Publication:
2019
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15364686
Path:
ecke

nr. 2 – mai /juni 2019

turmstraße

Zeitung für das »Aktive Zentrum« und Sanierungsgebiet Turmstraße. Erscheint sechsmal im Jahr kostenlos.

Ch. Eckelt

Herausgeber: Bezirksamt Mitte von Berlin, Stadtentwicklungsamt, Fachbereich Stadtplanung

Schwerpunkt: Bodenwerte, Milieuschutz, Mieterberatung

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E CKE TUR MSTR A SSE —— 3

KIEZMOMENT
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Seite 3 Tag der Städtebauförderung
Seite 4 Mieter-Aktionen / Umweltprojekt

für Moabit / Bremer Straße

Eine Festtafel auf der
Arminiusstraße
Am 11. Mai findet wieder der bundesweite
Tag der Städtebauförderung statt

Schwerpunkt – Seite 6 / 7

Bodenrichtwerte in Moabit
Seite 7 Leser-Ecke
Seiten 8 Neues von der TIM und Vorbereitungen

fürs Kiezfest 2019
Seite 9 »Ruth. Moabit«
Ch. Eckelt

Seite 10 Der Kiez in der Galerie Nord
Aus dem Bezirk Mitte:
• Schwerpunkt – Seite 11

Neue Milieuschutz­gebiete in Bezirk Mitte

Sie halten den
­»Kiezmoment« fest!
Sie haben eine tolle Aufnahme im Gebiet gemacht – einen zufälligen Schnappschuss, eine lustige oder skurrile Situation? Sie haben etwas fotografiert, was sie
wundert oder ärgert? Oder einen (Ihren) Lieblingsort, eine ganz besondere
Stimmung, eine ungewöhnliche Perspektive, ein kleines Detail, das Ihren auf
einem Spaziergang aufgefallen ist, einen witzigen Aushang, eine ungewöhnliche Architektur, ein fast vergessenes Denkmal? Oder in Ihrer Schublade lagern
sogar noch sehenswerte historische Aufnahmen aus Moabit?
Teilen sie Ihren Kiezmoment mit anderen! Egal, ob Gelegenheits-, Hobby- oder
Profi-Fotograf: Senden Sie uns Ihr besonderes Foto aus Ihrem Kiez rund um die
Turmstraße! Ihrem Blickwinkel sind keine Grenzen gesetzt! Perfektion ist kein
Kriterium. Das aus unserer Sicht interessanteste Bild wird dann an dieser Stelle
unter der Rubrik »Kiezmoment« veröffentlicht.
Sichten Sie also Ihre Bestände, ziehen Sie los mit der Kamera und schicken Sie
uns die Aufnahmen, am besten per E-Mail im jpg-Format an: ecketurm@gmx.net

• Schwerpunkt – Seite 12 / 13

Die Aufgaben der Mieterberatung
• Seite 14 Die neuen City-Toiletten
Seite 15 Gebietsplan und Adressen
Seite 16 Pflastersteine / Eckensteher

——
—————————————————— I M P R E S S U M
Herausgeber: Bezirksamt Mitte von Berlin,

Stadtentwicklungsamt
Redaktion: Christof Schaffelder,

Ulrike Steglich
Redaktionsadresse:

»Ecke Turmstraße«, c/o Ulrike Steglich,
­Elisabethkirchstraße 21, 10115 Berlin
Tel (030) 283 31 27, ecketurm@gmx.net
Fotoredaktion:

Christoph Eckelt, eckelt@bildmitte.de
Entwurf und Gestaltung:

Wir sind gespannt auf Ihre Bilder!

Die nächste Ausgabe

Autoren gesucht!

der Ecke Turmstraße erscheint Ende
Juni. Redaktionsschluss: 19. Juni

Sie schreiben gern? Und interessieren
sich für Stadtentwicklung, Lokalgeschichte, Soziales, Gewerbe oder engagierte Menschen? Sie leben in Mitte
oder sind anderweitig vertraut mit dem
Bezirk? Vielleicht haben Sie dann Lust,
für die „Ecken“ zu schreiben. Melden
Sie sich bei uns! Wir freuen uns über
neue Autorinnen und Autoren!

Ecken im Web

Sämtliche Ausgaben der »Ecke Turmstraße« sind als PDF archiviert und
abrufbar unter: www.turmstrasse.de /
akteure /ecke-turmstrasse

capa, Anke Fesel, www.capadesign.de
Druck: BVZ Berliner Zeitungsdruck GmbH,
www.berliner-zeitungsdruck.de
V.i.S.d.P.: Ulrike Steglich
Für den Inhalt der Zeitung zeichnet nicht der
Herausgeber, sondern die Redaktion verantwortlich.

Elektronischer Versand

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Zeitung als PDF erhalten? Schreiben Sie uns eine
kurze E-Mail, und wir nehmen Sie in unseren
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Am Sonnabend, dem 11. Mai findet bundesweit wieder der
Tag der Städtebauförderung statt. Auch im Bezirk Mitte
kann man sich an vielen Orten über aktuelle Fortschritte
der Stadterneuerung informieren und bei vielfältigen Veranstaltungen Projekte in unterschiedlichen Gebieten kennenlernen.
Im »Aktiven Zentrum Turmstraße« steht diesmal das neu
gestaltete Markthallenumfeld im Mittelpunkt, dessen Fertigstellung am 11. Mai zusammen mit Nachbarn, Anrainern, Gewerbetreibenden und Projektbeteiligten gefeiert
werden soll.
Die Neugestaltung der Straßenzüge rund um die Arminiushalle hat – von der ersten Bürgerbeteiligung bis zur Fertigstellung vor einigen Tagen – wesentlich länger gedauert als
ursprünglich geplant. Die Geduld von Anwohnern, Händlern, Gewerbetreibenden wurde dabei auf eine harte Probe
gestellt.
Die Maßnahme in mehreren Bauabschnitten umfasste die
Erneuerung von Straßenbelägen und Gehwegen samt fußgängerfreundlichen Querungshilfen, die Neuordnung von
Stellplätzen sowie des Lieferverkehrs insbesondere für die
Markthalle, die Anpflanzung von Bäumen entlang der Jonasstraße. Die Arminiusstraße wurde für den PKW-Verkehr
gesperrt und mit Sitzmöglichkeiten zum Aufenthaltsbereich umgestaltet. Das Vorhaben wurde aus Mitteln des
Förderprogramms »Aktive Stadt- und Ortsteilzentren« gefördert.
52 Veranstaltungen in 11 Bezirken

Alle Nachbarn, Gewerbetreibende und Händler sind nun
herzlich eingeladen, mit einer langen Festtafel den Abschluss der Baumaßnahmen und die »Rückeroberung der
Arminiusstraße« zu feiern: am Samstag, den 11. Mai, von
15–18 Uhr. Bei Kaffee, Kuchen und Live-Musik können Sie
sich auf diverse Überraschungen freuen – auch für Kinder
ist einiges dabei. Bezirksstadtrat Ephraim Gothe, VertreterInnen der Planungsbüros und der Prozesssteuerung KoSP
werden die Arminiusstraße um 15 Uhr feierlich eröffnen.
Dies ist jedoch nicht das einzige Projekt in Moabit: Vorgestellt werden auch der neue Skatepark im Fritz-SchloßPark, das Kunst- und Kulturzentrum ZK/U in der Quitzowstraße oder der geplante Bildungscampus am Neuen Ufer.
Insgesamt werden im Bezirk Mitte an 13 Standorten Ver­
anstaltungen stattfinden, z.B. das Nachbarschaftsfest im
Wohn­gebiet Karl-Marx-Allee II. Bauabschnitt (Schillingstraße), ein Kiezspaziergang durch das Sanierungs- und
Erhaltungsgebiet Nördliche Luisenstadt oder ein Rundgang zum »Bildungsband« im Aktiven Zentrum Müllerstraße (Wedding).

Ch. Eckelt

Seite 5 Zur Neuwahl der Stadtteilvertretung

EU, Bund und Länder haben diverse Städtebauförderungs-

programme aufgelegt, um insbesondere Projekte zur Verbesserung des öffentlichen Raums und Investitionen in die
soziale Infrastruktur zu ermöglichen, die sonst aus den
»normalen« Etats der Kommunen und Gemeinden nicht
finanziert werden könnten. Die Programme heißen u.a.
»Soziale Stadt«, »Städtebaulicher Denkmalschutz«, »Aktive Zentren« oder »Stadtumbau«. In Berlin profitieren derzeit 78 Gebiete mit ca. 1,2 Mio. Menschen von der Städtebauförderung.
Um für die Bürger transparent zu machen, wie und wo genau diese Fördermittel eingesetzt werden, wird seit fünf
Jahren im Mai der »Tag der Stadtförderung« begangen. Auf
vielfältigen Veranstaltungen (Führungen, Rundgänge, Ausstellungen, Besichtigungen, Straßenfeste) bietet sich die
Gelegenheit, unterschiedliche Gebiete mit ihren Projekten
kennenzulernen und darüber ins Gespräch zu kommen.
Bundesweit sind über 550 Städte und Gemeinden beteiligt.
In Berlin werden in elf Bezirken insgesamt 52 Veranstaltungen angeboten. Über das gesamte Programm kann man
sich auf der Website tag-der-staedtebaufoerderung.berlin.
de umfassend informieren. 
us

Broschüre zur Städtebauförderung in Mitte

Zum Tag der Städtebauförderung erscheint zudem eine neue Informationsbroschüre des Bezirks Mitte mit dem Titel »stadt plan mitte«, die über die aktuellen Fördergebiete informiert. Zudem werden
in einigen Autorenbeiträgen besondere Aspekte und Schwerpunkte
der Stadtentwicklung erörtert.
Insgesamt wohnen derzeit rund 40% der Bezirksbevölkerung direkt
in mindestens einem dieser Gebiete. Schließt man ehemalige Fördergebiete sowie die an die Fördergebiete angrenzenden Quartiere mit
ein, so kommt weit mehr als die Hälfte der Mitte-Bewohner in ihrem
Wohnumfeld in den Genuss dieser Förderung.
Die Broschüre wird bei den Veranstaltungen zum Tag der Städtebauförderung und anschließend über einen längeren Zeitraum hinweg in öffentlichen Einrichtungen des Bezirks erhältlich sein.

