männer, 50- bis unter 65-Jährige und Facharbeiter (je 28 Prozent) sowie Erwerbstätige (27 Prozent) häufiger Unzufriedenheit als andere Gruppen (vgl. Abbildung 3.8a).  Die Unzufriedenheit mit der Umweltsituation ist überdurchschnittlich hoch bei Arbeitslosen, Hausfrauen, Personen ohne Berufsabschluss, Migranten, Rentnern wegen Erwerbsminderung und Frauen. Sie sinkt mit steigender Qualifikation und zunehmendem Alter.  Die Tätigkeit der öffentlichen Verwaltung - nicht auf das Bezirksamt zu begrenzen, sondern einschließlich Arbeitsagentur, Jobcenter, Rentenversicherung, Krankenkassen - als Quelle von Unzufriedenheit realisiert sich vor allem bei Arbeitslosen (29 Prozent), Erwerbstätigen und Erwerbsminderungsrentnern (je 25 Prozent) sowie bei Männern und 50- bis unter 65-Jährigen (je 24 Prozent).  Hinsichtlich der gesundheitlichen Betreuung liegt der Unzufriedenheitpegel wesentlich niedriger, da aber in diesem Bereich eine bezirkliche Einflussnahme durchaus gegeben ist, soll das Unzufriedenheitspotenzial unter den ab 50-Jährigen genauer beleuchtet werden. Überdurchschnittliche Unzufriedenheit (mehr als 11 Prozent) artikulieren Arbeitslose (17 Prozent), Erwerbstätige (15 Prozent), 50- bis unter 65-Jährige und Migranten (13 Prozent) (vgl. Abbildung 3.8b).

34

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 3.8a+b: Unzufriedenheit mit ausgewählten Lebensbereichen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent - (nur Antwort: "unzufrieden")
Unzufrieden mit: insgesamt Migrat.hintergrund ja nein Geschlecht weiblich männlich Altersphasen 50 b.u. 65 Jahre 65 b.u. 75 Jahre 75 b.u. 85 Jahre 85 Jahre u.älter Erwerbsstatus Erwerbstätige Erwerbsmind.-Rentn. Arbeitslose Hausfrau Rentner/Pensionäre berufl. Qualifikation ohne Abschluss Facharbeiter FS-Abschluss HS-Abschluss Unzufrieden mit: insgesamt Migrat.hintergrund ja nein Geschlecht weiblich männlich Altersphasen 50 b.u. 65 Jahre 65 b.u. 75 Jahre 75 b.u. 85 Jahre 85 Jahre u.älter Erwerbsstatus Erwerbstätige Erwerbsmind.-Rentn. Arbeitslose Hausfrau Rentner/Pensionäre berufl. Qualifikation ohne Abschluss Facharbeiter FS-Abschluss HS-Abschluss dem Verhältnis von Einkommen u.Preisen 61 68 61 63 57 67 57 52 47 62 78 84 66 57 62 70 61 23
77 39 10

der Sicherheit auf Straßen und Plätzen 28 21 28 26 30 29 29 22 23 26 36 35 27 28 31 32 31 10
90 79 72 10

den demokratischen Mitbestimmungsmöglichkeiten 25 24 25 23 28 28 24 19 9 27 33 39 23 21 23 28 24 10
75 10

32

10

10

76

10

39

10

72

10

75

10

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72

10

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71

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43

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10

76

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10

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10

38

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74

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10

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39

10

69

10

76

10

10

10

90

10

der Umweltsituation 22 27 22 26 17 24 23 21 11 20 26 36 34 21 26 24 21 9
91 78 10

der Tätigkeit der öffentlichen Verwaltung 20 22 20 17 24 24 19 12 4 25 25 29 16 15 14 21 22 11
80 10

der gesundheitlichen Betreuung 11 13 10 11 10 13 9 4 9 15 12 17 4 8 10 12 11 4
89 10

73

10

78

10

87

10

78

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74

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10

83

10

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10

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10

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10

76

10

87

10

77

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96

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96

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71

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10

89

10

96

10

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Einen besonderen Platz im Leben der 50- bis unter 65-Jährigen nehmen die eigene Erwerbsbeteiligung und deren Einfluss auf die eigenen Zukunftsaussichten ein. Während die mit ihrer Arbeit zufriedenen Probanden die Zufriedenheit mit den Zukunftsaussichten auf eine breitgefächerte Skala der Zufriedenheit mit verschiedensten Lebensbereichen stützen, schlägt sich die Unzufriedenheit mit der Arbeit bei den mit der Erwerbssituation Unzufriedenen dominierend in Unzufriedenheit mit den eigenen Zukunftsaussichten nieder. Es geht dabei nicht allein um annähernde Übereinstimmung in den prozentualen Ausprägungen der dargestellten sozialen Gruppen, sondern um überwiegende Übereinstimmung von Personen. Das heißt, wer mit seiner Arbeitssituation unzufrieden ist, äußert - bis auf wenige Ausnahmen - auch Unzufriedenheit mit seinen eigenen Zukunftsaussichten (vgl. Abbildung 3.9).

35

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 3.9: Unzufriedenheit mit Ihrer Arbeit und mit den eigenen Zukunftsaussichten - 50- bis 65-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent insgesamt Migrat.hintergrund ja nein Geschlecht weiblich männlich Altersphasen 50 b.u. 65 Jahre Erwerbsstatus Erwerbstätige Erwerbsmind.-Rentn. Arbeitslose Hausfrau 60 40 20 Ihrer Arbeit Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.) 52 5 0 4 20 40 60 12 12 17 21 54 14 19 12 15 18 20 21 13 18 26 14 19

den eigenen Zukunftsaussichten

3.3

Sorgen, Ängste und Befürchtungen

Vor dem Hintergrund einer von überwiegender Lebenszufriedenheit geprägten Grundstimmung der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf gibt es nicht nur unterschiedlich ausgeprägte Unzufriedenheit mit bestimmten Lebensbereichen, sondern auch Ursachen für weitergehende Sorgen, Ängste und Befürchtungen. Gegenstand von Sorgen der ab 50-Jährigen sind sowohl ihre Gesundheit und damit zusammenhängende Probleme, die weltpolitische Lage und die eigene materielle Absicherung ihres Alters als auch die eigene Familie betreffende Probleme. Insgesamt 10 Prozent unterstreichen, keine Sorgen zu haben. Individuelle Sorgen Die Häufigkeit der Nennungen ausgewählter Sorgenfelder lässt eine Rangfolge mit einem Spitzenwert von 62 Prozent und einen geringsten Wert von 9 Prozent erkennen . Daraus ergibt sich folgende Verteilung (vgl. Tabelle 3.1):  An der Spitze des Sorgenkatalogs der ab 50-Jährigen steht die Sorge um den Anstieg der Zuzahlungen für Gesundheitsleistungen (62 Prozent) gefolgt von Sorgen um die eigene Gesundheit (56 Prozent).   Mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) wendet sich mit Besorgnis der weltpolitischen Lage zu. Im Vordergrund von Sorgen um die eigene materielle Lage steht die Problematik der Rentensicherheit (50 Prozent); die Hälfte der ab 50-Jährigen bewegt die seit 1996 fortgesetzten rentenrechtlichen Veränderungen mit deren rentenmindernden Wirkungen.  Ganz allgemein machen sich 41 Prozent der Befragten Sorgen um ihre finanziellen Verhältnisse. Dieser Problemkreis reicht von den Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf die individuellen Finanzen, über die aktuelle Einkommenslage bis hin zur Gefahr von Altersarmut.  Die aktuelle und künftige Bezahlbarkeit der Wohnung stellen für mehr als ein Drittel (36 Prozent) ein ernstes Sorgenpotenzial dar.  Auf die Familie gerichtete Sorgen von ab 50-Jährigen konzentrieren sich bei 30 Prozent auf die eigenen Kinder und deren Lebensbedingungen. Das schließt sowohl bestehende gesundheitliche Probleme der Kinder, mögliche Schwierigkeiten auf dem Arbeits- oder Ausbildungsmarkt als auch Partnerschaftsprobleme ein.
2

2

Mehrfachantworten; Differenz zu 100 Prozent für jeden Wert = ohne Antwort.

36

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008



Insgesamt 18 Prozent der Probanden sorgen sich im Zusammenhang mit ihrem Älterwerden um die Konfrontation mit Alleinsein bzw. Einsamkeit.



Der Zusammenhalt der Familie - vor allem unter den Bedingungen zunehmender erwerbsbedingter Mobilität der erwachsenen Kinder - wird für 12 Prozent zum Sorgeninhalt. Ebenfalls 12 Prozent sehen in diesem Zusammenhang auch mögliche Verschlechterungen des Verhältnisses zwischen den Generationen.



Insgesamt 9 Prozent der ab 50-Jährigen blicken auch mit Besorgnis auf die Enkel - hier hauptsächlich auf die Entwicklungs- und Ausbildungschancen von Jugendlichen, aber auch auf bestehende Gefahren im Zusammenhang mit Drogen oder Kriminalität.

Die sozialräumliche Verteilung von Sorgenpotenzialen lässt erkennen, dass sich die Probanden aus den Bezirksregionen zwei, drei und vier sowohl bezüglich der Gesundheit, der materiellen Alterssicherung und der Familienproblematik häufiger Sorgen machen als in den anderen Bezirksregionen. Jedoch bezogen auf die weltpolitische Lage sind die Besorgnisse bei den Probanden aus der Bezirksregion sieben am stärksten ausgeprägt. Die Tabelle 3.1 gibt über die prozentualen Unterschiede des Auftretens konkreter Sorgen Auskunft und hebt jeweils die häufigsten und die geringsten Nennungen hervor. Tabelle 3.1: Gibt es in Ihrem Leben etwas, was Ihnen Sorgen bereitet? - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* insgesamt Bezirksregionen BR1 Schloßstraße BR2 Albrechtstraße BR3 Lankwitz BR4 Ostpreußendamm 66 58 49 49 45 35 30 19 18 14 9 BR5 Teltower Damm BR6 Drakestraße BR7 Zehlendorf Südwest 49 51 56 38 27 25 31 13 10 11 9 BR8 Zehlendorf Nord

Ich mache mir Sorgen um …

den Anstieg der Zuzahlungen für Gesundheitsleistungen meine Gesundheit die weltpolitische Lage die Sicherheit meiner Rente meine finanziellen Verhältnisse die Bezahlbarkeit meiner Wohnung meine Kinder das Alleinsein, die Einsamkeit den Zusammenhalt meiner Familie das Verhältnis der Generationen zueinander meine Enkel

62 56 52 50 41 36 30 18 12 12 9

57 56 53 51 44 39 27 17 5 12 6

63 59 48 55 45 41 30 20 11 13 8

69 57 54 55 44 41 32 19 18 14 12

68 54 48 53 40 36 30 19 12 13 11

60 53 52 46 39 35 29 18 11 11 7

53 54 55 43 36 32 26 15 8 8 11

Ich habe keine Sorgen.

10

8

6

8

9

11

11

15

12

*

Mehrfachantworten, Differenz zu 100 Prozent in jeder Position = ohne Antwort

größte Häufigkeit orange und geringste Häufigkeit grün unterlegt Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Diese Insgesamt-Aussagen zu ausgewählten Sorgen von ab 50-Jährigen differenzieren sich jedoch deutlich nach soziostrukturellen Merkmalen. Dabei lassen sich folgende Unterschiede erkennen:  Gegenüber der Gesamtheit äußern Probanden mit Migrationshintergrund hinsichtlich der Zuzahlungen für Gesundheitsleistungen, der eigenen Gesundheit sowie in Bezug auf das Generationenverhältnis seltener Sorgen als die einheimischen Probanden.

37

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008



Übereinstimmende/annähernd übereinstimmend ausgeprägte Sorgen werden bezüglich der weltpolitischen Lage, der Sicherheit der eigenen Rente und der Entwicklung der Enkel genannt.



Ein höheres Sorgenpotenzial als die einheimischen Probanden dokumentieren die Migranten hinsichtlich der finanziellen Verhältnisse, der Bezahlbarkeit der eigenen Wohnung, der Einsamkeit und der eigenen Kinder (vgl. Abbildung 3.10a).



Bezüglich der Gesamtheit der genannten Sorgeninhalte tritt ein auffälliger geschlechtsspezifischer Unterschied hervor. Bei bestehender Übereinstimmung der Rangfolge (mit Ausnahme der Sorge um das Verhältnis der Generationen) und damit auch der Bedeutung dieser Sorgeninhalte für Frauen und Männer wird deutlich erkennbar, dass die Häufigkeitsquote bei den Frauen die der Männer in den einzelnen Positionen um 4 bis 10 Prozentprozentpunkte übertrifft. Das heißt, das Leben der Frauen ist gegenüber dem der Männer in höherem Maße mit Sorgen belastet. Mehr Männer als Frauen bestätigen, keine Sorgen zu haben (vgl. Abbildung 3.10b).

Abbildung 3.10a+b: Was macht Ihnen in Ihrem Leben Sorgen? - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent Sorgen um ... Anstieg der Zuzahlung für Gesundheitsleistungen meine Gesundheit die weltpolitische Lage Sicherheit meiner Rente meine finanz. Verhältnisse Bezahlbarkeit meiner W ohnung meine Kinder Alleinsein/Einsamkeit den Zusammenhalt meiner Familie das Verhältnis der Generationen meine Enkel

insgesamt
62 56 52 50 41 36 30 18 12 12 9

mit Migrationshintergrund
Anstieg der Zuzahlung 52 für Gesundheitsleistungen 53 52 49 meine Gesundheit die weltpolitische Lage Sicherheit meiner Rente

Frauen
65 59 54 54 43 39 34 21 14 12 11 13 10 12 7 24

Männer
58 51 49 44 38 33

48 meine finanz. Verhältnisse 39Bezahlbarkeit meiner W ohnung 44 19 14 9 8 meine Kinder Alleinsein/Einsamkeit den Zusammenhalt meiner Familie das Verhältnis der Generationen meine Enkel

keine Sorgen 60 40 20

10 0

11 20 40

keine Sorgen 60 60 40 20

8 0

12 20 40 60

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)



Betrachtet man die Verteilung der ausgewählten Sorgen nach Altersphasen (vgl. Tabelle 3.2), so wird deutlich, dass mit Ausnahme der Sorge um die Gesundheit und um das Alleinsein alle anderen Positionen im Altersverlauf im Ausprägungsgrad zurückgehen.



Sorgen um die materielle Alterssicherheit - Sicherheit der Renten, der finanziellen Verhältnisse, der Bezahlbarkeit der Wohnung und wegen der Zuzahlungen für Gesundheitsleistungen konzentrieren sich bei den künftigen Senioren.

 

Sorgen um die Gesundheit und wegen des Alleinseins nehmen im Altersverlauf zu. Auf die Familie bezogene Sorgen treten verstärkt bei den jungen Alten auf. Mit der Erlangung der wirtschaftlichen Selbstständigkeit und infolge erwerbsbedingter Mobilität besteht in vielen Familien eine räumliche Trennung zwischen den Eltern und den erwachsenen Kindern. Insbesondere bei Auftreten von Hilfebedarf wird dieser Sachverhalt zur Ursache von Sorgen wegen fehlender familialer Hilfepotenziale.

38

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Tabelle 3.2: Grad der Besorgnis um … nach Altersphasen und Erwerbsstatus - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Altersphasen künftige Senioren 50 b.u. 65 Jahre den Anstieg der Zuzahlung für Gesundheitsleistungen meine Gesundheit die weltpolitische Lage die Sicherheit meiner Rente meine finanziellen Verhältnisse die Bezahlbarkeit meiner Wohnung meine Kinder das Alleinsein/die Einsamkeit den Zusammenhalt meiner Familie das Verhältnis der Generationen zueinander meine Enkel Ich habe keine Sorgen. 62 49 51 55 48 40 31 15 11 13 5 9 Erwerbstätige junge Alte 65 b.u. 75 Jahre 66 59 55 46 38 36 31 18 15 13 13 9 Erwerbsstatus Rentner wegen Erwerbsminderung 77 77 50 55 58 63 33 16 13 14 3 10 Arbeitslose Ruhestand: Rentner/ Pensionäre 62 62 52 44 34 33 29 20 13 12 10 13 Alte im fortgeschrittenen Alter 75 b.u. 85 Jahre 57 69 51 40 24 26 27 26 14 8 15 11 Hochbetagte 85 Jahre und älter 50 63 40 39 24 22 13 25 9 12 9 11

Ich mache mir Sorgen um …

den Anstieg der Zuzahlung für Gesundheitsleistungen meine Gesundheit die weltpolitische Lage die Sicherheit meiner Rente meine finanziellen Verhältnisse die Bezahlbarkeit meiner Wohnung meine Kinder das Alleinsein/die Einsamkeit den Zusammenhalt meiner Familie das Verhältnis der Generationen zueinander meine Enkel Ich habe keine Sorgen.

57 44 52 56 44 34 30 14 11 13 11 4

72 55 45 66 76 59 25 21 19 16 6 10

* Mehrfachantworten, Differenzen in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort; stärkste Ausprägung jeweils fett gesetzt Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)



Im Zusammenhang mit dem Erwerbsstatus zeigt sich insgesamt, dass Arbeitslose und Erwerbsminderungsrentner stärker durch Sorgen belastet sind als Erwerbstätige und im Ruhestand befindliche Personen.



Wenn es um die materielle Alterssicherung geht - im Zusammenhang mit Rentensicherheit, Bezahlbarkeit der Wohnung, mit den individuellen finanziellen Verhältnissen oder um Zuzahlungen für Gesundheitsleistungen -, dann weisen Arbeitslose und Erwerbsminderungsrentner die höchsten Sorgenbelastungen aus. Hinsichtlich der Sicherheit der Rente ist das Sorgenpotenzial bei den Erwerbstätigen mit den genannten Gruppen vergleichbar groß.



Sorgen um den Zusammenhalt der Familie, um das Generationenverhältnis und wegen Einsamkeit konzentrieren sich am stärksten bei Arbeitslosen. Aufgrund des häufigen Mangels an sozialen Kontakten und der (Selbst)Ausgrenzung aus sozialen Netzen orientieren sich Arbeitslose auf die Familie und hoffen, in diesem Familienkreis soziale Bindungen aufrechtzuerhalten (vgl. Tabelle 3.2).

39

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Ängste und Befürchtungen In Abhängigkeit von den individuellen Lebensverhältnissen und den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen können bestehende persönliche, finanzielle, ökologische, soziale oder politische Problem- und Konfliktlagen zur Ursache von Ängsten und Befürchtungen werden. Als solche Ängste oder Befürchtungen verursachende Problem- und Konfliktlagen erweisen sich für die ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf in erster Linie persönliche Gesundheitseinschränkungen. Im gesellschaftlichen Rahmen zählen für sie Krieg und Gewalt in all ihren Erscheinungsformen zu den Quellen von Ängsten und Befürchtungen. Weiteres Angstpotenzial erwächst aus allen Arten der Bedrohung der materiellen Existenzgrundlage der älteren Bürgerinnen und Bürger sowie deren Familien. Ökologisch bedingte Ängste oder Befürchtungen richten sich vor allem auf den Klimawandel und dessen Folgen. Nur 9 Prozent geben an, keine Ängste oder Befürchtungen zu haben. Ängste und Befürchtungen davor, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, hegen 64 Prozent der ab 50-Jährigen im Bezirk. Bei nicht Wenigen (41 Prozent) verbindet sich diese Angst mit Befürchtungen, nicht ausreichend gesundheitlich betreut zu werden. Diese Angst bestätigen 48 Prozent der gesetzlich und 21 Prozent der privat Krankenversicherten. Die Angst vor Gewalt äußern 55 Prozent der Probanden bezogen auf Gewalt und Kriminalität, 44 Prozent im Zusammenhang mit politischem Radikalismus und 39 Prozent als Angst vor Krieg. Die Befürchtungen um die Sicherheit der materiellen Existenzgrundlage für sich und ihre Familien leiten sich aus einer Reihe ganz konkreter gesellschaftlicher Entwicklungen wie die Lage am Arbeitsmarkt, die konjunkturellen und strukturellen Krisenprozesse in der Wirtschaft, die langfristige Dämpfung der Rentenanpassung an die Löhne oder die weltweite Finanzkrise ab. So haben 51 Prozent Angst vor weiteren Rentenkürzungen. Vor allem im Zusammenhang mit der Finanzkrise hegen 48 Prozent Befürchtungen wegen Geldentwertung. Infolge der seit 1996 fortwährenden rentenrechtlichen Veränderungen und der für die Neurentner daraus resultierenden Minderung der Rentenzahlbeträge dominiert bei 39 Prozent der ab 50-Jährigen Angst vor Altersarmut. Insbesondere der Anteil der 50- bis unter 65-Jährigen, der mit Arbeitslosigkeit, Vermittlungsschwierigkeiten und nur seltenen Wiedereinstiegschancen konfrontiert wurde, entwickelt Angst davor, in Hartz IV zu geraten (15 Prozent) oder bei Arbeitslosigkeit aufgrund des Partnereinkommens ohne Leistungsanspruch dazustehen (13 Prozent). Für mehr als ein Viertel (27 Prozent) verbinden sich mit dem Klimawandel Ängste oder Befürchtungen. Die sozialräumliche Verteilung des Auftretens von Ängsten und Befürchtungen widerspiegelt eine höhere Ausprägung von Ängsten und Befürchtungen auf allen genannten Problemfeldern - mit Ausnahme des Klimawandels - in den Bezirksregionen Albrechtstraße und Lankwitz, ökologische bedingte Ängste werden am häufigsten von Probanden aus der Bezirksregion Zehlendorf Nord genannt (vgl. Tabelle 3.3).

40

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Tabelle 3.3: Inhalte von Ängsten und Befürchtungen - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* insgesamt Bezirksregionen BR1 Schloßstraße BR2 Albrechtstraße BR3 Lankwitz BR4 Ostpreußendamm 67 57 57 45 41 44 38 42 37 23 17 7 6 BR5 Teltower Damm 65 55 52 49 44 46 39 42 39 27 17 5 3 BR6 Drakestraße BR7 Zehlendorf Südwest 59 44 37 42 45 27 24 25 39 28 10 5 4 BR8 Zehlendorf Nord 59 48 43 43 43 35 31 33 39 30 17 7 4

Ängste und Befürchtungen …

auf fremde Hilfe angewiesen zu sein vor Gewalt/Kriminalität vor weiteren Rentenkürzungen vor der Entwertung des Geldes vor politischem Radikalismus nicht ausreichend gesundheitlich betreut zu werden vor der Steigerung der Mieten vor Altersarmut vor Krieg wegen des Klimawandels Ihre Wohnung zu verlieren davor, in Hartz IV zu geraten bei Arbeitslosigkeit ohne Leistungsanspruch zu sein keine Ängste/Befürchtungen

64 55 51 48 44 41 39 39 39 27 18 9 7

62 53 48 45 42 35 40 37 39 30 18 13 8

68 56 54 52 43 45 48 46 38 27 22 14 11

67 64 58 53 46 45 47 42 41 26 21 8 7

63 53 48 46 46 41 37 36 38 29 17 10 9

9

5

8

6

9

9

9

11

12

*

Mehrfachantworten; Differenz zu 100 Prozent in jeder Position = ohne Antwort

größte Häufigkeit orange und geringste Häufigkeit grün unterlegt Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die soziostrukturelle Differenzierung des Auftretens von Ängsten und Befürchtungen lässt folgende Unterschiede erkennen (vgl. Abbildung 3.11):  Im Unterschied zu den einheimischen Probanden (9 Prozent) teilen 15 Prozent der Personen mit Migrationshintergrund mit, keine solchen politischen, sozialen oder ökologischen Ängste zu haben.  Im Vergleich zeigt sich, dass Probanden mit Migrationshintergrund im höheren Maße bestätigen als die Gesamtheit der Befragungsteilnehmer, soziale Ängste zu haben - vor Mietsteigerungen, vor Altersarmut, vor Wohnungsverlust, vor Rentenkürzung und insbesondere vor Hartz IV und Arbeitslosigkeit ohne Leistungsanspruch.  Bezogen auf politische Ängste - vor Gewalt, Krieg oder politischem Radikalismus - bekunden die Migranten ein geringeres Angstpotenzial als die Gesamtheit.  Die geschlechtsspezifische Verteilung der hier angezeigten Ängste und Befürchtungen wiederholt in der Tendenz den bei den Sorgen vorgefundenen Befund, dass das Angstpotenzial bei Frauen wesentlich höher ausgeprägt ist als bei Männern. Leicht höhere Ängste als Frauen zeigen Männer in Bezug auf Hartz IV und Arbeitslosigkeit ohne Leistungsanspruch. Um 6 Prozentpunkte mehr Männer (12 Prozent) als Frauen (6 Prozent) leben ohne diese Ängste.  Während Männer sich sowohl bei Hilfebedarf als auch hinsichtlich der materiellen Lebensgrundlagen zumeist auf partnerschaftliche Ressourcen stützen können, stehen Frauen - vor allem im höheren Lebensalter - einer singulären Lebenssituation mit häufig schmalerem Haushaltsbudget als Partnerhaushalte und mit nicht gedecktem Hilfebedarf gegenüber. Daraus resultiert bei Frauen eine bis zu 18 Prozentpunkte stärkere Häufigkeit von Ängsten als bei Männern; z.B. Angst davor, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, vor weiteren Rentenkürzungen, vor nicht ausreichender gesundheitlicher Betreuung.

41

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 3.11: Inhalte von Ängsten und Befürchtungen nach Migrationshintergrund und Geschlecht - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* insg esamt
fremde Hilfe zu benötigen vor Gewalt/Kriminalität vor weiteren Rentenkürz. vor Geldentwertung vor polit. Radikalismus gesundh. Betreuung vor Steigerung der Mieten vor Altersarmut vor Krieg wegen des Klimawandels Verlust der Wohnung in Hartz IV zu geraten** bei Arbeitslosigk. o.Leistungsanspruch zu sein** keine Ängste/Befürchtungen 64 55 51 48 44 41 39 39 39 27 18 15 13 36 45 49 52 56 59 61 61 61 73 82 85 87 15 15 15 15 15 15 15 15 15 15

mit Migrationshinter grund
57 49 52 42 40 44 42 41 37 31 43 51 48 58 60 56 58 59 63 69 75 80 76 15 15 15 15 15 15 15 15 15

Frauen
72 58 56 50 46 46 43 42 43 28 42 44 50 54 54 57 58 57 72 81 86 88
15

Män ner
54 51 45 46 41 35 35 35 33 26 16 16 14 46 49 55 54 59 65 65 65 67 74 84 84 86
15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15 28 15 19 15 14 15 12

15

15

15 25 15 20 15 24

15

15

15

15

15

15

9

91

15 15

85 trifft zu

15 6

94 ohne Antw.

15

12

88

15

* Mehrfachantworten möglich ** nur 50-bis unter 65-Jährige Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)



Die unterschiedliche Verteilung von Ängsten zwischen den vier Altersphasen widerspiegelt die kohortenbedingten Lebensverhältnisse, Erfahrungshorizonte und Lebensperspektiven. 11 Prozent der Alten im fortgeschrittenen Alter bestätigen, keine Ängste und Befürchtungen zu haben (vgl. Abbildung 3.12).



Im Vergleich der jeweils größten Häufigkeit von Ängsten und Befürchtungen zwischen den Altersphasen konzentrieren sich bei den künftigen Senioren Ängste und Befürchtungen auf die aktuellen und künftigen Existenzrisiken wie Angst davor, in Hartz IV zu geraten, bei Arbeitslosigkeit ohne Leistungsanspruch zu sein und Angst vor Altersarmut.



Ausgehend von ihrer ferneren Lebenserwartung und ihrem gegenüber Älteren höheren Bildungsstand bilden die künftigen Senioren am häufigsten Ängste wegen des Klimawandels aus.



Ausgehend von den Perspektiven ihres individuellen Alterungsprozesses und der Kenntnis der altersbedingten gesundheitlichen Risiken entwickeln die jungen Alten stärker als Probanden anderer Altersphasen Angst davor, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein bzw. nicht ausreichend gesundheitlich betreut zu werden.



Den jeweils höchsten Grad der Befürchtungen bestätigen die jungen Alten ebenfalls bezogen auf Ängste vor Gewalt und Kriminalität sowie vor politischem Radikalismus.



Ängste wegen weiterer Rentenkürzungen und Geldentwertung erfahren bei den jungen Alten die höchste Ausprägung.



Bei den Hochbetagten lassen sich überwiegend nur unterdurchschnittliche Ausmaße von Ängsten feststellen. Im Gegensatz zu der relativen Gelassenheit im Umgang und in der Bewältigung verschiedenster Lebensrisiken bestätigt knapp die Hälfte (47 Prozent) der Hochbetagten, dass sie Angst vor Krieg haben.

42

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 3.12: Inhalte von Ängsten und Befürchtungen nach Altersphasen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* künftige Senioren 50 b.u. 65 Jahre
fremde Hilfe zu benötigen vor Gewalt/Kriminalität vor weiteren Rentenkürz. vor Geldentwertung vor polit. Radikalismus gesundh. Betreuung vor Steigerung der Mieten vor Altersarmut vor Krieg wegen des Klimawandels Verlust der Wohnung in Hartz IV zu geraten bei Arbeitslosigk. o. Leistungsanspruch zu sein 60 53 50 44 42 41 40 47 36 30 20 15 13 40 47 50 56 58 59 60 53 64 70 80 85 87

junge Alte 60 b.u. 75 Jahre 15 15 15 15 15 15 15 15 15
70 58 54 53 48 44 41 35 42 30 42 46 47 52 56 59 65 58 73 83 100 100

Alte im fortgeschr. Alter 75 b.u. 85 Jahre 15 15 15 15 15 15 15
66 54 51 49 43 35 36 34 46 49 51 57 65 64 78 61 77 87 100 100
15

Hochbetagte 85 Jahre u. älter
64 47 41 52 34 37 30 26 47 11 14 89 86 100 100 36 53 59 48 66 63 70 74 53
15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15 22 15
39

15

15

15

15

15 27 15 17 15 15

15 23 15 13 15 15

15

15

15

15

15

15

15

15

keine Ängste/Befürcht.

8

92

15 9

91 trifft zu

15 11

89 ohne Antw.

15

9

91

15

* Mehrfachantworten möglich Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Wenn man die Verteilung der angezeigten Ängste und Befürchtungen nach dem Erwerbsstatus betrachtet und gemessen am jeweils höchsten Ausprägungsgrad Vergleiche zieht, werden folgende Zusammenhänge erkennbar (vgl. Abbildung 3.13):  Die Auskünfte der Erwerbstätigen belegen, dass alle anderen angeführten Statusgruppen die jeweils größte Häufigkeit unter sich verteilen. Dennoch sind bei den Erwerbstätigen überdurchschnittliche Ängste davor, nicht ausreichend gesundheitlich betreut zu werden, vor Krieg, dem Verlust der Wohnung, wegen des Klimawandels und vor Hartz IV sowie bei Arbeitslosigkeit, ohne Leistungsanspruch zu sein, zu verzeichnen.  Die Gruppe der Erwerbsminderungsrentner dokumentiert eine hohe Belastung durch soziale und politische Ängste. Sowohl hinsichtlich der Angst, vor Geldentwertung, davor, nicht ausreichend gesundheitlich betreut zu werden, vor der Steigerung der Mieten, vor Altersarmut, vor Krieg und wegen des Klimawandels vereinen die Erwerbsminderungsrentner auf sich die höchsten Ausprägungen. Darüber hinaus wird dieses Angstpotenzial noch durch weit überdurchschnittlich verbreitete Angst vor dem Verlust der Wohnung ergänzt.  Die hochgradige Konzentration existenzieller Ängste bei Arbeitslosen belegt eine starke Einschränkung der individuellen Lebensqualität. Sie weisen im Vergleich zu den anderen Statusgruppen den jeweils höchsten Anteil an Angst fremde Hilfe zu benötigen, vor Gewalt und Kriminalität, vor politischem Radikalismus, in Hartz IV zu geraten und bei Arbeitslosigkeit ohne Leistungsanspruch zu sein, aus. Hinzu kommen noch überdurchschnittliche Ängste vor Geldentwertung und vor dem Verlust der Wohnung.  Rentner und Pensionäre bringen in den Positionen Angst davor, nicht ausreichend gesundheitlich betreut zu werden, und Angst vor Krieg die stärksten Konzentrationen hervor. Ihre Auskünfte bestätigen aber auch das Vorhandensein überdurchschnittlicher Ängste vor Geldentwertung, wegen des Klimawandels und vor dem Verlust der Wohnung.

43

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 3.13: Inhalte von Ängsten und Befürchtungen nach Erwerbsstatus - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Erwerbstätige
fremde Hilfe zu benötigen vor Gewalt/Kriminalität vor weiteren Rentenkürz. vor Geldentwertung vor polit. Radikalismus gesundh. Betreuung vor Steigerung der Mieten vor Altersarmut vor Krieg wegen des Klimawandels Verlust der Wohnung in Hartz IV zu geraten bei Arbeitslosigk. o. Leistungsanspruch zu sein 18 30 50 41 36 17 15 33 42 44 46 37 55 82 70 50 59 64 83 85 67 58 56 54 63 45

Rentner wegen Erwerbsminderung 15 15 15 15 15 15 15 15 15 15 15 15 6 152
29 32 63 49 38 94 98 50 75 71 68 37 51 62 62 61 47 71 50 25 38 39 53 29

Arbeitslose
63 73 38 66 58 65 72 69 52 61 71 80 69 62 34 42 35 37 27

Ruhestand: Rentner/Pensionäre
15

15 15 15 15 15 15 15 28 15 15 15 15
31

39 32 51 52 42 70 16 25 57 46 41 2
1

61 68 49 48 58 30 84 75 43 54 59 98 99

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

48 39 29

15

15

15

15

15

15

15 20 15
31

15

15

15

15

keine Ängste/Befürcht.

10

90

15 3

97 trifft zu

152

98 ohne Antw.

15

9

91

15

* Mehrfachantworten möglich; Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

3.4

Fazit

Die Analyse der Selbstaussagen der befragten ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf 2008 zu deren subjektiven Befindlichkeiten gestattet, die Hoffnungen und Befürchtungen, deren allgemeine Lebenszufriedenheit sowie Zufriedenheit mit wichtigen Lebensbereichen sowie die Inhalte ihrer Sorgen und Ängste kennenzulernen. Ihre Hoffnungen in die Entwicklung der nächsten Wochen und Monate zeichnet allgemein eine positive Grundstimmung ab, die zutiefst mit einer kritischen Lebenssicht verbunden ist, was sich in den Anteilen, sowohl Hoffnung als auch Befürchtungen zu haben, widerspiegelt. Die überwiegend positive Grundstimmung wird insbesondere von Personen mit Migrationshintergrund, von den Alten im fortgeschrittenen Alter und von den Erwerbstätigen geäußert. Einschränkungen einer positiven Grundstimmung werden vor allem bei den vorzeitig aus dem Erwerbsprozess ausgegrenzten Arbeitslosen sowie bei den wegen Erwerbsminderung berenteten Personen überdurchschnittlich in Äußerung von Befürchtungen erkennbar. Sozialräumlich konzentrieren sich diese Positionen stärker in der Bezirksregion zwei als anderenorts. Ein direkter Vergleich zwischen Hoffnungen und Befürchtungen erbringt in den Antworten aller in die Untersuchung einbezognen Gruppen und aller Antworten nach sozialräumlichen Gliederungen einen höheren Anteil der Äußerung von Befürchtungen als von Hoffnungen. Die dokumentierten Aussagen zur allgemeinen Lebenszufriedenheit der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf belegen sowohl die individuelle Auseinandersetzung mit den eigenen sozialen, familialen Lebensumständen als auch die Bewertung der eigenen Stellung in den zurückgelegten und aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen und finden in den individuellen Lebenshaltungen ihren Ausdruck. Die übergroße Mehrheit (93 Prozent) positioniert sich differenziert zwischen sehr zufrieden bis teilweise zufrieden. Ein Unzufriedenheitspotenzial erreicht den Umfang von 7 Prozent. Dieses rekrutiert sich vor allem aus Arbeitslosen, Männern mit Migrationshintergrund, Personen ohne berufliche Qualifikation. Die allgemeine Lebenszufriedenheit differenziert sich nach wichtigen Lebensbereichen erheblich. Dabei offenbart sich hohe Zufriedenheit in den Bereichen, die individuellen gestalterischen Einfluss ermöglichen bzw. erfordern wie z.B. das Wohnen oder die zwischenmenschlichen Beziehungen und in jenen Lebensbereichen, deren öffentliche Ausstattung ein

44

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Qualitätsniveau und weitere Entwicklungsmöglichkeiten erreicht haben, die den individuellen Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger entsprechen wie z.B. die Wohngebietsbedingungen oder der öffentliche Personennahverkehr . Je geringer die individuellen Einflussmöglichkeiten in bestimmten Lebensbereichen sind, mit umso größerer Unzufriedenheit werden diese reflektiert. Das betrifft sowohl bei den 50- bis unter 65-Jährigen den Bereich Arbeit, bei den künftigen Senioren bis zu den Alten im fortgeschrittenen Alter stärker als bei den Hochbetagten die Umweltsituation und bei den ab 50-Jährigen insgesamt die Sicherheit auf Straßen und Plätzen und das Verhältnis von Einkommen und Preisen als auch jene Bereiche, in denen individuelle Engagementmöglichkeiten aus unterschiedlichsten Motiven nicht genutzt werden wie z.B. die demokratischen Mitwirkungsmöglichkeiten dafür. Einen Teil dieser Unzufriedenheiten abzubauen, bieten sich Möglichkeiten u.a. durch  Information und Aufklärung zur Stärkung des umweltbewussten individuellen Handelns der Bürgerinnen und Bürger und Einbindung des umweltorientierten individuellen Verhaltens in bezirkliche Initiativen zur Verbesserung der Umweltqualität;  öffentliche Popularisierung des Bedarfs an bürgerschaftlichem Engagement auf unterschiedlichen Einsatzfeldern z.B. durch Veröffentlichung im bezirklichen Wegweiser oder durch die Freiwilligenagentur;   die weitere Ausgestaltung einer bürgerfreundlichen Verwaltung - vor allem auf dem Gebiet der Beratungstätigkeit; mehr sicht- und erlebbare Präsenz von Ordnungskräften im öffentlichen Raum.
3

Sorgen und Ängste bzw. Befürchtungen haben wesentlichen Einfluss auf die individuelle Lebensqualität der Menschen. Sie resultieren aus der Abschätzung absehbarer bzw. individuell erwarteter sozialer bzw. gesellschaftspolitischer Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die eigenen Lebensverhältnisse. Vor dem Hintergrund einer stabilen oder schmalen materiellen Sicherheit, einer partnerschaftlichen oder singulären Lebenssituation, des Vorhandenseins oder Fehlens sozialer Einbindungen, der Mobilisierbarkeit oder des Verlustes von Hilfe- und Unterstützungspotenzialen, der Integration in Gemeinschaften, Vereine, Verbände oder sozialer Isolierung und der eigenen Chancen zur individuellen und/oder gemeinschaftlichen Gegenwehr werden Sorgen und Ängste differenziert ausgeprägt. Nur 10 Prozent der Probanden erklärten, keine Sorgen und 9 Prozent keine Ängste zu haben. Die überwiegende Mehrheit der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf bestätigt unterschiedliche Betroffenheit durch die aufgezeigten Inhalte von Sorgen und Ängsten. Es ist davon auszugehen, dass von diesen Sorgen und Ängsten reale Beeinträchtigungen der individuellen Lebensqualität ausgehen. Während ein Teil der Sorgen und Ängste sowohl aus internationalen bzw. bundesweit ablaufenden sozialen Entwicklungen und gesetzlichen Regelungen resultiert, gehen andere aus den individuellen Lebensumständen bzw. familialen Verhältnissen hervor. Zu diesem Zweck sollten bestehende Ressourcen genutzt werden, um  den präventiven Wert der Pflege von sozialen Kontakten zu Freunden, Nachbarn, Vereinsmitgliedern usw. durch Information und Aufklärung weiter bekannt zu machen;  über das Seniorenprogramm, die Wochenzeitungen, Flyer der Begegnungsstätten u.a. immer wieder von sozialer Isolierung bedrohte Menschen anzusprechen und für Gemeinschaftsaktivitäten zu gewinnen;  durch Einbeziehung in Gemeinschaftsaktivitäten das Selbsthilfepotenzial der Betroffenen zu stärken bzw. wieder aufzubauen. Die geäußerten Hoffnungen, Zufriedenheiten und Sorgen widerspiegeln die Fähigkeit der ab 50-Jährigen zur kritischen Auseinandersetzung mit ihrer sozialen Umwelt und mit gesellschaftlichen Entwicklungen sowie ihre hohen Maßstäbe zur Bewertung wichtiger Lebensbereiche. Wie die soziostrukturelle Differenzierung zeigt, erhalten sich diese Fähigkeiten und Maßstäbe bei der Mehrzahl der Frauen und Männer bis ins hohe Alter hinein. Damit verfügen sie über wichtige persönliche Ressourcen für aktive gesellschaftliche Beteiligung.
3

Die Befragung im Jahre 2008 fand unter den Bedingungen eines noch stabilen S-Bahnfahrplanes statt. 45

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

4.
4.1

Erwerbsbeteiligung der 50-Jährigen und älteren
Erwerbsarbeit und Erwerbsaustritt

Die Analyse hat mit der Erwerbsbeteiligung eine wesentliche Grundlage für die Bewertung der sozialen Lage jedes Menschen, aber auch der Familien zum Gegenstand. Sie wendet sich in diesem Kapitel insbesondere der Erwerbsbeteiligung und dem Erwerbsaustritt der künftigen Seniorinnen und Senioren und ihrer Partnerin bzw. ihrem Partner zu. Sie konzentriert sich auf das Lebensalter zwischen dem 50. bis zum 65. Lebensjahr, ohne zurückliegende Erwerbsbeteiligung und die Erfahrungen der heute Älteren im Arbeitsprozess auszuschließen. Für die künftigen Seniorinnen und Senioren ist dieser Lebensabschnitt die Zeit nachhaltiger individueller Veränderungen wie    die Erlangung der wirtschaftlichen Selbstständigkeit der Kinder, die Kumulation von sozialen und fachlichen Erfahrungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten im Arbeitprozess und der Übergang in den Ruhestand.

Diese Veränderungen und ihr jeweils individueller Verlauf nehmen sowohl insgesamt als auch individuell wesentlichen Einfluss auf die Gestaltung der materiellen Bedingungen im Alter. Die Unterschiede treten besonders zwischen denjenigen hervor, die bei guter Gesundheit und stabiler Beschäftigung - nach Erlangung der wirtschaftlichen Selbstständigkeit der Kinder - ihre im Arbeitsprozess gereifte Qualifikation, Karriere und Leistung zu einer entsprechenden Entlohnung führen können, und denen, die entweder durch gesundheitlich bedingte Erwerbsunfähigkeit oder durch Arbeitslosigkeit vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden und nur geringe Chancen auf einen Wiedereinstieg in das Erwerbsleben haben. Während Erwerbstätige in diesem Lebensabschnitt mehrheitlich durchaus in der Lage sind, noch materielle Rücklagen für das Alter zu bilden, sind sowohl Arbeitslose - mehrheitlich Langzeitarbeitslose - und Erwerbsunfähigkeitsrentner/-innen kaum in der Lage, noch zusätzlich privat für ihr Alter vorzusorgen. Die Bedingungen der Erwerbsbeteiligung von älteren Erwerbsfähigen (50- bis unter 65-Jährige) werden gegenwärtig vor allem von zwei Faktoren bestimmt: Erstens vollzieht sich bundesweit generell im Zuge des demographischen Wandels - so auch in Steglitz-Zehlendorf eine zunehmende Alterung des Erwerbspotenzials. Vor dem Hintergrund einer "alternden" Gesellschaft aufgrund der steigenden Lebenserwartung und geringer Besetzung der jüngeren Jahrgänge infolge niedriger Geburtenzahlen in den letzten Jahrzehnten und hoher Geburtenausfälle in den frühen 90er Jahren ist das Thema Erwerbsarbeit älterer Bürgerinnen und Bürger immer mehr in den Mittelpunkt von arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Debatten gerückt. Tendenziell ergibt sich eine demographisch bedingte Verschiebung der inneren Struktur der Erwerbstätigen hin zu den älteren Jahrgängen. In nicht wenigen Branchen wird schon heute das Fehlen junger Fachkräfte beklagt. Tabelle 4.1:
Einwohner Altersgruppe unter 18 Jahre 18 bis unter 30 Jahre 30 bis unter 50 Jahre 50 bis unter 65 Jahre 65 Jahre und älter insgesamt unter 18 Jahre 18 bis unter 30 Jahre 30 bis unter 50 Jahre 50 bis unter 65 Jahre 65 Jahre und älter insgesamt 43.454 34.602 82.169 61.053 65.808 287.086 15,1 12,1 28,6 21,3 22,9 100 43.178 34.726 80.110 60.181 70.836 289.031 14,9 12,0 27,7 20,8 24,5 100 42.951 34.509 74.368 64.565 75.987 292.380 14,7 11,8 25,4 22,1 26,0 100

Entwicklung der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf - 2007 bis 2030 2007 2010 2015 absolut 42.612 33.912 71.199 67.774 79.143 294.640 14,5 11,5 24,2 23,0 26,9 100 42.242 33.958 71.593 66.198 81.833 295.824 14,3 11,5 24,2 22,4 27,7 100 41.837 33.855 71.651 61.534 86.906 295.783 14,1 11,4 24,2 20,8 29,4 100 2020 2025 2030

in Prozent

Berechnet nach: Einwohnerprognose 2007 - 2030, Grundlage: Daten des Einwohnerregisters, Basisjahr 2007, Senat von Berlin 2009

46

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Zweitens führen die vielseitigen Veränderungen der sozialpolitischen Rahmenbedingungen bundesweit , die strukturellen und konjunkturellen Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt, die Verfestigung eines Sockels bei der Langzeitarbeitslosigkeit zu erheblichen Schwierigkeiten vor allem für arbeitslos gewordene ältere Erwerbspersonen. Während in SteglitzZehlendorf im Jahre 2008 die Gruppe der 50- bis unter 65-Jährigen mehrheitlich erwerbstätig (60 Prozent, darunter 2 Prozent in geförderten Arbeitsverhältnissen) ist, ist dennoch - wie noch zu zeigen ist - ein kleinerer, aber zunehmender Anteil von ihnen von Arbeitslosigkeit und den damit verbundenen Schwierigkeiten betroffen. Abbildung 4.1:
2

1

Erwerbsbeteiligung der 50- bis unter 65-Jährigen - Steglitz-Zehlendorf 2007 und 2008 - in Prozent Einwohner insgesamt Mikrozensus Steglitz-Zehlendorf 2007 50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

44 6 3 5

34

5

51

52

Erwerbstätige

Erwerbsmind.-Rentn.

Erwerbslose

Nichterwerbstätige

ohne Antw.

Datenbasis: Mikrozensus 2007 Sonderauswertung - Steglitz-Zehlendorf, Amt für Statistik Berlin-Brandenburg 2009; sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

4.1.1

Stellung im Beruf und Erwerbsbeteiligung von 50- bis unter 65-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die Betrachtung der Veränderungen in der Stellung im Beruf insgesamt (1998 - ab 55-Jährige, 2008 - ab 50-Jährige) lässt erkennen, dass es in den vergangenen zehn Jahren in Steglitz-Zehlendorf nur geringe Verschiebungen zu Gunsten der Anteile von Beamten und Arbeitern und zu Ungunsten von Angestellten, Selbstständigen und mithelfenden Angehörigen gegeben hat. An der Rangfolge der Positionen lässt sich keine Veränderung feststellen. Nach wie vor sind Angestellte am stärksten sowie mithelfende Familienangehörige und Freiberufler am geringsten vertreten. Stellung im Beruf Die Gruppe der im erwerbsfähigen Alter Befindlichen (50 bis unter 65 Jahre) weist in Bezug auf ihre Stellung im Beruf innerhalb des Bezirkes folgende deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Bezirksregionen aus (vgl. Abbildung 4.2):      Die Ausprägung der Arbeiterinnen und Arbeiter schwankt zwischen den Bezirksregionen von 8 bis 18 Prozent. Angestellte bilden in allen Bezirksregionen die stärkste Gruppe in Anteilen von 42 bis 59 Prozent. Beamte sind am stärksten in Zehlendorf-Südwest und Zehlendorf-Nord vertreten. Selbstständige sind ebenfalls am häufigsten in Zehlendorf-Südwest und Zehlendorf-Nord anzutreffen. Mithelfende Familienangehörige und Freiberufler stellen in allen Bezirksregionen die kleinsten Gruppen.

1

2

Exemplarisch sei hier auf die Veränderung der Rentenzugangsbedingungen, die Änderungen im SGB III und das Inkrafttreten des SGB II verwiesen. Hier und im Folgenden sind bei Berechnungen Minimaldifferenzen (+/-2) aus Rundungen möglich. 47

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 4.2: Stellung im Beruf - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 1998/2008 - in Prozent* 50- bis unter 65-Jährige 2008 nach Bezirksregionen
100 7 2 3 12 80 13 60 53 40 52 49 52 55 59 47 50 56 48 42 11 2 2 9 15 5 2
1

10 17

9 3
1

5
1 1

10 12

4 6
1

7
1

11 16 19

4 2 8 18

5 4 7 19

3 2 2 16

7 3
1

12 12

17

22

20

20 11 0 Stegl. ab 55-J. 1998 Arbeiter 2008 insg. 50 b.u. 65Jährige Beamte BR2 BR1 Schloß- Albrechtstraße straße Selbstständige BR6 BR5 BR4 BR3 Lank- Ostpreu- Teltower Drakestraße witz ßendamm Damm mithelf. Fam.angeh. Freiberufler BR8 BR7 Zehlend. Zehlend. Südwest Nord ohne Antw. 12 13 18 8 14 15 18 9 7 10

Angestellte

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 1998 und 2008 (gew.)

Bezüglich der Stellung im Beruf treten in der Gruppe der 50- bis unter 65-Jährigen deutliche Unterschiede in Bezug auf das Geschlecht, den Migrationshintergrund und die berufliche Qualifikation auf. So sind häufiger Arbeiter, Beamte und Selbstständige männlich und bei den Angestellten überwiegen die Anteile der Frauen. Personen mit Migrationshintergrund sind seltener Beamte als Einheimische und dafür aber häufiger als die Einheimischen selbstständig oder als Freiberufler tätig. Während Personen ohne berufliche Qualifikation bzw. Facharbeiter mehrheitlich die Stellung von Arbeitern und Angestellten einnehmen, bilden bei den höher Qualifizierten die Angestellten und Beamten die jeweils größte Gruppe (vgl. Tabelle 4.2). Tabelle 4.2: Stellung im Beruf nach Geschlecht und beruflicher Qualifikation - 50- bis unter 65-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent Stellung im Beruf Arbeiter insgesamt Geschlecht weiblich männlich Migrationshintergrund ja nein berufliche Qualifikation ohne Abschluss Facharbeiter Fachschulabschluss Hochschulabschluss ohne Antwort 25 21 2 1 14 53 56 68 40 57 4 7 12 37 14 6 8 12 15 5 1 1 3 1 1 1 2 5 2 10 7 3 3 6 17 13 55 52 3 18 15 10 1 3 2 7 5 9 18 62 40 12 22 7 14 1 2 2 7 3 13 Angestellte 52 Beamte 17 Selbstständige 10 mithelf. Fam.angeh. 1 Freiberufler 2 ohne Antwort 5

soziostrukturelle Merkmale

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

48

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Teilnahme am Erwerbsleben Die aktuelle Erwerbsbeteiligung der 50- bis unter 65-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf gliedert sich in 58 Prozent Erwerbstätige, 2 Prozent geförderte Arbeitsverhältnisse, 12 Prozent Rentner wegen verminderter Erwerbsfähigkeit, 6 Prozent Arbeitslose, 6 Prozent Hausfrauen und 12 Prozent im Ruhestand befindliche Bürgerinnen und Bürger. Die sozialräumliche Verteilung weist in den Bezirksregionen Zehlendorf-Südwest und Zehlendorf-Nord einen höheren Anteil an Erwerbstätigen aus als in den anderen Bezirksregionen. Beschäftigung in geförderten Arbeitsverhältnisse (ABM, MAE, ÖBS) ist in allen Bezirksregionen im Minimalbereich zwischen 1 und 3 Prozent vertreten. Der Anteil der Rentner wegen verminderter Erwerbsfähigkeit liegt in den Bezirksregionen Schloßstraße, Lankwitz und Ostpreußendamm über dem Bezirksdurchschnitt und in allen anderen Bezirksregionen darunter. Der Anteil der arbeitslosen älteren Arbeitnehmer/-innen ist gegenüber dem Bezirksdurchschnitt in den Bezirksregionen Albrechtstraße (10 Prozent) und Drakestraße (8 Prozent) überdurchschnittlich ausgeprägt und liegt in den anderen Bezirksregionen unterdurchschnittlich zwischen 2 und 5 Prozent. Hausfrauen bilden in der untersuchten Altersgruppe in allen Bezirksregionen eine kleine Minderheit zwischen 3 und 7 Prozent. Am häufigsten sind unter 65-Jährige aus den Bezirksregionen Ostpreußendamm (16 Prozent), Teltower Damm (15 Prozent) und Albrechstraße (13 Prozent) vorzeitig in den Ruhestand eingetreten. In den übrigen Bezirksregionen liegt der Anteil zwischen 9 und 11 Prozent (vgl. Abbildungen 4.3a und 4.3b). Obwohl bei den ab 65-Jährigen im Bezirk der Ruhestand überwiegt, ist zu beachten, dass durchschnittlich 6 Prozent dieser Gruppe einer Erwerbstätigkeit nachgehen (vgl. Abbildung 4.3b). Abbildung 4.3a+b:
100% 4 12 80% 6 6 12 60% 2

Erwerbsbeteiligung nach Bezirksregionen - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 50- bis unter 65-Jährige
8 10 3 4 18 2 4 13 4 10 11
1

4 10 6 5 17 2

3 16 7 4 14
1

3 15 6 5 11 2

4 11 7 8 9 3

6 9 5 2 6

7 11 7 5 8
1

40% 58 20% 55 56 55 55 59 58

71

63

0% insgesamt BR1 Schloßstraße Erwerbstätige Hausfrau
100% 6 7

BR2 Albrechtstraße

BR3 Lankwitz

BR4 BR5 Ostpreu- Teltower ßendamm Damm

BR6 Drakestraße

BR7 BR8 Zehlendorf ZehlenSüdwest dorf Nord Arbeitslose

geförd. Arbeitsverhältnisse Ruhestand: Rentner/Pensionäre

Erwerbsmind.-Rentn. ohne Antw.
5 4

ab 65-Jährige
6 6 3 6 8

80%

60% 88 40% 90 87 90 92 87 88 89 83

20% 9

0%

6 insgesamt

3 BR1 Schloßstraße

7 BR2 Albrechtstraße

4 BR3 Lankwitz

5

8

8 BR6 Drakestraße

5

BR4 BR5 Ostpreu- Teltower ßendamm Damm

BR7 BR8 Zehlendorf ZehlenSüdwest dorf Nord

Erwerbstätige

Ruhestand: Rentner/Pensionäre

ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

49

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Betrachtet man die Erwerbsbeteiligung der 50- bis unter 65-Jährigen nach Geschlecht, dann wird deutlich, dass mehr Männer als Frauen eine Erwerbsarbeit ausüben. Von den Männern sind 65 Prozent erwerbstätig. Das heißt, 61 Prozent haben eine Vollzeitbeschäftigung und 4 Prozent arbeiten auf Teilzeitbasis. Von den erwerbstätigen Frauen (53 Prozent) sind 32 Prozent als Vollzeitkräfte beschäftigt und 21 Prozent haben eine Teilzeitarbeit. Demgegenüber vollzieht sich bei den Frauen der Austritt aus dem Erwerbsleben früher als bei den Männern. Während von den Männern 30 Prozent durch Erwerbsminderung, Arbeitslosigkeit und vorgezogenen Ruhestand aus dem Erwerbsprozess ausgeschieden sind, beträgt dieser Anteil bei den Frauen - unter Einschluss von 11 Prozent Hausfrauen - insgesamt 41 Prozent. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich viele ältere arbeitslose Frauen und Männer um einen Wiedereinstieg in die Erwerbstätigkeit bemühen, dabei aber auf dem Arbeitsmarkt auf viele Hindernisse stoßen. Vor allem unter denen, die vorzeitig in den Ruhestand eingetreten sind, befinden sich 4 Prozent Frauen und 2 Prozent Männer, die nebenher auf eine geringfügige Beschäftigung verweisen. Die Gruppe der 50- bis unter 65-Jährigen mit einem Migrationshintergrund zeigt nach dem Erwerbsstatus zwar eine ähnliche Verteilung wie die Gesamtheit der Probanden, dennoch werden Differenzierungen erkennbar. Auf folgende Unterschiede soll hier aufmerksam gemacht werden (vgl. Abbildung 4.4a und 4.4b):     Der Anteil der Rentner wegen verminderter Erwerbsfähigkeit ist in der Gruppe mit Migrationshintergrund größer als in dieser Altersgruppe insgesamt. Der Anteil derer, die einen vorgezogenen Ruhestand in Anspruch nehmen, ist bei der Gruppe mit Migrationshintergrund geringer ausgeprägt als bei der Gesamtheit. Insbesondere bei den Frauen mit Migrationshintergrund ist eine um 5 Prozentpunkte geringere Erwerbsbeteiligung festzustellen als bei allen Frauen dieser Altersgruppe. Die Berentung wegen verminderter Erwerbsfähigkeit liegt bei den Frauen mit Migrationshintergrund wesentlich höher als bei den Frauen insgesamt. Abbildung 4.4a+b: Erwerbsbeteiligung von 50- bis unter 65-Jährigen nach Geschlecht - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent Frauen 4 12 11 5 13 2 58 53 2 insgesamt Männer 4 13 12 6 6 12 65 7 10
1

4

mit Migrationshintergrund Frauen 3 6 14 3 24 3 54 3 5 8 6 insgesamt Männer 3 4 10 12 7

19 4

64

48

Erwerbstätige Hausfrau

geförd. Arbeitsverh. Ruhestand: Rentner/Pensionäre

Erwerbsmind.-Rentn. ohne Antw.

Arbeitslose

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

50

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Besonders zwischen dem 50. und 65. Lebensjahr differenziert sich bei Frauen und Männern die Erwerbsbeteiligung nach dem Altersverlauf. Neben der individuellen Lebensplanung nehmen besonders gesundheitliche Beeinträchtigungen, verminderte Erwerbsfähigkeit und die gesetzlichen Regelungen für einen vorzeitigen Übertritt in den Ruhestand sowie die dafür festgesetzte Regelaltersgrenze Einfluss auf die Gestaltung des Erwerbsaustrittes. Bei den Frauen sind im Alter von 50 bis unter 55 Jahren insgesamt 74 Prozent erwerbstätig, davon 3 Prozent in geförderten Arbeitsverhältnissen. Dieser Anteil sinkt im Alter von 55 bis unter 60 Jahren auf 63 Prozent (2 Prozent gefördert) und umfasst in der Gruppe der 60- bis unter 65-jährigen Frauen noch 28 Prozent Erwerbstätige. Im Gegenzug wachsen die Anteile der Erwerbsunfähigkeit von 4 Prozent auf 25 Prozent, des Erwerbsaustritts als Hausfrau von 7 Prozent auf 15 Prozent und des vorzeitigen Ruhestandes (beginnend mit Altersteilzeit ab 55 Jahre) von 4 Prozent auf 21 Prozent. Männer in der Altergruppe der 50- bis unter 55-Jährigen sind zu 87 Prozent erwerbstätig, davon 1 Prozent in geförderten Arbeitsverhältnissen. In der Gruppe der 55- bis unter 60-jährigen Männer werden insgesamt 69 Prozent Erwerbstätige, unter ihnen 4 Prozent in geförderten Arbeitsverhältnissen, festgestellt. Der Rückgang der Erwerbstätigkeit erreicht bei den 60- bis unter 65-jährigen Männern einen Stand von 46 Prozent. Das Ausscheiden aus dem Erwerbsleben vollzieht sich gegenwärtig bei einer Minderheit der Männer dieser Altersgruppen in Steglitz-Zehlendorf über den Weg der Arbeitslosigkeit (4 Prozent der 50- bis 55-Jährigen, 10 Prozent der 55- bis 60-Jährigen und 8 Prozent der 60- bis 65-Jährigen). Der Anteil der erwerbsunfähigen Männer steigt in diesen Altersgruppen von 4 Prozent, über 9 Prozent auf 16 Prozent. Der Anteil des vorzeitigen Ruhestandes wächst in diesen Altersgruppen von anfangs 3 Prozent auf 25 Prozent an (vgl. Abbildung 4.5). Abbildung 4.5: Erwerbsbeteiligung nach Altersgruppen und Geschlecht - 50- bis unter 65-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent Frauen 100 6 4 7 5 4 3 4 9 9 6 9 2 15 3 25 61 28 86 65 46 20 8 21 3 4 4
1 1

Männer 2 10 10 9 4 5 25 8 16

80

60

40

71

0 50 bis unter 55 Jahre 55 bis unter 60 Jahre Erwerbstätige Hausfrau 60 bis unter 65 Jahre geförd. Arbeitsverh. Ruhestand: Rentner/Pensionäre 50 bis unter 55 Jahre 55 bis unter 60 Jahre 60 bis unter 65 Jahre

Erwerbsmind.-Rentn. ohne Antw.

Arbeitslose

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Da die Mehrheit der 50- bis unter 65-Jährigen in (Ehe-)Partnerschaften lebt, hat die Erwerbsbeteiligung der Partner bzw. Partnerin erheblichen Anteil an der erworbenen Lebensqualität, am Lebensstandard und an den Gestaltungsmöglichkeiten der Lebensperspektiven. Im Ergebnis der Befragung zeigt sich, dass von den Partnerinnen und Partnern der Befragten insgesamt 54 Prozent erwerbstätig sind, darunter 1 Prozent in einem geförderten Arbeitsverhältnis stehend. Zum Befragungszeitpunkt waren 4 Prozent der Partner/-innen insgesamt arbeitslos und 37 Prozent waren schon in den Ruhestand eingetreten (5 Prozent - ohne Antwort).

51

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 4.6: Erwerbsbeteiligung der Partnerinnen und Partner - 50- bis unter 65-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent - (nur Befragte in Partnerschaften)
5 4 25 80 37 4 60 4
1 1

100

8

10

8

58 57

30

45

65 3 30 28 4
1

40 53 20

67 41

1 1

33

30

24

22

0 Patrner/-in insg. Partner/-in von: Erwerbstätigen Hausfrauen Ruhestand: Rentnern/ Pensionären Arbeitslosen geförd. Arbeitsverh. Erwerbsmind.Rentn.

erwerbstätig

Erwerbsstatus der Partner/-in geförderte Arbeitsverh. arbeitslos Rentner/Pensionäre

ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Am häufigsten waren die Partner/-innen von Erwerbstätigen (67 %) selbst erwerbstätig. Partner/-innen im Ruhestand wurden am häufigsten von Erwerbsunfähigkeitsrentnern (65 Prozent), von Hausfrauen (58 Prozent) und von selbst im Ruhestand Befindlichen (57 Prozent) angezeigt. Eine hohe Konzentration von Arbeitslosigkeit wird bei Partnerschaften von Arbeitslosen und in geförderten Arbeitsverhältnissen Stehenden (Ein-Euro-Job) offenkundig. Hier zeigt sich, dass 30 bzw. 28 Prozent der Partner/-innen ebenfalls arbeitslos sind (vgl. Abbildung 4.6). 4.1.2 Qualifikation und Erwerbsbeteiligung

Die berufliche Qualifikation erweist sich ganz allgemein als die wesentlichste Voraussetzung eines/einer Jeden für die Erwerbsbeteiligung. Das Erwerbspersonenpotenzial im Alter von 50 bis unter 65 Jahren in Steglitz-Zehlendorf verfügt insgesamt über einen hohen Anteil (85 Prozent) mit einer abgeschlossenen beruflichen Ausbildung. Abbildung 4.7 zeigt einen Vergleich zwischen den Ergebnissen des Mikrozensus 2006 und der empirischen Erhebung "50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008" Abbildung 4.7: Berufliche Qualifikation - 50- bis unter 65-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2006/2008 - in Prozent Mikrozensus Steglitz-Zehledorf 2006 50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

44,4 12,2

43 12 3

10 33,3

10 32

ohne Abschluss

Facharbeiter

Fachschulabschluss

Hochschulabschluss

ohne Antw.

Datenbasis: Mikrozensus 2006 Sonderauswertung - Steglitz-Zehlendorf, Amt für Statistik Berlin-Brandenburg 2008; sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

52

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Von den 50- bis unter 65-Jährigen bestätigen im Jahre 2008      43 Prozent eine Facharbeiterausbildung, 10 Prozent einen Fachschulabschluss, 32 Prozent einen Hochschulabschluss, 12 Prozent verfügen über keine abgeschlossene Berufsausbildung, 3 Prozent haben diese Frage nicht beantwortet (vgl. Abbildung 4.7).

Im Unterschied zu den 50- bis unter 65-Jährigen kann fast ein Viertel der 65-Jährigen und Älteren keine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen. Außerdem belegt in dieser Altersgruppe mehr als die Hälfte (51 Prozent) eine gewerbliche und kaufmännische Lehre. Einen Fachschulabschluss erwarben 6 Prozent und über einen Hochschulabschluss verfügen 10 Prozent. Die berufliche Qualifikation differenziert sich nach Geschlecht und Altersgruppen. Von den 50- bis unter 65-Jährigen bestätigen häufiger Männer als Frauen einen Studienabschluss als Grundlage ihrer Erwerbstätigkeit. Bei den Frauen überwiegt in den untersuchten Altersgruppen der Anteil der gewerblichen bzw. kaufmännischen Berufs- und Fachschulabschlüsse. Bei den Hochschulabschlüssen ist der Anteil der Männer erheblich höher als der der Frauen. Dem Alter nach zeigt sich, dass die jüngste Gruppe (50 bis 55 Jahre) zwar den höchsten Anteil an Hochschulabsolventen (36 Prozent), aber auch den größten Anteil von Personen ohne berufliche Qualifikation (14 Prozent) aufweist. Bei den nächst folgenden Altersgruppen überwiegt der Anteil derjenigen mit einer gewerblichen oder kaufmännischen Lehre gegenüber denen mit einer Fach- oder Hochschulausbildung. In Bezug auf die aktuell im erwerbsfähigen Alter Befindlichen werden hinsichtlich der beruflichen Qualifikation folgende Differenzierungen offenkundig (vgl. Abbildung 4.8):    Erwerbstätige verfügen im höchsten Maße über eine abgeschlossene berufliche Qualifikation (88 Prozent), darunter sind am häufigsten Hochschulabsolventen (41 Prozent). Erwerbsunfähigkeitsrentner verfügen zu 81 Prozent über eine abgeschlossene berufliche Qualifikation. Unter den in geförderten Arbeitsverhältnissen Beschäftigten, Arbeitslosen und Hausfrauen gibt es zwar größere Anteile ohne berufliche Qualifikation, aber mehrheitlich weisen sie entweder einen gewerblichen bzw. kaufmännischen Lehrabschluss oder ein Fach- bzw. Hochschulstudium vor.  Die Gruppe derjenigen, die eine Altersteilzeitregelung oder den vorgezogenen Ruhestand in Anspruch nehmen, ist bezüglich ihrer Qualifikation annähernd mit dem Durchschnittswert der 50- bis unter 65-Jährigen identisch. Abbildung 4.8:
100

Berufliche Qualifikation - 50- bis unter 65-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent Geschlecht 9 10 3 4 26 2 Altersgruppe 4 3 29 2 3 1 14 32 39 36 33 41 10 Erwerbsstatus 4 15 10 11 10 9 9 10 9 45 48 56 43 46 40 37 46 38 27 12 0 65 J. 50 b.u. u. ält. 65 J. insg. insg. 13 10 14 13 9 9 15 17 46 54 45 5 21 6 11 11 11 1 30

80

6

60 51 40

10

11

20 24 18 13

weib- männlich lich

50 55 60 b.u. b.u. b.u. 55 60 65 Jahre Jahre Jahre Facharbeiter FS-Abschluss

Erw.- geförd Erw.- Arb.- Haus- Ruhetätige Arb.- mind.- lose frau stand: verh. Rentn. Rent./ Pens. HS-Abschluss ohne Antw.

ohne Abschluss

Datenbasis:sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

53

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Eine nähere Betrachtung der Unterschiede der beruflichen Qualifikation nach Geschlecht und Erwerbsstatus verdeutlicht, dass es noch immer im Qualifikationsniveau der Frauen gegenüber den Männern erhebliche Defizite gibt. Dennoch weisen die Veränderungen bei den Frauen eine sukzessive Zunahme des Anteils der Hoch- und Fachschulabsolventinnen vor allem zu Lasten von gewerblichen und kaufmännischen Ausbildungen aus. Hinsichtlich des Erwerbsstatus treten folgende Unterschiede hervor (vgl. Abbildung 4.9):   Bei den erwerbstätigen Frauen überwiegen die Facharbeiterinnen und bei den Männern die Hochschulabsolventen. In geförderten Arbeitsverhältnissen ist bei Frauen (33 Prozent) und Männern (19 Prozent) der größte Anteil von Unqualifizierten, aber bei den Frauen sind erheblich mehr Fach- und Hochschulabsolventinnen (32 Prozent) beschäftigt.  Die Renter/-innen wegen Erwerbsunfähigkeit sind ihrer beruflichen Qualifikation nach überwiegend Facharbeiter/-innen.  Der überwiegende Teil der arbeitslosen Frauen und Männer verfügt entweder über einen Lehrabschluss oder über keine berufliche Qualifikation. Höherqualifizierte bilden bei Frauen (25 Prozent) und bei Männern (39 Prozent) dennoch eine große Gruppe. Abbildung 4.9: Berufliche Qualifikation nach Geschlecht und Erwerbsstatus- 50- bis unter 65-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent Frauen
100% 4 17 80% 34 4 13 16 15 10 9 8 6 11 11 8
1

Männer
2 10 4 47 3 19 10 13 13 67
1

2

26

26

33

60%

11 35 56 46 54 7 47 34 33 9 17 geför. Arb.verh. Erw.mind.rentn. 21 18 18 10 Erw.tätige

40% 41 20%

56

46 44

19

12 Erw.mind.rentn.

14 Arb.lose Hausfrau

0% Erw.tätige Arb.lose Hausfrau Ruhestand: Rent./ Pens. geför. Arb.verh.

8 Ruhestand: Rent./ Pens.

ohne Abschluss

Facharbeiter

Fachschulabschluss

Hochschulabschluss

ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

54

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

4.2
4.2.1

Arbeitslosigkeit - Entwicklung und Strukturen
Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Steglitz-Zehlendorf
3

Ein Blick auf die Berliner Arbeitsmarktstatistik zeigt, dass sich die strukturellen und konjunkturellen Entwicklungen auch in der Arbeitslosenquote (bezogen auf alle abhängig beschäftigten zivilen Erwerbspersonen) von Steglitz-Zehlendorf abbilden. Wie in anderen Berliner Bezirken spiegeln sich anteilig auch im Bezirk Steglitz-Zehlendorf die auf den Arbeitsmarkt durchschlagenden Auswirkungen der aktuellen Finanzkrise wider. Dabei zeigt sich, dass Steglitz-Zehlendorf im Vergleich zum Berliner Durchschnitt und zu den anderen Berliner Bezirken langfristig immer die günstigste Position einnimmt (vgl. Abbildung 4.10). Abbildung 4.10: Entwicklung der Arbeitslosenquote* - Steglitz-Zehlendorf im Vergleich mit Friedrichshain-Kreuzberg und Marzahn-Hellersdorf - 2007 bis 2009 25 23,4 23,9 23,2 21,5 20 21,7 21,1 19,1 17,7 17,1 15 12,9 13,2 12,5 11,8 10,8 10,5 11,0 9,8 15,8 16,3 16,8 16,6 16,1 15,8 14,9 14,5 12,3 12.8 16,9 15,7 16,5 15,7 14,0 12,5 19,3 18,8 18,9

19,5 19,1

10

5
J an FebMärz Apr Mai J un J ul AugSeptOkt Nov Dez J an FebMärz Apr Mai J un J ul AugSeptOkt Nov Dez J an FebMärz Apr Mai J un J ul Aug Sep Okt Nov Dez 2007 2008 2009

Friedrichshain-Kreuzberg

Marzahn-Hellersdorf

Steglitz-Zehlendorf

Berlin insg.

* bezogen auf alle abhängigen zivilen Erwerbspersonen Zusammengestellt nach: Arbeitsmarktberichte, Regionaldirektion der Agentur für Arbeit Berlin-Brandenburg 2007-2009, monatlich

Seit Januar 2008 bis Dezember 2009 stieg die Zahl der Arbeitslosen im Bezirk von 10.660 auf 11.020 Personen an. Das ist ein Anstieg um 3,4 Prozent. Die Gruppe der ab 50-jährigen Arbeitslosen nahm in diesem Zeitraum 8,9 Prozent zu. Während Friedrichshain-Kreuzberg bzw. Mitte und Neukölln die jeweils höchsten Arbeitslosenquoten verzeichnen, nimmt z.B. Marzahn-Hellersdorf eine mittlere Position ein, und Steglitz-Zehlendorf hat seit Jahren die günstigste Position inne. Diese relativ günstige Position des Bezirks Steglitz-Zehlendorf in Bezug auf die Verbreitung von Arbeitslosigkeit ist nicht unwesentlich auf demographische und sozialstrukturelle Bedingungen zurückzuführen. Dazu gehören (vgl. Tabelle: 4.3):     die gegenüber anderen Bezirken vergleichsweise geringere Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter; der höhere Anteil der im Ruhestand befindlichen Bevölkerungsgruppe; der gegenüber einer Reihe von Bezirken geringere Anteil an Erwerbspersonen mit Migrationshintergrund; die sozialstrukturelle Zusammensetzung der Erwerbstätigen in Steglitz-Zehlendorf mit einem hohen Anteil von Selbstständigen, dem in den Berliner Bezirken höchsten Anteil an Beamten und dem fast geringsten Anteil an Arbeitern. Diese Faktoren lassen einerseits den Schluss zu, dass in Steglitz-Zehlendorf weniger Bürgerinnen und Bürger mit dem Risiko von Arbeitslosigkeit leben als in anderen Bezirken. Andererseits wirkt sich Arbeitslosigkeit hier wie anderenorts für
3

Alle im Abschnitt 4.2.1 verwandten Zahlenangaben ohne gesonderte Ausweisung wurden entnommen aus: Agentur für Arbeit Regionaldirektion Berlin-Brandenburg, Arbeitsmarktbericht ab Januar 2007 monatlich. 55

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

die Betroffenen mit beträchtlichen sozialen Schwierigkeiten aus und verstärkt auch die im Bezirk bestehende Polarisierung zwischen den in das Erwerbsleben integrierten und den vor allem durch Langzeitarbeitslosigkeit aus der Arbeitswelt ausgegrenzten Bürgerinnen und Bürgern. Tabelle 4.3:
Berlin Berliner Bezirke

Steglitz-Zehlendorf im Vergleich der Berliner Bezirke* in Bezug auf Arbeitslosigkeit zugrunde liegende demographische und sozialstrukturelle Bedingungen - 2008/2009 Arbeitslosenquote bezogen auf alle abhängig zivilen Erwerbspersonen Dezember 2009 Bevölkerung insgesamt davon im Kindesalter unter 18 Jahre Erw. alter 18 bis unter 65 Jahre darunter ErwerbspersoRuhenen mit stand Migrations65 Jahre hinterund älter grund Erwerbstätige insgesamt Selbst./ mithelf. Fam.angehörige Tsd. 26,2 1456,9 16,6 davon Beamte Angestellte Arbeiter

Arbeitslosenquote vom Dezember 2009

in Tsd. 3.362.842 14,5

in Prozent 66,6 18,9

in Prozent 6,5 58,0 18,9

Berlin insgesamt

15,7

Mitte Friedrichsh.-Kreuzb. Pankow Charl.burg-Wilmersd. Spandau Steglitz-Zehlendorf Tempelh.-Schöneb. Neukölln Treptow-Köpenick Marzahn-Hellersdorf Lichtenberg Reinickendorf

18,4 18,9 13,3 15,1 16,4 12,5 13,2 21,9 12,9 14,0 15,2 17,9

323.298 262.257 356.931 310.766 215.945 288.062 326.868 305.519 236.078 244.637 251.054 241.427

15,5 14,5 14,0 12,4 16,0 15,0 14,6 16,4 12,9 13,7 12,5 15,8

70,2 75,0 70,0 66,5 61,5 61,2 65,7 65,8 62,5 70,4 67,5 60,8

14,3 10,4 16,0 21,1 22,4 23,7 19,7 17,8 24,6 15,9 20,0 23,3

44,1 34,4 13,0 35,6 26,6 24,0 26,6 40,1 7,3 9,8 14,3 23,3

125,0 123,1 182,6 145,4 79,3 121,8 142,3 112,2 101,5 117,5 115,4 90,7

19,5 23,2 19,4 25,5 10,3 20,1 16,2 14,2 12,0 8,5 7,9 13,9

3,3 3,2 4,2 8,1 10,2 11,2 7,8 5,3 6,7 5,2 4,8 10,9

56,3 59,6 62,7 57,0 57,6 56,5 58,5 53,2 61,0 57,6 57,8 55,3

20,9 13,9 13,7 9,4 22,0 12,1 17,5 27,3 20,3 28,7 29,4 19,9

* der jeweils kleinste Wert pro Spalte ist grün und der höchste gelb unterlegt Berechnet nach: Melderechtlich registrierte Einwohner mit und ohne Migrationshintergrund am Ort der Hauptwohnung in Berlin am 31.12.2008 nach LOR und Altersgruppen, Amt für Statistik Berlin-Brandenburg 2009, Agentur für Arbeit, Regionaldirektion Berlin-Brandenburg, Arbeitsmarktbericht Dezember 2009

In Steglitz-Zehlendorf haben die Arbeitslosigkeit insgesamt und die der 50- bis unter 65-Jährigen im Laufe des Jahres 2008 zugenommen. Der sich im Sommer und Herbst 2008 abzeichnende Aufschwung am Arbeitsmarkt wurde offensichtlich auch in Steglitz-Zehlendorf infolge der Auswirkungen der Finanzkrise auf dem Arbeitsmarkt vorerst gestoppt. Für die Mehrheit der Betroffenen gilt, dass ihr Leben von Arbeitslosigkeit tiefgreifend und nachhaltig durch soziale Schwierigkeiten beeinflusst wird (vgl. Abbildung 4.11a und 4.11b). Abbildung 4.11a+b: Veränderung der Struktur der Arbeitslosen im Alter von 50 bis unter 65 Jahren - Steglitz-Zehlendorf 2008/2009 - absolut 12.000
3.000

999

971

980

994

964

933

961

976

934

950

921

997

950

900

883

914

11.584

11.327

11.263

11.206

11.056

11.098

11.003

10.806

10.872

11.020

10.660

10.776

10.433

10.091

10.080

9.935

9.579

9.299

8.879

9.161

10.527

6.000

11.147

11.231

11.326

1.500
1.897 1.962

904

903

2.000

917

8.000

908

1.837

1.855

1.829

949

968 1.773

1.797

1.802

1.768

1.660

1.608

1.570

1.557

1.495

1.378

1.427

2.000

2 .2 5 6

2 .2 61

!

2 .4 6 5

2 .4 70

2 .4 1 2

!

2 .3 4 1

2 .3 5 0

!

!

!

!

!

!

2 .5 5 8

!

!

!

!

!

!

!

2 .5 8 1

2 .5 9 7

!

!

!

!

!

!

!

!

!

500

0 Jan Feb März Apr Mai Jun Jul Aug Sept Okt Nov Dez Jan Feb März April Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez 2008 2009

0 Jan Feb März Apr Mai Jun Jul Aug Sept Okt Nov Dez Jan Feb März April Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez 2008 2009 SGB II SGB III

!

ab 50 Jahre

insgesamt

Zusammengestellt nach: Arbeitsmarktberichte, Regionaldirektion der Agentur für Arbeit Berlin-Brandenburg 2008-2009, monatlich

56

1.352

2 .6 78

1.447

2 .8 9 6

2 .8 0 8

2 .8 3 5

2 .9 0 1

2 .7 9 6

2 .7 9 3

2 .7 6 6

2 .7 3 0

2 .7 02

2 .7 4 3

2 .7 3 9

2 .7 4 1

2 .7 8 6

1.648

1.000

1.728

1.742

4.000

1.782

1.790

1.808

978

2.500

939

10.000

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die Struktur der Arbeitslosigkeit wird auch in Steglitz-Zehlendorf von Langzeitarbeitslosigkeit bestimmt. Nahezu zwei Drittel aller Arbeitslosen (Stand Dezember 2009) waren erwerbsfähige Hilfebedürftige gemäß SGB II mit Anspruch auf ALG II. Von den 50- bis unter 65-jährigen Arbeitslosen in Steglitz-Zehlendorf zählen nahezu zwei Drittel (64,9 Prozent) zu den Langzeitarbeitslosen und damit zu den Anspruchsberechtigten nach SGB II. Rd. ein Drittel (35,1 Prozent) der ab 50-jährigen Arbeitslosen hat Ansprüche nach dem SGB III, d.h. auf Arbeitslosengeld I (vgl. Abbildung 4.11b). Insbesondere die Älteren sind bei Arbeitslosigkeit mit negativen Auswirkungen wie Dequalifizierung, Schwervermittelbarkeit, Wiedereinstieg vorrangig in prekäre Arbeitsverhältnisse und vorzeitiger Ruhestand konfrontiert. Die drastische Reduzierung der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen wirkt sich erheblich negativ auf die Chance einer Erwerbsbeteiligung dieser Gruppe aus. 4.2.2 Arbeitslosigkeit von 50- bis unter 65-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf - Gesamtdauer und Strukturen -

Von den 50- bis unter 65-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf hat bislang ein Drittel eigene Erfahrung mit Arbeitslosigkeit. Das trifft für Männer und Frauen gleichermaßen zu. Bezieht man die ethnische Herkunft in die Betrachtung ein, wird offen erkennbar, dass Bürger/-innen mit Migrationshintergrund häufiger als Einheimische über individuelle Erfahrung von Arbeitslosigkeit verfügen. Von den 50- bis unter 65-jährigen Probanden mit Migrationshintergrund waren bislang 49 Prozent mindestens einmal mit Arbeitslosigkeit konfrontiert. Dieser Anteil ist viel stärker ausgeprägt als in der Altersgruppe der 50- bis unter 65-Jährigen insgesamt. Die häufigere Erfahrung mit eigener Arbeitslosigkeit spiegelt sich in der Gruppe mit Migrationshintergrund sowohl bei Frauen (48 Prozent gegenüber 32 Prozent aller Frauen) und Männern (51 Prozent gegenüber 33 Prozent aller Männer) wider (vgl. Abbildung 4.12a und 4.12b). Abbildung 4.12a+b: Eigene Erfahrungen mit Arbeitslosigkeit - 50- bis unter 65-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent Frauen 10 32 59 insgesamt Männer 7 33

8 58 33 60

mit Migrationshintergrund Frauen 8 39 48 51 11 49 45 31 insgesamt Männer 17

nein

ja

ohne Antw.

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Im Altersverlauf zeigt sich insgesamt und nach Geschlecht bei der jüngsten Altersgruppe (50 bis unter 55 Jahre) die höchste Betroffenheit durch Arbeitslosigkeit und bei der ältesten Gruppe (60 bis 65 Jahre) der geringste Anteil an Ar-

57

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

beitslosen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass von den 60- bis unter 65-Jährigen ein Teil sowohl Altersteilzeit als auch eine vorgezogene Berentung in Anspruch nimmt (vgl. Abbildung 4.13). Abbildung 4.13: Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach dem Altersverlauf der Betroffenen - 50- bis unter 65-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent insgesamt 100 9 8 8 11 Frauen 9 10 7 Männer 9 6

80

37

32

29 38

30

29

36

29 34

60

40 54 20 60 63 51 61 61 57 57

65

0 50 b. u. 55 Jahre 55 b. u. 60 Jahre 60 b. u. 65 Jahre 50 b. u. 55 Jahre nein 55 b. u. 60 Jahre ja 60 b. u. 65 Jahre ohne Antw. 50 b. u. 55 Jahre 55 b. u. 60 Jahre 60 b. u. 65 Jahre

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die Häufigkeit der Konfrontation mit Arbeitslosigkeit spreizt sich bei den 50- bis unter 65-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf zwischen einem Mal und bis zu zehnmal (vgl. Abbildung 4.14). Die Mehrheit der Betroffenen gibt an, bislang einmal arbeitslos (20 Prozent) gewesen zu sein. Jeweils 6 Prozent dieser Altersgruppe waren zweimal bzw. zwischen drei- und fünfmal arbeitslos. Insgesamt ein Prozent verweist auf sechs bis zehn Zeiten von Arbeitslosigkeit in der Erwerbsbiographie (8 Prozent - ohne Antwort; 59 Prozent - nie arbeitslos). Hinsichtlich der Häufigkeit von Arbeitslosenzeiten treten nur geringe geschlechtsspezifische Unterschiede auf. Es zeigt sich, dass Frauen (21 Prozent) häufiger als Männer (18 Prozent) einmal wegen Arbeitslosigkeit pausiert haben. Eine zwei- bis fünfmalige Erwerbsunterbrechung durch Arbeitslosigkeit erfuhren bislang häufiger Männer (7 bzw. 8 Prozent) als Frauen (jeweils 5 Prozent). Abbildung 4.14: Häufigkeit der Erwerbsausfälle durch Arbeitslosigkeit - 50- bis unter 65-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent 100 8
1

10 5 5 21
1

6
1

6 6 80 20 60

8 7 18

15 10 6

10
1

6
1

7 7

6 5 24

6 4 4
1

15

21 23

40 59 20 58 60 46 54 58

70

0 insgesamt noch nie weiblich einmal männlich zweimal ohne Abschluss drei- bis fünfmal Facharbeiter FS-Abschluss HS-Abschluss

sechs- bis zehnmal

ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

58

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Bezieht man die berufliche Qualifikation der von Arbeitslosigkeit Betroffenen mit in die Betrachtung ein, so wird offenkundig, dass mit dem Qualifikationsniveau der Anteil jener, die nie arbeitslos waren, rapide ansteigt (von 46 Prozent auf 70 Prozent). Bei allen Qualifikationsgruppen der 50- bis unter 65-Jährigen überwiegt das einmalige Ausscheiden aus dem Erwerbsleben durch Arbeitslosigkeit und der Anteil verringert sich mit dem Qualifikationsniveau. Dieser Trend setzt sich auch bei den folgenden Häufigkeitsgruppen (zweimal und drei- bis fünfmal) fort (vgl. Abbildung 4.14). Die von den 50- bis unter 65-Jährigen angegebene individuelle Gesamtdauer von Arbeitslosigkeit konzentriert sich im Zeitraum bis zu 12 Monaten (8 Prozent - unter einem halben Jahr und 8 Prozent von 7 bis zu 12 Monaten) (vgl. Abbildung 4.15). 6 Prozent haben Erwerbspausen durch Arbeitslosigkeit von insgesamt zwischen einem und zwei Jahren zurückgelegt. Weitere 3 Prozent waren zwei bis drei Jahre arbeitslos. Insgesamt 1 Prozent hat Erwerbsunterbrechungen von drei bis vier Jahren und 4 Prozent waren länger als vier Jahre aus diesem Grund nicht erwerbstätig. Die Angaben zur Gesamtdauer der Arbeitslosigkeit sind bei Frauen und Männern ähnlich, jedoch mehr Männer als Frauen haben dazu konkrete Auskünfte erteilt. Bezüglich des Zusammenhangs zwischen der Gesamtdauer von Arbeitslosigkeit und der beruflichen Qualifikation lässt sich feststellen, dass bei Facharbeitern und Absolventen von Fachschulen die Differenzierung der Gesamtdauer von Arbeitslosigkeit nach Zeitabschnitten sich nahezu identisch darstellt. Demgegenüber wird bei den arbeitslosen Hochschulabsolventen offenkundig, dass die vorgegebenen Zeitabschnitte alle mit Ausnahme des Abschnittes "3 bis 4 Jahre" um 1 oder 2 Prozentpunkte geringer ausgeprägt sind als bei den vorgenannten Qualifikationsgruppen. Da in der Qualifikationsgruppe "ohne Abschluss" überdurchschnittlich häufig die Mitteilung der konkreten Gesamtdauer von Arbeitslosigkeit (24 Prozent) fehlt, ist ein Vergleich kaum möglich. Auffällig ist die gegenüber den anderen Qualifikationsgruppen hohe Ausprägung (zusammen 12 Prozent) für eine Dauer der Arbeitslosigkeit von mehr als zwei Jahren. Abbildung 4.15: Individuelle Gesamtdauer von Arbeitslosigkeit - 50- bis unter 65-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent -

100

11 4 3 6
1

15 4 3 5 8 7

80

8 5 2 3 6 8 8

13 24 4 7 6 5 7
1

13 4 3 6
1

8 8

5 3 6
1

9 9

9 8

8 3 4 7 6
1 1

60

40 59 20 58 60 46 54 56

70

0 insgesamt weiblich nie arbeitslos 2 bis 3 Jahre männlich unter 6 Monaten 3 bis 4 Jahre ohne Abschluss Facharbeiter FS-Abschluss HS-Abschluss

6 bis 12 Monate länger als 4 Jahre

1 bis 2 Jahre ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

59

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

4.3

Erwerbsaustritt und Übergang in den Ruhestand

Die Art und Weise des Erwerbsaustrittes und der Übergang in den Ruhestand sind für die Menschen ein wesentlicher Punkt der individuellen Lebensplanung. Der Austritt aus dem Erwerbsleben und der Wechsel in den Ruhestand werden in Deutschland für die überwiegende Mehrheit der Sozialversicherungspflichtigen wesentlich von der Lage auf dem Arbeitsmarkt und den von der jeweiligen Bundesregierung seit 1996 fortlaufend vorgenommenen Veränderungen in den Rentenzugangsbedingungen bestimmt. Vor dem Hintergrund der aktuellen Arbeitsmarktlage, strukturellen Veränderungen und sozialen Verunsicherung hinsichtlich der Beschäftigungslage von Erwerbstätigen werden vor allem Erwerbspersonen im Vorrentenalter mit den drastisch verkürzten Ansprüchen auf materielle Absicherung bei Arbeitslosigkeit (Hartz IV), den sozialen Unsicherheiten der Existenzsicherung bis zu einem möglichen Rentenbeginn und mit den die Alterseinkommen mindernden Eingriffen in das Renten- bzw. Pensionsrecht - wie in Kapitel 5 darzustellen ist - konfrontiert. Der Wechsel vollzieht sich auch in SteglitzZehlendorf für die Mehrheit der künftigen Senioren unter den gesellschaftlichen Bedingungen, dass  eine vorzeitige individuelle Inanspruchnahme des Ruhestandes - sowohl für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte als auch für Beamte - nur mit Abschlägen an der Rente bzw. der Pension möglich ist;  bei Langzeitarbeitslosigkeit spätestens mit der Vollendung des 63. Lebensjahres und unter Inkaufnahme von Abschlägen von 7,2 Prozent des monatlichen Rentenzahlbetrages der Übertritt in den Ruhestand vollzogen werden muss;  bei gesundheitlich bedingter Erwerbsunfähigkeit eine Berentung wegen verminderter Erwerbsfähigkeit bzw. Pensionierung die Minderung der Alterseinkommen nach sich zieht. Der Wechsel aus der Erwerbstätigkeit/Arbeitslosigkeit von Sozialversicherungspflichtigen und Beamten in den Ruhestand durch Berentung oder Pensionierung stellt einen wesentlichen Einschnitt in die Lebensbedingungen älterer Frauen und Männer dar. Dieser Wechsel ist für sie verknüpft mit  differenzierten Abläufen der Entberuflichung wie der Berentung oder Pensionierung mit Erreichen der Regelaltersgrenze. Das traf im Jahre 2007 in Berlin (ursprüngliches Bundesgebiet) z.B. bei den Sozialversicherungspflichtigen für 51,1 Prozent der Männer und für 39,5 Prozent der Frauen zu - d.h. sie gingen ohne Abschläge in Rente;  einer Minderung der monatlichen Rentenzahlbeträge im Falle einer vorzeitigen Berentung durch Abschläge. Solche Abschläge nahmen in Berlin (ursprüngliches Bundesgebiet) 20,1 Prozent der Männer (Rente wegen Arbeitslosigkeit) und 46.0 Prozent der Frauen (darunter 2,7 Prozent - Rente wegen Arbeitslosigkeit und 43,3 Prozent - Rente für Frauen) in Anspruch;   - im Falle einer vorzeitigen Pensionierung - entsprechenden Versorgungsabschlägen; der Entwicklung von Motivationen und Handlungsstrategien für die Gestaltung ihres individuellen Überganges in den Ruhestand. Motivationen und Handlungsstrategien von 50- bis unter 65-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf - 2008 - für den Übergang in den Ruhestand Ausgehend von den individuellen Lebensbedingungen - Beschäftigungssituation, Einkommenslage, Gesundheitszustand, familiale Erfordernisse (z.B. Pflege von Angehörigen) - und in Abwägung der Auswirkungen auf den künftigen Lebensstandard und die angestrebte Lebensqualität treffen künftige Senioren (50- bis unter 65-Jährige) im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten ihre Entscheidungen über den Wechsel aus dem Erwerbsleben in den Ruhestand. Gleichzeitig entwickeln sie damit im Zusammenhang ihre Handlungsstrategien über die Nutzung der sich vor ihnen öffnenden Freiräume für die Zeitverwendung. Zeiten, die im Erwerbsalter durch Berufstätigkeit pflichtgebunden verbracht wurden, können nach Austritt aus dem Erwerbsleben zur Befriedigung anderer Bedürfnisse eingesetzt werden.

60

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Als Grundsatzentscheidung erweist sich der Beschluss, wann und unter welchen Bedingungen der/die Einzelne aus dem Erwerbsleben ausscheidet und den Ruhestand beginnt. Von den 50- bis unter 65-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf bestätigten insgesamt 58 Prozent den Entschluss, einen vorgezogenen Ruhestand in Anspruch nehmen zu wollen. Hingegen 29 Prozent zeigten sich entschlossen, erwerbstätig zu bleiben bzw. wieder in die Erwerbstätigkeit zurückzukehren und bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze zu arbeiten (13 Prozent - ohne Antwort). Bei dieser Entscheidung besteht zwischen Frauen und Männern weitestgehende Übereinstimmung. Differenzierungen treten in Bezug auf folgende soziostrukturelle Merkmale auf (vgl. Abbildung 4.16):  Einen vorzeitigen Ruhestand wollen häufiger einheimische künftige Senioren (59 Prozent) nutzen als Personen dieser Gruppe mit einem Migrationshintergrund (53 Prozent).  Im Altersverlauf zwischen dem 50. und 65. Lebensjahr nimmt die Entscheidung für einen vorgezogenen Ruhestand sukzessive zu - bei den Frauen von 46 Prozent (50 bis 55 Jahre) über 55 Prozent (55 bis 60 Jahre) bis auf 73 Prozent (60 bis 65 Jahre) zu. Bei den Männern vollzieht sich dies in den genannten Altersgruppen moderater von 55 Prozent über 61 bis auf 62 Prozent.  Mit dem Anstieg des Qualifikationsniveaus sinkt der Anteil derjenigen, die sich für einen vorgezogenen Ruhestand entschieden haben. Der Entschluss, bis zur Regelaltersgrenze zu arbeiten, ist jedoch bei allen Qualifikationsgruppen zwischen 28 Prozent und 31 Prozent ausgeprägt. Abbildung 4.16: Individuelle Entscheidung über den Wechsel in den Ruhestand - 50- bis unter 65-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent Geschlecht Migrationshintergrund
12 13

Altersgruppe

Qualifikation

100

13

12

13

11 22

7

7

9

11

20

80

25 29 29 29 35 28 30 32

31

28

31 29

60

40 58 20 59 58 53 59 48 57

68

62

63

58

51

0 insgesamt weib- männlich lich ja nein 50 b. u. 55 Jahre 55 b. u. 60 Jahre 60 b. u. 65 Jahre ohne FachAb- arbeischluss ter ohne Antw. FSAbschl. HSAbschl.

vorzeitiger Ruhestand

mit Erreichen der Regelaltersgrenze

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Als wichtigste Beweggründe, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen, wurden von der Mehrheit (58 Prozent) in folgender Rangfolge angeführt (Mehrfachantworten):         in dieser Zeit noch etwas erleben zu wollen (36 Prozent), aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig ausscheiden zu wollen (23 Prozent), dass der/die Partner/-in schon im Ruhestand ist (20 Prozent), nicht mehr zur Arbeit gehen zu wollen (19 Prozent), dass das Geld trotz der Abschläge ausreicht (18 Prozent), keine Arbeit mehr zu finden (10 Prozent), nicht mehr zur Arbeitsagentur gehen zu müssen (5 Prozent), dass die Rente höher als das aktuelle Einkommen sein wird (2 Prozent).
61

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die einzelnen Motive für einen vorgezogenen Wechsel in den Ruhestand sind nach soziostrukturellen Merkmalen in der Altersgruppe der 50- bis unter 65-Jährigen verschieden stark ausgeprägt. Dabei treten folgende Aspekte hervor:  Viel mehr Männer (40 Prozent) als Frauen (31 Prozent) wollen in der dadurch zu gewinnenden Zeit "noch etwas erleben", 8 Prozentpunkte mehr Männer als Frauen schätzen ein, dass ihr Geld auch bei einer Berentung mit Abschlägen ausreicht. Häufiger als Männer entscheiden sich Frauen für einen frühen Ruhestand, weil "der Partner bereits aus dem Erwerbsleben ausgeschieden ist".  Ein identischer Anteil bei Frauen und Männern hat sich entschieden, bis zur Regelaltersgrenze zu arbeiten. Und ähnlich groß ist der Anteil (9 und 11 Prozent bzw. 5 und 6 Prozent) derjenigen, die eine vorzeitige Berentung anstreben, weil sie keine Arbeit mehr finden bzw. sich durch vorzeitigen Ruhestand den Weg zur Arbeitsagentur/zum Jobcenter ersparen wollen (vgl. Abbildung 4.17). Abbildung 4.17: Gründe für den Wechsel in den Ruhestand vor Vollendung des 65. Lebensjahres nach Geschlecht - 50- bis unter 65-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Frauen möchte in der Zeit noch etwas erleben bin g esundheitlich nicht mehr in der Lag e Partner/-in ist Rentner/-in möchte nicht mehr arbeiten g ehen Geld reicht trotz Abschläg e ich finde keine Arbeit mehr will nicht mehr zur Arbeitsagentur gehen müssen meine Rente ist höher als mein derzeitig es Einkommen 31 25 20 18 15 9 5 2 3 6 11 15 21 23 21 Männer 40

keine Gründe, will Rente mit 65 50 40 30 20

29 10 0 10

29 20 30 40 50

* Mehrfachantworten; Differenz zu 100 Prozent in jeder Position = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Eine deutliche Differenzierung dieser Motive nach dem Alter zeichnet sich wie folgt ab (vgl. Abbildung 4.18):  Das Ziel, den vorzeitigen Ruhestand zu nutzen, um noch etwas zu erleben, verliert leicht an Bedeutung (von 38 auf 34 Prozent). Dagegen nehmen die Motive, aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr erwerbstätig sein zu können (von 20 auf 28 Prozent), trotz Abschlägen über zum Leben ausreichende Mittel zu verfügen (von 13 auf 26 Prozent) und mit dem bereits im Ruhestand befindlichen Partner gemeinsame Zeit verbringen zu wollen (von 13 auf 22 Prozent), erkennbar zu.  Während 11 Prozent der 50- bis unter 60-Jährigen in den frühen Ruhestand eintreten wollen, weil sie keine Arbeit mehr finden, geht die Ausprägung dieses Grundes bei den 60- bis unter 65-Jährigen auf 8 Prozent zurück, vor allem weil eine Reihe von ihnen den Ruhestand schon angetreten hat.  Ebenfalls rückläufig ist die Absicht, bis zur Regelaltersgrenze (von 32 auf 25 Prozent) erwerbstätig zu bleiben. Auch der Wunsch, nicht mehr zu arbeiten, geht im Altersverlauf von 22 Prozent auf 18 Prozent zurück.  Relativ konstant zeigt sich der Beweggrund, keine Arbeit mehr zu finden (11 Prozent), der Rückgang auf 8 Prozent bei den 60- bis unter 65-Jährigen dokumentiert das Verrentungsgeschehen in dieser Altersgruppe. Demgegenüber bleibt das Motiv, lieber vorzeitig in den Ruhstand als noch zur Arbeitsagentur gehen zu müssen, über die Altersgruppen hinweg konstant (5 Prozent).
62

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 4.18: Gründe für den Wechsel in den Ruhestand vor Vollendung des 65. Lebensjahres nach Altersverlauf - 50- bis unter 65-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 40

30

20

38

35 34 28 30 26 22 18 18 13 17 13 18 11 11 8 22

32 25

10

20 20

5

5

5 1

4

0 möchte in der Zeit noch etwas erleben möchte nicht mehr arbeiten gehen Partner/-in ist Rentner/-in

2 keine Gründe, will Rente mit 65

bin gesundheitl. nicht mehr in der Lage

Geld reicht trotz Abschlägen

will nicht mehr zur Arbeitsagentur gehen müssen ich finde keine meine Rente ist höher Arbeit mehr als mein Einkommen

50 bis unter 55 Jahre

55 bis unter 60 Jahre

60 bis unter 65 Jahre

* Mehrfachantworten; Differenz zu 100 Prozent in jeder Position = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Besonders große Unterschiede in der Motivation für einen vorgezogenen Ruhestand treten zwischen Erwerbstätigen und Arbeitslosen zu Tage (vgl. Abbildung 4.19):  Die Motive, noch etwas erleben zu wollen (39 Prozent), nicht mehr zu arbeiten (21 Prozent), den Ruhestand mit dem/der Partner/-in zu verbringen (17 Prozent), trotz Abschlägen über ausreichendes Geld zu verfügen (16 Prozent), sind bei den Erwerbstätigen stärker ausgeprägt als bei Arbeitslosen.  In extrem hoher Ausprägung wird der Entscheid für den vorgezogenen Ruhestand bei Arbeitslosen durch die Befürchtung, keine Arbeit wieder zu finden, motiviert. Dies wird außerdem von dem Bestreben getragen, nicht mehr zur Arbeitsagentur/zum Jobcenter gehen zu müssen.   Häufiger als Erwerbstätige (14 Prozent) sehen sich Arbeitslose (21 Prozent) durch gesundheitliche Einschränkungen in den vorgezogenen Ruhestand gedrängt. Außerdem wird von einer Minderheit der Arbeitslosen der vorgezogene Ruhestand gewählt, weil ihre zu erwartende Rente höher ausfällt als das aktuelle Einkommen. Abbildung 4.19: Motive zum Eintritt in den vorgezogenen Ruhestand nach Erwerbsstatus - 50- bis unter 65-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* möchte in der Zeit noch etwas erleben möchte nicht mehr arbeiten gehen Partner/-in ist Rentner/-in Geld reicht trotz Abschläge gesundheitlich nicht mehr in der Lage ich finde keine Arbeit mehr will nicht mehr zur Arbeitsagentur gehen müssen meine Rente ist höher als mein Einkommen 2 8 4 21 6 51 9 16 14 14 21 15 17 39 19 21

keine Gründe, will Rente mit 65 0 10

36 29 20 30 erwerbstätig arbeitslos 40 50 60

* Mehrfachantworten; Differenz zu 100 Prozent in jeder Position = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

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50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Im Gegensatz zu den oben aufgeführten Motiven führt eine Minderheit der 50- bis unter 65-Jährigen (29 Prozent) ernste Gründe für ihre weitere Teilnahme am Erwerbsleben und einen regulären Eintritt in den Ruhestand an. Auch für diese Gründe zeichnet sich eine klare Rangfolge nach der Häufigkeit der Nennung (Mehrfachantworten) ab. Als Gründe für den Verbleib im Erwerbsleben bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze werden genannt, dass      man sich die Abschläge nicht leisten kann (25 Prozent), das individuelle Arbeitseinkommen höher als die Rente ist (22 Prozent), man in seinem Beruf noch etwas leisten möchte (20 Prozent), sich die Rente durch weitere Arbeitsjahre erhöht (15 Prozent), man so seine Kinder unterstützen kann (9 Prozent).

Die Vorrangigkeit dieser Gründe differenziert sich erkennbar nach Geschlecht, Altersverlauf und Erwerbsstatus. Obwohl die Entscheidungen für den Wechsel in den Ruhestand von Frauen und Männern übereinstimmend (vgl. Abbildung 4.16) getroffen wurden, zeigen sich folgende geschlechtsspezifische Unterschiede in der Motivation (vgl. Abbildung 4.20):      Für alle angeführten Motive gilt, dass sie häufiger von Männern als von Frauen vertreten werden. Am stärksten wird von Männern (26 Prozent) und Frauen (24 Prozent) geäußert, dass sie sich die Abschläge nicht leisten können. Diesbezüglich ist der Unterschied der Ausprägung zwischen Frauen und Männern am geringsten. Mit der Tatsache, dass die Höhe des Arbeitseinkommens höher als die Rente ist, begründen um 9 Prozentpunkte mehr Männer als Frauen ihren weiteren Verbleib im Erwerbsleben. Um 7 Prozentpunkte mehr Männer als Frauen verweisen darauf, im Beruf noch weitere Jahre etwas leisten zu wollen und dadurch auch ihre Rente zu erhöhen. Die Möglichkeit, durch weitere Erwerbstätigkeit die Kinder unterstützen zu können, ist bei Frauen und Männern im ähnlichen Ausmaß verbreitet. Abbildung 4.20: Gründe für den regulären Eintritt in den Ruhestand nach Geschlecht - 50- bis unter 65-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Frauen kann mir Abschläge nicht leisten Männer

24

26

mein Arbeitseinkommen ist höher als Rente

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möchte in meinem Beruf noch etwas leisten

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meine Rente erhöht sich durch Arbeitsjahre

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kann so meine Kinder unterstützen

8

11

30

20

10

0

10

20

30

* Mehrfachantworten; Differenz zu 100 Prozent in jeder Position = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die Motivation dafür, mit Erreichen der Regelaltersgrenze in den Ruhestand einzutreten, geht in der Gruppe der 50- bis unter 65-Jährigen mit fortschreitendem Altersverlauf zurück (vgl. Abbildung 4.21). Dieser Trend hat bei den drei ausgewählten Altersgruppen unterschiedlichste Ausgangspositionen und lässt auch bei einem der Motive die Abweichung vom Trend besonders hervortreten. Aufmerksam zu machen ist auf

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 

den überproportional hohen Anteil der 50- bis unter 55-Jährigen, deren längerer Verbleib im Erwerbsleben dadurch motiviert wird, dass das Arbeitseinkommen höher als die Rente ist; das bis zu den 60-Jährigen ansteigende Motiv, im Beruf noch etwas leisten zu wollen.

Abbildung 4.21: Gründe für den regulären Eintritt in den Ruhestand nach dem Altersverlauf - 50- bis unter 65-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 40

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20 30 28 18

34 22 14 23 19 15 16 11 13

21

10

10 6

0 kann mir Abschläg e nicht leisten mein Arbeitseinkommen ist höher als Rente 50 bis unter 55 Jahre möchte in meinem Beruf noch etwas leisten 55 bis unter 60 Jahre meine Rente erhöht sich durch Arbeitsjahre 60 bis unter 65 Jahre kann so meine Kinder unterstützen

* Mehrfachantworten; Differenz zu 100 Prozent in jeder Position = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

In der Gruppe der 50- bis unter 65-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf, die mit Erreichen der Regelaltersgrenze in den Ruhestand eintreten wollen, offenbaren sich beachtliche Unterschiede hinsichtlich des Erwerbsstatus. Diesbezüglich hervorzuheben ist (vgl. Abbildung 4.22):  Viel häufiger motivieren Erwerbstätige als Arbeitslose ihre Entscheidung damit, dass ihr Arbeitseinkommen höher als die zu erwartende Rente ist (34 zu 13 Prozent); diese Konstellation ergibt sich auch bezüglich des Motivs, im Beruf noch etwas leisten zu wollen (29 zu 14 Prozent) und ebenso beim Motiv, die Kinder unterstützen zu können (13 zu 3 Prozent).  Ein höheres Votum der Arbeitslosen wird bei den Motiven, sich die Abschläge nicht leisten zu können (42 Prozent Arbeitslose - 31 Prozent Erwerbstätige) und die Rente erhöht sich bei weiteren Arbeitsjahren (21 zu 19 Prozent) festgestellt. Abbildung 4.22: Motive zum regulären Eintritt in den Ruhestand nach Erwerbsstatus - 50- bis unter 65-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* mein Arbeitseinkommen ist höher als Rente 22 34 13 25 31 42 20 29 14 15 19 21 9 13 3 0 10 20 insg esamt Erwerbstätige 30 Arbeitslose 40 50

kann mir Abschläg e nicht leisten

möchte in meinem Beruf noch etwas leisten

meine Rente erhöht sich durch Arbeitsjahre

kann so meine Kinder unterstützen

* Mehrfachantworten; Differenz zu 100 Prozent in jeder Position = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

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4.4

Fazit

Die Teilnahme der künftigen Senioren am Erwerbsleben wird insgesamt vom fließenden Übergang von aktiver Erwerbstätigkeit zum Ruhestand bestimmt. Aktuell sind mehr als die Hälfte von ihnen erwerbstätig. Diese nehmen im Beruf überwiegend die Stellung von Angestellten ein, die Anteile von Arbeitern, Beamten und Selbstständigen verteilen sich zwischen 11 und 13 Prozent. Freiberufler und mithelfende Angehörige von Selbstständigen bilden Minderheiten. Die aktive Erwerbstätigkeit ist im Altersverlauf zwischen dem 50. und 65. Lebensjahr rückläufig. Dieser Prozess vollzieht sich bei Frauen rascher als bei Männern. Im Gegenzug steigen die Anteile der vorzeitig in den Ruhestand eintretenden Frauen und Männer an; bei den Frauen wächst der Anteil der Hausfrauen. Jenseits der Regelaltersgrenze sind in Steglitz-Zehlendorf noch 6 Prozent der Senioren erwerbstätig. Von den Probanden waren 6 Prozent arbeitslos und 2 Prozent wegen Arbeitslosigkeit in geförderte Arbeitsverhältnisse eingegliedert. Die Arbeitsmarktstatistik für Steglitz-Zehlendorf weist seit Jahren zwischen 2.600 und 2.900 Arbeitslose im Alter von 50 bis unter 65 Jahren und darunter ca. zwei Drittel Langzeitarbeitslose nach. Gerade die älteren Arbeitslosen treffen auf erschwerte Bedingungen am Arbeitsmarkt, vor allem auf nur geringe Chancen für eine Rückkehr in die Erwerbstätigkeit, was für die Mehrheit von ihnen zu Langzeitarbeitslosigkeit führt. Die materiellen Folgen und sozialen Auswirkungen von Arbeitslosigkeit werden durch die Kumulation von Arbeitslosigkeit in den Partnerhaushalten und Familien verschärft. Der Anteil der wegen Erwerbsminderung aus dem Arbeitsleben Ausgeschiedenen steigt zwischen dem 50. und dem 65. Lebensjahr insgesamt von 4 auf 21 Prozent, darunter bei den Männern schneller als bei den Frauen. Das durchschnittlich hohe Qualifikationsniveau der 50- bis unter 65-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf erweist sich für die Mehrheit von ihnen als stabile Grundlage ihrer Erwerbsbeteiligung. Ein beträchtlicher Anteil der arbeitslosen Frauen und Männer verfügt über keine berufliche Ausbildung. Aber 22 Prozent der arbeitslosen Frauen und 39 Prozent der arbeitslosen Männer verfügen über Fach- und Hochschulabschlüsse. Damit bestätigt sich, dass die schwierige Arbeitsmarktlage schon längst - seit Ende der 90er Jahre - die akademischen Berufe erfasst hat. Ausgehend davon, dass in Steglitz-Zehlendorf nach der Einwohnerprognose (2007 bis 2030) bis zum Jahre 2025 für das ältere Erwerbspotenzial ein Anstieg um 8 Prozent erwartet wird, soll unter der Annahme des Fortbestandes der aktuellen Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt und dessen weiteren Beeinflussung durch die Krise am Finanzmarkt auf folgende mögliche Entwicklungen aufmerksam gemacht werden:  Für die Mehrheit der älteren Arbeitnehmer/-innen wird auch künftig ein selbstbestimmter Wechsel aus der Erwerbstätigkeit in den Ruhestand möglich sein. Das trifft vor allem für jene zu, die durch langjährige Erwerbstätigkeit entsprechende Anwartschaften auf Alterssicherung aufbauen und zusätzlich private Altersvorsorge betreiben konnten.  Dennoch ist auch für Steglitz-Zehlendorf davon auszugehen, dass die Unterversorgung mit Arbeit - in Form von Arbeitslosigkeit bzw. Langzeitarbeitslosigkeit sowie von prekären Arbeitsverhältnissen mit Niedrigstlöhnen, Zeit- und Leiharbeitsverhältnissen, untertariflich entlohnten befristeten Arbeitsverhältnissen und von Ein-Eurojobs - bei den 50- bis unter 65-Jährigen von aktuell ca. 11 Prozent (6.574 Personen) in Folge des demographischen Wandels weiter zunimmt. Bei unveränderter Unterversorgungsquote könnte das bis 2015 einen nominalen Anstieg um weitere 500 mit Arbeit unterversorgte 50- bis unter 65-Jährige in Steglitz-Zehlendorf bedeuten.  Für eine zunehmende Minderheit wird auch in Steglitz-Zehlendorf von durch Arbeitslosigkeit aus dem Erwerbsleben ausgegrenzte Personen mit den Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit zu rechnen sein. Dieser Einschnitt in die individuellen Erwerbsverläufe beeinträchtigt nicht nur die jeweils aktuelle Lebenssituation, sondern hat nachhaltige Auswirkungen auf deren materielle Alterssicherung. Die durch Langzeitarbeitslosigkeit entstehenden Lücken in den Erwerbsbiographien schlagen sich vor allem in lebenslang wirksamen Defiziten an monatlichen Zahlbeträgen der gesetzlichen Altersrenten nieder.

