Publication:
2019
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15364699
Path:
ecke

nr. 2 – mai /juni 2019

müllerstraße

Zeitung für das »Aktive Zentrum« und Sanierungsgebiet Müllerstraße. Erscheint sechsmal im Jahr kostenlos.

Ch. Eckelt

Herausgeber: Bezirksamt Mitte von Berlin, Stadtentwicklungsamt, Fachbereich Stadtplanung

Schwerpunkt: Bodenwerte, Milieuschutz, Mieterberatung

2 —— E CKE M Ü LLERSTRASSE

E CKE MÜLLE R STR A SSE —— 3

Die nächste Ausgabe

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der Ecke Müllerstraße erscheint Ende
Juni. ­Redaktionsschluss ist der 19. Juni

Seite 3 Neuwahl der Stadtteilvertretung ­
mensch.müller

Elektronischer Versand

Seite 4 Dokumentation: Vorschläge zur
­Bürgerbeteiligung am Maxplatz

Sie möchten auf elektronischem Weg
die aktuelle Zeitung als PDF erhalten?
Schreiben Sie uns eine kurze E-Mail,
und wir nehmen Sie in unseren MailVerteiler auf: eckemueller@gmx.net

Seite 5 Bezirksbürgermeister v. Dassel am
­Runden Tisch Leopoldplatz
Seite 6 Max-Josef-Metzger-Platz wird eingeweiht
Seite 7 Umfrage zur Neugestaltung des

Generationswechsel
vollzogen
Die neue Stadtteilvertretung
mensch.müller ist gewählt
C. Keller

KIEZMOMENT

­Weddingplatzes
Ecken im Web

Sämtliche Ausgaben der »Ecke Müllerstraße« sind als PDF archiviert und
abrufbar unter: www.muellerstrasseaktiv.de /oeffentlichkeits­arbeit /zeitungecke-muellerstrasse

Schwerpunkt – Seite 8/9

Das Auf und Ab der Bodenwerte im Wedding
Seite 10 Am 11. Mai ist wieder Tag der Städte-

bauförderung
Aus dem Bezirk Mitte:
• Schwerpunkt – Seite 11

Neue Milieuschutz­gebiete in Bezirk Mitte
• Schwerpunkt – Seite 12 / 13

Die Aufgaben der Mieterberatung
• Seite 14 Die neuen City-Toiletten
Seite 15 Gebietsplan und Adressen
Seite 16 Pflastersteine / Eckensteher

Sie halten den
­»Kiezmoment« fest!
Dieses Foto – »Verwachsenes Rad« – schickte uns unsere
­Leserin Renate Straetling. Vielen Dank dafür!

Haben auch Sie eine tolle Aufnahme im Gebiet gemacht – einen zufälligen Schnappschuss, eine lustige oder skurrile Situation? Sie haben
etwas fotografiert, was sie wundert oder ärgert? Oder einen (Ihren)
Lieblingsort, eine ganz besondere Stimmung, eine ungewöhnliche
Perspektive, ein kleines Detail, das Ihren auf einem Spaziergang aufgefallen ist, einen witzigen Aushang, eine ungewöhnliche Architektur, ein fast vergessenes Denkmal? Oder in Ihrer Schublade lagern
sogar noch sehenswerte historische Aufnahmen aus Moabit?
Teilen Sie Ihren Kiezmoment mit anderen! Egal, ob Gelegenheits-,
Hobby- oder Profi-Fotograf: Senden Sie uns Ihr besonderes Foto aus
Ihrem Kiez! Ihrem Blickwinkel sind keine Grenzen gesetzt! Perfektion ist kein Kriterium. Das aus unserer Sicht interessanteste Bild wird
dann an dieser Stelle unter der Rubrik »Kiezmoment« veröffentlicht.
Sichten Sie also Ihre Bestände, ziehen Sie los mit der Kamera und
schicken Sie uns die Aufnahmen, am besten per E-Mail im jpg-Format
an: ecketurm@gmx.net. Bitte beachten Sie, dass die Auflösung der
Fotos für einen Abdruck ausreichend groß muss und dass Motive mit
einem hohen Schwarzanteil im stark saugenden Zeitungspapier gerne
»absaufen« und Details dadurch verloren gehen.
Wir sind gespannt auf Ihre Bilder!

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—————————————————— I M P R E S S U M
Herausgeber: Bezirksamt Mitte von Berlin,

Stadtentwicklungsamt
Redaktion: Christof Schaffelder,
Ulrike Steglich
Redaktionsadresse: »Ecke Müllerstraße«,
c /o Ulrike Steglich, Elisabethkirchstraße 21,
10115 Berlin, Tel (030) 283 31 27,
eckemueller@gmx.net
Fotoredaktion:

Christoph Eckelt, eckelt@bildmitte.de
Entwurf und Gestaltung:

capa, Anke Fesel, www.capadesign.de
Druck: BVZ Berliner Zeitungsdruck GmbH,
www.berliner-zeitungsdruck.de
V.i.S.d.P.: Ulrike Steglich
Für den Inhalt der Zeitung zeichnet nicht der
Herausgeber, sondern die Redaktion verantwortlich.

Insgesamt 31 Stadtteilvertreterinnen und Stadtteilvertreter
des Aktiven Zentrums Müllerstraße wurden am 28. März auf
einer Bürgerversammlung im ehemaligen BVV-Saal Wedding gewählt. Damit hat die Stadtteilvertretung mensch.
müller eine solide Basis für ihre Arbeit in den kommenden
Jahren.
Die Wahl ging dabei recht problemlos und glatt über die
Bühne. Jedenfalls, wenn man sie mit der Neuwahl der
Stadtteilvertretung Turmstraße vergleicht, die zwei Wochen zuvor hätte stattfinden sollen, aber abgesagt werden
musste. Denn im benachbarten Aktiven Zentrum in Moabit hatte auch ein stadtbekannter Rechtsextremist für die
Mitgliedschaft für das Bürgergremium kandidiert und das
in den sozialen Medien in einem Video ausführlich dargestellt. Das Filmchen machte nicht nur in rechtsradikalen
Netzwerken die Runde und mobilisierte viele Aktivistinnen und Aktivisten aus dem linken Lager zur Bürgerversammlung in der Heilandskirche. Die war dann zur Wahl
völlig überfüllt und auch auf der Thusnelda-Allee vor der
Kirche standen noch hunderte protestierende Mitmenschen. In Absprache mit der Polizei musste die Neuwahl
abgesagt werden: In der aufgeladenen Stimmung war die
Sicherheit nicht mehr zu garantieren, an eine geordnete
Neuwahl war nicht mehr zu denken. Die Wahl soll jetzt zu
einem späteren Zeitpunkt wiederholt werden.
Im Wedding war von derartigen Turbulenzen aber nichts
zu spüren. Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel konnte in einem gut gefüllten, aber nicht übervollen Saal zahlreiche Anwohnerinnen und Anwohner begrüßen, die sich
zur Wahl des ehrenamtlichen Gremiums zusammengefun-

den hatten. Die Aussprache verlief in geordneten Bahnen,
wobei die Vertreter der alten Stadtteilvertretung mit ihrer
Kritik auch nicht zurückhielten: Das Gremium versteht
sich durchaus nicht nur als beratendes Organ des Stadtentwicklungsamts, sondern auch als aktiver Bestandteil der
politischen Willensbildung im Bezirk Mitte, wo es zum
Beispiel an den Sitzungen des Ausschusses für Stadtentwicklung regelmäßig teilnimmt und auch immer wieder
durch öffentliche Stellungnahmen und Beschlüsse seinen
Willen öffentlich zum Ausdruck bringt.
Wirklich repräsentativ ist es dabei allerdings nicht zusammengesetzt: Obwohl die Mehrheit der Gebietsbevölkerung
Migrationshintergrund hat, traten auch diesmal für die
Neuwahl kaum Migrantinnen und Migranten an, zudem
ist auch nur rund ein Drittel der neuen Stadtteilvertretung
weiblichen Geschlechts. Das wurde auch selbstkritisch so
bemerkt, allerdings kann man das keinem der Kandidaten
zum Vorwurf machen: Wenn sich für solche Ehrenämter
der Bürgerbeteiligung hauptsächlich »weiße Männer« zur
Verfügung stellen, dann verweist das vielmehr auf tiefe
kulturelle Prägungen, die nur über Generationen hinweg
schrittweise zu überwinden sind. Und natürlich darauf,
dass unser Selbstverständnis als Einwanderungsgesellschaft eben noch ganz am Anfang steht. Die Frage wurde
aufgeworfen, was geschehen sollte, damit sich das ändert
und sich zunehmend auch Vertreterinnen und Vertreter
migrantischer Bevölkerungsgruppen zu einem solchen Engagement bereit finden. Denn Weddinger mit nichtdeutschen Wurzeln sind ja auch zum Beispiel in offenen Planungsworkshops zu einzelnen Projekten im Gebiet meist
krass unterrepräsentiert, obwohl sie den Großteil der späteren Nutzerinnen und Nutzer der geplanten Grünflächen
oder der Straßenräume stellen. Auch hier müsste man sich
Gedanken machen, wie man die Beteiligungsverfahren
verbessern könnte – am Runden Tisch Leopoldplatz zum
Beispiel geschieht das auch schon (Seite 4).
Nichtsdestotrotz war bei der Neuwahl von mensch.müller
deutlich ein Generationswechsel zu bemerken. Etliche
Stadtteilvertreterinnen und Stadtteilvertreter, die in den
vergangenen Jahren sehr aktiv waren, hatten sich zurückgezogen, vor allem, weil das ehrenamtliche Engagement
doch sehr zeitaufwändig ist. Dafür hatten sich jedoch auch
viele neue Mitglieder gemeldet und so den Altersdurchschnitt des Gremiums gesenkt. Dabei waren auch Kandidaten, die beruflich Erfahrung mit der Berliner Verwaltung
haben und somit ganz praktisches Erfahrungswissen einbringen können.
Auf ihren öffentlichen Sitzungen – immer am ersten Donnerstag des Monats um 19 Uhr im Vor-Ort-Büro Triftstraße
2 – wird sich die neue Stadtteilvertretung jetzt inhaltlich
weiter organisieren und Arbeitsgruppen zu verschiedenen
Themenfeldern gründen. Zudem wählt sie auch neue Sprecherinnen und Sprecher, die mensch.müller in Gremien
wie dem Sanierungsbeirat des Aktiven Zentrums Müllerstraße oder beim Ausschuss für Stadtentwicklung der BVV
Mitte vertreten.
cs