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E CKE TUR MSTR A SSE —— 5

Mieter gegen
­Verdrängung

Klima-, Arten- und Ressourcenschutz gewinnen aktuell
sehr stark an Bedeutung – einige Stichworte sind Schülerdemonstrationen, Insektensterben, Plastikmüll. Da passt es
gut, dass in Moabit ein Projekt für zwei Jahre gestartet ist,
das mit Umweltthemen zum Ausbau des Stadtteils als Bildungsstandort beitragen soll. Der Projekttitel: »Moabiter
Einrichtungen machen sich fit für Umweltthemen«.
Geplant ist, vier Einrichtungen als außerschulische Lernorte für Kinder, Familien und Erwachsene zu stärken. Hier­
zu gehören der Ottospielplatz Alt Moabit 34 im Ottopark,
die Jugendverkehrsschule Moabit in der Bremer Straße 10,
der Schulgarten Moabit in der Birkenstraße 35 und das
Zentrum für Kunst und Urbanistik ZK/U in der Siemensstraße 27.
Zu Themen wie nachhaltige Mobilität, Bienen und Insektenschutz, Umwelt- und Ressourcenschutz, Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz werden Bildungsinhalte und -formate entwickelt und erprobt. Dazu gehören z.B. auch
Bewe­gungs-, Fahr- und Trainingsangebote zum Thema
­Mobilität sowie Bienenprojekte, Wildnis- und Naturerfahrung, Angebote zur gesunden Ernährung, oder zum Thema
Wiederverwendung und Reparatur.
Die Angebote richten sich in erster Linie an Kinder im
Kita- und Grundschulalter sowie an Familien. Aber auch
für Erwachsene wird es Workshops, Kurse und Events geben.
Das Programm wird derzeit abgestimmt und vorbereitet.
Erste Angebote sollen im Mai starten. Das Projekt wird koordiniert durch den Naturwissenschaftlichen und Kulturellen Bildungsverbund Moabit (Träger: Büro Büttner) und
in Kooperation mit dem Moabiter Ratschlag e.V., Wendepunkt gGmbH und dem Zentrum für Kunst und Urbanistik
(ZK/U) umgesetzt.
Informationen zu den Angeboten werden im Internet auf
den Seiten www.bildungsverbund-moabit.de, www.moabiter-ratschlag.de, www.team-wendepunkt.de, www.zku-berlin.org/de zu finden sein und demnächst auch als Flyer im
Stadtteil verteilt werden.

Der Moabiter »Runde Tisch Gentrifizierung«
lädt zu Kiezspaziergängen und Aktionen ein
Viele Moabiterinnen und Moabiter haben in ihren Häusern
mit unterschiedlichen Formen von Verdrängung zu kämpfen: sei es durch Mietsteigerungen, Modernisierung, Umwandlung in Eigentum, Ferienwohnungen usw. Der »Runde Tisch gegen Gentrifizierung« in Moabit möchte in diesem Sommer, vorzugsweise samstags, einen oder mehrere
Kiezspaziergänge machen und auch mit Infoständen vor
Häusern für die Nachbarschaft präsent sein – natürlich in
Kooperation und Absprache mit den betroffenen Mietern.
Wer Interesse hat und bereit ist, entweder bei einem Kiezspaziergang über die Situation in dem jeweiligen Haus zu
berichten oder wer einen kleinen Infostand vor dem Haus
wünscht mit Informationen für die Nachbarn und Kaffee
und Kuchen z.B., melde sich bitte bei der Initiative »Wem
gehört Moabit?«,
c/o B-Laden, Lehrter Straße 27–30 10557 Berlin
Telefon (030) 397 52 38, Öffnungszeiten Mo+Do, 15–19 Uhr
kontakt@wem-gehoert-moabit.de
www.wem-gehoert-moabit.de
Außerdem lädt die Initiative zum Kiezspaziergang in Moabit ein: am 4. Mai, 14 Uhr, Treffpunkt: Stromstraße 36. Es
geht zu Anbietern von Co-Living-Zimmern – Route:
Strom-, Birken-, Lübecker, Turm-, Bandel-, Dreyse- und
dann in die Lehrter Straße wo zwei komplette Häuser mit
94 Mietwohnungen und 266 »Betten« an der Bahnstrecke
(Klara-Franke-Straße) bald als Co-Living-Zimmer von Medici Living angeboten werden. Mehr Informationen unter
www.wem-gehoert-moabit.de bzw. www.moabitonline.de

us
Der »Runde Tisch Gentrifizierung« tagt regelmäßig am
2. Dienstag im Monat, 19-21 Uhr, in der Kontaktstelle
­PflegeEngagement, Lübecker Straße 19. Das nächste Treffen
ist am 14. Mai.

Ch. Eckelt

»World Café« zur Bremer Straße

Für zwei Moabiter Straßen werden derzeit umfassendere
Gestaltungskonzepte entwickelt: für die Lübecker und die
Bremer Straße. Für letztere wurde das Büro STATTBAU
GmbH beauftragt, ein »Integriertes Entwicklungskonzept«
(IEK) für den Nah­raum Bremer Straße zu erarbeiten. Mitte
Februar fand dazu ein »World Café« im BVV-Saal des Rathauses Tiergarten statt. Ca. 60 Bürger, Akteure, Zuständige
der bezirklichen Verwaltung und Planer versammelten
sich, um das IEK zu diskutieren und weiterzuentwickeln.
Dazu wurde an fünf Thementischen intensiv gemeinsam
gearbeitet. Eine Ausstellung im Sommer wird das Ergebnis
des Gutachtens öffentlich vorstellen. Das Stadtplanungsamt Mitte wird dazu rechtzeitig einladen.
us

Andererseits wäre eine Wahl, die Wahlberechtigte wegen
Platzmangels ausschließt, nicht demokratisch und damit
anfechtbar gewesen. Nach einigem Hin und Her und um
eine Eskalation zu vermeiden, entschieden die Veranstalter
sich schließlich für den Abbruch der Veranstaltung.

Ch. Eckelt

Moabiter Projekt zu UmweltBildungsangeboten

»Moabit zeigte Gesicht«

Wahl der Stadtteilvertretung,
zweiter Anlauf
Nach den Ereignissen am 12. März müssen Form und
Regelwerk der Neuwahl überdacht werden
Man freut sich natürlich immer über ein reges Interesse an
der Wahl einer Stadtteilvertretung (STV) im Fördergebiet.
Dass jedoch gleich mehrere Hundert Leute teilnehmen
wollen, dürfte bisher ein Novum sein.
Genau das spielte sich aber bei der Neuwahl der STV im
»Aktiven Zentrum Turmstraße« ab, die am 12. März in der
Moabiter Heilandskirche stattfinden sollte. Der Andrang
war enorm. Schließlich füllten fast 400 Menschen bereits
die Kirche, während noch ca. 200 andere vor dem Eingang
ebenfalls Einlass begehrten.
Der Grund für diesen äußerst ungewöhnlichen Ansturm
lag keineswegs nur im großen Interesse der Moabiterinnen
und Moabiter am Geschehen im AZ-Gebiet und an der demokratischen Wahl einer Bürgervertretung. Vielmehr hing
er stark damit zusammen, dass kurz zuvor ein in Moabit
lebender Rechtspropagandist über die sozialen Medien
und mit einem ausführlichen Youtube-Filmchen bekannt
gemacht hatte, für das Bürgergremium kandidieren zu
­wollen. Der selbsternannte »Volkslehrer« Nikolai N., dem
­wegen seiner kruden Verschwörungstheorien und antisemitischer Hetze bereits von einer Weddinger Grundschule
gekündigt wurde, war durch Medienberichte bereits stadtbekannt.
Doch nicht nur er war – samt einigen jungen Männern als
Entourage sowie Anhängern – an jenem Abend erschienen, sondern auch sehr viele Bürger, die seine Wahl verhindern wollten und protestierten. Die Stimmung war aufgeheizt und das Dilemma für die Veranstalter groß. Die
Polizei vor Ort konnte es nicht verantworten, mehr als 400
Leute in die Kirche zu lassen, die eigentlich nur für ca. 200
Besucher ausgelegt ist, zumal kaum noch zu kontrollieren
war, wer überhaupt wahlberechtigt war und wer nicht.

