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Zwei Jahre nach dem Start

Full text: Zwei Jahre nach dem Start

Stadtumbau West Berlin Kreuzberg - Spreeufer

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Zwei Jahre nach dem Start

Stadtumbau West Kreuzberg - Spreeufer Zwei Jahre nach dem Start
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Impressum
Auftraggeber Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin Fachbereich Stadtplanung Yorckstraße 4-11, 10965 Berlin Postanschrift: Postfach 350701, 10216 Berlin Telefon: 030 - 90298 - 2234 / Telefax: 030 - 90298 - 3352 Matthias Peckskamp, Ralf Ahlemann, Siegfried Rudolph in Zusammenarbeit mit Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Referat IV D - Entwicklungsbereiche, Städtebauliche Verträge, Stadtumbau Württembergische Straße 6, 10707 Berlin Telefon: 030 - 9012 - 5691 / Telefax: 030 - 9012 - 3527 Martina Pirch, Dirk Böttcher, Brigitte Schammer Konzept, Redaktion und Layout Herwarth + Holz Planung und Architektur Schlesische Straße 27, 10997 Berlin Telefon: 030 - 6 11 10 21 / Telefax: 030 - 6 18 87 16 Carl Herwarth von Bittenfeld, Brigitte Holz Mitarbeiter/innen: Thomas Fenske, Andreas Richter Renate Seiler, Kerstin Thurau Fotos und Abbildungen Herwarth + Holz, mit Ausnahme Seite 4, 5 und 23 Druck DRUCKZONE GmbH & Co. KG Auflage 4.000 Exemplare Berlin, Dezember 2007

FriedrichshainKreuzberg

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Inhalt
Vorworte .......................................................................................................................................................................... 4 Der Kreuzberger Weg an die Spree .......................................................................................................................... 6 Philosophie des Stadtumbaus ................................................................................................................................... 7 Stadtumbau in der Zusammenschau ....................................................................................................................... 8 Maßnahmen 2006 bis 2013 im Überblick ................................................................................................................. 9 Die ersten Schritte sind gemacht ............................................................................................................................ 10 Eine erste Bilanz ......................................................................................................................................................... 11 1. Urbanisierung des Kreuzberger Spreeufers ..................................................................................................... 12 2. Vernetzung des Kreuzberger und Friedrichshainer Spreeufers .................................................................. 14 3. Öffnung und Erschließung des Spreeraums ..................................................................................................... 16 4. Entwicklung der Köpenicker Straße und Schlesischen Straße mit Aufenthaltsqualität ...................... 18 5. Verbesserung des Bereichs am U-Bhf. Schlesisches Tor als Quartiersmittelpunkt ............................... 20 6. Verbesserung des Wohnumfeldes / Weiterentwicklung der Wrangelstraße .......................................... 24 7. Etablierung einer 'neuen Kreuzberger Mischung' ......................................................................................... 26 8. Aufbau von Netzwerken der Akteure ................................................................................................................. 28 Ausblick ........................................................................................................................................................................ 30 Ansprechpartner/innen ............................................................................................................................................. 32

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Vorworte
Sehr geehrte Damen und Herren, das Kreuzberger Spreequartier ist eines der fünf Berliner Stadtquartiere, die mit förmlichem Beschluss in das städtebauliche Förderprogramm "Stadtumbau West" aufgenommen wurden. Hier wo die Spree über Jahrzehnte die Stadt teilte, wollen wir die Chance nutzen, eine zukunftsfähige Entwicklung zu initiieren. Das Land Berlin setzt die Programmmittel für den "Stadtumbau West" konzentriert in zentralen Stadtbereichen ein, die von wirtschaftlichen und städtebaulichen Problemlagen oder von sozialer Entmischung betroffen sind, zugleich jedoch eine hohe Lagegunst aufweisen. Auch am Kreuzberger Spreeufer prägen Brachen, untergenutzte Flächen und Gebäude das Bild, obwohl das Gebiet mit seiner Uferlage zu sehr vielen Nutzungen einlädt. Mit dem Programm "Stadtumbau West" wollen wir über Investitionen in öffentliche Maßnahmen wesentliche städtebauliche Mängel abbauen und Anreize für umfangreiche private Investitionen in Gewerbe, Handel und Wohnen schaffen. Dabei soll sich der südöstliche Spreeraum zu einem Ort für die alteingesessene Bevölkerung wie auch für neu Hinzukommende entwickeln. Das Stadtumbauprogramm wird dazu beitragen, die Wohn- und Lebensqualität im gesamten Wrangelkiez deutlich zu erhöhen und sein Image in der Gesamtstadt nachhaltig zu verbessern. Die damit verbundenen Herausforderungen sind nur gemeinschaftlich zu bewältigen. Lassen Sie uns also zusammen daran arbeiten, dass das Programm zu einem Erfolg für das Land Berlin, für Bewohnerinnen und Bewohner und die private Wirtschaft wird. Ihre

Ingeborg Junge-Reyer Senatorin für Stadtentwicklung

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Sehr geehrte Damen und Herren, der Einsatz von Stadtumbaumitteln macht sich im Quartier Kreuzberg - Spreeufer nachhaltig bemerkbar. Nach nur zwei Jahren sind erste Projekte realisiert, weitere auf den Weg gebracht. Bei Bewohnerinnen und Bewohnern, Gewerbetreibenden und Eigentümern zeigt sich eine hohe Mitwirkungsbereitschaft am Stadtumbauprozess, weil alle Beteiligten mit dem eingeleiteten Prozess Vorteile verbinden. Ich bin überzeugt davon, dass vom Stadtumbau des Spreeraums alle profitieren. Die positive Aufwertung des Quartiers ist deutlich spürbar. Das Spreeufer rückt wieder in das öffentliche Bewusstsein, die Investitionsbereitschaft wächst. Kreuzberg hat begonnen, sich zur Spree öffnen. Welche Chancen damit verbunden sind, zeigt der Blick vom neuen, über dem Wasser schwebenden Spreebalkon in der Brommystraße. Hier wird spürbar, dass das Kreuzberger Spreequartier eines der spannendsten Entwicklungsräume der Stadt ist. An dieser Stelle möchte ich Sie herzlich auffordern, Ihre Anregungen und Wünsche in den weiteren Planungs- und Umsetzungsprozess einzubringen. Mitwirkung, Dialog und Konsensbildung betrachten wir als feste Größen des Stadtumbauprozesses. Ihr

Franz Schulz Bezirksbürgermeister / Leiter der Abteilung für Stadtentwicklung, Personal und Gleichstellung

Sehr geehrte Damen und Herren, für das Kreuzberger Spreequartier ist der Stadtumbau ein Glücksfall. In den nächsten Jahren werden etwa 20 Millionen Euro an Fördermitteln in das Gebiet fließen. Ein großer Teil davon wird für öffentliche Baumaßnahmen eingesetzt. Es werden neue Wege entstehen, das Ufer wird zugänglich, Schulen, Sport-, Spielräume und Grünflächen werden aufgewertet. Der Stadtumbau ermöglicht es, Maßnahmen in einem überschaubaren Zeitraum umzusetzen, die mit Bezirksmitteln allein nicht realisierbar wären. Ich freue mich sehr, dass erste Projekte fertiggestellt sind und dass das Stadtumbaugebiet auch in Zukunft von Baustellen geprägt sein wird. Sie sind auch ein Zeichen für die Entwicklung des Quartiers, für mehr Lebensqualität und Anziehungskraft. Ich verspreche Ihnen, dass wir den Stadtumbauprozess zügig und effektiv gestalten werden und dass wir Sie über alle damit verbundenen Schritte ausführlich informieren. Ich wünsche Ihnen und uns einen erfolgreichen Verlauf des Stadtumbaus. Ihre