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

Infolge der immensen Vermittlungsschwierigkeiten älterer Arbeitsloser auf dem 1. Arbeitsmarkt wird diese Klientel auch künftig auf Eingliederung in öffentlich geförderte Arbeitsverhältnisse angewiesen sein. Es wäre im Interesse der hilfsbedürftigen Klientel erforderlich, diese Beschäftigungsmöglichkeiten als wirkliche Brücke bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung auszugestalten.

Ausgehend von den individuellen Lebensbedingungen - Beschäftigungssituation, Einkommenslage, Gesundheitszustand, familiale Erfordernisse (z.B. Pflege von Angehörigen) - und in Abwägung der Auswirkungen auf den künftigen Lebensstandard und die angestrebte Lebensqualität treffen künftige Senioren (50- bis unter 65-Jährige) im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten ihre Entscheidungen über den Wechsel aus dem Erwerbsleben in den Ruhestand. Gleichzeitig entwickeln sie damit im Zusammenhang ihre Handlungsstrategien über die Nutzung der sich vor ihnen öffnenden Freiräume für die Zeitverwendung. Die individuellen Entscheidungen der künftigen Senioren über den konkreten Wechsel in den Ruhestand werden in Steglitz-Zehlendorf wie anderenorts auf kommunaler Ebene zusammengeführt und bilden eine wesentliche Kennziffer für die bezirkliche Sozialplanung. Im Jahre 2008 konnte für Steglitz-Zehlendorf festgestellt werden, dass 58 Prozent der künftigen Senioren einen vorgezogenen Ruhestand in Anspruch nehmen wollen. Diese Aussagen verteilen sich auf die nächsten 10 bis 15 Jahre. Diese Absicht steigt mit dem Lebensverlauf von 48 Prozent bei den 50- bis unter 55-Jährigen auf 68 Prozent bei den 60- bis unter 65-Jährigen an. Damit muss vor allem bei den Absichten der 50- bis unter 55-Jährigen im Verlauf der nächsten 10 bis 15 Jahre gerechnet werden. Diese Absicht wird stärker von Frauen als von Männern geäußert und am häufigsten von weniger qualifizierten Personengruppen vertreten. Die Altenhilfeplanung sollte deshalb auch künftig berücksichtigen, dass der demographische Zufluss zur Seniorenschaft    sich zunehmend aus der Gruppe der 60- bis unter 65-Jährigen rekrutiert, mehr weiblich bestimmt sein wird, auch fließend zu ca. 20 Prozent über den Weg der Entberuflichung durch Arbeitslosigkeit bzw. durch Berentung wegen verminderter Erwerbsfähigkeit schon vor dem 60. Lebensjahr erfolgen wird. Dabei ist wegen der Auswirkungen auf die materielle Alterssicherung die Unterschiedlichkeit der Motive für die vorzeitige Berentung zu beachten:  Bei all jenen Probanden, die sich entweder für die vorzeitige Berentung entschieden haben, weil sie noch etwas erleben möchten, oder auch mit einer abschlagsbelasteten Rente fernerhin auskommen bzw. einfach nicht mehr arbeiten möchten, ist damit zu rechnen, dass sie über ein auskömmliches Alterseinkommen aus unterschiedlichen Einkommensquellen verfügen.  Hingegen jene, die die vorzeitige Berentung mit Abschlägen wählen, weil sie keine Arbeit mehr finden (10 Prozent), weil die Rente höher ist als die Hartz IV-Leistung (2 Prozent) oder weil sie gesundheitlich nicht mehr zu Erwerbstätigkeit in der Lage sind (23 Prozent), treffen diese Entscheidung trotz der durch Abschläge zu erwartenden Einschnitte in ihre Renteneinkommen und nehmen das Risiko der materiellen Unsicherheit im Alter auf sich. Dieser Zufluss von unter 65-Jährigen bringt zugleich einen Zugewinn an überwiegend mobilen und aktiven Kräften, die mit ihren Interessenlagen und Bedürfnissen auch aktivierbare Ressourcen zur Selbstorganisation und Selbsthilfe in das Seniorendasein einbringen. Insgesamt 29 Prozent der künftigen Senioren sind entschlossen, bis zur gesetzlichen Regelaltersrente erwerbstätig zu bleiben. Diese Absicht wird häufiger von Männern als von Frauen vorgetragen. Sie erfährt im Fortlauf der Jahre eine Modifizierung, so dass von den 30 Prozent der 50- bis unter 55-Jährigen noch 25 Prozent der 60- bis unter 65-Jährigen an ihrem Entschluss festhalten. Als häufigstes Motiv für die Erwerbsbeteiligung bis zur Regelaltersgrenze wird von knapp einem Viertel der Probanden angeführt, sich die Abschläge nicht leisten zu können. Die Motivation für diesen Entschluss differenziert sich am deutlichsten nach dem Erwerbsstatus. Während vor allem Arbeitslose (42 Prozent) materielle Gründe für den Wunsch nach
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Erwerbstätigkeit bis zur Regelaltersgrenze vorbringen, äußert ein Teil der Erwerbstätigen (29 Prozent) den Wunsch, auch weiterhin im Beruf etwas leisten zu wollen. Wenn man die Motive für einen vorzeitigen Ruhestand in die Altenhilfe einbeziehen will, empfiehlt es sich, die Wünsche    zur Gestaltung aktiver und erlebnisreicher Jahre bei guter Gesundheit, nach gemeinsamen Erlebnissen mit dem Partner ebenso wie die gesundheitlich und arbeitsmarktbedingten vorzeitigen Berentungsgründe

bei der inhaltlichen Profilierung von Freizeit und Beratungsangeboten mit zu Grunde zu legen. Daraus würden sich eine stärkere altersspezifische Staffelung der Angebote und eine Berücksichtigung der Interessen von Partnerschaften bei der Programmentwicklung ergeben.

68

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5.

Einkommen

Das Einkommen bestimmt wesentlich die Lebensqualität und Lebenszufriedenheit eines jeden Bürgers und bildet die finanzielle Grundlage für die gegenwärtige und künftige Lebensplanung. Das Führen eines selbstständigen und selbstbestimmten Lebens älterer Bürgerinnen und Bürger wird entscheidend von der Alterssicherung und dem Einkommen im Alter beeinflusst, um die existenziellen und die darüber hinausgehenden Bedürfnisse befriedigen zu können. Auch in Steglitz-Zehlendorf erwirbt die überwiegende Mehrheit der erwerbsfähigen 50- bis unter 65-Jährigen durch aktive Teilnahme am Erwerbsleben ein eigenes Einkommen und zugleich Anwartschaften gesetzlicher Alterssicherungsleistungen. Wer von dieser Gruppe bereits in den Ruhestand übergewechselt ist und die ab 65-Jährigen beziehen auf der Grundlage der während des Erwerbslebens erworbenen Ansprüche gesetzliche Rente bzw. Pension. Durch die gestiegene Lebenserwartung eröffnet das eigene Alterseinkommen mehr älteren Menschen als je zuvor, aktiv ihr Leben nach dem Austritt aus dem Erwerbsleben zu gestalten. Diese Bedürfnisse werden sowohl in die individuellen, vor allem finanziellen Realisierungsmöglichkeiten eingeordnet als auch im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für die materielle Alterssicherung im Zusammenhang betrachtet. Die von den künftigen und gegenwärtigen Senioren getroffenen Aussagen über ihre Möglichkeiten, auf der Basis der Haushaltsnettoeinkommen die Bedürfnisse der Familie bzw. der Alleinlebenden befriedigen zu können, fallen im Jahre 2008 äußerst differenziert aus und schließen auch die Bekundung der Unmöglichkeit ein. In der Bewertung des möglichen Maßes der Bedürfnisbefriedigung reflektieren sich zugleich die Einkommensverhältnisse und die wirtschaftliche Lage der Einzelnen und der Familien. Von den ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf bestätigte insgesamt die Hälfte, dass ihr Haushaltsnettoeinkommen ihnen ohne Einschränkung die Befriedigung ihrer Bedürfnisse gestattet. Weitere 30 Prozent gaben zu Protokoll, dass ihr Haushaltsnettoeinkommen nur eine eingeschränkte Bedürfnisbefriedigung gestattet. Insgesamt 16 Prozent stellten fest, dass ihr Haushaltsnettoeinkommen nicht ausreicht, um ihre Bedürfnisse im Großen und Ganzen sicherzustellen (vgl. Abbildung 5.1). Abbildung 5.1: Ermöglicht Ihr Haushaltsnettoeinkommen im Großen und Ganzen die Befriedigung Ihrer Bedürfnisse? nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent 4 16 80 29 30 60 28 29 33 32 32 2 20 3 21 3 17 3 18 2 18 2 13 4 8 4 13

100

26 30

40 50 20 50 47 47 47 48 56 62 53

0 insgesamt BR1 Schloßstraße BR2 Albrechtstraße ja BR3 Lankwitz BR4 Ostpreußendamm nein BR5 Teltower Damm BR6 Drakestraße BR7 BR8 Zehlendorf Zehlendorf Südwest Nord

ja, eingeschränkt

ohne Antw.

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die sozialräumliche Betrachtung dieser Frage offenbart erhebliche Unterschiede in der Bewertung durch die Probanden der einzelnen Bezirksregionen. So zeugen die Auskünfte aus den Bezirksregionen Albrechtstraße, Lankwitz, Ostpreußendamm (jeweils 47 Prozent) und Teltower Damm (48 Prozent), dass nur einem unterdurchschnittlichen Anteil der Probanden eine uneingeschränkte Bedürfnisbefriedigung möglich ist. Die Probanden der anderen Bezirksregionen errei-

69

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

chen einen durchschnittlichen (Bezirksregion Schloßstraße) und einen überdurchschnittlichen Anteil (Zehlendorf Nord 53 Prozent, Drakestraße - 56 Prozent, Zehlendorf Südwest - 62 Prozent). Die größten Anteile jener, die mit ihrem Haushaltsnettoeinkommen keine Möglichkeit zur Bedürfnisbefriedigung sehen, konzentrieren sich in den Bezirksregionen Albrechtstraße und Schloßstraße. Diese umfassende Bewertung der eigenen Einkommensverhältnisse lässt nennenswerte Unterschiede zwischen den ab 50-jährigen Einwohnern insgesamt und jenen mit Migrationshintergrund erkennen. Gegenüber den ab 50-Jährigen insgesamt rechnen von den Migranten nur 40 Prozent auf der Basis ihrer Haushaltsnettoeinkommen mit einer uneingeschränkten Bedürfnisbefriedigung. Der Anteil mit einer eingeschränkten Bedürfnisbefriedigung ist bei der Gesamtheit und bei den Migranten ähnlich ausgeprägt, aber ein um 14 Prozentpunkte größerer Anteil der Migranten (30 Prozent) bekräftigt, dass ihr Haushaltsnettoeinkommen zur Bedürfnisbefriedigung nicht ausreicht. Für die ab 50-Jährigen insgesamt gilt, das geschlechtsspezifisch in Bezug auf die Bewertung der Einkommensverhältnisse eine Schlechterstellung der Frauen feststellbar ist. Hingegen bei den befragten Migranten offenbart sich bei den Männern ein um 16 Prozentpunkte größerer Anteil mit für die Bedürfnisbefriedigung unzureichendem Haushaltsnettoeinkommen als bei den Frauen (vgl. Abbildung 5.2a und 5.2b). Abbildung 5.2a+b: Ermöglicht Ihr Haushaltsnettoeinkommen im Großen und Ganzen die Befriedigung Ihrer Bedürfnisse? nach Geschlecht und Migrationshintergrund - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent mit Migrationshintergrund
insgesamt

Frau en
4 18

insgesamt

Männer
2 14

Frauen
1 23

M änner
3 39

50 33 4 30 45 16

27
31 28

40 2 30 45

24

57

34

ja

ja, eingeschränkt

nein

ohne Antw.

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die Aussagen der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf zur Bewertung ihrer finanziellen Verhältnisse differenzieren nach soziostrukturellen Merkmalen noch weiter aus. Folgende Aspekte treten dabei besonders hervor (vgl. Abbildung 5.3):  Von den vier Altersphasen sind es vor allem mehr als die Hälfte der Alten im fortgeschrittenen Alter gefolgt von den jungen Alten, die eine uneingeschränkte Befriedigung ihrer Bedürfnisse für möglich halten.  Im Vergleich zu den anderen Altersphasen äußern sich am häufigsten künftige Senioren (20 Prozent), dass ihre Haushaltsnettoeinkommen eine Bedürfnisbefriedigung nicht erlauben.  Während mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen und der Rentner bzw. Pensionäre ausreichende Haushaltsnettoeinkommen anzeigen, bestätigen 59 Prozent der Arbeitslosen, dass ihr Haushaltsnettoeinkommen nicht für die Bedürfnisbefriedigung ausreicht.  Die günstigsten Einkommenspositionen bekunden Partner, gefolgt von Familien mit Kindern. Von den Alleinlebenden (36 Prozent) und Alleinerziehenden (28 Prozent) bewerten nur wenige ihr Haushaltsnettoeinkommen für eine uneingeschränkte Bedürfnisbefriedung ausreichend. Annähernd gleich große Anteile dieser Gruppen bestätigen, dass sie über kein ausreichendes Einkommen verfügen.  Mit ansteigendem Haushaltsnettoeinkommen wächst der Anteil jener, die in der Lage sind, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. In den beiden unteren Einkommensgrößenklassen überwiegt jedoch die Mehrheit (75 und 63 Prozent), deren Haushaltsnettoeinkommen nicht bedarfsdeckend ist.

70

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 5.3: Ermöglicht Ihr Haushaltsnettoeinkommen im Großen und Ganzen die Befriedigung Ihrer Bedürfnisse? nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 47 55 56 42 55 37 14 43 53 36 28 60 52 4 5 22 46 68 85 0 20 ja 40 ja, eingeschränkt nein 60 ohne Antw. 80 20 30 46 40 28 14 75 63 31 13 4
1

Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u.ält. Erwerbsstatus Erwerbstätige Erwerbsmind.-Rentn. Arbeitslose Hausfrau Rentner/Pensionäre Familienstruktur Alleinlebende Alleinerziehende mit Partner/-in mit Partner/-in u.Kind/ern Haushaltsnettoeinkommen unter 600 Euro 600 b.u.1000 Euro 1000 b.u. 1500 Euro 1500 b.u. 2500 Euro 2500 b.u. 3500 Euro 3500 Euro u.dar.

32 29 28 29 31 36 24 39 29 32 42 29 29 28 30 59 27 14

20 14 10 15 14

1

2 6

16 14

3 2 4 4 9 2 2
1

17

2
1 1

100

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Diese Selbsteinschätzung der Einkommensverhältnisse durch die Probanden sollen im Folgenden einer genaueren Analyse unterzogen werden.

5.1

Einkommensquellen der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die Einkommensquellen unterscheiden sich grundsätzlich nach ihrer Funktion bei der materiellen Existenzsicherung der Bürgerinnen und Bürger. Alle Einkommensquellen, die der Absicherung des überwiegenden Lebensunterhaltes dienen, werden als primäre Einkommensquellen verstanden. Einkommensquellen, aus denen der/die Einzelne oder der private Haushalt zusätzliche Einnahmen erzielt, gelten als sekundäre Einkommensquellen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass nicht die Anzahl der Einkommensquellen, sondern deren Ergiebigkeit ausschlaggebend für die Höhe der Einkommen ist. Dennoch bestätigt die Praxis die Stabilität jener Einkommen, die sich auf mehr als eine Quelle begründen. Ausgehend vom grundsätzlichen Wandel der Lebenssituation durch den Wechsel vom Erwerbsleben in den Ruhestand differenzieren sich die primären Einkommensquellen innerhalb der ab 50-Jährigen in erster Linie nach ihrem sozialen Status und ihrer Teilnahme am Erwerbsleben. Während die 50- bis unter 65-Jährigen vor allem Arbeitsentgelt (Lohn, Gehalt), Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit, Arbeitslosengeld I, Arbeitslosengeld II (Hartz IV), Sozialhilfe und andere Transferleistungen, gesetzliche Rente (vorgezogene Altersrente, Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit, Hinterbliebenenrente) und Pension als primäre Einkommensquellen angeben, entfallen mit der Vollendung des 65. Lebensjahres Arbeitslosengeld I und II als Einkommensquelle völlig, die Bedeutung von Arbeitsentgelt und Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit als primäre Einkommensquellen geht zurück und die Einkünfte aus gesetzlichen Renten und Pensionen übernehmen die Spitzenpositionen in der Rangfolge der Einkommensquellen. Als sekundäre Einkommensquellen werden vor allem Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung, Einkommen aus betrieblicher Altersvorsorge, Hinterbliebenenrente , unterschiedlichsten Zinsen oder Kapitalerträgen, Einnahmen aus geringfügiger Beschäftigung und Unterhalt durch Angehörige sowie Leistungen aus dem Versorgungsausgleich bei Geschiedenen bezeichnet. Die Entwicklung des überwiegenden Lebensunterhaltes der Bevölkerung in Steglitz-Zehlendorf insgesamt lässt erkennen, dass in den zurückliegenden Jahren der Anteil des Arbeitsentgeltes aus Erwerbstätigkeit zurückging und im Gegenzug die Leistungen aus Renten und Pensionen anstiegen (vgl. Tabelle 5.1). Der Anteil des Arbeitslosengeldes stagniert nach Angaben der Regionaldirektion der Arbeitsagentur bei ca. 11 Prozent.
1

1

Kann in Abhängigkeit von der individuellen Einnahmestruktur auch eine primäre Einkommensquelle sein. 71

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Tabelle 5.1: Bevölkerung insgesamt in Steglitz-Zehlendorf 2000 bis 2008 nach den Quellen des überwiegenden Lebensunterhaltes - in Prozent 2000 100 40,5 6,0 3,3 0,0 4,3 25,2 23,4 2001 100 40,3 5,6 3,0 0,0 3,8 25,8 23,4 2002 100 41,8 5,7 3,6 0,0 2,5 25,5 23,6 2003 100 40,9 6,8 5,1 0,0 2,7 26,1 22,5 2004 100 41,1 7,0 5,0 0,0 2,8 24,8 22,9 2005 100 40,0 7,6 6,2 0,0 27,2 1,5 23,0 2006 100 40,0 7,8 5,9 0,0 26,6 1,1 23,9 2007 100 41,8 7,6 0,7 5,4 27,4 0,9 21,5 2008 100 41,4 7,7 0,7 5,0 26,5 0,9 23,0

Quellen des überwiegenden Lebensunterhaltes Bevölkerung insgesamt darunter: Erwerbstätigkeit insgesamt Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit Arbeitslosengeld/-hilfe/ ALG I, II Leistungen nach Hartz IV (ALG II, Sozialgeld) Rente/Pension Sozialhilfe/lfd. Hilfe zum Lebensunterhalt Unterhalt durch Eltern, Ehegatten

Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Ergebnisse des Mikrozensus, Berlin 2009

Die Auskünfte der Studienteilnehmer gestatten es, ein umfangreiches und differenziertes Abbild der Einkommensquellen und der Vielgestaltigkeit von Kombinationen darzustellen (vgl. Abbildung 5.4). Für die Gesamtheit der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf erweisen sich die gesetzlichen Renten, Arbeitsentgelte und Pensionen als die dominierenden primären Einkommensquellen. Des Weiteren bestimmen Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit, Unterhalt durch Angehörige und Arbeitslosengeld II häufiger die Einkommenslage dieser Gruppe als andere Transferleistungen. Als sekundäre Einkommensquellen werden am häufigsten Einkommen aus Vermietung oder Verpachtung, Erträge aus privater oder betrieblicher Altersvorsorge, aber auch Kapitalerträge (Zinsen, Dividenden), Partnereinkommen und Einkommen aus geringfügiger Beschäftigung aufgeführt. Abbildung 5.4: Monatliche Einkommensquellen der ab 50-Jährigen - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* gesetzliche Rente Lohn/Gehalt Pension Einkom. a.Vermiet./Verpacht. Einkom. aus selbst.Tätigkeit Erträge aus priv. Altersvors. Unterhalt durch Angehörige Arbeitslosengeld II/Hartz IV betriebliche Altersversorgung Kapitalertr., Zinsen, Dividende andere Transferleistungen** Arbeitslosengeld I Sozialhilfe gesetzl. Rente des Partners geringfügige Beschäftigung

46 30 15 9 8 8 5 3 2 2 2 1 1 1 1
0 10 20 primäre Einkommensquellen 30 sekundäre Einkommensquellen 40 50

* Mehrfachantworten, einschließlich zusätzlicher Angaben ** u.a. Grundsicherung im Alter, Wohngeld, Kindergeld, Pflegegeld, Krankengeld Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die Verteilung der Einkommensquellen innerhalb der ab 50-Jährigen ergibt, dass mehr als die Hälfte der älteren Bürgerinnen und Bürger in Steglitz-Zehlendorf nur eine einzige Einkommensquelle als Lebensgrundlage angegeben haben.

72

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Der Zufluss von Einkommen aus mehreren primären und/oder sekundären Einkommensquellen wurde von insgesamt 28 Prozent angezeigt. Im Einzelnen zeigt sich folgende Verteilung und Rangfolge (vgl. Abbildung 5.5 - 1. Diagrammsäule):  Die größte Gruppe (29 Prozent) bezieht ausschließlich gesetzliche Rente. Hier ist eine Kombination von eigener Versichertenrente und Hinterbliebenenrente möglich.    Fast ein Viertel (24 Prozent) verfügt nur über das aktuelle Arbeitsentgelt. 9 Prozent haben nur ihre Pension als Einkommensquelle genannt. 3 Prozent bestreiten ihren Lebensunterhalt ausschließlich aus dem Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit, darunter hauptsächlich Soloselbstständige.  Auf Einkünfte aus gesetzlichen Renten und sekundären Einkommensquellen, darunter hauptsächlich auf Erträge aus privater Altersvorsorge und Betriebsrenten, können 8 Prozent zurückgreifen.  Ein vielgestaltiges Zusammentreffen von primären und sekundären Einkommensquellen, das für 5 Prozent zutrifft, wurde zu Mehrfachquellen zusammengefasst.   Neben Pension auch gesetzliche Rente und weitere Einkünfte aus sekundären Quellen beziehen 4 Prozent. Arbeitslosengeld I oder II in Kombination mit Einkünften aus anderen Einkommensquellen bestätigen 4 Prozent. Zu den anderen Einkommensquellen gehören in verschiedener Kombination von Transferleistungen (Wohngeld, Kindergeld), bei Hartz IV-Empfängern sind es vor allem Einkünfte aus Erwerbstätigkeit in Form von Ein-Euro-Jobs.  Insgesamt 3 Prozent, überwiegend Hausfrauen, verweisen auf eigene Einkünfte aus ausschließlich sekundären Einkommensquellen. Dabei wurde auf Einnahmen aus Vermietung oder Verpachtung, auf Zinsen und andere Kapitalerträge verwiesen.  Arbeitsentgelt und Einkünfte aus sekundären Einkommensquellen, vor allem Zinsen und Einkünfte aus Vermietung, geben 3 Prozent an.  Weitere 2 Prozent verfügen neben dem Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit noch über Zuflüsse aus sekundären Einkommensquellen wie aus Vermietung und Verpachtung, privater Altersvorsorge und Kapitalerträgen.  Ein Prozent der Probanden bezieht Sozialhilfe und verweist noch auf weitere Transfereinkünfte, vor allem Pflegegeld. Abbildung 5.5:
100

Monatliche Einkommensquellen der 50- bis unter 65-Jährigen nach Bezirksregionen - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 5 1 2 3 3 4 4 5 8 3 9 5 4 5 4 4 3 7 4 7
1 1

9 2 3 7 3 4 6 2 9
1 1

6 2 2 4 4 4 7 2 9
1 1

4 1 3 2 3 4 5 6 4 9
2

6 3 4 3 5 3 7 3 10
1

4 1 3 4 5 5 7 10 3 10
1

80

4 1 3 4 5 2 3 7 10 5 8

7 4 1 4 2 6 10 10 3 7
1

60

22

22

40

24

29

25

23 26 28 20

20
29 26 28

36

35

32 21 20

25

0 insgesamt BR1 Schloßstraße BR2 Albrechtstraße BR3 Lankwitz BR4 Ostpreußendamm BR5 Teltower Damm BR6 Drakestraße BR7 Zehlendorf Südwest BR8 Zehlendorf Nord

gesetzl. Rente Eink. aus selbst. Tätigkeit Arb.losengeld I o.II u.a.Quellen nur sek. Einkommensquellen ohne Antw.

Arbeitsentgelt gesetzl. Rente u. sek. Quellen gesetzl. Rente u. Pens. u.a. Quellen aus selbst. Tätigk. u. sek. Quellen

Pension Mehrfachquellen Arbeitsentgelt u. sek. Quellen Sozialhilfe u.a. Quellen

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

73

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die Betrachtung der sozialräumlichen Verteilung nach den Einkommensquellen der ab 50-Jährigen zeigt, dass in allen Bezirksregionen die gesetzlichen Renten und das Arbeitsentgelt am stärksten vertreten sind. Dennoch offenbaren sich nicht unerhebliche Unterschiede (vgl. Abbildung 5.5):  Während in der Mehrheit der Bezirksregionen der Anteil des ausschließlichen Bezugs von gesetzlicher Rente bzw. Arbeitsentgelt über 50 Prozent liegt, bleibt er in den Bezirksregionen Drakestraße, Zehlendorf Südwest und Zehlendorf Nord unter 50 Prozent. In diesen Bezirksregionen kommt jeweils ein höherer Anteil von Rentnern mit zusätzlichen Einkünften aus sekundären Einkommensquellen (jeweils 10 Prozent) als in den anderen Bezirksregionen (zwischen 6 und 7 Prozent) hinzu.  Der Anteil der Bezieher von ausschließlich gesetzlicher Rente ist in den Bezirksregionen Lankwitz (36 Prozent) und Ostpreußendamm (35 Prozent) am höchsten.  Eine relative Konzentration der Einkünfte aus vielfachen Kombinationen von Einkommensquellen (Mehrfachquellen) zeichnet sich ebenfalls in den Bezirksregionen Drakestraße, Zehlendorf Südwest und Zehlendorf Nord ab.  Arbeitsentgelt kombiniert mit Einkünften aus sekundären Einkommensquellen tritt am häufigsten in den Bezirksregionen Schloßstraße und Zehlendorf Südwest (jeweils 5 Prozent) auf. Hinsichtlich der Verteilung der Einkommensquellen treten darüber hinaus spezifische Differenzierungen nach dem Geschlecht, im Zusammenhang mit einem möglichen Migrationshintergrund und im Altersverlauf auf.  Mehr Frauen (35 Prozent) als Männer (20 Prozent) beziehen ausschließlich gesetzliche Rente. Männer erzielen häufiger als Frauen neben der gesetzlichen Rente noch weitere Einkünfte aus sekundären Quellen.  Häufiger Männer (26 Prozent) als Frauen (22 Prozent) verfügen nur über Arbeitsentgelt bzw. nur über eine Pension (13 Prozent Männer - 6 Prozent Frauen).  Einkünfte ausschließlich aus sekundären Einkommensquellen werden überwiegend von Frauen (4 Prozent) bezogen.  Bei allen weiteren aufgeführten Einkommensquellen sind Männer häufiger die Empfänger als Frauen.

Bei den ab 50-jährigen Personen mit einem Migrationshintergrund aus Steglitz-Zehlendorf (4 Prozent) zeigt sich gegenüber der Gesamtheit der Probanden eine veränderte Rangfolge der Einkommensquellen. Diese wird sowohl durch die gruppenspezifische Altersstruktur als auch durch die gegenüber den Einheimischen andere Ausprägung der eingenommenen Stellung im Beruf bedingt. Folgende Unterschiede werden deutlich (vgl. Abbildung 5.6a und 5.6b):  Die Rangfolge der Einkommensquellen dieser Gruppe wird angeführt vom ausschließlichen Bezug eines Arbeitsentgeltes (27 Prozent), gesetzlichen Renten (22 Prozent) und Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit (11 Prozent).   Es folgen der Bezug von Arbeitslosengeld I oder II kombiniert mit anderen primären Transferleistungen. Von den ab 50-jährigen Personen mit einem Migrationshintergrund erzielen 4 Prozent als ihre materielle Lebensgrundlage ausschließlich Einkünfte aus einer Pension, und 3 Prozent verfügen neben der Pension noch über gesetzliche Renteneinkünfte und Einnahmen aus sekundären Einkommensquellen.    Nur sekundäre Einkommensquellen haben 3 Prozent dieser Personengruppe angegeben. Ebenfalls 3 Prozent erhalten Sozialhilfeleistungen und weitere Transferzahlungen. Zwei Prozent verweisen auf Einkünfte aus Mehrfachquellen, und 1 Prozent begründet sein Einkommen auf selbstständige Tätigkeit und erzielt noch Einkünfte aus sekundären Einkommensquellen.

74

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 5.6a+b: Struktur der monatlichen Einkommensquellen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Einw ohner
Frauen 7 4 3 3 4 9
1 1 2

insgesamt

Männer 3 3 3 6 6 7 7 5 13
1 2

6 22

2

2 1

3

3

4

4 5

8

3 9

5

24 35 29

26

20

darunter mit M igrationshintergrund
Frauen 8 3 5 4 4 6 7 6
2 2

insgesamt

Männer 3 4 4 5
2 2

3 6

1

3

5

3

8

2 5 11 4

13 4 4 15
1

29 22 24 27

24 20

gesetzl. Rente Eink. aus selbst. Tätigkeit Arb.losengeld I o.II u.a. Quellen nur sek. Einkommensquellen ohne Antw.

Arbeitsentgelt gesetzl. Rente u. sek. Quellen gesetzl. Rente u. Pens. u.a. Quellen aus selbst. Tätigk.. u. sek. Quellen

Pension Mehrfachquellen Arbeitsentg elt u. sek. Quellen Sozialhilfe u.a. Quellen

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 bzw. 2 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Im Altersverlauf bedeutet das Erreichen der gesetzlichen Regelaltersgrenze von derzeit dem vollendeten 65. Lebensjahr und bis zum Jahre 2030 ansteigend bis zum 67. Lebensjahr für die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und die Beamten einen tiefen Einschnitt in die Erwerbsbiographie. Für diese Personengruppen beginnen mit dem vollendeten 65. Lebensjahr der gesetzlich vorprogrammierte Ruhestand und damit die Umstellung ihrer materiellen Lebensgrundlage von Erwerbseinkommen auf gesetzliches Renteneinkommen bzw. Ruhegehalt. Das heißt jedoch nicht, dass sie künftig aus dem Erwerbsleben ausgeschlossen wären. Unbenommen ihrer Ansprüche an die gesetzliche Rentenversicherung auf Altersrente bzw. an die Beamtenversorgung auf Ruhegehalt können sie weiterhin erwerbstätig sein und Arbeitsentgelte erzielen. Dennoch ist bei den künftigen Senioren zwischen dem 60. und dem vollendeten 65. Lebensjahr ein grundsätzlicher Wandel in den Quellen ihres Lebensunterhaltes zu beobachten. Dieser Wandel wird vor allem durch folgende Sachverhalte charakterisiert (vgl. Abbildung 5.7):  Während infolge der vorgezogenen Berentung bei den künftigen Senioren der Anteil des Bezugs von ausschließlich gesetzlichen Renten bei 12 Prozent liegt, steigt er nach Erreichen der derzeitigen Regelaltersgrenze (vollendetes 65. Lebensjahr) auf 47 Prozent an, steigt bei den Alten im fortgeschrittenen Alter auf 48 Prozent und verbleibt bei den Hochbetagten bei 42 Prozent.  Der Anteil der Bezieher von ausschließlich Arbeitsentgelt geht von 45 Prozent bei den künftigen Senioren sukzessive zurück auf jeweils 2 Prozent bei den jungen Alten und den Alten im fortgeschrittenen Alter und zählt noch 1 Prozent bei den Hochbetagten. Dabei handelt es sich vorrangig entweder um selbstständige Tätigkeit oder um geringfügige Beschäftigung.
75

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008



Während die vorgezogenen Pensionen ohne Einkommen aus weiteren Quellen bei den künftigen Senioren einen Anteil von 5 Prozent ausmachen, steigt dieser bei den jungen Alten auf 13 Prozent an, beträgt bei den Alten im fortgeschrittenen Alter 15 Prozent und bei den Hochbetagten 7 Prozent.



Gesetzliche Rente und Einkünfte aus sekundären Einkommensquellen beziehen nur 2 Prozent der künftigen Senioren, aber 15 Prozent der jungen Alten, 10 Prozent der 75- bis unter 85-Jährigen und 16 Prozent der Hochbetagten.



Einkommen aus Mehrfachquellen beziehen 6 Prozent der künftigen Senioren und der jungen Alten. Bei den Älteren geht der Anteil dieser Einkommensquelle auf 3 bzw. 6 Prozent zurück.



Einkünfte aus gesetzlicher Rente und gleichzeitig eine Pension sowie Einkünfte aus sekundären Einkommensquellen erhalten 1 Prozent der künftigen Senioren, 8 Prozent der jungen Alten, 9 Prozent der 75- bis unter 85-Jährigen und 6 Prozent der Hochbetagten.



Auf Arbeitslosengeld I oder II sowie weitere primäre Transferleistungen sind bei den künftigen Senioren 8 Prozent angewiesen. Vor allem bei Langzeitarbeitslosigkeit verliert diese Gruppe im beträchtlichen Umfang Anwartschaften auf die gesetzliche Altersrente.



Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit erzielen aktuell 6 Prozent der künftigen Senioren, 1 Prozent der jungen Alten und 2 Prozent der Hochbetagten.



Überwiegend für Frauen zutreffend ist ein Einkommen ausschließlich aus sekundären Einkommensquellen. Das trifft aktuell für 4 Prozent der künftigen Senioren und jeweils 2 Prozent der höheren Altersphasen zu.



Arbeitsentgelt und Einkünfte aus sekundären Einkommensquellen erzielen derzeit 5 Prozent der künftigen Senioren und 1 Prozent der jungen Alten.



Auf Einkommen aus selbstständiger Arbeit und zugleich sekundären Einkommensquellen können 3 Prozent der künftigen Senioren und 1 Prozent der jungen Alten verweisen.



Abhängig von Leistungen der Sozialhilfe ist jeweils 1 Prozent aller genannten Altersphasen. Veränderung des Stellenwertes der Einkommensquellen im Altersverlauf - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 5 3 3 4 4 5 8 3
1 2

Abbildung 5.7:

100

3 3 5 4
1

5
1 1 1 2

10
1 2

18
1 2

8 6 15
1

8
1

9 3 10 15
2

80

6 6 16
2

6
2

6 5

60

9

13
2

7
1

24

40

45 47 48

42

20

29 12

0 insg esamt künftige Senioren 50 b.u. 65 J. jung e Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortgeschr. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u. ält.

gesetzl. Rente Eink. aus selbst. Tätig keit gesetzl. Renten, Pens. u.a. Quellen Arbeitsentgelt u. sek. Quellen ohne Antw.

Arbeitsentgelt gesetzl. Rente u. sek. Quellen Arb.loseng eld I o. II u.a. Quellen aus selbst.Tätig k. u. sek. Quellen

Pension Mehrfachquellen nur sek. Eink.q uellen Sozialhilfe u.a. Quellen

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

76

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

5.2

Individuelles Nettoeinkommen

Das individuelle Nettoeinkommen ist das verbleibende ausgabefähige Einkommen, nach Abzug von Steuern, des Solidaritätszuschlages und der Pflichtbeiträge zur Sozialversicherung. Die Art und Weise der aktuellen bzw. zurückliegenden Teilnahme am Erwerbsleben bestimmt die Entwicklung des durchschnittlichen Nettoeinkommens, so die Vollzeit- oder Teilzeitbeschäftigung, die geringfügige Beschäftigung, die arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, die untertarifliche Bezahlung und die arbeitszeitlichen Beschränkungen. Insgesamt ist ein merklicher Rückgang im Einkommenszuwachs zu verzeichnen. In allen Altersgruppen dokumentieren sich geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede sowohl in der Höhe des durchschnittlichen Nettoeinkommens als auch in der Spreizung der individuellen Nettoeinkommen. 5.2.1 Struktur der individuellen Nettoeinkommen

Die Struktur der individuellen Nettoeinkommen wird in diesem Abschnitt sowohl in Bezug auf die durchschnittlichen Nettoeinkommen der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf als auch unter dem Gesichtspunkt ihrer Spreizung und des Einflusses der Anzahl und Ergiebigkeit von Einkommensquellen untersucht. Während die durchschnittlichen Nettoeinkommen jeweils Auskunft - hier berechnet als Median - über den Zentralwert der Nettoeinkommen der Gesamtheit bzw. ausgewählter sozialer Gruppen und Rangfolgen ermöglichen, bietet die Analyse der Spreizung der individuellen Nettoeinkommen die Möglichkeit zur Darstellung der Verteilung dieser Einkommen nach Einkommensgrößenklassen. Die Spreizung der Nettoeinkommen gibt Auskunft über mögliche Polarisierungen der individuellen Einkommensverhältnisse sowohl von demographischen als auch soziostrukturellen Gruppen und gestattet, diesbezügliche Schlussfolgerungen hinsichtlich der Differenzierungen nach sozialräumlichen Verteilungen zu ziehen. Durchschnittliches Nettoeinkommen (Median)
3 2

Das durchschnittliche monatliche Nettoeinkommen aller Befragten liegt bei 1.374 Euro. Dieser Durchschnittswert differenziert sich sowohl zwischen Frauen und Männern und nach Altersphasen. Er zeigt beträchtliche Unterschiede bezüglich eines möglichen Migrationshintergrundes sowie nach dem Erwerbsstatus und der beruflichen Qualifikation. Darüber hinaus spiegeln sich bei einer sozialräumlichen Betrachtung erhebliche Unterschiede zwischen dem individuellen Nettoeinkommen der ab 50-Jährigen in den einzelnen Bezirksregionen wider. Abbildung 5.8: Durchschnittliche individuelle Nettoeinkommen* nach soziostrukturellen Merkmalen und Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Euro Durchschnitt = 1374 Euro pro Monat Geschlecht Frauen Männer Altersphasen künftige Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortgeschr. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u. ält. Migrationshintergrund Personen mit Personen ohne Bezirksregionen Schloßstraße - BR1 Albrechtstraße - BR2 Lankwitz - BR3 Ostpreußendamm - BR4 Teltower Damm - BR5 Drakestraße - BR6 Zehlendorf Südwest - BR7 Zehlendorf Nord - BR8 0 1491
1374 1374

1100 1800 1400 1300 1387 1252 900 1400 1450 1200 1220 1350 1348 1500 1758

500

1000

1500

2000

* Median Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)
2 3

Median (Zentralwert) verhindert im Gegensatz zum arithmetischen Mittel die Überbewertung von Extremwerten. Die Berechnungen des individuellen Nettoeinkommens begründen sich auf die Ergebnisse aus 3.672 Datensätzen mit Angabe des Nettoeinkommens. 309 Befragte haben von ihrem Recht auf Nichtbeantwortung dieser Frage Gebrauch gemacht und können deshalb hier nicht berücksichtigt werden. 77

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die Abbildung 5.8 gibt einen Überblick über die Differenzierung der individuellen Nettoeinkommen von ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf nach soziostrukturellen Merkmalen und Bezirksregionen. Der Vergleich der von verschiedenen sozialen Gruppen bzw. der ab 50-Jährigen einzelner Bezirksregionen mit dem Durchschnittswert weist die von den jeweiligen Gruppen eingenommene Einkommensposition in Bezug zum Durchschnitt aus. Dabei dominiert die günstige Einkommensposition der Männer. Vorteilhafte Einkommenspositionen sind bei den künftigen Senioren und bei den ab 50-Jährigen in den Bezirksregionen Schloßstraße, Drakestraße, Zehlendorf Südwest und Zehlendorf Nord verzeichnet. Unterdurchschnittliche Einkommenspositionen nehmen die ab 50-jährigen Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund ein. Bei den ansteigenden Altersphasen ist mit Ausnahme der 75- bis unter 85-Jährigen eine sukzessive Verschlechterung der Einkommensposition gegenüber dem Durchschnitt festzustellen. Unterdurchschnittliche Nettoeinkommen konzentrieren sich bei ab 50-Jährigen in den Bezirksregionen Albrechtstraße, Lankwitz, Ostpreußendamm und Teltower Damm (vgl. Abbildung 5.9). Abbildung 5.9: Relative Einkommensposition* der durchschnittlichen Nettoeinkommen nach soziostrukturellen Merkmalen und Bezirksregionen gegenüber dem Gesamtdurchschnitt - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent Geschlecht
30

40

Altersphasen

M igrationshintergrund

Bezirksregionen

20

31
10

Durchschnitt = 1374 Euro pro M onat

28 9 -2 -13 -11 -2 9

0

2 -20

-5

1 -9

2

6

-10

-20

-34

-30

-40 Frauen Männer künft. Sen. 50-65 junge Alte 65-75 Alte fortg. Alter 75-85 Hochbetagte 85 u.älter ja nein BR6 BR5 BR4 BR3 BR2 BR1 Ost- Telto- DrakeLankAlSchloßstraße straße brecht- witz preußen- wer damm Damm straße über Durchschnitt BR8 BR7 Zehl. Zehlendorf SüdNord west

unter Durchschnitt

* berechnet nach dem Median des individuellen Durchschnittsnettoeinkommens Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Mit dem Wechsel von der Erwerbsbeteiligung in den Ruhestand vollzieht sich ein grundsätzlicher Wandel nicht nur der Einkommensquellen der Bürgerinnen und Bürger, sondern für die Mehrheit von ihnen ist dieser Schritt in den neuen Lebensabschnitt auch mit nachhaltigen Veränderungen in der Höhe ihres individuellen Nettoeinkommens verbunden. Mit dem Wegfall des Arbeitsentgeltes und der Umstellung der materiellen Existenzsicherung weitgehend auf die Basis der in der Erwerbsphase erworbenen Anwartschaften - gesetzliche Rente oder Pension - verringert sich der Zufluss aus der jeweiligen Haupteinkommensquelle. Ein Vergleich der durchschnittlichen Nettoeinkommen der künftigen Senioren mit denen der ab 65-Jährigen belegt diesen Sachverhalt. Während die künftigen Senioren zusammen ein durchschnittliches Nettoeinkommen von 1.400 Euro pro Monat erzielen, ergibt sich bei den ab 65-Jährigen ein durchschnittliches Nettoeinkommen von 1.300 Euro (vgl. Abbildung 5.10). Das ist eine durchschnittliche Einbuße von 100 Euro. Gegenüber dem Gesamtdurchschnitt von 1.374 Euro sinkt die durchschnittliche Einkommensposition ab 65-Jähriger auf 95 Prozent ab.

78

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 5.10: Vergleich der durchschnittlichen individuellen Nettoeinkommen* pro Monat nach Altersgruppen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Euro 50- bis unter 65-Jährige Durchschnitt = 1400 Euro
1400

65-Jährige und ältere Durchschnitt = 1300 Euro Geschlecht 1100 1014 1800 Altersphasen 1400 1300 1387 1252 Migrationshintergrund 900 1500 Bezirksregionen 1500 1250 1350 1380 1400 1500 902 1300 1400 1200 1200 1200 1249 1500 1576 1300
1300 1300

weiblich männlich künftige Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u. ält. ja nein Schloßstraße - BR1 Albrechtstraße - BR2 Lankwitz - BR3 Ostpreußendamm - BR4 Teltower Damm - BR5 Drakestraße - BR6 Zehlendorf Südwest - BR7 Zehlendorf Nord - BR8
1400

1900

1850 1700

2000

1500

1000

500

0

500

1000

1500

2000

* Median Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die individuellen Nettoeinkommen der ab 50-Jährigen unterscheiden sich sowohl nach der Teilnahme am Erwerbsleben als auch in der Erwerbsphase und im Ruhestand hinsichtlich der beruflichen Qualifikation. Betrachtet man die Verteilung der durchschnittlichen individuellen Nettoeinkommen nach dem Erwerbsstatus, so werden die günstigen Einkommenspositionen von den Erwerbstätigen und den Rentnern sowie Pensionären eingenommen. Dieser Sachverhalt begründet sich darauf, dass das Einkommen primär aus eigenen Erwerbsleistungen bzw. durch eigene Erwerbsleistungen begründete Anwartschaften auf Alterssicherungsleistungen (Altersrente, Pension) erwächst. Die individuellen Nettoeinkommen von Rentnern wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und auch der Arbeitslosen (nach SGB III) basieren auf den Anwartschaften aus eigenen Erwerbsleistungen. So werden die Anwartschaften auf Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit zwar im Berentungsfall hochgerechnet, jedoch nur bis zum vollendeten 60. Lebensjahr, die Zeit zwischen dem 60. und dem 65. Lebensjahr ist mit Abschlägen belegt. Bezieher von Arbeitslosengeld I haben Anspruch auf in der Regel 60 Prozent des pauschalierten Nettoentgeltes bis zur Beitragsbemessungsgrenze und damit gegenüber dem Arbeitsentgelt Einbußen hinzunehmen. Hausfrauen nehmen die geringste Einkommensposition ein, da sie nur Einkommen aus sekundären Einkommensquellen erzielen können. Insgesamt bestätigt sich der geschlechtsspezifische Unterschied in den durchschnittlichen Nettoeinkommen zu Ungunsten der Frauen (vgl. Abbildung 5.11a). Die berufliche Qualifikation nimmt in der Erwerbsphase unmittelbar über die im Erwerbsleben eingenommene Position auf die erzielte Höhe des individuellen Nettoeinkommens Einfluss. Es besteht insgesamt ein enger Zusammenhang zwischen dem Qualifikationsniveau und der Einkommenshöhe. Der dokumentiert sich auch bei den 50- bis unter 65-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf. Darüber hinaus wird aber auch ein geschlechtsspezifischer Unterschied erkennbar. Noch immer ist festzustellen, dass Frauen bei gleicher Qualifikation nur geringere Einkommen als Männer erzielen. Einerseits werden die geringeren Nettoeinkommen der Frauen durch Teilzeitarbeit bedingt, und andererseits entstehen durch Kindererziehung und Haushaltsführung nicht nur zeitliche Lücken in den Erwerbsverläufen der Frauen, sondern auch Verzögerungen im beruflichen Aufstieg und damit Einkommenseinbußen (vgl. Abbildung 5.11b).
4 5

4

5

Vgl. §§ 43, 59 SGB VI. Vgl. § 129 SGB III. 79

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 5.11a+b: Durchschnittliche Nettoeinkommen* nach Erwerbsstatus und beruflicher Qualifikation - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Euro Erwerbsstatus
3000 Frauen Männer

berufliche Qualifikation
3000 2500 2000 1500
2400

Frau en

Männer

2500

2000

1500

2900 2000 1101 1200

1000 1450 500 809 1019 711 243 0 Erwerbstätige Erw.minderungsrentn. Arbeitslose Hausfrauen Rentner/ Pensionäre Erwerbstätige Erw.minderungsrentn. Arbeitslose 1300 569

1780

1000 500 0 800 970

1805 1363 1400

1750

Rentner/ Pensionäre

insgesamt

ohne Fach- FSHSAb- arbei- AbAbschl. ter schl. schl.

insgesamt

ohne Fach- FSAb- arbei- Abschl. ter schl.

HSAbschl.

* Median Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Bei den bereits im Ruhestand befindlichen ab 65-Jährigen, deren individuelle Nettoeinkommen im Wesentlichen auf Alterssicherungsleistungen (gesetzliche Rente, berufsständische Versorgung, Beamtenpension, Betriebsrente) sowie privater Altersvorsorge beruhen, zeichnet sich der enge Zusammenhang zwischen beruflicher Qualifikation und Einkommen ebenfalls ab. Es wird deutlich, dass die im Erwerbsleben aufgrund der unterschiedlichen Qualifikationen eingenommenen Positionen und die dadurch aufgebauten Anwartschaften sich in der Ruhestandsphase in unterschiedlicher Höhe der Alterssicherungsleistungen niederschlagen. Dieser Zusammenhang wird durch Erträge aus privater Altersvorsorge noch verstärkt (vgl. Abbildung 5.12a und 5.12b). Abbildung 5.12a+b: Individuelle Nettoeinkommen* nach beruflicher Qualifikation - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Euro - 50- bis unter 65-Jährige 3000 Frauen Männer

- ab 65-Jährige 3000 2500 2000
3000

Frauen

Männer

2500

2000

1500 2000 1101 767 1250 900 1900 1300 1410

1500 1000 500 0 1014 1000 1145

2700 1750 816 1800 1414 1400 1750

1000

1783

500

0 insgesamt ohne Fach- FSHSAb- arbei- AbAbschl. ter schl. schl. insgesamt ohne Fach- FSHSAb- arbei- AbAbschl. ter schl. schl.

insgesamt

ohne Fach- FSHSAb- arbei- AbAbschl. ter schl. schl.

insgesamt

ohne Fach- FS- HSAb- arbei- AbAbschl. ter schl. schl.

* Median Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Eine weitere nicht unerhebliche Differenzierung erfahren die individuellen Nettoeinkommen durch die Anzahl der ihnen zu Grunde liegenden Einkommensquellen sowie deren Ergiebigkeit. Wie im Abschnitt 5.1 dargestellt wurde, fließen einerseits bei nicht wenigen der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf die individuellen Nettoeinkommen pro Monat aus mehr als einer Einkommensquelle zusammen und andererseits begründen weit mehr als die Hälfte (62 Prozent) ihre individuellen Nettoeinkommen auf jeweils nur einer Einkommensquelle. In diesem Zusammenhang treten ebenfalls gravierende geschlechtsspezifische Unterschiede zu Tage. Darüber hinaus ergeben sich Differenzierungen in Bezug auf die Einkommenssituation von Alleinlebenden. Deren individuelle Nettoeinkommen liegen bei allen anderen Einkommensquellen bzw. Kombinationen von Einkommensquellen - mit Ausnahme der durch gesetzliche Renten dominierten - unter
80

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

dem jeweiligen individuellen Durchschnittsnettoeinkommen aller ab 50-Jährigen. Im Einzelnen ergeben sich folgende hervorhebenswerte Aspekte (vgl. Abbildung 5.13a bis 5.13c):  Die Kombination von Arbeitsentgelt und weiteren Einkommensquellen übertrifft das durchschnittliche, nur auf Arbeitsentgelt beruhende individuelle Einkommen von Frauen und Männern in unterschiedlichem Umfang.  Während Frauen und Männer mit einem durchschnittlichen individuellen Einkommen aus selbstständiger Arbeit einen geschlechtsspezifischen Unterschied von 1.500 Euro pro Monat ausweisen, verringert sich dieser Unterschied im Falle des Fließens weiterer Einkommensquellen auf 79 Euro pro Monat. Abbildung 5.13a: Vergleich der durchschnittlichen individuellen Nettoeinkommen* pro Monat nach Einkommensquellen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Euro Durchschnitt insgesamt= 1374 Euro Durchschnitt Alleinlebende = 1300 Euro

!
insgesamt Frauen Männer insgesamt Frauen Männer insgesamt Frauen Männer insgesamt Frauen Männer 3000 3000 3079 3000
3 00 0

1 37 4

nur Arbeitsentgelt 1700 1400 2100 2000 1482 1500 1500 1541 1473 1473

!

1300

Arbeitsentgelt und andere Quellen

zu geringe Fallzahl 2000 1000 2500
2500

nur Einkommen aus selbstständiger Arbeit 1574 1605 1794

Einkommen aus selbstständiger Arbeit und anderen Quellen
3 00 0 3 00 0

zu geringe Fallzahl

3079

!
3500 3000 2500 2000

1 37 4

!
1000 500 0 500 1000

1300

1500

1500

2000

2500

3000

3500

* Median Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)



Die Auskünfte zum Arbeitslosengeld I oder II sowie auch bei Hilfe zum Lebensunterhalt waren in jedem Fall kombiniert mit weiteren Transferleistungen (u.a. Hinterbliebenenrente, Mehraufwandsentschädigungsleistungen, Kindergeld).



Die geschlechtsspezifischen Unterschiede werden sowohl bei Arbeitslosengeld II als auch bei Sozialhilfe in dem Fall überdeckt, wenn Frauen Anspruch auf die Leistungen des Haushaltsvorstandes haben.



Unter dem Titel Mehrfachquellen wurde das unterschiedlichste Zusammentreffen von primären und sekundären Einkommensquellen zusammengefasst. Dabei zeigt sich, dass vor allem Männer, aber auch Alleinlebende in dieser Konstellation die individuellen Durchschnittsnettoeinkommen weit übertreffen.

81

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 5.13b: Vergleich der durchschnittlichen individuellen Nettoeinkommen* pro Monat nach Einkommensquellen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Euro Durchschnitt insgesamt = 1374 Euro Durchschnitt Alleinlebende = 1300 Euro

!
insgesamt Frauen Männer

1 37 4

Arbeitslosengeld und andere Transferleistungen 667 721 603 636 746 347

!

1 30 0

Sozialhilfe und andere Transferleistungen insgesamt Frauen Männer 500 406 771 515 515 zu geringe Fallzahl

Mehrfachquellen insgesamt Frauen Männer 3136 2093 1224 2000 1700 2340 2340

!
3500 3000 2500 2000

1 37 4

!
1000 500 0 500 1000

1 30 0

1500

1500

2000

2500

3000

3500

* Median Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)



Mit einem nur auf gesetzlicher Rente auch zuzüglich einer Hinterbliebenenrente beruhenden Alterseinkommen wird der Durchschnittswert der individuellen Einkommen aller ab 50-Jährigen nicht erreicht. Das wird aber bei Zusammentreffen von gesetzlicher Rente mit Zuflüssen aus weiteren Einkommensquellen vor allem für Männer, aber auch für Bezieher/-innen einer Hinterbliebenenrente möglich.



Bezieher/-innen von Pensionen liegen insgesamt über dem Durchschnitt der individuellen Einkommen der ab 50-Jährigen. Durch die Kombination mit gesetzlicher Rente - für die Zeit vor der Verbeamtung - und weiteren Einkommensquellen verbessert sich diese Einkommensposition noch weiter.

Abbildung 5.13c: Vergleich der durchschnittlichen individuellen Nettoeinkommen* pro Monat nach Einkommensquellen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Euro Durchschnitt insgesamt = 1374 Euro
1 37 4

Durchschnitt Alleinlebende = 1300 Euro
1300

nur Rente - Alters-, Erwerbsminderungs-, W itwenrente ! ! insgesamt Frauen Männer insgesamt Frauen Männer insgesamt Frauen Männer insgesamt Frauen Männer 2100 1800 nur Pension 1955 1500 1767 1491 1993 1050 900 1298 1423 1150 1162 1144 1182 1500 1400 2130

Rente und sekundäre Quellen

Pension, Rente, andere Quellen 2000 2000 1957 2171 2000 zu geringe Fallzahl

!
3500 3000 2500 2000

1 37 4

!
1000 500 0 500 1000

1300

1500

1500

2000

2500

3000

3500

* Median Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

82

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Spreizung der individuellen Nettoeinkommen Die bei den ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf vorgefundene Spreizung der monatlichen individuellen Nettoeinkommen erstreckt sich zwischen Personen ohne eigenes Einkommen und monatlich fließenden Einkommen, die in Einzelfällen die 50.000 Euro-Grenze überschreiten. Die prozentuale Verteilung dieser Einkommen führte gemäß der Konzentration im unteren Bereich zu einer Gruppierung in Fünfhunderter Schritten und im Folgenden in Tausender Schritten. Entsprechend diesen Einkommensgrößenklassen verteilen sich die individuellen Nettoeinkommen der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf wie folgt: 5 Prozent verfügen über kein eigenes Einkommen. Über ein Einkommen bis unter 500 Euro verfügen 7 Prozent. Zwischen 500 Euro und unter 1.000 Euro liegen die monatlichen Nettoeinkommen von 17 Prozent. Ein individuelles Nettoeinkommen von 1.000 Euro bis unter 1.500 Euro beziehen 22 Prozent der Probanden. Weitere 15 Prozent erzielen pro Monat ein individuelles Nettoeinkommen zwischen 1.500 und unter 2.000 Euro. Zwischen 2.000 Euro und unter 3.000 Euro liegt das individuelle Nettoeinkommen von ebenfalls 15 Prozent und über 3.000 Euro pro Monat verfügen 12 Prozent (8 Prozent - ohne Antwort). Die Analyse der Spreizung der individuellen Nettoeinkommen der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf nach der sozialräumlichen Differenzierung zeigt, dass die monatlich fließenden Einkommen nach Einkommensgrößenklassen sehr unterschiedlich verteilt sind. Dabei treten folgende erkennbare Unterschiede zwischen den individuellen Nettoeinkommen nach Bezirksregionen hervor (vgl. Abbildung 5.14):  Die insgesamt am weitesten verbreitete Einkommensgrößenklasse beim monatlichen individuellen Nettoeinkommen ist die zwischen 1.000 Euro und 1.500 Euro. Sie ist am stärksten in den Bezirksregionen Albrechtstraße und Teltower Damm und am geringsten in den Bezirksregionen Schloßstraße und Zehlendorf Südwest verbreitet.  Die Verteilung des Anteils der Personen ohne eigenes Einkommen (zumeist Hausfrauen) schwankt bei durchschnittlich 5 Prozent zwischen 3 Prozent in Lankwitz und 7 Prozent in Zehlendorf Südwest.  Der Anteil der Einkommensbezieher bis unter 500 Euro liegt zwischen 6 Prozent in den Bezirksregionen Albrechtstraße, Ostpreußendamm sowie Zehlendorf Nord und 9 Prozent in Lankwitz.  Zwischen 500 Euro und unter 1.000 Euro befinden sich die größten Konzentrationen in der Bezirksregion Lankwitz, gefolgt von den Bezirksregionen Schloßstraße und Albrechtstraße. Der geringste Anteil an dieser Einkommensgrößenklasse ist in der Bezirksregion Zehlendorf Südwest zu verzeichnen.  Die durchschnittlich 15 Prozent in der Einkommensgrößenklasse zwischen 1.500 Euro und unter 2.000 Euro des individuellen Nettoeinkommens pro Monat differenzieren sich zwischen 8 Prozent in Zehlendorf Nord und 20 Prozent in der Bezirksregion Drakestraße.  Die individuellen Nettoeinkommen zwischen 2.000 Euro und unter 3.000 Euro sind mit 18 Prozent in der Bezirksregion Drakestraße am stärksten und am geringsten mit 12 Prozent in der Region Albrechtstraße vertreten.  Ein individuelles Nettoeinkommen von mehr als 3.000 Euro wird am häufigsten in den Bezirksregionen Zehlendorf Südwest und Zehlendorf Nord erzielt, und ist am geringsten in der Bezirksregion Lankwitz zu finden.

83

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 5.14: Struktur der durchschnittlichen Nettoeinkommen nach Einkommensgrößenklassen und Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent 100% 8 12 80% 15 15 7 13 17 14 60% 16 15 19 7 6 BR1 Schloßstraße kein eigenes Eink. 1500 b.u. 2000 Euro 28 23 16 14 8 8 12 7 7 14 16 9 10 6 9 15 15 20 25 20 17 8 5 BR5 Teltower Damm 14 5 6 BR6 Drakestraße 5 12 24 18 16 15 16 7 8 7 8

13 19 16 8 19 13 6 5

40%

22

23

20%

17 7 5

19 6 5 BR2 Albrechtstraße

22 9 3 BR3 Lankwitz

18 6 5 BR4 Ostpreußendamm

0% insgesamt BR7 BR8 Zehlendorf Zehlendorf Südwest Nord

unter 500 Euro 2000 b.u. 3000 Euro

500 b.u. 1000 Euro 3000 Euro u.dar.

1000 b.u. 1500 Euro ohne Antw.

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die Spreizung der individuellen Nettoeinkommen differenziert sich sowohl danach, ob die Bevölkerungsgruppe ab 50 Jahre insgesamt als auch diejenigen dieser Altersgruppe mit Migrationshintergrund bezüglich ihrer individuellen monatlichen Nettoeinkommen analysiert werden. Des Weiteren werden geschlechtsspezifische Unterschiede offenkundig. Gegenüber der Gruppe insgesamt weisen Personen mit Migrationshintergrund folgende Unterschiede auf (vgl. Abbildung 5.15a und 5.15b):  Der Anteil ohne eigenes Einkommen ist bei den befragten Migranten insgesamt um 7 Prozentpunkte höher als bei den Einheimischen.  In den unteren Einkommensgrößenklassen des individuellen Nettoeinkommens bis unter 1.000 Euro ist der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund (48 Prozent) größer als bei der Bevölkerungsgruppe der ab 50-Jährigen insgesamt (29 Prozent).  In den Einkommensgrößenklassen ab 1.500 Euro bis 3.000 Euro und darüber liegt der jeweilige Anteil der Personen mit Migrationshintergrund unter dem der ab 50-Jährigen insgesamt. Nach Geschlecht zeigt sich bei den ab 50-Jährigen insgesamt:  Eine größere Konzentration der Frauen auf die Einkommensgrößenklasse bis unter 1.500 Euro als bei den Männern.  Ab 1.500 Euro pro Monat sind die Männer insgesamt gegenüber den Frauen im Vorteil.

Vergleicht man die Position der Geschlechter zwischen der Gruppe insgesamt und der der Personen mit Migrationshintergrund, wird erkennbar, dass Frauen und Männer mit Migrationshintergrund gegenüber der Gruppe der ab 50-Jährigen insgesamt eine ungünstigere Einkommensposition einnehmen.

84

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 5.15a+b: Struktur der individuellen Nettoeinkommen nach Geschlecht und Migrationshintergrund - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent mit Migrationshintergrund

Frauen
8 3 11 13 23 15 24 11 6 22

insgesamt

Männer
7 22

Frauen
5 3 6 6 17

insgesamt

Männer
10 19

17 7 5 8 21 17 21 7 2 3

22 16 11

14 12

10 18 16 12 4 11

30

7 8 10

15

12

21 13

kein eigenes Eink. 1500 b.u. 2000 Euro

unter 500 Euro 2000 b.u. 3000 Euro

500 b.u. 1000 Euro 3000 Euro u.dar.

1000 b.u. 1500 Euro ohne Antw.

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die individuellen Nettoeinkommen nehmen im Altersverlauf der ab 50-Jährigen unterschiedliche Entwicklungen (vgl. Abbildung 5.16a und 5.16b).  Bei den noch im erwerbsfähigen Alter stehenden 50- bis unter 65-Jährigen sind die Einkommensgrößenklassen zwischen 1.000 und unter 1.500 Euro insgesamt und bei Frauen am stärksten ausgeprägt. Bei Männern nimmt diese Einkommensgrößenklasse die zweite Position ein. Abbildung 5.16a+b: Struktur der individuellen Nettoeinkommen nach Altersgruppen und Geschlecht - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* - 50 bis unter 65-Jährige insgesamt 100 5 15 80 16 19 60 15 15 40 20 19 16 5 8 0 zusammen 50 b.u. 55 J. 55 b.u. 60 J. 60 b.u. 65 J. zusammen 50 55 60 b.u. b.u. b.u. 55 J. 60 J. 65 J. zusammen 50 b.u. 55 J. 55 b.u. 60 J. 60 b.u. 65 J. 12 5 6 15 5 9 20 5 8 7 10 22 19 24 15 14 21 20 6 18 6 15 13 5 12 17 13 14 5 6 14 Frauen 4 7 19 5 7 13 12 14 17 25 35 17 9 10 20 6 10 8 10 17 19 14 19 17 16 19 18 7 2
1

Männer 4 3 11 6 26 8 6 28 24 4 21 29

17

19 6 2 5

21 5 2 6

20

7 2 7

- ab 65-Jährige insgesamt 100 10 8 80 14 15 6 11 14 15 6 9 14 13 15 25 21 20 11 2 26 17 12 5 18 10 5 19 6 7 13 19 32 12
1

Frauen 8 2 8 11 7 2 5 12 10
1

Männer 11
1

8 34 18

3 21

8 18

14 10

11 22 14 26

8 13

8 9 22

15 20

60

25

26

28

4 11

23

21

24

28

27

40

24

26

24

27

27

28

25

22

18

20

15

20

11

18

20

17 9 2 zusammen

18 8 2

16 9 4

10 12
1

11 20 2
1

23 26 8
1 1

25 8
1 1

21 20 10 2
2

29

19 10

14 3 zusammen

14 4

17 2

16 6

16
1

0

2

1

5 2
1

8

5

65 70 75 80 85 J. b.u. b.u. b.u. b.u. und 70 J. 75 J. 80 J. 85 J. älter
kein eigenes Eink. 1500 b.u. 2000 Euro

65 70 75 80 85 J. b.u. b.u. b.u. b.u. und 70 J. 75 J. 80 J. 85 J. älter

zusammen

65 70 75 80 85 J. b.u. b.u. b.u. b.u. und 70 J. 75 J. 80 J. 85 J. älter

unter 500 Euro 2000 b.u. 3000 Euro

500 b.u. 1000 Euro 3000 Euro u.dar.

1000 b.u. 1500 Euro ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

85

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

 

Männer dieser Altersgruppe in Steglitz-Zehlendorf erzielen am häufigsten ein individuelles Nettoeinkommen von 3.000 Euro und darüber. Bei den ab 65-Jährigen insgesamt und bei den Frauen ist die Einkommensgrößenklasse zwischen 1.000 Euro und unter 1.500 Euro in allen aufgezeigten Altersgruppen am häufigsten vertreten. (Die Aussagen der ab 85-Jährigen werden durch hohe Quoten "ohne Antwort" verzerrt.)



Bei den ab 65-jährigen Männern insgesamt sind die Einkommensgrößenklassen zwischen 1.000 Euro und unter 1.500 Euro sowie zwischen 2.000 Euro und unter 3.000 Euro gleichermaßen (23 Prozent) ausgeprägt. Jedoch in den Altersgruppen der 60- bis unter 65-Jährigen und der 80- bis unter 85-Jährigen überwiegt der Anteil in der Einkommensgrößenklasse zwischen 1.000 Euro und 1.500 Euro, und in den Altersgruppen von 70 bis unter 80 Jahren sowie bei den 85-Jährigen und Älteren ist die Einkommensklasse zwischen 2.000 Euro und 3.000 Euro am stärksten vertreten.

Eine starke Differenzierung erfahren die individuellen Nettoeinkommen der ab 50-Jährigen nach dem Erwerbsstatus. Insgesamt treten folgende Ergebnisse hervor (vgl. Abbildung 5.17):  In der Gruppe der ab 50-Jährigen insgesamt erzielen ungeachtet derer, die kein eigenes Einkommen angeben, die Erwerbstätigen mit 60 Prozent den größten Anteil der individuellen Nettoeinkommen von mehr als 1.500 Euro. Es folgen die Rentner und Pensionäre mit 38 Prozent. Von den Rentnern wegen verminderter Erwerbsfähigkeit (25 Prozent), den Arbeitslosen (9 Prozent) und Hausfrauen (5 Prozent) erreichen nur wenige diese höheren Einkommensgrößenklassen.  Ein individuelles Nettoeinkommen bis unter 1.500 Euro bestätigen 72 Prozent der Rentner wegen verminderter Erwerbsfähigkeit, 59 Prozent der Arbeitslosen, die Hälfte der Rentner und Pensionäre, 33 Prozent der Erwerbstätigen und ca. ein Viertel der Hausfrauen.  Ohne ein eigenes Einkommen verbleiben ein Prozent der Erwerbstätigen (mithelfende Familienangehörige), 3 Prozent der im Ruhestand befindlichen Personen (Hausfrauen oder lebenslang erwerbsunfähig) sowie wegen der Höhe der Partnereinkommen 25 Prozent der Arbeitslosen und 66 Prozent der Hausfrauen.  Deutlich mehr Frauen befinden sich in den Einkommensgruppen unter 1.500 Euro als Männer. An der Spitze der Einkommensbezieher mit mehr als 1.500 Euro pro Monat stehen 73 Prozent der Männer insgesamt, darunter 59 Prozent der männlichen Ruheständler. Abbildung 5.17: Struktur der individuellen Nettoeinkommen nach Einkommensgrößenklassen und Erwerbsstatus - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* insgesamt 100 6 23 3 2 10 13 7 3 3 3 15 5 2 3 5 7 12 9 7 15 16 30 24 14 20 20 11 0 2
1

Frauen 4 9 19 21 19 32 3 9 10 3 4 5 3 14 5 2 3 5 7 12 12
1

Männer 6 4 4 13 36 19 8 2 2 3 17 24 29 21 40 20 12 22 8 15

80

8 13

60

20

29

25

40

17 66

24 51 17

66

24

16

38 25 5 Arbeitslose

17 20 9 3 Haus- Ruhefrau stand: Rentn./ Pens. 4
1

22 6

14 3 Haus- Ruhefrau stand: Rentn./ Pens.

16 3
1 1

18 2

27 7 3
1

ErErwerbs- werbstätige mind.Rentn.

ErErArwerbs- werbs- beitstätige mind.- lose Rentn. unter 500 Euro 2000 b.u. 3000 Euro

ErErwerbs- werbstätige mind.Rentn. 1000 b.u. 1500 Euro ohne Antw.

ArRuhebeits- stand: lose Rentn./ Pens.

kein eigenes Eink. 1500 b.u. 2000 Euro

500 b.u. 1000 Euro 3000 Euro u.dar.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

86

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Betrachtet man die individuellen Nettoeinkommen im Zusammenhang mit der beruflichen Qualifikation der ab 50-Jährigen, bestätigen sich die bekannten Sachverhalte, dass mit dem Qualifikationsniveau die individuellen Nettoeinkommen ansteigen. So ist in der Altersgruppe der 50- bis unter 65-Jährigen bei Hochschulabsolventen (Frauen wie Männern) der jeweils geringste Anteil an Einkommensgrößenklassen unter 1.500 Euro. Den größten Anteil bis unter 1.500 Euro stellen in dieser Altersgruppe Personen ohne berufliche Ausbildung. Des Weiteren zeigen sich bei übereinstimmender beruflicher Qualifikation die Einkommensnachteile der Frauen gegenüber den Männern. Das trifft sowohl für die 50- bis unter 65-Jährigen als auch für die 65-Jährigen und Älteren zu. Ein Vergleich der individuellen Nettoeinkommen nach beruflicher Qualifikation zwischen den Altersgruppen der 50- bis unter 65-Jährigen mit den ab 65-Jährigen zeigt, dass die Anteile der Einkommensgrößenklassen bis unter 1.500 Euro in allen Qualifikationsstufen bei den künftigen Senioren insgesamt und auch nach Geschlecht größer sind als bei den ab 65-Jährigen. Das heißt, bei Übergang in den Ruhestand kommt es für einen Teil dieser Gruppe durch die Aktivierung weiterer Einkommensquellen wie Betriebsrente oder private Altersvorsorge zu einer Verbesserung der materiellen Lage. Ein Vergleich des jeweiligen Anteils der individuellen Nettoeinkommen von mehr als 1.500 Euro pro Monat zwischen den 50- bis unter 65-Jährigen und den ab 65-Jährigen unterstreicht in allen Qualifikationsgruppen die vorteilhaftere Einkommensposition der Männer gegenüber den Frauen. Des Weiteren wird offenkundig, dass Frauen aller Qualifikationsgruppen häufiger in der Erwerbsphase als im Ruhestand ein über 1.500 Euro liegendes Nettoeinkommen erzielen. Bei den ab 65-jährigen Frauen erzielen Facharbeiterinnen und Frauen ohne Berufsabschluss annähernd die Einkommenshöhe wie in der Erwerbsphase. Von den Fach- und Hochschulabsolventinnen können jedoch nicht alle ihre in der Erwerbsphase erzielte Einkommensposition halten. Die ab 65-jährigen Männer aller Qualifikationsgruppen können im Wesentlichen (+/- 3 Prozent) im Ruhestand die in der Erwerbsphase aufgebaute Einkommensposition halten. Am unteren Rand der Einkommensskala vollziehen sich mit dem Wechsel in den Ruhestand offensichtliche Verbesserungen der Einkommenspositionen bei Frauen und Männern fast aller Qualifikationsgruppen. Auf der Grundlage der lebenslang erworbenen Alterssicherungsansprüche verringern sich die Anteile mit einem Nettoeinkommen unter 500 Euro (einschließlich "kein eigenes Einkommen") bei Frauen und Männern (mit Ausnahme der Hochschulabsolventinnen) erheblich (vgl. Abbildung 5.18a und 5.18b).

87

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 5.18a+b: Struktur der individuellen Nettoeinkommen nach beruflicher Qualifikation und Geschlecht - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* - 50 bis unter 65-Jährige 100 insgesamt 7 4 9
1

Frauen 7 15 2 6
1

7
1

6 13

80

8 2 11 19

5
1

8 23

7 12

7 2 11

5 18

4 11 5

6 8

Männer 4 14

7

17 21 24 32 22 20 31 23 18 9 2 5 8 4 4 9 4 3 2
1

24 60 25

32 27

22

28

51

40

29 30

30 13 16 8 4 5 HSAbs.** 33 16 8 14 12

28 13 16 7 8 16 8 3 5 HSAbs.**

29

20

19 19 7 11 7 8 6

9 7 11

0

o. Ab- FachFSschluss arbeiter Abs.**

o. Ab- FachFSschluss arbeiter Abs.** unter 500 Euro

o. Ab- FachFSschluss arbeiter Abs.** 1000 b.u. 1500 Euro
Männer

HSAbs.**

kein eigenes Eink.
100 10
1

500 - ab 65-Jährigeb.u. 1000 Euro Frauen

insgesamt 10 2 8 17 9 8 18 29 9 11 3 10

12 5 14

7 80 12

10 2 11 15

10 9

10 5

5 5 16

7 13

7

19 30 17 24 14 28 31 37 19 14 4 11 2
1

38 23 23

60

25 26 31 23 31 28 25 21 21 17 14 9 2 6
1

28

40 11 10 5 3 2 HSAbs.**

32

26 20 3

25

15 9

20

10 8 3
1 1

13 2

11 2

0

2

8 5 HSAbs.**

7 3

o. Ab- FachFSschluss arbeiter Abs.**

o. Ab- FachFSschluss arbeiter Abs.**
unter 500 Euro 2000 b.u. 3000 Euro

o. Ab- FachFSschluss arbeiter Abs.**
1000 b.u. 1500 Euro ohne Antw.

HSAbs.**

kein eigenes Eink. 1500 b.u. 2000 Euro

500 b.u. 1000 Euro 3000 Euro u.dar.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent ** FS-Abs. = Fachschulabsolventen; HS-Abs. = Hochschulabsolventen Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die Struktur der individuellen Nettoeinkommen steht in direktem Zusammenhang mit dem Erwerbsstatus der/des Einzelnen. Die günstigste Position nehmen dabei die Erwerbstätigen ein, gefolgt von den Rentnern und Pensionären. Mehr als die Hälfte der Erwerbsminderungsrentner erzielen ein individuelles Nettoeinkommen von mehr als 1.000 Euro pro Monat. Die individuellen Nettoeinkommen von Personen in einem geförderten Arbeitsverhältnis und Arbeitslosen konzentrieren sich überwiegend in den Einkommensgrößenklassen unter 1.000 Euro (vgl. Tabelle 5.2). Tabelle 5.2:
soziostrukturelle Merkmale

Struktur der individuellen Nettoeinkommen nach Einkommensgrößenklassen und Erwerbsstatus - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* individuelles Einkommen kein eigenes Einkommen 1 21 25 66 3 unter 500 Euro 2 14 5 14 12 9 500 b.u. 1.000 Euro 10 46 38 30 7 17 1.000 b.u. 1.500 Euro 20 10 29 15 5 24 13 3 3 16 10 2 15 2 1.500 b.u. 2.000 Euro 18 2.000 b.u. 3.000 Euro 20 3.000 Euro u. dar. 24 ohne Antwort 6 10 3 12 6 9

Erwerbsstatus Erwerbstätige geförderte Arbeitsverhältnisse Erwerbsmind.-Rentner Arbeitslose Hausfrau Rentner/Pensionäre

7

* am stärksten ausgeprägte Einkommensgrößenklasse = fett gesetzt Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

88

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 5.2.2 Rente als Alterseinkommen

Für die überwiegende Mehrheit der älteren Bürgerinnen und Bürger auch in Steglitz-Zehlendorf bilden die Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung die wichtigste Einkommensquelle im Alter. Von den ab 50-jährigen Probanden aus Steglitz-Zehlendorf bezogen 2008 insgesamt 45 Prozent eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Das kann eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit, eine Altersrente oder eine Hinterbliebenenrente sein. Im Rentenbestand der gesetzlichen Rentenversicherung wurden im Jahre 2008 für Berlin-West insgesamt 555.728 Rentenfälle ausgewiesen, davon waren 435.592 Rentenfälle von Versicherten, die eine auf eigenen Ansprüchen beruhende Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit oder wegen Alters beziehen (zusammengefasst: Versichertenrenten), und 120.136 Rentenfälle wegen Todes, die von den Renten verstorbener Versicherter abgeleitet an Hinterbliebene gezahlt werden (vgl. Tabelle 5.3). Tabelle 5.3:
Rentenempfänger/-innen
6

Anzahl der Rentenfälle der gesetzlichen Rentenversicherung nach Rentenarten - Berlin-West - 2006 bis 2008 Versichertenrenten davon Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit 2006 2007 47.281 21.661 25.620 2008 46.003 20.928 25.075 2006 381.488 153.163 228.325 Alters 2007 385.591 156.472 229.119 2008 389.589 159.626 229.963 2006 124.362 11.082 104.207 157 8.916 2007 122.041 11.419 101.827 153 8.642 2008 120.136 11.853 99.693 150 8.440 Renten wegen Todes

insgesamt Männer/Witwer Frauen/Witwen Erziehungsrenten Waisenrenten

49.109 22.571 26.538

Quelle: VDR-Sonderauswertung Rentenbestand Berlin-West 2006, 2007, 2008, Berlin 2007, 2008, 2009

Am Erhebungsstichtag (31.12.2008) wurden in Berlin-West insgesamt 359.589 Altersrenten ausgereicht, davon 8,5 Prozent an 60- bis unter 65-Jährige. Der Anteil allein der Altersrentner an der ab 60-jährigen Bevölkerung betrug ca. 68 Prozent; bei den Männern ca. 70 Prozent und bei den Frauen ca. 77 Prozent. Im Jahre 2008 wurden insgesamt in Berlin-West 29.136 Rentenzugänge gezählt, davon 74,7 Prozent Zugänge zu Versichertenrenten. Abbildung: 5.19: Rentenzugänge zur gesetzlichen Rentenversicherung - Berlin-West - 2006 bis 2008 Renten wegen ... 20.000 vermind. Erwerbsfähigkeit Alters Todes*
7

15.000 8.430 8.390

8.505

10.000

5.000 2.144 2.139 0 2006 2007 Männer 2008 Frauen 2.151 2.114 2.337 2.112

9.243

9.150

9.821 4.741 4.317 4.325

1.321 2006 2007 Männer 2008 Frauen 2006

1.248 2007

1.295 2008 Witwen

Witwer

* ohne Erziehungs- und Waisenrenten Quelle: DRV-Sonderauswertung Rentenzugang Berlin-West 2006, 2007, 2008, Berlin 2007, 2008, 2009

6

7

Anzahl der Rentenfälle schließt auch den Rentenwegfall des laufenden Jahres ein und ist nicht identisch mit der Anzahl der tatsächlichen Rentenempfänger an einem Erhebungsstichtag. Berechnet nach: DRV-Sonderauswertung Rentenbestand Berlin-West 2008, Berlin 2009 und Einwohnerstatistik 2008 des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg, Berlin 2009. 89

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die durchschnittlichen Zahlbeträge von Altersrenten in Berlin-West lagen im Jahre 2008 insgesamt bei 779 Euro. Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit betrugen 2008 durchschnittlich 701 Euro. Hinterbliebenenrenten haben eine durchschnittliche Höhe von 530 Euro. Tabelle 5.4:
Rentenempfänger/-innen

Durchschnittliche Rentenzahlbeträge im Rentenbestand für Renten der gesetzlichen Rentenversicherung nach Rentenarten - Berlin-West - 2006 bis 2008 durchschnittlicher Rentenzahlbetrag pro Monat in Euro Versichertenrenten davon Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit 2006 2007 708 748 696 728 691 2008 701 710 692 997 626 2006 Alters 2007 775 989 629 2008 779 986 635 2006 532 275 592 2007 530 284 590 691 151 149 2008 530 286 591 703 150 Renten wegen Todes

insgesamt Männer/Witwer Frauen/Witwen Erziehungsrenten Waisenrenten

Quelle: DRV-Sonderauswertung Rentenbestand Berlin-West 2006, 2007, 2008, Berlin 2007, 2008, 2009

Beachtliche Differenzierungen treten durch geschlechtsspezifische Unterschiede auf. Auswirkungen von Lohndiskriminierung und Konzentration in sogenannten frauentypischen - sprich niedrig entlohnten Berufen führen bei den durchschnittlichen Zahlbeträgen der Altersrenten in Berlin-West im Jahre 2008 zu einem Defizit der Frauen gegenüber den Männern von 31 %. Die Schichtung der Versichertenrenten gibt detailliertere Auskunft über die Differenzierungen der Rentenzahlbeträge (vgl. Abbildung 5.20a und 5.20b):  Die Defizite der Frauen gegenüber den Männern sind vor allem bei Altersrenten deutlich erkennbar. Die Schichtung der Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit lässt aufgrund der Hochrechnung bei Eintritt der Erwerbsminderung die geschlechtsspezifischen Defizite in den Hintergrund treten.  Die sogenannte Standardrente (2008 = 1.195 Euro für einen Rentenversicherten mit 45 Versicherungsjahren und dem jeweiligen Durchschnittsverdienst pro Jahr) übertrifft die durchschnittliche Altersrente der Männer um 209 Euro pro Monat (986 Euro - 2008), die durchschnittliche Altersrente der Frauen liegt im Jahre 2008 um 560 Euro unter der Standardrente. Die durchschnittlichen Zahlbeträge der Erwerbsminderungsrenten von Männern sind um 485 Euro und die der Frauen um 503 Euro geringer als die Standardrente.  Unter der Standardrente lagen im Rentenbestand Berlin-West 2008 bei den Altersrenten 66 Prozent aller Männer und 95 Prozent aller Frauen, bei den Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit 95 Prozent aller Männer und 98 Prozent aller Frauen.

90

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 5.20a+b: Schichtung der Rentenzahlbeträge von Versichertenrenten im Rentenbestand 2008 - Berlin-West - in Prozent Altersrenten
2000 1900 1800 1700 1600 1500 1400 1300 1200 1100 1000 900 800 700 600 500 400 300 200 100

Höhe der Standardrente 1.195 Euro

Durc hs chnittsrente der Männer 986 E uro Durc hs c hnittsrente der Frauen 635 Euro

10

5

0

5

10

Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit
2000 1900 1800 1700 1600 1500 1400 1300 1200 1100 1000 900 800 700 600 500 400 300 200 100 10

Höhe der S tandardrente 1.195 Euro

Durchsc hnitts rente der Männer 710 Euro

Durc hs chnitts rente der Frauen 692 Euro

5 Männer

0 Frauen

5

10

Berechnet nach: DRV-Sonderauswertung Rentenbestand Berlin-West 2008, Berlin 2009

Zieht man die Witwen- bzw. Witwerrenten als Bestandteil der materiellen Alterssicherung mit in Betracht, wird offenkundig, dass (vgl. Abbildung 5.21)  Frauen häufiger als Männer neben ihrer eigenen Versichertenrente (Alters- oder Erwerbsminderungsrente) eine abgeleitete Hinterbliebenenrente beziehen;  Frauen erst durch die Kombination von eigener Versichertenrente und Witwenrente ein den Männern vergleichbares Renteneinkommen erzielen.

91

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 5.21: Schichtung der Rentenzahlbeträge in Berlin-West nach dem Rentnerstatus* - 2008 - in Prozent 2000 u.dar. 1900 1800 1700 1600 1500 1400 1300 1200 1100 1000 900 800 700 600 500 400 300 200 100 6 5 4 3 2 1 0 1 Einzelrentnerin 2 3 4 5 6

Einzelrentner

Mehrfachrentner

Mehrfachrentnerin

*

Einzelrentner/-innen = Bezieher einer Versichertenrente oder einer Hinterbliebenenrente Mehrfachrentner/-innen = Bezieher einer Versichertenrente und einer Hinterbliebenenrente

Berechnet nach: DRV-Sonderauswertung Postrentenbestand Berlin-West 1.7.2008, Berlin 2009

Diese aktuellen Rentenzahlbeträge als wichtigste und für nicht wenige ältere Bürgerinnen und Bürger die einzige Quelle der Alterseinkommen erfordern es, in der Entwicklung betrachtet zu werden. Mit einem Blick auf die zurückliegenden Zeiten seit dem Jahr 2000 muss festgestellt werden, dass die Zahlbeträge der Versichertenrenten im Rentenzugang gesunken sind. Das betrifft am stärksten die Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit, aber auch die Altersrenten. In beiden Rentenarten sind die Zahlbeträge der Männer drastischer gesunken als die der Frauen (vgl. Abbildung 5.22a und 5.22b). Abbildung 5.22a+b: Entwicklung der durchschnittlichen Rentenzahlbeträge von Versichertenrenten im Rentenzugang - Berlin-West - 2000 bis 2008 - in Euro - Renten wegen Alters 1200 1000 800 600 400 200 0 2000 2001 2002 2003 2004 2005 Frauen 2006 2007 2008 Männer 925 600 994 600 931 598 922 598 877 578 845 556 799 545 832 574 805 572 200 0 2000 2001 2002 2003 2004 2005 Frauen 2006 2007 2008 Männer 1200 1000 800 600 400 - Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit -

775

676

751

683

696 661

681 653

660 638

643 637

626 616

602 596

549 587

Berechnet nach: DRV-Statistik-Rentenzugang, Bd. 137, 141, 145, 149, 153, 158, 163, Berlin, jährlich, jeweils Tabelle 52.00 Z sowie DRV-Sonderauswertung Rentenzugang Berlin-West 2007 und 2008, Berlin 2008, 2009

Die Zahlbeträge der Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit sanken bei den Neu-Rentnern in der Zeit von 2000 bis 2008 für Männer um 29,2 Prozent und für Frauen um 14,2 Prozent. Bei den Renten wegen Alters büßten die Zahlbeträge gegenüber dem Stand des Jahres 2000 bis 2007 bei den Männern 13 Prozent und bei den Frauen 4,6 Prozent ein (vgl. Tabelle 5.5).

92

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Tabelle 5.5:
Jahr

Entwicklung der Rentenzahlbeträge von Versichertenrenten im Rentenzugang gegenüber dem Stand des Jahres 2000 - Berlin-West Altersrenten Männer in Euro 925 994 931 922 877 845 799 832 805 Frauen 600 600 598 598 578 556 545 574 572 Erwerbsminderungsrenten Männer 100 -3,1 -10,2 -12,1 -14,9 -17,0 -19,2 -22,3 -29,2 Frauen 100 1,0 -2,2 -3,4 -5,6 -5,8 -8,9 -11,8 -13,2 in Prozent 100 7,5 0,7 -0,3 -5,2 -8,6 -13,6 -10,0 -13,0 100 0,0 -0,3 -0,3 -3,6 -7,3 -9,1 -4,3 -4,6 Altersrenten Männer Frauen Männer Frauen 676 683 661 653 638 637 616 596 587

Erwerbsminderungsrenten

2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008

775 751 696 681 660 643 626 602 549

Berechnet nach: DRV-Statistik-Rentenzugang, Bd. 137, 141, 145, 149, 153, 158, 163, 168, Berlin, jährlich, jeweils Tabelle 52.00 Z

Als Ursachen für diesen Verlust an Alterseinkommensanteilen aus der gesetzlichen Rentenversicherung treten zwei laufende Prozesse in den Vordergrund: 1. Die seit dem Jahre 1996 bis zur Gegenwart vorgenommenen gesetzlichen Veränderungen zu Rentenzugangsbedingungen (z.B. Aufbau von Anwartschaften erst ab dem 17. Lebensjahr, Anerkennung von Ausbildungs- und Studienzeiten), die Anhebung der Altersgrenze, die Einführung von Abschlägen und vor allem die Implementierung von rentenmindernden Faktoren (Nachhaltigkeitsfaktor, Riesterfaktor, Nachholfaktor) in die Rentenanpassungsformel führen zur Absenkung des Rentenniveaus der gesetzlichen Renten insgesamt. 2. Individuell wird diese Entwicklung dann verschärft, wenn sich durch Arbeitslosigkeit, insbesondere Langzeitarbeitslosigkeit, Lücken in den Erwerbsbiographien als Defizite in den individuellen Rentenzahlbeträgen der Betroffenen niederschlagen. So erwirbt z.B. ein Hartz IV-Empfänger gegenwärtig bei einem aktuellen Rentenwert (West) von 25,56 Euro für ein Jahr eine Rentenanwartschaft auf 2,09 Euro Rente pro Monat. Für einen Zehnjahreszeitraum hätte er Anspruch auf einen Rentenzahlbetrag von 20,90 Euro pro Monat; demgegenüber baut der so genannte Standardverdiener in dieser Zeit Anwartschaften auf einen Rentenzahlbetrag von 255,60 Euro pro Monat auf.
8

5.3

Haushaltsnettoeinkommen

Im Unterschied zum individuellen Einkommen bezieht sich das Haushaltseinkommen auf die Summe der im Haushalt lebenden und gemeinsam wirtschaftenden Personen. Als Haushalt zählt jede zusammenwohnende und eine wirtschaftliche Einheit bildende Personengemeinschaft, das sind Personen, die sowohl einkommens- als auch verbrauchsmäßig zusammengehören. Personen, die allein wohnen und wirtschaften, bilden ebenfalls einen Haushalt. Die Einnahmen der Haushalte aus Erwerbstätigkeit, aus Vermögen, aus öffentlichen und nichtöffentlichen Transferzahlungen sowie aus Untervermietung und Vermögenseinnahmen bilden das Haushaltsbruttoeinkommen. Die Bruttoeinkommen lassen nur begrenzt Aufschlüsse über das den Haushalten tatsächlich zur Verfügung stehende Einkommen zu, da sie noch abzuführende Steuern und Versicherungen enthalten. Das Haushaltsbruttoeinkommen setzt sich aus folgenden Einkommenskomponenten zusammen:     Bruttoeinkommen aus unselbstständiger Arbeit, Bruttoeinkommen aus selbstständiger Arbeit, Einnahmen aus Vermögen, wie Einkünfte aus Zinsen, Dividenden, Vermietung und Verpachtung, Einkommen aus öffentlichen Transferzahlungen, wie Unfallrente, staatliche Sozialleistungen, Renten, Pensionen, Kindergeld,
8

Vgl. RV-Nachhaltigkeitsgesetz vom 21.7.2004, Altersvermögensgesetz vom 26.1.2001 und Altersgrenzenanpassungsgesetz vom 9.3.2007. 93

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008



Einkommen aus nicht öffentlichen Transferzahlungen, wie Werks- und Betriebsrenten, Unterhaltszahlungen, private Lebensversicherungen etc.

Haushaltsnettoeinkommen Das Haushaltsnettoeinkommen umfasst die individuellen Nettoeinkommen aller im Haushalt lebenden Personen, das heißt die für die Lebensführung zur Verfügung stehenden Gelder. Das Haushaltsnettoeinkommen resultiert aus der Summe der tatsächlich ausgabefähigen Einkommen aller Haushaltsmitglieder. Es bildet die Differenz zwischen dem monatlichen Haushaltsbruttoeinkommen abzüglich der Einkommens- und Vermögenssteuer sowie der Pflichtbeiträge zur Sozialversicherung. Die Haushaltsnettoeinkommen werden in diesem Abschnitt hinsichtlich des Vergleichs von Durchschnitten und der Spreizung als Äquivalenzeinkommen analysiert. Durchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen (Median) Das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen von ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf betrug im Jahre 2008 insgesamt 2.200 Euro pro Monat. Dieser Durchschnittswert differenziert sich nach den Altersphasen, dem Migrationshintergrund, der Erwerbsbeteiligung der Haushaltsmitglieder, der Haushaltsgröße und der Familienstruktur (vgl. Abbildung 5.23). Die durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen der ab 50-Jährigen zeigen nach den Altersphasen einen sukzessiven Rückgang. Während die künftigen Senioren über ein durchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen von 2.500 Euro pro Monat verfügen, liegt dies bei den Hochbetagten bei 1.300 Euro. Die ausgabefähigen Haushaltseinkommen der jungen Alten und der Alten im fortgeschrittenen Alter ordnen sich dazwischen ein. Haushalte mit Migrationshintergrund können durchschnittlich nur ein geringeres Haushaltsnettoeinkommen für die Befriedigung ihrer Bedürfnisse einsetzen als die ab 50-Jährigen insgesamt. Abbildung 5.23: Durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen* nach soziostrukturellen Merkmalen und Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Euro Durchschnitt = 2200 Euro pro Monat
Altersphasen künftige Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u. ält. Migrationshintergrund ja nein Bezirksregionen Schloßstraße - BR1 Albrechtstraße - BR2 Lankwitz - BR3 Ostpreußendamm - BR4 Teltower Damm - BR5 Drakestraße - BR6 Zehlendorf Südwest - BR7 Zehlendorf Nord - BR8 2600
2200 2200

9

2500 2190 1900 1300

2000 2200

2200 2000 2000 2252 2200 2400 3000

0

500

1000

1500

2000

2500

3000

3500

* Median Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

9

Als durchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen wird auch in diesem Abschnitt der Median angegeben. Die Berechnung der durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen begründet sich auf einen Datensatz von 3.508 getroffenen Aussagen. 473 Probanden haben von ihrem Recht auf Nichtbeantwortung dieser Frage Gebrauch gemacht. Das entspricht 12 Prozent der Stichprobe.

94

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die sozialräumliche Betrachtung weist auf erhebliche Unterschiede der durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen von ab 50-Jährigen hin. Während in den Bezirksregionen Albrechtstraße und Lankwitz die Haushaltsnettoeinkommen der ab 50-Jährigen unter dem Durchschnitt von 2.200 Euro Monat liegen und in der Bezirksregion Schloßstraße dieser Durchschnitt erreicht wird, übertreffen die Haushaltseinkommen der ab 50-Jährigen in den übrigen Bezirksregionen den Durchschnitt in unterschiedlichem Ausmaß. Die relative Einkommensposition der einzelnen soziostrukturellen Gruppen und sozialräumlichen Unterteilungen lässt auf die Konzentration defizitärer Einkommenspositionen der Haushalte von ab 75-Jährigen, Personen mit Migrationshintergrund und von ab 50-Jährigen in den Bezirksregionen Albrechtstraße und Lankwitz schließen (vgl. Abbildung 5.24). Ob es hier zu Polarisierungen kommt, wird die Analyse der Spreizung der Haushaltsnettoeinkommen näher beleuchten. Abbildung 5.24: Relative Einkommensposition* der durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen nach soziostrukturellen Merkmalen und Bezirksregionen gegenüber dem Gesamtdurchschnitt - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent 40

Altersphasen

M igrationshintergrund

Bezirksregionen

20

Durchschnitt = 2200 Euro = 100 Prozent 14 9

36 18

0

-1 -14

-9

0

0

2 -9 -9

0

-20

-41

-40

-60 künft. Sen. 50-65 Jahre junge Alte im HochAlte fortge. betagAlter te 85 J. 65-75 Jahre 75-85 J. u.älter ja nein BR8 BR6 BR7 BR5 BR3 BR4 BR1 BR2 T elto- Drake- Zehlen- ZehlenLankOstSchloß- Aldorf straße dorf straße brecht- witz preußen- wer Südwest Nord damm Damm straße über Durchschnitt

unter Durchschnitt

* berechnet nach dem Median des durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommens Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die Differenzierung der durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen tritt schärfer hervor, wenn man die Gruppe der ab 50-Jährigen unterteilt in die Gruppe der 50- bis unter 65-Jährigen und in die Gruppe der im Ruhestand Befindlichen (vgl. Abbildung 5.25). Die Gruppe der 50- bis unter 65-Jährigen umfasst überwiegend Erwerbspersonen, schließt aber einen Anteil von Personen im vorgezogenen Ruhestand bis zum Bezug einer Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit ein (vgl. Kapitel 4). Der Unterschied zwischen dem Haushaltsnettoeinkommen beider Gruppen beträgt 500 Euro zu Gunsten der künftigen Senioren. In dieser Gruppe fällt auf, dass die zugehörigen Haushalte mit Migrationshintergrund wesentlich schlechter gestellt sind als der Durchschnitt. Unterdurchschnittliche Positionen nehmen auch die Haushalte von 50-Jährigen bis unter 65-Jährigen in den Bezirksregionen Schloßstraße, Albrechtstraße, Lankwitz und Drakestraße ein. Demgegenüber verfügen die Haushalte dieser Altersgruppe in den Bezirksregionen Zehlendorf Südwest und Zehlendorf Nord über hohe durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen. Die durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen der im Ruhestand befindlichen Gruppe (ab 65-Jährige) zeigen ein homogeneres Bild. Die Verringerung der durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen im Fortlauf der Altersphasen erwächst aus der Zunahme des Frauenanteils und der weiblich geführten Einpersonenhaushalte. Zum einen entfällt mit der Verwitwung das Partnereinkommen und zum anderen können diese Frauen trotz vorhandener Hinterbliebenenversorgung häufig nur auf ein gegenüber Männern geringeres Alterseinkommen zugreifen.

95

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Haushalte mit Migrationshintergrund in der Gruppe der ab 65-Jährigen verfügen gegenüber der Gruppe insgesamt über ein günstigeres durchschnittliches Haushaltseinkommen. Diesem Effekt liegt ebenfalls eine demographisch bedingte Ursache zu Grunde. Die Haushaltsmitglieder von Haushalten mit Migrationshintergrund sind häufiger unter den jungen Alten als die Gruppe insgesamt vertreten, aber viel seltener unter den Hochaltrigen zu finden. Das heißt, die Haushaltseinkommen beruhen häufiger als in der Gruppe insgesamt auf Alterseinkommen von Männern, im günstigsten Fall auf zwei Alterseinkommen. Die sozialräumliche Differenzierung der durchschnittlichen Haushaltseinkommen der ab 65Jährigen unterstreicht die unterdurchschnittliche Ausstattung der Haushalte von ab 65-Jährigen mit finanziellen Mitteln in den Bezirksregionen Albrechtstraße, Lankwitz und Teltower Damm. Abbildung 5.25: Durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen* nach Altersgruppen und Bezirksregionen - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Euro 50- bis unter 65-Jährige Durchschnitt = 2500 Euro 65 Jahre und älter Durchschnitt = 2000 Euro

künftige Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u. ält. ja nein Schloßstraße - BR1 Albrechtstraße - BR2 Lankwitz - BR3 Ostpreußendamm - BR4 Teltower Damm - BR5 Drakestraße - BR6 Zehlendorf Südwest - BR7 Zehlendorf Nord - BR8

!

2500

Altersphasen
2500 2190 1900 1300

!

2000

Migrationshintergrund
1650 2500 2200 2000

Bezirksregionen
2385 2100 2200 2500 2500 2420 3500 3000
2500

1960 1800 1800 2100 1900 2251 2709 2250
2000

3500

3000

2500

2000

1500

1000

500

0

500

1000

1500

2000

2500

3000

3500

* Median Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Wichtige Merkmale zur Klassifizierung der durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen sind die Haushaltsgröße und der Familientyp. Durch diese Korrelation wird der Bezug hergestellt, wie viele Personen bzw. Familienmitglieder auf der Basis des Haushaltsnettoeinkommens versorgt werden müssen. Die durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen unterscheiden sich vor allem nach der Anzahl der in das Haushaltsbudget einfließenden individuellen Nettoeinkommen. So liegen diese bei Einpersonenhaushalten in der Regel unter denen von Mehrpersonenhaushalten, wenn für diese zutrifft, dass das Haushaltsbudget auf mehr als einem Nettoeinkommen beruht. Es ist festzustellen, dass die Haushaltsnettoeinkommen der Einpersonenhaushalte insgesamt um 41 Prozent unter dem allgemeinen Durchschnitt der Haushalte von ab 50-Jährigen von 2.200 Euro liegen. Des Weiteren verfügen Einpersonenhaushalte von Männern über ein größeres ausgabefähiges Haushaltseinkommen als Frauen. Das Haushaltsbudget von Partnerhaushalten speist sich in der Regel aus zwei individuellen Nettoeinkommen. In Mehrpersonenhaushalten von ab 50-Jährigen fließen nicht selten neben den Nettoeinkommen der Partner auch die Einkommen erwachsener Kinder in das Haushaltsbudget ein, so dass diese Haushalte insgesamt überdurchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen erzielen. Das trifft bei den ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf sowohl für die Zweipersonen- als auch für die Drei- bzw. Vier- und Mehrpersonenhaushalte zu. Betrachtet man die durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen nach dem Familientyp, so offenbart sich, dass allein lebende Personen sowie Personen ohne Partner, aber mit einem Kind oder mehreren Kindern nur über unterdurchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen verfügen. Mit fließendem Einkommen besser ausgestattet sind sowohl Partnerschaften als auch Partnerschaften mit Kindern (vgl. Abbildung 5.26).

96

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 5.26: Durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen* nach Haushaltsgröße und Familientyp** - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Euro 5000 Haushaltsgröße 4000 Familientyp

3000

Durchschnitt = 2200 Euro

2000

!

2 200

220 0

4000 3500 2600 2668 1972 1300 1283 1400 1300 1827 3500

!

1000

0 insges. Frauen Männer Einpersonenhaushalt 2PersHh 3- u. mehrPersHh alleinlebend ohne Partn. 1 Kind ohne Partn. 2 u.m. Kind. mit mit Part- Partn. ner/-in 1 Kind mit Partn. 2 u.m. Kind.

* Median ** Familien mit wirtschaftlich unselbstständigen Kindern
Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Äquivalenzgewichtetes Haushaltsnettoeinkommen Die Verteilung des nominalen Haushaltsnettoeinkommens nach Einkommensgrößenklassen gibt ein formales Abbild über die Spreizung der Haushaltsnettoeinkommen zwischen einer kleinsten und einer größten Gruppe. Da das Haushaltsnettoeinkommen immer das ausgabefähige Einkommen eines Haushaltes mit wenigstens einem Haushaltsmitglied, in der Regel jedoch mit mehreren Haushaltsmitgliedern bildet, wird die Anzahl der Personen im Haushalt zur wichtigsten Bezugsgröße für die Feststellung des äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommens. Nur die Berücksichtigung der Anzahl der im Haushalt lebenden und vom gemeinsamen Haushaltsnettoeinkommen zu versorgenden Personen und deren spezifischen Bedarfen lässt einen Vergleich aller Haushalte auf einheitlicher Basis zu. Zu diesem Zweck wird nach der neuen europaweit angewandten OECD-Skala für den ersten Erwachsenen in einem Haushalt der Faktor 1 gesetzt, alle weiteren erwachsenen Personen werden mit dem Faktor 0,5 und Kinder mit dem Faktor 0,3 berechnet.
10

Ein Ver-

gleich der Spreizung des nominalen mit dem äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen von ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf 2008 zeigt bei Berücksichtigung der Anzahl und des Bedarfs der Haushaltsmitglieder eine deutliche Verschiebung von den höheren hin zu mittleren Einkommensgrößenklassen. Keine oder nur wenige auffällige Verschiebungen gibt es in den unteren Einkommensgrößenklassen, weil sich diese häufiger auf Einpersonenhaushalte beziehen (vgl. Abbildung 5.27a und 5.27b). Abbildung 5.27a+b: Haushaltsnettoeinkommen nach Einkommensgrößenklassen und Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* nominales Haushaltsnettoeinkommen
insgesamt 3 7 12 28 18 12 8 12 insgesamt
3 9

äqiuvalenzgewichtetes Haushaltsnettoeinkommen
25 32 11 3 2 15

Schloßstraße - BR1 Albrechtstraße - BR2 Lankwitz - BR3 Ostpreußendamm - BR4 Teltower Damm - BR5 Drakestraße - BR6 Zehlendorf Südwest - BR7

3 3 3 2 3 2 5 22 6

8 10 10

10 18 13 11

30 28 34 29

17 15 18 21

13

10 Schloßstraße9 BR1 11 4 11 Albrechtstraße - BR2 9 Lankwitz9 BR3 4 -

3 4 5 3 3 2 7

10 13 10 8 10 23 15 22 20

24 25 28 27 26 37 31 24 40

35 32 32 33 35

10 9 9 9 7 13 21 15 60 6 8 4 80 22

6 1 11 11

11 15 14 16 15 13 16

10Ostpreußendamm - BR4 7 14 21 12 Teltower7 Damm 9 BR5 12
Drakestraße BR6 8 11

8 10 6 11

14 30 23 20 20

26 22 16 14 40

22 3 2 3

21 15 60

Zehlendorf Südwest - BR7 17 13

3 3 6

Zehlendorf Nord - BR8 2 4 0

14

Zehlendorf20 Nord - BR8 2

21 100

80

100 0

unter 600 Euro 2500 b.u. 3500 Euro

600 b.u. 1000 Euro 3500 b.u. 5000 Euro

1000 b.u. 1500 Euro 5000 Euro u.dar.

1500 b.u. 2500 Euro ohne Antw.

*

Die höheren Anteile "ohne Antwort" beim Äquivalenzeinkommen ergeben sich aus fehlenden Angaben zur Anzahl der Personen im Haushalt bzw. zu wirtschaftlich unselbstständigen Kindern.

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

10

Vgl. Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband: Der erste Armutsatlas für Regionen in Deutschland, Berlin 2009, S. 7. 97

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Sowohl das nominale als auch das äquivalenzgewichtete Haushaltsnettoeinkommen der ab 50-Jährigen in SteglitzZehlendorf weisen die Einkommensgrößenklasse von 1.500 Euro bis unter 2.500 Euro als am stärksten ausgeprägt aus. In der sozialräumlichen Betrachtung der äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen bestätigt sich, dass in allen Bezirksregionen diese mittlere Einkommensgrößenklasse von 1.500 bis unter 2.500 Euro pro Monat am stärksten besetzt ist. Die unteren Einkommensgrößenklassen bis unter 1.500 Euro sind am häufigsten in Lankwitz und in der Region Albrechtstraße, aber auch immer noch überdurchschnittlich in den Regionen Teltower Damm und Ostpreußendamm vertreten. Demgegenüber zeigen die Regionen Drakestraße, Zehlendorf Südwest und Zehlendorf Nord überdurchschnittliche Konzentrationen in den Einkommensgrößenklassen von 2.500 Euro und darüber an. Die äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen in der Bezirksregion Schloßstraße korrespondieren mit der Durchschnittsposition des Bezirkes Steglitz-Zehlendorf. Haushaltsgröße und Familientyp erweisen sich als wichtige Indikatoren für Vergleiche der Haushaltsäquivalenzeinkommen (vgl. Abbildung 5.28):  Die Verteilung der Haushaltsäquivalenzeinkommen nach der Haushaltsgröße und dem Familientyp bestätigt die ungünstige Position von Einpersonenhaushalten bzw. Alleinstehenden. Bei ihnen konzentrieren sich mehr als die Hälfte derer, die eine Aussage getroffen haben in den Einkommensgrößenklassen unter 1.500 Euro.  Partnerhaushalte ohne Kinder nehmen die vorteilhafteste Position ein. Mehr als die Hälfte von ihnen verfügt über ein Haushaltsbudget von mehr als 1.500 Euro, darunter 19 Prozent von mehr als 2.500 Euro.  Den höchsten Anteil von Haushaltsäquivalenzeinkommen unter 1.000 Euro weisen Alleinerziehende mit einem und mehr Kindern aus.  Obwohl Drei- und Vierpersonenhaushalte überwiegend Haushaltsäquivalenzeinkommen von mehr als 1.500 Euro im Monat anzeigen, erreichen bei ihnen die unter 1.000 Euro liegenden Einkommensgrößenklassen überdurchschnittliche Werte. Diese Konstellation entsteht häufig dann, wenn es sich bei diesen Mehrpersonenhaushalten um die von Alleinerziehenden mit mehr als einem Kind handelt. Abbildung 5.28: Äquivalenzgewichtetes Haushaltsnettoeinkommen nach Einkommensgrößenklassen, Haushaltsgröße und Familientyp - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Haushaltsgröße 100%
15 11 21 2 5
1

Familientyp
6 2 3 14 2 5
1

80%

2 3 11

2 4 13

18 2 4 18

22

6 2 6

8 3 8 7

10 2 4 14

15 3 4 20

5 2 3 16

42 38 26 53 24 25 12 3 4- u. mehrPers.Hh 14 4 alleinlebend 17 4 ohne Partn. 1 Kind 18 2 ohne Partn. 2 u.m. Kind. 6 2 mit Partner/-in 38

60%
32

26 37 25

44 28

40%
27 27 24 14 4 1-Pers.Hh 6 2 2-Pers.Hh 22 6 6 3-Pers.Hh 22 25

20%

20 6 5 mit Partn. 1 Kind

19 9 3 mit Partn. 2 u.m. Kind.

0%

9 3 insgesamt

unter 600 Euro 2500 b.u. 3500 Euro

600 b.u. 1000 Euro 3500 b.u. 5000 Euro

1000 b.u. 1500 Euro 5000 Euro u.dar.

1500 b.u. 2500 Euro ohne Antw.

* Median; Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

98

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen differenzieren sich weniger nach dem Altersverlauf Migrationshintergrund, sondern hauptsächlich nach dem Erwerbsstatus (vgl. Abbildung 5.29): 

11

oder dem

Nach dem Altersverlauf kann festgestellt werden, dass sich nur bei den 50- bis unter 65-Jährigen eine überdurchschnittliche Konzentration von 2.500 Euro und mehr abzeichnet. Über ein mittleres zwischen 1.500 Euro und 2.500 Euro liegendes Haushaltsäquivalenzeinkommen verfügt jeweils ca. ein Drittel der Altersgruppe. Geringe Haushaltsäquivalenzeinkommen bis unter 1.000 Euro pro Monat liegen nur bei den 50- bis unter 65-Jährigen über dem Durchschnitt.