Das Resümee ist zwiespältig. Einerseits war es natürlich
großartig, wie viele Bürger den Missbrauch der STV-Wahl
als Bühne propagandistischer Provokationen nicht hinnehmen wollten und klare Haltung zeigten. Auch Bezirksstadtrat Ephraim Gothe (SPD) sah das positiv: »Ich bin erfreut
über die beeindruckende Reaktion der Moabiter und stelle
fest: Moabit zeigte Gesicht.« Andererseits war über dem
Tumult der eigentliche Zweck der Veranstaltung, nämlich
die Wahl einer arbeitsfähigen, motivierten Stadtteilvertretung als wichtiges Bürgergremium im AZ- und Sanierungsgebiet Turmstraße, völlig ins Hintertreffen geraten. Die
Neuwahl war notwendig geworden, weil die vorherige, erst
im Frühjahr 2017 gewählte STV sich Ende letzten Jahres
aufgelöst hatte.
Doch wie geht es nun weiter? Sicher ist: Es soll eine neue
STV-Wahl geben, denn eine demokratisch gewählte Interessenvertretung der Bürgerinnen und Bürger als Beteiligte
an den Planungsprozessen im Fördergebiet ist unverzichtbar. Doch wie das genau aussehen kann und ablaufen soll,
wird derzeit diskutiert. Das Stadtentwicklungsamt und das
Büro KoSP als Gebietsbetreuer holten dazu andere Planungsbeteiligte und externe Berater (u.a. Vertreter der
letzten STV, QM Moabit West, Polizei und die mobile Beratung gegen Rechtsextremismus) an einen Tisch.
Neue Bedingungen erfordern neue Regularien

Hatte man die Veranstaltung am 12. März nach der eher
schwachen Wahlbeteiligung 2017 noch bewusst niedrigschwellig gehalten (u.a. mit Spontankandidatur und einem
erweiterten Wahlkreis), muss nun ein neues Regelwerk
entwickelt werden. Drei Dinge sind elementar: Zum einen
soll sich die Wahl wieder auf das eigentliche Thema konzentrieren: die Bürgerbeteiligung im AZ-Gebiet. Zum
zweiten müssen alle Wahlberechtigten im Gebiet die Möglichkeit haben, zu kandidieren und ihre Stimmen abzugeben. Zum dritten geht es darum, die Sicherheit von Kandidierenden und Wählenden zu gewährleisten und sie vor
möglichen persönlichen Drohungen zu schützen. Denn
Attacken und Drohungen gegen engagierte Personen sind
inzwischen keine Seltenheit mehr.
Zu überlegen ist daher u.a., dass eine Wahl nicht zwangsläufig an eine entsprechende öffentliche Veranstaltung gekoppelt sein muss – es gibt auch andere praktikable Formen einer demokratischen Wahl.
Nun müssen alle Möglichkeiten geprüft und das Verfahren
sorgfältig vorbereitet werden. Das ist auch wichtig, um auf
ähnliche Situationen gut vorbereitet zu sein und souverän
reagieren zu können. Schließlich versuchen Populisten
­immer häufiger, via Internet zu mobilisieren und insbesondere Gremien und Veranstaltungen zivilgesellschaftlichen
Engagements als Bühne für propagandistische Zwecke zu
instrumentalisieren. 
us

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E CKE TUR MSTR A SSE —— 7

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—————————————————————— G LO S S A R

Ch. Eckelt

Erneuter Gipfelsturm …

Hoch, runter, hoch, …
Die Berg- und Talfahrt des Bodenwertes in Moabit
Der Boden, auf dem Berlin gebaut ist, wird immer wertvoller, auch der unter Moabit. Im Sanierungsgebiet des Aktiven Zentrums Turmstraße zum Beispiel erhöhte sich der
Bodenrichtwert für Wohngrundstücke im vergangenen
Jahr von 2.200 auf 2.500 Euro pro Quadratmeter und stieg
damit um kräftige 14%. Und in den Vorjahren war er geradezu explodiert: Seit 2013 hat er sich versechsfacht.
Zuvor jedoch hatte sich der Bodenrichtwert zwanzig Jahre
lang nur in eine Richtung entwickelt: nach unten. Auf dem
Höhepunkt der Hauptstadteuphorie in den frühen 1990er
Jahren stand er nämlich schon einmal bei 2200 DM pro
Quadratmetern: In heutigen Preisen gerechnet (also unter
Berücksichtigung der zwischenzeitlichen allgemeinen
Preis­steigerung) wären das etwa 1700 Euro. Ähnliches gilt
auch für Wohngrundstücke in anderen Stadtteilen Berlins:
Die Bodenpreise waren vor gut einem Vierteljahrhundert
schon mal auf einem ähnlichen Höhenflug wie heute.
Ein kurzer Höhenflug nach dem Mauerfall …

Der Richtwert, auf den wir uns hier beziehen, gibt den Bodenwert im Waldenser Kiez westlich des Rathauses Tiergarten an. Dort haben sich seit 1981 die Rahmenbedingungen nicht geändert: auf den Bodenwertkarten wird eine
Wohnbebauung mit einer Geschossflächenzahl (GFZ, siehe
Glossar) von 2,5 aufgeführt, wie sie für weite Teile Moabits
typisch ist. Desungeachtet haben sich in Moabit die Unterschiede zwischen den verschiedenen Stadtteilen im Laufe
der Jahre verschoben. So liegen südwestlich der Levetzowstraße heute die Bodenwerte mit bis 4.000 Euro um mehr
als 50 % über denen des nördlichen Moabit, Mitte der
1980er Jahre war dieser Unterschied dagegen nur gering­
fügig. Damals galt auch die Gegend um die Perleberger

Straße im Osten noch als etwas weniger wertvoll, heute ist
dafür der Bodenwert im Beusselkiez etwas niedriger als im
Waldenser Kiez. Doch die Grundtendenz der Entwicklung
war überall gleich.
In den 1980er Jahren kletterte der Wert im zentralen Moabit in heutigen Preisen gerechnet vergleichbar gemächlich:
von 520 Euro zu Anfang des Jahres 1981 um ein Drittel auf
694 Euro zu Anfang des Jahres 1989. Auch das ist eigentlich
nicht wenig, weil ja die Inflation schon herausgerechnet
ist. Aber auch damals war schon viel von Wohnungsnot in
Westberlin die Rede, weil Anfang 1988 die Mietpreisbindung im Altbau aufgehoben worden war. Nach dem Mauerfall jedoch schnellten die Bodenwerte rapide in die Höhe
und erreichten 1993 in heutigen Preisen gerechnet besagte
1.700 Euro /qm. Damals herrschte eine regelrechte Goldgräberstimmung in der Stadt. Berlin wähnte sich als Nabel
der Republik und realisierte erst Mitte der 1990er allmählich, dass die deutsche Wirtschaft keinesfalls daran dachte,
ihre Schaltzentralen wie in der Vorkriegszeit in die deutsche Hauptstadt zurück zu verlegen.
… dann folgten zwei Jahrzehnte Niedergang

In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre brachen die Bodenwerte jedenfalls überall in Berlin kräftig ein. Eine Folge
davon war die Berliner Bankenkrise des Jahres 2001, die
der Stadt einen riesigen Schuldenberg hinterließ und die
Politik zu Panikaktionen wie dem aus heutiger Sicht kaum
noch nachvollziehbaren Verkauf der Wohnungsbaugesellschaft GSW nötigte. In Moabit waren die Bodenwerte
preisbereinigt im Jahr 2002 wieder auf dem Niveau vom
Ende der 1980er Jahre angekommen. Und sie verfielen weiter. Im Jahr 2005 war der Bodenrichtwert im Waldenser
Kiez bei 420 Euro (im damaligen Preis) angekommen und
verharrte auf diesem extrem niedrigen Niveau acht Jahre
lang bis 2013. In heutigen Preisen gerechnet sank er wegen
der Inflation in diesem Zeitraum sogar von 514 auf 458
Euro /qm, wofür man derzeit selbst in Gatow oder Kladow
kaum ein Grundstück in einer Kleinsiedlung finden würde.

Ab 2014 begannen die Bodenwerte in der Stadt wieder zu
steigen – erst langsam, dann aber umso kräftiger. Den
größten Sprung machte der Richtwert in den Jahren 2016
und 2017, als er von 1000 Euro zuerst auf 1600 Euro/qm
und ein Jahr später auf 2200 Euro /qm zulegte, im vergangenen Jahr stieg er dann »nur« noch um 300 Euro, also um
fast den gesamten Wert, auf dem er lange Jahre herum­
gedümpelt hatte, was man aber inzwischen fast schon mit
Erleichterung zur Kenntnis nimmt. Über die tieferliegenden Gründe dieses erneuten Gipfelsturms werden sich die
künftigen Wirtschaftshistoriker wohl noch viele Jahre Gedanken machen. Denn so richtig erklären kann eigentlich
noch keiner, warum Berlin sich ab Mitte dieses Jahrzehnts
zum Spitzenreiter der Bundesländer beim Wirtschafts-,
vor allem aber beim Jobwachstum mauserte, während es in
den Jahrzehnten zuvor eigentlich immer nur hart darum
kämpfen musste, nicht ständig Tabellenletzter in diesen
Disziplinen zu werden. Nicht nur die Immobilienmärkte,
sondern auch die Politik in der Stadt wurden ja völlig von
dieser Umkehr überrascht, von der man zuvor nicht mal zu
träumen gewagt hätte.
Möglicherweise hat es etwas mit der Bankenkrise von 2001
zu tun, die Berlin für die Folgen der weltweiten Wirtschaftskrise von 2008 immunisiert hatte. Auch die Freizügigkeit für osteuropäische EU-Bürger, die in Deutschland
ab 2011 bzw. 2014 in Kraft trat, mag eine Rolle spielen. Jedenfalls steigt die Bevölkerungszahl in Berlin seitdem kräftig, vor allem in der Innenstadt – so wuchs der Bezirk Mitte
zwischen 2012 und 2019 um 50.000 Einwohner bzw. 15%.
Und nachdem der vorhandene Leerstand abgebaut war,
wirkte sich die starke Nachfrage nach Wohnraum natürlich auf die Bodenrichtwerte aus.