——————————————— D O KU M E N TAT I O N

»Anwendung der Leitlinien für Bürgerbeteiligung im
Bezirk Mitte von Berlin für ein Beteiligungsverfahren
für den hinteren Leopoldplatz (›Maxplatz‹)«

Eine Arbeitsgruppe des Runden Tisches hat sich bereits Gedanken über die Bürgerbeteiligung bei der Neuplanung des
Maxplatzes gemacht. Dabei hat sie sich insbesondere mit
der Frage auseinandergesetzt, wie auch Bevölkerungsgruppen, die sonst in solche Verfahren kaum präsent sind, eingebunden werden können. Wir dokumentieren hier Auszüge aus ihrem Papier:
… Der Maxplatz wird bereits von heterogenen Bevölkerungsgruppen genutzt und könnte perspektivisch auch
weitere Gruppen von Anwohnern und Anwohnerinnen
oder Besuchern und Besucherinnen ansprechen. Die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse aller müssen in
einem breiten Beteiligungsverfahren zusammengetragen
und wertfrei anerkannt und berücksichtigt werden. Alle
Bevölkerungsgruppen müssen die Möglichkeit haben, sich
aktiv in das Beteiligungsverfahren einbringen zu können.
Hierzu werden die Hürden für die Beteiligung durch zielgruppengerechte Ansprachen und Beteiligungsformate abgebaut.
… Folgende Hinweise sollen Berücksichtigung finden:
a) Allgemein zu berücksichtigende Merkmale:
– Geschlecht (auch in Kombination mit Alter und Kultur)
– Alter / Generation
– Kultur
– Sozialer Hintergrund

E CKE MÜLLE R STR A SSE —— 5

Bolzen auf der Baustelle

Die Arbeiten zur Sanierung und zur Erweiterung der Musikschule Fanny Hensel sind derzeit
im vollen Gange. Abgesperrt ist dabei auch der
Bolzplatz hinter der Musikschule, der von den
Kindern und Jugendlichen im Quartier sehr geschätzt wird, weil man sich auf dem roten Tartan-Belag nicht gleich die Knie zerschrammt,
wenn man mal hinfällt. Offensichtlich wird dieser Bolzplatz jedoch für die Bauarbeiten gar
nicht benötigt, weshalb er nachmittags und an
Wochenenden inoffiziell sehr wohl in Betrieb
ist. Am Runden Tisch Leopoldplatz haben Jugendeinrichtungen aus der Umgebung jetzt angefragt, warum die Sperrung notwendig ist und ob
nicht die Möglichkeit besteht, einen sicheren
Zugang zu diesem wertvollen Bewegungsraum
zu gewähren.
b) Grundsätzlich soll die Kommunikation im Beteiligungsverfahren in leicht verständlicher Sprache erfolgen. Neben
der deutschen Sprache sollten auch folgende Sprachen vorgehalten werden:
– Arabisch
– Bulgarisch
– Romanes / Rumänisch
– Türkisch
– Englisch
c) Erfahrung und Expertise von Institutionen rund um den
Leopoldplatz sollen miteinbezogen werden. Insbesondere
kann über diese ein direkter Zugang zu den Platznutzerinnen und -nutzern erfolgen:
– Runder Tisch Leopoldplatz
– Kulturen im Kiez e. V.
– Awo Leleki
– Mädchenladen Clara
– Haus der Jugend Mitte
– Palästina Jugendclub
– Zirkus Internationale
– Gangway e.V.
– Pflegeheim Goldenherz
– himmelbeet
– Präventionsrat
– Praktikerrunde und Platzmanagement Leopoldplatz
– Quartiersmanagement und Quartiersrat
d) Für den Maxplatz werden folgende Formate als zielführend eingeschätzt:
– Mobile Stände auf dem Maxplatz
– Öffentliches Picknick / Grillen
– Visualisierung von Optionen durch Modelle oder Animationen
– Partizipative Stadtteilspaziergänge (mehrsprachig)
– Ad-Hoc-Gespräche an unterschiedlichen Tagen, zu unter­
schiedlichen Uhrzeiten an allen bisher bereits angebotenen Nutzungsarealen
– Gespräche /Aktionen in den unter c) aufgeführten Institutionen«

himmelbeet
und Maxplatz
Bezirksbürgermeister
von Dassel besucht den
Runden Tisch ­Leopoldplatz
Auch im kommenden Jahr 2020 wird der interkulturelle
Gemeinschaftsgarten »himmelbeet« auf seinem bisherigen Standort an der Ruheplatzstraße Ecke Schulstraße verbleiben können. Dies teilte Bezirksbürgermeister Stephan
von Dassel dem Runden Tisch Leopoldplatz mit. »Damit
bleibt uns noch genug Zeit, um eine Lösung zu finden, die
von möglichst vielen mitgetragen werden kann,« erklärte
er auf der Sitzung vom 9. April: »Das Bezirksamt hält dabei
an seinem Beschluss fest, den Gemeinschaftsgarten auf
den hinteren Teil des Leopoldplatzes zu verlagern. Wohin
genau, welche Flächen konkret benötigt werden und wie
zugänglich diese Flächen für die Öffentlichkeit sein sollen,
muss aber noch geklärt werden.«
Auf dem von himmelbeet derzeit genutzten Gelände an der
Ruheplatzstraße soll Ende 2020 mit dem Bau eines »SafeHubs« begonnen werden. Die gemeinnützige AMANDLA
gGmbH will hier aus Spendenmitteln ein integratives Kinder- und Jugendprojekt aufbauen, dass Sportangebote – vor
allem aus dem Bereich Fußball – und Bildungsarbeit miteinander verbindet und unter anderem von Oliver Kahn
unterstützt wird. Ursprünglich war ein Baubeginn schon
Ende 2019 vorgesehen, auf Bitte des Bezirks hin überprüft
der Träger seine Planungen jedoch noch einmal, um gegebenenfalls das Volumen des geplanten Bildungszentrums
zu erweitern. Dafür müssen sowohl das Nutzungskonzept
für den Safe-Hub als auch die Entwurfsplanung für das
Funktionsgebäude noch weiterentwickelt werden. Und zudem muss natürlich auch der erhöhte Finanzierungsbedarf
gedeckt werden.
Die Verlagerung von himmelbeet auf den hinteren Teil des
Leopoldplatzes, der oft nach der benachbarten Maxstraße
auch »Maxplatz« genannt wird, stößt in der Nachbarschaft
nicht überall auf Zustimmung. Zwar wäre mit dem Gelände der ehemaligen Passierscheinstelle der DDR an der
nördlichen Ecke des Leopoldplatzes durchaus der Platz
vorhanden. Nach der Wende wurde der flache Pavillon als
Seniorenfreizeitstätte genutzt, im Jahr 2013 wurde er abgerissen, weil eine Asbestsanierung zu aufwändig erschien.
Seitdem liegt die Fläche brach und wird von Anwohnern in
»Guerilla-Gardening«-Manier (aber mit Wissen und Duldung durch das Straßen- und Grünflächenamt) gepflegt.
Die öffentlichen Grünflächen in der direkten Umgebung,
zu denen ein Spielplatz und ein Bolzplatz gehören, sind
aber bereits jetzt chronisch übernutzt. Und der anhaltend
starke Zuzug in den zentralen Wedding, der dazu führt,
dass insbesondere Familien mit immer engeren Wohnverhältnissen zurechtkommen müssen, lässt darüber hinaus

vermuten, dass sich der Bedarf an öffentlichen Freiflächen
in naher Zukunft eher noch verstärken wird. Die Vorstellung, dass ein umzäunter Gemeinschaftsgarten diesen
knappen Platz beansprucht, löst auch am Runden Tisch
Leopoldplatz Widerstände aus. Wobei himmelbeet allerdings nicht auf einer Umzäunung besteht und auch nicht
auf das Gelände an der Ecke des Leopoldplatzes fixiert ist.
In diesem Zusammenhang könnte eine Neuigkeit, die der
Bezirksbürgermeister verkündete, eine Rolle spielen: Der
Bezirk, so führte Stephan von Dassel aus, bemüht sich darum, die Neue Nazarethkirche auf dem Leopoldplatz zu erwerben. Der denkmalgeschützte neogotische Kirchenbau
aus den 1890er Jahren gehört inzwischen der »Igreja Universal do Reino de Deus«; einer neo-charismatischen Kirche aus Brasilien, die in der Neuen Nazarethkirche ihr
Deutschland-Zentrum unterhält. Derzeit führe der Bezirk
Gespräche mit der Senatsverwaltung für Kultur und Europa über eine mögliche kulturelle Nutzung des Gebäudes, so
erläuterte Stephan von Dassel. Noch sei das Ergebnis allerdings völlig offen. Falls die Neue Nazarethkirche jedoch
tatsächlich zur Landeseinrichtung würde, wären auch ganz
neue Variationen einer Integration des Gemeinschafts­
gartens himmelbeet in den Maxplatz denkbar. Allerdings
drängt auch hier die Zeit, denn auch wenn die erste Gartensaison dort erst im Jahr 2021 stattfinden soll, müssten
zuvor ja die grundlegenden Entscheidungen gefällt werden
und wohl auch erste Arbeiten der Platzumgestaltung schon
durchgeführt sein.
Dafür stehen wohl auch schon Mittel bereit: Das Straßenund Grünflächenamt hat im »BENE«-Programm der Senats­
verwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz (»Berliner Programm für Nachhaltige Entwicklung«) bereits Mittel beantragt, die nach der Einschätzung des Bezirksbürgermeisters wohl auch bewilligt werden. Eine Arbeitsgruppe
des Runden Tisches hat auch schon Vorstellungen ent­
wickelt, wie die Bürgerbeteiligung durchgeführt werden
könnte, so dass auch die jetzigen Nutzerinnen und Nutzer
des Maxplatzes angesprochen werden (siehe Dokumentation auf der nebenstehenden Seite).
cs

