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Periodical volume

Full text: Ecke Issue 2015,02

ecke

nr. 2 – april 2015

müllerstraße

Seite 3: Probleme auf dem Leopoldplatz Seite 4: Unfallschwerpunkt Müllerstraße Seite 6: 9. Mai – Tag der Städtbauförderung Seite 9: Krematorium wird Kulturquartier

Zeitung für das »Aktive Zentrum« und Sanierungsgebiet Müllerstraße. Erscheint achtmal im Jahr kostenlos. Herausgeber: Bezirksamt Mitte von Berlin, Stadtentwicklungsamt, Fachbereich Stadtplanung

Ch. Eckelt

Ch. Eckelt

Runder Tisch Leopoldplatz

Dienstag 28. 4., 19 Uhr, Volkshochschule W ­ edding, Antonstraße 37, Raum 302

Händlerfrühstück des Geschäftsstraßenmanagements

Mittwoch, 6. Mai, 7.30 Uhr: AOK Nordost, Servicecenter Müllerstraße 143

Trinkraum Knorke nach Drogenrazzia geschlossen ­

Sitzung der Stadtteilvertretung M ­ üllerstraße

An jedem ersten Donnerstag im Monat – aber wegen Ostern erst am 9. April, dann wieder am 7. Mai, jeweils um 19 Uhr im WaltherRathenau-Saal, Rathaus Wedding, Müller­ straße 146 /147

Sprechstunde der Stadtteilvertretung Brüsseler Kiezgespräch

Montags 18–20 Uhr, Vor-Ort-Büro Triftstraße 2 Am Freitag, dem 24. April lädt die BI Brüsseler Kiez um 19 Uhr in den Gemeindesaal der Kapernaum-Kirchen­ emeinde. Es geht um das g Thema »Verkehrsberuhigung«.

Welche Ecke?
Wo wurde dieses Foto aufgenommen? Wer es weiß, schicke die Lösung bitte mit genauer Absender­ adresse an die Redaktion: ecke müllerstraße, c/o Ulrike Steglich, Elisabethkirchstraße 21, 10115 Berlin oder per Mail an: eckemueller@gmx.net. Neu: Unter den Einsendern verlosen wir einen Kinogutschein für zwei Personen für das Kino Alhambra. Einsendeschluss ist Dienstag, der 21. April. Unsere letzte Rätselecke zeigte eines der von Mies van der Rohe im Jahr 1925–27 errichteten Wohnhäuser in der denkmalgeschützten »Wohnanlage Afrikanische Straße«, in diesem Fall die Dualastraße 12 B. Wir danken den Teilnehmern! Gewinner ist diesmal Hermann Noch. H ­ erzlichen Glückwunsch! Der Preis wird Ihnen zugesandt.

Tag der Städtebauförderung

Am 9. Mai präsentiert sich das Aktive Zentrum Müllerstraße im Foyer der neuen Schillerbibliothek. Um 12 Uhr soll hier auch der »erste Spatenstich« zur Neugestaltung des Rathausplatzes stattfinden. Siehe auch S. 6. ecke im Netz: Im Internet findet man alle bisher erschienenen Ausgaben der ecke m ­ üllerstraße unter www.muellerstrasse-aktiv. de /zeitung-ecke-muellerstrasse Nächster Redaktionsschluss: Di, 21. April

Kunst auf der M ­ üllerstraße
Im Sommer wieder Plakatwände auf Mittelstreifen
Die »StandortGemeinschaft Müllerstraße e.V.«, das Geschäftsstraßenmanagement Mül­ er­ traße und der Bezirk Mitte bitten l s Künstler und Kulturschaffende wieder um ihr Engagement. Die im vergangenen Jahr erfolgreich gestartete »Open Air Galerie« auf der Müllerstraße soll auch in diesem Jahr fortgeführt werden. Wieder sollen vom Mittelstreifen aus großformatige Plakatwän­ de in den öffentlichen Raum wirken. Künst­ lerinnen und Künstler sind aufgerufen, un­ ter dem Motto »Mein Wedding« Werke ein­ zureichen. Sie (also die Werke, nicht die Künstler!) sollten nicht älter als zwei Jahre sein und einen unmittelbaren Bezug zum

Wedding haben. Finanziert wird nur die technische Umsetzung des Projektes, das einmalige Verwertungsrecht für die Werke treten die Künstler kostenfrei ab. Eine Jury wird dann über die eingereichten Kunst­ werke entscheiden. Die temporäre »Open Air Galerie« ist für den Zeitraum ab Anfang / Mitte Juli bis Mitte September 2015 bei den zuständigen Behörden beantragt. Abgabeschluss ist der 31. Mai 2015. Die Ar­ beiten sollen in digitalisierter Form sowie in großer Auflösung (mindestens 300 dpi) in­ klusive eines kurzen Erläuterungstextes zum Kunstwerk und zur eigenen Person einge­ reicht werden. Weitere Informationen geben die ­ tandort­ emeinschaft Müllerstraße S G e.V. (Mail: info@muellerstrasse-wedding.de) sowie das Geschäftsstraßenmanagement M ­ üllerstraße, Winfried Pichierri (w.pichierri@planergemeinschaft.de).

Herausgeber: Bezirksamt Mitte von Berlin, Abteilung Stadtentwicklung Redaktion: Christof Schaffelder, Ulrike Steglich Redaktionsadresse: »Ecke Müllerstraße«, c /o Ulrike Steglich, Elisabethkirchstraße 21, 10115 Berlin Tel (030) 44 01 06 05, eckemueller@gmx.net Fotos: Christoph Eckelt, eckelt@bildmitte.de Entwurf und Gestaltung: capa, Anke Fesel, www.capadesign.de Druck: Henke Druck, info@henkepressedruck.de V.i.S.d.P.: Ulrike Steglich Für den Inhalt der Zeitung zeichnet nicht der Herausgeber, sondern die Redaktion verantwortlich.

Impressum

Nach dem Abschluss der baulichen Umgestaltung droht das soziale Gleichgewicht auf dem Leopoldplatz wieder zu kippen. Denn die Straßensozialarbeit, die sich begleitend zu den Baumaßnahmen sehr positiv auf das Zusammenleben verschiedener sozialer Gruppen auf dem Platz auswirkte, läuft derzeit nur noch reduziert – im August soll sie endgültig auslaufen. Zudem wurde der »Trinkraum Knorke« der evangelischen Nazarethkirch-Gemeinde nach einer Razzia der Polizei durch die Gemeinde vorerst geschlossen. Ohne eine auf den Stadtraum konzentrierte Sozialarbeit drohen jedoch die Zustände von vor der Sanierung wieder zurück zu kehren. Bei der Razzia am 17. März entdeckten Spürhunde der Polizei im »Trinkraum Knorke« am Gemeindezentrum Nazarethkirchstraße ein Depot harter Drogen. Offenbar hatten Dealer die Offenheit des auch von Mitgliedern der »Szenegrüppchen« am Leo aktiv mitbetriebe­ nen Treffpunktes missbraucht. Die Kirchengemeinde zog daraufhin umgehend die Notbremse und schloss das Projekt. Erst wenn ein neues Konzept ausgearbeitet und vor allem, wenn gesichert sei, dass der Trinkraum personell auch ausreichend ausgestattet ist, sei eine Wiedereröffnung möglich, so heißt es aus dem Gemeindekirchenrat. Mit nur einer halben Sozialarbeiterstelle wie bisher wolle die Ge­ meinde die Verantwortung nicht mehr tragen. Beim Runden Tisch Leopoldplatz stieß diese Reaktion auf Verständnis, obwohl die anwe­ senden Vertreter der »Szene« definitiv unglücklich über diese Ent­ scheidung waren: »Knorke war zuletzt immer voll, da kamen rund 50 Leute am Tag. Jetzt waren da zwei Würmer im Apfel«, meinte Mi­ chael Fass, der in dem Projekt bis dahin mit großem Engagement auf einer MAE-Stelle des Jobcenters arbeitete, »und man schmeißt gleich den ganzen Apfel weg!« Die Razzia habe nicht wegen ein paar Joints stattgefunden, entgegnete die Vertreterin des Polizeiabschnitts 35, sondern sei aufgrund von eindeutigen Ermittlungsergebnissen not­ wendig geworden. In den Monaten zuvor, auch das war am Runden Tisch deutlich geworden, hatten »Szene« und Polizei miteinander kooperiert, wenn es zum Beispiel darum ging, den Missbrauch der Toiletten am »Aufenthaltsbereich« auf dem Leo durch Dealer und Drogenabhängige zu bekämpfen. Umso erschütterter war man am Runden Tisch über die neuesten Entwicklungen. Denn diese gehen einher mit einer Reduzierung der Straßensozial­ arbeit, die bislang vom »Team Leo« des Vereins für Straßensozial­ arbeit Gangway e.V. betrieben wird. Statt bislang zwei Mitarbeitern kann sich jetzt nur noch einer um die Szene vor Ort kümmern – und das auch nur noch mit reduzierter Stundenzahl. Im August läuft das

