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Full text: Schulische Gesundheitsförderung in Berlin-Mitte / Mukhtar, Abdel Moniem

Schulische Gesundheitsförderung in Berlin-Mitte
Bestands- und Bedarfsanalyse

Abdel Moniem Mukhtar

Autor: Abdel Moniem Mukhtar (B.D.S., MPH) Harzer Straße 8 12059 Berlin mukhtar@web.de

Herausgeber: Bezirksamt Mitte von Berlin Abteilung Gesundheit und Soziales Plan- und Leitstelle Gesundheit

Erste Auflage: Februar 2004

Vorwort

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Bürgerinnen und Bürger des Bezirks Mitte, ich freue mich, Ihnen mit der vorliegenden Analyse „Schulische Gesundheitsförderung in Berlin-Mitte“ den vierten Band unserer Reihe „Beiträge zur Gesundheitsförderung und Gesundheitsberichterstattung“ vorstellen zu können. Die auf Initiative der Plan- und Leitstelle Gesundheit meiner Abteilung von Herrn Abdel Moniem Mukhtar erarbeitete Analyse ist als Magisterarbeit im Studiengang Public Health/ Gesundheitswissenschaften der Technischen Universität Berlin entstanden und bietet eine hervorragende Grundlage für unsere künftige Arbeit mit den Schulen im Bereich der Gesundheitsförderung. Mitte ist aufgrund seiner sozialen und gesundheitlichen Lage besonders in den Ortsteilen Wedding und Tiergarten stark belastet: In unserem Bezirk leben 26,3% aller Kinder und Jugendlichen in schlechten sozioökonomischen Verhältnissen. Der Bezirk ist hier berlinweit trauriger Spitzenreiter. Wir haben bei den Einschulungsuntersuchungen 2001/02 gesehen, dass 16,3% der Schulanfänger bereits an Übergewicht leiden (im Berliner Durchschnitt sind es 12,7%) und mussten feststellen, dass es zum großen Teil Kinder aus sozial schwachen Familien sind, die an Adipositas leiden. Das gleiche Phänomen haben wir in Bezug auf die Inanspruchnahme von Früherkennungsuntersuchungen beobachtet. Das Setting Schule ist demzufolge ein ideales Interventionsfeld zur Implementierung gesundheitsfördernder Maßnahmen, will man gerade die sozial benachteiligten Kinder und Jugendlichen mit den vergleichsweise höheren Gesundheitsrisiken erreichen. Der Hauptauftrag von Schule ist zwar vorrangig Bildung, die Förderung der Gesundheit steht jedoch nicht im Gegensatz zu diesem Auftrag. Es gilt vielmehr der Grundsatz: Gesundheitsfördernde Schulen sind auch bildungsfördernde Schulen und umgekehrt. Bislang fehlten uns allerdings nach der Fusion der Altbezirke Tiergarten, Wedding und Mitte aussagekräftige Daten darüber, welche gesundheitsförderlichen Maßnahmen und Projekte bereits von den Schulen initiiert und durchgeführt bzw. benötigt werden. Um so erfreuter waren wir, als Herr Mukhtar sich entschied, dieses Thema in seiner Magisterarbeit aufzugreifen und die Schulen in Mitte zu Maßnahmen und Aktivitäten der Gesundheitsförderung zu befragen und die Ergebnisse wissenschaftlich auszuwerten. Ohne sein Engagement hätte diese in Berlin bisher einzigartige Erhebung nicht durchgeführt werden können.

Mein Dank gilt aber auch der Regionalen Schulaufsicht Mitte, die uns bei der Durchführung unserer Befragung maßgeblich unterstützt hat. Ich bin mir sicher, die vorliegende Analyse wird einen maßgeblichen Beitrag zur Verbesserung der gesundheitlichen Lage der Schulkinder in unserem Bezirk leisten und darüber hinaus Beachtung auf überregionaler Ebene finden.

Ihr

Dr. Christian Hanke (Bezirksstadtrat für Gesundheit und Soziales)

Technische Universität Berlin Postgradualer Studiengang Gesundheitswissenschaften / Public Health

Schulische Gesundheitsförderung im Bezirk Berlin-Mitte: Bestandsaufnahme unter Berücksichtigung von Daten der schulärztlichen Untersuchungen ______________________________________________________

Wissenschaftliche Arbeit zur Erlangung des akademischen Grades Magister Public Health

vorgelegt von Abdel Moniem Mukhtar am 31. Oktober 2003

Erstgutachter: Zweitgutachter:

Prof. Dr. Gerhard Meinlschmidt Prof. Dr. Rolf Rosenbrock

I

Danksagung

An dieser Stelle möchte ich mich bei Frau Petry-Stahlberg und Herrn Butler von der Plan- und Leitstelle Gesundheit des Bezirks Berlin-Mitte bedanken, auf deren Unterstützung ich jederzeit zählen konnte.

Herzlicher Dank gilt auch Prof. Dr. Gerhardt Meinlschmidt und Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, die diesen Bericht als Magisterarbeit im postgradualen Studiengang Public Health an der Technischen Universität Berlin betreut haben.

Schließlich möchte ich mich bei meiner Frau, Barbara Mukhtar, bedanken, die mich geduldig bei der sprachlichen Korrektur unterstützt hat.

II

Inhalt
Seite Inhaltsverzeichnis Tabellenverzeichnis Abbildungsverzeichnis Abkürzungsverzeichnis Einleitung 1. Forschungsstand 1.1 Soziale und gesundheitliche Lage von Kindern und Jugendlichen 1.1.1 1.1.2 1.1.3 1.2 1.2.1 1.2.2 1.2.3 1.3 1.3.1 1.3.2 1.3.3 1.3.4 1.3.5 1.3.6 1.3.7 1.3.8 1.4 1.4.1 1.4.2 2 Epidemiologische Daten auf Bundes- und Landesebene Epidemiologische Daten auf Bezirksebene Ansatz des Lebensverlaufs Gesundheitliche Beschwerden Burn-out Frühpensionierung und Fehltage 3 7 9 12 12 13 13 14 III VII VIII IX 1 3 3

Belastungen von Lehrerinnen und Lehrern

Schulische Gesundheitsförderung

Gesundheitsförderung in Abgrenzung zu Gesundheitserziehung 14 Der Setting-Ansatz Schule als Setting Schulische Gesundheitserziehung Schulische Gesundheitsförderung Modellprojekte zur schulischen Gesundheitsförderung Gesundheitsfördernde Schule als bildungsfördernde Schule Wirksamkeit schulischer Gesundheitsförderung Einschulungsuntersuchungen Schulentlassungsuntersuchungen 16 17 18 19 20 21 23 24 25 27 29

Schulärztliche Untersuchungen

Hintergrund, Fragestellung und Zielsetzung der Arbeit

III

3

Methodik zur Querschnittstudie 3.1 3.2 3.3 Grundgesamtheit Studiendesign Erhebungsinstrument 3.3.1 3.3.2 3.3.3 3.4 3.4.1 3.4.2 3.4.3 3.4.4 3.4.5 3.4.6 3.5 Erhebungsmethode und Explorationsprozess Fragebogen: inhaltliche Aspekte Fragebogen: methodische und technische Aspekte Begleitschreiben Datenschutz Voruntersuchung (Pretest) Maßnahmen zur Erhöhung der Rücklaufquote Feldarbeit Datenkodierung und Datenerfassung

32 32 32 33 33 35 36 37 37 37 38 38 39 39 39 39 40 42 44 45 46 46 46 47 49 49 49 50 50 51

Datenerhebung und Datenerfassung

Beschreibung der Variablen und Bildung von Summenscores 3.5.1 3.5.2 3.5.3 3.5.4 3.5.5 Schulmerkmale Soziale und gesundheitliche Lage der Schülerschaft Summenscores zur schulischen Gesundheitsförderung Berechnung eines SchulStrukturenProfils Berechnung eines SchulErfahrungenProfils Deskriptive Auswertung Bivariate Auswertung Multivariate Auswertung Interne Validität Externe Validität

3.6

Datenauswertung 3.6.1 3.6.2 3.6.3

3.7

Validität der Daten 3.7.1 3.7.2

4

Methodik der Fall-Kontroll-Studien 4.1 4.2 Das Aktivitätsniveau der Schulen im Bereich der Gesundheitsförderung für SchülerInnen Das Ausmaß des fehlenden Bedarfs an Gesundheitsförderung für SchülerInnen

IV

5

Ergebnisse der Querschnittstudie 5.1 Schulmerkmale 5.1.1 5.1.2 5.1.3 5.1.4 5.1.5 5.1.6 5.1.7 5.2 5.2.1 5.2.2 5.2.3 5.3 Schulträger und Bezirksteil Schultyp und Schulstufe Betreuungsumfang Mädchenanteil Anteil der Nicht-Deutsch-Muttersprachlichen Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von LehrerInnen Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von SchülerInnen Summenscores zur schulischen Gesundheitsförderung

53 53 53 54 55 55 55 56 57 57 57 58 59 62

Maßnahmen der schulischen Gesundheitsförderung

Schulstrukturen, -prozesse und -erfahrungen bei der Gesundheitsförderung 5.3.1 5.3.2 5.3.3 5.3.4 Strukturelle Rahmenbedingungen und Durchführungsabläufe SchulStrukturenProfil Bisherige Erfahrungen der Schulen SchulErfahrungenProfil Das Ausmaß des fehlenden Bedarfs Bezirksteil Schulstufe Schultyp Betreuungsumfang Mädchenanteil Anteil der Nicht-Deutsch-Muttersprachlichen Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen

62 65 66 67 68 69 70 70 71 71 72 72 73 73 73 73

5.4

Aktivitätsniveaus der Schulen und ihre Korrelate 5.4.1 5.4.2 5.4.3 5.4.4 5.4.5 5.4.6 5.4.7 5.4.8 5.4.9

5.4.10 SchulStrukturenProfil 5.4.11 SchulErfahrungenProfil

V

5.5

Einflussgrößen auf Summenscores zur schulischen Gesundheitsförderung 5.5.1 5.5.2 5.5.3 5.5.4 5.5.5 5.5.6 Aktivitätsniveau im Bereich der Gesundheitsförderung insgesamt Aktivitätsniveau im Bereich Ernährung und Bewegung Aktivitätsniveau im Bereich der psychosozialen Gesundheit Ausmaß des fehlenden Bedarfs im Bereich der Gesundheitsförderung insgesamt Ausmaß des fehlenden Bedarfs im Bereich Ernährung und Bewegung Ausmaß des fehlenden Bedarfs im Bereich der psychosozialen Gesundheit

75 75 76 77 78 78 79

6

Ergebnisse der Fall-Kontroll-Studien 6.1 6.2 Aktivitätsniveau der Schulen im Bereich Gesundheitsförderung für SchülerInnen Ausmaß des fehlenden Bedarfs an Gesundheitsförderung für SchülerInnen

81 81 83

7

Zusammenfassung, Diskussion und Ausblick 7.1 7.2 Zusammenfassung und Diskussion Ausblick

85 85 91 94 100

Literaturverzeichnis Anhang Anhang 1 Anhang 2 Anhang 3 Anhang 4 Anhang 5 Anschreiben an die Schulen Fragebogen zur Erhebung von Maßnahmen und Aktivitäten der Gesundheitsförderung im Bezirk Berlin-Mitte Fragebogen zu Einschulungsuntersuchungen Fragebogen zu Schulentlassungsuntersuchungen Deskriptive Ergebnisse der Befragung zur schulischen Gesundheitsförderung in Berlin-Mitte

101 103 115 119 121

VI

Tabellenverzeichnis Seite Tab. 1 Tab. 2 Tab. 3 Tab. 4 Tab. 5 Tab. 6 Tab. 7 Tab. 8 Prävalenzschätzungen über die gesundheitliche Lage von Kindern und Jugendlichen Positive Ergebnisse schulischer Gesundheitsförderung Häufigste Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von LehrerInnen Häufigste Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von SchülerInnen Antwortquoten bei Variablen zu Schulstrukturen und -prozessen Häufigste strukturelle Rahmenbedingungen und Durchführungsabläufe der Schulen bei der Gesundheitsförderung Häufigste Erfahrungen der Schulen im Bereich der Gesundheitsförderung Korrelationen (nicht-parametrisch) zwischen Aktivitätsniveau der Schulen im Bereich Gesundheitsförderung und dem von Schulen berichteten Ausmaß des fehlenden Bedarfs Tab. 9 Korrelationen (nicht-parametrisch) zwischen Aktivitätsniveau der Schulen im Bereich Gesundheitsförderung und verschiedenen Einflussvariablen Tab. 10 Tab. 11 Tab. 12 Tab. 13 Tab. 14 Tab. 15 Tab. 16 Tab. 17 Tab. 18 Tab. 19 Tab. 20 Tab. 21 Lineare Regression: Y = SGI Lineare Regression: Y = SGI-E+B Lineare Regression: Y = SGI-Psy Lineare Regression: Y = SfBI Lineare Regression: Y = SfBI-E+B Lineare Regression: Y = SfBI-Psy Ränge des SGI bezüglich des Anteils der SchülerInnen aus der Unterschicht Ränge des SGI bezüglich des Anteils der normalgewichtigen SchülerInnen Lineare Regression: Y = SGI Ränge des SfBI bezüglich des Anteils der SchülerInnen aus der Unterschicht Ränge des SfBI bezüglich des Anteils der normalgewichtigen SchülerInnen Lineare Regression: Y = SfBI 84 83 82 83 82 76 77 78 78 79 80 81 74 70 67 62 65 59 24 58 5

VII

Abbildungsverzeichnis
Seite Abb. 1 Modell zu den Zusammenhängen zwischen der sozialen und gesundheitlichen Lage aus der Perspektive des Lebensverlaufsansatzes Abb. 2 Abb. 3 Abb. 4 Abb. 5 Abb. 6 Abb. 7 Abb. 8 Abb. 9 Abb. 10 Abb. 11 Schulverteilung nach Bezirksteil Schulverteilung nach Schultyp Schulverteilung nach Betreuungsumfang Schulverteilung nach Anteil der Nicht-Deutsch-Muttersprachlichen Schulverteilung nach Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht Schulverteilung nach Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen Summenscores der Maßnahmen zur schulischen Gesundheitsförderung Subsummenscores der Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von SchülerInnen Schulverteilung nach SchulStrukturenProfil Schulverteilung nach SchulErfahrungenProfil 66 68 61 54 54 55 56 56 57 61 11

VIII

Abkürzungsverzeichnis 1

Anschub.de BLK BMFSFJ CDC DHC ENHPS ESU GDG GF GKV HTA IGLU-Studie KJGD NHMRC PISA-Studie PLSG SBE /GBE SenBJS SenGesSozVer SERU SPSS SVR TIMMS-Studie

Allianz für nachhaltige Schulgesundheit und Bildung in Deutschland Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend U.S. Centers for Disease Control and Prevention District Health Council, Southeast Ontario European Network for Health Promoting Schools Einschulungsuntersuchungen Gesundheitsdienst-Gesetz (Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst), Berlin Gesundheitsförderung Gesetzliche Krankenversicherungen Health Technology Assessment Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung Kinder- und Jugendgesundheitsdienst National Health and Medical Research Council, Australia Programme for International Student Assessment Plan- und Leitstelle Gesundheit Sozial- und Gesundheitsberichterstattung Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport, Berlin Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz, Berlin Centre for Health Program Evaluation, Victoria: Australia Statistical Package for the Social Sciences Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen Third International Mathematics and Science Study

1

Hier werden Abkürzungen für die im Rahmen der Magisterarbeit entwickelten Begriffe, z.B. „SGI =SchülerInnenGesundheitsIndex“ nicht aufgeführt. Diese sind auf S. 42-44 erklärt.

IX

Einleitung
Im Schuljahr 2002/03 bilden im Land Berlin 835 öffentliche allgemeinbildende Schulen das Lebensumfeld für zwei wichtige Zielgruppen der Gesundheitsförderung (GF), nämlich für 342.000 SchülerInnen und für 31.700 LehrerInnen [SenBJS, 2002]. Im gesundheitswissenschaftlichen Diskurs werden besonders Kinder und Jugendliche als Zielgruppe für die Primärprävention und GF anerkannt, da diese Lebensphase eine Schlüsselrolle für den gesamten Lebensverlauf spielt. So besteht z.Zt. ein verstärktes fachliches, politisches und öffentliches Interesse an den Themen Bildung, Armut und Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen. Darüber hinaus deuten die Forschungsergebnisse bezüglich der beruflichen Belastung von LehrerInnen auf einen großen Bedarf nach Maßnahmen der GF auch für Lehrkräfte hin, da sie nicht nur „Gesundheit lehren“, sondern auch „gesund lehren“ sollen. Der Sachverständigenrat im Gesundheitswesen empfiehlt ausdrücklich zielgruppen- und settingbezogene Ansätze der GF und widmet in seinem aktuellen Gutachten der schulischen GF besondere Aufmerksamkeit [SVR, 2003]. Ein ähnliches Anliegen wird auch vom Forum Gesundheitsziele Deutschland vertreten [Forum Gesundheitsziele Deutschland, 2003]. Weiterhin wurden seit Anfang der 90er Jahre in Deutschland mehrere Modellprojekte zur schulischen GF implementiert und daraus Erfahrungen gesammelt [Paulus 1999, 2000]. Der Berliner Sozialstrukturatlas und die Daten schulärztlicher Untersuchungen zeigen im Berliner Vergleich überdurchschnittliche Belastungen bei SchülerInnen im Bezirk Berlin-Mitte und decken außerdem erhebliche soziale Ungleichheiten bei Gesundheitschancen zwischen den Heranwachsenden innerhalb des Bezirks auf [Meinlschmidt & Brenner, 1999; Butler, 2001, 2003]. Während die Identifizierung, Quantifizierung und Erklärung sozialer und gesundheitlicher Probleme von Kindern und Jugendlichen, auch in Berlin-Mitte, bereits als etabliertes Feld betrachtet werden können, verfügt die „Plan- und Leitstelle Gesundheit“ des Bezirks nur z.T. über Informationen bezüglich schulischer GF im Bezirk. Vor diesem Hintergrund wurde eine „Fragebogenaktion zur Erhebung von Maßnahmen und Aktivitäten der Gesundheitsförderung in den Schulen des Bezirks Mitte“ durchgeführt. Diese Schulbefragung dient der Bestands- und Bedarfsanalyse aus Sicht der Schulen. Erfragt wurden Maßnahmen zur Erhaltung/ Förderung der körperlichen und psychosozialen Gesundheit sowohl von SchülerInnen als auch von LehrerInnen. Im Rahmen dieser Magisterarbeit werden das Aktivitäts- und Bedarfsniveau jeder beteiligten Schule bei der GF anhand von Summenscores operationalisiert und die Zusammenhänge mit

1

bestimmten

Schulmerkmalen,

Indikatoren

zu

relevanten

Strukturen

und

Implementierungsprozessen sowie Parametern zur sozialen und gesundheitlichen Lage der Schülerschaft ermittelt. In der vorliegenden Arbeit wird zuerst der Forschungsstand bezüglich der sozialen und gesundheitlichen Lage von Kindern und Jugendlichen auf Bundes-, Landes- und Bezirksebene zusammenfassend dargestellt. Schulärztliche Untersuchungen, als zunehmend wichtige epidemiologische Datenquellen zur Schülergesundheit, werden beschrieben und kritisch betrachtet. Zudem werden die verfügbaren Forschungsergebnisse zur Lehrergesundheit kurz aufgezeigt. Auch theoretische Konzepte, Praxiserfahrungen und Forschungsergebnisse zur schulischen GF werden im ersten Kapitel umrissen. Im zweiten Kapitel werden die Fragestellung und Zielsetzung der Magisterarbeit erläutert. Darauf aufbauend werden, wie in Kapitel 3 und 4 zu finden ist, die Entwicklung des Fragebogens zur schulischen GF ausführlich beschrieben, eine Querschnittstudie und zwei Fall-Kontroll-Studien konzipiert und die Methodik zu deren Durchführung und Auswertung erklärt. Die Ergebnisse der Studien werden in Kapitel 5 und 6 dargestellt, wobei die schulische GF in Berlin-Mitte nicht nur beschrieben, sondern auch mit den bezirklichen Daten schulärztlicher Untersuchungen in Verbindung gesetzt wird. Abschließend werden in Kapitel 7 die Ergebnisse zusammengefasst und diskutiert. Dieses Resümee wird durch einen Ausblick in die Zukunft der schulischen GF ergänzt.

2

1

Forschungsstand

1.1

Die soziale und gesundheitliche Lage von Kindern und Jugendlichen

1.1.1 Epidemiologische Daten auf Bundes- und Landesebene Von den bundesweit 13 Mio. Kindern unter 14 Jahren leben 7% von Sozialhilfe, von den 5,5 Mio.15-20-Jährigen immer noch 4,35 % [Pott & Lehmann, 2002]. Ende 1999 war ein Drittel (34%) aller SozialhilfebezieherInnen in Berlin minderjährig [Balluseck, 2002]. Die Armutsquote nach der EU-Definition2 betrug bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren im Jahr 1998 15,2% in Westdeutschland, 7,9% in Ostdeutschland [Klocke, 2001] und in Berlin im Jahr 2000 23,6% [SenGesSozVer, 2002]. Diese Armutsquote liegt zur selben Messzeit bei den Erwachsenen bei lediglich 8,5% (Westdeutschland), 4,6% (Ostdeutschland) [Klocke, 2001], und 12,8% (Berlin) [SenGesSozVer, 2002]. Als besonders von Armut betroffen gelten Ein-Eltern-Familien, Mehrkindfamilien, sowie Familien mit Migrationshintergrund. 1999 betrug der Anteil der Ein-Eltern-Familien an allen Familien ca. 17% in Westdeutschland, ca. 30% in Ostdeutschland [Klocke, 2001] und ca. 21% im Lande Berlin [SenGesSozVer, 2002]. Von den alleinerziehenden Müttern in Berlin (1999) bezogen 25% Sozialhilfe [Balluseck, 2002]. Ende 1999 betrug der Anteil der nichtdeutschen Staatsangehörigen in Deutschland 8,9% und im Land Berlin 12,8% [SenGesSozVer, 2002]. 1993 bezogen 31% der Zuwandererkinder unter 18 Jahren Sozialhilfe [BMFSFJ, 1998]. Aktuelle Übersichten über den Zusammenhang zwischen der Zugehörigkeit zu einer Sozialschicht (soziale Lage, relative Armut) auf der einen Seite, gesundheitlichen Belastungen (Mortalität, und Morbidität, Beschwerdenrate), von gesundheitsbezogenen Impfungen, sowie Verhaltensweisen Inanspruchnahme

Früherkennungsuntersuchungen auf der anderen Seite findet man bei Klocke und Hurrelmann (1995), Klocke (2001) und Mielck (2001). Die Verbesserung der Mortalitäts- und Morbiditätskennziffern im letzten Jahrhundert ist als drastisch zu bezeichnen, sie ist allerdings zum großen Teil auf die veränderten Lebensbedingungen und nur zu einem kleineren Teil auf die verbesserten
2

Ein Einkommen weniger als 50% des Äquivalenz-gewichteten Durchschnittseinkommens

3

Möglichkeiten der medizinischen Versorgung zurückzuführen [McKeown, 1982, Busse, 1998]. Trotz der erheblichen Fortschritte in der Medizin gelang es bislang nicht, chronische Krankheiten wirksam zu heilen [Tones, 2002]. Trotz der im Vergleich zu Erwachsenen sicherlich relativ geringen Morbiditäts- und Mortalitätsraten bei Kindern und Jugendlichen, stellen Untersuchungen fest, dass eine systematische Überschätzung des Gesundheitsstatus der heranwachsenden Generation zu beobachten ist [Klocke, 1994]. Die Verharmlosung der von Kindern geäußerten Beschwerden als wachstumsbedingt oder simuliert ist nur eins der weitverbreiteten Phänomene, die verdeutlichen, dass – wie Brähler et al. (1986) argumentieren – „der Mythos der unbeeinträchtigten Kindergesundheit als ein Produkt der Extrapolation der Altersabhängigkeit der Beschwerdehäufigkeit von Erwachsenen auf Kinder und Jugendliche“ aufzufassen ist [Brähler et al., 1986 zit. nach: Freitag, 1998, S. 41]. Das Krankheitsspektrum hat sich bei Kindern wie auch bei Erwachsenen, mit Ausnahme neuer Infektionsgefahren (z.B. HIV-Infektion) und wiederaufflammender alter Seuchen (z.B. Tuberkulose), weitgehend von infektiösen auf chronische Erkrankungen umgewandelt, wie das Ergebnis einer bundesweiten Repräsentativbefragung zeigt. Demnach lebt in 23,7% der jungen Familien nach

Angaben der Eltern ein chronisch krankes Kind [Bergmann & Bergmann, 1998]. Im Folgenden soll der Forschungsstand zur gesundheitlichen Lage von Kindern und Jugendlichen anhand von Routinedaten und Studienergebnissen beleuchtet werden. Es handelt sich um eine der Übersicht dienende tabellarische Darstellung. Die in Tab.1 angeführten Prävalenzen dürfen allerdings nur mit großer Vorsicht interpretiert und als Schätzungen betrachtet werden, da sie zum Teil veraltet, nicht repräsentativ und/oder methodisch und konzeptuell nicht einwandfrei sind. Die Angaben beziehen sich auf das Bundesgebiet.

4

Tab. 1

Prävalenzschätzungen über die gesundheitliche Lage von Kindern und Jugendlichen Gortmarker et al. 1999 1 Keller, Wiskott 1991 1 Hauner 1998 1 (Kinder/Jugendliche 0-19 Jahre) Rosenbauer et al. 2002 1 (Kinder und Jugendliche unter 15 Jahre) Kinderkrebsregister, Bundesministerium für Gesundheit, 2002 (DMFT-Wert = Decayed, Missing, Filled Teeth; 12-Jährigen) Momeni & Pieper, 2002 Wjist 1996 1; Gesundheitsbericht des BundesSpezialbericht Allergien 2000 1 Petermann 1995 1 (Jugendliche 13-14 Jahre) Gesundheitsbericht des BundesSpezialbericht Allergien 2000 1 (Jugendliche 12-16 Jahre) Jugendgesundheitssurvey, Kolip et al. 1995 Petermann et al. 2000 1 (Mädchen bzw. Jungen jeweils, 11-18 Jahre, Selbsturteil) Lehmkuhl et al., 2002 (Jugendliche 12-16 Jahre) Jugendgesundheitssurvey, Kolip et al., 1995 Ellsäßer, 2002

Herzerkrankungen

0,07% 1,0% 0,07-1,0% 0,14%

Diabetes mellitus Typ I

Bösartige Neubildungen

13-14/ 100.000

Zahngesundheit

1,21

Asthma bronchiale

7%

Heuschnupfen

5% 11,7-21,1%

13,5% Psychische Störungen Ausgeprägt aggressives Verhalten Nervosität/ Unruhe 10-20% 6% bzw. 7%

30%

Unfälle mit nachfolgender Krankenhausbehandlung Rückenschmerzen: regelmäßig

1,83%

19% bzw. 16%

manchmal oder häufig

23%

(Mädchen bzw. Jungen jeweils, 11-15 Jahre) Bielefelder Forschungsgruppe der HBSCStudie (Health Behavior in School Children), 2003 (Jugendliche 12-16 Jahre) Jugendgesundheitssurvey, Kolip et al. 1995

1 2

zit. nach: Kurth, 2002 zit. nach: Freitag, 1998

5

Migräne

3-5% 11% 12%

Vorschulkinder, Pfaffenrath 2001 1 (Kinder und Jugendliche 8-16 Jahre) Pothmann 2001 1 (Jugendliche 12-16 Jahre) Jugendgesundheitssurvey, Kolip et al. 1995 (Mädchen bzw. Jungen jeweils, 11-15 Jahre) Bielefelder Forschungsgruppe der HBSCStudie (Health Behavior in School Children), 2003 (Jugendliche 12-16 Jahre) Jugendgesundheitssurvey, Kolip et al. 1995 (Jugendliche 12-16 Jahre) Jugendgesundheitssurvey, Kolip et al. 1995 (Mädchen bzw. Jungen jeweils, 11-15 Jahre) Bielefelder Forschungsgruppe der HBSCStudie (Health Behavior in School Children), 2003 Wabitsch/Kunze, 2001 (Mädchen bzw. Jungen jeweils, 11-15 Jahre) Bielefelder Forschungsgruppe der HBSCStudie (Health Behavior in School Children), 2003 (Mädchen bzw. Jungen jeweils, 12-15 Jahre) BZgA (Drogenaffinitätsstudie), Pott & Schmid, 2002 Jugendliche 14-15 Jahre, BZgA (Drogenaffinitätsstudie), Pott & Schmid, 2002 Kinder unter 11 Jahren, Verschreibungsstatistik, Glaeske, 1993 2 SchülerInnen 7.-9. Klasse (Selbstangaben), Nordlohne, 1992 2

Kopfschmerzen: regelmäßig, wöchentlich

29% bzw. 21%

39%

Konzentrationsschwierigkeiten 29% Magenbeschwerden: häufig 23% bzw. 13%

Übergewicht Zigarettenkonsum: regelmäßig

10-20% 25% bzw. 22%

21% bzw. 18%

Alkoholkonsum: regelmäßig Medikamentenkonsum: ein Mal pro Jahr Verschreibung von Psychopharmaka Einnahme von Beruhigungs-, Schlaf- oder Anregungsmitteln
1 2

10%

7-10%

5-10%

zit. nach: Kurth, 2002 zit. nach: Freitag, 1998

6

1.1.2

Epidemiologische Daten auf Bezirksebene

Seit der Umstrukturierung der Berliner Bezirke ist der neue Bezirk Berlin-Mitte (früher Tiergarten, Wedding und Mitte) mit ca. 316.000 Einwohnern der drittgrößte bezüglich der Bevölkerungszahl und mit 80,1 EinwohnerInnen je ha derjenige mit der zweitgrößten Bevölkerungsdichte im Lande Berlin. Der Anteil an MigrantInnen in der Wohnbevölkerung ist mit 26,5% in Mitte am höchsten in ganz Berlin (der Berliner Durchschnitt liegt bei 12,8%) (Stand 12/00) [Statistisches Landesamt Berlin nach: Butler, 2001]. Im Vergleich zu anderen Berliner Bezirken verzeichnen sozioökonomische Indikatoren des Sozialstrukturatlasses Berlin eine schlechtere soziale Lage für Mitte als für andere Bezirke. Dementsprechend weisen alle drei Regionen des Bezirkes (Mitte „alt“, Tiergarten und Wedding) gemäß dem Sozialindex von Berlin 1996-1998 (zusammengefasst) unterdurchschnittliche Werte auf [Meinlschmidt & Brenner, 1999]. Nach Angaben des statistischen Landesamtes Berlin liegen im Bezirk Mitte die Arbeitslosenquote mit 20,7 % (Stand 09/01), sowie der Anteil von Sozialhilfebeziehenden mit 13% (Stand 12/00) deutlich über dem Berliner Durchschnitt (17,9% bzw. 8,8%). Allerdings sind innerhalb des Bezirkes Unterschiede zwischen den Regionen zu verzeichnen. Die frühere Region Mitte (ehemaliges Regierungsviertel der DDR) weist im Vergleich zu den ehemaligen Westbezirken Tiergarten und Wedding eine günstigere Sozialstruktur hinsichtlich bestimmter Merkmale auf. Erkennbar ist dies anhand der Arbeitslosenquote in den einzelnen Regionen: Mitte „alt“ 15%, Tiergarten 19% und Wedding 24,5% (Stand 09/01), der Anzahl von SozialhilfeempfängerInnen pro 1.000 EinwohnerInnen in: Mitte „alt“ 41, Tiergarten 129, Wedding 166 Schulabschluss aufweisen: in der Region (Stand 12/00) und dem Anteil von Personen, die einen Hauptschulabschluss oder gar keinen Mitte „alt“ 18,3%, Tiergarten 40% und Wedding 55% (Stand 12/00) [Butler, 2001; SenGesSozV, 2002]. Dabei ist jeweils ein Gradient von Mitte „alt“ über Tiergarten bis zum Wedding deutlich erkennbar. Weiterhin weist der neue Bezirk Berlin-Mitte den in Berlin höchsten prozentualen Anteil von Kindern und Jugendlichen auf, die von Sozialhilfe leben (26,3 %). Berechnet nach dem Brandenburgischen Punktesystem zeigen die Daten der Schuleingangsuntersuchungen 2001/02, dass 46% der Einzuschulenden des Bezirks in Familien der unteren sozialen Schicht leben [Butler, 2001]. Im Vergleich zum Vorjahr (35,5%) ist dies ein Anstieg [Delekat & Kis, 2001]. Berechnet nach demselben Punktesystem zeigen die Daten der Schulentlassungsuntersuchungen 2001/02 auf, dass 36% der zu Entlassenden in Berlin-Mitte in Familien der unteren Sozialschicht

7

leben [Butler, 20033]. Außerdem wird deutlich, dass Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund im Bezirk Mitte unter schlechteren Lebensbedingungen leben als der Gesamtdurchschnitt; 76% der türkischen Einzuschulenden und 79% der türkischen zu Entlassenden leben in Familien, die zur unteren Sozialschicht zählen [Butler, 2001, 2003]. Auch im Bereich der Sprachkompetenz weist der Bezirk Mitte auffällige Ergebnisse auf. In derselben Untersuchung wird deutlich, dass hier jedes fünfte einzuschulende Kind über lediglich schlechte oder gar keine Deutschkenntnisse verfügt [Butler, 2001]. Eine Erhebung der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Bärenstark) schreibt den Einzuschulenden in Mitte die schlechtesten Deutschkenntnisse zu4, wobei wieder ein abfallender Trend von Mitte „alt“ über Tiergarten nach Wedding zu verzeichnen ist [John, 2002]. Die Datenauswertung der Schuleingangs- und Schulabgangsuntersuchungen des Bezirks Mitte 2000/01 und 2001/02 deutet auf einen klaren und stabilen Zusammenhang zwischen der sozialen Lage von Kindern und Jugendlichen, ihrem Gesundheitszustand und gesundheitsbezogenen Verhaltensweisen hin [Butler, 2001, 2003]. Das steht im Einklang mit Forschungsergebnissen auf nationaler [Klocke, 2001; Mielck, 2001] und internationaler [Macinko & Starfield, 2002] Ebene. So wurde im Schuljahr 2001/02 Adipositas bei 16,3% der Einzuschulenden und bei 17% der zu Entlassenden im Bezirk Mitte diagnostiziert, was deutlich mehr ist als der Berliner Durchschnitt der Einzuschulenden 12,7% (Schuljahr 1999/2000) . Der soziale Gradient nach der Schichtzugehörigkeit ist bei der Verteilung adipöser Kinder wie auch bei der Inanspruchnahme der Früherkennungsuntersuchungen U5-U9 zu beobachten [Butler, 2001, 2003]. Es scheint also im Sinne einer Gesundheitschancengleichheit für Berliner SchülerInnen von herausragender Bedeutung zu sein, gezielt in bezüglich der genannten Faktoren benachteiligten Bezirken wie Mitte besondere Anstrengungen zu unternehmen und gesundheitsfördernde Maßnahmen zu unterstützen.

