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Full text: Ecke (Rights reserved) Issue 2020,3 (Rights reserved)

ecke nr. 3– juli /august 2020 müllerstraße Zeitung für das »lebendige Zentrum« und Sanierungsgebiet Müllerstraße. Erscheint sechsmal im Jahr kostenlos. Ch. Eckelt Herausgeber: Bezirksamt Mitte von Berlin, Stadtentwicklungsamt, Fachbereich Stadtplanung kampf um karstadt – warenhäuser mit zukunft? seiten 12/13 2 —— E CKE M Ü LLERSTRASSE E CKE MÜLLE R STR A SSE —— 3 W E LC H E E C K E ? Ch. Eckelt ————— ———————————————————— I N H A LT Seite 3 Mein Wedding 2020: Open Air ab 15. August Seite 4 Prime Time im Kino Alhambra Seite 5 Bodenwerte steigen nur moderat Seite 6 Volkshochschule wieder offen Mein Wedding 2020 Im August wird der Mittelstreifen der Müllerstraße wieder zur Galerie­ Seite 7 Ein persönlicher Lockdown-Rückblick Seite 8 / 9 Der Siegerentwurf zum Weddingplatz Seite 10 Leserpost und mensch.müller Aus dem Bezirk Mitte: • Seite 11 Mietendeckel scheint zu wirken • Seite 12 Kampf um Karstadt Wo hat unser Fotograf Christoph Eckelt dieses Foto aufgenommen? Wenn Sie den Ort wissen, schreiben Sie uns die Lösung und vergessen bitte auch nicht Ihre Post-Adresse! Denn unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir einen Gutschein über 20 Euro für das Kino Alhambra. Schicken Sie uns Ihre Antwort bitte per Post an: Ulrike Steglich c/o ecke müllerstraße, Elisabethkirchstraße 21, 10115 Berlin oder per Mail an: ecke.mueller@ gmx.net Das Bilderrätsel in der ecke müllerstraße 2/2020 zeigte den Containerbau der Beuth-Hochschule für Technik an der Luxemburger Straße. Wir danken allen Einsendern! Gewinner des Kinogutscheins ist Michael Heßke – herzlichen Glückwunsch! • Seite 13 Die Zukunft der Warenhäuser • Seite 14 Berlin-Bücher für den Sommer Seite 15 Adressen + Gebietskarte Seite 16 Eckensteher —— ——————————————————— I M P R E S S U M Herausgeber: Bezirksamt Mitte von Berlin, Straßenbäume weiter durstig! Zwar scheint der Sommer in diesem Jahr eher britische Züge anzunehmen. Anfang Juli zumindest zeigte sich der Himmel über Berlin eher wolkenverhangen bei moderaten Temperaturen. Dennoch sind die Böden der Stadt nach zwei Dürrejahren in Folge weiterhin viel zu trocken. Die »Bodenfeuchte-Ampel« des Berliner Pflanzenschutzamtes war jedenfalls am 9. Juli noch tiefrot: In 85 Zentimeter Tiefe zeigte sie eine Feuchtigkeit von nur 10 % an, auf Gelb würde sie erst bei 30 % umspringen. Und Stadtentwicklungsamt auch die Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes für den Flughafen Tegel verkünden, dass hier Anfang Juli mehr Wasser verdunstete, als über den Regen zugeführt wurde. Die Straßenbäume der Stadt benötigen also dringend Wasser. Der BUND Berlin ruft daher dazu auf, die Bäume kräftig zu gießen – am bes­ ten mit Wasser aus einer Pumpe. Straßenbäume, die akut unter Trocken­ stress leiden, erkennt man ganz oben am Wipfel: Werden die Blätter dort kleiner und dürr und zeigen sich in der Spitze die ersten Lücken, dann ist der Baum richtig durstig. Dem Baum fehlt das Wasser, um es bis ganz nach oben zu pumpen. cs Redaktion: Christof Schaffelder, Ulrike Steglich Redaktionsadresse: »Ecke Müllerstraße«, c /o Ulrike Steglich, Elisabethkirchstraße 21, 10115 Berlin, Tel (030) 283 31 27, eckemueller@gmx.net Am 15. August werden auf dem Mittelstreifen der Müllerstraße wieder Plakatwände enthüllt. Bis zum 3. Oktober wird die Geschäftsstraße zur Freiluft-Kunstmeile. Trotz widriger Umstände kann die Kunstaktion »Mein Wedding« in diesem Jahr zum siebten Mal stattfinden. Denn nach der Auflösung der StandortGemeinschaft Müllerstraße war es zunächst fraglich gewesen, ob auch in diesem Jahr die Freiluftgalerie wieder eingerichtet werden kann. Zwar war die Finanzierung der anfallenden Sachkosten über das Programm »Lebendige Zentren« bereits gesichert. Wer aber die Arbeit macht, die sonst noch so anfällt, war zunächst noch vollkommen ungewiss. Schließlich haben sich vier engagierte Weddinger und Weddingerinnen gefunden, die sich zusammen diesen Schuh anziehen und dabei vom Centre Francais de Berlin organisatorisch unterstützt werden. Zur Gruppe gehört die Bildende Künstlerin Susanne Haun, die mit ihren Werken an vergangenen Aktionen beteiligt war. »Ich bin begeistert von der großen Resonanz, die wir ausgelöst haben« erklärt sie. »Über 180 Werke wurden bis Mitte Juni bei uns eingereicht. Es hat gut zweieinhalb Stunden gedauert, bis die fünfköpfige Jury unter ihnen die zwölf gefunden hat, die tatsächlich aufgestellt werden sollen.« Unter den eingereichten Motiven seien wieder viele Fotografien gewesen. »Es waren aber auch erstaunlich viele Handmalereien und Grafiken darunter, sogar eine Stickarbeit. Und das von den unterschiedlichsten Altersgruppen in einer großen Varianz. Auch Kinder und Jugendliche haben sich zahlreich beteiligt, im Lessing-Gymnasium hat ein engagierter Kunstlehrer unsere Aktion sogar in den Unterricht einbezogen und seine Schülerinnen und Schüler dazu motiviert teilzunehmen.« Bis Redaktionsschluss stand noch nicht fest, an welchen Standorten die Plakate genau aufgestellt werden können. »Es gibt ja auf der Müllerstraße gleich mehrere Baustellen, die wir berücksichtigen müssen. Wir haben dem Straßenund Grünflächenamt eine lange Liste von Orten vorgelegt, wo wir es für möglich halten. Dazu gehört diesmal auch ein Standort am Lesegarten an der Schiller-Bibliothek.« Die Eröffnung der Ausstellung findet dieses Mal aber nicht in der Bibliothek statt – eine Vernissage wäre bei den Hygiene-Bestimmungen in geschlossenen öffentlichen Räumen auch nur schwer umzusetzen. Stattdessen trifft man sich am 15. August um 11 Uhr im interkulturellen Garten »Rote Beete« auf dem Parkplatz am Centre Francais. Eingeladen ist auch wieder der Bezirksbürgermeister Stephan von ­Dassel, der dann die vornehme Aufgabe hat, vor den Kameras der Pressevertreter die Plakatwand auf dem Mittelstreifen in der Nähe des hölzernen Eiffelturms zu enthüllen.cs Ausführliche Informationen zum Projekt finden Sie auf der Website »meinwedding2020.home.blog«. Fotoredaktion: Christoph Eckelt, eckelt@bildmitte.de Entwurf und Gestaltung: capa, Anke Fesel, www.capadesign.de Druck: BVZ Berliner Zeitungsdruck GmbH, www.berliner-zeitungsdruck.de V.i.S.d.P.: Ulrike Steglich Für den Inhalt der Zeitung zeichnet nicht der Herausgeber, sondern die Redaktion verantwortlich. Die nächste Ausgabe Ecke im Web Elektronischer Versand der Ecke Turmstraße erscheint Ende August 2020. Sämtliche Ausgaben der »Ecke Müllerstraße« sind als PDF archiviert und abrufbar unter: www.muellerstrasseaktiv.de /oeffentlichkeits­arbeit /zeitungecke-muellerstrasse Sie möchten auf elektronischem Weg die aktuelle Zeitung als PDF erhalten? Schreiben Sie uns eine kurze E-Mail, und wir nehmen Sie in unseren Mail-Verteiler auf: eckemueller@gmx.net Kinderbunter Bauernhof – Kinderbeteiligung ­angelaufen Auf dem »Kinderbunte Bauernhof« in der Luxemburger Straße 25 sollen aus Mitteln des Förderprogramms »Lebendige Zentren« ein neues Multifunktionsgebäude an Stelle des baufälligen Containerbaus errichtet und die vorhanden Schaf- und Ziegenställe erneuert werden. Auch der Freiraum wird teilweise umgestaltet. An der Entwicklung der Planungsideen sind frühzeitig Kinder aus dem Projekt beteiligt, auch wenn das unter den Bedingungen der Corona-Pandemie nicht einfach ist. In kleinen Gruppen geht das aber, das Kinder- und Jugendbüro des Jugendamtes Mitte hat mit seinen Aktivitäten bereits begonnen. 