Ch. Eckelt

Ch. Eckelt

4 —— EC K E MÜ LLERSTRASSE

6 —— E CKE MÜ LLERSTR ASSE

E CKE MÜLLE R STR A SSE —— 7

Ch. Eckelt

Umfrage zum
Weddingplatz
Auftakt der Bürgerbeteiligung
zur Platzumgestaltung
Die meisten der größeren öffentlichen Plätze im Sanierungsgebiet Müllerstraße sind ja inzwischen grundlegend
neugestaltet und saniert. Einer fehlt aber noch: der Weddingplatz. Der ist durch die Trasse des S-Bahn-Rings zwar
vom übrigen Aktiven Zentrum getrennt, prägt aber den
Eingangsbereich der Geschäftsstraße im Süden, wo er sozu­
sagen das Scharnier zur Chausseestraße und zum historischen Zentrum der Stadt darstellt.
Bevor eine Aufgabenstellung für einen Architekturwett­
bewerb zur Platzgestaltung ausgearbeitet wird, sollen zunächst die Anwohner gefragt werden, wie sie sich den
Weddingplatz in Zukunft vorstellen. Ab Anfang Mai werden Flyer in den umgebenden Quartieren verteilt, wo man
einen kleinen Fragebogen ausfüllen kann. Auf dem Weddingplatz wird ein Briefkasten aufgestellt, in den man bis
zum 3. Juni den ausgefüllten Flyer oder auch andere Beiträge zum Thema einwerfen kann. Man kann ihn aber auch
beim Pförtner im Rathaus Wedding abgeben oder online
auf weddingweiser.de ausfüllen. Zwischen dem 13. und dem
15. Juni werden zudem an einem Stand auf dem Weddingplatz die Anwohner und Passanten drei Tage lang direkt
befragt: Die Anregungen werden dann in die Formulierung
der Aufgabenstellung für den Wettbewerb einfließen, weitere Maßnahmen der Bürgerbeteiligung werden in Laufe
des Verfahrens folgen.
cs

Am 25. März eröffnete Fixpunkt e.V. die vom Bezirksamt
Mitte finanzierte »Kontaktstelle am Leopoldplatz« auf dem
hinteren Grundstücksteil der Nazarethkirchstraße 50. Die
Nazarethkirchengemeinde hat die Räume renoviert und
stellt sie kostenlos zur Verfügung. Bis Frühjahr 2017 war
dort schon einmal der »Trinkraum Knorke« untergebracht,
der von der Gemeinde betrieben wurde.
Die Kontaktstelle ist eine niedrigschwellige und szenenahe
Anlaufstelle nicht nur für Obdachlose und Suchtkranke.
Sie steht allen Menschen offen, für die der Leopoldplatz
der Lebensmittelpunkt ist. Hier sollen ein nachbarschaft­
licher Umgang und gegenseitige Toleranz ausgehandelt und
gemeinsam gelebt werden. Gleichzeitig bieten Sozialarbeiterinnen und -arbeiter Informationen, Beratung und spezifische Unterstützung an.
Die Kontaktstelle ist ein Bestandteil des Projekts »BerlinMitte – Stadt für alle« des Fixpunkt e.V. Neben dem konflikt­
vermittelnden Platzmanagement und der Straßensozialarbeit bildet sie einen wichtigen Baustein im bezirklichen
Handlungskonzept zum Leopoldplatz. Die Kontakt­stelle
hat zu folgenden Zeiten geöffnet: Mo–Fr, 11–16 Uhr

Auszeichnung für himmelbeet

Ein Projekt des Förderverein »zusammen wachsen e.V.«
des interkulturellen Gemeinschaftsgartens himmelbeet
wurde im April als offizielles Projekt der »UN-Dekade Biologische Vielfalt« ausgezeichnet. Die deutsche UN-Dekade
wird vom Bundesumweltministerium und dem Bundesamt
für Naturschutz zusammen mit der internationalen Geschäftsstelle der UN-Dekade umgesetzt. Sie zeichnet Projekte und Beiträge aus, die sich in besonderer Weise für
den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzen. Im Sonderwettbewerb »Soziale Natur – Natur für alle« wurde das
Projekt »Tuml-Buch. Ein Garten-Buch für alle« geehrt, in
dem bis Ende des Jahres ein Buch in leichter Sprache erarbeitet werden soll. Die Workshops finden dienstags zwischen 16.30 und 19 Uhr in der Ruheplatzstraße 12 statt.

Tag des Guten Lebens

Zur Vorbereitung des »Tag des guten Lebens« im Brüsseler
Kiez im Mai 2020 findet am 22.5. 2019 zwischen 18.30 und
20.30 Uhr ein Nachbarschaftstreffen in der Ernst-ScheringOberschule statt. Beim Tag des guten Lebens soll der ganze
Kiez autofrei sein und von der Nachbarschaft in Beschlag
genommen werden.

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LESER-ECKE

Betr.: Basketballplatz einfach v­ ergessen!

Ich wohne mittlerweile seit 20 Jahren in der Brüsseler
Straße und kenne als alter Weddinger den Kiez recht gut.
Als vor einigen Jahren die Information die Runde machte,
dass das Gebiet um die Müllerstraße herum saniert wird,
haben wir uns als Familie sehr gefreut. Als es dann noch
hieß, dass auch der Zeppelinplatz saniert und auch der dortige, mittlerweile völlig verrottete Sportplatz instandgesetzt wird, waren wir beinahe euphorisch. Umso größer
waren der Ärger und das Unverständnis aber, als ich feststellen musste, dass nur die Hälfte der Versprechungen
eingelöst und der Basketballplatz einfach vergessen worden war. Ich habe mich dann immer damit getröstet, dass
die Sanierungsarbeiten am Rathaus oder am Max-JosefMetzger-Platz sicherlich zu einem neuen Basketballplatz
führen würden. Schließlich hatten wir ja auch die Neugestaltung des Sportplatzes der Ernst-Schering-Grundschule
leibhaftig miterlebt, weil wir direkt mit Blick auf diesen
Sportplatz wohnen. Aufgrund von freundschaftlichen Kontakten zum Leiter dieses Erneuerungsprojekts wussten wir,
dass das ursprüngliche Konzept dieses Sportplatzes eine
Öffnung für die Öffentlichkeit vorgesehen hatte, was dann
wohl letztlich vom Schulleiter der Schule untersagt worden ist. Angesichts der mangelhaften und wohl recht billigen Materialien vor allem der erneuerten Basketballkörbe
und des dadurch entstehenden großen Lärms beim Basketballspielen (bei jedem Wurf auf den Korb scheppert die
Anlage extrem!) letztlich eine nachvollziehbare und begrüßenswerte Entscheidung.
Weder am Zeppelinplatz, wo versprochen worden war, den
»Sportplatz« wiederherzustellen – also den gesamten
Sport­platz samt Basketballplatz! – noch am Rathaus, am
Max-Josef-Metzger-Platz oder am Weddingplatz ist ein solcher Basketballplatz entstanden. Das ist besonders ärgerlich, weil Basketball die Boom-Sportart Nr. 1 (!) von Jugend­
lichen ist und für diese Interessen im Wedding kein Raum
zur Verfügung gestellt wird. Der einzige vernünftige Basketballplatz befindet sich im Wedding mittlerweile nur
noch am Schillerpark an der Bruno-Taut-Siedlung und ist
aufgrund seiner Einzigartigkeit meist so überfüllt, dass
auch hier kein Basketballspielen mehr möglich ist.
Mit sportlichen Grüßen, Sandro Battistini
Anmerkung: der Redaktion: Aus Platzgründen mussten wir
den Leserbrief deutlich kürzen.