3

Die Ergebnisse der Schulabgangsuntersuchungen 2001/02 von Berlin-Mitte sind in der Veröffentlichungsphase. „Beteiligt waren 145 Schulen in den vier Innenstadtbezirken Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Schöneberg-Tempelhof, Neukölln.“ [John, 2002]

4

8

1.1.3

Ansatz des Lebensverlaufs

Obwohl die gesundheitliche und die damit zusammenhängende soziale Lage von Kindern und Jugendlichen an sich selbst von großer Public-Health-Relevanz ist, beziehen sich die kausalen Modelle der Epidemiologie chronischer Erkrankungen bis Mitte der 1980er Jahre überwiegend auf Risikofaktoren bei Erwachsenen. Allerdings gehen relativ neue Modelle von Zusammenhängen zwischen gesundheitsbezogenen Ressourcen und Belastungen über den im gesamten Lebensverlauf nur aus. Da die gesundheitsrelevante Lebensweisen Erwachsenenalter teilweise

beobachteten sozialen und gebietsbezogenen gesundheitlichen Ungleichheiten bei chronischen Erkrankungen erklären [Heiner et al., 1995; Kuh & Ben-Shlomo, 2001], wurden verhältnisbezogene Faktoren in der sozialen und physischen Umwelt von Erwachsenen erforscht und nach Risikofaktoren für diese Erkrankungen schon in früheren Lebensphasen (während Schwangerschaft, Kindheit, Jugend) gesucht [Kuh & Ben-Shlomo, 2001]. Weiterhin wurde festgestellt, dass zahlreiche Risikoverhaltensweisen schon im Kindes- und Jugendalter begonnen werden und dass die Veränderung einer bereits etablierten gesundheitsrelevanten Verhaltensweise schwierig ist [NHMRC, 1996; Nutbeam & Leger 1997]. Zwei Herangehensweisen an Risikofaktoren in frühen Lebensphasen werden innerhalb des sogenannten Ansatzes des Lebensverlaufs diskutiert. Auf der einen Seite wird angenommen, dass gesundheitsschädigende Expositionen in kritischen Entwicklungsphasen (z.B. während Schwangerschaft und früher Kindheit) das Risiko für spätere chronische Erkrankungen erhöhen. Es wird dabei angenommen, dass eine „Programmierung“ bestimmter Parameter wie Blutdruck und Cholesterinstoffwechsel durch Faktoren wie Unterernährung während der Schwangerschaft und in der frühen Kindheit stattfindet. Der Medical Research Council (MRC) an der Southampton University (UK) gab seit Mitte der 1980er mehr als 200 Publikationen zur Unterstützung dieser Hypothese heraus. Auf der anderen Seite steht die These, dass im Gegensatz zu einer Exposition während kritischer Phasen eine Kumulation von verhältnis- und verhaltensbezogenen Risiken seit frühen Lebensphasen zu chronischen Erkrankungen führt [Kuh & Ben-Shlomo, 2001]. Evidenz besteht, dass „Arteriosklerose5 in der Kindheit anfängt“ [Berenson et al., 1987 nach: Kuh & Ben-Shlomo, 2001, S. 62] und dass die Unterschiede zwischen den sozioökonomischen Schichten in Bezug auf den Blutdruck im Jugendalter entstehen
5

der Prozess, bei dem die Blutgefäße durch die Ablagerung von Fett verschmälert und beschädigt werden

9

[Khaw & Marmot, 1983; Miller & Shekelle, 1976 nach: Whincup & Cook, 2001]. Der etablierte Zusammenhang zwischen dem Body Mass Index (Körpergewicht im Verhältnis zur Körpergröße) und Blutdruck ist von Geburt an, in der Kindheit und Jugend bis ins Erwachsenenalter zu beobachten. Nach den Ergebnissen von Längsschnittstudien führen Veränderungen des Körpergewichts bei Kindern und bei Erwachsenen zu Veränderungen des Blutdrucks [Clarke et al., 1986; Havlik et al., 1983; Hoffman & Valkenburg, 1983; Holland et al., 1993 nach: Whincup & Cook, 2001]. Zahlreiche Studien ergeben, dass bessere Chancen zum Erwerb eines höheren sozioökonomischen Status im Erwachsenenalter bei denjenigen zu beobachten sind, die aus privilegierteren Familien stammen und dass der familiäre sozioökonomische Hintergrund die Bildungschancen und den Bildungsstatus stark beeinflussen. Der Bildungsstatus hat einen großen Einfluss auf Berufsstatus und Einkommensniveau. Die Mehrheit und der der Studien zeigt einen und negativen Mortalität Zusammenhang aufgrund von zwischen der sozioökonomischen Lage in der Kindheit, unabhängig von der im Erwachsenenalter, späteren Morbidität kardiovaskulären Erkrankungen [Kuh et al., 2001]. Eine prospektive Kohortenstudie findet die höchsten Mortalitätsraten bei denjenigen, die eine kumulative Sozialbenachteiligung seit der Kindheit erlebt haben [Smith et al., 1997].

Abbildung 1 zeigt ein nach Kuh et al. (2001) modifiziertes Modell zu den Zusammenhängen zwischen der sozialen und gesundheitlichen Lage aus der Perspektive des Lebensverlaufsansatzes.

10

Abb. 1

Modell

zu

den

Zusammenhängen

zwischen der sozialen und

gesundheitlichen Lage aus der Perspektive des Lebensverlaufsansatzes (eigene Übersetzung mit Modifikation nach: Kuh et al., 2001) Sozioökonomische Lage im Kindesalter Sozioökonomische Lage im Erwachsenenalter

Bildung

gesundheitsbezogene Verhaltensweisen in Kindheit und Jugend

gesundheitsbezogene Verhaltensweisen im Erwachsenenalter

Entwicklung von gesundheitlichen Ressourcen

gesundheitsbezogene Ergebnisse im Erwachsenenalter

11

1.2

Belastungen von Lehrerinnen und Lehrern

Freitag (1998), Rudow (1994) u.a. beklagen die Lücken und Defizite der Datenlage zum gesundheitlichen Zustand von Lehrkräften in Deutschland. Es dominieren Studien zur Berufsbelastung und -zufriedenheit sowie Routinedaten zur Frühpensionierung und zu Fehltagen von LehrerInnen. Zu den noch nicht theoretisch durchdachten Konzepten „Belastung“ und „Burn-out6“ wurden die meisten gesundheitsrelevanten Studien durchgeführt [Freitag, 1998; Rudow, 1994].

1.2.1

Gesundheitliche Beschwerden

Etwa 50% der befragten LehrerInnen klagten bei den Untersuchungen von Terhart et al. (1994), dass sie sich physisch und psychisch belastet fühlten, wobei keine Differenzen dabei in Bezug auf Alter, Geschlecht und Schulart festgestellt werden können [Terhart et al. 1994]. Eine Studie von Jehle und Krause (1994) zeigt, dass eine zufällige Stichprobe von LehrerInnen (n= 162) öfter als eine repräsentative Eichstichprobe (n= 1.557) psychosomatische Beschwerden angaben. Dabei war die Beschwerdestärke bei Lehrerinnen größer als bei Lehrern [Jehle & Krause, 1994; Jehle, 1997 nach: Böhm-Kasper et al., 2001]. Die Studie von Dick et al. (1999) ist zu dem Ergebnis gekommen, dass ältere Lehrkräfte (über 46 Jahre) weniger soziale Unterstützung genießen als jüngere und dass „Gymnasiallehrkräfte mehr unter Mobbing leiden, weniger Unterstützung bekommen und geringere Kontrollüberzeugungen äußern“ als LehrerInnen anderer Schultypen [Dick et al., 1999 zit. nach: Böhm-Kasper et al., 2001, S. 60-61]. Bei einer Stichprobe von 222 LehrerInnen berichteten 20% von „mehrfach wöchentlich“ auftretenden Rückenschmerzen, 10% von „sehr häufigen“ Kopfschmerzen und weitere 10% von Einschlafstörungen [Freitag, 1998].

6

„Burn-out ist als ein spezifisches Beanspruchungsphänomen zu verstehen, welches als Syndrom speziell in den sog. Sozial- und Helferberufen ... auftritt“. Das Burn-out-Syndrom bildet sich in einem schleichenden Prozess über Jahre hinweg aus und „ist als mehrdimensionales Konstrukt durch die drei Faktoren „Emotionale Erschöpfung“, „Dehumanisierung/ Depersonalisierung“ sowie „Reduzierte Leistungsfähigkeit“ gekennzeichnet“ [Zit. nach Böhm-Kasper et. al 2001 S. 63].

12

1.2.2

Burn-out

In einer Untersuchung von Barth (1990) wurde bei 20% der LehrerInnen das „Burn-outSyndrom“ diagnostiziert, mindestens zusätzliche 20% wurden als dafür anfällig betrachtet [Barth, 1990]. Die Studien von Kramis-Aebischer (1995) und Buschmann et al. (1999) schätzen ein, dass 10-30% des Lehrpersonals „ausgebrannt“ seien [nach: Buddeberg-Fischer & Klaghofer, 2000].

1.2.3 Frühpensionierung und Fehltage Daten des Landesamts für Besoldung und Versorgung (LBV) zeigen, dass bei LehrerInnen „...der Anteil der Frühpensionierungen (mit einer Pensionierung vor dem Alter von 60 Jahren einschließlich) stetig gestiegen“ ist, „von 28% im Jahr 1976 auf nunmehr 48% im Jahr 1992....Im Vergleich dazu ist dieser Wert für sonstige Angestellte aus Verwaltungen nicht so dramatisch gestiegen wie für Lehrkräfte“ [Heesen & Hassler, 1993 zit. nach: Freitag, 1998, S. 43]. Etwa zwei Drittel der 1999 berenteten LehrerInnen der öffentlichen Schulen sind aufgrund von Dienstunfähigkeitsbeurteilungen vorzeitig pensioniert [Statistisches Bundesamt, 2001 nach: SVR, 2003]. Da Frühberentung in nahezu allen Fällen ein ärztliches Gutachten verlangt, kann sie mit dem gesundheitlichen Status der Lehrkräfte eng korreliert sein. Eine Übersichtsarbeit von Jehle (1997) fasst zusammen, dass psychiatrische Erkrankungen eine besondere Rolle beim Auftreten von Dienstunfähigkeit bei Lehrkräften spielen [Jehle, 1997 nach: Böhm-Kasper et al., 2001]. Dies wird durch eine prospektive Vollerhebung der Dienstunfähigkeitsbeurteilungen bei den bayrischen LehrerInnen zwischen 1996 und 1999 bestätigt [Weber, 2001 nach: SVR, 2003]. Bezüglich der Frage, ob die LehrerInnen häufiger als Angehörige anderer Berufsgruppen Fehltage aus gesundheitlichen Gründen aufweisen, widersprechen die Ergebnisse von Leuschner & Schirmer (1993) denen von Quentin (1995) [nach: Freitag, 1998]. Es ist also davon auszugehen, dass LehrerInnen oft unter psychischen Symptomen leiden, daher soll die schulische GF auch Lehrkräfte einschließen. Eine psychisch belastete Lehrkraft kann weder die Bildung noch die Gesundheit in der Schule angemessen fördern und scheidet vorzeitig aus dem Dienst aus.

13

1.3

Schulische Gesundheitsförderung

1.3.1 Gesundheitsförderung in Abgrenzung zu Gesundheitserziehung Während sich die traditionelle Gesundheitserziehung am biomedizinischen Modell orientiert und nach der Vermeidung von Risiken sowie dem Abbau von Belastungen strebt, beschäftigt sich die GF zusätzlich mit der Erweiterung von Chancen und der Bereicherung der Ressourcen. Damit ist ein Paradigmenwechsel in Richtung eines positiven Konzepts von Gesundheit in Gang gesetzt, wie es in der WHO-Definition von Gesundheit wiederzufinden ist. Als ganzheitliches Puplic Health Konzept strebt die GF „Gesundheitsgewinne“ im Sinne folgender Leitsätze an [WHO zit. nach: Tones, 2002, S. 832-833]:
-

“Adding years to life: reducing avoidable deaths. Adding health to life: reducing disease and disability. Adding life to years: enhancing quality of life.”

Ein holistisches Verständnis von GF weist der psychischen und sozialen Gesundheit den gleichen Stellenwert zu wie der körperlichen [Lister-Sharp et al., 1999]. Das hat zur Folge, dass gesundheitsförderliche Interventionen nicht nur auf ihre Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit hin bewertet werden sollen, sondern ebenso auf ihre Konsequenzen für Psyche und soziales Leben. Wenn eine der körperlichen Gesundheit zuträgliche Maßnahme, beispielsweise der von manchen SchülerInnen unerwünschte Pflicht-Schulsport, sich auf ihr psychisches Wohlbefinden schädlich auswirkt, dann muss die Bewertung dieser Intervention beide Aspekte berücksichtigen [Lister-Sharp et al., 1999]. Da „Empowerment“ ein Kernkonzept der GF darstellt, sollen Angstappelle, wie sie in der traditionellen Gesundheitserziehung üblich sind, durch Ansätze, die auf Ermächtigung abzielen, ersetzt werden. Durch „Empowerment“ sollen die Betroffenen dazu befähigt werden, sich in Richtung aktiver Beteiligung zu verändern [Rosenbrock, 2000]. Bevormundung durch „top-down“ Methoden gilt als Experten-zentrierter Ansatz, der per definitionem als nicht-befähigend zu verstehen ist. Allerdings werden insbesondere Starrin, 1997]. für Kinder und Jugendliche die Operationalisierung und Umsetzungsmodule des Konzepts „Empowerment“ noch überarbeitet [Hagquist &

14

Obwohl der Wert von Gesundheitserziehung als Bestandteil von GF oft hinterfragt wird, wenn nicht sicher erkennbar ist, dass sie auch gesundes Verhalten bewirkt, bleibt sie eine bedeutende Determinante für die Gesundheit, da „gesundheitsbezogener Alphabetismus“ (Health Literacy) bereits an sich als wertvolle Ressource angesehen werden kann [Kickbusch, 2001; Lister-Sharp et al., 1999; Nutbeam, 2000]. Ignoranz hingegen kann als „dis-empowering“ bezeichnet werden [Lister-Sharp et al., 1999]. Unter der Annahme eines einfachen Zusammenhanges zwischen Wissen und Verhalten wurde die schulische Gesundheitserziehung vorwiegend ausschließlich über Bereitstellung von Informationen gewährleistet (Gesundheitsaufklärung). Da seit den 1970er Jahren festgestellt wurde, dass mit diesem Vorgehen das Verhalten nicht im Sinne der Erhaltung und Förderung von Gesundheit verändert werden konnte, wurden auch Lehrmethoden zur Änderung von Einstellungen und Entwicklung von Fertigkeiten entwickelt, die SchülerInnen zu gesünderen Verhaltensweisen verhelfen können [SERU, 1997; Blättner, 1997]. GF beschäftigt sich nicht nur mit der Produktion und Verbreitung von Informationen und Botschaften, wie es in der gesundheitserzieherischen Praxis üblich ist, sondern auch mit der Beeinflussung der physischen und sozialen Umwelt. Es gilt, dass durch Veränderung der Verhältnisse die Wahl der „gesünderen“ von mehreren Alternativen leichter fallen soll. Ohne die Ermöglichung einer Verhaltensänderung durch verhältnisgestützte Maßnahmen läuft man Gefahr, diejenigen, die eine erwünschte Verhaltensänderung nicht erbringen, anzuklagen (victim-blaming). Es ist also wichtig, weniger an Ermahnung und/oder Überzeugung anzusetzen sondern vielmehr unterstützend tätig zu werden. Die Individualisierung von Risiken entlastet die „antihealth-lobby“ und hat gravierende Folgen, insbesondere auf die sozial Schwächeren. Da die Rahmenbedingungen bei der Erhaltung und Förderung der Gesundheit eine nicht zu verleugnende Rolle spielen, fasst Tones die GF wie folgt zusammen [Tones, 2002]:

health promotion = health education x healthy public policy

Zum Zweck der Entwicklung gesunder Gesamtpolitik nennt die Ottawa Charta drei Wege, nämlich: „lobbying, advocacy und mediation“ [Tones, 2002]. Die durch die Schulbefragung zur GF in Berlin-Mitte gewonnenen Daten können durch diese drei Methoden in die politische Arena eingebracht werden.

15

1.3.2 Der Setting-Ansatz Gesundheit hat ihren Ursprung nicht im Krankheitsversorgungssystem, sondern hauptsächlich an den Orten, wo nach der Bezeichnung der Ottawa-Charta „Menschen leben, lernen, arbeiten und lieben“. In diesen Lebensumfeldern, auch Settings genannt, muss GF Raum und Bedeutung gewinnen [Pelikan et al., 1993]. Ein Setting ist „jede bewusst koordinierte soziale Einheit mit abgrenzbaren Zugehörigkeiten, die auf kontinuierlicher Basis zur Erreichung bestimmter Zielsetzungen arbeitet“ [Baric & Conrad, 1999 zit. nach: SVR, 2003, S. 391] und „einen identitätsbestimmenden, lebensstilprägenden Einfluss“ ausübt [zit. nach: SVR, 2003, S. 391]. Der nachhaltige Einfluss von Settings auf die Gesundheit ihrer Mitglieder entsteht über die expliziten Inhalte hinaus besonders durch die implizite Wertevermittlung und durch die dort vorherrschenden Strukturen und Prozesse [Grossman & Scala, 2001]. Der Einfluss von kleinen Organisationen, z.B. Betrieben und Schulen, auf die Gesundheit ist wissenschaftlich dokumentiert [Badura & Kickbusch, 1991; Freitag, 1998; Hurrelmann, 2002; Murza & Laaser, 1994; Rudow, 1994]. Diez Roux (2001) bietet eine Übersicht über die Auswirkungen von Wohnviertel und Gegend auf die Gesundheit ihrer BewohnerInnen, unabhängig von ihren individuellen Merkmalen. Für Berlin wurde ein eindeutiger und zeitstabiler Zusammenhang zwischen sozioökonomischen Merkmalen der Berliner Bezirke und Mortalitätsziffern gefunden [Meinschmidt & Brenner, 1999]. Auf Grund der unbewiesenen Wirksamkeit herkömmlicher gesundheitserzieherischer Aktivitäten stellt sich der Setting-Ansatz als Schlüsselstrategie der GF dar. Damit ist nicht nur der Ort, an dem Interventionen stattfinden, gemeint, sondern vielmehr die soziale Einheit, die gesamte Organisation, die fortentwickelt werden kann [Grossmann & Scala, 2001]. Schulen, übrigens auch andere Settings, dürfen nicht ausschließlich als Zugangsweg zu den SchülerInnen begriffen werden, wie es in der Praxis häufig geschieht, sie sind per se entwicklungswürdige Systeme und m üssen als solche gesehen werden. Der Setting-Ansatz spricht nicht nur die Verhaltensweisen der in einem bestimmten Setting lebenden Menschen an, sondern auch die Rahmenbedingungen, unter denen sie leben, lernen und arbeiten. Es wird also zusätzlich zu individuellen Merkmalen der Kontext einbezogen. Der zu adressierende Kontext bezieht sich gleichwohl auf die physische Umwelt eines Settings (z.B. Schulökologie) und auf sein soziales Klima (z.B. Kommunikations- und Umgangsmuster der Gruppe der Lehrenden und der der Lernenden sowie die Interaktion zwischen beiden) [Grossmann & Scala, 2001].

16

Die vorherrschende Annahme, dass der Setting-Ansatz rein salutogenetisch orientiert sei, um ihn als Gegenpol zu etablierten problemzentrierten Ansätzen zu konstituieren, wurde von Grossmann und Scala (2001) kritisiert, da in der Praxis Interventionen auf der Grundlage beider Aspekte geplant werden (Belastungen und Ressourcen) [Grossmann & Scala, 2001].

1.3.3 Schule als Setting Gemäß der Geneva Consultation Conference der WHO, UNESCO und UNICEF gelten Schulen als Schlüsselsetting für Kindergesundheit [NHMRC, 1996], da sie als einziges Setting für Kinder und Jugendliche aus allen sozialen Hintergründen intensiv und dauerhaft den Lebensraum bilden [Lister-Sharp et al., 1999]. Durchschnittlich etwa 15.000 Stunden hält sich jeder Mensch im Laufe seiner deutschen Schullaufbahn in dieser Institution auf [Hurrelmann, 2002]. Begünstigt wird die Einflussnahme auf die in Schulen Lebenden durch die nachhaltigen Strukturen und intakten Organisationsformen, über die Schulen verfügen. Des weiteren ist für schulische GF von Vorteil, dass Schulen über verschiedene Ressourcen bereits verfügen. Dazu zählt, trotz zu kritisierender Mängel, die Ausbildung der Lehrkräfte in Pädagogik und Entwicklungspsychologie. Da Schulen hohes Ansehen genießen und ein großes Potenzial haben, Familien, Behörden sowie Gemeindeorganisationen in ihre Aktivitäten mit einzubeziehen, kann es ihnen gelingen, über ihren direkten Einflussbereich hinaus noch Impulse für die Gestaltung gesundheitsförderlicher Lebenswelten in anderen Settings zu geben, z.B. dann, wenn sich die Schule an der Entwicklung ihres Stadtteils beteiligt oder mit Ausbildungsbetrieben, Freizeitund Bildungszentren zusammenarbeitet [Paulus, 1999; NHMR C, 1996]. Im Vergleich zu Schulen weisen zwar Kindergärten zwar den Vorteil auf, dass sie als erste Erziehungsinstitution besonders früh ansetzen und außerdem sehr flexibel sind bezüglich der Ausgestaltung ihrer Betreuungsaktivitäten. Da Kindergartenplätze aber freiwillig von Eltern für ihre Kinder in Anspruch genommen werden können (im Gegensatz zur Schulpflicht), oft nicht im nachgefragten Ausmaß zur Verfügung stehen und sogar als einziges öffentliches Bildungsangebot Gebühren erheben, ist zu befürchten, dass nicht alle Kinder eines Jahrgangs in diesen Institutionen an GF partizipieren können [Zimmer, 2002].

17

1.3.4 Schulische Gesundheitserziehung Seit über einem halben Jahrhundert werden in Deutschland Unterrichtsprogramme erstellt, um gesundheitsbezogene Themen innerhalb verschiedener Schulfächer zu behandeln, vorwiegend in Heimat- und Sachkunde (Grundschule), Sport, Biologie, Chemie, Deutsch, Sozialkunde, Religionslehre und Ethik (weiterführende Schulen) [Kraus et al., 2002; Hollederer & Bölcskei, 2000]. Das Curriculum sieht relativ wenig Raum für gesundheitsbezogene Themen vor, legt die Inhalte fest und macht Vorschläge zur Didaktik. Darüber hinaus beeinflusst der Lehrplan die Inhalte der Lehrerausbildung und -fortbildung sowie pädagogische Veröffentlichungen und nicht zuletzt Lehrmittelverlage. Hollederer betrachtet die Auseinandersetzung mit den Lehrplänen als Schlüssel für die Weiterentwicklung von schulischer Gesundheitserziehung [Hollederer, 2001]. Jedoch darf sich die schulische GF nicht allein darauf beschränken. In der vorliegenden Erhebung wurde auf die Lehrpläne und die darin bereits integrierte Thematisierung von Gesundheit nicht eingegangen, da die über dieses Pflichtsoll hinausgehende Bereitschaft und die Möglichkeiten, sich der GF zu widmen, untersucht werden sollen. Befragt nach ihrer Einschätzung der Gesundheitserziehung an deutschen Schulen befanden 73% der repräsentativ befragten BundesbürgerInnen, dass sie nicht ausreichend sei, während 44% der Meinung waren, die Schule hätte „wesentlich mehr“ tun müssen (29% „etwas mehr“). Hierbei fällt auf, dass viele LehrerInnen sich auch selbst unzureichend auf diese Aufgabe vorbereitet fühlten, was z.T. darauf zurückzuführen ist, dass die Lehrerausbildung der Wissensvermittlung gegenüber den pädagogischen Fertigkeiten immer noch den Vorrang gibt. Dies kann ein Selbstkonzept als Fachmann/frau für ein bestimmtes Wissensgebiet zur Folge haben, weshalb sich dann LehrerInnen für das Thema Gesundheit nicht ausreichend ausgebildet fühlen [Arnold & Lang,1986 nach: Leppin, 1995]. Wichtig ist dabei, dass sich unterrichtsbasierte Gesundheitserziehung über die Vermittlung eines gesundheitlichen Inhaltes hinaus („Gesundheit lehren und lernen“) auch einer gesundheitsförderlichen Didaktik bedienen sollte („Gesund lehren und lernen“). Diese kann nach Paulus u. a. Rhythmisierung des Unterrichtes oder Bewegungselemente enthalten [zit. nach: Paulus, 2002, S. 972]. Mit der Veränderung physischer und sozialer Rahmenbedingungen beschäftigen sich aber Schulprogramme zur Gesundheitserziehung bislang kaum [Lister-Sharp et al., 1999].

18

1.3.5

Schulische Gesundheitsförderung

Der Wandel, der sich in schulischer GF vollziehen soll, lässt sich folgendermaßen skizzieren [Paulus, 1996 zit. nach: Hollederer, 2001, S. 69]:
-

„vom Leitbegriff „Gesundheitserziehung“ zu dem der „Gesundheitsförderung“ vom biomedizinischen Organismuskonzept zum Menschen als Person, von den Schülerinnen und Schülern zur Schulgemeinschaft, von der Risiko-Orientierung zu einem salutogenetisch orientierten Konzept, vom individuellen zum Setting- bezogenen Gesundheitsverhalten.“

Das „European Network of Health Promoting Schools“ (ENHPS) fordert die darin vernetzten Schulen auf, auf drei Dimensionen zu arbeiten [nach: Stewart-Brown, 2000]: (1) Entwicklung schulischer Normen/Werte und Umwelt, die die Gesundheit unterstützen (2) Zusammenarbeit mit Familie und Gemeinde (3) Arbeiten mit SchülerInnen anhand der Gesundheitserziehung im schulischen Curriculum. Bei der neuen schulischen GF unterscheidet man drei Ansätze, die als Stufen eines dynamischen Entwicklungsprozesses zu betrachten sind. Diese sind: Gesundheitsförderung in der Schule, die sogenannten „Comprehensive School Health Programs“ und „Gesundheitsfördernde Schule“. „Gesundheitsförderung in der Schule“ bietet unterrichtbasierte Programme, die auf der Grundlage der Entwicklungs- und Sozialpsychologie entwickelt werden. Obwohl sie hauptsächlich problemorientiert vorgehen, beschäftigen sie sich auch mit Gesundheitsressourcen. Daher wurde dieser Ansatz oft der neuen Prävention zugeordnet [Paulus, 1999]. Die sog. „Comprehensive School Health Programs“ gehen darüber hinaus und beziehen die Umwelt-, Gemeinde- und Sozialdimensionen von Schulen mit ein [Paulus, 1999]. Bei „Gesundheitsfördernden Schulen“ ist Gesundheit ein Leitthema bei der Schulentwicklung, Schulprogramm- und -profilbildung. Das geschieht schrittweise in einem von der gesamten Schulgemeinschaft getragenen Prozess. Der Weg dahin sieht eine nachhaltige Verfolgung der gesetzten Ziele vor und setzt sich nicht nur aus gelegentlichen Aktionen zusammen [Paulus, 1999, 2002]. „Die erwähnten ,Comprehensive School Health Programs’ bilden zu diesem Organisationsentwicklungsansatz eine Vorstufe, manchmal gibt es auch fließende Übergänge“ [zit. nach: Paulus, 1999, S. 125]. Der Begriff „Gesunde Schule“ wurde in

19

der pädagogischen Diskussion verwendet, um ein „optimal funktionierendes Kollegium“ zu benennen [zit. nach: Paulus, 1999, S. 125].

1.3.6

Modellprojekte zur schulischen Gesundheitsförderung

Seit Anfang der 1990er Jahre bestehen in Deutschland mehrere Modellversuche zur schulischen GF in öffentlicher wie auch in privater Trägerschaft. Diese Modellversuche waren begleitet von zahlreichen konzeptionellen Arbeiten, Konferenzen und Begleitforschung. Im Folgenden werden drei von ihnen kurz dargestellt und kritisch betrachtet, da sie eine progressive Entwicklung in Richtung des Setting-Ansatzes skizzieren. a) Auf Modellversuch “Gesundheitsförderung im schulischen Alltag“ Initiative der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und

Forschungsförderung (BLK) lief in 29 Schulen 1990-1993 im Land Schleswig-Holstein der Modellversuch „Gesundheitsförderung im schulischen Alltag“. Dabei wurden Projekte zu Ernährung, Bewegung und Umweltgestaltung in den beteiligten Schulen durchgeführt. Obwohl der Modellversuch so konzipiert war, dass GF nicht nur durch Wissensvermittlung, sondern auch über Erfahrbarkeit im Alltag der SchülerInnen erfolgen sollte, mangelt es an einer übergreifenden Einbettung der einzelnen Projekte in die Schulentwicklung. Die Begleitforschung dieses Modellversuchs hebt die zentrale Rolle der Unterstützung des Ansatzes durch das Lehrerkollegium hervor [Barkholz & Homfeldt, 1994; SVR, 2003]. b) „Netzwerk gesundheitsfördernde Schulen“

Besser verwirklicht wurde der Setting-Ansatz wieder auf Anstoß der BLK, als 1993-97 in 29 Schulen aus allen Bundesländern (außer Bayern) Schulprofile und -programme entwickelt wurden, in denen die GF einen bedeutenden Platz einnimmt [Paulus, 2000; SVR, 2003]. Die einzelnen Schulen nahmen zunächst eher einseitig von der Zentralen Koordinationsstelle der Universität Flensburg Informationen, Hilfen und Vorschläge zur Verwirklichung gesundheitsförderlicher Projekte entgegen. Allerdings mangelte es hier an der Vernetzung der beteiligten Schulen untereinander, was sich aber im Verlauf des Versuchs in Richtung von mehr interschulischem Austausch und wechselseitigem Lernen geändert hat. Dieser Modellversuch war ein Beitrag Deutschlands im Zuge der

20

Mitgliedschaft im „European Network for Health Promoting Schools” ENHPS [Paulus, 2000]. c) „Offenes Partizipationsnetz und Schulgesundheit“ (OPUS)

Der 3. BLK-Modellversuch OPUS (1997-2000) näherte sich dem Setting-Ansatz noch mehr an, indem, durch 15 regionale Koordinationsstellen organisiert, 500 Schulen gefördert wurden, einen Schulentwicklungsprozess in Gang zu bringen, der sich gesundheitsförderlich auf alle dort Lernenden und Arbeitenden auswirkt. Durch mehr Vernetzung wurden die beteiligten Schulen befähigt, von einander zu lernen. Dieser Modellversuch war ebenfalls ein Teil des ENHPS [Paulus, 2000; SVR, 2003].