Projekt ganz aus. Es wird bislang ausschließlich aus Mitteln des Städte­ auförderprogramms »Aktive Zentren« finanziert und klebt b daher sozusagen an der baulichen Neugestaltung des Leopoldplatzes, die inzwischen aber abgeschlossen ist. Obwohl die zeitliche Begren­ zung der Finanzierung von Anfang an bekannt war, wurde bisher je­ doch noch keine alternative Finanzierungsmöglichkeit gefunden. Die sozialen Problemlagen am Leo verschärfen sich unterdessen aber eher noch: Mit den Mieten steigt auch die Anzahl derjenigen, die in prekären Wohnverhältnissen leben oder sogar ganz in die Obdach­ losigkeit abgleiten. Und mit der neuen Freizügigkeit für die Bürger südosteuropäischer EU-Länder sammeln sich auch am Leopoldplatz zunehmend internationale Armutsmigranten, was natürlich zu im­ mer neuen Konflikten führt. Die Schließung des Trinkraums Knorke zeigt unmittelbar Auswir­ kungen. »Wir merken auf dem Markt ganz deutlich, dass der Trink­ raum jetzt zu ist,« erzählt uns die Marktleiterin vom Leopoldplatz, Silvia Hintsche, die auch im Gemeindekirchenrat aktiv ist: »Jetzt haben wir hier ständig auch größere Gruppen von vielleicht 20 Per­ sonen. Wenn das so weiter geht, funktioniert der Markt auch ökono­ misch nicht mehr, denn dann bräuchten wir zusätzliches Personal für die Platzaufsicht, was aus unseren Einnahmen aber nicht zu fi ­ nanzieren ist.« Auch der Bezirksbürgermeister von Mitte, Dr. Christian Hanke, der in der Nachbarschaft des Leopoldplatzes wohnt, wurde von der Nachricht über den Trinkraum Knorke vollkommen überrascht: »Ich sehe keine Chance, dass der Bezirk Mittel für dieses kirchliche Pro­ jekt bereitstellen kann, obwohl ich es unterstütze. Ich wäre ja schon sehr froh, wenn es uns gelänge, in den Beratungen in diesem Jahr für den Doppelhaushalt 2016 / 2017 einen Titel für Straßensozialarbeit wie die des ›Team Leo‹ aufzustellen. Aber auch das ist keineswegs sicher und würde auch frühestens im nächsten Jahr wirksam wer­ den.« cs

Markt der Kulturen

An jedem Donnerstag findet vor der Alten Nazarethkirche ab 10 Uhr ein »Markt der Kulturen« statt. Dort können Anwohner und Initiativen ohne Standgebühr z. B. selbstangefertigte Produkte anbieten. Ab Ende April steht der Markt unter dem Motto »Kultur und Handwerk«. Wer Interesse an einer Teilnahme hat, kann sich bei Sylvia Hintsche (B-B-M Veranstaltungs- und Service GmbH), Telefon (0172) 188 31 57 oder unter info@bbm-maerkte.de anmelden.

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Ch. Eckelt

Bilderrätsel: Gewinner gesucht!

Termine

Kippt der Leo wieder?

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Unfall­ brennpunkt M ­ üllerstraße
Die Kreuzung Seestraße und die am Leopoldplatz sind besonders gefährlich
Ch. Eckelt

Welchen Wohnungsneubau braucht Berlin?
Stadtforum Berlin am 15. April 2015
Immer mehr Menschen ziehen in die Großstädte, auch und vor allem nach Berlin. Doch die damit verbundenen kommunalen Aufgaben wurden in den letzten 20 Jahren im Zuge »freier Märkte«, Privatisie­ rungen und vermeintlicher Liberalisierungen stark vernachlässigt: Berlin braucht mehr Wohnraum, und zwar nicht nur teure Eigen­ tumswohnungen, sondern vor allem bezahlbare und auch Sozial­ wohnungen, mehr soziale Infrastruktur, moderne Mobilitätsange­ bote und auch eine Neuordnung von Grün- und Freiräumen. Berlin ist eine der grünsten und am wenigsten verdichteten Metropolen der Welt. Doch der Wohnungsmarkt ist angespannt. Erschwingliche Wohnun­ gen sind knapp, auch in der äußeren Stadt steigen die Preise und die Nachfrage, die Verkaufspreise für bebaute und unbebaute Grund­ stücke gehen in ganz Berlin geradezu durch die Decke (siehe auch S. 7). Doch gleichzeitig mehren sich Proteste, wenn sich in unmittel­ barer Nachbarschaft durch notwendigen Wohnungsneubau Verände­ rungen ankündigen. Bezahlbarer Neubau – unbedingt! Aber nicht in meiner Nähe! Diese Haltung ist derzeit oft zu spüren, doch müssen Grün- und Freiräume und Wohnungsneubau wirklich ein Gegensatz sein? Solche Themen werden in der Stadt kontrovers diskutiert. Mit der »BerlinStrategie Stadtentwicklungskonzept Berlin 2030« des Senats liegt inzwischen ein »Leitbild für die wachsende Stadt« vor, das seit zwei Jahren auf dem öffentlichen »Stadtforum Berlin« diskutiert

Die Müllerstraße ist gefährlich, insbesondere an der Kreuzung Müller- / Seestraße kommt es immer wieder zu Unfällen mit Personenschäden. Sie ist eine der gefährlichsten Kreuzungen Berlins. Aber auch die Kreuzung mit der Schul- / Luxemburger Straße hat es in sich. Hier wurden im vergangenen Jahr besonders viele Unfälle mit Fußgängern registriert.
In jedem Jahr veröffentlicht die Berliner Polizei »Zahlen, Daten und Fakten zur Verkehrsicherheitslage« in Berlin. Darin wertet sie die Unfallstatistik des Vorjahres aus. Teil dieser Statistik ist auch eine Berliner »Top Ten« der Unfallhäufungspunkte mit Personenschäden. Nahezu regelmäßig findet sich darunter auch die Kreuzung See­ straße / Müllerstraße: im Jahr 2014 etwa mit 24 Unfällen und 30 Ver­ letzten auf Platz 4, im Jahr 2013 mit 24 Unfällen und 24 Verletzten auf Platz 3.