Bei Vorliegen eines Migrationshintergrundes fällt eine stärkere Polarisierung der Haushaltsäquivalenzeinkommen als bei den einheimischen ab 50-Jährigen auf. Diese Polarisierung zeigt sich in einer hohen Konzentration in den Einkommensgrößenklassen bis unter 1.500 Euro und in einer um die Hälfte geringeren Besetzung in der Einkommensgrößenklasse zwischen 1.500 und 2.500 Euro. In den oberen Einkommensgrößenklassen gibt es zwischen den Haushalten von ab 50-jährigen Personen mit Migrationshintergrund und einheimischen Bürgern dieser Gruppe keine nennenswerten Unterschiede.



Die stärkste Differenzierung der Haushaltsäquivalenzeinkommen vollzieht sich unter dem Gesichtspunkt der Erwerbsbeteiligung. Haushalte von Erwerbstätigen bestätigen nur zu einem Viertel, ein monatliches Budget von unter 1.500 Euro zu haben. Schon die Einkommensgrößenklasse zwischen 1.500 Euro und 2.500 Euro ist bei ihnen überdurchschnittlich besetzt und in den Einkommensgrößenklassen über 2.500 Euro konzentrieren sich 29 Prozent der Haushalte von Erwerbstätigen. Die Rentner und Pensionäre nehmen in der Verteilung ihrer Haushaltsäquivalenzeinkommen eine dem Durchschnitt angenäherte Position ein, erreichen diesen aber in den Gruppen ab 2.500 Euro pro Monat nicht im vollen Umfang. Alle anderen nach Erwerbsstatus aufgeführten Gruppen konzentrieren sich überwiegend in den Einkommensgrößenklassen unter 1.500 Euro, z.B. 69 Prozent der Haushalte von Personen in geförderten Arbeitsverhältnissen, 58 Prozent der Haushalte von Arbeitslosen.

Abbildung 5.29: Äquivalenzgewichtetes Haushaltsnettoeinkommen nach Einkommensgrößenklassen und soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Altersphasen
100% 15 80% 2 3 11 60% 32 40% 22 32 12 2 4 14 13 2 2 10 24
1 1

Migrationshintergrund
12
1

Erwerbsstatus
10 4 6 19 31 9 2 3

15 2 3 11

18 30 2 8
1

6 45 10 16

5

2

28

4 10 34

1

34

34

3 20 25

1

33 37 45 15 33 27 19 8 3 nein 4 2 Erw.tätige 20 5 geErw.förd.Ar- mind.beits- Rentn. verh. 13 Arbeitslose

20%

25

29

26

19 10 2

20 10 ja

25 22

26

0%

9 3 insgesamt

10 4 50-65 Jahre

7 3 65-75 Jahre

8
1

8 3 Rentner/ Pens.

75-85 85 Jahre Jahre u.älter

unter 600 Euro 2500 b.u. 3500 Euro

600 b.u. 1000 Euro 3500 b.u. 5000 Euro

1000 b.u. 1500 Euro 5000 Euro u.dar.

1500 b.u. 2500 Euro ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

11

Die hohe Verweigerungsquote bei den ab 85-Jährigen lässt eine Bewertung nicht zu. 99

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die oben aufgezeigten Unterschiede in den Haushaltsäquivalenzeinkommen verschärfen sich bei Mehrpersonenhaushalten unter Berücksichtigung der Erwerbsbeteiligung der Partner bzw. Partnerin oder im Haushalt lebender erwachsener Kinder. Es ergeben sich folgende Differenzierungen in den Einkommenskonstellationen (vgl. Tabelle 5.6):  Die vorteilhafteste Einkommensposition erzielen Partnerschaften mit einer aktiven Erwerbsbeteiligung beider Partner. Auch Partnerschaften zwischen einem/r Erwerbstätigen und einem/r Rentner/-in wegen verminderter Erwerbsfähigkeit bzw. einem/r Arbeitslosen oder einem/r Altersrentner/-in erzielen anteilig ein Haushaltsäquivalenzeinkommen von 1.500 Euro bis 2.500 Euro.  Von Partnerschaften zwischen einem/r Arbeitslosen und einem/r Erwerbstätigen bzw. einem/r Rentner/-in werden am häufigsten Haushaltsäquivalenzeinkommen bis zu 1.500 Euro erzielt. Bei Partnerschaft mit Personen in einem geförderten Arbeitsverhältnis, mit Rentnern wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und mit Hausfrauen werden mehrheitlich nur bis zu 1.000 Euro angezeigt.  Bei Partnerschaften von Rentnern oder Pensionären mit Erwerbstätigen oder ebenfalls im Ruhestand befindlichen Personen konzentrieren sich die größten Anteile bei einem Haushaltsäquivalenzeinkommen in der Einkommensgrößenklasse zwischen 1.500 Euro und 2.500 Euro. Bei allen anderen angezeigten Statusgruppen konzentrieren sich die jeweils größten Anteile eine Einkommensgrößenklasse darunter (1.000 Euro bis 1.500 Euro). Tabelle 5.6:
Erwerbsstatus unter 600 Euro Erwerbstätige in gefördertem Arbeitsverhältnis Rente wegen vermind. Erwerbsfähigk. Arbeitslose Hausfrau Ruhestand: Rentner/Pensionäre Erwerbstätige in gefördertem Arbeitsverhältnis Rente wegen vermind. Erwerbsfähigk. Arbeitslose Hausfrau Ruhestand: Rentner/Pensionäre Erwerbstätige in gefördertem Arbeitsverhältnis Rente wegen vermind. Erwerbsfähigk. Arbeitslose Hausfrau Ruhestand: Rentner/Pensionäre Erwerbstätige in gefördertem Arbeitsverhältnis Rente wegen vermind. Erwerbsfähigk. Arbeitslose Hausfrau Ruhestand: Rentner/Pensionäre 17 2 100 6 2 3 2 16 16 19 6 35 31 42 27 29 14 21 40 4 9 3 10 2 1 2 7 27 11 12 35 4 28 21 17 39 17 4 4 3 9 Partner oder Partnerin - Rentner/-in/Pensionär/-in wegen eingeschränkter Fallzahl - keine Wertung 6 20 4 5 17 52 65 49 100 12 25 100 11 13 34 Partner oder Partnerin - in gefördertem Arbeitsverhältnis 19 17 30 2 600 b.u. 1000 Euro 2 100 9 21 8 1 11 34 19 38 22 32 40 35 24 33 22 5 12 5 19 3 2 7 6 5 11 4 8 6 15 12 4 48

Vergleich der Haushaltsäquivalenzeinkommen von Partnerhaushalten nach der Erwerbsbeteiligung beider Partner - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Haushaltsnettoeinkommen 1000 b.u. 1500 Euro 13 1500 b.u. 2500 Euro 38 2500 b.u. 3500 Euro 24 3500 b.u. 5000 Euro 8 5000 Euro u. dar. 4 ohne Antwort

Partner oder Partnerin - erwerbstätig 11

Partner oder Partnerin - arbeitslos

* stärkste Ausprägung jeweils fett Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

100

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

5.4

Verteilung von Reichtum und Armut von ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf

Die laufenden Einkommen der ab 50-Jährigen sind in Steglitz-Zehlendorf wie bundesweit vielschichtig und umfassen das Spektrum von arm bis reich. Als Median des Haushaltsäquivalenzeinkommens im ursprünglichen Bundesgebiet wurden für das Jahr 2008 vom Statistischen Bundesamt 1.357 Euro pro Monat ausgewiesen.
12

Daran gemessen soll in diesem Abschnitt vergleichbar berechnet werden, wie Armut und Reichtum in der Gruppe der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf verteilt sind. Das gruppen- und wohnortspezifische Haushaltsäquivalenzeinkommen der ab 50-jährigen Probanden aus Steglitz-Zehlendorf ergab eine durchschnittliche Höhe von 1.613 Euro pro Monat. Die Vergleichbarkeit wird durch den Bezug auf das durchschnittliche Haushaltsäquivalenzeinkommen aller privaten Haushalte im ursprünglichen Bundesgebiet hergestellt.
13

Als arm werden all jene Menschen verstanden, denen pro Monat weniger als 50 Prozent des durchschnittlichen Äquivalenzeinkommens (ursprüngliches Bundesgebiet 2008 = 678 Euro) zur Verfügung stehen. Das betrifft in SteglitzZehlendorf von den ab 50-Jährigen 6 Prozent. Weitere 30 Prozent zeigten unterdurchschnittliche Einkommen an, darunter befinden sich 4 Prozent, die noch immer unter der Armutsrisikoschwelle (60 Prozent Median = 814 Euro) leben. Deren Einkommenslage birgt latent die Gefahr der Verarmung. Über dem durchschnittlichen Äquivalenzeinkommen liegen 64 Prozent, darunter sind 13 Prozent im Hinblick auf die fließenden Einkommen als reich zu bezeichnen. Als Reichtum bezogen auf die fließenden Haushaltsäquivalenzeinkommen wird verstanden, wenn dieses monatlich über 200 Prozent und mehr des durchschnittlichen Äquivalenzeinkommens umfasst. Im Unterschied zur Mehrzahl der Kommunen im ursprünglichen Bundesgebiet lebt (vgl. Abbildung 5.30). Abbildung 5.30: Verteilung von Armut und Reichtum nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Median des Haushaltsäquivalenzeinkommens = 1357 Euro pro Monat
100 8 8 8
14

ist bei den ab 50-Jährigen in

Steglitz-Zehlendorf der Anteil des ausgewiesenen Reichtums größer als der Anteil, der unter der Armutsrisikoschwelle

13

13

10

14 30

22

80 50 51 60 56 48 53 55 57 48 40 28 26 20 4 3 3 0 insgesamt BR1 Schloßstraße BR2 Albrechtstraße BR3 Lankwitz BR4 Ostpreußendamm BR5 Teltower Damm BR6 Drakestraße BR7 Zehlend. Südwest BR8 Zehlend. Nord 21 6 3
1

42

33 28

27 23 17 3
1 1

28

7 2 5

3 4 4

3 3 3

4 3 3

2 2 2

4 3
1

strenge Armut (unter 543 Euro ) unterdurchschn. Hh-äquivalenzeink. (bis1356 Euro)

Armutsgrenze (bis 678 Euro) überdurchschn. Hh-äquivalenzeink. (bis 2714 Euro)

Armutsrisiko (bis 814 Euro) reich (ab 2715 Euro)

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)
12 13

14

Statistisches Bundesamt: Armutsgefährdungsschwelle und Medianeinkommen nach Region 2008, erschienen am 15.12.2009. Eine Vergleichbarkeit der Haushaltsäquivalenzeinkommen für das Land Berlin ist nicht möglich, weil die Einkommensverhältnisse in Berlin je nach ehemaliger Zugehörigkeit einzelner Ortsteile noch immer unterschiedlichen Rechtskreisen angehören. So wird die gesetzliche Altersrente im ehemaligen Westteil Berlins nach dem aktuellen Rentenwert-West und im ehemaligen Ostteil der Stadt nach dem aktuellen Rentenwert-Ost berechnet, zwischen denen ein Unterschied von ca. 12 Prozent liegt (vgl. SGB VI, § 68). Ähnliche Unterschiede bestehen in der tariflichen Entlohnung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder: Sozialberichterstattung Armut und soziale Ausgrenzung, Wiesbaden, Nov. 2009. 101

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die sozialräumliche Betrachtung der Verteilung von Armut und Reichtum bei ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf zeigt in den Bezirksregionen Zehlendorf Nord, Ostpreußendamm und Teltower Damm ein dem Durchschnitt angenähertes Bild. Die höchsten Anteile an unterdurchschnittlichem Haushaltsäquivalenzeinkommen treten in den Bezirksregionen Lankwitz (44 Prozent) und Albrechtstraße (42 Prozent) hervor. In den Bezirksregionen Drakestraße (29 Prozent) und Zehlendorf Südwest (22 Prozent) hingegen ist der Anteil der unterdurchschnittlichen Haushaltsäquivalenzeinkommen wesentlich geringer. Wenn man die sozialräumliche Betrachtung auf die Konzentration von Armutsgefährdung und Reichtum reduziert, so ergibt sich eine Rangfolge der Bezirksregionen nach dem Anteil der Armutsgefährdung von Haushalten der ab 50-Jährigen. Diese Anteile spreizen sich zwischen einer Armutsgefährdung (unterhalb der Armutsrisikoschwelle) von 14 Prozent in der Bezirksregion Albrechtstraße und einem Armutspotenzial von 5 Prozent in Zehlendorf Südwest. Die Anteile von Reichtum aus fließendem Einkommen (mehr als 200 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsäquivalenzeinkommens) verteilen sich zwischen 8 Prozent in den Bezirksregionen Albrechtstraße, Lankwitz und Teltower Damm im geringsten Bereich und 30 Prozent in Zehlendorf Südwest (vgl. Abbildung 5.31). Abbildung 5.31: Sozialräumliche Konzentration von Armut und Reichtum - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent unterhalb der Armutsrisikoschwelle insgesamt 3 3 4 Reichtum aus fließendem Einkommen 13

Albrechtstraße - BR2 Lankwitz - BR3 Schloßstraße - BR1 Teltower Damm - BR5 Ostpreußendamm - BR4 Zehlendorf Nord - BR8 Drakestraße - BR6 Zehlendorf Südwest - BR7 35 30 25 20 15

5 4

2 4

7 3 6 3 4 3 3

8 8 13 8 10 22 14 30 5 10 15 20 25 30 35

3 1 3 3

3 1 4 2 2 2 3 11 10 5 0

Armutsrisiko (bis 814 Euro) strenge Armut (unt. 543 Euro) Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

arm (bis 678 Euro) reich (ab 2715 Euro)

Ein Vergleich dieser Verteilung von Armut und Reichtum zwischen den künftigen Senioren (50 bis unter 65 Jahre) und den ab 65-Jährigen insgesamt lässt bei den künftigen Senioren eine stärkere Polarisierung hervortreten. In dieser Gruppe sind sowohl die Armuts- als auch die Reichtumsanteile stärker ausgeprägt als bei den Senioren. Darüber hinaus wird zwischen diesen Gruppen eine Verschiebung um 6 Prozentpunkte von überwiegend überdurchschnittlichen Haushaltsäquivalenzeinkommen (überdurchschnittlich plus reich) bei den Älteren gegenüber den Jüngeren hin zu mehr unterdurchschnittlichen Haushaltsäquivalenzeinkommen erkennbar. Während bei den künftigen Senioren die unterdurchschnittlichen Haushaltsäquivalenzeinkommen in drei Bezirksregionen - Lankwitz (38 Prozent), Ostpreußendamm (39 Prozent) und Albrechtstraße (40 Prozent) - über dem Bezirksdurchschnitt liegen, trifft dies bei den ab 65-Jährigen in vier Bezirksregionen zu. Im Bezirk insgesamt weisen 39 Prozent der Senioren unterdurchschnittliche Haushaltsäquivalenzeinkommen aus, deren Häufigkeit in den Bezirksregionen Zehlendorf Nord (42 Prozent), Teltower Damm (44 Prozent), Albrechtstraße (45 Prozent) und Lankwitz (51 Prozent) übertroffen wird (vgl. Abbildung 5.32).

102

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 5.32: Verteilung von Armut und Reichtum bezogen auf das äquivalenzgewichtete Haushaltsnettoeinkommen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 50- bis unter 65-Jährige insgesamt
3 3 4 23 56 22 25 27 62 54 40 43 31 28 37 41 31 32 24 59 31 42 60 21 17 58 49 10 52 55 50 47 6 7 37 29 9 9 5 2 17 49 48 50 51 16 16 10 13 13 9

9 17 Schloßstraße - BR1 2 6 2 10 Albrechtstraße - BR2 5 6 2 Lankwitz - BR3 Ostpreußendamm - BR4 4 4 4 21 Teltower Damm - BR5 2 3 3 23 Drakestraße - BR6 2 3 18 Zehlendorf Südwest - BR7 3 2 24 Zehlendorf Nord - BR8 2 1 ab 65-Jährige
1 1

insgesamt

3 2 3

5 3 Schloßstraße - BR1 5 Albrechtstraße - BR2 2 Lankwitz - BR3 4 2 4 Ostpreußendamm - BR4 2 2 5 Teltower Damm - BR5 3 4 Drakestraße - BR6 2 2 2 15 Zehlendorf Südwest - BR7 3 6 Zehlendorf Nord - BR8 4
1 1 1 1 1

0%

20%

40%

60%

80%

100%

strenge Armut (unter 543 Euro ) unterdurchschn. Hh-äquivalenzeink. (bis1356 Euro)

Armutsgrenze (bis 678 Euro) überdurchschn. Hh-äquivalenzeink. (bis 2714 Euro)

Armutsrisiko (bis 814 Euro) reich (ab 2715 Euro)

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Armut und Reichtum bemessen sich nicht nur nach dem monatlich fließenden Einkommen, sondern auch nach dem Vermögen. Armut ist nicht nur Einkommensarmut, sondern kumuliert mit depravierten Wohnverhältnissen, mit Unterversorgung auf den Gebieten von Bildung und Ausbildung, mit Ausgrenzung aus der Arbeitswelt, mit sozialer Isolierung und Deformierung der Persönlichkeit durch Existenzängste und fehlende Zukunftsaussichten. Reichtum hingegen manifestiert sich neben dem regelmäßigen Einkommen vor allem in Vermögen. Die vorliegende Untersuchung muss sich auf die Analyse der fließenden Einkommen beschränken, da zu Vermögen keine Daten erhoben wurden und auch keine relevanten Aussagen vorliegen. Armutsentwicklungen Betrachtet man die Einkommensarmut bei ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf, so liegt die unmittelbare Betroffenheit im Jahre 2008 bei 6 Prozent (vgl. Abbildung 5.33). Abbildung 5.33: Einkommensarmut nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent 30 Migrationshintergrund Geschlecht Altersphasen Qualifikation Erwerbsstatus

25

20

15

Durchschnitt = 6 Prozent 27

10 14
6

5 5 0
ja nein weib- männlic h lich 50-65 65-75 75-85 85 J . Jahre J ahre J ahre u.ält.

12 6 5 6 5 5 4 6 6 2
ohne Fach- FS- HS Ab- arbei- A b- Abs chl. ter sc hl. s chl.

12

6

10 3 5

Er- E -M- A r- Rentn. werbs - Rent- beits- P ens. tätige ner* lose

* Bezieher von Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

103

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Diese Betroffenheit unterteilt sich in 3 Prozent strenge Armut, das heißt, dieser Anteil der Befragten verfügt über ein Äquivalenzeinkommen von 40 Prozent des durchschnittlichen Äquivalenzeinkommens der analysierten Bevölkerungsgruppe, und 3 Prozent der Befragten erzielen zwischen 40 Prozent und unter 50 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsäquivalenzeinkommens. Damit liegen sie ebenfalls unter der OECD-Armutsgrenze. Die Armutsbetroffenheit der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf unterscheidet sich nach soziostrukturellen Merkmalen wie folgt:  Nach dem Erwerbsstatus treten die stärksten Differenzierungen hervor. So wird offenkundig, dass selbst 3 Prozent der Erwerbstätigen unter der Armutsgrenze leben. Jedoch von den Haushalten von Arbeitslosen, insbesondere Langzeitarbeitslosen, leben 27 Prozent unterhalb der Armutsgrenze. Ebenfalls weit über dem Durchschnitt liegt der Anteil von Armut bei Personen, die wegen verminderter Erwerbsfähigkeit (10 Prozent) aus dem Arbeitsleben ausgeschieden sind.  Insgesamt 14 Prozent der ab 50-Jährigen mit Migrationshintergrund sind von Armut betroffen. Arbeitslosigkeit, Schwierigkeiten bei der sozialen Integration und eine unzureichende Alterssicherung, darunter auch nur geringe Ansprüche auf Alterssicherung aus dem Herkunftsland, liegen dieser Armutsbetroffenheit zu Grunde.   Es treten keine nennenswerten geschlechtsspezifischen Unterschiede hinsichtlich der Armutshäufigkeit auf. Die in Steglitz-Zehlendorf aktuell bestehende Altersarmut liegt bei 5 Prozent (ab 65-jährige Rentner/Pensionäre). Dabei sind die 65- bis unter 85-Jährigen mit je 5 Prozent tendenziell mehr betroffen als die Hochbetagten (4 Prozent). Die einkommensmindernden gesetzlichen Regelungen für Renten und Pensionen lassen erwarten, dass die künftigen Senioren häufiger mit Altersarmut konfrontiert sein werden.  Die Höhe des Qualifikationsniveaus steht im engen Zusammenhang mit der Abwendung von Armut, und umgekehrt bestätigt sich, dass der Mangel an beruflicher Qualifikation für einen beträchtlichen Teil (12 Prozent) zur Armut führen kann. Neben der Betrachtung nach sozialen Gruppen bilden vor allem die Haushaltsgröße und der Familientyp aussagekräftige Bezugsebenen für die Analyse von Armutsbetroffenheit und Armutsrisiken. Bei der Armutsbetroffenheit sollte darüber hinaus noch zwischen strenger Armut (bis 40 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsäquivalenzeinkommens) und der OECD-weiten Armutsgrenze (50 Prozent) unterschieden werden. Das Armutsrisiko (60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsäquivalenzeinkommens) ist insofern mit in die Analyse einzubeziehen, weil Haushaltsbudgets diesen Umfangs keine weiteren Belastungen - wie durch Arbeitslosigkeit eines weiteren Haushaltsmitgliedes, längeren Lohnausfall durch Krankheit, Zuzahlungsverpflichtung bei Pflegebedürftigkeit, Verlust eines Partnereinkommens durch Scheidung bzw. Trennung von Lebensgemeinschaften oder Tod - austarieren können. Viel häufiger geraten in einem solchen Fall diese Haushalte unter die Armutsgrenze. Die Haushaltsäquivalenzeinkommen der ab 50-Jährigen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Armutsanfälligkeit nach der Teilnahme am Erwerbsleben. Besonders infolge der Belastung durch Arbeitslosigkeit liegt die Armutsbetroffenheit der Haushalte von 50- bis unter 65-Jährigen höher als bei den ab 65-Jährigen. Im Detail sind folgende Aspekte hervorzuheben (vgl. Abbildung 5.34a und 5.34b):  Bei den 50- bis unter 65-Jährigen sind vor allem Einpersonen- und Vier- und Mehrpersonenhaushalte mit überdurchschnittlichen Anteilen an Armutsbetroffenheit zu verzeichnen.  Hohe Armutsbetroffenheit ergänzt durch ein überdurchschnittliches Armutsrisiko tritt sowohl bei Alleinlebenden als auch bei Partnerschaften mit wirtschaftlich unselbständigen Kindern zu Tage.   Nach dem Familientyp offenbart sich ein überdurchschnittlich hohes Armutsrisiko von Alleinerziehenden. Zweipersonenhaushalte bzw. Partnerschaften ohne Kinder von künftigen Senioren sind unterdurchschnittlich von Armut betroffen, weisen drüber hinaus aber auch auf bestehende Armutsrisiken hin.
104

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008



Bei den Haushalten von im Ruhestand befindlichen Senioren zeigen ebenfalls die Einpersonenhaushalte/Alleinstehenden die höchsten Anteile unter der Armutsgrenze und hinsichtlich eines Armutsrisikos. an. Diese Anteile sind jedoch geringer ausgeprägt als bei den 50- bis unter 65-Jährigen.



Das Armutsrisiko (von 50 bis unter 60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsäquivalenzeinkommens) ist bei Einpersonenhaushalten beider Altersgruppen annähernd identisch. Alleinerziehende mit wirtschaftlich unselbstständigen Kindern im Haushalt unter den künftigen Senioren tragen ein überproportional ausgeprägtes Armutsrisiko.

Abbildung 5.34a+b: Armutsbetroffenheit und Armutsrisiko nach Familientyp und Haushaltsgröße - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent 20 durchschnittliche A rmut = 6 Prozent 8 8 11 3 3 5 4 1
3Pe rs .Hh 4- u. me hrPe rs .Hh alleinst ehend alleine rz ie hend
10

- 50 bis unter 65-Jährige Haushaltsgröße Familientyp

20

- ab 65-Jährige
Haushaltsgröße
durchschnittliche A rmut = 6 Proz ent

Familientyp

10 4
6

4

4 2 3

1 3

5

2
6
6

7 7 3 2 3 0 ins ge sa mt ab 65 - Jä hrige 1 4 2 1Pe rs.Hh 2Pe rs .Hh 1 2 1 1 3 a lleins t ehend
6

3 6 3 0
0

5 2
mit Pa rt n. u.K ind/e rn

6

2

4

2
mit Pa rt n.

geringe Fallzahl
3Pers.Hh 4- u. me hrPe rs .Hh

geringe Fallz ahl
alleine rz iehend

2 2 mit Pa rt n.

geringe Fallzahl
mit Pa rt n. u. K ind/ern

ins ge s a mt 50 - bis 6 5- Jä hrige

1Pe rs.Hh

2Pe rs.Hh

strenge Armut (unter 543 Euro)

Armutsgrenze (bis 678 Euro)

Armutsrisiko (bis 814 Euro)

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Geht man dem Lebenslageansatz folgend in der Armutsbestimmung und -forschung davon aus, dass Armut nicht nur Einkommensarmut ist, sondern in einer Unterversorgung sowohl in dem Bereich Einkommen als auch in den Bereichen Wohnen, Arbeit und Bildung ihren Ausdruck findet, so sind zusätzliche Bewertungsindikatoren heranzuziehen. Das betrifft: Einkommen: Wohnen: Arbeit: Bildung: Qualifikation: 50 Prozent vom durchschnittlichen äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen, Wohnungsgröße: weniger als ein Wohnraum pro Person, Arbeitslosigkeit oder in befristeten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, keine abgeschlossene schulische Bildung (unter 8. Klasse), keine abgeschlossene berufliche Ausbildung.

Entsprechend diesem Auswahlprinzip ergibt sich für die ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf 2008 (es wurden nur diejenigen Personen einbezogen, die Angaben zu ihrem Einkommen gemacht haben) eine Einkommensarmut von 6 Prozent, weniger als ein Wohnraum pro Person 1 Prozent, arbeitslos 20 Prozent, ohne abgeschlossene Schulbildung 1 Prozent und ohne beruflichen Abschluss sind 15 Prozent. Dabei ist zu berücksichtigen, dass verschiedene Unterversorgungen auf die gleiche Person zutreffen (vgl. Tabelle 5.7). Tabelle 5.7: Kumulierte Unterversorgung - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent insgesamt 6 1 8 1 15 2 (MAE) 1 10 6 1 17 1 18 Erwerbstätige Arbeitslose Rentner/Pensionäre

unterversorgte Lebensbereiche Einkommen Wohnen Arbeit (nur 50- bis unter 65-Jährige) Bildung berufliche Qualifikation

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

105

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

5.5

Fazit
15

Das vorliegende Kapitel 5 - Einkommen

- begründet sich auf Selbstaussagen der ab 50-jährigen Probanden aus Steg-

litz-Zehlendorf im Jahre 2008 zu den individuellen Einkommensquellen, zum individuellen Nettoeinkommen und zum Haushaltsnettoeinkommen und gibt eine Einschätzung zur Armutsgefährdung im Alter. Bewertung der Einkommensverhältnisse Die aktuellen Einkommensverhältnisse - vor allem die Haushaltsnettoeinkommen - werden von den Probanden danach bewertet, ob und in welchem Maße sie die Befriedigung der alltäglichen Lebensbedürfnisse im Großen und Ganzen ermöglichen. Nach diesem Maßstab schätzt die Hälfte der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf ihr Haushaltsnettoeinkommen für ausreichend ein, und 30 Prozent halten dies nur mit Einschränkungen für realistisch. Allerdings bestätigt eine Gruppe von 16 Prozent, dass mit ihrem Haushaltsnettoeinkommen eine normale Bedürfnisbefriedigung nicht gewährleistet ist. Die letztere Gruppe ist überdurchschnittlich in den Bezirksregionen Albrechtstraße, Schloßstraße, Ostpreußendamm, Teltower Damm und Lankwitz vertreten. Zu dieser Gruppe gehören vorrangig Arbeitslose, Erwerbsminderungsrentner, Alleinerziehende und Alleinlebende im Alter von 50 bis unter 65 Jahren. Es handelt sich je nach Anzahl der Haushaltsmitglieder um Probanden mit einem Haushaltsnettoeinkommen von unter 600 Euro bis unter 1.500 Euro pro Monat. Im Zusammenhang mit der Altenhilfeplanung ist es wichtig, die Analyse der Einkommensverhältnisse dieser Gruppe mit besonderer Aufmerksamkeit zu begleiten, um feststellen zu können, ob und in welchem Maße aktuell oder künftig bei ihnen mit einer Armutsgefährdung zu rechnen ist. Einkommensquellen Die laufenden Einkommen der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf fließen sowohl aus primären (Arbeitsentgelt, Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit, gesetzliche Rente, Pension, Arbeitslosengeld I oder II, Sozialhilfe oder andere Transferleistungen) als auch aus sekundären Einkommensquellen (Einnahmen aus Vermietung, Verpachtung, Zinsen, geringfügiger Beschäftigung sowie Unterhalt durch Angehörige - betrifft ausschließlich Hausfrauen). Von den ab 50-Jährigen begründen insgesamt 65 Prozent ihre Einkommen auf einer Einkommensquelle: das sind 24 Prozent der Probanden nur auf Arbeitsentgelt, 3 Prozent nur auf Einnahmen aus selbstständiger Arbeit, 29 Prozent nur auf gesetzliche Rente und 9 Prozent nur auf Pension. Insgesamt 22 Prozent verweisen auf den Zufluss aus mehreren Einkommensquellen, davon 3 Prozent aus Arbeitsentgelt und sekundären Einkommensquellen, 2 Prozent aus selbstständiger Arbeit und sekundären Quellen, 8 Prozent aus gesetzlicher Rente nebst sekundären Quellen, 4 Prozent erhalten neben der Pension gesetzliche Rente und Einkünfte aus sekundären Quellen und 5 Prozent geben die unterschiedlichsten Kombinationen von primären und sekundären Einkommensquellen als Ursprung ihrer Einkommen an. Weitere 4 Prozent beziehen ALG I oder II bzw. Sozialhilfe plus weitere Transferleistungen wie Kindergeld, Hilfe zur Pflege usw. 3 Prozent verweisen ausschließlich auf Einnahmen aus sekundären Einkommensquellen. Im Altersverlauf erfolgt mit dem Eintritt in den Ruhestand eine drastische Veränderung in der Struktur der Einkommensquellen; Arbeitslosengeld entfällt, Arbeitsentgelt oder Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit treten zu Gunsten von Rente oder Pension in den Hintergrund. Entgegen der Position der Bundesregierung, dass die Alterseinkommen auf mindestens drei Säulen - der gesetzlichen Rente, der betrieblichen Altersversorgung und der privaten Vorsorge - beruhen, bezeugt die Struktur der Einkommens15

Die Durchschnittsberechnungen für das individuelle und das Haushaltsnettoeinkommen (Median) erfolgten auf der Basis der tatsächlichen Einkommensangaben (individuelles Nettoeinkommen = 3.672 auswertbare Datensätze; Haushaltsnettoeinkommen = 3.508 auswertbare Datensätze). Alle weiteren Auswertungen beziehen sich auf die Gesamtheit der 3.891 auswertbaren Datensätze und enthalten bei fehlenden Einkommensangaben die Position "ohne Antwort".

106

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

quellen der ab 65-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf eine andere Realität. Die Alterseinkommen der ab 65-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf begründeten sich 2008 mehrheitlich (62 Prozent) auf Einkünfte aus einer Einkommensquelle, davon ausschließlich jeweils 1 Prozent aus Arbeitsentgelt und aus selbstständiger Arbeit, 47 Prozent aus gesetzlicher Rente und 13 Prozent aus Pension. Hingegen 28 Prozent verweisen auf Alterseinkünfte aus mehreren Einkommensquellen. Des Weiteren verfügt 1 Prozent der ab 65-Jährigen nur über Leistungen der Sozialhilfe und weitere Transferleistungen und 2 Prozent ziehen ihre Einkünfte aus Unterhalt, Zinsen oder Vermietung (vgl. Abbildung 5.35). Abbildung 5.35: Wandel der monatlichen Einkommensquellen im Altersverlauf - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 100
5 3 1 4 5 4 8 2 3 9 2 4 1 8 6 1 2 3 5 5 12 6 29 6 2 1 5 8 14
1 1

80

60

13

40
3 45 47

20
24
1 1

0
ab 50-Jährige insgesamt Arbeitsentgelt Pension gesetzl. Rente u. sek. Quellen Arb.losengeld u.a. Transferleist. ohne Antw. 50- bis unter 65-Jährige Eink. aus selbst. Tätigkeit Arbeitsentgelt u. sek. Quellen gesetzl. Rente u. Pens. u.a. Quellen Sozialhilfe u.a. Quellen gesetzl. Rente aus selbst. Tätigk. u. sek. Quellen Mehrfachquellen nur sek. Eink.quellen ab 65-Jährige

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Individuelle Nettoeinkommen Das durchschnittliche Nettoeinkommen (Median) der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf betrug im Jahre 2008 1.374 Euro pro Monat. Die 50- bis unter 65-Jährigen erzielten 1.400 Euro und die ab 65-Jährigen 1.300 Euro. Diese Durchschnittswerte differieren erheblich infolge der geschlechtsspezifischen Unterschiede zu Ungunsten von Frauen. Die durchschnittlich günstigste Einkommensposition nehmen die Erwerbstätigen ein, gefolgt von Rentnern und Pensionären. Sowohl in der Erwerbsphase als auch im Ruhestand wird für Frauen und Männer der Einfluss des beruflichen Qualifikationsniveaus auf die Nettoeinkommen erkennbar. Die sozialräumliche Verteilung macht auf eine Konzentration der unter 1.000 Euro liegenden individuellen Nettoeinkommen in den Bezirksregionen Lankwitz, Schloßstraße, Albrechstraße und Teltower Damm aufmerksam. Die Spreizung der individuellen Nettoeinkommen der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf unterstreicht im Jahre 2008 die hohe Konzentration in den unteren Einkommensgrößenklassen (von kein eigenes Einkommen bis unter 1.000 Euro pro Monat) folgender sozialer Gruppen: Arbeitslose (68 Prozent), Migranten (48 Prozent), Erwerbsminderungsrentner (43 Prozent), Frauen (41 Prozent). Diese Aussage wird weiter verschärft, wenn man die Spreizung der Nettoeinkommen nach der Art und der Anzahl der Einkommensquellen in die Betrachtung einbezieht. Die Spreizung der individuellen Nettoeinkommen nach diesen Kriterien belegt eindeutig, das sich neben den Beziehern von Arbeitslosengeld I und den Transferleistungsbeziehern (ALG II bzw. Sozialhilfe) vor allem jene, deren Nettoeinkommen sich nur aus einer Einkommensquelle speisen, häufiger in den unteren Einkommensgrößenklassen einordnen als die Einkommen aus mehr als einer Einkommensquelle (vgl. Abbildung 5.36).

107

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 5.36: Spreizung der individuellen Nettoeinkommen nach Art und Anzahl der Einkommensquellen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Arbeitsentgelt Einkommen aus selbst. Tätigkeit gesetzliche Rente Pension 2 3 5 5 11 17 6 11 11 22 10 31 25 10 19 19 31 34 22 28 12 6 12
1

17 11 8 7

4

Arbeitsentgelt u. sek. Quellen aus selbst. Arb. u. sek. Quellen gesetzl. Rente u. sek. Quellen gesetzl. Renten, Pension u.a. Quellen Mehrfachquellen ALG I o. II u.a. Tansferleist. Sozialhilfe u.a. Transferleist. nur Zinsen, Vermiet., Unterhalt 0
1

5 4 11 3 7 4 3 2

10 9 12 17 19 17 11 13

14 12

18 22 21 9 14 25 55 20 35

16 55 24 38 36 18 42 11 2 10

34 8 13 16 9 6 6 8 222 4 7 80 500 b.u. 1000 Euro 2000 b.u. 3000 Euro 6 2 12 7 8

3

20

40

60 unter 500 Euro 1500 b.u. 2000 Euro ohne Antw.

100

kein eigenes Einkommen 1000 b.u. 1500 Euro 3000 Euro u. dar.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Im Zusammenhang mit der gesetzlich geregelten Dämpfung der Rentenanpassungen bis zum Jahre 2030 muss auf das künftige Anwachsen jenes Personenkreises in Steglitz-Zehlendorf hingewiesen werden, der nur die gesetzliche Rente als Einkommensquelle genannt hat und schon jetzt von einer geringen Rente lebt. Aus der Gruppe der ausschließlichen Rentenbezieher verfügen 11 Prozent über Renteneinkünfte bis unter 500 Euro und 31 Prozent zwischen 500 Euro bis unter 1.000 Euro. Vor allem betroffen sind Empfänger von Erwerbsminderungsrenten. Die hier angeführten Zusammenhänge sind für die künftige Altenhilfeplanung insofern von Bedeutung, weil gerade die Bezieher geringer Alterseinkommen zu den Nutzern der Altenhilfeangebote gehören. Es wäre empfehlenswert zu prüfen, ob z.B. die Freizeitangebote auf Selbstzahlerbasis für die hier genannten Gruppen noch erschwinglich sind oder ob besonders bei diesen Freizeitkursen schon von einer gewissen sozialen Verdrängung auszugehen ist. Haushaltsnettoeinkommen Die Haushaltsnettoeinkommen beinhalten die Summe aller individuellen Nettoeinkommen der Haushaltsmitglieder und bilden das monatlich ausgabefähige Budget. Das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf beträgt 2.200 Euro pro Monat, das der 50- bis unter 65-Jährigen liegt bei 2.500 Euro und das der ab 65-Jährigen bei 2.000 Euro. Dabei nehmen die Haushalte der Alten im fortgeschrittenen Alter und der Hochbetagten unterdurchschnittliche Einkommenspositionen ein. Diese konzentrieren sich in den Bezirksregionen Albrechtstraße und Lankwitz. Eine Verteilung der nominalen Haushaltsnettoeinkommen nach Einkommensgrößenklassen vermittelt ein formales Abbild der Einkommensspreizung. Ein Vergleich der Haushaltsnettoeinkommen auf einheitlicher Basis wird nur unter Berücksichtigung der Anzahl der Haushaltsmitglieder und deren spezifischer Bedarfe durch Äquivalenzgewichtung möglich. Das äquivalenzgewichtete Haushaltsnettoeinkommen der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf im Jahre 2008 betrug 1.613 Euro (Median). Je nach nominaler Höhe des Haushaltsnettoeinkommens und nach der Haushaltsstruktur (Anzahl der Haushaltsmitglieder, darunter wirtschaftlich unselbstständige Kinder) spreizen sich die äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen zwischen unter 600 Euro und mehr als 5.000 Euro pro Monat. Für 12 Prozent der Haushalte beträgt das äquivalenzgewichtete Haushaltsnettoeinkommen weniger als 1.000 Euro pro Monat, darunter 3 Prozent unter 600 Euro. Das trifft insbesondere auf Einpersonenhaushalte, aber auch auf Haushalte von Alleinerziehenden mit einem

108

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Kind und mehr Kindern zu. Dieses unter 1.000 Euro liegende Haushaltsäquivalenzeinkommen konzentriert sich am stärksten (14 Prozent) bei den künftigen Senioren, bei Haushalten von Personen in geförderten Arbeitsverhältnissen und von Arbeitslosen. Bei Partnerhaushalten mit dieser Einkommenskonstellation resultiert das niedrige Haushaltsäquivalenzeinkommen aus dem Zusammentreffen entweder der Einkünfte zweier arbeitsloser Partner bzw. eines Arbeitslosen und eines in gefördertem Arbeitsverhältnis stehenden Partners. Diese Kumulation von Niedrigeinkommen führt je nach Haushaltsgröße zu einem Haushaltsbudget an der Armutsrisikoschwelle. Die Analyse der Haushaltsnettoeinkommen bestätigt, dass vor allem Partnerhaushalte mit zwei individuellen Nettoeinkommen als Zuflüsse für das Haushaltsnettoeinkommen bestimmte Defizite der bei den individuellen Nettoeinkommen sichtbar gewordenen Unterversorgungen auszugleichen in der Lage sind. Zugleich schärft sie aber auch die Konturen der in ihrer materiellen Lage gefährdeten Gruppen. Verteilung von Reichtum und Armut Die Bewertung der Verteilung von Reichtum und Armut unter den ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf erfolgte auf der Basis des durchschnittlichen Haushaltsäquivalenzeinkommens aller privaten Haushalte des ursprünglichen Bundesgebietes. Damit wurde die Vergleichbarkeit innerhalb des für die Einkommensverhältnisse relevanten Rechtskreises (Renten-, Tarifrecht) hergestellt. Ausgehend von diesem Haushaltsäquivalenzeinkommen von 1.357 Euro pro Monat und berechnet nach der neuen OECD-Skala lebten 2008 von den ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf 6 Prozent unterhalb der Armutsgrenze; das heißt, ihnen stand monatlich weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Haushaltsäquivalenzeinkommens des ursprünglichen Bundesgebietes zur Verfügung. Weitere 4 Prozent befanden sich unter der Armutsrisikoschwelle (60 Prozent) und noch immer unterdurchschnittliche Haushaltsäquivalenzeinkommen wurden bei 26 Prozent vorgefunden. Unterhalb der Reichtumsgrenze (200 Prozent) erzielten 51 Prozent der Probanden überdurchschnittliche Einkommen, und von 13 Prozent waren die monatlich fließenden Einkommen als Reichtum zu bewerten. Für die untersuchte Altersgruppe kann dabei festgestellt werden, dass bei der Verteilung von Reichtum und Armut innerhalb von SteglitzZehlendorf im Unterschied zu den Gleichaltrigen in der Mehrzahl der Kommunen im ursprünglichen Bundesgebiet der ausgewiesene Anteil an Reichtum größer als der Anteil an Armut ist. In Steglitz-Zehlendorf nehmen die künftigen Senioren gegenüber der Seniorenschaft eine günstigere Einkommensposition ein. Ihr Anteil an den überdurchschnittlichen, einschließlich reichen Haushaltsäquivalenzeinkommen liegt um 6 Prozentpunkte höher als bei den ab 65-jährigen Senioren. Die sozialräumliche Betrachtung unterstreicht diese Feststellung und bestätigt bei den ab 65-jährigen Senioren ein stärkeres Auftreten unterdurchschnittlicher Haushaltsäquivalenzeinkommen in den Bezirksregionen Albrechtstraße, Lankwitz, Teltower Damm und Zehlendorf Nord. Die höchsten Anteile an unterdurchschnittlichen Haushaltsäquivalenzeinkommen bei den künftigen Senioren waren in den Bezirksregionen Albrechtstraße, Lankwitz und Ostpreußendamm zu verzeichnen. Als Hauptursache der aktuellen Einkommensarmut unter den ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf erweist sich hier wie bundesweit die Langzeitarbeitslosigkeit bei den 50- bis unter 65-Jährigen. Von ihnen leben 27 Prozent unter der Armutsgrenze, gefolgt von 14 Prozent der Migranten und 10 Prozent der Erwerbsminderungsrentner. Alle anderen sozialen Gruppen sind entweder durchschnittlich oder in geringerem Maße mit Armut konfrontiert. Unter den Bedingungen des Aufbaus von äußerst geringen Rentenanwartschaften während des Hartz IV-Bezugs (2,19 Euro pro Jahr) ist davon auszugehen, dass vor allem diese defizitären Rentenanwartschaften im Berentungsfall bei vielen der heutigen Langzeitarbeitslosen Altersarmut begründen und damit der Armutsanteil innerhalb der Seniorenschaft in Steglitz-Zehlendorf künftig zunimmt.

109

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Besonders infolge der durch den Nachhaltigkeitsfaktor , den Riesterfaktor

16

17

und ab 2012 den Nachholfaktor

18

bewirkten

Absenkung des Rentenniveaus bis 2030 werden die Rentenzahlbeträge sich für alle Neurentner rückläufig entwickeln. Der dadurch in Gang gesetzte und schon laufende Prozess des Rückganges der Rentenzahlbeträge lässt Niedrigrenten unter die Armutsgrenzen geraten und erhöht für mehr Neurentner als gegenwärtig das Armutsrisiko im Alter. Diese Verarmung von Rentnern betrifft vor allem jene (2008 = 47 Prozent der ab 65-Jährigen), deren Alterseinkommen ausschließlich aus der gesetzlichen Rentenversicherung bestritten werden. Dieser Prozess wird verschärft durch die Hartz IV-Regelungen, dass vor dem Leistungsbezug - mit Ausnahme eines Schonbetrages - alle anderen Vermögensanteile aufgebraucht werden müssen. Dazu zählen auch Anwartschaften beispielsweise auf eine Riesterrente. Da Armut nicht nur auf Einkommensarmut reduziert werden kann, sondern soziale Unterversorgung in den Lebensbereichen Wohnen, Arbeit, Bildung und berufliche Qualifikation einschließt, müssen diese Aspekte in die Bewertung einbezogen werden. Dabei wird offenkundig, dass die aktuelle Armut vor allem von Arbeitslosigkeit, aber auch durch mangelnde berufliche Qualifikation verursacht wird. So hinderte das Fehlen einer beruflichen Qualifikation insgesamt 18 Prozent der ab 65-Jährigen daran, in der Erwerbsphase günstigere Anwartschaften auf materielle Alterssicherung aufzubauen. Im Unterschied zu den Lebensbereichen Arbeit und berufliche Qualifikation können in den Bereichen Wohnen und Bildung für die ab 50-Jährigen kaum Verarmungstendenzen oder Armutsursachen festgestellt werden. Armutsverhindernde Initiativen des Bezirks müssten sich in Steglitz-Zehlendorf wie anderenorts vor allem auf die Reintegration der Langzeitarbeitslosen in das Erwerbsleben richten. Dabei bietet der 2. Arbeitsmarkt Möglichkeiten, um bei dem betroffenen Personenkreis bestehende mehrfache Vermittlungsschwierigkeiten gezielt abbauen zu können.

16 17 18

Vgl. RV-Nachhaltigkeitsgesetz vom 21.7.2004. Vgl. Altersvermögensgesetz vom 26.1.2001. Altersgrenzenanpassungsgesetz vom 9.3.2007.

110

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

6.

Wohnen - Wohnsituation und Wohnwünsche

Wohnen ist ein menschliches Elementarbedürfnis, das im Alter eine besondere Bedeutung erhält. Für viele ältere Menschen, insbesondere im höheren Lebensalter, gehören die Wohnung und das Wohnumfeld zum räumlichen Mittelpunkt des Lebens, sind eine wichtige Grundlage für Unabhängigkeit, Selbstständigkeit, Lebenszufriedenheit und letztlich für Lebensqualität. Einen zunehmenden Teil der Zeit des Tages verbringen ältere Menschen in ihrer Wohnung. Lage, Größe und Ausstattung der Wohnung entscheiden bei nachlassender körperlicher Mobilität bzw. im Falle eintretender Betreuungs- und Pflegebedürftigkeit wesentlich mit darüber, ob der ältere Mensch seinen Haushalt selbstständig führen, in seinem vertrauten Wohnumfeld verbleiben, seine sozialen und kommunikativen Bindungen aufrecht erhalten und seinen Lebensstil beibehalten kann. Das vorliegende Kapitel gibt deshalb Auskunft über die aktuelle Wohnsituation der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf hinsichtlich der Wohnverhältnisse, der Wohnungsgröße und der Wohnkosten sowie über die Bewertung der Wohnsituation. Weiterhin werden die aktuellen Wohnbedürfnisse und Wohnzufriedenheiten und die im Alter auftretenden Wohnbedarfe und -bedürfnisse nebst den Handlungsstrategien der Bürgerinnen und Bürger zu deren Befriedigung analysiert.

6.1

Aktuelle Wohnsituation von ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf

In Zeiten eines so flexiblen Wohnungsmarktes wie seit Jahren in Berlin avanciert die in der aktuellen Wohnung zurückgelegte Wohndauer zu einem verlässlichen Anzeiger für eine positive Bewertung der Wohnsituation. 6.1.1 Die Beschaffenheit der aktuellen Wohnung

Wohndauer Mit einer durchschnittlichen Wohndauer der ab 50-Jährigen im Bezirk Steglitz-Zehlendorf von 21 Jahren kann von einer geringen Wohnmobilität dieser Gruppe ausgegangen werden. Dies wird bei einer Betrachtung der altersspezifischen durchschnittlichen Wohndauer im Bezirk bestätigt. Während die künftigen Senioren in allen Bezirksregionen noch auf eine unterdurchschnittliche Wohndauer verweisen, wird deutlich, dass bei den Bürgerinnen und Bürgern der im Zeitverlauf folgenden Altersphasen das Ausmaß der überdurchschnittlichen Wohndauer größer wird (vgl. Abbildung 6.1). Abbildung 6.1: Durchschnittliche Wohndauer nach Altersphasen und Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Jahren (gerundet) künftige Senioren 50 b.u. 65 Jahre
21

Alte im fortgeschr. Alter 75 b.u. 85 Jahre
21

Schloßstraße - BR1 Albrechtstraße - BR2 Lankwitz - BR3 Ostpreußendamm - BR4 Teltower Damm - BR5 Drakestraße - BR6 Zehlendorf Südwest - BR7 Zehlendorf Nord - BR8 insgesamt junge Alte 65 b.u. 75 Jahre Schloßstraße - BR1 Albrechtstraße - BR2 Lankwitz - BR3 Ostpreußendamm - BR4 Teltower Damm - BR5 Drakestraße - BR6 Zehlendorf Südwest - BR7 Zehlendorf Nord - BR8 insgesamt
21

19 17 18 16 17 18 18 18 17

30 32 34 29 25 30 33 29 30 Hochbetagte 85 Jahre u. älter 35 30 24 31 27 39 29 46 34
21

25 24 25 26 26 25 25 28 25

50

40

30

20

10

0

10

20

30

40

50

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

111

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die Untersuchung der Wohndauer der ab 50-Jährigen im Bezirk Steglitz-Zehlendorf 2008 nach Zeitabschnitten bestätigt, dass die jüngst zurückgelegten Zeitabschnitte (von 0 bis 5 Jahre) sowohl im Bezirk insgesamt als auch in allen Bezirksregionen die geringsten Ausprägungen aufweisen. Mehrheitlich wohnen die ab 50-Jährigen länger als 20 Jahre an ihrem aktuellen Wohnplatz. Nur in den Bezirksregionen Albrechtstraße (53 Prozent) und Teltower Damm (52 Prozent) wohnen mehr als die Hälfte der ab 50-Jährigen weniger als 20 Jahre in der aktuellen Wohnung (vgl. Abbildung 6.2). Abbildung 6.2:
100

Wohndauer nach Zeitabschnitten und Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 2 11
1 1 1

8

11

14

10

10

10

10

15

80
40 45 35 39 39 38 42 45 45

60

40

18

16

23

17

23

19

14

16 16 14 15 12 3

20

15 10

17 10 3

16 10 4

14 12 4

12 10 5

16 13 4

18 10 6

0

4

6 3

insgesamt

BR1 Schloßstraße

BR2 Albrechtstraße

BR3 Lankwitz

BR4 Ostpreußendamm

BR5 Teltower Damm

BR6 Drakestraße 11 bis 20 Jahre

BR7 BR8 Zehlendorf Zehlendorf Südwest Nord

unter 3 Jahren 21 bis 40 Jahre

3 bis 5 Jahre mehr als 40 Jahre

6 bis10 Jahre ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Innerhalb der letzten fünf Jahre waren die ab 50-Jährigen mit Migrationshintergrund die Gruppe mit der am stärksten ausgeprägten Wohnmobilität. Im Vergleich zu den durchschnittlich 14 Prozent, die in den letzten fünf Jahren in ihre aktuelle Wohnung eingezogen sind, ist es von den ab 50-jährigen Migranten und ihren Familienangehörigen insgesamt fast ein Viertel. In der Rangfolge der Wohnmobilität folgen die Alleinlebenden (20 Prozent) und die künftigen Senioren (17 Prozent). Am sesshaftesten erwiesen sich die Alten im fortgeschrittenen Alter. Von ihnen bezogen in den letzten fünf Jahren nur 8 Prozent eine neue Wohnung. Auch von den Vier- (10 Prozent) und Zweipersonenhaushalten (13 Prozent) waren nur wenige umzugsaktiv (vgl. Abbildung 6.3). Abbildung 6.3: Wohndauer nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Migrationshintergrund
ja nein Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u. ält. Haushaltsgröße 1 Person 2 Personen 3 Personen 4 u.m. Personen 0 3 6 4 6 7 9 9 20 20 unter 3 Jahren 21 bis 40 Jahre 40 3 bis 5 Jahre mehr als 40 Jahre 14 12 19 19 18 20 34 60 6 bis10 Jahre ohne Antw. 17 46 42 34 80 11 bis 20 Jahre 31 13 11 3 1 2 100 1 3 5 4 7 11 8 8 7 12 12 17 7 23 20 14 38 48 22 46 29 1 39 15 11 1 4 5 11 10 15 16 18 18 40 40 12 10 1 6 4 10 18 14 23 18 23 41 27 12 21 1

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

112

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Struktur der Wohnverhältnisse Die Struktur der Wohnverhältnisse der ab 50-Jährigen verteilt sich mehrheitlich in Mietstrukturen; 27 Prozent sind Mietverhältnisse mit Wohnungsgesellschaften, 25 Prozent mit privaten Vermietern und 6 Prozent sind Miet- bzw. Nutzungsverhältnisse mit Wohnungsgenossenschaften. 40 Prozent der Wohnverhältnisse im Bezirk werden durch selbstgenutztes Wohneigentum, davon 18 Prozent Eigentumswohnungen und 22 Prozent eigene Häuser, bestimmt. Die Wohnverhältnisse der ab 50-jährigen Bürgerinnen und Bürger haben sich im Vergleich zum Jahre 1998 (ab 55-Jährige in Steglitz) zugunsten einer Vergrößerung des Anteils der Wohneigentümer verbessert. Sie differenzieren sich zwischen den Bezirksregionen. Während in den Bezirksregionen Zehlendorf Südwest und Zehlendorf Nord das selbstgenutzte Wohneigentum dominiert, überwiegen in allen anderen die Mietverhältnisse. In den Bezirksregionen Schloßstraße (25 Prozent) und Albrechtstraße (22 Prozent) ist der Anteil des selbstgenutzten Wohneigentums am geringsten. In den Bezirksregionen Ostpreußendamm, Teltower Damm und Drakestraße liegt dieser Anteil zwischen 42 Prozent und 47 Prozent (vgl. Abbildung 6.4). Abbildung 6.4:
100

Struktur der Wohnverhältnisse nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 2 16 2 22 3 22
2

3 19 9

1

4 18

2

2 24

2 26

2

80

27

12 18 7

42 14 9 6 38 45 17 8 3 16 23 33 16 18 23 16 5 20

39

60

15 3 17

40
70

25

20
27 30 21

38 22

32 18 20

26

0 insges. Steglitz 1998 insges. 2008 BR1 Schloßstraße priv. Vermieter BR2 Albrechtstraße BR3 Lankwitz BR4 BR5 Ostpreu- Teltower ßendamm Damm Eigentumswhng. BR6 Drakestraße BR7 BR8 Zehlendorf Zehlendorf Südwest Nord ohne Antw.

Wohnungsgesell.

Genossenschaft

eig. Haus

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die soziostrukturelle Differenzierung der Wohnverhältnisse bestätigt für alle ausgewählten Gruppen mit Ausnahme der Haushalte mit drei und mehr Personen ein Überwiegen der Mietverhältnisse. Als häufigste Mieter treten Arbeitslose (79 Prozent), Rentner wegen verminderter Erwerbsfähigkeit (77 Prozent) und Alleinlebende (72 Prozent) hervor. Selbstgenutztes Wohneigentum konzentriert sich überdurchschnittlich bei Drei- und Mehrpersonenhaushalten, Erwerbstätigen und im Ruhestand befindlichen Personen, überwiegend jungen Alten und Hochbetagten (vgl. Abbildung 6.5).

113

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 6.5: Wohnverhältnisse nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Migrationshintergrund ja nein Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u. ält. Erwerbsstatus Erwerbstätige Erw.mind.-Rentner Arbeitslose Rentner/Pensionäre Haushaltsgröße 1 Person 2 Personen 3 Personen 4 u.m. Personen 0 24 20 20 20 22 18 6 40 Wohnungsgesell. Eigentumswhng. priv. Vermieter eig. Haus 35 24 4 30 5 12 13 60 Genossenschaft ohne Antw. 21 41 42 80 7 15 24 11 2 2
1 1

29 26 26 26 30 27 22 42 33 28 23 18 26 21 25 28

27 6 5 7 26 7 5 28 42 6

4 18

18

19 23

3 2
1

19 20 4 14 32 21 7 4 18 13 9 24 22

21 4 6 25 8 12 24

2

10

1

2
1

100

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Größe der Wohnung Für den Bezirk Steglitz-Zehlendorf ist der Geschosswohnungsbau bis zu sechs Etagen charakteristisch. Dabei überwiegen in den Bezirksregionen Schloßstraße, Albrechtstraße, Lankwitz, Ostpreußendamm, Teltower Damm und Drakestraße die Wohnbauten mit mehr als zwei Etagen, in den Regionen Lankwitz, Ostpreußendamm und Teltower Damm Wohngebäude mit sieben Etagen und mehr. Eine Wohnbebauung mit Gebäuden bis zu zwei Etagen konzentriert sich mehrheitlich in den Bezirksregionen Zehlendorf Südwest und Zehlendorf Nord. Alle diese Wohngebäudetypen werden auch von ab 50-Jährigen bewohnt. Wichtige Parameter für Wohnqualität der Bewohner werden durch die Anzahl der Wohnräume und die Größe der Wohnfläche der genutzten Wohnung bestimmt. Die von den ab 50-Jährigen genutzten Wohnungen verfügen am häufigsten über drei Wohnräume (36 Prozent), es folgen 22 Prozent Zweiraumwohnungen, 18 Prozent Vierraumwohnungen, und 16 Prozent der Wohnungen haben fünf und mehr Wohnräume. Drei Prozent der ab 50-Jährigen leben in Einraumwohnungen. Im Vergleich zur Wohnraumsituation der ab 55-Jährigen aus Steglitz des Jahres 1998 gestaltet sich die Wohnsituation der ab 50-Jährigen in SteglitzZehlendorf 2008 großzügiger (vgl. Tabelle 6.1). Hinsichtlich der Anzahl der genutzten Wohnräume lassen sich folgende Unterschiede feststellen:  Im Altersverlauf ist tendenziell eine Verschiebung von größeren zu kleineren Wohnungen zu erkennen. Während die unter 75-Jährigen am häufigsten in Dreiraumwohnungen leben, nimmt der Anteil der Zweiraumwohnungen bei den ab 75-Jährigen zu.  Hinsichtlich der Erwerbsbeteiligung zeigt sich, dass Erwerbstätige häufiger als andere Gruppen größere Wohnungen bewohnen. Hingegen bei einem Fünftel der Arbeitslosen offenbart sich ein überproportionaler Substandard der Wohnraumversorgung mit Einraumwohnungen und sehr kleinen Zweiraumwohnungen. Die Anzahl der Personen im Haushalt steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Anzahl der genutzten Wohnräume. So verfügen Einpersonenhaushalte mehrheitlich über zwei und mehr Wohnräume. Überdurchschnittlich häufig wohnen allein lebende Männer in Einraumwohnungen. Mehrpersonenhaushalte verfügen mehrheitlich über Wohnungen mit mehr Wohnräumen als Personen im Haushalt, was auf eine günstige Wohnraumversorgung schließen lässt.

114

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Tabelle 6.1: Anzahl der Wohnräume in der aktuellen Wohnung nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Anzahl der Wohnräume 1 Raum insgesamt Steglitz 1998 insgesamt 2008 Migrationshintergrund ja nein Altersphasen künftige Senioren 50 b.u. 65 Jahre junge Alte 65 b.u. 75 Jahre Alte im fortgeschr. Alter 75 b.u. 85 Jahre Hochbetagte 85 Jahre u. älter Erwerbsstatus Erwerbstätige Erwerbsminderungsrentner Arbeitslose Ruhestand: Rentner/Pensionäre Haushaltsgröße 1 Person weiblich männlich 2 Personen 3 Personen 4 und mehr Personen
* jeweils stärkste Ausprägung fett gesetzt Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

soziostrukturelle Merkmale

2 Räume 27 22 26 22 18 24 32 30 17 28 27 26 45 47 40 15 1 2

3 Räume 36 36 30 36 38 37 31 29 35 47 27 36 28 28 27 43 28 13

4 Räume 14 18 21 18 19 18 17 14 19 18 13 18 9 10 7 21 27 21

5 und mehr Räume 8 16 17 16 19 15 10 12 24 5 9 12 4 3 7 16 39 60

ohne Antwort 7 4 3 4 3 4 5 12 3 1 3 4 4 4 3 3 4 3

8 3 2 3 3 3 4 4 2 1 21 4 10 7 16 1

Die durchschnittliche Größe der Wohnfläche der von ab 50-Jährigen bewohnten Wohnungen beträgt 82 qm. Differenzierungen werden hinsichtlich des Alters der Bewohner, der Haushaltsgröße und des Haushaltsnettoeinkommens offenkundig (vgl. Abbildung 6.6):  Ähnlich wie bei der Zimmerzahl lässt sich eine tendenzielle Verringerung der durchschnittlichen Wohnfläche nach dem Altersverlauf und deren Vergrößerung in Abhängigkeit von der Anzahl der Personen im Haushalt feststellen. Ausgehend von durchschnittlich 88 qm Wohnfläche bei den künftigen Senioren vollzieht sich diese Verringerung auf 80 qm bei den jungen Alten, bei den Alten im fortgeschrittenen Alter auf 70 qm und den Hochbetagten auf 72 qm.  Während Einpersonenhaushalte durchschnittlich über eine Wohnfläche von 62 qm verfügen, beträgt diese bei Zweipersonenhaushalten 86 qm, bei Dreipersonenhaushalten 114 qm und bei Vier- und Mehrpersonenhaushalten 121 qm.  Einschneidende Differenzierungen treten im Zusammenhang mit der Höhe des Haushaltsnettoeinkommens auf. Dabei zeigt sich, dass bis zu einem Haushaltsnettoeinkommen von 2.500 Euro pro Monat Wohnungen mit einer unterdurchschnittlichen Wohnfläche bewohnt werden. Das heißt, die Kosten für das Wohnen werden von nicht wenigen als Sparpotenzial eingesetzt.

115

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 6.6: Vergleich der durchschnittlichen Wohnfläche nach Altersphasen, Haushaltsgröße und Einkommensgrößenklassen des Haushaltsnettoeinkommens - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Quadratmetern (gerundet) -

qm-Wohnfläche 140

120

durchschnittliche Wohnfläche = 82 qm

100

80

82

82

133 60 88 86 70 72 62 54 55 63 114 80 121 90 75 110

40

20

0 50 b.u. 65 J. 65 b.u. 75 J. 85 75 b.u. Jahre 85 J. u.ält. 1-P.Hh. 2-P.Hh. 3-P.- 4- u. Hh. MehrP.-Hh. unter 600 Euro 600- 1000- 1500- 2500- 3500- 50001000 1500 2500 3500 5000 Euro Euro Euro Euro Euro Euro u.dar.

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die Verteilung der Wohnungen nach der Wohnflächengröße verdeutlicht, dass die Mehrheit der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf über Wohnungen von mehr als 80 qm Wohnfläche verfügt. Das trifft sowohl für die Einheimischen als auch für die Personen mit Migrationshintergrund zu. Differenzierungen treten - wie schon bei den durchschnittlichen Größen der Wohnfläche aufgezeigt - vor allem im Altersverlauf und in der Haushaltsgröße hervor. In den kleinen Wohnungen unter 60 qm leben insgesamt 18 Prozent der ab 50-Jährigen, darunter besonders häufig ab 75-Jährige, weit über dem Durchschnitt liegend Arbeitslose und Alleinlebende (vgl. Abbildung 6.7). Abbildung 6.7: Größe der Wohnfläche nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* insgesamt
Migrationshintergrund ja nein Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u. ält. Erwerbsstatus Erwerbstätige Erw.mind.-Rentner Arbeitslose Rentner/Pensionäre Haushaltsgröße 1 Person 2 Personen 3 Personen 4 u.m. Personen 11 0 1 7 12 7 23 20 unter 50 qm 50-59 qm 40 60-79 qm 16 31 33 37 60 80-109 qm 110-149 qm 80 150 qm u.m. 25 32 33 29 31 100 19 18 26 5 10 3 6 3 5 9 12 29 13 31 22 43 17 24 30 29 22 25 19 12 15 13 7 8 2 4 5 5 7 11 9 12 20 17 26 27 30 33 29 30 23 31 18 14 11 7 12 9 6 8 7 5 12 12 29 29 29 30 9 16 13 9 6 12 29 29 16 8

* nur tatsächlich getroffene Aussagen; 3 Prozent = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

116

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Miete bzw. Wohnkosten bei selbstgenutztem Wohneigentum Als ein wesentlicher Indikator für die Wohnzufriedenheit erweist sich die Bezahlbarkeit der Wohnung. Das trifft für Mietwohnungen genauso zu wie für die Aufbringung der Wohnkosten für selbstgenutztes Wohneigentum. Die durchschnittlichen monatlichen Aufwendungen für die Anmietung einer Wohnung oder die Selbstnutzung von Wohneigentum betragen bei den ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf insgesamt 575 Euro; die durchschnittliche Miete liegt bei 594 Euro und die durchschnittlichen Wohnkosten bei 545 Euro. Der Vergleich zu den durchschnittlichen Wohnkosten/Mieten der ab 55-Jährigen aus dem Jahre 1998 belegt einen Anstieg der finanziellen Aufwendungen für das Wohnen um 123 Euro pro Monat. Der Vergleich des durchschnittlichen Mietszinses bzw. der Wohnkosten insgesamt im Jahr 2008 nach Bezirksregionen bestätigt erhebliche sozialräumliche Unterschiede. Die Preisdifferenzierungen begründen sich sowohl auf Niveauunterschiede hinsichtlich der Größe und der Ausstattung der Wohnungen sowie der Qualität der Wohngebäude als auch hinsichtlich der Wohnlage. So weist der jüngste Berliner Mietspiegel 2009 für die Wohnquartiere im Bezirk SteglitzZehlendorf bis auf wenige Ausnahmen überwiegend gute und mittlere Wohnlagen aus. Die Differenz zwischen der preisgünstigsten und der teuersten Bezirksregion beträgt pro Monat 194 Euro. So liegen die für das Wohnen notwendigen finanziellen Aufwendungen in den Bezirksregionen Albrechtstraße, Lankwitz, Ostpreußendamm und Teltower Damm unter dem Durchschnitt und in den Bezirkregionen Drakestraße, Zehlendorf Südwest und Zehlendorf Nord über dem Durchschnitt. Die monatlichen finanziellen Aufwendungen für die Wohnung steigen in Abhängigkeit von der Größe der Wohnfläche und vom Bedarf der jeweiligen Haushalte (vgl. Abbildung 6.8a und 6.8b). Abbildung 6.8a+b: Durchschnittlicher Mietzins bzw. durchschnittliche Wohnkosten pro Monat in Euro nach Bezirksregionen, Größe der Wohnfläche und Haushaltsgröße - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 1998/2008 - in Euro Bezirksregionen
Größe der Wohnfläche
durchschnittliche Aufwendungen = 575 Euro o

1

1000

Personen im Haushalt

800

2008: durchschnittliche Miete/W ohnkosten = 575 Euro

600

57 5

575

575

575

922

964 791 577 457

400 706 575 200 453 574 512 522 555 564 605 661
403 473 613 334

740

0 Steglitz 1998* Stegl.Zehlend. 2008 BR8 BR6 BR7 BR5 BR3 BR4 BR1 BR2 Telto- Drake- Zehlend. ZehlenLankOstSchloßAldorf straße Südstraße brecht- witz preußen- wer Nord west damm Damm straße
unter 50 qm 5059 qm 6079 qm 80109 qm 110149 qm 150 qm u.dar. 1-P.Haushalt 2-P.Haushalt 3-P.Haushalt 4- u. MehrP.-Hh.

* Miete in DM umgerechnet nach dem amtlichen Kurs von 1,95583 DM = 1 Euro - ohne kaufmännische Rundung Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 1998 und 2008 (gew.)

Die Spreizung der finanziellen Aufwendungen für das Wohnen öffnet sich bei den ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf zwischen unter 300 Euro bis zu 1.500 Euro und darüber pro Monat. Das betrifft Mieter wie Wohneigentümer gleichermaßen. Bei genauerer Betrachtung wird allerdings offenkundig, dass zwar bei Mietern wie selbstnutzenden Wohneigentümern die Aufwendungsgrößenklasse zwischen 300 Euro und 500 Euro pro Monat in beiden Gruppen am stärksten besetzt ist, aber dennoch die selbstnutzenden Wohneigentümer im Vorteil sind. Während von den Mietern nur insgesamt 3 Prozent finanzielle Aufwendungen für das Wohnen von unter 300 Euro pro Monat haben, bekunden 25 Prozent der selbstnutzenden Wohneigentümer - insbesondere Alteigentümer ohne Kredit- oder Hypothekenbelastung - monatliche Wohnkosten unter 300 Euro. Im Gegensatz dazu zeigt nur 1 Prozent der Mieter einen monatlichen Mietszins von mehr als 1.500 Euro an; von den Wohneigentümern allerdings haben insgesamt 5 Prozent der Wohneigentümer eine solche Belastung ihres Haushaltsbudgets - vor allem dann, wenn sie aktuell noch für dieses Wohneigentum Kredite bedienen

1

Vgl. Berliner Mietspiegel 2009, in: Berliner Zeitung vom 4. Juni 2009, S. 20. 117

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

müssen. Dies trifft im überdurchschnittlichen Maße für Drei-, Vier- und Mehrpersonenhaushalte, insbesondere Erwerbstätige im Alter von 50 bis unter 65 Jahren zu (vgl. Abbildung 6.9). Abbildung 6.9: Miete bzw. Wohnkosten nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Mietzins pro Monat
insgesamt Migrat.hintergrund ja nein Altersphasen 50 b.u. 65 Jahre 65 b.u. 75 Jahre 75 b.u. 85 Jahre 85 Jahre u. ält. Haushaltsgröße 1 Person 2 Personen 3 Personen 4 u.m. Personen Erwerbsstatus Erwerbstätige Erwerbsm.-Rentn. Arbeitslose Rentner/Pensionäre 2
1 1 1 1

Wohnkosten pro Monat
40 3 2 3 4 4
1

7 8 7 10

18 22 18 19 17 15 11 15 21 21 19 34 15 20 27 16 80 31 22 26 27

31 30 32 33 33 65 61 38 43 32 32 31 55 54

25 29 24 22 26 30 31 42

36 31 36 32 40 40 39 35 39 31 14 10 16 52 43 42 20 40 60 12 31 15 28 16 8

17 6 18 10 17

9 17 9 12 8 21 26 13

8

5 9

37 39 33 40

1

8

5 8 6 3 7
11

24 3 4

5 7 31 8 22 27 44 12 46 3 20 0 5
1 1

3 5 4 15 20

1

2 9 2 7 4 6

1

23 12 6 20 25 26 27 18

19 16

9

7 3

2 2

12

13 21 18 80

11 4 6 7 42 100

2 3

9 3 11

24
1

100

60

40

unter 300 Euro 700 b.u. 1000 Euro

300 b.u. 500 Euro 1000 b.u. 1500 Euro

500 b.u. 700 Euro 1500 Euro u.dar.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Zur Absicherung menschenwürdiger Wohnverhältnisse für alle Bürgerinnen und Bürger erhalten insgesamt 8 Prozent der ab 50-Jährigen je nach Anspruchsberechtigung Zuschüsse zur Miete bzw. zu den Wohnkosten. Diese Transferleistungen werden von Menschen mit Migrationshintergrund häufiger benötigt als von den Einheimischen. Während Wohngeld und Sozialhilfeleistungen fast keine Rolle spielen, werden die Leistungen zur Sicherung der Unterkunft für ALG II-Empfänger/-innen) und für Bezieher/-innen von Grundsicherung im Alter bzw. dauerhafter Erwerbsminderung benötigt (vgl. Abbildung 6.10). Abbildung 6.10: Zuschuss zur Miete oder zu den Wohnkosten - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent mit Migrationshintergrund
4

insgesamt

ohne Migrationshintergrund
2

1

78 90

2 4 3
1

91

5 12

2 3
1 1

Wohngeld

ALG II

Grundsicherung

Sozialhilfe

nein

ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

118

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 6.1.2 Bewertung der aktuellen Wohnsituation

Die Bewertung der aktuellen Wohnsituation richtet sich in erster Linie auf die Wohnqualität bzw. das -defizit der individuellen Wohnung und des Wohngebäudes. Sie reflektiert darüber hinaus die Qualität und Funktionalität des Wohnumfeldes einschließlich der sozialen Beziehungen zwischen den Nachbarn. Bewertung der aktuellen Wohnung Von den ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf bekunden 76 Prozent, dass die derzeitige Wohnung ihren aktuellen Wohnbedürfnissen entspricht. Knapp ein Fünftel von ihnen schränkt die Beurteilung der Wohnung auf eine teilweise Übereinstimmung mit den Wohnbedürfnissen ein und 4 Prozent stellen fest, dass die Wohnung ihren aktuellen Wohnbedürfnissen nicht entspricht. Bei einer sozialräumlichen Betrachtung treten in der Bewertung der Übereinstimmung der Wohnung mit den Wohnbedürfnissen Unterschiede von 11 Prozentpunkten zu Tage - zwischen 70 Prozent Entsprechung in der Bezirksregion Schloßstraße und 81 Prozent in der Bezirksregion Zehlendorf Südwest. Der Anteil einer nur teilweisen Übereinstimmung von Wohnung und Wohnbedürfnissen schwankt in den einzelnen Bezirksregionen zwischen 25 Prozent und 16 Prozent. Einschränkungen hinsichtlich ihrer Wohnbedürfnisse sehen gegenwärtig Bewohner von Einraumwohnungen, des Weiteren Alleinlebende, aber auch Vier- und Mehrpersonenhaushalte. In der Bezirksregion Albrechtstraße findet sich mit 6 Prozent der größte Anteil unerfüllter Wohnbedürfnisse (vgl. Abbildung 6.11). Abbildung 6.11: Entspricht Ihre Wohnung Ihren aktuellen Wohnbedürfnissen? - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent 100 4 19 80
1

3 2 25

1

6 20

2 3 20

2 4 16

3 19

1

2 3 20

2 16

1

3 18

1

60

40

76

70

73

75

78

77

75

81

78

20

0 insgesamt BR1 Schloßstraße BR2 Albrechtstraße ja BR3 Lankwitz teilweise BR4 BR5 Ostpreußen- Teltower damm Damm nein ohne Antw. BR6 Drakestraße BR7 BR8 Zehlendorf Zehlendorf Südwest Nord

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

6.1.2.1 Bewertung der seniorengerechten Wohnqualität der aktuellen Wohnung Während trotz der getroffenen Einschränkungen die aktuellen Wohnungen als überwiegend bedürfnisgerecht eingeschätzt werden, fällt die formale Bewertung der seniorengerechten Wohnqualität vergleichsweise weniger günstig aus. Vor allem ein großer Anteil der künftigen Senioren bestätigt, dass die aktuelle Wohnung weder seniorenfreundlich noch barrierefrei oder einer Pflegesituation angepasst ist. Eine mit diesen Qualitätsmerkmalen ausgestattete Wohnung bietet für jede Bewohnerin und jeden Bewohner vorteilhafte Wohnbedingungen. Jedoch wird sie nicht zwingend mit Eintritt in das Seniorenalter benötigt, sondern bei Auftreten konkreter Bedarfe. Dennoch ist festzustellen, dass sich die Wohnsituation älterer Bürger/-innen im Vergleich zu den ab 55-Jährigen des Jahres 1998 in Steglitz spürbar verbessert hat. Damals verfügten 30 Prozent über eine seniorengerechte/seniorenfreundliche und 1,5 Prozent über eine behindertengerechte/barrierefreie Wohnung.
119

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Seniorenfreundliche Wohnung Betrachtet man die seniorengerechten Qualitätsmerkmale im Altersverlauf, so ist ein bedarfsorientierter Wandel in der Wohnqualität festzustellen (vgl. Abbildung 6.12). Eine seniorenfreundliche Wohnung mit Qualitätsmerkmalen wie         barrierefreie, vor allem stufenlose Erreichbarkeit des Hauses und der Wohnung, Wechselsprechanlage zur Haustür, eine den Sicherheitsstandards entsprechende Eingangstür, bedarfsgerechte Höhe von Hängeschränken und Spiegeln in Bad und Küche, vom Wohnraum getrennter Schlafraum, einkaufs- und verkehrsgünstige Lage, günstige Anbindung an die soziale Infrastruktur und selbst organisierter Zugang zu sozialer Kommunikation sowie zu seniorenorientierten Dienstleistungen und ambulanten Pflegeangeboten hält offenbar ca. die Hälfte der künftigen Senioren noch nicht für erforderlich. Im Altersverlauf nimmt der Anteil der seniorenfreundlichen Wohnungen von 36 Prozent bei den künftigen Senioren auf 59 Prozent bei den Hochbetagten zu. Dieser Trend lässt sich überwiegend in den Bezirksregionen Schloßstraße, Albrechtstraße, Ostpreußendamm, Drakestraße und Zehlendorf Südwest erkennen. Das überwiegend angezeigte Fehlen seniorenfreundlicher Wohnungen in Zehlendorf Nord wird von selbstnutzenden Wohneigentümern häufiger als von Mietern von Wohnungsgesellschaften bekundet. Abbildung 6.12: Meine Wohnung ist seniorenfreundlich - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent künftige Senioren insgesamt
36 50 14

junge Alte
47 40 13
10

Alte im fortgeschrittenen Alter
54 34 12
10

Hochbetagte
59 31 10

10

Schloßstraße - BR1 Albrechtstraße - BR2 Lankwitz - BR3 Ostpreußendamm - BR4 Teltower Damm - BR5 Drakestraße - BR6 Zehlendorf Südwest - BR7 Zehlendorf Nord - BR8 0

29 39 33 41 29 30 35 34

57 44 49 39 52 50 49 48

14 17 18 20 19 20 16 18

10 10 10 10 10 10 10 10

40 45 49 46 36 42 53 46

46 39 35 34 43 38 29 44

14 16 16 20 21 20 18 10

10

32 46 44 67 48 59 61 44

26 48 35

42 6 21 19 27 31 22 33 14 25 10 17 23

10

93 76 35 63 51 73 86 7 57 36 30 21

34 7 17 44 27 10 19 11 16 68

10

10

10

10

10

10

10

10

10

10

10

10

10

10

100 trifft zu

200 nicht zu trifft

300 ohne Antw.

400

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Barrierefreie bzw. behindertengerechte Wohnung Die Qualitätsmerkmale einer barrierefreien/behindertengerechten Wohnung - wie sie in den DIN-Normen 18025 Teil 1 "Wohnungen für Rollstuhlnutzer" und Teil 2 "barrierefreie Wohnungen" festgelegt sind - werden dann von Bedeutung, wenn nachlassende körperliche Mobilität zur Einschränkung eines selbstbestimmten Lebens und Wohnens wird. Der Bedarf an einer solchen Wohnung besteht demzufolge nur bei einem durch Behinderung oder dauerhafte Erkrankung
3 2

2 3

Vgl. DIN-Normen 18025 und 18024. Die zusammengefasste und bedarfsgerecht erweiterte DIN-Norm für barrierefreie Wohnungen liegt bisher nur als 2. Entwurf, DIN 18030, vor.

120

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

bestimmten Anteil und nimmt im Altersverlauf zu. Die Funktionalität einer barrierefreien Wohnung wird gewährleistet durch:  die Ausstattung der Wohnung mit regulierbarer moderner Heizung, erreichbaren und handhabbaren Bedienvorrichtungen, mit schwellenlosem Fußboden und Balkon, mit bedarfsgerechter Gestaltung von Sanitärraum und Küche, mit barrierefreien Freisitzen wie Balkon, Loggia oder Terrasse, mit rutschfestem Bodenbelag, mit Gegensprechanlage zur Haustür, mit der Möglichkeit des Anschlusses an Notrufsysteme sowie tragfesten Decken und Wänden zur Befestigung von Stütz- und Hebevorrichtungen;  behindertengerechte Ausstattung mit rollstuhlgerechten Bewegungsflächen in Küche, Bad, Flur und in allen Wohnräumen, aber auch im Hausflur und Fahrstuhl, Beinfreiraum unter Geräten und Arbeitsplatten, Erreichbarkeit von Armaturen, Höhe des Herdes, der Arbeitsplatten usw. entsprechend dem individuellen Bedarf des Nutzers, Rollstuhlstellplatz im Haus und elektrische Ladestation, Anfahrtmöglichkeit für den Behindertentransport nach DIN 75078-2;  die Ausstattung des Wohngebäudes mit barrierefreiem Zugang, mit Fahrstuhl, mit Bewegungsfreiheit in Fluren, im Treppenhaus und im Fahrstuhl, mit 2. Handlauf im Treppenhaus, mit ausreichender Beleuchtung des Eingangsbereiches, der Flure und Treppen, mit bequemer Erreichbarkeit der Klingel- und Briefanlagen, mit leicht bedienbarer Haustür;  die Ausstattung des Wohnumfeldes mit barrierefrei erreichbaren notwendigen Einrichtungen für die Bewältigung von Alltagspflichten, mit dem Zugang zu Grün- und Erholungsflächen mit Freisitzen sowie mit wohnortnahen Angeboten sozialer Kommunikation und gesellschaftlicher Teilhabe. Dabei sollte jedoch berücksichtigt werden, dass diese baulichen Voraussetzungen für Barrierefreiheit nicht in jedem Fall im Komplex benötigt werden (z.B. nur für Rollstuhlnutzer). Die barrierefreie Wohnung nimmt das Qualitätsmerkmal "seniorengerecht" jedoch erst an, wenn sie über Zugang zu sozialer Kommunikation, zu Serviceleistungen und zu ambulanter Pflege verfügt, der wahlweise in Anspruch genommen werden kann.
4

Abbildung 6.13: Meine Wohnung ist weitestgehend barrierefrei bzw. behindertengerecht - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent künftige Senioren insgesamt
21 72 7 12 31

junge Alte
59 10
12

Alte im fortgeschrittenen Alter
37 54 9
12

Hochbetagte
49 43 8

Schloßstraße - BR1 Albrechtstraße - BR2 Lankwitz - BR3 Ostpreußendamm - BR4 Teltower Damm - BR5 Drakestraße - BR6 Zehlendorf Südwest - BR7 Zehlendorf Nord - BR8 0

17 24 21 22 17 17 21 18

73 66 66 69 70 69 66 73

10 12 10 12 13 9 13 14 13 9

34 30 25 30 26 35 27 20

56 54 56 47 56 49 55 65

10 16 19 23 18 16 18 15

12

22 43 28 34 25 34 51 34

50 45 48 36 61 52 39 48

28 12 24 30 14 14 10 18

12

22 43 28 34 25 34 51 34

50 45 48 36 61 52 39 48

28 12 24 30 14 14 10 18

12

12

12 12 12 12 12 12

12

12

12

12

12

12

12

12

12

12

12

12

100 trifft zu

200 nicht zu trifft

300

ohne Antw.

400

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

4

Vgl. Holger Mühlbauer: DIN-Norm 77800: Qualitätsanforderungen an Anbieter der Wohnform "Betreutes Wohnen für ältere Menschen", in: DIN-Mitteilungen Nr. 9-2006. 121

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Eine der Pflegesituation angepasste Wohnung In Berlin waren im Jahre 2007 insgesamt 95.870 Personen (2,81 Prozent der Bevölkerung) pflegebedürftig, davon befanden sich 28,2 Prozent in stationärer Dauerpflege und 71,8 Prozent wurden entweder durch Angehörige, selbst organisierte Pflegehilfe oder ambulante Pflegedienste in ihrer privaten Wohnung gepflegt. Für den Bezirk Steglitz-Zehlendorf ist anteilig von 10.440 Pflegebedürftigen auszugehen. Von diesen wurden 3.983 Pflegebedürftige in Heimen , 2.085 Pflegebedürftige durch ambulante Dienste und 4.372 Pflegebedürftige durch Angehörige versorgt (vgl. Tabelle 6.2). Damit besteht ein Bedarf von ca. 6.500 einer Pflegesituation angepassten Wohnungen. Das werden hauptsächlich Wohnungen von privaten Haushalten sein. Aber auch in Steglitz-Zehlendorf wie bundesweit nimmt der Anteil von Wohngemeinschaften für Pflegebedürftige zu, in denen mehre Pflegebedürftige einen Gemeinschaftshaushalt führen und sich bedarfsgerecht wahlweise ambulante Pflegeleistungen vertraglich sichern. Der Bedarf an Wohnungen, die den Erfordernissen des Pflegearrangements entsprechen, steigt im Altersverlauf an. Mehr als 60 Prozent der Pflegebedürftigen sind 75 Jahre und älter. Tabelle 6.2:
Berlin/Bezirk insgesamt in Heimen
6 7 5

Schätzung der Anzahl der Pflegebedürftigen in Steglitz-Zehlendorf 2007
Pflegebedürftige versorgt zu Hause darunter durch ambulante Pflegedienste Angehörige

Berlin absolut in Prozent Verhältnis der häuslichen Versorgung Steglitz-Zehlendorf absolut in Prozent Verhältnis der häuslichen Versorgung
* einschließlich der Empfänger kombinierter Leistungen Berechnet nach Tabellen 2.5 und 3.8 mit Angaben der Anzahl von Pflegebedürftigen in Heimen und durch ambulante Dienste Versorgte in Berliner Bezirken, in: Statistischer Bericht: Ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen sowie Empfänger von Pflegegeldleistungen in Berlin 2007, Hrsg.: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg 2009, Sonderauswertung der Pflegegeldempfänger in Steglitz-Zehlendorf per 31.12.2007 auf der Grundlage von PLZBereichen durch H. Pfaff, Fachbereich Pflege, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, September 2009

95.870 100

27.069 28,2

68.801 71,8 100

22.863 23,8 33,2 2.085 19,9 32,3

45.938 47,9 66,8 4.372 41,9 67,7

10.440 100

3.983 38,2

6.457 61,8 100

Die Qualitätsmerkmale einer der Pflegesituation angepassten Wohnung schließen die einer seniorenfreundlichen und einer barrierefreien bzw. behindertengerechten Wohnung ein, erfordern darüber hinaus      den bedarfsgerechten Einsatz von Hilfsmitteln (Pflegebett, Wannenlift, Hebevorrichtungen usw.), eine dem Pflegearrangement entsprechende Raumausstattung, geeignete Arbeitsflächen für einen ambulanten Pflegedienst, die notwendigen Bewegungsflächen im Wohngebäude (Flure und Fahrstuhl) für den Transport im Pflegebett, günstige Anfahrt- und Parkmöglichkeiten für den Krankentransport.

Bei den ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf steigt der Anteil der an eine Pflegesituation angepassten Wohnungen von 12 Prozent bei den künftigen Senioren über 16 Prozent bei den jungen Alten auf 28 Prozent bei den Alten im fortgeschrittenen Alter und 32 Prozent bei den Hochbetagten an. In den Bezirksregionen entwickeln sich die Bedarfslagen entsprechend der Altersstruktur und dem Auftreten von Pflegebedürftigkeit unterschiedlich. Der höchste einer Pflegesituation angepasste Ausstattungsgrad der Wohnung wird von den Hochbetagten in der Bezirksregion Drakestraße angezeigt (vgl. Abbildung 6.14).
5

6 7

Vgl. Statistischer Bericht K VIII 1 - 2j/07: Ambulante und stationäre Pflegeinrichtungen sowie Empfänger von Pflegegeldleistungen in Berlin 2007, Berlin 2009, S. 23. Vgl. ebenda, S. 14. Sonderauswertung Pflegegeldempfänger in Steglitz-Zehlendorf per 31.12.2007 auf der Grundlage von PLZ-Bereichen durch Fachbereich Pflege des Statistischen Bundesamtes, Wiesbaden, September 2009.

122

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 6.14: Meine Wohnung ist einer Pflegesituation angepasst - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent künftige Senioren insgesamt
12 69 19

junge Alte
61 23
12

Alte im fortgeschrittenen Alter
28 51 21
12

Hochbetagte
32 48 19

12 16

Schloßstraße - BR1 Albrechtstraße - BR2 Lankwitz - BR3 Ostpreußendamm - BR4 Teltower Damm - BR5 Drakestraße - BR6 Zehlendorf Südwest - BR7 Zehlendorf Nord - BR8

7 16 9 17 6 9 12 12

73 62 64 58 69 65 62 67

20 22 27 25 25 26 26 21

12 11 12 13 12 12 12
18

54 54 52 52 53 54 50 59

35 33 36 30 33 33 27 31

12

23 27 28 26 13 27 36 23

38 56 36 38 53 43 42 48

38 17 36 36 34 30 22 29

12

38 19 21 41 45 57 16 3 30 71 18 29

26 63

36

12

12

12

12

50 27 10 18 54 26 32 45 25

12

12

12 14 12 13 12
23

12

12

12

12

12

12

1210

12

12

0

100 trifft zu

200 trifft nicht zu

300

ohne Antw.

400

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Im Urteil der ab 50-Jährigen schneidet der Bezirk Steglitz-Zehlendorf im Großen und Ganzen positiv als lebenswerter Wohnort ab. Dennoch sollten die bestehenden Differenzierungen der Aussagen mit Aufmerksamkeit bedacht werden (vgl. Abbildung 6.15).    Insgesamt 94 bzw. 93 Prozent fühlen sich in ihrer Wohnumgebung und ihrer Wohnung wohl und sicher. Für 86 Prozent ist das soziale Umfeld angenehm, aber insgesamt 11 Prozent stimmen dieser Feststellung nicht zu. Für 87 Prozent erweist sich die Wohngegend als empfehlenswerter Wohnort, jedoch 11 Prozent würden eine solche Empfehlung nicht aussprechen. Überdurchschnittlich wird diese Position von den künftigen Senioren vertreten.  84 Prozent fühlen sich in ihrem Wohngebiet sicher. Hingegen insgesamt14 Prozent teilen dieses Sicherheitsgefühl nicht, darunter 25 Prozent der Arbeiter, 18 Prozent der Hausfrauen sowie jeweils 16 Prozent der jungen Alten und der Arbeitslosen.  Ebenfalls 84 Prozent halten die Miete bzw. die Wohnkosten für bezahlbar; dennoch bestätigen 13 Prozent, dass dies für sie und ihr Haushaltsbudget nicht zutrifft. Widerspruch zu dieser Position der Bezahlbarkeit der aktuellen Wohnung kommt vor allem aus Haushalten mit einem Haushaltsnettoeinkommen von unter 1.500 Euro pro Monat; darunter vor allem Ein-, Vier- und Mehrpersonenhaushalte. Überdurchschnittlich häufige Verneinungen werden auch von künftigen Senioren sowie Migranten ausgesprochen.  Erheblich weniger (61 Prozent) bewerten ihr Wohnumfeld als seniorenfreundlich, vielmehr unterstreichen 35 Prozent, dass ihr Wohnumfeld nicht seniorenfreundlich sei. Diese Kritik stützt sich u.a. darauf, dass eine Reihe zur Alltagsbewältigung notwendiger Einrichtungen für sie in ihrem Wohnumfeld nicht mehr fußläufig erreichbar ist. Von denen, die mehr Seniorenfreundlichkeit im Wohnumfeld anmahnen, beklagen überdurchschnittlich viele die nicht fußläufige Erreichbarkeit eines Hausarztes (47 Prozent), eines Ärztehauses (60 Prozent), einer Post (51 Prozent) eines Kreditinstitutes (57 Prozent), diverser Dienstleistungsangebote (58 Prozent) und einer Begegnungsstätte (60 Prozent).

123

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 6.15: Bewertung der aktuellen Wohnsituation - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* fühle mich in meiner Wohnumgebung wohl fühle mich in meiner Wohnung sicher 5 10
1

die Miete/Wohnkosten sind bezahlbar 52 10 84 13 3 10

Wohnumfeld ist seniorenfreundlich 61 35

das soziale Umfeld ist angenehm

ich würde die W ohngegend als W ohnort empfehlen 11 3
10

ich fühle mich im W ohngebiet sicher 11 2
10

insgesamt

94

93

4 10

86

87

84

14 2

Schloßstraße - BR1 Albrechtstraße - BR2 Lankwitz - BR3 Ostpreußendamm - BR4 Teltower Damm - BR5 Drakestraße - BR6 Zehlendorf Südwest - BR7 Zehlendorf Nord - BR8

93 94 92 91 93 96 96 95

6 10
1

97 94 92 92 94 93 91 93

3 10 42 10 44 10 62 10 5
1

84 84 83 87 84 85 83 81

13 3 10

56 38 6 10 Schloßstraße - BR1

86 84 83 83 84 88 92 90

10 4 12 4 14 3 15 2 13 3 9 3 44 82

10

88 87 84 82 85 90 93 93

10 2 11 2 13 3 17
1

10

85 83 80 83 83 89 89 81

12 3 16
1

5 10
1

61 14 2 10 Albrechtstraße35 BR2 - 4 10 13 4 10 61 35

10

10

5310 7 10
2

4 10

10

10

15 5 15 2 15 2 92 10
1

10 68 112Ostpreußendamm - BR4 29 3 10

10

10

6 10
1

10

14 2 10 12 3 10

59

38

3 10

10

13 2 73 52 52

10

310
1

52 10 8
1

59 Drakestraße36 BR6 - 5 10

10

10

2 10
2

10

59 12 5 10 36 5 10 Zehlendorf Südwest - BR7 63 15 4 10 Zehlendorf Nord32 BR8 - 5 10

10

10

4 10
1

7

10

10

10

17 2

trifft zu

trifft nicht zu

ohne Antw.

* Datenbereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

6.1.2.2

Bewertung des aktuellen Wohnumfeldes

Neben der bedürfnis- und bedarfsgerechten Wohnung hat die Qualität des Wohnumfeldes maßgeblichen Einfluss darauf, ob Seniorinnen und Senioren mit zunehmendem Lebensalter weiterhin in ihrer eigenen Häuslichkeit selbstbestimmt leben und ihre Alltagsobliegenheiten selbstständig bzw. in eigener Regie durch seniorenorientierte Dienstleister regeln bzw. regeln lassen können. Die seniorengerechte Wohnumfeldqualität bemisst sich demzufolge danach, in welchem Ausmaß ältere Menschen zur Alltagsbewältigung notwendige Einrichtungen des täglichen Bedarfs, der gesundheitlichen Versorgung, der Freizeitgestaltung - wie Bildungs-, Kultur- und Sportangebote und Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe - in ihrer Wohngegend vorfinden. Gleichermaßen ist es erforderlich, im Wohnumfeld den Zugang zu seniorenorientierten Dienstleistungen zu erschließen, das heißt, auf geeignetem Wege Informationen über Angebote der hauswirtschaftlichen Hilfe, der Mobilitätshilfe, der Mahlzeitenversorgung, der gesamten pflegerischen Versorgung - ambulant, stationär, teilstationär, Tages- oder Nachtpflege, Hospizangebote - an die Interessenten heranzutragen. Das kann sowohl über Bürgerämter, Beratungsstellen oder auch über von der öffentlichen Verwaltung herausgegebene Wegweiser realisiert werden. Fußläufige Erreichbarkeit Vom Wohnumfeld gehen dann die Aktivität und Mobilität von Senioren stärkende Impulse aus, wenn es so ausgestattet ist, dass Senioren solange wie möglich ihre Alltagsangelegenheiten allein bewältigen können. Ein wesentliches Kriterium dafür ist die fußläufige Erreichbarkeit dieser Einrichtungen (vgl. Abbildung 6.16). Die Aussagen zur Rangfolge der Erreichbarkeit stimmen mit geringen Ausnahmen in allen Altersphasen überein. Verschiebungen in den Rangplätzen ergeben sich gegenüber der Insgesamt-Folge in Bezug auf die Erreichbarkeit eines Ärztehauses, einer Begegnungsstätte und von diversen Dienstleistungsangeboten. Alte im fortgeschrittenen Alter und Hochbetagte sehen geringere Möglichkeiten als andere, diverse Dienstleistungen fußläufig zu erreichen. Der Vergleich dieser Bewertung durch die ab 50-Jährigen insgesamt und die Hochbetagten zeigt erstens übereinstimmend die höchsten Erreichbarkeitsfrequenzen in der Bezirksregion Schloßstraße, zweitens ergeben sich bei der Rangfolge der fußläufigen Erreichbarkeit vor allem ab der 7. Position deutliche Verschiebungen und drittens werden die gegenüber der Gesamtheit der Klienten aufgrund von altersbedingten Mobilitätseinschränkungen rückläufigen Frequenzen der Hochbetagten in allen anderen Bezirksregionen (BR2 bis BR8) sichtbar. Die Auskünfte der Hochbetagten lassen vor allem in der Bezirksregion Lankwitz die geringe Erreichbarkeit einer Apotheke, einer Gaststätte und diverser Dienstleistungen und in der Bezirksregion Drakestraße die ungünstige Erreichbarkeit einer Grünanlage und eines Hausarztes erkennen.

124

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 6.16: Fußläufige Erreichbarkeit von zur Alltagsbewältigung notwendigen Einrichtungen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent Haltestelle (ÖPNV) Grünanlage/Park Apotheke Gaststätte/Cafe Einkauf tägl. Bedarf Hausarzt Post Bank/Sparkasse Dienstleistungsangebote Ärztehaus Begegnungsstätte 100 80 60 40 97 90 87 86 85 57 55 51 48 42 42 20 insgesamt 0 37 32 27 38 35 20 Hochbetagte 40 60 80 100 81 72 71 67 65 56

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Tabelle 6.3:

Fußläufige Erreichbarkeit von zur Alltagsbewältigung notwendigen Einrichtungen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* insgesamt Bezirksregionen BR1 Schloßstraße BR2 Albrechtstraße BR3 Lankwitz BR4 Ostpreußendamm 96 87 81 87 86 57 49 39 37 41 48 83 75 87 55 72 81 38 49 44 21 17 BR5 Teltower Damm BR6 Drakestraße BR7 Zehlendorf Südwest 96 93 78 86 70 47 52 38 38 37 23 69 79 61 59 45 31 40 34 18 28 29 BR8 Zehlendorf Nord

zur Alltagsbewältigung notwendige Einrichtungen

ab 50-Jährige insgesamt Haltestelle (ÖPNV) Grünanlage/Park Apotheke Gaststätte/Cafe Einkauf täglicher Bedarf Hausarzt Post Bank/Sparkasse Dienstleistungsangebote Ärztehaus Begegnungsstätte Haltestelle (ÖPNV) Grünanlage/Park Apotheke Gaststätte/Cafe Einkauf täglicher Bedarf Hausarzt Ärztehaus Post Begegnungsstätte Bank/Sparkasse Dienstleistungsangebote 97 90 87 86 85 57 55 51 48 42 42 81 72 71 67 65 56 38 37 35 32 27 98 89 98 97 98 76 91 83 76 81 36 91 91 100 100 100 84 81 91 23 87 41 96 94 95 92 93 66 62 64 57 51 41 67 73 97 64 73 89 39 53 28 48 41 96 92 85 82 89 59 58 57 50 35 47 60 56 34 37 46 33 6 30 27 19 16 96 94 82 74 70 56 50 41 40 31 45 68 78 60 47 59 48 26 25 43 18 26 98 81 88 87 85 49 45 44 46 40 36 100 49 51 98 46 30 18 33 23 36 29 98 96 87 88 84 51 46 50 48 40 46 97 81 76 75 76 56 55 24 52 22 21

Hochbetagte 85 Jahre und älter

* Differenz zu 100 Prozent jeweils = ohne Antwort; stärkste Ausprägung jeweils grün unterlegt; geringste Ausprägung jeweils orange unterlegt Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

125

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die sozialräumliche Betrachtung dieser Bewertung der Erreichbarkeit notwendiger Einrichtungen durch die Befragten insgesamt lässt zwischen den Bezirksregionen zum Teil beachtliche Unterschiede im Ausstattungsniveau erkennen. Während der Bezirksregion Schloßstraße mit Ausnahme der Erreichbarkeit einer Grünanlage und einer Begegnungsstätte die jeweils häufigste Erreichbarkeitsquote bescheinigt wurde, wurde z.B. die fußläufige Erreichbarkeit einer Apotheke, eines Supermarktes, eines Hausarztes, eines Kreditinstitutes und einer Begegnungsstätte für Zehlendorf Südwest am wenigsten bestätigt. In der Bezirksregion Ostpreußendamm wird die Erreichbarkeit von Dienstleistungsangeboten vermisst, in der Bezirksregion Teltower Damm liegt die Erreichbarkeitsquote der Gaststätte/Cafe, des Supermarktes und des Ärztehauses bezirksweit am geringsten, und in Bezug auf die Erreichbarkeit der Post werden in der Bezirksregion Drakestraße die wenigsten Pluspunkte vergeben (vgl. Tabelle 6.3). Soziale Wohnumfeldqualität Großer Einfluss auf die Wohnzufriedenheit und die individuelle Lebensqualität geht von den sozialen Wohnumfeldbedingungen aus. Eine angenehme Nachbarschaft, ein respektvoller Umgang miteinander einschließlich kleiner gegenseitiger Hilfen bilden die Grundlagen für ein förderliches Miteinander. Darüber hinaus entwickeln sich in einer solchen nachbarschaftlichen Atmosphäre Selbsthilfestrukturen, die besonders für Ältere die Möglichkeiten für ein selbstbestimmtes Leben erweitern. Mehrheitlich werden die nachbarschaftlichen Beziehungen durch gegenseitigen Respekt und Achtung (75 Prozent), kleine Hilfeleistungen (75 Prozent), vertrauensvollen Umgang (60 Prozent) und auch wechselseitige Zurückhaltung (58 Prozent) charakterisiert. Eine Minderheit räumt gelegentliche Streitereien (10 Prozent) und Rücksichtslosigkeit (6 Prozent) ein (vgl. Abbildung 6.17). Abbildung 6.17: Charakterisierung der nachbarschaftlichen Beziehungen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* nachbarschaftl. Kontakte 93 7

Respekt und Achtung kleine Hilfeleistungen vertrauensvoller Umgang Zurückhaltung gelegentl. Streitereien Rücksichtslosigkeit 100 80 60

75 75 60 58 10 6 40 20 ja

4 7 11 9 43 46 0 nein 20 40 60 80 100

* Differenz zu 100 Prozent = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die übergroße Mehrheit der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf bekundet, in gute nachbarschaftliche Kontakte integriert zu sein. Nur 7 Prozent verfügen ihrer subjektiven Einschätzung nach über keine nachbarschaftlichen Kontakte. Das Fehlen nachbarschaftlicher Kontakte kann bedeuten, dass Menschen sich bewusst auf sich konzentrieren und z.B. nachbarschaftliche Kontakte meiden. Mehrheitlich sollten jedoch defizitäre Bedingungen für die Pflege nachbarschaftlicher Kontakte in Betracht gezogen werden.

126

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die sozialstrukturelle Gliederung dieser Minderheit ohne nachbarschaftliche Kontakte zeigt (vgl. Abbildung 6.18), dass vor allem Hochbetagte, Alleinlebende und Pflegebedürftige am häufigsten einen Mangel an nachbarschaftlichen Kontakten anzeigen. Ebenfalls überdurchschnittlich wird dieser Mangel auch von 9 Prozent der Personen mit Migrationshintergrund erlebt. Während die soziale Integration von Migranten auch in den nachbarschaftlichen Beziehungen mit zunehmender Verweildauer ansteigt, muss insbesondere bei den allein lebenden Hochbetagten der erlebte Mangel an nachbarschaftlichen Kontakten im Zusammenhang mit eingeschränkter Mobilität und Aktivität gesehen und zugleich als eine Gefahr für soziale Isolierung gewertet werden. Dieser Gefahr präventiv vorzubeugen, wäre durch das Angebot von Besuchs- und Begleitdiensten möglich. Abbildung 6.18: Keine nachbarschaftlichen Beziehungen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent 7 insgesamt Migat.hintergrund ja nein Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J.u.ält. Haushaltsgröße 1 Person 2 Personen 3 Personen 4 u.m. Personen Pflegebedürftigkeit ja nein
14

7 9 7 7 7 6 6 6 18 10 6 3 2 14

6
7

0 Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

5

10

15

20

Die Zufriedenheit mit dem Wohnumfeld hängt nicht nur von der infrastrukturellen Ausstattung und dem sozialen Umfeld ab, sondern auch von der Intensität unterschiedlichster Störfaktoren wie Verkehrslärm, ständige Bauarbeiten, geringe Wohnsicherheit, Verschmutzung oder Vandalismus, auch Lärm in der Nachbarschaft, Beeinträchtigung durch Gaststätten bzw. Sport- und Spielplätze. Während die erste Gruppe der Störfaktoren individuell kaum zu beeinflussen ist, hängt das Empfinden von Störungen durch die zweite Gruppe von Störfaktoren wesentlich vom individuellen Toleranzniveau ab, z.B. bei Spielplatzlautstärke. Außerdem besteht in diesem Bereich auch die Möglichkeit der individuellen Ansprache von Lärmverursachern. Am häufigsten werden in Steglitz-Zehlendorf von mehr als 40 Prozent der ab 50-Jährigen Lärm in der Nachbarschaft und Verkehrslärm als Beeinträchtigungen im Wohnumfeld angemahnt. Schmutz im Wohnumfeld (31 Prozent) und Vandalismus (29 Prozent) folgen in der Rangfolge der Störfaktoren. Mit deutlich geringerer Häufigkeit werden Beeinträchtigung durch ständige Bauarbeiten, geringe Wohnsicherheit, Lärm auf Spiel-, Sport- und Bolzplätzen sowie aus Gaststätten oder Diskotheken beklagt (vgl. Abbildung 6.19).

127

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 6.19: Beeinträchtigung der Wohnumfeldqualität durch Störfaktoren - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent Lärm in der Nachbaschaft Verkehrslärm Schmutz im Wohnumfeld Vandalismus ständige Bauarbeiten geringe Wohnsicherheit 7 6 4 4 18 13 10 91 20% ja 40% gelegentlich 60% nein ohne Antw. 80% 80 84 7 17 24 23 76 35 24 66 69 56 56 2 3 3 3 3 4 3 3 100%

Spiel-/Sport-/Bolzplätze 3 Gasstätten/Diskotheken 2 4 0%

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Diese von ab 50-Jährigen für den Bezirk insgesamt festgestellte Belastung der Wohnumfeldqualität differenziert sich zwischen den Bezirksregionen. In der Summe dieser Störfaktoren erscheinen die Bezirksregionen Schloßstraße und Albrechtstraße am stärksten von Störungen des Wohnumfeldes betroffen zu sein, während die Bezirksregionen Drakestraße und Zehlendorf Südwest mit den geringsten Belastungen konfrontiert werden (vgl. Abbildung 6.20). Abbildung 6.20: Einfluss der Störfaktoren auf die Wohnumfeldqualität nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent Lärm in der Nachbarschaft 38 34 37 35 41 29 35 32 Verkehrslärm 28 24 24 21 28 23 22 22 22 20 14 18 15 17 14 17 6 7 8 8 8 5 5 7
15

Schmutz im W ohnumfeld Schloßstraße Lankwitz
15

ständige Bauarbeiten 20 19 14 14 20 17 21 5 4 4 13 13 14 14 12 12 12 15 4 5 5 5 4 1 2 4 10 3 3 2 2
15

Spiel-/Sport-/Bolzplätze Schloßstraße Lankwitz
15

8 7 10 9 5 6 4 17 17 21 21 29

29 32 23

3 3 5 5 4 4 3 5

8 12 13 12 10 6 6

Albrechtstraße
15 15 15 15

Albrechtstraße
15 15 15 15

Ostpreußendamm
15 15

Ostpreußendamm
15 15

Teltower Damm
15 15 15

Teltower Damm
15 15 15

Drakestraße

15

Drakestraße

15

Zehlendorf Südwest
15 15

Zehlendorf Südwest
15 15

Zehlendorf Nord
15 15 15 15 15

22 Vandalismus 28 24 25 24 26 20 19 23

19

Zehlendorf Nord
15 15 15 15 15

geringe W ohnsicherheit

Gaststätten/Diskotheken 2 3 4 13 3 3 5 2 4 13 2 6 11

Schloßstraße Lankwitz

15

4 5 7 9 5 3 6 5 gelegentlich

Schloßstraße Lankwitz

15

Albrechtstraße
15 15 15 15

Albrechtstraße
15 15 15 15

Ostpreußendamm
15 15

Ostpreußendamm
15 15

Teltower Damm
15 15 15

Teltower Damm
15 15 15

Drakestraße

15

Drakestraße

15

Zehlendorf Südwest
15 15

Zehlendorf Südwest
15 15

Zehlendorf Nord
15 15

Zehlendorf Nord
15 15

ja

ja

gelegentlich

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

6.1.2.3

Wohnortbindung und aktuelle Umzugsneigung

Angesichts der von ab 50-Jährigen vorgenommenen Bewertung der Wohnqualität in Steglitz-Zehlendorf und einer durchschnittlich langen Wohndauer ist es folgerichtig, dass nur eine Minderheit von 8 Prozent in absehbarer Zeit einen Wechsel der Wohnung anstrebt. Die übergroße Mehrheit von 82 Prozent sieht aktuell für einen Umzug keine Veranlassung (9 Prozent = weiß nicht; 1 Prozent = ohne Antwort). Der höchste Anteil von ab 50-jährigen Umzugswilligen kommt aus der Bezirksregion Schloßstraße, gefolgt von den Umzugswilligen aus der Bezirksregion Teltower Damm. Die geringsten Umzugsbestrebungen zeigten die ab 50-Jährigen aus der Bezirksregion Zehlendorf Nord (vgl. Abbildung 6.21).

128

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 6.21: Aktuelle Umzugsabsichten nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 100
1 1 1

9 8

13 13

11 8

2 10 8

1

7 8

11 9

2 8 8

6 8

7 6

80

60 82 80 80 84 80 82 86 87

40

73

20

0 insgesamt BR1 Schloßstraße BR2 Albrechtstraße nein BR3 Lankwitz ja BR4 Ostpreußendamm weiß nicht BR5 Teltower Damm ohne Antw. BR6 Drakestraße BR7 BR8 Zehlendorf Zehlendorf Südwest Nord

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Betrachtet man die absehbaren Umzugsabsichten nach soziostrukturellen Merkmalen, so wird offenkundig, dass in allen sozialen Gruppen der überwiegende Anteil das weitere Verweilen in der aktuellen Wohnung bekundet. Der Kreis der Umzugswilligen (insgesamt 8 Prozent) kommt überdurchschnittlich aus den Reihen der künftigen Senioren sowie Personen mit Migrationshintergrund, betrifft häufiger als andere Vierpersonenhaushalte, aber auch Einpersonenhaushalte besonders von Männern. Die ab 65-Jährigen und auch Pflegebedürftige sind nur unterdurchschnittlich am Umzugsgeschehen beteiligt (vgl. Abbildung 6.22). Abbildung 6.22: Absehbare Umzugsabsichten nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Migrat.hintergrund ja nein Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u.ält. Pflegebedürftigkeit ja Haushaltsgröße 1 Person darunter weiblich männlich 2 Personen 3 Personen 4 u.m. Personen 0 20 nein 75 83 81 82 40 ja weiß nicht 60 ohne Antw. 80 8 13 81 11 7 8 10 13 9 10
1 1

76 82 77 87 88 89 81 79

11 8 12 4 3

10 9 11 8 8 5 7 9 6 11
1

3
1

1

1

5 6

1

1

1

3 2 100

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die von den Umzugswilligen angegebenen Umzugsgründe lassen sowohl auf die Stärke der Motivation als auch die Rangfolge der Gründe schließen. Dabei treten folgende Differenzierungen auf (vgl. Abbildung 6.23):  Für die 50 Prozent mit absehbarer Umzugsabsicht stehen die Verringerung der Miete bzw. der Wohnkosten an der Spitze.
129

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

 

Insgesamt 42 Prozent streben einen höheren Wohnkomfort an. Vor allem Ältere, Pflegebedürftige und Alleinlebende (Einpersonenhaushalte) wünschen sich einen Fahrstuhl und eine seniorengerechte Wohnung. Auf ein angenehmes soziales Umfeld ihrer neuen Wohnung legen hauptsächlich Menschen mit Migrationshintergrund, Hochbetagte, Pflegebedürftige und Alleinlebende großen Wert.