1.3.7 Gesundheitsfördernde Schule als bildungsfördernde Schule Als wichtige Sozialisationsinstanz ist die Schule mit vermehrten gesellschaftlichen Anforderungen konfrontiert. Seit der TIMMS-Studie (Third International Mathematics and Science Study) werden insbesondere seitens des Wirtschaftssektors die Rufe nach einer leistungsfördernden Schule lauter [Grefe, 2001]. Der Hauptauftrag der Schule ist vorrangig Bildung. Die Förderung der Gesundheit der dort Lehrenden und Lernenden steht jedoch nicht im Gegensatz zu diesem Auftrag. GF und Qualität in der Schule weisen „gemeinsame Ziele und gemeinsame Methoden“ auf [Dietscher et al., 2001, S. 18]. Die letzte Konferenz des „European Network of Health Promoting Schools“ 2002 propagierte den Aufbau einer Partnerschaft zwischen Bildung und Gesundheit [ENHPS, 2002]. „Eine gesundheitsfördernde Schule ist eine bildungsfördernde Schule“ und umgekehrt. Diese Zusammenhänge werden durch zahlreiche Studien belegt. Zur Unterstützung des Hauptanliegens schulischer GF, sich in die Schulentwicklung einzubetten, können die Forschungsergebnisse in Bezug auf den Zusammenhang zwischen Bildung und Gesundheit eingesetzt werden.

Erfahrungen aus dem schweizerischen Projekt „Healthy Teams at Schools of the City of Bern“ zeigen, dass Schulergebnisse mit dem selbstberichteten Gesundheitszustand der SchülerInnen und mit gesundheitsbezogenen Verhaltensweisen, z.B. Rauchen, zusammenhängen [Vuille, 2002]. Eine Literaturübersicht im Auftrag des „Scottish Council for Research in Education“ [Powney et al., 2000] schlussfolgerte, dass
-

eingeschränkte körperliche Gesundheit die Bildungsergebnisse durch erhöhte Schulabwesenheit beeinflusst, insbesondere bei chronisch kranken Kindern

21

-

in Armut lebende Kinder öfter erkrankt sind und entsprechend mehr Bildungsprobleme und Entwicklungsverzögerungen zeigen als nicht in Armut lebende Kinder ein Zusammenhang zwischen der Exposition von SchülerInnen zu passivem Rauchen und dem Sitzenbleiben besteht Bewegung und Sport bei SchülerInnen mit besseren Schulergebnissen assoziiert ist noch kein konsistenter Zusammenhang zwischen Ernährung und

-

-

-

Bildungsergebnissen gefunden ist
-

beeinträchtigte psychische Gesundheit zu Konzentrationsschwierigkeiten und geringeren Schulergebnissen führt Jugendliche mit Drogenproblemen, einschließlich Tabakrauchen und

-

Alkoholkonsum, eine negative Einstellung zur Schule und Schulnoten im unteren Bereich aufweisen
-

eine Schwangerschaft während der Schulzeit bei den betroffenen Mädchen zu geringeren Schulleistungen, einer abnehmenden Beteiligung am Schulleben und höheren Schulabbruchraten führt Schulversagen auch durch andere schul- und gemeindebezogene Faktoren beeinflusst wird

-

Auf der anderen Seite vertreten Grossmann und Kaestner (1997) in einer Literaturübersicht über die Auswirkungen von Bildung auf Gesundheit die These, dass deutlich größere gesundheitliche Erträge auf eine höhere Schulbildung als auf ein höheres Niveau medizinischer Versorgung zurückzuführen sind [nach: DHC, 1999]. Eine Studie von Hardason et al. (2001) zeigt, dass nach der Kontrolle von Einkommen und anderen Risikofaktoren der Bildungsstatus ein wichtiger Prädiktor für die Mortalität und Morbidität chronischer Herzerkrankungen bleibt. Dieses Ergebnis wird durch die aktuellen Arbeiten von Muller (2002) bestätigt. Darüber hinaus bestätigen zahlreiche Studien (z.B. PISA-Studie, IGLU-Studie, WhiteHall-Studie I und II), dass sowohl die Schulleistungen als auch der Gesundheitszustand von der sozialen Lage der SchülerInnen beeinflusst werden [Kerstan & Spiewak, 2003; Marmot et al., 1991; Marmot & Smith, 1997; Otto, 2003]. Eine anerkannte Aufgabe schulischer GF ist es, zur Verminderung von sozialen Ungleichheiten bei Bildungs- und Gesundheitschancen beizutragen [Olk et al., 1996 nach: Thimm, 2000; Spitzenverbände der Krankenkassen, 2002].

22

1.3.8

Wirksamkeit schulischer Gesundheitsförderung

Die Forderung nach Evidenz-Basierung dehnt sich von individualmedizinischen Technologien auf bevölkerungsbezogene Interventionen aus. Während die klinische Epidemiologie die Auswirkungen medizinischer Technologien, z.B. eines Medikamentes, an Individuen untersucht, werden Public Health Interventionen an Zielgruppen oder Settings geprüft. Da bei gesundheitsförderlichen Interventionen eine Zuweisung von Individuen zu unterschiedlichen Interventionsgruppen und eine Untersuchung isolierter Effekte auf einzelne Mitglieder innerhalb desselben Settings aus ethischen und praktischen Gründen nicht möglich sind, sollen die in der Medizin gängigen Evaluationsmethoden, z.B. randomisierte kontrollierte Studien, durch Clusterbasierte oder Multi-Ebenen-bezogene Methoden zur Determinierung wirksamer Module der GF ersetzt werden. Im Allgemeinen werden wiederholte Querschnitts-Designs in lang angelegten Studien (z.B. ESU), die für große Cluster (Schule) geplant werden, bei der Evaluation gesundheitsförderlicher Interventionen bevorzugt. Eine systematische Übersicht zur Anwendung dieser methodischen Ansätze bei der Evaluation von organisations- oder gebietsbezogenen Interventionen der GF bieten Ukoumunne et al. (1999). Die Wirksamkeit schulischer GF ist im nordamerikanischen und europäischen Raum ansatzweise erforscht und ermittelt. Zahlreiche systematische Übersichten sind auf die Fragen, was funktioniert und was nicht im Bereich schulischer GF, mittels rigoroser Evaluationsmethoden eingegangen [Dobbins et al., 2001; Lister-Sharp et al., 1999; Micucci et al., 2002; Ploeg et al., 1999; Thomas et al., 1999]. Ein Beispiel dafür ist in Tab. 2 wiedergegeben. Da diese systematischen Übersichten überwiegend auf amerikanischen Studien basieren, bleibt ihre Übertragbarkeit auf deutsche Verhältnisse noch zu überprüfen.

23

Tab. 2

Positive Ergebnisse schulischer Gesundheitsförderung (eigene Übersetzung nach Lister-Sharp et al., 1999) Manchmal erreichbar Selten/ Nicht erreichbar

Meistens erreichbar Verbesserung gesundheitsbezogenen Wissensbestands Verringerung der Absicht, Zigaretten zu rauchen, Alkohol zu trinken und andere Drogen zu nehmen Entwicklung gesundheitsschützender Fertigkeiten: - Widerstand/Ablehnung - Suchtpräventive Fertigkeiten Vermehrter Einsatz gesundheitsschützender Verhaltensweisen: - Radhelm tragen - Anschnallgurte tragen Verbesserung körperlicher Fitness Umweltverbesserungen - Schulmahlzeiten - Sichere Straßen

Verbesserung psychischer Verringerung „ungesunder“ Gesundheit: Verhaltensweisen: - Selbst-Konzept - Alkoholkonsum - Selbstwirksamkeit - Drogenmissbrauch - Bewältigungs- Hoch-Risiko Fertigkeiten Sexualverhalten - Interpersonelle - Langfristiges Rauchen Fertigkeiten (Kommunikation) Gewichtsabnahme Entwicklung spezifischer Fertigkeiten - Straßen überqueren - Zähne putzen - Sonnenschutz Verbesserung der Ernährung Verbesserung im Cholesterinniveau Verschiebung der Initiierung von Rauchen Erstarken der Selbstachtung Verbesserung von Einstellungen gegenüber Alkoholtrinken, Zigarettenrauchen und Drogenkonsum

1.4

Schulärztliche Untersuchungen

Seit ihrer Einführung in Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts nehmen die schulärztlichen Untersuchungen die Kernposition im Aufgabenspektrum des Gesundheitsamts ein [Poggenklas, 2000; Weßling, 2000]. Obwohl die Aufgaben und Funktionen des schulärztlichen Dienstes sich im Zuge verschiedener Epochen und soziopolitischen Wandels seither geändert haben, bleibt der Bedarf nach Daten über die gesundheitliche Lage von Kindern und Jugendlichen aktuell [Weßling, 2000]. Die standardisierte Dokumentation und in und Analyse dieser Daten und wird zu von der Arbeitsgemeinschaft der leitenden MedizinalbeamtInnen „als wesentlicher Beitrag zur Gesundheitsplanung Beratungsleistungen Gesundheitsberichterstattung unmittelbaren weiterführenden Kindertagesstätten, Grundschulen und

Schulen“ gesehen [zit. von AGLMB, 1997 nach: Weßling, 2000, S. 383].

24

Eine Besonderheit der schulärztlichen Untersuchungen ist, dass sie mit einer gesetzlichen Verankerung auf Landesebene eine Reihenerhebung bei der Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen ermöglichen. Die schulärztlichen Untersuchungen werden durch das Schulgesetz bzw. das Gesundheitsdienstgesetz des Landes geregelt. Das Land Berlin verfügt über ein relativ aktuelles Gesetz (1994), das eine aktive Beteiligung der bezirklichen Plan- und Leitstellen bei den Untersuchungen vorsieht [GDG, 1994]. SchulärztInnen und schulärztliches Personal (ArzthelferInnen, etc) sind in der Regel für die Datenerhebung bei diesen Untersuchungen zuständig. Wo nur begrenzte Stellen für solches Fachpersonal vorhanden sind, wird die Erhebung an niedergelassene ÄrztInnen delegiert. Die Erhebung der Daten in Berlin-Mitte erfolgt durch den Kinderund Jugendgesundheitsdienst (KJGD). Zur standardisierten Dokumentation und Auswertung werden die erhobenen Daten an die bezirkliche Plan- und Leitstelle sowie die Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz weitergeleitet. Die für die Gesundheit zuständige Berliner Senatsverwaltung führte seit dem Schuljahr 1999/2000 eine standardisierte EDV-gestützte Dokumentation und Auswertung der bezirklichen7 ESU durch. Die Daten der Einzuschulenden und der zu Entlassenden werden seit dem Schuljahr 2001/02 jährlich im Bezirk Berlin-Mitte erhoben und ausgewertet. Eine Rückmeldung an Schulen des Bezirks findet durch den KJGD jährlich statt.

1.4.1

Einschulungsuntersuchungen

Seit dem Erlass von 1897 dienten die Einschulungsuntersuchungen (ESU) der Beurteilung der Gesundheit und Schulfähigkeit der Einzuschulenden [Weßling, 2000]. Sie dienten sowohl der individualmedizinischen als auch der epidemiologischen Erfassung der Schülergesundheit. Eine wichtige Stärke der ESU besteht darin, dass sie jedes Jahr fast alle Kinder erfassen, die schulpflichtig sind oder sich vorzeitig für die Einschulung oder für den Vorklassebesuch bewerben [Delekat & Kis, 2001]. Allerdings nimmt eine als klein einzuschätzende Anzahl von „gesundheitlich besonders beeinträchtigten Kindern“ an den Untersuchungen nicht teil [Klausing, 1990].
7

Anfangs beteiligten sich lediglich 18 der 23 Berliner Bezirke und seit dem Schuljahr 2001/02 nehmen alle Bezirke daran teil (Butler, 2001).

25

Bei den ESU werden u.a. Angaben zu Wohnort, Schule, Geschlecht, Alter und Staatsangehörigkeit des Kindes erhoben. Die Auswertung der Daten nach Wohnort und Schule bietet die Möglichkeit settingbezogen Sozialund Gesundheitsberichterstattung (SBE/ GBE) durchzuführen und darauf zu reagieren. Die soziale Lage des Kindes wird anhand von Bögen ermittelt, die freiwillig ausgefüllt werden. Die Sozialschichtzugehörigkeit des Kindes wird (indirekt) nach der Schulbildung und Erwerbstätigkeit der Eltern bestimmt. Aufgrund der Freiwilligkeit dieser Angaben kann eine Verzerrung durch die Gruppe „verweigerter Angaben“ nicht ausgeschlossen werden [s. 4.5.2]. Körpergröße und Körpergewicht des Kindes werden bei den ESU objektiv und standardisiert gemessen. Die medizinischen Untersuchungen dienen der Beurteilung der körperlichen Verfassung des Kindes in Bezug auf die schulischen Belange (z.B. Sehen, Hören, Motorik). Impfstatus, Krankheiten, gesundheitsbezogene Auffälligkeiten, Krankenhausaufenthalte und Unfälle des Kindes werden ebenfalls erfasst. Zu individualmedizinischen Folgen von Befunden der Einzuschulenden gehören Überweisungen an FachärztInnen sowie die bzw. an Beratungszum Vorschuloder bzw. Rehabilitationseinrichtungen, Empfehlung

Sonderschulbesuch oder die Zurückstellung für ein Schuljahr [Klausing, 1990]. Allerdings nimmt die zu fördernde konsultative Funktion dieser Untersuchungen im Vergleich zur medizindiagnostischen Funktion in der Praxis eine eher untergeordnete Rolle ein. Dies kann auf die mangelnde Kapazität des Kinderund Jugendgesundheitsdienstes zurückgeführt werden [Poggenklas, 2000]. Das Berliner Modell der schulärztlichen Untersuchungen besteht seit 1960 und bewertet die Befunde nach ihren Auswirkungen auf die Schultauglichkeit des Kindes [Klausing, 1990]. Um die gesundheitsrelevanten Befunde bei den Untersuchten verschiedenen Funktionsgruppen zuzuweisen, wurden in Berlin funktionsdiagnostische Tabellen verwendet. Allerdings fehlt es an standardisierten Definitionen bestimmter medizinischer Befunde, weshalb eine Variabilität bei der entsprechenden Befundhäufigkeit auftritt, die meistens der Untersuchervariabilität zuzuschreiben ist [Klausing, 1990]. Bei einer Analyse von ESU in B erlin findet Klausing (1991) keine Erklärung dieser Variabilität durch regionale, soziale, ethnische oder geschlechtspezifische Faktoren. Eine Untersuchung zur Qualitätssicherung bei ESU im Rhein-Neckar-Kreis zeigt, dass die Unterschiede bei der Befundhäufigkeit nicht nur „durch die Person des Untersuchers bestimmt werden“, sondern auch durch „die realen

26

Rahmenbedingungen“, unter denen die SchulärztInnen arbeiten (z.B. Zeitdruck, Räumlichkeiten, Schwerpunktsetzung bei der Untersuchung, Einvernehmen mit den Eltern, mangelndes Vertrauen in den Datenschutz, ablehnende Haltung gegenüber standardisierten Arbeitsrichtlinien, fehlende bzw. verzögerte Rückkopplung der Datenauswertung) [Knispel, 1999, S. 132]. Daher ist die Datenqualität dieser Befunde fraglich. Seit dem Schuljahr 2002/03 wird in Berlin eine neue standardisierte und präventionsrelevante Funktionsdiagnostik verwendet. Während die Public-Health-Relevanz der ESU für Gesundheitsberichterstattung, planung und -ziele für Kinder und Jugendliche zunehmend zum Tragen kommt, geraten bestimmte individualmedizinische Aspekte dieser Untersuchungen in die Kritik. Die Bestimmung der Schulfähigkeit als primäre Aufgabe der ESU steht zur Debatte. Die Kultusministerkonferenz hat 1997 ausdrücklich empfohlen, schulpflichtige Kinder möglichst nicht zurückzustellen, da eine Zurückstellung für 12 Monate u.a. den pädagogischen Beitrag der Schule bei der Bewältigung von gesundheitlichen Problemen des Kindes ausklammere [nach: Weßling, 1999]. Dementsprechend soll sich die Bestimmung der Schulfähigkeit sowohl an der gesundheitlichen Lage des Kindes als auch am weiter zu entwickelnden pädagogischen Konzept der Schule orientieren. Die Schulen sollen sich also auf eine Schülerschaft aus „Schulfähigen und -unfähigen“ vorbereiten. Ebenso in (GKV) werden die die ESU Da als die Instrument der Krankheitsfrüherkennung Krankenversicherungen Frage gestellt. gesetzlichen

rechtzeitig

durchzuführenden

Früherkennungsuntersuchungen bei Kindern und Jugendlichen (U1 - U9) seit 1971 übernehmen, werden solche Untersuchungen im Rahmen der ESU als eine Kompensation für diejenigen betrachtet, die die GKV-Leistung versäumt haben, oder sogar als unnötige Sicht Doppeluntersuchung gilt eine im angesehen Rahmen der [Weßling, ESU 1999]. Aus medizinischer durchgeführte

Früherkennungsuntersuchung bei 6 -Jährigen (U9) als relativ spät, allerdings dient sie der Feststellung von Versorgungslücken [Weßling, 1999].

1.4.2

Schulentlassungsuntersuchungen

Während sich die Schuleingangsuntersuchungen in erster Linie mit der Beurteilung der Schulfähigkeit der Einzuschulenden beschäftigt, befassen sich die Schulentlassungsuntersuchungen hauptsächlich mit der Berufstauglichkeit der zu Entlassenden. Das Jugendarbeitsschutzgesetz schreibt vor, alle Jugendlichen (14 bis < 18 Jahre alt), die

27

in das Berufsleben eintreten wollen, ärztlich zu untersuchen und das Ergebnis dem/ der ArbeitgeberIn vorzulegen. Dies gilt in der Regel für AbsolventInnen von Haupt- und Realschulen, die eine berufliche Ausbildung beginnen möchten. Daher werden die Schulentlassungsuntersuchungen oft am Anfang der zehnten Klasse in den nichtgymnasialen weiterführenden Schulen durchgeführt. Die Untersuchungen dienen dazu, gesundheitsbedingte Tätigkeitseinschränkungen zu erkennen und diese bei der Ausbildungs- oder Berufsauswahl zu berücksichtigen. Der gängigen Berliner Praxis entsprechend werden diese Untersuchungen bei

günstiger Kapazität des KJGD auf Gymnasien ausgeweitet. Mit Ausnahme der SchülerInnen von drei Gymnasien beteiligten sich im Schuljahr 2 001/02 im Bezirk Berlin-Mitte alle ZehntklässlerInnen an den Schulentlassungsuntersuchungen [Butler, 2003]. Bei den Schulentlassungsuntersuchungen werden analog zu den ESU

soziodemographische und gesundheitsbezogene Angaben erhoben (einschließlich Angaben zu Schule, Körpergröße, Körpergewicht, Schulbildung und Erwerbstätigkeit der Eltern). Allerdings treten an die Stelle der Einschulempfehlungen der ESU bei Schulabgangsuntersuchungen die Befunde zu Tätigkeitseinschränkungen. Bei den ZehntklässlerInnen wird zusätzlich nach Raucherstatus und Medikamentenkonsum gefragt. Obwohl die Schulentlassungsuntersuchungen in der Regel jährlich durchgeführt werden, erfolgt die Auswertung und Publikation der Daten in unregelmäßigen Abständen. Im Land Berlin wurden die ausgewerteten Ergebnisse dieser Untersuchungen zum letzten Mal für das Schuljahr 1994/95 veröffentlicht [Kiss, 1995]. Für das Schuljahr 2000/01 liegt eine interne Auswertung der Untersuchungen in den ehemaligen Bezirken Tiergarten und Mitte vor. Im Bezirk Berlin-Mitte befindet sich eine Auswertung der Daten des Schuljahres 2001/02 in der Veröffentlichungsphase.

28

2

Hintergrund, Fragestellung und Zielsetzung

Die Plan- und Leitstelle Gesundheit (PLSG) in Berlin-Mitte hat sich im Rahmen der Mitgliedschaft des Bezirks im Gesunde-Städte-Netzwerk, welches sich an den Grundsätzen der Ottawa-Charta orientiert, als Schwerpunktaufgabe die Verbesserung von Kinder- und Jugendgesundheit gesetzt. Nach langer und enger Kooperation mit einzelnen Schulen wird derzeit zusätzlich die breiter angelegte Maßnahme „Gesunde Schulkioske für Mitte“ aufgebaut. Multiplikatorenschulungen in im Bereich und Bewegungsförderung, sowie Suchtpräventionsmaßnahmen Schulen

Kindergärten sind nur einige Beispiele für das breite Spektrum der Aktivität der PLSG. Weitere staatliche und nicht-staatliche Einrichtungen8 sind im Bereich GF des Bezirks aktiv. Die PLSG des Bezirks bemüht sich u.a. durch Arbeitskreise, diese Aktivitäten zu vernetzen. Die standardisierte Dokumentation und Auswertung schulärztlicher Untersuchungen in Berlin-Mitte und deren Präventionsrelevanz ermöglichen es dem KJGD und der PLSG des Bezirks eine handlungsrelevante SBE/ GBE für die einzelnen Schulen zu erstellen und sie darüber zu informieren. Allerdings fehlt es in Mitte an einem umfassenden Überblick über die Lage der schulischen GF im Bezirk. Daher wird die im Rahmen der Projektphase konzipierte „Fragebogenaktion zur Erhebung von Maßnahmen und Aktivitäten der GF in den Schulen des Bezirks Mitte“ von der PLSG des Bezirks betreut und finanziell getragen. Dabei werden die bestehenden Maßnahmen und Aktivitäten der Primärprävention und der GF in den Schulen des Bezirks Mitte erfasst sowie der weitere subjektive Bedarf der GF ermittelt, d.h. es wird sowohl auf das eingegangen, was die Schulen z.Zt. im Bereich GF unternehmen, als auch auf das, woran sie für die Zukunft Interesse haben oder wo sie „fehlenden Bedarf“ signalisieren. Das Aktivitätsniveau, das Bedarfsausmaß und das Ausmaß des fehlenden Bedarfs an GF werden mittels Summenscores der Maßnahmen abgebildet. Schulmerkmale und Indikatoren zu strukturellen Gegebenheiten und Durchführungsabläufen in den Schulen werden erhoben, sowohl um sie zu beschreiben als auch um die Zusammenhänge zwischen ihnen und den bestehenden und (un-)erwünschten Maßnahmen schulischer GF erarbeiten zu können. Die PLSG in Berlin-Mitte unterstützt das Anliegen, weitere Projekte und Maßnahmen der GF in enger Koordination mit der bezirklichen SBE/ GBE zu entwickeln, so dass auf die Daten mit angemessenen Taten reagiert werden kann. Demzufolge werden der
8

z.B. Das Quartiersmanagement, Krankenkassen, kommunale Vereine

29

Anteil der SchülerInnen aus sozialbenachteiligten Familien und der Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen für jede9 Schule aus den Daten schulärztlicher Untersuchungen extrahiert und mit den Angaben der Schule zu gesundheitsfördernden Maßnahmen verglichen. Dabei ist der Frage nachzugehen, ob die soziale und gesundheitliche Lage der Schülerschaft für das Aktivitätsniveau oder das Ausmaß fehlenden Bedarfs der Schule im Bereich der GF eine Rolle spielen. Eine Querschnittstudie wurde konzipiert und durchgeführt, um auf folgende Fragen einzugehen: Unterscheiden sich die Schulen bezüglich des Aktivitätsniveaus und des Ausmaßes des fehlenden Bedarfs hinsichtlich folgender Merkmale?
-

Bezirksteil Schulstufe Betreuungsumfang der Schule Mädchenanteil in der Schülerschaft Anteil von Nicht-Deutsch-Muttersprachlichen in der Schülerschaft Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen SchulStrukturenProfil soziales Klima in der Schule bisherige Erfahrungen im Bereich GF Zusammenarbeit mit den Eltern im Bereich GF Interesse der SchülerInnen an GF Bereitstellung der Schulräume für und ihre Inanspruchnahme durch die Gemeinde Teilnahmebereitschaft an Konferenz der Schulen zu GF

-

Weiterhin wurden zwei Fall-Kontroll-Studien konzipiert und durchgeführt, um auf folgende Fragen einzugehen: Unterscheiden sich Schulen, die über ein relativ hohes Aktivitätsniveau im Bereich der GF für SchülerInnen berichteten (=Fälle), von denen, die ein relativ niedriges Niveau dabei angaben (=Kontrollen), bezüglich des Anteils der
9

-

Es ist allerdings zu erwähnen, dass bei 10 Schulen der Anteil normalgewichtiger SchülerInnen und der Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht nicht ermittelt werden konnten und dass bei zwei weiteren Schulen lediglich der letztere nicht erarbeitet wurde.

30

SchülerInnen aus der Unterschicht und des Anteils normalgewichtiger SchülerInnen? Beeinflusst die soziale und gesundheitliche Lage der Schülerschaft (Expositionen) das Aktivitätsniveau der Schule im Bereich der GF für SchülerInnen (Reaktionen) oder spielen andere Parameter dabei eine Rolle? Unterscheiden sich Schulen, die über ein relativ hohes Ausmaß des fehlenden Bedarfs im Bereich der GF für SchülerInnen berichteten (=Fälle), von denen, die ein relativ niedriges Ausmaß dabei angaben (=Kontrollen), bezüglich des Anteils der SchülerInnen aus der Unterschicht und des Anteils normalgewichtiger SchülerInnen? Beeinflusst die soziale und gesundheitliche Lage der Schülerschaft (Expositionen) das Ausmaß des fehlenden Bedarfs im Bereich der GF für SchülerInnen (Reaktionen) oder spielen andere Parameter dabei eine Rolle? Das Hauptanliegen dieser Arbeit ist, den aktuellen Stand schulischer GF in Berlin-Mitte zu erfassen und ihn in Hinblick auf das soziale und gesundheitliche Belastungsmuster der Schülerschaft zu betrachten. Es ist geplant, die im Rahmen der Magisterarbeit ausgewerteten Ergebnisse zur gezielten Unterstützung der Schulen im Bereich GF einzusetzen. Dabei wird von der PLSG in Mitte u.a. Folgendes angestrebt: Organisation und Durchführung einer Konferenz zur schulischen GF für alle interessierten Schulen des Bezirks. Innovationsverbreitung: Ermittlung und Verbreitung von „Modellen guter Praxis“10 in den Schulen des Bezirks. Bestimmung der von den Schulen erwünschten Unterstützung im Bereich GF. Beratung der interessierten Schulen anhand von Modulen der evidenzbasierten schulischen GF.

-

10

Übersetzung des Begriffs „Models of good practice“ von Paulus (2002)

31

3 3.1

Methodik zur Querschnittstudie Grundgesamtheit

Die Grundgesamtheit dieser Studie besteht aus allen Schulen des Bezirks Berlin-Mitte (N=78) im Erhebungszeitraum Januar-März 2003. Da es sich um eine klar definierte und relativ kleine Grundgesamtheit handelt, wurde eine Vollerhebung aller Schulen des Bezirks angestrebt. Dadurch sollten die mit Stichprobenziehungen verbundenen Verzerrungen (Selection Bias) und Probleme der Stichprobengröße vermieden werden. Außerdem konnte so die Merkmalsverteilung der Grundgesamtheit im Gegensatz zu Stichprobenuntersuchungen in großem bis vollem Umfang erfasst werden.

3.2

Studiendesign

Die „Erhebung von Maßnahmen und Aktivitäten der Gesundheitsförderung in Schulen des Bezirks Berlin-Mitte“ ist eine Querschnittstudie, da die Erhebung aller Variablen zu einem Zeitpunkt erfolgt. Dies verringert die Kosten und den Aufwand. Während die Bildung von Hypothesen mit solch einem Studiendesign möglich ist, sind die Möglichkeiten deren Testung begrenzt. Da bei Querschnittstudien unabhängige und abhängige Variablen zur gleichen Zeit erfasst werden, ist die Richtung der kausalen Beziehung oft schwer feststellbar. Demzufolge können alle gefundenen Zusammenhänge, z.B. zwischen (Schul-)Merkmalen und (gesundheitsförderlichen) Zielgrößen, zunächst nur statistischer Natur sein [Heinemann & Sinnecker, 1994]. Diese Querschnittstudie versucht, die Interventionen im Sinne der primären Prävention und der GF in der Organisation Schule zu erfassen. Die Untersuchungseinheit ist daher die Schule. Für die Auswahl der Schule als Untersuchungs-/ Auswertungseinheit sprechen zahlreiche Gründe. Oft üben gesundheitsfördernde Interventionen in Settings, z.B. Schulen, Einfluss auf die ganze Organisation und alle ihre Mitglieder aus. Aus ethischen und organisatorischen Gründen erwies sich die Zuweisung von Individuen innerhalb desselben Settings zu unterschiedlichen Interventionen als problematisch. Eine Gruppe aus der Schülerschaft einer Schule kann z.B. nicht von der Teilnahme an einer gesundheitsförderlichen Maßnahme in der Schule ausgeschlossen werden, nur um sie als Kontrollgruppe im Rahmen einer Evaluation zu nutzen. Settingbezogene Untersuchungen können Merkmale des Settings (z.B. Schulmerkmale), Parameter der Strukturbildung (z.B. Niveau der Lehrerfortbildung)

32

sowie

prozessbezogene

Variablen

(Vernetzungs-

und

Koordinationsarbeit)

einbeziehen. Da auf Stichproben für von derselben Grundgesamtheit dienen. auch später erneut bzw.

zurückgegriffen werden kann, können die Daten dieser Untersuchung als erster Messpunkt zukünftige Untersuchungen Längsschnittstudien experimentelle Studien können daraus entstehen. Diese wären allerdings nur möglich, wenn dasselbe Erhebungsinstrument (Fragebogen), vollständig oder teilweise, bei zukünftigen Erhebungen zum Einsatz käme.