Polizei über die Verkehrssicherheitslage gebracht – zwar nicht unter die »Top Ten«, aber dennoch auf die Karte, auf der besondere Unfall­ schwerpunkte für Fußgänger markiert sind. In ganz Berlin wurden dabei insgesamt sieben Kreuzungen als besonders gefährlich heraus­ gehoben, mit vier leichtverletzten und einem schwerverletzten Fuß­ gänger im Jahr 2014 gehört die Kreuzung am U-Bahnhof Leopold­ platz dazu. Auch hier überqueren viele U-Bahn-Fahrgäste die Straße, weil die U6 an getrennten Bahnsteigen hält und es schneller geht, oberirdisch die Straße zu überqueren als unterirdisch den Umweg über den Bahnhof der U9 zu nehmen. Möglicherweise hat aber auch die Attraktivitätssteigerung des Leopoldplatzes damit zu tun, die nach dem Abschluss der Bauarbeiten im vergangenen Sommer offen­ sichtlich wurde.

wird. Das »Stadtforum« ( Anfang der 1990er als öffentliches Debat­ tenforum installiert und Ende der 1990er Jahre durch den SPD-­ Senator Strieder und den damaligen Senatsbaudirektor Stimmann geradezu abgewürgt), wurde vom ehemaligen Stadtentwicklungs­ senator und jetzigen Bürgermeister Michael Müller in den letzten Jahren wiederbelebt. Der neue Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, Andreas Geisel, will den öffentlichen Diskurs fortführen und gesamtstädtische The­ men debattieren. Das nächste Stadtforum Berlin bietet dazu eine öf­ fentliche Plattform: am 15. April geht es um das Thema »Welchen Wohnungsneubau braucht Berlin?« 
 Ziel des Stadtforums ist es, der Berliner Neubaudebatte Impulse zu geben. Wie und wo wollen wir wohnen, welche Formen des Woh­ nungsneubaus braucht Berlin? Wie muss sich die stadtgesellschaftli­ che Haltung zum Wohnungsneubau in einer wachsenden Metropole weiterentwickeln, wie kann man immobilienwirtschaftliches Han­ deln mit gemeinwohlorientierten Zielen in Einklang bringen? Die zentrale Frage der Debatte ist: »Wohnen im Wandel: Sind wir zu Veränderungen in der Nachbarschaft bereit?« Es diskutieren: die Berlinerinnen und Berliner, Stadtpolitiker, Wissenschaftler, Immobi­ lienwirtschaftler, städtische Initiativen. us Unter www.berlin.de /stadtforum kann man sich bereits jetzt in die Debatte einbringen. Hier sind auch die genauen Informationen zum Programm am 15. April erhältlich. Die Teilnahme am Stadtforum ist kostenlos. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Mittwoch, 15. April, 18–20.30 Uhr
Ort: Tempodrom, Kleine Arena, Möckernstraße 10, 10963 Berlin

Stadtteilvertretung mensch.müller fordert neue Ampel
In diesem Zusammenhang wird auch die Forderung der Stadtteilver­ tretung mensch.müller nach einer Fußgängerampel über die Müller­ straße auf Höhe der Nazarethkirchstraße wieder aktuell. Bislang hat­ te die für Hauptverkehrsstraßen zuständige Verkehrslenkung Berlin (VLB) alle entsprechenden Vorschläge abgeblockt, weil hier keine besondere Gefahrenstelle vorhanden sei und der überörtliche Ver­ kehrsfluss nicht gestört werden solle. Die Stadtteilvertretung dage­ gen argumentierte mit der in Zukunft zu erwartenden Entwicklung: Wenn in diesem Frühsommer die neue Bibliothek und das Jobcenter eröffnen, wird noch mehr Fußgängerverkehr entstehen. Wenn zu­ dem die Umgestaltung des Rathausplatzes abgeschlossen und damit städtebaulich ein Doppelplatz (Leopold- und Rathausplatz) geschaf­ fen ist, der auch die Beuth-Hochschule stärker an die Müllerstraße anbindet, wird zwischen den beiden Plätzen auch der Fußgängerver­ kehr über die Müllerstraße zunehmen. Zumal ja auch viele die BusEndhaltestelle gegenüber dem Rathausplatz nutzen. Man könnte allerdings eine neue Fußgängerampel auch in der Flucht der Limburger Straße anlegen, also einige Meter von der Nazareth­ kirchstraße weg in Richtung Seestraße. Dann läge sie von der Kreu­ zung Schul- / Luxemburger Straße ungefähr genauso weit entfernt, wie die nächste Ampelanlage in Gegenrichtung an der Ecke Müllerund Antonstraße. Das Zentrum der Geschäftsstraße zwischen Leo­ poldplatz und Seestraße, wo sich die meisten und größten Geschäfte befinden, würde zugleich gestärkt: Die Stadtteilvertretung jedenfalls wird an ihrer Forderung wohl hartnäckig festhalten.  cs

Bildecke

Fußgänger und Radfahrer besonders gefährdet
Besonders gefährdet sind an dieser Stelle Fußgänger und Radfahrer. In der Unfallstatistik 2013 des zuständigen Polizeiabschnitts 35 wa­ ren nirgendwo sonst so viele Fußgänger in Unfälle verwickelt wie an dieser Kreuzung. Bei den Radfahrern taucht sie knapp hinter der Müllerstraße (ohne ihre Kreuzungsbereiche) auf Platz 2 auf. Die Kreuzung der Hauptverkehrsachse zwischen Mitte und Tegel sowie des Autobahnzubringers ist vom motorisierten Verkehr stark fre­ quentiert. Und besonders viele Fußgänger nutzen sie, weil vom UBahnhof Seestraße kein direkter Zugang zur Straßenbahnhaltestelle an der Seestraße besteht und alle, die hier umsteigen, mindestens eine Fahrbahn überqueren müssen. Wenn die Straßenbahn schon an der Haltestelle steht, scheinen viele nicht mehr auf die Ampeln zu achten. Die BVG will den U-Bahnhof demnächst zwar barrierefrei ausbauen und mit zwei Fahrstühlen aufrüsten, ein unterirdischer Verbindungsgang zur Straßenbahn ist aber nicht geplant. Auch die Überquerung der überbreiten Seestraße ist gefährlich: Viele Fußgän­ ger und Radfahrer achten in der Hektik nicht auf die nahezu ge­ räuschlos heran gleitende Straßenbahn auf dem breiten, begrünten Mittelstreifen. Auf der Verkehrsachse Seestraße – Osloer Straße kam es deshalb in den vergangenen Jahren immer wieder auch zu tödli­ chen Unfällen. Auch die Kreuzung der Müllerstraße mit der Schulstraße und der Lu­ xemburger Straße hat es in diesem Jahr in den Bericht der Berliner

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Ch. Eckelt

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Ohne Förderung nur Notbetrieb
Tag der Städtebauförderung am 9. Mai
Keine Bänke und kein Wasserspiel auf dem neuen Leopoldplatz, kein Bibliotheksneubau an der Müllerstraße. Kein neugestalteter Otto­ park mit Spielplätzen in Moabit, kein Stadtgarten Moabit, kein SportPark Poststadion. – Ohne Städtebaufördermittel ginge in vielen Kommunen, angesichts der äußerst knappen regulären Haushalte, eigentlich nur noch das Allernotwendigste: gesetzliche Pflichtaufga­ ben wie die Auszahlung von Wohngeld, die Erhaltung kommunalen Schulbetriebs und öffentlicher Einrichtungen. Die Berliner Bezirke sind besonders überlastet: Die Kosten der Wiedervereinigung und Hauptstadtplanung, der Berliner Bankenskandal, der Schuldenberg, die wachsenden Sozialausgaben angesichts galoppierender Arbeits­ losigkeit bekamen vor allem die Berliner Bezirke zu spüren. Insbesondere Großstädte sind im steten Wandel und müssen darauf reagieren. Hätten Bund, Länder und EU nicht diverse Förderpro­ gramme für Städte und Gemeinden aufgelegt, wären viele Investiti­ onsvorhaben zur Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur nur Träume geblieben: umfassendere Kita- und Schulsanierungen, Ver­ kehrsberuhigungsmaßnahmen, die Erneuerung von Grün- und Frei­ flächen, die Unterstützung von Geschäftsstraßen oder auch sozialer Projekte. Die Förderprogramme heißen u.a. »Soziale Stadt«, »Stadtumbau (Ost und West)«, »Aktive Zentren« oder »Städtebaulicher Denkmal­ schutz«. Um diese Förderungen in Anspruch nehmen zu können, melden Gemeinden wie die Berliner Bezirke für besonders bedürfti­ ge Quartiere Finanzierungsbedarf an. Dann entscheiden Land und Bund, welche Gebiete wie und mit welchen Summen gefördert wer­ den. Berlin hat derzeit insgesamt 64 Fördergebiete, in denen ca. eine Million Menschen leben. Das sind u.a. 34 Gebiete im Programm »So­ ziale Stadt« (Quartiersmanagementgebiete, acht befinden sich im Bezirk Mitte), acht Gebiete im Städtebaulichen Denkmalschutz (dar­ unter auch die Nördliche Luisenstadt), 15 Gebiete des »Stadtumbau (West und Ost)«, sechs »Aktive Zentren« (darunter die Moabiter Turmstraße und die Müllerstraße im Wedding).
Ch. Eckelt