Abbildung 6.23: Aktuelle Umzugsabsichten und Umzugsgründe nur von Personen mit Umzugsabsichten - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent aktuelle Umzugsabsichten niedrig. Miete/Wohnkosten mehr Wohnkomfort Wohnhaus mit Aufzug seniorengerechte Wohnung 1 9 82 8 kleinere Wohnung soziales Umfeld familiäre Gründe größere Wohnung mit Balkon/Loggia kein Hochhaus Einkauf günstiger weniger Ausländer öffentl. Verkehrsmittel Nähe zu Kindern Zugang zu med. Versorgung nein ja weiß nicht ohne Antw. Arbeitsplatzwechsel
0

Rangfolge der Umzugsgründe 50 42 37 30 28 27 25 23 19 17 15 15 11 9 6 3
10 20 30 40 50 60

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

 

Immerhin 15 Prozent wünschen in ihrer neuen Wohngegend mit weniger Ausländern zusammen zu wohnen. Das trifft sowohl für Migranten und Pflegebedürftige, aber auch für Drei- und Mehrpersonenhaushalte zu. Die infrastrukturelle Ausstattungsqualität des künftigen Wohngebietes beeinflusst die Umzugsabsichten mit unterschiedlichem Gewicht (vgl. dazu Tabelle 6.4).

Tabelle 6.4:

Aktuelle Umzugsgründe von Personen mit geäußerter Umzugsabsicht - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent insgesamt mit Migrationshintergrund Altersphasen künftige Senioren 50 b.u. 65 Jahre junge Alte 65 b.u. 75 Jahre Alte im fortgeschr. Alter 75 b.u. 85 Jahre 17 12 53 55 16 12 37 20 21 13 12 3 15 3 12 37 14 82 94 82 12 12 Hochbetagte 85 Jahre u. älter Pflegebedürftige Haushaltsgröße 1 Person 2 Personen 3 Personen 4 und mehr Personen 60 18 28 2 75 24 47 12 11 19 19 6 9

niedrigere Miete/Wohnkosten mehr Wohnkomfort Wohnhaus mit Aufzug sen.ger. Ausstattung kleinere Wohnung soziales Umfeld familiäre Gründe größere Wohnung mit Balkon/Loggia kein Hochhaus Einkauf günstiger weniger Ausländer öffentl. Verkehrsmittel Nähe zu Kindern Zugang zu mediz. Versorgung Arbeitsplatzwechsel

50 42 37 30 28 27 25 23 19 17 15 15 11 9 6 3

54 70 37 10 44 63 17 13 28 38 16 16 33 14 26

49 45 31 26 31 26 28 23 16 16 13 15 12 8 6 4

56 30 45 31 23 25 16 15 19 9 29 13 13 10 8

88 82 94 82 6 82

55 24 44 44 28 30 26 24 26 30 23 23 27

50 51 40 34 25 29 15 37 28 16 16 8 13 6 5 4

47 40 40 33 23 26 27 18 16 17 12 16 11 11 5 3

56 44 10 25 33 30 37 13 11 17 40 25 10 8 27 10

* Mehrfachantworten möglich; nur Antwort: trifft zu, Differenz zu jedem Wert = ohne Antwort überdurchschnittliche Häufigkeit des Umzugsgrundes zu insgesamt = fett gesetzt Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

130

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

6.2

Wohnbedarf im Alter

Selbstbestimmt bis ins hohe Alter in der eigenen Häuslichkeit zu leben und dabei den eigenen Alltag selbst zu gestalten, entspricht dem Streben der Seniorinnen und Senioren nach Selbstverwirklichung und -betätigung. Dieses Grundbedürfnis richtet sich auf ein Wohnen, das         bezahlbar ist und die Führung eines eigenen Haushalts ermöglicht, Privatheit wahrt, Sicherheit und Geborgenheit gewährleistet, die Entscheidungshoheit über den Tagesablauf und die Alltagsgestaltung sichert, Individualität in der Ausstattung und Funktionalität der Wohnungseinrichtung umsetzen lässt, soziale Vertrautheit und Integration schafft, zu bürgerschaftlichem Engagement und gesellschaftlicher Teilhabe anregt, Nachteilsausgleich bei altersbedingten Mobilitätseinbußen, Einschränkung der Alltagskompetenzen, Hilfe- und Pflegebedürftigkeit realisierbar macht. Diese auf ein selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter in der eigenen Häuslichkeit mit einer normalen Alltagsgestaltung bezogene Bedürfnisvielfalt resultiert aus dem zurückgelegten Lebensverlauf und den gelebten Lebensbedingungen der Seniorinnen und Senioren. Seine konkrete Ausdifferenzierung erfährt dieses Bedürfnis vor allem durch maßgebliche Unterschiede in den ökonomischen Positionen, den Altersverlauf und die sich damit verändernden Lebensumstände von Frauen und Männern. Vor diesem Hintergrund entwickeln Seniorinnen und Senioren in den unterschiedlichen Altersphasen bedarfs- und bedürfnisgerechte Handlungsstrategien für die selbstbestimmte Gestaltung ihrer Wohnsituation. 6.2.1 Wandel der Wohnbedürfnisse und des Wohnbedarfs im Altersverlauf

Künftige Senioren und junge Alte Der Wohnbedarf richtet sich in überwiegendem Maße auf eine ortsübliche Normalwohnung bzw. selbstgenutztes Wohneigentum. Mit Hilfe von individuellen Maßnahmen der Wohnraumanpassung kann ein Umzug mit allen dazugehörenden Beschwerlichkeiten vermieden werden, dennoch werden seniorengerechte Wohnangebote mit in Betracht gezogen. Die Wichtigkeit einzelner Gesichtspunkte für einen möglichen Umzug in eine seniorengerechte Wohnung unterstreicht den vorausschauenden Charakter der individuellen Strategiebildung bei jungen Alten. Nachdem die erwachsenen Kinder das Elternhaus verlassen haben, beginnt meist für künftige Senioren bzw. junge Alte eine Phase des Überprüfens der Wohnsituation, der Information und gegebenenfalls der Neuorientierung. Vorausschauend werden individuelle Maßnahmen für die Ausrichtung der Wohnsituation auf das zu erwartende Alter vorgenommen. Dazu gehören sowohl Maßnahmen zur Wohnraumanpassung wie auch die Berücksichtigung künftiger Wohnbedürfnisse bei Ersatzausstattungen der Wohnung. Die Wohnbedürfnisse dieser Gruppe richten sich auf die Verbesserung der Wohnqualität, auf die Profilierung der Wohnung als Platz der Reproduktion und Erholung, als Ausgangspunkt für außerhäusliche Aktivitäten, als Ort der Gastlichkeit und Begegnung, aber auch als Rückzugsmöglichkeit und Wahrung von Privatheit. Alte im fortgeschrittenen Alter Die Wohnbedürfnisse der älteren Alten werden zunehmend durch die Feminisierung und die Singularisierung innerhalb dieser Gruppe bestimmt. Die allgemeinen Wohnbedürfnisse wie Verbesserung der Wohnqualität, die individuelle Gestaltung der Wohnung als Lebensmittelpunkt und als Ort für Privatheit werden akzentuiert durch    vorhandene oder absehbare Mobilitätseinschränkungen, Veränderungen der Einkommenslage infolge von Singularisierung, Stabilitätsverlust bisheriger familialer und außerfamilialer Netze.

131

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die von ihnen angestrebte Funktionalität der Wohnung muss sich orientieren an Bedingungen     zur Aufrechterhaltung einer selbstständigen Haushaltsführung, zur Gewährleistung eines Nachteilsausgleichs durch barrierefreie Wohnungsanpassung, zur Nutzung seniorenorientierter Dienste, für barrierefreien Zugang zu Informationen.

Im größeren Maße als früher im Lebensverlauf sehen sie sich mit altersbedingter Leistungsminderung oder Mobilitätseinschränkung konfrontiert, so dass Grenzen bei Selbsthilfe und Selbstorganisation erkennbar werden und Hilfe- und auch Pflegebedarfe auftreten. In dieser Altersphase können ca. 73 Prozent der Männer, aber nur ca. 26 Prozent der Frauen mit partnerschaftlicher Unterstützung rechnen. Da jedoch auch die Hilfemöglichkeiten des Partners/der Partnerin altersbedingten Einschränkungen unterliegen, ist von einem höheren Bedarf an externen familialen oder außerfamilialen Hilfe- oder Pflegepotenzialen auszugehen. In Anbetracht der erwerbsbedingten Mobilität der erwachsenen Kinder und der bestehenden Defizite hinsichtlich der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Pflege werden immer häufiger professionelle Dienstleister und ambulante Pflegedienste in Anspruch genommen. Hochbetagte Die überwiegende Mehrheit der ab 85-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf lebt in privaten Haushalten, wobei viele von ihnen einen Einpersonenhaushalt führen. Nach Maßgabe der eigenen Kräfte und Alltagskompetenzen streben sie danach, selbst in ihrer Wohnsituation aktiv zu bleiben. Die Wohnbedürfnisse von hochbetagten Seniorinnen und Senioren bestätigen ihr Bestreben auch mit erhöhtem bis intensivem Hilfe- und Pflegebedarf nach selbstbestimmter Lebensweise in der eigenen Wohnung. Stärker als jüngere Gruppen stellen sie günstige Bedingungen für eine mögliche/absehbare Pflegesituation in ihrer individuellen Wohnung in den Vordergrund. Ihre Wohnbedürfnisse richten sich deshalb entweder auf eine bedarfsgerechte Wohnraumanpassung oder bei Wohnungswechsel auf differenziertere Zwischenglieder zwischen der traditionellen häuslichen Pflege in der ortsüblichen Normalwohnung einschließlich des Service-Wohnens in Wohnanlagen und der stationären Pflegeangebote. Vor allem in einer Situation zwischen unzureichender häuslicher Versorgung, Gefahr der sozialen Isolierung und eines fehlenden Notrufsystems wird der Umzug in eine Pflegewohngruppe als eine akzeptable Alternative zum Heim bewertet. Die Pflegebedürftigkeit begründet sich sowohl auf somatische Erkrankungen als auch auf demenzielle Einschränkungen und psychische Erkrankungen und erfordert neben grund- und behandlungspflegerischen Leistungen unterschiedlichste Arten von Betreuung. Dem vorgelagert ist ein noch umfangreicherer Bedarf an Hilfen zur Lebensführung. Vor allem wenn es um häusliche Pflege geht, wird in dieser Gruppe ein Umzug in seniorengerechtes Wohnen als geeignet dafür angesehen, durch Barrierefreiheit der Wohnung, des Hauses und des unmittelbaren Umfeldes, durch unterstützten Zugang zu Service- und wahlweisen Betreuungs- und/oder Pflegeleistungen das individuelle Pflegearrangement zu verbessern und weiterhin selbstbestimmt über die Alltagsgestaltung entscheiden zu können. Bezüglich ihrer Alltagsgestaltung sind Hochbetagte an weitgehender Normalität interessiert. Deshalb muss bei Erforderlichkeit das Pflegegeschehen in ihren Alltag integriert werden, ohne diesen durch den Pflegedienstleister zu dominieren.
8

8

Vgl. Corinna Barkholt/Vera Lasch: Vereinbarkeit von Pflege und Erwerbstätigkeit, Expertise für die Sachverständigenkommission für den Fünften Altenbericht der Bundesregierung, Dortmund, Kassel 2004, S. 43 ff.

132

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 6.2.2 Handlungsstrategien für ein selbstbestimmtes Wohnen bis ins hohe Alter

Die Herausbildung von Handlungsstrategien älterer Bürgerinnen und Bürger zur Aufrecherhaltung eines selbstbestimmten Wohnens bis ins hohe Alter hängt sowohl von individuellen Voraussetzungen als auch von öffentlichen Rahmenbedingungen ab. Zu den öffentlichen Rahmenbedingungen gehören:   die Möglichkeit der Wohnraumanpassung nach § 52 SGB XI, die Möglichkeit der Verbindung der ortsüblichen Normalwohnung bzw. des selbstgenutzten Wohneigentums mit Service durch externe seniorenorientierte Dienstleister und ambulante Pflegedienste,   die Angebote seniorengerechten Wohnens durch freigemeinnützige, öffentliche und private Wohnträger sowie unterschiedliche Initiativen zur Selbstorganisation von privaten Selbsthilfe-Wohnformen von Senioren.

Solche Rahmenbedingungen finden die Seniorinnen und Senioren in Steglitz-Zehlendorf zur wahlweisen Inanspruchnahme vor. Im Bezirk Steglitz-Zehlendorf gibt es 36 Seniorenwohnanlagen und 9 Service-Wohnanlagen. Darüber hinaus bestehen berlinweit seniorengerechte Wohnangebote mit unterschiedlichstem Serviceniveau. Besonders Pflegebedürftigen stehen die Fördermöglichkeiten der Pflegekassen nach § 52 SGB XI zur Wohnraumanpassung offen. Als individuelle Voraussetzungen für das selbstbestimmte Leben bis ins hohe Alter müssen in Betracht gezogen werden:   die familialen Unterstützungspotenziale bei auftretendem Hilfe- oder Pflegebedarf, die seniorengerechte Wohnqualität der aktuellen Wohnung bzw. die Möglichkeiten zur Behebung bestehender Defizite,   die finanziellen und vertraglichen Möglichkeiten zur Wohnraumanpassung, die Informationen über die unterschiedlichen seniorengerechten Wohnangebote und die dafür zu entrichtenden Mieten. Bekanntheit und Nutzung von seniorenorientierten Dienst- und Pflegeleistungen Eine wichtige Grundlage für selbstbestimmte Entscheidungen über die Gestaltung der individuellen Lebensbedingungen bei auftretendem Hilfe- oder Pflegebedarf bilden sachgerechte Informationen über diesbezügliche Angebote, die Anbieter, die Preise der nachgesuchten Leistungen und die Leistungsbedingungen (Pflegekasse, Zuzahlung oder private Zahlung). Solche Informationen sind in Steglitz-Zehlendorf nicht nur mit Hilfe der Informationsmaterialien des Bezirksamtes
9

oder von den konkreten Anbietern zu erhalten, sondern werden bei Bedarf mit entsprechender Beratung durch die Bürgerämter, die Koordinierungsstelle rund ums Alter sowie Sozialberatungsstellen des Bezirksamtes und verschiedener freier Träger angeboten. Der Bekanntheitsgrad von Angeboten zur Anpassung der Wohnung an Hilfebedarf oder an eine Pflegesituation liegt bei den ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf bei 26 Prozent, darunter 2 Prozent Nutzer solcher Angebote. 71 Prozent bestätigen, solche Angebote nicht zu kennen. Mit nicht nennenswerten Verschiebungen spiegelt sich dieser Kenntnisstand in allen acht Bezirksregionen wider (vgl. Abbildung 6.24).

9

Informationen und Beratungsangebote: Bei uns in Steglitz-Zehlendorf, Programm für Seniorinnen und Senioren, Hrsg.: Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf, Abteilung Soziales und Sport, ebenso: Steglitz-Zehlendorf - Ein Wegweiser durch den Bezirk, Hrsg.: Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf. 133

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 6.24: Bekanntheits- und Nutzungsgrad von Angeboten zur Anpassung der Wohnung an Hilfebedarf oder eine Pflegesituation - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 100% 3 2 2 5 3 3 2 2 5

80% 71 60% 72 69 68 73 73 69

70

72

40% 2 20% 24
1

5 24

1

3 26

3 22

2 23

3
1

25

24

26

22

0% insgesamt BR1 Schloßstraße kenne ich BR2 Albrechtstraße BR3 Lankwitz BR4 Ostpreußendamm BR5 Teltower Damm BR6 Drakestraße BR7 BR8 Zehlendorf Zehlendorf Südwest Nord

kenne und nutze ich

kenne ich nicht

ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Eine vorausschauende Beschäftigung mit der Problematik eines mit zunehmendem Alter möglicherweise auftretenden Hilfe- und Pflegebedarfs ist zwar eine Grundvoraussetzung für die subjektive und selbstbestimmte Lösung solcher Probleme, wird aber von vielen, vor allem Personen ohne einen solchen akuten Bedarf, aus ihrem Alltag verdrängt. Auch unter den ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf sind außer bei den Nutzerinnen und Nutzern solcher Angebote derartige Kenntnisse überdurchschnittlich (mehr als 26 Prozent) bei Frauen, den Alten im fortgeschrittenen Alter, bei schwerbehinderten und/oder pflegebedürftigen Menschen, vor allem bei Alleinlebenden anzutreffen. Diese Kenntnisse werden vor eigener Betroffenheit hauptsächlich dann erworben, wenn in der Familie oder im sozialen Umfeld Hilfe- oder Pflegebedarf auftritt und eine solche Situation gemanagt werden muss bzw. eigener Bedarf absehbar wird (vgl. Abbildung 6.25). Abbildung 6.25: Bekanntheits- und Nutzungsgrad von Angeboten zur Anpassung der Wohnung an Hilfebedarf oder eine Pflegesituation - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* insgesamt Migrat.hintergrund ja nein Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u.ält. Schwerbehin.ausweis ja Pflegebedürftige ja Haushaltsgröße 1 Person 2 Personen 3 Personen 4 u.m. Personen 0 23 25 24 23 20 40 4 2 2 69 76 60 80 69 72 5
1

24 19 24 26 21 23 25 27 18 24 22 2
1

2 2 2 3

71 78 71 68 74 74

3
1

3 3 3 2 3 5 16

2 5 14 5 24 52

70 63

66 41 13

5

4
1

100

kenne ich, aber noch nicht genutzt kenne ich nicht

kenne und nutze ich ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

134

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Prioritäten bei Wohnraumanpassung oder Umzug in eine seniorengerechte Wohnung Das selbstbestimmte Leben und die selbstständige Hauhaltsführung in einer privaten Wohnung stellen für ältere Menschen einen hohen Lebenswert dar. Eng damit verbunden ist der Wunsch nach Verbleib in der bisherigen Wohnung und im Wohnumfeld, was aktuell durch nur 8 Prozent der Befragten mit absehbaren Umzugsabsichten unterstrichen wird. Ein Schwerpunkt der Anpassung der Wohnung an ein durch Mobilitätseinschränkungen bedingtes Erfordernis wird in der Herstellung von erforderlicher Barrierefreiheit
10

bestehen. Dabei geht es nicht zwingend um Umzug in eine seniorenge-

rechte Wohnung, sondern mehrheitlich lässt sich dies durch bedarfsgerechte Ausstattung und bauliche Anpassung der bisherigen Wohnung ermöglichen. In ihren Handlungsstrategien gehen die ab 50-Jährigen von ihrer individuellen Lebenssituation aus und definieren, welche Maßnahmen für sie wichtig sind. Aus den Auskünften der ab 50-Jährigen ergibt sich folgende Rangfolge ihrer Prioritäten für Wohnungsanpassung oder Umzug in eine seniorengerechte Wohnung (vgl. Abbildung 6.26): Zugleich mit der Wichtigkeit dieser einzelnen Faktoren soll dargestellt werden, in welchen sozialen Gruppe diese Prioritäten besonders ausgeprägt sind (vgl. dazu die Seiten 136 und 137 mit den Abbildungen 6.27.1 bis 6.27.12): Abbildung 6.26: Prioritäten bei Wohnraumanpassung oder Umzug in eine seniorengerechte Wohnung - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Mietpreis Fläche im Bad Fläche in Wohnräumen Fläche in Küche Gegensprechanlage Balkon Anbindung an Notruf stufenlose Erreichbarkeit Bedienvorrichtungen rutschfeste Bodenbeläge Wohnungsgröße Zimmerzahl Breite der Türen 0 15 14 19 20 sehr wichtig wichtig 28 27 33 32 27 40 teilweise unwichtig 24 60 sehr unwichtig 29 15 80 ohne Antw. 34 31 10 38 39 38 18 34 35 40 44 31 30 14 39 44 40 34 29 11 11 10 14 15 2 7 8
1 1

50 40

29

9 8 9

2 2 1 2 5 5 5 4
1

1

9 11 12 12

1

9 11 11 11

1

1

18 13
1

12 14 14 100

1

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)



An der Spitze der Prioritäten steht bei ihnen, dass sowohl bei Wohnungsanpassung als auch bei Umzug in eine seniorengerechte Wohnung der jeweilige Mietpreis eine entscheidende Bedeutung hat. Insbesondere künftige Senioren und junge Alte, mehr Frauen als Männer, auch Schwerbehinderte und Alleinlebende verweisen auf die Wichtigkeit des Mietpreises bei ihrer Entscheidung für Wohnungsanpassung oder Umzug (vgl. Abbildung 6.27.1).



Eine ausreichende Bewegungsfläche im Bad wird von 39 Prozent für sehr wichtig und 40 Prozent für wichtig befunden. Vor allem Schwerbehinderte und Pflegebedürftige, unter ihnen Rollstuhlnutzer, sind auf diese Ausstattung der Wohnung angewiesen (vgl. Abbildung 6.27.2).



Mehr als drei Viertel bewerten die Bewegungsfläche in den Wohnräumen als wichtig und sehr wichtig bei der Wahl bzw. Gestaltung der Wohnung für das Alter. Dabei treten mehrheitlich in den dargestellten Gruppen nur Verschiebungen zwischen "wichtig" und "sehr wichtig" auf. Auffällig ist, dass Alte im fortgeschrittenen Alter und Hochbetagte diesem Qualitätsmerkmal der Wohnung weniger Bedeutung beimessen bzw. bestehenden Mangel durch andere Vorzüge kompensieren (vgl. 6.27.3).

10

Vgl. DIN-Normen 18025 Teil 1 und Teil 2, in: DIN-Taschenbuch 38: Bauplanungen Normen (Bauwesen 7), Beuth-Verlag BerlinWien-Zürich, 1994, S. 221 ff. 135

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008



Das Vorhandensein ausreichender Bewegungsfläche in der Küche erfährt eine breit gestreute Beachtung als Maßstab für die "Alterswohnung". Vor allem Frauen, bis unter 75-Jährige und Schwerbehinderte ziehen dieses Bewertungskriterium häufiger als andere in Betracht (vgl. Abbildung 6.27.4).



Die Ausstattung der Wohnung mit einer Gegensprechanlage zur Haustür entspricht im hohen Maße den Sicherheitsbedürfnissen von Seniorinnen und Senioren. Deshalb würden 74 Prozent ("wichtig", "sehr wichtig") eine seniorengerechte Wohnung damit ausstatten wollen (vgl. Abbildung 6.27.5).



Den sechsten Rangplatz unter den Prioritäten bei Wohnungsanpassung oder Umzug in eine seniorengerechte Wohnung nimmt das Vorhandensein eines Balkons (Loggia oder Terrasse) ein. Ein Balkon erhält für die Bewohner auch bei zunehmenden Mobilitätseinschränkungen im Alter die Möglichkeit zum Kontakt zur natürlichen Umwelt. Dennoch nimmt die Wichtigkeit seines Vorhandenseins mit zunehmendem Lebensalter ab (vgl. Abbildung 6.27.6).



Die stufenlose Erreichbarkeit der Wohnung (ebenerdige Lage oder Fahrstuhl) wird für ältere Menschen zu einer wesentlichen Voraussetzung, ihre Alltagsobliegenheiten selbstständig zu regeln und sich gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Deshalb bemessen 69 Prozent der ab 50-Jährigen die Eignung einer Wohnung für das Alter auch an dieser Voraussetzung.

Abbildung 6.27(1-6): Prioritäten bei Wohnraumanpassung oder Umzug in eine seniorengerechte Wohnung - ab 50-Jährige Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Mietpreis Migrationshintergrund Migrationshintergrund Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künft. Senioren 50-65 J. junge Alte 65-75 J. Alte im fortge. Alter 75-85 J. Hochbetagte 85 J. u.älter spezielle Gruppen spezielle Gruppen Schwerbehinderte Pflegebedürftige Haushaltsgröße 1 Person 2 Personen 3 Personen
4 u. mehr Pers.
0 51 54 43 54 50 38 33 51 48 53 49 47 40 20 40 37 60 80 31 20 26 30 26 30 5
1

Bewegungsfläche im Bad
30 27 32 30 29 9 5 7 7 3 8 9 9 13
1

9 7 3 Migrationshintergrund 7 12
1 1

42 45 32 41 41 32 28 36 39 41 38 40 39 33 0 20 40 40 44

30 37

9

4 5 12
1

15 12 2 9 2
1

Geschlecht 10

2 9

1

10 männlich 2
1

10 7 11

Altersphasen
4
41 39 4 4 40 31 39 41 33 43 60 16 13 80 6
1 1 1

2

2 10 9junge Alte 65-75 J. 21 30

8 32 5
1

23

spezielle Gruppen
27 2
1

12

15 20

22 Pflegebedürftige

Haushaltsgröße
1

12 Person 1 2 2 Personen 9
1

8 7

2
1

13 11 10 5 6 100 2

2 3 Personen 10 3 6
1

100

Bewegungsfläche in den Wohnräumen Migrationshintergrund Migrationshintergrund
Geschlecht Geschlecht weiblich weiblich männlich männlich Altersphasen Altersphasen künft. Senioren 50-65 künft. Senioren 50-65 J. J. junge Alte 65-75 junge Alte 65-75 J. J. Alte im fortge. Alter 75-85 Alte im fortge. Alter 75-85 J.J. Hochbetagte J. u.älter Hochbetagte 8585 J. u.älter spezielle Gruppen spezielle Gruppen Schwerbehinderte Schwerbehinderte Pflegebedürftige Pflegebedürftige Haushaltsgröße Haushaltsgröße 1 Person 1 Person 2 Personen 2 Personen 3 Personen 3 Personen 4 4 u. mehr Pers. u. mehr Pers 0 28 20 40 27 28 33 36 34 34 38 50 60 80 33 39 27 35 36 41 37 44 34 42 46 35 15 6
1 1

Bewegungsfläche in der Küche
39 41 27 36 37 29 29 37 37 35 36 37 27 0 20 40 47 60 33 31 39 41 16 16 80 38 36 38 9 6 43 42 38 7
1 1

42 41 49 46 43
1

15 8 2 Migrationshintergrund

35 38

9 7 16

3 2 4 13

14 12 10 3 2 25
1

Geschlecht
7 12
1

12 weiblich
1 1

10 männlich
1 1

Altersphasen
künft.10 Senioren 7 50-65 J.
11 9junge Alte 65-75 J.
1

5

11

12

25 6 Alte im fortge. Alter 75-85 J. 7 28 Hochbetagte 85 J. u.älter

28 10
1 1

spezielle Gruppen
8 14 Schwerbehinderte
1

2 21 2
1

13

22 Pflegebedürftige

Haushaltsgröße
9 8
1 1

13 1 Person
1

10 11

13 2 10 10 4 6 100

2

211 Personen 310 Personen
100

22

6 16 4 u. mehr Pers.

Gegensprechanlage zur Haustür Migrationshintergrund Migrationshintergrund
Geschlecht Geschlecht weiblich weiblich männlich männlich Altersphasen Altersphasen künft. Senioren 50-65 künft. Senioren 50-65 J.J. junge Alte 65-75 junge Alte 65-75 J. J. Alte im fortge. Alter 75-85 Alte im fortge. Alter 75-85 J.J. Hochbetagte J. u.älter Hochbetagte 8585 J. u.älter spezielle Gruppen spezielle Gruppen Schwerbehinderte Schwerbehinderte Pflegebedürftige Pflegebedürftige Haushaltsgröße Haushaltsgröße 1 Person 1 Person 2 Personen 2 Personen 3 Personen 3 Personen 4 4 u. mehr Pers. u. mehr Pers 0 45 46 32 40 44 36 29 42 37 42 40 39 27 20 40 33 60 29 32 35 35 25 80 22 33 17 32 9 3 3 37 36 33
1

Balkon Migrationshintergrund 4 12 7
1

31 32

44 51 35 47 44 37 31 43 36 47 43 44 35 0 20 40 34 25 21 27 32

27 27 13 30 29 10 11 30 14 24 32 30 8
1

13 8 8 10 11 3
1

8 2
1

3 11 10

5

Geschlecht
9 14 6 4 2
1

8weiblich männlich 9
1

2

Altersphasen
künft. Senioren 50-65 J. 5 14 4 5 9 junge Alte 65-75 J. 8
1

5 2 4 28
1

6

11

4 6 Alte im fortge. Alter 75-85 J. 20 Hochbetagte 85 J. u.älter 28
1

22

spezielle Gruppen
10
1

Schwerbehinderte 5 10 Pflegebedürftige 21
1

10 4 2 11 10 10 14 80

3

14 19

Haushaltsgröße
10 11 11 4
1

5

1

11 1 Person 2 Personen 8

4 2 5 3 3 7 2
1

12 9 10 8 100

Personen 4 2 39 4 9 u. mehr Pers. 6
100

60

sehr wichtig

wichtig

teilweise

unwichtig

sehr unwichtig

ohne Antw.

136

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 6.27(7-12): Prioritäten bei Wohnraumanpassung oder Umzug in eine seniorengerechte Wohnung - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* stufenlose Erreichbarkeit der Wohnung Migrationshintergrund Migrationshintergrund
Geschlecht Geschlecht weiblich weiblich männlich männlich Altersphasen Altersphasen künft. Senioren 50-65 J. künft. Senioren 50-65 J. junge Alte 65-75 junge Alte 65-75 J.J. Alte im fortge. Alter 75-85 J. Hochbetagte 85 J. u.älter Hochbetagte 85 J. u.älter spezielle Gruppen spezielle Gruppen Schwerbehinderte Schwerbehinderte Pflegebedürftige Pflegebedürftige Haushaltsgröße Haushaltsgröße 1 Person 1 Person 2 2 Personen Personen 3 3 Personen Personen 4 4 u. mehrPers u. mehr Pers. 0 45 44 32 39 40 34 36 46 46 36 41 43 29 20 40 33 60 27 31 30 26 80 18 29 23 24 8 15 12
1

Anbindung an einen Notruf
1

27 28 32 31 30 6 2

8 15 4 Migrationshintergrund 12 19 3 6
1

45 43 32 38 41 37 32 41 38 40 39 37 23 0 20 40 40 28 24 27 33 21 29 31 34 33

27 29 16

16 12 4 7 16 13 7 17 12 12 2 13 13 17 24 5 80
1 1

5

1

6

Geschlecht 12 weiblich
1

12 10 7
1

10 männlich
1

Altersphasen
13
1

6 18 5 künft. Senioren 50-65 J. 12 4 junge Alte 65-75 J.
1

5

30

5 30 3
1

1

10

24 10 Alte im fortge. Alter 75-85 J. 2 33 Hochbetagte 85 J. u.älter

3

1

21

spezielle Gruppen
11

Schwerbehinderte 16 3 Pflegebedürftige 27

14 23

Haushaltsgröße
6 15
1

151 Person 4 2 Personen 9 3 2 3 Personen 10

6

1

13 5 3 4
1

9 10
1

4 u. mehr Pers. 3 9
100

8 100

60

Erreichbarkeit von Bedienvorrichtungen
Migrationshintergrund Migrationshintergrund Geschlecht Geschlecht weiblich weiblich männlich männlich Altersphasen Altersphasen
künft. Senioren 50-65 künft. Senioren 50-65 J.J. junge Alte 65-75 junge Alte 65-75 J.J. Alte im fortge. Alter 75-85 J. Alte im fortge. Alter 75-85 J. Hochbetagte 85 J. u.älter Hochbetagte 85 J. u.älter 30 33 23 29 32 22 17 29 28 27 30 29 20 0 20 37 40 60 31 35 40 39 29 80 30 37 10 30 14 42 42 37 14
1 1

rutschfeste Fußböden
1

37 35

15 Migrationshintergrund 17 Geschlecht 12 16 2 3
1

30 33 20 25 31 29 23 33 34 28 28 24 16 0 20 31 40 34 30 32 33 36

36 34 22

18 15 11 23 4

5
1

1

10 13 12

18

weiblich

15 männlich

2 9

Altersphasen
künft. Senioren 50-65 J. 16 10 3 11 18 2 junge Alte 65-75 J. Alte im fortge. Alter 75-85 J. 33 Hochbetagte 85 J. u.älter 38
1

6

31 31 10 30 24 11 18 36 10 3

16 4
1

7 32

1

14 25

spezielle Gruppen spezielle Gruppen Schwerbehinderte Schwerbehinderte Pflegebedürftige Pflegebedürftige Haushaltsgröße Haushaltsgröße 1 Person 1 Person 2 Personen 2 Personen 3 Personen 3 Personen 4 4 u. mehr Pers. u. mehr Pers

spezielle Gruppen
12 2 16 12 14 3
1

2

Schwerbehinderte 20 Pflegebedürftige 29

15 4

5 27 7
1

17

Haushaltsgröße
2 2
1

18 1 Person 2 16 Personen

16 7
1

18 20 29 60 80 9 11

10 10 12 100

3 15Personen 4 12 2 u. mehr Pers.
100

3
1

Größe der Wohnung
Migrationshintergrund Migrationshintergrund Geschlecht Geschlecht weiblich weiblich männlich männlich Altersphasen Altersphasen künft. Senioren 50-65 J. junge Alte 65-75 J. junge Alte 65-75 J. Alte im fortge. Alter 75-85 J. Hochbetagte 85 J. u.älter Hochbetagte 85 J. u.älter spezielle Gruppen spezielleGruppen
Schwerbehinderte Schwerbehinderte Pflegebedürftige Pflegebedürftige Haushaltsgröße Haushaltsgröße 1 1 Person Person 2 2 Personen Personen 3 3 Personen Personen 4 u. mehr Pers 0 14 16 13 16 15 11 13 19 16 15 15 17 13 20 28 27 32 33 31 35 31 36 40 60 19 28 32 34 36 80 33 35 34 29 23
1

Breite der Türen
8 12 Migrationshintergrund Geschlecht 20 23 14 19 22 17 11 22 27 17 20 21 11 0 18 20 sehr wichtig wichtig 40 teilweise 25 28 27 38 60 unwichtig 15 26 21 26 28 21 24 26 26 28 27 15 14 19 6 10
1 1

28 34

38 29 33 33 29
1

28 27 27

24 21

15 12 19
1

1

12 16

6 9

1

14 weiblich
1

männlich 11
1

2 17

12 2 16 6

Altersphasen
9 künft. Senioren 6 50-65 J. 8 junge Alte 65-75 J. 13
1

28 20 11
1

14 38 13
1

1

6 Alte im fortge. Alter 75-85 J. 25 36 Hochbetagte 85 J. u.älter

30

spezielle Gruppen
27 5
1

5

1

16 Schwerbehinderte 26 Pflegebedürftige

19 28

Haushaltsgröße
9
1

7 5 3

1

16 1 Person 210 Personen

16

2 14 12 21 80
1

19 13 3 11 12 100 ohne Antw.

310 Personen 9 6 4 u. mehr Pers. 100

sehr unwichtig

sehr wichtig

wichtig

teilweise

unwichtig

sehr unwichtig

ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)



Die Anbindung der Wohnung an ein Hausnotrufsystem halten insgesamt 69 Prozent der ab 50-Jährigen in SteglitzZehlendorf für wichtig und sehr wichtig. Es sind vor allem Frauen, Migranten, die unter 75-Jährigen und Partnerhaushalte, die eine Notrufanbindung ihrer Wohnung im Alter für erforderlich halten (vgl. Abbildung 6.27.8).



Die Bedeutung der Erreichbarkeit von Bedienvorrichtungen (Wasseruhr, elektrischer und Gaszähler) und die einfache Handhabung derselben zur Notfallverhinderung werden oft unterschätzt. Von den ab 50-Jährigen in SteglitzZehlendorf halten 66 Prozent deren Vorhandensein in einer seniorengerechten Wohnung für erforderlich. Besonders Frauen und künftige Senioren wie auch Partnerhaushalte halten eine solche Ausstattung häufiger für wichtig als andere (vgl. Abbildung 6.27.9).



Wohnungen mit rutschfesten Fußböden verringern Sturzgefahren, demzufolge halten Senioren solche Fußböden für erforderlich. Eine Bewertung mit "wichtig" und "sehr wichtig" durch 61 Prozent der ab 50-Jährigen konzentriert sich vor allem bei Schwerbehinderten, Migranten, Frauen und Partnerhaushalten (vgl. Abbildung 6.27.10).

137

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008



Die Größe der Wohnung wird viel seltener als alle anderen Kriterien für sehr wichtig (15 Prozent) und wichtig (33 Prozent) gehalten. Es sind vor allem künftige Senioren, Schwerbehinderte und Mehrpersonenhaushalte, die dieses Qualitätsmerkmal für die Entscheidung über die Anpassung der Wohnung oder den Umzug in eine seniorengerechte Wohnung geltend machen (vgl. Abbildung 6.27.11).



Die bedarfsgerechte Breite der Türen ist vor allem dann sehr wichtig, wenn die Rangierfähigkeit mit einem Rollstuhl, einem Pflegebett bzw. mit anderen Hilfsmitteln gewährleistet werden muss. Vor allem Pflegebedürftige und Schwerbehinderte wertschätzen eine solche Voraussetzung für die Vermeidung von stationärer Pflege und ein so lange wie mögliches Verbleiben in der eigenen Häuslichkeit (vgl. Abbildung 6.27.12).

Beabsichtigte Nutzung von Serviceangeboten und Umfang der dafür ausgabefähigen Mittel Der Erhalt des selbstbestimmten Wohnens bis ins hohe Alter wird in Steglitz-Zehlendorf durch ein umfangreiches Angebot seniorenorientierter Dienste auch in der ortsüblichen Normalwohnung unterstützt. Hauswirtschaftliche Hilfe, Mahlzeitenversorgung, handwerkliche Leistungen, kommunikative Betreuung, Fahr- und Begleitservice und ambulante Pflege werden angeboten und können bei Bedarf genutzt werden. Gemäß ihren Verbraucherrechten können Seniorinnen und Senioren dabei sowohl über die Auswahl der zu vereinbarenden Leistungen als auch über das mit der Ausführung betraute Personal entscheiden. Bei Inanspruchnahme von Leistungen der Pflegeversicherung zur häuslichen Pflege werden diese ebenfalls zwischen den Pflegebedürftigen bzw. Angehörigen und dem Pflegedienst bzw. der selbstorganisierten Pflegehilfe nach dessen Auswahl und Bedarf vertraglich vereinbart. In welchem Maße die Angebote privater Dienstleister genutzt werden können, hängt im Wesentlichen von den finanziellen Möglichkeiten der Interessenten ab. Anders als bei Leistungen der Pflegeversicherung müssen diese die Kunden allein tragen. Pflegesachleistungen der Pflegeversicherung (ambulante Dienste, teilstationäre Pflege) werden für Versicherte im gesetzlichen Rahmen teilfinanziert und bedürfen gegebenenfalls der individuellen Zuzahlung durch die Pflegebedürftigen. Entscheidungen der Seniorinnen und Senioren über die Nutzung solcher Dienste obliegen sowohl dem Bedarf als auch den individuellen finanziellen Möglichkeiten. Unter Berücksichtigung dieser Voraussetzungen äußerten die ab 50-Jährigen ihre Absichten hinsichtlich der Nutzung von seniorenorientierten Diensten und ambulanten Pflegeleistungen. Am häufigsten werden Angebote zur Reinigung der Wohnung (72 Prozent) zu nutzen beabsichtigt. Die nächsthöchste Auswahl entfiel auf die Anbindung der Wohnung an ein Notrufsystem. Den dritten Rang nahm die Inanspruchnahme von Pflegeangeboten ein. Hauswirtschaftliche Leistungen (Einkaufshilfe, ausgewählte Putzleistungen, Wäschepflege usw.) wurden an 4. Stelle von der Hälfte der Probanden genannt. Eine Speisenversorgung (5. Rangplatz) würden 48 Prozent nutzen wollen und fast ebenso viele (47 Prozent) auf Mobilitätshilfe (6. Rangplatz) zurückgreifen. Noch immer 45 Prozent beabsichtigen, sich bei Bedarf handwerkliche Hilfe zu organisieren (7. Rangplatz). Den letzten Rangplatz (8) unter den zur Auswahl stehenden Angeboten nimmt mit 22 Prozent die kommunikative Betreuung ein. Mit Ausnahme bei den hauswirtschaftlichen Leistungen (hier 14 Prozent) schwankt die Häufigkeit der geäußerten Absichten bei den zur Auswahl stehenden Angeboten unter den Bezirksregionen um 7 bis 9 Prozentpunkte (vgl. Tabelle 6.5).

138

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Tabelle 6.5: Sozialräumliche Verteilung der Inanspruchnahme von Serviceangeboten nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* insgesamt Bezirksregionen** BR1 Schloßstraße BR2 Albrechtstraße 72 69 48 53 52 41 26 50 BR3 Lankwitz BR4 Ostpreußendamm 72 70 47 57 44 47 21 46 BR5 Teltower Damm 72 74 49 56 44 47 21 46 BR6 Drakestraße BR7 Zehlendorf Südwest 68 77 50 58 58 48 26 50 BR8 Zehlendorf Nord 66 74 46 58 50 49 22 44

Hausnotruf Reinigung der Wohnung Speisenversorgung Pflegeangebote hauswirtschaftl. Leistungen handwerkliche Arbeiten kommunikative Betreuung Mobilitätshilfen

71 72 48 57 50 45 22 47

71 71 46 63 53 48 26 52

70 72 54 58 50 42 21 47

73 75 45 55 53 47 19 43

* Mehrfachantworten, Differenzen in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort ** überdurchschnittlicher Nutzungsgrad = fett gesetzt; unterdurchschnittlicher Nutzungsgrad = rot Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Betrachtet man die Nutzungsabsichten der Angebote nach den Altersphasen, so zeichnet sich als Trend der Rückgang der Nutzungsabsichten mit zunehmendem Alter ab. Dieser Trend begründet sich auf dem Sachverhalt, dass die künftigen Senioren vorausschauend Nutzungsabsichten formulieren und die höheren Altersphasen ihren konkreten Bedarf an Serviceleistungen und ihre Möglichkeiten zur Finanzierung benennen können. In ihren Absichten überwiegen die Kenntnisse des realen Bedarfs gegenüber der Abschätzung wahrscheinlichen Verhaltens. Während bei sieben der acht Serviceangebote ein sukzessiver Rückgang der Nutzungsabsichten über Altersphasen hinweg sichtbar wird, bleiben diese bezogen auf die Nutzung einer Speiseversorgung bei den unter 85-Jährigen stabil bei 50 Prozent und sinken erst bei den über 85-Jährigen auf 37 Prozent ab. Das heißt auch in diesem Falle, dass zur Gewährleistung des selbstbestimmten Wohnens die Optionen zur Nutzung von Serviceangeboten offengehalten werden. Diese Nutzungsabsichten konkretisieren sich mit der Erfahrung des absehbaren bzw. realen Bedarfes (vgl. Abbildung 6.28). Abbildung 6.28: Beabsichtigte Nutzung von Angeboten des Service-Wohnens - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 80

60

40

75

70 73 63

73 72

66 56

61

57 48 40

57 46 38 37

53 41 32 31

53 45 34 27

49 49 50 37 28 20 10 14

20

0 Wohnungsreinigung Hausnotruf Pflegeangebote hauswirtschaftl. Leistungen handwerkliche Arbeiten Mobilitätshilfen Speisenversorgung kommunikative Betreuung

künft. Senioren 50-65 J.

junge Alte 65-75 J.

Alte im fortge. Alter 75-85 J.

Hochbetagte 85 J. u.ält.

* Differenz zu 100 Prozent = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Der nach Altersphasen betrachtete eindeutige Trend der Nutzungsabsichten bezogen auf Serviceangebote differenziert sich bei einer geschlechtsspezifischen Analyse (vgl. Abbildung 6.29). Hinsichtlich der Rangfolge der Nutzungsabsichten

139

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

besteht bei den ersten drei Positionen - Wohnungsreinigung, Hausnotruf, Pflegeangebote - Übereinstimmung. Während Frauen ihren Bedarf an handwerklichen Leistungen und Mobilitätshilfen einordnen, haben für Männer hauswirtschaftliche Leistungen und Speisenversorgung einen größeren Stellenwert. Ausgehend davon, dass Frauen über lebenslange Erfahrungen mit hauswirtschaftlichen Arbeiten und Speisenversorgung verfügen, sehen sie auf diesem Gebiet nur Bedarf nach Fremdleistungen bei ernsten eigenen Leistungseinschränkungen. Männer hingegen rücken Mobilitätshilfen und handwerkliche Arbeiten in ihrer Bedarfsfolge nach hinten (Berufserfahrungen, selbst Kraftfahrer). Auf kommunikative Betreuung gerichtete Nutzungsabsichten sind bei Frauen und Männern am geringsten, bei Frauen jedoch stärker als bei Männern ausgeprägt. Der Trend des Rückganges der Nutzungsabsichten im Altersverlauf differenziert sich nach den unterschiedlichen Lebenssituationen von Frauen und Männern im höheren Lebensalter. Während Männer überwiegend in Partnerhaushalten leben, die vielfach Ressourcen für einen Nachteilsausgleich auf Selbsthilfebasis mobilisieren können, führen Frauen im fortgeschrittenen Alter infolge der Singularisierung und Feminisierung einen Einpersonenhaushalt. Familiale Ressourcen zur Befriedigung von Hilfebedarf zu erschließen, ist meistens nur mit Hilfe der erwachsenen Kinder, aber häufig aufgrund räumlicher Trennung nur selten möglich. Abbildung 6.29: Beabsichtigte Nutzung von Angeboten des Service-Wohnens nach Geschlecht - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent 80 74 ! 60 72 ! 59 ! 52 ! 40 78 76 62 20 76 74 50 ! 49 ! 47 ! 40 66 55 65 59 48 38 65 45 31 31 60 49 32 25 71 69 68 66 57 45 39 37 48 48 50 38 32 22 9 0 W ohnungsreinigung Hausnotruf Pflegeangebote handwerkliche Arbeiten Mobilitätshilfen hauswirtschaftl. Leistungen Speisenversorgung kommunikative Betreuung 16 0 W ohnungsreinigung Hausnotruf Pflegeangebote hauswirtschaftl. Leistungen Speisenversorgung Mobilitätshilfen handwerkliche Arbeiten 25 ! 20 71 69 65 59 56 54 57 48 47 48 36 35 60 54 ! 51 ! 50 ! 42 ! 37 !

Frauen

80 70 ! 69 !

Männer

71

50 50 51 33

44 41 39 36

40

35 32

20 ! 28 23 17 12

6

kommunikative Betreuung

insgesamt

künft. Senioren 50-65 J.

junge Alte 65-75 J.

Alte im fortge. Alter 75-85 J.

Hochbetagte 85 J. u.ält.

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Von erheblicher Bedeutung für die Realisierung der Absichten zur Nutzung von Angeboten des Service-Wohnens ist der finanzielle Handlungsrahmen der Haushalte, um zusätzlich zur Miete bzw. den Wohnkosten noch Serviceleistungen finanzieren zu können. Die Spreizung der von ab 50-Jährigen angegebenen Ausgabegrößenklassen erstreckt sich von "dafür keine ausgabefähigen Mittel" bis zu "150 Euro und darüber". Insgesamt 8 Prozent haben in ihrem Haushaltsbudget keine Möglichkeiten, solche Ausgaben zu tätigen. Bis zu 20 Euro pro Monat würden 3 Prozent dieser Gruppe ausgeben. Jeweils ein knappes Viertel würden 20 bis unter 50 Euro bzw. 50 bis unter 100 Euro einsetzen können. 27 Prozent würden 150 Euro und mehr pro Monat für Serviceleistungen ausgeben. Diese Verteilung der ausgabefähigen Mittel differenziert sich sowohl nach Geschlecht und Altersphasen als auch nach der Höhe des Haushaltsnettoeinkommens wie folgt (vgl. Abbildung 6.30 und 6.31):   Frauen können häufiger als Männer nur Beträge unter 50 Euro pro Monat für Serviceangebote ausgeben. Während die Ausgabefähigkeit von künftigen Senioren und jungen Alten übereinstimmt bei Ausgaben bis unter 50 Euro, nehmen die künftigen Senioren mit größeren Möglichkeiten zu höheren Ausgaben für Serviceleistungen eine günstigere Position ein.  Die Alten im fortgeschrittenen Alter weisen den geringsten Anteil in den untersten Positionen (keine Ausgaben und bis zu 20 Euro) aus.

140

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 6.30: Volumen der zusätzlich zur Miete ausgabefähigen Mittel für Service-Wohnen pro Monat - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* insgesamt Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künftige Senioren 50 b.u. 65 Jahre junge Alte 65 b.u. 75 Jahre Alte im fortgeschr. Alter 75 b.u. 85 Jahre Hochbetagte 85 Jahre u. ält. 0 7 7 5
1

8

3

10

24

23

27

5

8 7 2

3 8

12 22

25 24

21

23 31

8 6

3 4 11 18

11 10 24 4 20 keine 100 b.u. 150 Euro

23 26 23 11 40 unter 20 Euro 150 Euro oder mehr

25 20 26 19 60 20 b.u. 50 Euro ohne Antw.

27 28 10 31 80 50 b.u. 100 Euro

4 5

17

100

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)



Von den Hochbetagten bekunden jedoch 18 Prozent, dass ihr Haushaltsbudget keine Ausgaben für Serviceleistungen zur Verbesserung der Bedingungen zum selbstbestimmten Wohnen gestattet. Da in dieser Gruppe 31 Prozent nicht geantwortet haben, ist noch von einer zusätzlichen verdeckten defizitären Situation auszugehen.



Die Polarisierung zwischen 21 Prozent mit keinen oder nur geringen Ausgabemöglichkeiten (bis unter 50 Euro) einerseits und jener Gruppe mit einem Ausgaberahmen von mehr als 100 Euro im Monat lässt sich im Zusammenhang mit der Höhe des Haushaltsnettoeinkommens noch genauer untersuchen. Vor allem bei Haushalten mit einem Haushaltsnettoeinkommen bis unter 1.000 Euro konzentrieren sich die größten Anteile ohne ausgabefähige Mittel für Serviceleistungen, darunter 12 Prozent der Einpersonenhaushalte.



Mit dem Anstieg der Haushaltsnettoeinkommen nehmen auch die Möglichkeiten zu, durch Ankauf von Serviceleistungen die eigenen Wohn- und Lebensbedingungen zu verbessern.

Abbildung 6.31: Für Service-Wohnen zusätzlich zur Miete ausgabefähige Mittel pro Monat nach Haushaltsnettoeinkommen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 100 9 23 22 60 4 5 25 24 20 22 3 0 unter 600 Euro 600 b.u. 1000 Euro 1000 b.u. 1500 Euro 1500 b.u. 2500 Euro 2500 b.u. 3500 Euro 50 b.u. 100 Euro ohne Antw. 3500 b.u. 5000 Euro 5000 Euro u.dar. 10 18 4 11 2 6
1

7 11 12 17

19

5 6 18

3 4

4 2

2
1

80

34 49 65

4 10 20

27 28

40

31 31 24 14 4 27 21 9
1 1

unter 20 Euro 150 Euro oder mehr

20 b.u. 50 Euro keine

100 b.u. 150 Euro

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

141

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Diese für die ab-50-Jährigen insgesamt zutreffende Differenzierung der Ausgabebereitschaft nach dem Haushaltsnettoeinkommen sollte schon wegen der Unterschiede der zufließenden Einkommensquellen bei Erwerbspersonen und im Ruhestand Befindlichen genauer betrachtet werden. Die folgende Tabelle 6.6 verdeutlicht, wie sich die Ausgabebereitschaft einerseits in Abhängigkeit vom Haushaltsnettoeinkommen und andererseits von der Realität des altersbedingt zunehmenden Bedarfs verändert. Tabelle 6.6: Bewertung des Volumens der monatlich zusätzlich zur Miete ausgabefähigen Mittel für Leistungen des Service-Wohnens nach Einkommensgrößenklassen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* für Service-Wohnen monatlich aufzubringende Mittel unter 20 Euro 3 3 11 4 2 1 20 b.u. 50 Euro 11 23 35 21 11 8 5 1 4 5 11 7 4 10 24 19 18 13 5 2 2 1 3 9 1 1 3 11 19 17 18 10 1 2 50 b.u. 100 Euro 23 17 19 31 30 26 18 10 26 20 26 35 34 22 8 4 24 52 12 33 28 20 5 13 4 1 7 6 6 17 85 17 17 20 13 13 10 16 16 12 10 34 54 77 100 25 5 16 8 16 27 31 39 30 11 100 b.u. 150 Euro 25 7 10 20 30 29 27 22 20 4 12 12 23 28 25 13 23 3 3 12 16 39 61 71 26 1 11 27 22 38 48 42 19 18 150 Euro oder mehr 27 8 4 7 18 28 42 64 28 keine ohne Antwort

Einkommensgrößenklassen der Haushaltsnettoeinkommen

künftige Senioren - 50 bis unter 65 Jahre insgesamt unter 600 Euro 600 b.u. 1.000 Euro 1.000 b.u. 1.500 Euro 1.500 b.u. 2.500 Euro 2.500 b.u. 3.500 Euro 3.500 b.u. 5.000 Euro 5.000 Euro u.dar. insgesamt unter 600 Euro 600 b.u. 1.000 Euro 1.000 b.u. 1.500 Euro 1.500 b.u. 2.500 Euro 2.500 b.u. 3.500 Euro 3.500 b.u. 5.000 Euro 5.000 Euro u.dar. insgesamt unter 600 Euro 600 b.u. 1.000 Euro 1.000 b.u. 1.500 Euro 1.500 b.u. 2.500 Euro 2.500 b.u. 3.500 Euro 3.500 b.u. 5.000 Euro 5.000 Euro u.dar. insgesamt unter 600 Euro 600 b.u. 1.000 Euro 1.000 b.u. 1.500 Euro 1.500 b.u. 2.500 Euro 2.500 b.u. 3.500 Euro 3.500 b.u. 5.000 Euro 5.000 Euro u.dar.
* der jeweils am häufigsten geplante Ausgabenumfang für Service-Wohnen - orange unterlegt Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

7 30 21 13 6 5 2 1 7 23 19 13 5 2 2 5 5 1 41 3 4 1 4

4 13 4 3 3 5 2 5 25 10 3 4 4 2 5 10 22 10 4 9 6 2 15 31 15 39 56 7 13

junge Alte - 65 bis unter 75 Jahre

Alte im fortgeschrittenen Alter - 75 bis unter 85 Jahre

Hochbetagte - 85 Jahre und älter

142

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Umzug in seniorengerechte Wohnbedingungen Neben der Anpassung der Wohnsituation an die altersbedingten Unterstützungsbedürfnisse spielen die Handlungsstrategien für einen Umzug in eine seniorengerechte Wohnung eine wichtige Rolle. Unter der seniorengerechten Wohnung wird allgemein eine barrierefreie Wohnung verstanden, die strukturell mit wahlweise seniorenorientierten nutzbaren Dienstleistungen vernetzt ist und bei Bedarf einen direkten Zugang zu ambulanten Pflegearrangements herstellen kann. Das kann entweder eine seniorengerechte Wohnung sein, für die der Vermieter durch Vernetzung mit seniorenorientierten Dienstleistern und Pflegediensten mit externen Kräften die Befriedigung der Wohnbedürfnisse älterer Mieter unterstützt oder eine Service-Wohnanlage sein, die entweder vertraglich gebunden oder mit eigenen Fachkräften solche Angebote vorhält. Für die weitere Lebensplanung der künftigen Nutzer dieser Angebote sind Informationen über die Wohnbedingungen, die Miet- und Betreuungspreise sowie die Vertragsgestaltung von vorrangiger Bedeutung. Nicht wenige Seniorinnen und Senioren orientieren sich auf einen Umzug im Bedarfsfall, wenn Treppensteigen schwer fällt oder Pflegebedürftigkeit auftritt. 65 Prozent der ab 50-Jährigen würden einen Wohnungswechsel als Problemlösung anstreben - 26 Prozent lehnen das ab und 9 Prozent haben nicht geantwortet. Im Vergleich dazu waren im Jahre 1998 von den ab 55-Jährigen in Steglitz nur 5 Prozent bereit, in eine seniorengerechte Wohnung umzuziehen und weitere 22 Prozent einen Umzug zu erwägen. Die sozialräumliche Differenzierung offenbart zwischen den Antworten aus den acht Bezirksregionen einen Unterschied von 10 Prozentpunkten. Während in den Bezirksregionen Schloßstraße und Albrechtstraße jeweils 69 Prozent der ab 50-Jährigen umziehen würden, um die Wohnbedingungen auf Mobilitätseinschränkungen bzw. Pflegeerfordernisse auszurichten, würden in der Bezirksregion Zehlendorf Nord 59 Prozent diesen Weg wählen (vgl. Abbildung 6.32a). Vor allem künftige Senioren, Mehrpersonenhaushalte und Migranten orientieren sich auf die Strategie des Umzugs bei eintretenden altersbedingten Einschränkungen oder Pflegebedürftigkeit. Im Gegensatz zu diesen Gruppen entscheiden sich Pflegebedürftige, Schwerbehinderte, ab 65-Jährige und Alleinlebende nur unterdurchschnittlich für eine solche Handlungsstrategie, um die durch Altersrisiken bedingten Nachteile auszugleichen (vgl. Abbildung 6.32b). Dafür gibt es im Allgemeinen zwei Gründe: Entweder haben diese Bürgerinnen und Bürger präventiv ihre Wohnbedingungen auf mögliche im Alter auftretende Wohnbedarfe ausgerichtet oder die aktuelle Wohnung verfügt über andere vorteilhafte Qualitätsmerkmale, mit deren Hilfe sie hoffen, bestimmte Defizite kompensieren zu können. In diesem Zusammenhang wird häufig auf stabile Nachbarschaften und die infrastrukturelle Ausstattung des Wohnumfeldes verwiesen. Abbildung 6.32a+b: Umzug im Bedarfsfall bei eintretender Mobilitätseinschränkung bzw. Pflegebedürftigkeit - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 1998/2008 - in Prozent 100 14 80 9 10 10 9 9 8 9 10 11

Migrat.hintergrund Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künft. Senioren 50-65 J. junge Alte 65-75 J. Alte im fortge. Alter 75-85 J. Hochbetagte 85 J. u.ält. 42 62 52 62 spezielle Gruppen Schwerbehinderte 55 61

69 65 64 72 30 30 35 25 22 26 24 28

25 11

6

15

26

21

21

28

27

23

28

28

8 21 15 23 13 26 12 7 9

30

60

26

40

18

65

69

69

63

64

69

63

62

59

Pflegebedürftige Haushaltsgröße 1 Person 2 Personen 3 Personen 4 u.m. Personen 0 20

20

15 7 5 insgesamt Steglitz 1998 insgesamt 2008 BR1 Schloßstraße BR3 BR2 LankAlbrechtstraße 1998 witz BR5 BR4 Ostpreu- Teltower ßendamm Damm 2008 BR8 BR7 BR6 Drake- Zehlendorf Zehlendorf Nord Südwest straße straßestraße

66 66 75 40 60

27 25 18 80

7 9 7 100

0

witz

ßendamm nein

Damm

straße

Südwest

Nord

ja

wahrscheinlich

kann schon sein

unwahrscheinlich

weiß nicht

ohne Antw.

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 1998 und 2008 (gew.)

Von denen - zusammen 31 Prozent -, die einen Umzug aus Altersgründen ablehnen, sind 14 Prozent der Meinung, dass sie nicht umziehen möchten und 17 Prozent denken, dass ihre bisherige Wohnung Pflegeansprüchen genügt. Jedoch 69 Prozent haben die Frage nicht beantwortet, was darauf schließen lässt, dass sie sich mit der Problematik noch nicht

143

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

konsequent oder nur ungenügend beschäftigt haben. Die konsequente Ablehnung eines Umzuges wird am häufigsten in den Bezirksregionen Zehlendorf Nord, Drakestraße und Ostpreußendamm vertreten; am seltensten in den Bezirksregionen Albrechtstraße und Schloßstraße. Darüber hinaus bestätigen in den Bezirksregionen Drakestraße und Zehlendorf Südwest jeweils 20 Prozent, wegen Mobilitätseinschränkungen oder Pflegebedürftigkeit nicht umziehen zu müssen, weil die Wohnung Pflegeansprüchen entspricht. Diese Ansicht wird in der Bezirksregion Teltower Damm am seltensten geäußert (vgl. Abbildung 6.33). Abbildung 6.33: Ablehnung eines Umzuges wegen eintretender Mobilitätseinschränkung bzw. Pflegebedürftigkeit nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent 100

80 69 60 73 73 70 66 63 74 68 67

40 17 20 14 0 insgesamt BR1 Schloßstraße nein, möchte nicht BR2 Albrechtstraße BR3 Lankwitz BR4 Ostpreußendamm BR5 Teltower Damm BR6 Drakestraße BR7 BR8 Zehlendorf Zehlendorf Südwest Nord ohne Antw. 16 14 19 14 15 12 17 20 20 12 14

16 11

17 10

19

nein, meine Wohnung genügt Pflegeansprüchen

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Einen Umzug im höheren Alter zu vermeiden, ist vor allem das Ziel der ab 65-Jährigen und der Pflegebedürftigen, auch mehr Männer als Frauen würden die damit verbundenen Belastungen lieber umgehen. Mehr als zwei Drittel haben diese Frage nicht beantwortet (vgl. Abbildung 6.34). Abbildung 6.34: Ablehnung eines Umzuges wegen eintretender Mobilitätseinschränkung bzw. Pflegebedürftigkeit - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent Migrat.hintergrund Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künft. Senioren 50 b.u.65 J. junge Alte 65 b.u.75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u.85 J. Hochbetagte 85 J. u.ält. spezielle Gruppen Schwerbehinderte Pflegebedürftige Haushaltsgröße 1 Person 2 Personen 3 Personen 4 u.m. Personen 0 19 14 14 12 15 17 17 12 12 13 14 18 10 14 19 26 20 19 28 17 18 13 10 20 40 ja Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.) nein 80 60 ohne Antw. 80 100 70 68 69 69 60 63 13 16 18 68 70 68 74 66 57

Hingegen alle, die den Umzug als mögliche Problemlösungsstrategie ansehen, wählen sehr genau zwischen den auf dem Wohnungsmarkt angebotenen Qualitäten zur Aufrechterhaltung selbstbestimmten Wohnens, und nur eine verschwindende Minderheit von 1 Prozent würde ein Einwohnen bei den erwachsenen Kindern als mögliche Alternative
144

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

betrachten. Wenn aufgrund von Mobilitätseinschränkungen oder Pflegebedürftigkeit ein Umzug sich als günstige Problemlösung erweist, dann wollen 10 Prozent der ab 50-Jährigen wieder eine Normalwohnung, aber mit besserer Eignung, wählen, 22 Prozent würden sich auf eine seniorengerechte Wohnung orientieren und für 24 Prozent käme eine Service-Wohnanlage in Frage. 6 Prozent können sich zwischen einer seniorengerechten Wohnung und einer ServiceWohnanlage noch nicht entscheiden (36 Prozent = ohne Antwort). Ein Vergleich zu den Befragungsergebnissen des Jahres 1998 (Wohnwünsche der ab 55-Jährigen aus Steglitz) unterstreicht den Wandel der Wohnbedürfnisse für das Alter (vgl. Abbildung 6.35). Abbildung 6.35: Bei Umzug wegen eintretender Mobilitätseinschränkung bzw. Pflegebedürftigkeit bevorzugte Wohnung nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 1998/2008 - in Prozent* 100% 5 3 2 7 4

80%

36

31 2 4 19

31

40

35

30 41
1

41

41

60%

6 24 76

1

5 5 25 25
1

1

6 27

1

7 4 28 22
1 1

8 24

4 10 18

40%

28 20% 22 10 0% insg. Steglitz 1998 2008: 1998: insg. 2008 BR1 Schloßstraße 15

26 21 13 BR2 Albrechtstraße 9 BR3 Lankwitz 22 9

23 9

23 9 BR6 Drakestraße

19 7

18 9

BR4 BR5 Ostpreu- Teltower ßendamm Damm

BR7 BR8 Zehlend. Zehlend. Südwest Nord

ja, Normalwohnung entw. sen-ger. Whng. o.Servicewohnanl. bisherige Wohnung Senioren-/Pflegeheim

ja, seniorengerechte Whng. ja, Whng. d. Kinder altengerechte Wohnung andere Wohnform

ja, Service-Wohnanlage ohne Antw. W-haus f.ältere Bürger ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 1998 und 2008 (gew.)

Die sozialräumliche Verteilung der genannten Umzugsalternativen bestätigt für die Bezirksregionen Schloßstraße und Albrechtstraße ein bevorzugtes Votum für den Umzug in eine Normalwohnung bzw. in eine seniorengerechte Wohnung. Vor allem in den Bezirksregionen Ostpreußendamm und Teltower Damm fällt die Wahl am häufigsten auf eine ServiceWohnanlage. Hingegen in der Bezirksregion Zehlendorf Nord offenbaren sich die geringsten Ambitionen, bei Mobilitätseinschränkungen oder Pflegebedürftigkeit in eine seniorengerechte Wohnung bzw. in eine Service-Wohnanlage umzuziehen. Mehr als ein Drittel der ab 50-Jährigen haben diese Frage nicht beantwortet (vgl. Abbildung 6.36). Abbildung 6.36: Bei Umzug wegen eintretender Mobilitätseinschränkung bzw. Pflegebedürftigkeit bevorzugte Wohnung - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Migrat.hintergrund Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u. ält. spezielle Gruppen Schwerbehinderte Pflegebedürftige Haushaltsgröße 1 Person 2 Personen 3 Personen 4 u.m. Personen 0 ja, Normalwohnung entw. sen.ger. Whng. o. Servicewohnanl. 11 9 13 13 20 21 23 22 30 40 25 25 19 13 6 6 60 ja, seniorengerechte Whng. ja, Whng. d. Kinder 6 6
1

19 9 12 14 7 3 7 8 8 17 5 14 22 23 22 22 23

18

11 26 21

3

8 7 5
1 1

41 35 38 7 6
1 1

26 28 29 5 5 24 18

21 3
1

31 36 47

64 7 7 2
1

39 44 35 36 39 4 80 ohne Antw. 34 100 ja, Service-Wohnanlage

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

145

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Neben den möglichen Umzugsgründen liegen den Erwägungen, in eine seniorengerechte Wohnung oder ServiceWohnanlage umzuziehen, noch weiterführende Motive zugrunde, die auf die Verbesserung der individuellen Lebensqualität insgesamt gerichtet sind. Die Rangfolge der Motive für einen Umzug in eine seniorengerechte Wohnung lässt erkennen, dass der Bezahlbarkeit einer solchen Wohnung von den ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf höchste Priorität eingeräumt wird - 78 Prozent halten diesen Sachverhalt für wichtig, darunter 56 Prozent für sehr wichtig. Für 64 Prozent (darunter 25 Prozent - "sehr wichtig") ist der wichtigste Beweggrund für einen Umzug im höheren Lebensalter, günstige Bedingungen für eine absehbare Pflegesituation zu schaffen. Immerhin 62 Prozent der Probanden (30 Prozent - "sehr wichtig") verbinden mit ihrer Umzugsstrategie auch Hoffnungen und Wünsche nach Zugewinn an Lebensqualität. Die Verbesserung der häuslichen Pflege ist für 19 Prozent sehr wichtig und für weitere 37 Prozent wichtig. Für 44 Prozent (darunter 19 Prozent - "sehr wichtig") spielt eine mögliche Entlastung in der Hauswirtschaft eine wichtige Rolle bei der Entscheidung bezüglich eines Umzugs. Ingesamt 38 Prozent (darunter 13 Prozent - "sehr wichtig") unterstreichen die Bedeutung eines Umzugs für die Gewinnung von mehr sozialen Kontakten. Diese von den ab 50-Jährigen getroffenen Bewertungen der Umzugsmotive zeigen keine nennenswerten Abweichungen in der Beurteilung derselben durch Probanden mit Migrationshintergrund (vgl. Abbildung 6.37). Abbildung 6.37: Rangfolge der Motive für den Umzug in eine seniorengerechte Wohnung - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* - (Rangfolge nach: "sehr wichtig" und "wichtig")

die Bezahlbarkeit einer seniorengerechten Wohnung günst. Bedingungen für eine absehbare Pflegesituation Zugewinn an Lebensqualität Verbesserung der häuslichen Pflege Entlastung in der Hauswirtschaft mehr soziale Kontakte zu finden 0 13 19 25

56

22

6

21

13

39

15

31

17

30

32

15

4 1

18

37

17

5 1

21

19

25

30

8

1

17

25

29

12

2

19

20 sehr wichtig wichtig

40 teilweise

60 unwichtig

80 sehr unwichtig ohne Antw.

100

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Wesentliche Differenzierungen in der Wertigkeit der Umzugsmotive werden nach Geschlecht und Altersphasen sowie nach Pflegebedürftigkeit und Schwerbehinderung erkennbar:  Die Bezahlbarkeit der seniorengerechten Wohnung wird viel häufiger von Frauen als von Männern als sehr wichtig für ihre Entscheidung bewertet. Am stärksten wird dieses Motiv von den Frauen und Männern im Vorrentenalter hervorgehoben. Im Altersverlauf verliert dieses Motiv an Wichtigkeit, es ist aber bei hochbetagten Frauen noch mehr als doppelt so stark ausgeprägt wie bei Männern dieser Altersjahre.  An günstigen Bedingungen für eine absehbare Pflegesituation äußern sich mehr Frauen (28 Prozent) als Männer (21 Prozent) interessiert. Während dieses Umzugsmotiv bei Frauen im Altersverlauf nachlässt, zeigt es bei Männern im Altersverlauf eine ansteigende Tendenz. Bei den ab 85-Jährigen unterstreichen um 10 Prozentpunkte mehr Männer als Frauen die Wichtigkeit dieses Beweggrundes für einen Umzug in eine seniorengerechte Wohnung.  Mehr Frauen (34 Prozent) als Männer (25 Prozent) verbinden mit einem solchen Umzug den Wunsch nach Zugewinn an Lebensqualität ganz allgemein. Während bei Männern im Altersverlauf dieses Motiv an Gewicht verliert, betonen nicht nur die künftigen Seniorinnen (41 Prozent), sondern auch die hochbetagten Frauen im fortgeschrittenen Alter (31 Prozent) die Vorrangigkeit dieses Umzugsmotivs.
146

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 6.38a+b: Motive für den Umzug in eine seniorengerechte Wohnung - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Bezahlbark. d. seniorengerecht. Wohnung Frauen insg. 55 b.u. 65 J. 65 b.u. 75 J. 75 b.u. 85 J. 85 J. u.älter günstige Bed. f. absehb. Pflegesi. Frauen insg. 55 b.u. 65 J. 65 b.u. 75 J. 75 b.u. 85 J. 85 J. u.älter Zugewinn an Lebensqualität Frauen insg. 55 b.u. 65 J. 65 b.u. 75 J. 75 b.u. 85 J. 85 J. u.älter 0 34 41 31 17 31 20 25 16 40 31 15 9 2 3
1

Frauen

61 67 61 47 43 12 18 3 22
1

19 20 20
1

4 2

1

5 4 2 30 35
1

13 2 6 12

6

Bezahlbark. d. seniorengerecht. Wohnung Männer insg. 55 b.u. 65 J. 65 b.u. 75 J. 75 b.u. 85 J. 85 J. u.älter günstige Bed. f. absehb. Pflegesi.

Männer

50 53 49 42 20 16 5 3 25

25 27 24 6 56 3
1

9 9

3 9 3
1

1

12 3
1

7

14 23

28 31 29 24 17 35

37 41 35 28 6 7 5
1

14 13 3

3 17
1

1

17 2 19

9

37 40

Männer insg. 55 b.u. 65 J. 65 b.u. 75 J. 75 b.u. 85 J. 85 J. u.älter Zugewinn an Lebensqualität

21 20 23 15 27 34 17

41 44 39 16 4
2 1

18 19 17 50

5 5 34
1

1

5

1

14 11 15

31 35 14

13 3

3

1

12 40 41 80

18 2 21
1

9

Männer insg. 55 b.u. 65 J. 65 b.u. 75 J. 75 b.u. 85 J. 85 J. u.älter
100

25 29 23 13 12 0 31 17 20 8 3 31

34 36 15 40 60 17 7

17 17 8 60

6 2

1

17 5
1

12 19

34 80 100

60

sehr wichtig

wichtig

teilweise

unwichtig

sehr unwichtig

ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)



Relativ übereinstimmend sehen sich Frauen und Männer bei Möglichkeiten zur Verbesserung der bestehenden häuslichen Pflegesituation zu einem Umzug motiviert. Vor allem hochbetagte Männer zeigen eine höhere Umzugsbereitschaft als Frauen dieser Altersjahre.



Die Entlastung in der Hauswirtschaft wird von mehr Frauen (21 Prozent) als Männern (16 Prozent) als sehr wichtiger Umzugsgrund genannt. Da Männer überwiegend in Partnerschaften leben, entspricht Hauswirtschaft den typischen Frauenrollen. Frauen erkennen in den Serviceangeboten, die in seniorengerechten Wohnungen bzw. Service-Wohnanlagen offeriert werden, für sich die Möglichkeit, eine wahlweise und bedarfsgerechte Entlastung zu realisieren.



Wesentlich mehr Frauen und mit zunehmendem Alter ansteigend als Männer erkennen die Chance, durch mehr soziale Kontakte präventiv sozialer Isolierung im Alter entgegenzuwirken. Vor allem bei ab 75-Jährigen liegt die Ausprägung von "sehr wichtig" und "wichtig" für dieses Motiv mehr als doppelt so hoch wie bei den Männern.

Abbildung 6.39a+b: Motive für den Umzug in eine seniorengerechte Wohnung - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Frauen
Verbesserung der häuslichen Pflege Frauen insg. 55 b.u. 65 J. 65 b.u. 75 J. 75 b.u. 85 J. 85 J. u.älter Entlastung v on der Hauswirtschaft Frauen insg. 55 b.u. 65 J. 65 b.u. 75 J. 75 b.u. 85 J. 85 J. u.älter mehr soziale Kontakte Frauen insg. 55 b.u. 65 J. 65 b.u. 75 J. 75 b.u. 85 J. 85 J. u.älter 0 15 17 17 12 10 25 28 25 17 18 20 19 16 40 11 8
1

Verbesserung der häuslichen Pflege

Männer

22 27 24 8 18 25 23

34 39 34 17 14

16 14 4
1 7

4 16 3 2 45
1

23 5
1

12

23 38

Männer insg. 55 b.u. 65 J. 65 b.u. 75 J. 75 b.u. 85 J. 85 J. u.älter Entlastung v on der Hauswirtschaft

21 20 23 15 27 34 17

41 44 39 16 4 2 1

18 19 17 50

5 5 34
1

1

5

1

14 11 15

21 19 24 16 33

22 25 22 17 11 30 22

32 35 30 2 2
1

7 5
1

1

17 10
1

10 18

35 31

Männer insg. 55 b.u. 65 J. 65 b.u. 75 J. 75 b.u. 85 J. 85 J. u.älter mehr soziale Kontakte

16 15 17 13 20

28 29 26 34 15

29 33 27 17 10 2

10 11 5 53

1

16
1

11 2 31

11 17

27 32 26
1

10 11

2 11 2 43 44 80

21 2 10 19

Männer insg. 55 b.u. 65 J. 65 b.u. 75 J. 75 b.u. 85 J. 85 J. u.älter

9 11 8 4 5 0 16 7 8

24 26 25 14 20 28 3 40

31 33 31 15 60 2 63

15 14

2 16 2 35 80

19 2 20 12

60

100

100

sehr wichtig

wichtig

teilweise

unwichtig

sehr unwichtig

ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

147

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die Motivation für einen Umzug in eine seniorengerechte Wohnung verändert sich gegenüber den ab 50-jährigen Frauen und Männern insgesamt bei Bestehen eines erhöhten Altersrisikos entweder durch Schwerbehinderung, Pflegebedürftigkeit oder auch durch das Alleinleben. Folgende vom Durchschnitt abweichende Motive lassen sich bei diesen Gruppen erkennen (vgl. Abbildung 6.40a und 6.40b):  Schwerbehinderte, pflegebedürftige und allein lebende Frauen und Männer stellen wie die ab 50-Jährigen insgesamt die Bezahlbarkeit einer seniorengerechten Wohnung an die Spitze ihrer Erwägungen eines Umzuges. Bei den Männern dieser Gruppen liegt die Ausprägung der Wichtigkeit leicht über dem Durchschnitt.  Besonders pflegebedürftige Frauen und schwerbehinderte Männer orientieren ihre Umzugsabsichten überdurchschnittlich an günstigen Bedingungen für eine absehbare Pflegesituation. Abbildung 6.40a+b: Motive für den Umzug in eine seniorengerechte Wohnung nach erhöhtem Altersrisiko - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Frauen
Bezahlbarkeit der seniorengerechten W ohnung Frauen insgesamt Schwerbehinderte Pflegebedürftige Alleinlebende Frauen insgesamt Schwerbehinderte Pflegebedürftige Alleinlebende Frauen insgesamt Schwerbehinderte Pflegebedürftige Alleinlebende Frauen insgesamt Schwerbehinderte Pflegebedürftige Alleinlebende Frauen insgesamt Schwerbehinderte Pflegebedürftige Alleinlebende Frauen insgesamt Schwerbehinderte Pflegebedürftige Alleinlebende
22 23 26 21 21 25 20 17 15 18 20 16 22 16 15 28 27 30 61 58 61 61 37 28 35 31 31 27 34 34 33 Frauen 19 18 15 18 14 3 2
1 1

2

2
1

4 4

21 21

19 20

13 14

günstige Bedingungen für absehbare Pflegesicherung
35 34 11 3
1 1 1

15 12

4

17 24 21 19 18 24 27 22 23 26 28 23

Zugewinn an Lebensqualität
34 33 33 44 21 10 7 15 16 12 10 16 32 2 13
1

2 3 4
1

3

1

Verbesserung der häuslichen Pflege
1

35

4
1

6

1

Entlastung in der Hauswirtschaft
19 25 25 22 29 34 4 2 7 7
1 1

24 40

17 19

1

mehr soziale Kontakte
25 29 27 23 27 23 8 10 10
1

2 5 2

21 25 23 23

M änner
Bezahlbarkeit der seniorengerechten W ohnung Männer insgesamt Schwerbehinderte Pflegebedürftige Alleinlebende Männer insgesamt Schwerbehinderte Pflegebedürftige Alleinlebende Männer insgesamt Schwerbehinderte Pflegebedürftige Alleinlebende Männer insgesamt Schwerbehinderte Pflegebedürftige Alleinlebende Männer insgesamt Schwerbehinderte Pflegebedürftige Alleinlebende Männer insgesamt Schwerbehinderte Pflegebedürftige Alleinlebende 0 sehr wichtig
9 9 13 21 24 21 18 25 24 24 21 20 18 37 27 26 27 25 24 21 21 50 Frauen 54 52 51 41 34 39 34 33 17 32 41 22 19 28 29 2
1

25

23 21 26 18
1

9

9 6 5

3
2 1

1

2 2 2 5

12 14 16 14 14

günstige Bedingungen für absehbare Pflegesicherung
1

23

22

17 3 17 17

3 5

1

30
1

21 20

Zugewinn an Lebensqualität
15 20 6 3 16 18 18 6 5 5

6
1

1

39
1

21

17

20 5
1

Verbesserung der häuslichen Pflege
14 10 38 19 4 4 2 8
1 1 1

36

24 26 21 19

14

Entlastung in der Hauswirtschaft
15 16 14 17 23 15 31 11 27 3 3 9 2 40 2
1

31

mehr soziale Kontakte
3 17 22 31 13 14 15 3 44 25 19

22

20 wichtig

40 teilweise unwichtig

60 sehr unwichtig

80 ohne Antw.

100

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

148

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008



Gegenüber dem Durchschnitt (34 Prozent) erwarten wesentlich mehr pflegebedürftige Frauen (44 Prozent) durch einen Umzug in eine seniorengerechte Wohnung einen Zugewinn an Lebensqualität. Pflegebedürftige Männer hingegen messen diesem Umzugsmotiv vergleichsweise nur im geringen Maße Wichtigkeit bei.



Die Verbesserung der Bedingungen für eine bereits bestehende häusliche Pflegesituation gehört häufiger zu den Umzugsoptionen von pflegebedürftigen und schwerbehinderten Frauen als Männern.



Die Entlastung in der Hauswirtschaft wird am häufigsten von schwerbehinderten Frauen angestrebt. Für schwerbehinderte und pflegebedürftige Männer kommt diesem Motiv nur unterdurchschnittliche Bedeutung zu, da ihre hauswirtschaftliche Versorgung überwiegend innerhalb von Partnerschaften gewährleistet ist.



Die Bedeutung sozialer Kontakte für das eigene Wohlbefinden wird aufgrund der vielfach diesbezüglich defizitären Lebenssituation von pflegebedürftigen und schwerbehinderten Frauen sowie von allein lebenden Männern und Frauen als sehr wichtiges Motiv für den Umzug in eine seniorengerechte Wohnung bzw. Service-Wohnanlage bewertet.

Wohnalternativen bei Pflegebedürftigkeit Neben barrierefreien Wohnungen nach DIN 18025 Teil 1 und 2 sowie durch Wohnraumanpassung nach § 52 SGB XI haben sich in den letzten 10 bis 15 Jahren unterschiedliche Wohnalternativen bei eintretendem Hilfebedarf oder Pflegebedürftigkeit herausgebildet, die daran orientiert sind, stationäre Pflege zu vermeiden bzw. diese soweit wie möglich zu verzögern. Dazu gehören u.a.: Bei der Wohnform mit hauswirtschaftlichen Serviceangeboten kann es sich entweder um eine ortsübliche Normalwohnung bzw. eine barrierefreie Wohnung im Wohnbestand handeln, die den Bewohnern über ein Angebotsmanagement Zugang zu Dienstleistungen ermöglicht, oder um eine Wohnung in einer Service-Wohnanlage, in der die Bewohner wahlweise bedarfsgerechte Dienstleistungen in Anspruch nehmen können. Die Verbindung des Wohnens in einer Normalwohnung mit Versorgung durch einen Pflegedienst kann sowohl selbst organisiert als auch durch eine Koordinierungsstelle oder vom Vermieter angeboten werden. Service-Wohnanlagen bieten überwiegend Wohnformen mit Service- und ambulanten Pflegeangeboten. Dabei existieren sowohl Angebote, wo diese Wohnanlagen diese Dienste mit externen Kräften erbringen als auch mit eigenem Personal agieren. Durch ihre Vernetzung mit anderen seniorenorientierten Diensten und Altenhilfeträgern öffnen sich den Bewohnerinnen und Bewohnern Zugänge zu sozialer Kommunikation, zu Serviceleistungen und ambulanter Pflege und auch Alternativen bei eintretender Schwerpflegebedürftigkeit. Ambulant betreute Wohngemeinschaften älterer Menschen begründen sich zumeist auf übereinstimmendem Hilfe- oder Pflegebedarf der teilnehmenden Personen, die einen gemeinschaftlichen Haushalt führen, ihr Zusammenleben am familialen Alltag orientieren und sich nach dem Maße der Erfordernisse externe Betreuung organisieren. So können private Dienstleister und ambulante Pflegedienste das selbstbestimmte Leben der Bewohner/-innen unterstützen und deren Verbleib in der Wohngemeinschaft so lange wie möglich aufrechterhalten. Eine solche Wohngemeinschaft mietet oder kauft sich zu diesem Zwecke eine barrierefreie Wohnung bzw. ein Haus im angestammten Wohnquartier, damit eine gute Chance für gesellschaftliche Teilhabe der Bewohner/-innen besteht. Eine Gemeinschaftswohnung für Pflegebedürftige wird als Alternative zum Leben im Pflegeheim angesehen. Dieses Angebot orientiert sich vorrangig an den Bedürfnissen von demenziell Erkrankten. Ihre Besonderheit gegenüber einer herkömmlichen Wohngemeinschaft erwächst aus den spezifischen Betreuungs- und Pflegebedarfen dieser Klientel. Dieses Angebot wird in der Regel von Pflegediensten oder freien Trägern entwickelt. Sie setzen sich das Ziel, die Alltagskompetenzen der Bewohner/-innen zu erhalten bzw. wieder zu gewinnen, das körperliche und psychische Befinden der Bewohner/-innen in der Gemeinschaft zu stabilisieren und zu verbessern.

149

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Ambulant betreute Hausgemeinschaften führen Pflegebedürftige mit demenzieller Erkrankung und unterschiedlicher Schwere zusammen und bieten bedarfsgerechte Betreuung der Bewohner/-innen auch im Falle erforderlicher Nachtpflege an. Senioren-Selbsthilfe-Wohngemeinschaften knüpfen vom Konzept her am Selbsthilfepotenzial älterer Menschen an. Dabei wird so lange wie möglich die Nachbarschaftshilfe vor fremde Dienstleistungen gestellt. Diese Selbsthilfeprojekte gründen sich mehrheitlich auf private Initiativen und werden als solche eher zufällig öffentlich bekannt. Im Unterschied zu Pflegewohngemeinschaften, die überwiegend untereinander fremde Personen zusammenführen, bilden SelbsthilfeWohnprojekte Wahlgemeinschaften, die auf längerfristige Bekanntheit der Teilnehmer/-innen und gemeinsamen Vorstellungen über das Zusammenleben im Alter begründet sind. Die den ab 50-jährigen Befragungsteilnehmern zur Auswahl gestellten Wohnangebote bei eintretender Pflegebedürftigkeit haben viele von ihnen zu Mehrfachantworten inspiriert. Das ist insofern verständlich, da die überwiegende Mehrheit eine diesbezüglich vorausschauende Meinung äußert. Die Mehrheit (65 Prozent) von ihnen hat für den Verbleib in der Normalwohnung und vertragliche Bindung eines ambulanten Pflegedienstes votiert. 41 Prozent wollen dieser Situation vorerst mit der Nutzung von hauswirtschaftlichen Serviceangeboten in ihrer angestammten Wohnung begegnen. Eine seniorengerechte Wohnung entweder im Wohnbestand oder in einer Service-Wohnanlage mit Zugang zu Hilfe und ambulanter Pflege stellen sich 37 Prozent als Problemlösung vor. Für 34 Prozent empfiehlt sich eine barrierefreie Wohnung, und 27 Prozent wollen durch Wohnraumanpassung ihre Wohnung für ein Pflegearrangement geeignet machen. Eine Senioren-Selbsthilfe-Wohngemeinschaft können sich 20 Prozent der Probanden als Wohnalternative bei eintretender Pflegebedürftigkeit vorstellen. Für eine ambulant betreute Wohngemeinschaft würden sich 15 Prozent entscheiden, und 14 Prozent sehen in einer stationär betreuten Hausgemeinschaft ihre Alternative zum Leben in einem Pflegeheim. Immerhin 7 Prozent würden bei hohem Pflegebedarf sich für ein Pflegeheim entscheiden. Die Betreuung in einer Pflegewohngemeinschaft würden bei Bedarf 6 Prozent der Befragten wählen. Die Meinungen der Probanden mit Migrationshintergrund stimmen im Wesentlichen mit denen aller Befragten überein, allerdings melden sie häufiger einen Bedarf nach einer barrierefreien Wohnung oder nach Wohnraumanpassung an, um bei eintretender Pflegebedürftigkeit in ihrer Wohnung verbleiben zu können (vgl. Abbildung 6.41). Abbildung 6.41: Angestrebte Wohn- und Betreuungsform bei Eintritt von Pflegebedürftigkeit - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* - (nur Antwort: '"trifft zu")
Normalwohnung mit Pflege Seniorenwohnung mit wirtschaftlichen Serviceangeboten Seniorenwohnung mit Service und ambulanter Pflege barrierrefreie Wohnung Wohnungsanpasssung Senioren-SelbsthilfeWohngemeinschaft ambulant betreute Wohngemeinschaft stationär betreute Hausgemeinschaft Pflegeheim Pflegewohngemeinschaft 80 60 40 20 insgesamt * Mehrfachantworten möglich Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.) 65 41 37 34 27 20 15 14 7 8 19 17 16 31 35 33 41 65

6 6 0 20 40 60 80

mit Migrationshintergrund

150

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Nennenswerte geschlechtsspezifische Unterschiede (mehr als 2 Prozent) lassen sich in dieser Frage nur in drei Positionen feststellen. Mehr Männer als Frauen neigen dazu, auftretender Pflegebedürftigkeit in ihrer Normalwohnung mit Unterstützung durch einen Pflegedienst zu begegnen bzw. eine seniorengerechte Wohnung mit hauswirtschaftlicher Hilfe zu nutzen. Mehr Frauen als Männer votieren für eine Senioren-Wohnanlage mit Service und ambulanter Pflege (vgl. Abbildung 6.42). Abbildung 6.42: Angestrebte Wohn- und Betreuungsform bei Eintritt von Pflegebedürftigkeit nach Geschlecht - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* - (nur Antwort: '"trifft zu")
Normalwohnung mit Pflege Seniorenwohnung mit wirtschaftlichen Serviceangeboten Seniorenwohnung mit Service und ambulanter Pflege barrierrefreie Wohnung Wohnungsanpasssung Senioren-SelbsthilfeWohngemeinschaft ambulant betreute Wohngemeinschaft stationär betreute Hausgemeinschaft Pflegeheim Pflegewohngemeinschaft 80 60 40 20 weiblich 63 40 39 33 26 21 16 14 7 7 0 7 6 20 männlich 40 60 80 19 14 15 42 35 35 28 67

* Mehrfachantworten möglich Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Wie schon in anderem Zusammenhang ausgeführt, verändern sich die vorausschauenden Handlungsstrategien im Altersverlauf in dem Maße, wie aus Hypothesen aufgrund der Konfrontation mit real auftretenden Bedarfen in der eigenen Familie, im Freundeskreis oder in der Nachbarschaft die Erfahrung von Altersrisiken zunimmt bzw. individuelle Entscheidungen zur Problemlösung notwendig werden. Während künftige Senioren und junge Alte im Wesentlichen übereinstimmend mit ihren Aussagen die gleiche Rangfolge der zu wählenden Wohnform bei eintretender Pflegebedürftigkeit festlegen, nehmen die Bewertungen der Älteren bedarfsorientierte Korrekturen in dieser Rangfolge vor. Bei den Alten im fortgeschrittenen Alter gewinnen Senioren-Wohnanlagen mit hauswirtschaftlichem Service und ambulanter Pflege, stationär betreute Hausgemeinschaften und Pflegewohngemeinschaften an Bedeutung und ambulant betreute Wohngemeinschaften und Senioren-Selbsthilfe-Wohngemeinschaften verlieren an Zuspruch, vor allem weil diese Wohnformen nach Meinung der Befragten den auftretenden Pflegebedarfen nicht mehr optimal entsprechen können. Von den Hochbetagten werden auch barrierefreie Wohnungen bzw. Wohnraumanpassungen allein als nicht mehr ausreichendes Angebot bei Pflegebedürftigkeit beurteilt. Sie votieren für eine Wohnanlage mit Zugang zu Service und Pflege und viel häufiger als in jüngeren Jahren für ein Pflegeheim als empfehlenswerte Wohnform (vgl. Abbildung 6.43a und 6.43b). Potenzielle Nutzer dieser Wohnangebote - wie Schwerbehinderte, Pflegebedürftige oder auch Alleinlebende - konkretisieren die Bedarfe auf der Basis eigener Erfahrungen. Dabei wird deutlich, dass einige Wohnangebote zwar auch bei ihnen hoch im Kurs stehen, aber dennoch den konkreten Bedarfen offensichtlich nicht mehr genügen. Die Verschiebung der Nutzungsabsichten und der Bedarfe wird durch einen Vergleich der Bewertungen dieser Wohnangebote durch künftige Senioren und junge Alte einerseits und durch Schwerbehinderte, Pflegebedürftige und Alleinlebende andererseits erkennbar.

151

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 6.43a+b: Angestrebte Wohn- und Betreuungsform bei Eintritt von Pflegebedürftigkeit nach Altersphasen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* - (nur Antwort: "trifft zu")
80 künftige Senioren junge Alte

60

40 63 20 46 41 41 30 29 20 0 80 17 9 5 68 40

36

30

27 15 12 12 5 6

t t . . l. l. g G G G G n. n. im im ge af ge af rv rv ng ng ng Pf Pf ei ei un W W le le -W -W ch ch he he su su nu b. b. Se Se hn Hochbetagte em Pf Pf te te em m m Alteohim fortgeschrittenen Alter ge ns ns rt. rt. as as ge ilfe ilfe o u u i i it it ei ei .a .a sg sg w w th th W W re re fle fle np np m m s rv rv a a P P et au et au us us bs em em ie ie lb n. n. gs gs Se Se el tb tb ha ha .H .H ng ng fre fre oh oh Se -S un un g. g. g. g. an rtr an rtr w w oh noh re re en al al ul ul hn hn hn hn hn hn w w ie ie be be re b b o o m 60 m o or r r rr rr W W W W ge ge W W ni ni or or n. n. n. n. am onä am onä le le ba ba N N Se Se Pf Pf ti ti Se Se Se Se ta ta s s

40 68 53 20 25 0
ge fle

29

31 22 17 7 8 10 1 12

26 17 14 3 7 12 1

19

ft l. ft l. g g v. v. n. n. G G G G im im ge ng ng Pf Pf ei ei ha er ha er un un W W W W le he su su he b. b. m m e .S e .S eesc sc hn hn P Pf as as ge ge ilf ilf in ut ut in irt irt ge ge it it am Wo am Wo h h e e fle np np fle m v. m v. us us tre tre sw sw st st r r P P a a u u em em ie ie lb sa lb sa n. n. be be Se Se ha ha .H .H ng ng fre ng fre ng oh oh Se Se nt nt g. g. g. g. rtr rtr w w nnoh la oh la nu nu re re al al hn hn hn hn re re be be bu bu oh oh rie rie ew ew o o r r r r W W rm rm g g .W .W W W ni ni n. n. am onä am onä le le ba ba N o Se n No Sen i i Se Se Pf Pf Se Se at at st st

* Mehrfachantworten möglich Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Pflegebedürftige zeigen mit Ausnahme der Nutzungsabsicht eines Pflegeheimes in allen Positionen geringere Ausprägungen als die unter 75-Jährigen an. Übereinstimmung mit diesen gibt es hinsichtlich der Nutzung einer Pflegewohngemeinschaft. Häufiger als die erstgenannten Gruppen votieren Schwerbehinderte für die Nutzung von barrierefreien Wohnungen, für eine Senioren-Selbsthilfe-Wohngemeinschaft, für eine ambulant betreute Wohngemeinschaft oder eine stationär betreute Wohngemeinschaft und für ein Pflegeheim. Ihre Nutzungsabsichten der anderen Angebote liegen geringer als bei den unter 75-Jährigen. Bei Alleinlebenden widerspiegelt sich der Sachverhalt, dass sie im Falle des Fehlens familialer Hilfepotenziale mit fortschreitendem Alter auf externe Unterstützung angewiesen sind, aber viele von ihnen bei auftretender Pflegebedürftigkeit durch ambulante Dienste versorgt werden können. Gegenüber den unter 75-Jährigen melden sie ein höheres Interesse als diese an einer Senioren-Selbsthilfe-Wohngemeinschaft, an ambulant betreuten Wohngemeinschaften und an stationären Hausgemeinschaften an. Auch häufiger als die unter 75-Jährigen orientieren sie sich auf ein Pflegeheim oder eine Gemeinschaftswohnung für Pflegebedürftige (vgl. Abbildung 6.44).

152

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 6.44: Angestrebte Wohn- und Betreuungsform bei Eintritt von Pflegebedürftigkeit nach speziellen Gruppen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent Schwerbehinderte Normalwohnung mit Pflege Seniorenwohnung mit wirtschaftlichen Serviceangeboten Seniorenwohnung mit Service und ambulanter Pflege barrierrefreie Wohnung Wohnungsanpasssung Senioren-SelbsthilfeWohngemeinschaft 39 34 31 24 17 64 61 66 69 76 83 87 85 90 95 36
15

Pflegebedürftige 50 30 19 26 21 9 11 11 15 5 50 70 81 74 79 91 89 89 85 95
15

Alleinlebende 65 37 36 28 19 20 16 16 10 7 63 64 72 81 80 84 84 90 93 35

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

ambulant betreute 13 Wohngemeinschaft stationär betreute Hausgemeinschaft 15

15

15

15

15

Pflegeheim 10 Pflegewohngemeinschaft 5

15

15

15

15

trifft zu Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

ohne Antw.

Exkurs: Selbstorganisierte Wohngemeinschaft Selbstorganisierte Wohngemeinschaften als private Wohnform gibt es auch in Berlin. Der Erfolg dieser Wohnform resultiert aus dem Zugewinn an Lebensqualität. Ihre Begründer können sich zumeist auf längerfristige Bekanntschaft oder Freundschaft stützen und sind häufig Alleinlebende oder Verwitwete, aber auch Schwule oder Lesben im höheren Lebensalter, die sich in einem ihnen vertrauten Umkreis einen gemeinschaftlichen Alltag organisieren und durch Selbsthilfe ihr selbstbestimmtes Leben so lange wie möglich aufrechterhalten wollen. Gerade unter diesem Selbsthilfeaspekt streben sie mehrheitlich nach einer Mehrgenerationen-Wohngemeinschaft, in der sowohl die Älteren für die Jungen und die Jungen für die Älteren Unterstützungsleistungen erbringen können. Eine Senioren-Selbsthilfe-Wohngemeinschaft nur für Ältere findet deshalb weniger Zuspruch, weil sich mit zunehmendem Alter aufgrund der Altersrisiken die Selbsthilfepotenziale der Gemeinschaft verringern und bei Hilfe und Pflegebedarf nach neuen Alternativen gesucht werden muss. Abbildung 6.45: Selbstorganisierte Wohngemeinschaften als Wohnalternative für das Alter - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent Ja, wenn die WG nur für Ältere ist.
7

Ja, wenn die WG nicht nur für Ältere ist.
32

mit Migrat.hintergrund Geschlecht Frauen Männer Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u.ält. spezielle Gruppen Schwerbehinderte Pflegebedürftige Alleinlebende
7 13

8
Durchschnitt 7 Prozent

28

Durchschnitt 32 Prozent

9 6

33 32

7 6 12
12

40 32 13

5

5

9 13 9 20

28

31
32

40 Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

30

20

10

0

10

20

30

40

153

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Von den ab 50-Jährigen könnten sich insgesamt 39 Prozent vorstellen, in einer selbstorganisierten Wohngemeinschaft alt zu werden; davon würden sich 7 Prozent eine Wohngemeinschaft nur für Ältere und 32 Prozent eine Mehrgenerationen-Wohngemeinschaft vorstellen. Eine selbstorganisierte Seniorenwohngemeinschaft findet überdurchschnittlich bei Alten im fortgeschrittenen Alter, bei Pflegebedürftigen und auch bei Frauen Anklang. Eine MehrgenerationenWohngemeinschaft würde im überdurchschnittlichen Maße von künftigen Senioren getragen werden (vgl. Abbildung 6.45). Bevorzugter Wohnort nach Umzug in eine seniorengerechte Wohnung Ob vorausschauend geplant oder aufgrund akuten Bedarfs unausweichlich verbindet sich mit einem Umzug in eine seniorengerechte Wohnung oder Service-Wohnanlage oder auch in ein Pflegeheim für die älteren Bürgerinnen und Bürger die Entscheidung über den künftigen Wohnplatz und das künftige Wohnumfeld. Dabei spielen sowohl die barrierefreie Qualität der Wohnung und des Wohngebäudes, der vorgehaltene Grundservice und der Zugang zu wahlweise nutzbarem Service und ambulanten Pflege- und/oder Betreuungsangeboten als auch die infrastrukturelle Ausstattung des Wohnumfeldes eine wichtige Rolle. Neben all diesen Kriterien ist für viele ältere Menschen insbesondere die Wohnortbindung an das vertraute Wohnquartier und ihre soziale Einbindung in die Nachbarschaft ausschlaggebend für die Wahl des künftigen Wohnortes in einer seniorengerechten Wohnung. Wie sich die ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf insgesamt (= 100 Prozent) entscheiden würden, zeigt die Abbildung 6.46. Abbildung 6.46: Zielregion bei einem erforderlichen Umzug in eine seniorengerechte Wohnung - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Zehlendorf Südwest - BR7 Lankwitz - BR3 mehrfach, nur im Bezirk Schloßstr. - BR1 Drakestr. - BR6 Ostpreußendamm - BR4 Zehlendof Nord - BR8 Teltower Damm - BR5 Albrechtstr. - BR2 3 5 5 5 8 10 13 14 14

anderer Bezirk Berliner Umland weiter weg mehrfach, sonstige 0 2 2

4

5 2 4 6 8 10 12 14 16

* 10 Prozent = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die Rangfolge der gewünschten Wohnplätze bestätigt die überwiegend enge Wohnortbindung der älteren Bürgerinnen und Bürger an den Bezirk und an die Bezirksregionen. Die beliebtesten Zielregionen sind Zehlendorf Südwest und Lankwitz mit je 14 Prozent. Insgesamt 13 Prozent könnten sich ihren Alterswohnsitz an mehreren Plätzen im Bezirk vorstellen. Für 10 Prozent hat das pulsierende Zentrum um die Schloßstraße anziehende Kraft, und 8 Prozent würden gern in der Bezirksregion Drakestraße eine seniorengerechte Wohnung beziehen. Die Bezirksregionen Ostpreußendamm, Zehlendorf Nord und Teltower Damm wären das Zielgebiet für jeweils 5 Prozent bei einem altersbedingten Umzug und 3 Prozent würden sich für das Gebiet Albrechtstraße entscheiden. Nur 8 Prozent würden sich außerhalb des Bezirks ansiedeln wollen.

154

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Das Bestreben, auch bei einem erforderlichen Umzug in eine seniorengerechte Wohnung oder Service-Wohnanlage gegebenenfalls in ein Pflegeheim im Bezirk und im angestammten Wohnumfeld zu verbleiben, bestätigt sich in allen sozialen Gruppen. Durchschnittlich haben sich 77 Prozent der Probanden dafür entschieden. Insbesondere Personen mit Migrationshintergrund (82 Prozent), Männer (78 Prozent), junge Alte (80 Prozent) und Mehrpersonenhaushalte (jeweils 78 Prozent) bekunden überdurchschnittlich ihre Absicht, auch im Alter im Bezirk wohnen zu wollen. In Anbetracht der zunehmenden Erfahrung altersbedingter Mobilitätseinschränkungen und auftretender Pflegebedürftigkeit sind Pflegebedürftige (57 Prozent), Hochbetagte (62 Prozent), Alte im fortgeschrittenen Alter (69 Prozent), Schwerbehinderte (71 Prozent) und Alleinlebende (72 Prozent) nur unterdurchschnittlich darauf orientiert, bei Bedarf eine seniorengerechte Wohnung im Bezirk zu finden. Nicht wenige von ihnen würden eine ihrem Bedarf entsprechende Wohnung auch außerhalb des Bezirks beziehen (vgl. Tabelle 6.7). Tabelle 6.7:
soziostrukturelle Merkmale

Gewünschter Wohnort nach Umzug in eine seniorengerechte Wohnung nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Zielgebiet für die seniorengerechte Wohnung BR1
Schloßstraße

BR2 Albrechtstraße

BR3 Lankwitz

BR4 Ostpreußendamm

BR5 Teltower Damm

BR6 Drakestraße

BR7 Zehlendorf Südwest

BR8 Zehlendorf Nord

mehrfach, nur SteglitzZehlendorf 13 17 13 14 12 14 13 11 15 12 9 15 13 15 13

anderer Bezirk

Berliner Umland

weiter weg

mehrfach, Sonstiges

ohne Antwort

insgesamt Migrat.hintergrund ja nein Geschlecht weiblich männlich Altersphasen 50 b.u. 65 Jahre 65 b.u. 75 Jahre 75 b.u. 85 Jahre 85 Jahre u. älter spezielle Gruppen Schwerbehinderte Pflegebedürftige Haushaltsgröße 1 Person 2 Personen 3 Personen 4 u.m. Personen

10 11 9 9 10 12 8 8 4 9 8 9 11 7 8

3 3 3 3 3 3 3 4 3 3 5 3 3 3 2

14 14 13 14 14 12 15 16 13 15 14 12 15 10 9

5 4 5 5 5 4 7 4 3 5 7 5 5 1 8

5 5 5 4 5 4 6 4 4 5 2 4 5 4 6

8 10 8 7 9 9 7 6 2 7 5 6 7 12 13

14 15 14 14 15 13 16 14 17 13 7 14 15 15 13

5 3 5 4 5 5 5 3 1 2 1 4 4 10 6

4 4 4 4 4 5 3 4

2 1 2 2 2 2 2 4

2 3 2 2 3 3 2 2

5 4 5 6 4 7 5 1

10 5 11 12 9 7 8 22 36

5 8 5 4 4 5

2 1 2 2 1 2

2 2 2 2 2 2

5 7 5 5 6 6

15 25 14 9 9 7

* stärkste Ausprägung fett gesetzt und orange unterlegt Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Wie wichtig vor allem für ältere Menschen das vertraute Wohnumfeld und die über Jahre gewachsenen Nachbarschaftsbeziehungen sind, bestätigt im Zusammenhang mit einem geplanten oder notwendigen Umzug in eine seniorengerechte Wohnung der Vergleich zwischen den Herkunftsregionen der Umzugswilligen mit den Zielregionen. Jeweils der größte Anteil der Umzugswilligen würde das Umzugsziel in der bisherigen Bezirksregion bzw. in deren unmittelbarer Nachbarschaft suchen. Das trifft für alle acht Bezirkregionen zu (vgl. Tabelle 6.8). Diese hohe Wohnortbindung der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf unterstreicht die Notwendigkeit, altersbedingten Wohnbedarf in den angestammten Wohnquartieren zu befriedigen. Durch die Bekanntheit der sozialen Infrastruktur, der Einkaufsmöglichkeiten, der Einrichtungen zu medizinischer Versorgung werden bestehende Alltagskompetenzen und Selbsthilfepotenziale älterer Bürgerinnen und Bürger gestärkt, ihre längjährig gewachsenen sozialen Kontakte im Wohn-

155

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

umfeld bleiben erhalten und dadurch ergeben sich auch günstige Möglichkeiten nicht nur für selbstbestimmtes Wohnen, sondern auch für ihre gesellschaftliche Teilhabe. Tabelle 6.8: Zielgebiet bei einem geplanten oder erforderlichen Umzug in eine seniorengerechte Wohnung nach aktuellem Wohnplatz - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Bezirksregion des aktuellen Wohnplatzes Zielgebiet bei Umzug in eine seniorengerechte Wohnung BR1 Schloßstraße BR2 Albrechtstraße BR3 Lankwitz BR4 Ostpreußendamm BR5 Teltower Damm BR6 Drakestraße BR7 Zehlendorf Südwest BR8 Zehlendorf Nord mehrfach, nur SteglitzZehlendorf 12 15 9 13 20 15 8 14 anderer Bezirk Berliner Umland weiter weg mehrfach, Sonstiges ohne Antwort

BR1 Schloßstraße BR2 Albrechtstraße BR3 Lankwitz BR4 Ostpreußendamm BR5 Teltower Damm BR6 Drakestraße BR7 Zehlendorf Südwest BR8 Zehlendorf Nord

52 21 4 5 2 7 2 2 1 1 17

2 11 56 13 1 3 2 2 1 29

1 1 1 1 20 4 5 6

2 2 2 5 2 36 2 3

4 4 2 7 28 8 50 27

3 1 1 2 5 2 6 21

5 5 4 4 3 3 4 4

1 2 3 2 3 1 2 2

4 2 2 3 2 2 3 2

7 5 5 5 5 6 6 3

6 11 11 12 8 10 13 14

* Wohnortbindung grün unterlegt Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

6.3

Fazit

Das vorliegende Kapitel gibt erstens Auskunft über die aktuelle Wohnsituation der ab 50-Jährigen hinsichtlich der Wohndauer, der Wohnverhältnisse, der Wohnungsgröße, der finanziellen Aufwendungen für das Wohnen und deren Bewertung in Bezug auf eine seniorengerechte Wohnqualität der Wohnung, des Wohnumfeldes sowie über die Wohnortbindung. In einem zweiten Schwerpunkt werden der Wohnbedarf im Alter, dessen Wandel im Lebensverlauf und die individuellen Handlungsstrategien zur Realisierung eines selbstbestimmten Wohnens im Alter analysiert. Mit einer durchschnittlichen Wohndauer der ab 50-Jährigen in der aktuellen Wohnung von 21 Jahren kann von einer geringen Wohnmobilität ausgegangen werden. Die Wohnmobilität innerhalb der letzten fünf Jahre ist am stärksten bei Migranten, Einpersonenhaushalten und künftigen Senioren ausgeprägt. Die aktuelle Wohnsituation Die aktuelle Wohnsituation von ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf wird bestimmt durch     einen überwiegenden Anteil der Mietverhältnisse und 40 Prozent Wohneigentum, eine durchschnittliche Größe der Wohnfläche von 82 qm, mehrheitlich eine der Anzahl der Haushaltsmitglieder angemessenen Zahl der Wohnräume und der Wohnfläche, finanzielle Aufwendungen für das Wohnen im Durchschnitt von 575 Euro, darunter Miete von 594 Euro und Wohnkosten bei Wohneigentum von 545 Euro. Insgesamt 7 Prozent der ab 50-Jährigen erhalten einen Zuschuss zur Miete bzw. zu den Wohnkosten, darunter 12 Prozent der Migranten. Die finanziellen Aufwendungen für Miete bzw. Wohnkosten beanspruchen in der Mehrheit der Haushalte einen erheblichen Anteil der Haushaltsnettoeinkommen. Während mehr als die Hälfte der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf (52 Prozent) mit ihren Ausgaben für Miete bzw. Wohnkosten unter 30 Prozent der Haushaltsnettoeinkommen verbleiben, muss ein Drittel von ihnen dafür mehr aufwenden, darunter 9 Prozent mehr als die Hälfte ihres Haushaltsbudgets.