3.3 3.3.1

Erhebungsinstrument Erhebungsmethode und Explorationsprozess

Es wurde ein standardisierter Fragebogen zum Selbstausfüllen verwendet, der postalisch versandt wurde. Um die nicht zu verleugnenden Gefahren quantitativer Untersuchungen, z.B. den Mangel an Tiefe, zu des Konstrukts „schulische beschränken und eine sorgfältige durchgeführt. Ziel dieses Konstruktion des Erhebungsinstrumentes zu erzielen, wurde zunächst eine Exploration Gesundheitsförderung“ Explorationsprozesses war, bei der Entwicklung des Fragebogens sicher zu stellen, dass der Fragebogen einerseits a lles und zum anderen nur das abdeckt, was er einbeziehen soll. Dazu wurde Folgendes unternommen: 1. Erfahrungen schulischer GF aus dem deutschsprachigen Raum wurden einbezogen11. Es wurden Publikationen von ExpertInnen12 im Feld schulischer und i.A. settingbezogener GF konsultiert und kritisch betrachtet. 2. Modelle zu schulischer GF wurden bei der Entwicklung des Fragebogens berücksichtigt, z.B. Die Modelle von Hurrelmann und Nordlohne 13 (1993), von

11

Deutsche Modellversuche „Gesundheitsförderung im schulischen Alltag“ (1990-1993), „Netzwerk Gesundheitsfördernde Schulen“ (1993-1998) und „Offenes Partizipationsnetz und Schulgesundheit“ (1997-2000) [Barkholz et al., 1998; Paulus, 2000]. Das Österreichische Netzwerk „Gesundheitsfördernde Schulen“ [Dietscher et al., 2001]. Das Schweizerische Netzwerk Gesundheitsfördernder Schulen [Hofer & Glauser, 2001a,b] Barkholz U, Hurrelmann K , Paulus P, Seeger S [Deutschland], Grossmann R, Kickbusch I, Leger L, Lobnig H, Nutbeam D, Pelikan JM, Stewart-Brown S [Regional- und Internationalebene] vier Dimensionen: curriculare, soziale, ökologische und kommunale Dimension

12

13

33

„European Network Health Promoting Schools“14 (ENHPS,1995 nach: ListerSharp et al., 1999 ) und von Paulus 15 (2000). Die bekannten Modelle und Erhebungsinstrumente aus den USA16 scheinen nur sehr begrenzt auf die deutschen Verhältnisse übertragbar zu sein [CDC, 2000]. 3. Der Fragebogen erfasst teilweise die vier Schritte des sog. Public Health Action Cycle: Assessment (Frage 6, 7 und 9), Policy Formulation (Frage 10 und 21), Assurance (Frage 11 und 20) und Evaluation (Frage 22). 4. Der Fragebogen beinhaltet ansatzweise Fragen zur Strukturqualität (Frage 18 und 19), zur Prozessqualität (Frage 9, 10, 11, 20, 21, 22) und zur Ergebnisqualität (Frage 23, 24, 25 und 26). 5. Die “6Ws”- Formel: Wer macht Was für Wen, Wie, Wo und Wann? wurde auch bei der Erstellung des Fragebogens beachtet. Da es sich bei dieser Untersuchung, soweit bekannt, um die erste Untersuchung dieser Art im Lande Berlin handelt, wird damit Neuland betreten. Um vor der Fragebogenerstellung eine grobe Einschätzung des Ist-Zustands schulischer GF in Berlin-Mitte zu gewinnen und der Gefahr zu entgehen, bei den Schulen des Bezirks weitgehend unbekannte Aktivitäten zu erfragen, wurde Folgendes unternommen: 1. Ein Screening der vorhandenen Webseiten der Schulen im Bezirk Mitte, der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport, des Berliner Landesschulamts und weiterer Einrichtungen17 2. Gespräche18 mit Frau Müller-Heck (Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport, Abteilung Gesundheitsförderung in Schulen), Frau Petry-Stahlberg und Herrn Butler (Plan- und Leitstelle Gesundheit des Bezirks Mitte), sowie Herrn Sorg (Schulpsychologischer Dienst des Bezirks Mitte)

14

Das ENHPS arbeitete drei Dimensionen schulischer Gesundheitsförderung aus, nämlich: Ausgestaltung des Curriculums, Veränderungen schulischer Umwelt und Ethos und Beteiligung/Einbeziehen der Eltern/Familien und Gemeinde [nach: Lister-Sharp et al., 1999] Der Stern der gesundheitsfördernden Schule mit acht Dimensionen: curriculare, soziale, Fortbildung- und Weiterbildungs-, ökologische, kommunale, Organisations-, Akzeptanz- und Konzeptdimension [Paulus, 2000] z.B. der „School Health Index“ vom U.S. Centers for Disease Control and Prevention Berliner Institut für Lehrerfort- und -weiterbildung und Schulentwicklung (BIL), Landeskommission „Berlin gegen Gewalt“, Kultusministerkonferenz: Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder. Nicht strukturiert und in Form von Notizen teilweise dokumentiert.

15

16

17

18

34

3. Recherche „grauer“ Literatur [z.B. (Tagungs-)Berichte, Broschüren]19 3.3.2 Fragebogen: inhaltliche Aspekte Da die Erhebung überwiegend quantitativ vorgeht, erfolgt die Operationalisierung der Variablen in Form eines standardisierten Fragebogens. Es wurden sowohl Fragen mit vorgegebenen Antwortkategorien (Mehrfachnennungen und Mehrfachwahl) als auch halboffene Fragen (Antwortkategorie mit Ergänzungsmöglichkeit) sowie wenige offene Fragen verwendet. Dadurch werden Auswertungs- und durchführungsökonomische Vorteile erzielt. Zur Sicherung der Ausschöpfung aller Antwortmöglichkeiten wurden die relevanten Fragen mit offenen Antwortkategorien „andere(s), nämlich...“ ergänzt. Das kann die kognitive Einschränkung der „Respondenten" beim Antworten mit völlig geschlossenen Fragen vermindern. Eine „middle response“ Kategorie (z.B. teils/teils) wurde bei Ranking-Fragen angeboten. Die Antwortkategorie „keine“ wurde, wo passend, angeboten. „Weiß nicht“ wurde bei Tatsachen-Fragen nicht angeboten. Leerer Raum für Kommentare und Ergänzungen wurde am Ende des Fragebogens bereitgestellt. Der Aufbau des Fragebogens orientiert sich zum Teil an der Berliner Erhebung (2002) von Angeboten und Maßnahmen der GF und Prävention für Kinder und Jugendliche [Gesundheit Berlin, 2000]. Frage 28 wurde nach dieser Erhebung formuliert. Frage 6 und 7 wurden nach einem Leitfaden, der für das Österreichische Netzwerk „Gesundheitsfördernde Schulen“ entwickelt wurde, aufgebaut und weitgehend ergänzt [Dietscher et al., 2001]. Frage 18 wurde von einer Befragung des Berliner Arbeiterwohlfahrtsverbands übernommen [NN]. Frage 21 und 22 wurden nach einer Befragung des Landesgesundheitsamts Baden-Württemberg (1999) formuliert. Der Fragebogen beinhaltet 29 Fragen, die in drei Blöcke gegliedert sind. Der erste Block dient der Erfassung von Maßnahmen zur Erhaltung/Förderung der Gesundheit von LehrerInnen und SchülerInnen sowie von gesundheitsbezogenen Themenfeldern, die außerhalb des Unterrichts zusätzlich behandelt werden20. Erfragt wurden Maßnahmen zur Erhaltung und Förderung der körperlichen und der psychosozialen
19

z.B. Gesundheit Berlin e.V. (Hrsg) (1998) „Gesundheit und Schule“ Dokumentation der Fachtagung vom 20. Nov. 1997; Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport (Berlin): Rahmenpläne für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule; Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport (Berlin): 2. Sportbericht Berlin 1995-1998. um die für alle verbindlichen Lehrplaninhalte nicht mitzuerheben.

20

35

Gesundheit.

Dabei

wurden

Items

über

erkrankungsvermeidende

und

gesundheitsfördernde Strukturen, Regulierungen und Dienstleistungen erfragt. Der zweite Block erhebt strukturelle und prozessbezogene Merkmale schulischer Interventionen im Bereich GF (z.B. Schwerpunktbestimmung, Zielsetzung, Wahl der Wege und Methoden, Konzeptentwicklung, Konzeptevaluation, Finanzierungsniveau, Fortbildungsniveau der LehrerInnen, Unterstützung durch KooperationspartnerInnen). Der dritte Block beinhaltet Fragen zum sozialen Klima der Schule, Erfahrungen mit GF, Unterstützung der Eltern, Interesse der SchülerInnen und Öffnung der Schule für die Gemeinde. Die ökologische Dimension schulischer GF wird weitgehend durch Fragen zu gesundheitsfördernden Schulstrukturen erfasst (Frage 6 und 7). Bestimmte Variablen dieser Dimension können im Rahmen dieser Arbeit nicht erfasst werden, z.B. Schulgebäude, Schulweg. Trotz einer Vielzahl vorhandener Beobachtungsinstrumente, fehlt es an solchen, die spezifisch der Beobachtung der physischen Umwelt in Schulen gerecht werden [Nutbeam & Leger, 1997]. Ein deutsches Instrument zur Erhebung von Gefahrenstellen (Unfall) in Schulen wurde von Jäger et al. (1996) entwickelt und in 87 Schulen bundesweit angewendet.

3.3.3

Fragebogen: methodische und technische Aspekte

Die Länge des Fragebogens wurde so angelegt, dass er innerhalb von etwa 45 Minuten auszufüllen ist. Die Fragen wurden nach inhaltlichen Gesichtspunkten in drei Blöcke gegliedert. Die Fragen und Antworten wurden innerhalb jedes Blocks inhaltlich angeordnet. Der Effekt ihrer Reihenfolge wurde im Pretest erfragt. Da der Einsatz von Filtern bei postalischen Befragungen möglichst zu minimieren ist, wurde lediglich ein Filter zwischen dem ersten und zweiten Block des Fragebogens eingebaut [McColl et al., 2001]. Die besonders ausschlaggebenden Fragen wurden am Anfang des Fragebogens und nach dem (einzigen) Filter positioniert. Bei den Formulierungen und der Wortwahl wurde versucht, sich an die Leitlinien von Kalton (1971) und Oppenheim (1992) zu halten [nach: McColl et al., 2001]. Das Titelblatt nennt den Titel der Befragung und zeigt das Emblem der Plan- und Leitstelle sowie das Logo der Mitgliedschaft des Bezirks im Netzwerk „Gesunde Städte“. Die Rückseite bietet Raum für Kommentare der „Respondenten“. Der Dank für das Ausfüllen ist am Anfang und am Ende des Fragebogens zu finden. Gedruckt wurde der Fragebogen beidseitig im Mantelformat aus gefaltetem DIN A3 Papier, welches aus Gründen der Leserlichkeit

36

weiß war. Aus Kostengründen wurde auf einen farbigen Umschlag verzichtet. Überfüllte Seiten wurden vermieden und die Größe der Zwischenräume wurde mit der Seitenzahl abgestimmt. Als Antwortformat wurden Ankreuzkästchen verwendet. Es wurde Arial 12 als Schriftart bzw. -grad gewählt und nur bei Fragen fett gedruckt. Hinweise zum Ausfüllen wurden kursiv vermerkt. [McColl et al., 2001]

3.4

Datenerhebung und Datenerfassung

3.4.1 Begleitschreiben Das Begleitschreiben wurde an die SchulleiterInnen adressiert und mit persönlicher Anrede (Name des/der SchulleiterIn) versehen, was zur Erhöhung der Beteiligungsrate führen sollte [Edwards et al., 2002]. Das Schreiben beinhaltet den Grund und das Ziel der Befragung, eine Erläuterung schulischer GF, die Benennung der Verantwortlichen und KooperationspartnerInnen, die Zusicherung der Zustimmung der Schulaufsicht sowie des Schulsenates, den Verwendungszweck und die Zusicherung von anonymer Veröffentlichung der Daten, einen Antwortappell, das Rücksendeultimatum, die Erreichbarkeit der Ansprechpartnerin bei weiteren Fragen, den Dank für die Mitarbeit und die Unterzeichnungen der VerfasserInnen. Da das Begleitschreiben an die SchulleiterInnen adressiert war, stellte sich heraus, dass die Fragebögen überwiegend von der Schulleitung selbst -allein oder gemeinsam mit anderen LehrerInnenausgefüllt wurden. Das hat den Vorteil, dass die Einstellung gegenüber GF auf Schulleitungsebene ermittelt wurde. Name und Funktion der ausfüllenden Person(en) wurden am Ende des Fragebogens erfragt. Die Form der postalischen Befragung bot ihnen, im Gegensatz zu Interviews, die Chance, sich zu informieren und zu konsultieren, was aus inhaltlichen Gründen bei dieser Befragung erforderlich war [McColl et al., 2001].

3.4.2 Datenschutz Die Befragung wurde von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport genehmigt und unterstützt. Die bezirkliche Schulaufsicht wurde darüber unterrichtet. Die Teilnahme an der Befragung war freiwillig. Da es sich um schulbezogene statt um individuumsbezogene Daten handelt, findet die Anonymisierung der Daten in der

37

Publikationsphase statt. Die Daten werden für die im Genehmigungsantrag genannten Zwecke verwendet, vertraulich behandelt und in anonymisierter Form veröffentlicht.

3.4.3 Voruntersuchung (Pretest) Da es sich um ein neu entwickeltes Erhebungsinstrument handelt, erschien eine Voruntersuchung sinnvoll. Da die Exploration des Feldes schulischer GF bereits bei der Entwicklung des Fragebogens erfolgte, sollte die Voruntersuchung der Frage nach der Verständlichkeit des Fragebogens sowie der Akzeptanz durch die UntersuchungsteilnehmerInnen nachgehen. Zu diesem Zweck wurde der Fragebogen bei drei LehrerInnen erprobt21. Die Funktionstüchtigkeit des Fragebogens (Dauer des Ausfüllens, Hinweise zum Ausfüllen, Formulierung der Fragen und der Antworten sowie visuelle Gestaltung, generelles Interesse und Aufwand) wurde anhand offener Fragen ermittelt und von den drei ProbandInnen überwiegend positiv bewertet. Lediglich kleine Änderungen der Items wurden nach der Auswertung des Pretests unternommen [s. Anhang].

3.4.4 Maßnahmen zur Erhöhung der Rücklaufquote Es wurde Folgendes bei der Befragung hervorgehoben: die Planungsrelevanz der Erhebungsergebnisse, die Ankündigung der geplanten Veröffentlichung der Ergebnisse und die Ankündigung einer geplanten Konferenz zur „Gesundheitsförderung in den Schulen des Bezirks Mitte“. Alle oben genannten inhaltlichen, methodischen, und technischen As pekte zur Erstellung des Fragebogens könnten ebenfalls zur Erhöhung der Rücklaufquote beigetragen haben [McColl et al., 2001]. Da der größte Nachteil postalischer Befragungen ihre typischerweise niedrige Rücklaufquote ist, wurden ebenfalls Nachfassaktionen sorgfältig geplant und konsequent durchgeführt. Die Rücklaufquote hat sich von 60,26% bei der ersten Welle der Befragung auf 91,03% nach der Nachfassaktion erhöht.

21

Befragt wurden ein Schulleiter aus Dortmund, eine zur Zeit in Berlin-Mitte tätige Oberschullehrerin und eine Hauptschullehrerin im Referendariat aus Mannheim.

38

3.4.5 Feldarbeit Das Verzeichnis der Schulen in Berlin-Mitte vom November 2002 wurde verwendet, um einen Adressverwalter in Excel zu erstellen. Die Vollständigkeit und Aktualität des Adressverwalters wurde am Tag vor dem Verschicken der Fragebögen überprüft. 200 Fragebögen wurden gedruckt, um bei Verlust Ersatzkopien an Schulen senden zu können. Die bezirkliche Fachpost (= Hauspost des Bezirks Mitte) wurde als Zu- und Rücksendungsweg für staatliche Schulen (n= 73) gewählt. Fragebögen für Schulen privater Träger (n= 8) wurden auf herkömmlichem Postwege verschickt. Aus Kostengründen wurden frankierte Rückumschläge für diese Schulen nicht beigelegt.

3.4.6 Datenkodierung und Datenerfassung Es wurde eine Zuweisung von Codes unternommen und ein Kodierplan erstellt [s. Anhang]. Da der Fragebogen z.T. aus Items mit Mehrfachnennungen besteht, wurde für jede Nennung eine dichotome Variable (Ja/Nein) definiert. Nach der Sichtung der ausgefüllten Fragebögen wurde keiner ausgeschlossen. Die Dateneingabe erfolgte in einer Datenmatrix im Statistical Package for the Social Sciences (SPSS), Version 11.0.

3.5

Beschreibung der Variablen und Bildung von Summenscores

Im Folgenden werden die bei der Auswertung zu berücksichtigenden Variablen beschrieben. Dabei wird die Methodik zur Bildung von Summenscores und von Profilen dargestellt.

3.5.1 Schulmerkmale Folgende Schulcharakteristika wurden erhoben und bei der Auswertung berücksichtigt:
-

Bezirksteil, in dem die Schule liegt (Wedding, Tiergarten, Mitte „alt“) Schulstufe (Grund- oder weiterführende Schule) Schultyp (Grundschule, Gymnasium, andere weiterführende Schule)22

22

3 Schulen (4%), die als Grund- und Sonderschulen gelten, werden bei den bi- und multivariaten Auswertungen als nicht-gymnasiale weiterführende Schulen behandelt. Eine Schule (1,4%), die Realschulangebote und gymnasiale Abschlüsse aufweist, wird bei den biund multivariaten Auswertungen als ein Gymnasium behandelt. Diese Entscheidung wurde nach Absprache mit der Plan- und Leitstelle Gesundheit des Bezirks getroffen.

39

-

Mädchenanteil in der Schule (%) Anteil von Nicht-Deutsch-Muttersprachlichen (%) Betreuungsumfang der Schule (Ganztagsschulen, Verlässliche Schulen, Halbtagsschulen).

3.5.2

Soziale und gesundheitliche Lage der Schülerschaft

Um der Frage nachzugehen, ob die soziale und gesundheitliche Lage der Schülerschaft für das Aktivitätsniveau und das Ausmaß fehlenden Bedarfs der Schule im Bereich der GF eine Rolle spielen, werden zwei Variablen aus den auf Schulebene aggregierten Daten der Einschulungsuntersuchungen (2001/02)
23

sowie Anteil

der der

Schulentlassungsuntersuchungen

einbezogen,

nämlich:

SchülerInnen aus der Unterschicht und Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen. Es wird angenommen, dass die soziale und gesundheitliche Lage der ErstklässlerInnen (SchulanfängerInnen) und der ZehntklässlerInnen (SchulabgängerInnen) im Schuljahr 2001/02 sich nicht entscheidend von denen der SchülerInnen anderer Klassen in den Schulen des Bezirks Berlin-Mitte unterscheidet. Die auf Schulebene kumulierten Daten der Einschulungsuntersuchungen 1999/2000, 2000/01 und 2001/02 sowie die aggregierten Ergebnisse der Schulentlassungsuntersuchungen 2000/0124 und 2001/02 unterstützen diese Annahme. Demnach ist eine signifikante sehr starke Korrelation zwischen dem Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht in der Kohorte von 2001/02 und denen in den kumulierten Kohorten der obengenannten Jahre in den Schulen des Bezirks festzustellen (Spearman’scher Koeffizient = .97, p-Wert = 0,000). Analog besteht ein signifikant starker Zusammenhang zwischen dem Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen in der Kohorte von 2001/02 und in den kumulierten Kohorten der obengenannten Jahre (Spearman’scher Koeffizient = .85, p-Wert = 0,000). Daher ist davon auszugehen, dass zum Zeitpunkt der Befragung zu Maßnahmen schulischer GF in Berlin-Mitte dieser Anteil in den Schulen als durchschnittlicher Wert galt. Die Schuleingangsuntersuchungen des Jahres 2001/02 liefern Daten über 3017 SchulanfängerInnen und die Schulabgangsuntersuchungen desselben Jahres über
23

Die Daten der Schuleingangs- und -abgangsuntersuchungen wurden von der Plan- und Leitstelle des Bezirks aufbereitet zur Verfügung gestellt. Im Jahr 2001 wurden die Schulentlassungsuntersuchungen in den Bezirksteilen Tiergarten und Mitte „alt“ dokumentiert. Die Untersuchungen der SchulabgängerInnen des Bezirksteils Wedding wurden erst 2002 ausgewertet.

24

40

1945

SchulabgängerInnen.

Abgesehen

davon,

dass

ein

kleiner

Anteil

der

SchulanfängerInnen nicht im Rahmen der ESU untersucht wurde und dass weitere 172 SchulabgängerInnen nicht untersucht wurden, ist für den Bezirk Mitte eine Beteiligungsrate von etwa 100% bei den Einzuschulenden und von ca. 92% bei den zu Entlassenden zu verzeichnen [Butler, 2001, 2003]. Es ist allerdings zu erwähnen, dass bei 10 Schulen der Anteil normalgewichtiger SchülerInnen und der Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht nicht ermittelt werden konnte25. Sowohl im Bezirk Mitte als auch im Land Berlin wird zur Ermittlung der sozialen Schicht der SchulanfängerInnen und -abgängerInnen die Schulbildung und Erwerbstätigkeit ihrer Eltern nach dem brandenburgischen Punktesystem gewichtet. Dieses System vergibt zwei Punkte für jeden erwerbstätigen Elternteil, ungeachtet des Umfangs der Tätigkeit (Teilzeit/ Vollzeit) und einen Punkt für Nichterwerbstätige. Drei Punkte bekommt jeder Elternteil, der eine (Fach-)Hochschulreife oder einen (Fach-) Hochschulabschluss angibt. Zwei Punkte gehen an AbsolventInnen der mittleren Reife, bzw. 10. Klasse, und ein Punkt an ein Elternteil mit oder ohne Hauptschulabschluss. Wenn mindestens die Angaben eines Elternteils über beide Parameter (Erwerbstätigkeit und Schulbildung) vorlagen, wurde die soziale Schicht berechnet. Beim Fehlen der Angaben eines Elternteils, z.B. bei Ein-Eltern-Familien, wurde die des anderen dubliert. Eine Plausibilitätsprüfung durch den Vergleich dieses Punktesystems mit der kleinräumigen Sozialhilfedichte fällt positiv aus [Butler, 2001, 2003]. Für einen vertiefenden Einblick in die Vorteile und Grenzen dieses Punktesystems ist auf Delekat und Kis (2001) zu verweisen. Allerdings ist zu erwähnen, dass, obwohl diese Angaben von den Eltern freiwillig zu beantworten sind, in Berlin-Mitte (2001/02) für ca. 80% der Familien von SchulanfängerInnen und für ca. 65% der Familien von SchulabgängerInnen die soziale Schicht bestimmt werden konnte [Butler, 2001, 2003]. Zur Ermittlung des Anteils der normalgewichtigen SchülerInnen wurde sowohl im Bezirk Mitte als auch im Land Berlin der sogenannte Body Mass Index [=Körpergewicht in kg dividiert durch (Körpergröße in m)2 ] angesetzt. Zur Bestimmung von „normalgewichtig“, „mäßig übergewichtig“ und „adipös“ werden die Empfehlungen der European Childhood Obesity Group (ECOG) umgesetzt. Dementsprechend liefert
25

Wegen der Erkrankung eines Schularztes wurden in drei Gymnasien diese Untersuchungen nicht durchgeführt. Die SchülerInnen einer Sonderschule (Grundschule) wurden vorher in anderen Schulen eingeschult und untersucht, die von einer weiteren Sonderschule (Oberschule) gehen im Anschluss zu anderen Fachschulen mit besonderem Förderprogramm und nehmen nicht teil an den Schulentlassungsuntersuchungen. Zwei Berufsschulen gelten als Fachschulen für Jugendliche ab der 11. Klasse. Eine Schule, die in einem Krankenhaus angesiedelt ist, hat keine feste Schülerschaft. Aufgrund fehlender Dokumentation konnten für zwei Schulen keine Angaben ermittelt werden.

41

Roland-Cachera (1991) Referenzwerte bezüglich des Kindsalters (in halbjährigen Abständen) und des Geschlechts [Delekat & Kis, 2001]. Es ist erwähnenswert, dass Körpergewicht und Körpergröße im Rahmen der schulärztlichen Untersuchungen objektiv und standardisiert erhoben werden [Butler, 2001, 2003].

3.5.3 Summenscores zur schulischen Gesundheitsförderung Unter Ausschluss der Antwortmöglichkeit „Sonstiges“, beinhaltet der Fragebogen 17 Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von LehrerInnen und 19 zur Förderung der Gesundheit von SchülerInnen. Für jede Maßnahme besteht die Möglichkeit, eine von 3 Antworten anzukreuzen (haben wir bereits, haben wir Interesse daran, benötigen wir nicht). Unter der Annahme, dass diese Maßnahmen vergleichbare Wichtigkeit für die Gesundheit (körperliche und psychosoziale Gesundheit) aufweisen, werden folgende Summenscores für jede Schule gebildet: Summenscores zur Abbildung des Aktivitätsniveaus der Schule im Bereich der GF insgesamt: LehrerInnenGesundheitsIndex (LGI) ist ein Summenscore für die bereits existierenden Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von LehrerInnen. SchülerInnenGesundheitsIndex (SGI) ist ein Summenscore für die bereits

existierenden Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von SchülerInnen.

Summenscores zur Abbildung des Bedarfsausmaßes der Schule im Bereich der GF insgesamt: LehrerInnenBedarfsIndex (LBI) ist ein Summenscore für die Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von LehrerInnen, die das Interesse der Schule geweckt haben. SchülerInnenBedarfsIndex (SBI) ist ein Summenscore für die Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von SchülerInnen, die das Interesse der Schule geweckt haben.

42

Summenscores zur Abbildung des Ausmaßes des fehlenden Bedarfs der Schule im Bereich der GF insgesamt: LehrerInnenfehlenderBedarfsIndex (LfBI) ist ein Summenscore für die Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von LehrerInnen, die von der Schule als unnötig bezeichnet werden. SchülerInnenfehlenderBedarfsIndex (SfBI) ist ein Summenscore für die Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von SchülerInnen, die von der Schule als unnötig bezeichnet werden. Unter Ausschluss der Maßnahme „Rauchfreies Schulgelände“ werden nach Gesundheitsthemen26 weitere Subsummenscores berechnet.

Summenscores zur Abbildung des Aktivitätsniveaus der Schule in Subbereichen der GF für SchülerInnen : SchülerInnenGesundheitsIndex in den Bereichen Ernährung und Bewegung (SGI-E+B) ist ein Summenscore für die bereits existierenden Maßnahmen zur Förderung gesunder Ernährung und Bewegung bei SchülerInnen. SchülerInnenGesundheitsIndex im Bereich psychosozialer Gesundheit (SGI-Psy) ist ein Summenscore für die bereits existierenden Maßnahmen zur Förderung psychosozialer Gesundheit bei SchülerInnen. Summenscores zur Abbildung des Bedarfsausmaßes der Schule in

Subbereichen der GF für SchülerInnen: SchüIerInnenBedarfsIndex in den Bereichen Ernährung und Bewegung (SBI-E+B) ist ein Summenscore für die Maßnahmen zur Förderung gesunder Ernährung und Bewegung bei SchülerInnen, die das Interesse der Schule geweckt haben.

26

Jeweils 5 Maßnahmen zur Förderung von Bewegung und gesunder Ernährung bei SchülerInnen wurden erfragt. Weiterhin erhoben sind 8 Maßnahmen, die die psychosoziale Gesundheit der SchülerInnen fördern sollen.

43

SchüIerInnenBedarfsIndex im Bereich psychosozialer Gesundheit (SBI-Psy) ist ein Summenscore für die Maßnahmen zur Förderung psychosozialer Gesundheit bei SchülerInnen, die das Interesse der Schule geweckt haben. Summenscores zur Abbildung des Ausmaßes des fehlenden Bedarfs der Schule in Subbereichen der GF für SchülerInnen: SchülerInnenfehlenderBedarfsIndex im Bereich Ernährung und Bewegung (SfBI-E+B) ist ein Summenscore für die Maßnahmen zur Förderung gesunder Ernährung und Bewegung bei SchülerInnen, die von der Schule als unnötig bezeichnet werden. SchülerInnenfehlenderBedarfsIndex im Bereich psychosozialer Gesundheit (SfBI-Psy) ist ein Summenscore für die Maßnahmen zur Förderung psychosozialer Gesundheit bei SchülerInnen, die von der Schule als unnötig bezeichnet werden.

3.5.4

Berechnung eines SchulStrukturenProfils

Die Schulen variieren bezüglich der verfolgten Ziele, der unterstützenden finanziellen und personellen Ressourcen sowie der Umsetzungsmodule im Bereich GF. Ein SchulStrukturenProfil (SSP) ist ein Summenscore, der nach der Annahme gebildet wurde, dass die abgefragten Strukturen und Umsetzungsprozesse in einer Schule einen vergleichbaren Effekt auf das gegenwärtige Aktivitätsniveau und das zukünftige Bedarfsausmaß im Bereich GF haben. Die unten aufgelisteten zehn Variablen, die struktur- und prozessbezogene Merkmale der Schule abbilden sollen, wurden dichotomisiert (0= ungünstig, 1= günstig) und summiert27. Die Antwort „ja“ bei den Variablen 1 bis 3 ist als günstig zu betrachten. Die Variablen 4 bis 10 wurden nach dem Median dichotomisiert [i.e. günstig (über dem Median = 1); ungünstig (unter dem Median = 0)]. 1. Angaben über Ziele (ja/nein) 2. Angaben über Wege zur Zielerreichung (ja/nein) 3. Vorliegen eines schriftlich dokumentierten Konzepts (ja/nein) 4. Zahl der verwendeten didaktischen Methoden 5. Personalkapazität LehrerInnenzahl)
27

der

Schule

(SchülerInnenzahl

dividiert

durch

Das SSP einer Schule kann einen Wert zwischen 0 und 10 aufweisen

44

6. Zahl der SchulpartnerInnen bei der GF 7. Zahl der Finanzierungsquellen 8. Auswirkung des Finanzierungsniveaus auf Aktivitäten der GF 9. Fortbildungsniveau der LehrerInnen im Bereich GF 10. Zahl der Zuständigen für die schulische GF Ein SSP ist als tendenziell günstig zu bezeichnen, wenn von einer Schule Folgendes berichtet wird: didaktischen eine Festlegung der Ziele und Wege ihrer Erreichung, das Methoden und bei unterstützenden SchulpartnerInnen sowie Vorhandensein eines Konzepts, eine überdurchschnittliche Zahl28 bei verwendeten Finanzierungsquellen, eine überdurchschnittliche Personalkapazität (SchülerInnenzahl dividiert durch LehrerInnenzahl), ein als ausreichend eingeschätztes Niveau der finanziellen Mittel und der Lehrerfortbildung, sowie eine überdurchschnittliche Zahl bei für die GF in der Schule Zuständigen.

3.5.5

Berechnung eines SchulErfahrungenProfils

Es wurde ein Profil gebildet, das die bisherigen Erfahrungen der Schule mit der GF in verschiedenen Dimensionen reflektiert. Ein SchulErfahrungenProfil (SEP) ist ein Summenscore, der basierend auf der Annahme gebildet wurde, dass die abgefragten Dimensionen bisheriger Erfahrungen der Schule einen vergleichbaren Effekt auf das gegenwärtige Aktivitätsniveau und das zukünftige Bedarfsausmaß im Bereich GF verzeichnen. Die unten aufgelisteten sechs Dimensionen, die die bisherigen Erfahrungen der Schule im Bereich GF abbilden sollen, wurden nach dem Median dichotomisiert [i.e. günstig (über dem Median = 1), ungünstig (unter dem Median = 0)] und summiert29. 1. Beurteilung des sozialen Klimas in der Schule 2. Beurteilung der bisherigen Erfahrungen im Bereich GF 3. Beurteilung der Zusammenarbeit der Eltern im Bereich GF 4. Beurteilung des Interesses der SchülerInnen an GF 5. Bereitstellung (Ja/ Nein) und Inanspruchnahme der Schulräume durch die Gemeinde 6. Teilnahmebereitschaft an einer Konferenz der Schulen zu GF

28 29

über dem Median aller Schulen Das SEP einer Schule kann einen Wert zwischen 0 und 6 aufweisen

45

Ein SchulErfahrungenProfil (SEP) ist als tendenziell günstig zu bezeichnen, wenn von einer Schule Folgendes berichtet wird: ein eher angenehmes Schulklima, Unterstützung dieser Schule durch die Eltern, großes Interesse ihrer SchülerInnen im Bereich GF, Öffnung der Schule für die Gemeinde und ihre Teilnahmebereitschaft an einer Konferenz der Schulen zu GF. Es ist erwähnenswert, dass die Quote verweigerter Antworten bei diesen Variablen niedrig ist [0,0 % bis 7,0% (n = 0 bis 5)].

3.6

Datenauswertung

3.6.1 Deskriptive Auswertung Für die Datenauswertung wird SPSS, Version 11.0 verwendet. Die in Abschnitt 4.5 ausgeführten Variablen und Summenscores werden anhand von Häufigkeiten, Median und Interquartilbereichen beschrieben und zum großen Teil graphisch dargestellt. Der Zusammenfassung und der Anschaulichkeit dienend, kommen Kreisdiagramme, Häufigkeitstabellen und Box-Whiskers-Plots zur Anwendung.