4 —— EC K E MÜ LLERSTRASSE E CKE MÜLLE R STR A SSE —— 5 Kinos wieder ­geöffnet Die meisten Sitzplätze gibt es im ­Freiluftkino Rehberge­ Seit dem 1. Juli haben auch im Wedding die Kinos wieder geöffnet. Allerdings nur mit verminderter Platzzahl, deshalb empfiehlt es sich, im voraus zu buchen, auch wenn das nicht überall zwingend vorgeschrieben ist. Zudem sollte man einen Mund- und Nasenschutz mitbringen. Zwar kann man den am Sitzplatz wieder abnehmen (sicherer ist es jedoch, ihn aufzubehalten), aber auf dem Weg dorthin muss man ihn tragen. Nebeneinandersitzen dürfen nur Lebenspartner oder Personen aus gemeinsamen Haushalten, ansonsten muss ein Sicherheitsabstand gewährleistet werden. Die Platzzahl ist reduziert. Im City-Kino-Wedding zum Beispiel stehen von den 214 Sitzplätzen nur 50 zur Verfügung, die man nicht vorher reservieren kann. Man kann aber online buchen oder an der Kinokasse auch im Voraus erwerben. Auch im Kino Alhambra sind die Platzzahlen reduziert, auch hier wird die Online-Buchung empfohlen. Schon seit dem 4. Juni hat das Freiluftkino Rehberge geöffnet, hier gilt ein besonderes Hygiene-Konzept: So können hier nur maximal zwei Personen aus demselben Haushalt oder Lebenspartner nebeneinandersitzen, größere Familien müssen sich also auf mehrere Sitzbänke verteilen, die im vorgeschriebenen Abstand von 1,50 Meter aufgestellt sind. Dennoch hat das Freiluftkino eine für die augenblicklichen Verhältnisse enorme Kapazität von 350 Sitzplätzen. Alle Tickets müssen online erworben werden und können auch bei schlechtem Wetter nicht zurückgegeben werden. Es empfiehlt sich also ein Blick auf den Wetterbericht und entsprechende Kleidung. cs Im engen Prime Time Theater ist die Einhaltung der geltenden Abstandsregeln leider unmöglich. Verzichten muss man dennoch nicht auf Kalle und seine Kollegen. Denn bis zum 16. August zeigt das Kino Alhambra täglich um 20 Uhr eine klassische Folge der Soap »Gutes Wedding, Schlechtes Wedding« als Filmaufzeichnung. Jeden Donnerstag kommt eine neue Folge. Die Tickets kann man auf der Website des Alhambra buchen: www.cineplex.de / berlin-alhambra. Aber auch live kann man das Prime Time Theater erleben: Im Freibad Plötzensee wird an drei August-Wochenenden eine Short-Version von »Miss Wedding Undercover« auf die Bühne gebracht, sogar mit Vorprogramm. Die Termine sind: Freitag, der 7.8. bis Sonntag, 9.8., Freitag, den 14.8. bis Sonntag, 16.8. sowie Freitag, den 28.8. bis Sonntag, 30.8. Das Vorprogramm beginnt freitags und samstags um 19 Uhr und sonntags um 16 Uhr, der eigentliche Vorstellungsbeginn ist freitags und samstags um 20.15 Uhr und sonntags um 17.15 Uhr. Die Tickets kann man unter www. primetimetheater.de buchen. Es wird geraten, den Wetterbericht zu beachten und sich entsprechend einzukleiden. Bei schlechtem Wetter können vor Ort Regenponchos für 3,– Euro erworben werden. Bei großer Hitze sollte an Sonnencreme, Sonnenhut und Sonnenbrille gedacht werden. Atze umsonst und draußen Das Atze-Musiktheater hat seine Vorstellungen im Juli komplett nach draußen verlegt. Sie finden jetzt vor der Tür des Kindertheaters in der Luxemburger Straße statt. Allerdings sind auch hier die Plätze begrenzt und müssen, wiewohl kostenlos, im Vorfeld gebucht werden. Bei Redaktionsschluss waren alle Plätze für die Vorstellungen im Juli leider schon fast komplett vergeben. Im August sind keine Vorstellungen angesetzt – und wie es im September weitergeht, wird man sehen müssen. Brauseboys in Moabit Die Weddinger Lesebühne Brauseboys weicht bis auf Weiteres nach Moabit aus. Sie tritt jetzt jeden Donnerstag um 20 Uhr auf dem Hof der Kulturfabrik in der Lehrter Straße 35 auf. Man kann Plätze unter reservierung@brauseboys. de vorbestellen, allerdings verfallen die Reservierungen, wenn man seinen Platz nicht bis spätestens um 19.30 Uhr eingenommen und bezahlt hat. An der Kasse und am Getränkewagen ist Mundschutz vorgeschrieben. Bodenpreise steigen nur noch moderat Die neuen Bodenrichtwerte für das ­Sanierungsgebiet Müllerstraße Die Bodenwerte im Sanierungsgebiet Müllerstraße sind im Jahr 2019 weniger stark gestiegen als in den Vorjahren. Das zeigt die aktuelle Bodenrichtwertkarte des Gutachterausschuss Berlin. Einen starken Preisanstieg verzeichneten im vergangenen Jahr in Berlin vor allem Grundstücke für Büro- und Geschäftshäuser, im Mietwohnungsbau dagegen war er nur moderat. Es ist fraglich, ob dieser Trend angesichts der Corona-Krise in diesem Jahr anhält. In jedem Jahr veröffentlicht der Gutachterausschuss des Landes Berlin eine Karte mit den aktuellen Bodenrichtwerten zum Stichtag 1. Januar. Im Internet ist sie unter fbinter. stadt-berlin / boris kostenfrei einsehbar. Im Vergleich zum Vorjahr sind dabei die Werte für das Sanierungsgebiet Müllerstraße gestiegen: im als Wohngebiet (W) ausgezeichneten größten Teil um knapp 10 % von 2.300 auf 2.500 Euro Ch. Eckelt Ch. Eckelt Prime Time Theater im Alhambra und am Plötzensee pro Quadratmeter sowie um 25 % von 2.000 auf 2.500 Euro im zentralen Geschäftsbereich der Müllerstraße, der als Mischgebiet (M2) charakterisiert ist. Dort ist eine Mischung unterschiedlicher Funktionen (Gewerbe, Handel, Dienstleistungen, Wohnen) vorgesehen. Auch das als Kern­ gebiet (M1) gekennzeichnete Grundstück des Karstadt am Leopoldplatz hat danach einen Wert von 2500 Euro /qm erreicht, obwohl hier die Bebauungsdichte mit einer Geschossflächenzahl (GFZ) von 4,5 sehr viel höher ist als im übrigen Teil des Sanierungsgebietes mit 2,5. In der Umgebung der Müllerstraße sind die Verhältnisse ähnlich. Das gleichfalls mit einer GFZ von 2,5 ausgewiesene Wohngebiet östlich des Sanierungsgebietes und südlich des Straßenzuges See- und Osloer Straße liegt auch bei 2.500 Euro /qm, die Wohngebiete des Sprengel- und Brüsseler Kiezes sowie des Afrikanischen Viertels, die mit einer GFZ von 2,0 etwas weniger dicht bebaut sind, verzeichnen einen aktuellen Bodenwert von 2.100 Euro /qm. Dem Gutachterausschuss werden sämtliche notariell beglaubigten Kaufverträge für Grundstücke in der Stadt gemeldet. Aus den darin festgeschriebenen Kaufpreisen errechnet er die Bodenrichtwerte des Jahres. Sie dienen dann als Grundlage für Preisverhandlungen im folgenden Jahr. Für Sanierungsgebiete haben sie