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50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Dabei offenbart sich ein beträchtlicher Vorteil der Wohneigentümer gegenüber den Mietern. Weniger Mieter (43 Prozent) als Wohneigentümer (64 Prozent) können ihre Wohnaufwendungen mit einem Einsatz bis zu 30 Prozent ihres Haushaltsnettoeinkommens realisieren. Demgegenüber verkehrt sich dieses Verhältnis zwischen Mietern und Wohneigentümern bei den höheren Wohnaufwendungen. Höhere Wohnkosten fallen bei Wohneigentümern vor allem in der Phase der Kreditbedienung, seltener aber im höheren Lebensalter an (vgl. Abbildung 6.47). Abbildung 6.47: Anteil der Miete bzw. der Wohnkosten am Haushaltsnettoeinkommen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 100 15 9 8 16 22 23 32 29 20 21 8 0 insgesamt unter 10 Prozent 40-49 Prozent Mieter 10-19 Prozent 50 Prozent u.dar. 20-29 Prozent ohne Antw. Wohneig entum 30-39 Prozent 13
1

12 12 11

21 4 3 8 14

80

60

40

18

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die überwiegende Mehrheit der künftigen und der gegenwärtigen Senioren verfügt über eine bedarfsgerechte Wohnung. Vor allem bei Arbeitslosen offenbart sich ein überdurchschnittlicher Substandard in der Wohnraumversorgung durch Einraumwohnungen bzw. von der Wohnfläche her sehr kleine Zweirauumwohnungen (Eineinhalbraumwohnungen). Haushalte mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von unter 2.500 Euro bewohnen häufiger als Haushalte mit höherem Einkommen Wohnungen mit unterdurchschnittlicher Wohnfläche; dass heißt, für sie sind die finanziellen Aufwendungen für das Wohnen notwendige Sparpotenziale. Rund drei Viertel der befragten ab 50-Jährigen bewerten ihre aktuelle Wohnsituation als bedürfnisgerecht; nur 4 Prozent verweisen auf nicht zu befriedigende Wohnbedürfnisse. Insgesamt 40 Prozent der Probanden bewerten ihre aktuelle Wohnung als seniorenfreundlich, von 25 Prozent erfüllen die Wohnungen das Qualitätsmerkmal, barrierefrei zu sein, und 15 Prozent halten ihre Wohnung für ein mögliches Pflegearrangement geeignet. Die Analyse dieser Qualitätsbewertung nach den Altersphasen bestätigt, dass im Altersverlauf mit der individuellen Wahrnehmung von Altersrisiken bzw. mit dem Auftreten akuter Bedarfe der Anteil der Wohnungen mit dem jeweils erforderlichen Qualitätsmerkmal zunimmt. Defizite in der Wohnqualität sind vor allem bei den 34 Prozent der Alten im fortgeschrittenen Alter und den 31 Prozent der Hochbetagten zu vermuten, deren Wohnungen über keine seniorenfreundliche Ausstattung verfügen. Bei einer Anzahl von 6.457 Pflegebedürftigen in häuslicher Pflege im Bezirk Steglitz-Zehlendorf (2007) ist davon auszugehen, dass die Mehrheit von ihnen in der ortsüblichen Normalwohnung bzw. in Wohneigentum lebt. Eine Minderheit von ihnen lebt in Pflegewohngemeinschaften, die in jüngster Zeit nach modernen Qualitätsstandards eingerichtet wurden. Die Mehrheit jedoch verbleibt in privaten Wohnungen, die bei weitem noch nicht alle an die Pflegeerfordernisse angepasst worden sind. Eine Konzentration dieser Problemlage zeichnet sich bei älterem und altem Wohneigentum in den Bezirksregionen Zehlendorf Südwest und Zehlendorf Nord ab. Es ist nicht vorauszusetzen, dass diese Wohnungen einer Pflegesituation angepasst sind und neben Barrierefreiheit über eine dem Pflegearrangement entsprechende Raumaus157

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

stattung und über den bedarfsgerechten Einsatz von Hilfsmitteln verfügen, dem Pflegedienst geeignete Arbeitsflächen bieten sowie die notwendigen Bewegungsflächen im Wohngebäude für den Transport im Pflegebett sowie günstige Anfahrt- und Parkmöglichkeiten für den Krankentransport gewährleisten. Nach Selbsteinschätzung der Befragten waren von 17 Prozent die Wohnungen für eine Pflegesituation ausgestattet. Schon gegenwärtig und noch mehr im Zusammenhang mit der Zunahme der älteren Bevölkerung im Zuge des demographischen Wandels wächst auch in Steglitz-Zehlendorf der Bedarf an für die häusliche Pflege geeigneten Wohnungen bzw. an ambulant betreute Wohngemeinschaften bzw. Pflegewohngemeinschaften oder stationär betreute Hausgemeinschaften. Die seniorengerechte Wohnumfeldqualität bemisst sich danach, wie die selbstbestimmte Alltagsbewältigung bis in hohe Alter durch die infrastrukturelle Ausstattung der Wohngebiete unterstützt wird. Während die Anbindung an den ÖPNV, die Versorgung mit Grünanlagen, die Erreichbarkeit einer Apotheke, eines Cafes, eines Supermarktes für den täglichen Bedarf in überwiegendem Maße gesichert ist, lässt die fußläufige Erreichbarkeit einer Post, eines Kreditinstitutes, von Dienstleistungsangeboten, eines Ärztehauses mit komplexen Versorgungsangeboten oder einer Begegnungsstätte beträchtliche Defizite erkennen, die sich vor allem in den Bezirksregionen Zehlendorf Südwest, Drakestraße und Teltower Damm konzentrieren. Die soziale Wohnumfeldqualität wird von 83 Prozent der ab 50-Jährigen durch nachbarschaftliche Kontakte bestimmt. Das Fehlen solcher Kontakte wird vor allem durch Hochbetagte, Alleinlebende, Pflegebedürftige, aber auch Migranten beklagt. Bei diesen Gruppen besteht konkreter Bedarf der Prävention vor sozialer Isolierung durch Einbindung in soziale Netze. Die ab 50-jährigen Einwohner von Steglitz-Zehlendorf sind durch lange Wohndauer und hohe Wohnzufriedenheit an ihren Wohnort gebunden, und nur 8 Prozent tragen sich mit Umzugsabsichten, insbesondere mit dem Ziel der Verringerung der finanziellen Aufwendungen für das Wohnen und zur Verbesserung der Wohnqualität. Wohnbedarf im Alter Der Wohnbedarf im Alter wird bestimmt durch das Grundbedürfnis nach selbstbestimmtem Wohnen in der eigenen Häuslichkeit und richtet sich auf ein Wohnen, das         bezahlbar ist und die Führung eines eigenen Haushalts ermöglicht, Privatheit wahrt, Sicherheit und Geborgenheit gewährleistet, die Entscheidungshoheit über den Tagesablauf und die Alltagsgestaltung sichert, Individualität in der Ausstattung und Funktionalität der Wohnungseinrichtung umsetzen lässt, soziale Vertrautheit und Integration schafft, zu bürgerschaftlichem Engagement und gesellschaftlicher Teilhabe anregt, Nachteilsausgleich bei altersbedingten Mobilitätseinbußen, Einschränkung der Alltagskompetenzen, Hilfe- und Pflegebedürftigkeit realisierbar macht. Dabei ist von einem Wandel der Wohnbedürfnisse im Altersverlauf auszugehen, der sich von den künftigen Senioren ausgehend bei den jungen Alten in einer Orientierung auf eine günstige infrastrukturelle Ausstattung des Wohngebietes, vor allem auf eine gute Anbindung an den ÖPNV äußert. Mit Auftreten altersbedingter Mobilitätseinschränkungen entsteht bei den Alten im fortgeschrittenen Alter Bedarf an wohnortnahen Serviceleistungen zur Erleichterung der eigenständigen Bewältigung von Alltagspflichten. Stärkere Mobilitätseinschränkungen und einsetzende Pflegebedürftigkeit, die im fließenden Übergang die letztgenannte Gruppe und die Hochbetagten betreffen, können den Verbleib in der eigenen Häuslichkeit sowohl von der Barrierefreiheit des Wohnumfeldes, des Wohngebäudes und der Wohnung als auch der Verknüpfung der Wohnsituation mit seniorenorientierten Dienstleistungen und gegebenenfalls mit ambulanter Pflege abhängig machen.
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50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Eine Grundvoraussetzung für die eigenständige subjektive Gestaltung des individuellen Altersverlaufes, der bewussten Ausrichtung der Wohnbedingungen auf sich wandelnde Wohnbedürfnisse besteht in der Aneignung konkreter Kenntnisse über die individuelle Alterung, den Altersverlauf, das Auftreten von Altersrisiken und deren wirksame Prävention. Auf der Basis solcher Kenntnisse und aktuell zugänglicher Informationen zum seniorengerechten Wohnen und    der Beurteilung der Möglichkeiten des Einsatzes bzw. des Fehlens familialer Unterstützungspotenziale bei auftretendem Hilfe- und Pflegebedarf, der Abwägung der aktuellen Wohnqualität mit den sich wandelnden Wohnbedürfnissen - auch unter Berücksichtigung von Wohnraumanpassung, des Vergleichs der unterschiedlichen seniorengerechten Wohnangebote und der damit verbundenen finanziellen Aufwendungen können ältere Bürgerinnen und Bürger individuelle Handlungsstrategien für die Realisierung ihrer konkreten Wohnbedürfnisse entwickeln. Das setzt einen längeren Lernprozess voraus und wird wesentlich erschwert, wenn dieser Wissenserwerb erst mit dem Eintreten eines akuten Bedarfs begonnen wird. Im Zusammenhang mit den Möglichkeiten der Wohnraumanpassung (§ 52 SGB XI) muss darauf aufmerksam gemacht werden, dass 71 Prozent der befragten ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf diese Angebote nicht kennen. Diese Unkenntnis nimmt zwar im Maße des Auftretens bestimmter Altersrisiken und damit akuten Bedarfs in den höheren Altersphasen ab, aber selbst 41 Prozent der Pflegebedürftigen waren darüber nicht informiert. An der Spitze der Prioritäten bei Wohnraumanpassung oder Umzug stehen die Bezahlbarkeit der Wohnung, die Gewährleistung der erforderlichen Bewegungsflächen im Bad, in den Wohnräumen und in der Küche sowie das Vorhandensein eines Balkons. Die Anbindung der Wohnung an ein Notrufsystem, die stufenlose Erreichbarkeit der Wohnung, das Vorhandensein handhabbarer Bedienvorrichtungen und rutschfester Bodenbeläge werden von mehr als der Hälfte der ab 50-Jährigen als wichtig für ihre seniorengerechte Wohnung angesehen. Die Nutzung von Serviceangeboten zur Aufrecherhaltung des selbstbestimmten Wohnens hängt einerseits vom individuellen Bedarf und andererseits von den finanziellen Möglichkeiten der Interessenten ab. Die Nutzung von Serviceleistungen muss privat entgolten werden. Die geäußerten Nutzungsabsichten der ab 50-Jährigen insgesamt lassen eine Rangfolge erkennen, bei der Wohnungsreinigung (72 Prozent), Anbindung an einen Hausnotruf (71 Prozent), Pflegeangebote (57 Prozent) und hauswirtschaftliche Leistungen (50 Prozent) an der Spitze stehen. Weniger als die Hälfte der Befragten beabsichtigt, Angebote der Speisenversorgung (48 Prozent), Mobilitätshilfen (47 Prozent), handwerkliche Leistungen (45 Prozent) und kommunikative Betreuung (22 Prozent) zu nutzen. Darüber hinaus erfolgt eine deutliche geschlechtsspezifische Differenzierung der Bedarfe, bei denen die Orientierung auf weibliche Interessenlagen überwiegt. Diese Nutzungsabsichten werden vor allem von den 50- bis unter 75-Jährigen im Sinne der individuellen Präventionsstrategie zum Nachteilsausgleich möglicher altersbedingter Einschränkungen geäußert. Im Interesse künftiger Bedarfsplanung werden die Aussagen der ab 75-Jährigen relevant, weil sie auf absehbare Bedarfe reagieren. Unter Berücksichtigung der im Zuge des demographischen Wandels sich vollziehenden Zunahme der ab 75-jährigen Einwohner in Steglitz-Zehlendorf von 26.415 Personen im Jahre 2008 auf 36.089 Personen im Jahre 2015 (Anstieg um 36,6 Prozentpunkte) muss auch mit einem entsprechenden Bedarf an seniorenorientierten Dienstleistungen gerechnet werden. Die Nutzung von Service-Wohnangeboten wird letztendlich vom finanziellen Handlungsrahmen der Haushalte bestimmt. Die Selbstaussagen der Probanden über das mögliche Volumen von zusätzlich zur Miete/Wohnkosten aufzubringenden Mitteln für Serviceleistungen lassen erkennen, dass nahezu die Hälfte der Befragten keine (8 Prozent) bzw. bis unter 100 Euro pro Monat (37 Prozent) für diesen Zweck einsetzen kann. In Abhängigkeit von der Höhe des Haushaltsnettoeinkommens verändern sich die Ausgabefähigkeit und -bereitschaft für das Service-Wohnen. Während mehr als ein Fünftel der Haushalte mit einem Haushaltsnettoeinkommen von unter 1.000 Euro überhaupt keine Mittel aufbringen können, steigt eine differenzierte Ausgabebereitschaft für Serviceleistungen mit mehr als 150 Euro pro Monat bis auf 65 Prozent der Haushalte mit einem Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 5.000 Euro pro Monat an.
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Die Nutzung seniorengerechter Wohnangebote, ob Service-Wohnen in der Normalwohnung, in der Seniorenwohnanlage oder die selbstbestimmten Wohnalternativen bei Pflegebedürftigkeit bieten gegenüber der ortsüblichen Normalwohnung eine höhere Wohnqualität, die in unterschiedlicher Weise aus der Barrierefreiheit, der Ausstattungsqualität, dem Angebot von Gemeinschaftseinrichtungen und aus der Verknüpfung mit Service- und/oder Pflege- und Betreuungsleistungen erwächst. All diese die Wohnqualität steigernden Faktoren führen eindeutig zu höheren finanziellen Aufwendungen für das Wohnen. Ausgehend von der Tatsache, dass im Jahre 2008 in Steglitz-Zehlendorf 10 Prozent der Haushaltsäquivalenzeinkommen von ab 50-Jährigen unterhalb der Armutsrisikoschwelle lagen und weitere 26 Prozent nur über unterdurchschnittliche Haushaltsäquivalenzeinkommen verfügten, besteht die Notwendigkeit, seniorengerechte Wohnangebote bezahlbar auszugestalten. Weil sich für einen größeren Teil der älteren Bürgerinnen und Bürger aufgrund ihrer verfügbaren Mittel aktuell und künftig aufgrund des Absinkens der Neurenten seniorengerechtes Wohnen nur bei Umorientierung ihrer Ausgabeprioritäten und unter Verzicht auf andere Budgetpositionen auf den Verbleib in der bisherigen Wohnung unter Nutzung von Service- und Pflegeangeboten konzentriert, besteht akuter Bedarf nach trägerneutralen Informationen hinsichtlich der angebotenen Leistungen und der dafür privat zu entrichtenden Preise. Eine solche Transparenz erfordert von den Anbietern eine reale Preisgestaltung und ermöglicht den Interessenten die Entwicklung eigener Handlungsstrategien gemäß individueller Bedarfe und finanzieller Möglichkeiten. Daraus ergibt sich aktuell die Notwendigkeit für den Bezirk, bei der Realisierung von entsprechenden Investitionsprojekten moderierend mit dem Ziel Einfluss zu nehmen, dass sich die Angebotsstruktur des Service-Wohnens im Bezirk an den realen Einkommensverhältnissen der Kunden orientiert und auch untere Einkommensgruppen berücksichtigt. Umzug in seniorengerechte Wohnbedingungen Bei auftretendem Hilfe- und Pflegebedarf bekundeten 65 Prozent der ab 50-jährigen Probanden, durch einen Wechsel in seniorengerechte Wohnbedingungen eine Problemlösung bzw. -milderung anzustreben. Allerdings ist in Rechnung zu stellen, dass im Altersverlauf und mit der konkreten Erfahrung der sich wandelnden Wohnbedürfnisse und der Realisierungschancen in der bisherigen Wohnung die Umzugsneigung abnimmt. Mit Wohnmobilität in höherem Alter ist vor allem bei Pflegebedürftigen und Behinderten (Notwendigkeit barrierefreier Baulichkeit in Wohnung, Gebäude und Umfeld) sowie bei nach Verwitwung Alleinlebenden (Verkleinerung der Wohnung) zu rechnen. Ca. ein Drittel der Probanden würde auch bei eintretenden Mobilitätseinschränkungen und/oder Pflegebedürftigkeit nicht umziehen wollen. Zum Teil haben sie bereits präventiv eine Wohnung gewählt, die ein häusliches Pflegearrangement unterstützen könnte, oder aber sie nehmen wegen der Wohnlage, der Einbindung in die Nachbarschaft bzw. wegen der vorteilhaften Wohnumfeldqualitäten eine Reihe von Defiziten in Kauf. Der Veränderung des Wohnbedarfs wegen eintretender Mobilitätseinschränkungen oder Pflegebedürftigkeit wollen 10 Prozent der ab 50-Jährigen durch Umzug in eine andere Normalwohnung ihre Wohnbedingungen verbessern. Mehr als die Hälfte streben seniorengerechte Wohnbedingungen an; sei es eine seniorengerechte Wohnung oder eine Service-Wohnanlage. Nur 1 Prozent der Probanden würde in einer solchen Situation ein Einwohnen bei den erwachsenen Kindern als Wohnalternative in Betracht ziehen. Die größte Nachfrage nach seniorengerechten Wohnungen und Service-Wohnanlagen zeigen junge Alte, gefolgt von den künftigen Senioren und den Alten im fortgeschrittenen Alter. Darüber hinaus melden Schwerbehinderte, Pflegebedürftige und Alleinlebende häufiger solche Umzugspläne an als andere Gruppen. Die Umzugsabsichten werden überwiegend von der Bezahlbarkeit einer seniorengerechten Wohnung abhängig gemacht. Sie zielen danach auf günstige Wohnbedingungen für eine absehbare Pflegesituation und auf Entlastung von hauswirtschaftlichen Arbeiten und damit auf Zugewinn an Lebensqualität. Die Verbesserung der häuslichen Pflegesituation, die Entlastung von der Hauswirtschaft und die Einbindung in soziale Kontakte werden ebenfalls als Umzugsmotive wirksam. Während die Verbesserung einer bestehenden häuslichen Pflegesituation durch Umzug in seniorengerechte
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Wohnbedingungen von Frauen und Männern annähernd in gleichem Maße als Umzugsmotiv genannt wird, werden die anderen aufgeführten Motive stärker von Frauen als von Männern ihren Handlungsstrategien zu Grunde gelegt. Wohnalternativen bei Pflegebedürftigkeit Die Abwägung der Wohnalternativen bei eintretender Pflegebedürftigkeit erfolgt vor dem Hintergrund konkreter bzw. absehbarer Bedarfe und orientiert sich überwiegend auf die Erhaltung des selbstbestimmten Wohnens durch Vermeidung bzw. Hinauszögerung von stationärer Pflege. Die angezeigte Rangfolge der Wohnalternativen unterstreicht den Wunsch nach Verbleib in einer individuellen Wohnung. Die große Mehrheit votiert für eine Normalwohnung in Kombination mit ambulanter Pflege. Als nächstfolgende Wohnalternative wird individuelles Wohnen in einer seniorengerechten Wohnung (auch Wohnanlage) mit wahlweise hauswirtschaftlichem Service und/oder ambulanter Pflege benannt. Zwischen einem Drittel und einem Viertel der Probanden erwägen, einer möglichen Pflegesituation durch eine ausschließlich baulich barrierefreie Wohnung oder durch Wohnraumanpassung zu begegnen. Ausgehend von absehbar höherem Pflege- und/oder Betreuungsbedarf würden sich ca. 15 Prozent für eine ambulante Wohngemeinschaft oder eine stationär betreute Hausgemeinschaft entscheiden. Ein Pflegeheim oder eine Pflegewohngemeinschaft werden nur von 7 bzw. 6 Prozent der Probanden in Betracht gezogen. Eine Senioren-Selbsthilfe-Wohngemeinschaft wird vor allem von künftigen Senioren als Wohnalternative bei eintretender Pflegesituation angesehen, gerät aber bei Abwägung der möglichen Hilfeleistungen mit realen Pflegeerfordernissen sehr schnell an zeitliche, personelle und pflegefachliche Grenzen. Als Wohnalternative für mobile und auch in geringem und mittlerem Maße hilfebedürftige Senioren erscheint eine Selbsthilfe-Wohngemeinschaft geeignet. Bei höherem Pflegebedarf reichen die Selbsthilfepotenziale zur Versorgung und Betreuung eines Pflegebedürftigen dann nur noch selten aus. Ausgehend von der Tatsache, dass die individuellen Handlungsstrategien stets erst bei konkretem Bedarf auf den Prüfstand kommen, sind diese prozentualen Angaben nicht zur Hochrechnung künftigen Bedarfs geeignet. Diese Auskünfte als Mehrfachantworten zur Darstellung von noch wandelbaren Absichten bieten keine Hochrechnungsbasis im Sinne von Prävalenzraten. Als Bedarfsrichtwerte können die Auskünfte der am stärksten mit den Altersrisiken der Hilfe- und Pflegebedürftigkeit konfrontierten Gruppen gelten, weil diese den spezifischen Wohnbedarf am genauesten abbilden. Dabei wird jedoch ersichtlich, dass sich die Mehrheit dieser Bürgerinnen und Bürger bei einer eintretenden Pflegesituation und eingedenk des Kostenaspektes für einen Verbleib in der Normalwohnung unter Nutzung von hauswirtschaftlichem Service und/oder ambulanter Pflege ausspricht. Neue Wohnformen als Wohnalternativen werden vor allem bei spezifischen Pflegeerfordernissen in Betracht gezogen. Da diese neuen Wohnformen sich noch in der Entwicklung befinden, ist zu erwarten, dass der Bedarf nach Service-Wohnanlagen, ambulant betreuten Wohngemeinschaften, stationär betreuten Hausgemeinschaften oder Pflegewohngemeinschaften dann ansteigt, wenn es gelingt, diese für die Mehrheit der Betroffenen auch bezahlbar zu gestalten. Bevorzugter Wohnort nach Umzug in eine seniorengerechte Wohnung Die Auskünfte über die Umzugsziele bei Wechsel in eine seniorengerechte Wohnung unterstreichen die stabile Bindung der älteren Bürgerinnen und Bürger an ihren Bezirk und in hohem Maße an die bisherige Bezirksregion. Nur 8 Prozent würden den Bezirk verlassen wollen. Die hohe Bindung an das bisherige Wohnumfeld sollte den Bezirk bestärken, in allen Bezirksregionen den Ausbau von seniorengerechten Wohnangeboten zu unterstützen. Da gegenwärtig für diesen Zweck keine Fördermittel bereitgestellt werden, sollten sich diesbezügliche kommunale Aktivitäten richten auf:     die Erhaltung und die weitere Gestaltung einer seniorengerechten Infrastruktur, die Bedarfsermittlung, die Hilfe bei der Findung geeigneten Baulandes und bei der Findung geeigneter Grundstücksüberlassungen (z.B. Erbpacht), bei der Moderation der Zusammenarbeit von Investoren seniorengerechter Gebäude und den künftigen Betreibern.

161

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

7.

Bewertung der gesundheitlichen Versorgung, Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes und individuelle Initiativen für eine gesunde Lebensweise

Gesundheit stellt eines der wichtigsten Güter im Leben jedes Menschen dar. Sie wird als Prozess des körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens verstanden und keineswegs auf die Abwesenheit von Krankheit und Gebrechen reduziert. Dieser Prozess hat sowohl eine gesellschaftliche als auch eine individuelle Gestaltungsebene. Für den Bezirk Steglitz-Zehlendorf bedeutet das, mit der Entwicklung der Gesundheitsdienste im Bezirk solche Gesundheitsziele anzustreben, die bezirkliche Initiativen für eine ressortübergreifende Gesundheitspolitik, für die Gestaltung gesunder Lebenswelten und soziale Lebensgemeinschaften zwischen den Bürgerinnen und Bürgern einschließen. Gesunderhaltung bis ins hohe Alter ist erstrebenswerte Basis für ein so lange wie möglich selbstbestimmtes Leben in der eigenen Häuslichkeit. Deshalb muss Gesundheit in jeder Lebensphase aktiv reproduziert werden. Für die Bürgerinnen und Bürger kommt es darauf an, sich Kenntnisse über die gesundheitsorientierten Rahmenbedingungen anzueignen und diese aktiv im Interesse des individuellen Gesundheitsschutzes, der Prävention und ihrer gesundheitlichen Versorgung zu nutzen und verantwortungsbewusst persönliche Kenntnisse und Fähigkeiten zur Gesundheit sowie Handlungsstrategien für eine gesunde Lebensweise zu entwickeln.
1

In diesem umfassenden Sinne hat die Gesundheit größten förderlichen Einfluss auf die Lebensqualität des Einzelnen, auf die Gesamtheit der Lebenstätigkeit, auf das Zusammenwirken des Einzelnen mit anderen Menschen und auf dessen gesellschaftliche Teilhabe. Gesundheitsbewusste Lebensführung und aktive Gesundheitspflege rücken deshalb immer mehr in das Zentrum der individuellen Lebensgestaltung. Im Rahmen des Kapitels 7 erfolgen die Darstellungen sowohl der subjektiven Bewertung der medizinischen Versorgung und gesundheitsorientierter Hilfebedarfe der ab 50-Jährigen als auch der Selbsteinschätzung ihres Gesundheitszustandes und deren Initiativen und Handlungsstrategien für eine gesundheitsbewusste Lebensweise. Betrachtet man die aktuelle medizinische Versorgung im Bezirk, so kann festgestellt werden, dass Steglitz-Zehlendorf über eine hohe Anzahl von Arztpraxen verfügt, mit der das ganze Spektrum notwendiger Fachdisziplinen abgedeckt wird. Auch im stationären Bereich ist Steglitz-Zehlendorf, nicht zuletzt wegen großer Einrichtungen wie dem Campus Benjamin Franklin, der Charité und dem Helios-Klinikum Emil-von-Behring, mit über 3.000 Krankenhausbetten hervorragend versorgt. Stellt man der heutigen Situation die Bevölkerungsentwicklung bis 2.030 gegenüber, so zeichnet sich aber ab, dass gerade auch das Gesundheitswesen auf die im Kapitel 2 dargestellten Veränderungen in den nächsten Jahren reagieren muss. Hierbei ist insbesondere der Anstieg der 75- bis 85-Kährigen von heute 18.656, bei einem Peak, der zwischen 2007 und 2025 liegen wird, auf 28.511 im Jahre 2030 und der über 85-jährigen von heute 8.599 auf 17.212 ins Auge zu fassen. Aus dieser Zunahme des Anteils von Einwohnern, die zu den beiden oben genannten Altersgruppen gehören, werden nicht nur für internistische oder allgemeinmedizinische Praxen, sondern auch unter anderem für orthopädische, urologische und neurologische Praxen erhöhte Anforderungen resultieren im Sinne einer größeren Anzahl von chronisch und mehrfach kranken Patienten, die langjährig begleitet werden müssen, bis hin zu einer hausärztlichen Betreuung. Die in der Studie aufgezeigte Tendenz, dass sich der Bedarf an altersgerechter Wohnungsanpassung und an flexiblen Versorgungsleistungen im Wohnbereich gegenüber einer Versorgung in Pflegeeinrichtungen deutlich erhöhen wird, weist ebenfalls darauf hin, dass der Bedarf an hausärztlicher Versorgung stetig steigen wird.

1

Vgl. Neue Gesundheitsdefinition der WHO, in: Ottawa-Charter for Health Promotion, 1986.

162

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7.1

Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes

Die Darstellung des Gesundheitszustandes der ab 50-Jährigen erfolgt in diesem Abschnitt nicht auf der Grundlage der öffentlichen Gesundheitsberichterstattung, sondern basiert ausschließlich auf den subjektiven Bewertungen der Befragungsteilnehmer und gibt die Eigenwahrnehmung des individuellen Gesundheitszustandes wieder. Der Gesundheitszustand beeinflusst maßgeblich die Gestaltung und den Ablauf aller Lebenstätigkeiten, die sozialen Beziehungen und die gesellschaftliche Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger. Gesundheitsschutz und Gesundheitspflege erfordern ein modernes, leistungsfähiges Gesundheitssystem und zugleich verantwortungsbewusste Eigenaktivitäten zur Aufrechterhaltung, Wiederherstellung und Verbesserung des körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens. So liegt es im eigenen Interesse der/des Einzelnen, sich mit dem eigenen Gesundheitszustand auseinanderzusetzen und diesen durch eine gesunde Lebensweise zu fördern. Die Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes wirkt als Regulativ für die Gesundheitspflege, die Inanspruchnahme von Gesundheitsberatung und präventiven Maßnahmen sowie medizinische Behandlung. Sie beruht auf der Kenntnis der Ergebnisse vorangegangener medizinischer Befunde im weitesten Sinne und auf der Bewertung des eigenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens. Von den ab 50-jährigen Befragten aus Steglitz-Zehlendorf fühlt sich knapp die Hälfte (48 Prozent) gesund und leistungsfähig, 29 Prozent sind gelegentlich leicht gesundheitlich beeinträchtigt. Andauernd Beschwerden zu haben, beklagen 19 Prozent, und 1 Prozent wird durch Leiden stark behindert (3 Prozent ohne Antwort). Der Vergleich zum gefühlten Gesundheitszustand der ab 55-Jährigen aus dem Jahre 1998 (nur Steglitz) lässt eine deutliche Verbesserung erkennen. Die sozialräumliche Verteilung dieser Aussagen macht auf Unterschiede im gefühlten Gesundheitszustand aufmerksam. Die Feststellung, gesund und leistungsfähig zu sein, wird in den Bezirksregionen mit einem Unterschied von 17 Prozentpunkten (Bezirksregion Albrechtstraße - 44 Prozent; Bezirksregion Zehlendorf Südwest - 61 Prozent) getroffen. Bei der Einschätzung, leichte gesundheitliche Beeinträchtigungen zu haben, sind zwischen den Bezirksregionen geringere Unterschiede (7 Prozentpunkte - zwischen 25 Prozent in der Bezirksregion Zehlendorf Südwest und 32 Prozent in der Bezirksregion Teltower Damm) zu verzeichnen. Die Angaben, durch dauernde gesundheitliche Beschwerden belastet zu sein, differieren zwischen den Bezirksregionen um 15 Prozentpunkte (Bezirksregion Zehlendorf Südwest = 10 Prozent und Bezirksregion Albrechtstraße = 25 Prozent). Die Aussagen, durch ein starkes Leiden gesundheitlich eingeschränkt zu sein, kamen zu jeweils einem Prozent aus den Bezirksregionen Lankwitz, Ostpreußendamm und Zehlendorf Südwest (vgl. Abbildung 7.1). Abbildung 7.1:
100

Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 1998/2008 - in Prozent* 3 16 3
1 1

3 25

3
1

5
1

2 19

3 15

3
1

4 16

19

23

20

10

80 15 60 29 40 48 37 48 29 28

19

25 28 31 30 32 28 30

20

44

45

45

47

54

61 50

0 insgesamt Steglitz 1998 insgesamt 2008 BR1 BR2 Schloß- Albrechtstraße straße BR3 Lankwitz BR4 BR5 Ostpreu- Teltower ßendamm Damm BR6 Drakestraße BR7 BR8 Zehlend. Zehlend. Südwest Nord

gesund u. leistungsfähig starkes Leiden

leicht beeinträchtigt ohne Antw.

dauernde Beschwerden

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 1998 und 2008 (gew.)

163

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die Selbsteinschätzungen des individuellen Gesundheitszustandes lassen nach soziostrukturellen Merkmalen erhebliche Unterschiede erkennen (vgl. Abbildung 7.2):  Gegenüber der Gesamtheit der Probanden geben Personen mit Migrationshintergrund nicht nur um 10 Prozentpunkte weniger an, gesund zu sein, sondern die Verschiebung der Proportionen schlägt sich in einer um 12 Prozentpunkte höheren Quote für die Angabe, durch andauernde gesundheitliche Beschwerden belastet zu sein, nieder.   12 Prozentpunkte mehr Männer als Frauen fühlen sich gesund. Als wesentlicher Differenzierungsfaktor der Einschätzung des Gesundheitszustandes rückt das Alter in den Vordergrund. Während ein bestimmter Anteil der künftigen Senioren in Folge eines langen Arbeitslebens mit spezifischen gesundheitlichen Einschränkungen - z.B. Invalidität, gesundheitlichen Folgen von Arbeitslosigkeit - konfrontiert ist, lassen die jungen Alten nach dem Austritt aus dem Erwerbsleben eine bestimmte Erholung und Stabilisierung des Gesundheitszustandes erkennen. In den nachfolgenden Altersphasen nehmen die Anteile der sich gesund und der sich leicht beeinträchtigt Fühlenden ab und vergrößert sich der Anteil jener mit dauernden gesundheitlichen Beschwerden.  Die Angaben nach der Familienstruktur lassen den Vorteil der Lebensbedingungen von Partnerschaften und Familien mit Kindern gegenüber Alleinlebenden und Alleinerziehenden hervortreten, die sich auf die Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes auswirken.  Die erkennbare Zunahme des Anteils der sich gesund Fühlenden mit steigender beruflicher Qualifikation unterstreicht die große Bedeutung von Bildung und Wissen als Präventionsfaktor und Grundlage für eine gesunde Lebensführung. Abbildung 7.2: Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* insgesamt mit Migrat.hintergrund Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u.ält. Familienstruktur Alleinlebende Alleinerziehende mit Partner/-in mit Partn. u.Kind/ern Qualifikation ohne Abschluss Facharbeiter FS-Abschluss HS-Abschluss Erwerbsstatus Erwerbstätige Erwerbsmind.-Rentn. Arbeitslose Hausfrau Rentner/Pensionäre Versicherungsstatus gesetzlich krankenversichert privat krankenversichert spezielle Gruppen Schwerbehinderte Pflegebedürftige 0 38 43 55 47 53 50 36 34 27 59 52 39 38 51 70 54 35 14 43 50 41 70 41
75

48 28 32

29 31

19

1

3 3

21 26 31 28 26 16 21 31 31 28 28 17
27 24

16 21 17 8 18

4 3
1

2

25 31 42

4 11 2 3 4 2 3 2
1

30 36 31 20 30 34 24 38 28 32
59

15 8 15 29 16 17 23

2 3 3 5 4 2 5

22 29 3 40 60 80
25

6

22 100

20

gesund u. leistungsfähig durch starkes Leiden behindert

leicht beeinträchtigt ohne Antw.

dauernde Bewerden

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

164

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008



Die Differenzierung nach dem Erwerbsstatus gibt Auskunft darüber, wie sich die gesundheitlichen Beeinträchtigungen unter den künftigen Senioren verteilen. Während sich mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen gesund fühlen, bekunden von den Erwerbsminderungsrentnern (35 Prozent) und Arbeitslosen (14 Prozent) wesentlich geringere Anteile, sich gesund zu fühlen. Mehr als die Hälfte der Arbeitslosen (59 Prozent) verweisen auf dauernde gesundheitliche Beschwerden.



Nach dem Versichertenstatus wird erkennbar, dass sich privat Krankenversicherte (70 Prozent) viel häufiger gesund fühlen als gesetzlich Krankenversicherte (41 Prozent).



Während der gefühlte Gesundheitszustand von Schwerbehinderten dem der Gesamtheit angenähert ist, fühlen sich Pflegebedürftige (75 Prozent) überwiegend durch dauernde gesundheitliche Beschwerden belastet.

Aussagen zum körperlichen, geistigen und seelischen Wohlbefinden Die Selbstaussagen zum körperlichen Wohlbefinden konzentrieren sich auf die Bewegungsorientierung, auf die Bewältigung körperlicher Anstrengungen, auf die geistige Leistungsfähigkeit und auf den Gebrauch von Medikamenten. Von den ab 50-Jährigen bewegen sich 76 Prozent sehr gern und oft, 15 Prozent lehnen dies ab (9 Prozent - ohne Antwort). Bei körperlichen Anstrengungen haben 42 Prozent keine Probleme und 45 Prozent bewältigen Anstrengungen nicht mehr problemlos (13 Prozent - ohne Antwort). Insgesamt 64 Prozent schätzen sich voll geistig leistungsfähig ein, aber 18 Prozent sehen sich mit nachlassender geistiger Leistungsfähigkeit konfrontiert (18 Prozent - ohne Antwort). Ein Drittel der ab 50-Jährigen lebt ohne den ständigen Gebrauch von Medikamenten und 57 Prozent benötigen ständig rezeptpflichtige Medikamente (10 Prozent - ohne Antwort). Die Selbsteinschätzungen des körperlichen und geistigen Wohlbefindens zeigen neben alters- und geschlechtsspezifischen Unterschieden auch nennenswerte Differenzierungen nach der beruflichen Qualifikation und dem Erwerbsstatus an. Auf folgende Zusammenhänge soll hingewiesen werden (vgl. Abbildung 7.3):   Drei Viertel der Frauen und Männer äußern übereinstimmend Freude an häufiger Bewegung. Während bei den künftigen Senioren das Zeitbudget der Erwerbstätigen die Möglichkeiten für Bewegung - Sport, Wandern, Spazierengehen - einschränkt, nutzt die überwiegende Mehrheit der jungen Alten (84 Prozent) die Möglichkeiten sich zu bewegen. Mit zunehmendem Alter und auftretenden Mobilitätseinschränkungen sinkt der Anteil dieser Aktivitäten von 84 Prozent auf 45 Prozent ab.  Mit zunehmender Qualifikation und zunehmendem Wissen über den Wert von Bewegung für die eigene Gesunderhaltung steigt der Anteil jener, die sich oft und gern bewegen, an. Bei eintretenden Mobilitätseinschränkungen im höheren Lebensalter werden diese bildungsbedingten Vorteile überlagert.  Bei Arbeitslosen und Erwerbsminderungsrentnern bekunden größere Anteile, sich nicht gern zu bewegen. Diese Aussage signalisiert nicht nur Bewegungsmangel, sondern auch die Gefahr des Mangels an sozialen Kontakten.  Probleme bei körperlichen Anstrengungen bekunden häufiger Frauen als Männer. Diese Probleme nehmen im Altersverlauf bei auftretenden Mobilitätseinschränkungen zu.  Mit zunehmender Qualifikation erschließen sich mehr Probanden die Chance, durch Aktivität und Training ihre Fähigkeit zur problemlosen Bewältigung von körperlichen Anstrengungen zu erhalten. Dadurch können gesundheitliche Einschränkungen zwar im höheren Alter nicht ausgeschlossen, aber auf jeden Fall ihr Eintreten verzögert werden.  Erwerbsminderungsrentner und Arbeitslose zeigen am häufigsten an, körperlichen Anstrengungen nicht problemlos gewachsen zu sein.  Hinsichtlich des Erhaltes der geistigen Leistungsfähigkeit treten bei den ab 75-Jährigen größere Probleme als bei allen anderen genannten Gruppen auf.

165

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 7.3: Selbstaussagen zum körperlichen Wohlbefinden - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent Ich bewege mich sehr gern und oft. insgesamt mit Migr.hintergrund Geschlecht weiblich männlich Altersphasen 50 b.u. 65 Jahre 65 b.u. 75 Jahre 75 b.u. 85 Jahre 85 Jahre u. älter Qualifikation ohne Abschluss Facharbeiter FS-Abschluss HS-Abschluss Erwerbsstatus Erwerbstätige Erwerbsmind.-Rentn. Arbeitslose Hausfrau Rentner/Pensionäre
76 80 75 77 78 84 60 45 71 72 79 84 82 65 62 89 74 30 20 17 15 9 17 3 15 10 16 7 17 5 11 5 23 35 16 13 17 11 14 7 13 3 15 3 23 12 8 92 14 12
15

Ich habe Probleme bei körperlicher Anstrengung.
45 40 48 40 38 46 60 70 55 52 41 29 28 75 56 31 52 56 33 58 60 40 42 48 38 48 52 39 21 13 12 14 12 10 15 19 14 16 29 37 46 16 11 13 13 12 21 4 4 13 15
15 15 15

Meine geistige Leistungsfähigkeit lässt nach.
18 18 17 18 15 17 23 29 20 18 17 18 15 20 21 9 19 64 72 63 65 71 64 48 35 58 64 66 68 71 67 66 79 59 18 10 20 17 14 19 29 36 22 18 17 14 14 13 13 12 22
15 15

Ich brauche ständig rezeptpflichtige Medikamente.
57 51 57 59 47 64 75 76 62 62 55 46 40 81 59 51 67 36 42 33 40 33 32 43 10 8 10 9 10 14 11 8 16 26 29 34 43 49 12 9 11 11 11 17 2 5 7

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

26 10

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

23 10

ja

nein

ohne Antw.

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)



Den ständigen Gebrauch rezeptpflichtiger Medikamente bestätigen Migranten seltener als die Gesamtheit der ab 50-Jährigen.



In dieser Frage besteht zwischen Frauen und Männern kein nennenswerter Unterschied. Der ständige Gebrauch rezeptpflichtiger Medikamente nimmt mit dem Lebensalter zu.



Je höher die berufliche Qualifikation, umso größer ist das Bemühen um die eigene Gesundheit. Der Bedarf an Medikamenten kann damit hinausgeschoben, aber nicht ausgeschlossen werden.



Den höchsten Bedarf an rezeptpflichtigen Medikamenten zeigen Erwerbsminderungsrentner an.

Die Selbstaussagen zum seelischen Wohlbefinden beinhalten die Position der/des Einzelnen zum Leben, die Fähigkeiten, mit Missgeschicken umzugehen, die Anfälligkeit, gereizt zu reagieren, sich persönlicher Angriffe zu erwehren und die Betroffenheit von Ängsten. Von den ab 50-Jährigen im Jahre 2008      stehen 89 Prozent dem Leben positiv gegenüber, lassen sich 59 Prozent von Missgeschicken nicht aus der Ruhe bringen, werden 28 Prozent nervös und leicht reizbar, können sich 68 Prozent gut gegen persönliche Angriffe wehren und 16 Prozent bestätigen, häufig Ängste zu haben.

Ein Vergleich mit den Aussagen der ab 55-Jährigen des Jahres 1998 belegt in den ausgewählten Positionen zum seelischen Wohlbefinden überwiegend eine Verbesserung. Allerdings beeinträchtigen Missgeschicke gegenwärtig häufiger das seelische Wohlbefinden der ab 50-Jährigen als vor 10 Jahren. Die Selbstaussagen zum seelischen Wohlbefinden machen bei weitgehender Übereinstimmung auf einige Lebenssituationen und Bedingungen aufmerksam, die beachtenswert erscheinen (vgl. Abbildung 7.4):  Alter und Qualifikation erweisen sich als wesentliche Einflussfaktoren auf die positive Lebenseinstellung. Das positive Lebensgefühl nimmt mit dem Anstieg der Qualifikation leicht zu und mit zunehmendem Alter leicht ab. Bei den Veränderungen handelt es sich um weniger als 10 Prozentpunkte. Stärkeren Einfluss auf die Lebensqualität der
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künftigen Senioren hat deren Erwerbsbeteiligung. Während Erwerbstätige zu 91 Prozent dem Leben positiv gegenüberstehen, bestätigen dies nur 80 Prozent der Erwerbsminderungsrentner und 79 Prozent der Arbeitslosen. Strukturelle Ausgrenzung aus dem Erwerbsleben oder gesundheitlich bedingte Erwerbsunfähigkeit führen zu beträchtlichen Minderungen der Lebensqualität.  Mehr Männer als Frauen lassen sich von Missgeschicken nicht aus der Ruhe bringen. 50- bis unter 65-Jährige zeigen sich häufiger gelassen und ruhiger als die Älteren. Mit dem Niveau der Qualifikation nimmt auch die Fähigkeit, sich mit Missgeschicken auseinanderzusetzen, zu. Erwerbsminderungsrentner (42 Prozent) bestätigen am häufigsten, durch Missgeschicke beeinträchtigt zu werden.  Oft nervös und leicht reizbar zu sein, trifft für mehr Frauen als Männer zu. Die Reizbarkeit steigt mit dem Lebensalter an; die Aussage der Hochbetagten zu dieser Frage wird durch einen zu hohen Anteil ohne Antwort verzerrt. Probanden ohne Berufsabschluss und Facharbeiter geben viel häufiger an, nervös und reizbar zu sein, als Fach- bzw. Hochschulabsolventen. Mehr als ein Drittel der Erwerbsminderungsrentner schätzt ein, nervös und leicht reizbar zu sein.  Sich gegen persönliche Angriffe wehren zu können, schätzen Männer am häufigsten ein; auf das geringste Widerstandspotenzial können Hochbetagte zurückgreifen. Die Fähigkeit, persönliche Angriffe abzuwehren, geht bei den ab 75-Jährigen zurück. Das individuelle Qualifikationsniveau bestimmt die Möglichkeiten, sich gegen persönliche Angriffe verbal zu verteidigen. Von den Erwerbsminderungsrentnern sind weniger in der Lage, sich gegen persönliche Angriffe zu wehren als Erwerbstätige, Arbeitslose oder Hausfrauen.  Häufig von Ängsten belastet sind wesentlich mehr Frauen als Männer. Am häufigsten zeigen Erwerbsminderungsrentner an, Ängste zu haben. Die Belastung durch Ängste betrifft Personen mit einer geringeren Qualifikation häufiger als Personen mit hohem Qualifikationsniveau.  Über diese ausgewählten Indikatoren zur Messung des seelischen Wohlbefindens hinweg lässt sich ein relativ stabiles seelisches Wohlbefinden für mehr Männer als Frauen, für die bis unter 85-Jährigen, für Personen mit einem höheren Qualifikationsniveau, für Erwerbstätige und Hausfrauen feststellen. Häufiger als für andere sind Erwerbsminderungsrentner, Arbeitslose, Hochbetagte und Frauen von Einschränkungen im seelischen Wohlbefinden betroffen. Abbildung 7.4: Selbstaussagen zum seelischen Wohlbefinden - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 1998/2008 - in Prozent* Ich stehe dem Leben positiv gegenüber. Missgeschicke bringen mich nicht aus der Ruhe. 4 7 9 6 9 9 6 4 2
20

Ich bin oft nervös und leicht zu reizen.
22

Ich kann mich gut gegen pers. Angriffe wehren. 69
19

Ich habe häufig Angst.

insg. Steglitz 1998 insg. 2008 mit Migrat.hintergrund Geschlecht weiblich männlich Altersphasen 50 b.u. 65 Jahre 65 b.u. 75 Jahre 75 b.u. 85 Jahre 85 Jahre u. ält. Qualifikation ohne Abschluss Facharbeiter FS-Abschluss HS-Abschluss Erwerbsstatus Erwerbstätige Erwerbsmind.-Rentn. Arbeitslose Hausfrau Rentner/Pensionäre

86 89 88 89 88 88 91 89 85 83 88 92 92 91 80 79 96 90

64 59 59 55 63 62 55 54 54 52 59 60 62 65 52 62 57 56

22 33 35 36 30 33 37 31 23 37 33 34 32 30 42 37 36 35

39 28 25 30 26 27 29 30 22 31 31 25 21 26 36 20 29 29

46 63 66 61 67 67 62 58 49 59 60 68 71 68 56 79 64 61
40

25

14 24 24 28 18 25 23 23 22

27

20
18

66 75 79 69 83 78 77 67 53 71 73 78 82 81 68 80 77 73

14

14

18

13

15

19

68 68 63 75 70 70 64 51 62 69 72 71 71 62 73 73 68

18

16 13 21 10 17 15 19 16 17 19 15 12 14 28 20 13 17

8

8

15

19

20

18

9

14

17

17

17

6

13

15

16

15

5

13

17

19

17

9

17

25

22

23

14

22

33

37

31

11 7 6 6 7 14 21 6

16

20

20

14

18

19

12

16

17

12

16

17

29 24 22 23 24 34 25 20 23

19

13

18

8

16

7

16

7

12

15

16

15

5

16

16

17

15

4

11

11

10

12

14

18

16

17

10

14

19

20

19

10

trifft zu * Differenz zu 100 Prozent in jeder Aussage = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 1998 und 2008 (gew.)

trifft nicht zu

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50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Eigeninitiativen für eine gesunde Lebensweise Der Gesundheitszustand hängt wesentlich von der gesunden Lebensweise und den gesundheitsorientierten und präventiven Eigenaktivitäten der Bürgerinnen und Bürger ab. Ein gesunder Lebensstil und die Nutzung des individuellen Aktivitätspotenzials fördern die Fitness, stärken die körperliche Leistungs- und psychische Belastungsfähigkeit und bilden günstige Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Altern und die subjektive Gestaltung des individuellen Alters. Gesunde Ernährung, körperliche Bewegung und sportliche Aktivitäten werden weithin als dienliche Wege der Gesundheitsprävention angesehen. Die überwiegende Mehrheit der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf unterstreicht mit ihren Antworten, dass ihr Lebensstil durch eine gesunde Lebensführung schon über Jahre bestimmt wird. Im Jahre 2008 gaben von den ab 50-Jährigen insgesamt zu Protokoll:         Für ausreichenden Schlaf sorgen 82 Prozent. Regelmäßige Bewegung gehört für 81 Prozent zum täglichen Leben dazu. Gesundheitsbewusstes Essen ist für 80 Prozent Handlungsorientierung. Nicht zu rauchen oder nicht mehr zu rauchen haben 73 Prozent in ihrem Leben realisiert. An Vorbeugeuntersuchungen nehmen 72 Prozent teil. 64 Prozent unternehmen Erholungsreisen. Insgesamt 38 Prozent haben sich für Gedächtnistraining entschieden, um geistig fit zu bleiben. Für Saunabesuche und Kuren wenden 30 Prozent regelmäßig finanzielle Mittel auf.

Ein Vergleich dieser Antworten mit den Befragungsergebnissen aus dem Jahr 1998 belegt in wesentlichen Aspekten einer gesunden Lebensweise bei Frauen und Männern weitgehende Übereinstimmung bzw. Verbesserung der Positionen. Das trifft für Frauen vor allem in Bezug auf die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen und Absolvierung von Kuren zu. Männer hingegen haben beim gesundheitsbewussten Essen und in Bezug auf Kuren oder Saunanutzung hinzugewonnen. Allerdings nehmen aktuell weniger Männer an Vorbeugeuntersuchungen teil als vor zehn Jahren und auch der Anteil der ausreichend Schlaf suchenden Männer ist zurückgegangen. Abbildung 7.5: Individuelle Aktivitäten für eine gesunde Lebensweise - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 1998/2008 - in Prozent* Frauen ausreichend schlafen 12 84 85 regelmäßige Bewegung gesundheitsbewusst essen 13 13 82 83 82 nicht rauchen Vorbeugeuntersuchungen 19 20 72 74 68 Erholungsreisen Gedächtnistraining Sauna/Kuren 31 46 61 62 41 30 15 100 80 60 40 20 0 17 20 40 60 80 100 33 30 Männer 80 88 81 76 72 75 70 74 67 57 63 29 21 27 16 20 17

trifft zu trifft nicht zu trifft zu 1998 - ab 55-Jährige

* Mehrfachantworten möglich; Differenz zu 100 Prozent in jeder Aussage = ohne Antwort; für 1997/1998 - nur Aussage: trifft zu Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 1998 und 2008 (gew.)

168

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Ein Vergleich der aktuellen Ergebnisse des Jahres 2008 macht auf geschlechtsspezifische Unterschiede bei den individuellen Aktivitäten für eine gesunde Lebensweise aufmerksam. Mit Ausnahme der regelmäßigen Urlaubs- und Erholungsreisen und in der Überwindung des Nikotinkonsums übertrifft der Anteil der Frauen mit gesundheitsbewussten Aktivitäten den der Männer um Einiges (vgl. Abbildung 7.5). Ausreichender Schlaf dient nicht nur der individuellen Regeneration von Körper, Geist und Seele, sondern stabilisiert auch die jedem Menschen eigenen Abwehrkräfte. Schlafforscher gehen von einem individuellen Schlaf-Wach-Rhythmus jedes Menschen aus und halten eine Schlafdauer zwischen fünf und zehn Stunden für angebracht. Hinsichtlich des ausreichenden Schlafes weisen die Ergebnisse folgende Differenzierungen aus:    Der Vergleich mit den Aussagen der ab 55-Jährigen aus Steglitz von 1998 weist auf einen Rückgang der Frequenz für ausreichenden Schlaf hin. Von den 50- bis unter 65-Jährigen und Hochbetagten geben erheblich weniger an, ausreichend Schlaf zu haben, als von den 65- bis unter 85-Jährigen. Alleinlebende und ältere Partnerschaften gönnen sich häufiger ausreichenden Schlaf. Alleinerziehende und Paare mit Kindern im Haushalt können ihre Alltagspflichten und ihre Erwerbstätigkeit häufig nur zu Lasten von ausreichendem Schlaf bzw. Erholungszeit miteinander vereinbaren.  Der Anteil der Erwerbstätigen mit ausreichendem Schlaf korrespondiert mit den Angaben der Personen mit Kindern im Haushalt. Wenn rd. ein Viertel der Arbeitslosen unzureichenden Schlaf bestätigt, da das bei dieser Gruppe kein Zeitproblem ist, muss die Ursache dafür offensichtlich in der mit Unzufriedenheit belasteten Lebenssituation zu suchen sein. Während in der Erwerbsphase solche Aktivitäten - wie sich regelmäßig bewegen - in das von Pflichten bestimmte Zeitbudget eingeordnet werden müssen, können bereits aus dem Erwerbsleben ausgeschiedene Personen freier über ihre Zeit disponieren. Je nach körperlicher Verfassung und individueller Motivation wird ein Bewegungsspektrum entfaltet, in dem Wanderungen, Spaziergänge, Radfahren, Gartenarbeit, handwerkliche Beschäftigung sowie sportliche Betätigung einen breiten Raum einnehmen. Abbildung 7.6: Individuelle Aktivitäten für eine gesunde Lebensweise - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 1998/2008 - in Prozent* ausreichend schlafen insg. Steglitz 1998 insg. 2008 mit Migrat.hintergrund Altersphasen 50 b.u. 65 Jahre 65 b.u.75 Jahre 75 b.u. 85 Jahre 85 Jahre u. ält. Familienstruktur Alleinlebende Alleinerziehende mit Partner/-in mit Partn. u.Kind/ern Erwerbsstatus Erwerbstätige Erwerbsmind.-Rentn. Arbeitslose Hausfrau Rentner/Pensionäre
86 82 79 78 88 89 74 83 65 85 75 74 88 77 86 89 34 23 24 23 14 7 4 4 10 4 14 19 20 4 2 2 9 3 7 4 22 12 5
1 20

regelmäßig bewegen
100 1998 - keine Aussage 81 80 81 86 83 53 80 87 83 81 81 76 80 86 83 21 9 26 13 14 17 17 19 20 11 3 11 6 7 13 3 2 2 5 14 17 17 8 5 3 2

20

20

20

20

11 3

20

20

20

20

13 2 2 2 10 2

20

20

20

20

20

20

20

trifft zu * Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 1998 und 2008 (gew.)

trifft nicht zu

ohne Antw.

169

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die Befragungsergebnisse belegen das unter den ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf weit verbreitete Streben nach regelmäßiger Bewegung und Aktivitäten in der Natur. Deutlich unterdurchschnittliche Werte zeigen Hochbetagte und Erwerbsminderungsrentner an, die überwiegend durch gesundheitliche Beeinträchtigungen oder Invalidität und altersbedingte Mobilitätseinschränkungen verursacht werden (vgl. Abbildung 7.6). Gesundheitsbewusstes Essen und Verzicht auf Nikotinkonsum sind wesentliche Einflussfaktoren für die individuelle Gesunderhaltung. Gesundheitsbewusstes Essen dient nicht nur der Gewichtsreduktion, sondern minimiert die Gefahren durch Risikofaktoren wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Durchblutungsstörungen - mit dem Alter wächst die Orientierung auf gesundheitsbewusste Ernährung. Ebenso der individuellen Gesundheit dienlich wirkt sich der Verzicht auf Tabakkonsum aus. Die Befragungsergebnisse lassen erkennen (vgl. Abbildung 7.7):  Für die überwiegende Mehrheit der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf gehört gesundheitsbewusste Ernährung zu ihren individuellen Gesundheitszielen. Deutlich geringer ist der Anteil der Hochbetagten. Da vor allem viele aus dieser Gruppe auf externe Mahlzeitenversorgung angewiesen sind, wäre es von Interesse, in welchem Maße die entsprechenden Dienstleister Mahlzeiten in der Qualität "gesunde Ernährung" anbieten.  Den geringsten Anteil sich gesund Ernährender stellen die Arbeitslosen. Eine gesunde Ernährung ist von ihnen nur im Rahmen ihres Haushaltsbudgets zu realisieren. Da die Mehrheit der 50- bis unter 65-jährigen Arbeitslosen auch in Steglitz-Zehlendorf Hartz IV-Empfänger/-innen sind, beschränken sich die Möglichkeiten der gesunden Ernährung gemäß dem Regelsatz 2008 für Alleinstehende auf 351 Euro und für erwachsene Mitglieder einer Bedarfsgemeinschaft auf 311 Euro pro Monat. In diesem Regelsatzwerk sind pro Monat für Ernährung, Tabak und Getränke zusammen 129 Euro vorgesehen.  Der Trend zur Reduzierung des Tabakkonsums innerhalb der älteren Bevölkerung lässt sich bundesweit nachweisen. Damit leisten alle, die nie geraucht haben oder nicht mehr rauchen, einen aktiven Beitrag vor allem zur Verringerung von Atemwegserkrankungen und von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Beinahe drei Viertel der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf gehören zu den Nichtrauchern. Das betrifft mehr die unter 85-Jährigen, weniger die Alleinlebenden als die Probanden aus Mehrpersonenhaushalten. Die stärkste Gruppe der Raucher ist unter den Arbeitslosen zu finden, von ihnen sind nur 58 Prozent Nichtraucher. Abbildung 7.7: Individuelle Aktivitäten für eine gesunde Lebensweise - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent gesundheitsbewusst essen insg. Steglitz 1998 0
0

nicht (mehr) rauchen

1998 - keine Aussage
80 86 77 83 90 67 77 80 83 79 77 80 64 83 83 33 15 12 11 22 16 13 15 19 20 17 7 7 2 2 3 3 3 2 5 16 4
20

insg. 2008 mit Migrat.hintergrund Altersphasen 50 b.u. 65 Jahre 65 b.u. 75 Jahre 75 b.u. 85 Jahre 85 Jahre u. ält. Familienstruktur Alleinlebende Alleinerziehende mit Partner/-in mit Partn. u.Kind/ern Erwerbsstatus Erwerbstätige Erwerbsmind.-Rentn. Arbeitslose Hausfrau Rentner/Pensionäre

73 75 71 77 75 68 70 74 77 76 73 73 58 81 76 38 7

20 23 25 15 17 25 22 20 18 20 23 24 17 16

7 2 4 8 8

12 2 20 14 3 3 6 4

20

20

20

20

20

20

8 6 5 4 4 3 4 2 8

20

20

20

20

20

20

20

20

trifft zu Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

trifft nicht zu

ohne Antw.

170

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Defizite im Gesundheitsverhalten der Bevölkerung und damit Risiko verschärfend für das Alter ergeben sich auch in Steglitz-Zehlendorf aus der relativ geringen Inanspruchnahme gesundheitlicher Vorsorge (72 Prozent der ab 50-Jährigen). Ein Vergleich mit den Aussagen aus dem Jahre 1998 lässt keine Verbesserung erkennen. Die nach § 25 SGB V bestehenden Früherkennungsprogramme, insbesondere Herz-, Kreislauf- und Nierenerkrankungen sowie Zuckerkrankheit (Gesundheitsuntersuchung für ab 35-jährige Versicherte im Zweijahresrhythmus) sowie nach Alter und Geschlecht differenzierte Krebsvorsorgeuntersuchungen finden eine unzureichende Akzeptanz. Wie die Befragungsergebnisse zeigen, nehmen insgesamt nur 72 Prozent der ab 50-Jährigen an kostenlosen präventiven Gesundheitsmaßnahmen teil. Zu den säumigsten Gruppen gehören die Hochbetagten mit nur 48 Prozent, Partnerschaften mit Kindern 63 Prozent und Alleinerziehende 64 Prozent. Individuelle Urlaubs- und Erholungsreisen zur Stabilisierung des Gesundheitszustandes stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit den individuellen Möglichkeiten, diese zu finanzieren. Während die Realisierung von Urlaubs- und Erholungsreisen bei den ab 75-Jährigen schon durch altersbedingte Mobilitätseinschränkungen beeinflusst werden kann, spielen bei vielen Alleinlebenden oder Alleinerziehenden sowie bei Arbeitslosen oder Erwerbsminderungsrentnern die finanziellen Verhältnisse eine ausschlaggebende Rolle (vgl. Abbildung 7.8). Abbildung 7.8: Individuelle Aktivitäten für eine gesunde Lebensweise - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 1998/2008 - in Prozent* regelmäßig an Vorbeugeuntersuchungen teilnehmen insg. Steglitz 1998 insg. 2008 mit Migrat.hintergrund Altersphasen 50 b.u. 65 Jahre 65 b.u. 75 Jahre 75 b.u. 85 Jahre 85 Jahre u. ält. Familienstruktur Alleinlebende Alleinerziehende mit Partner/-in mit Partn. u.Kind/ern Erwerbsstatus Erwerbstätige Erwerbsmind.-Rentn. Arbeitslose Hausfrau Rentner/Pensionäre
70 72 72 71 78 76 48 70 64 77 63 67 84 76 83 75 20 35 31 15 23 16 5 26 23 36 20 3 2 2
1

Urlaubs- und Erholungsreisen
9 5 2 2 4 6
20

21 23 26 27 18 18 26

100 1998 - keine Aussage 64 64 69 68 52 27 43 59 76 71 74 56 36 77 60 32 62 22 8 39 41 47 34 20 25 23 38 32 10 7 4 4 3 5 2
1

20

30 33 28 28

6 3 3 4 10

20

20

20

20

20

7

20

20

20

20

20

20

1

20

1

20

20

trifft zu * Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 1998 und 2008 (gew.)

trifft nicht zu

ohne Antw.

Immer mehr ältere Menschen sind bestrebt, ihre geistige Leistungsfähigkeit bis in hohe Lebensalter zu erhalten. Sie üben entweder individuell, in Gemeinschaft mit einem Mentor oder per Internet durch Zahlen-, Puzzle-, Rätselspiele, Konzentrationsübungen usw., ihre Gedächtnisleistungen zu stärken. Dies ist durch Angebote von Vereinen oder mit Hilfe einer Internetflatrate auch kostengünstig möglich. Um den Einsatz finanzieller Mittel für eine gesunde Lebensweise geht es bei der Nutzung einer Sauna bzw. bei der Inanspruchnahme von Kuren. Trotz einer erheblichen Verbesserung gegenüber 1998 wird diese Möglichkeit zur individuellen Gesunderhaltung auch in Steglitz-Zehlendorf am wenigsten genutzt:  Insgesamt 38 Prozent der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf versuchen, sich mit Hilfe von Gedächtnistraining fit zu halten. Ähnlich sieht es bei den Migranten aus. Vor allem 65-Jährige bis unter 85-Jährige betreiben Gehirnjog-

171

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

ging, um sich geistig fit zu halten. Erwerbstätige und Arbeitslose widmen diesem Aspekt der Alterung nur unterdurchschnittliche Bedeutung.  Die Nutzung von Kuren und Saunaaufenthalten wird bei den ab 50-Jährigen eine Frage der finanziellen Möglichkeiten. Das spiegelt sich in der geringen Häufigkeit der Nutzung durch Arbeitslose - 10 Prozent, Hochbetagte - 9 Prozent und Migranten - 25 Prozent - (vgl. Abbildung 7.9) wider. Abbildung 7.9: Individuelle Aktivitäten für eine gesunde Lebensweise - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 1998/2008 - in Prozent* Gedächtnistraining betreiben insg. Steglitz 1998 insg. 2008 mit Migrat.hintergrund Altersphasen 50 b.u. 65 Jahre 65 b.u. 75 Jahre 75 b.u. 85 Jahre 85 Jahre u. ält. Familienstruktur Alleinlebende Alleinerziehende mit Partner/-in mit Partn. u.Kind/ern Erwerbsstatus Erwerbstätige Erwerbsmind.-Rentn. Arbeitslose Hausfrau Rentner/Pensionäre
100 1998 - keine Aussage 38 39 36 41 44 24 41 30 39 28 32 49 37 46 41 46 63 59 44 58 47 13 45 45 65 52 51 53 56 47 41 31 14 5 9 9 9 7 5 7 11 8 8 12 15
20

Sauna oder Kuren finanzieren
16 30 25 31 33 28 9 25 29 33 28 32 31 10 28 30 89 69 60 10 61 65 64 61 66 63 64 72 62 67 64 60 60 30 10 7 6 6 5 5
1

12 8 8 5 7 12

20

20

20

20

20

20

20

20

20

20

20

20

20

20

3

20

trifft zu * Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 1998 und 2008 (gew.)

trifft nicht zu

ohne Antw.

7.2

Zufriedenheit mit der gesundheitlichen Betreuung und Nutzung primärer Gesundheitsdienstleistungen

Von den ab 50-Jährigen aus dem Bezirk Steglitz-Zehlendorf äußerte sich knapp die Hälfte (49 Prozent) zufrieden mit der gesundheitlichen Betreuung, 37 Prozent waren teilweise zufrieden und 11 Prozent erklärten, damit unzufrieden zu sein (3 Prozent - ohne Antwort). In Ergänzung der im Kapitel 3 vorgenommenen Untersuchung der sozialen Potenziale für Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit der gesundheitlichen Betreuung im Bezirk sollen in diesem Abschnitt im Vergleich zu den Aussagen der ab 50-Jährigen insgesamt die Bewertungen relevanter Gruppen wie der gesetzlich und privat Krankenversicherten, der sich selbst als gesund oder gesundheitlich beeinträchtigt Einschätzenden sowie der Pflegebedürftigen und Schwerbehinderten herangezogen werden. Vor diesem Hintergrund werden zugleich sowohl die Nutzung von Gesundheitsleistungen durch die ab 50-Jährigen als auch deren Bewertung dargestellt. Bewertung der gesundheitlichen Betreuung Die Zufriedenheit mit der gesundheitlichen Versorgung beruht subjektiv auf einer Vielzahl von Faktoren. Von besonderem Gewicht erweisen sich dabei  die unmittelbaren Erfahrungen mit der medizinischen Versorgung durch konkrete Personen - Ärzte, Therapeuten, Schwestern, medizinisch-technisches Personal, Besatzungen von Rettungsfahrzeugen -, deren Kompetenz und Engagement für die Patienten;  die bestehenden öffentlichen Rahmenbedingungen für die gesundheitliche Betreuung - Leistungskataloge der Kassen, das Preis-Leistungsverhältnis von Beitragssätzen und Kassenleistungen, Zuzahlungen für Medikamente, Therapien, Krankenhausaufenthalte, Kuren usw.;

172

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008



Servicebedingungen wie Erreichbarkeit, Öffnungszeiten, Terminvergabe usw. bei Hausärzten, Fachärzten und Diagnoseeinrichtungen.

Die unterschiedlichen Leistungskataloge und Servicebedingungen der gesetzlichen und privaten Krankenkassen spiegeln sich unmittelbar in der Zufriedenheit der jeweils Versicherten mit der gesundheitlichen Betreuung wider. In einem Vergleich der Zufriedenheit mit der gesundheitlichen Versorgung nach dem Versicherungsstatus zeigt sich, dass gesetzlich Krankenversicherte (46 Prozent) um 14 Prozentpunkte weniger zufrieden sind als privat Krankenversicherte (60 Prozent). Gemessen an der Zufriedenheitsquote der ab 50-Jährigen insgesamt erweist sich die Gruppe der gesetzlich Krankenversicherten als unterdurchschnittlich zufrieden. Explizit unzufrieden votieren 12 Prozent von ihnen. Im Unterschied dazu übertrifft die Gruppe der privat Krankenversicherten die durchschnittliche Zufriedenheit mit der gesundheitlichen Betreuung um 11 Prozentpunkte. Das Unzufriedenheitspotenzial beträgt nur knapp die Hälfte vom Durchschnitt. Die sozialräumliche Verteilung der Zufriedenheit mit der gesundheitlichen Versorgung legt bei den gesetzlich Krankenversicherten Schwankungen zwischen der geringsten Zufriedenheit mit 40 Prozent in der Bezirksregion Teltower Damm und der höchsten mit 54 Prozent in der Bezirksregion Zehlendorf Südwest offen. Die geringste Zufriedenheit bei den privat Krankenversicherten bekunden die Probanden der Bezirksregionen Albrechtstraße und Teltower Damm mit 54 Prozent (vgl. höchste Zufriedenheit bei gesetzlich Krankenversicherten = 54 Prozent) und die höchste mit 70 Prozent in der Bezirksregion Zehlendorf Südwest (vgl. Abbildung 7.10). Abbildung 7.10: Zufriedenheit mit der gesundheitlichen Betreuung nach Versicherungsstatus und Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* insges. 100
3 11 3 12

gesetzlich Krankenv ersicherte
2 14 2 12 3 15 4 12 3 13 4 12 2 8 4 10 3 5

privat Krankenversicherte
1 2 11 34 36 32 31 42 38 34 32 34 2 6 7 4 3 9 3 5 2 2 2 3

80
37 39 38 39 35 44

26

29

38

39

60

40
54 44 60 65 56 54 55 54 70 60 66

49

20

46

46

48

43

45

49 40

0 ab 50Jährige insgesamt BR1 BR2 BR3 BR4 BR5 BR6 BR7 BR8 zufrieden teils/teils insgesamt BR1 BR2 BR3 BR4 BR5 BR6 BR7 BR8 ohne Antw.

unzufrieden

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

173

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 7.11: Zufriedenheit mit der gesundheitlichen Betreuung nach Geschlecht und ausgewählten sozialen Gruppen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Frauen
insgesamt nach Selbsteinschätzung: gesund gesundh. leicht beeinträchtigt dauerhaft gesundh. Beschwerden Versicherungsstatus gesetzlich krankenversichert privat krankenversichert spezielle Gruppen Schwerbehinderte Pflegebedürftige 100 9 17 80 38 29 60 40 zufrieden 47 46 20 0 teils/teils 20 55 54 40 unzufrieden 60 34 27 80 12 100 7 3 13 33 39 61 45 47 59 40 31 12 6 6 11 15 31 40 41 60 47 40 58 51 43 43 30 39 10 9 10 11 38 48 51

Männer
36 10

* Differenz zu 100 Prozent = jeweils ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Hinsichtlich der Zufriedenheit mit der gesundheitlichen Betreuung lässt sich sowohl insgesamt als auch bei den nach Selbsteinschätzung gesundheitlich Beeinträchtigten und mit dauerhaften Beschwerden Belasteten, bei den gesetzlich Krankenversicherten sowie bei Schwerbehinderten und Pflegebedürftigen eine höhere Zufriedenheitsquote bei Männern feststellen. Diese Zufriedenheitsquote fällt nur bei gesunden und privat krankenversicherten Frauen höher als bei den Männern aus (vgl. Abbildung 7.11). Inanspruchnahme ärztlicher Behandlung und hausärztliche Versorgung Von den ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf bestätigen 48 Prozent, regelmäßig ärztliche Behandlung in Anspruch zu nehmen. Des Weiteren gehen 23 Prozent in gewissen Abständen zum Arzt und 21 Prozent suchen einen Arzt nur im akuten Bedarfsfall auf. 4 Prozent verneinen einen Kontakt zu einem Arzt (4 Prozent - ohne Antwort). Abbildung 7.12: Inanspruchnahme ärztlicher Behandlung nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 4 4 21
1

6

3 3 16

5 4 19

4 4 17

6 4 23

4

1

3 5

2 5 22

24

24 30

23 23 17 22

25 22

23 28

24

48

52

55

50

50

45

48 34

47

insgesamt

BR1 Schloßstraße ja, regelmäßig

BR2 Albrechtstraße

BR3 Lankwitz

BR4 Ostpreußendamm

BR5 Teltower Damm nein

BR6 Drakestraße

BR7 Zehlendorf Südwest

BR8 Zehlendorf Nord

ja, in Abständen

ja,im akuten Fall

ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

174

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die sozialräumliche Verteilung der Inanspruchnahme ärztlicher Behandlung dokumentiert die größte Häufigkeit regelmäßiger Arztkontakte in der Bezirksregion Albrechtstraße (55 Prozent) und die geringste (34 Prozent) in der Bezirksregion Zehlendorf Südwest (vgl. Abbildung 7.12). Die Betrachtung der Inanspruchnahme ärztlicher Behandlung nach soziostrukturellen Merkmalen lässt folgende Differenzierungen erkennen (vgl. Abbildung 7.13a):  Gegenüber der Gesamtheit lässt die Inanspruchnahme ärztlicher Behandlung durch Personen mit Migrationshintergrund nur eine geringe Verschiebung zwischen den Frequenzen "regelmäßig" und "in Abständen" erkennen.   Frauen nehmen ärztliche Behandlung häufiger als Männer in Anspruch. Im Altersverlauf nimmt die Frequenz der regelmäßigen Arztkontakte bis zu den unter 85-Jährigen zu. Die Aussagen der Hochbetagten werden durch 9 Prozent ohne Antwort verzerrt. Es ist von einem weiteren Anstieg auszugehen.  Der Zusammenhang zwischen Einbindung in die Familie und Inanspruchnahme ärztlicher Behandlung lässt sowohl den erhöhten Bedarf bei älteren Alleinlebenden und älteren Partnerschaften erkennen als auch Selbsthilfepotenziale (Einsatz von Hausmitteln, Anwendung von Erfahrungswissen) in Mehrpersonenhaushalten mit Kindern vermuten.  Gesetzlich Krankenversicherte nehmen ärztliche Behandlung häufiger in Anspruch als privat Krankenversicherte. Die Verschiebung der Arztkontakte bei privat Krankenversicherten in die Frequenzbereiche "in Abständen" und "nur im akuten Fall" steht häufig mit dem von privaten Krankenkassen praktizierten Bonussystem mit Beitragsrückerstattung und auch mit den oft erforderlichen Vorkasseleistungen im Zusammenhang.  Aufgrund ihrer spezifischen gesundheitlichen Beeinträchtigungen weisen Schwerbehinderte und Pflegebedürftige die häufigste regelmäßige Inanspruchnahme ärztlicher Behandlung aus.  Die Inanspruchnahme ärztlicher Behandlung korreliert eng mit der Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes. Mit der Zunahme der gesundheitlichen Beeinträchtigungen steigt die Frequenz der regelmäßigen Arztkontakte an. (vgl. Abbildung 7.13b). Abbildung 7.13a+b: Inanspruchnahme ärztlicher Behandlung - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* nach soziostrukturellen Merkmalen
insgesamt Migranten Geschlecht weiblich männlich Altersphasen 50 b.u. 65 Jahre 65 b.u. 75 Jahre 75 b.u. 85 Jahre 85 Jahre u.ält. Familienstruktur Alleinlebende Alleinerziehende mit Partner/-in mit Partn. u.Kind/ern Versicherungsstatus gesetzl. krankenversichert privat krankenversichert spezielle Gruppen Schwerbehinderte Pflegebedürftige 38 52 71 69 53 17 50 28 54 33 76 70 10 28 25 22 30 14 6 36 25 35 18 6 5 13 20 36 20 8 48 45 51 45 24 26 16 16 18 26 29 15 23 27 21 21 19 20 22 4 4 7 2 5 5 2

nach Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes
4 4 21 2 5 3 3 21 4 3 16

3

24

6 3 3 4 7 2 4 6 9 4 7 5 4 3 2 4 3 3 3
1

18 23 22 27

48

51 42

59

4

1

insgesamt

Selbsteinschätzung:

gesund

trächtigt ja, regelmäßig ja, in Abständen ja, im akuten Fall nein

Beschwerden ohne Antwort

leicht beeinträchtigt

dauernde Beschwerden

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die übergroße Mehrheit der ab 50-Jährigen (87 Prozent) bestätigt, einen Hausarzt zu haben, der sie mehr als zwei Jahre kennt und betreut. 12 Prozent versichern, keinen Hausarzt zu haben (1 Prozent - ohne Antwort). Diese Einschätzung spiegelt sich in allen Bezirksregionen wider; dennoch fällt auf, dass in den Bezirksregionen Lankwitz, Ostpreußendamm und Albrechtstraße eine höhere Teilnahme am Hausarztsystem zu verzeichnen ist als in den übrigen Bezirksregionen (vgl. Abbildung 7.14).

175

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 7.14: Haben Sie einen allgemein praktischen Arzt (Hausarzt), der Sie seit mehr als zwei Jahren betreut? - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 1 1 1

100

12

13

9

3 8

2 8

1

1

2 14

1

15

16

12

80

60 87 40 86 90 89 90 84 83 84 87

20

0 insgesamt BR1 Schloßstraße BR2 Albrechtstraße BR3 Lankwitz ja BR4 Ostpreußendamm nein BR5 Teltower Damm BR6 Drakestraße BR7 BR8 Zehlendorf Zehlendorf Südwest Nord

ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die soziostrukturelle Differenzierung der Teilnahme an der Hausarztbetreuung unterstreicht das übereinstimmend hohe Niveau bei den ab 50-Jährigen mit und ohne Migrationshintergrund. Differenzierungen treten nach folgenden Merkmalen auf (vgl. Abbildungen 7.15 und 7.16):  Mehr Frauen als Männer nehmen an der hausärztlichen Versorgung teil. Dieser Trend spiegelt sich sowohl bei Gesunden als auch bei Personen mit unterschiedlichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen wider. Abbildung 7.15: Teilnahme an der Hausarztbetreuung nach Geschlecht und Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 100 1 10 1 14 1 12 1 14 1 9 14 1 6 1 16

80

60

89 40

85

87

85

90

86

93 83

20

0 insgesamt Frauen: ja Selbsteinschätzung: nein ohne Antw. gesund Männer: ja leicht beeinträchtigt nein ohne Antw. dauernde Beschwerden

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

 

Mit ansteigendem Lebensalter nimmt die Teilnahme an der hausärztlichen Versorgung zu. Während Alleinerziehende und Partnerschaften mit Kindern, vorrangig künftige Senioren (50 bis unter 65-Jährige), leicht unterdurchschnittlich an der Hausarztbetreuung teilnehmen, gehören Alleinlebende und in Partnerschaft Lebende häufiger zu den Hausarztpatienten.

 

Ähnlich wie im Zusammenhang mit der Inanspruchnahme ärztlicher Behandlung angeführt, sind gesetzlich Krankenversicherte auch häufiger als privat Krankenversicherte in eine Hausarztversorgung integriert. Eine Hausarztbetreuung stellt vor allem für Schwerbehinderte und Pflegebedürftige ein günstiges Angebot zur gesundheitlichen Versorgung dar.

176

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 7.16: Teilnahme an der Hausarztbetreuung - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* insgesamt mit Migrat.hintergrund Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u.75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u.ält. Familienstruktur Alleinlebende Alleinerziehende mit Partner/-in mit Partn. u.Kind/ern Versicherungsstatus gesetzl. krankenversichert privat krankenversichert spezielle Gruppen Schwerbehinderte Pflegebedürftige 0 20 87 87 89 85 83 90 95 91 87 84 88 81 90 78 92 89 40 ja nein 60 ohne Antw. 80 22 5 4 7 100 3 12 12 10 14 16 9
1 1

1

1

1

1

3 2 4 5 12 16 11 18 8
1

1

1

2

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Subjektive Bewertung der ärztlichen Betreuung Die subjektive Bewertung der ärztlichen Betreuung beruht nur in Ausnahmefällen auf medizinischer Fachkompetenz, sondern erwächst in überwiegendem Maße auf der Grundlage individueller Betreuungsbedürfnisse und einer Vielfalt konkreter Bedarfe. Letztere können    vorrangig auf Gesundheitsberatung und präventive Maßnahmen gerichtet sein, überwiegend hausärztliche Leistungen, Arztgespräche oder Hausbesuche erfordern, diagnostische oder kurative Maßnamen zum Ziel haben.

Die subjektive Bewertung ärztlicher Betreuung kann auch auf der Grundlage langjähriger Erfahrung ärztlicher Begleitung bei chronischer Krankheit erfolgen. Da nicht vorauszusetzen ist, dass die zu beurteilenden Bedarfe nicht auf alle Probanden im gleichen Maße zutreffen, wird sich auch Mangel an eigener Erfahrung in Nichtbeantwortung einzelner Teilfragen ausdrücken. Auch wenn 4 Prozent keine Erfahrung mit ärztlicher Behandlung haben und 12 Prozent nicht an einer Hausarztversorgung teilnehmen, wird deutlich, dass sich die überwiegende Mehrheit von ihrem Arzt bzw. ihren Ärzten gut versorgt fühlt. So bestätigen - für den Bedarfsfall     90 Prozent jederzeit notwendige Medikamente verordnet zu bekommen, 89 Prozent zu Fachärzten überwiesen zu werden, 86 Prozent, dass erforderliche Behandlungen angewiesen werden, 77 Prozent die umgehende Einleitung stationärer Behandlung (hier ist zu berücksichtigen, dass nicht jede ärztliche Behandlung stationär erfolgen muss). Umso offensichtlicher treten bestehende Defizite bei der unverzüglichen Behandlung durch Fachärzte (60 Prozent) und bei der Vergabe kurzfristiger Termine für Diagnoseeinrichtungen (55 Prozent) auf. Sowohl die angezeigten Vorzüge wie Defizite finden sich in unterschiedlicher Verteilung in allen Bezirksregionen wieder. Während die auf den ersten vier Plätzen rangierenden Bewertungen in ihrer Werteausprägung zwischen den Bezirksregionen Unterschiede zwischen der besten und der geringsten Versorgung um 5 bis 7 Prozentpunkte variieren, treten bezüglich der unverzüglichen Facharztbehandlung (zwischen Bezirksregion Lankwitz und Bezirksregion Zehlendorf Südwest um 16 Prozentpunkte) und hinsichtlich der kurzfristigen Diagnosetermine (zwischen Bezirksregion Schloßstraße und Lankwitz einerseits und Bezirksregion Zehlendorf Südwest andererseits um 15 Prozentpunkte) erhebliche Unterschiede im gefühlten Versorgungsniveau auf (vgl. Tabelle 7.1).

177

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Tabelle 7.1:
Bezirksregionen

Wie fühlen Sie sich ärztlich betreut? - nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* jederzeit Verordnung notwendiger Medikamente ja nein 4 1 89 93 88 93 87 90 92 88 5 3 6 2 6 5 3 5 90 91 85 91 87 89 88 89 90 Überweisung zu Fachärzten ja 89 2 1 2 6 2 3 3 4 2 91 87 84 89 84 88 85 85 nein 3 erforderliche Behandlungen werden angeordnet ja 86 3 2 3 7 3 6 4 5 2 nein 4

insgesamt Rangplatz (nach Antwort - ja) BR1 Schloßstraße BR2 Albrechtstraße BR3 Lankwitz BR4 Ostpreußendamm BR5 Teltower Damm BR6 Drakestraße BR7 Zehlendorf Südwest BR8 Zehlendorf Nord

wenn nötig, wird stationäre Behandlung umgehend eingeleitet ja insgesamt Rangplatz BR1 Schloßstraße BR2 Albrechtstraße BR3 Lankwitz BR4 Ostpreußendamm BR5 Teltower Damm BR6 Drakestraße BR7 Zehlendorf Südwest BR8 Zehlendorf Nord
*

unverzügliche Behandlung durch Fachärzte ja 60 5 nein 29

kurzfristige Termine für Diagnoseeinrichtungen (Labor, Röntgen usw.) ja 55 6 nein 33

nein 6 4

77

74 79 74 78 77 80 80 73

7 6 7 6 5 5 4 6

55 62 54 58 62 61 70 60

31 28 34 33 27 27 20 25

49 55 49 54 58 56 64 54

37 33 38 37 29 33 24 29

nur Antworten "ja" und "nein" - Differenz zu 100 Prozent jeweils = ohne Antwort; stärkste Ausprägung der Antwort "ja" jeweils grün unterlegt; geringste Ausprägung der Antwort "ja" und stärkste Ausprägung der Antwort "nein" jeweils orange unterlegt

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Während die soziostrukturelle Verteilung der Bewertung von verschiedenen Inhalten ärztlicher Betreuung in vielen Positionen weitgehende Übereinstimmung aufzeigt, treten dennoch erhebliche konkrete Unterschiede hervor. Dabei soll auf folgende Aspekte hingewiesen werden (vgl. Abbildung 7.17):  Zur Einschätzung, jederzeit notwendige Medikamente verordnet zu bekommen, besteht breiter Konsens. Alte im fortgeschrittenen Alter (93 Prozent) und Schwerbehinderte (94 Prozent) unterstreichen die Aussage im höchsten Maße. Am geringsten wird sie von Hochbetagten (85 Prozent) und Pflegebedürftigen (85 Prozent) unterstützt.  Ähnlich fällt das positive Votum für die Überweisung zu Fachärzten aus. Am häufigsten wird diese Aussage von Partnerschaften (92 Prozent) und Schwerbehinderten (91 Prozent) getragen. Hochbetagte (83 Prozent) und Pflegebedürftige (82 Prozent) stimmen dem am wenigsten zu.  Die Anordnung erforderlicher Behandlungen wird ebenfalls im breiten Konsens bestätigt. Vor allem Migranten, Alleinerziehende, in Partnerschaft Lebende und Schwerbehinderte (jeweils 89 Prozent) heben diesen Aspekt ärztlicher Betreuung besonders hervor. Hingegen von den Hochbetagten (76 Prozent) und Pflegebedürftigen (81 Prozent) ist nur ein geringerer Anteil dieser Meinung.  Trotz des spezifischen Bedarfs an stationärer Behandlung einerseits und des in Nichtbeantwortung dokumentierten Mangels an konkreter Erfahrung andererseits zeigt die Mehrheit der aufgeführten sozialen Gruppen mit mehr als drei Vierteln der Probanden an, dass solche Behandlung bei Notwendigkeit vom behandelnden Arzt umgehend ein178

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

geleitet wird. Vor allem privat Krankenversicherte (86 Prozent) und Schwerbehinderte (84 Prozent) sehen keine Probleme, im Bedarfsfall stationär behandelt zu werden. Migranten (71 Prozent) sowie Hochbetagte und Alleinlebende (jeweils 72 Prozent) gehen in geringerem Maße von einer problemlosen Inanspruchnahme stationärer Behandlung aus.  Die unverzügliche Behandlung durch Fachärzte sehen insgesamt viel weniger (nur 60 Prozent) der ab 50-Jährigen als möglich an. Diese Position wird in ähnlichem Umfang von Frauen, allen Altersphasen, Alleinlebenden, Partnerschaften ohne Kinder im Haushalt und auch von Schwerbehinderten und Pflegebedürftigen vertreten. In deutlich höherem Maße gehen privat Krankenversicherte (87 Prozent), Migranten (67 Prozent) und Männer (65 Prozent) davon aus, bei Bedarf unverzüglich durch einen Facharzt behandelt zu werden. Im Gegensatz dazu sind nur 49 Prozent der Alleinerziehenden und 51 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten dieser Ansicht.  Noch geringer ist die Bestätigung der Möglichkeit, kurzfristig Termine für Diagnoseeinrichtungen (55 Prozent) zu erhalten. Die geringsten Probleme damit sehen 85 Prozent der privat Krankenversicherten und 60 Prozent der Männer. Wesentlich geringer sind die positiven Erfahrungen auf diesem Gebiet bei den gesetzlich Krankenversicherten (45 Prozent) und bei den Alleinerziehenden (44 Prozent). Abbildung 7.17: Subjektive Bewertung der ärztlichen Betreuung nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* jederzeit Verordnung notwendiger Medikamente insgesamt mit Migrat.hintergrund Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künft. Senioren 50-65 J. junge Alte 65-75 J. Alte im fortge. Alter 75-85 J. Hochbetagte 85 J. u.ält. Familienstruktur Alleinlebende Alleinerziehende mit Partner/-in mit Partn. u.Kind/ern Versicherungsstatus gesetzl. krankenversichert privat krankenversichert spezielle Gruppen Schwerbehinderte Pflegebedürftige
90 91 90 91 89 92 93 85 88 89 92 91 90 91 94 85 46 54 55 46 56 35 34 5 10 66 56 44 36 55 36 24 3 12
15

Überweisung zu Fachärzten

erforderliche Behandlungen werden angeordnet
15

wenn nötig, wird stat. Behandlung umgehend eingeleitet
15

unverzügliche Behandlung durch Fachärzte
15

kurzfristige Termine für Diagnoseeinrichtungen
15

89 85 89 89 89 90 87 83 84 85 92 90 90 86 91 82
1

38 6 9 29 47 38 28 5 8 16 5 11 4 11 26 37 37 4 10 27 3 15

86 89 86 87 87 87 85 76 81 88 89 87 86 88 89 81

4 10 47 4 10 4 9 5 8 3 10 4 11 3 21 6 13 39 38 4 9 5 9 39 38 3 16

77 71 75 80 76 78 81 72 72 70 81 75 74 86 84 74 2 6 8

6 17 13 6 16 19 6 14 7 17 7 15 2 17 26 22 22 5 14 8 7 17 19
1

60 67 56 65 60 59 62 60 56 49 62 63 51 87 62 58 7

29 26 30 26 31 30 24 33 27 46 29 28 36

11 7 14 9 9 11 14

55 62 50 60 54 56 57 47 49 44 57 58 45 85 55 47 28 18

33 32 36 29 36 33 28 35 32 44 33 32 41

12 6 14 11 10 11 15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

14

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

17 5 9 9 13 6 7

15

19 12 10 10 14 7 8

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

15

13

15

15

15

15

15

6 10 5 21

15

27 24

11 18

15

34

11 25

15

15

15

15

15

ja

nein

ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

7.3

Hilfebedarfe und Hilfepotenziale im Krankheitsfall bzw. bei der Alltagsbewältigung

Die Gewährleistung eines selbstbestimmten Lebens der Bürgerinnen und Bürger in höchstmöglicher Gesundheit bis in das hohe Lebensalter erfordert zielgerichtete sowohl öffentliche als auch individuelle Aktivitäten zur Vorsorge. Die öffentliche Vorsorge im kommunalen Bereich in Steglitz-Zehlendorf erstreckt sich dabei auf die Vorhaltung einer intakten Infrastruktur zur gesundheitlichen Betreuung der Bürgerinnen und Bürger (niedergelassene Haus- und Fachärzte, Krankenhäuser, Spezialkliniken, Diagnoseeinrichtungen, ein funktionierendes Rettungswesen), einer umfangreichen Gesundheitsaufklärung und -information und den ständigen Ausbau der gesundheitlichen Präventionsangebote. Zur öffentlichen gesundheitsorientierten Daseinsfürsorge gehört auch die ständige Vervollkommnung der Pflegeinfrastruktur mit Angeboten zur ambulanten, teilstationären und stationären Pflege bis hin zu Hospizangeboten. Zur Verantwortung des/der Einzelnen gegenüber der eigenen Gesundheit gehört auch die Abwägung der möglichen individuellen Lebensrisiken im Alter wie Krankheit, Hilfebedürftigkeit oder Pflegebedürftigkeit und die Überprüfung, ob und welche Hilfepotenziale im Bedarfsfall mobilisiert werden könnten.

179

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Verständigung des Arztes Insbesondere im Krankheitsfall ist es wichtig, unverzüglich den Hausarzt zu verständigen und so die medizinische Betreuung einzuleiten. Im Jahre 2008 bestätigten 74 Prozent der ab 50-Jährigen, dass sie im Bedarfsfall Hilfe im Haus/Haushalt haben, so dass eine Verständigung eines Arztes gewährleistet ist. Weitere 14 Prozent könnten die Verständigung des Arztes über externe Hilfe gewährleisten, aber 9 Prozent haben niemand, der diese Aufgabe übernehmen würde (3 Prozent - ohne Antwort). Der Vergleich mit den Befragungsergebnissen aus dem Jahre 1998 unterstreicht sowohl die Stabilität dieser Art der Vorsorge als auch die Beständigkeit der bestehenden Defizite. Gemessen an der Verständigung eines Arztes durch unmittelbar im Haus vorhandene Helfer besteht zwischen den Bezirksregionen ein Unterschied von 8 Prozentpunkten, der sich durch das Potenzial der außerhäuslichen Helfer ausgleicht. Hervorzuheben ist mehr der Sachverhalt, dass in allen Bezirksregionen zwischen 8 und 10 Prozent der Probanden über keine Hilfe bei der Verständigung eines Arztes im akuten Krankheitsfall verfügen (vgl. Abbildung 7.18). Abbildung 7.18: Hilfe bei der Verständigung des Arztes im Krankheitsfall nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 1998/2008 - in Prozent 100 5 9 80 13 3 9 14 6 8 12 3 9 17 5 10 16 4 8 12 4 9 10 3 9 13 4 8 12 2 10 12

60

40

73

74

74

71

69

76

77

75

76

76

20

0 insgesamt Steglitz 1998 insgesamt 2008 BR1 Schloßstraße BR2 Albrechtstraße BR3 Lankwitz BR4 Ostpreußendamm nein BR5 Teltower Damm ohne Antw. BR6 Drakestraße BR7 BR8 Zehlendorf Zehlendorf Südwest Nord

ja, im Haus

ja, außer Haus

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 1998 und 2008 (gew.)

Eine genauere Betrachtung dieser Aussagen nach soziostrukturellen Merkmalen lässt die bedeutende Rolle der Familie für die Hilfe im akuten Krankheitsfall hervortreten. Darüber hinaus werden die Defizite deutlich erkennbar. Auf folgende Aspekte soll besonders aufmerksam gemacht werden (vgl. Abbildung 7.19):  Migranten und herkunftsdeutsche Probanden verfügen über den gleichen Gewährleistungsstatus, Verschiebungen gibt es nur zwischen häuslicher und außerhäuslicher Hilfe.  Um 11 Prozentpunkte weniger Frauen als Männer sind hinsichtlich der Hilfe bei der Verständigung des Arztes aufgrund häufigeren Alleinlebens im höheren Alter im Nachteil und können diesen auch nicht völlig durch außerhäusliche Helfer ausgleichen.  Solange man von der Existenz stabiler Partnerschaften ausgehen kann, ist im Altersverlauf die rasche Verständigung eines Arztes gewährleistet. Mit Einsetzen der Verwitwung bei den Alten im fortgeschrittenen Alter nimmt diese Sicherheit ab und wird auch nicht für jede/jeden durch Außerhaushilfe aufgefangen. Vor allem Hochbetagte können auch über außerhäusliche Hilfe die bestehenden Defizite kaum abmildern.  27 Prozent der Alleinlebenden können auf keinerlei Hilfe verweisen. Weniger als ein Drittel (30 Prozent) der Alleinlebenden kann auf Helfer im Haus zurückgreifen, 38 Prozent haben sich außerhäuslicher Hilfe versichert. Selbst bei Addition der häuslichen und außerhäuslichen Hilfe ergibt sich für die Alleinlebenden ein um 20 Prozentpunkte unter
180

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

dem Durchschnitt liegendes Hilfepotenzial. Nach dem Versicherungsstatus ergeben sich keine nennenswerten Unterschiede.  Pflegebedürftige weisen in der Summe der Hilfen noch immer eine unterdurchschnittliche Gewährleistung von Hilfe aus. Ihre auf die häuslichen Hilfepotenziale bezogenen Auskünfte offenbaren ein Defizit von 11 Prozentpunkten gegenüber dem Durchschnitt. Abbildung 7.19: Hilfe bei der Verständigung des Arztes im Krankheitsfall nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* insgesamt mit Migrat.hintergrund Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u. ält. Familienstruktur Alleinlebende Alleinerziehende mit Partner/-in mit Partn. u.Kind/ern Versicherungsstatus gesetzl. krankenversichert privat krankenversichert spezielle Gruppen Schwerbehinderte Pflegebedürftige 0
74 72 69 80 76 75 70 58 30 79 93 95 72 80 74 63 23 14 5 15 9 7 9 9 9 5 38 24 27 7 12 3 18 8 11 14 6 10 5 2 313
1 1

14 16 17 9

9 7 10 8 10 9 6

3 5 4 3 3 2

4 2

20 ja, im Haus

40 ja, außer Haus

60 nein

80 ohne Antw.

100

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Betreuung bei ernster Erkrankung Der Verständigung des Arztes folgt im Falle einer ernsthaften Erkrankung der Bedarf nach Betreuung bis zur Genesung des Patienten. Eine solche Betreuung stellt wesentlich höhere Anforderungen an die Helfer. Das betrifft sowohl den Zeitaufwand als auch die Fähigkeiten zur Versorgung und Betreuung eines älteren kranken Menschen. Vor allem für die erwachsenen Kinder stellt sich häufig die Frage nach der Vereinbarkeit der Krankenpflege eines älteren Familienmitgliedes mit ihrer Erwerbstätigkeit. Auch für Freunde und Bekannte erwachsen aus der räumlichen Trennung des zu Betreuenden Probleme für die Sicherung einer stabilen Versorgung. Die Befragungsergebnisse nach dem Vorhandensein von Betreuungspotenzialen bei ernster Erkrankung älterer Bürgerinnen und Bürger im Jahre 2008 unterstreichen den hohen Anteil der familialen Betreuungspotenziale. 77 Prozent der ab 50-Jährigen können in Steglitz-Zehlendorf im Krankheitsfall mit Betreuung durch Familienmitglieder rechnen. Vor zehn Jahren waren es 9 Prozent weniger. Durch Freunde, Bekannte, Nachbarn oder ambulante Dienste sichern sich 13 Prozent eine Betreuung ab. Der Personenkreis, der keine Betreuungshilfe erwarten kann, ist in den letzten 10 Jahren von 16 auf 9 Prozent gesunken (vgl. Abbildung 7.20). In allen Bezirksregionen stellen die Familien die größten Betreuungspotenziale für erkrankte ältere Familienmitglieder, die familialen Betreuungsquoten schwanken bezogen auf die jeweils ab 50-Jährigen in den einzelnen Bezirksregionen zwischen 53 Prozent in der Bezirksregion Lankwitz und 65 Prozent in der Bezirksregion Ostpreußendamm. Ambulante Pflegedienste werden überdurchschnittlich in den Bezirksregionen Schloßstraße und Teltower Damm zur Krankenpflege nachgefragt. Der größte Mangel an Betreuungspotenzial im Krankheitsfalle wird in der Bezirksregion Teltower Damm bekundet.

181

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 7.20: Vorhandensein von Betreuungspotenzialen bei ernsthafter Erkrankung nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 1998/2008 - in Prozent* 100 4 16 80 5 7 2 15
1

9 5 3 5 3 4 11

2 7 6 4 6 3 6 6

2 10 7 3 6 3 4 11

5 8 4 2 5 3 6 14

1

2

9 5 2 2 4 3 9

12 3 4 4 2 5 8

3 8 6
1

6 4
1

2 8 4 3 3 3 5 8

4 5 4 2 7 4 14
1

11

60

40 51 20 59 60 65 54 53 60 60 64 59

0 insgesamt Steglitz 1998 insgesamt 2008 BR1 Schloßstraße BR2 Albrechtstraße BR3 Lankwitz BR4 Ostpreußendamm BR5 Teltower Damm BR6 Drakestraße BR7 BR8 Zehlendorf Zehlendorf Südwest Nord Freunde/Bek./Nachb.

Partner/-in Pflegedienst/priv. Pflegehilfe

Kinder mehrfache Hilfen

Partn. u. Kinder niemand

andere Verwandte ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 1998 und 2008 (gew.)

Der Kreis der ab 50-Jährigen unterscheidet sich nach soziostrukturellen Merkmalen erheblich danach, wer auf welche oder keine Betreuungshilfe im Krankheitsfall rechnen kann. Dabei ergeben sich folgende Differenzierungen (vgl. Abbildung 7.21):  Durchschnittlich können 77 Prozent der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf im Krankheitsfalle mit Betreuung durch Familienmitglieder rechnen. Das sind in erster Linie die Partner/-in und die erwachsenen Kinder, aber auch andere Verwandte sind im Einsatz. Die Betreuung bei Krankheit durch Familienmitglieder schwankt zwischen 94 Prozent der in Partnerschaft Lebenden und 41 Prozent der Alleinlebenden. Auch Alleinerziehende (45 Prozent), Pflegebedürftige (56 Prozent) und Hochbetagte (58 Prozent) finden weniger als andere Krankenhilfe in der Familie. Abbildung 7.21: Vorhandene Betreuungspotenziale bei ernsthafter Erkrankung nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* insgesamt mit Migrat.hintergrund Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u.ält. Familienstruktur Alleinlebende Alleinerziehende mit Partner/-in mit Partn. u.Kind/ern Versicherungsstatus gesetzl. krankenversichert privat krankenversichert spezielle Gruppen Schwerbehinderte Pflegebedürftige 0 59 58 47 74 63 66 44 16 5 3 28 39 79 55 70 54 36 20 Partner/-in andere Verwandte mehrfache Hilfen 40 Kinder Freunde/Bek./Nachb. niemand 14 4 2 11 8 60 5 7 13 5 4 3 3
1

11 8 16 5 8 3

4
1

3 4

5 4 3

3

5 8

9 5 10

1

4 3

6 4

7 4 2 3

1

3

8

1

6 20 12 7
1

4 7 6

1

5 9 6

3

39 16 6

6 11

5 1 5 9 3 4 3 4 2 3 8 6 7 8 4 8 9 12 25

1

1

2 88

10

31
1

8 1 5 12 2 2 3 12
1 1 1 1

5 3 5 4 2 4 2 5 6 4 19 80 6 3

9 7 9 7

2 2 2 100

Partn. u. Kinder Pflegedienst/priv. Pflegehilfe ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

182

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008



Alleinlebende und Pflegebedürftige können häufiger als andere damit rechnen, dass Freunde, Bekannte oder Nachbarn ihnen im Krankheitsfalle helfen.



Ambulante Pflegedienste werden hauptsächlich durch Hochbetagte, Alleinlebende und Pflegebedürftige in Anspruch genommen.



Auf keine Betreuung im Krankheitsfalle verweisen überdurchschnittlich oft Alleinerziehende (31 Prozent), Alleinlebende (25 Prozent) und Frauen (10 Prozent).

Hilfebedarf bei der Alltagsbewältigung In Abhängigkeit von der körperlichen Fitness, dem Gesundheitszustand und den Fähigkeiten zum Alltagsmanagement bewältigen ältere Bürgerinnen und Bürger in Selbsttätigkeit und eigenständiger Regie ihre Haushaltsführung, ihre Familienbeziehungen, ihre sozialen Kontakte zu Freunden, Bekannten und Nachbarn und bringen sich selbst mit ihren Initiativen und Ideen in Gemeinschaften, Projekte, Vereine oder Verbände ein, um aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Dennoch entwickelt sich im Zusammenhang mit altersbedingten Mobilitätseinschränkungen oder durch Krankheiten verursachte Einschränkungen ein individuell differenzierter Hilfebedarf bei der Bewältigung der Tätigkeiten des alltäglichen Lebens. Im Jahre 2008 äußerten von den ab 50-Jährigen folgende Hilfebedarfe oft und manchmal (vgl. Tabelle 7.2):      38 Prozent bei schwerer Hausarbeit und bei handwerklichen oder gärtnerischen Tätigkeiten, 25 Prozent beim Einkauf, 18 Prozent beim Auto putzen, bei Behördenangelegenheiten und bei Krankenpflege, 13 Prozent bei der Essenzubereitung und bei leichter Hausarbeit, 6 Prozent bei Körperpflege.

Im Vergleich zum Jahre 1998 sind all diese Hilfebedarfe erheblich angestiegen. Das ist in keiner Weise mit einem Anstieg der Hilfebedürftigkeit der älteren Menschen gleichzusetzen, sondern in diesem Falle sind die Hilfebedürfnisse mit der Angebotsbreite der seniorenorientierten sozialen und kommerziellen Dienstleistungen gewachsen. Die bekundeten Hilfebedarfe differenzieren sich zwischen den Bezirksregionen sowohl nach den finanziellen Möglichkeiten der Befriedigung als auch nach den Bedürfnissen. Sie schwanken je konkreten Hilfebedarf bezogen auf         schwere Hausarbeit zwischen 30 Prozent in der Bezirksregion Ostpreußendamm und 48 Prozent in der Bezirksregion Zehlendorf Nord, handwerkliche und gärtnerische Tätigkeit zwischen 35 Prozent in den Bezirksregionen Lankwitz und Ostpreußendamm und 47 Prozent in der Bezirksregion Zehlendorf Nord, die Erledigung des Einkaufs zwischen 19 Prozent in der Bezirksregion Zehlendorf Südwest und 30 Prozent in der Bezirksregion Albrechtstraße, Behördengänge zwischen 22 Prozent in der Bezirksregion Albrechtstraße und 10 Prozent in der Bezirksregion Zehlendorf Südwest, Krankenpflege zwischen 15 Prozent in der Bezirksregion Zehlendorf Südwest und 21 Prozent in der Bezirksregion Albrechtstraße, die Zubereitung von Mahlzeiten zwischen 11 Prozent in der Bezirksregion Lankwitz, Drakestraße und Zehlendorf Südwest und 16 Prozent in der Bezirksregion Schloßstraße, leichte Hausarbeit zwischen 10 Prozent in der Bezirksregion Zehlendorf Südwest und 16 Prozent in der Bezirksregion Zehlendorf Nord, Körperpflege zwischen 3 Prozent in der Bezirksregion Zehlendorf Südwest und 9 Prozent in der Bezirksregion Albrechtstraße.

183

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Tabelle 7.2: Verteilung des Hilfebedarfs bei Tätigkeiten des alltäglichen Lebens nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 1998/2008 - in Prozent insgesamt Steglitz 1998 2008 BR1 Schloßstraße BR2 Albrechtstraße 37 38 30 18 22 21 15 15 9 BR3 Lankwitz Bezirksregionen BR4 Ostpreußendamm 30 35 24 18 18 17 13 12 4 BR5 Teltower Damm 38 36 22 18 18 19 14 14 7 BR6 Drakestraße BR7 Zehlendorf Südwest 44 40 19 18 10 15 11 10 3 BR8 Zehlendorf Nord 48 47 26 24 18 16 15 16 4

Hilfebedarf bei/beim ...

schwerer Hausarbeit handwerkl./gärtn. Tätigkeit Einkauf Auto putzen** Behördenangelegenheiten Krankenpflege Essen zubereiten leichter Hausarbeit Körperpflege

26 13 10

38 38 25 18

38 44 27 18 18 19 16 15 6

35 35 25 16 20 19 11 13 7

37 39 22 18 16 17 11 12 4

9 4 3 3 7

18 18 13 13 6

* Hilfebedarf - gemessen an der Summe der Antworten "oft" und "manchmal"; jeweils die stärkste Ausprägung = orange und geringste = grün unterlegt ** 1998 - nicht erfragt Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die Verteilung der von den ab 50-Jährigen geäußerten Hilfebedarfe macht erhebliche geschlechtsspezifische Unterschiede deutlich. Bis auf die Positionen "Essenzubereitung" und "Krankenpflege" bekunden Frauen häufiger Hilfebedarf als Männer. Dabei ist zu unterstellen, dass Männer häufiger in Partnerschaft leben und damit auf das Hilfepotenzial der Partnerin zurückgreifen können. Der Hilfebedarf bei Körperpflege wird von Frauen und Männern im gleichen Umfang bestätigt (vgl. Abbildung 7.22). Abbildung 7.22: Hilfebedarf bei Tätigkeiten des alltäglichen Lebens nach Geschlecht - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Hilfebedarf bei/beim ... schwerer Hausarbeit handwerklicher Arbeit Einkauf Putzen meines Autos Behördengängen Essenzubereiten leichter Hausarbeit Krankenpflege Körperpflege 100 80 60 69 81 77 73 85 40 oft 20 51 44 62 59

Frauen
18 34 18 11 14 26 16 13 9 5 8 16 19 9 13

Män ner
66 70 78 74 83 7 76 81 72 90 20 40 nie 60 80 100

7 10

10 4 7 6 3 11 9 5 7 6 13 3 3 3 323 0 17

manchmal

* Differenz zu 100 Prozent = jeweils ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Diese allgemeine Aussage zur geschlechtsspezifischen Differenzierung von Hilfebedarfen konkretisiert sich durch eine Darstellung nach Altersphasen. Diese gibt Auskunft einerseits über den Umfang des Anstiegs im Altersverlauf, lässt andererseits zugleich den bei Frauen und Männern unterschiedlichen Ablauf der Bedarfsentwicklung erkennen. Gemes-

184

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

sen an den Antwortfrequenzen der Auskunft "oft" ergeben sich hinsichtlich des Bedarfsanstiegs folgende Differenzierungen (vgl. Tabelle 7.3):  Bezogen auf die schwere Hausarbeit erfolgt bei Männern und Frauen der Bedarfsanstieg mit dem Wechsel von den jungen Alten zu den Alten im fortgeschrittenen Alter gegenüber der vorangegangenen Altersphase bei den Frauen um 21 Prozentpunkte und bei den Männern um 17 Prozentpunkte und setzt sich bei den Hochbetagten fort.   Der Bedarf an Hilfe bei handwerklichen und gärtnerischen Tätigkeiten hat den stärksten Anstieg bei Hochbetagten. Hilfebedarf bei der Erledigung des Einkaufs steigt bei den Frauen am häufigsten in der Phase des fortgeschrittenen Alters und bei den Männern jenseits des 85. Lebensjahres.  Da die Frauen mit zunehmendem Alter das Autofahren einstellen bzw. nie selbst gefahren sind, melden nur die Männer steigenden Bedarf beim Autoputzen - am stärksten als Hochbetagte - an. Tabelle 7.3:
Hilfebedarfe

Geschlechtsspezifische Entwicklung von Hilfebedarfen zur Alltagsbewältigung nach Altersphasen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Frequenz künftige Senioren insges. weiblich 17 18 62 11 35 51 7 16 72 10 13 65 5 10 81 2 6 87 4 8 83 1 10 83 1 1 93 männlich 11 12 74 3 15 79 5 8 84 5 10 80 2 6 87 8 7 81 5 4 88 2 14 80 0 1 95 insges. 20 16 60 11 29 55 8 15 72 9 10 66 6 10 78 6 7 81 5 9 80 2 17 73 1 3 89 junge Alte weiblich 22 18 56 16 35 43 9 19 65 10 10 59 9 14 71 1 6 86 2 10 80 1 15 73 1 3 89 männlich 16 14 65 5 22 68 7 9 79 7 11 73 2 7 86 11 8 76 7 7 81 3 19 72 2 4 89 insges. 40 19 33 17 29 39 22 16 49 7 8 52 14 18 54 11 7 63 8 11 63 6 23 52 9 6 69 Altersphasen fortgeschr. Alter weiblich 43 22 29 20 30 35 27 19 43 6 4 51 17 23 46 7 7 66 7 10 63 5 21 56 11 8 65 männlich 34 15 40 13 28 45 15 11 58 10 14 53 10 9 66 17 8 59 10 12 63 7 27 46 7 3 75 insges. 69 16 6 36 26 15 39 24 22 6 6 31 27 23 24 13 7 49 18 12 45 20 17 36 16 5 57 Hochbetagte weiblich 71 14 4 39 24 14 40 26 18 1 6 29 28 27 18 8 6 54 16 14 45 21 13 39 17 4 56 männlich 61 24 10 23 35 19 37 16 36 24 5 38 26 7 46 34 11 34 26 6 45 17 31 26 13 10 59

schwere Hausarbeit

oft manchmal nie

14 15 68 7 26 64 6 12 78 8 12 72 4 8 84 5 6 84 4 6 85 1 12 82 1 1 94

handwerklich/gärtnerische Tätigkeiten Einkauf

oft manchmal nie oft manchmal nie

Auto putzen

oft manchmal nie

Behördenangelegenheiten

oft manchmal nie

Zubereitung von Mahlzeiten

oft manchmal nie

leichte Hausarbeit

oft manchmal nie

Krankenpflege

oft manchmal nie

Körperpflege

oft manchmal nie

* Differenz zu 100 Prozent in jeder Antwort je Altersphase und Geschlecht = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

185

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

 

Der Bedarf an Hilfe bei Behördenangelegenheiten steigt bei den hochbetagten Männern stärker als bei Frauen an. Während Frauen ihren stärksten Anstieg im Hilfebedarf bei der Essenzubereitung im fortgeschrittenen Altern bestätigen, vollzieht sich bei Männern die stärkste Bedarfsausprägung erst im hochbetagten Alter.



Leichte Hausarbeit erfordert bei hochbetagten Männern in höherem Maße Hilfe als bei Frauen, jedoch der Bedarfsanstieg ist übereinstimmend in dieser Altersphase am größten.



Der Hilfebedarf bei Krankenpflege steigt bei den Hochbetagten am stärksten, jedoch bei Frauen häufiger als bei Männern.



Der Anstieg des Hilfebedarfs bei der Körperpflege ist bei Frauen im fortgeschrittenen Alter am meisten ausgeprägt, bei Männern vollzieht sich im hochbetagten Alter der größte Anstieg.