Bodenrichtwert

Die Bodenrichtwerte für Berlin werden jährlich vom Gutachter­
ausschuss ermittelt und auf einer Bodenwertkarte veröffentlicht. Sie
sollen den Wert des Bodens ohne die darauf errichtete Bebauung in
verschiedenen Lagen wiedergeben, wobei sich die Werte konkreter
Grundstücke im Einzelfall natürlich unterscheiden können. Die Bodenrichtwerte dienen z.B. als Grundlage von Verkehrswertermittlungen.
Zur Ermittlung der Bodenrichtwerte werden alle Grundstücksverkäufe eines Jahres erfasst und ausgewertet. Dabei wird der Wert der
Gebäude vom Kaufpreis abgezogen. Bei Mietshäusern wird dabei
nach dem Ertragswertverfahren vorgegangen. Wenn, wie in den vergangenen Jahren der Fall, die Verkaufspreise von Grundstücken stärker steigen als die Mieteinkünfte aus den darauf errichteten Gebäuden, dann steigen die Bodenrichtwerte also umso schneller.
GFZ

Die Geschossflächenzahl (GFZ) gibt das »Maß der baulichen Nutzung« an, also wie dicht ein Grundstück bebaut werden darf. Eine
GFZ von 2,5 zum Beispiel bedeutet, dass auf einem 1.000 Quadratmeter großen Grundstück maximal 2.500 Quadratmeter Geschossfläche
errichtet werden dürfen. Die wiederum berechnet sich nach den Außenmaßen aller Vollgeschosse – also Erdgeschoss und Obergeschossen – inklusive der Außenmauern, Flure und Treppenhäuser, aber
ohne Keller. Bei einer GFZ von 2,5 darf also die Hälfte des Grundstücks mit 5 Vollgeschossen überbaut werden.
Gutachterausschuss

Der Gutachterausschuss ist ein vom Land Berlin berufenes Gremium,
das auf Grundlage genauer gesetzlicher Vorschriften jährlich die Bodenrichtwerte ermittelt. Gutachterausschüsse gibt es in allen Bundesländern, allerdings veröffentlichen nicht alle die Bodenrichtwerte
in kostenlos zugänglichen Bodenwertkarten wie Berlin. Hier kann
man sich eine gute Übersicht auf der Website fbinter.stadt-berlin.de/
boris bzw (für Bodenwerte vor 2002) auf dem Geoportal des Landes
Berlin (FIS-Broker) verschaffen.

… und weiter?

Die Wucht des Bodenwertanstiegs erklärt sich damit aber
noch nicht. Hier spielen auch die extrem niedrigen Zinssätze eine große Rolle, die in den 2010er Jahren, vor allem
aber seit 2014 in der Eurozone herrschen. Weil die Finanzierungskosten niedrig sind und weil viele Anleger Mühe
haben, überhaupt noch eine Rendite bei ihren Finanzanlagen zu erzielen, die nicht gleich wieder von der Inflation
aufgefressen wird, fliehen viele ins vermeintlich stabile
»Betongold«. Aus Berliner Sicht kann man freilich bezweifeln, dass das wirklich so stabil ist.
Denn die Frage ist jetzt natürlich, ob die Talfahrt der Bodenwerte in den 2020er Jahren aufs Neue beginnt. Dagegen spricht, dass – ganz anders als zu Beginn der 1990er –
die Wirtschaft in Berlin tatsächlich nachhaltig wächst. Jobs
werden nicht abgebaut, sondern entstehen in großer Zahl
neu, die Kaufkraft steigt und viele Menschen kommen in
die Stadt, weil sie hier Arbeit finden. Wohnraum ist wieder
knapp und nachgefragt. Auf der anderen Seite vollzieht
sich der neue Wirtschaftsboom bei einem abstrus niedrigen Zinsniveau und steht daher auf wackligen Beinen.
Falls die Zinssätze wieder Normalmaß erreichen, würden
wohl auch die Bodenwerte wieder in den Keller gehen –
diesmal aber nicht nur in Berlin, sondern in der gesamten
Eurozone. 
cs

Die Entwicklung der Bodenwerte in Moabit 1981 bis 1991

Waldenser Kiez, 1981–1995: zweijährlich, 1995–2019: jährlich, in Preisen von 2019
Quelle: Gutachterausschuss Berlin
3000
2500
2000
1500
1000
500
0
1981

1985

1990

1995

2000

2005

2010

2015

2019

8 —— E CKE TU RMSTRA SSE

Ch. Eckelt

Gerade eben noch konnte man hier und da in Moabiter
Schaufenstern an der Turmstraße grasgrüne Hasen finden
– ein kleiner Ostergruß der TIM und des Geschäftsstraßenmanagements Turmstraße (GSM). Doch die Zeit vergeht
schnell, längst sind TIM und GSM mit dem nächsten Projekt beschäftigt. Und diese Vorbereitungen sind äußerst
arbeits- und zeitintensiv. Immerhin geht es um ein jährliches Highlight im Gebiet: das beliebte Moabiter Kiezfest
soll auch im Sommer 2019 wieder stattfinden, genauer: am
Samstag, den 14. September, von 12 bis 21 Uhr vor dem Rathaus Tiergarten und in der Bremer Straße.
Es ist bereits das siebte Mal, dass dieses Fest stattfindet.
Unter dem Motto »Lokal! Kreativ! Bunt!« werden lokale
Händler, Gewerbetreibende, Kreative, Gastronomen, Initia­
tiven und Vereine wieder für ein buntes Markttreiben sorgen. Kleine und große Musiker, Artisten, Künstler, Sportvereine gestalten das kulturelle Programm auf der Bühne
vor dem Rathaus oder bespielen den neu gestalteten
Aufenthalts­bereich Arminiusstraße. Wie immer werden
auch Vertreter des Stadtentwicklungsamts, des Gebietsbetreuers KoSP und der Mieterberatung präsent sein, um
über die Planungen und aktuellen Projekte für das Gebiet
zu informieren und de Fragen der Besucher zu beantworten.
An diesem Tag stehen Schlendern, Stöbern, Schlemmen,
Plaudern Tanzen, Musizieren und Feiern im Mittelpunkt.
Ab 18 Uhr kann man sich auf »TIM’s Abend« vor dem Rathaus Tiergarten mit Musik aus Moabit freuen, Spezialitäten Moabiter Gastronomen ausprobieren und einer Kinovorführung der Initiative Kino für Moabit zusehen.

Wie schon im letzten Jahr wird das Kiezfest gemeinsam mit
dem Moabiter Energietag stattfinden. In der Jonasstraße
wird sich alles um die Themen Klimaschutz, alternative
Energien, nachhaltige Mobilität, Energieeffizienz, Ressourcenschonung und innovative Lösungen drehen.
Doch vor dem Fest gibt es noch viel für die Organisatoren
zu tun. Insbesondere muss – neben vielen technischen Fragen und den einzuholenden Genehmigungen – jetzt geklärt werden, wer sich in diesem Jahr mit einem Stand
oder anderen Angeboten beteiligen möchte. Dabei ist das
Geschäftsstraßenmanagement Turmstraße für das Festgelände (Markt) und den Rathausvorplatz (Gastronomie) zuständig: Interessierte melden sich bitte per Mail an gsm@
turmstrasse.de.
Die ArTminius 21 kümmert sich um die Marktstände der
Kreativen. Kreativschaffende wenden sich bitte per Mail an
Melanie Simmersbach und Inga Damberg: Artminius21@
zunfthalle-berlin.de
Der Freche Spatz e.V. ist Ansprechpartner für die sozialen
Initiativen. Interessierte können sich an Dorothee Heider­
manns wenden: Mail an Dorothee.Heidermanns@frecherspatz.de
Der Moabiter Ratschlag e.V. organisiert das Kulturprogramm. Kulturschaffende, die sich gern am Bühnenprogramm beteiligen möchten, wenden sich bitte per Mail
oder telefonisch an Felicitas Grützmann: kultur.kiezfest@
moabiter-ratschlag.de, Telefon (0172) 32 27 23.
Die notwendigen entsprechenden Anmeldeformulare kann
man sich auch von der Website des Geschäftsstraßenmanagements herunterladen. Bei Fragen und für weitere Informationen können Sie sich gerne auch an das Geschäftsstraßenmanagement Turmstraße wenden.
us

TIM-Frühstück am 15. Mai

Die TIM (Turmstraßen-Initiative-Moabit) ist ein Zusammenschluss von engagierten Gewerbetreibenden und weiteren interessierten Akteuren rund um die Turmstraße.
Regelmäßig treffen sich lokale Gewerbetreibende und andere engagierte Akteure beim gemeinsamen Frühstück der
TIM (Turmstraßen-Initiative-Moabit). Dabei werden Neuigkeiten aus dem Moabiter Zentrum ausgetauscht, aktuelle
Projekte, Termine, Veranstaltungen besprochen und gemeinsame Aktionen entwickelt, die zur Attraktivität der
Geschäftsstraße beitragen.
Die Treffen finden im zweimonatlichen Turnus statt. Das
nächste TIM-Frühstück ist am Mittwoch, 15. Mai um 8.30
Uhr im Stadtteil­laden Krefelder Straße 1. Dabei wird es vor
allem um die Kiezfestvorbereitung gehen. Alle Interessierten sind willkommen, bitte vorab beim GSM melden! us

Weggehen.
­Ankommen?