darüber hinaus eine besondere Bedeutung. Denn hier kann der Bezirk den Verkauf von Grundstücken versagen, wenn der Grundstücksanteil im Kaufpreis deutlich über den aktuell geltenden Bodenrichtwerten liegt. Allerdings war das bei den stark steigenden Grundstückswerten der vergangenen Jahre in der Praxis oft nur schwer umsetzbar. Dabei wirkte vor allem die starke Steigerung der Preise für Wohnhäuser preistreibend, die sich inzwischen nach Angaben des Gutachterausschuss berlinweit deutlich beruhigt hat. Bei einer weiter zurückgehenden Anzahl von Kauffällen (-13 %) stiegen die Preise für Wohn- und Geschäftshäuser berlinweit »nur« um 9 %. Bei »Büro- und Geschäftshäusern einschließlich Einzelhandelsobjekten« wurde dagegen ein Anstieg der durchschnittlichen Kaufpreise von 43 % ermittelt. Eine spannende Frage ist, inwieweit sich die Corona-Krise auf die Preisentwicklung des Berliner Grundstücksmarktes auswirken wird. Eigentlich müsste sich der allgemeine Rückgang der Wirtschaftsleistung hier deutlich bemerkbar machen. Möglicherweise wird dieser Effekt aber durch eine steigende internationale Nachfrage nach Immobilien in Deutschland wettgemacht, da unser Land deutlich besser durch die Krise zu kommen scheint als viele andere westliche Industriestaaten. Langfristig könnten sich aber auch die Erfahrungen auswirken, die viele mit Home-Office und der Möglichkeit von Videokonferenzen gemacht haben. Falls Büroarbeit künftig teilweise von zuhause aus erledigt werden kann, ermöglicht das vielen Beschäftigten, ihren Wohnsitz auch weiter weg von Berlin zu begründen. Man müsste dann nur noch zwei bis drei Mal pro Woche nach Berlin fahren und nicht mehr an jedem Werktag, was längere Anfahrzeiten tragbar macht. Auf die Nachfrage nach Büroflächen würde sich das natürlich ebenfalls auswirken: Man braucht dann nicht mehr so große Büroeinheiten. cs 6 —— E CKE MÜ LLERSTR ASSE E CKE MÜLLE R STR A SSE —— 7 Beuth-Hochschule kann digital Qualifizierungsprogramm »BeuthBonus+« vollständig online Trotz Social Distancing und weltweiter Pandemie hat die Beuth-Hochschule für Technik Mitte Juni einen neuen Durchgang des Qualifizierungsprogramms »BeuthBonus+« an den Start gebracht. Das richtet sich an zugewanderte Akademikerinnen und Akademiker, die mit der erfolgreichen Teilnahme ihre Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt deutlich erhöhen können. In der Hochschule geht am 18. Juli ein denkwürdiges Semester zu Ende. Denn aufgrund der Hygienebestimmungen des Landes Berlin war die Durchführung normaler Seminare und Lehrveranstaltungen nicht möglich. Der Lehr- und Forschungsbetrieb war auf unverzichtbare Präsenzprüfungen und -veranstaltungen beschränkt und fand in der Regel online statt. Das Wintersemester startet für höhere Semester am 1. Oktober, für Erstsemester am 2. November und endet am 20. Februar 2021. Auch das Programm Beuth-Bonus+ konnte innerhalb kurzer Zeit vollständig digitalisiert werden. »Für uns alle eröffnen sich durch diese plötzliche Umstellung auf die Online-Lehre auch neue Chancen«, sagt BeuthBonus+-Dozentin Natalie Schnar. Normalerweise bietet das Programm eine Mischung aus Präsenzveranstaltungen und Onlineangeboten an. Im neuen Durchgang entfallen zwar die meis­ ten physischen Kontakte, nicht allerdings die persönlichen zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern und den Lehrenden. Mit einem flexiblen Methodenmix kann von Zuhause aus gelernt werden – per Webinar, OnlineCoaching oder Lernplattform. »Nicht das Ende der Welt« Nathalie Dimmer lebt mit Familie und arbeitet in der Bibliothek. Hier berichtet sie, wie der Corona-Lockdown ihren Alltag veränderte In den letzten Monaten haben – anders als zuvor –Telefongespräche und soziale Netzwerke einen Großteil meiner privaten Zeit bestimmt. Oft begannen die Gespräche mit dem Satz: »Verrückt, dass wir das wirklich erleben!« Als hätten wir nicht genug Endzeitfilme gesehen, um zu wissen, dass wir es doch ganz gemütlich haben. Ich kann nicht sagen, dass ich nicht vorbereitet war. Mein Vater war das, was wir heute einen »Prepper« nennen. Ich erklärte mir seine mitunter wilden Gedanken damit, dass er, 1948 geboren, das Verhalten einer Nachkriegsgeneration zeigte, bei der sich die traumatischen Erfahrungen der Mütter und Väter auf die Kinder übertrugen. Der Schock der Fremdbestimmung durch die nationalsozialistische Besatzung meines Heimatlandes wirkte bis weit in die zweite und dritte Generation fort. Ich bin aufgewachsen mit dem Satz: Sei in der Lage, im Notfall auch in der freien Natur zu überleben. Für mich hat der Ausdruck »to be prepared« mit meiner Familiengeschichte zu tun. Für einige Freunde bedeutet es dagegen, Lebensmittel im Haus zu haben, die länger als einen Tag reichen. Als in Berlin die Regale bereits leergefegt und alle auf der Suche nach Nudeln waren, habe ich im Baumarkt Ziersteine besorgt. In den Stunden vor dem Lockdown kaufte ich ein Podcast-Mikro und schleppte eine Autoladung voller Bücher und Filme aus der Bibliothek nach Hause. Dann: Lock-Down. Ein Zustand, auf den ich mein Leben lang vorbereitet wurde. Aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich ihn wirklich erleben würde. Das Schließen der Grenzen hat mich sehr traurig gemacht. Das Europa, wie ich es kannte und liebte, könnte womöglich schon jetzt historisch sein. Von einem Tag auf den anderen war es verboten, meine engsten Verwandten zu besuchen. Das war das Schlimmste. Aber wir hatten keinen Krieg. Wir würden nicht verhungern. Es ist nicht das Ende der Welt, ein paar Tage auf Dro- Volkshochschulen ­wieder offen Viele Online-Angebote im Programm Auch die Berliner Volkshochschulen gehen immer stärker zum Online-Unterricht über. So bietet die Volkhochschule Mitte im neuen Semester, das am 1. Juli begonnen hat, zahlreiche Kurse im E-Learning an. Vor allem Fremdsprachen, aber auch Kurse wie »Zumba-Fitness« oder zahlreiche Angebote der beruflichen Weiterbildung wie Finanzbuchführung, Lohn und Gehalt oder Controlling. Natürlich besteht aber auch die Möglichkeit, sich an anderen Berliner Volkshochschulen einzuschreiben, in denen noch Plätze in Onlinekursen frei sind. Eine Übersicht findet sich auf der Website der Berliner Volkshochschulen www.vhsit. berlin.de. E-Learning könnte also auch für die Zeit nach der Corona-Krise neue Wege in der Erwachsenbildung eröffnen. In der VHS Mitte finden aber auch wieder normale Kurse statt. Dazu gelten besondere Hygieneregeln. So müssen zum Beispiel die Plätze in den Unterrichtsräumen einen Abstand von mindestens 1,50 Meter aufweisen und die Räume müssen gut belüftbar sein. Es muss regelmäßig desinfiziert werden, außerhalb des Unterrichts besteht Maskenpflicht, wo es möglich ist, wird das Tragen einer Maske auch während des Unterrichts empfohlen. Man soll seine Garderobe mit zu seinem Sitzplatz nehmen und sich zudem im Gebäude nicht unnötig aufhalten. Übungsmate­ rialien, dazu gehören z.B. auch Gymnastikmatten, sollen nicht geteilt werden und müssen ggf. selbst mitgebracht werden. Auf Körperkontakt ist zu verzichten, auch Hilfestellungen in Bewegungskursen sollen nicht stattfinden. Die Anwesenheit ist zu dokumentieren, um gegebenenfalls Kontaktketten zurückverfolgen zu können. Eine Durchmischung mit anderen Gruppen – etwa in der Pause – ist zu vermeiden. Kontaktintensive Kurse wie zum Beispiel Tanzkurse dürfen überhaupt nicht stattfinden.  