Ch. Eckelt

Kontaktstelle am L­ eopoldplatz eröffnet

Max-Josef-MetzgerPlatz fertig gestellt
Die Bauzäune sind bereits gefallen, offiziell eingeweiht
wird der neugestaltete Max-Josef-Metzger-Platz aber erst
am 6. Juni. Dann soll zusammen mit den umliegenden
Grundschulen ein kleines Sportfest stattfinden, bei dem
auch ganz feierlich das traditionelle Bändchen zerschnitten wird.
An der Planung der Umbaumaßnahmen waren die LeoLionni- und die Wedding-Grundschule beteiligt. Denn Frei­
flächen für Sport und Bewegung sind im dicht bebauten
Wedding knapp, die Schulen dagegen voll. Wenn öffent­
liche Grünanlagen als Ausweichflächen genutzt werden
können, dann wird das von ihnen dankbar angenommen.
Der Max-Josef-Metzger-Platz erfüllt diese Anforderungen:
Er hat verschiedene Bereiche für Sport und Spiel, der
Rundweg, der um die große Liegewiese im Zentrum führt,
kann auch als Laufstrecke genutzt werden, auf der Markierungen die zurückgelegte Strecke angeben.
In Gedenken an den Namensgeber des Platzes wurden dort
auch mehrere Markierungen in Esperanto angebracht.
Max Josef Metzger, ein katholischer Priester, der im Sprengelkiez wohnte und von den Nazis hingerichtet wurde,
weil er Überlegungen für eine demokratische Nachkriegsordnung Deutschlands ausgearbeitet hatte, war nämlich
ein überzeugter Verfechter der einfach zu erlernenden
Kunstsprache, die er gerne als Weltsprache gesehen hätte. 

cs

»Mein Wedding« zum sechsten …

Im August wird der Mittelstreifen der Müllerstraße wieder
mit Weddinger Kunst geschmückt. Wie schon in den Vorjahren veranstaltet auch im Jahr 2019 die StandortGemeinschaft Müllerstraße die Aktion »Mein Wedding«, bei der
sechs Wochen lang großformatige Plakatwände mit künstlerischen Motiven aufgestellt werden. Bis zum 30. Juni
kann man beim Geschäftsstraßenmanagement noch Bild-

vorschläge einreichen: Die Technik bleibt den Teilnehmenden überlassen, ob Street-Art, Bemalung mit Pinsel,
Kollagentechnik oder Fotografien, alles ist möglich. Wichtig ist, dass ein deutlicher Bezug zum Wedding erkennbar
ist und die Arbeiten digitalisiert eingereicht werden. Eine
Jury wird entscheiden, welche Arbeiten ausgestellt werden.
Kontakt: w.pichierri@planergemeinschaft.de,
Telefon (030) 88 59 14 32

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E CKE MÜLLE R STR A SSE —— 9

Ch. Eckelt

Erneuter Gipfelsturm …

Hoch, runter, hoch …
Die Berg- und Talfahrt der Bodenwerte im Wedding
Der Boden, auf dem Berlin gebaut ist, wird immer wertvoller, auch der unter dem Wedding. Für den größten Teil des
Aktiven Zentrum Müllerstraße zum Beispiel erhöhte sich
der Bodenrichtwert für Wohngrundstücke im vergangenen
Jahr von 2.000 auf 2.300 Euro pro Quadratmeter und stieg
damit um kräftige 15 %. Und in den Vorjahren war er geradezu explodiert: Seit 2013 hat er sich fast versiebenfacht.
Zuvor jedoch hatte die Entwicklung des Bodenrichtwerts
zwei Jahrzehnte lang nur eine Richtung gekannt: nach unten. Auf dem Höhepunkt der Hauptstadteuphorie in den
frühen 1990er Jahren stand er nämlich schon einmal bei
2200 DM pro Quadratmetern: In heutigen Preisen gerechnet (also unter Berücksichtigung der zwischenzeitlichen
allgemeinen Preissteigerung) wären das etwa 1700 Euro.
Ähnliches gilt auch für Wohngrundstücke in anderen
Stadt­teilen Berlins: Die Bodenpreise waren vor gut einem
Vierteljahrhundert schon mal auf einem ähnlichen Höhenflug wie heute.
Erst ein kurzer Höhenflug …

Der historische Richtwert, auf den wir uns hier beziehen,
gibt den Bodenwert im Malplaquetkiez nordwestlich des
Leopoldplatzes an. Dort haben sich seit 1981 die Rahmenbedingungen nicht geändert: auf den Bodenwertkarten
wird eine Wohnbebauung mit einer Geschossflächenzahl
(GFZ, siehe Glossar) von 2,5 aufgeführt, wie sie für weite
Teile Weddings typisch ist. Die Entwicklung der Bodenwerte von Wohngebieten mit anderer GFZ verläuft parallel
dazu.

In den 1980er Jahren kletterte der typische Bodenrichtwert
im Wedding in heutigen Preisen gerechnet vergleichbar gemächlich: von etwa 460 Euro zu Anfang des Jahres 1981 um
ca. 30 % auf etwa 590 Euro zu Anfang des Jahres 1989. Auch
das ist eigentlich nicht wenig, weil ja die Inflation schon
herausgerechnet ist. Aber auch damals war schon viel von
Wohnungsnot in Westberlin die Rede, weil Anfang 1988 die
Mietpreisbindung im Altbau aufgehoben worden war.
Nach dem Mauerfall jedoch schnellten die Bodenwerte rapide in die Höhe und erreichten 1993 in heutigen Preisen
gerechnet im Wedding besagte 1.700 Euro /qm. Damals
herrschte eine regelrechte Goldgräberstimmung in der
Stadt. Berlin wähnte sich als Nabel der Republik und realisierte erst Mitte der 1990er allmählich, dass die deutsche
Wirtschaft keinesfalls daran dachte, ihre Schaltzentralen
wie in der Vorkriegszeit in die deutsche Hauptstadt zurück
zu verlegen.
… dann folgten zwei Jahrzehnte Verfall

In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre brachen die Bodenwerte jedenfalls überall in Berlin kräftig ein. Eine Folge
davon war die Berliner Bankenkrise des Jahres 2001, die
der Stadt einen riesigen Schuldenberg hinterließ und die
Politik zu Panikaktionen wie dem aus heutiger Sicht kaum
noch nachvollziehbaren Verkauf der Wohnungsbaugesellschaft GSW nötigte. In der Westberliner Innenstadt waren
die Bodenwerte preisbereinigt wieder auf dem Niveau vom
Ende der 1980er Jahre angekommen. Und sie verfielen weiter. Im Jahr 2005 war der Weddinger Bodenrichtwert bei
340 Euro (im damaligen Preis) angekommen und verharrte
auf diesem extrem niedrigen Niveau acht Jahre lang bis
2013. In heutigen Preisen gerechnet sank er wegen der Inflation sogar von 416 auf 364 Euro /qm, wofür man derzeit
höchstens noch ein Grundstück in einem Kleinsiedlungsgebiet mit ungepflasterten Straßen am Stadtrand finden
würde.

Ab 2014 begannen die Bodenwerte in der Stadt wieder zu
steigen, erst langsam, dann aber umso kräftiger. Den größten Sprung machte der Richtwert im Malplaquetkiez im
Jahr 2017, als er von 1200 Euro um zwei Drittel auf 2000
Euro /qm zulegte, im vergangenen Jahr stieg er dann »nur«
noch um 300 Euro, also um fast den gesamten Wert, auf
dem er lange Jahre verharrt hatte. Inzwischen nimmt man
das aber fast schon mit Erleichterung zur Kenntnis.
Über die tieferliegenden Gründe dieses erneuten Gipfelsturms werden sich die künftigen Wirtschaftshistoriker
wohl noch viele Jahre Gedanken machen. Denn so richtig
erklären kann eigentlich noch keiner, warum Berlin sich ab
Mitte dieses Jahrzehnts zum Spitzenreiter der Bundesländer beim Wirtschafts-, vor allem aber beim Jobwachstum
mauserte, während es in den Jahrzehnten zuvor eigentlich
immer nur hart darum kämpfen musste, nicht ständig Tabellenletzter in diesen Disziplinen zu werden. Nicht nur
die Immobilienmärkte, sondern auch die Politik in der
Stadt wurden ja völlig von dieser Umkehr überrascht, vor
der man zuvor nicht mal zu träumen gewagt hätte. Möglicherweise hat es etwas mit der Bankenkrise von 2001 zu
tun, die Berlin für die Folgen der weltweiten Wirtschaftskrise von 2008 immunisiert hatte. Auch die Freizügigkeit
für osteuropäische EU-Bürger, die in Deutschland ab 2011
bzw. 2014 in Kraft trat, mag eine Rolle spielen. Jedenfalls
steigt die Bevölkerungszahl in Berlin seitdem kräftig, vor
allem in der Innenstadt – so wuchs der Bezirk Mitte zwischen 2012 und 2019 um 50.000 Einwohner oder um 15 %.
Und nachdem der vorhandene Leerstand abgebaut war,
wirkte sich die starke Nachfrage nach Wohnraum natürlich
auf die Bodenrichtwerte aus.
… und weiter?