Ch. Eckelt

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—
— NEUES VON DER TIM

E CKE TUR MSTR A SSE —— 9

Unbedingt lesenswert:
Anna Opels soeben erschienenes
Romandebüt »RUTH.Moabit«
Moabit, im noch heißen Spätsommer 2015. Jene Wochen,
in denen die wartende Menschenmenge vor dem LaGeSo,
die notdürftigen Zelte, die erschöpften Gesichter der ankommenden Geflüchteten zum alltäglichen Moabiter Bild
werden.
Hier beginnt Anna Opels jüngst erschienener Roman
»Ruth. Moabit«. Er erzählt, wie sich die Wege zweier Frauen kreuzen, deren Lebensumstände kaum unterschiedlicher sein könnten. Rahua, eine junge Frau aus Eritrea, hat
die Brücken in ihre Heimat abgebrochen, die Mutter, die
Kindheitsfreundin zurück gelassen und ist eben erst nach
einer langen, gefährlichen Flucht übers Meer hier angekommen. Die deutlich ältere Noemi lebt schon seit etlichen Jahren mit Mann und Tochter in Moabit, ihr Leben
geht gerade völlig in die Brüche: Ihre Mutter wird bald an
Krebs sterben, später wird Noemi auch die Tochter verlieren – Jule, etwa im selben Alter wie Rahua, inzwischen
flügge, in einer WG lebend, frisch verliebt.
Noemi nimmt Rahua in ihrer Wohnung auf, eine Zweck­
gemeinschaft. Wie begegnet man einander, wie kommuniziert man, wenn nicht einmal Sprache verbindet?
So vorsichtig, wie sich die beiden Frauen annähern, nähert
sich auch die Autorin ihren Figuren aus einer anfänglichen
Distanz. Bis es an die Substanz geht. Hier geht es um nicht
weniger als existentielle Situationen. Um Mütter und Töch­
ter, Verluste und Abschiede. Weggehen, um – vielleicht –
irgendwann irgendwo anzukommen. Rahua geht, weil sie
spürt, dass Moabit nur ein Transitort ist, Noemi bucht ein
One-Way-Ticket.
Anna Opels Sprache ist lakonisch, schnörkellos, klar, suchend. Das Moabit, in dem sich Rahua und Noemi bewegen, ist wirklich und real, frei von Klischees und kitschigem »Lokalkolorit«.
Anna Opel, Jahrgang 1967, lebt selbst seit 30 Jahren mit ihrer Familie in Moabit. Sie ist Autorin, Dramaturgin und
Übersetzerin, schreibt Theater- und Filmkritiken, übersetzt Bühnenstücke aus dem Englischen. »RUTH. Moabit«
(der Titel nimmt Bezug auf das Buch Ruth im Alten Testament) ist ihr erster Roman. Eine Geschichte, die unter die
Haut und an die Nieren geht und die einen so schnell nicht
loslässt.
us
Anna Opel: »RUTH.Moabit«, erschienen bei ­
edition.fotoTAPETA, 199 S., 17,50 Euro
Anna Opel liest am Freitag, 10. Mai, um 20 Uhr in der
­Dorotheenstädtischen Buchhandlung (Turmstraße 5)
aus ihrem Buch. Der Eintritt ist frei.

»Ich war, ich bin,
ich werde sein.«
Ein Audiowalk folgt Rosa Luxemburgs
Spuren entlang der Stationen ihres
­letzten Tages
Daneben lädt Anna Opel zu einem interessanten Projekt
ein: Zusammen mit der Lyrikerin und Schriftstellerin
Ruth Johanna Benrath (ebenfalls im Kiez beheimatet) hat
sie unter dem Titel »Ich war, ich bin, ich werde sein. Rosa
Luxemburg auf der Spur« einen Audiowalk über deren letzten Tag erarbeitet. Am 15. Januar 1919 wurden Rosa Luxem­
burg und Karl Liebknecht verhaftet, ins Eden-Hotel gebracht und kurz darauf im Tiergarten ermordet.
Bei einem Spaziergang entlang ihrer letzten Stationen wird
Rosa Luxemburg als Mensch und als zentrale Figur der Revolution 1918/19 lebendig. Der Audiowalk ist eine literarisch-subjektive Spurensuche, der Versuch, sich über Briefe und Originalzitate dieser »missverstandensten Gestalt
der deutschen Linken« (Hannah Ahrendt) anzunähern.
Die Teilnehmer bekommen am Start MP3-Spieler ausgehändigt und werden als Gruppe synchron von der Stimme
im Ohr durch den Stadtraum dirigiert, vom Ort der Verhaftung in Wilmersdorf bis zum Schleusenkrug in Tiergarten.
Dauer: ca. 75 Minuten, Eintritt: 7,– Euro
Verbindliche Anmeldung: audiowalk@mittemuseum.de
Der Walk hatte am 1. Mai Premiere und wird noch bis zum
nächsten Januar angeboten. Weitere Termine: 2. Mai, 18 Uhr;
31. Mai, 18 Uhr; 14. Juni, 18 Uhr; 14. Juli, 11 Uhr; 18. August,
11 Uhr; 22. September, 11 Uhr; 20. Oktober, 11 Uhr, 9. November, 15 Uhr, 15. Januar 2020, 16 Uhr
Das Projekt wird präsentiert vom Museum Mitte und
­gefördert vom Senat für Kultur und Europa sowie von der
Rosa-Luxemburg-Stiftung.

10 —— EC KE TU RM STRA SSE

AUS DE M BE ZI R K MI T TE —— 11

Das Dutzend ist voll

diktiert. So zum Beispiel am Sonntag, den 26. Mai: Wenn
mitten in der Installation der Bezirk Mitte ein Wahllokal
für die Europawahl aufbaut und die Moabiter zur Wahl aufruft, verstehen die Künstlerinnen dies als Einladung zu einer Demokratie-Performance.

Fundstücke im Kiez-Kosmos
boesediva.de

Ausstellung »Processing:Moabit« von Elisa Duca
und Robin Detje in der Galerie Nord

Bezirk weitet Milieuschutz aus

Ausstellung: 4. Mai bis 1. Juni 2019, Di–Sa 13–19 Uhr
Eröffnung: Freitag 3. Mai, 19 Uhr mit performativer
­Intervention.
Finissage: Freitag, 31. Mai, 19 Uhr
Kunstverein Tiergarten / Galerie Nord, Turmstraße 75,
10551 Berlin, Telefon (030) 901 83 34 53
info@kunstverein-tiergarten.de
www.kunstverein-tiergarten.de

Am 7. März 2019 hat das Bezirksamt mit dem den Erlass
einer Erhaltungsverordnung für das Gebiet »Alexanderplatzviertel« das zwölfte Milieuschutzgebiet im Bezirk
Mitte festgesetzt. Somit leben rund 150.000 Einwohnerinnen und Einwohner des Bezirks in »sozialen Erhaltungsgebieten« – etwa 40 Prozent der Gesamtbevölkerung.
»In Milieuschutzgebieten sind Wohnungsmodernisierungen genehmigungspflichtig. Der Eigentümer muss daher
die geplanten Maßnahmen und die Miete nach Modernisierung mit dem Bezirksamt abstimmen. Hierdurch ist gewährleistet, dass Verdrängung durch Modernisierung sehr
stark eingeschränkt werden kann«, erläutert der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Soziales und Gesundheit
Ephraim Gothe. Nach der Umwandlungsverordnung vom
3. März 2015 benötigen darüber hinaus auch Umwandlungen in Eigentumswohnungen in Milieuschutzgebieten
eine Genehmigung durch den Bezirk. Die wird kurzfristig
aber nur erteilt, wenn die Wohnungen an die bisherigen
Mieter veräußert werden – für Immobiliengesellschaften,
die als Geschäftsmodell den Kauf von Mietwohnungen mit
anschließender schneller Umwandlung haben, sind Milieu­
schutzgebiete deshalb nicht attraktiv.
Darüber hinaus besteht bei Grundstücksverkäufen ein Vorkaufsrecht des Landes Berlins, von dem es in jüngster Zeit
auch rege Gebrauch macht – zuletzt etwa für die Prinzenallee 36 im Wedding und für die Rathenower Str. 59 in

—————
———————————————— D O KU M E N TAT I O N
Processing:Moabit: Der Aufruf

Bitte melden bei: diva@boesediva.de,
Telefon (030) 24 72 53 58 oder (0175) 206 54 19
oder persönlich am Empfang der Galerie Nord | Kunstverein
Tiergarten, Turmstraße 75, 10551 Berlin, Di–Sa 13–19 Uhr.

Milieuschutzgebiete im Bezirk Mitte
Für die Bewohnerinnen und Bewohner

der neuen Milieuschutzgebiete im Bezirk finden im Mai
und im Juni Informationsveranstaltungen statt. Dort
stehen Ansprechpartner aus dem Bezirk und von der
­Mieterberatung bereit, auch Bezirksstadtrat Ephraim
Gothe wird anwesend sein.

Bezirksamt Mitte von Berlin, Fachbereich Stadtplanung, Dezember 2018

Wenn ein Kiez zu Kunst wird: Seit Wochen ist das Berliner
Künstlerpaar Elisa Duca (Performance- und Installationskünstlerin) und Robin Detje (Autor und Theaterkritiker) in
Moabit auf der Suche und will fündig werden: zwischen
Gefängnis, Amtsgericht und Siemenswerken, zwischen
Großmarkt und Spreebogen. Mit Oumar Diallo waren sie
im Keller des Afrika-Hauses in der Bochumer Straße und
im Frisör-Saloon von Marianne Graff in der Bremer Straße
– immer auf der Suche nach Material, das Geschichten aus
dem Kiez erzählt: für die performative Installation »Pro­
cessing:Moabit«, die sich in der Galerie Nord | Kunstverein
Tiergarten über vier Wochen vor den Augen des Publikums
ständig weiter entwickeln wird.
Sie haben eine Chorprobe der Levetzowgirls in Moabit besucht und sie zu einer Aktion in ihre Installation eingeladen. Die teils von Abschiebung bedrohten geflüchteten
Mädchen singen auf Farsi, Arabisch und Kurdisch, aber
auch alte deutsche Volkslieder. Ein Goldfisch aus dem
Nachlass des legendären taiwanesischen Restaurants Mulan der Familie Wang in der Beusselstraße, das nach zwei
Jahrzehnten schließen musste, wird lebendiger Bestandteil
der Installation. In einem Aufruf an die Anwohner (s.u.)
bittet das Künstlerpaar um Leihgaben und Spenden, um
mit Bedeutung aufgeladene Alltagsgegenstände, aus der
eine Landschaft aus Objekten entstehen soll, die sich ständig verwandelt.
Die Arbeit von Elisa Duca und Robin Detje kennt keinen
Endzustand. Sie lebt aus ständiger Veränderung. »Wir
schaf­fen eine wilde Rekombination von Objekten, die in
neue, ›falsche‹ Zusammenhänge versetzt werden. Ein Parlament der Dinge, zur Feier des großen Mikrokosmos
­Moabit.«
Dieses Experiment beginnt am 3. Mai und entwickelt sich
als lebendiger Organismus über vier Wochen ständig weiter. Immer wieder werden in der Galerie Nord performative Interventionen zu sehen sein – mal kalkuliert, mal unangekündigt, mal von den Künstlern selbst, mal von außen