cs N. Dimmer Ch. Eckelt Die Teilzeit-Qualifizierung richtet sich gezielt an Hochschulabsolventinnen und -absolventen mit ausländischem Studienabschluss und verbessert gezielt die Fähigkeiten rund um Bewerbung, berufsbezogene Sprache und Management. Es hat zwar bereits begonnen, ein Einstieg ist aber unter Umständen noch möglich. Weitere Informationen finden Sie auf der Website projekt.beuth-hochschule. de /beuthbonus cs gerie-Artikel zu warten oder eine Weile auf Konzerte und Restaurants zu verzichten. Bei meinen Verwandten und Freunden in Frankreich, Belgien, Holland, Luxemburg, Griechenland oder Italien sahen die Ausgangsbeschränkungen anders aus als hier in Berlin. An die Folgen für die Menschen in anderen Teilen der Welt will ich gar nicht denken. Die erste Woche war unwirklich, aber auch schön. Ich steckte meine ganze Kraft in die Planung eines neuen Alltags. Zuerst richtete ich ein improvisiertes Home-Studio ein – es war die Stunde des Radios. Podcast nennt man das heute, Mama! Damit war das erste Familienprojekt geboren. Home-Schooling war die nächste große Herausforderung. Wir hatten und haben die nötigen finanziellen, räumlichen, sprachlichen und zeitlichen Ressourcen. Wir konnten kreativ sein. Ich habe oft an die Familien gedacht, mit denen ich in normalen Zeiten arbeite: Haushalte, in denen viele Menschen auf engem Raum zusammenleben. Eltern, die sich kaum auf Deutsch verständigen können. Väter und Mütter in prekären Jobs. Wie sollten sie ihre Kinder unterstützen? – Am ersten Arbeitstag nach der Schließung der Bibliotheken kam ein Anruf: »Frau Dimmer, kommst du morgen in die Bibliothek?« »Nein, meine Liebe, alles ist geschlossen.« »Aber mit wem soll ich denn jetzt Hausaufgaben machen? Wir haben doch so viel zu tun!« Damit war die Idee der telefonischen Hausaufgabenhilfe geboren. Von der ersten Woche an haben nachbarschaftliche Initiativen, Sozialunternehmen, Familienzentren und auch Bibliotheken mit Hochdruck daran gearbeitet, eine Unterstützung für Familien anzubieten. Ich habe in dieser Zeit viele praktische Erkenntnisse gewonnen. Dass Deutschland in Sachen digitales Lernen sehr schlecht aufgestellt ist, war ja nichts Neues. Die Situation konnte punktuell gerettet werden durch engagierte Lehrer und Sozialarbeiter, die den Familien zur Seite standen oder mit Hilfe von IT-Fachkräften, die neue Plattformen aus dem Boden stampften. Die Unterschiede in den Schulen waren und sind gewaltig. Ich war gerührt von Lehrern, die ihre Schüler einzeln anriefen, um sich nach deren Wohlergehen zu erkundigen. Ich war genervt, dass manche Lehrer es anscheinend toll fanden, vom heimischen Schreibtisch aus die Kinder mit Aufgaben zu bombardieren. Der Stress war immens, der Nutzen gering. Dabei hätte es bestimmt Spaß gemacht, die neuentdeckten digitalen Möglichkeiten gemeinsam und spielerisch zu erkunden. Ich bin wütend darüber, dass manche Lehrer monatelang abtauchten, ich rebelliere gegen die zunehmenden Ungerechtigkeiten im Bildungssystem. Ich bin fassungslos, dass manche ihre Verschwörungstheorien in die Welt herausbrüllen und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich lenken. Ich bin traurig darüber, dass es so wenig Solidarität mit den Menschen gab, die jeden Tag raus mussten. Ein bisschen enttäuscht bin ich über die, die sich zurückzogen und das Rücksichtnahme oder Entschleunigung nannten. Die Zeit des Lock-Downs verbindet sich für mich auch damit, dass man in schweren Zeiten zusammenrückt – wenn es sein muss, auch mit Abstand. Und wenn meine Nerven blank liegen, dann bemale ich Steine und lege sie für meine Nachbarn aus.  Nathalie Dimmer 8 —— E CKE MÜ LLERSTR ASSE E CKE MÜLLE R STR A SSE —— 9 Ein Baumdach für den Weddingplatz Der Gestaltungswettbewerb zur Erneuerung des Weddingplatzes ist entschieden. Eine Jury, an der auch ein Vertreter der Stadtteilvertretung mensch.müller beteiligt war, hat den Entwurf der Bürogemeinschaft um den Berliner Landschaftsarchitekten Franz Reschke ausgewählt. Für die Neugestaltung des Platzes an der Dankeskirche, der den südlichen Eingang zum Aktiven Zentrum Müllerstraße bildet, hatten drei unterschiedliche Büros Ideenkonzepte ausgearbeitet. Die Jury entschied sich für das mit dem höchsten Grünanteil. Denn Frank Jeschke will zusätzlich zu den 45 erhaltenswerten Bestandsbäumen noch 40 neue Bäume anpflanzen. So soll ein »Baumdach« in etwa 3,50 Meter Höhe den gesamten Platz überspannen. Der gliedert sich in drei eigenständige Orte: das »Kirchgrün« rund um die denkmalgeschützte Dankeskirche und ihr Gemeindehaus, die »Rote Tenne« an der Einmündung der Schulzendorfer in die Müllerstraße und die »Reinickendorfer Promenade«, die sich an der östlichen Randbebauung entlang des zurückgebauten Endstummels der Reinickendorfer Straße verläuft und künftig mit wesentlich weniger Park­ raum ausgestattet sein wird. Gingko Schmalblättrige Esche Gemeine Hopfenbuche Zahlreiche Bänke werden das Aufenthaltsangebot auf dem Platz verbessern: vor allem rund um die »Rote Tenne« aber auch entlang der Promenade, in den Eingangsbereichen des Weddingplatzes und auf dem Vorplatz der Dankes­ kirche. Platz und Promenade werden durch Mastleuchten unterhalb des Baumdaches gleichmäßig ausgeleuchtet. Die Dankeskirche erhält eine zurückhaltende Beleuchtung des Kirchhofs sowie der Außenfassade. An die ehemalige Dankeskirche soll vor allem auf dem südlichen Platzteil erinnert werden, wo eine roter Tennenboden entstehen wird, also ein gestampfter, wassergebundener Belag. Die rote Farbe soll dabei auf das Backsteinrot der alten Kirche verweisen, die im Krieg schwer beschädigt und 1949 abgetragen wurde. Eine runde Regenwasserschale, der »Kirchspiegel« aus rötlichem Backstein, soll hier an die alten Kirchturmfenster erinnern. Für die Erneuerung des Platzes stehen insgesamt rund 1,2 Millionen Euro aus den Förderprogramm Lebendige Zentren bereit (früher: Aktive Zentren). Im Jahr 2023 sollen gemäß der Programmplanung die Arbeiten abgeschlossen sein. Chinesische Birne Zweifarbige Eiche Amerikanische Gleditschie Rot-Ahorn Waldkiefer 10 —— EC KE M Ü LLERSTR ASSE Stellungnahme der Stadtteilvertretung mensch.müller Der Wedding lebt von seiner Vielfalt. Entlang seiner Hauptachse – der Müllerstraße – leben und arbeiten tausende Menschen. Sie fühlen sich wohl in einem Umfeld, dass vielfältiger nicht sein