3.6.2

Bivariate Auswertung

Zusammenhänge zwischen den Summenscores zur schulischen GF und bestimmten Parametern (z.B. Schulmerkmale, Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht, Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen, SchulStrukturenProfil, SchulErfahrungenProfil) werden anhand des nicht-parametrischen Korrelationsverfahrens nach Spearman untersucht. Der Rangkorrelationskoeffizient nach Spearman eignet sich zur Ermittlung von Zusammenhängen, wenn mindestens eine der beiden Variablen nicht-normalverteilt oder nicht-intervallskaliert ist. Der Kolmogorov-Smirnov-Test zeigt, dass die Summenscores zur schulischen GF von der Normalverteilung signifikant abweichen. Da SPSS keinen Korrelationskoeffizienten berechnen kann, wenn eine der beiden Variablen dichotom ist (Schulstufe), wird eine punktbiseriale Korrelation manuell nach der folgenden Formel berechnet [Bortz, 1993]:

46

Rpb = Y1 – Y0 SY Dabei gilt:

.

n0 . n1 n2

Rpb = punktbiserialer Korrelationskoeffizient, Y0, Y1 = durchschnittliche Ausprägung des kontinuierlichen Merkmals Y bei den Untersuchungseinheiten in den Kategorien X0 und X1 n = n0 +n1 = Gesamtstichprobenumfang SY = Streuung der kontinuierlichen Y-Variablen. Zur Testung der punktbiserialen Korrelation, gegen die Nullhypothese: R = 0, wird pb folgende Formel angesetzt:

Rpb t= (1- R2pb) / (n – 2)

Allerdings kann die Rangkorrelation, die durch SPSS ermittelbar ist, die Berechnung einer punktbiserialen Korrelation ersetzen. Die Interpretation der Stärke des ermittelten Spearman’schen Koeffizienten folgt der folgenden Abstufung: bis .5 => geringe Korrelation, bis .7 => mittlere Korrelation, größer als .7 hohe Korrelation. Wenn der p -Wert = 0,05 ist, gilt die Korrelation als signifikant und wenn er = 0,01 ist, gilt sie als hoch signifikant.

3.6.3

Multivariate Auswertung

Mittels der linearen Regression wird der Frage nachgegangen, welche Variablen einen Einfluss ausüben auf das Aktivitätsniveau der Schulen im Bereich der GF für SchülerInnen insgesamt und in den Subbereichen: Ernährung und Bewegung sowie psychosoziale Gesundheit. Hierbei werden als Zielgrößen folgende Variablen definiert: SGI, SGI-E+B und SGI-Psy.

47

Weitere Regressionsmodelle werden berechnet, um nach Faktoren zu suchen, die die Unterschiede Subbereichen: zwischen Ernährung den Schulen bezüglich sowie ihrer berichteten fehlenden Gesundheit Bedarfsausmaße im Bereich der GF für SchülerInnen insgesamt und in den und Bewegung psychosoziale beeinflussen. Hierbei werden als Zielgrößen folgende Variablen definiert: SfBI, SfBIE+B und SfBI-Psy. Folgende Variablen werden als (potenzielle) Einflussvariablen in das

Regressionsverfahren einbezogen:
-

Bezirksteil Schulstufe30 Betreuungsumfang der Schule Mädchenanteil in der Schule Anteil von Nicht-Deutsch-Muttersprachlichen Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen SchulStrukturenProfil Soziales Klima in der Schule Bisherige Erfahrungen im Bereich GF Zusammenarbeit der Eltern im Bereich GF Interesse der SchülerInnen an GF Bereitstellung der Schulräume für und ihre Inanspruchnahme durch die Gemeinde Teilnahmebereitschaft an einer Konferenz der Schulen zu GF

-

Als statistisch signifikant gelten p-Werte von = 0,05. Bei der linearen Regression wird die gängigste Methode verwendet: die schrittweise Methode. Da diese Methode lediglich Regressionskoeffizienten für signifikante Prädiktorvariablen liefert, gelten die Variablen ohne Angaben als nicht signifikant. Dargestellt werden die (nichtstandardisierten) Regressionskoeffizienten, deren Standardfehler und 95%Konfidenzintervalle sowie die p-Werte.

30

Da die Variablen Schultyp und Schulstufe stark korrelieren, wird zur Vermeidung der Kollinearität lediglich „Schulstufe“ in die Regressionsmodelle einbezogen. Allerdings werden sehr ähnliche Ergebnisse erzielt, wenn die Variable „Schultyp“ bei der Regression einbezogen wird.

48

3.7 Validität der Daten 3.7.1 Interne Validität Die Erstellung des Fragebogens erfolgte weitgehend auf der Basis zahlreicher lokaler regionaler und internationaler Forschungsergebnisse im Bereich schulischer GF. Er ist theoriegeleitet. Der durchgeführte Pretest hat gute Ergebnisse erzielt. Die „Best Practice“ zum Aufbauen und Einsetzen von Fragebögen wurde weitgehend eingehalten [McColl et al., 2001]. Fragebögen zum Selbstausfüllen vermeiden den potenziellen „Interviewer Bias“. Allerdings scheint es notwendig, die interne Validität und Reliabilität des Fragebogens durch weitere Untersuchungen zu testen. Bei der weiteren Entwicklung des Fragebogens sollen die durch diese Untersuchung ermittelten Stärken und Schwächen des Fragebogens mitberücksichtigt werden.

3.7.2

Externe Validität

Die Ergebnisse dieser Untersuchung beziehen sich lediglich auf die Schulen des Bezirks Berlin-Mitte im Zeitraum Januar- März 2003. Da eine hohe Rücklaufquote erzielt wurde (91%), kann diese Untersuchung als Vollerhebung betrachtet werden. Die Extrapolation der Ergebnisse auf die ganze Grundgesamtheit gilt als zulässig.

49

4

Methodik zu Fall-Kontroll-Studien

Die auf Schulebene aggregierten Daten der Schuleingangsuntersuchungen sowie der Schulentlassungsuntersuchungen (2002) und die erhobenen Daten zur schulischen GF (2003) bieten die Möglichkeit zur Exploration der Zusammenhänge zwischen sozialen und gesundheitlichen Morbiditäten bei SchülerInnen (Expositionen) auf der einen Seite und den Bewältigungsressourcen der Schulen (Reaktionen) auf der anderen Seite. Die zwei Erhebungszeitpunkte erlauben die Durchführung von retrospektiven Fall-KontrollStudien. Ausgewählte Summenscores zur schulischen GF werden als Zielgrößen hierfür definiert, nämlich: SGI und SfBI. Die Methodik für zwei Fall-Kontroll-Studien wird im Folgenden dargestellt.

4.1

Das Aktivitätsniveau der Schulen im Bereich der Gesundheitsförderung für SchülerInnen

Ziel dieser Studie ist folgenden Fragen nachzugehen: Unterscheiden sich Schulen, die über ein relativ hohes Aktivitätsniveau im Bereich der GF für SchülerInnen berichteten (=Fälle), von denen, die ein relativ niedriges Niveau dabei angaben (=Kontrollen), bezüglich des Anteils der SchülerInnen aus der Unterschicht und des Anteils normalgewichtiger SchülerInnen?
-

-

Beeinflusst

die

soziale

und

gesundheitliche

Lage

der

Schülerschaft

(Expositionen) das Aktivitätsniveau der Schule im Bereich der GF für SchülerInnen (Reaktionen) oder spielen andere Parameter dabei eine Rolle? Hierbei wird der SchülerInnenGesundheitsIndex (SGI) als Zielgröße bestimmt. Als Fälle werden die Schulen definiert, die einen SGI von ≥ 12 vorweisen. Da die Kontrollen bezüglich der Exposition für die Grundgesamtheit repräsentativ sein sollten, wurden als Kontrollen die Schulen eingeschlossen, die: 1. einen SGI von < 12 angaben, und 2. einen Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht aufweisen, der den Interquartilbereich der Grundgesamtheit weder über- noch unterschreitet, und 3. einen Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen aufweisen, der den Interquartilbereich der Grundgesamtheit weder über- noch unterschreitet.

50

Damit wurden 12 Schulen als Fälle und 16 Schulen als Kontrollen eingeschlossen. Nach der Auswahl der Fälle und Kontrollen wurden der Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht sowie der Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen jeweils nach den Quantilen (hoch, mäßig, niedrig) in drei Kategorien geteilt. Um festzustellen, ob es Unterschiede zwischen diesen Kategorien bezüglich des SGI gibt, wurde der KruskalWallis-Test (nicht-parametrisch) verwendet. Bei der linearen Regression werden folgende Prädiktorvariablen anhand der schrittweisen Methode einbezogen:
-

Schulstufe Betreuungsumfang der Schule Mädchenanteil in der Schule Anteil der Nicht-Deutsch-Muttersprachlichen Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen SchulStrukturenProfil Soziales Klima in der Schule Bisherige Erfahrungen im Bereich GF Zusammenarbeit der Eltern im Bereich GF Interesse der SchülerInnen an GF Bereitstellung der Schulräume für und ihre Inanspruchnahme durch die Gemeinde Teilnahmebereitschaft an einer Konferenz der Schulen zu GF

-

Als statistisch signifikant gelten p-Werte von = 0,05.

4.2

Das Ausmaß des fehlenden Bedarfs an Gesundheitsförderung für SchülerInnen

Ziel dieser Studie ist folgenden Fragen nachzugehen:
-

Unterscheiden sich Schulen, die über ein relativ hohes Ausmaß des fehlenden Bedarfs im Bereich der GF für SchülerInnen berichteten (=Fälle), von denen, die ein relativ niedriges Ausmaß dabei angaben (=Kontrollen) bezüglich des Anteils der SchülerInnen aus der Unterschicht und des Anteils normalgewichtiger SchülerInnen?

51

-

Beeinflusst

die

soziale

und

gesundheitliche

Lage

der

Schülerschaft

(Expositionen) das Ausmaß des fehlenden Bedarfs im Bereich der GF für SchülerInnen (Reaktionen) oder spielen andere Parameter dabei eine Rolle? Hierbei wurde der SchülerInnenfehlenderBedarfsIndex (SfBI) als Zielgröße bestimmt. Als Fälle wurden die Schulen definiert, die über ein SfBI von ≥ 6 berichteten. Da die Kontrollen bezüglich der Exposition für die Grundgesamtheit repräsentativ sein sollten, wurden als Kontrollen die Schulen eingeschlossen, die: 1. einen SfBI von < 6 angaben, und 2. einen Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht aufwiesen, der den Interquartilbereich der Grundgesamtheit weder über- noch unterschreitet, und 3. einen Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen aufwiesen, der den Interquartilbereich der Grundgesamtheit weder über- noch unterschreitet. Damit wurden jeweils 16 Schulen als Fälle und Kontrollen eingeschlossen. Analog wurden der Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht sowie der Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen jeweils nach den Quantilen in drei Kategorien geteilt. Mit dem Kruskal-Wallis-Test wurde geprüft, ob Unterschiede zwischen diesen Kategorien bezüglich des SfBI bestehen. Bei der linearen Regression werden dieselben Prädiktorvariablen wie bei der ersten Fall-Kontroll-Studie und dieselbe Methode einbezogen bzw. angewendet. statistisch signifikant gelten auch hier p-Werte von = 0,05. Als

52

5

Ergebnisse der Querschnittstudie

Im Folgenden wird die Verteilung der Variablen, die anhand des „Fragebogen zur Erhebung von Maßnahmen und Aktivitäten der GF in den Schulen des Bezirks BerlinMitte“ ermittelt wurden, deskriptiv dargestellt. Dabei werden die erhobenen Schultyp, Schulmerkmale beschrieben (Schulträger, Bezirksteil, Schulstufe,

Betreuungsumfang, Mädchenanteil, Anteil der Nicht-Deutsch-Muttersprachlichen). Weiterhin werden die Summenscores der Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von LehrerInnen und SchülerInnen sowie die häufigsten Einzelmaßnahmen geschildert. Im Anschluss werden die von den Schulen am häufigsten angegebenen strukturellen Rahmenbedingungen und Durchführungsabläufe sowie das errechnete SchulStrukturenProfil (SSP) aufgezeigt. Schließlich werden die bisherigen Erfahrungen der Schulen mit der GF in den einzelnen Dimensionen und mit Hilfe des errechneten SchulErfahrungenProfils (SEP) reflektiert. Ergänzend werden zwei Variablen aus den auf Schulebene aggregierten Ergebnissen der Schuleingangsder Anteil und der Schulabgangsuntersuchungen 2001/02 beschrieben, nämlich

SchülerInnen aus der Unterschicht und der Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen.

5.1

Schulmerkmale

5.1.1

Schulträger und Bezirksteil

Von allen an der Befragung zu Angeboten und Maßnahmen der schulischen GF beteiligten Schulen (N=71) im Bezirk Berlin-Mitte (2003) liegt fast die Hälfte der Schulen im Bezirksteil Wedding (49,3%, n=35) und ca. ein Viertel jeweils in den Bezirksteilen Tiergarten (26,8%, n=19) und Mitte „alt“ (23,9%, n=17) [s. Abb. 2]. Die meisten dieser Schulen sind staatlich (93%, n=66). Lediglich fünf dieser Schulen haben private Träger (7%).

53

23,9% 49,3% Wedding Tiergarten Mitte (alt) 26,8%

Abb. 2

Schulverteilung nach Bezirksteil

5.1.2

Schulstufe und Schultyp

Fast hälftig verteilen sich die beteiligten Schulen hinsichtlich der Schulstufe (d.h. Grundschulen, weiterführende Schulen). Der Anteil der Grundschulen beträgt 49,3% (n=35). Weitere 33,8% der teilnehmenden Schulen sind Haupt-, Real-, Gesamt-, Sonder- und Berufsschulen (n=24), von denen im selben Schulkomplex 2 Schulen (2,8%) Haupt- und Realschulangebote und 3 Schulen (4,2%) ein sonderpädagogisches Angebot für GrundschülerInnen aufweisen. Die 12 Gymnasien (16,9%), die sich an der Befragung beteiligt haben, verteilen sich auf die drei Bezirksteile folgendermaßen: 5 Gymnasien in Mitte „alt“, 4 in Tiergarten und 3 in Wedding, wobei eine dieser Schulen sowohl ein Realschulangebot als auch gymnasiale Abschlüsse bereitstellt. [s. Abb. 3].

16,9% 49,3% Grundschulen andere Oberschulen Gymnasien 33,8%

Abb. 3

Schulverteilung nach Schultyp

54

5.1.3

Betreuungsumfang

Hinsichtlich des Betreuungsumfangs berichten 46,5% der Schulen (n=33) von einem Schulbetrieb ohne zusätzliches Betreuungsangebot. Während lediglich 9 Schulen (12,7%) Ganztagsbetreuung anbieten, gaben 26 Halbtagsschulen zusätzliches Betreuungsangebot für eine begrenzte Zahl (36,6%) an, ein SchülerInnen ihrer

bereitzustellen (Verlässliche Schulen) [s. Abb. 4]. Drei weitere Schulen (4,2%) machten keine Angaben zu ihrem Betreuungsumfang.

12,7%

4,2% 46,5% Halbtagsschulen verlässliche Schulen Ganztagsschulen keine Angaben

36,6%

Abb. 4

Schulverteilung nach Betreuungsumfang

5.1.4

Mädchenanteil

Der Anteil von Mädchen und Jungen liegt, nach Angaben der Schulen, durchschnittlich jeweils bei 50%. Fast die Hälfte der Schulen gaben einen Mädchenanteil an, der zwischen 45% und 52% liegt, allerdings weist eine Berufsschule einen Mädchenanteil von 98% auf. Drei Schulen (4,2%) machten keine Angaben zur Geschlechterverteilung ihrer SchülerInnen.

5.1.5

Anteil der Nicht-Deutsch-Muttersprachlichen

Der berichtete Anteil von SchülerInnen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, variiert zwischen 2% und 90,5%, wobei die Hälfte der Schulen einen Anteil von Nicht-DeutschMuttersprachlichen zwischen 34% und 72% angaben. Geteilt in drei Kategorien,

55

weisen ca. 38% der Schulen (n=27) einen Anteil von Nicht-Deutsch-Muttersprachlichen von größer als 60% und nur 18,3% der Schulen (n=13) einen Anteil von weniger als 30% auf [s. Abb. 5].

4,3% 38,0%

18,3% kleiner als 30% 30% bis 60% größer als 60% keine Angaben 39,4%

Abb. 5

Schulverteilung nach Anteil von Nicht-Deutsch-Muttersprachlichen

5.1.6

Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht

Nach Angaben der Eltern leben im Bezirk Berlin-Mitte 2001/02 durchschnittlich 38,9% der SchülerInnen einer Schule in Familien, die der sozioökonomischen Unterschicht zuzuordnen sind. Danach besteht in der Hälfte der Schulen ein Anteil von 18,2% bis 60,9% sozial benachteiligter SchülerInnen. Geteilt in drei Kategorien, weisen ca. 28% der Schulen (n=20) einen Anteil von SchülerInnen aus der Unterschicht von über 50% und ca. 25% der Schulen (n=12) einen Anteil von weniger als 25% auf [s. Abb. 6].

16,9%

25,4% kleiner als 25% 25% bis 50% größer als 50%

28,2% 29,6%

keine Angaben

Abb. 6

Schulverteilung nach Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht

56

5.1.7

Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen

Gemäß den Ergebnissen der Schuluntersuchungen 2001/02, können im Durchschnitt 73,7% der SchülerInnen einer Schule in Berlin-Mitte als normalgewichtig eingestuft werden. Die Hälfte der Schulen zeigten demnach einen Anteil von normalgewichtigen SchülerInnen, der zwischen 67,8% und 80,3% liegt. Geteilt in drei Kategorien, weisen 21,1% der Schulen (n=15) einen Anteil von normalgewichtigen SchülerInnen von mehr als 80% und 29,6 % (n=21) der Schulen einen Anteil von weniger als 70% auf [s. Abb. 7].

14,1% 21,1%

29,6%

kleiner als 70% 70% bis 80% größer als 80% keine Angaben

35,2%

Abb. 7

Schulverteilung nach Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen

5.2

Maßnahmen der schulischen Gesundheitsförderung

5.2.1

Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von LehrerInnen

Die Häufigkeiten aller erhobenen Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von LehrerInnen sind im Anhang zu finden. Unter Berücksichtigung der Prozente verweigerter Angaben sind die häufigsten bereits existierenden, Interesse weckenden und als unnötig bezeichneten Maßnahmen für LehrerInnen in Tab. 3 zu finden. Dabei geben ca. 88% der Schulen (n=63) an, Rauchverbot im Lehrerzimmer zu haben. Es ist unklar, ob dies auf eine niedrige Prävalenz des Rauchens bei den LehrerInnen hindeutet oder ob es damit zusammenhängt, dass die meisten Schulen über bis zu drei Zimmer für LehrerInnen verfügen und daher die NichtraucherInnen hier vor ungewolltem Passivrauchen verschont bleiben. In beiden Fällen sind die zu erwartenden gesundheitlichen Erträge von Bedeutung. Die soziale Gesundheit d er

57

Lehrerschaft wird mit Hilfe von Zusammenkünften in 74,6% der Schulen (n=53) unterstützt. Es ist allerdings auffallend, dass ca. ein Viertel der Schulen über keine solche Aktivitäten berichtet. Ein gesundes Ernährungsangebot für LehrerInnen wird von lediglich 35,2% der Schulen (n=25) angegeben, was auf einen objektiven Nachholbedarf hindeutet. Entsprechend dem Stand der Forschung bei Lehrergesundheit, nimmt das „Training zur Stressbewältigung“ den ersten Rang ein bei dem geäußerten Bedarf der Schulen nach weiteren Maßnahmen der GF für LehrerInnen (74,6%, n=53). Der Erwerb von ergonomischen Möbeln und staubfreier Kreide hat das Interesse von 70,4% bzw. 62% der Schulen geweckt. Beide Maßnahmen sind der Verhältnisprävention zuzuordnen. 38% der Schulen (n=27) bezeichnen ein spezielles Beratungsangebot für LehrerInnen als unnötig. Fast ein Drittel der Schulen äußert keinen Bedarf an Raumluftbefeuchtern und Lärmschutzfenstern, was mit den beträchtlichen Kosten oder der fehlenden Belastung aufgrund von Trockenheit und Lärm verbunden sein kann. Tab. 3 Häufigste Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von LehrerInnen Maßnahmen Bereits existierende Maßnahmen Rauchfreies Lehrerzimmer Gesellige Zusammenkünfte Gesundes Ernährungsangebot Interesse weckende Maßnahmen Training zur Stressbewältigung Ergonomische Möbel Staubfreie Spezialkreide Unnötige Maßnahmen Spezielles Beratungsangebot Raumluftbefeuchter Lärmschutzfenster Häufigkeit (%) (N = 71) 88,7 74,6 35,2 74,6 70,4 62,0 38,0 31,0 29,6

5.2.2 Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von SchülerInnen Die Häufigkeiten aller erhobenen Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von SchülerInnen sind im Anhang zu finden. Unter Berücksichtigung der Prozente verweigerter Angaben sind die häufigsten bereits existierenden, Interesse weckenden und als unnötig bezeichneten Maßnahmen für SchülerInnen in Tab. 4 zu finden. Dabei

58

gaben 97,2% der Schulen an, Arbeitsgemeinschaften zur sportlichen Betätigung für SchülerInnen zu organisieren. Wird dies als eine weitgehend verbreitete Maßnahme in Schulen angesehen, stellt sich die Frage an 2 Schulen in Berlin-Mitte, die ein solches Angebot noch nicht entwickelt haben. Dieselbe Frage stellt sich bei einer Quote von 93% der Schulen im Bezirk, die angaben, sportlichen Wettbewerb für SchülerInnen zu veranstalten. 81,7% der Schulen (n=58) berichteten, dass sie VertrauenslehrerInnen für ihre SchülerInnen haben und sie für ihre Tätigkeit entlasten. Morgengymnastik scheint eine umstrittene Maßnahme der GF bei den befragten Schulen zu sein. Während sie das Interesse von ca. 40% der Schulen weckte, wurde sie von weiteren 40% der Schulen als unnötig bezeichnet. Dies kann mit dem Zeitpunkt zur Durchführung dieser Maßnahme zusammenhängen. Interesse an gesundem Schulkiosk und Konfliktlotsen wurde von 36,6% der Schulen (n=26) signalisiert. 32,4% (n=23) bzw. 36,6% (n=26) der Schulen lehnten die Organisation von gemeinsamen Klassenmahlzeiten bzw. getrennten Ess- und Spielpausen ab. Der Grund dafür kann in dem organisatorischen Aufwand liegen. Tab. 4 Häufigste Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von SchülerInnen Maßnahme Bereits existierende Maßnahmen Sport-Arbeitsgemeinschaften Sportlicher Wettbewerb VertrauenslehrerIn Interesse weckende Maßnahmen Morgengymnastik Gesunder Schulkiosk Konfliktlotsen Unnötige Maßnahmen Morgengymnastik Getrennte Ess- und Spielpause Gemeinsame Klassenmahlzeit Häufigkeit (%) (N = 71) 97,2 93,0 81,7 39,4 36,6 36,6 39,4 36,6 32,4

5.2.3

Summenscores zur schulischen Gesundheitsförderung

Wie erwartet unterscheiden sich die Schulen in Berlin-Mitte im Hinblick auf ihr Aktivitätsniveau, das Ausmaß ihres weiteren Bedarfs und den Grad ihres berichteten fehlenden Bedarfs im Bereich der Primärprävention und GF. Die vorher gebildeten

59

Summenscores und Subsummenscores weichen von der Normalverteilung signifikant in unterschiedlichem Ausmaß ab. Die Verteilung von Summenscores und Subsummenscores ist in Box-Whiskers-Plots in den folgenden Abbildungen (Abb. 8 und Abb. 9) dargestellt, wobei jede Box die Werte abgrenzt, zwischen denen die Summenscores der Hälfte aller beteiligten Schulen liegen (1. bis 3. Quartil) und den Median in Form eines Querstrichs beinhaltet. Die seitlich der Box weiterlaufenden Linien (Whiskers) enden mit dem minimalen und maximalen Wert des Summenscores. Im Folgenden werden exemplarisch die Ergebnisse ausgewählter Summen- und Subsummenscores beschrieben. Der SchülerInnenGesundheitsIndex (SGI) der beteiligten Schulen variiert zwischen 3 und 15 bereits existierenden Angeboten und Maßnahmen der GF pro Schule. Der Median dafür beträgt 9, d.h. die Schulen gaben an, z.Zt. durchschnittlich 9 Aktivitäten zur von Förderung 4 der Gesundheit benötigten ihrer SchülerInnen pro durchzuführen. Schule auf. Der Der SchülerInnenBedarfsIndex (SBI) liegt zwischen 0 und 9 und weist einen medialen Wert weiter Maßnahmen SchülerInnenfehlenderBedarfsIndex (SfBI) beträgt zwischen 0 und 13 Maßnahmen. Als unnötig bezeichnen die Schulen im Durchschnitt (= Median) 3 Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit ihrer SchülerInnen. Der SchülerInnenGesundheitsIndex in den Bereichen Ernährung und Bewegung (SGIE+B) liegt zwischen 1 und 9 Maßnahmen und ihr Median beträgt 4 Maßnahmen pro Schule. Der SchülerInnenBedarfsIndex in den Bereichen Ernährung und Bewegung (SBI-E+B) variiert zwischen keiner bis sechs Maßnahmen pro Schule und durchschnittlich wird in diesen Bereichen pro Schule an 2 weiteren Maßnahmen Interesse signalisiert. Der SchülerInnenfehlenderBedarfsIndex in den Bereichen Ernährung und Bewegung (SfBI-E+B) beträgt zwischen 0 und 7 und im Durchschnitt werden 2 Maßnahmen in diesen Bereichen als unnötig bezeichnet.

60

SGI SBI SfBI LGI LBI LfBI 0
Abb.8

5

10

15

20

Summenscores der Maßnahmen zur schulischen Gesundheitsförderung

SGI-E+B SBI-E+B SfBI-E+B SGI-Psy SBI-Psy SfBI-Psy 0 2 4 6 8 10

Abb. 9

Subsummenscores der Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von SchülerInnen

61

5.3 Schulstrukturen, -prozesse und -erfahrungen bei der Gesundheitsförderung 5.3.1 Strukturelle Rahmenbedingungen und Durchführungsabläufe

Bei dem Fragebogenteil „Aktivitäten der Gesundheitsförderung“ (Frage 9-22; Fragen nach den vorhandenen Strukturen und den verfolgten Prozessen der Umsetzung von Aktivitäten der GF) wird eine relativ hohe Quote verweigerter Antwort beobachtet. Die meisten fehlenden Angaben bei diesem Fragebogenteil sind vermutlich zurückzuführen auf: Den hohen Aufwand beim Ausfüllen Die Sensibilität der Fragen31

Fehlende Angaben bei diesen Variablen werden mit Null ersetzt, da davon auszugehen ist, dass über ungünstige Strukturen von Seiten der Schule eher nicht berichtet wird. Es wird z.B. angenommen, dass Schulen mit ausreichendem Fortbildungsniveau ihrer LehrerInnen im Bereich GF eher dazu tendieren, darüber zu berichten bzw. bei niedrigem Fortbildungsniveau keine Aussage zu machen. Angaben in Prozent der gegebenen Antworten bei diesen Variablen sind Tabelle 5 zu entnehmen. Tab. 5 Antwortquoten bei Variablen zu Schulstrukturen und -prozessen Antwortquote % (n) 100,0 (71) 56,3 (40) 57,7 (41) 60,6 (43) 52,1 (37) 49,3 (35) 57,7 (41) 57,7 (41) 40,8 (29) 47,9 (34)

Variable Personalkapazität der Schule Angaben über Ziele Angaben über Wege zur Zielerreichung Zahl der verwendeten didaktischen Methoden Zahl der SchulpartnerInnen bei der GF Zahl der Finanzierungsquellen Auswirkung des Finanzierungsniveaus auf Aktivitäten der GF Fortbildungsniveau der LehrerInnen im Bereich GF Zahl der Zuständigen für die schulische GF Vorliegen eines schriftlich dokumentierten Konzepts

Trotz der relativ hohen Quote verweigerter Antworten bei den Fragen nach den vorhandenen Strukturen und den verfolgten Prozessen der Umsetzung von Aktivitäten der GF werden zunächst die häufigsten Antworten der Schulen kurz dargestellt und kommentiert. Die ausführliche Darstellung aller Ergebnisse der Fragebogenaktion zur schulischen GF sind im Anhang zu finden.
31

allgemein sind Fragen danach, wie sie etwas bewerkstelligen (alle Fragen dieses Fragebogenteils) eher vertraulicher Natur. Z.B. kann eine hohe Quote verweigerter Angaben, wie erwartet, bei Fragen nach der Finanzierung beobachtet werden.

62

Die Hälfte der Schulen in Berlin-Mitte berichtete von einer Personalkapazität von 10,2 bis 14,1 SchülerInnen pro Lehrkraft. Obwohl die Personalkapazität von Schulen weitgehend gesetzlich geregelt ist, gaben die Schulen eine Lehrerkapazität an, die bei einem Mittelwert von 12,2 eine Standardabweichung von 3,5 aufweist. Dies kann dadurch entstanden sein, dass die erhobene Lehrerzahl den Umfang und die Art der Lehrerstellen nicht ausdifferenziert berücksichtigt hat. Wie in Tab. 6 zu sehen ist, benannten 40,8% (n=29) der Schulen Ziele im Bereich der GF, die sie verfolgen. Zur Zielerreichung wählte dieselbe Quote von Schulen den Weg des Informierens und Aufklärens, 32,4% (n=23) der Schulen wiesen hierbei Kooperation mit externen PartnerInnen auf. Durchschnittlich berichteten die Schulen, 6 didaktische Methoden bei ihren gesundheitsförderlichen Aktivitäten anzuwenden. Mehr als die Hälfte aller Schulen gaben an, 4 bis 8 Lehrformen zu gebrauchen. Während 47,9% (n=34) der Schulen über den Einsatz einer interaktiven didaktischen Methode (Gruppenarbeit) berichteten, gaben ca. 40% der Schulen an, die klassische Form der Gesundheitserziehung (Vortrag) zu verwenden. Lediglich 39,4% (n=28) der Schulen erklärten, bei der GF Medien einzusetzen, und 26,8% (n=19) von ihnen gaben an, Ideen von SchülerInnen bei der Gestaltung der Aktivitäten zur schulischen GF zu berücksichtigen. Während die berichtete Zahl der SchulpartnerInnen pro Schule zwischen 0 und 9 schwankte, verzeichnete die Hälfte der Schulen eine Unterstützung von 2 bis 5 PartnerInnen bei der GF. Dabei stellte sich heraus, dass der Schulzahnärztliche Dienst (n=21), die schulische Koordination der Suchtprophylaxe (n=19) und der Schulpsychologische Dienst (n=14) für ein knappes Drittel bis ein Fünftel der Schulen Hilfe bei d Gestaltung und Durchführung von Maßnahmen im Bereich GF leisteten. er Weiterhin von Interesse sind die Angaben von 13 Schulen (18,3%), Krankenkassen als Schulpartner bei der GF zu haben, und die Angaben von 8 Schulen (11,3%), dass gesetzliche Krankenkassen als Finanzpartner ihrer Aktivitäten fungieren. Dies kann als
32 ein erster Schritt zur Umsetzung von §20 SGB V im sozial benachteiligten Bezirk

Berlin-Mitte gewertet werden.

32

§ 20 (1) SGB V besagt u.a.: „Die Krankenkasse soll...Leistungen zur Primärprävention vorsehen.“ Diese „sollen den allgemeinen Gesundheitszustand verbessern und insbesondere einen Beitrag zur Verminderung sozial bedingter Ungleichheit von Gesundheitschancen erbringen.“

63

26,8% (n=19) der Schulen berichteten, die Maßnahmen und Aktivitäten der GF mit dem eigenen Budget zu finanzieren. 16 Schulen (22,5%) nennen unter Finanzierungsquelle „andere“. Es ist bemerkenswert, dass 6 von ihnen auf den Förderverein ihrer Schule verweisen. Fast 20% der Schulen (n=14) gaben an, ihre Aktivitäten mit dem vorhandenen Finanzierungsniveau fortführen zu können. Allerdings schätzten weitere 28,2% der Schulen (n=20) ein, dass die Lage ihrer jetzigen Finanzierung mehrere oder einzelne Aktivitäten der GF einschränken bzw. stoppen kann. Über ein Fünftel (n=15) der Schulen bewertete das Fortbildungsniveau ihrer Lehrkräfte im Bereich GF mit „sehr“ oder „eher ausreichend“, ein weiteres Fünftel mit „teils/teils“ (n=15), jedoch weitere 15,5% (n=11) als „eher unausreichend“. Verbunden mit den Angaben von der Hälfte der Schulen (n=36), an „schulinterner Lehrerfortbildung im Bereich Gesundheit“ weiteres Interesse zu haben, kann hier von einem Nachholbedarf ausgegangen werden. Dass 31% der Schulen (n=22) deklarierten, die Zuständigkeit für die GF liege bei der Schulleitung - meistens mit anderen LehrerInnen gemeinsam - kann ein positives Signal sein. Dies kann gestützt werden dadurch, dass 67,6% der Schulen (n=48) angaben, dass der Fragebogen von der Schulleitung – alleine oder mit anderen Lehrkräften – ausgefüllt wurde. Erwähnenswert ist, dass eine Schule berichtete, dass der Fragebogen vom Kollegium beantwortet wurde. Die Tatsache, dass 43,7% (n=31) der Schulen verneinten, ein schriftlich

dokumentiertes Konzept zu haben, und demzufolge eine Evaluation dieses Konzepts verfehlten, deckt einen Mangel auf, auf den eingegangen werden sollte.