Die Wucht des Anstiegs der Bodenwerte erklärt sich damit
aber noch nicht. Hier spielen auch die extrem niedrigen
Zinssätze eine große Rolle, die in den gesamten 2010er Jahren, vor allem aber seit 2014 in der Eurozone gelten. Weil
die Finanzierungskosten niedrig sind und weil viele Anleger Mühe haben, überhaupt noch eine Rendite bei ihren
Finanzanlagen zu erzielen, die nicht gleich wieder von der
Inflation aufgefressen wird, fliehen viele ins vermeintlich
stabile »Betongold«. Aus Berliner Sicht kann man freilich
bezweifeln, dass das wirklich so stabil ist.
Denn die Frage ist jetzt natürlich, ob die Talfahrt der
Boden­werte in den kommenden 2020er Jahren aufs Neue
beginnt. Dagegen spricht, dass – ganz anders als zu Beginn
der 1990er – die Wirtschaft in Berlin tatsächlich nachhaltig wächst. Jobs werden nicht abgebaut, sondern entstehen
in großer Zahl neu, die Kaufkraft steigt und viele Menschen kommen in die Stadt, weil sie hier Arbeit finden.
Wohnraum ist wieder knapp und nachgefragt. Auf der anderen Seite vollzieht sich der neue Wirtschaftsboom bei
einem abstrus niedrigen Zinsniveau und steht daher auf
wackligen Beinen. Falls die Zinssätze wieder Normalmaß
erreichen, würden wohl auch die Bodenwerte wieder in
den Keller gehen – diesmal aber nicht nur in Berlin, sondern in der gesamten Eurozone. 
cs

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—————————————————————— G LO S S A R

Bodenrichtwert

Die Bodenrichtwerte für Berlin werden jährlich vom Gutachterausschuss ermittelt und auf einer Bodenwertkarte veröffentlicht. Sie sollen den Wert des Bodens ohne die darauf errichtete Bebauung in verschiedenen Lagen wiedergeben, wobei sich die Werte konkreter
Grundstücke im Einzelfall natürlich unterscheiden können. Die Bodenrichtwerte dienen z.B. als Grundlage von Verkehrswertermittlungen.
Zur Ermittlung der Bodenrichtwerte werden alle Grundstücksverkäufe eines Jahres erfasst und ausgewertet. Dabei wird der Wert der
Gebäude vom Kaufpreis abgezogen. Bei Mietshäusern wird dabei
nach dem Ertragswertverfahren vorgegangen. Wenn, wie in den vergangenen Jahren der Fall, die Verkaufspreise von Grundstücken stärker steigen als die Mieteinkünfte aus den darauf errichteten Gebäuden, dann steigen die Bodenrichtwerte also umso schneller.
GFZ

Die Geschossflächenzahl (GFZ) gibt das »Maß der baulichen Nutzung« an, also wie dicht ein Grundstück bebaut werden darf. Eine
GFZ von 2,5 zum Beispiel bedeutet, dass auf einem 1.000 Quadratmeter großen Grundstück maximal 2.500 Quadratmeter Geschossfläche
errichtet werden darf. Die wiederum berechnet sich nach den Außenmaßen aller Vollgeschosse – also Erdgeschoss und Obergeschossen –
inklusive der Außenmauern, Flure und Treppenhäuser aber ohne
Keller. Bei einer GFZ von 2,5 darf also die Hälfte des Grundstücks mit
5 Vollgeschossen überbaut werden.
Gutachterausschuss

Der Gutachterausschuss ist ein vom Land Berlin berufenes Gremium,
das auf Grundlage genauer gesetzlicher Vorschriften jährlich die Bodenrichtwerte ermittelt. Gutachterausschüsse gibt es in allen Bundesländern, allerdings veröffentlichen nicht alle die Bodenrichtwerte in
kostenlos zugänglichen Bodenwertkarten, wie Berlin das tut. Hier
kann man sich eine gute Übersicht auf der Website fbinter.stadt-­
berlin.de / boris bzw (für Bodenwerte vor 2002) auf dem Geoportal
des Landes Berlin (FIS-Broker) verschaffen.

Die Entwicklung der Bodenwerte im Wedding 1981 bis 1991

Malplaquetkiez, 1981–1995: zweijährlich, in Preisen von 2019
Quelle: Gutachterausschuss Berlin
2500

2000

1500

1000

500

0
1981

1985

1990

1995

2000

2005

2010

2015

2019

AUS DE M BE ZI R K MI T TE —— 11

Begehen Sie mal die Baustelle!
Am 11. Mai findet wieder der Tag der Städtebau­
förderung statt
Am Sonnabend, dem 11. Mai findet bundesweit wieder der
Tag der Städtebauförderung statt. Auch im Bezirk Mitte
kann man sich an vielen Orten über aktuelle Fortschritte
der Stadterneuerung informieren, darunter in drei Veranstaltungen im Verbreitungsgebiet der ecke müllerstraße.
Im Bezirk Mitte werden an insgesamt 13 Standorten Aktivitäten angeboten. So zum Beispiel das Nachbarschaftsfest
im Wohngebiet Karl-Marx-Allee II. Bauabschnitt (Schilling­
straße), dessen behutsame Weiterentwicklung aus Mitteln
des Förderprogramms Städtebaulicher Denkmalschutz gefördert wird. Oder die Saisoneröffnung im neuen Skatepark am Poststadion (Haupteingang Lehrter Straße), der
mit Mitteln des Programms »Stadtumbau« ausgebaut wurde. In Moabit wird die Umgestaltung des Straßenraums um
die Arminiusmarkthalle mit einer langen Festtafel samt
Livemusik, Kaffee und Kuchen gefeiert, die »Rückeroberung der Arminiusstraße« wurde aus Mitteln des Förderprogramms »Aktive Stadt- und Ortsteilzentren« gefördert.
Auch das Aktive Zentrum Müllerstraße ist wieder dabei:
Um 11 Uhr beginnt ein Gebietsrundgang zu aktuellen Projekten mit Baustellenbesichtigungen. Treffpunkt ist die
Rundbank am Platz neben dem Elise- und-Otto-HampelWeg (also neben dem Rathaus Wedding), von dort geht es
zum Abenteuerspielplatz TELUX zwischen Luxemburgerund Tegeler Straße, wo Mitarbeiter von »Larsson Architekten« über die hölzernen Neubauten auf dem Gelände informieren (im Foto). Das Besondere an diesem Neubau ist
die Beteiligung der Kinder des bezirklichen Jugendprojekts
an der Planung und Durchführung. Selbst an der Jurysitzung, die über die Entwürfe verschiedener Architektenbüros entschied, waren sie – maßgeblich, wie es in gut unterrichteten Kreisen heißt – beteiligt. Danach geht es weiter
zur Kita Edinburger Straße, die derzeit erweitert wird.
Hier sind die Architekten von »Weltring« präsent und ant-

worten gerne auf Fragen. Der Rundgang endet voraussichtlich gegen 13 Uhr, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Wenn man sich beeilt, schafft man es danach vielleicht
noch zur Baustellenbegehung am Nauener Platz, die um 13
Uhr beginnt. Der Gebäudekomplex aus den 1950er Jahren
wird derzeit umfassend saniert und beherbergt nicht nur
das Haus der Jugend, sondern auch Familieneinrichtungen
und Dienstgebäude des Jugendamtes. Für diese Begehung
muss man sich jedoch anmelden: Telefon 901 82 32 80 oder
unter Email: Torsten.Schulz@ba-mitte.berlin.de.
Auf dem hinteren Leopoldplatz (Maxplatz) wird ab 15 Uhr
ein Fest stattfinden. Das Kunst- und Kulturprojekt »unverblümt« stellt hier eine Bühne auf und wird von dort aus
auch musikalische Akzente setzen. Auf einer großen Kiezkarte kann man aufzeigen, wo die schönsten Plätze im Kiez
sind und was sie besonders macht. Auch sportlich werden
abwechslungsreiche Bewegungsspiele geboten. Das Fest
dient als Auftakt des Projektes »Kiez(T)raum – Der öffentliche Raum wird sicherer, sauberer, attraktiver« des Quartiersmanagement Pankstraße, das aus den Mitteln des
Bund-Länder-Programms »Soziale Stadt« finanziert wird.
Anlässlich des Tages der Städtebauförderung wird zudem
eine neue Informationsbroschüre des Bezirk Mitte erscheinen, in der er über die zwölf aktuellen Fördergebiete informiert und in Autorenbeiträgen auf einzelne Aspekte der
Stadtentwicklung im Bezirk eingeht. Insgesamt wohnen
derzeit rund 40 % der Bezirksbevölkerung direkt in mindes­
tens einem dieser Gebiete. Schließt man ehemalige Fördergebiete sowie die an die Fördergebiete angrenzenden
Quartiere mit ein, so kommt weit mehr als die Hälfte der
Mitte-Bewohner in ihrem Wohnumfeld in den Genuss dieser Förderung. Die Broschüre ist soll bei den Veranstaltungen ausliegen und anschließend über einen längeren Zeitraum hinweg in öffentlichen Einrichtungen des Bezirks
erhältlich sein, zum Beispiel im Rathaus Wedding oder in
der Schiller-Bibliothek.
Über das gesamte Programm des Tages der Städtebauför­
derung in Berlin kann man sich auf der Website tag-derstaedtebaufoerderung.berlin.de umfassend informieren.
Ins­gesamt werden in elf Berliner Bezirken 52 Veranstaltungen angeboten, bundesweit findet er in über 550 Städten
und Gemeinden statt. Näheres findet man auch auf der
Website tag-der-staedtebauförderung.de. Zudem wurde
von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und wohnen eine kleine Broschüre im handlichen Taschenformat
herausgegeben, in der alle Veranstaltungen nach Bezirken
geordnet aufgeführt sind.
cs

Rathausumfeld preisgekrönt

Die Neugestaltung des Platzes am Elise-und-Otto-HampelWeg (»Rathausumfeld Wedding«) hat eine Auszeichnung
in der Kategorie »Landschaftsarchitektur im Detail« des
Landschaftsarchitekturpreises 2019 des Bundes Deutscher
Landschaftsarchitekten (bdla) erhalten. Die preisgekrönten
Entwürfe wurden von Sofia Petersen und Moritz Schloten
vom Büro »Annabau« entwickelt, die dabei intensiv auf
Wünsche und Anregungen von Anwohnern und Anrainern
des Platzes eingingen.