In Ergänzung zur Darstellung der geschlechts- und altersspezifischen Entwicklung von Hilfebedarfen bei der Bewältigung der Tätigkeiten des alltäglichen Lebens und zur Aufrechterhaltung einer selbstbestimmten Lebensführung sollen migrationsbedingte Faktoren, der Einfluss von Familienstrukturen sowie der Versicherungsstatus und die Bedürfnisse von Schwerbehinderten und Pflegebedürftigen beleuchtet werden. Die Hilfebedarfe werden im Einzelnen analysiert und Differenzierungen nach den genannten Merkmalen aufgelistet. Die Analyse des Hilfebedarfs bei schwerer Hausarbeit macht auf folgende Differenzierungen aufmerksam (vgl. Abbildungen 7.23 bis 7.25):  Weniger Migranten als herkunftsdeutsche Probanden bestätigen, keine Hilfe zu benötigen. Diese Auskunft korrespondiert mit den Angaben zur Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes.   Alleinlebende und Partnerschaften äußern einen höheren Hilfebedarf als mit Kindern lebende Menschen. Nach dem Versicherungsstatus ist kein Unterschied in der Entwicklung von Hilfebedarf bei schwerer Hausarbeit festzustellen.  Nach den Hochbetagten (siehe Tabelle 7.3) ist der Hilfebedarf bei schwerer Hausarbeit bei Pflegebedürftigen am stärksten ausgeprägt. Abbildung 7.23: Hilfebedarf bei Tätigkeiten des alltäglichen Lebens nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Hilfebedarf bei/beim ... insgesamt mit Migrat.hintergrund Familienstruktur Alleinlebende Alleinerziehende mit Partner/-in mit Partn. u.Kind/ern Versicherungsstatus gesetzl. krankenversichert privat krankenversichert spezielle Gruppen Schwerbehinderte Pflegebedürftige
33 63 18 7 43 22 6 8
15

schwerer Hausarbeit
22 13 16 26 58 53 4 8
15

Handwerks-/Gartenarbeit
11 12 27 29 55 51 7 8
15

Einkauf
11 14 6 22 69 63 6 9

15

15

24 13 12 21 13 17

14

57 69

5 6 4 4

15

11 3 11 7 24

30

50 66

9 7 5 5

15

6 12 8 15 22 39 16

78 72 49 24 22

4 5 13 15

15

15

17

58 66

15

27 22

57 66

15

15

15

21 22

16 17

58 59

5 2

15

12 8

27 27

53 62

8 3

15

12 16 6 9

66 81

6 4

15

15

18 35

27 15

45 35

10 15

15

22

17 54

53 11 26

8 9

15

15

oft

manchmal

nie

ohne Antw.

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

186

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Der Hilfebedarf bei handwerklichen und gärtnerischen Arbeiten konzentriert sich  am stärksten bei Pflegebedürftigen (35 Prozent), bei Schwerbehinderten (18 Prozent), gesetzlich Krankenversicherten und Migranten (je 12 Prozent). Gesetzlich Krankenversicherte sind häufiger unter den Hilfsbedürftigen als privat Krankenversicherte. Hilfe beim Einkauf   benötigen nach den Pflegebedürftigen (54 Prozent) vor allem Hochbetagte (39 Prozent); melden Partnerschaften mit Kindern (39 Prozent) häufiger an als Partnerschaften ohne Kinder und Schwerbehinderte (je 22 Prozent). Abbildung 7.24: Hilfebedarf bei Tätigkeiten des alltäglichen Lebens nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Hilfebedarf bei/beim ... insgesamt Putzen meines Autos
8 11 65 63 16 15
15

Behördenangelegenheiten
7 11 9 13 75 67 7 11
15

Zubereitung von Mahlzeiten
67 7 9 79 75 8 9

mit Migrat.hintergrund 7 15 Familienstruktur Alleinlebende 5 7 Alleinerziehende 7 14 mit Partner/-in
9 13 63

15

15

25 68 66 75 11 12 7

15

8 11 6
1

71 86 75 86

10 7 5 5

15

45 34 7 7 7 6

79 87 80 81

12 6 6 6

15

15

15

7 13 36

15

mit Partn. u.Kind/ern 8 10 Versicherungsstatus gesetzl. krankenversichert 7 10 privat krankenversichert 10 12 spezielle Gruppen Schwerbehinderte 10 8 Pflegebedürftige 10 6
59 49

15

15

64 70

19 8

15

9 13 26

71 88

7 4

15

67 8 5

78 83

9 4

15

15

23 35

15

13 13 39 14

63 31

11 16

15

10 8 24 13

69 42

13 21

15

15

oft * Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

manchmal

nie

ohne Antw.

Hilfebedarf beim Autoputzen benötigen:  überdurchschnittlich Pflegebedürftige, Schwerbehinderte und privat Krankenversicherte (je 10 Prozent) sowie junge Alte und Partnerschaften (je 9 Prozent).  Die Angaben der Pflegebedürftigen beziehen sich offensichtlich auf den Hilfebedarf innerhalb ihrer Familie.

Hilfe bei Behördenangelegenheiten:  39 Prozent der Pflegebedürftigen bestätigt Hilfebedarf bei Behördenangelegenheiten. Es ist anzunehmen, dass dieser Bedarf sich nicht nur auf Amtswege beschränkt, sondern häufig durch schwer verständliche Beantragungsformulare verursacht wird.  Ebenfalls überdurchschnittlichen Hilfebedarf dokumentieren in Bezug auf Behördenangelegenheiten 13 Prozent der Schwerbehinderten und jeweils 9 Prozent der Migranten und der gesetzlich Krankenversicherten. Hilfebedarf bei der Zubereitung von Mahlzeiten:  Die Zubereitung von Mahlzeiten gehört zu den Verrichtungen des täglichen Lebens, die von wenigen Pflegebedürftigen allein erbracht werden können. Von vielen wird deshalb eine externe Mahlzeitenversorgung in Anspruch genommen. Einen direkten Hilfebedarf bestätigen 24 Prozent von ihnen.  Überdurchschnittlichen Hilfebedarf hier auch geben auch Schwerbehinderte, Migranten und ältere Paare an.
187

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 7.25: Hilfebedarf bei Tätigkeiten des alltäglichen Lebens nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Hilfebedarf bei/beim ... insgesamt 5 8 mit Migrat.hintergrund 5 10 Familienstruktur Alleinlebende 4 4 Alleinerziehende 5 9 mit Partner/-in 6 9 mit Partn. u.Kind/ern 6 6 Versicherungsstatus gesetzl. krankenversichert 6 8 privat krankenversichert 5 7 spezielle Gruppen Schwerbehinderte 10 10 Pflegebedürftige
35 11 68 37 12 17
15

leichter Hausarbeit
79 75 8 10
15

Krankenpflege
3 15 3 12 73 74 9 11
15

Körperpflege
33 35 87 83 7 9

15

15

81 80 79 82

11 6 6 6

15

4 11 3
1

72 88 72 81

13 8 8 6

15

53 3 23
1

82 90 90 92

10 7 5 5

15

15

15

2 18
1

15

15

11

15

2

77 83

9 5

15

4 16
1

70 80

10 7

15

33
11

85 94

9 4

15

12

15

6

20 24 22

61 38

13 16

15

8 7 44

75 16 31

10 9

15

15

oft * Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

manchmal

nie

ohne Antw.

Hilfe bei der leichten Hausarbeit  reduziert sich gegenüber vorgenannten Bedarfsfeldern spürbar. Die körperliche Konstitution und die Alltagskompetenzen für leichte Hausarbeit kann sich ein großer Anteil der Älteren bis ins hohe Alter erhalten und auf diesem Gebiet ihre Selbstbestimmtheit und Selbstbetätigung erfahren.  Den höchsten Hilfebedarf zeigen Pflegebedürftige (35 Prozent und Schwerbehinderte (10 Prozent) an.

Hilfe bei der Krankenpflege  benötigen am häufigsten Pflegebedürftige (24 Prozent). Einen überdurchschnittlichen Bedarf belegen auch Schwerbehinderte (6 Prozent) Alleinlebende und gesetzlich Krankenversicherte (4 Prozent). Hilfebedarf bei der Körperpflege   konzentriert sich im Wesentlichen bei Pflegebedürftigen (44 Prozent). Nennenswerten Hilfebedarf zeigen auch Schwerbehinderte (8 Prozent).

Hilfe bei der Alltagsbewältigung Ähnlich wie bei der Betreuung im Krankheitsfall kommt auch die Hilfe bei der Bewältigung von Alltagsproblemen für ältere Bürgerinnen und Bürger in erster Linie aus der Familie. Wie anderenorts leisten auch in Steglitz-Zehlendorf Partnerinnen/Partner, erwachsene Kinder und Enkel den älteren Familienmitgliedern - Eltern bzw. Großeltern - im Bedarfsfall Hilfe bei anstrengenden Tätigkeiten, bei der Lösung von Problemen, bei der Organisation und Durchführung von Renovierungs- oder Instandhaltungsarbeiten und auch bei der Regulierung von Geldangelegenheiten. Von den ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf nennen insgesamt 63 Prozent Familienmitglieder als hauptsächlichste Hilfepotenziale bei der Bewältigung alltäglicher, ihnen beschwerlicher Probleme. Am häufigsten wird dabei auf die Hilfe der Partnerin oder des Partners verwiesen (48 Prozent), nächstfolgend werden gemeinsame Hilfen durch Partner und erwachsene Kinder von 8 Prozent genannt und von 6 Prozent die Hilfe der Kinder hervorgehoben. Hilfe durch andere Verwandte wird von 1 Prozent genannt.

188

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Darüber hinaus sind auch helfende Familienmitglieder in die von 8 Prozent angeführten Mehrfachhilfen eingegangen, die sowohl familiale als auch außerfamiliale Hilfepotenziale umfassen. Hilfe von Freunden erfahren 3 Prozent der Probanden, und 2 Prozent greifen im Bedarfsfall auf Leistungen ambulanter Dienste zurück. Die Nutzung von Serviceangeboten wird einerseits dann erforderlich, wenn familiale Hilfe nicht vorhanden bzw. man zu konkreten Hilfen nicht in der Lage ist, z.B. mangelnde handwerkliche Kompetenzen oder wenn Ältere die Hilfsbereitschaft ihrer Familienangehörigen nicht überfordern wollen. Jedoch 22 Prozent der ab 50-Jährigen können niemand benennen, von dem sie Hilfe erwarten könnten. Darunter befindet sich ein nicht geringer Anteil von Personen, die gegenwärtig keinen oder nur geringen Hilfebedarf haben, aber auch nicht wenige, die dringlich Hilfe benötigten, sich aber kommerziellen Service nicht leisten können (vgl. Abbildung 7.26). Dieses große familiale Potenzial für Hilfen im Alltag widerspiegelt sich in allen Bezirksregionen. Das Vorhandensein familialer Hilfe differiert zwischen 55 Prozent in der Bezirksregion Schloßstraße und 67 Prozent in der Bezirksregion Zehlendorf Südwest. Diese Differenzierung wird jedoch in gewisser Weise durch die auch von Familienmitgliedern gestellte "Mehrfach-Hilfe" ausgeglichen - z.B. 15 Prozent in der Bezirksregion Schloßstraße. Die Gruppe der ab 50-Jährigen, die ohne die Möglichkeit der Inanspruchnahme von Hilfe bei der Alltagsbewältigung lebt, ist in den Bezirksregionen zwischen 18 Prozent in der Bezirksregion Ostpreußendamm und 25 Prozent in der Bezirksregion Albrechtstraße vertreten (vgl. Abbildung 7.26). Abbildung 7.26: Hauptsächliche Hilfepotenziale bei der Alltagsbewältigung nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 100 2 22 80 8 2 3 6
1

4 22

2 25

4 23 6 2 2 7
1

3 18 10 3 5 8

2 22 7 4 6
1 1

2 22 6 4 2 5 10

1

2 19 8 3 2 7
1

21 6 2 3 2 4 10

15 3 2 4
1 1

60

8 2 4
1

8 40

7 5

9

8

10

20

48

48

46

46

53

49

49

51

48

0 insgesamt BR1 Schloßstraße BR2 Albrechtstraße BR3 Lankwitz BR4 Ostpreußendamm Partn. u. Kinder niemand BR5 Teltower Damm BR6 Drakestraße BR7 Zehlendorf Südwest BR8 Zehlendorf Nord

Partner/-in Pflegedienst/priv. Pflegehilfe

Kinder mehrfache Hilfen

andere Verwandte ohne Antw.

Freunde/Bek./Nachb.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die hauptsächlichen Hilfepotenziale differieren stark nach den soziostrukturellen Merkmalen der ab 50-jährigen Hilfeempfänger. Dabei lassen sich folgende Vorteile und Defizite hinsichtlich mobilisierbarer Hilfe erkennen (vgl. Abbildung 7.27):  Die Verfügbarkeit familialer Hilfe reicht bei den hier ausgewählten sozialen Gruppen der Hilfeempfänger von 85 Prozent bei älteren Paaren - darunter 76 Prozent partnerschaftliche Hilfe - bis nur 19 Prozent bei Alleinlebenden. Ebenfalls nur auf geringe Hilfe aus der Familie können sich Alleinerziehende (26 Prozent), Hochbetagte (48 Prozent) und Pflegebedürftige (52 Prozent) stützen.  Überdurchschnittliche Hilfe von Freunden, Bekannten oder Nachbarn wird Alleinlebenden (10 Prozent), Schwerbehinderten und Pflegebedürftigen (je 5 Prozent) sowie Frauen und Alleinerziehenden (je 4 Prozent) zuteil.

189

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008



Der an ambulante Dienste gerichtete Bedarf an Hilfen zur Alltagsbewältigung beinhaltet hauswirtschaftliche Leistungen, Mobilitätshilfe und Unterstützung bei der Beantragung öffentlicher Leistungen und Wahrnehmung von Rechtsansprüchen. Diese Hilfen nehmen 10 Prozent der Pflegebedürftigen, 8 Prozent der Hochbetagten, 5 Prozent der 75- bis unter 85-Jährigen, 4 Prozent der Alleinlebenden und 3 Prozent der Schwerbehinderten in Anspruch.



Kombinierte Hilfe mit familialen und außerfamilialen Hilfskräften ist überdurchschnittlich für 20 Prozent der Pflegebedürftigen, 16 Prozent der Hochbetagten, 15 Prozent der Alleinerziehenden, 10 Prozent der Alleinlebenden sowie 9 Prozent jeweils der Frauen und der 75- bis unter 85-Jährigen zu nutzen möglich.



Mit keinerlei Chance auf Hilfe bei der Alltagsbewältigung leben unter den ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf überdurchschnittlich viele Alleinlebende (53 Prozent), Alleinerziehende (48 Prozent), Frauen (25 Prozent) und künftige Senioren (24 Prozent).

Abbildung 7.27: Hauptsächliche Hilfepotenziale bei der Alltagsbewältigung nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* insgesamt mit Migrat.hintergrund Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65b.u.75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u..85 J. Hochbetagte 85 J. u.ält. Familienstruktur Alleinlebende Alleinerziehende mit Partner/-in mit Partn. u.Kind/ern Versicherungsstatus gesetzl. krankenversichert privat krankenversichert spezielle Gruppen Schwerbehinderte Pflegebedürftige 0 28 20 Partner/-in andere Verwandte mehrfache Hilfen 47 6 40 Kinder Freunde/Bek./Nachb. niemand 18 8 5 8 10 60
1

48 51 40 60 50 56 37 10 3
1 1

8 12 8 8
1

6

1

3 2 3
1

8 6 21 25 2 2
1 1

22 6

2

4 2 8

9 7

3 17 2 2 2 4 7 4 5

9 9 29 3 10 15 76 4 13 8
1

3 7

1

3 1 4
1

7 2
1

24 7 9 17 20 18

4

5 16 53 48

6 14 24 50 46 2 10

4 4 2

9 27 8 7
1

7 5 23 12

6

2 3 2 3 3

2 8
1

1

3 2 2 2 5

57

9

8 8 20 80

18 17 5

3

8 100

Partn. u. Kinder Pflegedienst/priv. Pflegehilfe ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

7.4

Fazit

Die Befragungsergebnisse bezüglich der Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes, der Bewertung der gesundheitlichen Betreuung und des Hilfebedarfs sowie der Hilfepotenziale im Krankheitsfall bzw. bei der Alltagsbewältigung widerspiegeln die Wahrnehmungen, Erfahrungen und Beurteilungen der öffentlichen und individuellen Bedingungen des Gesundheitsschutzes aus individueller Sicht. Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes Die Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes wirkt als Regulativ für die Gesundheitspflege, die Inanspruchnahme von Gesundheitsberatung und Gesundheitsprävention sowie medizinische Behandlung im weitesten Sinne. Gegenüber der durchschnittlichen Charakterisierung des individuellen Gesundheitszustandes werden defizitäre Abweichungen in Form von höherer gesundheitlicher Belastung neben den Pflegebedürftigen vor allem in den Auskünften von Arbeitslosen, Alleinlebenden, Migranten, Erwerbsminderungsrentnern und Personen ohne berufliche Qualifikation erkennbar.

190

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Eigeninitiativen für eine gesunde Lebensweise Der individuelle Gesundheitszustand wird wesentlich von der gesunden Lebensweise und gesundheitsorientierten Eigeninitiativen positiv beeinflusst. Wenn zwischen 70 und mehr als 80 Prozent der ab 50-jährigen Frauen und Männer ausreichend schlafen, sich regelmäßig bewegen, gesundheitsbewusst essen, nicht (oder nicht mehr) rauchen sowie an Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen, zeugt das von einer weiten Verbreitung und Praxis der gesunden Lebensführung. Der verbleibende Sockel von ab 50-Jährigen (23 Prozent), darunter vor allem Beschäftigte in geförderten Arbeitsverhältnissen (42 Prozent), Arbeitslose (38 Prozent), Erwerbstätige und Partner mit Kindern (je 34 Prozent), Alleinerziehende (33 Prozent) und künftige Senioren (31 Prozent), bekundet, sich diese hier angeführten kostenfrei möglichen gesundheitsbewussten Verhaltensweisen noch nicht oder überwiegend nicht angeeignet zu haben. Unter sozialräumlichem Gesichtspunkt konzentrieren sich diese Defizite insbesondere in der Bezirksregion Schloßstraße, treten aber auch in den Bezirksregionen Lankwitz und Ostpreußendamm noch überdurchschnittlich in Erscheinung (vgl. Abbildung 7.28). Dieser Sockel mit nur defizitär ausgeprägtem Gesundheitsverhalten wurde auf der Basis der Auskunft "trifft nicht zu" für die Indikatoren: “nicht (mehr) rauchen, ausreichend schlafen, regelmäßig an Vorbeugeuntersuchungen teilnehmen, sich regelmäßig bewegen" definiert. Allerdings sollte auch beachtet werden, dass Erholungsreisen, Kuren, Saunaanwendungen als gezielte Gesundheitsaktivitäten nicht nur von den individuellen Lebensmaßstäben, sondern von den dafür ausgabefähigen finanziellen Mitteln gesteuert werden. Sie wurden aus diesen Gründen der Bewertung nicht mit zu Grunde gelegt. Abbildung 7.28: Defizite im gesundheitsbewussten Verhalten nach soziostrukturellen Merkmalen und sozialräumlicher Verteilung - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent 50 MigrationsGehintergrund schlecht Altersphasen Familienstruktur Erwerbsstatus Bezirksregionen

40 Durchschnitt = 23 Prozent 30
23 23

20
29 31 23 16 11 22 33 20 34 34

42

38 29 20 20 22 24 24 23 23 22 21 16

10

21 23

19

0

ja ein n

n er ue n ra än F M

t e e in n e h. n. e u re J. J. J. ält. ße ße itz m m ße es ord tig r nt os fra ä nd nd r/- /er 5 5 5 tra stra nkw dam Dam stra dw f N tä tsve Re itsl us ion -6 5-7 5-8 . u. be ehe tne ind s t ü r e a s r bs i .le i J 50 6 r 7 oß h La en r ke S o in rz a . K er be d rb H Pen hl rec - uß we ra rf nd en lte te 85 le e t P u w Ar in A r/ Sc Alb R3 pre elto - D ndo ehle or e A . Al gte Al lein mi /-in Er d. bsm e B st T 6 le Z ni g e a r tn Al 1 2er - BR eh fö er Se jun rtg bet en tn 8 -O 5 ge Erw BR BR R ft. fo ch ar - Z BR 4 BR P o ün 7 im H it k BR m BR lte A

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Für die Gesundheitspolitik im Bezirk Steglitz-Zehlendorf ist angesichts der Distanz von mehr als einem Fünftel der ab 50-Jährigen zu gesundheitsbewusstem Verhalten empfehlenswert,  diese Gruppen mit gering ausgeprägtem Gesundheitsverhalten in die Zielgruppen für Gesundheitsaufklärung bzw. Gesundheitsprävention aufzunehmen;  entsprechendes Aufklärungsmaterial unter Hervorhebung der Kostenfreiheit dieser Angebote (z.B. Vorbeugeuntersuchungen, Suchtberatung wegen Nikotinmissbrauch, Gesundheitssport der Krankenkassen) in geeigneter Weise im Jobcenter bzw. in Begegnungsstätten zur Verfügung zu stellen.

191

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Zufriedenheit mit der gesundheitlichen Betreuung Die Zufriedenheit mit der gesundheitlichen Versorgung (49 Prozent zufrieden; 37 Prozent teilweise zufrieden) widerspiegelt in erster Linie die individuellen Erfahrungen der medizinischen Betreuung des/der Einzelnen bzw. der Familien durch das medizinische Personal. Die Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit wird darüber hinaus wesentlich beeinflusst von den gesetzlichen Rahmenbedingungen, den unterschiedlichen Leistungskatalogen der gesetzlichen und privaten Krankenkassen, den individuellen Zuzahlungsregelungen und den Servicebedingungen der medizinischen Einrichtungen. Aus der Untersuchung geht eindeutig hervor, dass privat Krankenversicherte in höherem Maße mit der gesundheitlichen Versorgung zufrieden sind als die gesetzlich Krankenversicherten. Inanspruchnahme ärztlicher Behandlung und hausärztlicher Versorgung Die Untersuchungsergebnisse bestätigen eine weitaus bedarfsgerechte Gewährleistung ärztlicher Behandlung für die Mehrheit der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf durch die hausärztliche Versorgung, die Verordnung notwendiger Medikamente sowie durch Überweisung an Fachärzte und stationäre Behandlung. Im Gegensatz zu den letztgenannten Sachverhalten werden von den Probanden nach erfolgter Überweisung an Fachärzte und/oder Diagnoseeinrichtungen beträchtliche Defizite hinsichtlich eines unverzüglichen Beginns der Facharztbehandlung bzw. eines kurzfristig nutzbaren Termins für diagnostische Untersuchungen reflektiert. Die Wahrnehmung dieser Defizite konzentriert sich bei den gesetzlich Krankenversicherten auffallend häufiger als bei Privatversicherten. Hilfebedarf und Hilfepotenziale im Krankheitsfall bzw. bei der Alltagsbewältigung Die überwiegende Mehrheit der ab 50-Jährigen ist für den Bedarfsfall in solche familialen, nachbarschaftlichen oder anderen sozialen Hilfestrukturen integriert, dass eine rasche Verständigung eines Arztes bzw. die Versorgung und Betreuung im ernsten Krankheitsfall gewährleistet sind. Das trifft auch bei 90 Prozent der Probanden hinsichtlich benötigter Hilfe bei der Alltagsbewältigung zu. Allerdings ist nicht zu verkennen, dass sich unter den ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf ein von mangelnder sozialer Einbindung bedrohtes Potenzial von ca. 13 Prozent befindet, das auf keinerlei Hilfe bei der Verständigung eines Arztes bzw. auf keine Versorgung und Betreuung im Krankheitsfall rechnet. Abbildung 7.29: Von mangelnder sozialer Einbindung bedrohtes Potenzial nach soziostrukturellen Merkmalen und sozialräumlicher Verteilung - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent 50 Migrationshintergrund 40 Geschlecht Altersphasen Familienstruktur Bezirksregionen

30 Durchschnitt = 13 Prozent 20
13

37

36

36
13

10 9 0 13

21 15 11 14 13 11 10 2 11 14 13 13

17

12

13

10

ja

in ne

n er ue nn ä ra F M

n d ig et J. J. m ße est ord m J. ält. nt ße ße itz 5 5 5 en en led ede itw tra stra nkw dam Dam stra dw f N i -6 5-7 5-8 . u. w eb etr s h l r r ü J 50 6 r 7 ht La en er ke f S do oß sc ve s. , g r n hl rec ra 85 en lte te uß w ge zu et Sc Alb R3 pre elto - -D ndo ehle or e A . Al gte ., irat r ni g B st e ei he e a 1 2- T R6 ehl -Z r Se jun rtg bet rh B Z -O 5 8 BR BR ve ve ft. fo ch 4 BR BR ün o 7 im H k BR te BR Al

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

192

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Am deutlichsten wird dieses Potenzial nach dem Familienstand erkennbar. Diese mangelnde soziale Einbindung trifft für 37 Prozent der getrennt lebenden Verheirateten und je 36 Prozent der Ledigen und Geschiedenen sowie 21 Prozent der Verwitweten zu. Zu diesem Potenzial gehören mehr Frauen als Männer und häufiger künftige Senioren als Ältere. Die sozialräumliche Betrachtung zeigt eine relativ gleichmäßige Verteilung zwischen den Bezirksregionen an, von der sich ein überdurchschnittliches Auftreten dieses Mangels in der Bezirksregion Teltower Damm abzeichnet (vgl. Abbildung 7.29). Angesichts dieses Befunds eines von nicht ausreichend sozial integrierten Potenzials unter den ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf wäre zu prüfen, in welcher Weise der präventive Wert stabiler sozialer Beziehungen und Einbindung in soziale Netze als förderliche Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Alter in die Öffentlichkeitsarbeit des Bezirksamtes aufgenommen werden kann und welche Angebote als Brücke zur Integration in Gemeinschaft für von sozialer Isolierung bedrohte Personen ausgestattet werden können. In diesem Zusammenhang bieten sich folgende Ansätze an:  Die Prävention vor sozialer Isolierung könnte durch einen Bildungsträger als Themenbereich aufbereitet und als generationenübergreifendes Thema in einen laufenden öffentlichen Vortragszyklus, aber auch gezielt in die Weiterbildung von im Freizeitbereich tätigen Sozialarbeitern und Ehrenamtlern integriert werden.  Für den von mangelnder sozialer Einbindung bedrohten Personenkreis wären Informationen darüber hilfreich, wie sie im Krankheitsfall schnell und unkompliziert Zugang zu einem Pflegedienst und/oder Service finden und mit welchem finanziellen Aufwand sie für diese Leistungen rechnen müssen. Eine solche Information ließe sich z.B. im Programmheft für Senioren publizieren. Außerdem sollten sich die kommunalen und wohlfahrtlichen Anbieter von Sozialberatung auf die spezifischen Beratungsbedürfnisse dieses von mangelnder sozialer Einbindung bedrohten Potenzials einstellen. In Anbetracht der fortschreitenden Individualisierung und Anonymisierung im urbanen Raum und unter Berücksichtigung des sich vollziehenden Wandels der Familienstrukturen ist künftig mit einer Zunahme eines solchen Personenkreises zu rechnen.

193

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

8.

Freizeit und Freizeitbedürfnisse der ab 50-Jährigen

Der überwiegende Teil des zurückgelegten Lebens der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf war - wie für diese Generation überall zutreffend - durch die Pflichten der Erwerbsphase und die Pflichten der Alltagsbewältigung im Familienverbund bestimmt. Freizeit im Sinne von selbstbestimmter und bedürfnisorientierter Zeitverwendung wurde unter diesen Bedingungen zu einem hohen, aber nur selten nutzbaren Gut. Wünsche und Hoffnungen auf mehr Freizeit verbinden sich im Lebensverlauf immer häufiger mit den Lebenschancen für die Zeit nach dem Austritt aus der Erwerbstätigkeit und dem Erreichen des Ruhestandes. Unter Freizeit wird im Allgemeinen jene Zeit verstanden, die frei ist von Arbeit bzw. arbeitsgebundenen Tätigkeiten (Arbeitsweg, Arbeitspausen, berufliche Fortbildung) sowie von außerberuflichen Pflichten der Alltagsbewältigung. So gehören auch die Befriedigung notwendiger physiologischer Bedürfnisse (Schlaf, Ernährung, Hygiene) sowie obligatorische Tätigkeiten mit Verpflichtungscharakter im familiären und sozialen Bereich nicht zur Freizeit. Vielmehr wird Freizeit als jene Zeit betrachtet, die von Zwängen und von Verpflichtungen frei ist, so dass der Einzelne seine Zeit nach eigenen Bedürfnissen und eigenem Ermessen gestalten kann. Mit dem Ausscheiden aus dem Berufsleben treten die älteren Bürger in eine Lebensphase, die durch einen völlig anderen Lebensrhythmus gekennzeichnet ist. Es kommt zu Veränderungen in der Zeitstruktur und der Zeitverwendung. Es ändern sich die Prioritäten der Zeitverwendung. Die vorhandenen Zeitpotenziale werden nun insbesondere für die Alltagsbewältigung und zur Befriedigung darüber hinausreichender Bedürfnisse genutzt. Dabei werden Tätigkeits- und Beschäftigungsfelder erschlossen, die dazu beitragen, das Leben neu zu orientieren, die neue Perspektiven für ein sinnerfülltes und zufriedenes Leben bieten und die auch weiterhin soziale Kontakte ermöglichen und neue erschließen. In diesem Zusammenhang müssen bei der Zeitverwendung der älteren Bürger die Unterschiede in ihrer Lebens- und Erwerbssituation berücksichtigt werden. Dabei zeigt sich, dass Erwerbstätige zwar über weniger freie Zeit verfügen, diese geringere Freizeit aber intensiver als andere Gruppen nutzen. Besonders bei Arbeitslosen wird sinnvolle Nutzung der freien Zeit durch anfallende Freizeitkosten eingeschränkt. Erst die endgültig aus dem Erwerbsleben Ausgeschiedenen können von Erwerbspflichten frei über ihre Zeit disponieren. Das bedeutet für die relativ neu in den Ruhestand eingetretenen Frauen und Männer, zugleich eine Umstrukturierung ihrer Zeitverwendung vorzunehmen. Bei den älteren Probanden, die schon länger aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind, ist vorauszusetzen, dass sich bei ihnen eine ihren Bedürfnissen entsprechende Zeitverwendungsstruktur herausgebildet und gefestigt hat, die nunmehr jeweils veränderten Lebenssituationen angepasst wird. Die subjektiven selbstbestimmten Gestaltungsfähigkeiten für eine sinnvolle Freizeit im Alter sind sicherlich bei jedem/jeder Einzelnen unterschiedlich. Sie hängen einerseits von der persönlichen Mobilität, der Einbindung des Einzelnen in soziale Netze (Familie, Freundeskreis, Vereine usw.), den individuellen materiellen Verhältnissen zur Realisierung von Freizeitbedürfnissen und andererseits von jenen objektiven Rahmenbedingungen ab, die für die Zeitgestaltung im näheren bzw. weiteren Wohnumfeld angeboten werden.

8.1

Freizeit und soziale Einbindung

Die Art und Weise der Freizeitgestaltung hat unmittelbaren Einfluss auf die Lebensqualität und Lebenszufriedenheit. Der soziale Wert von Freizeitgestaltung liegt in der Ausgewogenheit zwischen individuell und gemeinschaftlich mit anderen Personen verbrachter Zeit. Das Maß für eine solche Ausgewogenheit ist in Abhängigkeit von der Persönlichkeit des Einzelnen verschieden ausgeprägt. Bis ins hohe Alter beide Komponenten der Freizeitgestaltung zu erhalten, bildet eine wesentliche Grundlage des individuellen Wohlbefindens. Während die Befriedigung des Bedürfnisses, Zeit für sich allein zu verbringen, sich auf sich selbst zu besinnen, auch im Familienverbund bzw. in Partnerschaft lebende ältere Bürger ermöglichen können, wird es für nicht wenige Alleinlebende im Alter schwerer, ihre Bedürfnisse nach sozialem Kontakt, Kommunikation und Geselligkeit zu befriedigen. Das Bedürfnis, Freizeit oft in Gesellschaft zu verbringen, widerspiegelt sich auch in den Ergebnissen der Befragung älterer Bürger aus Steglitz-Zehlendorf.
194

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Ein Vergleich der Freizeitkontakte der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf mit den Auskünften der Befragungsteilnehmer aus Steglitz von 1998 zeigt, dass die Freizeitkontakte intensiver geworden und weiter als damals über die familialen Kontakte hinausgehen. War 1998 die partnerschaftliche Freizeitgestaltung dominierend, so spielt gegenwärtig neben den Partnerschaften das gemeinschaftliche Verbringen von Freizeit mit persönlichen Freunden eine gleich große Rolle. Angestiegen sind auch die Anteile der gemeinsamen Freizeit mit Kindern und Enkeln, mit Bekannten und Nachbarn sowie mit Vereinsmitgliedern. Als stabil erweist sich der Kreis jener älteren Bürgerinnen und Bürger, die ihre Freizeit gemeinsam mit anderen bei Seniorenveranstaltungen bzw. in Seniorenfreizeitstätten erleben. Kleiner geworden ist der Kreis derjenigen, die ihre Freizeit allein verbringen. Dieses Absinken um 6 Prozent unterstreicht das zunehmende Wissen älterer Menschen über den präventiven Wert von sozialen Kontakten für ein erfülltes Leben im Alter (vgl. Abbildung 8.1). Abbildung 8.1: Vergleich der Freizeitkontakte 1998 und 2008 - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf - in Prozent* Freizeitkontakte mit ... persönl. Freunden Partner/-in Kindern/Enkeln Bekannten/Nachbarn Vereinsmitgliedern allein Haustier Kirchengemeinde Zufallsbekannten Teiln. v. Seniorenveranst. 80 60 40 20 1998 nicht erfragt 24 62 36 33 15 25 18 12 9 6 34 0 20 40 60 80 40 55 1998: ab 55-Jährige - Steglitz 43 2008: ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 72 71

* Mehrfachantworten; Differenzen in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 1998 und 2008 (gew.)

Betrachtet man die Auskünfte der Probanden hinsichtlich ihrer ethnischen Herkunft zeigen sich in einer Reihe Positionen einige nicht unwesentliche Unterschiede. Während bei den herkunftsdeutschen Probanden Partner und persönliche Freunde als Freizeitgemeinschaften gleich häufig angegeben werden, überwiegen bei den Migranten die familialen Freizeitkontakte. Das wird auch durch den höheren Wert der Freizeitkontakte zu Kindern und Enkeln belegt. Freizeitkontakte mit Bekannten und Nachbarn, zu einer Kirchengemeinde, zu Zufallsbekannten oder Teilnehmern von Seniorenveranstaltungen sind bei Migranten geringer als bei den Einheimischen. Mehr Migranten als Herkunftsdeutsche geben an, ihre Freizeit allein bzw. mit ihrem Haustier zu verbringen (vgl. Abbildung 8.2).

195

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 8.2: Freizeitkontakte nach Migrationshintergrund - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Freizeitkontakte mit ... persönl. Freunden Partner/-in Kindern/Enkeln Bekannten/Nachbarn Vereinsmitgliedern allein Haustier Kirchengemeinde Zufallsbekannten Gästen v. Sen.-veranst. Teiln. v. Seniorenveranst. 80 60 40 20 ohne Migrationshintergrund 72 71 55 40 25 18 12 9 7 14 21 15 37 62 mit Migrationshintergrund 70 81

6 4 43 43 0 20 40 60 80

* Mehrfachantworten; Differenzen in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Geschlechtsspezifische Unterschiede in den Freizeitkontakten erwachsen vor allem aus der höheren Lebenserwartung der Frauen und damit verbunden aus der Feminisierung und Singularisierung der Lebensweise im höheren Lebensalter. Es sind mehr Männer als Frauen, die Ihre Freizeit in Partnerschaft gestalten können. Auch sind Männer häufiger als Frauen in Vereinen aktiv oder haben Kontakt zu Zufallsbekannten. Bei Frauen rekrutieren sich die Freizeitpartner häufiger als bei Männern aus dem Kreis der persönlichen Freunde, der Kinder und Enkel, der Kirchengemeinde und der Teilnehmer von Seniorenveranstaltungen. Allerdings sind sie auch häufiger als Männer in ihrer Freizeit allein bzw. mit ihrem Haustier befasst (vgl. Abbildung 8.3). Abbildung 8.3: Freizeitkontakte nach Geschlecht - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Freizeitkontakte mit ... persönl. Freunden Partner/-in Kindern/Enkeln Bekannten/Nachbarn Vereinsmitgliedern allein Haustier Kirchengemeinde Zufallsbekannten Teiln. v. Seniorenveranst. 100 80 60 40 20 Frauen 74 61 58 43 22 20 14 16 10 36 29 51 70 85 Männer

11 6 6 7 62 0 20 40 60 80 100

* Mehrfachantworten; Differenzen in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die Freizeitkontakte älterer Bürgerinnen und Bürger verändern sich im Altersverlauf wesentlich. Aufgrund der Zugehörigkeit zur selben Generation verringern sich die Kontakte zu persönlichen Freunden. Partnerschaftlich verbrachte Freizeit verliert in Folge der unterschiedlichen Lebenserwartung von Frauen und Männern sukzessive an Bedeutung und auch
196

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

die Kontakte zu Bekannten und Nachbarn oder Zufallsbekannten nehmen ab. Dagegen gewinnt die gemeinsame Freizeitgestaltung mit Kindern und Enkeln, mit anderen Vereinsmitgliedern, mit der Kirchengemeinde und mit Teilnehmern an Seniorenveranstaltungen an Bedeutung. Der Anteil, der seine Freizeit allein oder mit seinem Haustier verbringt, verringert sich im Altersverlauf deutlich (vgl. Abbildung 8.4). Abbildung 8.4: Veränderung der Freizeitkontakte nach Altersphasen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* künftige Senioren 50 b.u. 65 Jahre persönl. Freunde Partner/-in Kinder/Enkel Bekannte/Nachbarn Vereinsmitglieder Haustier 79 77 55 41 20 16 21 15 23 15 45 59 80 84 93 93 98 15 15 15 16 15 10 15 9 15 6 15 5 junge Alte 65 b.u. 75 Jahre 71 76 57 40 84 90 91 94 95 29 15 Alte im fortgeschr. Alter 75 b.u. 85 Jahre 60 56 53 36 40 44 47 64 86 93 84 95 93
15

Hochbetagte 85 Jahre u. älter 41 21 57 38 26 2 12 4 15 98 88 96 85 59 79 43 62 74
15

24 15 43 60 15 15

15

15

15

15

15

15

15 14 15 7 15 16 15 5 15 7

15

15

15

15

Kirchengemeinde 7 Zufallsbekannte 7 Gäste v. Sen.-veranst. 2

15

15

15

15

15

15

allein

24

76

15

31

69 trifft zu

15 21

79 ohne Antw.

15

4

96

15

* Mehrfachantworten; Differenzen in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Eine Betrachtung der Freizeitkontakte nach den Familienstrukturen ergibt bei Alleinlebenden und Alleinerziehenden strukturelle Defizite, die sich nicht nur auf das Fehlen von Partner/-in (bzw. Kindern - bei Alleinlebenden) erstrecken. Sie sind auch in geringerem Maße in Vereine eingebunden und verbringen ihre Freizeit häufiger allein bzw. mit ihrem Haustier als in Partnerschaften bzw. mit Eltern und Großeltern. Vor allem Alleinerziehende pflegen ihre Bindungen zu Kindern. Demgegenüber schließen sich Alleinlebende und Alleinerziehende häufiger als Partnerschaften mit Kindern und ohne Kinder einer Kirchengemeinde an oder öffnen in der Freizeit Kontakte mit Zufallsbekannten (vgl. Abbildung 8.5). Abbildung 8.5: Veränderung der Freizeitkontakte nach Familienstruktur - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Alleinlebende persönl. Freunde Partner/-in Kinder/Enkel Bekannte/Nachbarn Vereinsmitglieder Haustier Kirchengemeinde Zufallsbekannte Gäste v. Sen.-veranst. 17 10 12 10 8 16 43 42 83 90 88 90 92 68 84 57 58 32 15 15 19 15 15 33 91 67 88 80 90 90 100 Alleinerziehende 81 81 19 15 15 9 15 15 15 55 39 29 mit Partner/-in ohne Kind/Kinder im Hh. 74 99 45 61 71 88 92 96 97 26 1
15

mit Partner/-in und Kind/Kinder im Hh. 75 97 85 41 29 16 9 5 59 71 84 91 95 100 25 3 15
15

15

15

15

15

15

15

15 12 15 20 15 10 15 10 15

15

15

15 12 15 8 15 4 15 3

15

15

15

15

15

15

15

15

allein

40

60

15

44

56 trifft zu

15 7

93 ohne Antw.

15

12

88

15

* Mehrfachantworten; Differenzen in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

197

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

8.2

Freizeitgestaltung und -inhalte

Die Rangfolge ausgewählter Freizeitaktivitäten der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf lässt ein breites Spektrum unterschiedlich orientierter Freizeitaktivitäten sichtbar werden (vgl. Abbildung 8.6). Freizeitinhalte An der Spitze stehen Spaziergänge und Stadtbummel gefolgt von Unternehmungen mit der Familie und Besuchen bei Freunden und Bekannten sowie Tages- und Erholungsreisen. Auch kleingärtnerische Beschäftigung nimmt einen hohen Stellenwert ein. Schon weniger als ein Drittel der Probanden zählt den Besuch einer Gaststätte, Theater-, Konzert- oder Kinobesuche und "Freunden Hilfe zu leisten" zu den häufigen Freizeitaktivitäten. Weniger als ein Fünftel nennen den Besuch von Kunstausstellungen, Vereinstätigkeit und "auf Enkel aufpassen" als häufige Freizeitbeschäftigungen. Mit Frequenzen unter 10 Prozent schlagen der Besuch von Sportveranstaltungen, Bildungsaktivitäten an der Volkshochschule, Teilnahme an kirchlichen Treffen und der Besuch von Unterhaltungsveranstaltungen zu Buche. All die genannten Freizeitaktivitäten richten sich mehrheitlich auf die Pflege sozialer Kontakte, dienen dem Erhalt und dem Ausbau von körperlicher und geistiger Mobilität und stärken die sozialen Bindungen sowohl innerhalb der Familien als auch in außerfamilialen sozialen Netzen. Ein Vergleich der aktuellen Freizeitaktivitäten mit den Befragungsergebnissen aus dem Jahre 1998 zeigt, dass die Häufigkeit der Freizeitaktivitäten in den meisten Positionen angewachsen ist und unterstreicht damit die Zunahme der subjektiven Selbstgestaltung des eigenen Alterungsverlaufes. Abbildung 8.6: Rangfolge ausgewählter Freizeitaktivitäten 1998 und 2008 - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf - in Prozent Spaziergänge/Stadtbummel mit d. Fam. etwas unternehmen Besuche bei Freunden/Bekannten Reisen/Tagesreisen kleingärtnerische Beschäftigung Gaststätte besuchen Kino, Theater, Konzert Freunden/Verwandten helfen Kunstausstellungen besuchen Vereinstätigkeit auf Enkelkinder aufpassen Sportveranstaltungen Bildungsaktivitäten kirchliche Treffen Unterhaltungsveranstaltungen 60 40 20 1998 - oft Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 1998 und 2008 (gew.) 6 7 0 10 11 3 8 8 7 7 20 2008 - häufig 40 60 28 32 25 13 17 41 30 52 48 42 37 30 25 22 19 19 17 61

Die sozialräumliche Betrachtung der Freizeitaktivitäten dokumentiert in den Bezirksregionen eine ähnliche Rangfolge. Jedoch in Bezug auf die Ausprägung der einzelnen Freizeitaktivitäten werden deutliche Unterschiede erkennbar. So differieren z.B. die Häufigkeiten bei der Position "Spaziergänge/Stadtbummel" zwischen den Bezirksregionen um 15 Prozentpunkte, bei "Reisen/Tagesreisen" um 12 Prozentpunkte, bei "Bildungsaktivitäten" um 8 Prozentpunkte und bei "Vereinstätigkeit" um 7 Prozentpunkte. Diese Unterschiede haben sowohl räumliche als auch interessenorientierte und materielle Ursachen (vgl. Abbildung 8.7)

198

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 8.7: Rangfolge ausgewählter Freizeitkontakte nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* BR1 Schlostr. Spaziergänge/Stadtbummel mit d. Fam. etwas unternehmen Besuche bei Freunden/Bekannten Reisen/Tagesreisen kleingärtnerische Beschäftigung Gaststätte besuchen Kino, Theater, Konzert Freunden/Verwandten helfen Kunstausstellungen besuchen Vereinstätigkeit auf Enkelkinder aufpassen Sportveranstaltungen Bildungsaktivitäten kirchliche Treffen Unterhaltungsveranstaltungen
71 55 49 43 24 30 22 26 20 16 15 9 9 11 5

BR2 - Albrechtstr.
60 49 44 38 23 29 20 18 13 20 13 6 5 4 9
77 40

BR3 Lankwitz
58 46 45 39 34 24 20 22 12 17 18 8 4 11 8

BR4 - Ostpreußend.
63 56 51 44 45 30 26 23 19 18 21 11 8 6 8
70 37

BR5 - Teltower D.
64 56 47 42 41 29 25 26 18 18 19 7 9 8 4
36

BR6 Drakestr.
60 51 52 43 41 33 29 24 21 23 15 9 9 8 7
40

BR7- Zeh- BR8 - Zehlend. SW lend. Nord
57 56 48 50 42 34 35 19 30 23 17 7 10 10 7
81 43

29 45 51 57 76 70 78 74 80 84 85

42 54 55 61 66 76 80 78 88 83 82 92 96 89 92

56 57 51 45 45 35 31 19 30 18 19 9 12 5 8

44

51

44

44

49

44

43

56

49

53

48

52

49

62

56

58

57

50

55

55

59

59

58

55

71

71

67

66

65

80

74

75

71

65

69

82

77

74

76

81

87

81

82

79

70

70

80

82

82

77

77

82

87

79

81

85

83

81

91 91 89 95

94

89

93

91

93

91

95

92

91

91

90

88

96

94

92

92

90

95

91

92

96

93

93

92

* Mehrfachantworten; Differenzen in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Verschiebungen in der Rangfolge und in der Häufigkeit der Freizeitaktivitäten ergeben sich bei einer Betrachtung derselben sowohl in Bezug auf einen Migrationshintergrund als auch nach Geschlecht (vgl. Abbildung 8.8a und 8.8b). Während die Rangfolge der Aussagen der herkunftsdeutschen Probanden mit der Insgesamt-Rangfolge identisch ist, nehmen bei den Migranten Freizeitaktivitäten wie "Freunden und Verwandten helfen", "auf Enkelkinder aufpassen", aber auch "Bildungsaktivitäten" und "Teilnahme an kirchlichen Treffen" einen höheren Rangplatz ein. Geschlechtsspezifische Verschiebungen in der Rangfolge lassen sich bei den Frauen hinsichtlich der Position "auf Enkel aufpassen" und bei den Männern bei "Vereinstätigkeit" erkennen. Darüber hinaus zeigen mehr Frauen als Männer Interesse an Spaziergängen, Besuchen bei Freunden, an Kino-, Theater- oder Konzertbesuchen, aber auch an der Teilnahme an kirchlichen Treffen und dem Besuch von Unterhaltungsveranstaltungen. Mehr Männer als Frauen votieren für Familienunternehmungen sowie Tages- oder Erholungsreisen. Abbildung 8.8a+b: Rangfolge* ausgewählter Freizeitaktivitäten nach Migrationshintergrund und Geschlecht - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent** ohne Migrationshintergrund
Spaziergänge/Stadtbummel mit d.Fam. etwas unternehmen Besuche bei Freunden/Bekannten Reisen/Tagesreisen kleingärtnerische Beschäftigung Gaststätte besuchen Kino, Theater, Konzert Freunden/Verwandten helfen Kunstausstellungen besuchen Vereinstätigkeit auf Enkelkinder aufpassen Sportveranstaltungen Bildungsaktivitäten kirchliche Treffen Unterhaltungsveranst. 100 80 60 40 47 20 55 55 49 44 13 14 30 23 15 30 33 43 41 13 60 52 48 42 37 31 26 22 19 19 17 8 7 7 12 7 12 7 5 0 20 16 21 26 23 15 56 40 31 24 25 28 24 19 7 43

mit Migrationshintergrund
69 Spaziergänge/Stadtbummel 23 63 d.Fam. etwas unternehmen 27 mit 60 33 Besuche bei Freunden/Bekannten 37 Reisen/Tagesreisen 12 kleingärtnerische Beschäftigung 53 Gaststätte besuchen 58 Kino, Theater, Konzert 51 Freunden/Verwandten helfen 41 Kunstausstellungen besuchen

Frauen
26 34 40 41 12 54 53 45 45 12 14 25 25 16 43 80 60 40 20 62 50 50 39 37 30 27 23 20 16 18 7 10 8 7 9 6 8 6 0 20 21 15 53 24 21 18 24 15 13 37 16 30 46 46 37 59 56

Männer
33 30 45 41 13 56 59 54 43

Vereinstätigkeit auf Enkelkinder aufpassen Sportv eranstaltungen Bildungsaktivitäten kirchliche Treffen Unterhaltungsveranst.
60 80 100 100

40

60

80

100

häufig

selten

* Rangfolge nach Antwort "häufig" ** Differenz zu 100 Prozent = Antwort "nie" und ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

199

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

8.3

Freizeitangebote für Senioren in Steglitz-Zehlendorf und deren Bewertung

Im Bezirk Steglitz-Zehlendorf gibt es insgesamt 46 Seniorenfreizeiteinrichtungen, davon 8 mit Versorgungscharakter, 1 Seniorenfreizeiteinrichtung mit besonderer Aufgabenstellung als Kommunikationszentrum für Behinderte und Nichtbehinderte sowie weitere Treffpunkte und Begegnungsstätten in unterschiedlicher Trägerschaft. Alle diese Einrichtungen bieten ein an den Interessen der älteren Generation orientiertes Programm mit kulturellen Veranstaltungen, Jahreszeitenfesten, Literatur-, Musik- und Bildungsveranstaltungen, Interessengruppen, Bewegungskursen, Gehirnjogging, aber auch Gesundheits- und Ernährungskurse an. Zu den über das Bezirksamt angebotenen Freizeitangeboten gehören Tagesbusfahrten in interessante Landschaften und zu Kulturdenkmälern in der näheren und weiteren Umgebung von Berlin oder zur Weihnachtszeit Lichterfahrten durch die Stadt. Die Fördervereine der Seniorenfreizeitstätten organisieren Ausflüge, Theater-, Konzert- und Ausstellungsbesuche sowie Mehrtagesfahrten innerhalb Deutschlands. Die Freizeitangebote des Bezirksamtes werden im Programmheft für Seniorinnen und Senioren "Bei uns in SteglitzZehlendorf" publiziert sowie in den Programmübersichten der kommunalen Seniorenfreizeitstätten veröffentlicht. Bekanntheits- und Nutzungsgrad der Seniorenfreizeitstätten im Bezirk Eine wesentliche Voraussetzung, um diese Angebote persönlich nutzen zu können, besteht in der Kenntnis der Einrichtungen und ihrer Angebote. Von den ab 50-Jährigen bestätigt ein Viertel, über die Einrichtungen und ihre Programme informiert zu sein (vgl. Abbildung 8.9). Rund zwei Drittel haben davon keine Kenntnis (10 Prozent - ohne Antwort). Die sozialräumliche Betrachtung offenbart, dass der Bekanntheitsgrad der Seniorenfreizeiteinrichtungen in den einzelnen Bezirksregionen bei den ab 50-Jährigen unterschiedlich ausgeprägt ist. Abbildung 8.9: Bekanntheitsgrad von Freizeit- und Begegnungsstätten im Bezirk nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent 10 9 10 10 10 9 10

100

14

14

80 61 64 56 67

60

65 72

69

67

63

40

20

25 14

22

22

29

34 23

24

27

0 insgesamt BR1 Schloßstraße BR2 Albrechtstraße ja BR3 Lankwitz BR4 Ostpreußendamm nein BR5 Teltower Damm BR6 Drakestraße BR7 BR8 Zehlendorf Zehlendorf Südwest Nord

ohne Antw.

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Der Bekanntheitsgrad von Seniorenfreizeitstätten differenziert sich nach soziostrukturellen Merkmalen und Interessenlagen wie folgt (vgl. Abbildung 8.10):    Die Kenntnis der ab 50-jährigen Migranten unterscheidet sich nur gering von der Gesamtheit der Probanden. Mehr Frauen als Männer kennen diese Einrichtungen. Künftige Senioren und junge Alte haben häufiger Informationen über die Seniorenfreizeitstätten als Alte im fortgeschrittenen Alter und Hochbetagte.  Alleinlebende sind am geringsten über Seniorenfreizeitstätten und deren Angebote informiert. Der höchste Bekanntheitsgrad wird von Alleinerziehenden nachgewiesen, aber auch Partnerschaften und Partner mit Kindern im Haushalt sind besser informiert als Alleinlebende.
200

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008



Die Höhe des Haushaltsnettoeinkommens lässt keinen Einfluss auf den Bekanntheitsgrad der Seniorenfreizeitstätten erkennen.

Abbildung 8.10: Bekanntheitsgrad von Freizeit- und Begegnungsstätten im Bezirk nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent insgesamt mit Migrat.hintergrund Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. j unge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u.ält. Familienstruktur Alleinlebende Alleinerziehende mit Partner/-in mit Partner/-in u.Kind/ern Haushaltsnettoeinkommen unter 1000 Euro 1000-1500 Euro 1500-2500 Euro 2500-3500 Euro 3500 Euro u.dar. 0 23 20 40 ja nein 20 28 28 28 54 68 60 63 73 60 ohne Antw. 80 18 12 12 9 4 100 25 30 23 42 67 68 61 53 8 2 16 5 20 17 46 26 28 61 37 69 61 19 11 5 22 27 60 70 13 8 25 22 65 67 10 11

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Insgesamt gehören von den ab 50-Jährigen 2 Prozent zu den regelmäßigen Nutzern dieser Einrichtungen. Insgesamt 5 Prozent besuchen die Veranstaltungen der Seniorenfreizeitstätten manchmal und 35 Prozent schränken ein, dass sie noch nicht zu den Nutzern zählen, sich dabei aber die Perspektive offen halten. Rd. ein Viertel verneint strikt, an solchen Veranstaltungen teilzunehmen (32 Prozent - ohne Antwort) (vgl. Abbildung 8.11). Abbildung 8.11: Nutzungsgrad von Freizeit- und Begegnungsstätten im Bezirk nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 1998/2008 - in Prozent -

100
27 32 34 30 33 26 28 32 35 36

80
29 26

60
60

26

27

31

22

24 29

25

40
35 35 33 37 36 35 37 28 34

20

4 4 5

5 2

4

4 2

5 3

7 2

6 5

5 2

6 2

3 2

0 insgesamt Steglitz 1998 1998: 2008: insgesamt 2008 oft ja, regelmäßig BR1 BR2 Schloß- Albrechtstraße straße manchmal ja, manchmal BR3 Lankwitz BR4 BR5 Ostpreu- Teltower ßendamm Damm nie nein BR6 BR7 BR8 Drake- Zehlend. Zehlend. straße Südwest Nord ohne Antw. ohne Antw.

selten noch nicht

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 1998 und 2008 (gew.)

Von den ab 55-jährigen Probanden des Jahres 1998 waren 5 Prozent oft und 4 Prozent manchmal Teilnehmer von Veranstaltungen in Seniorenfreizeitstätten. 60 Prozent erklärten, nie teilzunehmen (27 Prozent - ohne Antwort). Unter Berücksichtigung der Verschiebung von fünf Altersjahren in der Befragungsklientel lässt auf einen heute ähnlichen Nutzer201

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

kreis wie 1998 schließen. Allerdings die Bereitschaft, eine solche Perspektive (noch nicht) nicht auszuschließen, legt den Schluss nahe, dass der Lebenswert und die Präventionsfunktion gemeinschaftlichen Kulturerlebens und der Pflege sozialer Kontakte im Alter von mehr als einem Drittel der Probanden gewertschätzt werden. Der Nutzungsgrad von Seniorenfreizeitstätten und ihren Programmen wird wesentlich vom Zeitbudget und den Interessenlagen der Bürgerinnen und Bürger beeinflusst. In das Erwerbsleben integrierte bzw. auf einen Wiedereinstieg in die Erwerbstätigkeit orientierte Bürgerinnen und Bürger zählen nur gelegentlich zu den Teilnehmern an Veranstaltungen in Seniorenfreizeitstätten. Erst nach dem endgültigen Ausscheiden aus der Erwerbstätigkeit rücken die Angebote von Seniorenfreizeitstätten in den individuellen Interessenfokus. Das trifft für gegenwärtig 3 bis 4 Prozent der Erwerbsminderungsrentner/-innen, Altersrentner/-innen und Pensionäre zu (vgl. Abbildung 8.12). Abbildung 8.12: Nutzungsgrad von Freizeit- und Begegnungsstätten im Bezirk - nach Erwerbsstatus - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Erwerbsminderungsrentner/-innen 43 5 4 27 21 26 31 Altersrentner/-innen 31 7
1

Erwerbstätige 39 3

Arbeitslose 40 7 25

29 Pensionäre 31

Hausfrauen 22 40 30

7 4 27 31 30 29

7 3

ja, regelmäßig

ja, manchmal

noch nicht

nein

ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Darüber hinaus zeigen sich nach soziostrukturellen Merkmalen folgende Differenzierungen (vgl. Abbildung 8.13):  Zwischen den einheimischen Probanden und den Studienteilnehmern mit Migrationshintergrund besteht hinsichtlich des Nutzerkreises nur ein geringer Unterschied, jedoch zeigen Migranten nur eine gelegentliche Nutzung an.   Frauen zählen häufiger zum Nutzerkreis von Seniorenfreizeitstätten als Männer. Die deutlichsten Unterschiede treten nach den Altersphasen hervor. Vor allem die Einbindung der künftigen Senioren in Erwerbs- und Familienpflichten bedingt für sie ein enges Zeitbudget und damit nur geringe Möglichkeiten zum Besuch in Seniorenfreizeitstätten. Darüber hinaus orientiert sich ihre Interessenlage an einer weniger wohnortzentrierten Freizeitgestaltung. Die für diese Altersphase charakteristische Aktivität und Mobilität machen die gesamte Stadt Berlin und deren Umgebung zum Freizeitort für 50- bis unter 65-Jährige. Die Vielgestaltigkeit ihrer Interessen kann von Seniorenfreizeitstätten nur in Bruchteilen bedient werden. Allerdings wird der Wert dieser Einrichtungen als Kommunikationszentrum für die ältere Generation, als Platz zur Pflege sozialer Kontakte, als Angebot von Kulturerlebnis und Interessenaktivitäten durchaus erkannt. 35 Prozent von ihnen schränken ein, diese Einrichtungen bis jetzt noch nicht zu nutzen und lassen eine perspektivische Nutzung als möglich erscheinen.   Die häufigsten Nutzer rekrutieren sich aus dem Kreis der Alleinlebenden. Mit dem Anstieg des Haushaltsnettoeinkommens geht die Nutzung einer Seniorenfreizeitstätte tendenziell zurück.

202

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 8.13: Nutzungsgrad von Freizeit- und Begegnungsstätten im Bezirk nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* insgesamt mit Migrat.hintergrund Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u.ält. Familienstruktur Alleinlebende Alleinerziehende mit Partner/-in mit Partner/-in u.Kind/ern Haushaltsnettoeinkommen unter 1000 Euro 1000-1500 Euro 1500-2500 Euro 2500-3500 Euro 3500 Euro u.dar.
2 6 3
1

5

35 37 6 36 34 40 7 6 5 7 38 36 41 8 34 8 40 37 36 30 20 5 31 23 27 35 30

26 22 24 30 25 27 37 58 24 34 28 26 24 39 25 26 32

32 35 31 31 30 27

4 4 4 4 5 3

1

35 26 30 29 32 28 28 27

1

1

2 4 22 6
1

6 3 3 3

1

3

0

20 ja, regelmäßig

40 ja, manchmal

60 noch nicht nein

80 ohne Antw.

100

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Insgesamt 19 Prozent der ab 50-Jährigen sind die Freizeitangebote des Bezirksamtes bekannt. 76 Prozent kennen das kostenlose Programmjournal "Bei uns in Steglitz-Zehlendorf" nicht (5 Prozent - ohne Antwort). Unter Sozialraumaspekt betrachtet ist der Bekanntheitsgrad in der Bezirksregion Schloßstraße am geringsten (13 Prozent) und steigt bis zur Bezirksregion Drakestraße auf 22 Prozent an (vgl. Abbildung 8.14). Der Bekanntheitsgrad ist bei den einheimischen Probanden und bei den Migranten übereinstimmend ausgeprägt. Unter den an den Angeboten Interessierten finden sich mehr Frauen als Männer, dazu gehört knapp ein Viertel der 65- bis unter 85-Jährigen. Abbildung 8.14: Bekanntheitsgrad der Freizeitangebote des Bezirksamtes für Senioren nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent "Bei uns in Steglitz-Zehlendorf 2008"
5 6 4 7 6 4 5 6 4

100

80

60

76

81

79

74

74

75

73

75

79

40

20 19 0 insgesamt BR1 Schloßstraße BR2 Albrechtstraße ja BR3 Lankwitz BR4 Ostpreußendamm nein BR5 Teltower Damm 13 17 19 20 21

22

19

17

BR6 Drakestraße

BR7 BR8 Zehlendorf Zehlendorf Südwest Nord

ohne Antw.

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die Angebote der kommunalen Seniorenfreizeitstätten, der kirchlichen Begegnungsstätten, der Freizeitangebote wohlfahrtlicher oder anderer freier Träger werden von zwischen unter 1 und 3 Prozent der ab 50-Jährigen regelmäßig und von weiteren unter 1 bis knapp 4 Prozent dieser Klientel selten genutzt.
203

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die stärkste Nutzung dieser Angebote insgesamt wird von Probanden aus den Bezirksregionen Lankwitz und Teltower Damm angegeben. Es folgen die Bezirksregionen Ostpreußendamm, Zehlendorf Südwest und Drakestraße. Aus den Bezirksregionen Zehlendorf Nord und Schloßstraße wird überwiegend eine seltene Nutzung der Angebote kundgetan (vgl. Abbildung 8.15). Abbildung 8.15: Nutzungsgrad der Freizeitangebote für Senioren im Bezirk nach Angebotsträger - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* kommunale Seniorenfreizeitstätten insgesamt 3 3
14 5

kirchliche Begegnungsstätten 2 4
14 5

wohlfahrtliche Freizeitangebote 2
18 5

Begegnungsstätten anderer freier Träger
1

2

17

5

Schloßstraße - BR1 Albrechtstraße - BR2 Lankwitz - BR3 Ostpreußendamm - BR4 Teltower Damm - BR5 Drakestraße - BR6 Zehlendorf Südwest - BR7 Zehlendorf Nord - BR8

22 22 3 3 2 5 3 3 3 4 22
1

16

5

3 4
1

13

5

2 2
1

18

5

3
1

17

5

16

5

3 4 3 3 6

16

5

18

5

2

17

5

14

5

10

5

2

17

5

1

19

5

13

5

14

5

2
1

18

5

1

2

17

5

6
14

11

5

2 2 3 22
1

6
15

12

5

3
19

16

5

22
1 1

16

5

5

5

1

5

18

5

15

5

16

5

1 1

18

5

2
1 1

18

5

16

5

4

15

5

1

19

5

18

5

regelmäßig

selten

* Darstellung je Aussage begrenzt auf 20 Prozent; Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Graphische Darstellung der Nutzung der Angebote für Bürgerinnen und Bürger mit körperlicher Behinderung wegen zu geringer Fallzahl nicht möglich siehe Tabelle 8.1 - Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Unter Berücksichtigung des Sachverhaltes, dass die Angaben zur Nutzung der Freizeitangebote für Senioren nicht auf einer alternativen Auswahl, sondern auf Mehrfachantworten beruhen, muss von der Möglichkeit quantitativer Überschneidungen ausgegangen werden. Damit lassen sich Aussagen treffen über die Nutzungsfrequenz der einzelnen Angebotsarten, aber daraus kann nicht zwingend auf die Anzahl der Nutzer/-innen dieser Angebote im Bezirk insgesamt geschlossen werden. Vielmehr muss unterstellt werden, dass an diesen Freizeitangeboten interessierte Teilnehmer/-innen je nach Angebotsinhalt, Niveau der Durchführung und individueller Interessenlage auch zwischen den Angebotsträgern wechseln. In Anbetracht dessen würde der Nutzerkreis auf ca. 6 Prozent geschätzt werden; hochgerechnet auf die ab 50-jährige Bevölkerung von 128.047 ab 50-jährige Einwohner im Bezirk Steglitz-Zehlendorf (2008) entspräche dies unter Berücksichtigung einer Mehrfachnutzung der Angebote bei unterschiedlichen Trägern einem Nutzerkreis von mehr als 7.500 Personen, die je nach individueller Interpretation von Regelmäßigkeit entweder einmal pro Woche oder einmal pro Monat ihre Freizeit aktiv und in Gemeinschaft mit anderen in kommunalen, kirchlichen, wohlfahrtlichen und anderen freigemeinnützigen Freizeiteinrichtungen verbringen (vgl. Tabelle 8.1). Zu diesem regelmäßigen Nutzerkreis müssen noch schätzungsweise 5 Prozent der Probanden hinzugezählt werden, die zwar nicht regelmäßig, sondern selten die Freizeitangebote für Senioren der unterschiedlich im Bezirk vertretenen Anbieter in Anspruch nehmen. Das lässt auf ein weiteres Interessentenpotenzial von schätzungsweise rd. 6.000 gelegentlichen Teilnehmer/-innen an Seniorenfreizeitangeboten schließen. Rd. ein Drittel der Probanden hat strikt erklärt, nie an Seniorenfreizeitangeboten teilzunehmen.

204

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Tabelle 8.1: Hochrechnung der regelmäßigen Nutzung von Freizeitangeboten bezogen auf die ab 50-jährige Bevölkerung - Steglitz-Zehlendorf 2008 Nutzerpotenzial von Freizeitangeboten für Senioren kommunale Seniorenfreizeitstätten kirchliche Begegnungsstätten wohlfahrtliche Freizeitangebote Begegnungsstätten anderer freier Träger Befragung in Prozent* 0,9 Bevölkerung absolut 1.121 Angebote für Bürgerinnen und Bürger mit Behinderungen Befragung in Prozent* 0,2 Bevölkerung absolut 263

Bezirk/Bezirksregionen

Befragung in Prozent* Bezirk insgesamt 2,7

Bevölkerung absolut 3.399

Befragung in Prozent* 2,4

Bevölkerung absolut 3.044

Befragung in Prozent* 0,3

Bevölkerung absolut 384

BR1 Schloßstraße BR2 Albrechtstraße BR3 Lankwitz BR4 Ostpreußendamm BR5 Teltower Damm BR6 Drakestraße BR7 Zehlendorf Südwest BR8 Zehlendorf Nord

1,7 2,0 3,2 2,4 3,2 2,6 4,0 2,2

141 399 606 386 507 481 464 415

2,9 1,4 3,7 2,9 2,4 2,5 1,7 1,4

241 299 718 471 384 464 195 272 0,4 0,1 48 22 0,3 0,5 0,4 0,5 66 101 71 76

0,4 1,0 0,3 0,6 2,0 1,1 0,2 1,1

31 194 56 93 316 210 21 200 0,2 0,3 0,1 0,2 0,6

0 48 111

54 22

28

* Mehrfachantworten; Minimaldifferenzen entstehen aus Rundungen Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.) sowie eigene Berechnung

Bewertung der Seniorenfreizeitangebote Die Angebotspalette für die Freizeitgestaltung von Senioren ist im Bezirk weit gespannt. Im Folgenden soll aufgezeigt werden, welche Angebote den Interessen von Seniorinnen und Senioren entsprechen. Das bemisst sich am genauesten an der Teilnahme. Eine regelmäßige Teilnahme setzt eine relativ hohe Übereinstimmung der Angebote mit der individuellen Interessenlage voraus. Dabei muss berücksichtigt werden, dass eine selbst bewertete Regelmäßigkeit für jede konkrete Person immer die Vereinbarkeit mit bestimmten Verpflichtungen voraussetzt und daher nicht als gleichmäßiges Intervall verstanden werden kann. Darüber hinaus ist auch die seltene Teilnahme an Seniorenfreizeitveranstaltungen entweder durch nur seltene Interessenübereinstimmung oder durch Vordringlichkeit anderer Aktivitäten bedingt. Die Mitteilung, nie an solchen Veranstaltungen teilzunehmen, kennzeichnet bei freiem Zeitbudget überwiegend eine Nichtübereinstimmung von Interessen und Angebot, kann aber auch durch eigene Pflegebedürftigkeit oder pflichtgebunden bedingt sein - z.B. Pflege von Familienangehörigen, Betreuung von Enkeln. Die Rangfolge der ausgewählten Seniorenfreizeitangebote nach Beteiligung zeigt an, welche am häufigsten mit den Interessen der Zielgruppe übereinstimmen. Den größten Zuspruch finden die Gruppenaktivitäten in den Seniorenfreizeitstätten. Über die regelmäßig Teilnehmenden wird mit Bustages- und Halbtagesfahrten, Gruppenführungen und Besichtigungen sowie mit kulturellen Veranstaltungen in Seniorenfreizeitstätten ein größerer Interessentenkreis angesprochen. In der Beliebtheit folgen die Tanzveranstaltungen in den Seniorenfreizeitstätten und die Ausflugsfahrten für behinderte Senioren. Musik-, Tanz- und Kulturveranstaltungen im Bürgersaal sowie kulturelle Programme für behinderte Senioren stehen am Schluss der Rangfolge. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Positionen der Angebote für behinderte Senioren auf dem Votum einer zahlenmäßig viel kleineren Klientel beruhen (vgl. Abbildung 8.16).

205

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 8.16: Nutzungsfrequenz der Angebote für Senioren nach der Angebotsart - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Gruppenaktivitäten in Seniorenfreizeitstätten Bustages- und -halbtagesfahrten Gruppenführungen und Besichtigungen kulturelle Programme in Seniorenfreizeitstätten Tanzveranstaltungen in Seniorenfreizeitstätten Ausflugsfahrten für behinderte Senioren Musik-, Tanz- und Kulturveranst. im Bürgersaal kulturelle Programme für behinderte Senioren
1

22 8 5 4

80 76 78 79 82 82 80 82 20 regelmäßig 40 selten 60 nie ohne Antw. 80

16 15 16 16 16 16 17 17 100

1

1

1

1 1

1 1

3

0

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die soziostrukturelle Differenzierung soll vor allem Auskunft geben, welche Klientel an den Seniorenfreizeitangeboten gern teilnimmt. Folgende Aspekte lassen sich hervorheben (vgl. Abbildung 8.17):  Die regelmäßige Teilname an den Seniorenfreizeitangeboten ist bei Migranten ähnlich ausgeprägt wie bei den einheimischen ab 50-Jährigen. Allerdings gibt es unter ihnen einen größeren Kreis als bei den Einheimischen, der gelegentlich an den Veranstaltungen teilnimmt.   Für alle angezeigten Angebote gilt, dass der Nutzerkreis überwiegend weiblich ist. Busfahrten, Kulturprogramme in Seniorenfreizeitstätten und Ausflüge für behinderte Senioren finden regen Zuspruch bei all jenen, die endgültig in den Ruhestand übergewechselt sind, insbesondere bei den Hochbetagten. Gruppenaktivitäten und Gruppenführungen und Besichtigungen werden besonders von den 65- bis unter 85-Jährigen wahrgenommen.  Die Spitzenposition unter den Nutzern nehmen die Alleinlebenden ein. Paare sind unter den regelmäßigen Nutzern bei all diesen Angeboten nur gering präsent, aber unter den gelegentlichen Nutzern sind sie häufiger zu finden als Allein- oder mit Kindern Lebende. Da diejenigen, die noch Kinder im eigenen Haushalt haben, auch altersmäßig hauptsächlich zu den künftigen Senioren gehören, sind sie unter den Nutzern dieser Angebote seltener vertreten.  Da die Seniorenfreizeitangebote zwar nicht ohne finanziellen Aufwand (Teilnahmegebühr, Eintritt, Fahrkosten, kleiner Verzehr), aber dennoch kostengünstig sind, werden diese Angebote vor allem von Personen mit einem Haushaltsnettoeinkommen unter 2.500 Euro pro Monat in Anspruch genommen.

206

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 8.17: Nutzungsgrad der Freizeitangebote für Senioren im Bezirk nach soziostrukturellen Merkmalen und Angebotsart - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Bustages- und -halbtagesfahrten insgesamt Migranten Geschlecht weiblich 2 männlich Altersphasen künft. Senioren 50-65 J. 3 junge Alte 65-75 J. 2 Alte im fortge. Alter 75-85 J. 2 Hochbetagte 85 J. u.ält. Familienstruktur Alleinlebende 2 Alleinerziehende mit Partner/-in Haushaltsnettoeinkommen unter 1000 Euro 2 1000-1500 Euro 3 1500-2500 Euro 2500-3500 Euro 3500 Euro u.dar.
1 1 1 1 17 5 1 1

Gruppenführungen kult. Programme Gruppenaktivitäten Tanzveranstaltungen u. Besichtigungen in Sen.-freizeitstät. in Sen.-freizeitstät. in Sen.-freizeitstätten
5 1

Ausflugsfahrten f. Musik-,Tanz-,Kulturver- kult. Programme behind. Senioren veranst. im Bürgersaal f. behind. Senioren
1 1 18 5

8 6 10 5
14

11

5 7 6 4 3

14

5

1

4

15

5

22
11

1

13

5

1

12

5

2 3 2 5 3
1

15

5

8

5

1

13

5

13

5

3 2
11

5

1

15

5

17

5

insgesamt Migranten Geschlecht weiblich männlich
16 18 15 18 18

5

1 1

18

5

5

1 1

18

5

4
1

16

5

1

3 2

17

5

1

19

5

17

5

20

5

5

1 1

18

5

2

17

5

5

1

19

5

1

19

5

4 2
1

16

5

1 1

18

5

18

5

1

19

5

17

5

2 7 8 5 6

17

5

11

5

1

19

5

1

19

5

19

5

1

19

5

11 15 7 11
19

7

5

1

9 8
18

10

5

1

12

5

3 2 5 22 3 2 2
1 18

15

5

1

3

5

1

11

5

3 3 2
1 1

9

5

3
16

12

5

12
7

1

5

1 1

5

12

5

5

2 2 2 2

17

5

2
1

18

5

1

6 5
19

13

5

2
1 1 1

18

5

18

5

18

5

4 5 2

15

5

15

5

19

5

2

13

5

1

5

18

5

Familienstruktur
5

6
1 1 18 1

14

5

12

5

15

5

1

17

5

1

17

5

4
1 19

16

5

1

19

5

5

5

19

5

5

20

5

1

19

5

5

20

5

7
17

12

5

6 3
17

13

5

4 2 6 6 3
19

15

5

2

mit Partner/-in
17 18

5

1 1

18

5

1

19

5

3
1 1

17

5

1

19

5

mit Partner/-in u.Kind/ern 1 2 9 11 10 7 2

5

5

1

17

5

11

5

1

19

5

1

19

5

18

5

1 1

18

5

Haushaltsnettoeinkommen
9 5 1

5 7 7 6 3

14

5

3 2 5
1 1

11

5

4 3 2 2 3 21
1

4
15 15

12

5

6

5

1

12

5

13

5

5

9

5

1

12

5

13

5

5

1

3 2 2

1

16

5

1

18

5

17

5

3 3 2 2

16

5

1

15

5

18

5

1

12

5

1

13

5

16

5

17

5

1

19

5

20

5

1

17

5

1

16

5

1

5

19

5

20

5

20

5

3 3 5 2 2

16

5

1 1

18

5

17

5

1

14

5

2 2

17

5

18

5

18

5

20

5

18

5

1

19

5

regelmäßig

selten

* ohne Aussage "nie" und "ohne Antwort"; Darstellung je Aussage begrenzt auf 20 Prozent; Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Begründung für eine nicht regelmäßige Teilnahme an Seniorenfreizeitveranstaltungen Knapp drei Viertel der Probanden nahmen die Möglichkeit wahr, ihre Gründe für eine nicht regelmäßige Teilnahme an Seniorenfreizeitangeboten darzulegen. Mit Ausnahme der kulturellen Programme sowie der Bustages- und -halbtagesfahrten liegen alle anderen Angebote nicht im Zentrum des Interesses von der Hälfte und mehr der Probanden. Bei ihnen überwiegen entweder eine partnerschaftliche oder familienzentrierte Freizeitorientierung, viele von ihnen verbringen ihre Freizeit innerhalb von Interessengruppen bzw. Vereinen oder sie bevorzugen eine generationenübergreifende Freizeitgestaltung. Nur wenige haben den Anspruch, ihre Freizeit bewusst gewollt allein zu verleben. Zwar nicht uninteressant, aber nicht in Gesellschaft meiner Altersgruppe bezeichnen nach Angeboten differenziert weitere 18 bis 22 Prozent ihre Gründe für eine unregelmäßige Teilnahme an den Veranstaltungen der Seniorenfreizeitstätten. Das betrifft vorrangig die kulturellen Programme und Gruppenaktivitäten in Seniorenfreizeitstätten. Die Begründung, die Teilnahme wäre zu teuer, wird nur von einer Minderheit geltend gemacht. Abbildung 8.18: Gründe für die unregelmäßige Nutzung der Angebote für Senioren nach der Angebotsart - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* kulturelle Programme für behinderte Senioren Musik-, Tanz- und Kulturveranst. im Bürgersaal Ausflugsfahrten für behinderte Senioren Tanzveranstaltungen in Seniorenfreizeitstätten Gruppenaktivitäten in Seniorenfreizeitstätten Gruppenführungen und Besichtig ungen kulturelle Programme in Seniorenfreizeitstätten Bustages- und -halbtagesfahrten 0 20 nicht von Interesse 54 53 53 53 51 50 48 48 40 18 22 18 60 zu teuer 6 80 ohne Antw. 18 18 18 19 21 3 2
1

27 28 27 27 27 29 28 28 100

1

2

1

1

nicht meine Altersgruppe

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

207

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die Kostenfrage wird von 6 Prozent der Probanden in Hinblick auf die Bustages- und -halbtagesfahrten, von 3 Prozent in Bezug auf Gruppenführungen und Besichtigungen sowie von jeweils 2 Prozent im Zusammenhang mit Ausflugsfahrten für behinderte Senioren und kulturellen Programmen in Seniorenfreizeitstätten geltend gemacht. Bei den übrigen Angeboten verweist jeweils 1 Prozent auf die Kostenfrage (vgl. Abbildung 8.18). Nennenswerte Differenzierungen dieser Position sind nach dem Migrationshintergrund, nach Geschlecht, Alter, Familienstruktur und nach Haushaltsnettoeinkommen festzustellen. Deshalb soll auf folgende Aspekte aufmerksam gemacht werden (vgl. Abbildung 8.19):  Migranten bringen die Argumente "nicht von Interesse" und "nicht meine Altersgruppe" bei allen Angebotsarten in geringerem Maße zum Ausdruck als die einheimischen Probanden. Allerdings verweisen sie häufiger als die einheimischen Probanden auf einen zu hohen finanziellen Aufwand.  Männer begründen ihre Distanz bei allen Angebotsarten häufiger als Frauen mit der Erklärung "nicht von Interesse" und seltener als Frauen mit dem Argument "nicht meine Altersgruppe". Der Kostenaspekt spielt eine untergeordnete Rolle. Im Hinblick auf Busfahrten, Ausflüge, kulturelle Veranstaltungen und Gruppenführungen bzw. Besichtigungen wird der Kostenfaktor vor allem von Frauen betont.  Im Altersverlauf zeigt sich, dass die künftigen Senioren überwiegend an Freizeitangeboten interessiert sind, diese aber für sich noch nicht als altersgemäß bewerten. Mit dem Eintritt in den Ruhestand geht das Interesse an einer solchen Freizeitgestaltung aufgrund anderer Prioritäten zurück. Der Kostenfaktor als Argument für eine Nichtteilnahme wird in allen Altersphasen bei Busfahrten, Ausflügen und Besichtigungen relevant.  Nach der Familienstruktur zeigt sich, dass vor allem Alleinerziehende und Partnerschaften mit Kindern im Haushalt bei den genannten Angebotsarten weniger als uninteressant bewerten. Dafür verweisen sie öfter auf die nicht ihrem Altersprofil entsprechende Klientel. Die Kostenfrage wird angebotsabhängig vor allem von zwischen 2 und 11 Prozent der Alleinlebenden gestellt.  Ein Haushaltsnettoeinkommen von unter 1.000 Euro pro Monat schränkt preisbedingt zwischen 4 und 21 Prozent der Betreffenden in ihrer Entscheidung, an Veranstaltungen der Seniorenfreizeitstätten teilzunehmen, ein. Bei kostenintensiveren Angeboten wie Ausflügen, Busfahrten und Gruppenführungen bzw. Besichtigungen werden auch von Probanden mit einem Haushaltsnettoeinkommen bis zu 2.500 Euro im Monat Bedenken angemeldet. Abbildung 8.19: Gründe für die unregelmäßige Nutzung der Freizeitangebote für Senioren im Bezirk nach soziostrukturellen Merkmalen und Angebotsart - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* kult. Programm für behinderte Senioren insgesamt Migranten Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künf t. Senioren 50-65 J. junge Alte 65-75 J. Alte im f ortge. Alter 75-85 J. Hochbetagte 85 J. u.älter Familienstruktur Alleinlebende Alleinerziehende mit Partner/-in mit Partner/-in u.Kind/ern Haushaltsnettoeinkommen unter 1000 Euro 1000-1500 Euro 1500-2500 Euro 2500-3500 Euro 3500 Euro u.dar.
54 46 52 56 41 67 73 51 54 46 57 38 53 57 57 57 47 35 15 4 18 16 19 23
1 1

Musik-,Tanz- u. Kulturveranstalt. im Bürgersaal
53 48 52 55 41 65 74 52
1

Ausflugsfahrten für behinderte Senioren
53 46 51 55 42 65 70 51
1

Tanzveranstaltungen Gruppenaktivitäten in Seniorenfreiin Seniorenfreizeitzeitstätten stätten
53 45 50 56 19 17
1 1 27

Gruppenführungen/ Besichtigungen
50 46 47 53 39 62 65 51
1 1

kulturelle Programme in Seniorenfreizeitstätten
48 42 45 53 36 62 66 50 8
1

Bustages- und -halbtagesfahrten
48 43 18 13
8 6 28 36

18 17 3 19 17 31

1

27

18 15 2 19 17 32

1

28

18 2 16 3 18 3 17 31
1 35

27

51 43

21 18 3 23 18 35

1

27

18 3 13 5 19 4 18 32
1 2

29

22 2 18 3 24 3 19 36
1 37

28

34

35

37

36

36

1

28

1

28

28

21 17

1

28

48 54 38 65 66 52 50
16

1

28

30

28

44 53 39 58 64 45

18 9 17 3 30
1

29

1

26

1

27

27

1

26

1

27

27

27

27

1

27

1

26

2 52
48

25

33 künf t. Senioren 50-65 J. 39
1 27

1

26

3 63 5
47

26

2 92 45
41

26

5 9
50

26

5

1

27

62
1 1 47

27

28

66
1

52
1 47

27

7 5 6

1

27

29

27

59 5 15 11 46 16 4 35 12 21 19 9 15 8 20 2 24 2

28

1 1

25

24

2 Alte im f ortge. Alter 75-85 J. 2 4 74
24 23

1

28

29

25

26

48

52 Hochbetagte 85 J. u.älter Familienstruktur
29

42

15 2 38 16

29

52
16

16 2 41 16 35 16 6 20 16 18 24
1 1 1

30

52
15

15 4 39 16 35
1

53
16

17 2 45 17
1

28

19 2 47 19 35 19 6 22 19 22 25
1 1

29

48
15

15 6 48 17 2 35 13 12 19 5 17 3 20 25
1 1

31

47
16

20 5 47 20 39 17 14 25 3 20 2 23 28
1

28

45
15

29

43 57 38 51 54 56 58 47

1

45 57 39 49 55 57 57 48

39 57

38 54 37 46 53 54 54 45

35 54 37 46 51 53 52 44

1

38 53 35 42 51 52 52 43

37 53 37 40 47 50 53 47

1

16

27

27

26

25

27

27

26

27

27

26

38 mit Partner/-in 36 u.Kind/ern Haushaltsnettoeinkommen
26 26 26

28

27

26

26

28

27

15 10 18 2 16 2 19 23

48 56 56 57 46

18 7 20 17 1 19 25

27

29

29

27

27

25

25

25

24

24

25

21

25

26

27

25

26

26

27

26

27

24

24

24

24

24

27

25

25

30

29

29

29

30

31

29

29

nicht von Interesse

nicht meine Altersgruppe

zu teuer

* ohne Aussage "ohne Antwort"; Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

208

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Insgesamt 3 Prozent der Probanden nutzten zugleich die Gelegenheit, zum bezirklichen Seniorenprogramm Stellung zu nehmen, ihre Position näher zu erläutern und Vorschläge für die weitere Profilierung der inhaltlichen Angebote zu unterbreiten. In den Seniorenfreizeitstätten werden folgende Programminhalte gewünscht:          Informationsveranstaltungen zur Aufklärung über Altersprobleme und deren Prävention, PC- und Internetkurse für Senioren, mehr Angebote für 55- bis unter 60-Jährige, Bildungsveranstaltungen mit breitem Themenspektrum, Sportangebote: Yoga, Qi Gong, Nordic Walking, Radfahren, Gymnastik, Wandergruppen, Integrationsangebote für Migranten, generationenübergreifende Veranstaltungen, längerfristige Kontakte zu Jugendlichen, Interessengruppen für Handwerkeln, Basteln, Nähkurs, Töpfern, Musikveranstaltungen, Modenschauen, Berichte über das Ausland.

Für das bezirkliche Veranstaltungsprogramm sind folgende Vorschläge eingegangen:  Angebote für Menschen in der Lebensmitte - 50- bis unter 60-Jährige - unter Beachtung, dass diese noch berufstätig sind,       berufsbezogene Gruppengespräche, Angebote für Alleinerziehende, Angebote für gleichgeschlechtliche Lebensweise im Alter, Kurse für Gedächtnistraining, Angebot zum gemeinsamen Volkslieder-Singen, Kurse zur Vermittlung von Grundwissen im Umgang mit neuer Technik: Digitalfotographie, Handy, Programmierung von Haushaltsgeräten,     Sprachkurse, Reiseangebote für kleine Interessengruppen, die gemeinsam Reisen unternehmen wollen, Angebote für Singles, Unterstützung bei der Konstituierung von Kleingruppen, die daran interessiert sind, gemeinsam in der Stadt angebotene Veranstaltungen zu besuchen. Einige Probanden bestätigten, ihre Bedürfnisse nach gemeinschaftlichen Erlebnissen mit anderen zur Zeit nicht in einer Seniorenfreizeitstätte, sondern in einer Wandergruppe zu befriedigen. Darüber hinaus wurde von nicht wenigen mitgeteilt, dass sie gegenwärtig entweder noch berufstätig sind, sich zu jung fühlen, in ihrer Partnerschaft/Familie voll ausgefüllt sind, aber auch wissen, dass das Seniorenprogramm auch für sie nötig und hilfreich werden kann. Vor allem Probanden mit Behinderungen verwiesen auf für sie erschwerte Erreichbarkeit. Die am häufigsten geäußerte Beschwerde kann als Mangel an Information zu den Angeboten der Seniorenfreizeitstätten zusammengefasst werden. Das Seniorenprogramm sei nicht bekannt. Es wurde aber auch von einigen Probanden einschränkend mitgeteilt, dass sie sich noch nie um solche Informationen bemüht hätten. Nutzung der Seniorenfreizeitangebote freier und kirchlicher Träger Die im Bezirk Steglitz-Zehlendorf ansässige Trägerschaft von Seniorenfreizeitangeboten umfasst neben den kommunalen Seniorenfreizeitstätten auch Freizeitangebote wohlfahrtlicher, kirchlicher und anderer freigemeinnütziger Träger. Die Motive für die Nutzung dieser Angebote sind vielgestaltig. Am häufigsten werden die räumliche Nähe und die besondere Bindung zum Träger von jeweils 11 Prozent der Probanden genannt. Jeweils 9 Prozent heben die inhaltlich ansprechenden Angebote und deren Eignung auch für jüngere Menschen hervor. Insgesamt 6 Prozent halten diese Angebote für kostengünstiger, und 3 Prozent fühlen sich von diesen Trägern kompetenter betreut.
209

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Sowohl die räumlich Nähe als auch die besondere Bindung zum Träger wird von Probanden aus den Bezirksregionen Lankwitz und Teltower Damm häufiger genannt. Die inhaltlich ansprechenden Angebote motivieren in den Bezirksregionen Zehlendorf Nord und Lankwitz mehr Menschen zur Teilnahme als anderenorts. Die Eignung der Veranstaltungen auch für Jüngere wird besonders häufig von Probanden aus den Bezirksregionen Schloßstraße, Ostpreußendamm und Teltower Damm unterstrichen. Die gegenüber anderen Anbietern kostengünstigeren Freizeitangebote werden vor allem von Probanden aus den Bezirksregionen Lankwitz und Teltower Damm betont. Die kompetentere Betreuung bei kirchlichen, wohlfahrtlichen und freigemeinnützigen Trägern ist unter den aufgeführten Gründen der am geringsten herangezogene; am häufigsten wird er von Probanden aus der Bezirksregion Lankwitz genannt (vgl. Abbildung 8.20). Abbildung 8.20: Gründe für die Nutzung der Angebote freier und kirchlicher Träger nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent - (nur Antwort: "trifft zu")
räumliche Nähe insgesamt
11

besondere Bindung zum Träger
11
19

inhaltlich ansprechende Angebote
9
21

auch für Jüngere geeignet
9
21

sind kosten- fühle mich günstiger kompetenter betreut
6
24

19

3

27

Schloßstraße - BR1 Albrechtstraße - BR2 Lankwitz - BR3 Ostpreußendamm - BR4 Teltower Damm - BR5 Drakestraße - BR6 Zehlendorf Südwest - BR7 Zehlendorf Nord - BR8

9 10 13 9 14 11 8 11

21

10 11 13 7 14 9 13 10

20

8 9 10 7 9 9 9 11

22

11 7 9 10 10 9 7 7

19

6 6 8 6 7 5 2 4

24

4 2 5 3 4 3 2 2

26

20

19

21

23

24

28

17

17

20

21

22

25

21

23

23

20

24

27

16

16

21

20

23

26

19

21

21

21

25

27

22

17

21

23

28

28

19

20

19

23

26

28

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die Motivstruktur für die Nutzung der Seniorenfreizeitangebote von freigemeinnützigen und kirchlichen Trägern stimmt bei den Befragten mit und ohne Migrationshintergrund annähernd überein. Alle genannten Motive werden häufiger von Frauen als von Männern bestätigt (vgl. Abbildung 8.21). Die räumliche Nähe zur eigenen Wohnung und die besondere Bindung zum Träger werden von den ab 75-Jährigen stärker vertreten als von den Jüngeren. Sie ist ebenfalls für Alleinlebende und Alleinerziehende von größerer Bedeutung als für Paare und Partnerschaften mit Kindern. Inhaltlich ansprechende Angebote werden von allen Ruhestandsphasen gleichermaßen als Teilnahmemotive herangezogen. Sie werden von Alleinlebenden, Alleinerziehenden und Partnerschaften mit Kindern häufiger als Beweggrund ihrer Beteiligung angeführt als von Paaren. Die Eignung der Veranstaltungen auch für Jüngere wird vor allem von den jungen Alten, aber auch von Alleinlebenden und Partnerschaften mit Kindern begrüßt. Die Differenzierung der Motivation nach dem Haushaltsnettoeinkommen lässt erkennen, dass mit Ausnahme des finanziellen Aufwandes die Motive von Probanden aller Einkommensgrößenklassen vertreten werden. In Bezug auf die Kostengünstigkeit der Veranstaltungen dieser Träger zeigt sich, dass sich davon vor allem Probanden mit geringem Haushaltsnettoeinkommen angesprochen fühlen. Die Betreuungskompetenz dieser Träger wird überdurchschnittlich von Frauen, ab 75-Jährigen, Alleinlebenden und Alleinerziehenden sowie von Probanden mit einem Haushaltsnettoeinkommen bis unter 1.500 Euro pro Monat bekundet.
210

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 8.21: Gründe für die Nutzung der Angebote freier und kirchlicher Träger nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent - (nur Antwort: "trifft zu")
räumliche Nähe insgesamt Migranten Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u.ält. Familienstruktur Alleinlebende Alleinerziehende mit Partner/-in mit Partner/-in u.Kind/ern Haushaltsnettoeinkommen unter 1000 Euro 1000-1500 Euro 1500-2500 Euro 2500-3500 Euro 3500 Euro u.dar. 7 11 12 14 11
23 19 19

besondere Bindung zum Träger 11 11
19

inhaltlich ansprechende Angebote 9 9 11 7 6
23 21

auch für Jüngere geeignet 9 8 11 6 8
24 21

sind kostengünstiger 6 7 7 3 4 7 9 5
25 27

fühle mich kompetenter betreut 3 4 4 2 2
27

11 7 14 7 7 13 22 14 15 13 10 8
23 23

19

24

19

21

22

23

26

16

13 7 8
23

17

19

19

23

26

28

23

22

24

22

26

28

17

12
8

18

12
13

18

10 9 5 11 10 7 11
23 25

20

23

4 6 6

26

17 14 14 11 10 10 9 9 13 11 10
20 19 20 16

13 12 12 12 8 7 13 8
22 22 23

17

21

21

24

16

18

24

15

16

18

19

8 4 4 5 13 9 6 4 2
28 26 26

22

4 4 3 2
17

26

17

18

20

26

20

27

22

20

19

25

28

21

17

12 13 9 8 7
21 22

18

5 5 3 3 2

25

18

21

17

21

25

16

17

9 8 7

21

24

27

19

22

26

27

23

23

28

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Generationenübergreifende Freizeitangebote Neben den klassischen Seniorenfreizeitangeboten gibt es in Steglitz-Zehlendorf weitere Freizeit- und Veranstaltungsangebote, die generationenübergreifend Bürgerinnen und Bürger aller Altersgruppen ansprechen. Diese Angebote finden auch bei den ab 50-Jährigen große Resonanz. Der Bekanntheitsgrad der Angebote - wie gesellige und kulturelle Veranstaltungen, Treffen der Kirchengemeinde, Reisen, sportliche Angebote, Ausflüge, Bildungsveranstaltungen und Interessengruppen - liegt bei den ab 50-Jährigen bezirksweit zwischen 7 und 13 Prozent. Die Nutzungsfrequenz dieser Gruppe schwankt bei einzelnen Angebotsarten zwischen 8 Prozent bei Treffen der Kirchengemeinden und 2 Prozent bei geselligen Veranstaltungen (vgl. Abbildung 8.22). Die sozialräumliche Differenzierung des Nutzungsgrades unterstreicht bezogen auf         gesellige Veranstaltungen in den Bezirksregionen Albrechtstraße und Lankwitz eine höhere Teilnahme als in den anderen Bezirksregionen, kulturelle Veranstaltungen eine durchgängig höhere Teilnahme mit Spitzenwerten von 6 und 5 Prozent in den Bezirksregionen Schloßstraße und Ostpreußendamm, Treffen der Kirchengemeinden mit Resonanz zwischen 13 Prozent in der Bezirksregion Lankwitz und 5 Prozent in der Bezirksregion Ostpreußendamm, Reisen die höchsten Aktivitäten (4 Prozent) in den Bezirksregionen Lankwitz und Zehlendorf Nord, sportliche Angebote ein höheres Engagement (jeweils 6 Prozent) in den Bezirksregionen Lankwitz, Ostpreußendamm und Drakestraße - die anderen liegen darunter, Ausflüge einen überdurchschnittlichen Nutzungsgrad von 4 Prozent in der Bezirksregion Lankwitz und 5 Prozent in der Bezirksregion Zehlendorf Nord, Bildungsveranstaltungen die höchsten Frequenzen mit jeweils 4 Prozent in den Bezirksregionen Schloßstraße, Lankwitz und Drakestraße, Interessengruppen ein in den Bezirksregionen annähernd übereinstimmendes Teilnahmeniveau.

211

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 8.22: Bekanntheits- und Nutzungsgrad von generationenübergreifenden Angeboten im Bezirk nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* gesellige Veranstaltungen insgesamt 8 2 13
27

kulturelle Veranstaltungen 9 4 21
16

Treffen der Kirchengemeinde 13 8 7
22

Reisen

sportliche Angebote
20

Ausflüge

Bildungsveranstaltungen
20

Interessengruppen

9 3

18

9 5

16

20

9 3

18

10 3

18

19

7 3 11

29

Schloßstraße - BR1

9 2 12

27

12 9 4 9 4 9 5 9 3 8 4 8 4

6

20 21 19 21 24 21 17 19
21 16

12

12 11 15

6 8 8 9 13 6

24

Schloßstraße - BR1 8 3 10 2 16
22

18 20 15 17 16 15 17

21

8 3 8 3 9 4 10 3 12 2 10 3

18 21 17 20 21 18

21

11 4 8 2 10 4 10 3 11 3 10 4 8 3 11 2

20 21 16 16 16 19 18 16
21 19

15

7 4 11 5 3 11 10 3 10 7 2 9 6 3 11 7 2 13 7 2 13 7 3 9
32

28

Albrechtstraße - BR2 7 3 14 Lankwitz - BR3 Ostpreußendamm - BR4 Teltower Damm - BR5 8 3 16

26

22

Albrechtstraße - BR2 7 5 7 2 21
20 16

18

18

31

23

18

11 4

18

17

10 6

19

20

20

27

9 2 14 9 2
1

25

15

12 5 6 13 14 9 8

27

Ostpreußendamm - BR4 10 6 11 3 20
16 20

17

17

21

17 13
28

22

14

11 2

22
21

15

9 4 9 6

21

15

20

30

Drakestraße - BR6 8 Zehlendorf Südwest - BR7 7
1

kenne ich
17

8 6 8 7 7

22

10 Drakestraße - BR6 2 17
27

nutze ich

würde ich nutzen
20 19 20

17

28

6

36

15
17

20

Zehlendorf Südwest - BR7 8 5 7 2 14 Zehlendorf Nord - BR8 7 4 14
25

53 9 5

16 13

26

28

Zehlendorf Nord - BR8 8 2 10

30

10 4

12

8

23

13 3 13

21

23

21

31

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Der Bekanntheits- und Nutzungsgrad der generationenübergreifenden Freizeitangebote unterscheiden sich nach dem Migrationshintergrund, nach Geschlecht und Altersphasen (vgl. Abbildungen 8.23a und 8.23b und 8.24):  Die ab 50-jährigen Migranten bekunden einen annähernd übereinstimmenden Bekanntheitsgrad der generationsübergreifenden Angebote wie die Gesamtheit der Probanden. Dennoch zeigen sie einen alle Angebote betreffenden geringeren Nutzungsgrad an.  Im Unterschied zu den herkunftsdeutschen Probanden erklären sie häufiger, dass sie diese Angebote nutzen würden. Eine gezielte Ansprache der ab 50-jährigen Migranten könnte eine Brücke bauen, um diese zur Realisierung ihrer Absichten zu motivieren.  Frauen und Männer bestätigen einen fast deckungsgleichen Informationsstand hinsichtlich der generationenübergreifenden Freizeitangebote. Allerdings haben mehr Männer als Frauen überhaupt keine Kenntnis von diesen Angeboten.  Kulturelle und Bildungsveranstaltungen sowie Interessengruppen werden von Frauen und Männern gleichermaßen genutzt. Bei allen anderen Angeboten ist die Beteiligung der Männer geringer als die der Frauen. Auch Nutzungsabsichten werden häufiger von Frauen als von Männern geäußert. Abbildung 8.23a+b: Bekanntheits- und Nutzungsgrad von generationenübergreifenden Angeboten im Bezirk insgesamt und nach Geschlecht - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* insgesamt
gesellige Veranstaltungen kulturelle Veranstaltungen Treffen der Kirchengemeinde Reisen sportliche Angebote Ausflüge Bildungsveranstaltungen Interessengruppen 100 30 29 32 30 31 30 31 35 80 60 37 40 40 39 40 38 44 40 47 21 7 8 18 16 18 18 13 2 8 4 9 13 3 9 5 9 3 9 3 10 8
1

mit Migrationshintergrund
13 22

Frauen
30 29 32 30 32 30 32 38 80 60 34 37 37 36 36 35 40 40 44 23 8 10 20 17 21 20 15 3 8 8 4 10 13 3 10 6 9 4 9
1

Männer
11 17 7 6 51 42 44 44 43 44 43 48 20 40 60 29 28 30 29 28 29 30 33 80 100

gesellige Veranstaltungen 52 26 kulturelle Veranstaltungen 38 25 Treffen der Kirchengemeinde 40 29
39 24Reisen

13 2 13 11
1

9 4 13

7 11 25 22 21
1

9 2 16 10 3 16

10 2 10 12
1

42 sportliche Angebote 24 41

Ausflüge 27

9 3 15

20 43 40

Bildungsveranstaltungen 42 25 Interessengruppen 35
60 80 100 100

3 10 10 3 14 12 3 7 7 3 9

11 3 7 7 2 13 20 0 20

20

0

kenne ich

nutze ich

würde ich nutzen

kenne ich nicht

ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

212

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008



Im Altersverlauf zeigt sich, dass mit dem Austritt aus dem Erwerbsleben das Bedürfnis nach Informationen zur Freizeitgestaltung zunimmt. Das spiegelt sich im höchsten Bekanntheitsgrad der generationenübergreifenden Freizeitangebote bei den jungen Alten wider. Dieser erhält sich im Wesentlichen auch bei den Alten im fortgeschrittenen Alter. In Abhängigkeit von altersbedingten Mobilitätseinschränkungen geht bei den Hochbetagten das Informationsbedürfnis zurück.

Abbildung 8.24: Bekanntheits- und Nutzungsgrad von generationenübergreifenden Angeboten im Bezirk nach Altersphasen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* künftige Senioren - 50 b.u. 65 Jahre gesellige Veranstaltungen kulturelle Veranstaltungen Treffen der Kirchengemeinde Reisen sportliche Angebote Ausflüge Bildungsveranstaltungen Interessengruppen 7 1 16 9 4 25 13 6 9 8 1 22 9 5 22 8 2 22 9 2 22 7 2 14 50 38 44 43 38 42 40 46 26 24 28 26 26 26 27 31 10 10 10 10 10 10 10 10 junge Alte - 65 b.u. 75 Jahre 11 3 11 19 12 4 9 6 14 17 12 4 10 6 13 17 10 4 11 4 16 8 3 10 46 36 39 39 41 39 37 43 29 29 32 28 30 30 32 36

Alte im fortgeschrittenen Alter - 75 b.u. 85 J. gesellige Veranstaltungen kulturelle Veranstaltungen Treffen der Kirchengemeinde Reisen sportliche Angebote Ausflüge Bildungsveranstaltungen Interessengruppen 8 3 10 7 4 12 14 14 11 4 12 10 3 7 10 5 11 9 4 8 8 44 43 39 4 32 38 42 38 39 42 nutze ich nutze ich 36 38 36 35 38 36 40 42 würde ich nutzen würde ich nutzen 10 10 10 10 10 10 10 10

Hochbetagte - 85 Jahre und älter 32 3 33 314 34 6 10 1 30 6 62 32 51 2 33 9 7 2 28 8 22 29 2 1 34 ohne Antw. ohne Antw. 59 58 53 54 59 54 59 63 Serie7

kenne ich kenne ich

kenne ich nicht kenne ich nicht

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)



Bei den künftigen Senioren überwiegt wie auch bei den Seniorenfreizeitangeboten der für die Perspektive realisierbare Wunsch, diese Angebote in ihre Freizeitgestaltung einbeziehen zu können. Bei den jungen Alten steigt die Teilnahme an generationenübergreifenden Freizeitangeboten an und erreicht bei der Mehrheit der ausgewählten Angebote den Höchststand. Dieses Niveau an Beteiligung wird überwiegend auch von den Alten im fortgeschrittenen Alter - mit Ausnahme der sportlichen Aktivitäten - beibehalten. Die Teilnahmefrequenzen bei generationenübergreifenden Treffen der Kirchengemeinden, bei Reisen und Ausflügen verringern sich auch bei den Hochbetagten kaum.

Die Gründe für die Nichtnutzung generationenübergreifender Angebote werden angeführt von mangelndem Interesse. Im großen Abstand folgt das Argument "zu teuer" und an letzter Stelle rangiert die Begründung "zu weit weg". Diese Rangfolge bestätigt sich im Wesentlichen auch bezogen auf die angeführten Angebote in den Bezirksregionen (vgl. Abbildung 8.25). Bei der Ablehnung traten folgende Differenzierungen hervor:  Die mangelndem Interesse geschuldete Nichtnutzung schwankt zwischen 57 Prozent bei den Treffen der Kirchengemeinden und 41 Prozent bei Reisen.  Als zu teuer befunden wurden am häufigsten (12 Prozent) die Reiseangebote und am geringsten (1 Prozent) die Treffen der Kirchengemeinden.  Die Frage der Erreichbarkeit als Verhinderungsgrund wurde von bis zu 4 Prozent der Befragten angeführt.

213

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 8.25: Gründe für die Nichtnutzung von generationenübergreifenden Angeboten im Bezirk nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* gesellige Veranstaltungen insgesamt
51 3 3
43

kulturelle Veranstaltungen
42 64
48

Treffen der Kirchengemeinde
57
1

Reisen

sportliche Angebote
46

Ausflüge

Bildungsveranstaltungen
49

Interessengruppen
51 2 2
45

2

40

41

12insgesamt
1

43

3 2

52

43

71

45

53

47

Schloßstraße - BR1 Albrechtstraße - BR2 Lankwitz - BR3 Ostpreußendamm - BR4 Teltower Damm - BR5 Drakestraße - BR6 Zehlendorf Südwest - BR7 Zehlendorf Nord - BR8

51 49 48 47 50 53 58 53

2 4 33 24 53 2 2 3

43

43 41 41 40 43 44 43 44

82 85 75 84 54 42 43 55

47

56 55 55 59 53 59 56 59

1

43

12 41 Schloßstraße - BR1
47

43 42 42 41 41 45 46 47

4

1

52

41 42 41 41 40 47 49 49

11 8

48

42 45 46 45 44 46 46 44

63 63 44 63 43 53 33 3 3

49

47 50 53 52 49 52 50 50

1

3 2

49

45

46

1

2

42

38 39 38 38 43 45 46

14 15 15 11

1

47

43 3

51

1

49

46

1

47

46

47

2 2

43

46

1

54

10 8 9

1

48

46

2 2 4

43

45

48

1

38

1

46

42 4 3 2 3 2 2 3

53

1

50

46

1

43

46

48

3

44

51

55

1

50

49

2 2 2

47

1

43

50

1

40

10 7

1

46

50

5

1

47

46

1

45

2 2 2 3

38

50

2 3 2

39

1

47

49

4 1 33

46

48

2

1

47

42

46

39

73

44

48

45

50

1

3

46

kein Interesse

zu teuer

zu weit weg

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die Nichtteilnahme aus gesundheitlichen Gründen wurde aufgrund der jeweiligen individuellen gesundheitlichen Situation nicht in das obige Ranking einbezogen. Nach Altersphasen betrachtet wird jedoch deutlich, dass die gesundheitlichen Nichtnutzungsgründe im Altersverlauf zunehmen und bei den Hochbetagten zum Teil stärker ausgeprägt sind als das mangelnde Interesse an den einzelnen Angeboten, z.B. bei der Teilnahme an Ausflügen oder kulturellen Veranstaltungen. Die Ablehnung wegen des noch zu jungen Lebensalters für die angeführten Freizeitangebote konzentriert sich vor allem auf die künftigen Senioren (zwischen 23 und 28 Prozent dieser Altersphase). Dabei spielt neben dem Lebensalter auch die geringe Vereinbarkeit zwischen den Veranstaltungsterminen und den Erwerbspflichten der noch nicht in den Ruhestand eingetretenen künftigen Senioren eine Rolle. Diese Begründung wird noch von wenigen jungen Alten zur Erklärung ihrer Nichtnutzung generationenübergreifender Angebote genannt (vgl. Abbildung 8.26). Abbildung 8.26: Gründe für die Nichtnutzung von generationenübergreifenden Angeboten im Bezirk nach Altersphasen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* künftige Senioren - 50 b.u. 65 Jahre junge Alte - 65 b.u. 75 Jahre
10

gesellige Veranstaltungen kulturelle Veranstaltungen Treffen d. Kirchengemeinde Reisen sportliche Angebote Ausflüge Bildungsveranstaltungen Interessengruppen

47 39 57 38 40 41 42 48

3 2 3 27
1

28 62
11

3

1

17 25 12 6 42 23 3 7 25 2 62 24 2 2 24

1

1

18 24 23 22 25 23 24 23

59 49 62 47 51 50 52 59

10

10

10

10

10

10

10

5 5 44 4 5 8 6 4 42 6 7 13 10 6 32 7 6 8 2 4 6 5 5 4 5 23
1

23 28 28 26 28 27 28 27

Alte im fortgeschr. Alter - 75 b.u. 85 Jahre

Hochbetagte - 85 Jahre und älter
10

gesellige Veranstaltungen kulturelle Veranstaltungen Treffen d. Kirchengemeinde Reisen sportliche Angebote Ausflüge Bildungsveranstaltungen Interessengruppen

50 46 50 40 43 40 48 51

5 4 5 6 14 11 2 6 19 2 9 6 25 2 8 22 14 5 22 12 6 2 18
1 1 1 1

22 28 31 29 26 27 29 29

10

10

10

10

10

10

10

31 27 36 27 31 28 30 30

31 31 20 30 35 31 28 30

3 7 2 8 25 24 25 2 6 26 4 5
1 1 1

28 31 37 36 27 32 34 31

kein Interesse zu teuer * Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

gesundheitl. nicht in der Lage zu weit weg

nicht meine Altersgruppe ohne Antw.

214

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die individuellen Maßstäbe für die Bewertung von Freizeitangeboten und für die Teilnahme an diesen Veranstaltungen werden bestimmt von den persönlichen Freizeitinteressen, vom Bedürfnis nach sozialen Kontakten, von der günstigen Erreichbarkeit der Veranstaltungsorte, von der Betreuungsqualität und von der Bezahlbarkeit der damit verbunden Kosten. Wie oben bereits angeführt, haben die altersspezifische Ausrichtung der Angebote und die besondere Bindung zu einem Träger einen bestimmten Einfluss auf die Auswahl für die Teilnahme an den Freizeitaktivitäten. An die Spitze der Rangfolge der Bewertungskriterien stellen die ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf die Übereinstimmung der Angebote mit den persönlichen Intereressen (75 Prozent), gefolgt von dem Anspruch auf niveauvolle Unterhaltung (68 Prozent). Die gute Erreichbarkeit (55 Prozent) rangiert noch vor dem Wunsch nach Geselligkeit (45 Prozent). Die Chance, in der Freizeit nicht allein zu sein (23 Prozent) und Bekanntschaften schließen zu können (22 Prozent), spielt eine wesentliche Rolle und dient der Prävention des Risikos von sozialer Isolierung (vgl. Tabelle 8.2). Tabelle 8.2: Individuelle Maßstäbe zur Bewertung von Freizeitangeboten/-veranstaltungen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* insgesamt Bezirksregionen BR1 Schloßstraße 70 42 78 22 17 40 57 BR2 Albrechtstraße 66 47 72 22 26 44 57 BR3 Lankwitz 67 48 72 22 26 43 58 BR4 Ostpreußendamm 71 51 75 20 22 42 57 BR5 Teltower Damm 71 49 81 26 26 42 59 BR6 Drakestraße 69 43 77 23 22 37 56 BR7 Zehlendorf Südwest 72 37 78 17 17 23 46 BR8 Zehlendorf Nord 63 38 71 21 20 29 49

Bewertungsmaßstäbe

niveauvolle Unterhaltung Geselligkeit Interessen entsprechen Bekanntschaften schließen nicht allein sein niedrige Preise gute Erreichbarkeit

68 45 75 22 23 39 55

* jeweils höchster Wert orange und geringster Wert grün unterlegt Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die durchschnittlichen Werte differenzieren sich nach Migrationshintergrund, Geschlecht und Alter nur in einzelnen Positionen in der Rangfolge aber doch beachtlich in der quantitativen Ausprägung (vgl. Abbildungen 8.27a und 8.27b, 8.28). Bei vier der genanten Bewertungskriterien votieren Probanden mit Migrationshintergrund übereinstimmend bzw. mit annähernder Übereinstimmung im Vergleich zu der Gesamtheit der Klientel. Für die Migrantinnen und Migranten sind jedoch eine gute Erreichbarkeit und niedrige Preise stärker von Belang als für die einheimische Klientel. Im Zusammenhang mit ihren Integrationsbemühungen bewerten sie die Möglichkeit, bei gemeinschaftlichen Freizeitaktivitäten Bekanntschaften zu schließen, häufiger für wichtig als einheimische Probanden. Während Frauen und Männer hinsichtlich der Interessenpriorität und dem Unterhaltungsniveau bei der Bewertung der Freizeitangebote annähernd übereinstimmen, zeigen sich bei den weiter aufgeführten Bewertungskriterien nennenswerte geschlechtsspezifische Unterschiede. Für Frauen sind sowohl die gute Erreichbarkeit, die Geselligkeit, die niedrigen Preise als auch die Gesellschaft mit anderen und die Möglichkeit, Bekanntschaften zu schließen, in höherem Maße wichtig als für Männer (vgl. Abbildung 8.27a und 8.27b).