Für die Städtebauförderung werden allein in Berlin im Jahr 2015 ins­ gesamt mehr als 107 Millionen Euro inklusive der Mittel des Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) bereitgestellt. Davon steuert das Land Berlin rund 66 Millionen Euro bei. Eine wichtige Rolle bei der Städtebauförderung hat die Beteiligung der Bewohner, die bei Neu­ gestaltungsmaßnahmen einbezogen werden. Um die Bürger besser über die Projekte zu informieren, findet am 9. Mai zum ersten Mal der ab sofort jährlich geplante bundesweite »Tag der Städtebauförderung« statt. Damit sollen kommunale Projekte der Städtebauförderung der Öffentlichkeit präsentiert werden, um zu zeigen, wofür die Mittel eingesetzt werden und wie die Bürger­ beteiligung gestärkt werden soll. Der Aktionstag ist eine gemeinsame Initiative von Bund, Ländern, Deutschem Städtetag sowie Deut­ schem Städte- und Gemeindebund. Auch der Bezirk Mitte beteiligt sich mit vielfältigen öffentlichen A ­ ktivitäten: So wird am 9. Mai um 11 Uhr in Moabit der historische Senkgarten samt Wasserspiel als Teil eines weiteren Bauabschnitts im neugestalteten Kleinen Tiergarten an der Turm- / Ecke Stromstra­ ße feierlich eingeweiht, außerdem gibt es Führungen durch das Gar­ tendenkmal. Der Kleine Tiergarten gehört zu den Förderprojekten im »Aktiven Zentrum Turmstraße«, eines von mehreren Förderge­ bieten im Bezirk Mitte. Außerdem stellen eine Initiative von Gewer­ betreibenden der Turmstraße und das Geschäftsstraßenmanagement ihre Aktivitäten öffentlich vor: ab 11 Uhr verteilen sie an einem Stand neben dem »Café am Park« (Stromstraße) kleine Frühlingsüber­ raschungen und geben über die geplanten Aktionen in diesem Jahr Auskunft. Im Wedding stehen am 9. Mai die Neugestaltung des Rathausvor­ platzes mit erstem Spatenstich, der Neubau der Schiller-Bibliothek sowie der Umbau des Zeppelinplatzes im Mittelpunkt. Neben der Vorstellung konkreter Fördervorhaben soll vor allem das Engage­ ment von Bürgern – wie in der Stadtteilvertretung mensch.müller oder der Bürgerinitiative Brüsseler Kiez – gewürdigt werden. In der Nördlichen Luisenstadt wiederum, dem Sanierungsgebiet an der Grenze zu Kreuzberg, fließen vor allem Fördermittel aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz in öffentliche Vorhaben. Eines der wichtigsten davon ist die langfristige Gestaltung eines öf­ fentlichen Uferwegs. Dazu fanden bereits mehrere Veranstaltungen statt. Für den 9. Mai ist ein öffentlicher Workshop zur Spreeuferge­ staltung geplant. Ort und Zeit standen bei Redaktionsschluss noch nicht fest, werden aber auf der Website www.luisenstadt-mitte.de veröffentlicht. Auch die Quartiersmanagement- und die Stadtumbaugebiete im Be­ zirk Mitte organisieren zahlreiche interessante Veranstaltungen. Der Bezirk lässt dazu mehrere Informationsblätter erarbeiten, die über die einzelnen Gebiete und Projekte informieren werden. us Das gesamte Veranstaltungsprogramm für den 9. Mai wird auch auf dieser Website veröffentlicht: www.tag-der-staedtebaufoerderung.de

Fünfjahreszeitraum um 53 bis 57 %. Eine Ausnahme bildet dabei der Stephankiez (PLZ 10559), in dem die Angebotspreise in diesem Zeit­ raum sogar um 82 % zulegten. Im »Wohnmarktreport 2015« wird der Bereich deshalb als »aufstrebendes Innenstadtquartier« bezeichnet. Rund um das »Aktive Zentrum Müllerstraße« sind die verlangten Mietpreise für Neuvermietungen in den letzten fünf Jahren um 56–58 % gestiegen, inzwischen werden dort durchschnittlich zwi­ schen 7,96 Euro /qm (Afrikanisches Viertel, Rehberge, PLZ 13351) und 8,26 Euro /qm (Brüsseler und Sprengelkiez, PLZ 13355) verlangt. Die Ausnahme bildet dort die Gegend um den Schillerpark (PLZ 13349). Hier stiegen die geforderten Neumieten im Fünfjahresraum »nur« um 45,2 % auf inzwischen 7,26 Euro. Der Wohnmarktreport verweist hier wohl zutreffend auf die Belastung durch Fluglärm.

Ch. Eckelt

Immobilienpreise gehen durch die Decke

Immobilienmarkt a ­ ußer Rand und Band
In den »Randlagen« des Bezirks Mitte steigen die Angebotsmieten rasant ­
Die »Mietenbremse« kommt für den Bezirk Mitte garantiert nicht zu früh. Denn hier stiegen die bei Neuvermietung geforderten Mietbe­ träge auch im vergangenen Jahr besonders stark – wenn auch nicht überall. Gleichzeitig explodierten die Grundstückspreise in Berlin: die Bodenwerte stiegen innerhalb eines Jahres um rund ein Drittel. Dennoch machten die Makler keine Rekordgewinne.
Im Februar oder März jedes Jahres erscheint der »Wohnmarktreport Berlin« des internationalen Immobiliendienstleisters »CBRE«. Dort werden in einem »Wohnkostenatlas« die in den ersten drei Quarta­ len des vergangenen Jahres z.B. in Zeitungsinseraten oder im Inter­ net öffentlich gewordenen Mietangebote aufgeschlüsselt und bezo­ gen auf die Berliner Postleitzahlgebiete ausgewertet. Insgesamt stie­ gen demnach die geforderten Mieten in Berlin im vergangenen Jahr durchschnittlich um 4,1 % auf 8,55 Euro nettokalt pro Quadratmeter, im Bezirk Mitte jedoch um durchschnittlich 8,9 % auf 10 Euro /qm. Zum Stillstand gekommen ist dabei jedoch die Mietsteigerung in den teuersten Bereichen des Altbezirks Mitte. In der Gegend um den Hackeschen Markt zum Beispiel sank der Mittelwert sogar leicht auf 12,50 Euro /qm. In den sogenannten«Randlagen« des Bezirks stiegen sie dafür umso rasanter.