Das Dutzend ist voll
Bezirk weitet Milieuschutz aus
Am 7. März 2019 hat das Bezirksamt mit dem den Erlass
einer Erhaltungsverordnung für das Gebiet »Alexanderplatzviertel« das zwölfte Milieuschutzgebiet im Bezirk
Mitte festgesetzt. Somit leben rund 150.000 Einwohnerinnen und Einwohner des Bezirks in »sozialen Erhaltungsgebieten« – etwa 40 Prozent der Gesamtbevölkerung.
»In Milieuschutzgebieten sind Wohnungsmodernisierungen genehmigungspflichtig. Der Eigentümer muss daher
die geplanten Maßnahmen und die Miete nach Modernisierung mit dem Bezirksamt abstimmen. Hierdurch ist gewährleistet, dass Verdrängung durch Modernisierung sehr
stark eingeschränkt werden kann«, erläutert der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Soziales und Gesundheit
Ephraim Gothe. Nach der Umwandlungsverordnung vom
3. März 2015 benötigen darüber hinaus auch Umwandlungen in Eigentumswohnungen in Milieuschutzgebieten
eine Genehmigung durch den Bezirk. Die wird kurzfristig
aber nur erteilt, wenn die Wohnungen an die bisherigen
Mieter veräußert werden – für Immobiliengesellschaften,
die als Geschäftsmodell den Kauf von Mietwohnungen mit
anschließender schneller Umwandlung haben, sind Milieu­
schutzgebiete deshalb nicht attraktiv.
Darüber hinaus besteht bei Grundstücksverkäufen ein Vorkaufsrecht des Landes Berlins, von dem es in jüngster Zeit
auch rege Gebrauch macht – zuletzt etwa für die Prinzenallee 36 im Wedding und für die Rathenower Str. 59 in

Moabit. Vorrangiges Ziel dabei ist jedoch der Abschluss
einer »Abwendungsvereinbarung« mit dem neuen Eigentümer, in der er sich zur Einhaltung von besonderen Mieterschutzklauseln verpflichtet. Für die Bewohnerinnen und
Bewohner der bereits länger bestehenden Milieuschutzgebiete sind darüber hinaus spezielle Mieterberatungen eingerichtet (siehe Seiten 12 und 13), für die drei neuesten
Gebiete in Mitte (»Thomasiusstraße«, »Tiergarten-Süd«,
»Alexanderplatzviertel«) soll dies ab Mitte des Jahres 2019
erfolgen.
In ganz Berlin gibt es derzeit 57 Milieuschutzgebiete, die
meisten in Pankow (13), gefolgt von Mitte (12), Friedrichshain-Kreuzberg (9), Tempelhof-Schöneberg (8) und Neukölln (7), aber auch Treptow-Köpenick (3), Lichtenberg (2),
Charlottenburg-Wilmersdorf (2) und Reinickendorf (1) haben schon begonnen, die Gebiete einzurichten. Dabei ist
der Kernbereich der Innenstadt von einem nahezu geschlos­
senen Ring aus Milieuschutzgebieten umgeben. Einige
Ortsteile bestehen dabei schon fast vollständig aus sozialen
Erhaltungsgebieten, so etwa Prenzlauer Berg oder Kreuzberg, wo bereits über 80% der Bevölkerung in einem Milieuschutzgebiet wohnt. So weit sind der Wedding und
Moabit noch nicht. Allerdings war der Bezirk Mitte besonders fleißig in der Festsetzung neuer Gebiete: Alle zwölf
Milieuschutzgebiete sind in den vergangenen drei Jahren
entstanden, während z.B. in Pankow im selben Zeitraum
nur drei neue hinzukamen. Wenig Sinn würde dagegen die
Einrichtung von Milieuschutzgebieten in Wohn­gebieten
haben, in denen kommunale Wohnungsbaugesellschaften
oder Wohnungsbaugenossenschaften dominieren, zum
Beispiel im Brunnenviertel, im Hein­rich-Heine-Viertel
oder im Wohngebiet Karl-Marx-Allee II. Bau­abschnitt.  cs

Milieuschutzgebiete im Bezirk Mitte
Für die Bewohnerinnen und Bewohner

der neuen Milieuschutzgebiete im Bezirk finden im Mai
und im Juni Informationsveranstaltungen statt. Dort
stehen Ansprechpartner aus dem Bezirk und von der
­Mieterberatung bereit, auch Bezirksstadtrat Ephraim
Gothe wird anwesend sein.

Bezirksamt Mitte von Berlin, Fachbereich Stadtplanung, Dezember 2018

Ch. Eckelt

10 —— EC KE M Ü LLERSTR ASSE

Thomasiusstraße (Moabit) und Tiergarten-Süd:

Donnerstag, 23.05., von 18 bis 20 Uhr in der Heilandskirche
in Moabit, Thusnelda-Allee 1
Alexanderplatzviertel:

Montag, 27.05., von 18 bis 20 Uhr in der Stadtwerkstatt, KarlLiebknecht-Straße 11
Reinickendorfer Straße und Humboldthain
Nord-West:

Donnerstag, 06.06., von 18.30 bis 20.30 Uhr
(Ort noch unbekannt)
Kattegatstraße und Soldiner Straße:

blau: seit 2016, rot: seit 2018, rot-gestrichelt: seit März 2019

Donnerstag, 13.06., von 18 bis 20 Uhr in der Nachbarschafts­
etage, Osloer Straße 12

AUS DE M BE ZI R K MI T TE —— 13

Vor allem für die
­Milieuschutzgebiete
Die Mieterberatung ­vermittelt auch
den Kontakt zum Bezirk ­

Ch. Eckelt

Für Mieterinnen und Mieter in Sanierungs- und Milieuschutzgebieten sowie in den städtebaulichen Erhaltungsgebieten der nördlichen Luisenstadt hat der Bezirk besondere
Beratungsangebote eingerichtet. Damit beauftragt ist die
»Mieterberatung Prenzlauer Berg«, die auf langjährige Erfahrungen in diesem Metier zurückblicken kann. Während
die Beraterinnen und Berater im Wedding und in Moabit
viel zu tun haben, ist die Nachfrage aus der Luisenstadt bisher aber noch nicht so groß.

gen von Modernisierungen teilweise an Verordnungsmieten gekoppelt, die sich an den durchschnittlichen Mieten
im Gebiet orientieren. Deshalb versuchen einige Vermieter, leer gezogene Wohnungen möglichst unauffällig zu
modernisieren, die Genehmigung zu umgehen und dann
sehr teuer zu vermieten. »Oft erkennt man das daran, dass
in einer Ecke auf dem Hinterhof plötzlich Baumüllcontainer aufgestellt werden. Wir sind für Hinweise immer dankbar und geben diese an das Bezirksamt weiter.« Auch wenn
Wohnungen zweckentfremdet werden, etwa in dem sie
längere Zeit leer stehen oder als Ferienwohnungen vermietet werden, kann der Bezirk aktiv werden, wobei es keine
Rolle spielt, ob im Milieuschutzgebiet oder außerhalb:
»Das kann man inzwischen auch auf der Website der Senatsverwaltung und Wohnen sehr effektiv melden, die das
dann an die Bezirke umgehend weiterleitet. Wir helfen da
gerne weiter.«
»Gute Zusammenarbeit mit dem Bezirk«

»Das hat wohl damit zu tun, dass der Stadtteilladen, in
dem wir an jedem Montag Nachmittag beraten, gerade renoviert worden ist und wir in unserem Ausweichquartier
schwer zu finden waren«, vermutet Anne Klitzing von der
Mieterberatung. Aber natürlich spielt es auch eine Rolle,
dass die Luisenstadt in Mitte noch kein Milieuschutzgebiet
ist, in dem Wohnungsmodernisierungen und Hausver­
käufe grundsätzlich genehmigungspflichtig sind. Das Sanierungsgebiet, in dem ähnliche Genehmigungsvorbehalte
existieren wie in Milieuschutzgebieten, ist relativ klein
und überschaubar: »Da waren wir bei den Wohnungsmietern in von baulichen Maßnahmen betroffenen Häusern
schon längst«, erzählt uns die Mieterberaterin Andrea
Wallroth.

zunächst aber nicht direkt gegenüber ihren Mietern: Erst
wenn sie sich auf die vom Bezirk vorgeschlagenen Vereinbarungen einlassen ist das der Fall. Die individuellen Rechte der Mieter können zudem nur von ihnen selbst durch­
gesetzt werden. Und da hilft es oft ungemein, wenn sie bei
den Nachbarn auch emotionalen Rückhalt finden und
nicht isoliert vorgehen müssen: »Treten Sie in Kontakt mit
Ihren Nachbarinnen und Nachbarn!«, rät Andrea Wallroth.
Dabei ist es natürlich auch sinnvoll, wenn sich die Mieter
größeren Mieterorganisationen anschließen, alleine schon,
um im Konfliktfall nicht riskieren zu müssen, auf Anwaltsund Gerichtskosten sitzen zu bleiben und um schnell und
zügig erfahrene und qualifizierte Mietrechtsanwältinnen
oder -anwälte zu finden.