Liebe Moabiterinnen und Moabiter,
Werden Sie Teil einer Kunstinstallation. Das Künstlerpaar
Elisa Duca und Robin Detje (früher bekannt unter dem Namen »bösediva«) machen Kunst mit Dingen aus Moabit in
der Galerie Nord | Kunstverein Tiergarten, Turmstraße 75.
Ihre Installation mit dem Titel PROCESSING:MOABIT soll
soviel Moabit wie möglich enthalten und wird sich während
der gesamten Ausstellungszeit ständig weiterentwickeln
und verändern.
Sie können nun mit Leihgaben Teil dieses Kunstwerkes
werden! Dinge und Gegenstände Ihres Alltags werden Teil
einer Ausstellung sein: von der Taxiquittung bis zur chinesischen Ming-Vase, vom Toaster bis zur Büste von Marx,
vom Silberbesteck zur Zimmerpflanze, vom Stuhl zum
Mousepad, vom Taucheranzug bis zum Brautkleid, lassen
Sie ihrer Fantasie freien Lauf!
Private Dinge mit persönlichem Wert verwandeln sich in
der Kunst-Installation einen Monat lang in einen kollektiven Wert für alle.
Die Künstler freuen sich über:
– Gegenstände, die für Sie eine besondere Bedeutung
haben,
– Dinge, die sie täglich benutzen,
– Objekte, die Sie zuhause in Ihrem kleinen Privatmuseum stehen haben, z.B. Fotos, Andenken, Spielsachen,
– Dinge, die einen ganz persönlichen Wert haben, oder
– Dinge, die dem Künstlerpaar in den Moabiter Geschäften zu günstigen Preisen verkauft werden,
– die Geschichte oder den Hintergrund zur Leihgabe.
Schenken, leihen oder spenden Sie den Künstlern für die
Dauer der Ausstellung Objekte, Gegenstände, Dinge u.v.m.
Sobald die Ausstellung vorbei ist, können Sie sich die Gegenstände selbstverständlich wieder abholen.

Moabit. Vorrangiges Ziel dabei ist jedoch der Abschluss
einer »Abwendungsvereinbarung« mit dem neuen Eigentümer, in der er sich zur Einhaltung von besonderen Mieterschutzklauseln verpflichtet. Für die Bewohnerinnen und
Bewohner der bereits länger bestehenden Milieuschutzgebiete sind darüber hinaus spezielle Mieterberatungen eingerichtet (siehe Seiten 12 und 13), für die drei neuesten
Gebiete in Mitte (»Thomasiusstraße«, »Tiergarten-Süd«,
»Alexanderplatzviertel«) soll dies ab Mitte des Jahres 2019
erfolgen.
In ganz Berlin gibt es derzeit 57 Milieuschutzgebiete, die
meisten in Pankow (13), gefolgt von Mitte (12), Friedrichshain-Kreuzberg (9), Tempelhof-Schöneberg (8) und Neukölln (7), aber auch Treptow-Köpenick (3), Lichtenberg (2),
Charlottenburg-Wilmersdorf (2) und Reinickendorf (1) haben schon begonnen, die Gebiete einzurichten. Dabei ist
der Kernbereich der Innenstadt von einem nahezu geschlos­
senen Ring aus Milieuschutzgebieten umgeben. Einige
Ortsteile bestehen dabei schon fast vollständig aus sozialen
Erhaltungsgebieten, so etwa Prenzlauer Berg oder Kreuzberg, wo bereits über 80% der Bevölkerung in einem Milieuschutzgebiet wohnt. So weit sind der Wedding und
Moabit noch nicht. Allerdings war der Bezirk Mitte besonders fleißig in der Festsetzung neuer Gebiete: Alle zwölf
Milieuschutzgebiete sind in den vergangenen drei Jahren
entstanden, während z.B. in Pankow im selben Zeitraum
nur drei neue hinzukamen. Wenig Sinn würde dagegen die
Einrichtung von Milieuschutzgebieten in Wohn­gebieten
haben, in denen kommunale Wohnungsbaugesellschaften
oder Wohnungsbaugenossenschaften dominieren, zum
Beispiel im Brunnenviertel, im Hein­rich-Heine-Viertel
oder im Wohngebiet Karl-Marx-Allee II. Bau­abschnitt.  cs

Thomasiusstraße (Moabit) und Tiergarten-Süd:

Donnerstag, 23.05., von 18 bis 20 Uhr in der Heilandskirche
in Moabit, Thusnelda-Allee 1
Alexanderplatzviertel:

Montag, 27.05., von 18 bis 20 Uhr in der Stadtwerkstatt, KarlLiebknecht-Straße 11
Reinickendorfer Straße und Humboldthain
Nord-West:

Donnerstag, 06.06., von 18.30 bis 20.30 Uhr
(Ort noch unbekannt)
Kattegatstraße und Soldiner Straße:

blau: seit 2016, rot: seit 2018, rot-gestrichelt: seit März 2019

Donnerstag, 13.06., von 18 bis 20 Uhr in der Nachbarschafts­
etage, Osloer Straße 12

AUS DE M BE ZI R K MI T TE —— 13

Vor allem für die
­Milieuschutzgebiete
Die Mieterberatung ­vermittelt auch
den Kontakt zum Bezirk ­

Ch. Eckelt

Für Mieterinnen und Mieter in Sanierungs- und Milieuschutzgebieten sowie in den städtebaulichen Erhaltungsgebieten der nördlichen Luisenstadt hat der Bezirk besondere
Beratungsangebote eingerichtet. Damit beauftragt ist die
»Mieterberatung Prenzlauer Berg«, die auf langjährige Erfahrungen in diesem Metier zurückblicken kann. Während
die Beraterinnen und Berater im Wedding und in Moabit
viel zu tun haben, ist die Nachfrage aus der Luisenstadt bisher aber noch nicht so groß.

gen von Modernisierungen teilweise an Verordnungsmieten gekoppelt, die sich an den durchschnittlichen Mieten
im Gebiet orientieren. Deshalb versuchen einige Vermieter, leer gezogene Wohnungen möglichst unauffällig zu
modernisieren, die Genehmigung zu umgehen und dann
sehr teuer zu vermieten. »Oft erkennt man das daran, dass
in einer Ecke auf dem Hinterhof plötzlich Baumüllcontainer aufgestellt werden. Wir sind für Hinweise immer dankbar und geben diese an das Bezirksamt weiter.« Auch wenn
Wohnungen zweckentfremdet werden, etwa in dem sie
längere Zeit leer stehen oder als Ferienwohnungen vermietet werden, kann der Bezirk aktiv werden, wobei es keine
Rolle spielt, ob im Milieuschutzgebiet oder außerhalb:
»Das kann man inzwischen auch auf der Website der Senatsverwaltung und Wohnen sehr effektiv melden, die das
dann an die Bezirke umgehend weiterleitet. Wir helfen da
gerne weiter.«
»Gute Zusammenarbeit mit dem Bezirk«

»Das hat wohl damit zu tun, dass der Stadtteilladen, in
dem wir an jedem Montag Nachmittag beraten, gerade renoviert worden ist und wir in unserem Ausweichquartier
schwer zu finden waren«, vermutet Anne Klitzing von der
Mieterberatung. Aber natürlich spielt es auch eine Rolle,
dass die Luisenstadt in Mitte noch kein Milieuschutzgebiet
ist, in dem Wohnungsmodernisierungen und Hausver­
käufe grundsätzlich genehmigungspflichtig sind. Das Sanierungsgebiet, in dem ähnliche Genehmigungsvorbehalte
existieren wie in Milieuschutzgebieten, ist relativ klein
und überschaubar: »Da waren wir bei den Wohnungsmietern in von baulichen Maßnahmen betroffenen Häusern
schon längst«, erzählt uns die Mieterberaterin Andrea
Wallroth.

zunächst aber nicht direkt gegenüber ihren Mietern: Erst
wenn sie sich auf die vom Bezirk vorgeschlagenen Vereinbarungen einlassen ist das der Fall. Die individuellen Rechte der Mieter können zudem nur von ihnen selbst durch­
gesetzt werden. Und da hilft es oft ungemein, wenn sie bei
den Nachbarn auch emotionalen Rückhalt finden und
nicht isoliert vorgehen müssen: »Treten Sie in Kontakt mit
Ihren Nachbarinnen und Nachbarn!«, rät Andrea Wallroth.
Dabei ist es natürlich auch sinnvoll, wenn sich die Mieter
größeren Mieterorganisationen anschließen, alleine schon,
um im Konfliktfall nicht riskieren zu müssen, auf Anwaltsund Gerichtskosten sitzen zu bleiben und um schnell und
zügig erfahrene und qualifizierte Mietrechtsanwältinnen
oder -anwälte zu finden.