64

Tab. 6

Häufigste strukturelle Rahmenbedingungen und Durchführungsabläufe der Schulen bei der Gesundheitsförderung Häufigkeit [%, (n)] 40,8 (29) 40,8 (29) 32,4 (23) 47,9 (34) 39,4 (28) 39,4 (28) 29,6 (21) 26,8 (19) 19,7 (14) 18,3 (13) 26,8 (19) 22,5 (16) 19,7 (14) 21,1 (15) 42,3 (30) 31,0 (22) 31,0 (22) 43,7 (31)

Strukturen und Prozesse Angaben über Ziele Ja, angegeben Wege zur Zielerreichung: Informieren und Aufklären Kooperation mit außerschulischen Organisationen / Personen Verwendete didaktische Methoden: Gruppenarbeit Vortrag Medien SchulpartnerInnen bei der GF: Schulzahnärztlicher Dienst KoordinatorIn der Suchtprophylaxe Schulpsychologischer Dienst Krankenkassen Finanzierungsquellen: Eigenes Schulbudget Andere Auswirkung des Finanzierungsniveaus auf Aktivitäten der GF: Die Aktivitäten können fortgeführt werden Fortbildungsniveau der LehrerInnen: Teils/teils Zuständigkeit für die GF: BiologielehrerIn SchuldirektorIn SportlehrerIn Vorliegen eines schriftlich dokumentierten Konzepts: Nein

5.3.2 SchulStrukturenProfil Ca. 20% (n=14) aller Schulen haben zu keiner der zehn Variablen, die das SchulStrukturenProfil konstituieren, Angaben gemacht. Durchschnittlich gaben die Schulen 4 (aus 10) strukturbezogene Merkmale an, die über dem Median liegen (günstig). Die Hälfte der Schulen verzeichnete 1 bis 6 Merkmale, die für die Umsetzung der GF günstig sind. Geteilt in drei Kategorien, weisen 22,5% der Schulen (n=16) für die Umsetzung der GF eher günstige Strukturen und Prozesse auf und 23,9% von ihnen (n=17) besitzen ein eher ungünstiges SchulStrukturenProfil [s. Abb. 10].

65

19,7%

23,9% eher ungünstig mäßig

22,5% 33,8%

eher günstig keine Angaben

Abb. 10

Schulverteilung nach SchulStrukturenProfil

5.3.3

Bisherige Erfahrungen der Schulen

Zunächst werden die häufigsten Antworten der Schulen bezüglich ihrer bisherigen Erfahrungen in verschiedenen relevanten Dimensionen kurz dargestellt und kommentiert [s. Tab. 7]. Die ausführliche Darstellung aller Ergebnisse der

Fragebogenaktion zur schulischen GF ist im Anhang zu finden. Während jeweils 25,4% (n=18) und 53,5% (n=38) der Schulen das soziale Klima ihrer Schule als „sehr angenehm“ und „eher angenehm“ einschätzten, bezeichneten jedoch fast weitere 20% (n=14) der Schulen ihr Schulklima mit „teils/teils“. Obwohl es im Sinne der Salutogenese ist, dass 79% der Schulen ihr Klima positiv beurteilten, sollten die Ergebnisse unter dem Aspekt der sozialen Unerwünschtheit – über ein nicht angenehmes Schulklima wird ungern berichtet - interpretiert werden. 43,7% der Schulen (n=31) bewerteten ihre bisherigen Erfahrungen im Bereich der GF mit „teils/teils“, weitere 40,8% (n=29) der Schulen bezeichneten diese als „eher positiv“. Letzteres lässt sich positiv deuten angesichts des vorher angeführten Ergebnisses, dass lediglich 22,5% der Schulen (n=16) ein eher günstiges SchulStrukturenProfil aufweisen. 39,4% der Schulen (n=28) gaben an, Unterstützung von einzelnen Eltern im Bereich der GF zu erhalten, w ohingegen fast 30% der Schulen (n=21) klagten, dass dieser Bereich die Mehrheit ihrer Elternschaft nicht interessiere.

66

Während fast die Hälfte der Schulen (n=34) das Interesse ihrer SchülerInnen an Themen der GF als „mäßig“ beurteilten, bewerteten weitere 26,8% (n=19) dies als „groß“. 13 weiterführende Schulen (18,3%) und lediglich eine Grundschule (1,4%) gingen von einem „geringen“ Interesse ihrer Schülerschaft an allen Themen der GF aus. Als Indikator für die Öffnung der Schule für die Gemeinde gaben 35,2% (n=25) der Schulen an, dass sie ihre Räume für Gemeindeaktivitäten zur Verfügung stellen und dass dieses Angebot oft in Anspruch genommen würde. Demgegenüber berichteten ca. ein Viertel der Schulen (n=18) von mangelnder Ausstattung, die solche Öffnung von Schule verhindert. 42,3% der Schulen (n=30) bejahten die Einladung zur geplanten Konferenz über schulische GF, weitere 34 Schulen (47,9%) baten um weitere Informationen darüber. Tab. 7 Häufigste Erfahrungen der Schulen im Bereich der

Gesundheitsförderung Dimension der Erfahrung Das soziale Klima in der Schule: Eher angenehm Beurteilung der bisherigen Erfahrungen im Bereich GF: Teils/teils Beurteilung der Zusammenarbeit der Eltern im Bereich GF: Schulen werden von vereinzelten Eltern unterstützt Beurteilung des Interesses der SchülerInnen an GF: Mäßig, an allen Themen Bereitstellung und Inanspruchnahme der Schulräume durch die Gemeinde: Ja, Schulräume werden oft in Anspruch genommen Teilnahmebereitschaft an einer Konferenz der Schulen zu GF: Eventuell, Schulen bitten um weitere Informationen Häufigkeit [%, (n)] 53,5 (38) 43,7 (31) 39,4 (28) 47,9 (34)

35,2 (25) 47,9 (34)

5.3.4

SchulErfahrungenProfil

Die Schulen teilten ihre eher guten Erfahrungen bei ihren bisherigen Aktivitäten im Bereich der GF im Durchschnitt in 2 Dimensionen (aus insgesamt 6) mit. Geteilt in drei Kategorien, machten 33,8% der Schulen (n=24) eher gute Erfahrungen im Bereich der

67

GF und weitere 40,8% (n=29) berichteten von bisher eher ungünstigen Erfahrungen [s.Abb. 11]. Aufgrund verweigerter Angaben kann bei einer Schule (1,4%) kein SchulErfahrungenProfil errechnet werden.

1,5% 33,8% 40,8% eher schlecht mäßig eher gut keine Angaben 23,9%

Abb. 11

Schulverteilung nach SchulErfahrungenProfil

5.4

Aktivitätsniveaus der Schulen und ihre Korrelate

Zunächst werden die Zusammenhänge untersucht, die zwischen den Summenscores bereits existierender Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von SchülerInnen [insgesamt und in den Bereichen: Ernährung und Bewegung, sowie psychosoziale Gesundheit (= SGI, SGI-E+B, SGI-Psy)] und den Summenscores der Maßnahmen, die von den Schulen als für ihre SchülerInnen unnötig bezeichnet werden [insgesamt und in den Bereichen: Ernährung und Bewegung, sowie psychosoziale Gesundheit (= SfBI, SfBI-E+B, SfBI-Psy)] bestehen können. Darauf folgend werden die Zusammenhänge ermittelt, die zwischen den

Summenscores bereits existierender Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von SchülerInnen [insgesamt und in den Bereichen: Ernährung und Bewegung, sowie psychosoziale Gesundheit (= SGI, SGI-E+B, SGI-Psy)] und bestimmten Variablen [Schulmerkmale, normalgewichtigen Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht, Anteil der SchülerInnen, SchulStrukturenProfil, SchulErfahrungenProfil]

festgestellt werden können. Die Ermittlung und statistische Testung der Zusammenhänge erfolgen durch das nichtparametrische Korrelationsverfahren nach Spearman.

68

5.4.1

Das Ausmaß des fehlenden Bedarfs

Wie in Tab. 8 zu beobachten ist, ist die geringe negative Korrelation (-0,25) zwischen dem Summenscore der bereits existierenden Maßnahmen zur Förderung psychosozialer Gesundheit bei SchülerInnen (SGI-Psy) und dem Summenscore der Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von SchülerInnen insgesamt, die von der Schule als unnötig bezeichnet werden (SfBI) auf dem Niveau von 0,05 signifikant (2seitige Testung). Analog korreliert der SGI-Psy negativ (-0,34) mit dem Summenscore für die Maßnahmen zur Förderung der psychosozialen Gesundheit von SchülerInnen, die von der Schule als unnötig bezeichnet werden (SfBI-Psy) auf dem Niveau von 0,01 (2-seitige Testung) signifikant. Je größer also die Zahl der von der Schule berichteten bereits existierenden Maßnahmen zur Förderung der psychosozialen Gesundheit für SchülerInnen ausfällt, desto geringer ist die Zahl der von der Schule als unnötig bezeichneten Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von SchülerInnen sowohl insgesamt als auch speziell im psychosozialen Bereich. Es scheint, dass, je aktiver sich eine Schule im Bereich der psychosozialen Gesundheit für SchülerInnen darstellt, ihre Ablehnung weiterer Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit der SchülerInnen sowohl im selben Bereich als auch insgesamt umso geringer ausfällt. Da diese statistisch signifikanten Korrelationskoeffizienten (nach Spearman) gering sind (-0,25 und -0,34), ist jedoch nicht auszuschließen, dass auch bei weniger aktiven Schulen im Bereich der psychosozialen Gesundheit von SchülerInnen, weitere fördernde Maßnahmen in allen Bereichen der GF und im Bereich der psychosozialen Gesundheit von SchülerInnen nicht unbedingt zurückgewiesen werden. Die nicht signifikanten Zusammenhänge zwischen den Summenscores zur schulischen GF sind in Tab. 8 zu finden.

69

Tab. 8

Korrelationen

(nicht-parametrisch)

zwischen

Aktivitätsniveau

der

Schulen im Bereich Gesundheitsförderung und dem von Schulen berichteten Ausmaß des fehlenden Bedarfs Aktivitätsniveau Ausmaß des fehlenden Bedarfs SfBI SfBI-E+B SfBI-Psy SGI SGI-E+B SGI-Psy

R(Spearman) Signifikanzniveau (2-seitig) R(Spearman) Signifikanzniveau (2-seitig) R(Spearman) Signifikanzniveau (2-seitig)

-0,148 n.s. -0,188 n.s. -0,115 n.s.

+0,027 n.s. -0,121 n.s. +0,117 n.s.

-0,253* 0,033 -0,125 n.s. -0,341** 0,004

** = Korrelation ist auf dem Niveau von 0,01 signifikant (2-seitig) * = Korrelation ist auf dem Niveau von 0,05 signifikant (2-seitig) n.s. = nicht signifikant R(Spearman) = Spearman’scher Korrelationskoeffizient N = 71

5.4.2

Bezirksteil

Der Bezirksteil, in dem die Schule liegt, spielt keine signifikante Rolle für das Aktivitätsniveau der Schule im Bereich GF [s. Tab. 9]. Das kann darauf hindeuten, dass die relativ schwächere sozioökonomische Lage der Familien in den Bezirksteilen Wedding und Tiergarten (im Vergleich zu Mitte „alt“) nicht ein entscheidendes Hindernis für die dort liegenden Schulen darstellt, im Bereich GF für ihre SchülerInnen aktiv zu sein. Allerdings ist zu beachten, dass die Einzugsgebiete der Schulen nicht mit den Wohngebieten der SchülerInnen übereinstimmen (z.B. wohnen SchülerInnen in Weddinger Schulen nicht ausschließlich in Wedding).

5.4.3 Die

Schulstufe manuelle Berechnung der punktbiserialen Korrelation ergibt für den

Zusammenhang zwischen SGI und Schulstufe einen signifikant negativen Koeffizienten von -0,42 (p-Wert = 0,000) [s. 3.6.2]. Im Hinblick auf das Aktivitätsniveau in allen Themengebieten der GF (Ernährung und Bewegung, Psychosoziales und insgesamt) geben die Grundschulen an, 2003 eine signifikant höhere Zahl von Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit ihrer SchülerInnen durchzuführen als weiterführende Schulen [s. Tab. 9]. Während der Spearman’sche Koeffizient eine geringe negative Korrelation zwischen den Variablen Schulstufe und SGI-Psy zeigt (R = -0,24), ist eine

70

mittlere Korrelation zwischen Schulstufe und SGI-E+B (R = -0,51) zu verzeichnen, d.h. der Summenscore für die bereits existierenden Maßnahmen zur Förderung gesunder Ernährung und Bewegung bei SchülerInnen hängt stärker mit der Schulstufe zusammen als der Summenscore für die bereits existierenden Maßnahmen zur Förderung psychosozialer Gesundheit bei SchülerInnen. Diese Ergebnisse können darauf hindeuten, dass Grundschulen z.Zt. mehr Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit ihrer SchülerInnen durchführen als weiterführende Schulen. Dies scheint im Bereich der Ernährung und Bewegung ausgeprägter zu sein als auf dem Gebiet der psychosozialen Gesundheit.

5.4.4 Schultyp Es besteht ein signifikanter negativer Zusammenhang zwischen der Variablen Schultyp und den Variablen SGI, SGI-E+B und SGI-Psy, d.h. die Gymnasien berichteten von weniger bereits existierenden Maßnahmen als andere weiterführende Schulen und Letztere meldeten niedrigere Summenscores dieser Aktivitäten als die Grundschulen. Während die negative Korrelation zwischen Schultyp und SGI-E+B von mittlerer Stärke ist (R = -0,56), ist die zwischen Schultyp und SGI-Psy nur von geringer Stärke (R = -0,29). Aufgrund dieser Ergebnisse ist davon auszugehen, dass Grundschulen z.Zt. mehr Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit ihrer SchülerInnen durchführen als die nicht-gymnasialen Oberschulen und Letztere mehr als die Gymnasien. Diese Abstufung ist ebenfalls ausgeprägter im Bereich der Ernährung und Bewegung als auf dem Gebiet der psychosozialen Gesundheit.

5.4.5 Betreuungsumfang Dem Spearman’schen Koeffizienten zufolge besteht eine signifikante Korrelation zwischen dem Betreuungsumfang und SGI, SGI-E+B und SGI-Psy, die eine positive Richtung aufweist, d.h. je größer der Betreuungsumfang einer Schule ist, desto größer ist die Anzahl der bereits existierenden Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von SchülerInnen im Bereich Ernährung und Bewegung, auf dem Gebiet der psychosozialen Gesundheit und insgesamt. Bei einer näheren Betrachtung ist allerdings zu verzeichnen, dass die Verlässlichen Schulen (n=26) mehr bereits existierende Maßnahmen auf allen Gebieten angaben als Ganztagsschulen (n=9) und Letztere berichten von mehr Aktivitäten als Halbtagsschulen ohne zusätzliches

71

Betreuungsangebot (n=33)33. Obwohl die Stärke des Zusammenhanges zwischen dem Betreuungsumfang einerseits und SGI, SGI-E+B, SGI-Psy andererseits als gering zu bezeichnen ist, besteht ein höherer Spearman’scher Korrelationskoeffizient zwischen dem Betreuungsumfang und dem Aktivitätsniveau auf dem Gebiet der psychosozialen Gesundheit für SchülerInnen (R = +0,43) als zwischen dem Betreuungsumfang und dem Aktivitätsniveau für SchülerInnen im Bereich Ernährung und Bewegung (R = +0,27) [s. Tab. 9].

5.4.6

Mädchenanteil

In Bezug auf den Mädchenanteil in den Schulen ist eine signifikant negative Korrelation zwischen demselben und der Zahl der z.Zt. bereitgestellten Maßnahmen der GF für SchülerInnen in den Bereichen Ernährung und Bewegung zu beobachten (R = -0,32). Der Zusammenhang zwischen dem Mädchenanteil und dem Summenscore der bereits existierenden Maßnahmen zur Förderung psychosozialer Gesundheit bei SchülerInnen (= SGI-Psy) hat sich als nicht signifikant erwiesen. Allerdings korreliert der Mädchenanteil der Schule mit dem gesamten Aktivitätsniveau in allen Themengebieten (R = -0,31). Die negative Richtung dieser Korrelationen besagt, dass je höher der Mädchenanteil in einer Schule, desto niedriger die Zahl der da z.Zt. durchgeführten Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von SchülerInnen insgesamt und speziell im Bereich Ernährung und Bewegung. Dies kann ein Signal dafür sein, dass Schulen mit höherem Mädchenanteil inaktiver sind als Schulen mit niedrigem Anteil von Mädchen. Dies scheint im Bereich Ernährung und Bewegung ausgeprägter zu sein. Allerdings sind die berechneten Spearman’schen Korrelationskoeffizienten gering [s. Tab. 9].

5.4.7

Anteil der Nicht-Deutsch-Muttersprachlichen

Während eine geringe signifikante Korrelation (R = +0,31) zwischen SGI-Psy und dem Anteil der Nicht-Deutsch-Muttersprachlichen zu beobachten ist, stellen sich die Zusammenhänge zwischen der letzteren Variablen und SGI sowie SGI-E+B als nicht signifikant heraus. Da der signifikante Spearman’sche Koeffizient positiv ist [s. Tab. 9], kann dies ein Anzeichen dafür sein, dass je höher der Anteil der Nicht-Deutsch33

Durchschnittlich (Mittelwert) führen die verlässlichen Schulen 10,6 Maßnahmen, die Ganztagsschule 7,9 Maßnahmen und die Halbtagsschulen ohne zusätzliches Betreuungsangebot 7,2 Maßnahmen durch. Diese Abstufung ist nach dem Kruskal-WallisTest signifkant (p = 0,000).

72

Muttersprachlichen in einer Schule, desto größer die Zahl der bereits existierenden Maßnahmen zur Förderung der psychosozialen Gesundheit der SchülerInnen.

5.4.8

Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht

Signifikante Korrelationen, wenn auch geringe, bestehen zwischen dem Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht und SGI (R = +0,31) sowie SGI-Psy (R = +0,43). Hingegen besteht kein signifikanter Zusammenhang zwischen SGI-E+B und dem Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht. Die signifikanten Spearman’schen Korrelationskoeffizienten sind positiv, d.h. je höher der Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht in einer Schule, desto größer die Zahl der dort z.Zt. durchgeführten Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von SchülerInnen insgesamt und im Bereich der psychosozialen Gesundheit.

5.4.9

Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen

Während sich keine signifikanten Zusammenhänge zwischen SGI oder SGI-E+B und dem Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen herausstellen, besteht eine signifikant negative Korrelation zwischen der letzteren Variablen und SGI-Psy (R = -0,32). Dies ergibt, dass je niedriger der Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen in einer Schule, desto größer die Zahl der dort bereits existierenden Maßnahmen zur Förderung der psychosozialen Gesundheit der SchülerInnen.

5.4.10 SchulStrukturenProfil Es bestehen keine signifikanten Zusammenhänge zwischen SchulStrukturenProfil (SSP) einerseits und SGI, SGI-E+B sowie SGI-Psy andererseits.

5.4.11 SchulErfahrungenProfil Es bestehen keine signifikanten Zusammenhänge zwischen SchulErfahrungenProfil (SEP) einerseits und SGI, SGI-E+B sowie SGI-Psy andererseits.

73

Die Stärke, die Richtung und das Signifikanzniveau aller oben genannten Zusammenhänge ist Tab. 9 zu entnehmen. Tab. 9 Korrelationen Schulen im (nicht-parametrisch) Bereich zwischen Aktivitätsniveau und der

Gesundheitsförderung

verschiedenen SGI

Einflussvariablen Aktivitätsniveau Einflussvariabeln Bezirksteil (n = 71) Schulstufe (n = 71) Schultyp (n = 71) Betreuungsumfang (n = 68) Mädchenanteil (%) (n = 68) Anteil der Nicht-DeutschMuttersprachlichen (%) (n = 68) Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht (%) (n = 59) Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen (%) (n= 61) SchulStrukturenProfil (n = 57) SchulErfahrungenProfil (n = 70) SGI-E+B SGI-Psy

R(Spearman) Signifikanzniveau (2-seitig) R(Spearman) Signifikanzniveau (2-seitig) R(Spearman) Signifikanzniveau (2-seitig) R(Spearman) Signifikanzniveau (2-seitig) R(Spearman) Signifikanzniveau (2-seitig) R(Spearman) Signifikanzniveau (2-seitig) R(Spearman) Signifikanzniveau (2-seitig) R(Spearman) Signifikanzniveau (2-seitig) R(Spearman) Signifikanzniveau (2-seitig) R(Spearman) Signifikanzniveau (2-seitig)

+0,021 n.s. -0,510** 0,000 -0,558** 0,000 +0,267* 0,028 -0,324** 0,007 +0,109 n.s. +0,140 n.s. -0,145 n.s. +0,045 n.s. -0,009 n.s.

-0,211 n.s. -0,242* 0,042 -0,291* 0,014 +0,427** 0,000 -0,202 n.s. +0,307* 0,011

-0,119 n.s. -0,507** 0,000 -0,554** 0,000 +0,406** 0,001 -0,306* 0,011 +0,201 n.s.

+0,430** +0,307* 0,001 0,018 -0,318* 0,013 +0,142 n.s. +0,116 n.s. -0,230 n.s. +0,121 n.s. +0,112 n.s.

** = Korrelation ist auf dem Niveau von 0,01 signifikant (2-seitig) * = Korrelation ist auf dem Niveau von 0,05 signifikant (2-seitig) n.s. = nicht signifikant R(Spearman) = Spearman’scher Korrelationskoeffizient

74

5.5

Einflussgrößen auf Summenscores der Maßnahmen zur schulischen Gesundheitsförderung

Im Folgenden wird anhand der linearen Regression ermittelt, welche Variablen einen signifikanten Einfluss ausüben auf das Aktivitätsniveau der Schulen im Bereich der GF für SchülerInnen insgesamt sowie in den Subbereichen Ernährung und Bewegung wie psychosoziale Gesundheit. Hierbei werden als Zielgrößen folgende Variablen definiert: SGI, SGI-E+B und SGI-Psy. Weitere Regressionsmodelle werden berechnet, um nach Faktoren zu suchen, die die Unterschiede zwischen den Schulen bezüglich ihrer berichteten fehlenden Bedarfsausmaße im Bereich der GF für SchülerInnen insgesamt sowie in den Subbereichen Ernährung und Bewegung wie psychosoziale Gesundheit beeinflussen. Hierbei werden als Zielgrößen folgende Variablen definiert: SfBI, SfBI-E+B und SfBIPsy. Es gilt, der Frage nachzugehen, ob die Schulen auf die soziale und gesundheitliche Lage ihrer Schülerschaft reagieren oder nicht. Dies erfolgt durch den Einschluss zweier Variablen in den Regressionsmodellen, nämlich: Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht und Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen.

5.5.1

Aktivitätsniveau im Bereich der Gesundheitsförderung insgesamt

Wie in Tab. 10 zu sehen ist, zeigen vier Variablen einen hoch signifikanten Einfluss auf das Aktivitätsniveau der Schule im gesamten Bereich der GF, das durch den Summenscore SGI operationalisiert wurde. Schulen mit breiterem Betreuungsumfang gaben an, z.Zt. eine signifikant größere Zahl von Maßnahmen der GF für SchülerInnen durchzuführen. Wenn alle anderen Prädiktorvariablen konstant bleiben, führt eine Steigerung des Betreuungsumfangs um eine Einheit (von einer Halbtagsschule zur Verlässlichen Schule oder von der letzteren zur Ganztagsschule) zur Erhöhung des Aktivitätsniveaus einer Schule in diesem Bereich um 2 Einheiten (β= 2,00).

75

Im Vergleich zu weiterführenden Schulen erweisen sich Grundschulen als signifikant aktiver34. Beide Ergebnisse bestätigen die bivariate Auswertung (Spearman’scher Korrelationskoeffizient). Während der Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen keine signifikante Korrelation nach Spearman mit SGI zeigte, übt er bei der linearen Regression einen geringen signifikanten Einfluss auf das Aktivitätsniveau aus. Dieser geringe Einfluss ist disproportionaler Natur (β= -0,15), d.h. je niedriger der Anteil an normalgewichtigen Kindern und Jugendlichen in einer Schule, desto (relativ geringfügig) aktiver zeigt sich die Schule im Bereich GF. Es ist davon auszugehen, dass Schulen mit einem höheren Anteil übergewichtiger SchülerInnen geringfügig aktiver sind als Schulen mit einer niedrigen Quote. Schulen, die ihr Sozialklima als „sehr angenehm“ beurteilten, berichteten von einer signifikant größeren Zahl an bereits existierenden Maßnahmen der GF für SchülerInnen als diejenigen, die das Klima schlechter einschätzten. Tab. 10 Faktor Lineare Regression: Y = SGI Geschätzter Koeffizient (β) Konstante 17,055 Betreuungsumfang1 2,000 Schulstufe2 -2,186 Anteil der -0,115 normalgewichtigen SchülerInnen (%) Sozialklima3 2,023

Standard- Konfidenzintervall fehler (95%) 3,159 0,518 0,707 0,041 0,736

p-Wert

0,947 -3,621 -0,199 0,528

3,052 -0,751 -0,031 3,518

0,000 0,000 0,004 0,009 0,009

N = 71 1 Betreuungsumfang ist kodiert wie folgt: 0 = Halbtagsschulen; 1 = verlässliche Schulen; 2 = Ganztagsschulen 2 Schulstufe ist kodiert wie folgt: 0 = Grundschulen; 1 = weiterführende Schulen 3 Sozialklima ist wie folgt dichotomisiert: 0 = sehr unangenehm bis angenehm; 1 = sehr angenehm

5.5.2

Aktivitätsniveau im Bereich Ernährung und Bewegung

Während der Betreuungsumfang, der Anteil normalgewichtiger SchülerInnen und das Sozialklima der Schule simultan mit der Variable Schulstufe einen signifikanten
34

Wenn die Variable „Schultyp“ statt die eng damit korrelierte Variable „Schulstufe“ in dieses Regressionsmodell einbezogen wird, erweist sie sich ebenfalls als signifikante Einflussgröße. Dann sind Grundschulen, gefolgt von nicht-gymnasialen weiterführenden Schulen, aktiver als Gymnasien.

76

Einfluss auf das Aktivitätsniveau in allen Themengebieten der GF für SchülerInnen zeigen, erwies sich lediglich die Schulstufe als signifikante Einflussgröße beim Aktivitätsniveau im Subbereich Ernährung und Bewegung. Die Grundschulen berichteten von einer signifikant größeren Anzahl an Maßnahmen zur Förderung gesunder Ernährung und Bewegung bei SchülerInnen als weiterführende Schulen35 [s. Tab. 11]. Der Unterschied des Aktivitätsniveaus nach Schulstufe ist geringfügig kleiner im Subbereich Ernährung und Bewegung (β= -2,17) als im Gesamtgebiet der GF für SchülerInnen (β= -1,37).

Tab. 11 Faktor

Konstante Schulstufe1

Lineare Regression: Y = SGI-E+B Geschätzter Standard- Konfidenzintervall Koeffizient fehler (95%) (β) 5,440 0,336 -1,373 0,548 -2,483 -0,263

p-Wert

0,000 0,017

N = 71 1 Schulstufe ist kodiert wie folgt: 0 = Grundschulen; 1 = weiterführende Schulen

5.5.3

Aktivitätsniveau im Bereich der psychosozialen Gesundheit

Analog zum Aktivitätsniveau der Schule in allen Bereichen der GF für SchülerInnen übt der Betreuungsumfang einen signifikanten Einfluss auf das Aktivitätsniveau im Subbereich der psychosozialen Gesundheit aus [s. Tab. 12]. Die Steigung des Aktivitätsniveaus nach Betreuungsumfang ist geringfügig niedriger im Subbereich Ernährung und Bewegung (β= 1,69) als im Gesamtbereich der GF für SchülerInnen (β= 2,00). Zusätzlich hat das Interesse der SchülerInnen an der GF eine signifikante Wirkung auf das berichtete Aktivitätsniveau der Schule im Bereich der psychosozialen Gesundheit. Wo das Interesse der SchülerInnen an GF groß ist, ist das Aktivitätsniveau im Bereich psychosozialer Gesundheit der SchülerInnen höher als dort, wo dieses Interesse gering bis mäßig ist (β= 1,83). Begrenzt beeinflusst der Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht signifikant die Zielgröße SGI-Psy (β= 0,024). Je höher dieser Anteil in einer Schule ist, desto geringfügig aktiver ist sie bei der Förderung psychosozialer Gesundheit ihrer SchülerInnen.

35

Wenn die Variable „Schultyp“ statt die eng damit korrelierte Variable „Schulstufe“ in dieses Regressionsmodell einbezogen wird, erweist sie sich ebenfalls als signifikante Einflussgröße. Dann sind Grundschulen, gefolgt von nicht-gymnasialen weiterführenden Schulen, aktiver als Gymnasien.

77

Tab. 12 Faktor

Lineare Regression: Y = SGI-Psy Geschätzter StandardKoeffizient fehler (β) Konstante 1,454 0,453 Betreuungsumfang1 1,688 0,307 Interesse der SchülerInnen 1,825 0,476 2 an GF Anteil der SchülerInnen aus 0,0239 0,008 der Unterschicht (%)

Konfidenzintervall (95%)

p-Wert

1,066 0,861 0,008

2,310 2,790 0,040

0,003 0,000 0,000 0,005

N = 71 1 Betreuungsumfang ist kodiert wie folgt: 0 = Halbtagsschulen; 1 = Verlässliche Schulen; 2 = Ganztagsschulen 2 Interesse der SchülerInnen an GF ist wie folgt dichotomisiert: 0 = gering bis mäßig; 1 = groß

5.5.4

Ausmaß des fehlenden Bedarfs im Bereich der Gesundheitsförderung insgesamt

Der Summenscore der von den Schulen als unnötig bezeichneten Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von SchülerInnen (SfBI) ist signifikant durch einen Faktor beeinflusst worden, nämlich durch das Interesse der SchülerInnen an GF [s. Tab. 13]. Von Schulen, an denen dieses Interesse groß ist, wird das Ausmaß des fehlenden Bedarfs an GF für SchülerInnen signifikant niedriger angegeben als von Schulen, deren Interesse gering bis mäßig ist (β= -2,14). Dies deutet darauf hin, dass die Haltung der Schule gegenüber weiteren Maßnahmen der GF für SchülerInnen weniger ablehnend ist, wenn das Interesse der Schülerschaft an GF steigt. Tab. 13 Faktor Lineare Regression: Y = SfBI Geschätzter Standard- Konfidenzintervall Koeffizient fehler (95%) (β) Konstante 3,806 0,474 Interesse der SchülerInnen -2,140 1,000 -4,163 -0,116 an GF1

p-Wert

0,000 0,039

N = 71 1 Interesses der SchülerInnen an GF ist wie folgt dichotomisiert: 0 = gering bis mäßig; 1 = groß

5.5.5

Ausmaß des fehlenden Bedarfs im Bereich Ernährung und Bewegung

Auf das seitens der Schulen berichtete Ausmaß des fehlenden Bedarfs an weiteren Maßnahmen zur Förderung gesunder Ernährung und Bewegung bei SchülerInnen (SfBI-E+B) wirkt sich der Parameter Schulstufe signifikant aus. Die weiterführenden Schulen tendieren (β= 1,01) mehr dazu als Grundschulen, Maßnahmen der GF im

78

Bereich Ernährung und Bewegung für SchülerInnen mit „unnötig“ zu markieren36 [s.Tab. 14]. Tab. 14 Faktor Lineare Regression: Y = SfBI-E+B Geschätzter Standard- Konfidenzintervall Koeffizient fehler (95%) (β) 1,520 0,286 1,013 0,468 0,066 1,960

p-Wert

Konstante Schulstufe1

0,000 0,037

N = 71 1 Schulstufe ist kodiert wie folgt: 0 = Grundschulen; 1 = weiterführende Schulen

5.5.6

Ausmaß des fehlenden Bedarfs im Bereich der psychosozialen Gesundheit

Das geäußerte Ausmaß des fehlenden Bedarfs im Bereich der psychosozialen Gesundheit für SchülerInnen (SfBI-Psy) wird signifikant durch die Teilnahmebereitschaft der Schule an der geplanten Konferenz zur schulischen GF beeinflusst. Die Schulen, die die Konferenz bejaht haben, nennen Maßnahmen zur Förderung der psychosozialen Gesundheit für SchülerInnen seltener unnötig als diejenigen Schulen, welche die Teilnahme verneint oder um weitere Informationen gebeten haben (β= -1,05). Die Unterstützung der Eltern bei der schulischen GF spielt eine signifikante Rolle beim angegebenen Ausmaß des fehlenden Bedarfs im Bereich der psychosozialen GF für SchülerInnen. Die Schulen, die von Unterstützung durch zahlreiche Eltern oder die Elternschaft berichteten, lehnen signifikant häufiger weitere Maßnahmen in diesem Bereich ab als Schulen, die von Eltern keine oder nur vereinzelte Unterstützung erlebten (β= 1,59). Ob dies damit zusammenhängt, dass Schulen mit aktiverer Elternbeteiligung bei der GF weniger Maßnahmen zur Förderung der psychosozialen Gesundheit ihrer SchülerInnen brauchen, muss weiter untersucht werden. Im Vergleich zu Schulen, an denen das Interesse der SchülerInnen an GF als gering bis mäßig eingeschätzt wurde, verringert sich das berichtete Ausmaß des fehlenden Bedarfs im Bereich der psychosozialen Gesundheit für SchülerInnen signifikant an Schulen, an denen dieses Interesse als groß beurteilt wurde [s. Tab. 15].