Aktive Hausgemeinschaften stärken die Mieter

»Wir sind für Hinweise immer dankbar«

Im Wedding und in Moabit ist das anders. Da erfährt die
Mieterberatung normalerweise frühzeitig, wenn in einem
Mietshaus im Milieuschutzgebiet Wohnungen modernisiert werden sollen oder gar der Verkauf des gesamten
Hauses angezeigt wurde. »Wir verteilen Informationsschreiben an jede Mietpartei und meistens melden sich die
Mieter dann bei uns«, erklärt Andrea Wallroth. In Fällen in
denen das bezirkliche Vorkaufsrecht geprüft wird, besuchen die Mieterberater auch die Mieter und sammeln Informationen, die der Bezirk für die Bearbeitung der Anträge braucht – etwa über die aktuelle Miethöhe oder den
Ausstattungsgrad der Wohnungen. Je nach Maßnahmeumfang wird zu einer Mieterversammlung eingeladen: »Dabei finden sich oft die Hausgemeinschaften auch zusammen. Man tauscht dann Informationen aus, wer wo wohnt
und was macht und so weiter. Und das ist hilfreich für die
gegenseitige Unterstützung.«
Die Mieterberatung unterstützt diesen Prozess der Gemein­
schaftsbildung, denn aktive Hausgemeinschaften stärken
die Mieter zusätzlich. In den Milieuschutzgebieten ist der
Schutz der Mieter genau gesehen nur eine Nebenwirkung
des gesetzlich vorgegebenen Ziels der »Erhaltung der Zusammensetzung der Wohnbevölkerung«. Besondere Pflich­
ten haben die Eigentümer dort der Kommune gegenüber,

Durch die Medien gehen dabei in letzter Zeit oft Fälle, in
denen das Land Berlin von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch
macht. Städtische Wohnungsbaugesellschaften oder Wohnungsgenossenschaften treten an Stelle des Bezirks als
Käufer von Mietshäusern in neu abgeschlossene Kaufverträge ein. Auch in Mitte war das bereits mehrfach der Fall.
Die Mieter der betroffenen Häuser feiern das in der Regel
als großen Erfolg, allerdings enden nicht alle Verfahren auf
diese Weise. Das Land Berlin strebt den Vorkauf auch gar
nicht in jedem Fall an, sondern zielt vor allem auf den Abschluss sogenannter »Abwendungsvereinbarungen«, in denen sich die neuen Eigentümer zur Einhaltung verbindlicher Regeln zum Schutz der Mieter verpflichten – etwa den
Verzicht auf Luxusmodernisierungen. Das kann langfristig
aber nur funktionieren, wenn die Mieter in solchen Häusern auch längerfristig den Kontakt zu Bezirk und Mieterberatung halten.
»Im Wedding und in Moabit melden uns viele Mieterinnen
und Mieter auch, wenn andere Wohnungen in ihren Häusern leer stehen und modernisiert werden«, erzählt Anne
Klitzing. Die Mieterberatung leitet die Information dann
an die zuständigen Stellen im Bezirk weiter, der dann
überprüft, ob die Maßnahmen genehmigt sind oder nicht.
In den Milieuschutzgebieten in Mitte sind Genehmigun-

Mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bezirks
arbeitet die Mieterberatung sehr gut zusammen. »Wir haben immer einen konstruktiven Informationsaustausch
mit den Mitarbeitern im Stadtentwicklungsamt die sich
mit Milieuschutz befassen. Die hängen sich richtig rein
und suchen nach Lösungen. Die meisten Eigentümer sind
ja auch kompromissbereit und an solchen Lösungen interessiert, Probleme bereiten da vor allem einige wenige,«
meint Andrea Wallroth. »Aber manchmal reicht auch das
größte Engagement nicht, weil die bundesgesetzlichen
Grundlagen leider nicht mehr hergeben.«
So nutzt das Umwandlungsverbot in Milieuschutzgebieten
zum Beispiel nichts, wenn die Mietwohnungen vor der
Festlegung des Gebiets bereits in Eigentumswohnungen
umgewandelt worden waren, ohne dass die Mieter davon
erfuhren. »Spätestens zehn Jahre nach dem erstmaligen
Verkauf der Wohnung nach der Umwandlung läuft der besondere Mieterschutz aus, etwa vor Kündigungen wegen
Eigenbedarf.« Auch in anderen Bereichen kann sich die
erfahrene Mieterberaterin durchaus bessere Regelungen
vorstellen: »Wir würden zum Beispiel auch in Milieuschutzgebieten gerne formelle Sozialplanverfahren durchführen, wie sie gesetzlich bisher nur für Sanierungs- und
Umstrukturierungsgebiete vorgesehen sind.« Dann könnten die persönlichen Situationen der Mieter im Prozess der
Aushandlung von Modernisierungsmaßnahmen mehr berücksichtigt werden.
Im Stadtteilladen in der Köpenicker Straße 101 berät die
Mieterberatung zudem die Mieterinnen und Mieter öffentlich geförderter Wohnungen in alten Sanierungsgebieten,
darunter auch viele aus Wedding und Moabit. »Wenn da
die Förderung ausläuft und wenn die Miete zuvor zusätzlich subventioniert war, weil ein spezieller Einkommensnachweis des Wohnungsamtes vorgelegt werden konnte,
kann es vorkommen, dass die Nettokaltmiete sprunghaft
um fast die Hälfte steigt«, erläutert Andrea Wallroth, die
hier als Ansprechpartnerin zur Verfügung steht. Und gerne
würden sie in dem Stadtteilladen, in dem früher die Heinrich-Heine-Bibliothek untergebracht war, auch mehr Mieterinnen und Mieter aus den Altbau- und Mischgebieten
der Nördlichen Luisenstadt informieren. »Wir beraten auch

zu normalen Mieterhöhungen oder bei Betriebskostenabrechnungen«. Aber das hat sich im Gebiet noch nicht ausreichend herumgesprochen. Doch das ist wahrscheinlich
nur eine Frage der Zeit, denn der ökonomische Druck, der
hier auf dem Wohnungsmarkt lastet, ist selbst für BerlinMitte extrem. 
cs

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M I E T E R B E R AT U N G

– für die städtebaulichen Erhaltungsgebiete und das Sanierungs­
gebiet in der nördlichen Luisenstadt sowie die Mieterinnen und
Mieter von mit Hilfe öffentlicher ­Mittel umfassend sanierter Wohnungen in den ehemaligen ­Sanierungsgebieten des Bezirks Mitte:
Mo 15–18 Uhr, Stadtteilladen »dialog 101«,
Köpenicker Straße 101, 10179 Berlin
außerhalb der Sprechzeiten: (030) 44 33 81 25
– für die Milieuschutzgebiete Birkenstraße, Waldstraße, Akives
­Zentrum Turmstraße:
Mo 16–18 Uhr und Do 10–12 Uhr,
Stadtteilladen Krefelder Straße 1a, 10555 Berlin
außerhalb der Sprechzeiten: (030) 44 33 81 23
– für die Milieuschutzgebiete Leopoldplatz, Seestraße, Sparrplatz,
Aktives Zentrum Müllerstraße:
Mo 10–12 Uhr und Do 16–18 Uhr,
Vor-Ort-Büro Triftstraße 2, 13353 Berlin
außerhalb der Sprechzeiten: (030) 44 33 81 11
– für die Milieuschutzgebiete Humboldthain Nord-West,
­Reinickendorfer Straße, Kattegatstraße, Soldiner Straße:
Mi 10–12 Uhr, QM-Büro Pankstraße, Prinz-Eugen-Straße 1,
13347 Berlin,
Do 16–18 Uhr, QM-Büro Soldiner Straße, ­
Koloniestraße 129, 13359 Berlin
außerhalb der Sprechzeiten: (030) 499 08 44-22 /-11

Ch. Eckelt

12 —— AU S DEM BEZIRK MIT TE

14 —— AUS DEM BEZIRK MIT TE

E CKE MÜLLE R STR A SSE —— 15

Schillerpark
Rehberge
Stadtteilzentrum Paul Gerhardt Stift

Informationen und Dokumentationen
zum Aktiven Zentrum Müllerstraße
sowie frühere Ausgaben dieser Zeitung
finden Sie auf der Website:
www.muellerstrasse-aktiv.de

SenUVK / Wall GmbH

Ch. Eckelt

Seestraße

Rathaus
Rehberge

BeuthHochschule

Volkshochschule

Leopoldplatz

Veranstaltungsorte
Müllerstraße

Vor-Ort-Büro

Programmkulisse
Aktives Stadtzentrum
Sanierungsgebietsgrenze

Virchow-Klinikum / Charité
Wedding

Mehr Toiletten im
­öffentlichen Raum

Anfang April wurde die erste der neuen Toilettenanlagen
eröffnet, die künftig in Berlin auf öffentlichen Flächen bereitstehen. Sie ersetzen die alten City-Toiletten und sollen
noch höhere Qualitätsstandards erfüllen. Auf jeden Fall
sind sie barrierefrei zugänglich und reinigen sich nach jedem Gebrauch vollautomatisch. Bis 2022 soll zudem ihre
Anzahl in der Stadt deutlich ausgebaut werden.

ten aber zunächst einmal das Standardmodell mit nur einer Kabine. Unter anderem am Humboldthain im Wedding
und in der Moabiter Ottostraße kann man das schon besichtigen: es hat eine kompakte, quaderförmige Grundform mit einen steinernen äußeren Erscheinungsbild, das
sich ganz gut in das Stadtbild einfügt. Dazu solle es auch
Varianten mit Pissoirs, mehreren Einzelkabinen und sogar
mit Kiosk geben. Insgesamt 190 dieser neuen Toilettenanlagen sollen in einer ersten Phase bis Ende 2020 aufgestellt
werden, davon 32 an neuen Standorten. Später sollen noch
86 zusätzliche Anlagen hinzukommen, unter anderem
auch oberhalb des U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße. Zusammen mit bereits existierenden Bestandstoiletten anderer Betreiber und städtischen Anlagen wie beispielsweise
den »WC-Centern« am Alexanderplatz soll sich die Gesamt­
zahl der Toilettenanlagen im öffentlichen Raum Berlin bis
2022 auf insgesamt 366 erhöhen.