Jutta Kalepky Bezirksstadträtin für Bauen, Wohnen und Immobilienservice

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Der Kreuzberger Weg an die Spree
Das ca. 100 ha große Gebiet Kreuzberg - Spreeufer mit rund 8.700 Bewohnerinnen und Bewohnern wurde am 07.12.2005 als eines von fünf Gebieten im Westteil Berlins in das Programm Stadtumbau West aufgenommen. Das Gebiet liegt im Nordosten des Ortsteils Kreuzberg im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Nordwestlich grenzt der Bezirk Mitte, südöstlich der Bezirk Treptow-Köpenick an. Der Ufersaum des Quartiers zur Spree und zum Landwehrkanal hat eine Länge von ca. 2 km. Wegweisend für die Programmumsetzung ist das Leitbild 'Kreuzberg an die Spree - Stadt an die Spree'. Es steht für eine Vielzahl an Maßnahmen, die zur Vernetzung von Stadt- und Flussraum sowie zur Definition des Entrees zur Innenstadt über die Spree umzusetzen sind. Es fordert dazu auf, den Kreuzberger Kiez an das Spreeufer heranzuführen, verdeutlicht aber auch die Bedeutung des Entwicklungsraumes für die Gesamtstadt. Damit verbunden ist zugleich die einmalige Chance, den beidseitigen Spreeraum im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zu verzahnen. Das Leitbild ist in einem '8 Punkte-Programm' präzisiert, das die übergeordneten Ziele für den Stadtumbau im Bereich Kreuzberg - Spreeufer definiert: 1. Urbanisierung des Kreuzberger Spreeufers 2. Vernetzung des Kreuzberger und Friedrichshainer Spreeufers 3. Öffnung und Erschließung des Spreeraums 4. Entwicklung der Köpenicker Straße und Schlesischen Straße mit Aufenthaltsqualität 5. Verbesserung des Bereichs am U-Bhf. Schlesisches Tor als Quartiersmittelpunkt 6. Verbesserung des Wohnumfeldes / Weiterentwicklung der Wrangelstraße 7. Etablierung einer 'neuen Kreuzberger Mischung' 8. Ausbau des Netzwerks der Akteure. Den 8 Punkten sind nach derzeitigem Sachstand insgesamt 65 'Schlüssel- und Ergänzungsprojekte' zugeordnet. Insbesondere die Schlüsselprojekte sind als 'Mehrzielprojekte' zu sehen. Sie haben sowohl eine unmittelbar aufwertende Wirkung 'vor Ort' als auch einen 'Mehrwert' für das Quartier, für den Bezirk und für das Land Berlin. Sie wirken einerseits als unmittelbare Stadtreparatur, andererseits als Anstoß für längerfristige Entwicklungen. Die Programmumsetzung ist beim Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, vertreten durch den Fachbereich Stadtplanung angesiedelt. Sie erfolgt in engem Zusammenwirken mit anderen Fachämtern. Das Büro Herwarth + Holz, Planung und Architektur ist mit dem Stadtumbaumanagement beauftragt.

Wege und Orte am Kreuzberger Spreeufer

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Senatorin Ingeborg Junge-Reyer und Bezirksbürgermeister Dr. Franz Schulz beim Abbau ‘Westberliner’ Mauerreste an der Brommystraße

Philosophie des Stadtumbaus
(1) Öffentliches Geld für öffentliche Maßnahmen Mit der Zukunftsinitiative Stadtteil, Programmteil Stadtumbau West soll nachteiligen Folgen des wirtschaftlichen und demografischen Wandels entgegengewirkt werden. Die Fördergelder werden nahezu ausschließlich für öffentliche Maßnahmen, insbesondere zur Schaffung eines attraktiven Wohn- und Arbeitsumfeldes eingesetzt. Mit der gezielten Aufwertung ist eine deutliche Anschubwirkung für private Investitionen verbunden. (2) Sorgfältige Vorbereitung und Abstimmung von Maßnahmen und Projekten Um eine zügige und kontinuierliche Umsetzung der Schlüssel- und Ergänzungsprojekte zu erreichen und Drittmittel zur Finanzierung einzuwerben, waren umfassende Untersuchungen und Abstimmungen erforderlich. In den Prozess eingebunden sind die Senats- und Bezirksverwaltung, die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, nahezu alle Eigentümer/innen sowie zahlreiche weitere Akteure im Gebiet. Im Ergebnis werden 7 investive Projekte bis Ende 2007 realisiert sein. Weitere 7 Projekte befinden sich bis 2008 in Durchführung bzw. sind in der Planung. (3) Vorbildhafte Umsetzung von Projekten im Wohnumfeld und im öffentlichen Raum Die ersten, kurzfristig realisierten Vorhaben, wie z.B. die Neugestaltung des Kinderspielplatzes Pücklerstraße oder die Südspitze der Lohmühleninsel, waren Projekte, die insbesondere den Bewohner/innen des Quartiers zu Gute kommen und eine der Kernaussagen des Leitbildes - 'Kreuzberg an die Spree' - widerspiegeln. Mit der 'vorbildhaften' Umsetzung von Maßnahmen im öffentlichen Raum übernimmt die öffentliche Hand eine Vorreiterrolle. Sie schafft das Umfeld für weitere, maßgeblich private Investitionen ('Stadt an die Spree'), die i.d.R. nicht gefördert werden. (5) Förderung von Transparenz, Motivation und Eigendynamik Das Kreuzberger Stadtumbauquartier ist auf engstem Raum ein typisches Berliner Quartier, ein Areal mit Perspektiven für neues Wohnen und Arbeiten (Spreegürtel) und ein Zukunftsstandort der Kreativwirtschaft (historische Industriedenkmale). Da damit unterschiedlichste Entwicklungsvorstellungen verbunden sind, ist das kontinuierliche Setzen auf konstruktive Diskussion, auf Mitwirkung der Bewohner/innen, Gewerbetreibenden, Eigentümer, Vereine sowie Initiativen unerlässlich. Ein breiter Konsens ist zugleich Motor und Motivation, an der Gestaltung der Zukunft mitzuwirken. Das hohe Interesse an der Entwicklung des Gebietes spiegelt sich auf unterschiedlichen Ebenen wider. Bewohnerversammlungen und Beteiligungsverfahren mit hohen Teilnehmerzahlen, zahlreiche Anfragen von Investoren, Kauf- und Mietinteressenten für Grundstücke und Gebäude und die Bereitschaft von Gewerbetreibenden zu Betriebsverlagerungen als Voraussetzung für die angemessene Nachnutzung von Spreegrundstücken sind Ergebnisse eines kontinuierlichen Dialogs. Auch die Behandlung des Stadtumbauprozesses in den öffentlichen Medien vermittelt eine Aufbruchstimmung. Das Gefühl, dass sich das Gebiet in Bewegung befindet, ist allgegenwärtig.
Die Arbeiten am Stadtumbau haben begonnen

(4) Startschuss für die Schlüsselprojekte Schlüsselprojekte haben eine 'aufschließende' Wirkung für das Stadtumbaugebiet. Sie sind für das Stadtumbaugebiet selbst wie für die Gesamtstadt von besonders hoher Bedeutung, da damit einerseits Lebensqualität, andererseits Wirtschaft und Tourismus gefördert werden. Beispielhafte Schlüsselprojekte sind der geplante Bau einer von der Schillingbrücke bis zur Lohmühleninsel reichenden Uferpromenade mit Uferwegen und Stegen sowie die Sanierung und Wiedernutzung der Doppelkaianlage am Gröbenufer als Ort für Gastronomie, Ausstellungen und die Fahrgastschifffahrt.

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Stadtumbau in der Zusammenschau
Der Stadtumbau am Kreuzberger Spreeufer kann nur im räumlichen, inhaltlichen und zeitlich abgestimmten Zusammenwirken aller geplanten Projekte und Maßnahmen erfolgreich sein. Von Bedeutung ist auch, dass die Stadtumbaumaßnahmen in konstruktiver Wechselwirkung zu Maßnahmen in anderen öffentlichen Förderprogrammen sowie privat finanzierten Maßnahmen stehen. Die Pläne 'Maßnahmen' und 'Bilanz' zeigen alle Maßnahmen für den Zeitraum 2006 bis 2013 im Stadtumbaugebiet, die nach heutigem Kenntnisstand realisiert werden sollen, im Überblick. Die Spree ist für das Quartier wie für die Gesamtstadt als 'Wasserstraße' der wesentliche Imagegeber und Motor des Stadtumbaus. Daher sind wesentliche Projekte auf den Spreeraum ausgerichtet. Zukünftig könnten zwei weitere Brücken die Spree überspannen, das Kreuzberger Spreequartier mit Friedrichshain verbinden und den Flussraum erlebbar machen. Im unmittelbaren 'Spreegürtel', d.h. zwischen Köpenicker Straße / Schlesische Straße und der Spree können viele Grundstücke neu genutzt werden, im westlichen Bereich ist auch Neubebauung möglich. Historisch wertvolle Gebäude sollen saniert werden. Zu den Schlüsselprojekten gehört auch die öffentliche Erschließung des Spreeufers. Wege zur Spree, die von 'grünen Fenstern' begleitet werden und Uferpromenaden sind hier die besonderen Anliegen. Im Kiez südlich des Spreegürtels steht die Verbesserung des Wohnumfeldes im Mittelpunkt. Hierzu gehört die Neugestaltung von Spielplätzen und Grünanlagen sowie die Neugestaltung von Straßenräumen, aber auch die Aufwertung der Schulstandorte. Ziel ist, den Spreegürtel zu einem lebendigen Teil des Wrangelkiezes zu entwickeln, das heutige Nebeneinander abzubauen. Von Bedeutung ist daher, die Köpenicker Straße / Schlesische Straße zu einem gemeinsamen öffentlichen Raum zum Flanieren, Einkaufen, Ausgehen, Arbeiten und Wohnen zu entwickeln. Im Blickpunkt steht auch der Quartiersmittelpunkt rund um den U-Bahnhof Schlesisches Tor, in dessen UmImpressionen zum Erneuerungs- und Umbaubedarf