36

Wenn die Variable „Schultyp“ statt die eng damit korrelierte Variable „Schulstufe“ in diesem Regressionsmodell einbezogen wird, erweist sie sich ebenfalls als signifikante Einflussgröße. Dann bezeichneten Gymnasien, gefolgt von nicht-gymnasialen weiterführenden Schulen, mehr Maßnahmen als Grundschulen mit „unnötig“.

79

Tab. 15 Faktor

Lineare Regression: Y = SfBI-Psy Geschätzter StandardKoeffizient fehler (β) Konstante 1,724 0,357 Teilnahmebereitschaft an -1,046 0,505 Konferenz der Schulen zur GF1 Zusammenarbeit der Eltern 1,588 0,559 im Bereich GF 2 Interesse der SchülerInnen -1,288 0,611 an GF3

Konfidenzintervall (95%)

p-Wert

-2,071

-0,021

0,000 0,046

0,454 -2,527

2,722 -0,049

0,007 0,042

N = 71 1 dichotomisiert wie folgt: 0 = eventuell oder nein; 1 = ja 2 dichotomisiert wie folgt: 0 = Unterstützung von keinen bis vereinzelten Eltern; 1 = Unterstützung von zahlreichen Eltern bis die Elternschaft 3 dichotomisiert wie folgt: 0 = gering bis mäßig; 1 = groß

80

6
6.1

Ergebnisse der Fall-Kontroll-Studien
Aktivitätsniveau der Schulen im Bereich Gesundheitsförderung für SchülerInnen

Nach dem (nicht-parametrischen) Kruskal-Wallis-Test besteht ein signifikanter Unterschied im SGI, wenn die Schulen unterteilt nach dem Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht untersucht werden [s. Tab 16]. Der mittlere Rang des SGI ist am höchsten, d.h. die SGI sind in den Schulen am höchsten, die einen hohen Anteil von SchülerInnen aus der Unterschicht haben. Schulen mit einem mäßigem Anteil von SchülerInnen aus der Unterschicht zeigen allerdings den niedrigsten mittleren Rang von SGI. Im Vergleich zu Schulen, die einen höheren oder niedrigeren Anteil von sozial benachteiligten SchülerInnen aufweisen, gaben die Schulen mit mäßigem Anteil also an, im Bereich der GF für SchülerInnen weniger aktiv zu sein. Dies deutet auch darauf hin, dass die Schulen mit höherer Armutsquote, gefolgt von denen mit niedriger Quote, mehr Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit ihrer SchülerInnen durchführen als die Schulen mit mäßiger Armutsquote. Tab. 16 Ränge37 des SGI bezüglich Unterschicht Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht Niedrig Mäßig Hoch des Anteils der SchülerInnen aus der n 9 10 9 Mittlerer Rang 13,44 9,80 20,78

SGI
?² = 8,750 df = 2 p-Wert = 0,013

Auf der anderen Seite gibt es einen signifikanten Unterschied beim SGI zwischen den Schulen mit verschiedenen Anteilen von Normalgewichtigen [s. Tab. 17]. Der mittlere Rang von SGI bei Schulen, die einen niedrigen Anteil an normalgewichtigen SchülerInnen aufweisen, übersteigt den von Schulen, die einen mäßigen oder höheren Anteil aufweisen. Schulen mit mäßigem Anteil an normalgewichtigen SchülerInnen zeigen den niedrigsten mittleren Rang von SGI. Im Vergleich zu Schulen, die einen niedrigen oder hohen Anteil an normalgewichtigen SchülerInnen aufweisen, gaben die Schulen mit mäßigem Anteil an, im Bereich der GF für SchülerInnen weniger aktiv zu sein. Dies deutet auch darauf hin, dass die Schulen mit höherer Prävalenz an Übergewicht, gefolgt von denen mit niedriger Prävalenz, mehr Maßnahmen zur

37

Große Werte der SGI erhalten hohe Ränge.

81

Förderung der Gesundheit ihrer SchülerInnen durchführen als die Schulen mit mäßiger Prävalenz. Tab. 17 Ränge des SGI bezüglich SchülerInnen Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen Niedrig Mäßig Hoch des n 9 10 9 Anteils der normalgewichtigen Mittlerer Rang 21,06 10,30 12,61

SGI
?² = 8,895 df = 2 p-Wert = 0,012

Wie in Tab. 18 zu sehen ist, zeigen zwei Variablen einen signifikanten Einfluss auf das Aktivitätsniveau der Schule im Bereich der GF für SchülerInnen. Schulen mit breiterem Betreuungsumfang gaben an, z.Zt. eine signifikant größere Zahl von Maßnahmen der GF für SchülerInnen durchzuführen. Wenn alle anderen Prädiktorvariablen konstant bleiben, führt eine Steigerung des Betreuungsumfangs um eine Einheit (von einer Halbtagsschule zur Verlässlichen Schule oder von der letzteren zur Ganztagsschule) zur Erhöhung des Aktivitätsniveaus einer Schule in diesem Bereich um 2,34 Einheiten (β= 2,34).

Weiterhin berichten Schulen, die ihr Sozialklima als „sehr angenehm“ beurteilten, von einer signifikant größeren Zahl der bereits existierenden Maßnahmen der GF für SchülerInnen als diejenigen, die das Klima schlechter einschätzten (β= 2,40). Tab. 18 Faktor Lineare Regression: Y = SGI Geschätzter StandardKoeffizient fehler (β) Konstante 8,819 0,757 1 Betreuungsumfang 2,336 ,697 Sozialklima2 2,403 0,998
N = 28
1

Konfidenzintervall (95%)

p-Wert

0,858 0,286

3,813 4,519

0,000 0,004 0,029

2

Betreuungsumfang ist kodiert wie folgt: 0 = Halbtagsschulen; 1 = verlässliche Schulen; 2 = Ganztagsschulen Sozialklima ist wie folgt dichotomisiert: 0 = angenehm bis sehr unangenehm; 1 = sehr angenehm

82

6.2

Ausmaß

des

fehlenden

Bedarfs

an

Gesundheitsförderung

für

SchülerInnen Einen signifikanten Zusammenhang zwischen SfBI und dem Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht liefert der (nicht-parametrische) Kruskal-Wallis-Test [s. Tab 19]. Der mittlere Rang von SfBI bei Schulen, die einen niedrigen Anteil von SchülerInnen aus der Unterschicht aufweisen, ist größer als der von Schulen, die einen mäßigen oder höheren Anteil aufweisen. Schulen mit mäßigem Anteil an SchülerInnen aus der Unterschicht zeigen den niedrigsten mittleren Rang von SfBI. Im Vergleich zu Schulen, die einen niedrigen oder hohen Anteil von sozial benachteiligten SchülerInnen aufweisen, gaben die Schulen mit mäßigem Anteil an, im Bereich der GF für SchülerInnen weniger aktiv zu sein. Dies deutet auch darauf hin, dass die Schulen mit niedrigerer Armutsquote, gefolgt von denen mit höherer Quote, mehr Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit ihrer SchülerInnen mit „unnötig“ markieren als die Schulen mit mäßiger Armutsquote. Während das Aktivitätsniveau der Schulen mit mäßigem Anteil an SchülerInnen aus der Unterschicht am niedrigsten ist, lehnen diese Schulen am wenigsten weitere Maßnahmen der GF für SchülerInnen ab. Tab. 19 Ränge des SfBI bezüglich des Anteils der SchülerInnen aus der Unterschicht Anteil der SchülerInnen aus n Mittlerer Rang der Unterschicht Niedrig 10 25,40 Mäßig 11 11,95 Hoch 11 12,95

SfBI
?² = 13,550 df = 2 p-Wert = 0,001

Wie in Tab. 20 zu sehen ist, besteht kein signifikanter Zusammenhang zwischen SfBI und dem Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen. Tab. 20 Ränge des SfBI bezüglich SchülerInnen Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen Niedrig Mäßig Hoch des Anteils der normalgewichtigen n 10 11 11 Mittlerer Rang 14,00 16,73 18,55

SfBI
?² = 1,277 df = 2 p-Wert = 0,528

83

Der linearen Regression nach beeinflusst der Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht signifikant d Zielgröße SfBI ( -2,071) [s. Tab. 21]. Je höher dieser ie β= Anteil in einer Schule ist, desto niedriger die Anzahl der Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit ihrer SchülerInnen, die sie als unnötig bezeichnen. Die ablehnende Haltung der Schule gegenüber weiteren Maßnahmen der GF scheint sich mit steigendem Anteil an sozial benachteiligten SchülerInnen zu verringern. Tab. 21 Faktor Lineare Regression: Y = SfBI Geschätzter Standard- Konfidenzintervall Koeffizient fehler (95%) (β) Konstante 8,416 1,546 Anteil der SchülerInnen -2,071 0,718 -3,569 -0,574 aus der Unterschicht (%)
N = 32

p-Wert

0,000 0,009

84

7
7.1

Zusammenfassung, Diskussion und Ausblick
Zusammenfassung und Diskussion

Das vorrangige Ziel dieser Arbeit ist die Ergänzung der bezirklichen Sozial- und Gesundheitsberichterstattung (SBE/ GBE) über Kinder und Jugendliche in Berlin-Mitte mit einer Bestandsaufnahme der schulischen Gesundheitsförderung (GF) im Bezirk. Dafür wurde ein „Fragebogen zur Erhebung von Maßnahmen und Aktivitäten der Gesundheitsförderung in den Schulen des Bezirks Mitte“ entwickelt und getestet. Alle Schulen im Bezirk (N = 78) wurden adressiert und eine Nachfassaktion wurde durchgeführt. Die Vollerhebung vermeidet die mit Stichprobenziehungen verbundenen Verzerrungen (Selection Bias) und Probleme der Stichprobengröße. Da eine hohe Rücklaufquote von 91,03% (N = 71) erzielt wurde, konnte die Merkmalsverteilung der Grundgesamtheit in großem Umfang erfasst werden; das Auftreten eines Selektionsbias bezüglich der Teilnahme ist nur sehr begrenzt möglich. Bei dieser Schulbefragung wurden die bestehenden Maßnahmen und Aktivitäten der GF in den Schulen des Bezirks Mitte erfasst und der weitere subjektive Bedarf an gesundheitsfördernden Maßnahmen ermittelt, d.h. es wurde sowohl auf die Aktivitäten eingegangen, die die Schulen z.Zt. im Bereich GF unternehmen, als auch auf jene, an denen sie interessiert sind. Schulmerkmale und Indikatoren zu strukturellen Rahmenbedingungen und Durchführungsabläufen in den Schulen wurden erhoben, um ihren Einfluss auf bestehende und (un-)erwünschte Maßnahmen schulischer GF zu untersuchen. Um der Frage nachzugehen, ob die soziale und gesundheitliche Lage der Schülerschaft für das Aktivitätsniveau und das Ausmaß fehlenden Bedarfs der Schule im Bereich der GF eine Rolle spielen, wurden zwei Variablen aus den auf Schulebene aggregierten Daten der Schuleingangs- und -abgangsuntersuchungen einbezogen, nämlich: der Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht und der Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen. Die verwendeten Daten der Schuleingangsuntersuchungen des Schuljahres 2001/02 beziehen sich auf 3017 Kinder und die der Schulabgangsuntersuchungen desselben Jahres auf 1945 Jugendliche. Die Repräsentativität der verwendeten Daten hinsichtlich des Anteils der SchülerInnen aus der Unterschicht und des Anteils der normalgewichtigen SchülerInnen in den Schulen des Bezirks wird anhand der Daten von 8051 SchulanfängerInnen und 3960 SchulabgängerInnen statistisch bestätigt.

85

Die soziale Dimension und die Organisationsdimension schulischer GF konnten im Rahmen dieser Befragung leider nicht ausreichend erhoben werden. Die Ermittlung der sozialen Dimension erfordert die Abbildung von Intra- und Intergruppenkommunikation der verschiedenen Personengruppen der Schule, sowie vom gesamten sozialen Klima und Ethos (= Normen, Werte) der Schule [Freitag, 1998; Barkholz et al., 1998]. Die Erhebung der Organisationsdimension erfordert die Erfassung von Lehr- und Lernabläufen und des Schulmanagements (Führungsstil, Informationsfluss, Feedbackund Entscheidungsmechanismen). Die Untersuchung dieser Kommunikations- und Handlungsstrukturen und -prozesse verlangt die Anwendung qualitativer und quantitativer Methoden38 mit großen Stichproben und angemessener Untersuchungsdauer, was außerhalb der Kapazität dieser Arbeit liegt. Allerdings beinhaltet der Fragebogen eine Frage zum „sozialen Klima in der Schule“ (Frage 22). Weiterhin wurde die ökologische Dimension weitgehend durch Fragen zu gesundheitsfördernden Schulstrukturen erfasst (Frage 6 und 7). Bestimmte andere Variablen dieser Dimension konnten im Rahmen dieser Arbeit nicht erfasst werden, z.B. Schulgebäude und Schulweg. Die hohe Rücklaufquote der Schulen bei dieser Erhebung, verbunden damit, dass 31% der Schulen (n=22) angaben, die Zuständigkeit für die GF liege bei der Schulleitung, meistens mit anderen LehrerInnen gemeinsam, kann auf eine positive Einstellung zu GF hindeuten. Die Bestandsaufnahme zur schulischen GF in Berlin-Mitte zeigt durchschnittlich ein hohes Aktivitätsniveau der Schulen im Bereich GF für ihre SchülerInnen (9 Maßnahmen), allerdings deutet sie auf ein relativ niedriges Aktivitätsniveau im Bereich Förderung der Lehrergesundheit hin (im Durchschnitt 3 Maßnahmen). Entsprechend dem Stand der Forschung zur Lehrergesundheit weckten vorrangig die Maßnahmen zur Stressbewältigung das Interesse der Schulen in BerlinMitte nach weiteren Maßnahmen für LehrerInnen (74,6%, n=53). Weiterhin stellte sich heraus, dass der Schulzahnärztliche Dienst, die schulische Koordination der Suchtprophylaxe und der Schulpsychologische Dienst für ein Drittel bis ein Fünftel der Schulen Hilfe bei der Gestaltung und Durchführung von Maßnahmen im Bereich GF leisteten. Außerdem von Interesse sind die Angaben von 13 Schulen (18,3%), Krankenkassen als Schulpartner bei der GF zu haben, und die von 8 Schulen (11,3%), dass gesetzliche Krankenkassen als Finanzpartner ihrer Aktivitäten fungieren.
38

Das Schweizerische Netzwerk Gesundheitsfördernder Schulen bietet Schulstufenspezifische Erhebungsinstrumente zum „Gesundheitsfördernden Schulprofil“ ((http://www.gesundeschulen.ch/data/data_24.pdf)). Freitag hat zwei Fragebögen zur Einschätzung des Schulklimas bei LehrerInnen und SchülerInnen entwickelt [Freitag, 1998].

86

Dies kann als ein erster Schritt zur Umsetzung von §20 SGB V im sozial benachteiligten Bezirk Berlin-Mitte gewertet werden. Darüber hinaus deutet diese Befragung bei etwa einem Drittel der Schulen auf mangelnde Zusammenarbeit mit den Eltern und ein relativ geringes Interesse der SchülerInnen an GF bei einem Drittel der weiterführenden Schulen hin. Die Gründe dafür müssen weiter untersucht und Möglichkeiten für deren Bewältigung sollten eruiert werden. Obgleich über ein Fünftel der Schulen das Fortbildungsniveau ihrer Lehrkräfte in diesem Bereich positiv beurteilte, antwortete ein weiteres Fünftel der Schulen unspezifisch mit „teils/teils“ und weitere 15,5% mit „eher unausreichend“. Dass 43,7% (n=31) der Schulen verneinten, ein schriftlich dokumentiertes Konzept zu haben, und demzufolge eine Evaluation dieses Konzepts verfehlten, deckt einen Mangel auf, der sowohl von Schulen als auch von ihren PartnerInnen, z.B. den oben aufgeführten, zu behandeln ist. Um Einflussgrößen auf die Summenscores zur schulischen GF im Bezirk zu ermitteln, wurden im Rahmen dieser Arbeit eine Querschnittstudie und zwei Fall-Kontroll-Studien konzipiert und durchgeführt. Stark zusammengefasst wird das Aktivitätsniveau der Schulen im Bereich der GF insgesamt (SGI) und in den Subbereichen Ernährung und Bewegung (SGI-E+B) sowie psychosoziale Gesundheit (SGI-Psy) von folgenden Variablen beeinflusst: Schulstufe/ -typ, Betreuungsumfang der Schule, Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht, Anteil der normalgewichtigen SchülerInnen, Sozialklima der Schule und Interesse der SchülerInnen am Bereich GF. Den Studien zufolge wird das berichtete Ausmaß des fehlenden Bedarfs im Bereich der GF insgesamt (SfBI) und in den Subbereichen Ernährung und Bewegung (SfBI-E+B) sowie psychosoziale Gesundheit (SfBI-Psy) von folgenden Variablen beeinflusst: Schulstufe, Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht, Interesse der SchülerInnen am Bereich GF, Zusammenarbeit der Eltern im Bereich GF und Teilnahmebereitschaft an einer Konferenz der Schulen zu GF. Der Querschnittstudie zufolge sind die Grundschulen in Berlin-Mitte signifikant aktiver als die weiterführenden Schulen im Bereich der GF insgesamt und im Subbereich Ernährung und Bewegung, aber nicht im Gebiet der psychosozialen Gesundheit. Bei der Fall-Kontroll-Studie erwies sich die Schulstufe nicht als signifikante Einflussgröße auf das Aktivitätsniveau der Schule im Bereich der GF insgesamt (SGI). Die aktuellen Ergebnisse der IGLU-Studie und der PISA-Studie deuten darauf hin, dass im internationalen Vergleich deutsche Grundschulen bei den Bildungsergebnissen besser

87

abschneiden als deutsche weiterführende Schulen. Gemäß den Ergebnissen der vorliegenden Querschnittstudie sind Grundschulen im Allgemeinen aktiver im Bereich der GF als weiterführende Schulen, ob das höhere Aktivitätsniveau der Grundschulen im Bereich GF allerdings einen Beitrag zu ihren besseren Bildungsergebnissen leistet, ist untersuchenswert. Ein weiterer bedeutsamer Einflussfaktor auf das Aktivitätsniveau von Schulen ist der Betreuungsumfang. Die Schulen mit breiterem Betreuungsumfang gaben an, z.Zt. eine signifikant größere Zahl von Maßnahmen der GF für SchülerInnen durchzuführen als die Halbtagsschulen. Bei einer näheren Betrachtung ist allerdings zu beobachten, dass die Verlässlichen Schulen mehr bereits existierende Maßnahmen auf allen Gebieten angaben als Ganztagsschulen und Letztere von mehr Aktivitäten als Halbtagsschulen ohne zusätzliches Betreuungsangebot berichteten. Nach der Querschnittstudie spielte der Betreuungsumfang der Schule eine signifikant positive Rolle beim Aktivitätsniveau der Schule im Bereich der GF insgesamt und im Subbereich der psychosozialen Gesundheit, aber nicht auf dem Gebiet der Ernährung und Bewegung, was besonders bedenkenswert ist, da die erweiterten Betreuungsangebote i. A. auch die Mittagspause gestalten und so gesunde Ernährung und sportliche Betätigung leicht thematisiert und erlebt werden könnten. Auch bei der Fall-Kontroll-Studie erwies sich der Betreuungsumfang als signifikante Einflussgröße auf das Aktivitätsniveau der Schule im Bereich der GF insgesamt (SGI). Falls das Anliegen des Sachverständigenrats im Gesundheitswesen, bildungs- und gesundheitspolitische Ziele zu verzahnen, indem „Richtlinien für die Vergabe von Mitteln zur Einrichtung von Ganztagsschulen auch der GF dienende Strukturen berücksichtigen“ [S. 398f; SVR, 2003], einen Weg zur Umsetzung in Berlin-Mitte findet, kann dass einen Beitrag dazu leisten, dass Schulen, die sich um eine Erweiterung zu einem Ganztagsangebot bewerben, im Bereich der GF aktiver werden. Ein Ganztagschulbetrieb bietet die Chance, SchülerInnen nicht nur länger zu „verwahren“, sondern auch eine die Gesundheit und Bildung fördernde Schulentwicklung in Gang zu setzen [Grefe, 2001]. Sowohl die Geschlechterverteilung als auch der Anteil der Nicht-Deutsch-

Muttersprachlichen in den Schulen liegt über alle Schulen gemittelt bei etwa 50%. Während allerdings der Geschlechteranteil über die Schulen nur gering variiert (s=8,2), fällt eine erhebliche Variation des Anteils der Nicht-Deutsch-Muttersprachlichen über die Schulen (s=23,9) auf. Dies deutet auf eine ungleiche Verteilung der SchülerInnen mit Migrationshintergrund auf die Schulen im Bezirk Berlin-Mitte hin. Der beträchtliche Anteil der Nicht-Deutsch-Muttersprachlichen in einzelnen Schulen sowie im

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Durchschnitt reflektiert z.T. die Tatsache, dass der neue Bezirk Mitte den höchsten prozentualen Anteil an MigrantInnen in der Wohnbevölkerung (26,5%) in Berlin aufweist. Der multivariaten Auswertung zufolge spielten weder bei der Querschnittstudie noch bei der Fall-Kontroll-Studie die Geschlechterverteilung oder der Anteil der Nicht-Deutsch-Muttersprachlichen eine signifikante Rolle hinsichtlich des Aktivitätsniveaus der Schule im Bereich GF. Nach den schulärztlichen Untersuchungen (2001/02) liegt der durchschnittliche Anteil der SchülerInnen einer Schule aus Familien, die der sozioökonomischen Unterschicht zuzuordnen sind, bei 38,9%. Es besteht in der Hälfte der Schulen ein Anteil von 18,2% bis 60,9% sozial benachteiligter SchülerInnen. Diese große Varianz deutet ebenfalls auf eine ungleiche Verteilung der Schülerschaft aus dieser gesellschaftlichen Schicht auf die verschiedenen Schulen des Bezirks hin. Nach der Querschnittstudie spielte der Anteil der SchülerInnen aus der Unterschicht eine signifikante positive Rolle beim Aktivitätsniveau der Schule im Bereich der psychosozialen Gesundheit, dennoch nicht im Bereich der GF insgesamt oder im Subbereich der Ernährung und Bewegung. Bei erhöhtem Anteil sozialbenachteiligter SchülerInnen erhöhte sich, wenn auch geringfügig, das Aktivitätsniveau der Schule im Bereich der psychosozialen Gesundheit. Diese Ergebnisse stehen im Gegensatz zur kritisierten Tendenz, GF vornehmlich der sozioökonomischen Mittelschicht zugänglich zu machen [Rosenbrock, 2001, 2002]. Bei der Fall-Kontroll-Studie lieferte der Kruskal-Wallis-Test signifikante Unterschiede hinsichtlich des Anteils der SchülerInnen aus der Unterschicht zwischen den Schulen, die hier über ein relativ hohes Aktivitätsniveau im Bereich der GF für SchülerInnen berichteten (=Fälle), und denjenigen, die ein relativ niedriges Niveau angaben (=Kontrollen). Demnach führen die Schulen mit höherer Quote sozialbenachteiligter SchülerInnen, gefolgt von denen mit niedriger Quote, mehr Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit ihrer SchülerInnen durch als die Schulen mit mäßiger Armutsquote. Allerdings wird der Effekt dieser Variablen bei linearer Regression in der Fall-Kontroll-Studie von anderen Variablen maskiert (Betreuungsumfang und Sozialklima der Schule). Die positive Reaktion der Schulen in Berlin-Mitte auf die soziale Lage ihrer Schülerschaft wird weiter dadurch bestätigt, dass bei den durchgeführten Querschnitt- und Fall-Kontroll-Studien die nicht-gymnasialen Oberschulen z.Zt. signifikant mehr Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit ihrer SchülerInnen durchführen als die Gymnasien, deren Anteil an sozial benachteiligten SchülerInnen niedriger ausfällt [Vgl. Mielck, 2001]. Obwohl die GF innerhalb eines Settings SchülerInnen aus allen sozialen Lagen adressiert, kann sie zur

89

Chancengleichheit mehr beitragen, wenn sie in sozialbenachteiligten Settings eingebettet wird [Rosenbrock, 2002]. Gemäß den Ergebnissen der schulärztlichen Untersuchungen 2001/02, können im Durchschnitt 73,7% der SchülerInnen einer Schule in Berlin-Mitte als normalgewichtig eingestuft werden. Die Hälfte der Schulen zeigten demnach einen Anteil von normalgewichtigen SchülerInnen, der zwischen 67,8% und 80,3% liegt. Der Querschnittstudie zufolge erhöhte sich bei steigendem Anteil übergewichtiger SchülerInnen, wenn auch nur geringfügig, das Aktivitätsniveau der Schule im Bereich der GF insgesamt, jedoch nicht in den Subbereichen Ernährung/ Bewegung oder psychosoziale Gesundheit. Bei der Fall-Kontroll-Studie lieferte der Kruskal-Wallis-Test signifikante Unterschiede hinsichtlich des Anteils der normalgewichtigen SchülerInnen zwischen den Schulen, die über ein relativ hohes Aktivitätsniveau im Bereich der GF für SchülerInnen berichteten (=Fälle), und denjenigen, die hier ein relativ niedriges Niveau angaben (=Kontrollen). Demnach führen die Schulen mit höherer Prävalenz an Übergewicht, gefolgt von denen mit niedriger Prävalenz, mehr Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit ihrer SchülerInnen durch als die Schulen mit mäßiger Prävalenz. Allerdings wird der Effekt dieser Variable bei linearer Regression in der FallKontroll-Studie von anderen Variablen maskiert (Betreuungsumfang und Sozialklima). Es ist anzuerkennen, dass die Schulen in der Tendenz offenbar sowohl auf die soziale als auch auf die gesundheitliche Lage ihrer Schülerschaft angemessen reagieren. Sowohl bei der Querschnittstudie als auch bei der Fall-Kontroll-Studie übt das Sozialklima der Schule einen signifikanten positiven Einfluss auf das Aktivitätsniveau der Schule im Bereich der GF insgesamt aus, nicht jedoch auf die Subbereiche Ernährung/ Bewegung oder psychosoziale Gesundheit. Dieses Ergebnis steht in Einklang mit der Literatur, die ebenfalls einen positiven Effekt eines „ angenehmen“ Schulklimas auf Bewältigungsressourcen (Resilienz) der SchülerInnen, Schulanwesenheit und -ergebnisse feststellt [Mangham et al., 1995]. Es ist plausibel, dass sich ein angenehmeres Sozialklima in der Schule förderlich auf die Gesundheit und Bildung ihrer SchülerInnen auswirkt. Nach den Ergebnissen der Querschnittstudie erweist sich das Interesse der SchülerInnen an GF als eine signifikante E influssgröße auf das Aktivitätsniveau der Schule im Bereich der GF insgesamt. Wo das Interesse der SchülerInnen an GF groß ist, ist das Aktivitätsniveau im Bereich GF höher als bei geringem bis mäßigem Interesse. Allerdings kann ein signifikanter Einfluss dieser Variablen auf das

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Aktivitätsniveau in den Subbereichen Ernährung/ Bewegung oder psychosoziale Gesundheit nicht gefunden werden. Bei der Fall-Kontroll-Studie spielte dieses Interesse keine signifikante Rolle für das Aktivitätsniveau der Schule im Bereich GF. Dieses Ergebnis überrascht zwar nicht, bestätigt aber die Bedeutung, die der Motivation von SchülerInnen beigemessen werden sollte.