Am Weddinger Leopoldplatz zum Beispiel soll bis Ende
2020 an der Stelle der City-Toilette hinter der Bushaltestelle an der Ecke Müller- und Nazarethkirchstraße eine neue
Toilettenanlage mit zwei Einzelkabinen sowie zwei kostenfrei nutzbaren Pissoirs aufgestellt werden. Bisher gibt es
dort nur eine Einzelkabine, die zwar nur den Einsatz von
10 Cent erfordert, dafür aber auch ständig belegt ist. Der
soziale Platzdienst, der dreimal in der Woche in dem Bereich aktiv ist, berichtete dem Runden Tisch Leopoldplatz
im April jedenfalls, dass er täglich rund 15 Männer anspricht, die sich trotz City-Toilette in den Hecken erleichtern. Mit der neuen Toilettenanlage wird sich das hoffentlich ändern – allerdings muss u.a. die Untere Denkmalschutzbehörde der Aufstellung noch zustimmen.
Zudem muss die neue Toilettenanlage noch angefertigt
werden. Die Firma Wall GmbH, die im vergangenen Juni
den Zuschlag für die Umsetzung des Toilettenkonzepts erhielt, produziert in ihrem Werk im brandenburgischen Vel-

Die Ausschreibung des neuen Toilettenkonzepts war u.a.
von Behindertenverbänden stark kritisiert worden. Denn
die bisherigen City-Toiletten der Firma Wall GmbH setzten
auch im internationalen Maßstab einen neuen Standard,
weil sie mit Hilfe besonderer Zugangsschlüssel von Behinderten kostenfrei genutzt werden konnten und auch hygienisch meist deutlich attraktiver waren als ihre Vorgänger.
Allerdings wurde ihr Betrieb nach den alten Toilettenverträgen des Landes Berlin von 1993 nicht direkt aus Landesmitteln finanziert, sondern durch Werberechte im öffentlichen Raum abgegolten. Bei den neuen Ausschreibungen
wurde diese Kopplung aufgehoben. Trotz eines verbesserten Angebots an Toiletten und reduzierter Werberechte
erzielt das Land dabei einen klaren Überschuss, der auch
die gleichfalls durch Werberechte finanzierten Kosten für
den Betrieb öffentlicher Brunnen noch übersteigt: selbst
bei 366 Toilettenanlagen noch um knapp 50 Millionen Euro
pro Jahr.
cs

Die Umsetzung des neuen Toiletten­
konzepts beginnt ­

Adressen
Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung,
Soziales und Gesundheit: Ephraim Gothe

Müllerstraße 146/147, 13353 Berlin
(030) 90 18-446 00
ephraim.gothe@ba-mitte.berlin.de

Prozessmanagement

StandortGemeinschaft Müllerstraße

Jahn, Mack und Partner
Alt Moabit 73, 10555 Berlin
Karsten Scheffer (030) 85 75 77 28
Carla Schwarz (030) 85 75 77 26
muellerstrasse@jahn-mack.de
www.jahn-mack.de

c/o Steuerberatung bpw
Müllerstraße 138b, 13353 Berlin
info@muellerstrasse-wedding.de
www.muellerstrasse-wedding.de

Geschäftsstraßenmanagement
Stadtentwicklungsamt,
Fachbereich Stadtplanung

Müllerstraße 146, 13353 Berlin
Fachbereichsleiterin: Frau Laduch,
Zimmer 106, (030) 90 18-458 46
stadtplanung@ba-mitte.berlin.de
Vorbereitende Bauleitplanung,
Städtebauförderung

Müllerstraße 146, 13353 Berlin
Sprechzeiten: Di 9–12 Uhr,
donnerstags, 15.00–18.00 Uhr
stadtplanung@ba-mitte.berlin.de
Gruppenleiter: Stephan Lange
(030) 90 18-436 32
Aktives Zentrum und Sanierungsgebiet
Müllerstraße
René Plessow (030) 9018 45409
rene.plessow@ba-mitte.berlin.de
Claudia Jahns (030) 9018 45463
claudia.jahns@ba-mitte.berlin.de

Planergemeinschaft
Lietzenburger Straße 44, 10789 Berlin
(030) 88 59 14-0, (030) 88 59 14 32
Gabriele Isenberg-Holm
g.isenberg@planergemeinschaft.de
Winfried Pichierri
w.pichierri@planergemeinschaft.de
www.planergemeinschaft.de

Runder Tisch Leopoldplatz

Thorsten Haas, Präventionsrat
Mathilde-Jacob-Platz 1, 10551 Berlin
(030) 90 18-322 51
Quartiersmanagement Pankstraße		
Prinz-Eugen-Straße 1, 13347 Berlin
(030) 74 74 63 47
qm-pank@list-gmbh.de
www.pankstrasse-quartier.de
Runder Tisch Sprengelkiez

Stadtteilvertretung Müllerstraße

Vor-Ort-Büro Triftstraße 2
(030) 34 39 47 80 (AB), (0174) 701 35 94
menschmueller@stadtteilvertretung.de
www.stadtteilvertretung.de
Wenn Sie per E-Mail Informationen der
­Stadtteilvertretung erhalten möchten,
dann senden Sie eine E-Mail an:
mitteilungen@stadtteilvertretung.de

Sprengelstraße 15, 13353 Berlin
(030) 20 06 78 85
info@runder-tisch-sprengelkiez.de
www.runder-tisch-sprengelkiez.de
Mieterberatung Wedding

für Bewohner der Milieuschutzgebiete
Sparrplatz, Leopoldplatz und Seestraße
sowie des Sanierungsgebietes Müllerstraße
Mo 10–12 Uhr, Do 16–18 Uhr
Vor-Ort-Büro Triftstraße 2
(030) 44 33 81-11
www.mieterberatungpb.de

Ch. Eckelt

BILDECKE

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ECKENSTEHER

Berlin am Meer
Mit den ersten warmen Tagen kommt sie weder: die Lust, über Wochenmärkte zu schlendern. Doch etliche der lokalen Märkte dümpeln
trotz verheißungsvollem Start nach einer gewissen Zeit aus unterschiedlichsten Gründen vor sich hin. Auch der Frischemarkt auf dem
Leo hat schon bessere Zeiten gesehen.
Wer an heißen Sommertagen wie im letzten Jahr von Urlaub und
Meer träumt, ohne dass eines von beiden in Sicht wäre, sollte mal um
die Ecke in die kleine Genter Straße hinter dem Rathaus Wedding gehen. Nur wenige Meter von der Müllerstraße entfernt, wähnt man
sich unversehens mitten auf einem Markt am Mittelmeer.
In engen Reihen zwischen zahllosen Ständen mit Obst, Gemüse,
Kräutern, Gewürzen wogt die Menschenmenge – bunt, quirlig, aber
niemals hektisch. Käufer prüfen die Reife von Früchten, Händler rufen laut Angebote aus, Tüten mit Trauben, Aprikosen, Pfirsichen, Au-

berginen oder Zwiebeln gehen über den Tisch. Fische aller Art mit
noch glänzenden Augen und silbriger Haut in der Eistheke eines Verkaufswagens, daneben eine Theke voller Schüsseln mit Feinkostsalaten, Schafskäse und mindestens zwanzig Sorten Oliven. Wer sich
nicht entscheiden kann, probiert dies und das. Düfte, Rufe, Stimmgewirr, Farben – eine fast byzantinische Basar-Atmosphäre durchweht
die Genter Straße.
Gegen Abend dreht das Geschäft nochmal auf: drei Euro für eine ganze Kiste mit Limetten, ganze Melonen (»Fang!«, scherzhaft täuscht
der junge Händler einen Wurf Richtung Käufer an) – die reife Ware
muss raus. Glücklich zieht man mit seinen Tüten voller Schätze von
dannen, im Mund noch süße Trauben. – An manchen Ecken liegt Berlin eben doch am Meer.
us

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PFLASTERSTEINE

Blutmai

Missing h

Wo Kreuzberg sich an jedem ersten Mai wohl zuerst an das legendäre
Jahr 1987 erinnert fühlt, als Bolle brannte und die aufgestaute Wut sich
in Straßenschlachten mit der Polizei entlud, verbindet sich mit dem
Wedding ein anderer historischer 1. Mai, der ebenfalls in Gewalt umschlug: der »Blutmai« von 1929, als die Polizeitruppen unter ihrem Chef
Karl Zörgiebel (SPD) hart gegen ungenehmigte Demonstrationen vorging und 33 Zivilisten tötete sowie zahlreiche Demonstranten und Unbeteiligte verletzte. Zörgiebel hatte im ­Dezember 1928 politische Versammlungen unter freiem Himmel verboten.

Zu den Nebensächlichkeiten, die mich schon immer irritiert haben,
gehört das fehlende h. Die Edinburger Straße im »Englischen Viertel«
gibt mir Rätsel auf. Die schottische Hauptstadt, berühmt für ihre Altstadt, das Castle und Musik-Festivals, heißt Edinburgh. Mit h. Wo also
ist das h der Edinburger Straße geblieben? Scheuten die Berliner bei der
Benennung den gurgelähnlichen Laut des »-burgh«? Ohnehin geht es
im englischen Viertel nicht eben korrekt zu. Bei Iren in Belfast und Dublin oder auch Schotten in Glasgow und Edinburgh kommt es jedenfalls
gar nicht gut an, sie einfach mal England zuzuschlagen …
                            
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