kann. Dazu gehören am »Leo«, Weddings wahrscheinlich zentralstem Platz, das Karstadt Warenhaus und die Geschäfte in seinem Untergeschoss. Im Wedding gibt es fast nichts, was es nicht gibt. Von 1-Euro-Läden bis Pelzgeschäft, von italienischem Wein und Öl, türkischen Spezialitäten und Baklava bis hin zu Pralinen und Feinkost bei Karstadt oder asiatischen Besonderheiten bei go Asia! Viele Angestellte wohnen selbst im Wedding. — ——————————————————————————— Die Weddinger:innen kaufen im Wedding ein. Die Weddinger:innen treffen sich auf dem Leo und im Restaurant im Obergeschoss von Karstadt. Diese Arbeitsplätze müssen erhalten bleiben! Dieser Treffpunkt muss erhalten bleiben. Die Weddinger Vielfalt muss erhalten bleiben! Als Stadtteilvertretung unterstützen wir das Bezirksamt, den Karstadt Müllerstraße und die weiteren Geschäfte zu erhalten. Wir fordern zudem die Landespolitik auf, sich noch stärker für den Erhalt des Standortes in der Müllerstraße einzusetzen und die Geschäfte und Arbeitsplätze zu retten! Mit der bevorstehenden Schließung von real ist der Erhalt von Karstadt umso wichtiger für die Nahversorgung der im Wedding lebenden Menschen. Es darf nicht sein, dass in kürzester Zeit zwei große Gebäude, einschließlich untervermieteter Geschäfte für Waren des täglichen Bedarfs räumen müssen, viele Arbeitsplätze verloren gehen und die Vielfalt und Versorgung im Wedding gefährdet wird. Als Stadtteilvertretung verurteilen wir, dass die Konsolidierung der Galeria Karstadt Kaufhof Gruppe auf dem Rücken der in der Corona-Pandemie eben noch als systemrelevant gelobten Beschäftigen ausgetragen wird. LESERECKE betr: Rathausplatz Ch. Eckelt Zum Glück habe ich gestern die ecke müllerstraße in einem Karton vor der Schillerbibliothek gefunden. Als Bewohnerin des Brüsseler Kiezes gehe ich jeden Tag am Rathaus vorbei über den Platz. Dass die Stele nicht mehr da steht, habe ich natürlich bemerkt und von Mitarbeitern des Rathauses, die auf der Straße stehen, habe ich erfahren, dass sie umgefahren wurde, aber sie wussten nichts Genaueres, so wie auch die ecke. Auch erfahre ich über die polizeiliche »Auflösung« einer kleinen Gewerkschaftsinitiative zum Gedenken an Elise und Otto Hampel nichts, ich vermute sie war eine Reaktion auf den Angriff auf die Stele. Natürlich steht jetzt vor allem Corona im Vordergrund und die Gestaltung des neues Maxplatzes. In diesem Zusammenhang könnte man ja auch über die Aufenthaltsqualität des Rathausplatzes nachdenken. Schon vor etwa zwei Jahren habe ich versucht, noch etwas Grün auf den Platz zu bringen, wie man sieht ohne Erfolg. Wenn das Cafe Simit Evi nicht wäre und die vor der »Neugestaltung« des Platzes schon vorhandene Rundbank, könnte man wirklich verzweifeln. Ich verstehe auch, dass sich niemand dafür interessiert, weil die Leute, die sich dort aufhalten sind … »vernachlässigbar«. Ich habe mich entschlossen dafür zu kämpfen, dass zumindest unter den neu gepflanzten Bäumen eine Wiese oder ein Rasen entstehen darf. Was die Kosten anbetrifft könnte man bei der Firma anfragen, die einen Preis des Bundes der deutschen Landschaftsarchitekten erhalten hat oder die Betonfirma die an der Gestaltung des Platzes »mitgewirkt« hat. (…) Man könnte auch bei der nächsten Ecke-Ausgabe auf der Titelseite ein Foto von der sogenannten »Liegewiese« und darunter den Schotterplatz unter Bäumen bringen. Bitte setzen Sie sich auf eine der unbequemen Bänke und spüren Sie nach wie es Ihnen geht, was es mit Ihnen macht oder bringen Sie eine Matte mit und legen sich auf die Liegewiese, damit Sie verstehen, worum es mir geht. Ich bin wirklich verzweifelt, weil sich seit Jahren niemand interessiert und ich frage mich natürlich warum. Oder müssen die Leute auf dem Platz einfach nur dankbar sein, dass sie drei Wege über den Platz haben, sogar unterschiedlicher Breite, dass es überhaupt eine Bank gibt und dass es absolut sicher ist, da die Polizei, wenn sie auf der Müllerstraße vorbeifährt alles im Blick hat. (…) Mit freundlichem Gruß, Susanne Ringel Anmerkung der Redaktion: Bitte haben Sie Verständnis, dass wir überlange Leserbriefe aus Platzgründen kürzen müssen. den, auch nicht mittels Modernisierung«, berichtet der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins Rainer Wild. Die Mieterhöhungen vom Sommer 2019 seien – oft zähneknirschend und unter Androhungen von Kündigungen – von der überwiegenden Zahl der Vermieter zurückgenommen worden. Der überwiegende Teil der Rechtsprechung vor den Amtsgerichten habe in dieser Frage den Mietendeckel bestätigt. Ch. Eckelt Einkaufsvielfalt ­erhalten – Schließung abwenden AUS DE M BE ZI R K MI T TE —— 11 Im November 2020 steht der nächste Schritt des Mietendeckels an: die Absenkung überhöhter Mieten. Der Mieterverein geht davon aus, dass hier deutlich weniger Vermieter von sich aus die gesetzlichen Regelungen erfüllen werden. Daher sei es wichtig, auch selbst zu prüfen, ob ein Anspruch auf Mietsenkung besteht. Der Mieterverein hat dazu einen internetgestützten Rechner entwickelt (www. mietendeckel.jetzt). Auf der Website mietendeckel.berlin. de des Berliner Senates heißt es dazu: »Wenn der/die Vermietende ggf. auch trotz einer freundlichen Erinnerung an seine/ihre Pflichten ab dem 23. 11. 2020 eine höhere Miete als die zulässige Mietobergrenze verlangen sollte, wenden Sie sich an die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen.« Mietendeckel wirkt Im November müssten viele ­Mieten eigentlich sinken Der Berliner Mietendeckel scheint zu wirken. Darauf machte die für das Wohnungsamt zuständige Bezirkstadträtin Ramona Reiser im Juni in einer Presseerklärung aufmerksam. So seien nach einer Analyse des Onlineportals Immowelt die Angebotsmieten in den betroffenen Wohnungen im Berliner Durchschnitt um acht Prozent gesunken, im Wedding sogar um 18 %. Allerdings verlangen nach Angaben des Berliner Mietervereins derzeit geschätzt 80 % der Vermieter bei einem neuen Vertragsabschluss zwei unterschiedliche Mieten: Eine, die den Bedingungen des Mietendeckels genügt und eine weitere, die zu zahlen sei, falls sich herausstellt, dass das zugrunde liegende Gesetz verfassungswidrig ist oder aus­läuft. Oft lägen Differenzen von bis zu 100 % zwischen den beiden Miethöhen. Der Mieterverein hält solche »Schattenmieten« nicht für zulässig, maßgebliche Urteile von höheren Gerichtsinstanzen lägen dazu aber noch nicht vor. Dagegen hielten sich etwa 95 % der Vermieter an die verfügte Deckelung von Mieterhöhungen bei laufenden Mietverträgen: »Mieterhöhungen sind nur vereinzelt seit 18. Juni 2019, dem vom Berliner Senat festgelegten Stichtag für den vorübergehenden Mietenstopp, umgesetzt wor- Ramona Reiser hatte in ihrer Presseerklärung zudem darauf hingewiesen, dass laut einer von Immobilienmaklern beauftragten Befragung etwa 84 Prozent der Vermieter die Miete für ihre Wohnungen absenken müssten. »Unser Bezirk arbeitet daran, Mieterinnen und Mieter bei der Durchsetzung ihrer Rechte zu unterstützen und den Mietendeckel zur Anwendung zu bringen«, erklärte die Bezirksstadträtin. Fraglich ist, jedoch, ob bis zu diesem Zeitpunkt die gerichtliche Überprüfung des »Gesetzes zur Neuregelung gesetzlicher Vorschriften zur Mietenbegrenzung« abgeschlossen ist und Klarheit darüber herrscht, welche der Regelungen tatsächlich gelten. Sowohl beim Berliner Landesverfassungsgericht als auch das Bundes­ verfassungsgericht hängen entsprechende Verfahren an. Erfahrungsgemäß können sie mehrere Jahre benötigen.  