Aktive Hausgemeinschaften stärken die Mieter

»Wir sind für Hinweise immer dankbar«

Im Wedding und in Moabit ist das anders. Da erfährt die
Mieterberatung normalerweise frühzeitig, wenn in einem
Mietshaus im Milieuschutzgebiet Wohnungen modernisiert werden sollen oder gar der Verkauf des gesamten
Hauses angezeigt wurde. »Wir verteilen Informationsschreiben an jede Mietpartei und meistens melden sich die
Mieter dann bei uns«, erklärt Andrea Wallroth. In Fällen in
denen das bezirkliche Vorkaufsrecht geprüft wird, besuchen die Mieterberater auch die Mieter und sammeln Informationen, die der Bezirk für die Bearbeitung der Anträge braucht – etwa über die aktuelle Miethöhe oder den
Ausstattungsgrad der Wohnungen. Je nach Maßnahmeumfang wird zu einer Mieterversammlung eingeladen: »Dabei finden sich oft die Hausgemeinschaften auch zusammen. Man tauscht dann Informationen aus, wer wo wohnt
und was macht und so weiter. Und das ist hilfreich für die
gegenseitige Unterstützung.«
Die Mieterberatung unterstützt diesen Prozess der Gemein­
schaftsbildung, denn aktive Hausgemeinschaften stärken
die Mieter zusätzlich. In den Milieuschutzgebieten ist der
Schutz der Mieter genau gesehen nur eine Nebenwirkung
des gesetzlich vorgegebenen Ziels der »Erhaltung der Zusammensetzung der Wohnbevölkerung«. Besondere Pflich­
ten haben die Eigentümer dort der Kommune gegenüber,

Durch die Medien gehen dabei in letzter Zeit oft Fälle, in
denen das Land Berlin von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch
macht. Städtische Wohnungsbaugesellschaften oder Wohnungsgenossenschaften treten an Stelle des Bezirks als
Käufer von Mietshäusern in neu abgeschlossene Kaufverträge ein. Auch in Mitte war das bereits mehrfach der Fall.
Die Mieter der betroffenen Häuser feiern das in der Regel
als großen Erfolg, allerdings enden nicht alle Verfahren auf
diese Weise. Das Land Berlin strebt den Vorkauf auch gar
nicht in jedem Fall an, sondern zielt vor allem auf den Abschluss sogenannter »Abwendungsvereinbarungen«, in denen sich die neuen Eigentümer zur Einhaltung verbindlicher Regeln zum Schutz der Mieter verpflichten – etwa den
Verzicht auf Luxusmodernisierungen. Das kann langfristig
aber nur funktionieren, wenn die Mieter in solchen Häusern auch längerfristig den Kontakt zu Bezirk und Mieterberatung halten.
»Im Wedding und in Moabit melden uns viele Mieterinnen
und Mieter auch, wenn andere Wohnungen in ihren Häusern leer stehen und modernisiert werden«, erzählt Anne
Klitzing. Die Mieterberatung leitet die Information dann
an die zuständigen Stellen im Bezirk weiter, der dann
überprüft, ob die Maßnahmen genehmigt sind oder nicht.
In den Milieuschutzgebieten in Mitte sind Genehmigun-

Mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bezirks
arbeitet die Mieterberatung sehr gut zusammen. »Wir haben immer einen konstruktiven Informationsaustausch
mit den Mitarbeitern im Stadtentwicklungsamt die sich
mit Milieuschutz befassen. Die hängen sich richtig rein
und suchen nach Lösungen. Die meisten Eigentümer sind
ja auch kompromissbereit und an solchen Lösungen interessiert, Probleme bereiten da vor allem einige wenige,«
meint Andrea Wallroth. »Aber manchmal reicht auch das
größte Engagement nicht, weil die bundesgesetzlichen
Grundlagen leider nicht mehr hergeben.«
So nutzt das Umwandlungsverbot in Milieuschutzgebieten
zum Beispiel nichts, wenn die Mietwohnungen vor der
Festlegung des Gebiets bereits in Eigentumswohnungen
umgewandelt worden waren, ohne dass die Mieter davon
erfuhren. »Spätestens zehn Jahre nach dem erstmaligen
Verkauf der Wohnung nach der Umwandlung läuft der besondere Mieterschutz aus, etwa vor Kündigungen wegen
Eigenbedarf.« Auch in anderen Bereichen kann sich die
erfahrene Mieterberaterin durchaus bessere Regelungen
vorstellen: »Wir würden zum Beispiel auch in Milieuschutzgebieten gerne formelle Sozialplanverfahren durchführen, wie sie gesetzlich bisher nur für Sanierungs- und
Umstrukturierungsgebiete vorgesehen sind.« Dann könnten die persönlichen Situationen der Mieter im Prozess der
Aushandlung von Modernisierungsmaßnahmen mehr berücksichtigt werden.
Im Stadtteilladen in der Köpenicker Straße 101 berät die
Mieterberatung zudem die Mieterinnen und Mieter öffentlich geförderter Wohnungen in alten Sanierungsgebieten,
darunter auch viele aus Wedding und Moabit. »Wenn da
die Förderung ausläuft und wenn die Miete zuvor zusätzlich subventioniert war, weil ein spezieller Einkommensnachweis des Wohnungsamtes vorgelegt werden konnte,
kann es vorkommen, dass die Nettokaltmiete sprunghaft
um fast die Hälfte steigt«, erläutert Andrea Wallroth, die
hier als Ansprechpartnerin zur Verfügung steht. Und gerne
würden sie in dem Stadtteilladen, in dem früher die Heinrich-Heine-Bibliothek untergebracht war, auch mehr Mieterinnen und Mieter aus den Altbau- und Mischgebieten
der Nördlichen Luisenstadt informieren. »Wir beraten auch

zu normalen Mieterhöhungen oder bei Betriebskostenabrechnungen«. Aber das hat sich im Gebiet noch nicht ausreichend herumgesprochen. Doch das ist wahrscheinlich
nur eine Frage der Zeit, denn der ökonomische Druck, der
hier auf dem Wohnungsmarkt lastet, ist selbst für BerlinMitte extrem. 
cs

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M I E T E R B E R AT U N G

– für die städtebaulichen Erhaltungsgebiete und das Sanierungs­
gebiet in der nördlichen Luisenstadt sowie die Mieterinnen und
Mieter von mit Hilfe öffentlicher ­Mittel umfassend sanierter Wohnungen in den ehemaligen ­Sanierungsgebieten des Bezirks Mitte:
Mo 15–18 Uhr, Stadtteilladen »dialog 101«,
Köpenicker Straße 101, 10179 Berlin
außerhalb der Sprechzeiten: (030) 44 33 81 25
– für die Milieuschutzgebiete Birkenstraße, Waldstraße, Akives
­Zentrum Turmstraße:
Mo 16–18 Uhr und Do 10–12 Uhr,
Stadtteilladen Krefelder Straße 1a, 10555 Berlin
außerhalb der Sprechzeiten: (030) 44 33 81 23
– für die Milieuschutzgebiete Leopoldplatz, Seestraße, Sparrplatz,
Aktives Zentrum Müllerstraße:
Mo 10–12 Uhr und Do 16–18 Uhr,
Vor-Ort-Büro Triftstraße 2, 13353 Berlin
außerhalb der Sprechzeiten: (030) 44 33 81 11
– für die Milieuschutzgebiete Humboldthain Nord-West,
­Reinickendorfer Straße, Kattegatstraße, Soldiner Straße:
Mi 10–12 Uhr, QM-Büro Pankstraße, Prinz-Eugen-Straße 1,
13347 Berlin,
Do 16–18 Uhr, QM-Büro Soldiner Straße, ­
Koloniestraße 129, 13359 Berlin
außerhalb der Sprechzeiten: (030) 499 08 44-22 /-11

Ch. Eckelt

12 —— AU S DEM BEZIRK MIT TE

E CKE TUR MSTR A SSE —— 15

SenUVK / Wall GmbH

Ch. Eckelt

14 —— AUS DEM BEZIRK MIT TE

Mehr Toiletten im
­öffentlichen Raum
Die Umsetzung des neuen Toiletten­
konzepts beginnt ­
Anfang April wurde die erste der neuen Toilettenanlagen
eröffnet, die künftig in Berlin auf öffentlichen Flächen bereitstehen. Sie ersetzen die alten City-Toiletten und sollen
noch höhere Qualitätsstandards erfüllen. Auf jeden Fall
sind sie barrierefrei zugänglich und reinigen sich nach jedem Gebrauch vollautomatisch. Bis 2022 soll zudem ihre
Anzahl in der Stadt deutlich ausgebaut werden.
Am Weddinger Leopoldplatz zum Beispiel soll bis Ende
2020 an der Stelle der City-Toilette hinter der Bushaltestelle an der Ecke Müller- und Nazarethkirchstraße eine neue
Toilettenanlage mit zwei Einzelkabinen sowie zwei kostenfrei nutzbaren Pissoirs aufgestellt werden. Bisher gibt es
dort nur eine Einzelkabine, die zwar nur den Einsatz von
10 Cent erfordert, dafür aber auch ständig belegt ist. Der
soziale Platzdienst, der dreimal in der Woche in dem Bereich aktiv ist, berichtete dem Runden Tisch Leopoldplatz
im April jedenfalls, dass er täglich rund 15 Männer anspricht, die sich trotz City-Toilette in den Hecken erleichtern. Mit der neuen Toilettenanlage wird sich das hoffentlich ändern – allerdings muss u.a. die Untere Denkmalschutzbehörde der Aufstellung noch zustimmen.
Zudem muss die neue Toilettenanlage noch angefertigt
werden. Die Firma Wall GmbH, die im vergangenen Juni
den Zuschlag für die Umsetzung des Toilettenkonzepts erhielt, produziert in ihrem Werk im brandenburgischen Vel-