ufer, befinden. Weitere wesentliche Stadtumbauaufgaben konzentrieren sich im Bereich der Lohmühleninsel als Ort für Erholung, Spiel und Sport, aber auch auf dem nördlichen Teil - für neue Wohnformen. Zeitlich stehen in den Jahren 2007 - 2008 als Schwerpunkte des Stadtumbaus insbesondere Wohnumfeldverbesserungen im Mittelpunkt. Zwischen 2008 und 2010 rückt die Erschließung des Spreeufers und die Freimachung der unzureichend genutzten Ufergrundstücke in den Vordergrund. Ab 2010 sind private Investitionen, wie der Neubau von Wohnquartieren und die Umnutzung historischer Gewerbegebäude, zu begleiten. Insgesamt sollen bis 2013 im Stadtumbauquartier mehr als 60 Projekte mit Stadtumbaumitteln in Höhe von ca. 20 Mio. EUR realisiert bzw. unterstützt werden. Mit Stadtumbau-Mitteln werden fast ausschließlich öffentliche Projekte gefördert. Den größten Anteil nehmen Projekte ein, die zur Öffnung und Erschließung des Spreeraums beitragen. Es folgen Projekte zur Neugestaltung von Grünanlagen und Spielplätzen im Wohnumfeld sowie Projekte zur Verbesserung der sozialen Infrastruktur (u.a. Schulen). Daneben gibt es begleitende Maßnahmen, wozu das Stadtumbaumanagement, die Öffentlichkeitsarbeit, Gutachten und Planungen gehören. Die öffentlichen Stadtumbauinvestitionen bereiten den Weg für private Folgeinvestitionen in einem geschätzten Umfang von 300 Mio. Euro. Hierüber entstehen Arbeitsplätze, Wohnungen, Dienstleistungs- und Handelsangebote, Bildungs-, Freizeit- und Kultureinrichtungen.

feld sich viele Maßnahmen, wie die Sanierung und Wiederbelebung der Doppelkaianlage am Gröben-

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Maßnahmen 2006 bis 2013 im Überblick

realisierte Maßnahmen (vgl. Plan auf Seite 11I Umstrukturierung von gewerblichen und sonstigen Flächen / Gebäuden (hohe Priorität) Umstruktierung von gewerblichen und sonstigen Flächen / Gebäuden (nachgeordnete Priorität) Schaffung / Stärkung von Versorgungs-, Dienstleistungsangeboten Sanierung / Umnutzung imageprägender Gebäude Altlastenbeseitigung / Altlastenuntersuchung

Sanierung Doppelkaianlage / Promenade, Ausbau Gastronomie, Freizeit Aufwertung Anlegestelle / Ausbau Fahrgastschifffahrt Abriss von Gebäuden Anlage von Uferwegen, landseitig / Wegen zur Spree Anlage von Uferwegen, wasserseitig (Stege) Neue Brückenverbindungen

Aufwertung Köpenicker Straße / Schlesische Straße / Oberbaumstraße Aufwertung / teilräumliche Aufwertung von sonstigen Straßenräumen Verbesserung der Überquerbarkeit der Hauptverkehrsstraßen Schaffung von Spreebalkonen Umsetzung eines Konzeptes Uferillumination / Straßenbeleuchtung Neuanlage ‘grüner Fenster’ zur Spree / Öffnung von Grünflächen

Aufwertung bestehender Grünflächen Aufwertung / Anlage von Spielplätzen Baumpflanzungen im Straßenland Ergänzung des quartiersbezogenen Freiflächenangebots auf Schulhöfen Stärkung der Stadtspree als innerstädtischer Flussraum Abgrenzung Stadtumbaugebiet / informelle Erweiterung

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Die ersten Schritte sind gemacht
Erste wichtige Schritte sind getan. Bereits bis Ende 2007 wurden im Rahmen des Stadtumbauprogramms sieben investive Maßnahmen umgesetzt. Darüber hinaus wurden viele Planungen eingeleitet bzw. abgeschlossen. Profitiert hat hiervon insbesondere das Wohnumfeld. Die Neugestaltung des Spielplatzes Pücklerstraße, die Neugestaltung des Sport- und Spielbandes auf der Lohmühleninsel und Sanierungsmaßnahmen auf dem Areal der Nürtingen-Grundschule richten sich gezielt an die jüngere Generation. Die Aufwertung der Grünanlagen am Schlesischen Tor und die Attraktivierung der Promenade in der Bevernstraße sprechen Bewohner/innen wie Touristen an. Der Bau des Spreebalkons an der Brommystraße setzt ein Zeichen für die künftige Öffnung des Stadtquartiers zur Spree und ist gleichzeitig Symbol für den eingeleiteten Stadtumbau. Im Kontext des Stadtumbauprogramms fand auch die Ausweisung von Fahrradspuren in der Köpenicker Straße / Schlesischen Straße und der Bau einer neuen Spielinsel auf der Lohmühleninsel statt. Diese Maßnahmen wurden über ergänzende Förderprogramme finanziert. Die Sanierung der ehemaligen VelvetFabrik in der Köpenicker Straße 20 ist eines der ersten Zeichen für private Aktivitäten. Im Jahr 2008 wird die Verbesserung des Wohnumfeldes nach umfangreichen Abstimmungen mit Grundstückseigentümern, Gewerbetreibenden und Verwaltungsstellen fortgesetzt. Bis Ende des Jahres 2008 werden voraussichtlich 700 m des Spreeufers über Promenaden und Stege öffentlich zugänglich sein. Ein weiteres herausragendes Projekt ist die Sanierung der Doppelkaianlage am Gröbenufer, die u.a. gastronomisch genutzt werden soll. Geplant ist, im Jahr 2008 ca. 3,4 Mio. Euro an Stadtumbaumitteln zu investieren.
Veranstaltungen und Feierlichkeiten aus Anlass erster realisierter Projekte: Kinderspielplatz Pücklerstraße, Spreebalkon Brommystraße, Wiederaufnahme der Fahrgastschifffahrt am Gröbenufer

Stadtumbaumaßnahmen Bis Ende 2007 realisiert:
– – – Neugestaltung Kinderspielplatz Pücklerstraße (1) Bau des Spreebalkons Brommystraße (2) Neugestaltung der Grünanlagen Oberbaumstraße, Gröbenufer und der 'Schlesischen Beete' / Sanierung des Skulpturenpfades (3) Neugestaltung der Mittelpromenade in der Bevernstraße (4) Neugestaltung der Uferzonen an der südlichen Spitze der Lohmühleninsel (5) Abriss eines Klassentraktes im Hofbereich der Nürtingen-Grundschule (6) Fassadensanierung des Hortes der NürtingenGrundschule (7). Neugestaltung der Promenade Gröbenufer (8) Anlage eines Steges am Gröbenufer (9) Sanierung, Umbau und Erweiterung der Doppelkaianlage Gröbenufer (10) Provisorischer Uferweg von der Schillingbrücke bis zur Brommystraße (11) Steganlage Oberbaumbrücke bis Cuvrystraße (12) Verbesserung der westlichen Wrangelstraße und ihrer Nebenstraßen (13) Neugestaltung der beräumten Flächen der Nürtingen-Grundschule (14).

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Im Jahr 2008 geplant:
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Andere öffentlich finanzierte Maßnahmen Bis Ende 2007 realisiert:
– – – – Radstreifen und Stellplatzmarkierungen Köpenicker Straße / Schlesische Straße (15) Baumscheiben in der Schlesischen Straße, Erneuerung Gehwege (16) Neugestaltung des Sandspielplatzes der NürtingenGrundschule (17) Neugestaltung der Spielinsel auf der südlichen Lohmühleninsel (18). Sanierung der Nürtingen-Grundschule (19) Erneuerung, der Beleuchtung in Brommystraße, Pfuelstraße, Bevernstraße sowie am Gröbenufer (20).

Im Jahr 2008 geplant:
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Privat finanzierte Maßnahmen Bis Ende 2007 realisiert:
– Sanierung der ehemaligen 'Velvet-Fabrik' Köpenicker Straße 20 (21). Umzug der Fa. Dämmisol Baustoffe GmbH von der Köpenicker Straße 22-29 an den ehemaligen Wriezener Bahnhof, Neubau der Betriebsstätte (22).