cs Wieder Vor-Ort-Beratung für Mieter aus Milieuschutz- und Sanierungsgebieten Wegen Corona fand in den letzten Monaten die Beratung von Mietern aus den Milieuschutz- und Sanierungsgebieten des Bezirks sowie für die Mieter ehemaliger Sanierungsgebiete nur noch telefonisch statt. Die damit beauftragte »Mieterberatung Prenzlauer Berg« arbeitete bei Redaktionsschluss Hygieneregeln aus, die eine Vor-OrtBeratung wieder ermöglichen sollen. Es stand allerdings noch nicht fest, ab wann genau diese Beratungstermine wieder in den bekannten Stadtteilläden bzw Vor-Ort-Büros (die Adresse finden Sie auf Seite 15) stattfinden werden. Zu den Regeln wird aber aller Voraussicht nach eine Anmeldung gehören, damit keine Warteschlangen entstehen, in denen man sich anstecken könnte. Daher empfiehlt es sich sowieso, im Vorfeld bei der Mieterberatung Prenzlauer Berg anzurufen und nachzufragen: (030) 443 38 10. 12 —— AU S DEM BEZIRK MIT TE Die Nachricht kam nicht überraschend. Spätestens als Galerie Karstadt Kaufhof Anfang April ein Insolvenzverfahren einleitete, war klar, dass auch der Standort Leopoldplatz auf der Kippe steht. Der Warenhauskonzern aus der Unternehmensgruppe signa des österreichischen Milliardärs René Benko steckt schon seit Jahren in der Krise. So formierte sich schnell Widerstand, als Mitte Juni bekannt wurde, dass bundesweit mehr als 60 Warenhäuser geschlossen werden sollen, darunter sechs in Berlin. Neben Karstadt im Wedding ist auch die Kaufhof-Filiale in Lindencenter in Hohenschönhausen betroffen, Kaufhof im Ringcenter (Lichtenberg), Karstadt in den Gropius-Passagen (Neukölln) und in Tempelhof sowie der Kaufhof in der Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg. Im Wedding protestierten nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch viele Anwohner und Kunden. Und der Bezirksbürgermeister von Mitte ging sogar mit einer Videobotschaft auf Twitter an die Öffentlichkeit und ruft dazu auf, Ideen für neue Nutzungen des Warenhauses am Leopoldplatz ans Bezirks­ amt zu senden. Handelsflächen werden meist nur noch in den Erdgeschosszonen und im Untergeschoss eingerichtet, schon im ersten Obergeschoss der Center gelten Ladenflächen nur noch mit einem zugkräftigen »Ankermieter« als vermietbar. Eigentümer des Grundstücks ist die Versicherungskammer Bayern, die im November 2018 gleich drei Berliner Warenhäuser von signa erworben hat: neben dem Karstadt Leopoldplatz auch den am Tempelhofer Damm, der gleichfalls auf der Schließliste steht, sowie Karstadt in der Spandauer Altstadt. Die Versicherungskammer Bayern ist eine öffentliche Versicherung, die die ganze Bandbreite an Versicherungsleistungen anbietet, die Privathaushalte, Gewerbetreibende und Landwirte im Allgemeinen nutzen. Sie befindet sich mehrheitlich in öffentlichem Eigentum von Kommunen, Sparkassen, Landesbanken und Landschaftsverbänden. Als solche ist sie ein eher konservativer Investor, dem vor allem an den langfristigen Erträgen gelegen ist und nicht an kurzfristigen Spekulationsgewinnen. Verwaltet wird das Grundstück am Leopoldplatz von der Hamburger Immobilieninvestment- und Entwicklungsgesellschaft VALUES Reals Estate, die in Berlin-Mitte mehrere Projekte hat, aktuell etwa den Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses direkt vis à vis der Hackeschen Höfe in der Rosenthaler Straße oder das 2018 fertig gestellte Büround Geschäftshaus am Leipziger Platz 14–16 direkt neben der »Mall of Berlin«. ————————— ————————————————————— KO M M E N TA R Mehr Profil! – Die Zukunft der Warenhäuser Karstadt soll bleiben. Das wünschen sich nicht nur Weddinger, sondern auch viele, die im Umfeld des Leopoldplatzes arbeiten oder die hier regelmäßig vorbeikommen, etwa weil sie eine der beiden U-Bahn-Linien nutzen. Auch der Bezirksbürgermeister gehört dazu. Er glaubt an die Zukunft des Standortes und ruft dazu auf, die Wünsche und Erwartungen an ein modernes Warenhaus an diesem Standort niederzuschreiben und an die Wirtschaftsförderung des Bezirkes zu schicken (wirtschaftsfoerderung@­bamitte.berlin.de). Stephan von Dassel selbst macht mehrere Vorschläge: das Parkdeck auf dem Dach des Kaufhauses zum Standort für Gastronomie zu entwickeln, es für moderne Mobilitätsangebote zu nutzen oder vom »Weddingmarkt« auf dem Leopoldplatz zu lernen und lokale Kleinproduzenten konzeptionell mit einzubeziehen. Man kann dem nur zustimmen. Weddinger Umfeld bietet Perspektive Warenhäuser in der Klemme Grundstück gehört Versicherungskammer Ch. Eckelt Denn für die Geschäftsstraße wäre die Schließung des großen Kaufhauses direkt am U-Bahnhof Leopoldplatz ein herber Schlag. Ein großer Teil der Einzelhandelsfläche im Aktiven Zentrum Müllerstraße stünde auf einen Schlag leer. Zwar ist die Nutzung des Grundstücks planungsrechtlich als »Warenhaus« festgelegt. Ob sich aber tatsächlich ein Investor fände, der hier erneut bis unter das Dach großflächigen Einzelhandel vorsieht, ist mehr als fraglich. Denn das widerspricht dem langfristigen Trend in der Branche: Gegenwärtig bemüht sich die Versicherungskammer Bayern noch um die Abwendung der Kündigung des Mietvertrages für den Karstadt am Leopoldplatz. Vermutlich geht es in den Verhandlungen hauptsächlich um die Miethöhe, die in den nächsten Jahren zu entrichten wäre. Zu hoffen ist, dass auch die Entwicklungsperspektiven des lokalen Umfelds eine Rolle spielen. Dort ballen sich nämlich international renommierte Betriebe und Einrichtungen aus dem Gesundheitsbereich: Bayer-Healthcare, die beiden Standorte der Charité und das Robert-Koch-Institut zum Beispiel. Und weil Deutschland vergleichsweise gut durch die Corona-Krise zu kommen scheint, dürfte sich dieser gute Ruf in der Welt derzeit eher noch verbessern. Gleichzeitig drängt auch die Berliner Gründerszene in die Gegend, die für sie vor allem durch die Beuth-Hochschule für Technik interessant ist. An den zahlreichen Bürohaus-Neubauten im Umfeld lässt sich das sehr gut erkennen. Das Kundenpotenzial am Leopoldplatz wird sich in den kommenden Jahren also vermutlich sehr positiv entwickeln.   