Mietangebote mehr als 50% teurer als 2009
Das gilt auch für die Nördliche Luisenstadt (Heinrich-Heine-Straße / Köpenicker Straße, PLZ 10179). Hier stiegen die geforderten Ange­ botsmieten um 8,4% auf inzwischen 10,84 Euro /qm. Vergleicht man die Angebote von 2014 mit denen von 2009 (durchschnittlich 7,14 Euro /qm), dann ergibt sich sogar eine erschreckende Steigerung von 52 % innerhalb von nur fünf Jahren. Das ist in Moabit und im Wedding ähnlich: Im und um das »Aktive Zentrum Turmstraße« werden inzwischen durchschnittlich zwischen 8,15 (Beusselkiez, PLZ 10553) und 9,73 Euro /qm nettokalt (Haupt­ bahnhof, PLZ 10557) verlangt. Hier stiegen die Angebotsmieten im

Begleitet wurden die starken Mietsteigerungen durch eine sogar noch rasantere Steigerung der Immobilienpreise. So stiegen die An­ gebotspreise für Mehrfamilienhäuser im Bezirk Mitte allein im ver­ gangenen Jahr um 24,3 %, in den letzten fünf Jahren zusammen sogar um 82,3 %. Hier spielt natürlich die »Flucht ins Betongold« eine R ­ olle, zumal die Zinsen für Immobilienkredite extrem niedrig sind. Immobilien gelten als »sichere« Anlageform, allerdings drohen bei derart rasanten Preissteigerungen natürlich auch Preisblasen, die, wenn sie wie etwa in Spanien im Jahr 2008 platzen, ganze Volkswirt­ schaften tief in die Krise stürzen können. In Berlin konnte man im vergangenen Jahr zudem beobachten, dass trotz dieser rasanten Preissteigerungen die Umsätze der Immobilien­ makler insgesamt zurückgingen. Es wurden nämlich wesentlich we­ niger Objekte verkauft als noch im Vorjahr. Vor allem bei Grund­ stücken gingen die Verkäufe drastisch zurück – bei mit Wohn- und Geschäftshäusern bebauten um 32 %, bei Eigentumswohnungen deutlich weniger stark um 10 %, wie die »vorläufige Marktanalyse« des Gutachterausschusses für Grundstückswerte in Berlin zeigt. Besonders drastisch war der Rückgang aber bei unbebauten Grund­ stücken: Hier sank die verkaufte Gesamtfläche gar um 37 %, obwohl die tatsächlich gezahlten Preise um fast ein Drittel stiegen. Offenbar behalten viele Eigentümer ihr Grundstücke lieber noch, weil sie in Zukunft auf noch deutlich höhere Preise spekulieren. Infolgedessen steigen die Bodenrichtwerte in Berlin extrem. Diese werden vom Gutachterausschuss festgelegt, dem sämtliche Immobi­ lienverkäufe gemeldet werden. Aus diesen Preisen errechnen die Gutachter den hypothetischen Wert der Grundstücke ohne die ­ arauf d errichteten Gebäude und veröffentlicht in jedem Jahr eine aktuali­ sierte Karte. Die aktueller (Stand 1. 1. 2015) verzeichnet zum Beispiel in der Gegend um das Aktive Zentrum Turmstraße herum eine Stei­ gerung um ca 27,5 % gegenüber dem 1. 1. 2014, um die Müllerstraße herum um 35 % und in der nördlichen Luisenstadt sogar um 40 %. Das sind extreme Ausschläge, die dringend politischer Gegensteue­ rung bedürfen. cs Quellen: Wohnmarktreport 2015: www.berlinhyp.de / fileadmin/user_ upload /2015_WMR_DE_WWW_20150114.pdf Wohnmarktreport 2007–2014: www.gsw.de /unternehmen /wohnmarktreport Marktanalyse Gutachterausschuss: www.berlin.de /gutachterausschuss /marktinformationen /marktanalyse Bodenrichtwerte Berlin: fbinter.stadt-berlin.de / boris

Auch der Moabiter Ottopark wurde aus Städtebauförderungsmitteln neu gestaltet.

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Die kommunalen Galerien der Berliner B ­ ezirke kämpfen um ihre Existenz – mit Erfolg

Kaum jemand weiß das: Kommunale Galerien gibt es in Berlin bereits seit 1948. Es sind Orte, die von den Bezirken betrieben und finanziert werden, um nichtkommerzielle Räume für Kunst unterschiedlichster Art zu schaffen. Sie stehen damit nicht unter dem Verwertungsdruck des Kunstmarkts und bieten Raum für Experimente, für die Förderung noch unbekannter Künstler, auch für regionale städtische und soziale Themen, für kulturelle Bildung – und vor allem für ein sehr heterogenes Publikum: Weil es keine elitären, »exklusiven« Orte sind, sondern weil sich hier viele begegnen und miteinander kommunizieren können.
Doch spätestens seit Ende der 90er Jahre standen auch die kommu­ nalen Kultureinrichtungen unter immer größerem Druck: Grund waren zum einen die Kürzungs- und Sparhaushalte, die der Senat den Bezirken vorgab. Zum anderen verließ sich der damalige Kultursenat eher auf den » freien Markt«: Angesichts der explodierenden neuen Berliner Kunstszene mit privaten Galerien und freien Kulturprojek­ ten insbesondere in der Innenstadt fand man Kommunalkultur wohl zu wenig spektakulär und verzichtbar. Die Bezirke wiederum, unter Kürzungsdiktat gestellt, hatten meist nur noch wenige Möglichkei­ ten, Ausgaben einzusparen: Und da Kultur nicht zu den kommunalen Pflichtaufgaben gehört (wie Sozialhilfe oder Wohngeld), wurden hier immer mehr Mittel gekürzt. In der Folge wurden reihenweise kom­ munale Einrichtungen geschlossen oder Galerien aus Mietobjekten erst umgesiedelt, um sie anschließend auch zu schließen (wie bei­ spielsweise die »Galerie am Scheunenviertel« im Bezirk Mitte). Übersehen wurde dabei auch noch, dass die bezirkliche Förderung freier Kulturprojekte – die gerade in den Ostbezirken nach der Wen­ de aufblühten – völlig unter die Räder kam. Beispielhaft dafür war das »Büro für dezentrale Kulturarbeit Mitte«, das zum bezirklichen Kulturamt gehörte und sich gut vernetzt um die Förderung freier Künstler und Projekte kümmerte: mit Kontakten u.a. zum Atelierbe­ auftragten, mit Beratung zu Räumen, zu Stipendien und Förderpro­ grammen sowie dem dezentralen Kulturfonds, ein Fördertopf für die freie Kultur, der aber immer mehr eingedampft wurde. So brachte der Senat selbst einen wesentlichen Anziehungsfaktor, auf den er doch stolz verwies – die freie Kunstszene– in Not. Von Senatsseite wurden nun lieber Modemessen und Clubs gepriesen. Nicht nur in Mitte ist die Bilanz für die kommunale Kultur bitter: der Bezirk mit über 300.000 Menschen und zahlreichen Ortsteilen hat Großstadtdimension und verfügt nur noch über drei kommunale Ga­ lerien; in anderen Bezirken sieht es nicht besser aus. In ganz Berlin mit inzwischen fast 4 Millionen Einwohnern gibt es noch 29 kommu­ nale Galerien – und es drohten weitere Schließungen: in Lichten­ berg, Pankow, Mitte. Deshalb gingen die 29 Galerien im letzten Jahr in die Offensive und schlossen sich zum Verbund »Kommunale Galerien Berlin« zusam­ men (kurz: KGB, nicht ohne ironischen Unterton). Erstmals seit i ­ hrer Gründung 1948 organisierten sie eine gemeinsame Aktion: Eine KGB-Kunstwoche, die im September 2014 parallel zur interna­ tionalen Kunstmesse »Berlin Art Week« stattfand, zeigte die Vielfalt, die Kommunalkultur bietet – quer durch alle künstlerischen Genres.