Der Bilanzplan bildet die zwischen 2006 und 2007 realisierten Maßnahmen im Kreuzberger Spreequartier ab und gibt gleichzeitig einen Überblick über Projekte, die bis Ende 2008 umgesetzt werden sollen.
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Im Jahr 2008 geplant:

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Eine erste Bilanz

Umstrukturierung von gewerblichen und sonstigen Flächen / Gebäuden (hohe Priorität) Sanierung / Umnutzung imageprägender Gebäude Sanierung Doppelkaianlage / Promenade, Ausbau Gastronomie, Freizeit Aufwertung Anlegestelle / Ausbau Fahrgastschifffahrt Abriss von Gebäuden Anlage von Uferwegen, landseitig / Wegen zur Spree

Anlage von Uferwegen, wasserseitig (Stege) Aufwertung Köpenicker Straße / Schlesische Straße (Radstreifen, Stellplatzmarkierungen Aufwertung / teilräumliche Aufwertung von sonstigen Straßenräumen Verbesserung der Überquerbarkeit der Hauptverkehrsstraßen Schaffung von Spreebalkonen Straßenbeleuchtung

Aufwertung bestehender Grünflächen Aufwertung / Anlage von Spielplätzen Baumpflanzungen im Straßenland Ergänzung des quartiersbezogenen Freiflächenangebots auf Schulhöfen Stärkung der Stadtspree als innerstädtischer Flussraum Voraussichtlich bis 2008 realisiert oder begonnen

Stadtumbaumaßnahmen Maßnahmen mit Finanzierung aus anderen Förderprogrammen Privat finanzierte Maßnahmen Abgrenzung Stadtumbaugebiet / informelle Erweiterung

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1. Urbanisierung des Kreuzberger Spreeufers
Lageunangemessene Gewerbenutzungen blockieren die Zugänglichkeit des Spreeufers und seine städtische Nutzung

Eine Schlüsselrolle im Stadtumbau nehmen die Gewerbegrundstücke entlang der Spree im westlichen Teil der Köpenicker Straße und auf der Lohmühleninsel ein. Die dort ansässigen Unternehmen werden bei einem betriebs- und sozialverträglichen Umzug unterstützt. Die Grundstückseigentümer und Gewerbetreibenden, die im Gespräch mit der Bezirks- und Senatsverwaltung sowie dem Stadtumbaumanagement stehen, sehen sich nicht als Betroffene, sondern als Mitwirkende am Stadtumbau. Als Beispiel kann die Firma Dämmisol Baustoffe GmbH genannt werden. Das Kreuzberger Traditionsunternehmen ist seit über 30 Jahren Mieter auf dem Grundstück Köpenicker Straße 22-29 und wird nun auf einer Fläche am ehemaligen Wriezener Bahnhof in knapp 1 km Luftlinie einen neuen Betriebsstandort entwickeln. Mit der Verlagerung verbessern sich die Standortbedingungen des Unternehmens. Auf eigenem Grund und Boden kann Dämmisol nunmehr langfristig planen und investieren. Der vorgesehene Neubau soll modernsten Ansprüchen an Betriebsabläufe Rechnung tragen. Im Umfeld befinden sich bereits weitere Großmärkte sowie ein Baumarkt - heutige und neue Kunden von Dämmisol werden hiervon profitieren. An diesem Beispiel wird deutlich, dass sich eine Betriebsverlagerung im Rahmen des Stadtumbaus auch für alteingesessene Unternehmen bezahlt machen kann. Der Umzug ist Auslöser für die Entwicklung einer Fläche von rund 40.000 qm in bester Spreelage und einem 300 m langen Ufersaum. Für die Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft mbH (BEHALA) als Grundstückseigentümerin ist dies Anlass, mit der Entwicklung ihres Standortes zu beginnen. Der Standort liegt verkehrsgünstig und städtebaulich markant, er bietet vielfältige Möglichkeiten für gemischte Nutzungen.

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Für den Stadtumbauprozess im Kreuzberger Spreequartier hat das Freiwerden des Grundstücks besondere Vorteile. Die Verlagerung ist ein Vorbild und ein Signal auch für andere Unternehmen im Spreegürtel, die einem Umzug grundsätzlich positiv gegenüber stehen. Die jahrzehntelange Nutzung des Kreuzberger Spreeufers ausschließlich durch Gewerbe wird erstmals deutlich weiterentwickelt. Damit kann auf dem ca. 4 ha großen Areal an der Schillingbrücke, im Gegenüber der ver.di-Zentrale, ein stadträumlich exponierter Standort mit Ausstrahlung auf die übrigen Bereiche entstehen. Auch das Grundstück Köpenicker Straße 20 hat unübersehbar einen neuen Besitzer gefunden. Das bereits in Teilen sanierte Gebäudeensemble der denkmalgeschützten, ehemaligen Velvet-Fabrik zeigt, dass sich auch die Umnutzung des Altbaubestandes am Kreuzberger Spreeufer lohnt. Hier können perspektivisch kleinteilige Gewerbe- und Büronutzungen, sowie Einzelhandel Platz finden. Insgesamt stehen im Quartier Kreuzberg - Spreeufer ca. 13,5 ha an Umbauflächen zur Verfügung. Das Investitionsinteresse reicht von Büronutzungen, Dienstleistungen, Wohnungen bis zu Kulturnutzungen und deckt damit das Spektrum der für das Stadtumbaugebiet angestrebten 'neuen Kreuzberger Mischung' ab. Für den nördlichen Abschnitt der Lohmühleninsel ist im nächsten Jahr die Durchführung einer 'Planungswerkstatt' vorgesehen. Ziel ist, umsetzbare Ideen für eine offene, landschaftsbezogene Bebauung und für eine landschaftsangemessene Gestaltung der Insel zu finden. Freie Flächen, deren Entwicklung auf absehbare Zeit aussteht, können unter klar abgesteckten Rahmenbedingungen für Zwischennutzungen erschlossen werden. Ziel ist, insbesondere der jungen kreativen Szene Nischen zu eröffnen und bislang verschlossene Areale in die öffentliche Wahrnehmung zu rücken.
links und oben: Spreeabschnitt zwischen Schillingbrücke (rechts) und Brommystraße (links) Impressionen des jetzigen Kreuzberger ‘Spreegürtels’

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2. Vernetzung des Kreuzberger und Friedrichshainer Spreeufers
Der Spreeabschnitt zwischen Flutgraben und Schillingbrücke gehört seit der Wiedervereinigung Berlins zu den bedeutendsten Wasserlagen im Vorfeld des historischen Zentrums. Der Flussraum ist der gemeinsame Bezugspunkt der Ortsteile Friedrichshain und Kreuzberg. Die Oberbaumbrücke stellt die einzige direkte Verbindung und wirkt gleichzeitig als 'Nadelöhr'. Während der Abstand der Brücken im historischen Innenstadtbereich zwischen 250 m und maximal 600 m liegt, beträgt die Entfernung zwischen der Oberbaumbrücke und den beiden benachbarten Brücken, der Schillingbrücke im Westen und der Elsenbrücke im Osten, jeweils rund 1,3 km. Dies war nicht immer so. Bis 1945 befand sich auf halDas Widerlager der ehemaligen Brommybrücke auf Kreuzberger Seite (vor dem Bau des Spreebalkons) sowie der ehemalige Brückenpfeiler

ber Strecke zwischen Oberbaumbrücke und Schillingbrücke die Brommybrücke. Widerlager am Ufer sowie ein verbliebener Brückenpfeiler in der Spree lassen erahnen, welche Wirkung eine Brücke an dieser Stelle entfalten würde. Im Kontext des Stadtumbaus wird der Neubau einer Brücke in Lage der ehemaligen Brommybrücke sowie eine weitere Brücke in Verlängerung der Manteuffelstraße diskutiert. Aus Sicht des Bezirks sollen die neuen Brücken ausschließlich lokale Bedeutung haben. Sie sind als Teil des geplanten attraktiven Wegenetzes gedacht, das die Stadtquartiere auf beiden Uferseiten an die Spree heranführt und miteinander verbindet. Die Brücken ermöglichen vielfältige Uferrundwege auf Kreuzberger wie Friedrichshainer Seite. Darüber hinaus eröffnen sie die einmalige Möglichkeit, die Wasserlage direkt zu erleben und die beiden Parks am Friedrichshainer Ufer ('Park an der Spree' sowie 'East-Side-Park') auf kurzem Wege zu erreichen.

Blick von der Oberbaumbrücke nach Nordwesten, historische Mitte und 1,3 km entfernte Schillingbrücke

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Zur Präzisierung der Anforderungen an beide Verbindungen wurde im Jahr 2007 eine Verkehrsstudie erarbeitet, die die zukünftige Verkehrsentwicklung im Stadtumbaugebiet mit und ohne neue Brückenverbindungen analysiert. Die möglichen Brückenverbindungen in Verlängerung der Manteuffel- sowie der Brommystraße wurden als Fuß- und Radwegeverbindungen mit bzw. ohne Kfz-Verkehr untersucht und im Hinblick auf ihre umweltbezogenen, verkehrlichen, finanziellen und städtebaulichen Auswirkungen geprüft und bewertet. In Auswertung der Studien sowie im Ergebnis einer sehr gut besuchten Bewohnerversammlung im Mai 2007 wurde seitens des Bezirksamtes eine neue Brommybrücke in Form eines ausschließlich für Fußgänger und Radfahrer nutzbarem Stegs favorisiert, da bei einer Brückennutzung durch den Autoverkehr Mehrbelastungen insbesondere für die Kiezstraßen auf Kreuzberger Seite erwartet werden. Die Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg hat sich im September 2007 ebenfalls für den Bau einer neuen Brückenverbindung in Lage der historischen Brommybrücke ausgesprochen, jedoch soll diese für Fußgänger, Radfahrer und zusätzlich für Busse, aber nicht für den Autoverkehr, genutzt werden. Ob und wann die Realisierung einer neuen Brommybrücke erfolgt, hängt von den Möglichkeiten der Finanzierung ab, die für eine Brücke in dieser Form schwierig darstellbar ist. In Reaktion auf die besondere stadtbildprägende Bauaufgabe soll im Fall der Realisierung der Brücke ein konstruktiv-gestalterischer Wettbewerb ausgeschrieben werden. Bereits heute zeigt ein Blick vom neuen Spreebalkon, welche Wirkung eine Brommybrücke für die Erlebbarkeit des Spreeraums haben kann. Der im September 2007 eingeweihte Balkon am Ende der Brommystraße steht nicht nur für die geplante Heranführung Kreuzbergs an die Spree, sondern ist als symbolischer Brückenschlag zur Friedrichshainer Uferseite zu sehen.
Der Spreebalkon Brommystraße als Initial der Öffnung des Spreeufers für die Öffentlichkeit oben: Blick von der Oberbaumbrücke nach Südosten, Richtung Treptow mit der 1,3 km entfernten Elsenbrücke