cs Persönliche Erfahrungsberichte zu Karstadt sowie Anregungen für eine Neugestaltung des Kaufhauses können schriftlich beim Pförtner im Rathaus Wedding oder im Karstadt Leopoldplatz oder per mail an wirtschaftsfoerderung@ba-mitte. berlin.de abgegeben werden. Ch. Eckelt Kampf um Karstadt AUS DE M BE ZI R K MI T TE —— 13 Darüber hinaus stellt sich aber die Frage, warum – weit über den Wedding hinaus – die Warenhäuser so grundsätzlich in der Krise stecken und sich schwer tun gegen die Konkurrenz aus Onlinehandel und Shopping-Centern. Warum gelingt es immer weniger, die Kunden an diese großen Kaufpaläste zu binden? Vielleicht hat das auch etwas mit dem Anspruch, zu tun, hier alles zu finden, was man normalerweise so braucht. Denn der ist gegen die Konkurrenz des Onlinehandels nicht mehr zu halten: Im Internet ist die Vielfalt des Angebots schier unendlich. Der Onlinehandel bietet andererseits aber nicht den Vorteil einer persönlichen Beratung, die einem ja nicht nur dabei hilft, sich für ein Produkt zu entscheiden, sondern auch, eine persönliche Beziehung zu ihm aufzubauen. Die wird immer wichtiger, denn meist ist ja schon alleine durch die Knappheit an Wohnraum auch der Stauraum begrenzt, in dem man seine Sachen aufbewahren kann. Wenn man sich mal ehrlich fragt, welche der vielen Dinge in seinem Haushalt man wirklich nutzt, dann wird man feststellen, dass dafür oft die Situation, in der sie in den persönlichen Besitz überwechselte, eine wichtige Rolle spielt: als Geschenk von einer lieben Person, bei einer schönen Urlaubsreise oder auch nach einem anregenden Verkaufsgespräch. Doch in dieser Hinsicht punkten wiederum die Ketten aus den Shopping-Centern und die Fachmärkte. In ihrer Markenwerbung können sie auf ihre Fachkompetenz verweisen und auf die speziell geschulten Mitarbeiter (»TechNick«) in ihren Filialen. Die großen Kaufhäuser haben da als Generalisten die schlechteren Karten. Zwar versuchen sie seit einigen Jahren, ihr Angebot durch das »Shop in Shop«-Prinzip um zugkräftige Markengeschäfte zu erweitern, aber hier haben die Shopping-Center schon architektonisch einen unschlagbaren Vorteil: Sie sind für dieses Konzept entworfen worden. Mehr Profil wagen Aus der Sicht des Kunden wünschte man sich in dieser Situation gezielter profilierte Warenhäuser. Junge Familien zum Beispiel, aber auch die ganzen Onkel und Tanten, Omas und Opas aus ihrem Umfeld, würde durchaus auch weitere Wege in Kauf nehmen, wenn so ein Kaufhaus den Schwerpunkt »Kinder« hätte und alles mögliche rund ums Kind anböte: von der Erstausstattung und Kindermöbeln über Kleidung, Bücher, Schul- und Hobbybedarf und Spielzeug bis hin zu Beratungs- und Dienstleistungsangeboten. Und dazu: speziell geschultes Verkaufspersonal, das beratend zur Seite stünde. Im Wedding böte sich auch der Schwerpunkt »Gesundheit und Nachhaltigkeit« an. Denn im weiteren Umfeld des Leopoldplatzes befinden sich ja gleich mehrere große Institutionen aus diesem Bereich: Bayer Healthcare, die Charité und das Robert-Koch-Institut zum Beispiel. Auch hier dürfte das Profil freilich nicht zu eng gefasst werden: gesunde Ernährung und Küche, Bewegung und Freizeit, ergonomische Möbel und gesunde und giftfreie Kleidung müssten natürlich dazu gehören. Und ein großer »Up-Cycling-Markt«, auf dem man aus gebrauchten Dingen gefertigte Einzelstücke erwerben kann. Dafür würden viele Kunden auch bis unters Dach hochfahren – vor allem, wenn man es sich anschließend auf dem alten Parkdeck über den Dächern des Wedding noch gutgehen lassen könnte.  Christof Schaffelder 14 —— AUS DEM BEZIRK MIT TE Bücher für den BerlinZuhause-Urlaub Eine winzige Auswahl aus dem riesigen Angebot Viele Berliner entscheiden sich ja in diesem Jahr wegen der Corona-bedingten Umstände eher für einen Urlaub zu Hause. Das muss keineswegs langweilig sein oder bedeuten, dass man nur zwischen den eigenen vier Wänden hockt. Vielmehr haben die Stadt und auch das Umland vieles zu bieten, was man eben noch nicht kennt, und deshalb mangelt es auch nicht an Ausflugstipps aus den Lokalredaktionen. Nun muss man allerdings damit rechnen, dass das Wetter nicht immer zu Ausflügen einlädt – oder dass man einfach mal auf dem Sofa bleiben will. Aber es gibt ja auch Berlin-Bücher, mit denen man im Kopf Streifzüge unternehmen kann, und das Beste daran: sie können auch durchaus mal in die Vergangenheit führen. Hier nur eine kleine, willkürliche Auswahl aus dem großen Feld der Berlinliteratur. Man muss beispielsweise gar nicht den Ehrgeiz haben, alle 96 Berliner Ortsteile zu durchstreifen, wie es der Berliner Reporter und Autor Jens Mühling getan hat. Diese Spaziergänge sind nun alle in einem Buch versammelt, vom kleinsten Ortsteil (Hansaviertel) bis zum größten (Köpenick) und lesen sich kurzweilig, wobei der Autor keine Studie im wissenschaftlichen Sinn liefert, sondern viele subjektive, literarische Miniaturstudien. Sein Fazit: Berlin kann sich wie eine fremde, neue, andere Stadt anfühlen, sobald man nur ein paar Haltestellen weiter fährt. Jens Mühling: »Spaziergänge durch alle 96 Ortsteile«, ­Rowohlt-Verlag, 15 Euro Bemerkenswert ist, dass die größten Berlinhasser selbst Ber­liner sind. Lorenz Maroldt, Chefredakteur des Tages- E CKE MÜLLE R STR A SSE —— 15 spiegel, und der Kolumnist Harald Martenstein, dessen Granteleien nicht jedermanns Geschmack sind, haben sich nun zum lustvollen Berlin-Bashing zusammengetan. Wie der etwas sperrige Buchtitel verrät, waren eigentlich 100 Kapitel versprochen, »von denen leider nur 13 fertig wurden«. Beide Autoren leiden auf hohem Niveau. Natürlich fehlen die üblichen Themen (lahme Verwaltung, BER, Bau- und andere Skandale, explodierende Mieten, Kriminalität, Verkehrschaos) nicht – doch das allein wäre billig, wäre da nicht Lorenz Maroldt, der als erfahrener Journalist und exzellenter Berlinkenner viele aufschlussreiche, gut recherchierte Fakten und Hintergründe liefert. Und insofern ist die Lektüre dann doch ein Gewinn. (Wir warten allerdings noch auf eine zwischen Buchdeckeln gebundene Liebeserklärung an diese meschuggene Stadt und an die Bewohner, die noch dem irrsten Wahnsinn des Alltags mit stoischer Gelassenheit trotzen und auch beim Anblick von Promis unerschütterliche Dezenz wahren.) Harald Martenstein, Lorenz Maroldt: »Berlin in 100 Kapiteln … wovon leider nur 13 fertig wurden«, Ullstein Verlag, 19,90 Euro Zu einer Zeitreise lädt Jürgen Grothe ein, der Berliner Fotograf hat seit den 1950er Jahren seine Heimatstadt porträtiert. Sein Fotoband »Berlin – Fotografien aus Ost und West 1956–1978« ist ebenfalls eine Reise durch die Bezirke (wobei die Ostbezirke einen deutlich geringeren Anteil haben, weil der Zugang für den Westberliner Fotografen in Zeiten der Berliner Mauer nur selten möglich war.) In dieser Zeit entstanden Fotos, die nun in diesem faszinierenden Bildband versammelt sind, darunter auch bislang unveröffentlichte. Gesellschaftliche Ereignisse findet man hier ebenso wie ungeschönte Alltagsbilder und Momentaufnahmen und Fotos von den städtebaulichen Narben des Krieges bis