215

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 8.27a+b: Individuelle Maßstäbe zur Bewertung von Freizeitangeboten/-veranstaltungen insgesamt und nach Geschlecht - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent insgesamt
es muss meinen Interessen entsprechen niveauvolle Unterhaltung gute Erreichbarkeit Geselligkeit niedrige Preise nicht allein sein Bekanntschaften Bekanntschaften schließen schließen 100 15 17 17 21 18 21 20 80 4 6 5 10 11 8 16 25 18 60 17 26 27 31 40 40 20 75 68 55 45 39 23 22 0 22 28 20 40 44 50 38 34 60 65 62 28 20 21 17 80

mit Migrationshintergrund
75 8 4 13 14 3 14 6 12 7 18 17 22 18 19 21 100 100
15 16 15 18 18 19 19 80 45 5 9 9 9 14 23 17 13 25

Frauen
76 70 63 48 26 30 40 60 wichtig 40 20 weniger wichtig 42 28 24 0 17 19 20 unwichtig 46 42 34 33 74 67

Männer
63 10 4 22 28 28 28 40 40 60 19 80 13 8 18 17 19 19 22 20 22 22 100

ohne Antwort

wichtig

weniger wichtig

unwichtig

ohne Antw.

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Im Altersverlauf erfolgt erstens ein sukzessiver Rückgang in der Antwortbereitschaft auf diese Frage und damit eine Verringerung in den Häufigkeiten für die qualitative Bewertung. Darüber hinaus ergeben sich einige abweichende Veränderungen in der Rangfolge der Bewertungskriterien. So hat für die künftigen Senioren die Möglichkeit, bei gemeinsamer Freizeitgestaltung Bekanntschaften zu schließen, einen höheren Stellenwert als in den folgenden Altersphasen. Hochbetagte Probanden stellen die gute Erreichbarkeit von Freizeitangeboten aufgrund ihrer vielfach durch Mobilitätseinschränkungen bestimmten Lebenssituation an die Spitze ihrer Bewertungskriterien (vgl. Abbildung 8.28). Abbildung 8.28: Individuelle Maßstäbe zur Bewertung von Freizeitangeboten nach Altersphasen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent künftige Senioren 50 b.u. 65 Jahre meinen Interes. entsprechen niveauvolle Unterhaltung gute Erreichbarkeit Geselligkeit niedrige Preise nicht allein sein Bekanntschaften schließen 23 26 43 38 46 58 49 31 25 15 84 75 21 31 52 9 10 56 49 40 24 20 29 40 27 26 19 junge Alte 65 b.u. 75 Jahre 74 68 16 22 6 4 9 5 10 9 15 16 18 18 20 18 21 21

11 3 11 10 10 11 10 7 14 13 12 14 13 10 10 10 10

Alte im fortgeschrittenen Alter 75 b.u. 85 Jahre meinen Interes. entsprechen niveauvolle Unterhaltung gute Erreichbarkeit Geselligkeit niedrige Preise nicht allein sein Bekanntschaften schließen 33 27 25 16 28 wichtig Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.) 19 22 61 59 52 22 7 24 23 26 6 8 7 8 14 13 25 26 27 32 30 30 30 weniger wichtig 10 10 10 10 10 10 15 18 12 8 29 26 33 14 9

Hochbetagte 85 Jahre und älter 9 7 55 56 52 58 53 57 57 ohne Antw. 5 13 2 13 13 20 23 25

10 6 12 unwichtig

216

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

8.4

Bildung und Sport als Freizeitbeschäftigung

Freizeitgestaltung im Ruhestand bezieht sich nur zu einem Bruchteil auf die Nutzung von Angeboten der Seniorenfreizeitstätten unterschiedlichster Träger bzw. generationenübergreifender Angebote. So vielgestaltig wie die individuellen Interessenlagen und Freizeitbedürfnisse der aktuellen Ruhestandsgeneration sind, so breit gefächert sind auch ihre konkreten Freizeitinhalte. Ausgehend von dem kontinuierlichen Anstieg des Bildungsniveaus, der beruflichen Qualifikation und Erfahrung der älteren Generation gehört das Wissen um die Altersprävention durch Bildung und Sport für viele der im Ruhestand befindlichen Bürgerinnen und Bürger zum Allgemeingut. Lebenslanges Lernen als ein wichtiger Weg zur Erhaltung der geistigen Fitness sowie gesunde Ernährung, körperliche Bewegung und sportliche Aktivitäten werden von den Älteren weithin als dienliche Wege der Gesundheitsprävention angesehen. Deshalb verwenden viele von ihnen einen Teil ihrer Freizeit für die Aneignung für sie neuer Wissensgebiete oder nehmen an Gehirnjoggingkursen teil. Andere betätigen sich sportlich aktiv, um ihre körperliche Fitness zu stählen. Bildung als Freizeitinhalt Die Möglichkeiten für Bildungserwerb im Alter reichen heute vom Selbststudium, über Informationsgewinn mit Hilfe des Internets, Teilnahme an Fernkursen, Absolvierung von Volkshochschulkursen, Gasthörerschaft an verschiedenen Universitäten oder Hochschulen bis hin zu den Angeboten von durch Senioren selbstorganisierten Bildungsvereinen, verschiedenen Bildungsträgern und Seniorenakademien. Die Breite der inhaltlichen Palette gewährleistet den Seniorinnen und Senioren eine solche Auswahl, die einen Einstieg auf der Basis sehr differenzierter Bildungsvoraussetzungen ermöglicht. Darüber hinaus besteht auch die Wahl zwischen kostenlosen Bildungsangeboten, kostengünstigen Kursgebühren und kostenintensiveren Teilnahmebeiträgen. Entscheidend ist die individuelle Bildungsmotivation für die Teilnahme an diesen Angeboten. Von den ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf bestätigen insgesamt 57 Prozent, aktive Nutzer von Bildungsangeboten zu sein. Davon erklären 7 Prozent, dass sie auf jeden Fall Bildungsangebote nutzen. Die Mehrheit von ihnen macht diese Entscheidung von einigen Bedingungen abhängig. So zeigen sich 44 Prozent für die Teilnahme an Bildungsmöglichkeiten nur motiviert, wenn der Bildungsinhalt für sie von Interesse ist. 27 Prozent sehen für sich eine Bildungsmöglichkeit vor allem dann, wenn diese zu angemessenen Kosten angeboten wird. Für andere - 12 Prozent - ist es wichtig, dass der Bildungsort leicht erreichbar und für 3 Prozent barrierefrei zugänglich ist. Hingegen 43 Prozent erklären, keine Bildungsangebote zu nutzen (hier waren Mehrfachantworten möglich). Insgesamt erweist sich das in den bisher zurückgelegten Lebensjahren erworbene individuelle Bildungs- und Qualifikationsniveau als Voraussetzung und Triebkraft für die Beteiligung an Wissenserweiterung im Ruhestand. So nutzen ältere Bürgerinnen und Bürger, die über ein Fachabitur (50 Prozent) oder ein klassisches Abitur (52 Prozent) verfügen, häufiger Bildungsangebote als Absolventen von Volks-/ Hauptschulen (33 Prozent) oder Real-/Mittelschulen (46 Prozent) bzw. Fach- und Hochschulabsolventen (jeweils 52 Prozent) als Personen ohne Berufsausbildung (38 Prozent) und Facharbeiter (40 Prozent). Im Vergleich zur Gesamtheit der Klientel zeigen sich Migranten deutlich geringer interessiert und verweisen häufiger auf ihre Teilnahme bei angemessenen Kosten. Außerdem ist in dieser Gruppe der Kreis jener, die keine Bildungsangebote in Anspruch nehmen, etwas größer. Als geschlechtsspezifischer Unterschied erweist sich das durchgängig geringere Bildungsengagement von Männern. Die Betrachtung der Aussagen zur Nutzung von Bildungsangeboten nach Altersphasen lässt einen stabilen Kern von Bildungsinteressierten erkennen, der sich bis ins hohe Alter erhält und bei den über 85-Jährigen nur in Folge altersbedingter Einschränkungen zurückgeht. Analog zum Rückgang des Bildungsengagements (auf jeden Fall und wenn es mich interessiert) verringert sich auch der Anteil jener, die ihre Bildungsbedürfnisse nur bei angemessenen Kosten befriedigen können. Ein deutlicher Anstieg im Altersverlauf wird beim Anteil jener sichtbar, die eine leichte Erreichbarkeit bzw. einen barrierefreien Zugang zu Bildungsveranstaltungen wünschen (vgl. Abbildungen 8.29 und 8.30).
217

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 8.29: Nutzung von Bildungsangeboten insgesamt und nach Geschlecht - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* insgesamt ja, in jedem Fall ja, unter Bedingung: interssiert mich Kosten sind angemessen leicht erreichbar bei barrierefreiem Zugang nein 43 44 27 12 3 5 50 11 30 41 7 8 Migranten

Frauen
ja, in jedem Fall ja, unter Bedingung: interssiert mich Kosten sind angemessen leicht erreichbar bei barrierefreiem Zugang nein 60 40 43 20 0 20 48 34 16 32 8 18 39 8 6

Männer

50 40 60

* Mehrfachantworten; Differenz in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Abbildung 8.30: Nutzung von Bildungsangeboten nach Altersphasen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 60

50

40

30 48 47 20 33 29 30 13 7 4 interssiert mich Kosten angemessen sind 18 6 12 13 16 5 leicht erreichbar 2 3 5 nein 43 40 45

54

10 7 0 ja, in jedem Fall 8

bei barrierefreiem Zugang

künft. Senioren 50-65 J.

junge Alte 65-75 J.

Alte im fortgeschr. Alter 75-85 J.

Hochbetagte 85 J. u.ält.

* Mehrfachantworten; Differenz in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die sozialräumliche Verteilung der Bildungsinhalte, mit denen sich Ältere in der Freizeit bevorzugt beschäftigen, gibt differenziert Auskunft über das mit Bildungsangeboten von den Bildungsträgern insgesamt erreichbare Potenzial. Wie die Abbildung 8.31 zeigt, ist die Rangfolge der gewünschten Bildungsinhalte mit wenigen Verschiebungen in einzelnen Bezirksregionen zwischen Musik-Literatur-Kunst und Bewegungs-Gymnastik, Musik-Literatur-Kunst und Gesundheitskursen, Sprachen und Gesundheitskursen sowie Sprachen und Computerkursen nahezu übereinstimmend. Deutschkurse werden in den Bezirksregionen Albrechtstraße, Lankwitz und Zehlendorf Nord nachgefragt (vgl. Abbildung 8.31)

218

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 8.31: Bevorzugte Inhalte für Bildungsangebote nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* - (nur Antwort: "ja")
- jeweils stärkste Ausprägung dunkelgrün unterlegt Schloßstraße Bewegung, Gymnastik Kunst, Literatur, Musik Gesundheitskurse Sprachen Computerkurse Politik/Gesellschaft künstl. Gestaltung Deutschkurse
10 10

Albrechtstraße
17 10

Lankwitz
10

Ostpreußendamm
22 10

33 29 23 20 20 18 10
50 40 27 21

26 18 20 15 16 10 7
1 49 40 35 32

24

28 24 26 16 15 14 7
1 49 43 34 26

29 21 22 16 19 12 7
50 43 38 34 29

21

10

10

10

10

10

10

30

10

24

10

28

10

30

10

10

10

10

30

10

34

10

35

10

31

10

32

10

10

36

10

10

10

43

10

10

10

10

10

10

10

Teltower Damm
34 24 24 17 21
33 26 16 10

Drakestraße
28 31 21 17 16 13 7
50 43 33 29 22 10

Zehlendorf Südwest
30 31 15 22 16 14 9
50 41 34 35 20 10

Zehlendorf Nord
31 29 23 21 13 14 11
1 49 37 27 19 10

Bewegung, Gymnastik Kunst, Literatur, Musik Gesundheitskurse Sprachen Computerkurse Politik/Gesellschaft künstl. Gestaltung Deutschkurse
10 9

10

19

10

19

10

21

10

26

10

10

10

10

10

10

28

10

29

10

29

10

34

10

10

10

40

10

37

10

36

10

36

10

41

10

10

10

39

10

50

10

10

10

10

* Mehrfachantworten; Differenz in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Freizeitsport Einen besonderen Platz im Rahmen der Freizeitverwendung von älteren Bürgern nimmt deren sportliche Betätigung ein. Dabei geht es weniger um Wettkampf-, sondern vielmehr um Gesundheitssport. Seniorenclubs, Vereine, Nachbarschaftszentren und Sportgruppen, die Seniorensport anbieten, finden überall dort Zuspruch, wo neben den Sportangeboten für ältere Menschen mit großer Fitness auch Angebote für Seniorinnen und Senioren mit nachlassenden Kräften und Mobilitätseinschränkungen unterbreitet werden. Von Experten wird verstärkt hervorgehoben, dass zur Prävention von Krankheiten und insbesondere von Funktionsstörungen im Alter die körperliche Aktivität einfach, praktikabel und erfolgreich einzusetzen ist. Wandern, Schwimmen, Radfahren, Aquajogging, Gymnastik, Yoga oder Tanzen sind abhängig vom biologischen Alter und körperlichem Zustand geeignete Sportarten. Je älter und gebrechlicher die Menschen und je mehr rehabilitative Ziele angestrebt werden, desto individueller und medizinisch fundierter muss das Training gestaltet werden. Die zielgruppengerechten Angebote von Bewegungstherapie der Krankenkassen sollten in Kooperation mit Seniorenfreizeiteinrichtungen eine gemeinschaftliche, wohnortnahe Nutzung ermöglichen. Von den ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf zählen sich mehr als die Hälfte (62 Prozent) zu den aktiven Sportlern. Im Vergleich zum Jahre 1998 (ab 55-Jährige aus Steglitz) hat sich der Kreis der aktiven Sportler erweitert. Gehörte von den ab 55-Jährigen 1998 die Hälfte zu den aktiven Sportlern, sind es in dieser Altersgruppe aktuell 60 Prozent. Die Befragungsergebnisse 2008 weisen höchste Anteile an aktiven Sportlern unter den ab 50-Jährigen in den Bezirksregionen Zehlendorf Südwest, Drakestraße und Ostpreußendamm aus (vgl. Abbildung 8.32). Sportliche Aktivitäten gehören bei den einheimischen Probanden (62 Prozent) häufiger zu den Freizeitbeschäftigungen als bei den Migranten (52 Prozent). Dabei ist zu bemerken, dass Migrantinnen (61 Prozent) in gleichem Maße sportlich aktiv sind wie die einheimischen Frauen (60 Prozent), aber von den Männern mit Migrationshintergrund betreiben nur 41 Prozent Sport, von den einheimischen Männer hingegen sind es 65 Prozent. Im Altersverlauf bestätigt sich der Rückgang des Anteils der sportlich Aktiven mit zunehmendem Alter. Während von den künftigen Senioren sich 69 Prozent sportlich betätigen, sind es bei den Hochbetagten noch 18 Prozent.

219

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 8.32: Aktive Sportlerinnen und Sportler nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 1998/2008 - in Prozent* 100 8 5 8 7 6 4 4 3 30 3 27 31 7

80

33 42

31

40

35

31

35

60

40 50 20

62

61

53

59

65

61

67

70

62

0 insg. Steglitz 1998 insg. 2008 BR1 BR2 Schloß- Albrechtstraße straße ja BR3 Lankwitz nein BR4 BR5 Ostpreu- Teltower ßendamm Damm ohne Antw. BR6 Drakestraße BR7 BR8 Zehlend. Zehlend. Südwest Nord

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 1998 und 2008 (gew.)

Am häufigsten wird individuell bzw. in der Familie oder mit Freunden Sport betrieben. Knapp ein Fünftel der ab 50-Jährigen ist in einem Sportverein organisiert, 4 Prozent haben sich einer Wandergruppe angeschlossen, 4 Prozent nutzen Seniorensportangebote und 2 Prozent sind im Behindertensport aktiv (vgl. Abbildung 8.33). Während im individuellen Sport mehr Männer als Frauen aktiv sind, ist der Anteil der Frauen im organisierten Sport größer als der der Männer. Der Vorteil des organisierten Sports offenbart sich vor allem im Altersverlauf. Die altersbedingte Aktivitätsabnahme vollzieht sich bei den individuellen Sportlern schneller als bei den organisierten Sportlern. Die Bindung an die Sportgemeinschaft, die gegenseitige Motivation zu sportlicher Betätigung und die Wertschätzung der sozialen Kontakte zu den Sportgemeinschaftsmitgliedern bremsen den Rückzug aus dem Sport ab und öffnen Übergänge zu gesundheitssportlicher Betätigung, die auch bei bestehenden Mobilitätseinschränkungen beibehalten werden können. Abbildung 8.33: Organisationsform sportlicher Betätigung nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* aktive Sportler insg. insgesamt Migranten Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u.ält. 18 42 68 65
28

individueller Sport
45 41
25

Vereinssport
19 15
51

in einer Wan- org. Senio- org. Behindergruppe rensport dertensport
4
66

keinerlei Sport
33 44
37

62 52
18

8

4

66

2

68

29

55

1

69

1

69

1

69

26

60 64

10

43 48

27

18 20

52

5 3

65

5 3

65

2

68

34 34

36

6

22

50

67

67

2

68

36

2

57 42 23 8
47

13

20 23 11
59

50

3 6 5

67

2

68

1

69

29 32 48 61

41

5

28

47

64

7 7 6

63

2

68

38

65

63

4 4

66

22

52

62

2

68

70

64

66

9

* Mehrfachantworten; Differenz in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort; Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 bzw. 2 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

220

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Bei Seniorinnen und Senioren beliebte Sportarten Radfahren, Wandern, Gymnastik und Schwimmen sind dabei die beliebtesten sportlichen Aktivitäten von Frauen und Männern. Aber auch Tanzen, Kegeln/Bowling, Tennis, Golf und der Behindertensport haben unter den ab 50-Jährigen ihre Anhänger (vgl. Abbildung 8.34). Mit Ausnahme von Schwimmen und Tanzen sind in den anderen genannten Sportarten anteilig weniger Migranten beteiligt als einheimische Probanden. Unter den Migranten befindet sich ein größerer Anteil eines für den Sport zu gewinnenden Potenzials. Vor allem Schwimmen, Gymnastik, Radfahren und Kegeln wären die am häufigsten genannten Wunschsportarten. Während Frauen häufiger bei Gymnastik, Schwimmen und Tanzen zu finden sind, dominieren die Männer beim Radfahren, Kegeln, beim Tennis und Golf. Eine Erweiterung des Kreises der aktiven Sportler lässt sich bei den Frauen in Bezug auf Schwimmen, Tanzen, Wandern und Gymnastik und bei den Männern in den Sportarten Schwimmen, Radfahren und Wandern erkennen (vgl. Abbildung 8.34) Abbildung 8.34: Von aktiven Sportlern bevorzugte und von künftigen Sportlern gewünschte Sportarten insgesamt und nach Geschlecht - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* insgesamt Radfahren Wandern/Nordic Walking Gymnastik/Fitness Schwimmen Tanzen Kegeln/Bowling Tennis Golf Behindertensport Radfahren Wandern/Nordic Walking Gymnastik/Fitness Schwimmen Tanzen Kegeln/Bowling Tennis Golf Behindertensport 60
10 9 9 16 45 32 30 26 10 6 4 8 6 5 5 4 5 10 11 31 27 27 9 39 9 16 22

Migranten
12

4 3 2 4

Frauen
9 11 10 16 41 32 35 28 13 6 9

221 4 51 32 23 24 6 5 3 3 22 4 2222 8 8 7 6 6 4 6

Männer
13 8 16

40 betreibe ich betreibe ich

20

0

20

40

60

würde ich betreiben würde ich betreib

* Mehrfachantworten; Differenz in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort; Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Betrachtet man die Aktivitäten und die Wünsche nach sportlicher Betätigung in den einzelnen Sportarten im Altersverlauf, so wird erstens deutlich, dass Radfahren, Wandern, Gymnastik und Schwimmen das eigene Alter begleitende Sportarten sein können und Schwimmen sogar noch von Hochbetagten ausgeübt wird. Es sind vor allem Sportarten, die die Beweglichkeit erhalten, Ausdauer schulen, die körperliche Konstitution stärken und zumeist in Gemeinschaft mit anderen betrieben werden. Und zweitens zeigt sich, dass es in jeder Altersphase ein für den Sport ansprechbares und gewinnbares Potenzial gibt (vgl. Abbildung 8.35).

221

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 8.35: Von aktiven Sportlern bevorzugte und von künftigen Sportlern gewünschte Sportarten insgesamt und nach Geschlecht - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* künftige Senioren - 50 b.u. 65 Jahre
Radfahren Wandern/Nordic Walking Gymnastik/Fitness Schwimmen Tanzen Kegeln/Bowling Tennis Golf Behindertensport

junge Alte - 65 b.u. 75 Jahre
3 10

55 37 33 28 12 10 11 20
48 55 23 26

12

47 35 32 28 9 11 7 13
54 59

9
24 31

14

10

10

22

10

29

10 8 7 6 5 3 6 22

10

10

59

10

61

10

66

10

7 7 4 5 2 33 2
1

63

64

67

Alte im fortgeschr. Alter - 75 b.u. 85 Jahre
Radfahren Wandern/Nordic Walking Gymnastik/Fitness Schwimmen Tanzen Kegeln/Bowling Tennis Golf Behindertensport

Hochbetagte - 85 Jahre und älter
10

22 18 22 20 2 5 33
11

10 7 5 14
63 64 45 43

38

10

10

36

10

10

10

68

10

11

68

10

2

1

67

10

4 5 5 2 9 3 12 3 3 4 2 2 2
1 1 1

61

63

58

55

66

66

67

68

67

betreibe ich h

würde ich betreiben wh betreiben

ohne Antw. ohne Antw.

Serie4

* Mehrfachantworten; Differenz in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort; Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Sportliche Betätigung verhindernde Gründe Wenn ein Drittel der ab 50-Jährigen in ihrer Freizeit keinerlei sportlicher Betätigung nachgeht, stellt sich die Frage nach den Gründen und Ursachen. Am häufigsten (23 Prozent) werden gesundheitliche Gründe angeführt, die ein sportliches Engagement ausschließen. Aber zugleich bestätigen 13 Prozent fehlendes Interesse am Sport. Für 12 Prozent ist der finanzielle Aufwand zu hoch. 7 Prozent beklagen den Mangel an Information über Ort und Teilnahmebedingungen von Sportangeboten. Andere (6 Prozent) finden nichts, was ihnen zusagen würde, 4 Prozent sind die Wege bis zur Übungsstätte zu weit. Die Argumente: keine Räumlichkeiten oder keine Übungsleiter werden nur minimal ins Feld geführt. Häufiger als Männer sehen sich Frauen aus gesundheitlichen Gründen an sportlichen Aktivitäten gehindert bzw. verzichten darauf, weil die Angebote zu teuer sind. Mehr Männer als Frauen halten sich aus mangelndem Interesse dem Sport fern (vgl. Abbildung 8.36). Abbildung 8.36: Gründe, die sportliche Aktivitäten verhindern insgesamt und nach Geschlecht - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* insgesamt
gesundheitl. Gründe kein Interesse Angebote zu teuer weiß nicht, wo Angebote sagen mir nicht zu Weg zu weit keine Räumlichkeit kein Übungsleiter 23 13 12 7 6 4
1

Migran ten
24 19 22 14 9 6 1 1
1

Frau en
gesundheitl. Gründe kein Interesse Angebote zu teuer weiß nicht, wo Angebote sagen mir nicht zu Weg zu weit keine Räumlichkeit kein Übungsleiter 30 20 10 25 12 15 8 5 5
1 1 1

Män ner
20 16 9 6 6 3 1 10 20 30

0

* Mehrfachantworten; Differenz in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort; Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

222

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Im Altersverlauf nehmen vor allem die gesundheitlichen Gründe zu, um von sportlichen Aktivitäten Abstand zu nehmen. Damit im Zusammenhang geht auch das Interesse an eigener sportlicher Betätigung zurück. Der individuelle Kostenaufwand für Freizeitsport (Sportausrüstung, Fahrkosten, Vereinsbeitrag) wird vor allem von jenen künftigen Senioren und jungen Alten unterstrichen, die eigentlich gern selbst Sport treiben würden. Die sportliche Aktivitäten verhindernden Gründe verteilen sich mit Ausnahme geringer Verschiebungen in ähnlicher Rangfolge wie für den Bezirk insgesamt über alle Bezirksregionen. Differenzierungen treten in der quantitativen Ausprägung der einzelnen Gründe auf (vgl. Abbildung 8.37):  Aus gesundheitlichen Gründen keinen Sport treiben zu können, wird am häufigsten in der Bezirksregion Albrechtstraße geäußert, aber auch immer noch überdurchschnittlich in den Bezirksregionen Schloßstraße und Zehlendorf Nord.   Das geringste Interesse am Sport zeigen die Probanden aus der Bezirksregion Albrechtstraße. Überdurchschnittlich häufig wird in den Bezirksregionen Lankwitz, Schloßstraße, Albrechtstraße und Ostpreußendamm bekundet, dass der finanzielle Aufwand für sportliche Betätigung zu hoch ist. In den Bezirksregionen Lankwitz, Schloßstraße und Ostpreußendamm nimmt dieses Argument in Abweichung von der durchschnittlichen Rangfolge den 2. Platz ein.  Der Mangel an Information zu Sportangeboten wird am stärksten in der Bezirksregion Drakestraße beklagt.

Abbildung 8.37: Gründe, die sportliche Aktivitäten verhindern nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* - (nur Antwort: "ja")
- jeweils stärkste Ausprägung orange unterlegt Schloßstraße
gesundheitliche Gründe kein Interesse Angebote zu teuer weiß nicht, wo Angebote sagen mir nicht zu Weg zu weit keine Räumlichkeit kein Übungsleiter
1

Albrechtstraße
10

Lankwitz
10

Ostpreußendamm
10

26 12 15 6 5 5
49 44 38

24

27 17 14 8 4 4
50 46 42 33

23

23 14 16 5 4 4
1 45 36

27

22 12 13 8 8 3
1 47 42 38

28

10

10

10

10

10

35

10

36

10

34

10

37

10

10

10

10

10

45

10

10

46

10

42

10

45

10

46

10

46

10

10

10

10

49

10

49

10

1

49

10

50

10

2

48

10

50

10

Teltower Damm
gesundheitliche Gründe kein Interesse Angebote zu teuer weiß nicht, wo Angebote sagen mir nicht zu Weg zu weit keine Räumlichkeit kein Übungsleiter 12 12 6 7 6 2
1 48 44

Drakestraße
10

Zehlendorf Südwest
10

Zehlendorf Nord
10

23
38

27

19 12 10 9 7 5
1 49 38

31

16 15 9 5 6 5
1 49 45 41

34

24 13 10 7 5 3 2
1 37

26

10

10

10

35

10

10

38

10

40

10

10

40

10

10

41

10

10

43

10

43

10

43

10

44

10

45

10

44

10

45

10

45

10

47

10

10

10

10

48

10

49

10

50

10

1

49

10

49

10

* Mehrfachantworten; Differenz in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort; Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

8.5

Freizeitmanagement und Freizeitkosten

Um die eigene Freizeitgestaltung sinnvoll, selbstbestimmt und bedürfnisgerecht gestalten zu können, bedarf es bei allem Freiraum für Spontaneität dennoch einer grundsätzlichen Planung, wie und unter welchen Bedingungen die/der Einzelne seine nicht pflichtgebundene Zeit - Freizeit - verbringen möchte bzw. kann. Insgesamt 76 Prozent der ab 50-jährigen Probanden legen großen Wert darauf, über ihre Freizeit eigenständig zu entscheiden und aus Angeboten und Empfehlungen nach eigenem Bedarf auszuwählen. Es sind vor allen die einheimischen Probanden, die Männer, die jungen Alten sowie Höherqualifizierte und Personen mit einem über 1.500 Euro pro Monat liegendem Haushaltsnettoeinkommen, die überdurchschnittlich hohen Wert auf Individualität ihrer Freizeitgestaltung legen.

223

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 8.38: Grad der Selbstbestimmtheit der individuellen Freizeitgestaltung - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent 100 Migrationshintergrund Geschlecht Altersphasen Durchschnitt = 76 Prozent Qualifikation Haushaltsnettoeinkommen

80

!

76

!

76

60

40

77

69

74

80

77

79

73 58

72

75

79

82 66

74

78

80

81

20

0
nein ja weib- männlich lich 50 b. 65 b. 75 b. 85 J. u.65 u.75 u.85 u.älter Jahre J ahre Jahre ohne Fach- FS- HSAb- arb. A b- Abschl. schl. schl. unter 1000 1500 2500 1000 b.u. b.u. b.u. E uro 1500 2500 3500 Euro Euro Euro 3500 Euro und dar.

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

24 Prozent orientieren sich stärker an den Freizeitangeboten der unterschiedlichsten Träger, Vereine oder kommerziellen Veranstalter. Darunter befinden sich Personen mit Migrationshintergrund, eher Frauen als Männer, mit dem Altersverlauf zunehmend ab 75-Jährige, Personen ohne berufliche Qualifikation und Probanden mit einem Haushaltsnettoeinkommen von unter 1.500 Euro pro Monat (vgl. Abbildung 8.38). Die eigenständige Planung der individuellen bzw. in Familie zu verbringenden Freizeit erfordert genau wie die angebotsorientierte Freizeitgestaltung ein Freizeitmanagement. Dabei geht es sowohl um den Umfang der zur Verfügung stehenden freien Zeit, deren Terminierung, um die Bestimmung der Freizeitinhalte als auch um die dafür ausgabefähigen Mittel. Informationsquellen Mehr als die Hälfte der ab 50-Jährigen (54 Prozent) aus Steglitz-Zehlendorf informieren sich über Freizeit- und Veranstaltungsangebote in diversen Zeitungen. Von allen Informationsmitteln werden Zeitungen in allen Bezirksregionen am stärksten genutzt. Insgesamt 36 Prozent gewinnen ihre Informationen zur Freizeitgestaltung über geeignete Sendungen im Radio und im Fernsehen. Diese Informationsmöglichkeiten gelten besonders in den Bezirksregionen Schloßstraße und Ostpreußendamm als ergiebig. Plakate, Prospekte, Flyer erweisen sich für ein knappes Drittel der Probanden als Informationsträger. In fünf Bezirksregionen werden sie von jeweils mehr als 30 Prozent als Informationsquelle akzeptiert. Mundpropaganda durch Freunde und Nachbarn vermittelt bei insgesamt 30 Prozent Informationen über Freizeit- und Veranstaltungsangebote. Informationsvermittlung innerhalb der Familie wird von insgesamt weiteren 16 Prozent angegeben. Das Internet geben insgesamt 23 Prozent der ab 50-Jährigen als verlässliche Informationsquelle zur Freizeitgestaltung an. In fünf Bezirksregionen bedient sich mehr als ein Viertel aller Probanden dieser Quelle. Über die Bürgerämter beziehen 10 Prozent der Probanden ebenfalls Informationen über Freizeit- und Veranstaltungsangebote. Diese Möglichkeit wird am häufigsten von Probanden aus den Bezirksregionen Teltower Damm und Drakestraße angezeigt. Knapp ein Viertel der Probanden ist an Informationen über Freizeit- und Veranstaltungsangebote überhaupt nicht interessiert. Das größte Desinteresse wird in den Bezirksregionen Zehlendorf Südwest und Zehlendorf Nord bestätigt (vgl. Abbildung 8.39).

224

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 8.39: Informationsquellen für Freizeit- und Veranstaltungsangebote nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Zeitung insgesamt
54

Fernseh./ Prospekte/ Freunde/ Internet Radio Plakate Nachbarn
16

Familie
16 10

Bürger- überhaupt amt nicht
60

36

34

32

38

30

40

23

47

54

24

46

Schloßstraße - BR1 Albrechtstraße - BR2 Lankwitz - BR3 Ostpreußendamm - BR4 Teltower Damm - BR5 Drakestraße - BR6 Zehlendorf Südwest - BR7 Zehlendorf Nord - BR8

58 47 54 64 53 54 53 49

12

41 31 39 41 35 35 31 31

29

37 29 36 32 33 34 26 26

33

27 27 30 34 33 34 28 27

43

29 21 19 24 21 26 27 24

41

12 16 16 20 17 16 15 15

58

7 8 8 9 13 12 8 10

63

23 26 21 19 24 23 27 29

47

23

39

41

43

49

54

62

44

16

31

34

40

51

54

62

49

6

29

38

36

46

50

61

51

17

35

37

37

49

53

57

46

16

35

36

36

44

54

58

47

17

39

44

42

43

55

62

43

21

39

44

43

46

55

60

41

* Mehrfachantworten; Differenz in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Aus den von den Probanden gewählten Quellen für Freizeitinformationen lässt sich darauf schließen, welche besonders geeignet sind, um Frauen oder Männer bzw. auch bestimmte Altersgruppen anzusprechen und für Freizeitangebote zu animieren. Zeitungen werden konkurrenzlos von allen Gruppen am häufigsten als Informationsmittel gewählt. Mit Hilfe des Fernsehens oder Radios verschaffen sich vor allem viele Frauen und unter 75-Jährige die von ihnen gewünschten Freizeitinformationen. Für die selben Gruppen sind auch Plakate, Prospekte oder Flyer eingeführte Informationsmittel. Abbildung 8.40: Informationsquellen für Freizeit- und Veranstaltungsangebote nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Frauen Männer künftige Senioren 50 b.u. 65 J.
19

junge Alte 65 b.u. 75 J. 59

Alte im fortgeschr. Alter 75 b.u. 85 J. 40
30

Hochbetagte 85 J. u. ält. 18

Zeitung Fernsehen/ Rundfunk Prospekte/ Plakate Freunde/ Nachbarn Internet

56

14

51

30 30 30 30 30 30 30

57

13

11

52

37

33

34

36

37

33

40

30

31

39

11

59

34

36

29

41

34

36

35

35

25

45

11

59

33

37

26

44

33

37

31

39

26

44

11

59

21

49

26

44

34

36

16

54

4

66

2

68

Familie

17

53

15

55

17

53

16

54

16

54

9

61

Bürgeramt 12 überhaupt nicht

58

6

64

8

62

12

58

10

60

12

58

21

49

27

43

30

24

46

21

49

29

41

34

36

* Mehrfachantworten; Differenz in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

225

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Wer vor allem künftige Senioren über Freizeitangebote informieren will, erreicht das günstig mit Hilfe des Internets. In den höheren Altersphasen nimmt die Erreichbarkeit über das Internet drastisch ab. Bürgerämter werden vor allem von im Ruhestand befindlichen Probanden genutzt, darunter mehr Frauen als Männer. Der Kreis ohne Interesse an Freizeitinformationen ist bei den jungen Alten am geringsten (21 Prozent), wächst aber im Altersverlauf bis zu einem Drittel der hochbetagten Probanden an. Er umfasst mehr Männer als Frauen (vgl. Abbildung 8.40). Geeignete Termine für Freizeitangebote und -veranstaltungen Ausgehend von einem individuellen Zeitbudget, das sich auf pflichtgebundene Zeiten und Freizeit verteilt, wurden die Probanden gebeten, im Wochenverlauf jene Tage zu benennen, an denen sie gern Freizeitangebote der unterschiedlichsten Träger nutzen bzw. nutzen würden. Das höchste Votum (24 Prozent) wurde für werktags abgegeben, allerdings gefolgt von dem Wunsch, an Wochenenden (17 Prozent) an Freizeitveranstaltungen teilnehmen zu können. Von der Gesamtheit der Probanden wünschte 1 Prozent, dass auch feiertags Freizeitangebote zur Verfügung stünden. Nicht wenige (13 Prozent) gaben Mehrfachantworten, bei denen die Kombination der Nutzungsmöglichkeiten werktags und an den Wochenenden überwiegt, und 9 Prozent würden gern an allen Tagen Freizeitangebote vorfinden. Diese Wünsche werden in den Bezirksregionen Schloßstraße, Lankwitz, Ostpreußendamm, Teltower Damm und Drakestraße häufiger geäußert als in den übrigen (vgl. Abbildung 8.41). Abbildung 8.41: Gern genutzte Termine für Freizeitangebote nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 100 36 80 8 8 19 2 17 15 13
1

34

41

34

33

32

35

41

40

60

9 13
1

9 14 2 17

10 15
1

11 11
1

9 8 13
1

8 13
1

11
1

40

14

16

19

18

19

15

20

24

22

23

24

25

26

24

20

23

0 insgesamt BR1 Schloßstraße BR2 Albrechtstraße BR3 Lankwitz BR4 Ostpreußendamm BR5 Teltower Damm BR6 Drakestraße BR7 BR8 Zehlendorf Zehlendorf Südwest Nord immer ohne Antw.

werktags

am Wochenende

an Feiertagen

Mehrfachnennungen

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die Unterschiedlichkeit der individuellen Zeitbudgets und Lebenssituation, die Vielfalt der familialen und außerfamilialen Einbindung der/des Einzelnen liegen den Bedürfnissen für die zeitliche Planung der Freizeitgestaltung zu Grunde. Folgende Aspekte sollen dabei hervorgehoben werden:  Da die Studienteilnehmer mit Migrationshintergrund überwiegend künftige Senioren sind und im Erwerbsleben stehen, wünschen sie sich häufiger als die einheimischen Probanden Freizeitangebote für die Wochenenden.  Als geschlechtsspezifische Unterschiede lassen sich sowohl das bei mehr Frauen als Männern ausgeprägte Interesse an Freizeitangeboten als auch das bei den Männern häufigere Votum für Freizeitangebote am Wochenende und für alltägliche Angebote feststellen (vgl. Abbildung 8.42).

226

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 8.42: Gewünschte Termine für Freizeitangebote nach Geschlecht und Migrationshintergrund - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Frauen insgesamt Männer

34
1

17

24

39 10 12
1

8 14
1

13 9 36

15 27

18 20

Frauen
34 5 12 22 26

mit Migrationshintergrund

Männer
22

25 19 2 18 7 29

10 25 4 30 10

werktags Mehrfachnennung * Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

am Wochenende immer

an Feiertagen ohne Antw.



Das Bedürfnis nach Freizeitangeboten sinkt im Altersverlauf in Wechselwirkung mit eintretenden Mobilitätseinschränkungen bzw. einsetzender Pflegebedürftigkeit sukzessive ab.



Während die künftigen Senioren, darunter Alleinerziehende und Partnerschaften mit Kindern im Haushalt, infolge überwiegender Erwerbstätigkeit häufiger Freizeitangebote am Wochenende als werktags wünschen, verkehrt sich dieses Verhältnis bei den im Ruhestand befindlichen Personen grundsätzlich.



Im Ruhestand befindliche Personen von den jungen Alten bis zu den Hochbetagten konzentrieren ihre Terminwünsche für Freizeitangebote am stärksten auf werktags.

Abbildung 8.43: Gewünschte Termine für Freizeitangebote nach Altersphasen und Familienstruktur - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Altersphasen
100 29 80 10 60 9 16
1 1

F amilien stru ktur

26 36 49 70 10 7 7 2 8 19 13
1

38 13

36

33

9 12
1

10 16
1

12 9

40

3 27

25 33 19

20

27

4 7 4 15

14

16 27 26 12 13 mit Partner/-in immer mit Partner/-in u. Kind/ern ohne Antw.

24

0 50 b.u. 65 Jahre 65 b.u. 75 Jahre 75 b.u. 85 Jahre am Wochenende 85 Jahre u. älter an Feiertagen Alleinlebende Alleinerziehende

werktags

Mehrfachnennungen

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

227

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008



Eine kleine Gruppe der Alten im fortgeschrittenen Alter, vor allem Geschiedene und Verwitwete, aber auch Alleinerziehende, melden Bedarf an Freizeitangeboten insbesondere an Feiertagen an.



Relativ stark ausgeprägt ist das Bedürfnis nach Freizeit- und Veranstaltungsangeboten für alle Tage bei Alleinerziehenden, aber auch stabil bei ca. 10 Prozent der Alleinlebenden sowie Partnerschaften mit Kindern und ohne Kinder (vgl. Abbildung 8.43).

Freizeitkosten Bei solchen Freizeitaktivitäten wie Reisen, Besuch von Theateraufführungen, Konzerten, Ausstellungen, Kultur- und Sportveranstaltungen oder einer Gaststätte, aber auch bei der Teilnahme an Seniorenfreizeitangeboten, an Bildungskursen und -veranstaltungen unterschiedlicher Träger entstehen Kosten in der Höhe der Eintrittrittspreise bzw. - wenn erhoben - der Teilnahmegebühren oder Beiträge, der anzuschaffenden Ausrüstungsgegenstände sowie der Fahrkosten und eventuell eines kleinen Imbisses. Dieser finanzielle Aufwand kann nur in Abhängigkeit von der Höhe des Haushaltsnettoeinkommens erbracht werden. An ausgewählten häufig ausgeübten Freizeitaktivitäten wird der Einfluss des Haushaltsnettoeinkommens offenkundig. Während der Besuch einer bezirklichen Seniorenfreizeitstätte auch mit einem geringen Haushaltsnettoeinkommen regelmäßig möglich ist, steigt bei der kostenintensiveren Freizeitbeschäftigung der Anteil der daran häufig Beteiligten mit der Höhe des Haushaltsnettoeinkommens deutlich an (vgl. Abbildung 8.44). Abbildung 8.44: Zusammenhang zwischen der häufigen Ausübung von Freizeitaktivitäten und dem Haushaltsnettoeinkommen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent 70 60 50 40 30 20 10
8 5 2 4 3 1 5 8 6 6 7 16 16 17 9 9 37 30 16 20 28 11 10 15 16 40 27 59 51 39 49

69

11 10

0 Besuch einer bezirkl. Seniorenfreizeitstätte Haushaltsnettoeinkommen: Bildungsaktivitäten, VSH-Kurse Kunstausstellungen 600 b.u. 1000 Euro 3500 b.u. 5000 Euro Theater/Konzert/Kino 1000 b.u. 1500 Euro 5000 Euro u.dar. Reisen/Tagesreisen 1500 b.u. 2500 Euro

unt. 600 Euro 2500 b.u. 3500 Euro

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Dieser Zusammenhang spiegelt sich auch in den Freizeitfinanzierungsstrategien der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf wider. Von der Gesamtheit der Klientel verausgaben nach Selbstaussage 8 Prozent überhaupt keine Mittel für die Freizeitgestaltung. 12 Prozent wenden pro Monat unter 25 Euro auf und 18 Prozent planen 25 bis unter 50 Euro ein. Zwischen 50 und 75 Euro belaufen sich die monatlichen Freizeitausgaben von weiteren 17 Prozent. 15 Prozent geben zwischen 75 und 100 Euro aus, und knapp ein Viertel (23 Prozent) kann mehr als 100 Euro pro Monat für die Freizeitgestaltung einsetzen. Die sozialräumliche Betrachtung offenbart, dass in den Bezirksregionen Albrechtstraße und Lankwitz ein überdurchschnittlicher Anteil von Probanden überhaupt keine Mittel für die Freizeit erübrigen kann. Darüber hinaus konzentrieren sich in den Bezirksregionen Albrechtstraße, Lankwitz und Teltower Damm auch größere Anteile jener, denen eher bescheidene Mittel für die Freizeitgestaltung zur Verfügung stehen (vgl. Abbildung 8.45).

228

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 8.45: Höhe der monatlichen individuellen Ausgaben für die Freizeit - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 100 7 23 80 15 60 17 40 18 11 20 12 8 0 insgesamt BR1 Schloßstraße nichts 75 b.u. 100 Euro BR2 Albrechtstraße BR3 Lankwitz BR4 Ostpreußendamm BR5 Teltower Damm BR6 Drakestraße BR7 BR8 Zehlendorf Zehlendorf Südwest Nord 13 5 19 17 15 18 10 14 11 24 9 21 13 18 17 20 18 13 12 11 8 19 6 20 20 14 12 5 7 6 9 16 12 17 8 21 4 23 4 25 29 15 13 13 21 17 16 20 12 16 9 8 11 8 27

unt. 25 Euro 100 Euro oder mehr

25 b.u. 50 Euro ohne Antw.

50 b.u. 75 Euro

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die für die Freizeitgestaltung ausgabefähigen Mittel offenbaren nach soziostrukturellen Merkmalen erhebliche Differenzierungen. Entweder überhaupt keine Freizeitmittel oder eine dafür verfügbare Summe bis unter 50 Euro pro Monat können durchschnittlich 37 Prozent der Probanden aufwenden. Überdurchschnittlich groß sind die Anteile der sich in diesem Rahmen Bewegenden unter den Migranten (45 Prozent), Frauen (46 Prozent), den im Ruhestand befindlichen Altersphasen (39, 49 und 47 Prozent), Alleinlebenden (48 Prozent), Probanden mit einem Haushaltsnettoeinkommen unter 1.000 Euro pro Monat (76 Prozent) und mit einem Haushaltsnettoeinkommen zwischen 1.000 und 1.500 Euro (54 Prozent) sowie zwischen 1.500 und 2.500 Euro (42 Prozent). Freizeitausgaben von mehr als 100 Euro pro Monat können rd. ein Drittel der Männer, mehr als ein Viertel der künftigen Senioren, Partnerschaften mit Kindern und ohne Kinder sowie Probanden mit einem Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 2.500 Euro einsetzen (vgl. Abbildung 8.46). Abbildung 8.46: Höhe der monatlichen individuellen Ausgaben für die Freizeitgestaltung nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent insgesamt Migranten Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u.ält. Familienstruktur Alleinlebende Alleinerziehende mit Partner/-in mit Partner/-in u.Kind/ern Haushaltsnettoeinkommen unter 1000 Euro 1000-1500 Euro 1500-2500 Euro 2500-3500 Euro 3500 Euro u.dar. 0 8 5 2 3 9 8 14 20 nichts 75 b.u. 100 Euro 7 8 10 6 6 7 14 24 14 6 6 6 6 10 12 23 13 11 19 19 40 unter 25 Euro 100 Euro oder mehr 60 25 b.u. 50 Euro ohne Antw. 18 23 17 11 18 16 16 27 17 14 32 23 21 17 51 80 50 b.u. 75 Euro 15 16 27 15 16 21 12 8 11 12 16 10 12 19 15 14 17 20 19 13 18 8 18 18 21 14 17 18 15 3 16 29 27 32 15 8 15 17 14 18 16 17 15 12 15 14 15 17 14 34 27 21 11 27 13 20 7 4 4 2 3 11 6 6 3 100 9 1 13 23 19 14 8 8 5 7 8 5

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

229

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

8.6

Ehrenamtliches Engagement von ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf

Als ehrenamtliche Arbeit wird das freiwillige, unentgeltliche, gemeinnützige Engagement von Bürgerinnen und Bürgern in breitgefächerten gesellschaftlichen Bereichen verstanden, für die die/der Einzelne zeitweilig projektgebunden oder dauerhaft einen Teil der Freizeit verwendet, fachliche und/oder soziale Kompetenzen einbringt bzw. sich gezielt neu aneignet und überwiegend in Gemeinschaft mit anderen im Interesse des Gemeinwohls tätig wird. Der Inhalt ehrenamtlicher Arbeit kann sich sowohl auf die Wahrnehmung einer Wahl- oder Berufungsfunktion als auch auf Leitungstätigkeit und praktische Arbeit in Hilfs- und Wohlfahrtsorganisationen, Bürgerinitiativen, Vereinen, Verbänden, im sozialen und im Jugendbereich, im Umwelt- und Naturschutz, im Sport sowie im Rettungswesen, bei der Freiwilligen Feuerwehr oder beim Technischen Hilfswerk erstrecken. Ehrenamtliche Arbeit im sozialen Bereich umfasst darüber hinaus das unmittelbare Engagement in Seniorenprojekten und -freizeitstätten, im Rahmen von generationsübergreifenden und integrationsorientierten Projekten, die Tätigkeit in der lebenspraktischen Beratung und von Besuchsdiensten. Im Rahmen dieses Abschnittes soll dargestellt werden, welchen Platz ehrenamtliche Arbeit im Leben der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf einnimmt und in welchem Maße sie an ehrenamtlicher Arbeit in ausgewählten Bereichen beteiligt sind. In diesem Zusammenhang soll das soziale Profil der aktuell ehrenamtlich tätigen ab 50-Jährigen vorgestellt werden. Des Weiteren soll auch die in diesem Personenkreis darüber hinaus reichende Bereitschaft für ehrenamtliches Engagement eruiert werden. Um die aktuellen Ansatzpunkte zur Gewinnung von ehrenamtlich Tätigen für den sozialen Bereich kennenzulernen, werden sowohl die Motive für ehrenamtliche Arbeit als auch die Gründe der Ablehnung ehrenamtlicher Arbeit untersucht und dargestellt. Quantität und soziales Profil der ab 50-jährigen ehrenamtlich Tätigen aus Steglitz-Zehlendorf Zur Frage der ehrenamtlichen Arbeit haben sich 89 Prozent der Probanden klar positioniert (11 Prozent = ohne Antwort). Aus diesem Kreis leisten aktuell 22 Prozent ehrenamtliche Arbeit in verschiedensten Bereichen. Davon könnten sich 5 Prozent die Übernahme eines weiteren Ehrenamtes vorstellen. 27 Prozent, die bisher kein Ehrenamt ausüben, haben die Bereitschaft bekundet, auf einem der noch darzustellenden angebotenen Einsatzgebiete ehrenamtlich tätig werden zu wollen. Damit reiht sich knapp die Hälfte (49 Prozent) der Probanden in das aktive und für ehrenamtliche Arbeit mobilisierbare Potenzial im Bezirk ein. Insgesamt 40 Prozent teilten mit, an ehrenamtlicher Arbeit nicht interessiert zu sein. Im Vergleich zu den Ergebnissen der empirischen Erhebung von 1998 im ehemaligen Bezirk Steglitz mit ab 55-jährigen Probanden haben sich sowohl der Kreis der aktiven Ehrenamtler als auch die Bereitschaft, eine ehrenamtliche Tätigkeit auszuüben, erweitert. Der Anstieg spiegelt sich stärker in der Bereitschaft als schon in der aktiven Mitwirkung wider. Der Schritt von der Bereitschaft zur Übernahme ehrenamtlicher Aufgaben erfordert die Ansprache und Gewinnung dieses Potenzials. Die an der Studie 2008 beteiligten Migranten zeigen den übereinstimmenden Anteil aktiver Ehrenamtler, aber einen größeren Anteil mit Bereitschaft zu ehrenamtlicher Arbeit (34 Prozent) an. Die sozialräumliche Betrachtung weist eine Verbreitung des ehrenamtlichen Engagements bei ab 50-Jährigen zwischen 19 Prozent in der Bezirksregion Albrechtstraße und 27 Prozent in der Bezirksregion Zehlendorf Südwest aus. Der Personkreis mit Bereitschaft zur Übernahme ehrenamtlicher Verpflichtungen umfasst ein Potenzial zwischen 23 Prozent in der Bezirksregion Ostpreußendamm und 30 Prozent in der Bezirksregion Zehlendorf Südwest (vgl. Abbildung 8.47).

230

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 8.47: Aktive Teilnahme an ehrenamtlicher Arbeit - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 1998/2008 - in Prozent 4

100%

11

12

13

11

12

10

9

10

12

16

80% 57 60% 40

32

40

41

41

44

42

38

31 35

40% 21 20% 18 0% insg. Steglitz 1998

27

34 27 29

26

23

27

27

30 27

22

22

20

19

21

23

22

25

27

22

insg. 2008

mit Migrationshintergrund

BR1 BR2 SchloßAlstraße brechtstraße

BR8 BR5 BR6 BR7 BR3 BR4 LankOst- Teltower Drake- Zehlen- Zehlendorf dorf witz preußen- Damm straße Südwest Nord damm kein Interesse ohne Antw.

aktive Ehrenamtler

Bereitschaft zu ehrenamtlicher Arbeit

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 1998 und 2008 (gew.)

Das soziale Profil der aktiven Ehrenamtler wird gegenwärtig entsprechend der Bevölkerungszusammensetzung von 96 Prozent von Personen ohne und 4 Prozent mit Migrationshintergrund bestimmt. Frauen und Männer sind gleichgewichtig unter den Ehrenamtlern vertreten. Betrachtet man die Altersstruktur der aktiven Ehrenamtler, so besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Altersverlauf und dem ehrenamtlichen Engagement. 52 Prozent der ehrenamtlich Aktiven zählen zu den künftigen Senioren. Die Anteile verringern sich über 35 Prozent junge Alte und 11 Prozent Alte im fortgeschrittenen Alter bis auf 2 Prozent Hochbetagte (vgl. Abbildung 8.48). Ein ähnlich enger Zusammenhang besteht zwischen der beruflichen Qualifikation und ehrenamtlicher Tätigkeit. Je höher das Qualifikationsniveau, um so häufiger wird von den Probanden ehrenamtliches Engagement angezeigt. So haben von den aktiven Ehrenamtlern 11 Prozent keine abgeschlossene Berufsausbildung, 40 Prozent haben eine kaufmännische oder gewerbliche Lehre absolviert und 49 Prozent sind Absolventen von Fach- und Hochschulen. Die Mehrheit der ab 50-jährigen Ehrenamtler (48 Prozent) befindet sich bereits im Ruhestand bzw. ist wegen verminderter Erwerbsfähigkeit (8 Prozent) berentet. 38 Prozent stehen noch im Erwerbsleben, 3 Prozent sind zurzeit arbeitslos und 3 Prozent sind Hausfrauen. Nach Familienstrukturen betrachtet sind am häufigsten in Partnerschaft lebende Personen (59 Prozent) und Alleinlebende (27 Prozent) ehrenamtlich tätig. Probanden aus Partnerschaften mit Kindern (12 Prozent) und Alleinerziehende (1 Prozent) sind in geringerem Maße an ehrenamtlicher Arbeit beteiligt. Da auch die Ausübung eines Ehrenamtes mit Kosten (Fahrkosten, Verzehr, Telfonkosten usw.) verbunden ist, zeigt sich, dass Probanden mit einem geringeren Haushaltsnettoeinkommen seltener unter den aktiven Ehrenamtlern zu finden sind als Personen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 1.500 Euro pro Monat (vgl. Abbildung 8.48). In der Tendenz ähneln sich die soziodemographischen Profile der aktiven und der potenziellen Ehrenamtler. Dennoch gibt es nennenswerte Unterschiede. So erklärten viel mehr Frauen die Bereitschaft, ein Ehrenamt zu übernehmen, als Männer. Während bei den Erwerbstätigen die erklärte Bereitschaft zum Ehrenamt weiter verbreitet ist als die aktive ehramtliche Arbeit, erscheint bei dem im Ruhestand befindlichen Probandenkreis das mobilisierbare Potenzial schon stärker in die ehrenamtliche Arbeit integriert zu sein.

231

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 8.48: Soziodemographische Profile von aktiven und potenziellen Ehrenamtlern - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent aktiv im Ehrenamt Migrationshintergrund ja nein Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u.ält. Qualifikation ohne Abschluss Facharbeiter FS-/HS-Abschluss Erwerbsstatus erwerbstätig Erwerbsmind.-Rentn. arbeitslos Hausfrau Rentner/Pensionäre Familienstruktur Alleinlebende Alleinerziehende mit Partner/-in mit Partner/-in u.Kind/ern Haushaltsnettoeinkommen unter 1000 Euro 1000 b.u. 1500 Euro 1500 b.u. 2500 Euro 2500 b.u. 3500 Euro 3500 Euro u.dar. 100 80 60 40 20 29 24 29 0 7 11 11 14 28 19 28 20 40 60 80 100 59 12 14 27
1

mit Bereitschaft zum Ehrenamt

45 96 95

50 50 43

57

52 35 11 2
1

67 24 7

11 40 49 100 80 60 40 20 38 0

12 44 45 20 47 40 60 80 100

8 6 34 34 48 39 30 2 53

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Da für ehrenamtliche Arbeit in vielen gesellschaftlichen Bereichen Bedarf und Gelegenheit besteht, verteilt sich das Engagement der Bürgerinnen und Bürger auf unterschiedlichsten Interessenfeldern. Von den vorgegebenen Organisationsstrukturen werden Vereine oder Verbände (10 Prozent) am häufigsten als Betätigungsfelder für ehrenamtliche Arbeit genannt. In kirchlichen Einrichtungen sind 6 Prozent aktiv, um Treffen in der Gemeinde zu organisieren, stellen sich als Seniorentaxi zur Verfügung oder beteiligen sich am Besuchsdienst für kranke oder pflegebedürftige Gemeindemitglieder. 3 Prozent wirken als Schöffen oder ehrenamtliche Richter. Jeweils 2 Prozent managen eine Seniorengruppe, trainieren als Übungsleiter eine Sportgruppe, vertreten die Interessen der Nachbarn in einem Mieterbeirat oder arbeiten in einem anderen demokratischen Gremium mit. Als Mitglied in einer Sozialkommission, Organisator/-in in einer Selbsthilfegruppe, Tutor im Rahmen der Schülerhilfe, Helferin in einer Begegnungsstätte, als Mitglied bzw. berufener Bürger in einem BVV-Ausschuss, als Mitorganisator in einem sozialen Stadtteilzentrum oder Mitglied in der Seniorenvertretung sind jeweils 1 Prozent aktiv ehrenamtlich tätig (vgl. Abbildung 8.49). Für alle angegebenen ehrenamtlichen Betätigungsfelder haben aus dem Kreise der Probanden Interessierte ihre Bereitschaft zur ehrenamtlichen Mitarbeit erklärt. Als besonders begehrtes Betätigungsfeld erwies sich die Tätigkeit als Schöffe oder ehrenamtlicher Richter, aber auch die Mitarbeit in einer Sozialkommission, in einem BVV-Ausschuss und in anderen demokratischen Gremien wurden häufiger für erstrebenswert befunden als andere Positionen.

232

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 8.49: Aktive ehrenamtliche Arbeit bzw. Bereitschaft zu ehrenamtlicher Arbeit nach Arbeitsinhalten - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* in einer/einem bzw. als... Verein/Verband kirchl. Einrichtung Schöffe/Richter and. dem. Gremium Seniorengruppe Mieterbeirat Übungsleiter Selbsthilfegruppe Begegnungsstätte Tutor Seniorenvertretung Sozialkommission Stadtteilzentrum BVV-Ausschuss 20 15 10 7 5 arbeite mit * Mehrfachantworten; Differenzen in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.) 8 5 16 7 7 4 3 4 5 6 3 insgesamt 5 6 10 6 3 2 2 2 2 1 2 2 3 4 6 4 7 2 9 8 4 5 10 würde mitarbeiten 15 20 3 6 9 4 5 mit Migrationshintergrund 14 9 12 3

1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 0 2 2 2

Motivation für ehrenamtliche Tätigkeit Sowohl das aktive ehrenamtliche Engagement als auch die Bereitschaft zu ehrenamtlichen Arbeit werden im Wesentlichen von den Motiven, etwas für sich selbst und für andere zu tun, und vom Gefühl, gebraucht zu werden, getragen. Weitere starke Motivationen gehen von dem Bestreben aus, auch außerhalb der Erwerbstätigkeit Verantwortung übernehmen zu wollen und in Gesellschaft mit anderen eine sinnvolle Beschäftigung zu finden. Ein Teil der Engagierten geht davon aus, wenn sie anderen helfen, dass auch ihnen bei Bedarf Hilfe zuteil wird. Deutlich Wenigere motivieren ihr Engagement mit dem Willen, nur etwas für sich selbst zu tun. Und weniger als 10 Prozent suchen in der ehrenamtlichen Tätigkeit einen Ausgleich zur beruflichen Arbeit oder wünschen sich, über diese Schiene wieder Anschluss an den 1. Arbeitsmarkt zu finden (vgl. Abbildung 8.50). Abbildung 8.50: Motive für ehrenamtliche Arbeit - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Rangfolge nach "insgesamt" insgesamt
tue etwas für mich und andere Gefühl, gebraucht zu werden tue etwas für andere möchte Verantwortung übernehmen bin unter Menschen sinnvolle Beschäftigung erwarte, dass auch mir geholfen wird tue etwas für mich Ausgleich zu berufl. Tätigkeit Anschluss an 1. Arb.markt finden 2 6 4 6 6 7 8 49 32 27 25 25 23 21 6 13 16 8 14 13 2 6 15 33 35 28 25 27 28 8 14 19 60 7 4 8 9 8 7

Migranten
4

Frauen
tue etwas für mich und andere Gefühl, gebraucht zu werden tue etwas für andere möchte Verantwortung übernehmen bin unter Menschen sinnvolle Beschäftigung erwarte, dass auch mir geholfen wird tue etwas für mich Ausgleich zu berufl. Tätigkeit Anschluss an 1. Arb.markt finden 60 2 4 3 5 5 5 7 49 32 25 22 28 20 24 21 21 21 4 13 13 6 12 11 2 13 18
1

Männer
49 31 29 30 9 9 10 8 15 20 ja nein 40 60 7 6 7 3

40

20 ja

0 nein

* Mehrfachantworten; Differenz in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort; Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

233

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Wie die Abbildung 8.50 zeigt, unterscheiden sich viele Motivationen der Migranten in der Rangfolge nicht von denen der Gesamtheit der Probanden. Hinsichtlich der quantitativen Ausprägung der einzelnen Motive werden einige, z.B. "Ich tue etwas für mich und andere." bzw. "Ich tue etwas für andere." häufiger angeführt. Bei großer Übereinstimmung der Motivation zu ehrenamtlicher Arbeit stellen Frauen die Wünsche, unter Menschen zu sein und eine sinnvolle Beschäftigung zu haben, stärker in den Vordergrund als Männer. Bei ihnen sind Motive wie etwas für andere zu tun, Verantwortung zu übernehmen oder einen Ausgleich zur beruflichen Tätigkeit zu finden - stärker ausgeprägt. Die Stabilität der Motive für ehrenamtliche Tätigkeit entwickelt sich im Altersverlauf nicht gleichmäßig. Während sich die Motive "Ich tue etwas für andere." und "Ich möchte Verantwortung übernehmen." über alle Altersphasen relativ stabil halten, verlieren die Gefühle, "gebraucht zu werden", "etwas für sich und andere zu tun", "etwas für mich zu tun", "das Streben nach sinnvoller Beschäftigung" und "unter Menschen zu sein" ebenso wie die Erwartung, "bei Bedarf Hilfe zu erfahren", im Altersverlauf sukzessive an Gewicht. Die Suche nach Ausgleich zur beruflichen Arbeit und die Hoffnung auf Wiedereinstieg in die Erwerbstätigkeit durch ehrenamtliche Arbeit haben vor allem für künftige Senioren Bedeutung (vgl. Abbildung 8.51). Abbildung 8.51: Motivation für ehrenamtliche Arbeit nach Altersphasen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* - (nur Antwort: "ja")
ich tue etwas für andere künftige Senioren 50 b.u. 65 Jahre junge Alte 65 b.u. 75 Jahre Alte im fortgeschr.Alter 75 b.u. 85 Jahre Hochbetagte 85 Jahre u. ält. 26 23 26 29 ich möchte Verantwortung übernehmen 22 20 21 26
38

ich tue etwas für mich und andere 33 25 16
44 35 27

habe das Gefühl, ich erwarte, dass gebraucht auch mir geholfen zu werden wird 35 33 24 10
50 36 25

34

33 22 11 6
54 49 38

27

37

40

27

34

39

31

34

6

54

suche eine sinnvolle Beschäftigung künftige Senioren 50 b.u. 65 Jahre junge Alte 65 b.u. 75 Jahre 28 21
46 39 32

ich bin unter Menschen 27 24 22 8
52 33

ich tue etwas suche Ausgleich will Anschluss an zu meiner berufl. 1. Arbeitsmarkt für mich Tätigkeit finden 17 12 6
1 59 54 48 43

14 3 2
57

46

3

57

36

60

Alte im fortgeschr.Alter 14 75 b.u. 85 Jahre Hochbetagte 6 85 Jahre u. ält.
54

38

58

60

60

60

* Mehrfachantworten; Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Ehrenamtliche Arbeit ist eine überwiegend unentgeltliche Tätigkeit. Eine gewisse Aufwandsentschädigung ist gesetzlich nur für einen begrenzten Kreis - z.B. Übungsleiter von Sportgruppen - vorgesehen. Die Ausübung einer ehrenamtlichen Aufgabe ist jedoch häufig mit bestimmten finanziellen Aufwendungen wie Telefongebühren, Briefmarken, Fahrkosten, verbunden. Demzufolge empfiehlt es sich, den Zusammenhang zwischen der Motivation zur ehrenamtlichen Arbeit und dem Haushaltsnettoeinkommen der aktiven bzw. potenziellen Ehrenamtler zu beleuchten. Auch aus diesem Zusammenhang lassen sich Anknüpfungspunkte für die Gewinnung weiterer ehrenamtlich Tätiger ableiten. Während das Gefühl, gebraucht zu werden, über alle Einkommensgrößenklassen stabil ca. ein Drittel der Probanden für ehrenamtliche Arbeit motiviert, verbreitert sich die Motivation mit ansteigendem Haushaltsnettoeinkommen, wenn sie ihr Engagement damit begründen, etwas für andere tun zu wollen, die Übernahme von Verantwortung anzustreben, eine sinnvolle Beschäftigung zu suchen und/oder etwas für sich und andere bewirken zu wollen.

234

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 8.52: Motivation für ehrenamtliche Arbeit nach Haushaltsnettoeinkommen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* - (nur Antwort: "ja")
ich tue etwas für andere unter 1000 Euro 1000 b.u. 1500 Euro 1500 b.u. 2500 Euro 2500 b.u. 3500 Euro 3500 Euro u.dar. 26 23 26 29 33
34

ich möchte Verantwortung übernehmen 22 20 21 26 39
38

ich tue etwas für mich und andere 48 45 47
12

habe das Gefühl, ich erwarte, dass auch mir geholfen gebraucht zu werden wird 33 30 32
9 27

26 23 22 19 20

34

37

40

15

30

37

34

39

13

28

38

31

34

51
21

32
2

28

41

27

58 ich tue etwas für mich 17 14
12 43

33

27

40

suche eine sinnvolle Beschäftigung unter 1000 Euro 1000 b.u. 1500 Euro 1500 b.u. 2500 Euro 2500 b.u. 3500 Euro 3500 Euro u.dar. 22 26 21 23 26
39 38

ich bin unter Menschen 28 28 27 24 22
32

suche Ausgleich will Anschluss an zu meiner berufl. 1. Arbeitsmarkt Tätigkeit finden 6 7 6 7 16
54

7
1 59

53

34

32

46

53

33

48

54

1

59

37

36

14 15

46

53

60

34

38

45

44

60

* Mehrfachantworten; Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Motive wie "Ich erwarte bei Bedarf auch Hilfe durch andere." oder "Ich tue etwas für mich." verlieren mit ansteigendem Haushaltsnettoeinkommen als Beweggründe für ehrenamtliche Arbeit an Bedeutung. Die Suche nach einem Ausgleich zur beruflichen Tätigkeit motiviert Personen mit einem hohen Haushaltsnettoeinkommen stärker zu ehrenamtlicher Arbeit als jene mit weniger Haushaltsnettoeinkommen. Über ehrenamtliche Tätigkeit einen Wiedereinstieg in die Erwerbstätigkeit zu erlangen, motiviert hauptsächlich Personen mit einem geringen Haushaltsnettoeinkommen (vgl. Abbildung 8.52). Gründe für die Nichtbeteiligung an ehrenamtlicher Arbeit Die 40 Prozent der Probanden, die kein Interesse an ehrenamtlicher Tätigkeit haben, begründen ihre Position mit unterschiedlichen Motiven (vgl. Abbildung 8.53). Am häufigsten wird die Unvereinbarkeit mit den Erwerbspflichten (20 Prozent) herangezogen. Zwischen 16 und 18 Prozent sehen sich gesundheitlich dazu nicht in der Lage, haben dafür absolut kein Interesse oder können ehrenamtliche Aufgaben nicht mit den Familienpflichten in Einklang bringen. Eine geringere Rolle bei der Ablehnung ehrenamtlicher Arbeit spielen die Argumente, dass     es keine Kostenerstattung gibt (7 Prozent), auf dem individuellen Interessenfeld keine ehrenamtliche Aufgabe angeboten wird (6 Prozent), ehrenamtliche Arbeit mit zu hohen Kosten verbunden ist (5 Prozent), ehrenamtliche Arbeit zu wenig öffentlich anerkannt wird (4 Prozent).

Diese Gründe werden von einzelnen soziodemographischen Gruppen mit unterschiedlicher Stärke vorgebracht. So unterstreichen Probanden mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich die zeitliche Unvereinbarkeit eines Ehrenamtes mit ihrer Erwerbstätigkeit, dem Fehlen einer Kostenerstattung und dem damit entstehenden zu hohen finanziellen Aufwand.

235

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 8.53: Gründe, sich nicht ehrenamtlich zu betätigen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* (nur Antwort: "ja")
insgesamt
nicht mit Erwerbstätigkeit vereinbar bin gesundheitlich dazu nicht in der Lage kein Interesse an einem Ehrenamt nicht mit Familienpflichten vereinbar keine Kostenerstattung auf meinem Interessenfeld nicht vorhanden zu hohe Kosten (Fahrkosten, Beiträge) zu wenig öffentliche Anerkennung

mit Migrationshintergrund
10

Frauen

Männer

20 18 17 16 7 6 5 4

30

27 17 9 12 12 10 14 7

23

10

19 23 14 20 7 4 5 3

31

10

21 13 21 11 6 8 6 4

29

10

32

10

33

10

27

10

37

10

33

10

41

10

36

10

29

10

34

10

38

10

30

10

39

10

43

10

38

10

43

10

44

10

44

10

40

10

46

10

42

10

45

10

36

10

45

10

44

10

46

10

43

10

47

10

46

10

* Mehrfachantworten; Differenz in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Während sich Frauen häufig gesundheitlich nicht für eine ehrenamtliche Aufgabe in der Lage fühlen oder durch Familienpflichten zeitlich ausgefüllt sind, lehnen Männer überdurchschnittlich häufig mit der Begründung "kein Interesse" die Übernahme eines Ehrenamtes ab. Dabei verändern die einzelnen Argumente im Altersverlauf ihre Bedeutung. Die Nichtvereinbarkeit mit Erwerbspflichten wird vor allem von künftigen Senioren vorgetragen. Die gesundheitlichen Ablehnungsgründe nehmen im Altersverlauf zu. Zu viele Verpflichtungen in der Familie, kein Interesse und keine ehrenamtliche Aufgabe auf dem eigenen Interessenfeld zu finden, verlieren mit zunehmendem Lebensalter an Gewicht. Die auf Kosten bezogenen Argumente halten sich relativ stabil (vgl. Abbildung 8.54). Abbildung 8.54: Gründe, sich nicht ehrenamtlich zu betätigen nach Altersphasen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* - (nur Antwort: "ja")
60

50

40

30 49 20 42 36 18 9 0 3 2
1

10

22 14

17

12

16

21 15 7 7
1

3 5

6 7 4

6 6
1

3

4 4 2
zu wenig Anerkennung

nicht mit Erwerstätigk. vereinbar

bin gesundh. nicht in der Lage

kein Interesse nicht mit an ehrenamtl. Fam.-pflichten Arbeit vereinbar junge Alte 65-75 J.

keine Kostenerstattung

kein interessantes Angebot

zu hohe Kosten

künft. Senioren 50-65 J.

Alte im fortge. Alter 75-85 J.

Hochbetagte 85 J. u.ält.

* Mehrfachantworten; Differenz in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort; Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

236

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

8.7

Fazit

Unter Freizeit wird im Allgemeinen jene Zeit verstanden, die frei ist von Arbeit bzw. arbeitsgebundenen Tätigkeiten (Arbeitsweg, Arbeitspausen, berufliche Fortbildung) sowie von außerberuflichen Pflichten der Alltagsbewältigung. Mit dem Ausscheiden aus dem Berufsleben treten die älteren Bürger in eine Lebensphase, die durch einen völlig anderen Lebensrhythmus gekennzeichnet ist. Es kommt zu Veränderungen in der Zeitstruktur und der Prioritäten für die Zeitverwendung. Dabei werden Tätigkeits- und Beschäftigungsfelder erschlossen, die dazu beitragen, das Leben neu zu orientieren, die neue Perspektiven für ein sinnerfülltes und zufriedenes Leben bieten sowie Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe erschließen. Die subjektiven selbstbestimmten Gestaltungsfähigkeiten hängen einerseits von der persönlichen Mobilität, der Einbindung des Einzelnen in soziale Netze (Familie, Freundeskreis, Vereine usw.), den individuellen materiellen Verhältnissen zur Realisierung von Freizeitbedürfnissen und andererseits von jenen objektiven Rahmenbedingungen ab, die für die Freizeitgestaltung im näheren bzw. weiteren Wohnumfeld angeboten werden. Freizeit und soziale Einbindung Die Auskünfte der ab 50-Jährigen bestätigen die soziale Einbindung der überwiegenden Mehrheit der Probanden in Freundeskreise, familiale Netzwerke, Vereine und Kirchengemeinden, in Teilnehmerkreise von Seniorenveranstaltungen und Zufallsbekanntschaften. Das verweist auf ihre Einbindung in unterschiedlich verzweigte soziale Netze, so dass von einer gesicherten gesellschaftlichen Teilhabe und der von einer solchen sozialen Einbindung getragenen Stabilisierung der individuellen Lebensqualität ausgegangen werden kann. Insgesamt 18 Prozent haben angegeben, ihre Freizeit (auch oder ausschließlich) allein zu verbringen. Einen Teil der Freizeit allein zu verbringen, sich Ruhe zu gönnen und auf sich selbst zu besinnen, gehört genauso zu einem erfüllten Leben wie die Pflege der vielgestaltigen sozialen Kontakte innerhalb und außerhalb der eigenen Familie. Die Freizeit jedoch ausschließlich allein zu verbringen bzw. nur über geringe soziale Kontakte und Einbindungen zu verfügen, liegt nur im Interesse weniger Menschen. Vielmehr wird ein solcher Mangel an sozialen Kontakten von den Betroffenen eher als eine defizitäre Lebenssituation erlebt und eine positive Veränderung gewünscht. Da aber im höheren Lebensalter das Knüpfen neuer sozialer Kontakte vielen sehr schwerfällt, besteht häufig akuter Hilfebedarf. Vor allem um möglicher Gefährdung durch soziale Isolierung mit gezielten Angeboten vorbeugen zu können, wurde die Struktur der Freizeitkontakte der ab 50-Jährigen im Detail untersucht. Dabei wurden die erhobenen Mehrfachantworten auf eindeutige Antworten zurückgeführt. Abbildung 8.55: Struktur der Freizeitkontakte nach Familientyp - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 100
3 1

2 2 80
3 5

1 1

8 2 3 4 4 7 8
1 1

6 1 3 16 3 2
1

6
1

3 2

1 1

15

60

40
67

46

51

93

93

20
16 17

0 insgesamt mit Partner/mehrfach nur Freunde nur Kinder/Enkel Alleinlebende ohne Partner/mehrfach nur Sen.-veranst. nur Haustier Alleinerziehende mit Partner/-in mit Partner/-in u.Kind/ern

nur Partner nur Kirchengemeinde allein

nur Zufallsbekannte nur Bekannte/Nachbarn

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

237

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die überwiegende Mehrheit (82 Prozent) der Probanden verweist, wenn sie in einer Partnerschaft eingebunden (67 Prozent) sind oder als Single leben (15 Prozent), auf mehrfache und vielgestaltige Freizeitkontakte zu Freunden und Bekanten bzw. auf ihre Einbindung in Vereine, Teilnehmerkreise von Seniorenanfreizeitangeboten, Kirchengemeinden und Nachbarschaften. Nur drei Prozent bestätigen, ihre Freizeit völlig allein zu verbringen. Jedoch wird diese Minderheit ergänzt von weiteren 15 Prozent der Befragten, die jeweils nur einen einzigen Kontaktpartner für ihre Freizeitgestaltung benannt haben (vgl. Abbildung 8.55). In Bezug auf die Familienstrukturen der Probanden zeigt sich, dass die letztgenannte Gruppe mit geringen oder keinen Freizeitkontakten unter den Alleinlebenden mit 38 Prozent am stärksten ausgeprägt ist. Von den Alleinerziehenden befindet sich noch knapp ein Drittel in dieser Situation. Obwohl die soziale Einbindung in Freizeitkontakte bei Partnerschaften im Wesentlichen als stabil strukturiert anzusehen ist, soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass 6 Prozent der Partnerschaften nur eine auf sich selbst orientierte Freizeitgestaltung und damit eine gewisse Tendenz zu Selbstisolierung erkennen lassen. Zu dieser Gruppe der in der Freizeit kontaktarmen Personen zählen mehr Frauen als Männer, häufiger Migranten. Um dieser mehr zurückgezogen lebenden Gruppe Angebote zur Verbesserung ihrer Lebensqualität nahe bringen zu können, wäre zu prüfen,  ob und in welchem Maße die Aufklärung über den präventiven Wert von sozialen, vor allem kommunikativen Einbindungen der/des Einzelnen in soziale Netze, in die öffentliche Information aufgenommen bzw. dort verstärkt werden kann und  wie die kommunalen Seniorenfreizeitstätten bzw. generationenübergreifend arbeitenden Einrichtungen dieses Problem in ihre Arbeit integrieren können. Freizeitgestaltung und Freizeitinhalte Im Vordergrund der individuellen Freizeitinhalte stehen Aktivitäten innerhalb der Familien oder der Freundes- und Bekanntenkreise. Darüber hinaus nehmen Vereinstätigkeit, Sport, Bildungsaktivitäten und Geselligkeit einen eigenständigen Platz in der Freizeitgestaltung der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf ein. Besonders die sozialräumliche Verteilung und die geschlechtsspezifische Differenzierung der außerfamilialen Freizeitbeschäftigungen geben Hinweise auf die Akzeptanz wesentlicher Freizeitangebote. Freizeitangebote für Senioren Die Freizeit- und Begegnungsstätten aller Träger im Bezirk sind einem Viertel der ab 50-Jährigen bekannt. Das trifft für die Befragten aus den Bezirksregionen Teltower Damm, Ostpreußendamm und Zehlendorf Nord häufiger zu als für Befragte aus anderen Bezirksregionen. Der Bekanntheitsgrad dieser Einrichtungen ist bei Frauen, künftigen Senioren, jungen Alten, Alleinerziehenden und Partnern mit Kindern höher als in anderen sozialen Gruppen. Der Nutzungsgrad der Freizeit- und Begegnungsstätten ist mit 2 Prozent (regelmäßig) und 5 Prozent (manchmal) gering zu bewerten. Mehr als ein Drittel der Befragten schränkte die bisherige Zurückhaltung auf die Antwort "noch nicht" ein. Da dieses noch nicht von allen Altersphasen als Einschränkung eigenen Handelns bemüht wird, ist es nicht auf altersspezifische Aspekte zu reduzieren. Es erhebt sich die Frage nach der Attraktivität der Angebote. Mit der Öffentlichkeitsarbeit gilt es künftig hauptsächlich auch Männer, Migranten sowie Alleinlebende und Partnerschaften anzusprechen. Die Freizeitangebote des Bezirksamtes für Senioren sind durchschnittlich 19 Prozent der ab 50-Jährigen bekannt, und dieser Bekanntheitsgrad steigt im Altersverlauf von 15 Prozent bei den künftigen Senioren auf 24 Prozent bei den Alten im fortgeschrittenen Alter an. Der Bekanntheitsgrad dieser Angebote ist unter den Befragten der Bezirksregionen Ostpreußendamm, Teltower Damm und Drakestraße höher als in anderen Bezirksregionen.

238

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Im Nutzungsvergleich der Freizeitangebote für Senioren aller Träger nehmen die kommunalen Einrichtungen mit 3 Prozent regelmäßiger Nutzung den günstigsten Platz ein. Es folgen die kirchlichen und Angebote anderer freier Träger mit einer regelmäßigen Nutzung von 2 Prozent und die wohlfahrtlichen Begegnungsstätten mit 1 Prozent.
1

Ausgehend von der regelmäßigen Nutzung dieser Angebote durch die Probanden ergibt eine Hochrechnung eine Nutzung der kommunalen Angebote durch ca. 3.400 Teilnehmer/-innen, der kirchlichen Angebote durch 3.050 Teilnehmer/-innen, der wohlfahrtlichen Angebote durch 380 Teilnehmer/-innen, der Angebote anderer freier Träger durch 1.220 Teilnehmer/-innen und der Angebote des Bezirksamtes für Bürger und Bürgerinnen mit Behinderung durch 260 Teilnehmer/-innen. Bei allen Angeboten kommen noch gelegentliche Teilnehmer/-innen hinzu. Die aufgezeigte Rangfolge der inhaltlichen Freizeitangebote gibt Auskunft über die häufigste Übereinstimmung mit den Interessen der Zielgruppe. An der Spitze stehen die Gruppenaktivitäten, die durch einen hohen Grad der Selbstorganisation und Eigeninitiative sowie regelmäßige Teilnahme charakterisiert sind. Bei den Bustages- oder -halbtagesfahrten (8 Prozent), Gruppenführungen und Besichtigungen (5 Prozent), bei kulturellen Programmen in den Seniorenfreizeitstätten (4 Prozent) und auch bei Musik-, Tanz- und Kulturveranstaltungen im Bürgersaal finden zwar nur bei einem Prozent regelmäßigen Zuspruch, werden jedoch von einem größerem Potenzial (siehe Prozentangabe) gern, aber seltener genutzt. Bustages- und Halbtagsfahrten, Gruppenführungen und Besichtigungen sowie kulturelle Programme in den Seniorenfreizeitstätten sowie auch die Tanzveranstaltungen im Bürgersaal mobilisieren vor allem Teilnehmer aus dem Kreis der jungen Alten bis zu den rüstigen Hochbetagten (65 bis 85 Jahre und älter). Unter den Teilnehmern dieser Veranstaltungen sind mehr Frauen als Männer und häufiger Alleinlebende und ältere Paare als Alleinerziehende und Partnerschaften mit Kindern im Haushalt vertreten. Die regelmäßige und gelegentliche Nutzung dieser Angebote wird am stärksten von Personen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von unter 1000 Euro bis unter 2.500 Euro im Monat angenommen, wobei bei allen die gelegentliche Nutzung stärker als die regelmäßige ausgeprägt ist. Unter den ab 50-Jährigen konzentrieren sich die Motive für die Nicht- oder nicht regelmäßige Nutzung der oben genannten acht Angebote auf drei Schwerpunkte. Die Angebote wären:    nicht von Interesse (zwischen 48 und 54 Prozent), die Teilnehmer sind nicht meine Altersgruppe (zwischen 18 und 21 Prozent) und zu teuer zwischen einem Prozent bezogen auf kulturelle Programme für behinderte Senioren, Musik-, Tanz- und Kulturveranstaltungen im Bürgersaal, Tanzveranstaltungen in Seniorenfreizeitstätten und Gruppenaktivitäten in Seniorenfreizeitstätten, zwei Prozent bezüglich der kulturellen Programme in Seniorenfreizeitstätten, drei Prozent bezüglich Gruppenführungen und Besichtigungen und 6 Prozent bezogen auf Bustages- oder -halbtagesfahrten. Diese für die ab 50-Jährigen insgesamt zutreffenden Aussagen differenzieren sich stark nach soziostrukturellen Merkmalen. Das Desinteresse an diesen Angeboten wird von Migranten in geringerem Maße kundgetan als von einheimischen ab 50-Jährigen und von Frauen seltener genannt als von Männern. Im Altersverlauf verschieben sich die Gründe für die unregelmäßige Nutzung der Seniorenfreizeitangebote. Bei den künftigen Senioren wird das dokumentierte Desinteresse insbesondere durch die Begründung "nicht meine Altersgruppe" ergänzt. Als zu jung für die Seniorenfreizeitangebote schätzen sich neben den künftigen Senioren auch Alleinerziehende und Partnerschaften mit Kindern im Haushalt ein. Da nicht wenige von ihnen erwerbstätig sind, erweisen sich die Termingestaltung von Angeboten und die Öffnungszeiten der Seniorenfreizeitstätten als nicht mit den Erwerbspflichten vereinbar. Dem Lebensgefühl, noch nicht zu den Senioren zu gehören, und der Zeitstruktur der 50- bis unter 65-Jährigen
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1

2

Die Auswertung der Nutzung von Angeboten für Bürgerinnen und Bürger mit körperlicher Behinderung war wegen zu geringer Fallzahl nicht möglich. Die Aussagen zur Nutzung der Ausflugsfahrten für behinderte Senioren sowie der kulturellen Programme für behinderte Senioren sind aufgrund extrem unterschiedlicher Grundgesamtheiten quantitativ nicht mit den Angaben der nichtbehinderten Befragten vergleichbar. 239

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

könnte durch eine Öffnung der heutigen Seniorenfreizeitstätten für generationenübergreifende Angebote, durch eine künftige Senioren stärker ansprechende Bezeichnung dieser Einrichtungen sowie durch bedarfsgerechte Öffnungszeiten entsprochen werden, ohne die von Senioren akzeptierten Angebote einzuschränken. Das Argument "zu teuer" wird vor allem von den ab 50-Jährigen mit einem Haushaltsnettoeinkommen unter 1.000 Euro pro Monat geltend gemacht, aber auch bezogen auf Bustages- und -halbtagesfahrten, Gruppenführungen und Besichtigungen sowie auf die Ausflüge für behinderte Senioren von Personen mit einem Haushaltsnettoeinkommen bis zu 2.500 Euro als zu teuer angemahnt. Durch die aktuelle Preisgestaltung dieser Angebote erleben vor allem Hartz IV-Empfänger, Bezieher von Grundsicherung im Alter oder wegen dauerhafter Erwerbsminderung, Alters- und Erwerbsminderungsrentner mit geringen Renten sowie Alleinlebende finanzielle Ausgrenzung von gesellschaftlicher Teilhabe und sozialen Kontakten. Insgesamt 3 Prozent der Probanden nutzten zugleich die Gelegenheit, zum bezirklichen Seniorenprogramm Stellung zu nehmen, ihre Position näher zu erläutern und Vorschläge für die weitere Profilierung der inhaltlichen Angebote zu unterbreiten. In den Seniorenfreizeitstätten werden folgende Programminhalte gewünscht:          Informationsveranstaltungen zur Aufklärung über Altersprobleme und deren Prävention, PC- und Internetkurse für Senioren, mehr Angebote für 55- bis unter 60-Jährige, Bildungsveranstaltungen mit breitem Themenspektrum, Sportangebote: Yoga, Qi Gong, Nordic Walking, Radfahren, Gymnastik, Wandergruppen, Integrationsangebote für Migranten, generationenübergreifende Veranstaltungen, längerfristige Kontakte zu Jugendlichen, Interessengruppen für Handwerkeln, Basteln, Nähkurs, Töpfern, Musikveranstaltungen, Modenschauen, Berichte über das Ausland.

Für das bezirkliche Veranstaltungsprogramm sind folgende Vorschläge eingegangen:  Angebote für Menschen in der Lebensmitte - 50- bis unter 60-Jährige - unter Beachtung, dass diese noch berufstätig sind,       berufsbezogene Gruppengespräche, Angebote für Alleinerziehende, Angebote für gleichgeschlechtliche Lebensweise im Alter, Kurse für Gedächtnistraining, Angebot zum gemeinsamen Volkslieder-Singen, Kurse zur Vermittlung von Grundwissen im Umgang mit neuer Technik: Digitalfotographie, Handy, Programmierung von Haushaltsgeräten,   Reiseangebote für kleine Interessengruppen, die gemeinsam Reisen unternehmen wollen, Angebote für Singles, Unterstützung bei der Konstituierung von Kleingruppen, die daran interessiert sind, gemeinsam in der Stadt angebotene Veranstaltungen zu besuchen. Generationenübergreifende Angebote Generationenübergreifende Angebote finden bei den ab 50-Jährigen eine höhere Resonanz als die typischen Seniorenveranstaltungen. Der Bekanntheitsgrad der Angebote - wie gesellige und kulturelle Veranstaltungen, Treffen der Kirchengemeinde, Reisen, sportliche Angebote, Ausflüge, Bildungsveranstaltungen und Interessengruppen - liegt bei den ab 50-Jährigen bezirksweit zwischen 7 und 13 Prozent. Die Nutzungsfrequenz unter den ab 50-Jährigen schwankt bei den einzelnen Angebotsarten zwischen 8 Prozent bei Treffen der Kirchengemeinden und 2 Prozent bei geselligen Veranstaltungen.

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50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die aktuelle Nutzungsfrequenz wird ergänzt durch eine wesentlich höher liegende Nutzungsbereitschaft. Als ansprechbare Klientel haben sich Migranten, Männer und die künftigen Senioren mitgeteilt. Die höhere Nutzungsbereitschaft wird jedoch in allen Altersphasen angezeigt. Die Gründe für die Nichtnutzung generationenübergreifender Angebote werden angeführt von mangelndem Interesse. Im großen Abstand folgt das Argument "zu teuer" und an letzter Stelle rangiert die Begründung "zu weit weg". Für die künftige Programmgestaltung der generationenübergreifenden Freizeitangebote kommt es offensichtlich ebenso wie bei den Seniorenfreizeitangeboten darauf an, die Nutzer in die Programmgestaltung stärker einzubeziehen und deren Eigeninitiative herauszufordern. Die individuellen Maßstäbe für die Bewertung von Freizeitangeboten und für die Teilnahme an diesen Veranstaltungen werden bestimmt von den persönlichen Freizeitinteressen, vom Bedürfnis nach sozialen Kontakten, von der günstigen Erreichbarkeit der Veranstaltungsorte, von der Betreuungsqualität und von der Bezahlbarkeit der damit verbundenen Kosten. An die Spitze der Bewertungsmaßstäbe wurde von den Befragten die Übereinstimmung der Angebote mit den individuellen Freizeitinteressen gesetzt. Die niveauvolle Unterhaltung folgt in der Reihenfolge mit Abstand. Die gute Erreichbarkeit der Angebote steht als Kriterium noch vor Geselligkeit und niedrigem Preis. Rd. ein Fünftel der Befragten bewertet diese Angebote als Präventionsmittel gegen das Alleinsein und als geeignete Gelegenheit, um Bekanntschaften zu schließen. Diese Rangfolge der Kriterien erhält sich im Altersverlauf bis zu den unter 85-Jährigen. Bei den Hochbetagten verschieben sich aufgrund eintretender Mobilitätseinschränkungen die Wertigkeiten zu Gunsten einer guten Erreichbarkeit. Vor allem die Betonung der Übereinstimmung der Freizeitangebote mit den individuellen Freizeitinteressen ergibt einen guten Anknüpfungspunkt für die Einbeziehung der Nutzer in die Programmgestaltung. Als geeignetes Verfahren wäre den kommunalen Freizeiteinrichtungen die regelmäßige Durchführung eines Kundenmonotoring zu empfehlen. Bildung und Sport als Freizeitbeschäftigung Vor dem Hintergrund des kontinuierlichen Anstiegs des Bildungs- und Qualifikationsniveaus nutzen zunehmend mehr ältere Menschen lebenslanges Lernen, Wissen und Wissenserwerb sowie die Erhaltung der körperlichen Fitness gezielt zur Altersprävention. Die vielseitigen Angebote der Volkshochschulen, des Internets, der Universitäten, der unterschiedlichsten Bildungsträger sowie von Vereinen und Projekten werden von 48 Prozent der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf in Anspruch genommen. Dabei zeigt sich, dass je höher der allgemeine Schulabschluss ist, umso aktiver beteiligen sich die Einzelnen an Bildungsmaßnahmen. Diese außerhäuslichen Bildungsaktivitäten verringern sich im Altersverlauf. Insgesamt 43 Prozent dieser Gruppe nehmen keine Bildungsangebote in Anspruch, jedoch nicht wenige (20 Prozent) nutzen das Internet für ihre individuelle Weiterbildung. Dennoch bleibt ein Personenkreis von ca. 20 bis 25 Prozent, der sich bislang an Bildungsgewinn nicht interessiert zeigt und von den Akteuren der Erwachsenenbildung als ein Ansprechpotenzial für niederschwellige Bildungsangebote z.B. auf den Gebieten der sozialen Rechtsansprüche, der lebenspraktischen Kenntnisse oder der Gesundheitspflege gewonnen werden könnte. Zu den bevorzugten Bildungsinhalten gehören neben der Bewegungsschulung vor allem Kunst, Literatur, Musik, Gesundheitskurse, Sprachen, Computerkurse, Politik und Gesellschaft und künstlerische Gestaltung. Außer integriert in die Gesundheitskurse und in die Programme der Seniorenakademien an Universitäten und Hochschulen spielt der Erwerb von Wissen über die Alterung des Menschen und die Möglichkeiten der subjektiven Gestaltung des individuellen Alters bislang noch eine untergeordnete Rolle im Katalog der Bildungsangebote. Wissenserwerb z.B. über die sozialen und sozialpsychologischen Aspekte der individuellen Lebensgestaltung im Alter würde die Chancen und die Wahlfreiheit der/des Einzelnen auf Nutzung von gezielter Prävention erhöhen.

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Freizeitsport zur Erhaltung der körperlichen Fitness betreiben insgesamt 62 Prozent der ab 50-Jährigen aus SteglitzZehlendorf. Am weitesten verbreitet sind die individuellen sportlichen Aktivitäten. Um diese Entwicklung zu stärken, wäre neben dem Bemühen der Sportvereine um Integration der Individualsportler in den Vereinssport die Initiierung wohnortnaher volkssportlicher Angebote für Familien in öffentlichen Sportstätten zu erwägen. Die sportliche Mobilisierung der Familien (Fußball: Großväter gegen Enkel) könnte ein geeigneter Weg sein, um an Sport uninteressierte ältere Bürgerinnen und Bürger anzusprechen. Vor allem zur Gesundheitsförderung durch sportliche Betätigung wäre es wichtig, die sportlichen Angebote für Seniorinnen und Senioren ihren altersbedingten Leistungseinschränkungen anzupassen, diese wohnortnah zu gestalten und dabei auch durch Vernetzung die bestehenden Möglichkeiten in den Seniorenfreizeitstätten auszuschöpfen. Freizeitmanagement Um die eigene Freizeit sinnvoll zu gestalten, bedarf es sowohl der entsprechenden Information, der Zeitplanung und der Auswahl der Freizeitpartner als auch der Vorausabschätzung der dafür aufzuwendenden finanziellen Mittel. Auf diese selbstbestimmte Freizeitgestaltung legen mehr als drei Viertel der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf größten Wert. Während die übergroße Mehrheit sich zu diesem Zweck die nötigen Informationsmittel erschließt, bekunden 24 Prozent, dass ihnen die Informationsquellen für eine sinnvolle Freizeitgestaltung fehlen. Eine weitere Verbreiterung des Angebots an Freizeitinformationen scheint kein geeignetes Mittel zum Abbau einer gewissen Interessenlosigkeit zu sein. Vor dem Hintergrund der verfügbaren Freizeit spielen Veranstaltungstermine oder Öffnungszeiten von Freizeiteinrichtungen der Freizeitangebote für die individuelle Freizeitplanung eine große Rolle. Vor allem die in Erwerbspflichten eingebundenen künftigen Senioren verfügen nur über ein begrenztes Freizeitvolumen. Vor allem von den 50- bis unter 65-Jährigen wird am häufigsten für an den Wochenenden liegende Freizeitangebote votiert. Die Älteren hingegen sind am häufigsten an den werktags liegenden Freizeitangeboten interessiert. Knapp 10 Prozent der allein lebenden ab 65-Jährigen würden ebenfalls gern an Wochenenden gelegene Freizeitangebote nutzen. Das betrifft auch die Öffnungszeiten von Freizeiteinrichtungen im Bezirk. Ein spezielles Interesse, an Feiertagen gelegene Freizeitangebote wahrnehmen zu können, wird von einer Minderheit (7 Prozent) bekundet. Den Bedürfnissen nach Freizeitangeboten an Wochenenden und Feiertagen Rechnung tragen zu können, würde sich eine koordinierte Abstimmung der Programmgestaltung zwischen den kommunalen Freizeiteinrichtungen und ein einrichtungsübergreifendes Programm für diese Termine empfehlen. Freizeitkosten In Abhängigkeit von der Höhe des Haushaltsnettoeinkommens planen die ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf ihre für die Freizeit ausgabefähigen Mittel. Von der Gesamtheit der Befragten verausgaben nach Selbstaussage 8 Prozent überhaupt keine Mittel für die Freizeitgestaltung. 12 Prozent wenden pro Monat unter 25 Euro auf und 18 Prozent planen 25 bis unter 50 Euro ein. Zwischen 50 und 75 Euro belaufen sich die monatlichen Freizeitausgaben von weiteren 17 Prozent. 15 Prozent geben zwischen 75 und 100 Euro aus, und 23 Prozent können mehr als 100 Euro pro Monat für die Freizeitgestaltung einsetzen. Wenn man die von den Probanden zur Kenntnis gegebenen Möglichkeiten für Freizeitausgaben mit den in Berlin üblichen Eintrittspreisen für Theater, Museen, Kino, Ausstellungen, Unterhaltungsveranstaltungen bzw. Teilnahmegebühren für Veranstaltungen in Seniorenfreizeitstätten inklusive der erforderlichen Fahrkosten und Aufwendungen für einen kleinen Imbiss in Vergleich zieht, liegt der Schluss nahe, dass 8 Prozent der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf aufgrund ihrer finanziellen Lage von Kulturgenuss völlig ausgeschlossen sind und mehr als ein Drittel (30 Prozent - bis unter 50 Euro pro Monat) nur eine seltene Teilnahme an einzelnen kulturellen Events ermöglichen kann. Die Nutzung der kulturellen Angebote in bezirklichen Freizeitstätten bleibt mit einem finanziellen Verfügungsrahmen bis 50 Euro pro Monat diesem Personenkreis im unterschiedlichen Maße möglich.
242

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Für ca. 10 Prozent der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf mit einem Haushaltsnettoeinkommen unter 1.000 Euro bestehen nur äußerst eingeschränkte Möglichkeiten, um selbst moderate Teilnahmegebühren, Fahrkosten und einen Imbiss zu finanzieren. Von dieser Gruppe können 23 Prozent keine finanziellen Mittel für die Freizeit einsetzen und weitere 32 Prozent verfügen über monatlich unter 25 Euro für diesen Zweck. Es handelt sich dabei um den unter der Armutsrisikoschwelle lebenden Personenkreis, der nur unter Verzicht auf Freizeitausgaben bzw. konsequente Einschränkung von Freizeitkosten die unmittelbare Existenzsicherung gewährleisten kann. Vor dem Hintergrund der eingeschränkten Ausgabefähigkeit der Probanden einerseits und andererseits der Auskünfte über Teilnahmeverzicht bei zu teueren Freizeitangeboten - vor allem Busfahrten, Ausflüge, kulturelle und Bildungsveranstaltungen - wäre es wünschenswert, wenn die Teilnahmegebühren besonders für eine bedürftige Klientel geringer angesetzt werden könnten. In Anbetracht der zu erwartenden Entwicklung der Alterseinkommen hauptsächlich bei den Empfängern von gesetzlichen Renten (siehe Kapitel 5.2.2) ist davon auszugehen, dass der Anteil jener älteren Bürgerinnen und Bürger, die sich auf Einsparungen bei den Freizeitausgaben orientieren, künftig auch in Steglitz-Zehlendorf ansteigt. Damit werden im Rahmen der Altenhilfe mehr als bisher kostenlose bzw. Freizeitangebote zu niedrigen Preisen erforderlich. Ehrenamtliches Engagement Von den ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf zeigen 22 Prozent an, aktiv ehrenamtliche Arbeit zu leisten und weitere 27 Prozent erklären sich dazu bereit. Die für diese Bereitschaft ausgewiesenen Motivationen eröffnen eine Ansprechbasis, um diese Personen für tatsächliches ehrenamtliches Engagement zu gewinnen. Das setzt aber eine Auseinandersetzung mit den von den potenziellen Ehrenamtlern gewünschten Einsatzfeldern voraus, weil diese eine gewisse Diskrepanz zwischen den Interessenlagen der für ein Ehrenamt zu Gewinnenden und dem realen Bedarf an ehrenamtlichem Engagement offenbart. Eine Orientierung auf die tatsächlich bestehenden Einsatzfelder könnte zwar den Anteil der erklärten Bereitschaft verringern, würde aber die Integration in ein aktives Ehrenamt fördern. Als günstigster Zeitpunkt für die Gewinnung von Ehrenamtlern erweist sich der Wechsel von der Erwerbstätigkeit in den Ruhestand, weil für viele Menschen zu diesem Zeitpunkt eine Phase der sozialen Neuorientierung und der Notwendigkeit einer Veränderung der Zeitverwendung einsetzt. Das Bestreben nach einer sinnvollen Zeitverwendung, nach der Weiternutzung von in der Erwerbsphase erworbenen fachlichen und sozialen Kompetenzen und die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung motivieren in diesem Lebensabschnitt stärker zu sozialem Engagement als im höheren Lebensalter.

243

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

9.

Soziale Kontakte und Mobilität

Soziale Kommunikation und Mobilität erweisen sich vor allem für ältere Menschen in der modernen Gesellschaft als Grundvoraussetzung für ihre gesellschaftliche Teilhabe. Das Gefüge der sozialen Kontakte und die Bedingungen für die Aufrechterhaltung der Mobilität bilden für Menschen aller Generationen eine wesentliche Grundstruktur ihres Daseins und zugleich einen unabdingbaren Bestimmungsfaktor ihrer Lebensqualität. Stabile familiale und außerfamiliale soziale Kontakte sind wesentliche Bedingungen für die selbstbestimmte Gestaltung der eigenen Lebensverhältnisse und die wirksamste Prävention vor sozialer Isolierung. Die Mobilität des/der Einzelnen wird zur Voraussetzung aller sozialen Aktivitäten wie der Sicherstellung der alltäglichen Versorgung und der gesundheitlichen Betreuung ebenso wie der sozialen Kontakte zu anderen und der gesellschaftlichen Teilhabe insgesamt.

9.1

Familiale und außerfamiliale Kontakte

Das Eingebundensein in familiale und außerfamiliale Beziehungen gewährt dem/der Einzelnen die Möglichkeiten der wechselseitigen Information, der gegenseitigen Beratung in alltagspraktischen Fragen und der gesellschaftlichen Teilhabe. Das für die/den Einzelnen notwendige Netz der sozialen Kontakte entwickelt sich über die Familie hinaus nicht ausschließlich auf der Grundlage von persönlicher Bekanntschaft, sondern schließt in vielfältiger Weise die Kontakte zur Öffentlichkeit ein. Einen besonderen Platz im Gefüge der sozialen Kontakte nehmen die öffentlichen Beratungsangebote ein. Die öffentlichen Beratungsangebote komplettieren das Netz der bestehenden familialen und außerfamilialen sozialen Kontakte durch Informationsvermittlung und fachliche Kompetenz bezogen auf unterschiedlichste Lebensbereiche. Sie ergänzen damit für die Bürgerinnen und Bürger den Schutz durch soziale Netze im Bedarfsfall. Ein solcher Schutz wird immer erforderlich, wenn die Lebenssituation von Umbrüchen charakterisiert wird oder Menschen vor neue Herausforderungen gestellt werden. Die Lebenssituation von ab 50-Jährigen ist durch eine ganze Reihe von Herausforderungen und Umbrüchen charakterisiert, die von jedem/jeder hohes individuelles Bewältigungspotenzial und die Erschließung neuer sozialer Ressourcen für die eigene Lebensgestaltung erfordern. Zu diesen grundlegenden Einschnitten in den Lebensverhältnissen von ab 50-Jährigen zählen:  der Wandel der Familienstrukturen durch die Erlangung der wirtschaftlichen Selbstständigkeit des jüngsten Kindes und dessen Auszug aus dem elterlichen Haushalt;  die räumliche Trennung der familialen sozialen Netze durch die erwerbsbedingte Mobilität der jüngeren Familienmitglieder;  die Konfrontation von nicht wenigen älteren Arbeitnehmer/-innen mit sozialer Ausgrenzung durch Arbeitslosigkeit und dadurch bedingte Einkommenseinbußen;   das Ausscheiden aus dem Erwerbsleben und der Übergang in den Ruhestand; die Umstrukturierung im sozialen Umfeld durch Auflösung traditioneller Bindungen im Arbeitsbereich und Schaffen neuer sozialer Beziehungen (oder Vereinzelung);   Wandel in Zeitfonds, der dem/der Einzelnen/der Familie zur freien Verfügung steht; im höheren Lebensalter das Ableben der Partnerin/des Partners und damit verbundene Singularisierung.

Es handelt sich zweifelsohne um eine Lebensphase, die in Umfang und Konzentration von Wandlungen im persönlichen Leben vom Einzelnen viel Bewältigungs- und Anpassungsvermögen im positiven Sinne verlangt. Besonders im Zusammenhang mit dem Austritt aus dem Erwerbsleben erfolgt eine nachhaltige Einengung der sozialen Kontakte, in vielen Fällen der Abbruch der Kontakte zu den bisherigen Arbeitskollegen. Diese Defizite an sozialer Kommunikation und Beziehungen werden vor allem durch eine stärkere Konzentration auf die Familie, aber auch durch die Erweiterung oder Neuorientierung der Beziehungen zu Freunden und Bekannten sowie durch ein gezieltes Sich-Einbringen in Vereinstä-

244

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

tigkeit, in die Aktivität von Verbänden oder andere Formen des bürgerschaftlichen Engagements reduziert bzw. ausgeglichen. Dieser Prozess der Umstrukturierung der sozialen Kontakte birgt jedoch für die/den Einzelnen auch das Risiko des Rückzugs in die Privatheit bis hin zur sozialen Isolierung. Dieses Risiko erhöht sich in Richtung sozialer Vereinzelung im fortschreitenden Altersverlauf infolge eintretender Partnerverluste und durch die natürliche Verringerung von Freundes- und Bekanntenkreisen. Das Geflecht der sozialen Kontakte der ab 50-jährigen Bürgerinnen und Bürger aus Steglitz-Zehlendorf hat sich im zurückgelegten Lebensverlauf herausgebildet, ist individuell unterschiedlich reich verzweigt und wird den individuellen Bedürfnissen entsprechend intensiv oder weniger intensiv gepflegt. Diese sozialen Kontakte umspannen über die Familie - Partnerin/Partner, Eltern, Kinder, Großeltern, Enkel, Geschwister, Geschwisterkinder und die durch Partnerschaft und Verschwägerung hinzugekommene Familie - vor allem Freunde, Bekannte, Nachbarn, aber auch gegenwärtige und ehemalige Arbeitskolleginnen/-kollegen sowie die durch Mitgliedschaften bzw. Sympathien begründeten Beziehungen zu und Integrationen in Vereine, Verbände, Parteien, Gemeinschaften, Kirchengemeinden und soziale Projekte. Familiale Einbindung Die intensivsten sozialen Kontakte bestehen zwischen Menschen innerhalb von Kernfamilien, die innerhalb eines gemeinsamen Haushaltes leben und zusammen ihren Alltag bewältigen, miteinander wohnen und zusammen aus einem gemeinsamen Budget wirtschaften und somit auch ihre Freuden und Sorgen teilen, sich bei der Lösung von Problemen gegenseitig unterstützen. Die Mehrheit der ab 50-jährigen Befragten aus Steglitz-Zehlendorf lebt in einem Zweipersonenhaushalt, 29 Prozent führen einen Einpersonenhaushalt, 8 Prozent gehören einem Dreipersonen- und 4 Prozent einem Vier- und Mehrpersonenhaushalt an (1 Prozent = ohne Antwort). Probanden mit einem Migrationshintergrund leben häufiger in Mehrpersonenhaushalten als die einheimischen Befragten. Dieser Sachverhalt begründet sich sowohl auf der mehrheitlichen Zugehörigkeit der Gruppe zu den künftigen Senioren als auch auf die durchschnittlich höhere Anzahl der eigenen Kinder. Frauen leben viel häufiger in Einpersonenhaushalten als Männer. Außerdem wird deutlich, dass der Anteil der Einpersonenhaushalte im Altersverlauf im Zusammenhang mit der Feminisierung und Singularisierung stark zunimmt. Während von den künftigen Senioren 23 Prozent in Single-Haushalten leben, sind es bei den Hochbetagten insgesamt 68 Prozent (vgl. Tabelle 9.1). Tabelle 9.1: Haushaltsstruktur nach Geschlecht und Altersphasen ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent Anzahl der Personen im Haushalt 1 Person 29 20 30 37 19 23 27 44 68 2 Personen 57 55 57 51 65 55 68 52 23 3 Personen 8 13 8 7 9 13 3 2 2 4 und mehr Personen 4 11 4 3 7 8 1 1 2 6 ohne Antwort 1 1 1 2

soziodemographische Merkmale insgesamt mit Migrationshintergrund ja nein Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künftige Senioren 50 b.u. 65 Jahre junge Alte 65 b.u. 75 Jahre Alte im fortgeschr. Alter 75 b.u. 85 Jahre Hochbetagte 85 Jahre und älter

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

245

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die aufgezeigte Haushaltsstruktur differenziert sich nach den familienbegründenden Kriterien weiter aus. Während die Anzahl der Einpersonenhaushalte mit der Anzahl der Alleinlebenden übereinstimmt (im Falle der Befragungsergebnisse ergibt sich eine leichte Verzerrung durch die Anzahl der Nichtbeanwortung der Haushaltsgröße), können Zweipersonenhaushalte sowohl Partnerhaushalte als auch Haushalte von Alleinerziehenden mit einem Kind sein. Dreipersonenhaushalte können das Zuhause einer Partnerschaft mit einem Kind oder einer/eines Alleinerziehenden mit zwei Kindern bilden. Dem Familientyp nach gehören 31 Prozent der ab 50-jährigen Probanden zu den Alleinlebenden, 2 Prozent sind Alleinerziehende, die überwiegend größte Gruppe (57 Prozent) wird von den Partnerschaften getragen und 10 Prozent sind Partnerschaften mit Kindern. Das heißt, für die große Mehrheit der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf sind die Partnerinnen bzw. Partner, unabhängig ob es sich um eine eheliche oder außereheliche Lebensgemeinschaft handelt, die wichtigsten Bezugspunkte und Ansprechpersonen innerhalb ihres sozialen Beziehungsgefüges. Bei 10 Prozent erstrecken sich diese engen sozialen Kontakte auch auf die noch im gemeinsamen Haushalt lebenden Kinder. Die sozialräumliche Betrachtung der Verteilung nach der Familienstruktur macht auf einen überproportionalen Anteil der Alleinlebenden in den Bezirksregionen Albrechtstraße und Lankwitz aufmerksam, weist den höchsten Anteil an Alleinerziehenden in der Bezirksregion Ostpreußendamm aus. Partnerschaften sind am häufigsten in den Bezirksregionen Ostpreußendamm sowie Schloßstraße und Lankwitz vertreten, und Partnerschaften mit Kindern im Haushalt konzentrieren sich anteilig am stärksten in den Bezirksregionen Teltower Damm und Zehlendorf Südwest (vgl. Abbildung 9.1). Abbildung 9.1:
100

Familienstrukturen nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 10 8 8 6

12

13

12

17

12

80 57 60 59 55 59 61 56 56 57 56

40

1

2 31

2 31 36

2 3

1

1

1

2 30 31 24 31

20

33

24

0 insgesamt BR1 Schloßstraße Alleinlebende BR2 Albrechtstraße BR3 Lankwitz BR4 Ostpreußendamm BR5 Teltower Damm BR6 Drakestraße BR7 BR8 Zehlendorf Zehlendorf Südwest Nord

Alleinerziehende

mit Partner/-in

mit Partner/-in u.Kind/ern

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Ähnlich wie bei den Haushaltsstrukturen ergibt sich auch bei den familialen Einbindungen der ab 50-Jährigen eine weitere Differenzierung nach soziostrukturellen Merkmalen. Auf folgende Aspekte soll aufmerksam gemacht werden (vgl. Abbildung 9.2):  Die Gruppe der Migranten verzeichnet den höchsten Anteil von Familien mit Kindern. Der relativ geringe Anteil der Alleinlebenden unter den Migranten resultiert vor allem aus der mehrheitlichen Zugehörigkeit zu den künftigen Senioren, die überwiegend in Partnerschaft und fast zu einem Viertel mit Kindern leben.  Bei den Frauen ist der Anteil der Alleinlebenden mehr als doppelt so groß wie bei Männern. Männer leben bis ins hohe Alter überwiegend in einem Familienverbund, entweder mit Partnerin oder mit Partnerin und Kindern.  Im Altersverlauf vollzieht sich infolge der Erlangung der wirtschaftlichen Selbstständigkeit der Kinder und der Auflösung der Partnerschaft durch Tod eines Partners ein tiefgreifender Wandel der Familienstruktur. Mit dem Auszug der wirtschaftlich selbstständigen Kinder aus dem elterlichen Haushalt nimmt in der Gruppe der jungen Alten der An-

246

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

teil der Partnerschaften zu. Bei den Alten im fortgeschrittenen Alter steigt durch Partnerverlust der Anteil der Alleinlebenden an und setzt sich bei den Hochbetagten fort, so dass von ihnen nur noch eine Minderheit in Partnerschaft bzw. bei den erwachsenen Kindern lebt. Abbildung 9.2: Familiale Einbindung nach Geschlecht und Altersphasen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* insgesamt mit Migrat.hintergrund Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u. ält. 0% 20% Alleinlebende

31 20 3

2 54

58 23

10

40 19
1

2 65

51 14

7

24 28 46

3

55 69 52 79
40% Alleinerziehende 60% mit Partner/-in 80%

18 3
1

20

1

100%

mit Partner/-in u.Kind/ern

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Der Wandel der Familienstrukturen erweist sich als ein gesellschaftliches Problem und lässt sich nicht auf bestimmte Altersgruppen eingrenzen. Er setzt schon im jungen Erwachsenenalter ein und hat seit Jahren zu einer Zunahme der Alleinlebenden und der nichtehelichen Lebensgemeinschaften geführt. Die sozialen Kontakte von ab 50-Jährigen unterliegen ebenfalls diesem durch die Lebenssituation bedingten Wandel. Im Zusammenhang mit dem Wandel der Familienstrukturen sind gegenwärtig auch in dieser Altersgruppe, vor allem bei den künftigen Senioren, eine Zunahme der Lebensgemeinschaften und eine Verkürzung der Dauer des Zusammenlebens von Partnerschaften zu beobachten. Dennoch werden die Lebensverhältnisse der ab 50-Jährigen auch in Steglitz-Zehlendorf hauptsächlich durch eheliche Partnerschaften bestimmt. Bei den ab 50-jährigen Befragten aus Steglitz-Zehlendorf sind insgesamt mehr Männer als Frauen verheiratet. In allen genannten Altersphasen sind mehr als die Hälfte der Männer verheiratet. Im Altersverlauf nimmt bei den Frauen der Anteil der Verheirateten stark ab, im Gegenzug steigt der Anteil der Verwitweten. Bei den ab 50-jährigen Männern steigt der Anteil der Verheirateten von den künftigen Senioren zu den jungen Alten und bleibt auch im fortgeschrittenen Alter relativ stabil. Dieser Sachverhalt beruht hauptsächlich auf der Tatsache, dass Männer nach einer Scheidung oder Verwitwung häufiger als Frauen eine neue (eheliche) Partnerschaft eingehen. Auch die von der Ehefrau getrennt lebenden Männer streben erneut eine (außereheliche) Partnerschaft an. Frauen sind aufgrund der höheren Lebenserwartung vor allem nach einer Verwitwung im fortgeschrittenen Lebensalter auch bei Interesse mit nur geringen Möglichkeiten für das Eingehen einer neuen Partnerschaft konfrontiert (vgl. Abbildung 9.3). Betrachtet man darüber hinaus den Familienstand der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf im Zusammenhang mit dem tatsächlich gelebten Familientyp, so wird deutlich erkennbar, dass    der überwiegende Teil aller nicht verheirateten Frauen und Männer allein lebt, ein Fünftel der getrennt lebenden Frauen Alleinerziehende sind, getrennt lebende und nicht verheiratete Männer häufiger Partnerschaften eingehen als Frauen in der vergleichbaren Lage (vgl. Abbildung 9.4).