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3. Öffnung und Erschließung des Spreeraums
Im Industriezeitalter war die Spree begehrter Standort von Fabriken und Lagerunternehmen. Teilweise wurde unmittelbar an der Wasserkante gebaut. Der spätere Status als Grenze machte den Spreegürtel endgültig zur Barriere für angrenzende Stadtquartiere. Von der ca. 2 km langen Kreuzberger Uferseite sind gegenwärtig nur ca. 300 m, im Wesentlichen am Gröbenufer, öffentlich zugänglich. Der Stadtumbau setzt auf die Gewinnung der städtischen Schauseiten entlang der Stadtspree, die heute weniger als Wasserstraße, sondern als zentraler öffentlicher Stadtraum begriffen wird. Die Öffnung und Erschließung des Spreeufers hat eine Schlüsselrolle im Stadtumbauprozess. Geplant ist eine Uferpromenade in einem spannungsreichen Wechsel von landseitigen
Spreeabschnitt zwischen der Köpenicker Straße 10 (rechts) und dem Gröbenufer (links); mit einem Mindestabstand von 2 m wird ein mindestens 3 m breiter Steg vor der Bebauung geführt

Über die Erschließung der Uferzonen wird das Erholungs- und Freizeitangebot für die angrenzenden, dicht bebauten und mit Grünflächen unterversorgten Stadtquartiere deutlich verbessert. Ziel ist, ein Fußwegenetz zu entwickeln, das mit dem Wrangelkiez, aber auch mit den Quartieren außerhalb des Spreegürtels verbunden ist und das neue attraktive Wege zum historischen Stadtzentrum und zu den Erholungsräumen in Treptow-Köpenick eröffnet. Mit dem Bau der ersten Promenadenabschnitte kann voraussichtlich 2008 zwischen Schillingbrücke und Brommystraße auf einer Länge von rund 600 m begonnen werden. Hier ist ein landseitiger ca. 5 bis 10 m breiter provisorischer Uferweg geplant. Ebenfalls 2008 wird das Gröbenufer barrierefrei mit vorgelagerten Stegen neugestaltet; zwischen Oberbaumbrücke und Cuvrystraße entsteht auf einer Länge von etwa 115 m eine weitere Steganlage. Die Stege werden eine Breite von mindestens 3 m aufweisen. Im Ergebnis werden voraussichtlich rund 40 % der bislang verschlossenen Uferabschnitte zugänglich sein.

Wegen auf einer Länge von rund 850 m und wasserseitigen Stegen in einer Abwicklung von mehr als 1.100 m. Im Vorfeld der Realisierung werden vielfältige Abstimmungen mit den Eigentümern von Ufergrundstücken und anderen Anliegern, dem Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin und der Wasserbehörde des Landes Berlin geführt.

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Kreuzberg liegt an der Spree - links oben: ‘Aussichtsplatz’ an der Krananlage, unten: Spreebalkon Brommystraße (Objektplanung: Herwarth + Holz)

Es ist geplant, die Uferpromenade in den nächsten drei Jahren in einzelnen Bauabschnitten umzusetzen: 1. Unterführung Schillingbrücke, 2009 / 2010 2. Uferweg Schillingbrücke - Brommystraße (provisorische Öffnung), 2008 / 2009 3. Uferweg Brommystraße Köpenicker Straße 11, 2009 / 2010 4. Steganlage Köpenicker Straße 11 Pfuelstraße, 2009 / 2010 5. Uferweg und Steganlage Gröbenufer, 2008 6. Steganlage Oberbaumbrücke (mit Unterführung) - Cuvrystraße, 2008 / 2009 7. Uferweg / ggf. Steganlage Cuvrystraße 50/51 / Schlesische Straße 33/34, 2008 / 2009 8. Steganlage Schlesische Straße 33/34 westliche Oberschleuse, 2009 / 2010 9. Uferweg westliche Oberschleuse Schlesische Straße, 2009 / 2010. Die Uferwege werden mit dem Quartier über die Köpenicker und Schlesische Straße hinweg verbunden. Neben bereits bestehenden Zugängen in der Brommystraße, der Bevernstraße und der Cuvrystraße sollen weitere Verbindungen in Verlängerung der Manteuffelund Pücklerstraße sowie auf der Lohmühleninsel entstehen. Mit dem Bau des Spreebalkons in Achse der Brommystraße wurde der Spreeraum im Jahr 2007 zum ersten Mal bewusst in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Nun ist es möglich, die Spree über die Eisenbahnstraße und Brommystraße unmittelbar vom Lausitzer Platz zu erreichen. Vom 100 qm großen 'Spreebalkon' auf dem Widerlager der früheren Brommybrücke, eröffnet sich über der Spree 'schwebend' ein weiter Blick in den Spreeraum, auf den verbliebenen Brückenpfeiler der historischen Brücke sowie auf das Friedrichshainer Spreeufer. Die Aussicht zeigt auch, welche Attraktivität die wasserseitigen Grundstücke und die künftige Uferpromenade besitzen. Der Spreebalkon ist kein dauerhaftes Bauwerk. Er kann und wird an andere Orte im Stadtumbaugebiet umziehen und dort als 'Botschafter' für den Stadtumbau bislang unbekannte Areale zugänglich machen und erschließen.

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4. Entwicklung der Köpenicker Straße und der Schlesischen Straße mit Aufenthaltsqualität
Die Schlesische Straße und der östliche Teil der Köpenicker Straße sind durch eine kleinteilige, überwiegend historische Blockrandbebauung und bis an die Spree heranreichende Gewerbehöfe geprägt. Hier haben sich vielfach Nutzer aus der Kreativbranche angesiedelt; die Wohnadressen sind begehrter geworden; eine vielfältige Gastronomie- und Clublandschaft hat sich entwickelt. In der westlichen Köpenicker Straße überwiegt nach wie vor eine monostrukturelle gewerbliche Nutzung; ein öffentliches Straßenleben wie in der Schlesischen Straße ist nur eingeschränkt gegeben. Im Rahmen des Stadtumbaus wird das Ziel verfolgt, das Gestalt- und Nutzungsgefälle in den Hauptstraßen abzubauen und insgesamt einen Wandel von einer nur trennenden Hauptverkehrsverbindung zu einem Straßenraum mit Aufenthaltsqualität und hoher Nutzungsdichte einzuleiten. Als erste Maßnahme wurden in der Köpenicker Straße und in der Schlesischen Straße als Bestandteil des berlinweiten Radwegenetzes beidseitig Radfahrstreifen angelegt. In der östlichen Schlesischen Straße wurden mit Finanzmitteln aus dem Programm Soziale Stadt provisorisch wirkende Pflanzkübel entfernt, um kurzfristig etwa dreißig Straßenbäume zu pflanzen, und damit verbunden, die Atmosphäre deutlich zu verbessern.

Repräsentative Gründerzeitbebauungen entlang der Köpenicker Straße und der Schlesischen Straße

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oben und links: die neu gestalteten sogenannten ‘Schlesischen Beete’

unten: der Alleecharakter in der Köpenicker Straße und der Schlesischen Straße ist ein besonderes Qualitätsmerkmal

Zwischen Cuvrystraße und Schlesischer Brücke erfolgte auch eine Neugestaltung der Gehwege. In der westlichen Schlesischen Straße wurden die charakteristischen 'Schlesischen Beete' aufgewertet, die Einfassung mit 'Tiergarten-Band' erneuert bzw. ergänzt und der vorhandene Baumbestand gepflegt. Die kleinteiligen Maßnahmen tragen in der Summe zu einer Verbesserung der Aufenthaltsqualität und Anziehungskraft der Straßenräume bei. Weitere Verbesserungen werden Hand in Hand mit der angestrebten Entwicklung und Öffnung der Spreegrundstücke einhergehen. Mit Neubebauungen wie mit der Instandsetzung zur Zeit nicht genutzter historischer Gebäude ist eine Belebung verbunden; in einer Vielzahl der Erdgeschosszonen werden attraktive Angebote entstehen. 'Grüne Fenster' - zwischen den Bebauungen gelegene kleine Parks - werden zum Verweilen einladen. In der Köpenicker Straße werden voraussichtlich 2008 die Kreuzungsbereiche mit der Manteuffel-, Pückler-, Eisenbahn- und Zeughofstraße baulich aufgewertet, um die Trennwirkung der Straße zu minimieren. Im Bereich der Cuvrystraße soll eine Ampelanlage die Überquerbarkeit der Schlesischen Straße verbessern; diese Maßnahme ist jedoch abhängig von der Realisierung einer Bebauung auf dem Grundstück Schlesische Straße 33-34.