Zahlen können dies schlecht ausdrücken, dennoch: Innerhalb einer Woche beteiligten sich 278 Künstlerinnen und Künstler, gab es 28 Ausstellungen, 27 Rundgänge, 42 Veranstaltungen (u.a. Workshops, Konzerte, Diskussionsveranstaltungen), mehrere Projekte im öffent­ lichen Raum. Vier Bustouren führten zu allen kommunalen Kunst­ orten – auch Tim Renner, seit April 2014 neuer Kulturstaatssekretär des Senats, war mit an Bord. Seitdem scheint auch politisch etwas Einsicht einzukehren: So hat der Senat einen Ausstellungsfonds für kommunale Galerien ein­ gerichtet, mit 350.000 Euro. Das sind für jeden Bezirk im Großstadt­ format nicht viel mehr als 25.000 Euro pro Jahr, ein Tropfen auf den heißen Stein, aber immerhin ... Zusätzlich soll es künftig ein kleines Finanztöpfchen für gemeinsame Aktionen der Kommunalkultur zur jährlichen »Berlin Art Week« geben. In Mitte hat auch der Galerieleiter Ralf Hartmann, einer der »Übrig­ gebliebenen«, der seit vielen Jahren die »Galerie Nord« in der Turm­ straße 75 leitet, einiges mitmachen müssen: Umzüge, ständiger Kampf um die Existenz der Galerie, Gründung des Kunstvereins Tier­ garten, um nicht ausschließlich von Bezirksfinanzen abhängig zu sein, neben dem laufenden Ausstellungsbetrieb regelmäßig zahlrei­ che große Kunstaktionen im Gebiet für Moabiter (und viele andere Interessierte), mit Moabiter Künstlern. Nachdem die jahrelange Basisfinanzierung durch Moabiter Quartiers­ managements plötzlich beendet wurde, sprang nun endlich der Bezirk ein. Die politische Entscheidung des Bezirksamts und der Bezirks­ verordnetenversammlung war einhellig: Das jährliche Moabiter Kunstfestival »Ortstermin« müsse gerettet und langfristig gesichert werden. Fürs erste konnte in diesem Jahr die Grundfinanzierung ge­ sichert werden; überlegt wird nun, eine Sockelfinanzierung fest im Bezirksetat einzuplanen. Für eine Neubelebung der kommunalen Kulturarbeit steht auch eine neue Besetzung im Bezirksamt Mitte: Kulturstadträtin Sabine Weißler (Bündnis 90 / Grüne) und ihr neu aufgestelltes »Amt für Weiterbildung und Kultur« (Ute Müller-Tischler als Amtsleiterin und andere) sorgen für frischen Wind und fördern neue Konzepte. So wie in der »Galerie Wedding«, die jahrelang am Rathaus Wedding vor sich hindümpelte, als »interkulturelle Galerie« in schönster Lage, nur leider langweilig bespielt und weitgehend besucherfrei. Jedes Mal tat einem das Herz weh, wenn man an diesem schönen, aber untergenutzten Ort vorbeiging. – Bis das Kulturamt ein neues, inter­ national besetztes Kuratorenkonzept umsetzte, mit einem afrika­ nisch-dänischen Team für das Jahr 2015. Auch Ralf Hartmann, der zu einer der ersten Vernissagen kam, war begeistert: »Der Laden war voll und brummte plötzlich!« us

Ch. Eckelt

Keine Partys im ­ rematorium K
Im Sommer eröffnet das »silent green K ­ ulturquartier«
Es wird noch gewerkelt im ehemaligen Krematorium Gerichtstraße. Im Restaurant etwa, das im Sommer eröffnet, oder an den Ateliers, die in einem Nebengebäude entstehen. Aber vieles ist bereits in einem gebrauchsfähigen Zustand. So führte das Quartiersmanagement Pank­ straße unlängst einen Workshop in der großen »Kuppelhalle« durch. Für Konzerte wird noch an der Akustik gearbeitet, bis zum Sommer soll sie mit etlichen Tricks verbessert werden.
Dort werden dann Konzerte, Lesungen, Workshops, Performances und Ausstellungen stattfinden, »aber keine Partys!«, wie Jörg Heit­ mann, der Geschäftsführer und Miteigentümer von »silent green«, versichert: »Wir befinden uns mitten in einem Wohngebiet, auf die Nachbarn hier werden wir deshalb besondere Rücksicht nehmen.« Konzerte werden deshalb bis 22 Uhr beendet – wenn Gäste dennoch länger bleiben, werden sie über einen Hinterausgang zur Plantagen­ straße entlassen: »Das Gittertor zur Gerichtstraße bleibt dann zu, im Garten wird sich dann auch in warmen Sommernächten keiner mehr aufhalten!«

Ch. Eckelt

KGB in der Offensive

teilweise für Kunstausstellungen zur Verfügung stehen wird, fanden sich bei der Renovierung unter Styroporplatten schier endlose Rei­ hen von Kolumbarien. Unter der Erde liegt auch die riesige »Betonhalle«, die hier Ende der 1990er Jahre errichtet wurde. Das alte Krematorium wurde damals für mehr als 20 Millionen DM modernisiert und zu einem HighTech-Krematorium ausgebaut, in dem bis zu 817 Leichen kühl gela­ gert werden konnten und wo auch die Gerichtsmedizin unterge­ bracht war. Allerdings entstand 1999 für noch mehr Geld das neue Krematorium am Baumschulenweg in Köpenick, geplant vom Star­ architekten Axel Schultes (u.a. Bundeskanzleramt). Das wurde da­ mals per Leasing finanziert, im sogenannten »Public Private Partner­ ship«, und muss noch bis zum Jahr 2029 von Berlin mit jährlichen 2,5 Mio. Euro abbezahlt werden. Die Preise für die Einäscherungen waren entsprechend hoch, im Berliner Umland waren sie deutlich günstiger. So sank die Nachfrage bei den städtischen Krematorien Berlins drastisch – das frisch modernisierte Weddinger Krematorium wurde nach nur sechs Monaten Betrieb im Jahr 2002 geschlossen. Seitdem stand es leer, ein schwerer Schlag auch für die lokale Ökono­ mie rund um den Nettelbeckplatz: vor allem die Gastronomie litt fortan unter den wegbleibenden Kunden. Im Jahr 2013 wurde das Ge­ lände schließlich verkauft – an Jörg Heitmann und seine Partner. Ei­ nen Teil der Grundstücksfläche veräußerten sie weiter, die räumlich abgetrennte »Westhalle« zum Beispiel an den Galeristen Patrick Ebensperger oder das Gelände der ehemaligen Friedhofsgärtnerei, auf dem derzeit eine Wohnanlage mit 15 Wohnungen entsteht. Auf diese Weise floss auch dringend benötigtes Kapital in das Projekt, mit dem die Sanierungsarbeiten und denkmalgerechten Umbauten finan­ ziert werden konnten.

Gut vernetzt in der Kulturszene
Jörg Heitmann und seine Partnerin Bettina Ellerkamp bringen dabei reichlich Erfahrung in der kulturellen Projektentwicklung mit. An­ fang der 1990er Jahre waren Heitmann und Ellerkamp an der Grün­ dung des »Interdisziplinären Kunst- und Kulturvereins BOTSCHAFT e.V.« beteiligt, dessen Klub »Friseur« damals in Berlin-Mitte Kult­ status genoss. Später produzierten sie mit der Autorengruppe Dog­ film zusammen Filme. Jörg Heitmann war auch in der Entwicklung von Baudenkmalen aktiv, zum Beispiel dem Umbau eines ehemaligen Gasometers in der Kreuzberger Fichtestraße zu Loftwohnungen und einem Museum. Dass beide sowie die drei anderen Mitarbeiterinnen des Teams (Nadine Voss, Anne Drees, Ines Lauber) in der Berliner Kulturszene gut vernetzt sind zeigt die Liste der Mieter des Kultur­ quartiers, das »Musicboard Berlin« zum Beispiel, das im Auftrag des Senats die Popmusikszene der Stadt fördert, oder das Filmarchiv des Arsenal-Instituts für Film- und Videokunst. »Rund 80 bis 100 Leute aus dem Kulturbereich werden hier ihren Arbeitsplatz haben«, sagt Jörg Heitmann, »die Veranstaltungen, die wir hier durchführen wol­ len, sollen vor allem aus deren Umkreis organisiert werden.« Dabei grenzt er sich von der Clubszene ab: »Ich zähle jetzt auch schon 50 Jahre, da hat man es nicht mehr so mit Partys.« Statt dessen kann er sich gut Songwriter im »silent green« vorstellen, außerdem Jazz, mo­ derne Klassik, intelligente Popmusik und auch Ausstellungen im Be­ reich Bewegtbild. »Das wird hier kein zweites Stattbad, wir gehen in eine andere Richtung.« cs silent green Kulturquartier GmbH Gerichtstraße 35, 13347 Berlin Telefon (030) 46 06 73 24 www.silent-green.net