zum neuen Wirtschaftswunderwohlstand. Natürlich ist ein schwerer, hochwertiger Fotoband auch teurer als ein Taschenbuch, aber es lohnt sich – und der Preis fällt hier noch überaus moderat aus. Jürgen Grothe: »Berlin – Fotografien aus Ost und West 1956–1978«, Elsengold-Verlag, 36 Euro J. Grothe Überhaupt hat der Elsengold-Verlag etliche interessante Berlinbücher im Programm, darunter »Berlin wird Metropole« zu 100 Jahren Groß-Berlin sowie Titel zur Berliner Architektur- oder Literaturgeschichte. Und wer ein bisschen Crime und Nervenkitzel sucht, wird ebenfalls fündig: Das Buch »Morde im preußischen Berlin« des Kriminalhistorikers Udo Bürger ist aber keineswegs reißerisch, sondern schildert erstmals alle Kriminalfälle zwischen 1815 und 1918, die mit einer Hinrichtung endeten, und beschreibt Kriminalitätsgeschichte als Gesellschaftsgeschichte, indem es Einblick in die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Hintergründe gibt. Udo Bürger: »Morde im preußischen Berlin 1815–1918«, Elsengold-Verlag, 20 Euro Foto aus dem besprochenen Bildband: »Der beliebte Klempnermeister Erich Neumann versah seine Arbeit stets mit einem Lachen. Seine Werkstatt befand sich im Haus Nürnberger Straße 45.« Charlottenburg, Mai 1956 Schillerpark Rehberge Stadtteilzentrum Paul Gerhardt Stift Informationen und Dokumentationen zum Lebendigen Zentrum Müllerstraße sowie frühere Ausgaben dieser Zeitung finden Sie auf der Website: www.muellerstrasse-aktiv.de Seestraße Rathaus Rehberge BeuthHochschule Volkshochschule Leopoldplatz Veranstaltungsorte Müllerstraße Vor-Ort-Büro Programmkulisse Aktives Stadtzentrum Sanierungsgebietsgrenze Virchow-Klinikum / Charité Wedding Adressen Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Soziales und Gesundheit: Ephraim Gothe Müllerstraße 146/147, 13353 Berlin (030) 90 18-446 00 ephraim.gothe@ba-mitte.berlin.de Stadtentwicklungsamt, Fachbereich Stadtplanung Müllerstraße 146, 13353 Berlin Fachbereichsleiterin: Frau Laduch, Zimmer 106, (030) 90 18-458 46 stadtplanung@ba-mitte.berlin.de Lebendiges Zentrum und Sanierungsgebiet Müllerstraße René Plessow (030) 9018 45409 rene.plessow@ba-mitte.berlin.de Claudia Jahns (030) 9018 45463 claudia.jahns@ba-mitte.berlin.de Prozessmanagement Jahn, Mack und Partner Wilhelm-Kabus-Straße 74, 10829 Berlin Karsten Scheffer (030) 85 75 77 28 Carla Schwarz (030) 85 75 77 26 muellerstrasse@jahn-mack.de www.jahn-mack.de Stadtteilvertretung Müllerstraße Vorbereitende Bauleitplanung, Städtebauförderung Müllerstraße 146, 13353 Berlin Sprechzeiten: Di 9–12 Uhr, donnerstags, 15.00–18.00 Uhr stadtplanung@ba-mitte.berlin.de Gruppenleiter: Stephan Lange (030) 90 18-436 32 Vor-Ort-Büro Triftstraße 2 (030) 34 39 47 80 (AB), (0174) 701 35 94 menschmueller@stadtteilvertretung.de www.stadtteilvertretung.de Wenn Sie per E-Mail Informationen der ­Stadtteilvertretung erhalten möchten, dann senden Sie eine E-Mail an: mitteilungen@stadtteilvertretung.de Runder Tisch Leopoldplatz Thorsten Haas, Präventionsrat Mathilde-Jacob-Platz 1, 10551 Berlin (030) 90 18-322 51 Quartiersmanagement Pankstraße Prinz-Eugen-Straße 1, 13347 Berlin (030) 74 74 63 47 qm-pank@list-gmbh.de www.pankstrasse-quartier.de Runder Tisch Sprengelkiez Sprengelstraße 15, 13353 Berlin (030) 20 06 78 85 info@runder-tisch-sprengelkiez.de www.runder-tisch-sprengelkiez.de Mieterberatung Wedding für Bewohner der Milieuschutzgebiete Sparrplatz, Leopoldplatz und Seestraße sowie des Sanierungsgebietes Müllerstraße Mo 10–12 Uhr, Do 16–18 Uhr Vor-Ort-Büro Triftstraße 2 (030) 44 33 81-11 www.mieterberatungpb.de team-wedding@mieterberatungpb.de Ch. Ch. Eckelt Eckelt BILDECKE ——————— ——— ——— —— — ECKENSTEHER Bezirksbürgermeister zückt Dienstausweis Wenn das Land Berlin wieder mal in Geldnot ist, und es spricht im Augenblick einiges dafür, dass das in nicht allzu weit entfernter Zukunft der Fall sein könnte, dann hätte ich eine Idee, wie man dagegen etwas unternehmen könnte. Voraussetzung wäre aber, dass die jüngste Novelle der Straßenverkehrs­ ordnung (Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer: »Ein voller Erfolg!«) tatsächlich auch praktische Rechtskraft erlangt. Einige Juristen sind nämlich der Meinung, dass nicht nur die Fahrverbote bei Übertretung der Höchstgeschwindigkeit ungültig sind, sondern der Formfehler die gesamte »Vierundfünfzigste Verordnung zur Veränderung stra­ßenverkehrsrechtlicher Vorschriften« au­ßer Kraft setzt. Und zu der gehört auch ein neuer Bußgeldkatalog. Dort wird unter anderem das Bußgeld für das unerlaubte Befahren von Gehwegen durch Radfahrende kräftig erhöht. Bisher waren dafür 10 Euro fällig, jetzt stehen 55 Euro zu Buche. Bisher war die Verfolgung dieser Ordnungswidrigkeit für die Kommunen also ökonomisch eher ein Zuschussgeschäft. Das würde sich ändern. Ich habe jüngst einmal auf dem Bürgersteig einer Nebenstraße im Bezirk Mitte während einer Mittagspause eine kleine private Zählung durchgeführt und bin hochgerechnet auf stündlich etwa 40 Radfahrende pro Stunde gekommen. Das entspräche nach dem neuen Bußgeldkatalog einer Bruttoeinnahme von 2.200 Euro pro Stunde. Ich fände das allerdings nicht überall auch moralisch in Ordnung: Insbesondere da, wo holpriges Kopfsteinpflaster die Bandscheiben der Radfahrenden belasten würde und diese sich langsam und mit Bedacht vorwärtsbewegen. Aber es gibt genügend Stellen, wo das nicht der Fall ist – in der von mir beobachteten Nebenstraße zum Beispiel ist der Asphalt wunderbar glatt. Und es gibt Stellen, wo der Bürgersteig eng und belebt ist, die Radfahrerinnen und -fahrer also unmittelbar und massiv stören. An einem solchen Ort haben wir Ende Juni ein Hintergrundgespräch mit Stephan von Dassel durchgeführt. Der Bezirksbürgermeis­ ter von Mitte hatte uns in den Weinbergs- weg gelotst, weil er hier anschließend noch einen Termin hatte. Wir saßen in einem Straßencafé unweit des Rosenthaler Platzes, und obwohl coronabedingt kaum Touristen unterwegs waren, war es ziemlich voll auf dem Bürgersteig. Die meisten Radfahrer nutzten zwar die (asphaltierte) Fahrbahn, aber nicht alle. Stephan von Dassel, der selbst häufig mit dem Rad unterwegs ist, beobachtete das mit spürbarem Ärger. Als unser Gespräch zu Ende war und er sich auf dem Weg gemacht hatte, konnten wir noch beobachten, wie er seinen Dienstausweis aus der Tasche holte und einen dieser Radfahrer ansprach. Der diskutierte zwar kurz, stieg nach kurzer Zeit aber ab und schob sein Rad weiter. Stephan von Dassel ist, das sollte man an dieser Stelle erwähnen, auch direkt für das Ordnungsamt Mitte zuständig. Er kümmert sich unter anderem darum, das Personal dieses Amtes kräftig aufzustocken. Wenn dieser leidige Formfehler einmal behoben sein wird (mit oder ohne Andreas Scheuer), dann könnte es also durchaus teuer werden für Gehweg-Radler im Bezirk. cs
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