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5. Verbesserung des Bereichs am U-Bhf. Schlesisches Tor als Quartiersmittelpunkt
Der Bereich um den U-Bahnhof Schlesisches Tor ist der Quartiersmittelpunkt des Stadtumbaugebietes wie des Wrangelkiezes. Der U-Bahnhof ist der Verkehrsknotenpunkt für Bewohner/innen, Beschäftigte, Schüler/innen, Kunden, Touristen und Nachtschwärmer. Die unmittelbare Wasserlage, das Gröbenufer und die Oberbaumbrücke sind in 200 bzw. 300 m erreichbar, ist jedoch nur noch eingeschränkt erlebbar. Historisch vorhandene, attraktive Sichtbeziehungen sind nicht mehr gegeben, die unter Denkmalschutz stehende Doppelkaianlage ist größtenteils außer Betrieb, die damit verbundenen Treppenanlagen und Gebäude sind dringend instandsetzungsbedürftig. Eine Nutzung mit Magnetwirkung, die Bewohner/innen und Besucher/innen animiert, das Gröbenufer aufzusuchen, fehlt. In einem ersten Schritt wurden die Grünanlagen zwischen Schlesischer Straße und Gröbenufer instandunten: Mittelpromenade der Bevernstraße (Objektplanung: Herwarth + Holz)

hielten neue Beläge, Bänke neue Sitzflächen. Die Skulpturen der 1987 im Rahmen der IBA Berlin geschaffenen 'Menschenlandschaft', die zu den herausragenden Besonderheiten des Ortes gehört, wurden grundlegend gereinigt. Im zweiten Schritt erfolgte die Neugestaltung der Mittelpromenade der Bevernstraße, die als stadtbildprägende Hauptverbindung zwischen dem U-Bahnhof und dem Gröbenufer als Kreuzberger 'Fenster zur Spree' zu sehen ist. Damit wird ein traditioneller Treffpunkt für Bewohner/innen wie Gäste wiedergewonnen. Auch hier wurden Wegen, Rasenbeete und Baumscheiben erneuert und mit Hecken und Tiergartenband eingefasst. Abgestorbene Bäume wurden entfernt und durch neue ersetzt, blickeinschränkende Äste entfernt. Die Bänke wurden aufgearbeitet. Im Kontext der Neugestaltung der Freiflächen wird im Jahr 2008 in der Pfuelstraße, der Bevernstraße und am Gröbenufer auch die Beleuchtung instandgesetzt und erweitert.

gesetzt. Bäume wurden zurückgeschnitten, Rasenflächen neu angelegt und mit Tiergartenband eingefasst sowie raumbildende Bepflanzungen ergänzt. Wege er-

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Impressionen der sanierten Skulpturengruppe ‘Menschenlandschaften’ im Bereich der aufgewerteten Grünanlage zwischen Schlesische Straße und Gröbenufer

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oben: Eindrücke von der unsanierten Doppelkaianlage am Gröbenufer

unten: Spreeabschnitt Gröbenufer zwischen der Pfuelstraße (rechts) und der Oberbaumbrücke (links)

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Das Herzstück der künftigen Kreuzberger Uferpromenade entlang der Spree ist die Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Doppelanlegestelle am Gröbenufer. Die ehemals durch überlebensgroße Skulpturen und einen etwa 8 m hohen, mittig angeordneten Leuchtturm geschmückte, repräsentative Anlage wurde vor allem durch die Fahrgastschifffahrt genutzt. In zwei ursprünglich je ca. 48 qm großen Räumen unterhalb der Uferböschung waren Wartehallen und Fahrkartenverkauf untergebracht. Der Leuchtturm wies den Fahrgästen bereits beim Ausstieg aus der U-Bahn deutlich sichtbar den Weg. Der historische 'Leuchtturm' wird im Rahmen eines kurzfristig stattfindenden Kunstwettbewerbs als wichtiges Identifikationsmerkmal neu geplant.

Die Doppelkaianlage wird im Jahr 2008 denkmalgerecht saniert, umgebaut und erweitert. Nach Abschluss der umfangreichen Arbeiten werden hier rund 390 qm für eine gastronomische Nutzung sowie für Ausstellungen zur Verfügung stehen. Der Betrieb soll, auf Basis eines im Jahr 2007 durchgeführten öffentlichen Interessenbekundungsverfahrens, einem bereits im Kiez ansässigen Gastronomen übergeben werden. Plattformen für die Fahrgastschifffahrt, für das Anlegen von Wassertaxen und die Außengastronomie werden als Teil der Gesamtanlage mit Stegen verbunden und einschließlich der historischen Katakomben barrierefrei erreichbar sein. Ziel ist, mit einem attraktiven Angebot sowohl Bewohner/innen als auch Beschäftigte aus dem Umfeld und Touristen anzusprechen.

Computersimulation und Grundriss der geplanten sanierten und erweiterten Doppelkaianlage; Objektplanung: KLW Ingenieure GmbH / K + B Architekten; Visualisierung: Tobias Linke

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6. Verbesserung des Wohnumfeldes / Weiterentwicklung der Wrangelstraße
Stadtumbau findet nicht nur am Spreeufer statt. Während auf den Ufergrundstücken zukünftig überwiegend private Investitionen gefragt sind, werden öffentliche Mittel bereits heute in die Verbesserung des Wohnumfeldes, zu dem Straßen, Wege, Grünanlagen und Spielräume gehören, investiert. Attraktive Orte zum Treffen, Spielen und Erholen sind eine wichtige Voraussetzung, den sozialen Zusammenhalt dauerhaft zu stärken. Das erste realisierte Stadtumbauprojekt im Quartier ist der im September 2007 eröffnete Kinderspielplatz Pücklerstraße, der unter aktiver Einbeziehung von Anwohnerinnen und Anwohnern sowie vieler Kinder aus dem Kiez geplant und gebaut wurde. Nach nur dreimonatiger Bauzeit wurde auf einer Fläche von 2.000 qm ein attraktives Spielangebot geschaffen, das den unterschiedlichen Spielansprüchen von Kindern aller Altersstufen gerecht wird. In direkter Beziehung zur Kindertagesstätte Pücklerstraße 12 entstand eine Sandspielfläche für Kleinkinder und eine ausgedehnte Fläche für 6- bis 12-Jährige, auf der Wipptiere, Hängematte, 'Kuchenbacktische', eine Kletterkombination mit Rutsche und eine Mehrfachschaukel neue Attraktionen sind. Ein Parcours zum Balancieren verbindet die einzelWeitere Wohnumfeldverbesserungen im Jahr 2007; Abriss des Pavillons und Schulhofgestaltung der NürtingenGrundschule, Sanierung des Horts in der Wrangelstraße 128, Neugestaltung der südlichen Lohmühleninsel

Die Umgestaltung der Spielinsel und der Uferbereiche der südlichen Lohmühleninsel im Jahr 2007 und die geplante Neugestaltung des 'Spiel- und Sportbandes' entlang des Flutgrabens sind unmittelbare Ergebnisse. Ein Bouleplatz, Angebote für Inliner und Skater, die Erweiterung der Sitzmöglichkeiten, u.a. auf der Treptower Brücke, ein Bereich für ruhige Aktivitäten (z.B. Yoga), Spiel- und Sportmöglichkeiten auch für Erwachsene, die Verbesserung des Uferzugangs und der Ufergestaltung am Flutgraben, die Installation einer Beleuchtung und das Anbieten einer Toilette spiegeln wesentliche Wünsche der Bevölkerung wider. In Vorbereitung befindet sich die gestalterische Aufwertung der westlichen Wrangelstraße und ihrer nach Norden führenden Nebenstraßen Manteuffel-, Pückler-, Eisenbahn- und Zeughofstraße. Zur Zeit wird planerisch untersucht, welche Maßnahmen zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität, zur Aufwertung und Ergänzung des Straßengrüns, zur Neuordnung des ruhenden Verkehrs und zur Verbesserung der Verkehrssicherheit und Verkehrsberuhigung sinnvoll sind. In die Abstimmung der Planung werden die Anwohner/innen frühzeitig einbezogen. Die Schulen im Stadtumbaugebiet Kreuzberg-Spreeufer sind mehr als nur Bildungs- und Betreuungseinrichtungen, sie sind zugleich wichtige Treffpunkte und Veranstaltungsorte. Ihre Funktionsfähigkeit und ihr Erscheinungsbild sind ein Gradmesser für die Wohnund Lebensqualität im Quartier. Unter Nutzung unterschiedlicher Förderungen wird daher sowohl die Gebäudesanierung und die Schulhofneugestaltung der Nürtingen-Grundschule und der e.o. plauen-Grundschule verfolgt.