ten aber zunächst einmal das Standardmodell mit nur einer Kabine. Unter anderem am Humboldthain im Wedding
und in der Moabiter Ottostraße kann man das schon besichtigen: es hat eine kompakte, quaderförmige Grundform mit einen steinernen äußeren Erscheinungsbild, das
sich ganz gut in das Stadtbild einfügt. Dazu solle es auch
Varianten mit Pissoirs, mehreren Einzelkabinen und sogar
mit Kiosk geben. Insgesamt 190 dieser neuen Toilettenanlagen sollen in einer ersten Phase bis Ende 2020 aufgestellt
werden, davon 32 an neuen Standorten. Später sollen noch
86 zusätzliche Anlagen hinzukommen, unter anderem
auch oberhalb des U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße. Zusammen mit bereits existierenden Bestandstoiletten anderer Betreiber und städtischen Anlagen wie beispielsweise
den »WC-Centern« am Alexanderplatz soll sich die Gesamt­
zahl der Toilettenanlagen im öffentlichen Raum Berlin bis
2022 auf insgesamt 366 erhöhen.
Die Ausschreibung des neuen Toilettenkonzepts war u.a.
von Behindertenverbänden stark kritisiert worden. Denn
die bisherigen City-Toiletten der Firma Wall GmbH setzten
auch im internationalen Maßstab einen neuen Standard,
weil sie mit Hilfe besonderer Zugangsschlüssel von Behinderten kostenfrei genutzt werden konnten und auch hygienisch meist deutlich attraktiver waren als ihre Vorgänger.
Allerdings wurde ihr Betrieb nach den alten Toilettenverträgen des Landes Berlin von 1993 nicht direkt aus Landesmitteln finanziert, sondern durch Werberechte im öffentlichen Raum abgegolten. Bei den neuen Ausschreibungen
wurde diese Kopplung aufgehoben. Trotz eines verbesserten Angebots an Toiletten und reduzierter Werberechte
erzielt das Land dabei einen klaren Überschuss, der auch
die gleichfalls durch Werberechte finanzierten Kosten für
den Betrieb öffentlicher Brunnen noch übersteigt: selbst
bei 366 Toilettenanlagen noch um knapp 50 Millionen Euro
pro Jahr.
cs

Aktuelle Informationen zum Gebiet finden Sie auch auf www.turmstrasse.de
und zur Entwicklung von Moabit auf www.moabitonline.de

Adressen
Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung,
Soziales und Gesundheit: Ephraim Gothe

Müllerstraße 146 /147, 13353 Berlin
(030) 9018-446 00
ephraim.gothe@ba-mitte.berlin.de
Stadtentwicklungsamt,
Fachbereich Stadtplanung

Müllerstraße 146, 13353 Berlin
Fachbereichsleiterin: Frau Laduch,
Zimmer 106, (030) 9018-458 46
stadtplanung@ba-mitte.berlin.de

Prozesssteuerung

Quartiersmanagement Moabit-West

Koordinationsbüro für Stadtentwicklung
und Projektmanagement – KoSP GmbH
Karsten Ketzner (030) 33 00 28 32
ketzner@kosp-berlin.de
Uwe Lotan (030) 33 00 28 41
lotan@kosp-berlin.de
Sprechstunden: Di 9.30–12 Uhr,
Do 15.30–18 Uhr im Stadtteilladen,
Krefelder Straße 1a, (030) 23 94 53 39
www.kosp-berlin.de
www.turmstrasse.de

Rostocker Straße 35, 10553 Berlin
(030) 39 90 71 95
qm-moabit@stern-berlin.de
www.moabit-west.de
Quartiersmanagement Moabit-Ost

Wilsnacker Straße 34, 10559 Berlin
(030) 93 49 22 25
team@moabit-ost.de
www.moabit-ost.de
Mieterberatung

Vorbereitende Bauleitplanung,
Städtebauförderung

Müllerstraße 146, 13353 Berlin
Sprechzeiten: dienstags, 9 –12 Uhr,
donnerstags, 15 –18 Uhr
stadtplanung@ba-mitte.berlin.de
Gruppenleiter: Stephan Lange
(030) 9018-436 32
Aktives Zentrum und Sanierungsgebiet
Turmstraße
Zimmer 180 /181
Annett Kufeld (030) 9018-454 36
annett.kufeld@ba-mitte.berlin.de
Dirk Kaden (030) 9018-458 22
dirk.kaden@ba-mitte.berlin.de

Geschäftsstraßenmanagement Turmstraße

die raumplaner
Di 15–18 Uhr, Fr 9–11 Uhr im Stadtteil­
laden, Krefelder Straße 1a, (030) 23 93 85 08
gsm@turmstrasse.de
www.turmstrasse.de
Stadtteilvertretung

Stadtteilladen, Krefelder Straße 1a,
10555 Berlin, (030) 23938828
Öffentliches Plenum an jedem
4. Montag im Monat
stv@stv-turmstrasse.de
www.stv-turmstrasse.de

für die Bewohner der Milieuschutzgebiete
Waldstraße und Birkenstraße
sowie des Sanierungsgebiets Turmstraße
Sprechzeiten: Mo 16–18, Do 10–12 Uhr
im Stadtteilladen, Krefelder Straße 1a,
Mieterberatung Prenzlauer Berg
(030) 44 33 81 23
www.mieterberatungpb.de

Ch. Eckelt

BILDECKE

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ECKENSTEHER

Wo der Fisch fliegt
Ostern steht vor der Tür, mithin der Karfreitag, an dem traditionell
Fisch auf den Tisch kommen soll. Nicht irgendwas Filetiertes aus
dem Tiefkühlregal des Supermarkts, sondern frischer, ganzer Fisch.
Aber wo kriegt man das noch in Berlin? Die Zeiten, an denen es im
jeden Kiez einen Fischladen gab, sind zwar gar nicht so lange her,
aber vorbei. Fisch ist inzwischen (wegen der Überfischung) sehr teuer und wird seltener verkauft; grüne Heringe, die früher als billiges
Arme-Leute-Essen auf den Tisch kamen, sieht man kaum noch.
(Noch heute gehört zu meinen Kindheitserinnerungen, wie meine
Mutter die Fischlein ausnahm und briet oder marinierte.)
Heute kann man die Fischläden in Berlin an zwei Händen abzählen.
Mit etwas Glück findet man noch hier und da auf lokalen Märkten
eine mobilen Fischstand. An den wenigen Supermarkt-Fischtheken
dominieren Lachsfilets, Forelle, Saibling. Was tun also, wenn man
nicht quer durch die Stadt fahren oder in überteuerten Geschäften
kaufen will, in denen man schon für die Lage einen satten Aufpreis
zahlt? Wehmütig denkt man an die Märkte in Mittelmeerländern mit

ihren schier endlosen Auslagen unterschiedlichster fangfrischer,
glänzender Fische und Meeresfrüchte.
Meine Rettung ist – wie so oft – der »Flying Fisch« der Familie Aktürk
in der Turmstraße 40. Der winzige Container ist ein echtes Phänomen: Ein Mann (in Stoßzeiten sind es manchmal auch zwei) springt
in atemberaubenden Tempo zwischen Fischtheke, Herdplatten und
der Auslage mit Fischbrötchen hin und her. Er verkauft Frischware
(auf Wunsch werden hier sogar noch die kleinsten Sardinchen für
den Kunden ausgenommen), tütenweise frisch frittierte Fish and
Chips (ein heiß-fettiges, aber herrliches Vergnügen) und Fischbrötchen, die er je nach Wunsch des Kunden auch schnell selbst belegt.
Gleichzeitig bereitet er auf dem kleinen Herd für Gäste an den vier
kleinen Tischen Tellergerichte zu – zack, stehen ein Teller mit frisch
gebratener Dorade und einer mit leckeren knusprigen Sardinen auf
den Tischen, mit Salat. – Stundenlang könnte man diesem kunstvollen Ballett zusehen.
Für den Karfreitag ist die Sache schon entschieden: das Sonderangebot des Tages sind Doraden, zwei Kilo für 18 Euro. Ich ziehe also
glücklich mit vier großen frischen Doraden von dannen und rechne
im Kopf schnell durch: die zwei Kilo hätten mich im REWE-Markt
mehr als das Doppelte gekostet. – Danke, Tolga Aktürk! Möge dem
Flying Fisch noch ein möglichst langes Leben mit vielen, vielen Kunden beschieden sein!
us

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PFLASTERSTEINE
Ein Platz an der Sonne

Die Gnade der Blüte

An den ersten warmen Frühlingstagen wirkt Moabit entspannt und
heiter. Besonders im Ottopark und dem östlichen Kleinen Tiergarten.
Alle Sitzkiesel sind belegt von Sonnenanbetern, Dösenden und Lesenden, Kindern, Pärchen oder kleinen Grüppchen. Vor dem Alverdes und
der Bäckerei trinken Menschen ihren Kaffee in der Sonne, Alte sitzen
auf den Bänken. – Wer einen repräsentativen Querschnitt der Moabiter
Bevölkerung sehen will, kann es hier.

An ca. zwei Wochen im Jahr mag man den Rathausvorplatz: wenn im
Frühjahr die Kirschbäume blühen. Die Zweige biegen sich unter der
üppigen Pracht, die gnädig die Rathausfront verdecken. Nach zwei
Wochen bedeckt ein rosa Blütenteppich den Boden, aber immerhin
schirmt nun das Laub die Fassade ab. Erst im Spätherbst und Winter
kommt das Elend wieder: der Blick auf die stumpfe Machtarchitektur
der Nazis samt »Führerbalkon«.
                            
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