Kolumbarien und »Betonhalle«
Bei Heitmanns Führung spürt man, dass sein Verhältnis zum Krema­ torium weit über das eines normalen Projektentwicklers hinausgeht. Schon, wie er über die Geschichte des Bauwerkes redet und wie er dabei respektvoll das Wort »Kolumbarien« ausspricht: So nennt man die reihenweise übereinander angebrachten Nischen, in denen einst die Urnen aufbewahrt wurden, und die Räume, in denen diese N ­ ischenwände untergebracht sind. Das im Jahr 1912 als erstem Berli­ ner Krematorium auf dem damaligen städtischen Armenfriedhof er­ richteten Gebäude besteht im Grunde fast nur aus Kolumbarien, selbst in der zentralen achteckigen ehemaligen Trauerhalle reihen sie sich an den Wänden entlang. Lediglich die ehemaligen Brennkam­ mern und deren Vorraum kamen ohne sie aus. Auch im Keller, der

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Ch. Eckelt

Paten für Flüchtlinge gesucht
In der NachbarschaftsEtage Fabrik Osloer Straße werden an jedem Donnerstag von 13 bis 15 Uhr Patenschaften für Bewohner und B ­ ewohnerinnen aus den Weddinger Flüchtlingsunterkünften in der Gotenburger und Pankstraße vermittelt. Die Geflüchteten sind erst vor kurzem aus ihren Heimatländern nach Berlin gekommen und s ­ prechen kaum oder kein Deutsch. Deshalb werden vor allem Paten oder Patinnen mit guten Kenntnissen in Arabisch, Russisch, Türkisch, Albanisch oder Serbokroatisch gesucht. Kontakt: NachbarschaftsEtage Fabrik Osloer Straße e.V, Osloer Str. 12, Alte Werkstatt (EG) – Anna Asfandiar, Telefon: (030) 49 90 23 34.

Eckensteher

Ein Samstag im Wedding
Samstagvormittag klingelt das Telefon. Mein Kollege ist am Leopoldplatz und lädt mich auf den Markt ein. Der Tag ist sonnig und warm, die Stadt ruft. Mit Aussicht auf Be­ lohnung (»Dort gibt es auch Spielzeug!«) überrede ich meinen fünfjährigen Sohn, mich zu begleiten. Die Quittung besteht in einer Million Fragen, die mir auf dem Weg zum Leo gestellt werden. Klassiker wie: »Kannst du mich tragen?«, »Wann sind wir endlich da?« und »Darf ich mir ein kleines Spielzeug kaufen?« Schwerer zu beantwor­ ten: »Wieso stehen hier Leute und trinken Alkohol? Warum sitzt dort eine Frau mit Kind auf dem Bürgersteig und bittet um Geld?« Oder: »Ist die Person mit dem schwarzen Gewand ein Gespenst?« Am Leopoldplatz, auf dem Flohmarkt vor der Nazarethkirche, herrscht buntes Trei­ ben. Das Kind fordert seine Belohnung. Ich zerre es jedoch weiter Richtung Rathaus, zum Wochenmarkt auf der Genter Straße. Bereits von weitem sieht man viele Men­ schen zwischen eng gestellten Buden um­ herwuseln. Diplomatenautos bahnen sich ihren Weg Richtung Markt, Menschen jeder Hautfarbe schlängeln sich geduldig von Stand zu Stand. Ganz vorne gibt es Gözleme aus Moabit. Dahinter sticht eine große Fleischtheke ins Auge. Außerdem gibt es auch dampfende Maiskolben, Drachen­
Ch. Eckelt

Runder Tisch »Wedding hilft«
Der nächste Runde Tisch »Wedding hilft« findet am 21. April um 19 Uhr in der »Kulthalle« Prinzenallee 58 statt. Dort treffen sich ehrenamtliche Aktive, die ein nachbarschaftliches Unterstützungsnetzwerk für F ­ lüchtlinge im Wedding aufbauen. Näheres unter www.wedding-hilft.de

Kita-Eröffnung – mit Roland Kaiser
Kirchengemeinde sucht außerdem auch E ­ hrenamtliche für Seniorenbetreuung
Zurück an die Stätte seiner frühesten Kindheit kehrte der Schlager­ sänger Roland Kaiser am 23. März: Seine ersten Monate verbrachte das »Weddinger Urgestein«, wie er sich selbst bezeichnet, nämlich im Paul Gerhardt-Stift. Jetzt revanchiert er sich, indem er das Stift öffentlich unterstützt. Zur Einweihung der Kita überreichte er eine Musiktruhe mit vielen Instrumenten, die stellvertretend für die Kita der Kinderchor der Kirchgemeinde entgegen nahm. Die neue Kita der Gemeinde hat bereits ihren Betrieb aufgenommen, bei voller Kapazität werden hier bis zu 38 Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und sechs Jahren betreut, sie stammen aus Familien mit unterschiedlichsten kulturellen und religiösen Hintergründen. Der Ausbau der denkmalgeschützten ehemaligen Erste-Hilfe-Station im ersten Hof des Stiftgebäudes zur Kindertagesstätte wurde aus M ­ itteln des Programms »Städtebaulicher Denkmalschutz« geför­ dert. Die Kita ergänzt damit das Familien- und Stadtteilzentrum, das im Stift in den letzten Jahren Schritt für Schritt aufgebaut wurde und mittlerweile aus dem Viertel nicht mehr wegzudenken ist. Es arbeitet auch mit Flüchtlingen und vor allem auch mit älteren Menschen und setzt dabei auch auf die gezielte Einbindung von Ehrenamtlichen, etwa bei der Betreuung von Familien. Derzeit werden aber vor allem noch Freiwillige gesucht, die Interesse am Austausch mit älteren Menschen haben. Im Projekt »LeNa – Leben­ ige Nachbarschaft« besuchen Ehrenamtliche alleinstehende d Ältere, leisten ihnen Gesellschaft und begleiten sie zum Beispiel bei Spaziergängen. Eine hauptamtliche Koordinatorin berät die Freiwil­ ligen, bietet Weiterbildung und organisiert den Erfahrungsaustausch. Nähere Informationen zu diesem Projekt (auch für ältere Menschen, die das Angebot gerne annehmen würden) gibt es bei Christiane G ­ inkel unter Telefon (030) 45 00 52 40 oder per Mail: christiane.gin­ kel@evangelisches-johannesstift.de. cs

»Verstetigung« im SprengelKiez
Das Quartiersmanagement Sparrplatz läuft aus. Offiziell wird es » ­ verstetigt«. Was das konkret bedeutet und wie die vielen nachbarschaftlichen Initiativen ohne QM-Unterstützung künftig weitermachen können, darüber soll am Mittwoch, dem 6. Mai im Seminarraum des Ernst-Reuter-Hauses in der Triftstraße 67 u.a. mit Bezirksstadtrat Carsten Spallek debattiert werden.

Lange Nacht im Sprengelkiez
Am Freitag, 19. Juni, veranstaltet das Quartiersmanagement Sparrplatz eine »Lange Nacht im Sprengelkiez«. Dazu sind Vereine, Institutionen, Einrichtungen und Aktive aus den Bereichen Kunst und Kultur, Bildung, Gewerbe, Kinder und Jugend, Sport, Gesundheit, Handwerk und Umwelt eingeladen, sich einen Abend lang vorzustellen, kennenzulernen und auszutauschen. Bis zum 4. Mai kann man sich dazu beim QM anmelden: Quartiersmanagement Sparrplatz, Burgsdorfstraße 13a, Frau Gebauer, ­ Telefon (030) 46 60 61 90, Email: qm-sparrplatz@list-gmbh.de.