nen Bereiche. Für Jugendliche und ältere Kinder wurde ein neuer Bolzplatz angelegt. Ein Streetball-Platz, Tischtennisplatten und ein großes Trampolin vervollständigen das Angebot. Im Zusammenwirken von Stadtumbaufinanzierung und Kiezengagement entstand ein mehr als einladender Ort für die junge Generation. In dieser Richtung wird weiter geplant. Der südliche Teil der Lohmühleninsel zwischen Landwehrkanal und Flutgraben ist mit zahlreichen Spiel-, Sport- und Aufenthaltsflächen einer der beliebtesten Erholungsorte für Kreuzberger wie Treptower, hier insbesondere aus dem Kunger-Kiez. Grund genug, zur Aufwertung in mehreren Bauabschnitten ebenfalls Stadtumbaumittel und Mittel des Programms 'Soziale Stadt' zu investieren. Im Rahmen von Vor-Ort-Befragungen, einer Ideenwerkstatt sowie drei Bewohnerversammlungen wurden Ideen und Verbesserungsvorschläge diskutiert und als Grundlage der weiteren Planung abgestimmt.

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Eröffnung des neu gestalteten öffentlichen Spielplatzes Pücklerstraße mit Staatssekretärin Hella Dunger-Löper und Bezirksbürgermeister Dr. Franz Schulz

Im Rahmen des Stadtumbauprogramms erfolgt auf dem Areal der Nürtingen-Grundschule im Norden des Hauptgebäudes der Abriss eines nicht mehr benötigten Gebäudetraktes aus den 1970er Jahren. Mit dem Abriss wird eine wichtige Außenfläche für die Schule wie für den Wrangelkiez gewonnen und im kommenden Jahr neugestaltet. Ebenfalls mit Stadtumbau-Mitteln wird die Sanierung des Hortes der Nürtingen-Grundschule in der Wrangelstraße 128 durchgeführt. Die Außenfassade und die Gebäudedurchfahrt zum Hof der e.o. plauen-Grundschule wird saniert sowie die Außenbeleuchtung neugestaltet. Damit wird im Quartier nicht nur eine wichtige soziale Einrichtung gesichert, sondern auch ein architekturhistorisches Wahrzeichen in der Wrangelstraße aufgewertet. Perspektivisch ist über die dargestellten Maßnahmen hinaus die Neugestaltung der Straßenräume Falckensteinstraße, Gröbenufer und Vor dem Schlesischen Tor sowie rund um die Markthalle in der Eisenbahnstraße geplant. Im Rahmen der Neugestaltung der Spielräume steht noch der Spielplatz in der Bevernstraße auf dem Programm.

Kinder wirkten nicht nur intensiv an der Planung, sondern auch während der Bauphase mit. Objektplanung: Regine Lechner; Kinderbeteiligung in Zusammenarbeit mit frisbee Kinder- und Stadtteiltreffpunkt

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7. Etablierung einer 'neuen Kreuzberger Mischung'
schiedliche Lebensstile, Raum für Kleingewerbe, Handwerk, Handel, Kultur, Kiezinitiativen und mit Freiflächen zur ganz persönlichen Aneignung angestrebt. Für den Spreegürtel wird es keine 'Insellösung' mit reinen Wohnnutzungen oder reinen Gewerbe- oder Büronutzungen geben. Für die Grundstücke zwischen Köpenicker Straße und Spreeufer wird in Umkehr der historischen Struktur angestrebt, Wohnen in ruhiger Lage zum Wasser, Gewerbe und Handel zur Hauptverkehrsstraße zu orientieren. Die heute nicht zugänglichen Gewerbeareale an der Köpenicker Straße sollen zu einem Stadtquartier werden, das alte wie neue Bewohner/innen anzieht. Dabei ist von großer Bedeutung, dass auch das Umfeld mit Grünflächen, Spielplätzen, Einkaufsmöglichkeiten, Dienstleistungen, Kindertagesstätten, Schulen und Freizeitangeboten 'stimmt'. Der Stadtumbau wird hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten. Die Etablierung einer 'neuen Kreuzberger Mischung' ist eine Querschnittsaufgabe, die bei vielen Stadtumbauprojekten eine Rolle spielen wird. Es ist ein Ziel des Stadtumbauprozesses mit Unterstützung der Bewohner/innen, Eigentümer/innen und weiterer lokaler Akteure u.a. – generationen- und nationenübergreifende Wohnangebote zu unterstützen – Angebote in der Kombination von Wohnen und Arbeiten zu entwickeln
Sanierung der ehemaligen VelvetFabrik in der Köpenicker Straße 20

Die typische Kiezstruktur Kreuzbergs aus dem 19. Jahrhundert mit (groß)bürgerlichen Häusern entlang der Straßen und dahinter liegenden gewerblichen und gemischt genutzten Höfen prägt noch heute große Teile des Stadtumbaugebietes. Die 'Kreuzberger Mischung' zeigt sich als Miteinander von Bewohner/innen aus vielen Nationen, von kreativer Szene und Kiezkultur, von größeren Gewerbebetrieben und kleinen Dienstleistungs- und Medienunternehmen. Ziel des Stadtumbaus ist, diese lebendige Mischung zu erhalten und weiterzuentwickeln. Auch bei der baulichen und freiräumlichen Entwicklung der Spreegrundstücke im Stadtumbaugebiet wird eine Mischnutzung für Alle mit Wohnangeboten für ganz unter-

– Betreuungs- und Bildungsangebote zu verbessern – Anreize und Angebote für Kleinunternehmen und 'Start-Up-Firmen' zu schaffen – frei verfügbare Orte für Vereine und Initiativen, für Versammlungen, Veranstaltungen und Feste anzubieten.

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Große Grundstücke und historische ‘Schmuckstücke’ an der Spree, bieten Räume für eine bunte Vielfalt an Nutzungen aus Kultur, Freizeit, Wohnen und Arbeiten

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8. Aufbau von Netzwerken der Akteure
Die kontinuierliche und intensive Einbeziehung von Bewohner/innen, Gewerbetreibenden, Grundstückseigentümern, Vereinen und Initiativen in den Stadtumbauprozess ist für eine erfolgreiche Maßnahmenumsetzung unverzichtbar. Sichtweisen und Bedürfnisse von Bewohner/innen und Akteuren zu erfassen, ermöglicht erst, die vielfältigen Potenziale des Stadtumbauquartiers zu erkennen und für seine Weiterentwicklung zu nutzen. Der Dialog wird daher bewusst gesucht. Mit vielen unterschiedlichen Öffentlichkeitsaktivitäten wird das Interesse am Stadtumbau geweckt, verstärkt, verankert. Ziel ist, die Entwicklung des Spreeufers zu einem Anliegen Aller zu machen. Konsensbildung und Interessenausgleich im Rahmen von besonderen Beteiligungsverfahren sind ein selbstverständlicher Bestandteil des Stadtumbaus. So wurden zwischen März 2006 und Dezember 2007 insgesamt sechs Bewohnerversammlungen durchgeführt. Begonnen wurde mit einer Veranstaltung in der Eberhard-Klein-Grundschule, in der rund 100 interessierten Bewohner/innen, Eigentümer/innen und Gewerbetreibenden zum Entwurf des Stadtumbaukonzeptes diskutierten. Projektbezogen wurde zu weiteren Bewohnerversammlungen eingeladen: zur Aufwertung der Grünanlagen am Schlesischen Tor und des Gröbenufers mit denkmalgerechter Sanierung der Doppelkaianlage, zu den möglichen Brückenverbindungen zwischen Kreuzberg und Friedrichshain und zu den Neugestaltungsmaßnahmen auf der südlichen Lohmühleninsel. Der gute Besucherzuspruch – zwischen 20 und 200 Personen kamen zu den Versammlungen – zeigte, dass die Bürger/innen
Impressionen von Bewohner/innenversammlungen

die Zukunft ihres Quartiers auch aktiv mitgestalten wollen. Beispielgebend für Beteiligungsverfahren bei Maßnahmen im Wohnumfeld sind die Projekte Kinderspielplatz Pücklerstraße und südliche Lohmühleninsel. Für die Neugestaltung des Spielplatzes Pücklerstraße wurde eine öffentliche ‘Planungsparty’ vor Ort, PlanungsWorkshops mit den Kindern der Kindertagesstätte und der e.o. plauen-Grundschule sowie eine Anwohnerversammlung veranstaltet. Während der Realisierung