247

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Aus den hier aufgezeigten Sachverhalten geht hervor, dass mehr Männer als Frauen bis ins hohe Lebensalter über ein intaktes Netz der engsten familialen - partnerschaftlichen - Kontakte verfügen. Abbildung 9.3: Veränderungen des Familienstandes im Altersverlauf - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Frauen
insgesamt

Männer 54 73 4 9 8 5

1

20

15

8 2

1

Altersphasen

künft. Senioren 50 b.u. 65 J.

7

17

10 3

63

69

5 12

10 22

junge Alte 65 b.u. 75 J.

1

18

14

62

59

79

25 7 52

Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J.

3

41

12

9

35

77

5 3 12 2
1

Hochbetagte 85 J. u. ält.

2
100 80

73
60 40

12 3 10
20 0 20

51
40

2
60 ledig ohne Antw. ledig

47
80 100

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

verheiratet, zusammen geschieden verheiratet, zusammen

verheiratet, getrennt verwitwet verheiratet, getrennt

Abbildung 9.4:

Familienstand nach tatsächlichem Familientyp - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Frauen Männer

verheiratet, zusammen verheiratet, getrennt

12

88

82

18

1

12

20

67

79

5

13 3

ledig

8

7

85

73

1

21

5

geschieden 2 4 6

88

77

4

14

5

verwitwet 32 100 80 60

95 40 20 0 20

81 40 60 80

6

13 100

Alleinlebende

Alleinerziehende

mit Partner/-in -

mit Partner/-in u.Kind/ern mit Partner/-

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Im Gefüge der sozialen Kontakte der/des Einzelnen nehmen neben der Partnerin bzw. dem Partner die eigenen Kinder bzw. die Kinder eines Partners den nächsten Platz ein. Im Laufe des Heranwachsens und ihrer Persönlichkeitsentwicklung werden sie in die familialen Kontakte und damit auch in die gemeinsame Alltagsbewältigung der Familie integriert. Im Falle von Alleinerziehenden wachsen Kinder schon im Kindesalter nicht selten in die Rolle des nächsten Kontaktpartners hinein. Von den ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf verweisen 73 Prozent auf eigene Elternschaft, 22 Prozent haben keine eigenen Kinder (5 Prozent = ohne Antwort) (vgl. Abbildung 9.5). Von den an der Befragung beteiligten Migranten verweisen 86 Prozent darauf, selbst Mutter oder Vater zu sein, 10 Prozent sind kinderlos (4 Prozent = ohne Antwort). Jeweils

248

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

mehr als 70 Prozent der Frauen und Männer insgesamt sind Eltern. Der Anteil der Eltern in den einzelnen Altersphasen ist mit Ausnahme der Alten im fortgeschrittenen Alter relativ konstant. Abbildung 9.5:
100

Elternschaft nach Altersphasen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 5 22 80 4 9 60 33 40 33 32 31 35 30 7 20 3 8 3 25 4 11 3 25 3 10 6 19 3 9 19 7 10 34 13 14 10
1

8

20

27

29

25

28

28

33 21

0 insgesamt Frauen Männer künftige Senioren 50 b.u. 65 Jahre 4 u. mehr Kinder junge Alte 65 b.u. 75 Jahre Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 Jahre ohne Antw. Hochbetagte 85 Jahre u.älter

1 Kind

2 Kinder

3 Kinder

keine Kinder

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die Funktion der sozialen Kontakte zwischen Eltern und Kindern wandelt sich im Lebensverlauf. Die soziale Nähe und Intensität der Kontakte zueinander erhalten sich überwiegend auch dann, wenn diese wirtschaftlich selbstständig geworden sind und räumlich von den Eltern getrennt einen eigenen Haushalt führen und eine eigene Familie gebildet haben. Im höheren Lebensalter der Eltern fungieren die erwachsenen Kinder nicht nur als enge soziale Kontaktpartner, sondern darüber hinaus auch als in vielen Fällen stabiles Hilfepotenzial bei der Alltagsbewältigung (vgl. dazu Kapitel 7.3). Die familialen sozialen Kontakte der Probanden reichen insgesamt über vier Generationen. Bei 28 Prozent der Befragten umfasst deren Familie die eigenen Eltern bzw. Schwiegereltern, sie selbst als Elterngeneration, bei nahezu drei Viertel der Befragten die eigenen Kinder und nunmehr auch Enkel. Darüber hinaus verweisen 73 Prozent der Befragten auf familiale Kontakte zu anderen Verwandten, d.h. zu eigenen Geschwistern und deren Partnern und Kindern, zu Geschwistern der Eltern - also Tanten und Onkeln sowie deren Partnern und Kindern (vgl. dazu Abbildung 9.6). Abbildung 9.6: Familiale und außerfamiliale soziale Kontakte - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent zu Eltern zu Kindern/Enkeln zu anderen Verwandten zu Nachbarn zu Arbeitskollegen zu Freunden/Bekannten Besuchsdienst 5 16 38 97 20 ja * Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.) 40 nie trifft nicht zu 60 ohne Antw. 80 100 58 87 41 28 4 71 73 79 9 8 34 2 3 13 6 4 2 25
1

34 14 18 15

2

10

keine sozialen Kontakte 3 0

249

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Außerfamiliale soziale Kontakte An der Spitze der außerfamilialen Kontakte stehen bei 87 Prozent der Befragten persönliche Freunde und Bekannte. Sie nehmen im Leben der ab 50-Jährigen einen wichtigen Platz ein. Vor allem Freunde fungieren als Vertrauenspersonen, als Freizeitpartner, als Helfer in lebenspraktischen Angelegenheiten und als Informationsquelle. 58 Prozent der Befragten haben aktuell Kontakte zu ihren gegenwärtigen oder ehemaligen Arbeitskollegen. Ein kleiner Teil der Befragten 5 Prozent - ist aufgrund eigener Mobilitätseinschränkungen bzw. Pflegebedürftigkeit und zugleich eines Mangels an familialen sozialen Kontakten auf eine gesellschaftliche Teilhabe mittels Besuchsdiensten der Wohlfahrtsverbände oder Kirchenkreise angewiesen. Insgesamt 3 Prozent der Befragten reflektieren ihre Lebenswelt ohne soziale Kontakte zu anderen Menschen (vgl. Abbildung 9.6). Darüber hinaus sind 22 Prozent von ihnen in Sportvereinen organisiert, 11 Prozent engagieren sich in ihrem Kirchenkreis, 10 Prozent sind Mitglied in einer Gewerkschaft, 7 Prozent sind aktive Kleingärtner, 5 Prozent beteiligen sich im Rahmen eines Wohlfahrtverbandes und 2 Prozent sind in einer freien Seniorengruppe organisiert (vgl. Abbildung 9.7). Abbildung 9.7: Mitgliedschaft in Verbänden, Vereinen, Kirchengemeinden nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* - (nur Antwort: "ja")
Sportverein
insgesamt Schloßstraße - BR1 Albrechtstraße - BR2 Lankwitz - BR3 Ostpreußendamm - BR4 Teltower Damm - BR5 Drakestraße - BR6 Zehlendorf Südwest - BR7 Zehlendorf Nord - BR8 22 22 19 18 24 22 22 29 23
27 31 32 28 10

Kirchenkreis
11 10 8 12 9 14 11 16 10
40 39 39 10

Gewerkschaft
10 12 9 12 9 13 9 9 11
41 40 10

28

10

40

10

38

10

10

42

10

10

10

38

10

38

10

26

10

41

10

41

10

28

10

36

10

37

10

28

10

10

41

10

21

10

34

10

41

10

10

10

39

10

Kleingartenverein
insgesamt Schloßstraße - BR1 Albrechtstraße - BR2 Lankwitz - BR3 Ostpreußendamm - BR4 Teltower Damm - BR5 Drakestraße - BR6 Zehlendorf Südwest - BR7 Zehlendorf Nord - BR8
1

Wohlfahrtsverband
10

Seniorengruppe
10

7 10 7 10 9 9 8
49

43

5 4 5 4 6 7 5 5 7

45

2 2
1

48

10

40

10

46

10

48

10

43

10

45

10

49

10

40

10

46

10

4
1 49

46

10

41

10

44

10

10

41

10

43

10

2 2 3
1

48

10

42

10

45

10

48

10

10

45

10

47

10

2

48

10

43

10

49

10

* Mehrfachantworten; Differenzen in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort; Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die sozialräumliche Verteilung der organisierten Beteiligung und Mitgliedschaft in Vereinen, Verbänden oder Seniorengruppen zeigt, dass  sich das stärkste Engagement im Rahmen von Sportvereinen in den Bezirksregionen Zehlendorf Südwest und Ostpreußendamm realisiert,  die Aktivität in den Kirchenkreisen unter den ab 50-Jährigen in den Bezirksregionen Zehlendorf Südwest und Teltower Damm am höchsten ist,  die gewerkschaftlichen Aktivitäten in den Bezirksregionen Teltower Damm, Lankwitz und Schloßstraße am höchsten sind,  die aktiven Kleingärtner unter den ab 50-Jährigen am häufigsten in den Bezirksregionen Schloßstraße und Lankwitz zu Hause sind,  
250

der größte Anteil der Aktivsten der Wohlfahrtsverbände aus den Bezirksregionen Teltower Damm und Zehlendorf Nord stammt, die meisten Mitglieder der freien Seniorengruppen in der Bezirksregion Lankwitz wohnen.

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die Mitgliedschaften in Vereinen, Verbänden oder Kirchengemeinden entwickeln sich im Altersverlauf in Abhängigkeit von den individuellen Lebensverhältnissen und Interessenlagen (vgl. Abbildung 9.8). Den größten Anteil der Mitgliedschaften von ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf vereinigen die Sportvereine (22 Prozent) auf sich. Mit 10 Prozent bzw. 11 Prozent ist der Organisationsgrad dieser Gruppe in den Gewerkschaften und in Kirchengemeinden relativ hoch. Weniger als 10 Prozent der ab 50-Jährigen sind in Seniorenorganisationen, Wohlfahrts- oder Kleingartenverbänden organisiert. Mit Ausnahme der Beteiligung am Vereinssport treten keine nennenswerten Unterschiede hinsichtlich der Mitgliedschaften zwischen den einheimischen und den Probanden mit Migrationshintergrund auf. Als geschlechtsspezifische Differenzierung lässt sich hervorheben, dass Frauen sich mehr in Kirchenkreisen engagieren und Männer häufiger in Sportvereinen und im Rahmen der Gewerkschaften aktiv sind. Ein Vergleich der Organisiertheit von ab 50-Jährigen nach Altersphasen weist ein bis ins hohe Alter relativ stabil bleibendes Engagement in Wohlfahrtsverbänden, Kirchenkreisen und Seniorenorganisationen/-gruppen aus. Mit dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben setzt sich ein Engagement innerhalb der Gewerkschaft nur in jenen Gewerkschaftsgliederungen fort, die den Gewerkschaftssenioren aktivitätsfördernde Rahmenbedingungen bereitstellen. Im Gegenzug zum Auftreten von altersbedingten Mobilitätseinschränkungen nimmt die Beteiligung am Vereinssport ab. Abbildung 9.8: Mitgliedschaft in Verbänden, Vereinen, Kirchengemeinden nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* - (nur Antwort: "ja")
insgesamt Kleingartenverband 7 Gewerkschaft Kirchenkreis 10 11 43 40 39 45 48 22 28
1

mit Migrationshintergrund 6 11 13 7 44 39 37 43 49 12 38 7 7 13 6 3 19

Frauen 43 43 37 44 47 31 8 15 9 4
1

Männer 42 35 41 46 49 26 24

Wohlfahrtsverband 5 Seniorenorganisation 2 Sportverein

künftige Senioren 50 b.u. 65 Jahre Kleingartenverband 7 Gewerkschaft Kirchenkreis 14 10 43 36 40 46 49 24 26 10 7 11 7 3

junge Alte 65 b.u. 75 Jahre 40 43 39 43 47 25 25

Alte im fortgeschr. Alter 75 b.u. 85 Jahre 4 6 15 6 3 12 46 44 35 44 47 38 4 9

Hochbetagte 85 Jahre und älter 50 46 41 40 47 49

Wohlfahrtsverband 4 Seniorenorganisation Sportverein
1

10 3
1

* Mehrfachantworten; Differenzen in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort; Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die Betrachtung der außerfamilialen sozialen Kontakte der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf gestattet die Schlussfolgerung, dass die überwiegende Mehrheit von ihnen durch die informellen außerfamilialen sozialen Kontakte zu Freunden, Bekannten, (ehemaligen) Arbeitskollegen oder Nachbarn in ein dichtes soziales Netz eingebunden ist. Hingegen zeigt sich, dass auf der Ebene der formellen Integration in Vereine oder Verbände bedeutend weniger ab 50-Jährige günstige Voraussetzungen für sich und für eine selbstbestimmte Gestaltung ihres Altersverlaufes erkennen. Dafür sind die Ursachen sowohl in der fortschreitenden Individualisierung der Gesellschaft als auch in den nicht bedarfsgerechten Angeboten von Vereinen, Verbänden, Gewerkschaften oder Kirchengemeinden an die Senioren zu suchen. Intensität und Art der sozialen Kontakte Die Intensität der sozialen Kontakte wird wesentlich von deren Art und Charakter bestimmt. Während formelle soziale Kontakte zu und innerhalb von Organisationen, Vereinen, Verbänden offiziell geregelt sind, entwickeln sich die informel251

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

len außerfamilialen und familialen Kontakte vielgestaltig, spontan, aktivitätsbezogen bzw. bedarfsorientiert. In Bezug auf die Intensität der sozialen Kontakte zu Kindern, Eltern, anderen Verwandten, Freunden, Bekannten, Nachbarn und Arbeitskollegen treten Differenzierungen hervor (vgl. Abbildung 9.9): Abbildung 9.9: Intensität der sozialen Kontakte - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent zu Kindern/Enkeln zu Freunden/Bekannten zu Nachbarn zu Arbeitskollegen zu anderen Verwandten 3 zu Eltern 6 17 19 14 8 4 55 20 täglich Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.) wöchentlich 40 seltener nie 60 trifft nicht zu 7 24 8 23 47 25 33 51 34 41 80 ohne Antwort 100 29 9 8 3 6 34 34 14 2 33 4 3 25 18 13 12 14 10 15

Besuchsdienst 2 2 0



Wenn man bei täglichen bzw. wöchentlichen Kontakten zueinander von einer hohen Intensität ausgeht, so unterhalten die Probanden zu ihren Kindern und Enkeln die intensivsten Kontakte. Dies bestätigen 59 Prozent der Frauen und 54 Prozent der Männer. Der Kontaktumfang zu Kindern und Enkeln bleibt im Altersverlauf relativ stabil. Während bei den künftigen Senioren die Kontaktintervalle täglich und wöchentlich übereinstimmend von 28 Prozent der Befragten bestätigt werden, verringern sich bei den 65- bis unter 85-Jährigen die täglichen Kontakte zu Gunsten von wöchentlichen. Bei den 85-Jährigen und Älteren überwiegen offensichtlich mit auftretendem Hilfebedarf die täglichen Kontakte zu Kindern und Enkeln (vgl. Abbildung 9.10a).
1



Soziale Kontakte im Umfang zwar ähnlich wie zu Kindern und Enkeln, aber überwiegend im wöchentlichen Intervall bestehen mehrheitlich zu Freunden und Bekannten. Diese Kontakte sind bei Frauen und Männern (54 bzw. 53 Prozent - täglich und wöchentlich) gleichermaßen intensiv ausgeprägt. Kontakte zu Freunden und Bekannten verringern sich im Lebensverlauf. Während von den künftigen Senioren 63 Prozent auf tägliche oder wöchentliche Kontakte zu Freunden und Bekannten verweisen, können das von den Hochbetagten nur noch 18 Prozent (vgl. Abbildung 9.10b).



Immer noch knapp die Hälfte der Befragten bekundet tägliche bzw. wöchentliche Kontakte zu Nachbarn. Während Frauen (28 Prozent) und Männer (31 Prozent) ähnlich intensive Kontakte zu den Nachbarn bestätigen, sinkt diese Intensität im Altersverlauf von 53 Prozent bei den künftigen Senioren, über 51 Prozent bei den jungen Alten und 40 Prozent bei den Alten im fortgeschrittenen Alter auf 29 Prozent bei den Hochbetagten ab.



Die intensiven sozialen Kontakte zu Arbeitskollegen sind strukturell bedingt bei den Erwerbstätigen am stärksten ausgeprägt (55 Prozent). Aber auch für Erwerbsminderungsrentner, Arbeitslose, Hausfrauen sowie für Rentner/-innen und Pensionäre sind die sozialen Kontakte zu ehemaligen Arbeitskollegen eine wichtige Kommunikationsebene, auf die viele von ihnen nicht verzichten möchten. Der Umfang der intensiven Kontakte schwankt zwischen 13 und 8 Prozent. Darüber hinaus verweisen Erwerbsminderungsrentner (37 Prozent), Arbeitslose (41 Prozent), Hausfrauen (20 Prozent) und im Ruhestand Befindliche (37 Prozent) auf seltener bestehende Kontakte zu ehemaligen Kollegen.

1

Die Summe von täglichen und wöchentlichen Kontakten wird hier und im Folgenden synonym für intensive Kontakte verwandt.

252

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008



Intensive Kontakte zu anderen Verwandten geben insgesamt 22 Prozent der Befragten mit überwiegend (19 Prozent) wöchentlichen Kontakten an. Räumliche Trennung, unterschiedliche Einbindung in den Erwerbsprozess und auch in Verpflichtungen gegenüber der eigenen Familie begründen hauptsächlich das Überwiegen von selteneren Kontakten.



Insgesamt 20 Prozent der ab 50-Jährigen haben intensive Kontakte zu ihren Eltern, 8 Prozent seltener und 4 Prozent nie. Die Kontakte zu den eigenen Eltern konzentrieren sich auf die künftigen Senioren. Demgegenüber teilen 34 Prozent der Befragten mit, dass sie aufgrund des natürlichen Lebensendes der Eltern keine solche Möglichkeit mehr haben.



Entsprechend ihrem Bedürfnis nach sozialen Kontakten haben sich jeweils 2 Prozent der Befragten um Verbindung zu einem ehrenamtlichen Besuchsdienst bemüht, der wöchentlich bzw. bei gelegentlichem Bedarf ihnen eine bestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht. Dieses Angebot wird vor allem von mobilitätseingeschränkten und pflegebedürftigen Senioren genutzt.

Abbildungen 9.10a+b: Veränderungen der familialen sozialen Kontakte im Altersverlauf - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* zu den Eltern 50 b.u. 65 Jahre 65 b.u. 75 Jahre 75 b.u. 85 Jahre 85 Jahre u.älter 50 b.u. 65 Jahre 65 b.u. 75 Jahre 75 b.u. 85 Jahre 85 Jahre u.älter 50 b.u. 65 Jahre 65 b.u. 75 Jahre 75 b.u. 85 Jahre 85 Jahre u.älter
1 1

zu Freunden und Bekannten
31 45 64 17

10 3 4 3 3 3

23 42 32

14

5

8 6 6 4 14 23 27 23 18 11 30 3 2 7
100

55 46 33 36 30 24 17 23 8 40 29 8 14 20 40 60 6 7 71 30 6 33 10 9
1

29 35 41 3 zu Nachbarn 6 31 28 6
1 1

1 1

6 9

22 2 17 37 4 2 3 41 9 48 6 30 14
1

100 zu Kindern und Enkeln 28 16 18 34 4 3 3 13 20 16 39 40 20 20 40 6 60 49 3 6 41 80 40 41 20 56 2 6 32 8 29 13 19 10 5 3 4 3 2 2 9 30 6 20 10 18 10 19 10 13

10 17

23

zu anderen Verwandten

zu (ehemaligen) Arbeitskollegen 8 8

0

0

80

100

täglich

wöchentl.

seltener

nie

trifft nicht zu

ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Art der sozialen Kontakte Die Möglichkeiten zur Aufnahme sozialer Kontakte sind vielgestaltig. Sie reichen von wechselseitigen Besuchen zwischen Familienmitgliedern oder Freunden, über Kontaktaufnahme zu Behörden oder Vereinen, Gespräche mit den Kindern oder mit Dienstleistern bis hin zu offiziellem Schriftverkehr oder brieflichen Mitteilungen an Verwandte. Am häufigsten werden solche Kontakte per Telefon vorgenommen und immer öfter werden E-Mail-Nachrichten versandt oder es wird mit anderen per Internet kommuniziert. Unter den Bedingungen der unterschiedlichen Wohnplätze von Familienangehörigen und auch Freunden und Bekannten erfolgt die Pflege der sozialen Kontakte am häufigsten durch Telefonate. Bei der Gestaltung der Kontakte zu Freunden und Bekannten nehmen gegenseitige Besuche und gemeinsame außerhäusliche Treffen höchsten Stellenwert (60 Prozent) ein, es folgen die gegenseitigen Besuche bei Kindern und Enkeln (57 Prozent). Wechselseitige Besuche mit anderen Verwandten spielen eine geringere Rolle. Einen wichtigen Platz in den sozialen Kontakten nehmen gemeinsames Arbeiten bzw. das einander Helfen sowohl bei Kindern und Enkeln als auch bei Freunden ein. Vor allem die Hilfe bei Bedarf bestimmt einen wesentlichen Teil der sozialen Kontakte zu den eigenen Eltern.

253

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Briefe bzw. E-Mails werden vor allem bei entfernten Wohnorten zur Pflege der sozialen Kontakte an Freunde und Bekannte, aber auch an Kinder und Enkel sowie andere Verwandte versandt. Gemeinsamer Urlaub als sehr intensive Form sozialer Kontakte wird zwischen einem Viertel und einem Drittel der Befragten vor allem zwischen Eltern und Kindern bzw. mit Freunden praktiziert (vgl. Abbildung 9.11). Abbildung 9.11: Intensität und Art der sozialen Kontakte zu Eltern, Kindern, Enkeln, anderen Verwandten und Freunden/Bekannten - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Kontakte zu Freunden/Bekannten per Telefon außerhäuslicheTreffen gegenseitige Besuche gemein. arbeiten, einander helfen Briefe/E-Mail gemeinsamer Urlaub Kontakte zu Kindern/Enkeln gegenseitige Besuche per Telefon gemein. arbeiten, einander helfen Briefe/E-Mail außerhäuslicheTreffen gemeinsamer Urlaub Kontakte zu anderen Verwandten per Telefon gegenseitige Besuche Briefe/E-Mail außerhäuslicheTreffen gemein. arbeiten, einander helfen gemeinsamer Urlaub Kontakte zu den Eltern per Telefon gegenseitige Besuche gemein. arbeiten, einander helfen außerhäuslicheTreffen Briefe/E-Mail gemeinsamer Urlaub 0 67 60 60 45 44 32 57 55 45 27 27 26 55 39 28 25 23 13 23 21 16 8 4 4 20 40 60

* Mehrfachantworten; Differenzen in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Der Umfang der angezeigten sozialen Kontakte entwickelt sich in Abhängigkeit vom Altersverlauf und von den Arten der Kontakte unterschiedlich (vgl. Abbildung 9.12a und 9.12b). Die Kontakte zu den Eltern werden von den künftigen Senioren vor allem durch gegenseitige Besuche, Telefonkontakte und vielgestaltige Hilfeleistungen gepflegt. So nehmen die gegenseitigen Besuche zwischen den Befragten und ihren Kindern mit deren Austritt aus dem Erwerbsleben zu (von 54 auf 63 Prozent) und verringern sich im Altersverlauf allmählich. Sie bleiben auch bei den Hochbetagten aufgrund der engen familialen Bindungen die stabilsten Kontakte. Wechselseitige Besuche mit Freunden haben zwar bei den künftigen Senioren eine höhere Frequenz als die mit den Kindern und Enkeln, gehen aber im Altersverlauf stärker zurück. Außerhäusliche Treffen mit Freunden (70 Prozent) zeigen bei den künftigen Senioren die höchste Ausprägung und sinken im Lebensverlauf moderat auf 36 Prozent bei den Hochbetagten ab. Mit Kindern und anderen Verwandten hat diese Art der Kontakte schon bei den künftigen Senioren ein geringeres Niveau und geht rascher zurück. Da das Niveau der Telefonkontakte zu Familienangehörigen und Freunden trotz altersbedingter Mobilitätseinschränkungen aufrechterhalten werden kann, erweisen sich diese Kontakte über alle Altersphasen als relativ stabil. Ihr quantitativer Rückgang im Altersverlauf erklärt sich vor allem mit dem natürlichen Verlust von Familienangehörigen und Freunden aus der eigenen Generation. Die Initiative zu gemeinsamem Arbeiten bzw. einander Helfen zwischen den Befragten und Familienmitgliedern oder Freunden verändert sich im Altersverlauf durch das Auftreten von Mobilitätseinschränkungen und Hilfebedarf vor allem bei Beteiligten aus der eigenen Generation. Mit fortschreitendem Altersverlauf verlagert sich das Hilfepotenzial auf die Generation der Kinder.

254

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Postalische Kontakte zu Familienangehörigen und Freunden werden vor allem von künftigen Senioren und jungen Alten gepflegt und verlieren im höheren Lebensalter an Bedeutung. Abbildung 9.12a+b: Intensität und Art der sozialen Kontakte nach Altersphasen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* künftige Senioren 50 b.u. 65 Jahre Kontakte zu den Eltern gegenseitige Besuche 37 außerhäusliche Treffen 13 gemeinsamer Urlaub 6 per Telefon 40 Briefe/E-Mail 8 gemein. arbeiten, einander helfen 27 Kontakte zu Kindern/Enkeln gegenseitige Besuche 54 außerhäusliche Treffen 29 30 gemeinsamer Urlaub 54 per Telefon Briefe/E-Mail 31 48 gemein. arbeiten, einander helfen Kontakte zu anderen Verwandten gegenseitige Besuche 46 außerhäusliche Treffen 30 gemeinsamer Urlaub 14 62 per Telefon 34 Briefe/E-Mail 30 gemein. arbeiten, einander helfen Kontakte zu Freunden/Bekannten 70 gegenseitige Besuche 70 außerhäusliche Treffen 40 gemeinsamer Urlaub 75 per Telefon Briefe/E-Mail 56 54 gemein. arbeiten, einander helfen 0
63 87 94 60 92 73 10 10 10 10 10 10

46 71 70 46 69 52

10 10 10 10 10 10

54 70 86 38 66 70

10 10 10 10 10 10

30 30 60 25 44 46

10 10 10 10 10 10

junge Alte Alte im fortgeschrittenen Alter 65 b.u. 75 Jahre 75 b.u. 85 Jahre Kontakte zu den Eltern 93 7 10 gegenseitige Besuche 3 98 10 2 außerhäusliche Tref f en 1 99 10 gemeinsamer Urlaub 2 93 10 7 per Telef on 2 1 99 10 Brief e/E-Mail 95 10 5 gemein. arbeiten, einander helf en Kontakte zu Kindern/Enkeln 37 10 63 56 gegenseitige Besuche 73 10 27 21 außerhäusliche Tref f en 74 10 16 26 gemeinsamer Urlaub 41 10 59 53 per Telef on 72 10 28 Brief e/E-Mail 13 53 10 47 33 gemein. arbeiten, einander helf en Kontekate zu anderen Verwandten 65 10 35 27 gegenseitige Besuche 78 10 20 22 außerhäusliche Tref f en 87 10 13 gemeinsamer Urlaub 11 47 10 53 40 per Telef on 74 10 26 Brief e/E-Mail 15 79 10 21 gemein. arbeiten, einander helf en 11 Kontakte zu Freunden/Bekannten 43 10 57 39 gegenseitige Besuche 41 10 59 38 außerhäusliche Tref f en 71 10 20 29 gemeinsamer Urlaub 36 10 56 64 per Telef on 62 10 21 38 Brief e/E-Mail 58 10 42 26 gemein. arbeiten, einander helf en
97 1 99 98 98 10 0 99 1 44 79 84 47 87 67 73 80 89 60 85 89 61 62 80 44 79 74

Hochbetagte 85 Jahre und älter
10 10 10 10 10 10 10 0 10 0 10 0 10 0 10 0 10 0 10 10 10 10 10 10

10 10 10 10 10 10

45 17 24 42 9 29 13 8 4 33 12 3 27 36 6 38 17 12
83 88 94 62 97 88 87 92 96 67 91 71 83 76

55

10 10 10

58

10 10 10

10 10 10 10 10 10

10 10 10 10 10 10

10 10 10 10 10 10

73 64

10 10 10 10 10 10

50

100

150

200

0

50

100

150

200

* Mehrfachantworten; Differenzen in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Wenn man einerseits davon ausgeht, dass die sozialen Kontakte für die/den Einzelnen eine wesentliche Quelle für Geborgenheit, zwischenmenschliche Anerkennung und Bestätigung, aber auch für lebenspraktischen Rat und Hilfe sind und damit wesentlichen Einfluss auf die individuelle Lebensqualität nehmen, und andererseits betrachtet, wie im Altersverlauf die familialen und außerfamilialen Kontakte sich rückläufig entwickeln, werden in allen Altersphasen Defizite in der Einbindung in soziale Netze erkennbar. Sind es bei den künftigen Senioren vor allem die Zunahme der Singlehaushalte, so erwachsen diese Defizite in den höheren Altersphasen vor allem durch den Verlust von Partner/-in oder Familienangehörigen und Freunden oder Bekannten aus der eigenen Generation sowie durch eigene altersbedingte Mobilitätsund Aktivitätseinschränkungen. Um diese Defizite abzumildern oder auszugleichen werden öffentliche Rahmenbedingungen benötigt, die geschlechts- und altersspezifische Angebote der sozialen Kommunikation, Freizeitgestaltung, interessenorientierter Aktivitäten, lebenspraktischen Informationen, Wissensvermittlung oder sportlichen Betätigung unterbreiten.

9.2

Öffentliche Beratungsangebote als spezifische Form der sozialen Kontakte

Familiale und außerfamiliale soziale Netze vereinigen in sich sowohl Fachkompetenzen auf vielen Wissensgebieten, berufliche Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie konkrete Lebenserfahrungen, so dass im kommunikativen Austausch dieser Gemeinschaften in vielen lebenspraktischen und fachspezifischen Fragen durch die Gemeinschaft der/dem Einzelnen individuelle Hilfe gewährt und die oder der Einzelne auch zu Selbsthilfe aktiviert werden kann. Diese gegenseitige Hilfe im Rahmen unterschiedlicher familialer oder außerfamilialer Netze deckt jedoch nicht den auftretenden Bedarf nach qualifizierter, sachkundiger Beratung ab, der vor allem bei älteren Bürgerinnen und Bürgern im Zusammenhang mit dem eigenen Alter auftritt. Dabei geht es um Rechtsansprüche in Bezug auf die materielle Alterssicherung, die gesundheitliche Versorgung ebenso wie um die Bedürfnisse und Realisierungsmöglichkeiten eines selbstbestimmten Wohnens bis ins hohe Alter oder um die bedarfsgerechte Gestaltung eines häuslichen Pflegearrangements und um vieles mehr. Aufgrund dieser und weiterer Bedürfnisse älterer Bürgerinnen und Bürger hat sich auch im Bezirk Steglitz-Zehlendorf in den vergangenen Jahren eine vielgestaltige Beratungsstruktur entwickelt. So bieten das Sozial- und Gesundheitsamt, aber auch Verbände und Vereine, soziale Projekte, Kirchen und Bundeseinrichtungen wie die Deutsche Rentenversicherung oder die gesetzlichen

255

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Krankenkassen Beratung in sozialen, gesundheitlichen und Rechtsfragen an. Auf dem Feld der sozialen Beratung sind im Bezirk Steglitz-Zehlendorf neben dem Sozial- und Gesundheitsamt das Diakonische Werk u.a. mit der Koordinierungsstelle "Rund ums Alter", die Arbeiterwohlfahrt, der Johanniter-Orden, die Caritas, das Deutsche Rote Kreuz und verschiedene Kirchengemeinden aktiv tätig. Als spezifische Form der sozialen Kontakte vermitteln unterschiedliche Beratungsstellen Informationen, bieten Hilfe zur Lösung der Probleme von Bürgerinnen und Bürgern an, befähigen die/den Einzelnen, für sein Problem eine sachgerechte Entscheidung zu treffen und unterstützen die Ratsuchenden nicht selten bei der praktischen Einleitung von geeigneten Maßnahmen. Bekanntheits- und Nutzungsgrad der Beratungseinrichtungen Obwohl diese Beratungseinrichtungen regelmäßig sowohl in den bezirkseigenen Wegweisern als auch in den Wochenblättern vorgestellt werden, entwickelt sich ihr Bekanntheitsgrad offensichtlich über den konkreten Beratungsbedarf. Zwischen 11 und unter 18 Prozent der ab 50-Jährigen bestätigen, diese Beratungseinrichtungen bzw. einzelne von ihnen zu kennen, darunter zwischen 1 und 4 Prozent, sich schon bei diesen Rat geholt zu haben. Dabei wird offensichtlich, dass der Beratungsbedarf von Probanden mit Migrationshintergrund tendenziell über dem der Gesamtheit der Befragten liegt (vgl. Abbildung 9.13). Abbildung 9.13: Bekanntheits- und Nutzungsgrad von Beratungseinrichtungen im Bezirk - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* insgesamt
Gesundheits- u. Sozialamt

mit Migrationshintergrund 12 4 7 11 23 14 19 66 76 74 74 70 71 70
20 unbekannt 40 ohne Antw. 60 80

7 7 8 9 8 8 12
100 80 60

77 80 79 80 76 74 76
40 schon genutzt 20

8 7 10 9 9 12 17
100

Arbeiterwohlfahrt

Johanniter-Orden

11 23 13 10 3
1

Caritas

14 18 13

Deutsches Rotes Kreuz

14 23 15 34

Kirchen

Diakonisches Werk

10 23 10
00 bekannt

schon genutzt * Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

bekannt

unbekannt

ohne Antw.

Die Bekanntheit der genannten Beratungsstellen verteilt sich relativ über den gesamten Bezirk. Ein Bekanntheitsgrad der Beratungsstellen der angeführten Angebotsträger unter 10 Prozent tritt gehäuft in der Bezirksregion Zehlendorf Nord und im Einzelnen auch in der Bezirksregion Teltower Damm auf. Die von den Befragten angegebenen Nutzungsfrequenzen der Beratungsstellen liegen in den Bezirksregionen Teltower Damm, Ostpreußendamm, Albrechtstraße und Zehlendorf Nord am höchsten. Der geringste Beratungsbedarf wird aus den Bezirksregionen Lankwitz und Zehlendorf Südwest kundgetan (vgl. Abbildung 9.14).

256

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 9.14: Bekanntheits- und Nutzungsgrad der Beratungsstellen nach dem Angebotsträger und Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* - (nur Antworten: "bekannt" und "genutzt")
Gesundheits- Arbeiterwohlu. Sozialamt fahrt Schloßstraße - BR1 4 Albrechtstraße - BR2 4 Lankwitz - BR3 3 Ostpreußendamm - BR4 4 Teltower Damm - BR5 5 Drakestraße - BR6 5 Zehlendorf Südwest - BR7 3 Zehlendorf Nord - BR8 3 8
17

JohanniterOrden 13
1 19 7

Caritas 14 2
18 6

Deutsches Rotes Kreuz 16
1 19 4

Kirchen/Reli- Diakonisches gionsgemein. Werk 16 2
18 4

17
16

3

14 2
18

6

14 2
18

6

12
16

8

10 2
18

10

10 2
18

10

12
1 19

8

14 5
15

6

14 3
17

6

12 2
2 18

8

13
17

7

12
1 19

8

11 2
18

9

11
1 19

9

14
1 19

6

18 2
18

13 2
18

7

13
16

7

13 3
17

7

12 2
18

8

10 2
18

10

13 3
17

7

12 4
16

8

10 2
5 18

10

13
15

7

10 2
18

10

13
1 19

7

9
1 19

11

13 2
18

7

15 5
5 15

7
20

13

11
15

9

10
1 19

10

12 2
18

8

10
1 19

10

15
1 19

16 2
18

4

11 3
17

9

12
17

8

11
1 19

9

10
1 19

10

10
1 19

10

14
1 19

6

16 3
17

4

10
1 19

10

12

6
1 19

14

8 2
18

12

7 2
18

13

11 3
17

9

14 4
16

6

6 2
18

14

bekannt

genutzt

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Bewertung der Beratungsqualität Die Beratungsangebote werden von den Bürgerinnen und Bürgern angenommen, aber nach hohen Maßstäben bewertet. Als Qualitätskriterien für die Bewertung der genutzten Beratungen werden die Fachkompetenz des Beratungspersonals, das persönliche Engagement der Beratungsfachkräfte für die Lösung der Probleme der Bürgerinnen und Bürger sowie die Wahrung der Privatsphäre des Ratsuchenden im Beratungsgespräch angesehen. Ein Vergleich der Befragungsergebnisse von 2008 mit den Ergebnissen der Befragung von 1998 in Steglitz bestätigt, dass die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger an die Beratungsqualität weiter gestiegen sind. Während im Jahre 1998 (Befragung "55 und älter in Steglitz") von jeweils 43 Prozent der Befragten die Beratungsqualität von der Kompetenz des Fachpersonals und vom persönlichen Engagement des Beraters sowie von 37 Prozent von der Wahrung der Privatsphäre des Ratsuchenden abhängig gemacht wurden, stiegen diese Erwartungen bis zum Jahre 2008 - bezogen auf die Fachkompetenz des Personals um 22 Prozentpunkte auf 65 Prozent der Befragten - an. Persönliche Engagements der Berater bei der Problemlösung erwartet gegenwärtig knapp die Hälfte der Befragten, und die Ansprüche an die Wahrung der Privatsphäre im Beratungsgespräch werden gegenwärtig von 39 Prozent der Befragten zum Qualitätsmaßstab erhoben. Hinsichtlich der Bewertung der Beratungsqualität gibt es zwischen Frauen und Männern bezogen auf die Fachkompetenz und das persönliche Engagement des Beratungspersonals als Qualitätskriterien keine nennenswerten Unterschiede. Die Wahrung der Privatsphäre des Ratsuchenden wird von deutlich mehr Frauen als Männern zur Beurteilung der Beratungsqualität herangezogen. Die hier genannten Qualitätsansprüche werden am häufigsten von den künftigen Senioren geltend gemacht und verlieren im Altersverlauf sukzessive zu Gunsten des Beratungsergebnisses an Gewicht. Alleinerziehende und Familien mit Kindern gehören häufiger zu den Klienten von Beratungsstellen als Alleinlebende oder Partnerschaften ohne Kinder im Haushalt; gerade mit Kindern Lebende legen in stärkerem Maße Qualitätsmaßstäbe an die Beratungstätigkeit an als die anderen Gruppen (vgl. Abbildung 9.15).

257

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 9.15: Bewertung der Beratungsqualität nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 1998/2008 - in Prozent* - (nur Antwort: "trifft zu")
kompetentes Fachpersonal
insgesamt 1998 insgesamt 2008 mit Migrat.hintergrund Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u.ält. Familienstruktur Alleinlebende Alleinerziehende mit Partner/-in mit Partner/-in u. Kind/ern

persönliches Engagement des Beraters
57

Wahrung der Privatsphäre im Beratungsgespräch 37
63

43 65 66 65 66 73 64 47 35 60 74 67 75
65

43
35

57

49 64 50 49 59 43 31 34 48
26 69 57

51

39
36

61

34

35 42 34 46 34 27 28 40 41 37 44
73

65

35

50

58

34

51

66

27

41

54

36

66

53

66

72

40

52

60

46 48 62

54

59

33

52

63

25

38

56

* Mehrfachantworten; Differenzen in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 1998 und 2008 (gew.)

Zufriedenheit mit den Angeboten und Leistungen der Beratungsstellen Die überwiegende Mehrheit der ab 50-jährigen Probanden (85 Prozent) hat bislang noch keinen Bedarf nach Beratung durch eine öffentliche Beratungsstelle erlebt. Das heißt, dieser Anteil der Befragten konnte seine Probleme allein oder mit Hilfe informeller Ratgeber wie Familienangehörige oder Freunde, Bekannte klären. Der überwiegende Anteil derer, die sich mit einer Frage, einem Problem an eine Beratungsstelle gewandt haben, wurde fachkompetent beraten und das Problem einer positiven Lösung zugeführt. Deshalb bestätigen 11 Prozent ihre Zufriedenheit mit den Angeboten und Leistungen. Insgesamt 2 Prozent aller Befragten äußern sich unzufrieden mit der erfolgten Beratung (2 Prozent = ohne Antwort). Diese durchschnittlichen Zufriedenheitsangaben differenzieren sich unter sozialräumlicher Betrachtung. Zwischen den acht Bezirksregionen schwankt der Zufriedenheitsanteil zwischen 9 und 14 Prozent und die mit den Angeboten und Leistungen der Beratungsstellen unzufriedenen Befragten verteilen sich mit Anteilen zwischen 1 und 3 Prozent auf die Bezirksregionen (vgl. Abbildung 9.16a). Am häufigsten äußerten sich Migranten und Hochbetagte (jeweils 16 Prozent) zufrieden, aber auch Befragte aus Partnerschaften mit Kindern (14 Prozent) und Alleinerziehende (13 Prozent) (vgl. Abbildung 9.16b). Abbildung 9.16a+b: Zufriedenheit mit den Angeboten und Leistungen der Beratungsstellen nach Bezirksregionen und soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 100 2 1
1

3

3

1

1

3

4

100

2

2

3

1

1

1

3

2 13

3

2

1

80

80

60

85

85

86

85

84

83

87

83

84

60

85

79

84

86

86

85

83

71

84

80

87

82

40

40

20

2 11 insgesamt

2 12 BR1 Schloßstraße

1

12 BR2 Albrechtstraße

3 9 BR3 Lankwitz

2 11 BR4 Ostpreußendamm

2 14 BR5 Teltower Damm

2 10 BR6 Drakestraße

2 12 BR7 Zehlendorf Südwest

20
1

3 2 11
1

11

16

12

2 11

2 11

2 11

2 12

16

2 12

4
1

3 10 14

13

0 BR8 Zehlendorf Nord

0 insge- Migransamt ten weib- männlich lich künft. junge Alte im HochSen. Alte fortge. betag50-65 65-75 Alter te 85 J. Jahre Jahre 75-85 J. u.ält. Allein- Allein- mit mit leben- erzie- Part- Part. de hende ner/-in u.Kind/ Kindern

zufrieden

unzufrieden

nie genutzt

ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

258

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Die mit den Angeboten und den Leistungen der Beratungsstellen im Bezirk Steglitz-Zehlendorf unzufriedenen Befragten (2 Prozent) wurden gebeten, die Gründe ihrer Unzufriedenheit zu nennen. Dabei wurden sowohl inhaltliche als auch strukturelle Gründe vorgebracht. An der Spitze der Rangfolge stehen strukturelle Aspekte: 63 Prozent der Unzufriedenen beklagen die schlechte telefonische Erreichbarkeit der Beratungsangebote, und die Hälfte von ihnen hält die Verteilung der Sprechzeiten für ungünstig. Ebenfalls 50 Prozent kritisieren, dass sie zu wenig über Angebote informiert worden sind. 49 Prozent von ihnen beurteilen die fachliche Qualifikation des Personals als zu gering und 39 Prozent bemängeln, dass nur über begrenzte Themenbereiche informiert wird. 29 Prozent bedauern, dass die Beratung nicht unverzüglich geeignete Maßnahmen zur Lösung ihres Problems eingeleitet hat (vgl. Abbildung 9.17). Abbildung 9.17: Gründe für die Unzufriedenheit mit dem Angebot und den Leistungen der Beratungsstellen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* - nur mit den Beratungsstellen unzufriedene Befragte = 2 Prozent Die Beratungsstellen ...
sind telefonisch schlecht erreichbar.

63

haben ungünstige Sprechzeiten.

50

informieren zu wenig über Angebote.

50

sind nicht qualifiziert genug.

49

informieren über sehr begrenzte Themenbereiche.

39

leiten nach der Beratung keine Maßnahmen ein. 0

29

20

40

60

* Mehrfachantworten; Differenzen in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die Bürgerämter mit ihren Angeboten und Leistungen fungieren als Tor für die unkomplizierte Aufnahme sozialer Kontakte der Bürgerinnen und Bürger mit der öffentlichen Verwaltung zur Klärung aller sie betreffenden Verwaltungsangelegenheiten. Die Bürgerämter nehmen sich der Melde-, Pass- und Lohnsteuerangelegenheiten von Bürgerinnen und Bürgern an, stellen die Formulare zur Beantragung von Personaldokumenten, aber auch von sozialen Leistungen bereit und beraten beim Ausfüllen, beglaubigen Dokumente, bearbeiten Anträge auf die Erteilung oder Änderung eines Führerscheins oder einer Gewerbeerlaubnis und vieles mehr. Von den ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf haben im letzten Jahr 44 Prozent diesen Bürgerservice für unterschiedlichste Anliegen in Anspruch genommen. 54 Prozent verneinen dies (2 Prozent = ohne Antwort). Überdurchschnittlich oft wenden sich Probanden aus den Bezirksregionen Teltower Damm, Zehlendorf Südwest und Drakestraße an ein Bürgeramt (vgl. Abbildung 9.18a). Nach Auskunft der Befragten reihen sich vor allem Alleinerziehende (68 Prozent), Befragte aus Partnerschaften mit Kindern (62 Prozent), Arbeitslose (53 Prozent), Erwerbstätige (52 Prozent) und Migranten (51 Prozent) häufiger in die Klientel der Bürgerämter ein als andere Gruppen (vgl. Abbildung 9.18b).

259

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 9.18a+b: Haben Sie im letzten Jahr eines der Bürgerämter im Bezirk aufgesucht? nach Bezirksregionen und soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* 80
100 2
1

2

3

2

2

3

2

3

durchschnittlicher Nutzungsgrad von ab 50-Jährigen = 44 Prozent
80 54 57 55 58 56 46 52 48

60
54
44 44

60

40 68 62 42 53 42 28

40 44 20 42 43 39 42 52 45 50 43

51 20 41

48

50 40 35

52

51 39 40

0 insgesamt BR1 Schloßstraße BR2 Albrechtstraße BR3 Lankwitz ja nein BR4 BR5 OstTeltower preußen- Damm damm ohne Antw. BR6 Drakestraße BR7 Zehlendorf Südwest BR8 Zehlendorf Nord

0

M

n ra ig

te

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r e n ne au än M

r e u e e e e e e t. e in rn ig tn e los fra när äl hr ahr ahr nd nd r//e ät u. s J J Ja b e ehe tn e ind us io e st Ren eit 5 5 5 le i r hr H a e ns rb -6 5-7 5-8 .in erz Pa .u.K rb e Ja A 7 6 50 le w t nd r/P Al lein mi artn Er -mi 85 ne . P Al w nt it Er Re m

ja

nein

ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Der überwiegende Teil der Nutzer der Bürgerämter unter den ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf äußert sich zufrieden oder teilweise zufrieden mit den Angeboten und Beratungsleistungen. In der Rangfolge der Zufriedenheit steht die Bearbeitung der vorgetragenen Anliegen an der Spitze. Auch die Öffnungszeiten entsprechen mehrheitlich den Bedürfnissen der Klienten. Die Kompetenz der Mitarbeiter wird vom größten Teil der Nutzer anerkannt. Das trifft auch für die Beurteilung der Beratung und Informationsvermittlung sowie die Erledigung mehrer Anliegen an einem Ort zu und wird mit überwiegender Zufriedenheit honoriert. Im Zusammenhang mit den anfallenden Wartezeiten sind die Erfahrungen der Befragten offensichtlich unterschiedlich. Es ist zu vermuten, dass vor der Berlinpass-Ausstellung durch die Bürgerämter die Wartezeiten den Vorstellungen der Klienten entsprachen. Aber nach der Übernahme dieser Aufgabe haben diese sich drastisch verlängert und damit Unzufriedenheit bei einem großen Teil der Nutzer (15 Prozent) hervorgerufen. Das Dienstleistungsangebot der Bürgerämter findet zwar Zuspruch und Zufriedenheit (14 Prozent), aber fast genauso viele Nutzer schränken ihre Zufriedenheit auf teilweise zufrieden ein. Das heißt, sie könnten sich Verbesserungen vorstellen. Die Unzufriedenheit mit den Angeboten und Leistungen - mit Ausnahme der auf Wartezeiten bezogenen - schwankt unter den ab 50-Jährigen zwischen 4 und 6 Prozent. Abbildung 9.19: Zufriedenheit mit dem Angebot und den Leistungen der Bürgerämter - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent insgesamt Bearbeitung des Anliegens Öffnungszeiten Kompetenz der Mitarbeiter Beratung und Information Erledigung mehrerer Anliegen an einem Ort Wartezeiten Dienstleistungsangebot 100 80 50 63 60 zufrieden 40 teils/teils 55 56 58 60 61 4 5 4 12 4 6 13 24 21 20 16 16 15 14 0 unzufrieden 23 28 22 24 23 16 20 20 mit Migrationshintergrund 24 21 23 20 20 25 20 40 8 3 8 3 11 3 9 3 8 5 20 9 3 60 3 48 80 100 42 40 41 44 44 36

4 4 14 5 5 14

8 4 11 15 16 6 4 13 20

trifft nicht zu

ohne Antw.

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

260

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Der höhere Bedarf an sozialen Kontakten mit beratendem Charakter bei Migranten offenbart sich auch in der Inanspruchnahme der Bürgerämter durch diese Gruppe. Von ihnen wird mit Ausnahme der Bearbeitung des Anliegens in den anderen angeführten Bewertungskriterien eine anteilig höhere Zufriedenheit kundgetan als von den Probanden insgesamt. Ein wesentlich größerer Anteil der Migranten bestätigt eine teilweise Zufriedenheit mit den Angeboten und Leistungen der Bürgerämter und lässt somit erkennen, dass ein Teil ihrer Erwartungen an das Bürgeramt noch nicht erfüllt wurde. Probanden mit Migrationshintergrund äußerten sich anteilig häufiger unzufrieden als die Gesamtheit der Klientel (vgl. Abbildung 9.19).

9.3

Mobilität als Voraussetzung für soziale Kontakte und Interaktion

Die Realisierung angestrebter und die Pflege bestehender sozialer Kontakte werden weitgehend von der individuellen Mobilität bestimmt. Im Lebensverlauf der Menschen wandeln sich sowohl die Bedingungen als auch die Motivationen für das Mobilitätsverhalten. So erfordern Erwerbsbeteiligung, ein Leben in Partnerschaft, aber auch das selbstbestimmte Wohnen und die eigenständige Haushaltsführung von Alleinlebenden ein verzweigtes Netz familialer und außerfamilialer Kontakte, die Mitgliedschaft bzw. das Engagement in Vereinen, Verbänden, Kirchengemeinden und Projekten ein aktives Mobilitätsverhalten. Eine breite Palette außerhäuslicher Aktivitäten ist notwendig, um neben der existenziellen und gesundheitlichen Selbstversorgung die bestehenden sozialen Kontakte aufrechtzuerhalten bzw. sich nachberuflich neu in soziale Netze einzubringen. Um in solchen sozialen Netzen persönlich aktiv agieren zu können, bedarf es sowohl der gesundheitlichen Voraussetzungen, der persönlichen Motivation und sozialen Kompetenzen als auch der individuellen materiellen Grundlagen. Schon unter den günstigsten Voraussetzungen persönlicher Gesundheit und Fitness macht es die Vielgestaltigkeit der sozialen Beziehungen und Interaktionen notwendig, alle mobilitätsunterstützenden Möglichkeiten für diesen Zweck auszunutzen. Das betrifft die eigene aktive Teilnahme am Straßenverkehr, den Nachweis der Berechtigung zur Führung eines Kraftfahrzeugs, die Verfügbarkeit eines privaten PKW ebenso wie das Vorhandensein eines effektiv funktionierenden Systems des öffentlichen Personennahverkehrs. Im weiteren Altersverlauf und vor allem mit Auftreten gesundheitlicher Beeinträchtigungen und den damit verbundenen Mobilitätseinschränkungen kommt es darauf an, sich weitere Möglichkeiten zu erschließen, um Mobilitätsdefizite auszugleichen. Das heißt in erster Linie, das eigene Haushaltsmanagement einschließlich der gesundheitlichen Versorgung und die sozialen Kontakte selbstbestimmt, barrierefrei mittels moderner Kommunikationstechnologie vom Lebensmittelpunkt Wohnung zu gestalten und bei Bedarf auch auf Mobilitätshilfen und Begleitdienste zuzugreifen. Die Verbesserung der Mobilitätsbedingungen durch einen privaten PKW oder die Ausrüstung des Haushalts mit einem PC und Internetzugang bis zu den Tarifen des öffentlichen Personennahverkehrs sind individuell nur nutzbar, wenn das Haushaltsbudget solche Ausgaben ermöglicht. Damit wird deutlich, dass Mobilitätseinschränkungen und damit Beschränkung sozialer Kontakte und gesellschaftlicher Teilhabe im Alter in nicht geringem Maße durch die individuelle finanzielle Situation bedingt werden können. Computernutzung als Chance für eine selbstbestimmte Gestaltung sozialer Kontakte Um mit anderen in Kontakt zu treten, Informationen zu gewinnen, aber auch soziale Kontakte zu pflegen, werden zunehmend die Möglichkeiten des Internets genutzt. Dabei werden zwei Differenzierungen offensichtlich: Die Computeranwendung konzentriert sich auf die künftigen Senioren, und mehr Männer als Frauen erschließen sich die Möglichkeiten der modernen Kommunikationstechnologien. 65 Prozent der ab 50-jährigen Probanden verfügen im Haushalt über einen Computer, 58 Prozent nutzen einen solchen und 60 Prozent haben sich einen Zugang zum Internet erschlossen. Gegenwärtig sind Männer (70 Prozent) häufiger als Frauen (49 Prozent) aktive Nutzer der modernen Kommunikationstechnologie. Sowohl bei der Computernutzung als
261

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

auch beim Zugang zum Internet wächst der Anteil der Nutzer mit der beruflichen Qualifikation. Vor allem mehr als 80 Prozent der Erwerbstätigen nutzen diesen barrierefreien, bequemen Zugang zu Wissen, Informationen, zu sozialen Kontakten, aber auch zu Ein- und Verkäufen von der eigenen Wohnung aus. Von den Rentnern und Pensionären sind es nur knapp über 40 Prozent (vgl. Abbildung 9.20). Abbildung 9.20: Persönliche Nutzung von Computer und Internet nach Geschlecht, Qualifikation und Erwerbsstatus - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent persönliche Nutzung eines Computers insgesamt Frauen Männer Qualifikation ohne Abschluss Facharbeiter FS-Abschluss HS-Abschluss Erwerbsstatus Erwerbstätige Erwerbsmind.-Rentn. Arbeitslose Hausfrau Rentner/Pensionäre 0 41 50 58 71 72 36 ja 82 32 17 21 23 13 5 10 12 7
10

Zugang zum Internet
10

58 49 70 32

26

16 19 19 11

60 53 68

32 36 26

8 11 6

10

10

40 50 66 83

41 31 20

19 19 14 10 7

10

44 51 68 84

46 39 24

10 10 8 13 3

10

10

10

85 57 70 85 42 nein 150 ohne Antw. 46 37 25

12 3 6 5 11 4 12 200

10

10

10

10

100

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Der Zugang zum Internet wird von den ab 50-Jährigen hauptsächlich zur Informationsgewinnung und für Pflege sozialer Kontakte genutzt. Weniger als die Hälfte derjenigen, die über einen Internetzugang verfügen, nutzen diesen zum Internetshopping und zur Weiterbildung. Ein Vergleich der aktiven Internetnutzung zwischen Frauen und Männern zeigt für alle angeführten Nutzungszwecke einen leichten Vorteil der Männer gegenüber den Frauen. Wenn man die Nutzung des Computers und des Internets im Altersverlauf betrachtet, wird offenbar, dass gegenwärtig 75 Prozent der künftigen Senioren aktiven Umgang mit Computer und Internet haben, von den jungen Alten sind es nur noch weniger als die Hälfte (45 Prozent). Unter den Alten im fortgeschrittenen Alter haben sich 17 Prozent anwendungsbereite PC- und Internetkenntnisse angeeignet, und von den Hochbetagten nutzen 6 Prozent diese Medien vor allem zur Informationsgewinnung und für die Pflege sozialer Kontakte. Jedoch im höheren Lebensalter, wenn durch Mobilitätseinschränkungen der individuelle Aktionsradius geringer wird, eröffnet die Computertechnologie neue Zugänge zu sozialen Kontakten, zu mehr Selbstbestimmung in der Lebensführung und zu gesellschaftlicher Teilhabe. Bei aktiver Verwendung der modernen Kommunikationstechnologie werden die Chancen größer, auch bei bestimmten Einschränkungen einer eigenhändigen Haushaltsführung durch ein eigenständiges Haushaltsmanagement (Organisation von Hilfe, Bestellen von Waren, Kontakt zu Behörden) ein selbstbestimmtes Wohnen in der privaten Wohnung so lange wie möglich zu gewährleisten (vgl. Abbildung 9.21). Um die Möglichkeiten der modernen Kommunikationstechnologien vor allem den Senioren im höheren Lebensalter als barrierefreien Zugang zu Informationen, Beratung, Kontakten, zu Waren und Dienstleistungen zu ermöglichen, sollten Bildungsträger, Seniorenfreizeitstätten und soziale Projekte altersspezifische Angebote zur Vermittlung anwendungsbereiter und bedarfsgerechter PC- und Internetkenntnisse weiterführen bzw. neu auflegen.

262

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 9.21: Aktive Nutzung von PC und Internet nach Altersphasen und Nutzungszweck - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent künft. Senioren 50 b.u. 65 J. Weiterbildung Informationsgewinnung soziale Kontakte Einkauf/Verkauf junge Alte 65 b.u. 75 J. Weiterbildung Informationsgewinnung soziale Kontakte Einkauf/Verkauf Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Weiterbildung Informationsgewinnung soziale Kontakte Einkauf/Verkauf Hochbetagte 85 J. u. ält. Weiterbildung Informationsgewinnung soziale Kontakte Einkauf/Verkauf 75 37 77 64 41 45 20 46 35 19 17 6 16 12 5 6 3 6 3 1 0 22 24 20 Zweck: Nutzer ja 40 60 Nichtnutzer nein 23 22 28 68 74 72 75 75 80 ohne Antw. ohne Antw. 100 26 21 22 33 65 68 63 66 67 26 21 30 16 44 48 18 31 47 50 38 13 28 8 32 6 23 22 31 17 3

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Verfügbarkeit und Nutzung eines privaten PKW Von den ab 50-jährigen Befragten aus Steglitz-Zehlendorf bestätigen insgesamt 74 Prozent das Vorhandensein eines PKW im Haushalt, das trifft auf 66 Prozent der Frauen und 84 Prozent der Männer zu. Einen Zweitwagen gibt es in knapp einem Fünftel der Haushalte von Befragten, auch hier wieder weniger (15 Prozent) in Haushalten von Frauen und 25 Prozent nach Angabe von Männern. Der offensichtliche Nachteil der Frauen hinsichtlich der Verfügbarkeit eines PKW wird noch gravierender in Bezug auf den persönlichen Besitz eines Führerscheins. Während 92 Prozent der Männer einen solchen bestätigen, können nur 67 Prozent der Frauen auf einen Führerschein verweisen. Folgerichtig zählen 83 Prozent der Männer, aber nur 48 Prozent der Frauen zu den aktiven Kraftfahrern (vgl. Abbildung 9.22). Abbildung 9.22: Nutzung eines privaten PKW - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Verfügt Ihr Haushalt über einen PKW ? insgesamt weiblich männlich insgesamt weiblich männlich insgesamt weiblich männlich Sind Sie aktive/r Kraftfahrer/-in? insgesamt weiblich männlich 0 20 48 83 40 ja nein 60 ohne Antw. 80 63 44 15 31 6 8 2 100 67 92 19 15 25 Besitzen Sie selbst einen Führerschein? 78 27 6 18 4 6 2 73 69 66 84 Gibt es in Ihrem Haushalt einen Zweitwagen? 71 10 12 6 74 32 15 25
1

2
1

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

263

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Der Vergleich der PKW-Nutzung nach Alter und Geschlecht offenbart, dass  in den Haushalten mit Männern über alle angezeigten Altersphasen häufiger ein Auto zur Verfügung steht als nach Angabe von Frauen;   Männer die Nutzung eines Autos altersbedingt länger hinausschieben als Frauen; ein Zweitwagen im Haushalt vorrangig im erwerbsfähigen Alter und hauptsächlich in Partnerhaushalten unterhalten wird;  Männer aller Altersphasen zu rd. 90 Prozent über einen Führerschein verfügen; diese Quote aber selbst von Frauen im Alter zwischen 50 und unter 65 Jahren noch nicht annähernd erreicht wird. Bei Frauen in den höheren Altersphasen sinkt der Führerscheinbesitz sukzessive bis auf 30 Prozent ab;  die aktive Laufbahn als Kraftfahrer/-in altersbedingt bei Frauen und Männern zurückgeht. Während jedoch noch mehr als die Hälfte der ab 85-Jährigen (54 Prozent) aktiv Auto fahren, sind es nur noch 2 Prozent der gleichaltrigen Frauen (vgl. Abbildung 9.23). Abbildung 9.23: Nutzung eines privaten PKW nach Altersphasen und Geschlecht - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Frauen
Pkw im Haushalt 50 b.u. 65 Jahre 65 b.u. 75 Jahre 75 b.u. 85 Jahre 85 Jahre u.ält.
79 68 36 16 63 61 30

Männer
Verfügt Ihr Haushalt über einen Pkw?
20
1 20

2 3 21

20

20

84 87 79 61 33

15 13 20

1

1

20

6

Gibt es in Ihrem Haushalt einen Zweitwagen? 50 b.u. 65 Jahre 65 b.u. 75 Jahre 75 b.u. 85 Jahre 85 Jahre u.ält.
23 9 3 64 73 79 70

7 12 24 36

20

32 19 10 6 74 79 80

64

20

20

20

4 7 11 14

Besitzen Sie selbst einen Führerschein? 50 b.u. 65 Jahre 65 b.u. 75 Jahre 75 b.u. 85 Jahre 85 Jahre u.ält.
81 67 41 30 39 48 30 18
1 20

3 11

20

20

31

20

93 93 88 90

6 6

1

1

8 4 3 7

Sind Sie aktive/r Kraftfahrer/-in? 50 b.u. 65 Jahre 65 b.u. 75 Jahre 75 b.u. 85 Jahre 85 Jahre u.ält.
64 45 20 2 64 62 50 32

4 5 18

20

20

85 85 72 54 39 25

13 2 12 3

20

34 ja

20

3 7

nein

ohne Antw.

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die Betrachtung dieser Frage unter dem Focus der Familienstruktur demonstriert den Vorteil der Partnerhaushalte bei der Nutzung eines PKW gegenüber den Haushalten von Alleinlebenden oder Alleinerziehenden. Je mehr Personen im Haushalt, um so häufiger ist auch bei den ab 50-Jährigen ein Auto verfügbar bzw. gibt es gegebenenfalls einen Zweitwagen. Da es sich bei den Alleinlebenden und Alleinerziehenden mehrheitlich um Frauen handelt, haben diese in geringerem Maße die Möglichkeit, einen PKW zu nutzen. Vor allem Alleinlebende verfügen seltener über einen Führerschein und sind auch weniger häufig aktive Kraftfahrer/-innen (vgl. Abbildung 9.24).

264

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 9.24: Nutzung eines privaten PKW nach Familienstruktur - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* Verfügt Ihr Haushalt über einen PKW? Alleinlebende Alleinerziehende mit Partner/-in mit Partner/-in u.Kind/ern 41 59 89 93 Besitzen Sie selbst einen Führerschein? Alleinlebende Alleinerziehende mit Partner/-in mit Partner/-in u.Kind/ern 66 80 84 93 ja 26 20 15 6
1

Gibt es in Ihrem Haushalt einen Zweitwagen? 4
20

55 41

2 6 23 46

78 92 72 52 Sind Sie aktive/r Kraftfahrer/-in?

20 2 5 2

20

11 6
1

20

20

8

20

43 69 71 85 ohne Antw.

44 31 27

13

20

20

2 14
1

1

20

nein

* Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Damit wird offenkundig, dass der Mobilitätsvorteil der Nutzung eines PKW überwiegend den Männern bzw. Partnerschaften zugute kommt. Der geschlechtsspezifische Unterschied hinsichtlich der Nutzung eines PKW vertieft sich im Altersverlauf gravierend. Vor allem im höheren Lebensalter, wo mehrheitlich Frauen aufgrund der höheren Lebenserwartung in Einpersonenhaushalten allein leben und ein Auto als Mobilitätshilfe benötigen würden, fehlen ihnen mehrheitlich dazu die persönlichen Voraussetzungen wie ein eigener Führerschein und oft auch die finanziellen Grundlagen für den Kauf und/oder die Unterhaltung eines Kraftfahrzeuges. Damit wird zugleich deutlich erkennbar, dass die Verfügbarkeit über einen eigenen PKW im Altersverlauf nicht ausreicht, um bis ins hohe Alter die Mobilität des/der Einzelnen so zu unterstützen, dass eine eigenständige Alltagsbewältigung und gesellschaftliche Teilhabe so lange wie möglich aufrecht erhalten bleibt. Dafür bedarf es eines effektiven Systems des öffentlichen Personennahverkehrs. Öffentlicher Personennahverkehr als notwendige Rahmenbedingung für Mobilität im Alter Ein effektiv funktionierender ÖPNV erweist sich nicht nur für Ältere und Hochbetagte als erforderliche Mobilitätsvoraussetzung, vielmehr wird ein solcher von Bürgerinnen und Bürgern aller Altersgruppen benötigt. Besonders in einer Großstadt wie Berlin bzw. in einem der Berliner Bezirke können viele Bürgerinnen und Bürger, vor allem ältere Personen, ohne ein allen zugängliches modernes technisches Fortbewegungssystem ihre existenzielle Versorgung, die Pflege ihrer sozialen Kontakte, die Befriedigung ihrer kulturellen, bildungs- und freizeitorientierten Bedürfnisse sowie die von ihnen gewünschte gesellschaftliche Teilhabe nicht realisieren. Die Auskünfte der ab 50-Jährigen aus Steglitz Zehlendorf unterstreichen die Bedeutung des öffentlichen Personennahverkehrs für jede/n Einzelne/n bei der Bewältigung der Alltagserfordernisse wie der Erwerbsbeteiligung, der außerhäuslichen Verrichtungen zur Haushaltsführung, der Gesundheitsvorsorge, der Pflege familialer und außerfamilialer Kontakte und der gesellschaftlichen Teilhabe insgesamt. An der Spitze der Nutzungsrangfolge stehen Besuche bei Freunden und Familienmitgliedern sowie die Teilnahme an Veranstaltungen. Der öffentliche Personennahverkehr schafft mit seinen Fahrplänen und Linien für 53 Prozent der Befragten die Verkehrsverbindungen, um Freunde zu besuchen, für 50 Prozent, um an Veranstaltungen teilzunehmen und für 47 Prozent zu Familienbesuchen. Busse und/oder Bahnen werden von jeweils 29 Prozent für den Weg zum Hausarzt und zum Kreditinstitut und von 28 Prozent zur Post genutzt.
265

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

17 Prozent aller Befragten, darunter 30 Prozent der künftigen Senioren, kommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit. Der Weg zum täglichen Einkauf (13 Prozent) und zur Apotheke (10 Prozent) ist auch in Steglitz-Zehlendorf für einen Teil der Bürgerinnen und Bürger nicht ohne den öffentlichen Personennahverkehr möglich. 9 Prozent der Befragten benötigen den ÖPNV, um bei ehrenamtlicher Tätigkeit bezirksweit mobil zu sein (vgl. Abbildung 9.25). Abbildung 9.25: Öffentlicher Personennahverkehr als notwendige Voraussetzung zur Alltagsbewältigung - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* ÖPNV für Wege ... zum Freundesbesuch zu Veranstaltungen zu Familienbesuchen zum Hausarzt zum Kreditinstitut zur Post zur Arbeit zum tägl. Einkauf zur Apotheke zu ehrenamtl. Tätigkeit 0 13 10 9 10 20 30 40 50 60 17 29 29 28 53 50 47

* Mehrfachantworten; Differenzen in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Während sich die Wege zu Besuchen bei Freunden oder Familienmitgliedern sowie zur Teilnahme an Veranstaltungen, zum Arbeitsplatz oder in Ausübung einer ehrenamtlichen Tätigkeit über die gesamte Stadt erstrecken können, konzentriert sich die Erledigung alltäglicher Verpflichtungen stärker auf das nähere Wohnumfeld. Die sozialräumliche Betrachtung der Auskünfte macht darauf aufmerksam, dass für einen Teil der älteren Bürgerinnen und Bürger der öffentliche Personennahverkehr die Erreichbarkeit von zur Alltagsbewältigung notwendigen Einrichtungen sicherstellt und damit eine wichtige Voraussetzung für die Aufrechterhaltung einer selbstbestimmten Lebensführung im Alter schafft. Bezogen auf die Nutzung des ÖPNV zur Alltagsbewältigung werden folgende angegebene Frequenzschwankungen der Nutzung des ÖPNV zwischen den Bezirksregionen erkennbar (vgl. Abbildung 9.26):  Die geringste Nutzung für die Wege zum Hausarzt, zur Bank, zur Post, zum täglichen Einkauf und zur Apotheke geben die Befragten aus der Bezirksregion Schloßstraße an.  Am stärksten wird der öffentliche Personennahverkehr für den Weg zum Hausarzt in der Bezirksregion Drakestraße benötigt, für die Erledigungen bei einem Kreditinstitut und bei der Post werden Busse und Bahnen am häufigsten von Befragten aus der Bezirksregion Ostpreußendamm gebraucht, und die täglichen Einkäufe und der Weg zur Apotheke werden in der Bezirksregion Teltower Damm häufiger als in anderen Bezirksregionen mit Hilfe des öffentlichen Personennahverkehrs erledigt.

266

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 9.26: Öffentlicher Personennahverkehr als notwendige Voraussetzung zur Alltagsbewältigung - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* BR1 - Schloßstraße zum Freundesbesuch zu Veranstaltungen zu Familienbesuchen zum Hausarzt zum Kreditinstitut zur Post zur Arbeit zum täglichen Einkauf zur Apotheke zu ehrenamtl. Tätigkeit 62 51 58 19 9 7 23 6 4 9
81 91 38

BR2 - Albrechtstraße 58 51 51 31 27 29 17 10 7 9
69 73 42

BR3 - Lankwitz 52 52 48 29 26 28 14 12 13 8
71 74 48

BR4 - Ostpreußendamm 52 52 48 29 38 33 14 12 13 10
71 62 48

49

49

48

48

42

49

52

52

93

71

72

67

77

83

86

86

94

90

88

88

96

93

87

87

91

91

92

90

BR5 - Teltower Damm zum Freundesbesuch zu Veranstaltungen zu Familienbesuchen zum Hausarzt zum Kreditinstitut zur Post zur Arbeit zum täglichen Einkauf zur Apotheke zu ehrenamtl. Tätigkeit 52 49 46 30 35 31 17 21 15 9
48

BR6 - Drakestraße 51 51 44 33 29 31 17 10 7 9
49

BR7 - Zehlendorf SW 48 46 41 25 29 20 18 15 10 13
52

BR8 - Zehlendorf Nord 51 44 43 29 28 29 17 15 11 10
49

51

49

54

56

54

56

59

57

70

67

75

71

65

71

71

72

69

69

80

71

83

83

82

83

79

90

85

85

85

93

90

89

91

91

87

90

* Mehrfachantworten; Differenzen in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Bei der Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs durch die ab 50-Jährigen treten neben einem offenkundigen geschlechtsspezifischen Unterschied altersbedingte Veränderungen in der Nutzung von Bussen und Bahnen hervor. Ein Vergleich zwischen den Nutzungsfrequenzen von Frauen und Männern zeigt, dass bei den ausgewählten Nutzungszwecken - mit Ausnahme der ehrenamtlichen Tätigkeit - mehr Frauen als Männer auf öffentliche Busse oder Bahnen angewiesen sind. Dieser Befund korrespondiert mit der bereits ausgeführten eingeschränkten Verfügbarkeit eines privaten PKW durch Frauen (vgl. Abbildung 9.27). Abbildung 9.27: Öffentlicher Personennahverkehr als notwendige Voraussetzung zur Alltagsbewältigung nach Geschlecht - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* -

60 60 60 56 55 40 40 44 43 38 33 25 34 33 20 23 22 16 9 0 Freundes- VeranFamilienbesuch staltungen besuchen Hausarzt Kreditinstitut männlich Post Arbeit tägl. Einkauf Apotheke ehrenamtl. Tätigk. 17 15 8

20

12 10

9

9 0

weiblich

* Mehrfachantworten; Differenzen in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Mit zunehmendem Alter und der damit einhergehenden Feminisierung der älteren Bevölkerung und den altersbedingt bei Frauen und Männern eintretenden gesundheitlichen Einschränkungen für das eigenständige Führen eines Kraftfahrzeuges wächst der Bedarf nach den Versorgungsleistungen des öffentlichen Personennahverkehrs an. Während die Nutzungsfrequenzen bei außerhäuslichen Treffen mit Angehörigen oder Freunden bzw. bei Teilnahme an Veranstaltungen
267

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

über alle Altersphasen zwar leicht zurückgehen, bleiben sie dennoch am stärksten ausgeprägt. Es besteht für diese Zwecke ein relativ hoher Bedarf. Dagegen im Zusammenhang mit den alltäglichen Erledigungen unterstreichen die Auskünfte der Befragten einen im Altersverlauf ansteigenden Bedarf. Die Nutzung des ÖPNV für Wege zum Hausarzt, zur Bank und zur Post steigt bei den bis unter 85-Jährigen sukzessive an und ist bei den Hochbetagten rückläufig. Allerdings zum Zwecke des täglichen Einkaufs und der Erledigungen in einer Apotheke bildet sich ein bis ins hochbetagte Alter ansteigender Bedarf an den öffentlichen Personennahverkehr ab (vgl. Abbildung 9.28). Abbildung 9.28: Öffentlicher Personennahverkehr als notwendige Voraussetzung zur Alltagsbewältigung nach Altersphasen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* künftige Senioren 50 b.u. 65 Jahre zum Freundesbesuch zu Veranstaltungen zu Familienbesuchen zum Hausarzt zum Kreditinstitut zur Post zur Arbeit zum täglichen Einkauf 10 zur Apotheke
8 27 26 25 30 52 50 46
43 18 10

junge Alte 65 b.u. 75 Jahre 55 54 48 30 30 29 3 14 10 10
40 15 10

Alte im fortgeschrittenen Alter 75 b.u. 85 Jahre 55 51 53 35 37 37
35 15 10

Hochbetagte 85 Jahre und älter 45 29 37 28 29 31 2 19 20 8
62 42 41 25 10

20

10

16

10

19

10

10

24

10

22

10

17

10

33

10

10

10

10

10

44

10

40

10

33

10

41

10

45

10

41

10

33

10

39

10

40

10

67

10

1

69

10

68

10

60

10

56

10

17 14 5
65

53

10

51

10

62

10

60

10

56

10

50

10

zu ehrenamtl. Tätigkeit 10

60

10

60

10

10

10

* Mehrfachantworten; Differenzen in jeder Position zu 100 Prozent = ohne Antwort; Wertebereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die Bewertung der Veränderungen in den Mobilitätsmöglichkeiten in den letzten drei Jahren der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf erbrachte im Jahre 2008 noch in Unkenntnis und ohne die Erfahrungen mit den Wirkungen der mangelnden Sicherheitskontrollen bei der Berliner S-Bahn eine Einschätzung, die die höchsten Verbesserungen (11 Prozent) für die öffentlichen Fahrradwege feststellte, mit 10 Prozent die nächstbeste Verbesserung der S-Bahn zuschrieb und mit 7 Prozent Verbesserung die Zuverlässigkeit der Buslinien bewertete. Für die U-Bahn registrierten 4 Prozent eine Verbesserung und 3 Prozent für den privaten Kfz-Verkehr. Darüber befanden 2 Prozent, in den letzten drei Jahren Verbesserungen im Straßenbahnverkehr innerhalb Belins feststellen zu können. Der öffentliche Personennahverkehr schlägt sich in unterschiedlichem Maße im individuellen Haushaltsbudget der Befragten nieder. Die Differenzierungen schwanken zwischen keinen Ausgaben und Ausgaben bis 80 Euro pro Monat und darüber. Während 6 Prozent ohne jegliche Aufwendungen für den öffentlichen Personennahverkehr auskommen, verausgaben mehr als die Hälfte der Befragten bis zum Preis der Umweltkarte für die Zonen A-B bzw. B-C auf den Monat umgerechnet bis zu 60 Euro. 13 Prozent geben monatlich zwischen 60 und 80 Euro aus und 5 Prozent haben höhere Ausgaben. Die meisten Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs kommen aus der Bezirksregion Drakestraße; die wenigsten aus der Bezirksregion Schloßstraße (vgl. Abbildung 9.29).

268

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Abbildung 9.29: Monatliche Ausgaben für die Teilnahme am öffentlichen Personennahverkehr nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent -

100 20 80 5 13 60 13 13 40 21 25 3 16

16 6 14 13

24 4 11 16

23 8 12 14

22 7 11 10

14 4 12 12

21 5 11 12

20 5 15 13

24 20 22 22

21 16 22 22 19 8 BR2 Albrechtstraße 4 BR3 Lankwitz 18

20

22 6

21 6 BR1 Schloßstraße

19 6 BR4 Ostpreußendamm

25 5 BR5 Teltower Damm

29

22 7

18 7

5 BR6 Drakestraße

0 insgesamt BR7 BR8 Zehlendorf Zehlendorf Südwest Nord

keine Ausgaben 60 b.u. 80 Euro

unter 20 Euro 80 Euro u.dar.

20 b.u. 40 Euro ohne Antw.

40 b.u. 60 Euro

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die Betrachtung der monatlichen durchschnittlichen Ausgaben für den öffentlichen Personennahverkehr verweist auf eine Differenzierung nach soziostrukturellen Merkmalen (vgl. Abbildung 9.30):   Am meisten (13 Prozent) sparen Arbeitslose an Ausgaben für den öffentlichen Personennahverkehr. Der größte Anteil der Besitzer einer Umweltkarte ist sowohl unter den Alten im fortgeschrittenen Alter, unter den Rentnern und Pensionären sowie unter den Befragten mit einem Haushaltsnettoeinkommen zwischen 2.500 und 3.500 Euro pro Monat zu finden.  Mehr als 60 Euro pro Monat geben für den öffentlichen Personennahverkehr u.a. 26 Prozent der Erwerbstätigen, jeweils 21 Prozent der künftigen Senioren und Befragten mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 3.500 Euro und mehr aus. Abbildung 9.30: Monatliche Ausgaben für die Teilnahme am öffentlichen Personennahverkehr nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u.ält. Erwerbsstatus Erwerbstätige Erwerbsmind.-Rentn. Arbeitslose Hausfrau Rentner/Pensionäre Haushaltsnettoeinkommen unter 1000 Euro 1000 b.u. 1500 Euro 1500 b.u. 2500 Euro 2500 b.u. 3500 Euro 3500 Euro u.dar. 0 8 5 4 5 7 5 7 17 19 21 27 27 20 keine Ausgaben 60 b.u. 80 Euro 21 22 23 24 20 17 40 unter 20 Euro 80 Euro u.dar. 10 60 20 b.u. 40 Euro ohne Antw. 4 8 7 5 5 5 6 5 13 25 25 17 16 13 14 14 18 8 23 26 20 19 18 20 25 24 23 26 10 17 11 22 19 17 25 12 11 15 33 8 15 11 15 14 10 6 7 80 40 b.u. 60 Euro 12 15 14 7 9 15 10 14 11 15 10 4 6 6 4 24 40 18 10 11 9 6 5 5 6 6 3 4 9 8 27 2 26 21 23 17 16 18 18 100 17 17 5 20 21 19 18

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

269

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Diese finanziellen Aufwendungen für den öffentlichen Personennahverkehr sind auf der Basis der individuellen Haushaltsbudgets von den Befragten in unterschiedlichem Maße aufzubringen. Insgesamt 5 Prozent erklären, dass die Tarife des öffentlichen Personennahverkehrs für sie eine ständige Einschränkung ihrer gesellschaftlichen Teilhabe bedeuten. Weitere 11 Prozent fühlen sich durch die Fahrkosten oft gezwungen, auf Teilhabe am kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Leben zu verzichten. Für insgesamt 14 Prozent trifft das nur selten zu. 62 Prozent bestätigen, solche Einschränkungen nicht zu erleben (8 Prozent = ohne Antwort). Eine sozialräumliche Betrachtung unterstreicht diese Unterschiede. Die höchsten Einschränkungen der gesellschaftlichen Teilhabe (von immer bis selten) erleben Befragte aus den Bezirksregionen Lankwitz und Teltower Damm und die geringsten vermelden Befragte aus der Bezirksregion Zehlendorf Südwest (vgl. Abbildung 9.31). Abbildung 9.31: Einschränkungen in der Teilhabe am kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Leben durch die ÖPNV-Tarife nach Bezirksregionen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent 100 8 10 9 13 9 7 6 5 9

80 62 60 55 61 61 65 70 61

63

64

40 14 20 11 5 0 insgesamt BR1 Schloßstraße BR2 Albrechtstraße ja, immer BR3 Lankwitz ja, oft BR4 Ostpreußendamm selten BR5 Teltower Damm nein BR6 Drakestraße BR7 BR8 Zehlendorf Zehlendorf Südwest Nord 13 9 5 10 12 5 18 9 5 12 12 6 15 11 6 12 11 6 10 10 5 17 9 4

ohne Antw.

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Die soziostrukturelle Differenzierung dieser Aussagen hebt die Betroffenheit vor allem von Befragten mit einem Haushaltsnettoeinkommen unter 1.000 Euro pro Monat, von Erwerbsminderungsrentnern, von Arbeitslosen und jungen Alten hervor. Diese Gruppen geben im höheren Maße an, sich die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs nicht oder nur unter Einschränkungen leisten zu können (vgl. Abbildung 9.32). Abbildung 9.32: Einschränkungen in der Teilhabe am kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Leben durch die ÖPNV-Tarife nach soziostrukturellen Merkmalen - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u.ält. Erwerbsstatus Erwerbstätige Erwerbsmind.-Rentn. Arbeitslose Hausfrau Rentner/Pensionäre Haushaltsnettoeinkommen unter 1000 Euro 1000 b.u. 1500 Euro 1500 b.u. 2500 Euro 2500 b.u. 3500 Euro 3500 Euro u.dar. 7 4 4 2 4 0 12 8 7 20 ja, immer 40 ja, oft selten 14 84 60 nein ohne Antw. 80 3 5 13 12 6 4 5 6 3 3 4 11 9 18 11 7 8 9 12 13 14 24 14 18 13 55 58 69 7 14 14 11 13 60 36 12 9 10 13 14 49 69 53 60 57 11 13 15 59 33 4 10 7 9 10 14 12 8 5 3 100 16 69 66 59 17 56 10 7 6 7

Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

270

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

9.4

Fazit

Das Netz der sozialen Kontakte und die Mobilität bilden für ältere Menschen Grundvoraussetzungen für ihre selbstbestimmte gesellschaftliche Teilhabe und haben bestimmenden Einfluss auf die individuelle Lebensqualität. In Bezug auf die individuellen sozialen Kontakte vollziehen sich mit dem Wechsel aus der Erwerbstätigkeit in den Ruhestand für die Mehrheit der älteren Bürgerinnen und Bürger nachhaltige Veränderungen, die mit dem Ausklingen (auch mit dem Abbruch) bisheriger Kontakte in der Arbeitswelt, mit stärkerer Orientierung auf die Familie und mit der Aktivierung bestehender Freundschaften und Bekanntschaften ebenso einhergehen wie mit dem Aufbau neuer sozialer Kontakte z.B. durch Integration in Vereinstätigkeit oder durch die Übernahme ehrenamtlicher Aufgaben. Familiale und außerfamiliale Kontakte Die Analyse der familialen Kontakte der ab 50-Jährigen aus Steglitz-Zehlendorf  bestätigt für die Mehrheit eine hohe familiale Einbindung, 69 Prozent leben in Mehrpersonenhaushalten und im Familienverbund entweder mit Kindern oder mit Partner/-in bzw. mit Partner/-in und Kindern,  weist für Frauen (54 Prozent) und Männer (73 Prozent) den Familienstand als verheiratet und zusammenlebend aus,  gibt Auskunft darüber, dass 68 Prozent von ihnen eigene Kinder haben.

Das bedeutet zugleich, dass   29 Prozent in Einpersonenhaushalten allein leben, die Quote der Alleinlebenden im Altersverlauf im Zuge der Singularisierung und Feminisierung bis zu den Hochbetagten auf 79 Prozent ansteigt,  die überwiegende Mehrheit der getrennt lebenden Verheirateten, der Ledigen, Geschiedenen und Verwitweten allein lebt, Wiederverheiratung bzw. das Eingehen einer Lebensgemeinschaft bei Frauen seltener als bei Männern der Fall ist,  insgesamt 22 Prozent lebenslang kinderlos geblieben sind.

Daraus resultiert eine starke familiale generationenübergreifende Einbindung der Klientel, die auch die Mehrheit der aktuell Alleinlebenden einschließt, die sich mehrheitlich in intensiven Kontakten, z.B. Telefonaten und wechselseitigen Besuchen, manifestiert. Darüber hinaus bestehen ausgeprägte soziale Kontakte zu individuellen Freunden, Bekannten, Nachbarn und auch zu (ehemaligen) Arbeitskollegen. Dieses Beziehungsgefüge wird ergänzt durch die Integration in Vereine, Verbände, Seniorengruppen und Kirchengemeinden. Dieser in familiale und außerfamiliale soziale Netze eingebundenen Mehrheit steht ein Viertel der Klientel mit nur mangelhaft ausgeprägten sozialen Kontakten und tendenzieller Gefährdung durch soziale Isolierung gegenüber (vgl. Abbildung 9.33). In Zusammenfassung der Selbstaussagen zur Versorgung mit Hilfe bei akuter Krankheit und zur eigenen Integration in eine familiale oder außerfamiliale Freizeitgemeinschaft sowie der Mitteilung, über keine sozialen Kontakte zu verfügen, ergibt sich eine direkt von sozialer Isolierung betroffene Gruppe von 7 Prozent, für die alle drei Aspekte der Vereinsamung zutreffen. Weitere 6 Prozent signalisieren, keine Hilfe zur Verständigung des Arztes bzw. zur Betreuung im akuten Krankheitsfall zu haben, und insgesamt 12 Prozent finden zwar Hilfe bei Krankheit, verbringen ihre Freizeit aber allein oder können nur einen Freizeitpartner benennen. Die soziostrukturelle Analyse der gefährdeten Klientel unterstreicht die besonders hohe Bedrohung durch soziale Isolierung bei Alleinerziehenden (64 Prozent), Alleinlebenden (55 Prozent), Arbeitslosen (53 Prozent) und Kinderlosen (37 Prozent). Wenn man davon ausgeht, dass die sozialen Kontakte für die/den Einzelne/-n eine wesentliche Quelle für die Geborgenheit, zwischenmenschliche Anerkennung und Bestätigung, aber auch für lebenspraktischen Rat und Hilfe sind und

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50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

damit wesentlichen Einfluss auf die individuelle Lebensqualität nehmen, zeigen sich innerhalb der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf bei jeweils 27 Prozent der künftigen Senioren und der Hochbetagten überdurchschnittliche Defizite in der Einbindung in soziale Netze. Während sich diese bei den künftigen Senioren auf Singlehaushalte, Arbeitslose und Alleinerziehende konzentrieren, erwachsen solche Defizite bei den Hochbetagten vor allem aus dem Verlust von Partner/-in oder anderen Familienangehörigen, Freunden und Bekannten aus der eigenen Generation sowie durch persönliche altersbedingte Mobilitäts- oder Aktivitätseinschränkungen. Abbildung 9.33: Gefahr der Isolierung infolge defizitärer sozialer Einbindung - ab 50-Jährige - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent* insgesamt mit Migrat.hintergrund ja nein Geschlecht weiblich männlich Altersphasen künft. Senioren 50 b.u. 65 J. junge Alte 65 b.u. 75 J. Alte im fortge. Alter 75 b.u. 85 J. Hochbetagte 85 J. u.ält. Familienstruktur Alleinlebende Alleinerziehende mit Partner/-in mit Partner/-in u.Kind/ern Elternschaft nein ja Erwerbsstatus Erwerbstätige Erwerbsmind.-Rentn. Arbeitslose Hausfrau Rentner/Pensionäre 6 3 7 7 6 7 7 6
1

12 15 12 12 11 13 10 8 17 15 19 5

7 6 6 8 5 7 6 9 20 27 20 18 91 87

75 76 75 73 78 73 77 81 73 45 36

2
1

7 12 11 5 6 9 15 11 14 8
1

14 5 6 6 17

12 79 74 77 21 90 77 40 60

63

47

2 6 0

7

11

6 20

80

100

keine Hilfe bei Krankheit weder noch/keine sozialen Kontakte

allein in der Freizeit gesicherte soziale Einbindung

.

* Wertbereiche ohne Beschriftung = 1 Prozent Datenbasis: 50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008n(gew.)

Zur Prävention vor Vereinsamung einschließlich deren möglicher gesundheitlicher Folgen erfordern eine ressortübergreifende Intervention durch Altenhilfe und Gesundheitsaufklärung. Folgende Gesichtspunkte ließen sich in eine Interventionsstrategie der öffentlichen Altenhilfe einordnen:  Um diese Defizite sozialer Einbindung abzumildern, werden öffentliche Rahmenbedingungen benötigt, die geschlechts- und altersspezifische Angebote der sozialen Kommunikation, Freizeitgestaltung, interessenorientierte Aktivitäten, lebenspraktische Informationen, Wissensvermittlung und sportliche Aktivitäten unterbreiten.  Soziale Integration der Älteren als Quelle von sozialem Wohlbefinden sollte sowohl in der Gesundheitsberatung und -aufklärung als auch in Informations- und Bildungsveranstaltungen für Senioren eine größere Rolle spielen.  Es wäre zu prüfen, ob das Seniorentelefon Hilfe zur Integration in Freizeitgemeinschaften - Vermittlung an geeignete Seniorenfreizeitstätten - beratend tätig werden könnte.  Darüber hinaus wäre es wichtig, die Integration dieser gefährdeten Gruppe in die Handlungskonzepte der kommunalen Senioren- bzw. generationenübergreifenden Freizeiteinrichtungen aufzunehmen.  Es wäre darüber hinaus empfehlenswert, die Integration neuer Besucher von bezirklichen Freizeitstätten, deren Begrüßung und Vorstellung im Kreis der ehrenamtlichen Helfer und der Stammbesucher sowie Unterstützung ihrer Aufnahme in bestehende Gästegemeinschaften als Arbeitsschwerpunkt bzw. Qualitätsstandard der öffentlichen Altenhilfe zu definieren.

272

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

Öffentliche Beratungsangebote als spezifische Form sozialer Kontakte Neben dem Austausch von Wissen und Erfahrungen innerhalb der familialen und außerfamilialen sozialen Netze entsteht im Prozess der Alltagsbewältigung nicht selten der Bedarf an qualifizierter Beratung auf unterschiedlichsten Lebensgebieten. Zu diesem Zweck werden von der öffentlichen Verwaltung, von Bundeseinrichtungen, aber auch von Vereinen, freien Trägern und Verbänden öffentliche Beratungsangebote vorgehalten. Der Nutzungsgrad liegt bei den ab 50-Jährigen zwischen einem Prozent (Caritas) und 4 Prozent (Gesundheits- und Sozialamt). In diesem Zusammenhang weisen die Befragungsergebnisse eindeutig aus, dass die Mehrheit der im Bezirk vorhandenen Beratungsangebote den ab 50-Jährigen nicht bekannt ist. Häufiger als die Beratungsstellen werden die Bürgerämter frequentiert. Hier konnten im letzten Jahr 44 Prozent der Befragten ein oder mehrere Anliegen regeln. Für die Beratung wird kompetentes Fachpersonal, persönliches Engagement der Berater und die Wahrung der Privatsphäre während der Beratung gewünscht. Mit Information bzw. mit öffentlicher Vorstellung einzelner Beratungsstellen und deren Leistungsangebote könnte der Bekanntheitsgrad erhöht und damit die Bürgerinnen und Bürger auch zur Nutzung motiviert werden. Mobilität als Voraussetzung für soziale Kontakte und Interaktion Die Realisierung angestrebter und die Pflege bestehender sozialer Kontakte werden weitgehend von der individuellen Mobilität der/des Einzelnen bzw. der Partnerschaften bestimmt. Als günstige individuelle Bedingungen für die Unterstützung und Aufrechterhaltung der eigenen Mobilität auch bei einsetzenden Mobilitätseinschränkungen erweisen sich sowohl die Anwendung eines Computers und eines Zuganges zum Internet als auch die Nutzung eines eigenen Kraftfahrzeuges. Da der Umgang mit Computer und Internet für ältere Personen einen barrierefreien Zugang zu Informationen, sozialen Kontakten, neuem Wissen und zur Beschaffung von Waren eröffnen kann, aber vor allem bei den ab 65-Jährigen mit zunehmendem Alter rückläufig genutzt werden, sollten die Angebote von Computerkursen für Senioren weitergeführt werden, um deren Fähigkeiten zur Selbsthilfe auf diesem Gebiet zu stärken. Der eigene PKW hat sich bei Senioren als Mittel zur Aufrechterhaltung einer selbstbestimmten Lebensführung und zur Selbsthilfe bei der eigenen Versorgung und Alltagsbewältigung bewährt. Notwendig erscheinen Angebote der Fahrschulen zur Aktivierung der Fahrpraxis vor allem von älteren Frauen, die im höheren Lebensalter aufgrund eingetretener Mobilitätseinschränkungen des Partners oder durch Partnerverlust auf diese Selbsthilfe zurückgreifen möchten. In einer Großstadt wie Berlin bzw. in einem der Berliner Bezirke können die Bürgerinnen und Bürger ohne ein allen zugängliches modernes technisches Fortbewegungssystem ihre existenzielle Versorgung, die Pflege ihrer sozialen Kontakte, die Befriedigung ihrer kulturellen, bildungs- und freizeitorientierten Bedürfnisse sowie die von ihnen gewünschte gesellschaftliche Teilhabe nicht realisieren. Vor allem für Ältere und Hochbetagte bewährt sich ein funktionierender öffentlicher Personennahverkehr als Mobilitätsvoraussetzung. Die Auskünfte der ab 50-Jährigen unterstreichen, dass der ÖPNV auch in Steglitz-Zehlendorf ein unerlässliches Mittel für die Alltagsbewältigung und nicht nur durch die Älteren darstellt. Obwohl mit den Leistungen des öffentlichen Personennahverkehrs weitgehend Zufriedenheit geäußert wurde, bestätigen 17 Prozent der Befragten, dass die Höhe der Fahrtarife sie zu Einschränkungen bei der Teilnahme am kulturellen und gesellschaftlichen Leben zwingt.

273

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008

10.

Zum methodischen Herangehen

Ziel der Befragung "50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008" war es, die ab 50-jährigen Frauen und Männer durch ihre Aussagen zur sozialen Lage, zur Lebensweise, zu ihren Lebensmaßstäben und sozialen Befindlichkeiten sowie Erwartungen in die Gestaltung der aktuellen und künftigen bezirklichen Seniorenpolitik einzubeziehen. Die Untersuchung wurde vom Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum Berlin-Brandenburg e.V. (SFZ) in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf (Abteilung Soziales und Sport) durchgeführt. Die der Studie zu Grunde liegende Befragung lief von Anfang Juli bis Mitte September 2008. Mit der Untersuchung wurden Daten zu folgenden Themenbereichen gewonnen:           soziodemographische Merkmale der Befragten, Erwerbssituation - Erwerbsbeteiligung - Arbeitslosigkeit - Übergang in den Ruhestand, Einkommenssituation - individuelles und Haushaltsnettoeinkommen, Armutsrisiko, Haushaltsgröße, Familienstruktur, Wohnverhältnisse, Wohnmobilität, Wohnwünsche und Wohnperspektiven im Alter, gesundheitliche Situation, Bewertung der gesundheitlichen Versorgung, Freizeit, Freizeitaktivitäten und Ehrenamt, soziale Kontakte und Einbindung in familiale und außerfamiliale soziale Netze, subjektive Bewertung von Lebensbereichen, Lebensprioritäten und Zukunftsaussichten, Zufriedenheit, Hoffnungen, Sorgen und Ängste.

Besonderer Wert wurde auf die alters- und geschlechtsspezifische Auswertung, die Berücksichtigung der Differenzierungen nach einem Migrationshintergrund der Probanden und nach der sozialräumlichen Verteilung gelegt. Als Grundgesamtheit für die Untersuchung wurden die ab 50-jährigen Einwohner des Bezirks Steglitz-Zehlendorf definiert. Diese Gruppe umfasste im Jahre 2008 insgesamt 128.047 Personen. Dabei kam es im Kontext mit dem zu erarbeitenden Bericht darauf an, sowohl die Rentnergenerationen als auch die rentennahen Jahrgänge in die Untersuchung einzubeziehen, um die sich im generativen Zeitverlauf ändernden Bewertungen und Erwartungen dieser Bürger an die kommunale Seniorenarbeit darzustellen. An der Befragung haben 3.981 Bürgerinnen und Bürger teilgenommen, davon 56 Prozent Frauen. Hier wurde Übereinstimmung mit dem Geschlechterverhältnis der ab 50-jährigen Einwohnerschaft erreicht. Bezogen auf die reale Altersstruktur der ab 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf weist die Altersstruktur der Probanden ein annähernd übereinstimmendes Bild aus. 51 Prozent aller Befragungsteilnehmer waren im Alter von 50 bis unter 65 Jahren (real = 46 Prozent), 31 Prozent von 65 bis unter 75 Jahren alt (real = 33 Prozent), 13 Prozent von ihnen waren 75 bis unter 85 Jahre alt (real = 14 Prozent) und 5 Prozent 85 Jahre und älter (real = 7 Prozent). Die Gruppe der 50-Jährigen in Steglitz-Zehlendorf setzt sich aus 7,2 Prozent ausländischen und 92,8 Prozent deutschen Einwohnern zusammen. Eine anteilig übereinstimmende Einbeziehung von ausländischen Einwohnern bzw. Einwohnern mit Migrationshintergrund in die Befragungsklientel ist nicht völlig gelungen. An der Befragung haben 4 Prozent der Teilnehmer ihre ausländische Staatsbürgerschaft bzw. einen Migrationshintergrund angegeben. Die prozentuale Verteilung der Befragungsteilnehmer nach Bezirksregionen stimmt weitgehend mit der tatsächlichen Verteilung der ab 50-jährigen Einwohner auf die Bezirksregionen überein. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass die Meinungen, Positionen und Bewertungen in Befragungsergebnissen proportional zum Ausdruck kommen (vgl. Tabelle 10.1).

274

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Tabelle 10.1: Vergleich der sozialräumlichen Verteilung der ab 50-Jährigen insgesamt und der Befragungsteilnehmer nach Bezirksregionen - Steglitz-Zehlendorf 2008 - in Prozent ab 50-Jährige insgesamt BR1 - Schloßstraße BR2 - Albrechtstraße BR3 - Lankwitz BR4 - Ostpreußendamm BR5 - Teltower Damm BR6 - Drakestraße BR7 - Zehlendorf Südwest BR8 - Zehlendorf Nord Steglitz-Zehlendorf - insgesamt 8.389 20.291 18.496 16.093 15.640 18.669 11.548 18.921 128.047 in Prozent 6,6 15,8 14,4 12,6 12,2 14,6 9,0 14,8 100 insgesamt 246 659 642 567 497 591 323 456 3.981 Probanden in Prozent 6,2 16,6 16,1 14,2 12,5 14,8 8,1 11,5 100

Bezirksregionen

Berechnet nach: Materialien des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg und Datenbasis: sfz/50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 (gew.)

Stichprobendesign und Auswahlverfahren Die Adressen der Befragten wurden als Zufallsstichprobe durch das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten Berlin gezogen. Die Stichprobe umfasste 20.000 Adressen. Analog zur Geschlechts- und Altersstruktur sowie zur Verteilung der Bevölkerung in Steglitz-Zehlendorf wurden die Adressen angefordert. Ein Vergleich der Adressdatenstruktur mit der Echtdatenstruktur belegt eine weitgehende Übereinstimmung und bildete damit eine seriöse Grundlage für die adäquate Einbeziehung von Frauen und Männer ab dem 50. Lebensjahr in die Befragungsklientel (vgl. Tabelle 10.2). Tabelle 10.2:
Altersgruppe von … bis unter ... Jahren 50 bis 55 55 bis 59 60 bis 64 65 bis 69 70 bis 74 75 bis 79 80 bis 84 85 bis 89 90 bis 94 95 bis 99 100 bis 104 105 u. älter zusammen 1.658 1.554 1.370 1.629 1.172 642 385 172 45 24 5 1 8.657 Männer absolut 1.877 1.811 1.553 1.880 1.435 898 843 640 267 115 19 3 11.341 19,2 18,0 15,8 18,8 13,5 7,4 4,4 2,0 0,5 0,3 0,1 0,0 100

Vergleich der Adressdaten- mit der Echtdatenstruktur nach Alter und Geschlecht - Steglitz-Zehlendorf 2008 Adressdaten Frauen Männer Frauen 16,6 16,0 13,7 16,6 12,7 7,9 7,4 5,6 2,4 1,0 0,2 0,0 100 Männer absolut 9.092 9.659 9.107 11.263 8.109 4.051 2.679 1.285 352 128 17 6 55.748 10.274 11.389 10.245 12.790 9.737 5.625 5.604 4.236 1.544 725 118 12 72.299 16,3 17,3 16,3 20,2 14,5 7,3 4,8 2,3 0,6 0,2 0,0 0,0 100 in Prozent Echtdaten Frauen Männer Frauen 14,2 15,8 14,2 17,7 13,5 7,8 7,8 5,9 2,1 1,0 0,2 0,0 100 in Prozent

Berechnet nach Materialien des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg, Berlin 2008 und des Amtes für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten des Senats von Berlin 2008

Die Soll-Ist-Analyse registrierte von den 20.000 bereitgestellten eine Zustellbarkeit von 18.566 Befragungsunterlagen, das entspricht einem Anteil von 93 Prozent. 1.325 Adressaten konnten die Befragungsunterlagen nicht zugestellt werden. Davon waren 191 Personen verzogen, 1.078 an der angegebenen Adresse unbekannt, 24 Personen waren zwischenzeitlich in ein Pflegeheim gewechselt oder konnten aufgrund des Grades der Pflegebedürftigkeit nicht befragt werden, 23 Menschen waren verstorben. Insgesamt 53 Personen verweigerten die Annahme der Befragungsunterlagen (vgl. Tabelle 10.3).
275

50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008 Tabelle 10.3:
Bezirksregion

Dokumentation des Rücklaufs der Befragungsunterlagen
Anzahl der bereitgestellten Adressen Anzahl der zugestellten Befragungs unterlagen Befragungsunterlagen nicht zustellbar, weil … nach Auskunft von Nachbarn: verzogen 11 13 41 16 37 17 28 28 Adresse unbekannt in ein Pflegeheim verzogen bzw. hohe Pflegestufe 8 1 5 2 4 8 4 verstorben Annahme verweigert Summe zurückgesandte Fragebogen insgesamt nicht auswertbar auswertbar

BR1 BR3 BR2 BR4 BR6 BR5 BR7 BR8 Zwischensumme unvollständige Adressen insgesamt

1.388 3.179 3.027 2.571 2.386 2.917 1.808 2.668 19.944 56 20.000

1.330 3.016 2.745 2.407 2.196 2.724 1.686 2.462

38 135 217 137 146 156 92 157

1 1 4 3 2 5 8 13 15 6 1 7 2 9

58 163 282 164 190 193 122 206

281 682 682 605 523 629 339 475

35 23 40 38 26 38 16 19

246 659 642 567 497 591 323 456

18.566

191

1.078

32

24

53

1.378

4.216

235

3.981

Der Rücklauf betrug 4.216 Fragebögen. Darunter waren 235 nicht auswertbare Fragebögen, von denen waren bei 79 Bögen die soziodemographischen Angaben (Alter, Geschlecht) unvollständig. 105 Fragebögen kamen unausgefüllt zurück und weitere 34 Fragebögen gingen nach dem 10. Oktober 2008 ein und konnten nicht mehr berücksichtigt werden. 17 Probanden wahrten die Anonymität nicht und fielen dadurch aus dem Sample. Die Stichprobenausschöpfung lag damit bei 3.981 auswertbaren Datensätzen. Das entspricht einer Nettoausschöpfung von 21,5 Prozent. Nach Eingang der Fragebögen wurden diese auf Vollständigkeit kontrolliert und einer Plausibilitätsprüfung unterzogen. Bei der Erfassung der Daten wurden die Angaben hinsichtlich der Einhaltung zulässiger Wertebereiche geprüft und Fehler im Kontext des Fragebogens bereinigt. Die auf dieser Arbeitsstufe entstandene Rohdatenmatrix bildete die Grundlage für die statistische und tabellarische Auswertung mittels des sozialstatistischen Computerprogramms SPSS. Für die Auswertung der Ergebnisse der empirischen Erhebung wurde eine Gewichtung nach Alter, Geschlecht und beruflicher Qualifikation der ab 50-jährigen Einwohner von Steglitz-Zehlendorf 2006 vorgenommen. Damit konnte eine Angleichung der Probandenstruktur an die Echtdatenstruktur erzielt werden. Die Auswertung der Befragung erfolgte nach soziostrukturellen Merkmalen und unter besonderer Berücksichtigung der sozialräumlichen Gliederung des Bezirks Steglitz-Zehlendorf nach Bezirksregionen. Die tabellarische und graphische Darstellung bezieht sich, wenn nicht anders angegeben, auf die 3.981 auswertbaren Datensätze. Dies spiegelt sich auch in der Darstellung aller Wertebereiche einschließlich des Wertbereichs "ohne Antwort" wider. Bei allen Befragungsergebnissen ist mit Rundungsdifferenzen von +/- 1 zu rechnen. Die Arbeitsgruppe "50 und älter in Steglitz-Zehlendorf 2008" des Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrums BerlinBrandenburg e.V. dankt allen Befragten, den Mitarbeitern der Abteilung Soziales und Sport des Bezirksamtes SteglitzZehlendorf sowie der Seniorenvertretung des Bezirkes für die Unterstützung und förderliche Kritik bei der Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der Befragung.
1

1

Gewichtet wurde nach den Ergebnissen des Mikrozensus für Steglitz-Zehlendorf im Jahre 2006, als den zu diesem Zeitpunkt aktuell jüngst vorliegenden Daten des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg.

276
        
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