Saisonstart bei Himmelbeet
Am Samstag, dem 2. Mai, startet himmelbeet in der Ruheplatzstraße 12 mit einem großen Pflanzpatenfest in die Saison 2015. Dort werden zuhause aufgezogene Pflanzensämlinge in die Beete unter freiem Himmel umgepflanzt. Am selben Tag beginnt auch eine Workshop-Reihe: an jedem ersten Samstag im Monat zwischen 14 und 16 Uhr wird praktisches Wissen rund um das Gärtnern vermittelt. Eine Woche später, am 9. Mai beginnt ein Imker-Kurs. Insgesamt vier Mal wird Imker M ­ ichael Krümmel in dieser Saison Grundlagenwissen zur Bienenhaltung in der Stadt vermitteln. Anmeldungen für beide Workshops unter garten@himmelbeet.de. Am Mittwoch, dem 29. April, zwischen 17–19 Uhr wird zum ersten Mal die »Food Assembly« zu Gast sein. Dann kann man sich bei himmelbeet seine zuvor im Internet bestellten Lebensmittel von regionalen Erzeugern abholen. Die Aktion läuft an jedem Mittwoch und endet am 29. Juli. Im Internet kann man unter folgender Adresse bestellen: https://laruchequiditoui.fr/de /p /index#buy.

früchte, Feigen, die ersten Mandarinen, Stoffe, Nähzubehör, Lederware und Schuhe. Toll! Das ist meine Stadt! Bunt und lebendig, diese Gerüche, die Farben … Ein Ausflug in den Süden – und das alles am Samstagvor­ mittag vor der Haustür in Berlin. An einem Spielzeugstand mit Asia-­ are kaufe ich mei­ W nem Sohn einen batteriebetriebenen rosa Hund, der bellen kann und dessen Augen grün leuchten. Das Kind ist begeistert. Dem Kollegen ist das Treiben ein wenig su­ spekt: das laute Geschrei, die vielen Men­ schen auf engstem Raum, Gewohnheiten, die ihm fremd und ein bisschen unheimlich sind. Ich lade ihn zu Gözleme ein. Wir ste­ hen etwas abseits in der Sonne und ich er­ kläre ihm, wie das geht mit der Völkerver­ ständigung: zunächst freundlich und ohne Vorbehalte auf die Menschen zugehen, dann das Gespräch suchen, auch wenn man sich mit Händen und Füßen verständigen muss, und schließlich: neugierig sein, besonders auf das, was einem ungewohnt und seltsam vorkommt. Plötzlich schreit der Kollege laut auf. In mei­ nen humanistischen Vortrag vertieft, habe ich verpasst, dass ein Marktverkäufer eine Handvoll Himbeeren nach jemandem schmeißt. Der Typ, der den Verkäufer wohl beleidigt hatte, kommt davon – die Himbee­ ren aber landen auf dem Mantel einer Omi und auf meinem Kollegen. Die Aufregung ist groß: der Kollege empört sich über primitive Umgangsformen und erwartet eine Ent­ schuldigung, die traumatisierte Omi muss getröstet werden und mein Kleiner schreit: »Ich will weg von dieser bösen Straße.« Ach Berlin! Wenn’s arg kommt, wird hier je­ der gleich schlecht behandelt.   Nathalie Dimmer

Sachmittel für Nachbarschaften
Bis zum 14. April 2015 können beim Bezirk Mitte Sachmittel für »Freiwilliges Engagement in Nachbarschaften« (FEIN) beantragt werden. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat dazu insgesamt 68.000 Euro zur Verfügung gestellt. Gefördert werden Maß­ nahmen mit ehrenamtlichem Engagement zur Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur in der Nachbarschaft. Die Umsetzung erfolgt in freiwilliger Eigenleis­ ung, die erforderlichen t Kosten für Sachmittel werden bis zu einem Höchstbetrag in Höhe von 3.500,– € übernommen. Dazu zählen z. B. Farben und andere Materialien für gemeinsame Renovierungen von Klassenräumen oder Freizeiteinrichtungen. Auch Aktionen von Nachbarn und Initiativen, die zur Verbesserung des Wohnumfeldes beitragen, können gefördert werden. Maßnahmen in Quartiersmanagementgebieten sind ausgeschlossen. Nähere Informationen und Antragsformulare erhält man im Internet unter den Suchbegriffen »ba mitte nachbarschaften 2015« oder per E-mail unter planungskoordination@ba-mitte. berlin.de

Leserecke

Elise-und-OttoHampel-Platz
Unser Leser Richard Burger übersandte uns die Kopie eines Briefes an den Bezirksbür­ germeister: Guten Tag, Herr Bürgermeister! Die BVV entscheidet! Die BIM dient!!!!!! Bitte Herr Bürgermeister, stellen Sie die Rangordnung wieder her. Gestern las ich ecke müllerstraße, Seite 5: Beschämend. Bravo, Frau Ulrike Steglich und Danke! Heute lese ich im Tagesspiegel, Seite 11: die Hampels werden wieder verfilmt. Das zu oft hingelallte »ehrende Gedenken« könnte hier im Wedding zu einem kämpferischen Gedenken werden. Ich kämpfe mit. Dieses Kämpfchen ist gar nichts im Ver­ gleich zur Todesangst in Plötzensee.

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Schillerpark Rehberge Stadtteilzentrum Paul Gerhardt Stift

Seestraße

Informationen und Dokumentationen zum Aktiven Zentrum Müllerstraße sowie frühere Ausgaben dieser Zeitung finden Sie auf der Website: www.muellerstrasse-aktiv.de

Rathaus Rehberge BeuthHochschule Leopoldplatz Vor-Ort-Büro

Volkshochschule

Veranstaltungsorte Müllerstraße Programmkulisse Aktives Stadtzentrum Sanierungsgebietsgrenze

Virchow-Klinikum / Charité Wedding

Adressen
Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Ordnung: Carsten Spallek Müllerstraße 146/147, 13353 Berlin (030) 90 18-446 00 baustadtrat@ba-mitte.berlin.de Stadtentwicklungsamt, Fachbereich Stadtplanung Müllerstraße 146, 13353 Berlin Amtsleiterin: Frau Laduch, Zimmer 106 (030) 90 18-458 46 stadtplanung@ba-mitte.berlin.de Sanierungsverwaltungsstelle Müllerstraße 146, 13353 Berlin Sprechzeiten: dienstags, 9.00–12.00 Uhr, donnerstags, 15.00–18.00 Uhr stadtplanung@ba-mitte.berlin.de Gruppenleiter: Stephan Lange (030) 90 18-436 32 Aktives Zentrum und Sanierungsgebiet Müllerstraße René Plessow (030) 9018 45409 rene.plessow@ba-mitte.berlin.de Claudia Jahns (030) 9018 45463 claudia.jahns@ba-mitte.berlin.de

Prozessmanagement Jahn, Mack und Partner Alt Moabit 73, 10555 Berlin Karsten Scheffer, Nadine Fehlert (030) 85 75 77 26 muellerstrasse@jahn-mack.de www.jahn-mack.de Geschäftsstraßenmanagement Planergemeinschaft Lietzenburger Straße 44, 10789 Berlin (030) 88 59 14-0, (030) 88 59 14 32 Gabriele Isenberg-Holm g.isenberg@planergemeinschaft.de Winfried Pichierri w.pichierri@planergemeinschaft.de www.planergemeinschaft.de Stadtteilvertretung Müllerstraße Sprecher: Sabine Schmidt, Walter Frey, Peter Arndt Vor-Ort-Büro Triftstraße 2 Sprechstunde: jeder 1. und 3. Montag im Monat, 18–20 Uhr (030) 34 39 47 80 (AB), (0174) 701 35 94 menschmueller@stadtteilvertretung.de www.stadtteilvertretung.de

StandortGemeinschaft Müllerstraße c/o Steuerberatung bpw Müllerstraße 138b, 13353 Berlin info@muellerstrasse-wedding.de www.muellerstrasse-wedding.de Soziales Platzmanagement Leopoldplatz Team Leo, Schumannstr. 5, 10117 Berlin (030) 28 30 23 15 teamleo@gangway.de Axel Illesch (0172) 202 61 82 Runder Tisch Leopoldplatz N.N., Präventionsrat Mathilde-Jacob-Platz 1, 10551 Berlin (030) 90 18-325 70 Quartiersmanagement Pankstraße		 Prinz-Eugen-Straße 1, 13347 Berlin (030) 74 74 63 47 qm-pank@list-gmbh.de www.pankstrasse-quartier.de Quartiersmanagement Sparrplatz Burgsdorfstraße 13 A, 13353 Berlin (030) 46 60 61 90 qm-sparrplatz@list-gmbh.de www.sparrplatz-quartier.de
        
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