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wirkten Kinder und Jugendliche bei der Gestaltung eines Mosaik-Spielpfades und einer Betonstützwand mit. Auch bei der Konzeptfindung für die Lohmühleninsel standen Beteiligungsverfahren für Kinder, Jugendliche und Eltern im Mittelpunkt. Eine Vielzahl der Anregungen aus Kindergarten- und Schulprojekten, einer Ideenwerkstatt, Bewohnerversammlungen und Befragungen vor Ort konnten in die Planung aufgenommen werden. Ein E-Mail-Newsletter mit bislang 12 Ausgaben informiert einen immer größer werdenden Interessentenkreis über aktuelle Projekte und Vorgänge des Stadtumbaus. Eine zusätzliche Streuung der Informationen erfolgt in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern im Gebiet, wie dem Quartiersmanagement Wrangelkiez und dem Stadtteilmanagement Koko Mariannenplatz. Eine intensive Pressearbeit begleitet den Stadtumbauprozess. Einladungen zu Pressegesprächen, Kiezführungen, Einweihungen und Veranstaltungen werden von Medienvertretern gerne wahrgenommen. Die Berichterstattung in den Medien zum Stadtumbau und zu wichtigen Einzelprojekten ist sehr positiv. Über die einzelnen Stadtumbauprojekte sowie aktuelle Termine wird ausführlich mit Fotos, Plänen und Texten unter der Internetadresse www.stadtumbau-berlin.de berichtet. Die Projektdokumentationen werden regelmäßig aktualisiert. Neben den ‘offiziellen’ Aktivitäten der Öffentlichkeitsarbeit sind es auch die begleitenden informellen Gespräche mit Bewohnerinnen, Eigentümern, Gewerbetreibenden oder Initiativen im Gebiet, die die Projekte des Stadtumbaus befördern, Kontakte herstellen und vermitteln. Äußerst positiv ist, dass viele Quartiersakteure bereits von sich aus das Gespräch mit dem Bezirksamt und dem Stadtumbaumanagement suchen. Die offensive Öffentlichkeitsarbeit wird auch künftig fortgesetzt. Die Reihe der blauen Broschüren, zu der auch dieses Heft gehört, wird voraussichtlich jährlich über die Fortschritte im Stadtumbau berichten. Auch Feste und Veranstaltungen (Kunst, Musik, Theater, Sport etc.) können künftig zu einer sozialen, kulturellen und urbanen Belebung des Spreeraums und zur Identitätsstiftung für die Bewohner/innen beitragen.

Bemalte Segmente der ehemaligen Berliner Mauer am Kreuzberger Spreeufer

Der Stadtumbauprozess wird begleitet von Fachforen, bezirksübergreifenden Abstimmungsrunden und Workshops

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Ausblick
Mit den ersten umgesetzten Stadtumbaumaßnahmen eröffnen sich neue fotogene Perspektiven

Ende des Jahres 2008 wird das Kreuzberger Spreeufer erstmals auf größeren Abschnitten öffentlich zugänglich sein. Uferwege und Steganlagen werden Kiezbewohner/innen, Beschäftigte, aber auch Touristen an die Spree locken. Die Doppelkaianlage am Gröbenufer wird in zentraler Lage, in unmittelbarer Nähe zum Schlesischen Tor, einen Vorgeschmack auf städtisches Leben am Wasser vermitteln. Für die Bewohner/innen im westlichen Wrangelkiez geht mit der Aufwertung der Wrangelstraße und ihrer Nebenstraßen sowie der Neugestaltung des Schulhofs der Nürtingen-Grundschule ein Mehr an Lebensqualität einher. Im östlichen Bereich des Stadtumbaugebietes werden mit Baumpflanzungen in der Schlesischen Straße Akzente gesetzt und zwischen dem Gröbenufer und der Cuvrystraße entsteht in prominenter Lage die erste über die Spree geführte Promenade. Gleichzeitig werden im Dialog mit Bewohner/innen und Gebietsakteuren weitere Projekte, wie die Entwicklung der nördlichen Lohmühleninsel und ergänzende Abschnitte der Uferpromenade, vorbereitet. Weiter geht auch die betriebsverträgliche Verlagerung von Gewerbebetrieben im Spreegürtel und das Werben für standortgemäße Nachnutzungen. Über alle Vorhaben und Planungen des Stadtumbaus wird auch zukünftig rechtzeitig und umfassend informiert. Auf eine Vielzahl an Einweihungen, Bewohnerversammlungen, Beteiligungsverfahren und Veranstaltungen dürfen Sie bereits heute gespannt sein.

Kunstliebhaber am Skulpturenpfad ‘Menschenlandschaften’

Dreharbeiten auf dem Spreebalkon zu dem Kurzfilm ‘Etüde’ von Asaf Koliner

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vorher - nachher:

Kinderspielplatz Pücklerstraße

Spreebalkon Brommystraße

Grünanlagen am U-Bhf. Schlesisches Tor

Mittelpromenade Bevernstraße

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Besucher auf dem Spreebalkon Brommystraße

Ansprechpartner/innen
Bezirksverwaltung Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg Yorckstraße 4-11, 10965 Berlin Postanschrift: Postfach 350701, 10216 Berlin Internet: www.friedrichshain-kreuzberg.de Voruntersuchungen / Stadtumbaumanagement Herwarth + Holz, Planung und Architektur Schlesische Straße 27, 10997 Berlin Carl Herwarth von Bittenfeld, Brigitte Holz Telefon: 030 - 6 11 10 21 / Telefax: 030 - 6 18 87 16 Internet: www.herwarth-holz.de Abteilung für Stadtentwicklung, Personal und Gleichstellung Bezirksbürgermeister Dr. Franz Schulz Telefon: 030 - 90298 - 2300 / Telefax: 030 - 90298 - 4178 E-Mail: buergermeister@ba-fk.verwalt-berlin.de Fachbereich Stadtplanung Fachbereichsleiter Matthias Peckskamp Telefon: 030 - 90298 - 2234 / Telefax: 030 - 90298 - 3352 E-Mail: matthias.peckskamp@ba-fk.verwalt-berlin.de Ralf Ahlemann Telefon: 030 - 90298 - 3502 / Telefax: 030 - 90298 - 3352 E-Mail: ralf.ahlemann@ba-fk.verwalt-berlin.de Siegfried Rudolph Telefon: 030 - 90298 - 3389 / Telefax: 030 - 90298 - 3352 E-Mail: siegfried.rudolph@ba-fk.verwalt-berlin.de Sonstige Akteure / Beteiligte Regionalmanagement media spree e.V. Stralauer Platz 34, 10243 Berlin Telefon: 030 - 9700 - 2888 / Telefax: 030 - 9700 - 2890 Abteilung für Bauen, Wohnen und Immobilienservice Bezirksstadträtin Jutta Kalepky Telefon: 030 - 90298 - 2360 / Telefax: 030 - 90298 - 2512 E-Mail: ursula.meyer@ba-fk.verwalt-berlin.de Fachbereich Immobilienservice Fachbereichsleiter Frank Vettel Telefon: 030 - 90298 - 3150 / Telefax: 030 - 90298 - 2570 E-Mail: frank.vettel@ba-fk.verwalt-berlin.de Amt für Tiefbau Amtsleiter Helmut Schulz-Herrmann Telefon: 030 - 90298 - 8050 / Telefax: 030 - 90298 - 8015 E-Mail: dagmar.stephan@ba-fk.verwalt-berlin.de Fachbereich Naturschutz und Grünflächen Fachbereichsleiter Hilmar Schädel Telefon: 030 - 90298 - 8030 / Telefax: 030 - 90298 - 8033 E-Mail: hilmar.schaedel@ba-fk.verwalt-berlin.de Internet: www.mediaspree.de E-Mail: christian.meyer@mediaspree.de Stadtteilausschuss Kreuzberg e.V. Skalitzer Straße 57, 10997 Berlin Telefon: 030 - 61 28 27 00 / Telefax: 030 - 61 28 27 01 Internet: http://stadtteilausschuss.kreuzberg.de E-Mail: stadtteilausschuss.kreuzberg@t-online.de Quartiersmanagement Wrangelkiez Schlesische Straße 12, 10997 Berlin Telefon: 030 - 695 157 24, -25 / Telefax: 030 - 695 157 26 Internet: www.quartiersmanagement-wrangelkiez.de E-Mail: qm.wrangelkiez@berlin.de Stadtteilmanagement Koko Mariannenplatz Mariannenplatz 6, 10997 Berlin Telefon: 030 - 61 20 18 80 / Telefax: 030 61 20 18 49 Internet: www.koko-mariannenplatz.de E-Mail: kokomariannenplatz@jugendwohnen-berlin.de E-Mail: kontakt@herwarth-holz.de Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Württembergische Str. 6, 10707 Berlin Internet: www.stadtentwicklung.berlin.de Referat IV D - Entwicklungsbereiche, Städtbauliche Verträge, Stadtumbau Dirk Böttcher Telefon: 030 - 9012 - 5691 / Telefax: 030 - 9012-3527 E-Mail: dirk.boettcher@senstadt.verwalt-berlin.de Brigitte Schammer Telefon: 030 - 9012 - 3220 / Telefax: 030 - 9012-3527 E-Mail: brigitte.schammer@senstadt.verwalt-berlin.de

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