7.2

Ausblick

Der Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen wurde aufgrund ihrer sozialen und gesundheitlichen Lage und der entscheidenden Rolle dieser Entwicklungsphase für die Gesundheitsbiographie von dem Sachverständigenrat im Gesundheitswesen und dem Forum Gesundheitsziele Deutschland für die GF ein großer Stellenwert beigemessen, insbesondere nach dem Setting-Ansatz, [SVR, 2003; Forum Gesundheitsziele Deutschland, 2003]. Die Lebensverlaufsforschung weist u.a. darauf hin, dass eine Kumulation von verhaltens- und verhältnisbezogenen Faktoren seit dem Kindes- und Jugendalter das Auftreten chronischer Erkrankungen im Erwachsenenalter mitbestimmt [Kuh & Ben-Shlomo, 2001]. Da LehrerInnen oft über Burn-out und berufsbezogene Belastungen klagen und zudem eine relativ hohe Rate vorzeitiger Pensionierungen aufweisen [Böhm-Kasper et al., 2001; Freitag, 1998], soll schulische GF auch die Lehrkräfte als Zielgruppe ansprechen. Diese Forderung ist nicht nur wichtig, damit sie als MultiplikatorInnen wirken, sondern vor allem, damit sich ihr Befinden und ihre Leistungsfähigkeit verbessern, was sich wiederum positiv auf das Schulklima auswirken würde. Der Setting-Ansatz bei der GF kann eine wirksame Alternative zu herkömmlichen Methoden der Gesundheitserziehung und individuumzentrierten Angeboten darstellen, da es Letzteren an bewiesener Wirksamkeit bei sozialbenachteiligten Bevölkerungsgruppen mangelt [Rosenbrock, 2001, 2002]. Aufgrund ihrer nachhaltigen Strukturen, pädagogischen Ressourcen und dem hohen gesellschaftlichen Ansehen stellen sich Schulen als geeignetes gesundheitsförderndes Setting dar. Die standardisierte Dokumentation und Auswertung von präventionsrelevanten schulärztlichen Untersuchungen, wie sie in Berlin-Mitte periodisch vorgenommen werden, kann als Basis für eine settingbezogene SBE/ GBE fungieren. Die PLSG des Bezirks hat das Vorhaben, zunächst die überwiegend an Risikofaktoren orientierten

91

Schuluntersuchungen gesundheitsbezogenen

durch

eine

ressourcenorientierte von SchülerInnen zu

Erhebung ergänzen.

der Eine

Lebensqualität

Datengrundlage über den körperlichen und psychosozialen Zustand der zunehmend heterogenen Schülerschaft scheint für die einzelnen Schulen immer nötiger zu werden [Weßling, 1999]. Darüber hinaus kann eine periodische schulische SBE/ GBE bei der Planung und Evaluation schulischer GF Verwendung finden. Die vorliegende Arbeit versucht, die schulische SBE/ GBE in Verbindung mit schulischer GF zu setzen. Die Schnittstelle zwischen SBE/ GBE und Prävention/ GF wird oft unter dem Motto „Daten für Taten“ diskutiert. Allerdings ist es nicht gelungen, eine Publikation zu finden, die die reale Praxis der schulischen GF mit den an schulischen Belangen orientierten Schuleingangs- und -abgangsuntersuchungen vergleicht. Anhand der auf der Grundlage der schulischen SBE/ GBE nach Prioritäten geordneten Handlungsfelder der GF sollen evidenzbasierte Module schulischer GF entwickelt werden. Die schulische GF kann von den Erfolgen der betrieblichen GF in Deutschland, wenn auch nur teilweise, lernen [Rosenbrock, 2001]. Weiterhin haben aktuelle systematische Übersichten die Evidenzlage bezüglich der Wirksamkeit schulischer GF [Dobbins et al., 2001; Lister-Sharp et al., 1999; Micucci et al., 2002; Ploeg et al., 1999; Thomas et al., 1999] und der Wirksamkeit gesundheitsförderlicher Interventionen bei sozialbenachteiligten Kindern und Jugendlichen [Mielck et al., 2002] ausgewertet und zusammengefasst. Die Angemessenheit und Übertragbarkeit dieser Ergebnisse bleibt allerdings noch weiter zu untersuchen. Um seinen Weg in die fachliche und politische Debatte zur Bildungs- bzw. Schulreform finden zu können, soll das Anliegen der schulischen GF als bildungsfördernd dargestellt werden. Die empirischen Befunde unterstützen das Motto: „Eine gesundheitsfördernde Schule ist eine bildungsfördernde Schule“ und zeigen, dass auch die Umkehrung gilt [Vuille (2002), Powney et al. (2000), Hardason et al. (2001) und Muller (2002)]. Als eine der Reaktionen auf den Schrecken nach der PISA-Studie, die Freude über IGLU-Studie und die alarmierenden Forschungsergebnisse bezüglich der sozialen und gesundheitlichen Lage bei Kindern und Jugendlichen kristallisiert sich der Bedarf nach einer Allianz zwischen Bildung und Gesundheit bei den Heranwachsenden heraus. Eine intersektorale Allianz zwischen den Ressorts Bildung und Gesundheit entspricht den Geboten der Ottawa Charta. Aufgrund der erwiesenen negativen Auswirkungen sozialer Ungleichheit auf die Schulergebnisse [Kerstan & Spiewak, 2003] und die gesundheitliche Lage von Kindern und Jugendlichen [Mielck, 2000], soll der Aufbau einer solchen Allianz vorrangig in sozialbenachteiligten Settings,

92

zu denen der Bezirk Berlin-Mitte gehört, forciert werden [Rosenbrock, 2002]. In Anlehnung an die bezirkliche SBE/ GBE über Kinder und Jugendliche und an die vorliegende Bestandsaufnahme über schulische GF hat die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Schule und Sport den Bezirk Mitte für die Teilnahme an der von der Bertelsmann Stiftung initiierten „Allianz für nachhaltige Schulgesundheit und Bildung in Deutschland“ (Anschub.de) vorgeschlagen. Bei der in der Schulbefragung angekündigten Konferenz zur schulischen GF in Berlin-Mitte werden erste Absprachen mit den Schulen über ihre Beteiligung an „Anschub.de“ stattfinden. Mit Hilfe der Evidenzlage bezüglich des effektiven Aufbaus einer Allianz [Kuhn et al., 1999; Gillies, 1998] wird zunächst eine „Regionale Steuerungsgruppe“ für Anschub.de in Berlin gegründet. Der Status quo schulischer GF in Berlin-Mitte scheint tendenziell der sozialen und gesundheitlichen Lage der SchülerInnen gewachsen zu sein. Allerdings bleibt ihre Förderung und Einbettung in der Schulentwicklung eine Aufgabe aller Akteure in den Sektoren Bildung und Gesundheit.

.

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99

Anhang

Anhang 1 Anhang 2 Anhang 3 Anhang 4 Anhang 5

Anschreiben an die Schulen Fragebogen zur Erhebung von Maßnahmen und Aktivitäten der Gesundheitsförderung im Bezirk Berlin-Mitte Fragebogen zu Einschulungsuntersuchungen Fragebogen zu Schulentlassungsuntersuchungen Deskriptive Ergebnisse der Befragung zur schulischen Gesundheitsförderung in Berlin-Mitte

101 103 115 119 121

100

Anhang 1

Anschreiben an die Schulen

(Emblem des Bezirks Mitte)

Fragebogenaktion zur Erhebung von Maßnahmen und Aktivitäten der Gesundheitsförderung in den Schulen des Bezirks Mitte Sehr geehrte Frau.......................................... Sehr geehrter Herr........................................., zahlreiche neuere Untersuchungen zeigen alarmierende Ergebnisse bezüglich der sozialen Lage, des Gesundheitszustandes und der schulischen Leistungen von SchülerInnen und weisen darüber hinaus auf überdurchschnittliche Stress- und Überforderungssituationen bei LehrerInnen hin. Die Studien verdeutlichen mit diesen Ergebnissen die wichtige Bedeutung von Gesundheitsförderung gerade in Schulen. Die Plan- und Leitstelle Gesundheit möchte daher Schulen in ihrem Bemühen unterstützen, durch gesundheitsfördernde Maßnahmen und Projekte eine positive Lern- und Lehratmosphäre in den Einrichtungen zu fördern. Unser eher breites Gesundheitsverständnis schließt dabei alle Maßnahmen und Aktivitäten zur Verbesserung der körperlichen, psychischen und sozialen Gesundheit sowie des Wohlbefindens von SchülerInnen und LehrerInnen ein. Da wir nur teilweise über die gesundheitsfördernden Aktivitäten der Schulen im Bezirk Mitte informiert sind, möchten wir alle Schulen des Bezirks bitten, sich an unserer Fragebogenaktion zu beteiligen und den beigefügten Fragebogen möglichst vollständig zu beantworten. Die Befragung wird in Kooperation mit der Technischen Universität Berlin, Fachbereich Gesundheitswissenschaften / Public Health durchgeführt und wissenschaftlich begleitet. Sie wurde genehmigt und unterstützt von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport und wird unterstützt von der Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Frauen. Die örtliche Schulaufsicht ist über den Inhalt der Befragung informiert und hat ihre Unterstützung zugesagt. Die Veröffentlichung der Studienergebnisse erfolgt in anonymisierter Form und unterliegt den datenschutzrechtlichen Bestimmungen. Unsere Erhebung dient neben einer Bestandsaufnahme auch der Bedarfsermittlung, also zusätzlich der Klärung, was Sie bereits auf diesem Gebiet unternehmen, unternommen haben oder planen auch wo wir Sie ggf. unterstützen können. Die gewonnenen Erkenntnisse ermöglichen es uns, gezielt an den Schulen des Bezirks Maßnahmen der Gesundheitsförderung zu unterstützen.

101

Bitte senden Sie den möglichst vollständig ausgefüllten Fragebogen per Fachpost bis zum 31. Januar 2003 zurück an die Plan- und Leitstelle Gesundheit des Bezirksamtes Mitte, GesPlanLeit 10, Müllerstraße 146 / 147, 13353 Berlin Bei weiteren Fragen stehen wir Ihnen gern unter der Tel.-Nr. 2009 42571 zur Verfügung. Mit freundlichen Grüßen (Unterschrift) Elisabeth Petry-Stahlberg Plan- und Leitstelle Gesundheit (Unterschrift) Abdel Moniem Mukhtar Institut für Gesundheitswissenschaften Studiengang Public Health, TU Berlin

102

Bezirksamt Mitte von Berlin Plan- und Leitstelle Gesundheit Gesundheitsförderung

Berlin

Fragebogen zur Erhebung von Maßnahmen und Aktivitäten der

Gesundheitsförderung in den Schulen des

Bezirks Berlin-Mitte

103

Sehr geehrte Damen und Herren,

• Diese Erhebung dient der Erfassung von Maßnahmen und Aktivitäten der Gesundheitsförderung an Ihrer Schule sowie des weiteren Bedarfs in diesem Bereich. • Die Ergebnisse der Erhebung werden als Grundlage für die geplante Unterstützung der Gesundheitsförderung in den Schulen des Bezirks Mitte eingesetzt. • Alle Ihre Daten werden von uns vertraulich behandelt und anonym veröffentlicht. Ø Bitte füllen Sie diesen Fragebogen möglichst vollständig aus. Ø Die Möglichkeit der Mehrfachnennung sowie weitere Hinweise zum Ausfüllen sind bei den entsprechenden Fragen vermerkt. • Falls Sie Fragen haben, wenden Sie sich bitte an die Plan- und Leitstelle Gesundheit, Tel. (030) 2009 42571, Fax (030) 2009 43355. • Bitte schicken Sie den ausgefüllten Fragebogen per Fachpost bis zum

31. Januar 2003 zurück an das Bezirksamtes Mitte Plan- und Leitstelle Gesundheit, GesPlanLeit 10, Müllerstraße 146 / 147, 13353 Berlin Herzlichen Dank für Ihre Mitarbeit im Voraus

104

Allgemeine Angaben: 1. Angaben zu Ihrer Schule Name:________________________________________________________ Anschrift:______________________________________________________ Website (falls vorhanden):________________________________________ Schülerzahl:___________________________________________________ Lehrerzahl:____________________________________________________ 2. Können Sie uns eine(n) Ansprechpartner/in in Ihrer Schule benennen? Name:________________________________________________________ Funktion:______________________________________________________ Telefon:____________________________ Telefax:____________________ E-Mail:_______________________________________________________ 3. Ihre Schule ist eine: ? ? ? Ganztagsschule Halbtagsschule, mit zusätzlichem Betreuungsangebot Halbtagsschule, ohne zusätzliches Betreuungsangebot

4. Die Verteilung von Mädchen und Jungen an Ihrer Schule ist wie folgt (ungefähr): __________% Mädchen ___________ % Jungen

5. Der Anteil Ihrer SchülerInnen, deren Muttersprache Deutsch ist, liegt bei (ungefähr): __________%

105

Maßnahmen und Themenfelder der Gesundheitsförderung: 6. Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit Ihrer LehrerInnen: (Machen Sie bitte in jeder Reihe nur ein Kreuz) Maßnahmen Haben wir bereits Wir haben Interesse daran Gesundes Ernährungsangebot LehrerInnengymnastik Rückenschule Ergonomische Möbel Verschönerung der Lehrerzimmer Rauchfreies Lehrerzimmer Lärmschutzfenster Raumluftbefeuchter Staubfreie Spezialkreide Autogenes Training Training zur Stressbewältigung Supervision Mediation (Vermittlung) Gesellige Zusammenkünfte Pädagogische Tage über Gesundheit Schulinterne Lehrerfortbildung im Bereich Gesundheit Spezielles Beratungsangebot Sonstiges: ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? Benötigen wir nicht

106

7. Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit Ihrer SchülerInnen: (Machen Sie bitte in jeder Reihe nur ein Kreuz) Maßnahmen Haben wir bereits Haben wir Interesse daran Gesunder Schulkiosk Getrennte Ess- und Spielpause Gemeinsame Klassenmahlzeit Schulmilch Kochkurse Morgengymnastik Kurzturnen im Unterricht Aktive Pause Sport-AGs Sportliche Wettbewerbe Rauchfreies Schulgelände VertrauenslehrerIn Konfliktlotsen Schulstation (Sozialdienst) Schülerclub Mädchen AGs Jungen AGs Besondere Sprachförderung Spezielles Beratungsangebot Sonstiges: ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? Benötigen wir nicht

107

8. Welche Themenfelder der Gesundheitsförderung behandeln Sie in Ihrer Schule außerhalb des Unterrichts? (Füllen Sie bitte nur die zutreffenden Reihen aus) Thema Das machen wir Und zwar seit...... bereits (Kreuz) Ernährung Bewegung Hygiene - Körperpflege - Umwelthygiene Impfung Zahngesundheit Sexualerziehung - HIV/AIDS - Verhütung Suchtprävention - Rauchen - Alkoholkonsum - Konsum illegaler Drogen Unfallprävention - Verkehrserziehung Gewaltprävention Stressbewältigung Sonstiges: ? ? ? ? ? ? ? (Falls Sie zur Zeit keine der oben genannten Maßnahmen durchführen oder die Themenfelder behandeln, bitten wir Sie gleich mit Frage 23 auf Seite 9 fortzufahren) ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? (Monat / Jahr) Und zwar......mal im Monat (Zahl)

108

Aktivitäten der Gesundheitsförderung: 9. Setzt Ihre Schule einen bestimmten gesundheitsbezogenen Themenschwerpunkt? ? Ja, nämlich__________________________________________________ ? Nein 10. Nennen Sie bitte stichwortartig die Ziele Ihrer laufenden gesundheitsförderlichen Aktivitäten: 1. __________________________________________________________ 2. __________________________________________________________ 3. __________________________________________________________ 4. __________________________________________________________ 11. Welche Wege zur Erreichung der Ziele dieser Aktivitäten wählen Sie? (Mehrfachnennungen möglich) ? Informieren und Aufklären ? Ausgestaltung des Lehrplans/Curriculums ? Umgestaltung innerschulischer Strukturen ? Kooperation mit außerschulischen Organisationen / Personen ? Andere, nämlich_____________________________________________ 12. Gibt es im Rahmen Ihrer gesundheitsförderlichen Aktivitäten nach Geschlecht getrennte Veranstaltungen oder Maßnahmen (für Schülerinnen oder Schüler)? ? Ja ? Nein

13. Werden gesundheitsförderliche Aktivitäten für SchülerInnen mit speziellem Bedarf angeboten? (Mehrfachnennungen möglich) Ja, und zwar für SchülerInnen: ? mit Lernschwäche ? aus sozial schwachen Familien ? Nein ? aus Ein-Eltern-Familien ? nichtdeutscher Herkunft

? Anderes, nämlich__________________________________________

109

14. In welcher Lehrform behandeln Sie die Themen der Gesundheitsförderung? (Mehrfachnennungen möglich) ? Vortrag ? Gruppenarbeit ? Rollenspiel ? Spiele, Basteln, Experimente ? Medien ? Einzelberatung

? Andere, nämlich_____________________________________________ 15. Welche anderen Methoden werden zur Unterstützung Ihrer gesundheitsförderlichen Aktivitäten eingesetzt? (Mehrfachnennungen möglich) ? Ausstellungen, Aktionstage ? Exkursionen ? Mitarbeit von Eltern ? Keine 16. Welche Personen / Organisationen sind an der Gestaltung oder Durchführung der Aktivitäten zusätzlich (zu den LehrerInnen) beteiligt? (Mehrfachnennungen möglich) ? Schularzt/-ärztin ? Schulzahnärztlicher Dienst ? Schulpsychologischer Dienst ? KoordinatorIn der Suchtprophylaxe ? Sc hulische Behörden ? Hort ? Eltern von SchülerInnen ? Keine 17. Wer finanziert Ihre Aktivitäten? (Mehrfachnennungen möglich) ? Eigenes Schulbudget ? Schulische Behörden ? Krankenkassen ? Spenden von Privatpersonen ? Klassenkasse ? Private Einrichtungen ? Jugendeinrichtungen ? Plan- und Leitstelle Gesundheit ? Krankenkassen ? Andere Versicherungen ? Wohlfahrtsverband ? Vereine, Stiftungen ? Privatpersonen ? Einladung von Experten ? Beratung durch Experten ? Ideen von SchülerInnen

? Andere, nämlich_____________________________________________

? Andere, nämlich_____________________________________________

? Andere, nämlich_____________________________________________

110

18. Bitte schätzen Sie ein, ob bei gleichbleibender Höhe Ihrer finanziellen Mittel zukünftig ? ? ? ? Die Aktivitäten fortgeführt werden können Aktivitäten eingeschränkt werden müssen Einzelne Aktivitäten ganz aufgegeben werden müssen Alle Aktivitäten gefährdet sind

19. Wie beurteilen Sie das Fort- und Weiterbildungsangebot für Ihr Lehrpersonal im Bereich Gesundheitsförderung? ? ? ? ? ? Sehr ausreichend Eher ausreichend teils/teils Eher unausreichend Sehr unausreichend

20. Wer ist für die Gesundheitsförderung in Ihrer Schule zuständig? (Mehrfachnennungen möglich) ? ? ? ? ? ? SchuldirektorIn SachkundelehrerIn BiologielehrerIn SportlehrerIn Andere LehrerIn, nämlich________________________________ Außerschulische Person, nämlich__________________________

21. Liegt bei Ihnen für die Maßnahmen und Aktivitäten im Bereich Gesundheitsförderung ein schriftlich dokumentiertes Konzept vor? ? ? ? ? Ja, für jede Maßnahme und Aktivität Ja, für bestimmte Maßnahmen und Aktivitäten Ja, aber als Gesamtkonzept Nein

22. Falls ein Konzept vorhanden ist, wird es überprüft und eventuell geändert? ? Ja, regelmäßig ? Ja, unregelmäßig ? Nein

111

Bisherige Erfahrungen: 23. Wie beurteilen Sie das soziale Klima in Ihrer Schule? ? ? ? ? ? Sehr angenehm Eher angenehm teils/teils Eher unangenehm Sehr unangenehm

24. Wie beurteilen Sie Ihre bisherigen Erfahrungen im Bereich Gesundheitsförderung in der Schule? ? ? ? ? ? Sehr positiv Eher positiv teils/teils Eher negativ Sehr negativ

25. Wie beurteilen Sie Ihre Zusammenarbeit mit den Eltern im Bereich Gesundheitsförderung? ? ? ? ? Wir werden durch die Elternschaft unterstützt Wir werden von zahlreichen Eltern unterstützt Wir werden von vereinzelten Eltern unterstützt Das interessiert die Mehrheit der Eltern nicht

26. Wie beurteilen Sie das Interesse Ihrer SchülerInnen an Gesundheitsförderung? ? ? ? ? Groß, an allen Themen Mäßig, an allen Themen Gering, an allen Themen Groß, an bestimmten Themen, nämlich_____________________ __________________________________________________________ ? Gering, an bestimmten Themen, nämlich____________________ __________________________________________________________

112

27. Werden die Räume Ihrer Schule für Aktivitäten bzw. Gruppierungen im Stadtteil zur Verfügung gestellt? ? ? ? ? Ja, sie werden oft in Anspruch genommen Ja, sie werden kaum in Anspruch genommen Nein, wir sind dafür nicht ausreichend ausgestattet Nein, das lassen wir aus anderen Gründen nicht zu

28. In naher Zukunft ist eine Konferenz zur Gesundheitsförderung in den Schulen des Bezirks Mitte geplant. Haben Sie Interesse daran teilzunehmen? ? ? ? Ja, bitte schreiben Sie uns zum gegebenen Zeitpunkt an Eventuell, wir bitten um weitere Informationen Nein

29. Von wem wurde dieser Fragebogen ausgefüllt? Name:_______________________________________________________ Funktion:_____________________________________________________ 30. Ihre Bemerkungen oder Ergänzungen zum Fragebogen sind uns wichtig: __________________________________________________________________ __________________________________________________________________ __________________________________________________________________ __________________________________________________________________ __________________________________________________________________ __________________________________________________________________ __________________________________________________________________ __________________________________________________________________ __________________________________________________________________ __________________________________________________________________

Wir bedanken uns sehr herzlich für Ihre Geduld und Mitarbeit!

113

Hier ist zusätzlicher Platz für Ihre Ergänzungen und Bemerkungen

Fragebogennummer: ________

114

Anhang 3

Fragebogen zu Einschulungsuntersuchungen

115

116

117

118

Anhang 4

Fragebogen zu Schulentlassungsuntersuchungen

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120

Anhang 5

Deskriptive Ergebnisse der Befragung zur schulischen Gesundheitsförderung in Berlin-Mitte

Angaben zu Schulen im Bezirk Berlin-Mitte 2003 und andere Variablen Variablen Schulverteilung nach Bezirksteil: Wedding Tiergarten Mitte (alt) Schulverteilung nach Träger: Staatlich Privat Schulverteilung nach Schulstufe: Grundschulen Weiterführende Schulen Grund- und weiterführende Schulen Schulverteilung nach Schultyp: Grundschulen Hauptschulen Realschulen Gesamtschulen Gymnasien Sonderschulen Berufsschulen Grund- und Sonderschulen Haupt- und Realschulen Realschulen und Gymnasien Schulverteilung nach Betreuungsumfang: Ganztagsschulen Halbtagsschulen mit zusätzlichem Betreuungsangebot Halbtagsschulen ohne zusätzliches Betreuungsangebot Keine Angaben Benennung eines/r AnsprechpartnerIn: Ja Nein Setzung eines bestimmten gesundheitsbezogenen Themenschwerpunkts: Ja Nein Keine Angaben Durchführung von nach Geschlecht getrennten Aktivitäten der GF: Ja Nein Keine Angaben Häufigkeit % (n) 49,3 (35) 26,8 (19) 23,9 (17) 93,0 (66) 7,0 (5) 49,3 (35) 46,5 (33) 4,2 (3) 49,3(35) 7,0 (5) 5,6 (4) 7,0 (5) 15,5 (11) 4,2 (3) 2,8 (2) 4,2 (3) 2,8 (2) 1,4 (1) 12,7 (9) 36,6 (26) 46,5 (33) 4,2 (3) 91,5 (65) 8,5 (6)

21,2 (15) 39,4 (28) 39,4 (28) 21,2 (15) 38,0 (27) 40,8 (29)

121

Anbieten von Aktivitäten für SchülerInnen mit speziellem Bedarf: Ja, für SchülerInnen mit Lernschwäche Ja, für SchülerInnen aus sozial schwachen Familien Ja, für SchülerInnen aus Ein-Eltern-Familien Ja, für SchülerInnen nichtdeutscher Herkunft Ja, für andere SchülerInnen Nein Keine Angaben Funktion des/r Fragebogen-BeantworterIn: Kollegium Schulleiter Schulleiterin SchulleiterIn und ein(e) oder zwei LehrerInnen KonrektorIn Zwei LehrerInnen Ein/e LehrerIn Schulsekretärin Keine Angaben

2,8 (2) 4,2 (3) 0,0 (0) 1,4 (1) 5,6 (4) 5,6 (4) 49,3 (35) 1,4 (1) 35,2 (25) 26,8 (19) 5,6 (4) 11,3 (8) 4,2 (3) 9,9 (7) 1,4 (1) 4,2 (3)

Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit der LehrerInnen in Berlin-Mitte Maßnahmen Existiert bereits [%, (n)] 35,2 (25) 8,5 (6) 1,4 (1) 9,9 (7) 29,5 (21) 88,7 (63) 15,5 (11) 0,0 (0) 14,1 (10) 1,4 (1) 2,8 (2) 5,6 (4) 16,9 (12) 74,6 (53) 8,5 (6) 9,9 (7) 0,0 (0) Interesse weckend [%, (n)] 32,4 (23) 45,1 (32) 52,1 (37) 70,4 (50) 49,3 (35) 4,2 (3) 42,3 (30) 49,3 (35) 62,0 (44) 46,5 (33) 74,6 (53) 50,7 (36) 39,4 (28) 11,3 (8) 45,1 (32) 50,7 (36) 26,8 (19) Wird nicht benötigt [%, (n)] 16,9 (12) 28,2 (20) 25,4 (18) 8,5 (6) 8,5 (6) 1,4 (1) 29,5 (21) 31,0 (22) 7,0 (5) 29,6 (21) 8,5 (6) 25,4 (18) 22,5 (16) 2,8 (2) 29,6 (21) 23,9 (17) 38,0 (27) Keine Angaben [%, (n)] 15,5 (11) 18,3 (13) 21,1 (15) 11,3 (8) 12,7 (9) 5,6 (4) 12,7 (9) 19,7 (14) 16,9 (12) 22,5 (16) 14,1 (10) 18,3 (13) 21,1 (15) 11,3 (8) 16,9 (12) 15,5 (11) 35,2 (25)

Gesundes Ernährungsangebot LehrerInnengymnastik Rückenschule Ergonomische Möbel Verschönerung der Lehrerzimmer Rauchfreies Lehrerzimmer Lärmschutzfenster Raumluftbefeuchter Staubfreie Spezialkreide Autogenes Training Training zur Stressbewältigung Supervision Mediation (Vermittlung) Gesellige Zusammenkünfte Pädagogische Tage über Gesundheit Schulinterne Lehrerfortbildung im Bereich Gesundheit Spezielles Beratungsangebot

122

Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit der SchülerInnen in Berlin-Mitte Maßnahmen Existiert bereits [%, (n)] 28,2 (20) 36,6 (26) 42,2 (30) 38,0 (27) 42,2 (30) 1,4 (1) 26,8 (19) 47,9 (34) 97,2 (69) 93,0 (66) 71,8 (51) 81,7 (58) 39,4 (28) 33,8 (24) 12,7 (9) 43,6 (31) 39,4 (28) 74,6 (53) 28,2 (20) Interesse weckend [%, (n)] 36,5 (26) 11,3 (8) 12,7 (9) 16,9 (12) 25,4 (18) 39,4 (28) 32,4 (23) 32,4 (23) 1,4 (1) 0,0 (0) 12,7 (9) 2,8 (2) 36,6 (26) 36,6 (26) 36,6 (26) 15,5 (11) 18,3 (13) 12,7 (9) 19,7 (14) Wird nicht benötigt [%, (n)] 25,4 (18) 36,6 (26) 32,4 (23) 31,0 (22) 21,1 (15) 39,4 (28) 21,1 (15) 7,0 (5) 0,0 (0) 0,0 (0) 7,0 (5) 8,5 (6) 12,7 (9) 16,9 (12) 32,4 (23) 25,4 (18) 25,4 (18) 4,2 (3) 23,9 (17) Keine Angaben [%, (n)] 9,9 (7) 15,5 (11) 12,7 (9) 14,1 (10) 11,3 (8) 19,8 (14) 19,7 (14) 12,7 (9) 1,4 (1) 7,0 (5) 8,5 (6) 7,0 (5) 11,3 (8) 12,7 (9) 18,3 (13) 15,5 (11) 16,9 (12) 8,5 (6) 28,2 (20)

Gesunder Schulkiosk Getrennte Ess- und Spielpause Gemeinsame Klassenmahlzeit Schulmilch Kochkurse Morgengymnastik Kurzturnen im Unterricht Aktive Pause Sport-AGs Sportliche Wettbewerbe Rauchfreies Schulgelände VertrauenslehrerIn Konfliktlotsen Schulstation (Sozialdienst) Schülerclub Mädchen AGs Jungen AGs Besondere Sprachförderung Spezielles Beratungsangebot

Strukturelle Rahmenbedingungen und Durchführungsabläufe bei der Gesundheitsförderung in Berlin-Mitte Variablen Angaben über Ziele: Ja, angegeben Keine Angaben Wege zur Zielerreichung: Informieren und Aufklären Ausgestaltung des Lehrplans/Curriculums Umgestaltung innerschulischer Strukturen Kooperation mit außerschulischen Organisationen / Personen Andere Keine Angaben Verwendete didaktische Methoden: Vortrag Gruppenarbeit Rollenspiel Spiele, Basteln, Experimente Medien Einzelberatung Ausstellungen, Aktionstage Exkursionen Häufigkeit % (n) 40,8 (29) 59,2 (42) 40,8 (29) 18,3 (13) 19,7 (14) 32,4 (23) 2,8 (2) 52,1 (37) 39,4 (28) 47,9 (34) 29,6 (21) 25,4 (18) 39,4 (28) 23,9 (17) 28,2 (20) 29,6 (21)

123

Mitarbeit von Eltern Einladung von Experten Beratung durch Experten Ideen von SchülerInnen Andere Keine Angaben SchulpartnerInnen bei der GF: Schularzt/-ärztin Schulzahnärztlicher Dienst Schulpsychologischer Dienst KoordinatorIn der Suchtprophylaxe Schulische Behörden Hort Eltern von SchülerInnen Jugendeinrichtungen Plan- und Leitstelle Gesundheit Krankenkassen Andere Versicherungen Wohlfahrtsverband Vereine, Stiftungen Privatpersonen Andere Keine Angaben Finanzierungsquellen: Eigenes Schulbudget Schulische Behörden Krankenkassen Spenden von Privatpersonen Klassenkasse Private Einrichtungen Andere Keine Angaben Auswirkung des Finanzierungsniveaus auf Aktivitäten der GF: Die Aktivitäten können fortgeführt werden Aktivitäten müssen eingeschränkt werden Einzelne Aktivitäten müssen ganz aufgegeben werden Alle Aktivitäten sind gefährdet Keine Angaben Fortbildungsniveau der LehrerInnen: Sehr ausreichend Eher ausreichend Teils/teils Eher unausreichend Sehr unausreichend Keine Angaben Zuständigkeit für die GF: SchuldirektorIn SachkundelehrerIn BiologielehrerIn SportlehrerIn Andere(r) LehrerIn

22,5 (16) 32,4 (23) 31,0 (22) 26,8 (19) 7,0 (5) 42,3 (30) 16,9 (12) 29,6 (21) 19,7 (14) 26,8 (19) 8,5 (6) 8,5 (6) 16,9 (12) 12,7 (9) 4,2 (3) 18,3 (13) 2,8 (2) 0,0 (0) 15,5 (11) 9,9 (7) 9,9 (7) 39,4 (28) 26,8 (19) 11,3 (8) 11,3 (8) 12,7 (9) 7,0 (5) 1,4 (1) 22,5 (16) 47,9 (34) 19,7 (14) 14,1 (10) 14,1 (10) 1,4 (1) 50,7 (36) 1,4 (1) 19,7 (14) 21,1 (15) 15,5 (11) 0,0 (0) 42,3 (30) 31,0 (22) 16,9 (12) 42,3 (30) 31,0 (22) 28,2 (20)

124

Außerschulische Person Keine Angaben Vorliegen eines schriftlich dokumentierten Konzepts: Ja, für jede Maßnahme und Aktivität Ja, für bestimmte Maßnahmen und Aktivitäten Ja, aber als Gesamtkonzept Nein Keine Angaben Evaluation des Konzepts (Filterfrage): Ja, regelmäßig Ja, unregelmäßig Nein Keine Angaben

4,2 (3) 42,3 (30) 1,4 (1) 2,8 (2) 8,4 (6) 43,7 (31) 43,7 (31) 5,6 (4) 5,6 (4) 45,1 (32) 43,7 (31)

Dimensionen bisheriger Erfahrungen der Schulen bei der Gesundheitsförderung in Berlin-Mitte Variablen Das soziale Klima in der Schule: Sehr angenehm Eher angenehm Teils/teils Eher unangenehm Sehr unangenehm Keine Angaben Beurteilung der bisherigen Erfahrungen im Bereich GF: Sehr positiv Eher positiv Teils/teils Eher negativ Sehr negativ Kaum Erfahrungen Keine Angaben Beurteilung der Zusammenarbeit der Eltern im Bereich GF: Schulen werden durch die Elternschaft unterstützt Schulen werden von zahlreichen Eltern unterstützt Schulen werden von vereinzelten Eltern unterstützt Das interessiert die Mehrheit der Eltern nicht Keine Angaben Beurteilung des Interesses der SchülerInnen an GF: Groß Mäßig Gering Keine Angaben Bereitstellung (Ja/ Nein) der Schulräume für und deren Inanspruchnahme durch die Gemeinde: Ja, Schulräume werden oft in Anspruch genommen Ja, Schulräume werden kaum in Anspruch genommen Häufigkeit % (n) 25,4 (18) 53,5 (38) 19,7 (14) 1,4 (1) 0,0 (0) 0,0 (0) 1,4 (1) 40,8 (29) 43,7 (31) 7,0 (5) 1,4 (1) 1,4 (1) 4,2 (3) 8,5 (6) 15,5 (11) 39,4 (28) 29,6 (21) 7,0 (5) 26,8 (19) 47,9 (34) 19,7 (14) 5,6 (4)

35,2 (25) 22,5 (16)

125

Nein, Schulen sind dafür nicht ausreichend ausgestattet Nein, Schulen lassen dies aus anderen Gründen nicht zu Keine Nachfrage von der Gemeinde Keine Angaben Teilnahmebereitschaft an Konferenz der Schulen zu GF: Ja, Schulen bitten um rechtzeitige Einladung Eventuell, Schulen bitten um weitere Informationen Nein Keine Angaben

25,4 (18) 7,0 (5) 2,8 (2) 7,0 (5) 42,3 (30) 47,9 (34) 5,6 (4) 4,2 (3)

126
        
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